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Chinas Transplantationssystem: Wie Menschenrechtsverbrechen verschleiert werden


In Kürze:

  • Ein investigativer Bericht befasst sich mit den Strukturen von Chinas Transplantationsindustrie.
  • Medizinische Ethik liegt in China unterhalb des Parteigehorsams.
  • Es herrscht totale politische Kontrolle von der Führung der Krankenhäuser bis zu den medizinischen Berufsverbänden.
  • Regierungen werden aufgefordert, Sanktionen gegen Personen zu verhängen, die am Organhandel in China beteiligt sind.

 
Einem neuen investigativen Bericht zufolge schweigen Ärzte in China beim Thema Organraub lieber, als für die Opfer das Wort zu ergreifen. Denn das chinesische Regime hat den medizinischen Sektor fest im Griff.
Die International Coalition to End Transplant Abuse in China stellt in ihrem Bericht fest, dass es in China keine unabhängigen Schutzmechanismen gegen Missbrauch bei Organtransplantationen gibt. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Australien setzt sich seit 2016 dafür ein, die erzwungene Organentnahme in China zu beenden.
Die Transplantationsaufsichtsgremien, die Ethikkomitees der Krankenhäuser, die medizinischen Berufsverbände und die für die Zuteilung von Organen verantwortliche Organisationen, sind innerhalb der Partei-Staats-Hierarchie und unterhalb der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) angesiedelt.

Absolute Loyalität gefordert

Der am Dienstag, 20. Oktober, veröffentlichte Bericht ist der erste aus einer Reihe, in der die Aspekte des chinesischen staatlichen Transplantationssystems untersucht werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass staatlich organisierter Organraub weiterhin stattfindet – und das, sieben Jahre, nachdem ein unabhängiges Volkstribunal festgestellt hatte, dass diese Missbräuche in erheblichem Ausmaß begangen wurden.
„Jede Organisation [in China], die chinesische Funktionäre gegenüber einem internationalen Publikum als vermeintlich unabhängig oder als ‚unabhängige Dritte‘ präsentiert, ist in Wirklichkeit Teil desselben von der Partei kontrollierten Systems“, erklärte Sarah Cook, Menschenrechtsexpertin mit Schwerpunkt China und Autorin des Berichts.
Im Gegensatz zu einer normalen politischen Partei in einem demokratischen Land verlangt die KPCh von ihren Mitgliedern absolute Loyalität. Sie fordert von den Mitgliedern – einschließlich medizinischer Fachkräfte –, einen lebenslang gültigen Eid zu leisten, der Partei zu dienen, Parteigeheimnisse zu schützen und „die Partei niemals zu verraten“.
„Das sind die Menschen, die im Grunde genommen den Transplantationssektor leiten“, erklärte die Autorin gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Aufgrund der grundlegenden Struktur des Systems lässt sich ein möglicher Missbrauch von außen nur schwer erkennen.
„Das könnte ohne Weiteres verschleiert werden“, sagte sie.

Die Partei steht über allem

Nach Angaben des Berichts sind KPCh-Parteikomitees fest in Chinas Krankenhäusern verankert. Die maßgebliche Entscheidungsbefugnis liegt demnach nicht bei der Krankenhaus- oder ärztliche Leitung, sondern bei einem Parteisekretär, der in Personal-, Disziplinar- und grundlegenden Organisationsfragen über den klinischen Verantwortlichen steht.
Diese politische Kontrolle reicht weit über einzelne Krankenhäuser hinaus. Parteikomitees sind auch in den beiden wichtigsten medizinischen Berufsverbänden Chinas – der Chinese Medical Association und der Chinese Medical Doctor Association – eingebettet, wodurch sie zu staatlich kontrollierten Organisationen werden. Sie stellen somit keine unabhängige Aufsicht über den medizinischen Sektor dar.
Auf individueller Ebene geloben chinesische Medizinstudenten, „menschliches Leid zu lindern“, ähnlich wie ihre Medizinstudenten im Westen, doch ihr Eid verlangt von ihnen auch, „das Mutterland zu lieben“, wie der Bericht feststellt. Der politische Eid steht dabei über dem medizinischen.
„Wenn man über einen medizinischen Bereich spricht, in dem es täglich um Fragen von Leben und Tod geht und in dem es sehr deutliche Belege für früheren Missbrauch sowie offene Fragen hinsichtlich der Transparenz gibt […], gewinnen solche Eide der Verschwiegenheit noch einmal erheblich an Bedeutung“, so Cook.
Diese staatlich kontrollierten Maßnahmen haben wiederholt institutionelles Schweigen erzwungen. Ein bekanntes Beispiel: Die chinesischen Behörden unterdrückten die frühen Warnungen von Dr. Li Wenliang zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Wuhan.
Der Bericht beschreibt zudem einen Vorfall aus dem Jahr 2002, bei dem ein Falun-Gong-Praktizierender mit einem Beckenbruch in ein Krankenhaus gebracht wurde. Die Behörden verboten dem medizinischen Personal, die notwendige Behandlung durchzuführen, und sie zwangen es, seine Anwesenheit zu verheimlichen.

Eine provisorische Gedenkstätte für den Arzt Li Wenliang am Eingang des Zentralkrankenhauses von Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei am 7. Februar 2020. 

Foto: Getty Images

Keine unabhängigen Einrichtungen

In Deutschland kümmert sich die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant um die Vermittlung von Spenderorganen an Menschen auf den Wartelisten. Die Vereinigten Staaten stützen sich auf 54 unabhängige Organisationen, um die Organentnahme zu koordinieren und Transplantationen zu ermöglichen.
In China gibt es keine derartigen unabhängigen Einrichtungen.
Stattdessen fungieren chinesische Organisationen für die Zuteilung von Organen als „interne Einheiten“ innerhalb staatlich zugelassener Transplantationskrankenhäuser, was bedeutet, dass ihre Leitung der Führungsstruktur des Krankenhauses und letztlich dem Parteikomitee des Krankenhauses untersteht, heißt es in dem Bericht.
Auf nationaler Ebene wird der Transplantationssektor von Chinas nationalen Komitee für Organspende und Transplantation beaufsichtigt. Eine Analyse der jüngsten öffentlich zugänglichen Mitgliederliste der Gruppe aus dem Jahr 2016 ergab, dass 17 ihrer 33 Mitglieder bestätigte Mitglieder der KPCh waren.
Zwei der 17 stammten laut dem Bericht aus der Abteilung für logistische Unterstützung der Zentralen Militärkommission, Chinas oberstem Militärgremium. „Die Präsenz des Militärs unterstreicht die direkte Beteiligung der Volksbefreiungsarmee auf höchster Ebene der Leitungsstrukturen des Transplantationswesens“, heißt es in dem Bericht.

„Inszenierte Regelkonformität“

Drei weitere Mitglieder kamen von der Chinesischen Rotkreuzgesellschaft.
Wie Cook erklärte, würden Bezeichnungen wie „Rotes Kreuz“ einen falschen Eindruck von Unabhängigkeit erwecken. Die Chinesische Rotkreuzgesellschaft ist eine staatlich beaufsichtigte Organisation und unterliegt nicht der Aufsicht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, einer humanitären Hilfsorganisation mit Sitz in Genf.
Der Bericht stellt zudem die Rolle der Ethikkomitees der Krankenhäuser infrage und merkt an, dass die mangelnde Offenlegung der Mitglieder sowie logistische Hürden darauf hindeuten, dass der Überprüfungsprozess „eher als inszenierte Regelkonformität denn als wirksamer Schutzmechanismus“ fungiert.
„Wenn chinesische Funktionäre der internationalen Gemeinschaft versichern, dass es keine Missbräuche mehr gibt, fließen diese Zusicherungen durch dieselbe Hierarchie, die die Missbräuche überhaupt erst angeordnet, vertuscht und davon profitiert hätten“, heißt es in dem Bericht.
Cook stellte dem die Situation in den Vereinigten Staaten gegenüber. Als Bedenken aufkamen, dass einige Organisationen Spenderorgane entnahmen, ohne dass die Kriterien für den Hirntod erfüllt waren, brachten Beschäftigte im Gesundheitswesen die Missstände an die Öffentlichkeit und machten die Bundesbehörden darauf aufmerksam.
In China drohen Ärzten, die Bedenken äußern, schwerwiegende Konsequenzen. „Wenn du es wagst, den Mund aufzumachen, bist du der Nächste, der verschwindet“, erklärte ein im Exil lebender ehemaliger Internist aus der Provinz Liaoning gegenüber den Forschern.
Menschenrechtsaktivisten inszenierten am 21. Juli 2026 in Wellington, Neuseeland, eine dramatische Nachstellung eines Vorfalls in Laborkitteln, um auf die Zwangsorganentnahme in China aufmerksam zu machen und deren Ende zu fordern. Foto: Echo Wang/The Epoch Times

Menschenrechtsaktivisten in Ärztekitteln führen am 21. Juli 2026 in Wellington, Neuseeland, bei einer Kundgebung eine dramatische Nachstellung auf, um auf die Zwangsorganentnahme in China aufmerksam machen und deren Ende zu fordern.

Foto: Echo Wang/Epoch Times

„Eine gefangene Spenderpopulation ausbeuten“

Der Bericht identifizierte 19 bestätigte Fälle von Transplantationschirurgen oder Leitern von Transplantationszentren, die gleichzeitig Mitglieder der KPCh waren, wobei betont wurde, dass diese Zahl nicht vollständig ist.
Zwei der identifizierten Personen, Wen Hao und Yang Yining, sind in Chinas westlichster Region Xinjiang tätig, wo die US-Regierung Peking vorwirft, Völkermord an den Uiguren zu begehen. Der Bericht stellte fest, dass die Einrichtungen, in denen diese Personen tätig sind, über besonders günstige Voraussetzungen verfügen, „um eine gefangene Spenderpopulation in Xinjiang auszubeuten“.
Vier der identifizierten Funktionäre arbeiten in großen Krankenhäusern, die dafür bekannt sind, die „umfassendste und anhaltendste Verfolgung von Falun Gong“ zu betreiben.
Falun Gong, auch bekannt als Falun Dafa, ist eine spirituelle Bewegung, die sich durch meditative Übungen und eine Reihe moralischer Lehren auszeichnet, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht basieren. Die KPCh begann 1999 mit der Verfolgung von Falun Gong. Millionen Menschen wurden willkürlicher Inhaftierung, Folter, Zwangsarbeit und anderen Misshandlungen ausgesetzt.
Im Jahr 2019 kam das in London ansässige China-Tribunal nach einer einjährigen Untersuchung zu dem Schluss, dass das chinesische Regime seit Jahren von Gewissensgefangenen gewaltsam Organe entnimmt. Es identifizierte Falun-Gong-Praktizierende als die Hauptopfergruppe.

Führungsrolle in einer Anti-Falun-Gong-Organisation

Ein bemerkenswerter Fall betrifft Zheng Shusen, einen prominenten Transplantationschirurgen in der Provinz Zhejiang, der gleichzeitig eine Führungsrolle in einer Anti-Falun-Gong-Organisation innehatte.
Sein Fall verdeutlicht, dass „im chinesischen Transplantationssektor die klinische Leitung und der politische Apparat der Partei miteinander verflochtene Bereiche sind“, heißt es in dem Bericht. In zahlreichen Krankenhäusern, die Organtransplantationen durchführen, seien höhere Führungspositionen zu einem erheblichen Teil mit Personen besetzt, „die in erster Linie gegenüber den jeweils übergeordneten Stellen innerhalb der Parteihierarchie rechenschaftspflichtig sind“, heißt es weiter.
Der Bericht enthält mehrere Empfehlungen für Regierungen und fordert diese nachdrücklich dazu auf, Gesetze zu erlassen, die Sanktionen und Visabeschränkungen gegen Personen ermöglichen, die am Organhandel beteiligt sind. Außerdem werden demokratische Staaten dazu aufgefordert, gezielte Sanktionen zu verhängen, chinesische Transplantationsärzte bei Besuchen auf ihre Zugehörigkeit zur KPCh zu überprüfen und Whistleblower zu unterstützen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „China’s Transplant System Masks Human Rights Abuses, Report Finds“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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„Silent Harvest“ enthüllt Vorwürfe über Organraub in China


In Kürze

  • Dokumentarfilm thematisiert Vorwürfe zu Organraub in China
  • Ärzte und Experten warnen vor Transplantationstourismus
  • Film fordert internationales Umdenken und Aufklärung

 
Eine erdrückende Gewissheit liegt im Raum: das große Tabuthema, das die Kommunistische Partei Chinas in ihrem Herrschaftsgebiet und weit darüber hinaus mit aller Macht zu unterdrücken versucht. Untersuchungen deuten auf ein Verbrechen erschreckenden Ausmaßes hin, dem Gewissensgefangene zum Opfer gefallen sein sollen – getötet, um mit ihren Organen massive Gewinne zu erzielen. Organraub in China ist ein Thema, das die Welt für zu schrecklich hält, um es wahrhaben zu wollen. Nun hofft ein neuer, investigativer Dokumentarfilm, einen Wendepunkt herbeizuführen und das unerträgliche Schweigen zu durchbrechen.

Wenn unschuldige Leben geopfert werden

Der Dokumentarfilm „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ (Lautlose Ernte: Der Mut, es auszusprechen), der am 16. Mai in einem angesehenen Club in Washington Premiere feierte, beleuchtet die sensible Thematik anhand medizinischer Datenanalysen sowie Interviews mit fast zwei Dutzend Medizinern, China-Analysten und Überlebenden der Verfolgung durch die Kommunistische Partei Chinas.
Heute, 20 Jahre nachdem dieses Thema erstmals in das öffentliche Bewusstsein trat, sei es an der Zeit, das Schweigen zu brechen, sagte Torsten Trey, Gründer und Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting (DAFOH) (Ärzte gegen Organraub). In seinen Augen ist das Schweigen der „größte Komplize bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
Weltweit stünden Patienten, so Trey, in der Versuchung, für eine schnelle Organtransplantation nach China zu reisen. Man müsse ihnen jedoch klarmachen, dass sie damit womöglich zur Tötung eines unschuldigen Menschen beitragen könnten – eine Belastung, die sie ein Leben lang begleiten könne.

„Ein Problem von enormem Ausmaß“

Zehn Jahre lang wurde an dem Film gearbeitet. Nun feiert er sein Debüt. Gleichzeitig rückt der 20. Jahrestag der Gründung von DAFOH näher. Im Jahr 2006 traten erstmals Whistleblower aus China an die Öffentlichkeit. Gegenüber der Epoch Times berichteten sie von der systematischen Tötung inhaftierter Falun-Gong-Praktizierender in unterirdischen Einrichtungen.
Als Dr. Trey damals erstmals davon hörte, reagierte er fassungslos und beinahe ungläubig. „Ich dachte, kein Arzt könnte so etwas tun. Das übersteigt die Vorstellungskraft“, sagte er der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Doch in den folgenden Monaten kamen immer mehr Informationen ans Licht. Im Mai 2006 reiste der damalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Edward McMillan-Scott, im Rahmen einer Untersuchungsmission nach Peking. Parallel dazu führten ein kanadischer Menschenrechtsanwalt und ein ehemaliger kanadischer Kabinettsminister gemeinsame Untersuchungen durch. Wenig später traf Dr. Trey in Boston zwei Ärzte aus China – und alles deutete auf dieselbe Schlussfolgerung hin.
Im Juli desselben Jahres stand für Dr. Trey fest: „Das ist echt.“
Auch Dr. Weldon Gilcrease, stellvertretender Direktor von DAFOH, beschrieb im Film einen ähnlichen Prozess. Anfangs habe er gehofft, beweisen zu können, dass die Vorwürfe nicht wahr seien.
„Doch wenn man sich intensiv mit den Beweisen und Daten beschäftigt – was für die meisten Menschen in der Medizin entscheidend ist – wird einem schnell bewusst, dass es sich um ein Problem enormen Ausmaßes handelt“, sagte er.
Torsten Trey, Gründer und Geschäftsführer von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht während der Premierevorstellung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Torsten Trey, Gründer und Geschäftsführer von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht während der Premierevorstellung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Millionen Menschen in Gefahr

Die betroffenen Gemeinschaften zählen inzwischen viele Millionen Menschen. Falun Gong ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht basiert. In den späten 1990er-Jahren praktizierten schätzungsweise 70 bis 100 Millionen Menschen in China Falun Gong. Zur gleichen Zeit begann das chinesische Regime mit der systematischen Verfolgung der Glaubensgemeinschaft.
Ein unabhängiges China-Tribunal in London kam 2019 zu dem Schluss, dass Falun-Gong-Praktizierende zu den Hauptopfern des mutmaßlichen Missbrauchs zählen. Seither sind weitere Vorwürfe hinzugekommen. Berichten zufolge sollen die Verbrechen auch auf Uiguren und andere verfolgte Minderheiten ausgeweitet worden sein.
Bei einer Anhörung im US-Kongress am 14. Mai sagte die aus China geflüchtete Uigurin Kalbinur Sidik aus. Sie hatte zuvor als Chinesischlehrerin in uigurischen Internierungslagern gearbeitet. Dabei sei ihr aufgefallen, dass gesunde Männer aus den Lagern in Xinjiang plötzlich verschwanden.
Sidik berichtete, den Inhaftierten sei wöchentlich Blut abgenommen worden. Zudem hätten sie Injektionen und weiße Pillen erhalten. Nach ihren Angaben hörte sie außerdem Gespräche zwischen einem Polizisten einer Spezialeinheit und dessen Fahrer über einen florierenden Halal-Organhandel – ein möglicher Hinweis auf Berichte über gezielte Organbeschaffung unter muslimischen Minderheiten für Empfänger in islamischen Ländern.

Das Schweigen durchbrechen

Es sei eine Lektion, dass „wenn man bei etwas so Schrecklichem nicht Stellung bezieht, man sehen wird, wie es auf andere Bevölkerungsgruppen übergreift“, sagte Gilcrease bei einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Filmpremiere.
Weldon Gilcrease, außerordentlicher Professor für Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Utah und stellvertretender Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Weldon Gilcrease, außerordentlicher Professor für Onkologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Utah und stellvertretender Direktor von Doctors Against Forced Organ Harvesting, spricht nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Die westliche medizinische Gemeinschaft habe – in der Hoffnung, China auf eine höhere ethische Ebene zu bringen – chinesische Ärzte ausgebildet und mit dem chinesischen medizinischen System interagiert, erklärte Gilcrease. Aber das chinesische Regime sei „ein fauler Apfel“, sagte er. Man glaubte: „Wenn man einen Haufen guter Äpfel und einen faulen Apfel hat, wird das den faulen Apfel gutmachen. Aber was man tatsächlich sieht, ist das Gegenteil.“
Filmregisseur Keith Wahrer, der an der Entstehung des Dokumentarfilms mitgewirkt hatte, erklärte, dass die Arbeit an dem Projekt „augenöffnend“ gewesen sei.
Wahrer meinte gegenüber der Epoch Times: „Es ist ernüchternd. Es ist etwas, worüber man nicht nachdenken möchte, aber es ist wichtig, darüber nachzudenken.“ Er fügte hinzu: „Es spornt mich an, mehr zu tun.“ Er habe „sehr wenig Macht“, fügte er hinzu, aber eine Sache, die er tun könne, sei, das Wort zu verbreiten und ein Licht auf das zu werfen, was passiert.
Die Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ fand am 16. Mai 2026 in Washington statt. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Die Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ fand am 16. Mai 2026 in Washington statt.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Horror und Betroffenheit im Publikum

Während der Premiere sah auch Dr. Gilcrease zum ersten Mal die endgültige Fassung des Dokumentarfilms. Im hinteren Teil sitzend, schloss er plötzlich die Augen. Kurz zuvor waren drei Fotos auf der Leinwand erschienen. Jedes von ihnen zeigte einen zu Tode gefolterten Falun-Gong-Praktizierenden – mit Blutergüssen und Narben auf dem Körper.
Dr. Gilcrease bemerkte, wie Zuschauer um ihn herum in diesem Moment „entsetzt zurückwichen“.
„Ich denke, das ist der Horror, von dem ich glaube, dass er die meisten von uns trifft, wenn man zum ersten Mal vom Organraub hört“, so der Mediziner.
Medizinische Fachkräfte im Publikum sagten, sie hofften, der Film werde seinen Weg in die breite Öffentlichkeit finden. „Mir war ganz flau im Magen“, sagte ein Augenarzt während der Podiumsdiskussion. Er bat die Filmcrew, eine kürzere Version des Dokumentarfilms zu erstellen und für den Oscar einzureichen. Er meinte, das Werk liege jenseits von allem, was er je gesehen habe.
Kathleen Leber, eine Dermatologin aus Tampa, stellte fest, dass in Amerika das aktuelle Bewusstseinsniveau für dieses Thema alles andere als ausreichend sei. Sie habe ihr ganzes Leben der Hilfe für andere Menschen gewidmet, erklärte sie der Epoch Times. Es habe ihr das Herz gebrochen, zu sehen, dass „solche Fähigkeiten für das Böse eingesetzt werden“.
„Es ist wirklich schwer, das überhaupt in Worte zu fassen, weil es eine derart gravierende Verletzung von Moral und Menschlichkeit darstellt“, sagte Leber.
Kathleen Leber, Dermatologin aus Tampa, Florida, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Kathleen Leber, Dermatologin aus Tampa, Florida, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Es wird jemand ermordet: eine Mutter, ein Vater, ein Sohn

Die Philanthropin Rebecca Dunn sagte, das Thema Organraub sei kürzlich bei einem Gespräch mit einer Freundin zur Sprache gekommen, deren Ehemann auf eine Nierentransplantation wartete. „Du könntest in China eine andere Niere bekommen. Du könntest sie wahrscheinlich in zwei Wochen bekommen“, erinnerte sie sich, habe sie ihrer Freundin gesagt. Sie habe ihr jedoch auch gesagt, dass dies bedeuten könne, „jemanden zum Tode zu verurteilen – einen kerngesunden Menschen“. Der Gesichtsausdruck ihrer Freundin habe von völligem Schock gezeugt.
„Das ist es, was die Leute erkennen müssen, und das ist es, was dieser Film den Menschen zu sagen versucht: Wenn du diese Transplantation machst, wird jemand ermordet, damit du vielleicht dein Leben verlängern kannst.“
Sie sagte, sie wünsche sich, dass die Menschen „aufwachen und etwas fühlen“. Jedes entnommene Organ bedeute den Tod des geliebten Menschen eines anderen – einer Mutter, eines Vaters, einer Tochter, eines Sohnes, eines Bruders oder einer Schwester, sagte sie.
Rebecca Dunn, Philanthropin und Treuhänderin der Dunn Foundation, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Rebecca Dunn, Philanthropin und Treuhänderin der Dunn Foundation, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

„Die dystopische Zukunft ist jetzt“

Der Filmemacher und Menschenrechtsaktivist Jason Jones sagte, er habe Exemplare des sich mit der Thematik befassenden Buches „Killed to Order“ (Auf Bestellung getötet) von Jan Jekielek, einem leitenden Redakteur der Epoch Times, an jeden Bischof in den Vereinigten Staaten geschickt.
„Dies ist das große Geheimnis, das die KPCh hat. Ihre Verbrechen sind so ungeheuerlich, dass sie schlicht unfassbar sind“, sagte Jones der Epoch Times. Er bot zudem an, Vorführungen des Films in den Diözesen zu organisieren. „Wir denken, solche Dinge seien nur in der Vergangenheit geschehen oder in einer dystopischen Zukunft, die sich wiederholen könnte, aber heute wird das niemals passieren“, sagte er. Doch: „Die dystopische Zukunft ist jetzt, und die schreckliche Vergangenheit ist jetzt.“
Jason Jones, amerikanischer Filmproduzent und Menschenrechtsaktivist, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington. Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Jason Jones, amerikanischer Filmproduzent und Menschenrechtsaktivist, nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Silent Harvest: The Courage to Speak Up“ am 16. Mai 2026 in Washington.

Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times

Auch Rebecca Dunn denkt darüber nach, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.
„Wenn man bedenkt, dass jeder, der diesen Film sieht, nur eine Sache tun könnte und diese eine Sache ein Leben retten könnte, dann ist das schon ziemlich tiefgründig“, sagte sie. Diese „eine Sache“ könne darin bestehen, einen Senator oder Abgeordneten anzuschreiben oder das Thema im Gespräch mit Freunden weiterzugeben.
„Ich möchte mehr als eine Person retten“, sagte sie, „also möchte ich viel mehr als das tun“. Sie erklärte, sie wolle das Thema in ihrer Gemeinschaft stärker bekannt machen und „mit vielen Menschen sprechen“.
„Und hoffentlich kann ich etwas bewirken.“
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „‘Silent Harvest’ Aims to Break the Silence on Forced Organ Harvesting“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)