Aus Furcht vor der Zahl 13 werden viele Menschen kreativ: so auch bei dieser Hausnummer. - Foto: gemeinfrei
In Kürze:
Die 13 gilt hierzulande als typische Unglückszahl, was sich in fehlenden Sitzreihen und Etagen zeigt.
Eine mögliche Ursache für die Angst könnte in der Natur der Zahl Zwölf liegen, die Ordnung und Vollendung symbolisiert.
Ein Blick in die Mathematik, Religion, Astronomie und Geschichte zeigt jedoch, dass die Dreizehn eine schöne Seite hat.
Indem wir die Zahl nicht mehr fürchten und vielmehr als Beginn von etwas Neuem sehen, können wir sie zu einer Glückszahl machen.
Die Zahl Zwölf gilt als eine der großen Zahlen der Vollendung: zwölf Monate im Jahr, zwölf Tierkreiszeichen, die zwölf Apostel Christi und natürlich die zwölf Aufgaben des Herakles.
Doch was geschieht nach der Vollendung? Was ist, wenn wir dem Dutzend noch eine Zahl hinzufügen? Dann gelangen wir zur 13 – und betreten sofort unruhigeres und mehrdeutigeres Terrain.
Leben mit der unheilvollen 13
Für viele Menschen ist die 13 schlichtweg eine Unglückszahl. Hotels lassen manchmal die 13. Etage weg. In Flugzeugen fehlt möglicherweise die 13. Reihe. Und Gastgeber haben oft Angst davor, 13 Personen an einen Esstisch zu setzen.
Diesen Aberglauben nutzte die britische Schriftstellerin Agatha Christie (1890–1976) in ihrem Roman „Dreizehn bei Tisch“ aus, der verfilmt unter dem unheilvollen Titel „Mord à la Carte“ erschien.
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In einigen großen Hotels fehlt aus Gründen des Aberglaubens die 13. Etage.
Mit „Triskaidekaphobie“ hat diese Angst sogar einen eigenen Namen. Er bildet sich aus den griechischen Wörtern „treis“ (drei), „kai“ (und), „deka“ (zehn) und „phobia“ (Angst). Zwar ist der Begriff relativ modern, doch tauchte er im Englischen erstmals etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf.
Obwohl die Angst real ist, sind ihre Ursprünge weitaus weniger sicher. Eine bekannte Erklärung bezieht sich beispielsweise auf das Letzte Abendmahl. Christus speiste mit seinen zwölf Aposteln, womit 13 Personen am Tisch saßen. Einer von ihnen, Judas, verriet ihn. Auf das Mahl folgte die Kreuzigung am Karfreitag, was erklärt, warum der Freitag, der 13., seinen besonders unheilvollen Ruf erlangte.
„Das Letzte Abendmahl“ ist neben der „Mona Lisa“ das berühmteste Gemälde von da Vinci.
Erfundene Geschichten als Rechtfertigung für die Angst
Eine andere weitverbreitete Geschichte erzählt von zwölf nordischen Göttern, die in Walhalla ein Festmahl feierten. Als Loki, der ungebetene 13. Gast, eintraf, tötete er Baldr, den Gott des Lichts und der Freude.
Es ist eine hervorragende Geschichte – aber wahrscheinlich eine spätere Erfindung. Denn keine der beiden Sagen-Versionen der Edda, unsere Hauptquellen für Baldrs Tod, beschreibt ein solches Festmahl oder identifiziert Loki als den 13. Gast. Das ist an sich schon aufschlussreich.
Wir erfinden Geschichten, um unser instinktives Unbehagen zu erklären. Wir haben das Gefühl, dass mit der Zahl 13 etwas nicht stimmt, und suchen daher in der Vergangenheit nach einem Ereignis, das dieses Gefühl rechtfertigt.
Aber warum sollte uns die 13 beunruhigen? Die Antwort liegt vielleicht nicht in der 13 selbst, sondern in der außergewöhnlichen Kraft der Zahl Zwölf.
Ein schönes Zahlenspiel
Die Zwölf ist eine Zahl, die sich wunderbar teilen lässt: durch zwei, drei, vier und sechs. Sie eignet sich daher für Maße, Ordnung und Herrschaft. Zwölf Monate gliedern das Jahr, zwölf Stunden teilen Tag und Nacht, zwölf Tierkreiszeichenkartografieren den Himmel. Die Zwölf suggeriert einen geordneten, vermessenen und nachvollziehbaren Kosmos.
Die 13 durchbricht diese Ordnung. Als Primzahl lässt sie sich nur durch sich selbst und durch eins ganzzahlig teilen. Im Gegensatz zur anpassungsfähigen Zwölf widersetzt sie sich der Unterteilung.
Dennoch besitzt sie ihre eigene seltsame mathematische Schönheit: 13 × 13 = 169. Kehrt man diese Ziffern um, erhält man 31 und 31 × 31 = 961: eine Art numerisches Palindrom.
Dennoch bleibt die 13 ästhetisch wie praktisch ein unbehagliches Element. Sie ist der Rest, der Gast, für den kein Platz vorbereitet wurde. Nachdem die Zwölf den Kreis vollendet hat, tritt die 13 aus ihm heraus. Sie lässt sich nicht nahtlos in das bestehende Muster einfügen. Dies könnte erklären, warum die Zahl 13 später so häufig mit dem Tod in Verbindung gebracht wurde.
13 als Zahl des Endes
In der üblichen Tarot-Reihenfolge ist der 13. Trumpf der Tod. Die frühesten erhaltenen Tarotkarten waren jedoch nicht immer nummeriert, und ihre Reihenfolge war noch nicht vollständig festgelegt.
Eine Visconti-Sforza-Karte aus dem 15. Jahrhundert zeigt den Tod als elegante Skelettgestalt. Er ist mit einem Bogen bewaffnet und konfrontiert den Betrachter mit der Vergänglichkeit weltlicher Rangordnung und Macht. In der späteren Tarot-Tradition bedeutet der Tod nicht unbedingt bloßes Auslöschen: Ein Zustand muss enden, bevor ein anderer beginnen kann.
Die Tarotkarte von Bonifacio Bembo (1420–1480), welche sich in der US-amerikanischen Morgan Library befindet, zeigt den Tod mit Bogen.
Im Volksmund mussten Verurteilte 13 Stufen hinauf zum Galgen steigen, obwohl die tatsächliche Stufenanzahl bei Schafotten wohl keine Rolle spielte. Das Bild hat sich dennoch gehalten, weil es die Vorstellungskraft widerspiegelt, die die Zahl 13 mit dem letzten Schritt jenseits der geordneten Welt der Lebenden verbindet.
Die Zahl 13 steht also vielleicht weniger für Unglück als vielmehr für Verwandlung. Dies wird deutlicher, wenn wir den Mond betrachten.
Die Verbindung zum Mond
Ein Mondzyklus dauert etwa 29,5 Tage. Die meisten Sonnenjahre umfassen daher zwölf Vollmonde, doch etwa alle zwei oder drei Jahre erscheint ein dreizehnter, „zusätzlicher“ Mond. Dieser zweite Mond innerhalb eines Monats wird auch „Blauer Mond“ genannt.
Der 13. Mond stört die ordentliche Übereinstimmung zwischen Mond- und Sonnenkalender. Er ist ein Überbleibsel der erwarteten Ordnung, und doch ist er völlig natürlich. Die Natur lässt sich nicht in unsere bequemen Zahlensysteme einengen.
Außerdem ist der Mond stark mit menschlicher Unbeständigkeit und Fruchtbarkeit verbunden. Das englische Wort „lunacy“ (zu Deutsch: Wahnsinn) bewahrt den alten Glauben, dass der Mond den rationalen Verstand stören könne. Moderne wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch kaum Belege für einen Einfluss des Mondes auf das menschliche Verhalten gefunden.
Der Menstruationszyklus wurde unterdessen aufgrund seiner in etwa vergleichbaren Dauer oft fantasievoll mit dem Mondmonat in Verbindung gebracht. Ob der Mond einen derartigen Einfluss hat oder nicht, die alte Assoziation ist symbolisch vielsagend: Blut, Verlust, Periodizität und die Vorbereitung auf erneute Fruchtbarkeit gehören alle zu dem geheimnisvollen Rhythmus, nach dem das Leben voranschreitet – nicht in einer geraden Linie, sondern durch wiederkehrende Enden und Anfänge.
Der Beginn von etwas Neuem
Die gleiche Mehrdeutigkeit zeigt sich in der Religion. Im Judentum ist die 13 keine Zahl, die in erster Linie mit Unglück in Verbindung steht. Mit 13 wird ein Junge für die Einhaltung der Gebote verantwortlich: Er wird Bar-Mizwa, wörtlich „derjenige, der den göttlichen Geboten unterliegt“.
Im traditionellen Judentum übernimmt ein Mädchen die entsprechenden Pflichten im Alter von zwölf Jahren, wobei die unterschiedlichen Altersangaben den Glauben widerspiegeln, dass Mädchen früher die Reife erlangen als Jungen.
Für unsere Zwecke bleibt jedoch das 13. Lebensjahr des Jungen bemerkenswert: Die 13 ist kein Fluch, sondern eine Initiation, der Punkt, an dem die Kindheit der moralischen Verantwortung weicht. Das bisherige Leben endet – ein neues und anspruchsvolleres Leben beginnt.
Lesung der Thora während der Bar-Mizwa eines Jungen in den USA.
Die Symbolik der Gründung der USA liefert ein weiteres positives Beispiel. Die 13 ursprünglichen Kolonien werden auf dem Großen Siegel der Vereinigten Staaten in vielfältiger Weise gewürdigt: 13 Sterne, 13 Streifen, 13 Pfeile, 13 Blätter und 13 Olivenzweige. Hier steht die Zahl nicht für Zersplitterung, sondern für eine neue Einheit, die aus getrennten politischen Gemeinschaften hervorgeht.
Das Große Siegel der Vereinigten Staaten wurde nach der Vereinigung der 13 US-Kolonien im Jahr 1782 eingeführt.
Selbst eines der Ereignisse der Neuzeit, dessen Datum am bedrohlichsten erscheint, birgt dieselbe Umkehrung. Am 13. April 1970 kam es bei der Apollo-13-Mission zu einer Explosion des Sauerstofftanks. Es waren zwei Dreizehner, die sich offenbar gegen die NASA verschworen und sie zwangen, die geplante Mondlandung abzubrechen.
Doch dank Mut, Einfallsreichtum und disziplinierter Zusammenarbeit kehrten die drei Astronauten sicher zur Erde zurück. Die NASA hat die Mission treffend als „erfolgreichen Misserfolg“ bezeichnet. Was wie eine Katastrophe aussah, wurde zu einem Beweis für den Einfallsreichtum.
Manche sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben die 13 bewusst als Herausforderung an den Aberglauben angenommen. Der 2,16 Meter große US-amerikanische Basketballer Wilt Chamberlain (1936–1999) trug diese Nummer während seiner gesamten Karriere. Auf die Frage, ob die 13 Unglück bringe, soll er geantwortet haben: „Ja, meinen Gegnern“.
Wilt Chamberlain (1936–1999) war einer der besten und athletischsten Basketballer der NBA und trug während seiner gesamten Karriere die Trikotnummer 13.
Werfen wir noch einmal einen Blick auf Herakles und seine zwölf Aufgaben. Durch diesen Heldenzyklus überwindet er Bestien, Tyrannen, das Chaos und sogar den Tod selbst, als er den Höllenhund aus der Unterwelt holt. Doch die Geschichte des griechischen Helden endet nicht wirklich mit der zwölften Aufgabe. Es gibt nämlich tatsächlich eine Dreizehnte: Herakles muss sterben.
Vergiftet durch das Blut des Zentauren Nessos befiehlt Herakles, auf dem Berg Oeta einen Scheiterhaufen zu errichten. Seine sterbliche Natur wird von den Flammen verzehrt – doch seine göttliche Natur steigt zum Olymp empor.
Dort versöhnt er sich mit Hera, deren Feindseligkeit seine Leiden verursacht hatte. Dafür erhält er Hebe, die Göttin der Jugend, als seine unsterbliche Braut. Das ist die tiefste Bedeutung der Zahl 13: Die zwölf Aufgaben vollendeten den Helden innerhalb der Grenzen der Welt – die dreizehnte trug ihn über die Welt hinaus.
Das Hemd, das ihm seine Frau Deianira auf Anraten des Kentauren Nessos überreichte, war mit dem Gift der Hydra eingerieben. Ohne es zu wissen, tötete sie damit Herakles.
Das gleiche Muster zeigt sich im Christentum. Beim Letzten Abendmahl ist Christus nicht einer der Zwölf, sondern derjenige, um den sich die Zwölf versammeln. Der Verräter bringt den Tod in die Gemeinschaft, doch Christus verwandelt diesen Tod in den Weg zur Auferstehung. Wieder einmal durchbricht die 13 die feststehende Ordnung und weist auf etwas noch Unsichtbares hin.
Wir haben Angst vor der 13, weil wir das fürchten, was jenseits der Vollendung liegt. Wir wollen, dass die Uhr bei der Zwölf stehen bleibt, der Kreis geschlossen ist und die bekannte Welt unendlich weiterbesteht. Doch keine menschliche Errungenschaft, keine Institution und kein Leben kann dort verharren.
Jede Vollendung wird zur Schwelle eines neuen Anfangs. Das Kind wird verantwortungsbewusst, das alte Jahr weicht dem neuen, der Held tritt ins Feuer und der Samen stirbt in der Erde. Die 13 ist gefährlich, weil Verwandlung gefährlich ist.
Sie ist eine Unglückszahl für alles, was sich weigert, sich zu verändern. Doch für diejenigen, die bereit sind, die Schwelle zu überschreiten, ist die 13 vielleicht gar nicht die Zahl der Zerstörung. Sie könnte die Zahl der Auferstehung und Neuordnung sein.
Einige Juden zeigen ihre Kippa nicht mehr in der Öffentlichkeit. (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland befindet sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Dies geht aus dem in Berlin vorgestellten Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) hervor.
Dessen Meldestellen dokumentierten 2025 insgesamt 8.725 antisemitische Vorfälle und damit rund hundert mehr als im Vorjahr. Besonders stark nahmen 2025 Vorfälle mit einem rechtsextremen Hintergrund zu.
Meist israelbezogener Antisemitismus
Im Jahr 2024 war die Zahl antisemitischer Vorfälle sprunghaft um 77 Prozent auf 8.627 Fälle und damit einen neuen Höchststand angestiegen. Grund war vor allem der rasante Anstieg dokumentierter Fälle seit dem Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den damit verbundenen Gegenmaßnahmen Israels. Auch 2025 handelte es sich laut Rias bei gut zwei Drittel aller Vorfälle um israelbezogenen Antisemitismus.
Ein Teilnehmer der Kundgebung “Allianz gegen Antisemitismus ruft zur Solidarität mit Israel auf“ 2024. Die Zahl der antisemitisch motivierten Straftaten ist in den vergangenen Monaten enorm angestiegen.
Foto: Thomas Banneyer/dpa
Dabei entsprechen die insgesamt 8.725 Fälle im vergangenen Jahr knapp 24 pro Tag. Rias zufolge wurden Jüdinnen und Juden häufig an alltäglichen Orten Opfer von Antisemitismus.
So wurden Gemeindemitglieder vor einem Gebetsraum beleidigt und bespuckt, Rabbiner im Supermarkt gestoßen oder Juden im Bus mit der Leugnung der Schoa konfrontiert. Auch Schmierereien an Wohnhäusern und auf Stolpersteinen sowie antisemitische Äußerungen am Arbeitsplatz, in Bars oder Schulen dokumentierte die Stelle erneut.
Antisemitismus Teil des Alltags
„Unser Jahresbericht zeigt, Antisemitismus droht sich zu normalisieren“, sagte Rias-Vorstand Benjamin Steinitz. Er habe den Eindruck, „dass sich die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft an das erschreckende Ausmaß an Antisemitismus gewöhnt hat“. Für Juden sei der Alltag unsicherer und belastender geworden, viele würden bestimmte Orte vermeiden.
Der Bericht zeichne „ein erschreckendes Bild“, betonte der Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung, Felix Klein. „Antisemitismus ist in Deutschland scheinbar ungebremst auf dem Vormarsch. Er ist dabei, sich gesellschaftlich zu normalisieren.“
Jeder 4. Vorfall passiert online
Deutliche Steigerungen gab es neben Fällen mit rechtsextremem Hintergrund auch bei Antisemitismus im Netz, wie aus dem Bericht hervorgeht. Über ein Viertel (27 Prozent) der Vorfälle ereignete sich online.
Viele davon „vermitteln den Eindruck, dass Antisemitismus online ungehemmter artikuliert wird“, heißt es in dem Rias-Bericht. Das gelte besonders für Bedrohungen und die Nutzung einschlägiger Symbole und Emojis.
Die Ermordung von Millionen von Juden in Deutschland und Europa begann laut einer Kampagne mit Hass.
Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa/SymbolfotoD/dpa
Das Ausmaß antisemitischer Vorfälle sei auch im zweiten Jahr nach dem Angriff der Hamas vom Oktober 2023 auf einem „sehr hohen Niveau“ geblieben, heißt es in dem Bericht weiter. „Eine Trendwende war nicht zu erkennen.“ Erneut habe sich gezeigt, dass die Lage im Nahen Osten vielen als Anlass dafür diente, sich antisemitisch zu äußern oder Juden anzugreifen.
Für diese bleibe Antisemitismus damit ein „alltagsprägendes Phänomen, das ihnen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen begegnete“. Ein „breiter gesellschaftlicher Widerspruch“ zu antisemitischen Aussagen und Solidarität mit Juden sei hingegen oft ausgeblieben, beklagte der Bericht.
Jahresbericht als Weckruf
„Staat und Zivilgesellschaft müssen Antisemitismus in all seinen Facetten benennen und entgegentreten“, forderte Rias-Vorstand Steinitz. „Werden Sie lauter – zeigen Sie Ihre demokratische Haltung jeden Tag, wenn es nötig ist.“
Die Gesellschaft müsse den Kampf gegen Antisemitismus als ihre eigene Aufgabe wahrnehmen, mahnte der Antisemitismus-Beauftragte Klein. „Denn Antisemitismus bedroht nicht nur Jüdinnen und Juden, er bedroht unsere Demokratie, unsere Freiheit und den moralischen Kern unserer Republik.“
Ein Huthi-Anhänger hebt einen traditionellen jemenitischen Dolch (Jambiya) mit dem Huthi-Slogan (Sarkha), der übersetzt „Allah ist der Größte, Tod für Amerika, Tod für Israel, Fluch über die Juden, Sieg für den Islam“ bedeutet, während einer Demonstration in Sanaa gegen die USA und Israel.
Foto: Osamah Yahya/dpa
Der Rias-Jahresbericht müsse „Weckruf und Auftrag für Politik und Zivilgesellschaft sein“, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Die inzwischen fast alltägliche Präsenz des Judenhasses führt zur Bildung einer ’neuen Normalität‘, in der jüdisches Leben aus der Öffentlichkeit gedrängt wird und nur unter immensen Schutzanstrengungen möglich ist.“
In den vergangenen Wochen hatten bereits einige Bundesländer ihre Bilanz für 2025 veröffentlicht. So stieg die Zahl etwa in Niedersachsen auf einen neuen Höchststand, auch in Sachsen-Anhalt nahm sie zu.
In Berlin ging die Zahl antisemitischer Vorfälle zwar leicht zurück, blieb aber auf einem hohen Niveau. In der Bundeshauptstadt ereignete sich 2025 auch ein extremer Gewaltvorfall, als ein spanischer Besucher des Holocaust-Mahnmals mit einem Messer angegriffen wurde und nur knapp überlebte. (afp/red)
Im Hintergrund steigt Rauch von einem Brand auf, der am 27. Mai 2026 in einem Supermarkt im Stadtteil Golders Green im Norden Londons ausgebrochen war. - Foto: Toby Shepheard/AFP via Getty Images
In einem koscheren Supermarkt im Londoner Stadtteil Golders Green ist am Mittwoch Medienberichten zufolge ein Feuer ausgebrochen.
Die Feuerwehr bestätigte einen Brand „in einem Geschäft im Erdgeschoss und in einem Lagerraum hinter dem Geschäft“, ohne nähere Angaben zu dem betroffenen Unternehmen zu machen.
Rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz
Die Brandursache sei noch unklar, erklärte die Feuerwehr. Im jüdisch geprägten Nord-Londoner Stadtteil Golders Green hatte es zuletzt eine Reihe von Angriffen gegen jüdische Einrichtungen gegeben.
Der Feuerwehr zufolge waren rund 100 Brandschützer im Einsatz. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP vor Ort sah eine schwarze Rauchwolke über dem Brandort, der von der Polizei abgeriegelt war.
Mehreren Medienberichten zufolge handelt es sich um den Supermarkt „Kosher Kingdom“, der auf seiner Webseite als „der größte koschere Supermarkt in Europa“ bezeichnet wird und eine Fläche von rund 7.000 Quadratmetern haben soll. Demnach zählt er wöchentlich mehr als 9.500 Kunden.
Ende April waren im Stadtteil Golders Green bei einem Angriff zwei Männer mit einem Messer verletzt worden. Die Anti-Terror-Polizei übernahm die Ermittlungen. Am Tatort wurde ein 45 Jahre alter Mann festgenommen.
In den vergangenen Monaten wurde in London eine Serie von Angriffen auf jüdische und israelische Einrichtungen verübt, in den meisten Fällen handelte es sich um Brandanschläge oder versuchte Brandanschläge.
Nach Angaben der Organisation SITE Intelligence Group bekannte sich die pro-iranische Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (Hayi) zu fast allen Angriffen. (afp/red)