Categories
vital wissen

30.000 Jahre älter als Gizeh? Alltag und Archäologie in Visoko


In Kürze:

  • Die Pyramiden der Ägypter und der Maya gehören zu den bekanntesten ihrer Art, sind weltweit aber nicht die einzigen.
  • Auch in Europa gibt es Pyramiden, unter anderem in Italien und Frankreich – und womöglich in Bosnien.
  • Die sogenannten bosnischen Pyramiden sollen mehrere Zehntausend Jahre älter sein als jene in Gizeh, Chichén Itzá oder Teotihuacán.
  • Widersprüchliche Forschungsergebnisse und umstrittene Deutung tun dem Tourismus in Visoko keinen Abbruch.

Die Anfahrt ist genauso unspektakulär wie der erste Eindruck: sanfte Hügel und grüne Hänge, an die über Jahrhunderte die Häuser eines bosnischen Städtchens geklebt wurden. Über der betulichen Szene thront einem grünen Kegel gleich der bewaldete Visočica-Hügel. Für Dr. Sam Osmanagić ist er mehr: konkret die „Pyramide der Sonne“ und womöglich die älteste Pyramide der Welt. Die These des Entdeckers: Es handle sich nicht um einen natürlichen Hügel, sondern um ein von Menschen geschaffenes Bauwerk, das im Laufe von Jahrtausenden überwuchert wurde.

Ein Hügel wird zur Sensation

Als Semir Osmanagić Mitte der 2000er-Jahre verkündete, die bewaldeten Hügel rund um Visoko seien in Wahrheit gigantische, von Menschen geschaffene Pyramiden, war die Reaktion gespalten. Für die einen war es eine archäologische Sensation, für die anderen ein spektakulärer Irrtum.
Heute ist die kleine Stadt südlich von Sarajevo ein Pilgerort für Neugierige, Skeptiker und Überzeugte gleichermaßen. Reisebusse rollen an, Freiwillige graben, Besucher lauschen Führungen, in denen von uralten Zivilisationen, energetischen Feldern und verborgenen Kräften die Rede ist. Und von den Ergebnissen zahlreicher Studien, die „Dr. Sam“, wie Osmanagić hier genannt wird, immer wieder auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hat. Taucht er auf, wird er gefeiert wie ein Star. Mit Hut, sandfarbener Outdoorkleidung und gebräunten Lachfältchen entspricht er einer Balkanversion von Indiana Jones.
So ist er auch dieses Mal schnell von einer Traube Menschen umringt. Viele bedanken sich bei ihm, stellen ihm Fragen und fast alle wollen ein Foto oder Selfie mit ihm machen. Sein Händedruck ist fest. Er schildert den Moment seiner „Entdeckung“ wie folgt: „Der Kompass zeigte mir, dass diese Seiten perfekt mit den Himmelsrichtungen Osten, Westen, Norden und Süden übereinstimmten. Für mich war das genug. Ich wusste, dass es sich um ein künstliches Bauwerk handelte.“

Dr. Sam und die Entdeckung von Visoko

Für ihn ist klar: Was hier liegt, sei vergleichbar mit den ebenfalls zugewucherten Pyramiden in Mexiko oder China. Nur größer. Die bosnische „Pyramide der Sonne“ ist laut Osmanagić rund 220 Meter hoch und damit höher als die wohl berühmteste Cheops-Pyramide, die mit ihren ursprünglich 146 Metern – heute knapp 10 Meter weniger – als höchste antike Pyramide gilt.
Zwischen zwei Schichten beziehungsweise Blöcken wurden fossile Rückstände gefunden, die auf ungefähr 34.000 Jahre geschätzt wurden und dem Alter der Pyramiden entsprechen sollen. Damit hätte Osmanagić in Bosnien und Herzegowina die weltweit ältesten Pyramiden gefunden. Und damit wäre auch Osmanagićs These bestätigt, dass es bereits viel früher hoch entwickelte Zivilisationen gab.
Osmanagić, der seit über 40 Jahren zu Pyramidenkulturen, Megalithanlagen und heiliger Geometrie forscht, hat mittlerweile mehr als zwanzig Bücher sowie über dreißig begutachtete Forschungsartikel veröffentlicht. Der wissenschaftliche Widerstand bleibt bis heute ungebrochen. Die European Association of Archaeologists erklärte bereits früh, es gebe keinerlei belastbare Beweise für künstlich errichtete Pyramiden. Viele Geologen sehen in den Formationen natürliche Sedimenthügel, entstanden durch tektonische Prozesse und Erosion.

Eine Wanderung auf die Spitze – oder den Gipfel?

Auf die Spitze der Pyramide der Sonne führt ein teils steiler Wanderweg. Er beginnt in der Altstadt und dauert – je nach Puste – bis zu einer Stunde. Unterwegs läuft man durch Waldstücke, vorbei an freigelegten symmetrischen Steinplatten und kleineren Grabungsstellen.
Auf dem Gipfel liegen die Überreste der alten Königsfestung Visoki Fortress. Diese Ruinen aus dem 14. Jahrhundert werden immer wieder als Begründung genannt, warum die Pyramide nicht komplett freigelegt werden darf. Grabungen am Hügel könnten mittelalterliche Schichten oder andere „echte“ archäologische Funde beschädigen, heißt es.
Der eigentliche Kern der bosnischen Pyramiden liegt jedoch nicht auf dem Hügel, sondern darunter.

Der Weg in die Tiefe

Ins „Innere der Pyramide“ führen die Ravne-Tunnel, schmale Gänge aus Erde, Kies und Holzstreben. Obwohl an den Wänden und auf dem Boden Feuchtigkeit zu sehen ist, ist kein muffiger Geruch wahrnehmbar. Stattdessen atmet man in den wohltemperierten Gängen eine klare Luft ein, selbst in den hinteren Tunneln. Die Schritte hallen hier leise wider. Besucher sprechen automatisch leiser, Männer eine halbe Oktave tiefer.
Das Tunnelsystem erstreckt sich über mehrere Kilometer – ein Labyrinth aus Gängen, Kreuzungen und Kammern. Bislang sind davon rund 3,6 Kilometer freigelegt. Laut Osmanagić sollen es insgesamt über 100 Kilometer auf sieben Ebenen sein. Man geht gebückt, dann wieder aufrecht, vorbei an verschlossenen Seitenwegen, kleinen Kammern, die als Meditationsräume gekennzeichnet sind, und auffallend glatten Wänden.
Nach wenigen Minuten verändert sich die Wahrnehmung. Geräusche verschwinden. Gespräche werden leiser. Manche Besucher setzen sich einfach an die Wand und schließen die Augen. Der Rummel um diesen sagenumwobenen Ort hat auch in den Köpfen seine Spuren hinterlassen.

Heilung unter der Erde?

Für Osmanagić ist das alles kein Zufall. Er beschreibt die Tunnel als Ort besonderer Energie, als Raum der Regeneration. Tatsächlich existieren Messungen bezüglich Luftqualität und negativen Ionen innerhalb der Tunnel. Die Stiftung von Osmanagić verweist auf ihrer Website auf Werte von bis zu 43.000 negativen Ionen pro Kubikzentimeter Luft – deutlich mehr als in gewöhnlichen Waldgebieten.
In den Tunneln wurden zudem mehrere riesige, ovale Steine gefunden. Je weiter man in das Tunnelsystem hineinläuft, desto größer werden diese Megalithen – der bisher größte Stein wiegt um die 25 Tonnen. In jeden der Steine sind verschiedene Symbole oder Runenzeichen eingeritzt. Röntgenaufnahmen hätten gezeigt, erzählen die Guides an diesen Stopps, dass sich im Inneren Quarzkristalle befinden.
Zusammen mit der hohen Anzahl an negativen Ionen werde ein messbares elektromagnetisches Feld erzeugt, das die Luft energetisch reinigt. Wenn alles stimmt, müssen sich die vermessenen Effekte der Cheopspyramide hinten anstellen.
Bis heute lockt die vermeintlich antike Heilmethode Kranke aus dem ganzen Land und aller Welt für Heilsitzungen in die Tunnel. Atmen, hoffen, heilen. Die Tunnel sind gut gefüllt. Niemand drängelt. Die Atmosphäre ist ungewöhnlich friedlich. Die gemeinsame Idee vereint ebenso wie die leisen Zweifel, die bei dem einen oder anderen vielleicht bleiben.

Ein Wirtschaftswunder für Visoko

Besonders stolz ist Osmanagić auf das, was rund um die Ausgrabungen entstanden ist. „Vor zehn Jahren war dies sumpfiges Land voller Müll“, erzählt er und zeigt auf den gepflegten Archäologischen Park rund um die Tunneleingänge. „Wir haben alles selbst aufgebaut. Ohne staatliche Gelder, ohne EU-Unterstützung.“
Kinder spielen auf den grünen Wiesen, kleine Gruppen sitzen unter Bäumen, ein Pärchen lässt die Füße im Bachlauf baumeln, weiter hinten wird die Musikanlage auf einer kleinen Bühne aufgebaut. Hier sieht man keinen einzigen, der in sein Handy starrt. Tatsächlich beschäftigt die Stiftung heute laut eigenen Angaben rund 65 Mitarbeiter: Führer, Archäologen, Arbeiter, Bürokräfte. Es finden Kongresse, Konzerte und Vorträge statt. Für Tennisstar Novak Đoković, der 2022 ein Tenniszentrum auf dem Gelände des Archäologischen Parks eröffnete, ist dieser Platz der „Himmel auf Erden“.
Finanziert werde alles durch Eintrittsgelder, seine Bücher und den Souvenirverkauf. Auch der Ort Visoko profitiert. Amira, deren alteingesessene Familie Gästezimmer („mit Pyramidenblick“) vermietet, erzählt, dass eine Familie aus Kanada, die im letzten Jahr eine Woche lang täglich die Tunnel mit ihrer kranken Tochter besucht hat, jetzt wieder kommt: diesmal für drei Wochen. „Die werden schon wissen, warum“, lacht sie und ergänzt: „Auch bevor Dr. Sam hierherkam und die Pyramiden und Tunnel freilegte, erzählten schon unsere Ältesten, dass da was los ist mit dem Visoko-Hügel. Wir stehen hier alle hinter ihm. Wer heilt, hat recht, oder?“
Für Kenan, der in einem Restaurant am idyllischen Flussufer mit Blick auf den Hügel von Visoko arbeitet, ist die Sache ebenfalls klar: keine Pyramide. „Dann hätten sie sie doch längst vollständig freigelegt“, erklärt uns der junge Mann achselzuckend. Osmanagić selbst sieht seine Erfolgsgeschichte von Widerständen begleitet. Universitäten und Museen hätten ihn von Anfang an abgelehnt. „Sie sagten: Keine Pharaonen in Bosnien. Deshalb auch keine Pyramiden in Bosnien.“

Keine Pharaonen in Bosnien?

Im Eingangsbereich des Archäologischen Parks weht eine blaue Flagge im Wind. Darauf stehen drei Worte: „Ljubav. Mir. Sloboda.“ – „Liebe. Frieden. Freiheit.“ – das sind Begriffe, die in Visoko noch häufiger fallen als wissenschaftliche oder archäologische Fachbegriffe.
Das erinnert irgendwie an das zentrale Prinzip der ägyptischen Pharaonen, die sich als Hüter der Ma’at sahen: Wahrheit, Gerechtigkeit, Ordnung, Harmonie und Gleichgewicht. Sie mussten Chaos, Isfet, bekämpfen und kosmische sowie gesellschaftliche Balance wahren. Unter südamerikanischen Pyramidenbauern galten wiederum Ayni und Munay als direktere Analogie zu Liebe und Frieden, was seinerseits Verbindungen nahelegt.
Veranstaltungstipp: Sommersonnenwende bei den bosnischen Pyramiden
Vom 14. bis 24. Juni 2026 findet in Visoko erneut das „Summer Solstice Festival“ rund um die bosnischen Pyramiden statt. Auf dem Programm stehen Vorträge, geführte Touren durch die Ravne-Tunnel, Meditationen, Yoga-Sessions und Konzerte im Park Ravne 2. Als Sprecher angekündigt sind unter anderem Semir Osmanagić sowie internationale Autoren und Grenzwissenschaftler. Weitere Informationen und das vollständige Programm gibt es hier.
Categories
gesellschaft

Griechische Privatinsel Makri sorgt mit ungewöhnlich niedrigem Preis für Aufsehen


In Kürze:

  • Insel Makri wird für relativ niedrigen Preis versteigert
  • Massive Umwelt- und Bauauflagen begrenzen Nutzung
  • Marktinteresse trifft auf rechtliche Realität

 
Diese seltene Immobilie – die Insel Makri – zeigt, wie groß die internationale Nachfrage nach griechischen Inseln weiterhin ist und wie stark rechtliche sowie ökologische Auflagen ihre Nutzung einschränken können.
Mit einer Fläche von fast 98 Hektar und einer Küstenlänge von über 7 Kilometern präsentiert sich Makri als „Juwel“ des Ionischen Meeres. Die Insel verfügt jedoch über keinerlei Infrastruktur.
Ihr Status als unbewohnte Insel und die in Griechenland geltenden Umweltschutzvorschriften schränken die Baumöglichkeiten stark ein, was den im Vergleich zum Markt für Privatinseln ungewöhnlich niedrigen Ausrufpreis erklärt.
Der für den 13. November geplante Verkauf im Rahmen einer gerichtlichen Versteigerung dürfte sowohl opportunistische Investoren als auch Liebhaber eines abgeschiedenen Rückzugsortes anziehen.

„Lächerliche Summe“ nach erfolgloser Versteigerung

Laut „Le Figaro Immobilier“ wurde die Insel auf Basis eines Ende 2021 erstellten Gutachtens auf 8 Millionen Euro geschätzt, bevor die Justiz eine erste erfolglose Versteigerung beschloss. Der neue Startpreis liegt nun bei 247.000 Euro, was im Vergleich zu den Marktstandards als „lächerliche Summe“ bezeichnet wird.
Private Inseln vergleichbarer Größe werden auf spezialisierten Plattformen üblicherweise für mehrere Millionen Euro gehandelt. Der Kontrast ist umso auffälliger, da sich Griechenland in den vergangenen Jahren als eines der erschwinglicheren Reiseziele Europas für den Kauf von Luxusferienwohnsitzen etabliert hat, ohne dabei seine spektakulärsten Lagen zu verlieren.
Auf dem griechischen Markt werden moderne Villen mit Meerblick und Pool häufig für 300.000 bis 600.000 Euro verkauft, während Luxusimmobilien auf begehrten Inseln dieses Niveau deutlich übersteigen.

Makri gehört zur Inselgruppe der Echinaden, liegt im Ionischen Meer und ist unbewohnt.

Makri wird zum Netzphänomen

Vor diesem Hintergrund erscheint der Startpreis für Makri als Anomalie, die ebenso viele Fragen aufwirft wie Begehrlichkeiten weckt.

Die Bilder und Videos, die insbesondere über das Medium Cerfia in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden, haben zur plötzlichen Bekanntheit dieser Insel beigetragen. „Wie wäre es, wenn Sie Ihre eigene griechische Insel kaufen würden? Diese private und unbewohnte Insel, ganz in der Nähe des mythischen Ithaka des Odysseus, steht für nur 247.000 Euro zum Verkauf“, fasst eine virale Nachricht zusammen.
Der Reiz des Inseltraums zu einem Preis, der unter dem einer Wohnung in vielen europäischen Hauptstädten liegt, hat eine lebhafte Diskussion um den Verkauf ausgelöst.

Käufertraum vs. regulatorische Realität

Experten weisen darauf hin, dass hinter diesem Traum strenge Vorschriften stehen. Der Erwerb einer privaten Insel in Griechenland ist ein streng geregelter Prozess. Das griechische Recht sieht strenge Bauauflagen in Küstengebieten vor, die für Standorte von ökologischem oder landschaftlichem Interesse noch einmal verschärft werden.
Im Fall von Makri „schränken bisher unterschätzte, erhebliche Umweltauflagen die Baumöglichkeiten stark ein“, wie in der in den sozialen Netzwerken geteilten Veröffentlichung betont wird.
Für auf Inselimmobilien spezialisierte Agenturen spiegelt der Ausrufpreis daher nicht nur einen Mitnahmeeffekt wider, sondern auch die Kosten dieser Auflagen für zukünftige Käufer. Das Profil des typischen Käufers entspricht eher dem eines geduldigen Investors oder einer Privatperson, die einen Rückzugsort „abseits der Zivilisation“ sucht und eine sehr eingeschränkte Nutzung der Immobilie in Kauf nimmt.
Einige sehen darin eine Chance für eine sanfte Entwicklung, die sich auf Freizeit-, Landwirtschafts- oder Naturschutzzwecke konzentriert, statt auf einen Tourismuskomplex.

Makri als Testfall

Die griechischen Behörden betonen ihrerseits die Notwendigkeit, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Attraktivität und dem Schutz der Küste zu finden. Der Fall Makri veranschaulicht diesen Kompromiss: eine mögliche Erschließung, jedoch unter strengen Auflagen, um eine massive Bebauung der noch unberührten Inseln zu vermeiden.
Die Auktion im November wird daher als Test für das Marktinteresse an außergewöhnlichen Immobilien angesehen, die ein ebenso symbolisches wie wirtschaftliches Potenzial haben.

Der Artikel erschien im Original auf www.epochtimes.fr unter dem Titel „Une île grecque en vente à prix cassé à 247.000 euros au lieu des 8 millions d’euros estimés“. (redaktionelle Bearbeitung: il)

Categories
deutschland

Draghi erhält Karlspreis – Merz appelliert an Europas „Machtmittel“

Im Krönungssaal des Aachener Rathauses ist der Karlspreis an den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank und ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi verliehen worden.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in seiner Festrede, Draghi habe den Euro „in bedrohlicher Zeit“ stabilisiert. Dabei sei der Ex-Notenbanker ein Risiko eingegangen, das auch hätte scheitern können.
Die Kürzungspolitik in Griechenland sei „hart“ aber „richtig“ gewesen, da das Land mittlerweile seine Kredite zurückzahlen könne, so Merz weiter.

Europa sei „aufgewacht“

Europa habe „die Chance, die neue Weltordnung dahin mitzugestalten“, dass in ihr „Normen und Regeln statt Willkür“ gälten, sagte der Kanzler. Europa sei „aufgewacht“ und identifiziere die „Machtmittel“, die es habe, fügte Merz mit Verweis auf die umfassende Aufrüstung hinzu.
Die Europäer entschieden selbst, wer für sie spreche „und niemand anderes“. Europa müsse auch seine „wirtschaftliche Macht“ einsetzen, um seine Interessen global durchzusetzen, forderte der Bundeskanzler.
Der Karlspreis wird seit 1950 in der Regel jährlich an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich aus Sicht des Karlspreis-Direktoriums um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben.
Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der verstorbene Papst Franziskus, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie der Ex-US-Präsident Bill Clinton. Benannt wurde der Preis nach Karl dem Großen, der wohl bereits zu Lebzeiten als „Vater Europas“ galt. (dts/red)
Categories
deutschland

Karlspreis für Mario Draghi – Merz: „Sie haben etwas riskiert“

Im Krönungssaal des Aachener Rathauses ist der Karlspreis an den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank und ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi verliehen worden.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in seiner Festrede, Draghi habe den Euro „in bedrohlicher Zeit“ stabilisiert. Dabei sei der Ex-Notenbanker ein Risiko eingegangen, das auch hätte scheitern können. Die Kürzungspolitik in Griechenland sei „hart“ aber „richtig“ gewesen, da das Land mittlerweile seine Kredite zurückzahlen könne, so Merz weiter.
Das Karlspreis-Direktorium ehrte den 78-Jährigen ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten mit dem Preis für sein Lebenswerk und seine Verdienste um Europa. Es hob dabei insbesondere sein Vorgehen als EZB-Präsident während der Schuldenkrise 2012 hervor. Draghi hatte damals versichert, die Zentralbank werde „alles tun, was nötig ist“, um den Euro zu schützen, und hatte damit die nervösen Finanzmärkte beruhigt.
„Sie haben sich in bedrohlicher Zeit um den Euro gekümmert, und Sie haben den Euro und die Währungszone stabilisiert“, sagte Merz zur Schuldenkrise 2012. Draghi habe dies „mit Mitteln, die umstritten waren“, getan. „Das war mutig. Sie haben etwas riskiert. Es hätte scheitern können. Aber es ist gelungen.“ Auch langfristig habe sich dieses Vorgehen ausgezahlt. Der Euro sei heute als Währung „unangefochten“.

Europa sei „aufgewacht“

Europa habe „die Chance, die neue Weltordnung dahin mitzugestalten“, dass in ihr „Normen und Regeln statt Willkür“ gälten, sagte der Kanzler. Europa sei „aufgewacht“ und identifiziere die „Machtmittel“, die es habe, fügte Merz mit Verweis auf die umfassende Aufrüstung hinzu.
Die Europäer entschieden selbst, wer für sie spreche „und niemand anderes“. Europa müsse auch seine „wirtschaftliche Macht“ einsetzen, um seine Interessen global durchzusetzen, forderte der Bundeskanzler.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (r) hält am 14. Mai 2026 in Aachen eine Rede anlässlich der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen 2026 an Mario Draghi (Mitte).

Foto: Sascha Schuermann/AFP via Getty Images

Weiterer Festredner war der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, dessen Land während der Schuldenkrise vor dem Staatsbankrott gestanden hatte und durch Hilfe von EU und EZB gerettet wurde.
Mitsotakis sagte, Europa insgesamt habe sich damals in einer „existenziellen Krise“ befunden. „Es gab das Risiko der Spaltung“, sagte er. Draghis „Whatever it takes“-Worte hätten hier zu einer Kehrtwende beigetragen.
Der Karlspreis wird seit 1950 in der Regel jährlich an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich aus Sicht des Karlspreis-Direktoriums um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben.
Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der verstorbene Papst Franziskus, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie der Ex-US-Präsident Bill Clinton. Benannt wurde der Preis nach Karl dem Großen, der wohl bereits zu Lebzeiten als „Vater Europas“ galt. (dts/afp/red)
Categories
ausland

In griechischer Grotte gefundene See-Drohne stammt aus der Ukraine

Eine in der vergangenen Woche in griechischen Gewässern gefundene See-Drohne stammt nach Erkenntnissen der Regierung in Athen aus der Ukraine. Die Drohne sei „mit Sicherheit“ ukrainischer Herkunft.
Sie habe eine Gefahr für die freie Schifffahrt dargestellt, sagte der griechische Verteidigungsminister Nikos Dendias am Dienstag bei einem EU-Ministertreffen in Brüssel. Er nannte die Angelegenheit „äußerst ernst“.

Drohne mit Sprengstoff beladen

Laut griechischen Medien hatte ein Fischer die Drohne am vergangenen Donnerstag in einer Grotte im Südwesten der Insel Lefkada im Ionischen Meer gefunden.
Ihr Motor sei noch gelaufen, berichtete der Sender ERT. Nach Angaben aus griechischen Militärkreisen war die Drohne mit Sprengstoff beladen. Nach Angaben der Behörden ähnelt sie den See-Drohnen vom Typ Magura, die von der Ukraine gegen russische Schiffe vor der Krim-Halbinsel im Schwarzen Meer eingesetzt werden.

Ukraine beschießt Tanker in neutralen Gewässern

Im Dezember hatte die Ukraine erstmals in „neutralen Gewässern“ des Mittelmeers einen mutmaßlichen Tanker der russischen Schattenflotte mit Drohnen beschossen, wie die Nachrichtenagentur AFP damals aus ukrainischen Geheimdienstkreisen erfuhr.
Dabei sei an dem Schiff „Quendil“ „beträchtlicher Schaden“ entstanden. Von wo der Angriff gestartet wurde und über welche Länder die Drohnen flogen, wurde nicht mitgeteilt. (afp/red)