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Alkoholverbot an vier weiteren Bahnhöfen am 1. September

Vor wenigen Wochen hat die Deutsche Bahn ein bundesweites Alkoholkonsumverbot an allen Bahnhöfen in Deutschland angekündigt, am Dienstag beginnt die Umsetzung an vier weiteren Stationen.
Der bundeseigene Konzern erhofft sich dadurch unter anderem mehr Sicherheit für Fahrgäste und Beschäftigte, auch die Sauberkeit in den Bahnhöfen soll sich verbessern.
An welchen Bahnhöfen gilt so ein Verbot, wo tritt es am Dienstag in Kraft? Und naht danach ein Alkoholverbot in allen Zügen? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wo tritt das Alkoholkonsumverbot in Kraft?

Laut Bahn gilt das Alkoholkonsumverbot ab Dienstag neu am Berliner Hauptbahnhof, der Station Berlin-Gesundbrunnen sowie in Kiel und Braunschweig.

An wie vielen Bahnhöfen gibt es das Verbot bereits?

An mehr als 30 Stationen deutschlandweit, darunter die Hauptbahnhöfe Bonn, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München.
Die Bahn hat nach eigenen Angaben bisher sehr positive Erfahrungen mit der Maßnahme gemacht: „In den Modellprojekten konnte gezeigt werden, dass deutlich weniger Müll anfällt und das Verbot auch dazu beiträgt, Gewaltkriminalität, Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss zu verringern, wie zum Beispiel am Hamburger Hauptbahnhof.“
Dadurch verbessere sich das Sicherheitsgefühl für Fahrgäste, der Reinigungsaufwand gehe zurück.

Ab wann gilt das Verbot an allen Bahnhöfen?

Bis zum 15. Oktober 2026 soll es schrittweise an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt werden. Das Konsumverbot gelte dann im gesamten Bahnhofsbereich inklusive der Bahnsteige, hieß es von der Bahn.
In einigen Kommunen zählen auch die Vorplätze dazu, die der Deutschen Bahn gehören. Ausnahmen können dort gelten, wo zum Beispiel Bahnhofsgebäude nicht der DB gehören.
In den gastronomischen Betrieben im Bahnhof darf weiterhin Alkohol verkauft und getrunken werden. Grundsätzlich ist auch erlaubt, Alkohol mit sich zu führen – nur der Konsum ist verboten.

Was passiert bei Verstößen gegen das Verbot?

Bei Verstößen erfolgt nach Angaben der Deutschen Bahn ein Platzverweis. Im Wiederholungsfall soll ein Hausverbot ausgesprochen werden.

Kann so ein Verbot überhaupt bundesweit durchgesetzt werden?

Klare Antwort: nein. Für die Durchsetzung zuständig ist die DB Sicherheit. Die Bahn müsste dort aber unzählige neue Mitarbeiter einstellen, um eine flächendeckende Kontrolle möglich zu machen. Geplant ist das nicht.
Bei den Sicherheitsbehörden ist die Bundespolizei für die Bahnhöfe zuständig, aber auch sie wird nicht einspringen können, Gewerkschaften klagen regelmäßig über Personalengpässe. Die Bundespolizei wird absehbar bei Konflikten hinzugerufen werden.
Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, wie wichtig eine konsequente Durchsetzung ist und ob das Verbot bereits eine ausreichende, abschreckende Wirkung hat. Mit den Entwicklungen an den Stationen, an denen bisher ein Alkoholkonsumverbot gilt, ist die Bahn zufrieden – und auch dort wird nicht flächendeckend scharf kontrolliert.

Besondere Herausforderung Fußball: Wie will die Bahn an Bundesliga-Spieltagen vorgehen?

An Spieltagen der Fußball-Bundesliga sind Zehntausende Fans mit der Bahn unterwegs, viele von ihnen mit Bier oder anderem Alkohol. Das neue Konsumverbot dürfte vor allem an solchen Tagen auf eine harte Probe gestellt werden.
„Um das Alkoholkonsumverbot an den Bahnhöfen durchzusetzen, gehen wir bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen mit Augenmaß vor“, teilte die DB mit. „Polizei und DB Sicherheit sind im Bahnhof sichtbar präsent und deeskalieren, falls nötig.“

Kommt als nächstes ein Alkoholverbot in allen Zügen?

Nach Angaben der Bahn ist das in den Fernzügen nicht geplant. In den Bordbistros verkauft die Bahn selbst alkoholische Getränke.
Auch mitgebrachten Alkohol könnten die Fahrgäste an Bord der Züge trinken, „sofern dies in angemessenem Rahmen geschieht und Mitreisende nicht gestört werden“. Entscheidend sei die gegenseitige Rücksichtnahme.
Im Regionalverkehr gibt es bereits jetzt sehr unterschiedliche Regelungen. Einige Verbünde, etwa in Hamburg, Köln, München oder Nürnberg, untersagen den Alkoholkonsum in den Regionalbahnen generell.
Wer eine Gefahr für andere Fahrgäste oder die Sicherheit und Ordnung des Betriebs darstelle, könne generell des Zugs verwiesen werden. Auch einige Privatbahnen setzen bereits seit vielen Jahren auf Alkoholkonsumverbote in den Zügen. (dpa/red)
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Mit 35,6 Cent doppelt so teuer wie der Durchschnitt: Deutschland hat bei G20-Staaten die höchsten Strompreise

Deutschland hat nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox unter den G20-Staaten die höchsten Strompreise. Unter den G20-Staaten sei Strom in Deutschland mit 35,6 Cent je Kilowattstunde am teuersten, zeigt eine Preisanalyse von Verivox auf Basis von Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices.
Es folgen demnach Italien mit 34,5 Cent und Großbritannien mit 32,4 Cent. Der Durchschnitt der G20-Staaten liege bei rund 16,3 Cent.
Verglichen damit sei in Deutschland der Strom mehr als doppelt so teuer. Der Abstand zu anderen großen Volkswirtschaften sei erheblich: In Frankreich koste eine Kilowattstunde 23,3 Cent und in den USA 18,3 Cent.

Steuern und Abgaben treiben den Preis

Ein wesentlicher Treiber der hohen Stromkosten in Deutschland sei eine hohe Steuer- und Abgabenlast. Laut Verivox-Daten entfallen aktuell über 60 Prozent des Strompreises in Deutschland auf Steuern, Umlagen, Abgaben und Netzentgelte.
Weitere Bestandteile des Strompreises seien Kosten für Beschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen des Lieferanten. Wirtschaftsverbände fordern seit langem, die Stromsteuer für alle Unternehmen sowie für Haushalte zu senken.
Die Strompreise in Deutschland gehörten zu den höchsten weltweit, so Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Das liege auch daran, dass die Stromproduktion selbst nur etwa ein Drittel des Strompreises für Haushalte ausmache.
Der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) gehören große westliche Demokratien wie die USA, Deutschland und Großbritannien an, aber auch autoritär geführte Staaten wie Russland und China. (dpa/red)
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35,6 Cent: Deutschland hat unter G20-Staaten die höchsten Strompreise

Deutschland hat nach einer Analyse des Vergleichsportals Verivox unter den G20-Staaten die höchsten Strompreise. Unter den G20-Staaten sei Strom in Deutschland mit 35,6 Cent je Kilowattstunde am teuersten, zeigt eine Preisanalyse von Verivox auf Basis von Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices.
Es folgen demnach Italien mit 34,5 Cent und Großbritannien mit 32,4 Cent. Der Durchschnitt der G20-Staaten liege bei rund 16,3 Cent.
Verglichen damit sei in Deutschland der Strom mehr als doppelt so teuer. Der Abstand zu anderen großen Volkswirtschaften sei erheblich: In Frankreich koste eine Kilowattstunde 23,3 Cent und in den USA 18,3 Cent.

Steuern und Abgaben treiben den Preis

Ein wesentlicher Treiber der hohen Stromkosten in Deutschland sei eine hohe Steuer- und Abgabenlast. Laut Verivox-Daten entfallen aktuell über 60 Prozent des Strompreises in Deutschland auf Steuern, Umlagen, Abgaben und Netzentgelte.
Weitere Bestandteile des Strompreises seien Kosten für Beschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen des Lieferanten. Wirtschaftsverbände fordern seit langem, die Stromsteuer für alle Unternehmen sowie für Haushalte zu senken.
Die Strompreise in Deutschland gehörten zu den höchsten weltweit, so Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Das liege auch daran, dass die Stromproduktion selbst nur etwa ein Drittel des Strompreises für Haushalte ausmache.
Der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) gehören große westliche Demokratien wie die USA, Deutschland und Großbritannien an, aber auch autoritär geführte Staaten wie Russland und China. (dpa/red)
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30.08.2026 | Schüsse bei Techno-Festival in der Schweiz | USA stellen 3,6 Millionen Dollar für Nepal bereit | Deutscher Konsul in Costa Rica verunglückt

HEUTE7:26 Uhr

Schüsse bei Techno-Festival in der Schweiz – mehrere Opfer

In Aarau im Schweizer Kanton Aargau hat die Polizei in der Nacht einen Großeinsatz gestartet, nachdem bei einer Pferderennbahn Schüsse auf eine Menschenmenge abgefeuert worden sind. Laut Polizei gibt es „mehrere Opfer“. Ob darunter Tote sind, blieb unklar. Zum dem Zeitpunkt fand dort das Techno-Festival „Aarau Rave VOL. 7“ statt. Die Feuerwehr sperrte das Gebiet großräumig ab.

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HEUTE6:56 Uhr

Präsidentin: Venezuela behält Souveränität über seine Öl-Ressourcen

Venezuela behält im Rahmen des US-Ölabkommens die Kontrolle über seine Ölvorkommen, sagt Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez. Das Abkommen soll Kapital und Technologie bringen. Mit über 303 Milliarden Barrel hat das Land die größten bekannten Erdöl-Reserven weltweit. US-Energiekonzerne reagierten bislang zurückhaltend – wegen der schlechten Infrastruktur und früherer Enteignungen ausländischer Investoren.

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HEUTE6:34 Uhr

Medien: Bahn investiert 210 Millionen Euro in „XXL-Waschprogramm“

Die Deutsche Bahn will bis 2030 insgesamt 210 Millionen Euro in ein „XXL-Waschprogramm“ für sauberere Bahnhöfe und Züge sowie mehr Sicherheit investieren. Damit werde das bestehende Sofortprogramm gegen Schmutz und Vandalismus verlängert, berichtete die „BILD am Sonntag“. Auch die Zahl der Reinigungskräfte, die in Fernzügen Toiletten säubern, soll auf 220 verdoppelt werden.

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HEUTE6:19 Uhr

USA stellen 3,6 Millionen Dollar für Katastrophenregion in Nepal bereit

Die USA haben 3,6 Millionen Dollar (3,11 Millionen Euro) an Hilfen für die Menschen in der Katastrophenregion in Nepal nach der Sturzflut bereit gestellt. Das Außenministerium teilte mit, mit dem Geld würden auch „bis zu drei Monate Nothilfe mit Lebensmitteln für bis zu 10.000 von Überschwemmungen betroffene Haushalte“ finanziert.

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HEUTE6:00 Uhr

San José: Deutscher Konsul in Costa Rica verunglückt

In Costa Rica ist der deutsche Konsul Mario Genz (53) im Freizeitzentrum am Ufer der Lagune Río Cuarto in der Provinz Alajuela verunglückt. Er geriet beim Schwimmen in der Lagune aus ungeklärter Ursache in Not, Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Genz sei „ein zertifizierter Taucher“ und ein häufiger Besucher der Lagune Río Cuarto gewesen.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen

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30.08.2026 | USA stellen 3,6 Millionen Dollar für Nepal bereit | Deutscher Konsul in Costa Rica verunglückt

HEUTE6:34 Uhr

Medien: Bahn investiert 210 Millionen Euro in „XXL-Waschprogramm“

Die Deutsche Bahn will bis 2030 insgesamt 210 Millionen Euro in ein „XXL-Waschprogramm“ für sauberere Bahnhöfe und Züge sowie mehr Sicherheit investieren. Damit werde das bestehende Sofortprogramm gegen Schmutz und Vandalismus verlängert, berichtete die „BILD am Sonntag“. Auch die Zahl der Reinigungskräfte, die in Fernzügen Toiletten säubern, soll auf 220 verdoppelt werden.

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HEUTE6:19 Uhr

USA stellen 3,6 Millionen Dollar für Katastrophenregion in Nepal bereit

Die USA haben 3,6 Millionen Dollar (3,11 Millionen Euro) an Hilfen für die Menschen in der Katastrophenregion in Nepal nach der Sturzflut bereit gestellt. Das Außenministerium teilte mit, mit dem Geld würden auch „bis zu drei Monate Nothilfe mit Lebensmitteln für bis zu 10.000 von Überschwemmungen betroffene Haushalte“ finanziert.

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HEUTE6:00 Uhr

San José: Deutscher Konsul in Costa Rica verunglückt

In Costa Rica ist der deutsche Konsul Mario Genz (53) im Freizeitzentrum am Ufer der Lagune Río Cuarto in der Provinz Alajuela verunglückt. Er geriet beim Schwimmen in der Lagune aus ungeklärter Ursache in Not, Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Genz sei „ein zertifizierter Taucher“ und ein häufiger Besucher der Lagune Río Cuarto gewesen.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen

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Knochenbrüche bei Pogacar – Saison wohl gelaufen

Tadej Pogacar saß mit blutenden Wunden an der linken Schulter und am Kopf auf dem Asphalt, dann schnappte er sich seine Rennmaschine und wollte den Traum vom Vuelta-Sieg nicht aufgeben.
Doch nichts ging mehr, die Schmerzen waren zu groß. Der Rad-Superstar stieg schließlich in den Krankenwagen und gab auf der achten Etappe der Spanien-Rundfahrt auf.
Im Krankenhaus hatte der Radstar dann die traurige Gewissheit. Die Saison dürfte für ihn gelaufen sein, denn Pogacar erlitt einen verschobenen Bruch des linken Schlüsselbeins und einen stabilen Bruch des siebten Halswirbels.
Das teilte sein UAE-Teamarzt Adrian Rotunno nach einer Untersuchung im Krankenhaus mit. Außerdem trug der Weltmeister eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Abschürfungen davon.
„Er wird eine Operation am Schlüsselbein benötigen. Dieser Eingriff wird jedoch aufgrund der bei einer Gehirnerschütterung gebotenen Vorsichtsmaßnahmen zunächst zurückgestellt“, sagte Rotunno.

32 Kilometer vor dem Ziel gestürzt

Damit ist der große Topfavorit raus. Ähnlich wie seine Rivalen Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz bei der Tour musste Pogacar nach einem heftigen Sturz bei der Vuelta aufgeben.
32 Kilometer vor dem Ziel in Xeraco war der slowenische Weltmeister nach einem Schlenker kopfüber zu Fall gekommen. Dabei hatte er noch zwei Fahrer vom Visma-Rennstall mitgerissen. Was die genaue Ursache war, blieb zunächst unklar. Womöglich ist Pogacar einem Stein am Straßenrand ausgewichen.
„Das schmerzt. Nicht das Ende, auf das irgendjemand gehofft hatte“, schrieb die Vuelta. Schnell gab es auf den Radsport-Portalen zahlreiche Genesungswünsche an Pogacar.
„Er wollte weitermachen, aber die Schulter hat unglaublich wehgetan. Er hat geblutet an der Augenbraue. Er musste genäht werden“, sagte UAE-Sportdirektor Matxin Fernandez und ergänzte mit Blick auf den Crash: „Dafür ist keiner verantwortlich. Das sind Sachen, die im Radsport passieren. Wir wissen nicht genau, was passiert ist.“

Pogacar hatte ersten Vuelta-Sieg vor Augen

Dabei war der 27-Jährige auf dem besten Weg, erstmals die Vuelta zu gewinnen. Nach drei Etappensiegen lag er vor der achten Etappe in der Gesamtwertung bereits 3:50 Minuten vor dem Spanier Enric Mas.
Die Spanien-Rundfahrt ist die einzige Grand Tour, die Pogacar in seiner Siegerliste noch fehlt. Ende Juli hatte er zum fünften Mal die Tour gewonnen, dazu gewann er 2024 den Giro d’Italia.
Nach dem Aus von Pogacar ist Mas nun neuer Spitzenreiter. Dahinter darf sich auch der viermalige Gesamtsieger Primoz Roglic Hoffnungen auf einen weiteren Erfolg machen. Die achte Etappe gewann nach 171 Kilometern von Pucol nach Xeraco der Franzose Bryan Coquard im Sprint vor Ex-Weltmeister Mads Pedersen. Kurz vor dem Zielsprint kam es noch zu einem heftigen Massensturz. Nur eine kleine Gruppe sprintete noch um den Sieg.

WM-Start in Montreal kaum möglich

Pogacar wurde nach dem Sturz ins Krankenhaus gebracht. Nach der Diagnose dürfte klar sein, dass er seinen Titel bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Montreal am 27. September kaum verteidigen kann. Bei einem Schlüsselbeinbruch ist mit einer Pause von mindestens sechs Wochen zu rechnen. Der Ausnahmekönner hatte 2024 und 2025 jeweils das WM-Straßenrennen gewonnen.
Schwere Stürze haben bei Pogacar Seltenheitswert. 2023 war der Ausnahmekönner beim Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich gestürzt und hatte dabei einen Kahnbeinbruch erlitten. Ansonsten gingen die wenigen Stürze des Tour-Champions eher glimpflich aus, wie 2025 bei der Tour. Bei Rundfahrten hatte Pogacar bei 50 Starts das Rennen auch jeweils beendet.
Am Donnerstag hatte Pogacar noch Glück, als er sich auf der Abfahrt des Puerto El Bartolo versteuert hatte und in die Botanik musste. Bei dem Vorfall konnte er sich aber auf dem Rad halten und die Fahrt sofort wieder aufnehmen.

Sturz-Aus wie Vingegaard und Lipowitz

Die Bilder erinnerten ein wenig an die Szenen seiner Rivalen Vingegaard und Lipowitz. Beide waren bei der Tour gestürzt und hatten jeweils einen Schlüsselbeinbruch erlitten. Vingegaard hat inzwischen seine Saison schon beendet. Bei Lipowitz ist noch unklar, ob er diese Saison noch einmal eingreift. (dpa/red)
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Island im EU-Referendum: Ja zu neuen Beitrittsgesprächen?

Heute geht’s für Island um Europa: In einem Referendum stimmen die Bewohner der Vulkaninsel über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen ab. Stimmen sie mit „Ja“, macht das den Weg für neue Verhandlungen mit Brüssel frei.
Bei einem „Nein“ hat die Regierung versprochen, das Vorhaben fallen zu lassen. Mehr als 270.000 Isländer sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Ein Fünftel von ihnen hat das Kreuzchen nach Angaben des isländischen Fernsehens bereits vorab gemacht.
Alles deutet auf ein enges Rennen hin. Ergebnisse wurden in der Nacht zum Sonntag erwartet. Konkret konnten die Wähler über die Frage abstimmen: „Soll Island die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder aufnehmen?“

Regierungschefin Frostadóttir will neue Gespräche

Die sozialdemokratische Regierungschefin Kristrún Frostadóttir hatte ihren Landsleuten schon bei Amtsantritt Ende 2024 eine Abstimmung über neue EU-Verhandlungen angekündigt.
Auch wenn der Ausgang des Referendums noch nichts darüber aussagt, ob Island am Ende möglicher Beitrittsgespräche auch tatsächlich Mitglied der EU würde, ging es in den Debatten der vergangenen Wochen schon viel darum, welchen Vorteil eine volle Mitgliedschaft hätte.

Die isländische Ministerpräsidentin Kristrun Frostadottir gibt am 29. August 2026 während des Referendums in einem Wahllokal in Reykjavik ihre Stimme ab.

Foto: Jonathan Klein/AFP via Getty Images

„Ich halte das für einen der wichtigsten Schritte, die wir unternehmen können, um Risiken zu verringern“, sagte Frostadóttir im isländischen Fernsehen. In unsicheren Zeiten wie diesen, in denen sich internationale Beziehungen veränderten, sei die Frage, ob ein kleines Land wie Island sich größeren Staaten und Bündnissen annähern sollte. „Wir sehen um uns herum, dass Länder in unserer Nachbarschaft durch die Europäische Union geschützt wurden.“
Wirtschaftlich ist Island bereits stark in Europa integriert: Das Land gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum und genießt die Vorteile des Binnenmarkts – hat aber bei wichtigen Entscheidungen kein Mitspracherecht.

Unternehmer: Wir können uns „selbst regieren“

Viele Isländer sehen keinen Grund für einen EU-Beitritt, weil Island ohnehin Zugang zum europäischen Binnenmarkt hat. „Wir brauchen Brüssel nicht, um uns zu regieren. Das können wir selbst“, sagte der 65-jährige Unternehmer Elias Theodorsson AFP.
„Noch vor hundert Jahren waren wir eines der ärmsten Länder Europas. Und heute sind wir eines der reichsten. Das haben wir aus eigener Kraft geschafft.“
Kehrseite des Wohlstands sind unter anderem eine hohe Inflation und steigende Zinsen. Wer ein Haus bauen möchte, zahlt gut und gerne neun Prozent an die Bank. In der EU ist die Zinsbelastung dagegen weitaus geringer. „Für meinen Haushalt würde das enorm viel bedeuten“, sagte die 32 Jahre alte Universitätsangestellte Alexandra Yr AFP.

28. August 2026: Ein Blick auf Reykjavík, Island, wobei die Hallgrimskirkja, Islands größte Kirche, emporragt.

Foto: Halldor Kolbeins/AFP via Getty Images

Angst um die Fischerei

Bereits während der Finanzkrise 2009 hatte das rund 400.000 Einwohner zählende Land einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft gestellt. Der Vorstoß verlief im Sande: Nach der Parlamentswahl 2013 legte die neue, EU-skeptische Regierung die Beitrittspläne auf Eis.
Gescheitert waren die Gespräche damals unter anderem an der Debatte um die Fischerei. Sie ist der größte Wirtschaftszweig der Insel. In diesem Bereich hat Island deshalb besonders große Sorge, seine Unabhängigkeit zu verlieren.
In einer Debatte im isländischen Fernsehen kurz vor dem Referendum versprach Regierungschefin Frostadóttir ihren Landsleuten, Island werde den Verhandlungstisch schnell wieder verlassen, sollte man nicht die volle Kontrolle über die eigenen Fischereiressourcen behalten dürfen.
Ob es überhaupt an den Verhandlungstisch geht, wird sich nach dem Referendum entscheiden. Sollten die Beitrittsgespräche letztlich zum Erfolg führen, hätte das isländische Volk noch einmal die Wahl: Für diesen Fall hat die Regierung ein zweites Referendum angekündigt, in dem die Isländer über die Mitgliedschaft abstimmen dürften. (afp/dpa/red)
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Norwegen nach König Harald: Rede des neuen König heute um 19:00 Uhr

Norwegen trauert. Auch am Tag nach dem Tod von König Harald V. ist auf den Straßen der Hauptstadt Oslo eine bedrückende Atmosphäre zu spüren.
Zwar findet jede Norwegerin und jeder Norweger einen eigenen Umgang mit der Trauer – der offizielle Ablauf nach dem Ableben eines Monarchen ist aber weitestgehend festgelegt.

Die öffentliche Trauer

Seit Samstag liegen im ganzen Land Kondolenzbücher aus, in die sich jede und jeder eintragen kann.
In Oslo gehörte Bürgermeisterin Anne Lindboe zu den ersten, die persönliche Worte an den am Freitagmorgen gestorbenen Monarchen hinterließen, wie die Zeitung „VG“ berichtete. „Du brauchtest keine Krone, um König zu sein“, schrieb sie dem Bericht zufolge.

Der Politiker Espen Barth Eide erweist am 28. August 2026 auf dem Platz vor dem Königspalast in Oslo, Norwegen, König Harald V. von Norwegen die letzte Ehre.

Foto: Rune Hellestad/Getty Images

Am Sonntag werden in zahlreichen Kirche und allen elf Kathedralen Trauergottesdienste ausgerichtet. Im Osloer Dom geht es um 11:00 Uhr los, wie die Norwegische Kirche mitteilte.
„Wir trauern um König Harald und empfinden tiefe, aufrichtige Dankbarkeit für alles, was er uns allen durch sein Leben und Wirken bedeutet“, sagt Olav Fykse Tveit, der leitende Bischof der Norwegischen Kirche.

Die Beerdigung

Wer persönlich Abschied nehmen will, kann in den kommenden Tagen die Kapelle des Schlosses besuchen. Nach einem kurzen Aufenthalt im Roten Salon des Schlosses wird der geschlossene Sarg dort bis zur Beisetzung aufgebahrt auf einem verhüllten Katafalk zu bestimmten Zeiten zu sehen sein.
Langsam sollen die Besucher nach Angaben des Hofes an dem bewachten Sarg vorbeigehen können, um Harald persönlich die letzte Ehre zu erweisen. Auf und am Sarg werden die königlichen Insignien platziert, dazu gehört auch die Krone.
Zur Beerdigung, für die noch kein Termin genannt wurde, wird es erneut eine große Trauerfeier geben, die als Staatsbegräbnis ausgerichtet wird. Der Nachrichtenagentur NTB zufolge soll die Feier im Kreis der engsten Familienangehörigen in der Schlosskapelle beginnen.
Eine ganz große Liebe: Königin Sonja und König Harald V. (Archivbild)

Eine ganz große Liebe: Königin Sonja und König Harald V. (Archivbild)

Foto: Haakon Mosvold Larsen/NTB scanpix via AP/dpa

Der Sarg mit dem König soll dann in einem Trauerzug zum Osloer Dom überführt werden. Im Anschluss soll ein weiterer Trauerzug – dann in deutlich kleinerem Rahmen – zur letzten Ruhestätte des Königs in der Kirche von Akershus folgen.
Der Zeitung „VG“ zufolge ist der Tag der Beerdigung kein offizieller Feiertag. Arbeitnehmern sowie allen Schülern soll aber gestattet werden, die Trauerfeier zu verfolgen. Um 13:00 Uhr wird es eine landesweite Schweigeminute geben.

Rede des Königs

Der neue König Haakon VIII. wird sich heute um 19:00 Uhr an das Volk wenden. Die Rede wird im Fernsehen übertragen. Am Freitag hatte der Sohn von Harald, der in der Sekunde des Todes seines Vaters den Thron übernommen hatte, die Regierungsmitglieder im Schloss empfangen.
Am kommenden Dienstag (13:00 Uhr) wird Haakon den vorgeschriebenen Eid auf die Verfassung ablegen. Die norwegische Bevölkerung kann dabei live im Fernsehen zusehen.
Eine klassische Krönungszeremonie gibt es in Norwegen nicht mehr. Haralds Vater, König Olav V., hatte 1958 eine neue Segnungszeremonie eingeführt, die Harald und seine Frau, Königin Sonja, 1991 fortführten.
Entsprechend wird eine ähnliche Zeremonie auch jetzt erwartet. Auf die Segnung folgt traditionell eine Reise durch Norwegen. (dpa/red)
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Nepal bittet um internationale Hilfe: Zahl der Toten steigt – 3.000 Menschen vermisst

Die Zahl der Toten nach der verheerenden Flutkatastrophe im Himalaya ist auf mehr als 680 gestiegen. Zugleich werden nach Angaben der Behörden in Nepal und China rund 3.000 Menschen vermisst – darunter Hunderte Ausländer.
Das Auswärtige Amt sprach auf Nachfrage zuletzt von einer „hohen einstelligen Zahl“ deutscher Staatsangehöriger, zu denen es keinen Kontakt gebe. Die deutschen Auslandsvertretungen in Nepal und China stünden mit Angehörigen und örtlichen Behörden in engem Kontakt. Unter den Vermissten sind laut der nepalesischen Tourismusbehörde mindestens acht Deutsche.
In Nepal hatte die Armee am 28. August eine vierköpfige Familie aus Deutschland gerettet. Ein Hubschrauber brachte sie in das Armeecamp Battar Bazar, weil von ihrem Aufenthaltsort über den Landweg kein Weiterkommen mehr möglich war.
Die Rettungs- und Sucheinsätze werden durch Schlamm, Geröll und Trümmer erschwert. Im Norden Nepals versuchten Hilfskräfte weiter unter Hochdruck, dutzende in einem Tunnel festsitzende Arbeiter zu befreien. Indien verstärkte die Überwachung seiner Gletscher.

Trümmer und Schlamm, die nach Sturzfluten am 29. August 2026 im Dorf DevGhat in Nepal die Siedlungen bedecken. Sowohl China als auch Nepal gaben neue Hochwasserwarnungen heraus.

Foto: Ritesh Shukla/Getty Images

In Nepal meldete die Katastrophenschutzbehörde am Samstag 675 Todesopfer und 2426 Vermisste, darunter 517 Ausländer. Für die chinesische Region Tibet sprach die staatliche chinesische Nachrichtenagentur „Xinhua“ von bislang sieben Toten und 554 Vermissten.
Indischen Behörden zufolge wurden die Leichen einiger Todesopfer von der Flutwelle bis nach Indien gespült.

Bitte um internationale Hilfe

Der nepalesische Außenminister Shisir Khanal bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Das Wichtigste sei es zunächst, so viele Menschen wie möglich zu retten. Das Ausmaß der Katastrophe übersteige die Kapazitäten der Regierung.
So seien Kühlmöglichkeiten nötig, um Leichen über längere Zeit zu lagern. Da einige Leichen bereits lange im Wasser gelegen hätten, bestehe die Gefahr einer schnellen Verwesung. Auch Gerichtsmediziner würden benötigt. Die Kosten für den Wiederaufbau gingen „in die Milliarden“.

Von den Sturzfluten am 29. August 2026 in Devighat, Nepal, zerstörte Gebäude inmitten von dickem Schlammschichten.

Foto: Ezra Acayan/Getty Images

„Die Menschen wollen die Leichen ihrer Angehörigen zurückhaben“, sagte der nepalesische Rettungshelfer Kawan Koirala erschöpft nach einer 18-stündigen Schicht. „Aber wir können sie nicht finden, man sieht ja den Schlamm“.
Auch für ihn sei die Situation „sehr traumatisch“. „Ich sehe so etwas zum ersten Mal. Überall ist Schlamm. Wir hatten in Nepal schon früher Überschwemmungen, aber nicht so wie diese.“

Anwohner: „Es ist nichts mehr übrig“

Derweil kämpfen die Rettungskräfte weiter gegen gewaltige Schlamm- und Geröllmassen, bei teils heftigem Regen, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Asien steckt derzeit noch in der normalerweise bis September dauernden Monsun-Regenzeit.
„Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle“, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet im nepalesischen Battar Bazar an der Grenze zu Tibet. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten.
Viele der Überlebenden haben Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. „Alle Siedlungen in der Nähe des Flusses wurden weggeschwemmt“, schilderte etwa Buddhi Ram Dangol der Nachrichtenagentur AFP. „Es ist nichts mehr übrig.“
„Die

Die Schlammmassen sind teils meterhoch.

Foto: Rajesh Kumar Singh/AP/dpa

„Ist da jemand?“

Auch am zerstörten Grenzübergang Gyirong bahnten sich chinesische Rettungskräfte mühsam einen Weg durch meterhohen Schlamm und Trümmer.
Immer wieder blieben sie stehen, beugten sich über Erdmassen und riefen gemeinsam: „Ist da jemand?“ Die von chinesischen Medien verbreiteten Aufnahmen zeigen, wie die Einsatzkräfte vorsichtig durch die verwüstete Landschaft gehen, mit Schaufeln in Geröllhaufen suchen und auf mögliche Lebenszeichen lauschen.
Außenminister Shishir Khanal erklärte vor Journalisten, ein indisches Team sei eingetroffen, um bei der Rettung von Arbeitern zu helfen, die in einem Wasserkraftwerkstunnel im Distrikt Rasuwa eingeschlossen seien. Ein weiteres Team aus China werde in Kürze erwartet. Die Regierung bitte um technische Unterstützung bei den komplizierten Rettungs- und Suchmaßnahmen.
Chinas Behörden beobachten weiter einen neu angestauten See.

Chinas Behörden beobachten weiter einen neu angestauten See.

Foto: Jigme Dorje/Xinhua/AP/dpa

Im Armeestützpunkt in Bidur drängten sich Angehörige um die Liste mit den Namen Geretteter an einer Wand. „Ich bin hierhergekommen, um nach meinem Sohn zu suchen“, sagte Kalka Sharda AFP. „Er hat als Arbeiter im Wasserkraftwerk gearbeitet, aber ich kann seinen Namen nicht finden, und die Behörden sagen nichts.“

Leichen sind kaum zu identifizieren

Allein im nepalesischen Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien wurden derweil 233 Leichen geborgen, von denen bislang nur vier identifiziert werden konnten, wie die dortige Bezirksverwaltung mitteilte. Viele Tote waren von der Gewalt der Wassermassen Dutzende Kilometer mitgerissen worden.
Die Leichen und menschlichen Überreste verwesten zunehmend, sagte der zuständige Bezirksbeamte Ganesh Aryal. Gesundheitsexperten warnten deshalb vor einem möglichen Risiko für die öffentliche Gesundheit.
Die Behörden ordneten nun an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von den Toten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer dann an einem Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Die Entscheidung sei bei einem Treffen der zuständigen Behörden gefallen, teilte die Bezirksverwaltung mit.
Am dritten Tag nach der Katastrophe laufen die Rettungsarbeiten weiter.

Am dritten Tag nach der Katastrophe laufen die Rettungsarbeiten weiter.

Foto: XinHua/dpa

Angst vor Infektionskrankheiten

Überhaupt wächst in den überfluteten Gebieten die Gefahr von Infektionskrankheiten. Abwasser und Fäkalien können in Trinkwasserquellen gelangen, beschädigte Latrinen und überflutete Kläranlagen verschärfen die hygienische Lage. In Notunterkünften steigt das Risiko zusätzlich, wenn es an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen fehlt. Besonders gefürchtet ist die Cholera, die durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird.
Auch die Gefahr einer weiteren Flutwelle ist noch nicht vollständig gebannt. Oberhalb des chinesischen Grenzpostens Gyirong hatte sich nach der Katastrophe ein See aufgestaut. Ein möglicher Dammbruch hätte erneut gewaltige Wassermassen ins Tal schicken können.
Nach Angaben chinesischer Behörden floss das Wasser inzwischen jedoch auf natürlichem Weg ab, wodurch sich die Gefahr deutlich verringert habe. Die Flut selbst hatte sich am Mittwoch durch das enge Flusstal zwischen Tibet und Nepal gewälzt und nach bisherigen Erkenntnissen ihren Ausgang wahrscheinlich bei einem Gletscherabbruch genommen.
Rettungskräfte suchten fieberhaft nach Toten und Vermissten.

Rettungskräfte suchten fieberhaft nach Toten und Vermissten.

Foto: Liu Shuang/Xinhua/AP/dpa

Derweil werden auch im benachbarten Indien inzwischen mögliche Opfer der Flut geborgen: Im Bundesstaat Uttar Pradesh wurden nach Berichten indischer Medien zehn Leichen aus dem Gandak-Fluss gezogen, die vermutlich aus Nepal angeschwemmt wurden. Der Fluss führt neben den Leichen auch Fahrzeuge, Hausrat und Trümmer mit sich.

Mehr als 4.400 Menschen gerettet

Aber es gibt gute Nachrichten: Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4.400 Menschen an. Laut offiziellen Angaben vom Samstagvormittag wurden bislang 149 Ausländer gerettet.
Die tödliche Flutwelle, die nach Expertenmeinung am Mittwoch in Nepal durch einen Gletschersturz ausgelöst worden war, hatte sich ihren Weg durch ein enges und steiles Flusstal gebahnt. Sie hatte dabei alles mitgerissen, was auf ihrem Weg lag. (dpa/afp/red)
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28.08.2026 | EU-Staaten für Abschiebezentren in Ruanda | Norwegen trauert um König | Heftiger Sturz: Pogacar gibt auf

HEUTE18:30 Uhr

Nach Attacken auf türkische Schiffe: Ankara bestellt ukrainischen Botschafter ein

Nach Luftangriffen auf zwei türkische Schiffe im Schwarzen Meer hat Ankara den ukrainischen Botschafter einbestellt. Attackiert wurden demnach das Containerschiff „Lider Bordo Mavi“ sowie die „Lider Kocatepe“, die dem ersten Schiff zur Hilfe gekommen war. Zu möglichen Toten oder Verletzten gibt es vom Ministerium keine Angaben.

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HEUTE18:11 Uhr

Heftiger Sturz: Radstar Pogacar muss die Vuelta aufgeben

Für Tour-de-France-Champion Tadej Pogacar ist die Spanien-Rundfahrt nach einem heftigen Sturz beendet. Der slowenische Straßenrad-Weltmeister kam auf der achten Etappe gut 32 Kilometer vor dem Ziel in Xeraco kopfüber zu Fall und musste aufgeben. Pogacar, der sich an der linken Schulter verletzte und auch eine blutende Wunde am Kopf hatte, wurde im Krankenwagen abtransportiert.
Tadej Pogacar muss nach einem Sturz bei der Vuelta aufgeben. (Archivbild)

Tadej Pogacar muss nach einem Sturz bei der Vuelta aufgeben. (Archivbild)

Foto: Philippe Magoni/AP/dpa

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HEUTE17:24 Uhr

EU-Staaten wollen Abschiebezentren in Ruanda errichten

Vertreter Deutschlands und weiterer europäischer Staaten haben in dieser Woche in Ruanda nach Angaben der dortigen Regierung Gespräche über die Einrichtung von Abschiebezentren geführt. Die Reise ging Medienberichten zufolge auf eine Gruppe von Staaten zurück, die sich selbst „die Umsetzer“ nennen. Neben Deutschland gehören ihr Österreich, Dänemark, Griechenland und die Niederlande an.

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HEUTE16:36 Uhr

Norwegen trauert um König Harald V.

Einen Tag nach dem Tod des norwegischen Königs Harald V. sind zahlreiche Norweger in Rathäuser im ganzen Land geströmt, um sich in dort ausgelegte Kondolenzbücher einzutragen. Vor dem Königspalast in der Hauptstadt Oslo war ein Blumenmeer zu sehen; die Flaggen wehten landesweit auf Halbmast. Der neue König Haakon VIII. sollte am Abend eine Fernsehansprache zum Gedenken an seinen Vater halten.
Norwegens König Haakon, Königin Mette-Marit und Kronprinzessin Ingrid Alexandra begleiten den Sarg mit König Harald V. in einem Trauerzug von der Kapelle des Nationalkrankenhauses durch Oslo zum Königspalast.

Norwegens König Haakon, Königin Mette-Marit und Kronprinzessin Ingrid Alexandra begleiten den Sarg mit König Harald V. in einem Trauerzug von der Kapelle des Nationalkrankenhauses durch Oslo zum Königspalast.

Foto: Thomas Andersen/NTB/dpa

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HEUTE15:28 Uhr

Medien: Airbus will US-Raumfahrtsparte verkaufen

Der europäische Flugzeugbauer Airbus erwägt, seine Raumfahrtsparte in den USA zu verkaufen. Airbus wolle sich künftig auf die geplante Zusammenarbeit mit Thales und Leonardo in Europa konzentrieren, berichtete die britische Zeitung „Financial Times“. Das Unternehmen sondiert demnach, ob es potenzielle Käufer für seine US-Aktivitäten gibt.

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HEUTE14:29 Uhr

Medien: Bundesregierung sieht offenbar Russland hinter Drohnenvorfall in Leipzig

Die Bundesregierung sieht Russland hinter dem Drohnenvorfall in Leipzig. Berlin plane, in den kommenden Tagen Moskau offiziell für den versuchten Sprengstoffdrohnenanschlag von Anfang August verantwortlich zu machen, berichteten die „Welt an Sonntag“ und das Portal „Politico“ am Samstag unter Verweis auf „drei mit dem Vorgang vertraute Personen“.

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HEUTE13:37 Uhr

VW: Szenario von über 100.000 Jobverlusten wird unwahrscheinlicher

Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf mehrere Insider berichtet, wird inzwischen nicht mehr damit gerechnet, dass bis 2030 mehr als 100.000 Jobs bei VW in Deutschland wegfallen. Laut Konzernchef Oliver Blume sollten eher rund 75.000 Stellen bis 2030 abgebaut werden.

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HEUTE13:00 Uhr

Mindestens 27 Todesopfer bei schwerem Verkehrsunfall in Simbabwe

Beim Zusammenstoß zwischen einem mit Gläubigen besetzten Kleinbus und einem Lastwagen sind in Simbabwe mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Der Unfall ereignete sich  am Freitagabend nahe dem Ort Chivhu rund 140 Kilometer südlich der Hauptstadt Harare. Der Lastwagen überholte demnach gerade ein Fahrzeug, als er frontal mit dem entgegenkommenden Kleinbus zusammenstieß.

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HEUTE12:24 Uhr

SPD- und Grünen-Politiker fordern Verbot radikaler AfD-Landesverbände

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) forderten in einem FAZ-Gastbeitrag Verfahren insbesondere gegen die radikalsten AfD-Landesverbände. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) unterstützte dies, die Grünen-Politikerin Irene Mihalic forderte hingegen ein Verbotsverfahren gegen die gesamte AfD.

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HEUTE11:12 Uhr

Explodiertes Munitionslager: 27 Tote bei Kiew

Bei einem russischen Drohnenschlag auf ein Munitionslager sind unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew mindestens 27 Menschen getötet worden. „Es gibt erhebliche Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser sowie ein Senioren- und Behindertenheim wurden beschädigt“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram.
Kiew und das Umland kommt wegen ständiger Luftangriffen seit Tagen nicht zur Ruhe.

Kiew und das Umland kommt wegen ständiger Luftangriffen seit Tagen nicht zur Ruhe.

Foto: Ukrainian Emergency Service/via Ap/dpa

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HEUTE10:05 Uhr

Arbeitsministerin offen für Übergangsfrist bei „Rente mit 63“

In der Debatte um die Abschaffung der „Rente mit 63“ zeigt sich Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) offen für eine Übergangsfrist von etwa fünf Jahren. Die Vorsitzende der Rentenkommission, Constanze Janda, habe einen Zeitraum von fünf Jahren genannt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besteht hingegen auf der Abschaffung der „Rente mit 63“, obwohl mehrere CDU-Ministerpräsidenten dagegen sind.

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HEUTE9:17 Uhr

Schüsse und Explosionen nahe Militärstützpunkt in Nigers Hauptstadt

In Nigers Hauptstadt Niamey hat es in der Nacht zum Samstag und am Morgen Schüsse und Explosionen insbesondere in der Umgebung eines Militärstützpunktes am internationalen Flughafen gegeben. Die Hintergrunde zu den Schüssen waren zunächst unklar. Es gab auch keine offizielle Stellungnahme.

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HEUTE8:25 Uhr

Bundesumweltminister Schneider will Wiedervernässung von Mooren beschleunigen

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will die Wiedervernässung von Mooren vorantreiben und das Gesetz zur natürlichen Infrastruktur schnellstmöglich umsetzen. Für das Wiedervernässungsprogramm stünden in den nächsten Jahren 1,7 Milliarden Euro bereit.

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HEUTE8:03 Uhr

VW will bis Jahresende erste Million Batteriezellen produzieren

Volkswagen will ab Mitte September in seiner neuen Batteriezellenfabrik im niedersächsischen Salzgitter die Großserienproduktion starten. Bis Jahresende wolle man mindestens eine Million Batteriezellen fertigen, ausreichend für 10.000 E-Autos, sagte Frank Blome, Chef der VW-Batteriesparte PowerCo.

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HEUTE7:03 Uhr

Mehr als 600 Tote nach Himalaya-Sturzflut

Drei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 600 gestiegen. Bislang seien 616 Tote gefunden worden, teilte die nepalesische Polizei am Samstag mit. Das Auswärtige Amt in Berlin sprach am Freitag von einer „hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsbürger unter den Vermissten“.
Die Flut hatte enorme Schlammmassen mit sich gebracht.

Die Flut hatte enorme Schlammmassen mit sich gebracht.

Foto: Ambir Tolang/JNA via ZUMA Press Wire/dpa

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HEUTE6:44 Uhr

Halbleere Gasspeicher: Wirtschaftsweise Grimm sieht noch keinen Handlungsbedarf

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht mit Blick auf die halbleeren Gasspeicher in Deutschland noch keinen akuten Handlungsbedarf. Derzeit sind die deutschen Speicher im Schnitt nur zu knapp 52 Prozent gefüllt. Die niedrigeren Füllstände schüren die Sorgen um die Versorgungssicherheit im Winter und die Preisentwicklung.

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HEUTE6:33 Uhr

Trump verkündet „größten Öl-Deal in der Weltgeschichte“ mit Venezuela

US-Präsident Donald Trump hat ein bedeutendes Öl-Abkommen mit der Regierung in Caracas verkündet. Die Vereinigten Staaten erhielten mit der Vereinbarung die Mehrheitskontrolle über 65 Milliarden Barrel aus den venezolanischen Erdölvorkommen, erklärte Trump am Freitag (Ortszeit). Dies sei „der größte Öl-Deal in der Weltgeschichte“.

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HEUTE6:18 Uhr

US-Behörde ICE plant Einsatz von Roboter-Hunden

Die US-Einwanderungsbehörde ICE will künftig hundeähnliche Roboter einsetzen und dafür bis zu zwei Millionen Dollar ausgeben. Die Firma Boston Dynamics solle noch in diesem Jahr den Zuschlag erhalten. Die ferngesteuerten Roboter seien für Lageerfassungen und Gefahrenbewertungen gedacht.

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HEUTE6:10 Uhr

Schneider fordert faire Zölle auf China-Hybride

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) fordert bei der Einfuhr chinesischer Plug-in-Hybride vergleichbare Zölle wie bei reinen Elektroautos. Er fordert „faire Wettbewerbsbedingungen“. Dies sei momentan nicht der Fall, allein schon wegen der massiven Unterbewertung der chinesischen Währung, sagte Schneider der „Rheinischen Post“.
HEUTE5:44 Uhr

AfD-Nachwuchsorganisation trifft sich zu Bundeskongress in Magdeburg

Eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt kommt die AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland am Samstag in Magdeburg zu ihrem zweiten Bundeskongress zusammen (10.00 Uhr). Auf der Tagesordnung stehen Nachwahlen zu vakanten Vorstandsämtern sowie Satzungsänderungen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird eine Rede halten.
Mit Material von Nachrichtenagenturen

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Klicks, Likes, Meinungsmacht – Wie soziale Medien uns steuern


In Kürze:

  • Ob wir etwas für richtig halten, basiert selten auf Fakten, sondern oft darauf, wer etwas sagt – und wie oft wir es schon gehört haben.
  • Ein Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen, er beobachtet unser Verhalten. Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil.
  • Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.

 
„Ich bilde mir meine Meinung selbst.“ Kaum ein Satz wird häufiger ausgesprochen, wenn es um soziale Medien geht. Die meisten Menschen sind überzeugt, sie könnten zwischen Wahrheit und Manipulation unterscheiden, Werbung erkennen und sich von emotionalen Botschaften nicht beeinflussen lassen. Genau darin liegt jedoch das eigentliche Problem.
Aus psychologischer Sicht gehören die sozialen Medien zu den wirksamsten Beeinflussungsinstrumenten, die der Mensch jemals entwickelt hat. Nicht, weil sie Menschen zwingen, etwas zu glauben oder zu kaufen. Sondern weil sie unser Gehirn genau dort ansprechen, wo wir besonders empfänglich sind: bei unseren Gefühlen, Bedürfnissen und unbewussten Denkprozessen.
Manipulation in sozialen Medien funktioniert selten durch offensichtliche Lügen. Sie wirkt subtil, schleichend und meist unbemerkt. Sie verändert nicht nur unsere Kaufentscheidungen, sondern auch unser Weltbild, unsere Beziehungen und sogar unser Selbstwertgefühl.

Unser Gehirn liebt einfache Lösungen

Das menschliche Gehirn verarbeitet täglich Millionen von Informationen. Um dabei nicht permanent überlastet zu sein, arbeitet es mit sogenannten Heuristiken – mentalen Abkürzungen. Diese ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig berechenbar.
Anstatt jede Information kritisch zu prüfen, orientieren wir uns häufig an einfachen Signalen:
  • Wie viele Menschen teilen einen Beitrag?
  • Wie viele Likes hat ein Video?
  • Wer hat den Inhalt veröffentlicht?
  • Passt die Botschaft zu dem, was ich ohnehin glaube?
Diese Denkabkürzungen sind grundsätzlich sinnvoll. Ohne sie könnten wir unseren Alltag kaum bewältigen. Doch genau diese Mechanismen machen soziale Medien so wirkungsvoll.

Aufmerksamkeit ist die eigentliche Währung

Viele Menschen glauben, soziale Netzwerke seien kostenlose Plattformen zum Austausch von Informationen. Tatsächlich verfolgen sie jedoch ein anderes Ziel: unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Je länger wir auf einer Plattform bleiben, desto mehr Werbung kann angezeigt werden.
Deshalb konkurriert jeder Beitrag mit tausenden anderen um einen begrenzten Rohstoff – unsere Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit gewinnt man nicht durch Sachlichkeit. Sie gewinnt, wer Emotionen erzeugt.
Angst, Empörung, Wut, Begeisterung oder Neugier aktivieren unser Gehirn wesentlich stärker als nüchterne Fakten. Deshalb verbreiten sich emotionale Inhalte meist schneller als differenzierte Erklärungen.

Das Smartphone und die sozialen Medien fesseln die Aufmerksamkeit vieler Menschen.

Foto: Visions/iStock

Der Dopamin-Effekt

Jeder Like, jeder Kommentar und jede neue Benachrichtigung aktiviert unser Belohnungssystem. Dabei spielt der Neurotransmitter Dopamin eine entscheidende Rolle. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist Dopamin weniger das „Glückshormon“ als vielmehr ein Botenstoff, der Erwartungen und Motivation beeinflusst.
Besonders stark reagiert unser Gehirn auf unvorhersehbare Belohnungen. Genau dieses Prinzip nutzen soziale Medien. Manchmal erhält ein Beitrag viele Reaktionen. Manchmal fast keine.
Diese Unvorhersehbarkeit hält uns am Bildschirm. Psychologisch ähnelt dieses Belohnungsmuster dem Prinzip eines Spielautomaten. Nicht jede Handlung wird belohnt – aber gerade deshalb prüfen wir immer wieder unser Smartphone.

Der Vergleich macht unglücklich

Der Mensch vergleicht sich ständig mit anderen. Früher beschränkte sich dieser Vergleich auf Familie, Freunde oder Kollegen. Heute vergleichen wir uns mit Millionen Menschen gleichzeitig.
Dabei sehen wir jedoch nicht deren Realität. Wir sehen deren Highlights. Perfekte Urlaubsbilder. Erfolgreiche Karrieren. Trainierte Körper. Glückliche Partnerschaften. Unser Gehirn vergisst dabei leicht, dass diese Bilder sorgfältig ausgewählt, bearbeitet und inszeniert wurden. Die Folge sind Selbstzweifel.
„Warum bin ich nicht so erfolgreich?“ „Warum sehe ich nicht so aus?“ „Warum scheint mein Leben weniger spannend zu sein?“ Besonders Jugendliche reagieren empfindlich auf diesen permanenten sozialen Vergleich.

Das, was wir in den sozialen Medien zu sehen bekommen, muss nicht immer die Realität sein.

Foto: Aziz Shamuratov/iStock

Der Algorithmus kennt uns besser, als wir glauben

Viele Nutzer entscheiden scheinbar selbst, welche Inhalte sie konsumieren. Tatsächlich entscheidet zunehmend der Algorithmus. Er analysiert:
  • welche Beiträge wir länger ansehen,
  • welche Videos wir bis zum Ende anschauen,
  • worauf wir klicken,
  • welche Themen uns emotional bewegen,
  • mit welchen Personen wir interagieren.
Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil. Der Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen. Er beobachtet unser Verhalten und das ist oft aussagekräftiger als Worte.

Wiederholung schafft Glaubwürdigkeit

Ein besonders wirkungsvoller psychologischer Effekt ist die sogenannte Filterblase. Menschen bevorzugen Informationen, die ihre bestehende Meinung bestätigen. Psychologen sprechen vom Bestätigungsfehler (Confirmation Bias).
Algorithmen verstärken diesen Effekt zusätzlich. Wer sich für ein bestimmtes Thema interessiert, erhält mehr Beiträge dazu. Wer häufig politische Inhalte einer Richtung konsumiert, bekommt immer mehr ähnliche Meinungen angezeigt. Mit der Zeit entsteht der Eindruck: „Alle denken so“. Tatsächlich sieht man jedoch lediglich einen kleinen, algorithmisch ausgewählten Ausschnitt der Wirklichkeit.
Hinzu kommt, eine Aussage muss nicht wahr sein, um glaubwürdig zu wirken. Es genügt oft, sie häufig genug zu hören. Psychologen nennen dieses Phänomen den „Illusory Truth Effect“. Je vertrauter uns eine Behauptung erscheint, desto eher halten wir sie für richtig.
Soziale Medien verstärken auch diesen Effekt enorm. Ein Satz wird geteilt. Kommentiert. Als Bild veröffentlicht. Als Video erzählt. Oder als Meme verbreitet. Irgendwann erscheint er selbstverständlich. Nicht weil Beweise vorliegen. Sondern weil unser Gehirn Vertrautheit mit Wahrheit verwechselt.

Geschäftsmodelle mit Vertrauen und Angst

Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen. Unser Gehirn entwickelt zu bekannten Gesichtern sogenannte parasoziale Beziehungen. Wir erleben das Gefühl, jemanden zu kennen, obwohl keinerlei persönliche Beziehung besteht.
Dadurch wirken Empfehlungen glaubwürdiger. Nicht, weil sie objektiver wären. Sondern weil Vertrauen entstanden ist. Deshalb können Produktempfehlungen oder Meinungsäußerungen von Influencern einen erstaunlich großen Einfluss entfalten.

Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen und bauen Vertrauen auf.

Foto: pondsaksit/iStock

Großen Einfluss haben auch negative Nachrichten, die sich regelmäßig schneller verbreiten als positive. Das ist evolutionsbiologisch nachvollziehbar. Unsere Vorfahren mussten Gefahren möglichst schnell erkennen. Deshalb reagiert unser Gehirn besonders aufmerksam auf Bedrohungen.
Überschriften wie „Das verschweigt man Ihnen“, „Sie werden belogen“ und „Bevor es zu spät ist …“ aktivieren sofort unsere Aufmerksamkeit. Nicht jede alarmierende Überschrift ist falsch. Aber jede nutzt denselben psychologischen Mechanismus.

Die Macht der Empörung

Mit anderen Worten: Empörung erzeugt Reichweite. Je stärker wir emotional reagieren, desto eher kommentieren, teilen oder diskutieren wir Inhalte. Für Plattformen bedeutet das: Mehr Interaktion. Mehr Aufmerksamkeit. Mehr Werbeeinnahmen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, in dem extreme Meinungen häufig sichtbarer werden als ausgewogene Positionen.
Viele Menschen glauben, Fehlinformationen ließen sich einfach durch Fakten korrigieren. Psychologisch funktioniert das jedoch nur begrenzt. Meinungen sind eng mit Identität verbunden.
Greift man eine Überzeugung an, erleben viele Menschen dies als persönlichen Angriff. Dann verteidigen sie ihre Position häufig noch stärker. Veränderung gelingt deshalb eher durch respektvolle Fragen als durch bloße Konfrontation.

Digitale Selbstverteidigung

Niemand ist vollkommen immun gegen Beeinflussung. Doch Aufmerksamkeit schützt. Stellen Sie sich bei emotionalen Beiträgen folgende Fragen:
  • Wer profitiert davon, dass ich diesen Beitrag glaube?
  • Welche Gefühle löst der Inhalt in mir aus?
  • Wird mit Angst oder Empörung gearbeitet?
  • Werden Quellen genannt?
  • Gibt es nachvollziehbare Belege?
  • Würde ich denselben Inhalt auch glauben, wenn er meiner eigenen Meinung widersprechen würde?
Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren impulsive Reaktionen. Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Hilfreich sind unter anderem:
  • Benachrichtigungen reduzieren.
  • Bildschirmzeiten begrenzen.
  • Mehrere Informationsquellen nutzen.
  • Regelmäßig digitale Pausen einlegen.
  • Emotionale Inhalte nicht sofort teilen.
  • Vor dem Kommentieren kurz innehalten.
Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.

Fazit

Soziale Medien sind weder gut noch schlecht. Sie informieren, verbinden Menschen und ermöglichen den Austausch von Wissen in einer Geschwindigkeit, die früher unvorstellbar gewesen wäre. Gleichzeitig nutzen sie psychologische Mechanismen, die tief in unserem Denken verankert sind. Aufmerksamkeit, soziale Bestätigung, Wiederholung, emotionale Aktivierung und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit machen uns beeinflussbar – oft, ohne dass wir es bemerken.
Soziale Medien beeinflussen alle Nutzer – auch unbewusst

Ein bewusster Umgang mit sozialen Medien kann helfen, weniger beeinflusst zu werden.

Foto: champpixs/iStock

Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in einzelnen Plattformen oder Algorithmen, sondern in der Illusion, selbst gegen Manipulation immun zu sein. Wer glaubt, ausschließlich andere seien beeinflussbar, unterschätzt die Funktionsweise des eigenen Gehirns.
Medienkompetenz bedeutet deshalb weit mehr, als Falschmeldungen zu erkennen. Sie beginnt mit der Bereitschaft, die eigenen Gefühle, Denkmuster und spontanen Reaktionen zu hinterfragen. Denn Manipulation verliert in dem Moment an Macht, in dem wir sie erkennen. Zwischen einem Reiz und unserer Reaktion liegt ein kurzer Augenblick – und genau dort entsteht die Freiheit, selbstbestimmt zu entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit, unser Vertrauen und letztlich unsere Meinung schenken.
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Wenn Wahrheit zum Sprichwort wird

Die meisten von uns möchten doch „weise“ sein, oder? Oder zumindest wollen wir anderen als weise angesehen werden.
Weise zu wirken, verschafft einem zweifellos Ansehen. Doch woher kommt Weisheit? Das Alte Testament hat hier eine eindrucksvolle Antwort parat: „Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn.“ Das heißt, Weisheit beginnt nicht mit Intelligenz, Bildung oder Erfahrung, sondern mit Demut: mit der Erkenntnis, dass die Wirklichkeit größer ist als wir selbst. Mit anderen Worten: Weisheit erwächst aus einer bestimmten Haltung zur Wirklichkeit und nicht aus der bloßen Anhäufung von Wissen.
Einer der vielleicht merkwürdigsten Widersprüche zu dieser Vorstellung zeigte sich in der Reaktion des englischen Philosophen Herbert Spencer (1820–1903) auf eine Anmerkung der Schriftstellerin George Eliot (1819–1880). Spencer, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist, galt als eines der größten Genies des 19. Jahrhunderts. In A. N. Wilsons Buch „God’s Funeral“ (1999) erfahren wir: „Als George Eliot Spencer ein Kompliment für seine faltenfreie Stirn machte, antwortete er, dass ihn noch nie wirklich etwas verblüfft habe.“

Gutes kommt in kleinen Paketen

Eine besonders seltsame Eigenschaft der Weisheit ist, dass sie oft in sehr kleinen Portionen zu uns kommt. Ein Satz, ein Sprichwort, ein Fragment, eine Zeile aus der Kindheit, ein Spruch aus der Heiligen Schrift, eine Maxime aus dem alten Orient: Diese können sich jahrzehntelang im Gedächtnis festsetzen. Tatsächlich können sie ganze Bücher, Vortragsserien und Denksysteme überdauern.
Wir leben im Informationszeitalter. Doch Information ist nicht gleichbedeutend mit Weisheit. Information sammelt sich an; Weisheit verdichtet sich. Information vermittelt uns immer mehr Wissen über die Welt; Weisheit zeigt uns, wie wir in ihr leben sollen. Information gibt es im Überfluss; Weisheit ist rar. Vielleicht hat die Antike deshalb so oft den Aphorismus, die Maxime, das Sprichwort und den einprägsamen Ausspruch bevorzugt. Sie wusste, dass eine Wahrheit, die es wert ist, bewahrt zu werden, leicht zu vermitteln sein muss.
Man denke an die berühmte Zeile aus dem „Tao Te King“: „Wer andre kennt, ist klug. Wer sich selber kennt, ist weise.“ Der Spruch ist kurz, hat aber eine überraschend tiefe Bedeutung. Er unterscheidet Klugheit von Selbsterkenntnis. Andere zu kennen, mag uns erfolgreich machen. Uns selbst zu kennen, beginnt uns ganz zu machen. Diese Erkenntnis ist nicht nur chinesisch oder östlich; sie steht in starkem Einklang mit dem griechischen Gebot von Delphi: „Erkenne dich selbst.“ Sie nimmt auch viele Aspekte der modernen Psychologie vorweg, in der Selbsttäuschung oft das erste Hindernis auf dem Weg zur Heilung ist.

Laozi bei der Verkündung des „Tao Te King“, 16. Jahrhundert, von einem Künstler der Ming-Dynastie. Handrolle, Tusche auf Papier. Freer Gallery of Art, Washington.

Das Buch der Sprüche erfüllt in der biblischen Tradition eine ähnliche Funktion. Es greift moralische Erfahrungen auf und fasst sie in einprägsamer Form zusammen. „Eine linde Antwort stillt den Zorn“, heißt es dort. Das ist keine Schwäche, sondern Selbstbeherrschung. Auf Zorn mit Zorn zu reagieren, ist leicht. Zorn mit innerer Ruhe und Disziplin zu begegnen, ist Weisheit. Das Sprichwort setzt etwas sehr Anspruchsvolles voraus: dass unsere unmittelbare emotionale Reaktion nicht immer unsere wahrhaftigste Antwort ist. Wer seinen Zorn besänftigen kann, hat es geschafft, etwas Aufgewühltes in sich selbst zu bezwingen.
Und dann ist da noch die bekannte Warnung: „Hochmut kommt vor dem Fall.“ Auch dieser Satz ist uns beinahe schon allzu vertraut geworden. Und doch bringt er eine der tiefsten Wahrheiten über den Menschen zum Ausdruck. Hochmut macht uns nicht nur unangenehm, er macht uns blind. Wer hochmütig ist, kann keine Kritik annehmen, nichts dazulernen, keine Reue zeigen und sein Gegenüber nicht wirklich sehen. Hochmut ist daher nicht nur ein moralischer, sondern auch ein intellektueller Fehltritt: Er verzerrt unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit.
Die vielleicht eindringlichste Darstellung dieser Blindheit, die je außerhalb religiöser Schriften verfasst wurde, findet sich in Dantes „Göttlicher Komödie“. Die Seelen in der Hölle sind genau in diesem Sinne blind. Sie können denken, argumentieren und sich erinnern, aber sie vermögen die Wirklichkeit nicht so zu sehen, wie sie tatsächlich ist. Tatsächlich gehört das Verb „sehen“ – abgesehen von den unverzichtbaren Verben „sein“ und „haben“ – zu den am häufigsten wiederkehrenden Verben des gesamten Gedichts. Dantes ganze Reise ist ein Prozess, in dem er lernt, richtig zu sehen; die Tragik der Hölle hingegen besteht darin, dass ihre Bewohner dazu nicht mehr in der Lage sind.

Dante mit seiner „Göttlichen Komödie“ in der Hand, neben dem Eingang zur Hölle, den sieben Terrassen des Fegefeuers und der Stadt Florenz, darüber die Himmelssphären, 1465, in einem Fresko von Domenico di Michelino. Kathedrale Santa Maria del Fiore, Florenz.

Foto: gemeinfrei

Die großen Fragen

Auch Jesus spricht häufig in Wendungen, die längst Teil des moralischen Wortschatzes unserer Zivilisation geworden sind. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Das ist ein geradezu entwaffnend einfacher Prüfstein. In einer Welt der äußeren Erscheinungen, Behauptungen, Rhetorik und Selbstdarstellung führt uns dieser Satz zurück zu den Folgen. Was bringt ein Leben hervor? Was entsteht aus dieser Lehre, dieser Führungspersönlichkeit, dieser Bewegung, dieser Handlung? Gute Absichten allein genügen nicht. Eindrucksvolle Worte ebenso wenig. Am Ertrag erkennen wir den Baum.
Oder noch einmal: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Es ist einer der berühmtesten Sätze der Welt und zugleich einer der am häufigsten missverstandenen. Er bedeutet nicht, dass Wahrheit immer angenehm ist oder uns sofort Trost spendet. Nicht selten verletzt uns die Wahrheit zunächst. Sie entlarvt Illusionen, Bindungen, falsche Selbstbilder und bequeme Lügen. Doch gerade dadurch befreit sie uns. Unwahrheit mag trösten, aber sie hält gefangen. Die Wahrheit mag uns beunruhigen, aber sie befreit uns.
Am eindringlichsten ist vielleicht die Frage: „Was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ Hier nimmt Weisheit nicht die Form einer Aussage an, sondern die einer Frage. Einer Frage, die sich niemals abschließend beantworten lässt. Sie zwingt uns zu überlegen, was wir bereit sind, für Erfolg, Anerkennung, Reichtum, Einfluss, Bequemlichkeit oder auch nur das eigene Überleben preiszugeben. Dahinter steht die Annahme, dass es im Menschen etwas gibt, das kostbarer ist als jeder weltliche Gewinn. Man kann dieses Etwas Seele nennen, Gewissen, Integrität, Personsein oder Ebenbild Gottes.
Wie auch immer wir es nennen mögen, die Warnung ist eindeutig: Verkaufe nicht das Tiefste in dir für etwas, das weniger wert ist als du selbst. Der Schriftsteller Patrick Harpur hat es so ausgedrückt: „Auch wenn wir nicht ausdrücklich religiös sind, können wir wohl alle die Vorstellung nachempfinden, dass es einen Teil in uns gibt, der um keinen Preis verkauft, verraten oder verloren werden darf.“

Weisheit in Worten

Diese Aphorismen überdauern, weil sie mehrere Dinge zugleich leisten: Erstens sind sie einprägsam. Ihre sprachliche Form ist entscheidend. Eine unbeholfen formulierte Wahrheit gerät leicht in Vergessenheit; ein gut formulierter Ausspruch bleibt bestehen. Zweitens lassen sie sich weitergeben: von Eltern an Kinder, von Lehrenden an Lernende, von Älteren an die Gemeinschaft. Drittens sind sie auslegbar und entfalten mit der Zeit immer neue Bedeutung. Ein Sprichwort mag kurz sein, aber es ist nicht oberflächlich. Man kann in verschiedenen Lebensphasen zu ihm zurückkehren und darin mehr entdecken, als man zunächst dachte.
Das ist einer der Gründe, warum sich die Weisheit der Antike so deutlich von vielem unterscheidet, was heute als Lebensrat gilt. Moderne Ratschläge sind häufig therapeutisch, strategisch oder technisch ausgerichtet. Sie erklären uns, wie wir uns optimieren, mit Belastungen umgehen, Einfluss gewinnen, Netzwerke knüpfen, Erfolg haben oder uns besser fühlen können. Die klassische Weisheit blendet solche Fragen nicht aus, doch sie richtet den Blick meist auf Grundsätzlicheres: Was ist ein gutes Leben? Was ist die Seele? Was ist Tugend? Was ist Gerechtigkeit? Was schulden wir Gott, unseren Mitmenschen, unserer Familie, der Gemeinschaft und der Wahrheit
Aphoristische Weisheit ist daher weit mehr als eine Sammlung kluger Zitate. In ihrer besten Form ist sie quasi eine Schule der Wahrnehmung. Sie lehrt uns, die moralische Ordnung der Wirklichkeit zu erkennen. Sie mahnt uns: Hüte dich vor Hochmut, übe Sanftmut, strebe nach Selbsterkenntnis, verwechsle Reichtum nicht mit Wert, prüfe die Früchte und vergiss die Seele nicht.
Natürlich haben Aphorismen auch ihre Grenzen. Gerade weil sie so knapp sind, können sie leicht falsch verwendet werden. Ein Sprichwort kann zum Klischee verkommen, ein Ausspruch zitiert werden, ohne wirklich verstanden zu werden. Schlimmer noch: Weisheitssprüche können zu Waffen werden – eingesetzt, um andere zum Schweigen zu bringen, statt etwas zu erhellen. „Eine linde Antwort stillt den Zorn“ darf nicht dazu dienen, Feigheit angesichts des Bösen zu rechtfertigen. „Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt“ sollte nicht zur bloßen Motivationsfloskel verkommen. Und „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ darf nicht als Vorwand für vorschnelle Urteile dienen, noch bevor sich überhaupt irgendwelche Früchte zeigen konnten.
Trotzdem bleibt der Aphorismus eines der großen Medien der Zivilisation. Eine Gesellschaft, die ihre Sprichwörter und Sinnsprüche verliert, verliert auch einen Teil ihres Gedächtnisses. Sie wird wortreicher, aber nicht zwangsläufig weiser. Sie mag unablässig reden und doch nichts sagen, was es wert wäre, wiederholt zu werden. Gerade in unserem zerstreuten Zeitalter brauchen wir solche Sätze vielleicht mehr denn je. Nicht als Parolen und nicht als dekorative Zitate in den sozialen Medien, sondern als Anstöße zum Nachdenken. Im richtigen Augenblick gesprochen, kann der richtige Satz Torheit Einhalt gebieten, Trost in der Trauer spenden, das Gewissen wachrütteln und uns zu uns selbst zurückführen.
Weisheit muss also nicht zwangsläufig in Form eines Systems auftreten. Manchmal kommt sie in Form eines einzigen Satzes. Wenn dieser wahr genug ist, verbringen wir vielleicht den Rest unseres Lebens damit, in ihn hineinzuwachsen.
In unserem nächsten Artikel dieser Reihe werden wir uns mit einer noch kraftvolleren Form verdichteter Weisheit befassen: der Parabel. Wir werden sehen, wie Geschichten noch tiefer in den Kern der Dinge vordringen und eine anregende, tiefgründige und unerschöpfliche Weisheit vermitteln.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Classical Wisdom: When Truth Becomes a Saying“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Trump: USA sichern sich riesige Ölvorkommen in Venezuela

Die USA haben sich nach Angaben von Präsident Donald Trump riesige Ölvorkommen in Venezuela gesichert. Mit der Vereinbarung bringen die USA mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven unter ihre Kontrolle, wie Trump auf der Plattform Truth Social mitteilte. Das entspräche rund einem Fünftel der Vorkommen, die sich Schätzungen zufolge in Venezuela befinden.
Wie Trump weiter mitteilte, wurde die Vereinbarung in Absprache mit der geschäftsführenden Präsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, geschlossen. Zudem sei die Privatwirtschaft an der Vereinbarung beteiligt. Auf der US-Seite seien Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio bei den Verhandlungen dabei gewesen, teilte Trump mit. Nähere Angaben zum Inhalt der Übereinkunft machte Trump nicht.
Durch die Vereinbarung wachse die Menge des den USA potenziell zur Verfügung stehenden Öls auf mehr als das Doppelte an, so Trump. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA verfügten die USA Ende 2024 über Vorkommen von 46 Milliarden Barrel. Allerdings sind darin nicht nur Rohöl, sondern auch das Kondensat enthalten, das bei der Förderung aus dem Bohrloch gewonnen wird. Bereits jetzt sind die USA der größte Produzent von Erdöl weltweit.

Venezuela spricht von Wiederaufbau der Ölindustrie

Die venezolanische Regierung bestätigte die Vereinbarung später und stellte sie als Abkommen zur Wiederbelebung und zum Wiederaufbau der Ölindustrie dar. Vorgesehen sei die Entwicklung von 17 strategischen Ölfeldern durch private Betreiber, erklärte die geschäftsführende Präsidentin Rodríguez. Diese verfügten über ein nachgewiesenes Potenzial von 65 Milliarden Barrel. Geplant seien Investitionen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar und Steuereinnahmen von mehr als 209 Milliarden US-Dollar für den venezolanischen Staat, sagte Rodríguez weiter und bezeichnete das Abkommen als „historisch“.
Ein Vertreter des Weißen Hauses sagte dem US-Sender CNN, die USA sollten 55 Prozent der effektiven Produktion eines neuen privaten Gemeinschaftsunternehmens erhalten. Dies solle über eine Beteiligung an dem Unternehmen und garantierte Abnahmen des geförderten Öls zum Selbstkostenpreis erfolgen. Für die betroffenen Ölfelder sind demnach Vereinbarungen mit einer Laufzeit von 100 Jahren vorgesehen.

Hohe Benzinpreise setzen Trump unter Druck

Mit schätzungsweise 303 Milliarden Barrel verfügt Venezuela über die größten Ölreserven der Welt. Es handelt sich dabei vor allem um Schweröl, das nur mit spezieller Technik gefördert und raffiniert werden kann.
Trotz der enormen Reserven liegt die venezolanische Ölproduktion derzeit bei etwa einer Million Barrel pro Tag. Vor rund 20 Jahren waren es noch fast drei Millionen Barrel täglich. Zum Vergleich: Die USA fördern mehr als 13 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und sind damit der größte Ölproduzent der Welt.
Trump steht zudem innenpolitisch unter Druck, weil der Iran-Krieg die Benzinpreise auch in den USA in die Höhe treibt. Der durchschnittliche Preis für bleifreies Benzin lag am Donnerstag bei 4,09 Dollar pro Gallone. Seit Beginn des Krieges ist er damit um über ein Drittel gestiegen. Laut dem Automobilverband AAA dürfte es für Autofahrer in den USA der teuerste August der Geschichte werden.
Wie andere Nationen wollen die USA die angespannte Lage am Ölmarkt abfangen, indem sie ihre eigenen strategischen Reserven anzapfen. Dabei handelt es sich nicht um Ölvorkommen in der Erde, sondern um bereits gefördertes Öl. Die US-Reserve ist seit Beginn des Krieges allerdings bereits rapide geschrumpft und befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit etwa 44 Jahren.
Trump teilte dazu mit, die „historische Transaktion“ verbessere die Ölversorgung der USA erheblich und werde die Benzinpreise für alle Amerikaner senken. Den Steuerzahlern in den USA entstünden durch das Geschäft keine Kosten. (dpa/red)
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Chef der AfD-Nachwuchsorganisation fordert millionenfache Rückführung von zugewanderten Menschen

„Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, gegen jede Vernunft in dieses Land gekommen“, sagte GD-Chef Jean-Pascal Hohm am Samstag auf dem Bundeskongress der Organisation in Magdeburg – und fügte hinzu: „Millionen müssen dieses Land wieder verlassen.“
Hohm führte eine völkisch geprägte Begründung für seine Forderung an: „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“, sagte er. Hier dürfe es „kein Resignieren, kein Akzeptieren, kein Arrangieren“ geben. Die AfD sei „Ausdruck des Lebenswillens unseres Volkes“.
Der AfD-Europaabgeordnete René Aust forderte Remigration auf gesamteuropäischer Ebene. Nötig sei nicht nur „Remigration, sondern europaweite Remigration“, sagte Aust. Europa müsse zu einer „Festung Europa“ ausgebaut werden, sagte er. „Niemand soll unseren Kontinent betreten, von dem wir nicht wollen, dass er unseren Kontinent betritt.“
Der Begriff „Remigration“ steht für die massenhafte Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund. Das Bundesamt für Verfassungsschutz wertet Remigration als Konzept, das „auf die Schaffung ethnisch definierter Gesellschaften und damit die Ausweisung aller ‚Volksfremden‘ abstellt“.
Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war die AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland am Samstagvormittag in Magdeburg zu ihrem zweiten Bundeskongress zusammengekommen. Die Generation Deutschland war im vergangenen November gegründet worden – als Nachfolgerin der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA). Diese war einige Monate zuvor aufgelöst worden, nachdem sie vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden war.
Die Sicherheitsbehörden haben auch die neue Nachwuchsorganisation im Blick. Das BfV geht nach eigenen Angaben von einer „programmatischen und personellen Kontinuität“ zwischen der aufgelösten JA und der neuen Organisation aus.

„Unser schönes Deutschland“

Die AfD will in vielem anders sein – und dabei hübscher aussehen als die anderen politischen Kräfte. „Festliche beziehungsweise Business-Kleidung“ sei für den Bundeskongress der Nachwuchsorganisation Generation Deutschland angemessen, hatte die Partei den Delegierten geraten. Dies solle der Veranstaltung einen „feierlichen Charakter“ geben. Die meisten der rund 300 Teilnehmer hielten sich daran: Anzüge und Krawatten bei den jungen Herren, Kostüme und hohe Schuhe bei den Frauen. Jeans? Fehlanzeige.
„So viele wunderschöne, gut gekleidete Menschen“ seien zu sehen, freute sich der AfD-Abgeordnete René Aust in seiner Rede vor dem Kongress im Alten Theater von Magdeburg. Bei diesem Anblick wisse er „sofort, wie unser schönes Deutschland in der Zukunft aussehen soll: Deutschland soll ästhetisch sein, es soll schön sein“. (afp/red)
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USA: Freie Schifffahrtswege in der Straße von Hormus – Iran: Wirtschaftliche Schäden durch US-Sanktionen


In Kürze:

  • USA melden freie Fahrt: Das US-Militär erklärt die internationalen Schifffahrtswege in der Straße von Hormus nach der Räumung von Seeminen für wieder offen.
  • Iran stellt Bedingungen: Teheran macht eine Normalisierung des Schiffsverkehrs unter anderem von einem Ende der US-Blockade und der Sanktionen abhängig.
  • Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat eingeräumt, dass die US-Sanktionen gegen sein Land der Wirtschaft schaden.

 
Während US-Präsident Donald Trump eine baldige Entlastung an der Treibstoffpreisfront aufgrund eines Öldeals mit Venezuela angekündigt hat, bleibt die Lage in der Straße von Hormus unübersichtlich. Das Zentralkommando der US-Armee (CENTCOM) hat am Donnerstag, 27. August, erklärt, es sei gelungen, die dortigen internationalen Schifffahrtswege von iranischen Seeminen zu räumen.
Dazu habe man eine Operation durchgeführt, an der unter anderem Navy-Taucher, Navy SEALs und Flugzeuge verschiedener Teilstreitkräfte beteiligt gewesen seien. Damit seien die internationalen Fahrspuren für die Handelsschifffahrt wieder offen.

Verkehr durch Straße von Hormus bleibt weit vom Vorkriegsniveau entfernt

Inwieweit die Botschaft tatsächlich die Handelsschifffahrt erreicht hat, bleibt ungewiss. Die Angaben darüber, wie viele Schiffe derzeit durch die Straße von Hormus unterwegs sind, gehen auseinander. Laut Kpler liegt der Zehn-Tage-Durchschnitt bei 15 Schiffen pro Tag. Von Mittwoch auf Donnerstag sei die Anzahl der passierenden Schiffe jedoch von 17 am Vortag auf sieben gesunken. Die britische Behörde für Schifffahrtssicherheit sprach demgegenüber von etwa 30 Schiffen pro Tag.
Der Grund für die unterschiedlichen Angaben liegt darin, dass einige Reedereien nach wie vor das Risiko scheuen, das mit einer nachvollziehbaren Bewegung durch die Straße verbunden ist. Deshalb schalten manche Schiffe ihre Transponder aus, um die Nachvollziehbarkeit der eigenen Bewegungen zu beschränken.
Fest steht: Von den Zahlen der Zeit vor dem Krieg im Iran sind die derzeitigen noch weit entfernt. Vor dem Beginn der Angriffe Ende Februar waren es regelmäßig etwa 140 Handelsschiffe, die täglich den bedeutenden Handelsweg passierten. Etwa 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung wurden durch die Straße von Hormus transportiert – auch der Flüssiggas-Export aus Katar. Die kriegsbedingten Behinderungen des Schiffsverkehrs ließen umgehend die Treibstoffpreise explodieren.

Iran bestreitet Normalisierung des Schiffsverkehrs

Das CENTCOM betont, während seiner Operation sei es gelungen, fast 1.500 Handelsschiffe auf ihrem Weg durch die Seestraße zu schützen. Damit habe man den sicheren Transport von insgesamt etwa 750 Millionen Barrel Rohöl ermöglicht. Gleichzeitig betonen die USA, die im April aufgenommene und nach einer kurzen Unterbrechung im Juli wieder aufgenommene Seeblockade gegen den Iran zeige Wirkung. Der Iran habe seither kein Öl mehr exportiert.
Teheran widerspricht dieser Darstellung. Die Wasserstraße werde faktisch geschlossen bleiben, solange die USA nicht auf zentrale Forderungen Irans eingehen. Diese reichen von einem Ende der Kampfhandlungen in der gesamten Region über eine Aufhebung der Seeblockade und der Sanktionen vonseiten der USA. Auch Entschädigungsforderungen sind bereits angeklungen. Die formelle Erstellung der Liste der Forderungen soll der Nationale Sicherheitsrat des Iran erstellen.

Katar mit bedeutsamer Vermittlerrolle

Iranischen Angaben zufolge haben Teheran und Oman einen vorläufigen Schifffahrtskorridor vereinbart. Dieser soll durch die Gewässer beider Länder führen und einen festgelegten zentralen Korridor für Handelsschiffe ermöglichen.
Eine wichtige Rolle als Vermittler nimmt Katar wahr. Ministerpräsident und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani reiste jüngst nach Teheran. Dort traf er mit Präsident Masoud Pezeshkian sowie Außenminister Abbas Araqchi zusammen. Araqchi sprach von „kreativen“ Gesprächen, die man geführt und in denen man unter anderem mögliche Wege zur Deeskalation erörtert habe.
Katar habe unter anderem einen zeitlich begrenzten Schifffahrtskorridor einschließlich gemeinsamer Minenräumung vorgeschlagen. Das Emirat betonte in diesem Kontext unter anderem die Freiheit der Schifffahrt, das Völkerrecht und die Souveränität der Anrainerstaaten. Der Iran soll dem Vorschlag allerdings noch nicht endgültig zugestimmt haben.

Emirate organisieren Dark Transits durch die Straße von Hormus

Die USA verschärfen unterdessen den wirtschaftlichen Druck auf den Iran. Infolge mutmaßlicher Millionenzahlungen an Irans Führung verkündete Washington Sanktionen gegen Niederlassungen der ägyptischen Banque Misr in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ihnen droht der Verlust des Zugangs zu US-amerikanischen Korrespondenzbanken.
Teheran bezeichnete die US-Sanktionen als „Staatsterrorismus“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Araqchi betonte, militärischer und wirtschaftlicher Druck auf den Iran funktioniere nicht.

Irans Präsident räumt wirtschaftliche Schäden durch US-Sanktionen ein

Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat eingeräumt, dass die US-Sanktionen gegen sein Land der Wirtschaft schaden. „Manche sagen, die Sanktionen hätten überhaupt keine Wirkung; ich weiß wirklich nicht, was ich diesen Leuten antworten soll“, sagte Peseschkian in einem am Freitagabend ausgestrahlten Interview im Staatsfernsehen. „Wir befinden uns in einer Kriegssituation, und wir müssen diese Kriegsbedingungen akzeptieren.“
Peseschkian sagte in dem Interview weiter, die Exporte und Importe des Iran seien in den vergangenen Monaten um 25 bis 35 Prozent zurückgegangen. Der iranische Präsident sprach sich gleichzeitig für eine Anhebung der seit Jahren massiv subventionierten Benzinpreise aus – eine politisch heikle Angelegenheit.
US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Montag eine „wirtschaftliche Erstickung“ des Iran angekündigt. Verschärfte Sekundärsanktionen sollen auch ausländische Geschäftspartner Teherans treffen und unter anderem die Bereiche Gold, Technologie, digitale Vermögenswerte, Luftfahrt und Schifffahrt erfassen. Trump hatte zuvor einen umfassenden „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran angekündigt.
Am Mittwoch hatte der iranische Präsident betont, die jüngsten US-Sanktionen würden „nichts erreichen“. Der Iran werde dem wirtschaftlichen Druck weiterhin standhalten.
(Mit Material der englischsprachigen Epoch Times und der AFP)
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„Ist da jemand?”: Verzweifelte Suche im Himalaya

Die Zahl der Toten nach der verheerenden Flutkatastrophe im Himalaya ist auf mehr als 670 gestiegen. Zugleich werden nach Angaben der Behörden in Nepal und China rund 2.500 Menschen vermisst – darunter Hunderte Ausländer. Das Auswärtige Amt sprach auf Nachfrage zuletzt von einer „hohen einstelligen Zahl“ deutscher Staatsangehöriger, zu denen es keinen Kontakt gebe. Die deutschen Auslandsvertretungen in Nepal und China stünden mit Angehörigen und örtlichen Behörden in engem Kontakt.
In Nepal hatte die Armee bereits am Freitag eine vierköpfige Familie aus Deutschland gerettet. Ein Hubschrauber hatte sie in das Armeecamp Battar Bazar gebracht, weil von ihrem Aufenthaltsort über den Landweg kein Weiterkommen mehr möglich war.

Starker Regen erschwert Rettungsarbeiten

Derweil kämpfen die Rettungskräfte weiter gegen gewaltige Schlamm- und Geröllmassen, bei teils heftigem Regen, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Asien steckt derzeit noch in der normalerweise bis September dauernden Monsun-Regenzeit.
„Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle“, sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet im nepalesischen Battar Bazar an der Grenze zu Tibet. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten.

„Ist da jemand?“

Besonders eindringliche Bilder kamen aus dem chinesischen Teil des Katastrophengebiets. Am zerstörten Grenzübergang Gyirong bahnten sich chinesische Rettungskräfte mühsam einen Weg durch meterhohen Schlamm und Trümmer. Immer wieder blieben sie stehen, beugten sich über Erdmassen und riefen gemeinsam: „Ist da jemand?“ Die von chinesischen Medien verbreiteten Aufnahmen zeigen, wie die Einsatzkräfte vorsichtig durch die verwüstete Landschaft gehen, mit Schaufeln in Geröllhaufen suchen und auf mögliche Lebenszeichen lauschen.
Außenminister Shishir Khanal erklärte vor Journalisten, ein indisches Team sei eingetroffen, um bei der Rettung von Arbeitern zu helfen, die in einem Wasserkraftwerkstunnel im Distrikt Rasuwa eingeschlossen seien. Ein weiteres Team aus China werde in Kürze erwartet. Die Regierung bitte um technische Unterstützung bei den komplizierten Rettungs- und Suchmaßnahmen.

Leichen sind kaum zu identifizieren

Allein im nepalesischen Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien wurden derweil 233 Leichen geborgen, von denen bislang nur vier identifiziert werden konnten, wie die dortige Bezirksverwaltung mitteilte. Viele Tote waren von der Gewalt der Wassermassen Dutzende Kilometer mitgerissen worden.
Die Leichen und menschlichen Überreste verwesten zunehmend, sagte der zuständige Bezirksbeamte Ganesh Aryal. Gesundheitsexperten warnten deshalb vor einem möglichen Risiko für die öffentliche Gesundheit. Die Behörden ordneten nun an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von den Toten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer dann an einem Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Die Entscheidung sei bei einem Treffen der zuständigen Behörden gefallen, teilte die Bezirksverwaltung mit.

Angst vor Infektionskrankheiten

Überhaupt wächst in den überfluteten Gebieten die Gefahr von Infektionskrankheiten. Abwasser und Fäkalien können in Trinkwasserquellen gelangen, beschädigte Latrinen und überflutete Kläranlagen verschärfen die hygienische Lage. In Notunterkünften steigt das Risiko zusätzlich, wenn es an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen fehlt. Besonders gefürchtet ist die Cholera, die durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird.
Auch die Gefahr einer weiteren Flutwelle ist noch nicht vollständig gebannt. Oberhalb des chinesischen Grenzpostens Gyirong hatte sich nach der Katastrophe ein See aufgestaut. Ein möglicher Dammbruch hätte erneut gewaltige Wassermassen ins Tal schicken können.
Nach Angaben chinesischer Behörden floss das Wasser inzwischen jedoch auf natürlichem Weg ab, wodurch sich die Gefahr deutlich verringert habe. Die Flut selbst hatte sich am Mittwoch durch das enge Flusstal zwischen Tibet und Nepal gewälzt und nach bisherigen Erkenntnissen ihren Ausgang wahrscheinlich bei einem Gletscherabbruch genommen.
Derweil werden auch im benachbarten Indien inzwischen mögliche Opfer der Flut geborgen: Im Bundesstaat Uttar Pradesh wurden nach Berichten indischer Medien zehn Leichen aus dem Gandak-Fluss gezogen, die vermutlich aus Nepal angeschwemmt wurden. Der Fluss führt neben den Leichen auch Fahrzeuge, Hausrat und Trümmer mit sich.

Mehr als 4.400 Menschen gerettet

Aber es gibt gute Nachrichten: Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4.400 Menschen an. Laut offiziellen Angaben vom Samstagvormittag wurden bislang 149 Ausländer gerettet.
Die tödliche Flutwelle, die nach Expertenmeinung am Mittwoch in Nepal durch einen Gletschersturz ausgelöst worden war, hatte sich ihren Weg durch ein enges und steiles Flusstal gebahnt. Sie hatte dabei alles mitgerissen, was auf ihrem Weg lag. (dpa/red)
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Für mehr Abschiebungen: Taliban entsenden Team nach Deutschland

Die islamistischen Taliban haben vorübergehend weiteres Personal nach Deutschland geschickt. Die Erlaubnis zur Einreise dieser Vertreter der afghanischen Machthaber erteilte die Bundesregierung, um mehr Ausreisepflichtige nach Afghanistan abschieben zu können.
„Für das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel, Rückführungen nach Afghanistan durchzuführen, müssen Dokumente ausgestellt werden, die die De-facto-Regierung anerkennt“, hieß es dazu aus dem Auswärtigen Amt. Dafür müssten neben ausreichend Personal auch die technischen Voraussetzungen bestehen, zumal wenn die Zahl der Rückführungen steigen solle. „Um diese technischen Voraussetzungen zügig zu schaffen, ist kurzzeitig ein technisches Unterstützerteam eingereist.“ Zuerst hatte der NDR über die Ankunft der Gruppe berichtet.

Nur Männer werden bislang abgeschoben

Seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode wurden laut Bundesinnenministerium insgesamt 228 Männer nach Afghanistan abgeschoben – vor allem Straftäter. Die letzte Sammelabschiebung mit 23 Ausreisepflichtigen an Bord hob am Dienstag vom Flughafen Leipzig/Halle ab in Richtung Kabul.
Die Bundesregierung hatte, um die Abschiebungen zu ermöglichen, die Entsendung einzelner Diplomaten der Taliban an die afghanischen Vertretungen in Deutschland gestattet. Zuvor hatten dort ausschließlich Diplomaten gearbeitet, die noch von der Vorgängerregierung entsandt worden waren. Anfang Juni war eine geplante Sammelabschiebung abgesagt worden, weil die Taliban-Machthaber nicht kooperierten. Sie hatten sich unzufrieden gezeigt über die aus ihrer Sicht mangelnde Gesprächsbereitschaft von Vertretern des Auswärtigen.

Deutschland erkennt Taliban nicht als legitime Regierung an

Kritiker, etwa aus den Reihen der Grünen, haben wiederholt bemängelt, dass die Bundesregierung praktische Zugeständnisse macht, um Abschiebungen zu ermöglichen, obwohl sie die Taliban-Regierung nicht anerkennt, unter anderem wegen deren Menschenrechtsverletzungen – insbesondere was Frauen betrifft. (dpa/red)
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Warum manche Nutzer den Kommentarbereich mehr lieben als den Artikel

In den letzten Jahrzehnten hat sich ein relativ neues Genre von Internetinhalten herausgebildet. Man könnte es treffender als „Meta-Inhalte“ bezeichnen – also Inhalte über Inhalte. Ich beziehe mich auf die Kommentarbereiche unter YouTube-Videos, Nachrichtenartikeln und Social-Media-Beiträgen – eine chaotische Umgebung, die abwechselnd humorvoll, herzzerreißend und erschreckend ist.
„Ein Kommentar ist weit mehr als eine stille Erweiterung eines Beitrags – er offenbart das Wesen einer Community und deren Werte“, schrieb Laurent Francois, Kreativstratege und Social-Media-Experte für Luxus- und Lifestyle-Marken. „Er ist zu einem Medium innerhalb des Mediums geworden.“
Kommentarbereiche mit ihren schrägen Witzen, leidenschaftlichen Debatten und überraschenden Perspektiven sind zu einem so lebendigen Bestandteil des Online-Diskurses geworden, dass sie manchmal sogar den Hauptinhalt (den Nachrichtenbeitrag, den Social-Media-Beitrag oder das Video, aus dem sie hervorgegangen sind) in den Schatten stellen.

Was eine Studie herausfand

Eine aktuelle Studie der University of Texas at Austin belegte, was viele bereits vermutet hatten: Eine große Zahl von Internetnutzern interessiert sich mehr für den Kommentarbereich als für den Artikel oder das Video selbst.
Wie Corinne Purtill für das Magazin „Quartz“ berichtete: „Mehr als die Hälfte der Menschen, die Kommentare zu Nachrichtenbeiträgen hinterlassen, verbringen laut der Studie genauso viel oder mehr Zeit mit den Kommentaren als mit dem eigentlichen Beitrag. … Fast 20 Prozent geben zu, mehr Zeit im Kommentarbereich zu verbringen als mit dem Beitrag selbst.“
Zwar meiden die meisten Nutzer die Kommentarbereiche von Nachrichtenseiten (teilweise wegen ihrer potenziellen Boshaftigkeit), doch gibt es immer noch eine beträchtliche Minderheit, die den Artikel kaum liest, bevor sie sich in den Kommentarbereich stürzt, um ihre Meinung zu äußern. Nutzer, die mindestens einmal pro Woche Kommentare hinterlassen, waren der Studie zufolge eher Männer und Personen mit einem High-School-Abschluss.

Vom wertvollen Diskurs bis hin zur Schlangengrube

Der Kommentarbereich kann sogar für diejenigen attraktiv sein, die nicht vorhaben, ihre eigenen Ansichten zu teilen. Jeder dritte Nutzer überfliegt zumindest die Kommentare, auch wenn er nicht vorhat, selbst einen Kommentar zu hinterlassen. Ein Teil der Anziehungskraft hängt mit der Unvorhersehbarkeit dieser Bereiche zusammen. „Im besten Fall sind Kommentarbereiche blühende Beispiele für einen zivilisierten Diskurs“, schrieb Purtill. „Im schlimmsten Fall sind sie von Trollen befallene Gruben der Grausamkeit, Bigotterie und Ignoranz, in denen persönliche Angriffe und Beleidigungen als Dialog gelten.“
Als Autor bin ich sicherlich schon auf Fälle gestoßen, in denen Leser das, was ich geschrieben habe, völlig falsch interpretiert und mir die böswilligsten Absichten unterstellt haben. Gleichzeitig gab es zahlreiche Kommentatoren, die verstanden haben, was ich geschrieben habe, und mir dafür auf die freundlichste Art und Weise ihre Wertschätzung ausgedrückt haben. In Kommentarbereichen findet man beide Extreme.

Anonyme Offenheit

Die meisten von uns haben wahrscheinlich schon einmal einen Dialog in einem Kommentarbereich mit entsetztem Interesse, mit Gelächter oder vielleicht sogar mit einem echten Gefühl menschlicher Solidarität verfolgt. Manche Menschen zeigen sich in Kommentarbereichen überraschend verletzlich und berichten von tiefen persönlichen Kämpfen oder Verlusten.
Der Kommentarbereich wird teils auch dafür genutzt, ganz persönliche Einblicke zu geben. Foto: dusanpetkovic/iStock

Der Kommentarbereich wird teils auch dafür genutzt, ganz persönliche Einblicke zu geben.

Foto: dusanpetkovic/iStock

Wahrscheinlich gibt ihnen die relative Anonymität das Gefühl, sich online auf eine Weise öffnen zu können, wie sie es persönlich niemals könnten. Solche Kommentare sind kurz und gewähren flüchtige Einblicke in die verborgenen Sorgen, die wir mit uns tragen – normalerweise verborgen unter dem Mantel des Alltags und gesellschaftlicher Erwartungen. Online durchbrechen Offenheit und sogar Verletzlichkeit manchmal die Fassade.
Warum sind diese Online-Dialogräume so verlockend? Auf Reddit, dem „Kommentarbereich“ par excellence, schrieb ein Nutzer: „Warum willst du die Kommentare lesen? Wahrscheinlich, um menschliche Verbindung zu suchen, d. h., um die Leere der Einsamkeit zu füllen.“
Manche gehen aus Einsamkeit in die Welt der Kommentare. Foto: Aleksandr Golubev/iStock
Ein anderer Reddit-Nutzer meinte, der Grund, warum sich die Leute direkt den Kommentarbereichen zuwenden, sei, dass sie dadurch einen Dopamin-Kick bekommen. „Man wird durch das Neue belohnt (Dopamin-Schub!). Kommentare sind immer neu und anders, und manchmal sind sie sogar richtig, richtig gut (was EXTRA lohnend ist, da probabilistische Belohnungen beim Training noch besser wirken als sichere, kleine Belohnungen). Man wurde also darauf trainiert: ‚Wenn ich zu den Kommentaren nach unten scrolle, bekomme ich einen Dopamin-Schub.‘ Also scrollt man weiter.“
Eine andere weit verbreitete Meinung wird von einem dritten Kommentator in dem Reddit-Thread zum Ausdruck gebracht: „Mir ist klar geworden, dass ich in gewisser Weise sehen will, was andere denken, um meine eigenen Meinungen zu bestätigen, was völlig daneben ist.“

Der „Unterhaltungsteil“ unter dem Artikel

Manchmal sind die Kommentarbereiche einfach unterhaltsamer als der Inhalt selbst. Ein Beispiel dafür ist das Genre der absichtlich witzigen Amazon-Rezensionen. Dabei handelt es sich um offensichtlich übertriebene und absurde Scheinkritiken zu seltsamen Produkten auf Amazon, wie etwa einem UFO-Detektor, einer Pferdemaske und dem Buch „How to Avoid Huge Ships“ (dt. etwa: „Wie man großen Schiffen ausweicht“). Um diese Produkte hat sich eine kleine Kult-Anhängerschaft gebildet – nicht wegen der Produkte selbst, sondern wegen der zum Schreien komischen Kommentare dazu, bei denen jeder Nutzer versucht, die anderen an Kreativität und Humor zu übertreffen.
Für manche ist der Kommentarbereich eine ganz eigene Subkultur, in der sie Spaß mit Gleichgesinnten haben können. Foto: fizkes/iStock

Für manche ist der Kommentarbereich eine ganz eigene Subkultur, in der sie Spaß mit Gleichgesinnten haben können.

Foto: fizkes/iStock

Humor kann auch mit gesellschaftskritischen Anmerkungen, Satire oder politischem Widerstand verbunden sein. Ich habe einmal beobachtet, wie eine Gruppe von Tolkien-Fans die von Tolkien inspirierte Streaming-Serie von Amazon „The Rings of Power“, regelrecht verriss, indem sie abwegige Kommentare zu einer Reihe von YouTube-Trailern der Serie veröffentlichte.
Die Kommentatoren etablierten eine feste Formel, bei der sie eine absurde Sequenz, die in der eigentlichen Serie gar nicht vorkommt, als ihren „Lieblingsteil“ bezeichneten. Es war eine ausgeklügelte und spielerische Art, das zu verspotten, was Fans in der neuen Adaption als Untreue gegenüber Tolkiens Werk empfanden. Und es wurde unglaublich beliebt, sodass einige Kommentarbereiche unter „Rings of Power“-Videos fast ausschließlich aus diesen urkomischen, spöttischen Kommentaren bestanden.
„Der Rattenfänger von Hameln“ – eine alte deutsche Sage aus dem 13. Jahrhundert, wurde auch von den Gebrüdern Grimm aufgegriffen. Das Verschwinden von 130 Kindern der Stadt hatte in den ältesten Überlieferungen eher mit einem flötespielenden Verführer und später mit dem Teufel als mit einer Rattenplage zu tun. Märchen gehörten in der Vor-Internet-Ära zur Grundausstattung der Kindheit – eine Art Offline-Dopamin-Kick mit Lerneffekt. Heutzutage ist Unterhaltung oft mehr oberflächlicher Natur und schnelllebig. Foto: NGvozdeva/iStock

„Der Rattenfänger von Hameln“ – eine alte deutsche Sage aus dem 13. Jahrhundert, wurde auch von den Gebrüdern Grimm aufgegriffen. Das Verschwinden von 130 Kindern der Stadt hatte in den ältesten Überlieferungen eher mit einem flötespielenden Verführer und später mit dem Teufel als mit einer Rattenplage zu tun. Märchen gehörten in der Vor-Internet-Ära zur Grundausstattung der Kindheit – eine Art Offline-Dopamin-Kick mit Lerneffekt. Heutzutage ist Unterhaltung oft mehr oberflächlicher Natur und schnelllebig.

Foto: NGvozdeva/iStock

Digitale „Brotkrumen“ sammeln

Während ich mich von Video zu Video klickte und die Gegenreaktion der Fans auf die Serie verfolgte, beschäftigte ich mich mit dem, was Laurent Francois als „Kommentar-Surfen“ bezeichnet: „die Praxis, einem Kommentar-Faden von einem Video zum nächsten, von einem Account zum nächsten zu folgen, so als würde man Brotkrumen durch einen digitalen Wald verfolgen.“ Er erklärt: „Es ist nicht der Beitrag, der uns in seinen Bann zieht, sondern der Kommentar, der Neugier weckt und uns dazu anregt, ‚den Kontext‘ zu ergründen.“
Die Meta-Inhalte rund um die „Rings of Power“-Videos boten Tolkien-Fans einen Raum, sich miteinander zu vernetzen, sich gegen die kommerzielle Ausbeutung geliebter Literatur zu wehren und für Lacher zu sorgen. Kommentarbereiche wie jene unter den „Rings of Power“-Videos sind zu Mikrogemeinschaften geworden, mit eigenen Sprachen und Bräuchen. Mit Francois’ Worten: „Ein Kommentar ist ein Medium innerhalb eines Mediums. … Der Kommentar ist nicht mehr nur eine Reaktion – er ist ein Teil der kulturellen Weitergabe.“ Diese Weitergabe umfasst das Reflektieren und sogar das Verändern der Botschaft oder Geschichte, die im Primärinhalt enthalten ist. Kommentare „bereichern den Kontext, verdrehen Bedeutungen und erzählen Geschichten innerhalb der Geschichte.“

„Kommentarkultur“ als Produkt

Clevere Marken und Influencer haben begonnen, diese neue Form des Diskurses zu ihrem Vorteil zu nutzen und eine für ihre Produkte spezifische „Kommentarkultur“ zu entwickeln. Aus Marketingsicht können Kommentare ein wirkungsvolles Instrument sein, um das Publikum einzubinden, Meinungen zu mobilisieren und Markenimages aufzubauen. (Das sollte sich „Rings of Power“ zu Herzen nehmen.)
Die Höhen und Tiefen der Kommentarbereiche spiegeln eine Form der kulturellen Teilhabe wider, die nur im Internetzeitalter existieren kann. In kurzen, oft grammatikalisch fehlerhaften Einwürfen sehen wir die Menschlichkeit oft lebendiger zum Ausdruck kommen, als wir es im realen Leben tun würden – sowohl das Gute als auch das Schlechte.
Online-Kommentarbereiche haben zweifellos die Qualität des öffentlichen Diskurses verschlechtert und zu voreiligen Urteilen, irrationalen persönlichen Angriffen und alarmistischen Klagen geführt. Aber sie bieten auch Raum für bürgerschaftliches Engagement, gesellschaftliche Kommentare sowie menschliche Solidarität und Mitgefühl in einem schrägen, unvorhersehbaren Format.
Es ist ein wilder Ort – der Dschungel der Internetkommentare. Aber es überrascht wohl kaum, dass manche Menschen sich mehr zu diesem widerspenstigen Gewirr hingezogen fühlen, in dem sowohl die Blumen als auch die Dornen der Menschheit zur Schau gestellt werden, als zu dem Artikel oder Video, um das es sich dabei eigentlich dreht.

Ob durch Influencer oder andere Unternehmen: Zunehmend wird auch die Kommentarwelt profitorientiert erschlossen.

Foto: ronstik/iStock

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Some Users Care More About the Comments Section Than the Article“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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„Berührend“: Alle wollen Blumen für König Harald kaufen

Seit dem Tod von König Harald V. hat die Floristin Charlotte Skogrand Bø viel mehr zu tun als sonst. In dem kleinen Blumenladen „Floriss“ nahe dem Osloer Schloss binden sie und ihre Kolleginnen einen Strauß nach dem nächsten mit rotem Seidenband, den die Norweger auf dem Schlossplatz und an anderen Orten für ihren gestorbenen Monarchen ablegen. „Hier ist viel los“, erzählt sie.
„Viele Menschen wollen ihre Anteilnahme zeigen, was sehr schön und warm und berührend ist.“ Die Blumenverkäuferin fasst sich ans Herz: „Er war eine wunderschöne Seele“, sagt sie über König Harald. „Es ist sehr traurig.“ Zu sehen, wie ihr Land in dieser Zeit der Trauer zusammenhalte, bewege sie sehr, sagt sie. „Diese Liebe ist wirklich sehr, sehr schön.“
Noch heute soll eine neue Lieferung Blumen im Laden ankommen – damit noch mehr Norwegerinnen und Norweger dem Monarchen ihren Respekt zollen können. Der 89-Jährige war am Freitagmorgen im Krankenhaus gestorben. Neuer norwegischer König ist seitdem sein Sohn Haakon. (dpa/red)
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EU verschärft Kurs gegenüber China – Handelsdefizit über 350 Milliarden Euro


In Kürze:

  • Das EU-Handelsdefizit mit China erreicht 359,9 Milliarden Euro.
  • Die EU-Importe von Plug-in-Hybridfahrzeugen aus China stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 162 Prozent.
  • Brüssel verhängte Antidumpingzölle von 4,3 bis 45,3 Prozent auf chinesische Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen und 60 bis 67,6 Prozent auf Polyamidgarne.
  • Die CO₂-Grenzabgabe CBAM soll auf weitere Produktgruppen ausgeweitet werden.

 
Die EU weitet ihre handelspolitischen Schutzmaßnahmen aus. Hintergrund sind neu veröffentlichte Daten, die einen deutlichen Anstieg der Importe chinesischer Fahrzeuge, Batterien und Maschinen zeigen.
Nach den neuesten Zahlen des EU-Statistikamtes Eurostat, die am 14. August veröffentlicht wurden, beliefen sich die EU-Importe aus China im Juni auf 53,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Im selben Monat exportierte die EU Waren im Wert von 18,8 Milliarden Euro nach China. Daraus ergibt sich ein monatliches Handelsdefizit von 35,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 lag es bei 31 Milliarden Euro.

EU verschärfte Importüberwachung

Die EU verhängte zuletzt neue Antidumpingzölle auf chinesische Reifen und Polyamidgarne. Gleichzeitig beobachtet Brüssel weitere Sektoren im Hinblick auf mögliche handelspolitische Maßnahmen.
Neben der Einführung dieser Antidumpingzölle im Juli hat die EU-Kommission ihr im Jahr 2025 eingerichtetes Instrument zur Importüberwachung weiterentwickelt. Ziel ist es, anhaltende und längerfristige Zuwächse bei den Importen zu erfassen.
Die Kommission erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass die überarbeitete Methodik insbesondere Produkte identifizieren soll, bei denen die Importmengen steigen und gleichzeitig die Preise fallen. Damit sollen langfristige Entwicklungen erfasst werden, anstatt kurzfristige Veränderungen zu berücksichtigen, die beispielsweise durch zollbedingte Handelsumlenkungen entstehen.

Brüssel sieht Überkapazitäten als Ursache

Nach Angaben der Kommission steht der allgemeine Druck durch die steigenden Importe im Zusammenhang mit Überkapazitäten in der Industrie. Diese führt sie auf staatlich gelenkte Politik und Fördermaßnahmen zurück.
In einer separaten Bewertung des Handels zwischen der EU und China verwies die Kommission auf Chinas „marktverzerrende Industriepolitik und -praktiken“. Dazu zählt sie auch die umfangreiche staatliche Förderung des verarbeitenden Gewerbes.
Die EU importierte 2025 Waren im Gesamtwert von 559,5 Milliarden Euro aus China. Die Exporte nach China betrugen hingegen nur 199,5 Milliarden Euro.
Die Kommission bezifferte das Handelsdefizit auf 359,9 Milliarden Euro und nannte das Verhältnis „kritisch unausgewogen“.

Maschinen und Fahrzeuge besonders betroffen

Einige Importkategorien, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, stufte die EU als sensibel ein und hat entsprechende Handelsmaßnahmen eingeleitet.
Im März begann die Kommission eine Untersuchung zu Schutzmaßnahmen bezüglich der Einfuhren von Spezial-Siliziumstahl. Sie begründete dies mit einem hohen Importdruck, insbesondere aus China. Das Material wird in Leistungstransformatoren verwendet und gilt laut der Behörde als „von entscheidender Bedeutung“ für die Sicherheit der europäischen Energieinfrastruktur.
Mehr als die Hälfte der Industriegüter, die die EU im Jahr 2025 aus China importierte, entfielen auf Maschinen und Fahrzeuge. Zu diesen Kategorien zählen Autos, Industriemaschinen, elektrische Ausrüstung sowie Produkte, die in der gesamten Fertigungsindustrie und Infrastruktur eingesetzt werden.
In der ersten Hälfte dieses Jahres stiegen laut den von Epoch Times ausgewerteten Eurostat-Handelsdaten die Importe aus China in mehreren der größten Kategorien von Industriegütern an.
Die Importe chinesischer elektrischer Maschinen und Geräte wuchsen um 10,2 Prozent auf 85,8 Milliarden Euro. Bei Fahrzeugen und Ersatzteilen betrug der Anstieg 41 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro. Maschinen und mechanische Geräte legten um 9,1 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro zu.

Importe von Plug-in-Hybridfahrzeugen steigen

Innerhalb der Kategorie der Fahrzeuge fallen chinesische Plug-in-Hybridfahrzeuge weiterhin nicht unter die EU-Ausgleichszölle, die sich gegen chinesische batterieelektrische Fahrzeuge richten.
Ein Aktionsplan der Kommission von 2025 bezeichnete die Fahrzeugindustrie als „zentralen Motor des europäischen Wohlstands“. Die Branche trägt etwa 1 Billion Euro zum BIP bei und beschäftigt direkt und indirekt 13 Millionen Menschen.
Chinesische Importe setzen die Branche unter Druck. Die Importe von chinesischen Plug-in-Hybrid-Pkw stiegen von rund 1,3 Milliarden Euro  im ersten Halbjahr 2025 auf 3,4 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2026. Das entspricht einem Anstieg von rund 162 Prozent.
Die Einfuhren chinesischer batterieelektrischer Pkw, für die Zölle erhoben werden, stiegen im gleichen Zeitraum um etwa 45 Prozent – von 3,1 auf 4,4 Milliarden Euro. Die Importe chinesischer Lithium-Ionen-Batterien stiegen um 39 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro.
Die bestehenden Zölle auf Elektrofahrzeuge wurden nach einer Untersuchung der Kommission im Oktober 2024 verhängt. Diese kam zu dem Schluss, dass chinesische batterieelektrische Fahrzeuge von staatlichen Subventionen profitierten, die den europäischen Herstellern wirtschaftlichen Schaden zufügten. Die Zölle traten am 31. Oktober 2024 in Kraft.
Anschließend identifizierte die Kommission auch Batterien als einen Schlüsselbereich im Wettbewerb mit China. Brüssel erklärte, die EU sei bereit, lokale Hersteller vor unlauteren Praktiken entlang der gesamten Lieferkette für Elektrofahrzeuge zu schützen – einschließlich Batterien und Bauteile.
Das „Handelsblatt“ berichtete im Juni unter Berufung auf hochrangige EU-Beamte und Branchenquellen, dass die Kommission Ausgleichszölle auf chinesische Plug-in-Hybridfahrzeuge vorbereite. Öffentlich angekündigt hat die Kommission eine solche Untersuchung bislang jedoch nicht.
Ein Sprecher der EU-Kommission sagte gegenüber Epoch Times, die Kommission beobachte „die Entwicklung der Importe von Hybridfahrzeugen weiterhin“. Eine Stellungnahme dazu, ob ein Handelsschutzverfahren vorbereitet werde, lehnte er ab. Die Kommission kommentiere keine potenzielle zukünftige Fälle, „unabhängig davon, ob etwas in Vorbereitung ist oder nicht“.

Zölle zielen auf Importe, die EU-Herstellern nachweislich schaden

Die verstärkte Überwachung erfolgt parallel zu produktspezifischen Verfahren, in denen die Kommission feststellt, dass chinesische Importe europäischen Herstellern Schaden zugefügt haben.
Im Juli verhängte die Kommission Antidumpingzölle von 4,3 bis 45,3 Prozent auf chinesische Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen. Zuvor hatte sie festgestellt, dass die Produkte zu Dumpingpreisen in die EU gelangten und den einheimischen Herstellern schadeten.
Nach Angaben der Kommission beschäftigt die EU-Reifenindustrie in 14 Mitgliedstaaten mehr als 80.000 Menschen. Die chinesischen Importe beliefen sich im Jahr 2024 auf insgesamt fast 93 Millionen Reifen im Wert von über 2,5 Milliarden Euro. Damit entfielen 28 Prozent des EU-Marktes auf chinesische Produkte. Eine parallel laufende Antisubventionsuntersuchung zu diesen Produkten soll im Dezember abgeschlossen werden.
Später im Juli verhängte die Kommission Zölle in Höhe von 60 bis 67,6 Prozent auf Polyamidgarne aus China. Hier ergaben Untersuchungen, dass chinesische Importe zu Dumpingpreisen erfolgten und ebenfalls den EU-Herstellern schadeten.
Diese europäische Industrie beschäftigt in Kroatien, Italien, Spanien, Rumänien und Slowenien direkt etwa 2.000 Menschen. Der EU-Markt hat ein Volumen von rund 400 Millionen Euro. Die Garne werden unter anderem in Sportbekleidung, medizinischen Anwendungen und Heimtextilien verwendet.

Marktanteil europäischer Unternehmen in China schrumpft

„Bloomberg“ zitierte einen Bericht von Goldman Sachs, wonach bestehende und potenzielle EU-Handelsmaßnahmen Auswirkungen auf Produkte haben könnten, die insgesamt 27 Prozent der jährlichen Exporte Chinas in die Union ausmachen. Goldman Sachs fügte an, die tatsächlichen Auswirkungen würden davon abhängen, welche Maßnahmen verabschiedet und wie sie umgesetzt werden.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič wies am 29. Juni bei den Verhandlungen mit Peking auf die Handelsbelastungen hin. Zuvor traf er sich in Brüssel mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao. Die chinesischen Exporte in die EU würden weiter steigen, während der Marktanteil europäischer Unternehmen in China schrumpfe.
„Dieser Trend ist nicht nachhaltig und der Status quo keine Option“, sagte Šefčovič damals.
Die Kommission teilte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Kontakte auf technischer Ebene mit Peking fortgesetzt würden. Im Herbst 2026 werde ein weiteres Treffen auf Ministerebene stattfinden.
Auf die Frage, was als greifbarer Fortschritt gelten würde, antwortete die Kommission, sie erwarte Initiativen, die langjährige Probleme in den Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen der EU und China „sinnvoll angehen“. Welche Maßnahmen konkret diesen Standard erfüllen, bliebt offen.

CO₂-Grenzregelungen könnten sich auf die Kosten chinesischer Waren auswirken

Die EU treibt zudem die Ausweitung des Spektrums importierter Industrieerzeugnisse voran, die der CO₂-Grenzabgabe unterliegen.
Die CO₂-Grenzabgabe (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) trat am 1. Januar in Kraft. Aktuell gilt dies für bestimmte Importe von Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemitteln, Strom und Wasserstoff.
Für chinesische Waren, die unter das CBAM fallen, müssen EU-Importeure die CO₂-bezogenen Kosten tragen. Diese sind an die bei der Produktion entstehenden Emissionen gekoppelt.
Am 12. Juni verabschiedete der Rat der Europäischen Union seine Verhandlungsposition zu einem Vorschlag der EU-Kommission, das CBAM auf ausgewählte nachgelagerte Produkte auszuweiten, die erhebliche Mengen an Eisen, Stahl oder Aluminium enthalten.
Der Rat und das EU-Parlament müssen sich noch auf die Rechtsvorschriften einigen, bevor die Erweiterung in Kraft treten kann.
 
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „EU Steps Up Trade Defenses as Chinese Vehicle, Battery Imports Surge“. (deutsche Bearbeitung ks)