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Gegen grölende Touristen: Kroatiens Parlament erlaubt nächtliche Alkoholverkaufsverbote

Wegen Alkohol-Exzessen in Touristen-Hochburgen in Kroatien hat das Parlament in Zagreb mit einer Gesetzesänderung Kommunen das Recht eingeräumt, ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot zu verhängen.
Alle 117 anwesenden der insgesamt 151 Abgeordneten des kroatischen Parlaments stimmten am Freitag für die Gesetzesänderung. Städte und Gemeinden dürfen demnach den Alkoholverkauf einschränken, „um die öffentliche Gesundheit, die öffentliche Ordnung, das kulturelle Erbe und die Umwelt zu schützen“. Bars und Restaurants sind davon ausgenommen.
Tourismusminister Tonci Glavina erklärte, es gehe darum, das Leben der örtlichen Bevölkerung zu verbessern, „die in einer guten Symbiose mit dem Tourismus leben will und nicht, dass die ganze Stadt oder Region nur für den Tourismus existiert“.
Der Bürgermeister von Split, Tomislav Suta, kündigte an, auf Grundlage der Reform in dem Adria-Badeort ein Verkaufsverbot für Alkohol von 21.00 bis 06.00 Uhr einzuführen, um „Trunkenheit und ordnungswidriges Verhalten“ zu verringern.
Auch andere beliebte Touristenorte wie die Insel Hvar und die zentralkroatische Küstenstadt Zadar haben ein solches Verbot angekündigt. Auch in der Hauptstadt Zagreb wird ein Verbot geprüft, wie Bürgermeister Tomislav Tomasevic mitteilte.
Für Kroatien mit seiner malerischen Adria-Küste und seinen vielen Inseln ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, er macht etwa ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des EU-Landes aus. Vergangenes Jahr kamen knapp 22 Millionen Touristen in das 3,8-Millionen-Einwohner-Land.
In den vergangenen Jahren veröffentlichten örtliche Medien und Online-Netzwerke massenhaft Aufnahmen von stark betrunkenen Touristen, die auf der Straße trinken, in der Öffentlichkeit urinieren, lärmen und den Alltag der Bevölkerung stören, insbesondere nachts.(afp/red)
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Von Rosi bis Layla: Die Stadt Erlangen will ein Dutzend Lieder auf Bergkirchweihfest nicht hören


In Kürze:

  • „Skandal im Sperrbezirk“ nach 45 Jahren erneut auf dem Index.
  • Ballermann-Star Mickie Krause steht gleich mit vier Songs auf der Liste.
  • Gleichstellungsstelle will ein sicheres Feiern ermöglichen.

 
Als das Lied „Skandal im Sperrbezirk” der bayerischen Rock-’n’-Roll-Band Spider Murphy Gang auf den Markt kam, waren nicht alle Radiosender begeistert. Ob des Gebrauchs des Wortes „Nutten“ in dem Song, in dem es um die Rosi ging, die man unter 32168 erreichen konnte, setzten ihn vor allem Sender im Heimat-Bundesland der „Gang“ auf den Index.
Dem Lied brachte das mehr Popularität und der Band den größten Erfolg in ihrer nunmehr fast 50-jährigen Geschichte. Mindestens 750.000 Mal ging die Platte ab 1981 über die Verkaufstheken. Im Februar 1982 erklomm sie Platz eins der deutschen Charts.

Kein Spielverbot, vielmehr ein Appell

Später beruhigte sich der Aufruhr ums Lied – bis es nun erneut auf dem Index landet, und zwar beim Bergkirchweihfest (21. Mai bis 1. Juni) in Erlangen. Dieses Mal ist es die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Réka Lörincz, die den Bann über Rosi verhängt. Diese befindet sich in guter Gesellschaft mit den Interpreten von elf weiteren Liedern. Gleich mehrfach trifft es etwa den Party-Schlagersänger Mickie Krause, dessen Hits „Geh mal Bier holen“ und „Zehn nackte Friseusen“ auf der Sperrliste landeten. Ebenso sollen die Wirte den Sommerhit des Jahres 2022, „Layla“, nicht spielen.
Lörincz hat sich die Lieder, die schließlich auf ihrer Liste landeten, gemeinsam mit Kollegin Nora Hahn-Hobeck angehört, die wie sie Gleichstellungsbeauftragte ist. Das sei nicht besonders angenehm gewesen, sagen beide. Sie betonten aber auch, dass es sich nicht um ein Spielverbot, sondern vielmehr um einen Appell handele. „Uns geht es nicht um Verbote oder einen Kulturkampf.“ Man wolle ein sicheres Feiern ermöglichen und einen Rahmen schaffen, in dem sich jede Besucherin und jeder Besucher wohlfühle. „Es darf nicht sein, dass Frauen überlegen müssen, wo sie hingehen können und wo nicht“, sagt Lörincz.
Gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“ kommentierte ein verständnisloser „Spider Murphy Gang“-Manager Jürgen Thürnau das Vorgehen mit den Worten: „So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als wir in der DDR gespielt haben, da mussten wir jedenfalls keine Setliste vorlegen“.
Réka Lörincz begründet den Bann für das älteste Bierfest mit einer Beschwerde aus dem vergangenen Jahr. Eine Frau habe sich über sexistische Songs beklagt und sei Opfer von Übergriffen und Belästigungen geworden. Man wolle mit der Liste „gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern“ gewährleisten, heißt es in einer Begründung der Gleichstellungsstelle. Ziel sei es, dass man „gemeinsam“ dafür sorgt, „dass sich alle Gäste und Mitarbeiter auf dem Berg wohl und sicher fühlen“.

Wirtssprecher zeigt Verständnis

Auf der Liste, die unter anderem den Wirten übermittelt wurde, stehen nun zwölf Lieder, die die Gleichstellungsstelle als frauenfeindlich oder sexistisch einstuft. Die Empfänger der Aufstellung werden daher gebeten, diese Titel nicht zu spielen. Das Schreiben zitiert Textstellen und erläutert knapp, warum die Gleichstellungsstelle die Inhalte problematisch bewertet.
Unter den genannten Beispielen finden sich unter anderem Titel wie „Nein heißt ja“ des Schlagersängers G. G. Anderson. Die Erläuterungen kritisieren, dass die Textzeilen ein „Nein“ als Zustimmung darstellen und damit Grenzüberschreitungen verharmlosen.
Till Stürmer, Sprecher der Vereinigung der Bergwirte und Betreiber des Altstädter Schießhauses sowie des Birkner Kellers, zeigt Verständnis. Gleichzeitig mahnt aber Zurückhaltung bei der praktischen Umsetzung an. „Ich bin absolut der Meinung, dass man diskriminierende Lieder möglichst nicht spielen sollte“, sagt der Gastronom. Er verweist auf die besondere Situation während der Bergkirchweih.
So strömten alljährlich Tausende Besucher mit sehr unterschiedlichen Erwartungen auf den Berg. „Es gibt Menschen, die sich an so etwas stören – und andere, die genau diese Lieder hören wollen. Beides muss man zur Kenntnis nehmen“, so Stürmer. Zugleich relativiert er: „Ich glaube nicht, dass jemand wegbleibt, nur weil ein bestimmtes Lied nicht gespielt wird.“
Auf der Liste stehen folgende Lieder: „Olé, wir fahr‘n in den Puff nach Barcelona“; „Zehn nackte Friseusen“; „Geh mal Bier holen“ (alle Mickie Krause); „Donaulied“ (verschiedene Interpreten, unter anderem Mickie Krause); „Skandal im Sperrbezirk“ (Spider Murphy Gang); „Nein heißt ja“ (G. G. Anderson); „Baby Bell“ (Breitner); „Joana (du geile Sau)“ (Peter Wackel); „Layla“ (DJ Robin und Schürze); „Deine Freundin“ (SDP); „20 Zentimeter“ (Mirja Boes); „Die Glöcknerin von Dingolfing“ (Dorfrocker).