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Panini-Hype zur Fußball-WM: Sammeln und Hoffnung in Tütchen


In Kürze:

  • Die italienische Firma Panini produziert seit 1961 Sammelbilder zum Aufkleben.
  • Bis heute stellen die Fußball-Weltmeisterschaften geschäftliche Höhepunkte dar. Ab 2034 wird sich das ändern.
  • Etwa 1.500 Euro kann ein vollständig geklebtes Sammelheft kosten.
  • Die offizielle 5-Dollar-Münze der USA und der Besuch eines der Spiele liegen in derselben Preisklasse. Andere Sammelobjekte und Erinnerungen sind deutlich günstiger.

 
Von 5.000 Followern auf über 1 Million innerhalb einer Woche? Auch das ist Fußball: Der neuseeländische WM-Spieler Tim Payne, als Verteidiger in seiner Nationalmannschaft eher auf einem hinteren Platz, wird in den sozialen Medien über Nacht berühmt.
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ kürzlich berichtete, hatte der argentinische Fußballinfluencer „El Scarso“, der auch unter dem Namen „Valen Scarsini“ bekannt ist, den Neuseeländer Payne „aufgrund seiner geringen Followerzahl in den sozialen Medien als den unbekanntesten Spieler bei der Weltmeisterschaft“ ausgemacht. Kurz darauf sei Paynes Followerzahl um 1.000 Nutzer pro Minute gestiegen. Heute hat er mehr als 1 Million Follower – und wundert sich, und alle anderen auch.
Wundern kann man sich auch bei dieser WM wieder über einen völlig anderen Trend: das Sammeln von kleinen, selbstklebenden Bildchen, auf denen die Spieler der teilnehmenden Nationalmannschaften zu sehen sind. Wer es noch nicht wusste: Dieses Sammeln ist Kult. Der Name der Sticker: Panini.

Überraschung für 1.500 Euro

Auch in den USA und Kanada, zwei der drei Gastgeberländer, sind die italienischen Traditionssammelkarten ebenfalls so bekannt wie in Europa oder Lateinamerika, allerdings mit den Porträts von Basketballern und Basketballerinnen und der NASCAR-Rennfahrer.
Allerdings: Man kauft keine Sets, sondern lässt sich von Wundertüten mit sieben Bildern pro Stück überraschen. Es geht dabei um Vorfreude und Spannung – ganz wie beim Fußball auf dem Rasen. Das offizielle Sammelheft hat aufgrund der höheren Teilnehmerzahl von Mannschaften dieses Jahr eine Rekorddicke von 112 Seiten und umfasst vollständig ausgefüllt 980 Klebchen. Etwa ein Drittel der Bilder könnte man mit viel Glück beim Kauf des Sammelheftes erhalten, wenn man keinen einzigen Spieler doppelt hat.
Für Sammler hat die diesjährige Ausgabe zudem historischen Wert: Es ist das vorletzte klassische WM-Sammelheft von Panini. Nach der nächsten WM 2030 verliert die Firma die Exklusivlizenz an den US-Konzern Fanatics. Das Magazin „FOCUS“ hat ausgerechnet, dass eine vollständige Sammlung dieses Jahr mehr als 1.500 Euro kosten kann. Dieses Geld reicht aus, um zu einem der Spiele nach Amerika zu fliegen. Kostengünstiger ist es, die Dubletten, die immer entstehen, auf einer Tauschbörse oder in den sozialen Medien mit anderen Interessierten zu teilen.
Ein Fan zeigt Panini-Bildchen, die sie Anfang Juni in Miami, Florida, USA, erworben hat.

48 teilnehmende Mannschaften führen zu einer Rekordzahl von Panini-Aufklebern: 980 Bilder sind dieses Jahr für ein vollständiges Album nötig. Dopplungen sind dabei praktisch nicht zu vermeiden.

Foto: Joe Raedle/Getty Images

Besonders auf Plattformen wie TikTok oder Reddit kursieren derzeit immer häufiger angebliche Komplettsammlungen oder PDF-Dateien mit sämtlichen WM-Stickern, warnt etwa die „Frankfurter Rundschau“ vor Internetbetrügern. Dann sind auch scheinbar schlappe 15 Dollar schlecht angelegt.

Panini: Wer und was ist das?

Das heute in 150 Ländern vertretene Unternehmen Panini wurde 1961 von mehreren Brüdern der Familie Panini in der italienischen Kleinstadt Modena gegründet. Der Ort ist eher berühmt als Opernstadt; der Tenor Luciano Pavarotti wurde hier geboren und begraben. Modena ist in der Autowelt für Ferrari- und Lamborghini-Sportwagen bekannt, die in der Region gebaut werden. Und nun auch noch Sammelklebebilder von Panini.
Das Unternehmen machte laut italienischen Medienberichten im Jahr 2021 einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro – mit Aufklebern. Am Anfang standen Sammelalben mit Blumenmotiven, hergestellt in Heimarbeit. Der Durchbruch kam nach Firmenangaben mit Aufklebebildern italienischer Fußballmannschaften.
Unvollständiges Sammelalbum zum Thema „Die Welt der Tiere“, Panini,1970.

Unvollständiges Sammelalbum zum Thema „Die Welt der Tiere“, Panini, 1970.

Bildchen mischen im Butterfass

Sammelbilder gibt es schon seit den 1850er-Jahren. „In Deutschland schreibt man den Beginn dieser Art zu werben der Firma Stollwerck zu, die schon um 1840 ihre Waren mit Serienbildern ausstattete“, ist auf einer Sammlerexpertenseite zu lesen. Die Bildchen wurden als kostenlose Werbegeschenke verteilt. Gesammelt werden konnten beispielsweise gezeichnete Bilder von Tieren aus Afrika, geschichtliche Motive oder Szenen aus den Kolonien europäischer Großmächte.
Solcherart Sammelanreize wurden spätestens ab Ende des 19. Jahrhunderts als Beilagen in Lebensmittelpackungen und Zigarrenkistchen sowie von Banken und Versicherungen verteilt. Laut Panini-Firmeninformation waren die italienischen Brüder die Ersten, die Sammelbilder kommerzialisierten. Sie verkauften ihre Bildchen in Tütchen.
Um zu verhindern, dass kein Bildchen doppelt in einer Wundertüte landete, mischten sie ihre Stickerproduktion in einem Butterfass, das der Lottozahlenmischmaschine ähnelte. Seit Jahrzehnten produziert Panini Sticker zwar zu allen möglichen Themen, etwa zu Filmen, Serien und Games, die Fußball-Weltmeisterschaften stellen aber auch für die Stickerfirma stets ein geschäftliches Highlight dar.
Bis heute knüpfen große Lebensmittelketten an die Tradition der „kostenlosen“ Sammelbilder an – solange verfügbar –, auch mit Panini-Sammelbildern zur WM. Pro 15 Euro Einkaufswert gibt es dann ein Tütchen mit zwei oder drei Stickern. Das verrät entweder etwas über die Gewinnmargen der Händler bei den Produkten des täglichen Lebens oder die eigentlichen Kosten der Klebebildchen oder beides. Doch wer Glück hat und beim passenden Händler kauft, kann darin mitunter auch signierte Karten der deutschen Nationalmannschaft finden.

Panini ist nicht allein: Was man noch sammeln kann

Auch Münzen zu Fußball-Weltmeisterschaften sind beliebte Sammlerstücke, sowohl bei Sportfans als auch unter Münzsammlern. Der Marktwert hängt meistens davon ab, ob es sich um Münzen handelt, mit denen man auch bezahlen kann, oder um reine Gedenkprägungen, sogenannte Medaillen. Anlässlich der WM 2026 kann man in den USA seit dem 4. Juni eine 5-Dollar-Münze in Gold für 1.328 Dollar erwerben. Sie wird in der offiziellen staatlichen US-Münzprägestelle hergestellt.
Heute bereits legendär ist die 10-Euro-Silberserie zur WM 2006 in Deutschland. Damals gaben die Deutschen Münzprägeanstalten zum „Sommermärchen“ eine vierteilige Serie von 10-Euro-Silbermünzen (925er Silber) heraus, darunter mit dem Brandenburger Tor als Motiv. Auch ihr Preis liegt heute deutlich über dem Nennwert.
Die weltweit erste Münze mit Fußballmotiv erschien indes schon im Jahr 1973. Sie wurde zur Fußball-WM in Deutschland im Jahr 1974 als Gedenkmünze geprägt – im karibischen Inselstaat Haiti. Grund: Haiti war „aus dem Häuschen“, da dessen Mannschaft damals überraschend lateinamerikanischer Gruppensieger wurde und so zur WM nach Deutschland fahren konnte.
Auch der Deutsche Fußballbund bietet in seinem Onlineshop zahlreiche Fanartikel zum Sammeln an, darunter nicht nur klassische Trikots, sondern etwa auch ein Basecap mit jenen vier Jahreszahlen, in denen die deutsche Nationalmannschaft Weltmeister geworden ist. Und für Kinder bietet die weltbekannte Firma, die Klemmbausteine herstellt, in diesem Jahr eine riesige Auswahl an aktuellen Spielfiguren und Motiven zur Fußball-WM 2026, einschließlich eines goldenen Pokals.

Warum wir sammeln

Die Sammelleidenschaft ist offenbar tief in der menschlichen Psychologie angelegt. Als einige Hauptgründe führt der Münchner Psychologie-Professor Dieter Frey an: „Von allen Motiven, die Menschen im Innersten bewegen und handeln lassen, gibt es kaum eins, das nicht seine Ursache im Sammeln hat. Durch das Anhäufen und Demonstrieren von Dingen unterschiedlichster Art gewinnen Menschen Orientierung“ und würden „ihre Leidenschaft“ ausleben. „Man findet so eine Insel oder Nische, auf die beziehungsweise in die man sich zurückziehen kann“, so der Psychologe.
Allen Sammlern sei viel Freude gewünscht, nicht nur individuell für sich persönlich, sondern auch im Familien- und Freundeskreis, mit dem die Begeisterung über die „Schätze“ geteilt werden kann. Und wer noch eine alte Sammlung von Panini-Stickern oder Münzen „irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden“ hat: Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, etwas aufzuräumen, einem Sammler eine große Freude zu bereiten und dabei die eigene Urlaubskasse zu füllen.
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Wie „Clans“ Deutschland ausplündern

Es vergeht fast keine Woche, kein Monat, ohne dass über sogenannte Clankriminalität in Deutschland berichtet wird. Diese Form von Verbrechen nimmt zu. Jüngster Aufreger in der „BILD“ vom 21. Mai: „Skandal in der JVA Euskirchen: Clanchef im Rolls-Royce geblitzt, als er im Knast sein sollte.“
Den arabischen, türkischen, kurdischen und Roma-„Clans“ wird oft vorgeworfen, dass sie für ihre Hunderte, manchmal auch Tausende an Personen zählenden sogenannten „Großfamilien“ Sozialhilfe beziehen, aber in Luxuslimousinen umherfahren und Villen in teuren Wohngegenden unterhalten.

Roma: Goman-Clan

Seit Jahrzehnten beschäftige der Name Goman zahlreiche Gerichte in Deutschland, berichtete „BILD“ am 22. Mai weiter. Michael Goman werde Teppichbetrug und die sogenannte „Enkeltrick“-Masche bei alten Menschen, mit der er sie um Millionen geprellt haben soll, vorgeworfen.
Der Clanchef Goman lebe mit seiner „Großfamilie“ „in Pomp und Protz“. Zuhause gebe es „goldene Türgriffe“, berichtete vor einem Jahr „SPIEGEL TV“. Dennoch hätten Goman und seine Verwandtschaft stets Sozialhilfe erhalten und damit möglicherweise Sozialbetrug begangen.
2019 war Goman vom Landgericht Köln wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Der „Goman-Clan“ ist die Bezeichnung für eine unter anderem in Deutschland, insbesondere in Leverkusen, ansässige Roma-Großfamilie, die ursprünglich aus Osteuropa stamme.

Arabische Clans

Seit Jahren schaffen es Angehörige meist arabischstämmiger Großfamilien mit spektakulären Verbrechen in die Schlagzeilen. Laut „Berliner Morgenpost“ sei neben Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen „Berlin dabei unumstritten eines der großen Clanzentren in Deutschland“. Besonders der Bezirk Neukölln gelte „hier als Revier der primär kurdisch- und arabischstämmigen Großfamilien, deren Mitglieder durch Verbrechen vielfach zu Reichtum, Macht und Einfluss gekommen sind“, so die Zeitung.
Viele Familien kämen aus dem Libanon. Der dortige Bürgerkrieg in den Jahren 1975 bis 1990 habe viele zur Flucht nach Deutschland veranlasst. Obwohl Mitglieder dieser Clans auch dort schon kriminell aktiv gewesen seien, sähen Kritiker deren „Hinwendung zum Verbrechen als Ergebnis verfehlter deutscher Integrationspolitik“, so die Zeitung weiter.
„Seit den großen Flüchtlingswellen seit 2015“ kämen neuere Clans aus Tschetschenien, Afghanistan und Syrien hinzu.

Syrer: Neue Clankriminalität

Am 22. April gab das Landeskriminalamt Sachsen bekannt, dass die Polizei „im Rahmen der Bekämpfung der Clankriminalität“ eine Großrazzia in acht Bundesländern durchgeführt habe.
Die fünf Verdächtigen, allesamt Syrer, sollen rund 1,7 Millionen Euro Schaden verursacht haben. Es gehe um Steuerhinterziehung und Hehlerei. Insgesamt seien 52 Immobilien durchsucht worden. Allerdings sei nur ein Haftbefehl vollstreckt worden, teilte das LKA mit.

Libanesen: Remo-Clan

Hierzulande wurde am bekanntesten der Remmo-Clan, von dem zahlreiche Mitglieder in den vergangenen 25 Jahren als Intensivtäter identifiziert wurden. Ursprünglich in Südostanatolien beheimatet, wanderten rund 500 bis 1.000 Familienmitglieder über den Libanon nach Deutschland ein.
Dies berichtete der „SPIEGEL“ im Jahr 2020. In dem Artikel wird zudem angesprochen, dass im Jahr 2017 „ein Staatsanwalt ihrer Sippe über 1.000 Straftaten – vorwiegend Einbrüche und Diebstähle – mit einer Schadenssumme von über 28 Millionen Euro“ zugeschrieben habe. Erstmals auffällig geworden sei der Remmo-Clan 1992, als zwei Mitglieder in Berlin einen jugoslawischen Gastwirt erschossen.
Im Oktober 2008 fuhr der damals 19-jährige Ibrahim Remmo mit einem BMW am Potsdamer Platz in Berlin einen Rentner tot und beging Fahrerflucht. Zwei Monate später brach er mit seinem Bruder Bilal in eine Drogerie ein. Bei der anschließenden Verfolgung durch die Polizei prallten die beiden Brüder mit ihrem Auto gegen einen Baum und starben.
„Die Beerdigung glich einem Prominentenbegräbnis: Intensivtäter aus Neukölln, Clanfreunde aus Schöneberg, Serienräuber aus Wedding“, erinnerte der „Tagesspiegel“ im Jahr 2018 an diesen Vorfall.
Zahlreiche Mitglieder des Remmo-Clans sind in den vergangenen 25 Jahren wegen schwerer Körperverletzung von Polizisten, Drogenhandel, „Schutzgeld“-Erpressung, Raub, Geldtransportüberfall, Geldwäsche, Hehlerei, illegalem Waffenbesitz und Waffenhandel und Terrorisierung ihrer Nachbarschaft angeklagt worden.

„Meisterdiebe“ im Museum

All dies wirkt gemessen an den Jahrhundertdiebstählen jedoch wie Bagatellen. Den ersten spektakulären Diebstahl führte Tofiq Remmo aus. Er brach im Jahr 2014 in eine Sparkasse in Berlin-Mariendorf ein und erbeutete mehr als 9 Millionen Euro.
Am 27. März 2017 wurde im Berliner Bode-Museum die 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ im reinen Metallwert von fast 4 Millionen Euro gestohlen. Vier Verdächtige wurden gefasst – drei von ihnen waren Remmos. Die Münze ist bis heute verschwunden. Im Juli 2021 wurden die Täter zu Haftstrafen und der Clan zur Zahlung von 3,3 Millionen Euro verurteilt.
Dies hielt den Intensivtäter-Clan jedoch nicht davon ab, im November 2019 einen noch spektakuläreren Raubzug im Dresdner „Grünen Gewölbe“ des Residenzschlosses zu begehen. Aus der Staatlichen Kunstsammlungen stahlen sie Teile von drei historischen Juwelengarnituren aus der Zeit August des Starken, deren Wert von Kunstexperten von mindestens Hunderte Millionen bis zu 1 Milliarde eingeschätzt wurde.
Fünf Remmo-Mitglieder, die allesamt die deutsche Staatsangehörigkeit haben, wurden festgenommen und im Mai 2023 zwischen vier und sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Einer der Täter war auch am Raub im Bode-Museum beteiligt und nennt sich laut „Sächsischer Zeitung“ selbst „Meisterdieb“.

Palästinenser: Abou-Chaker

Große Bekanntheit erlangte auch der palästinensische Abou-Chaker-Clan. Vor allem in Verbindung mit dem Rapper Bushido, der in Wahrheit Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt.
Zunächst gründete der Clanchef Arafat Abou-Chaker im Jahr 2004 gemeinsam mit Bushido ein Plattenlabel, 2007 wurde Arafat auch Manager des Rappers. 2018 kam es zum Bruch und es begann ein Rechtsstreit zwischen beiden, der erst im Januar dieses Jahres zum vorerst letzten Urteil zwischen Bushido und Abou-Chaker führte. Arafat muss 1,78 Millionen Euro an den einstigen Rapper zahlen. Ginge es nur um diese Geschichte, läge keine Clankriminalität vor.
Aber: Auch die Abou-Chaker-„Großfamilie“ zog während des libanesischen Bürgerkriegs nach West-Berlin. Eine Reihe von Mitgliedern wurde bald polizeibekannt: durch „Schutzgeld“-Erpressungen, Drogen- und Waffenhandel, Geldwäsche, Raubüberfälle, Diebstähle und Zuhälterei sowie durch auffällig viele Körperverletzungsdelikte.
Arafat Abou-Chaker stellt sich gerne in der Öffentlichkeit als „Opfer“ dar. Am 22. Mai etwa stand er dem Podcaster Ben Berndt zu einem ausführlichen Gespräch zur Verfügung und behauptete: „Der Staat ist der größte Clan.“
Der Abou-Chaker-Clan löst fast monatlich in Berlin groß angelegte Polizeieinsätze aus. Zum Beispiel am 19. April. Die „BILD“ titelte: „Polizei-Großeinsatz. Clanschlägerei nach Boxkampf in Berlin“ und berichtete über eine öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung des Abou-Chaker-Clans mit dem Miri-Clan.

Kurden: Miri-Clan

Laut „Berliner Morgenpost“ kam der kurdisch-stämmige Miri-Clan ebenfalls infolge des Libanon-Krieges nach Deutschland und sei neben Berlin vor allem in Niedersachsen aktiv.
Clanchef Ibrahim Miri geriet in die Schlagzeilen, „als er nach seiner Abschiebung 2019 medienwirksam wieder nach Deutschland zurückkehrte und Asyl beantragte, berichtete damals der „Deutschlandfunk“, „trotz eines siebenjährigen Einreiseverbots“.
Der Kölner Sender damals weiter: „Miri ist Oberhaupt einer Großfamilie, von denen mehrere Hundert Mitglieder schon im Visier der Justiz standen. Er war Chef des verbotenen Rockerclubs Mongols, wird mit Erpressung, Waffenhandel und anderen Delikten in Verbindung gebracht. 2014 wurde er wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt. Vor einem Jahr kam er auf Bewährung frei.“
Vor drei Jahren berichtete die „tagesschau“ über ein weiteres Clanmitglied: Heisem Miri. „Sein Fall gilt als beispielhaft“, ist in dem Artikel zu lesen: „17 Staatsanwaltschaften hatten den Mann, der in Deutschland mit zahlreichen Aliasnamen agierte, über die Jahre zur Fahndung ausgeschrieben.“
Er wird verdächtigt, 2009 im Auftrag seiner Familie einen sogenannten Ehrenmord bei Bremen begangen zu haben. Danach verschwand er in die Türkei. Doch der türkischen Polizei soll es dreimal nicht gelungen sein, ihn festzunehmen. Rechtshilfeersuchen seitens Deutschlands seien aus der Türkei unbeantwortet geblieben. Laut der „tagesschau“ sei die Türkei ein „Exil für Clankriminelle“.

„Urvater der Clankriminalität“: Al-Zayn

Ins gleiche Profil passt der zweite kurdisch-libanesische Al-Zayn-Clan, auch El-Zein genannt. Beide, der Miri- und der Al-Zayn-Clan, begingen 2014 einen spektakulären Raub im Berliner Luxuskaufhaus „KaDeWe“.
Mahmoud Al-Zayn gilt als Clanchef der Al-Zayns. Nach zahlreichen Haftstrafen reiste er 2021 nicht in den Libanon, den er als Geburtsland angegeben hatte, aus. Vielmehr flog er in die Türkei, plötzlich „ausgestattet mit einem türkischen Pass auf seinen im türkischen Melderegister eingetragenen Namen“, berichtete der Berliner „Tagesspiegel“.
Ende 2024 setzte er vor einem Berliner Gericht seine Wiedereinreise durch, obwohl laut „Tagesspiegel“ seit 2005 70 Strafverfahren gegen den Clanchef geführt worden seien.
Das Blatt weiter: „El-Zein ist gewissermaßen der Urvater der Clankriminalität in Berlin, hatte in der Unterwelt großen Einfluss und Macht. Er steht zugleich für das jahrzehntelange Versagen der Behörden im Umgang mit kriminellen Clanmitglieder.“ Laut „Berliner Morgenpost“ ist der Al-Zayn-Clan in Berlin „einer der größten“.

Sie sind Deutsche

„Wo liegen die Schwierigkeiten im Kampf gegen die Clans?“, fragte vergangenes Jahr die „Morgenpost“ und gab als Antwort: „In der Regel sind die Clanmitglieder deutsche Staatsbürger, die man schlicht nicht abschieben kann. Viele andere sind außerdem staatenlos, sie können also nach deutschem Recht selbst als verurteilte Straftäter nur ausgewiesen werden, wenn man ihnen ihr Herkunftsland auch zweifelsfrei nachweisen kann – was in der Praxis kaum möglich ist.“
Die „Rheinische Post“ in Düsseldorf recherchierte zu den Hintergründen des Aufstiegs der Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen und kam vor drei Jahren zu dem Schluss: „Der Aufstieg der kriminellen arabischen Clans“ habe mit dem Abstieg des Ruhrgebiets begonnen. Mit den Schließungen von Zechen und Hüttenwerken seien viele Menschen weggezogen. Ganze „Straßenzüge und Wohnungen standen plötzlich leer“, so die Zeitung. Die großen arabischen „Familienverbände“ hätten diese für „einen Spottpreis“ erwerben und dort einziehen können.

Clan – was ist das?

Im August 2023 hatte die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) vorgeschlagen, „kriminellen Großfamilien“ Einhalt zu gebieten – und auch Menschen abzuschieben, die nicht straffällig geworden sind. FDP und Grüne hielten das für unrechtmäßig, die Union – heute selbst in Regierungsverantwortung – hielt Faesers Vorschlag für Heuchelei.
Während sich in der Politik, bei der Polizei und bei zahlreichen Medien der Begriff „Clankriminalität“ weitgehend eingebürgert hat, machen nun der „SPIEGEL“ und der „Deutschlandfunk“ darauf aufmerksam, dass diese Bezeichnung umstritten sei, weil sie nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Einwanderungshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisieren und diskriminieren könnte.
Unter dem Begriff „Clankriminalität“ fällt nach Definition des Landeskriminalamts NRW unter anderem folgendes: die „vom Gewinn- oder Machtstreben bestimmte Begehung von Straftaten unter Beteiligung Mehrerer, wobei in die Tatbegehung bewusst die gemeinsame familiäre oder ethnische Herkunft als verbindende, die Tatbegehung fördernde oder die Aufklärung der Tat hindernde Komponente einbezogen wird.“
Den Tätern fehle es zudem an der „Akzeptanz der deutschen Rechts- oder Werteordnung“. Von einer familiär organisierten Zusammenarbeit bei der Tatausführung könne laut LKA „ausgegangen werden, da sie zum Wohle des Clans begangen“ werde.
Neben den eigentlichen Straftaten fände durch die Clans auch eine „Besetzung des öffentlichen Raumes“ statt. Es fehle an Respekt gegenüber Polizei und Rettungsdienst.
Außerdem: „Im Gegensatz zu Strukturen der italienischen Mafia in Deutschland neigen kriminelle Clanmitglieder stets dazu, ihren Reichtum zu zeigen und mit Besitztümern zu provozieren“, berichtet das LKA.