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Ebola-Ausbruch durch seltene Virusvariante: Impfstoffforschung im globalen Wettlauf


In Kürze:

  • Seltene Ebola-Variante (Bundibugyo) treibt Ausbruch in Kongo und Uganda
  • Oxford und Serum Institute entwickeln experimentellen ChAdOx1-Impfstoff
  • WHO und Partner setzen kurzfristig vor allem auf Eindämmung statt Impfung

 

Wissenschaftler arbeiten intensiv daran, Impfstoffe gegen eine seltene Virusvariante zu testen und zu entwickeln. Diese Variante verursacht derzeit einen Ebola-Ausbruch in Afrika.

Forscher der University of Oxford und des Serum Institute of India befinden sich in einem Wettlauf gegen die Zeit. Sie wollen eine experimentelle Impfung verfügbar machen, die nach ihrer Einschätzung gegen das Bundibugyo-Virus wirken könnte. Dieses Virus steht im Zentrum eines wachsenden Ausbruchs im Kongo.
Ein Sprecher des Serum Institute erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times in einer E-Mail vom 24. Mai, dass das von der University of Oxford bereitgestellte virale Ausgangsmaterial es ermögliche, „unsere Zellbank schnell zu inokulieren“. Dadurch könne in Rekordzeit mit der Produktion von Impfstoffdosen begonnen werden. Das Unternehmen rechne mit einer Produktionszeit von 20 bis 30 Tagen und sei „vollständig bereit zu skalieren“.

Experimenteller Impfstoff und internationale Zusammenarbeit

Der experimentelle Impfstoff ist bislang weltweit nicht zugelassen und basiert auf derselben ChAdOx1-Plattform wie der COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca/Oxford.
Die Oxford Vaccine Group teilte mit, dass sie gemeinsam mit ihrer klinischen Biomanufacturing-Einrichtung und dem Serum Institute an einer schnellen Produktion von Impfstoffdosen gegen Bundibugyo arbeitet. Der Impfstoff trägt den Namen ChAdOx1 BDBV. Gleichzeitig arbeite man mit internationalen Partnern daran, „unterstützende präklinische Daten für die klinische Entwicklung und Erprobung des ChAdOx1 BDBV-Impfstoffs in Ausbruchsszenarien zu beschleunigen, während weiterhin etablierte wissenschaftliche, ethische und regulatorische Standards eingehalten werden“.
Bereits im Jahr 2022 hatten Oxford und das Serum Institute Impfstoffdosen gegen einen anderen Ebola-Stamm (Sudan-Ebolavirus) innerhalb von 80 Tagen nach Beginn eines Ausbruchs produziert und ausgeliefert.
Der aktuelle Ausbruch umfasst bestätigte Fälle im Kongo und in Uganda.

Eine Mutter hilft ihren Kindern, sich vor dem Betreten des Kyeshero-Krankenhauses in Goma die Hände zu waschen. Dort gibt es Kontrollen mit Handhygiene und Temperaturmessung als Ebola-Präventionsmaßnahmen. 18. Mai 2026.

Foto: Jospin Mwisha/AFP via Getty Images

Diskussion über Einsatz experimenteller Impfstoffe

Kongolesische Behörden haben laut Jean-Jacques Muyembe, Virus-Experte am National Institute of Biomedical Research, bereits über den Einsatz experimenteller Impfstoffe während des Ausbruchs diskutiert.
Vasee Moorthy, Senior-Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erklärte auf einer Pressekonferenz am 20. Mai, dass der Impfstoff eine der zwei besten verfügbaren Optionen gegen das Virus sei, das bislang nur zwei bekannte Ausbrüche verursacht hat. Er fügte hinzu, der experimentelle Impfstoff könne innerhalb von zwei bis drei Monaten für Studien verfügbar sein, betonte jedoch, dass derzeit keine präklinischen Daten vorliegen.
Als derzeit beste verfügbare Option gilt laut Moorthy der Impfstoff Ervebo des Unternehmens Merck, der gegen das Zaire-Virus wirkt – die häufigere Form des Ebola verursachenden Orthoebolavirus. Eine angepasste Version für das Bundibugyo-Virus würde jedoch schätzungsweise sechs bis neun Monate bis zur Testphase benötigen.
Merck selbst hat bislang nicht auf Anfragen reagiert.

Internationale Organisationen und Entwicklungspläne

Die in der Schweiz ansässige Impfstoffallianz Gavi, finanziert unter anderem von Staaten und der Gates Foundation, erklärte am 21. Mai, dass die vorhandenen Daten zu gelagerten Impfstoffen gegen das Zaire-Virus hinsichtlich möglicher Kreuzschutzwirkungen gegen das Bundibugyo-Virus „extrem begrenzt“ seien.
Gavi arbeitet gemeinsam mit der norwegischen Organisation CEPI, die Impfstoffentwicklung finanziert, an der Beschleunigung entsprechender Entwicklungsprogramme, einschließlich des Oxford-Impfstoffs.
CEPI teilte am 20. Mai mit, man konzentriere sich derzeit auf die Bewertung möglicher Behandlungen und Impfstoffe gegen Bundibugyo. Allerdings befinde sich kein Kandidat bislang in klinischen Phase-1-Studien.
Sobald diese Bewertung abgeschlossen sei, sei man bereit, „at-risk“ zu arbeiten – also Entwicklungsprozesse parallel voranzutreiben, selbst wenn ein Produkt möglicherweise nicht erfolgreich ist oder nicht benötigt wird –, um die Entwicklung und Verfügbarkeit präklinischer Impfstoffkandidaten zu beschleunigen.

Priorität: Eindämmung des Ausbruchs

Angesichts des Mangels an zugelassenen Impfstoffen und Therapien gegen das durch Bundibugyo verursachte Ebola betonte die Gates Foundation in einer aktuellen Stellungnahme, dass die oberste Priorität in der schnellen Erkennung von Fällen und der raschen Unterbrechung der Übertragung liege.
Patrick Muyaya, Sprecher der kongolesischen Regierung, erklärte am 25. Mai, dass das Land Überwachung, Massentests und Aufklärungsmaßnahmen deutlich ausgeweitet habe, um weitere Fälle frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.
Zudem sei es zu Verzögerungen bei der Identifizierung des Ausbruchs gekommen, da frühe Tests die durch das Bundibugyo-Virus verursachten Ebola-Fälle nicht korrekt erkennen konnten.
„Wir holen nun einen schnell fortschreitenden Ausbruch ein“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, auf der Plattform X. Er warnte, dass der Ausbruch aufgrund der verzögerten Erkennung sowie des Mangels an zugelassenen Impfstoffen und Behandlungen „wahrscheinlich schlimmer wird, bevor er besser wird“.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Scientists Rush to Produce Vaccines Against Rare Ebola Strain Behind Outbreak“. (deutsche Bearbeitung zk)
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Zahl mutmaßlicher Ebola-Toter steigt auf über 200

Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo steigt die Zahl der Todesopfer weiter an. Nach Angaben der kongolesischen Regierung wurden seit Beginn des Ausbruchs 867 Verdachtsfälle gemeldet, von denen 204 Erkrankte verstorben sind. Das sind mehr als 100 Infektionen und gut 30 Todesfälle mehr als noch am Vortag.
Im Labor bestätigt wurden bislang 91 Infektionen, darunter 10 mit tödlichem Verlauf. Im Nachbarland Uganda sind bislang fünf weitere bestätigte Fälle bekannt, die mit dem Ausbruch im Ostkongo in Zusammenhang stehen. Zahlen zu Verdachtsfällen veröffentlicht das Land nicht.

Zahl der Fälle wahrscheinlich deutlich höher

Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass die tatsächliche Fallzahl deutlich höher liegt, weil der Ausbruch im Ostkongo wochenlang unbemerkt blieb und nicht alle Fälle gemeldet werden. Häufungen von ungeklärten Todesfällen wurden bereits vorher untersucht.
Drei freiwillige Rotkreuz-Helfer hätten sich wahrscheinlich schon am 27. März infiziert, als sie in der kongolesischen Provinz Ituri mit Toten in Kontakt gekommen seien, teilte die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Genf mit.
Sie seien in einer anderen humanitären Angelegenheit im Einsatz gewesen – also bevor bekannt wurde, dass das Ebola-Virus grassiert. Sie starben den Angaben zufolge am 5., 15. und 16. Mai. Da es sich bei dem aktuellen Ausbruch aber um den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebola-Virus handelt, wurde der Erreger mit herkömmlichen Tests zunächst nicht bestätigt.

Ausbruch blieb wochenlang unentdeckt

Bislang war die früheste bekannte Infektion des aktuellen Ausbruchs ein Mann aus dem Kongo, der am 24. April mit Symptomen behandelt und drei Tage später gestorben war. Die ersten Ebola-Fälle waren erst am 15. Mai im Labor bestätigt worden.
Am 17. Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehr als 240 bekannte mutmaßliche Infektionen.
Der Ausbruch grassierte damit wochenlang unbemerkt in Ituri, einer mehr als 1.500 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Kinshasa entfernten Provinz an der Grenze zu Uganda und zum Südsudan.
Dort leben nach UN-Angaben schätzungsweise acht Millionen Menschen, darunter fast eine Million Binnenflüchtlinge. Mehrere Milizen üben dort Gewalt aus, zudem gehen in dem rohstoffreichen Bergbaugebiet viele Arbeiter und Händler in der Grenzregion ein und aus.

Bislang weder Impfung noch Therapie für seltene Ebola-Variante

Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, weil es für den seltenen Bundibugyo-Typ weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt.
Die WHO betrachtet das Risiko einer Ansteckung im Kongo als sehr hoch, in der Region als hoch, weltweit aber als gering. Ebola überträgt sich anders als etwa das Coronavirus nicht durch Tröpfchen in der Luft, sondern durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten. (dpa/red)
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Ebola: Wenn Rebellen das Gesundheitswesen kontrollieren

Ein Ausbruch der hochgefährlichen Ebola-Infektionskrankheit würde das Gesundheitssystem in jedem Land vor enorme Herausforderungen stellen.
Bei dem aktuellen Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo kommen zusätzliche Komplikationen hinzu: Das zweitgrößte afrikanische Land ist riesig – und in weiten Teilen davon ist das Straßennetz sehr dürftig.
Vor allem aber ist das vom Ebola-Ausbruch betroffene Gebiet von Unsicherheit, bewaffneten Rebellengruppen und einer großen Zahl von Binnenflüchtlingen geprägt. Das macht die Lage vor Ort schwierig.

Anhaltende Kämpfe im Ostkongo

Die östlichen Provinzen des Landes werden seit Jahrzehnten von schweren Kämpfen erschüttert. Der Einfluss der Regierung in der fernen Hauptstadt Kinshasa und der Regierungsarmee FARDC erreicht längst nicht alle Gebiete.
Mehr als 100 Milizengruppen sind im Land aktiv – von Warlords, die ihr Heimatdorf kontrollieren, bis hin zur Rebellengruppe M23: Diese hat große Teile der Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu einschließlich der Provinzhauptstädte Goma und Bukavu unter Kontrolle, treibt in den Gebieten Steuern ein und stellt eigene Bürgermeister.
Häufig finanzieren die Milizen ihren Kampf und Waffenkäufe durch den Abbau von Rohstoffen in der Region, die hohe Vorkommen seltener Mineralien und Metalle birgt.
Der jetzige Ebola-Ausbruch betrifft nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC Africa eine Bergbauregion, die durch dichte Besiedlung und hohe Mobilität geprägt ist.
Im Ostkongo leben bis zu vier Millionen Binnenflüchtlinge oft unter sehr beengten Verhältnissen. (Archivbild)

Im Ostkongo leben bis zu vier Millionen Binnenflüchtlinge oft unter sehr beengten Verhältnissen. (Archivbild)

Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa

Hunderttausende Binnenflüchtlinge

Allein in der Provinz Ituri, die die Mehrzahl der Krankheitsfälle verzeichnet, leben nach UN-Angaben mehr als 920.000 Binnenflüchtlinge. Mehr als 100.000 Menschen mussten in den ersten drei Monaten des Landes vor wieder aufgeflammten Kämpfen flüchten.
Insgesamt gibt es im Ostkongo bis zu vier Millionen Binnenflüchtlinge, die oft unter sehr beengten Verhältnissen in provisorischen Lagern leben. Ein Ebola-Ausbruch in einem Flüchtlingslager wäre für Experten ein Schreckensszenario.
In Ituri gibt es vier bewaffnete Gruppen, darunter die islamistische Terrorgruppe ADF. Allein im vergangenen Monat wurden dort rund 70 Menschen bei Angriffen der Miliz Codeco getötet. Und während die Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs anlief, überfiel die ADF christliche Dörfer und verübte dort Massaker.

Reise zu Gesundheitseinrichtungen kann lebensgefährlich sein

„Die Arbeit findet statt in einem Kontext, wo es ständig Gewalt gibt“, sagt der Berliner Epidemiologe Maximilian Gertler, der für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) schon mehrfach im Ebola-Einsatz war.
Das gilt aber nicht nur für Helfer, sondern auch für die Menschen vor Ort. „Das Verlassen des Dorfes oder die Reise zur nächsten Stadt mit einer medizinischen Einrichtung kann unter Umständen lebensgefährlich sein“, betont er – abgesehen davon, dass sich viele Menschen das nicht leisten könnten.
In viele abgelegene Orte kommen Helfer nur sehr schwer. Setzt erst die Regenzeit ein, verwandeln sich Straßen häufig in Schlammpisten.
Der Berliner Arzt Maximilian Gertler bei einem Ebola-Einsatz für Ärzte ohne Grenzen (Handout)

Der Berliner Arzt Maximilian Gertler bei einem Ebola-Einsatz für Ärzte ohne Grenzen (Handout)

Foto: Medecins sans Frontieres/dpa

„Ärzte ohne Grenzen verfügt über viele Angestellte in der Region, die wir zum Beispiel mit Motorrädern ausrüsten. Das ist oft eines der besten Mittel, um abgelegene Orte zu erreichen und dort auch neue Cluster aufzuspüren“, erläutert Gertler ein wichtiges Element der Epidemie-Bekämpfung. „Denn nur dort, wo die Übertragung auch entdeckt wird, kann man sie stoppen.“

Rebellen machen Gesundheitsmanagement

Eine besondere Lage besteht in den M23-Gebieten, wo die Rebellen zum Teil seit Jahren eigene Verwaltungsstrukturen haben und nun auch das Gesundheitswesen betreiben.
So gab es in Goma, der Provinzhauptstadt von Nord-Kivu, zwei Ebola-Fälle, ein weiterer Fall wurde in Süd-Kivu bestätigt. Der Sprecher der Miliz informierte in Kommuniqués und über soziale Medien über Fallzahlen.
Die Miliz M23 kontrolliert große Teile der Kivu-Provinzen im Ostkongo. (Archivbild)

Die Miliz M23 kontrolliert große Teile der Kivu-Provinzen im Ostkongo. (Archivbild)

Foto: Brian Inganga/AP/dpa

„Für den ersten Todesfall in Goma hat die M23 189 Kontakte erfasst“, sagt Ursula Langkamp, Leiterin des dortigen Büros der Welthungerhilfe. Allerdings wurde diese Zahl in Lageberichten der Regierung nicht genannt.
„Das wirft die Frage auf, ob die Zusammenarbeit zwischen der kongolesischen Regierung und den M23-Rebellen schon klappt“, meint Langkamp.
Offiziell reden Regierung und Rebellen nicht miteinander, und eine formelle Zusammenarbeit gibt es auch nicht bei Ebola. In einem Statement des politischen Arms der Miliz wurde jedoch betont, Leben und Gesundheit der Kongolesen müssten über allen politischen Gräben stehen.
Eine Epidemie kenne keine Verwaltungsgrenzen, Kampflinien und politischen Zugehörigkeiten, betonte Corneille Nangaa, Chef der Congo River Alliance, dem politischen Flügel der M23. Die Lage erfordere Verantwortung, Zusammenarbeit und Prävention.
Der kongolesische Gesundheitsminister Roger Kamba sagte in Kampala, es gebe zwar keine direkten Gespräche mit der M23, aber Gespräche über die Partner USA und Katar, die bereits als Vermittler in Gesprächen über eine Waffenruhe auftraten.
Wichtig sei eine einheitliche Reaktion auf Ebola, die in der gesamten Region umgesetzt werde, betonte er. Er bemühe sich daher um die Öffnung des Flughafens Goma und Zugang zu Süd-Kivu. (dpa/red)
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Voynich-Manuskript: Ein Blick in das geheimnisvollste Buch der Welt


In Kürze:

  • 1912 erwarb der Antiquar Wilfrid M. Voynich ein namenloses Buch, das heute weltweit als Voynich-Manuskript bekannt ist.
  • Das Werk fasziniert durch seinen unlesbaren Inhalt und einzigartige Zeichnungen, die für die heutige Welt fremd erscheinen.
  • Seit über 400 Jahren versuchten zahlreiche Forscher und Laien, den Inhalt des Buches zu entziffern. Bis heute erfolglos.

 
Auf den ersten Blick wirkt das Buch langweilig, alt und staubig. Es hat keinen kunstvoll mit Gold oder Edelsteinen verzierten Einband und auch keinen Titel, der mehr über den Inhalt verrät. Und doch gilt das Voynich-Manuskript als das geheimnisvollste Buch der Welt. Seit seiner Wiederentdeckung im Jahr 1912 versetzt es die Menschen erneut ins Staunen.
Der Autor des Werkes: unbekannt. Der Originaleinband und somit der mögliche Titel des Buches: entfernt. Sinn und Zweck des Buches: fraglich. Und die Schrift, in der der Inhalt verfasst ist: nie entziffert.
Eine Spurensuche à la Sherlock Holmes führt von den USA über die Ewige Stadt in Italien und Prag, die Stadt der hundert Türme in Tschechien, bis in die Alpen. Je tiefer man in der Vergangenheit gräbt, desto mehr Hinweise, aber auch Fragen, tauchen auf.
Das Voynich-Manuskript von außen

Von außen wirkt das Voynich-Manuskript im Vergleich zu anderen mittelalterlichen Büchern einfach und langweilig.

Die Wiederentdeckung 1912

Das Voynich-Manuskript ist ein Werk, das es in dieser Art nur einmal auf der Welt zu geben scheint. Derzeit wird es in der Beinecke Rare Book and Manuscript Library der US-amerikanischen Universität Yale verwahrt – zusammen mit weiteren extrem seltenen Büchern.
Die Besitzer des Buches beschreiben das Werk auf ihrer Bibliothekswebsite als „wissenschaftlicher oder magischer Text in einer nicht identifizierbaren Sprache, Geheimsprache, anscheinend basierend auf römischen Kleinbuchstaben.“ Weiter heißt es: „Wissenschaftler gehen davon aus, dass es ein Werk von Roger Bacon sein könnte.“
Diese Vermutung wurde 1921 von dem Buchhändler Wilfrid Michael Voynich (1865–1930) geäußert. Er sprach bei einem Philosophentreffen in Philadelphia, USA, über seine Entdeckung des namenlosen Buches, die er einige Jahre zuvor gemacht hatte.

Wilfrid Michael Voynich (1865–1930) bei seiner Arbeit mit alten Büchern.

Glücksfund eines Apothekers

Voynich, geboren im heutigen Weißrussland, studierte zunächst Chemie in Moskau und absolvierte eine Ausbildung als Apotheker. Mit 20 Jahren wurde er von den russischen Behörden wegen der Beteiligung an Aufständen verhaftet.
Nach fünf Jahren gelang ihm die Flucht. Er reiste von Sibirien über Peking nach Hamburg und London, wo er 1898 einen Buchladen eröffnete und sich schnell einen Namen als Antiquar machte.
Der als intelligent, vorbildlich und sprachbegabt geltende Voynich reiste viel durch Europa, um teils seltene Werke für Kunden wie das British Museum zu beschaffen. So führte ihn 1912 der Weg nach Frascati, einer Gemeinde Roms, wo er namhafte Werke kaufte – zusammen mit einem mysteriösen Manuskript.
Damals wie heute gab es jedoch ein Problem: Das Buch war in einer unlesbaren Sprache verfasst. Bereits Voynich glaubte mit dem Manuskript ein Werk von Roger Bacon vorliegen zu haben. Bacon war ein bekannter Franziskanermönch und Universalgelehrter aus dem England des 13. Jahrhunderts. Doch dieser hatte sehr wahrscheinlich nichts mit dem Voynich-Manuskript zu tun, wie spätere Untersuchungen vermuten lassen.

Die Zeichnung des Illustrators Victor Pérard (1870–1957) zeigt den Franziskanermönch Roger Bacon in seinem Studierzimmer.

Ein beiliegender Brief

Statt zu einem Vertreter des Franziskanerordens führt die Spur zu einer anderen katholischen Ordensgemeinschaft: den Jesuiten. Einer ihrer großen Gelehrten war der Deutsche Athanasius Kircher (1601–1680). Er bemühte sich seinerzeit um die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, beherrschte angeblich „alle Sprachen der Welt“ und war Nachfolger von Johannes Kepler als Mathematiker am Hof des Habsburger Kaisers.
Der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher sollte das Voynich-Manuskript entziffern

Der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher sollte das Voynich-Manuskript entziffern.

Kircher erhielt das Manuskript im 17. Jahrhundert zusammen mit einem Brief, in dem er gebeten wurde, den Inhalt des beiliegenden Werkes zu entziffern. Absender des Bittbriefes war Johannes Marcus Marci (1595–1667), ein böhmischer Arzt und Naturwissenschaftler aus Prag. Marci war wie Kircher ein Jesuit und Leibarzt von Kaiser Ferdinand III. (1608–1657) und Leopold I. (1640–1705) sowie Anhänger des berühmten Mediziners Paracelsus (1493/94–1541).
Johannes Marcus Marci bat seinen Glaubenskollegen Athanasius Kircher das Voynich-Manuskript zu übersetzen

In einem Brief bat der Arzt Johannes Marcus Marci seinen Glaubenskollegen Athanasius Kircher um die Übersetzung des mysteriösen Buches.

Inwieweit Kircher der Bitte seines Glaubensbruders Marci nachkam und das sogennte Voynich-Manuskript entzifferte, ist nicht bekannt. Sicher scheint nur, dass das Buch nach Kirchers Tod mitsamt seinem Nachlass in den Besitz eines Jesuitenkollegs nahe Rom überging. Dort entdeckte und kaufte Wilfrid Voynich das Buch im Jahr 1912.
Aus dem Brief an Kircher geht noch etwas hervor: Marci war nicht der offizielle Besitzer des Manuskripts.

Aus königlichem Besitz

Als letzten Käufer des Buches nennt Marci in seinem Brief keinen Geringeren als einen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs: Rudolf II. (1552–1612). Rudolf aus dem Hause Habsburg residierte ab 1583 in Prag, wo sein Hof zahlreiche Menschen anzog. Dies machte sich der Kaiser für persönliche Zwecke zunutze, nämlich für den Ausbau seiner Kuriositätensammlung.
Rudolf II. war einer der bedeutendsten Kunst- und Wissenschaftsförderer seiner Zeit und ließ zahlreiche Tiere, Gesteine und wissenschaftliche Schriften aus der ganzen Welt zusammentragen.
Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, kaufte das Voynich-Manuskript für 600 Dukaten

Als Sammler von Kuriositäten kaufte Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, das Voynich-Manuskript für 600 Dukaten.

So könnte das Voynich-Manuskript in seinen Besitz gelangt sein. Dafür war er nachweislich bereit, 600 Dukaten auszugeben – eine für das 16. Jahrhundert stattliche Summe, die heute mehr als 2 Kilogramm reinem Gold entspricht. Unter welchem Namen das Buch verhandelt wurde, ist jedoch nicht überliefert.
Laut dem Briefwechsel übergab Kaiser Rudolf II. das Manuskript zur weiteren Untersuchung einem Freund von Marci. Heute gehen Forscher davon aus, dass es sich dabei um Georg Baresch (1580/85–1650/55) handelte. Baresch war ein Alchemist und Jurist aus Prag, der ebenfalls vergeblich versuchte, das mysteriöse Manuskript zu entziffern.

Verborgene Notizen

Lange nahm man an, dass Kaiser Rudolf II. das Buch zuerst in die Hände des Alchemisten Georg Baresch gab. Diese Annahme änderte sich jedoch, als bei Laboruntersuchungen eine ausgeblichene oder ausradierte Signatur auf der ersten Buchseite entdeckt wurde. Damit tauchte ein weiterer Name im Zusammenhang mit dem Voynich-Manuskript auf: Jacobi à Tepenecz.
Dieser Mann, der gebürtig Jakub Horčický (1575–1622) hieß, war ein gelernter Kräuterkundler und Jesuit. 1608 erhob ihn Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand, nachdem er den Regenten angeblich von einer schweren Krankheit geheilt hatte. Das Vertrauen des Kaisers reichte so weit, dass er dem geadelten Mediziner das teuer erworbene Buch anvertraute.

Der böhmische Mediziner Jacobi à Tepenecz könnte von Kaiser Rudolph II. das Voynich-Manuskript zur Entzifferung erhalten haben.

An dieser Stelle verliert sich die Spur, denn es scheinen keine früheren schriftlichen Aufzeichnungen zu existieren, die weitere Hinweise auf den Ursprung des Voynich-Manuskripts liefern. Bekannt ist im Wesentlichen, dass das Buch das enorme Interesse eines Kaisers weckte, der viel Geld dafür bezahlte und es in die Hände mehrerer medizinkundiger Jesuiten gab – in der Hoffnung, dass es entziffert würde.

Die Besonderheiten des Voynich-Manuskripts

Seit inzwischen über 400 Jahren suchen Interessierte damit nach einer Erklärung für den Zweck des Buches. Die Deutungen reichen dabei von einem Medizinbuch mit Heilkräutern und -verfahren bis zu einem Lexikon einer Fantasiewelt. Ein Blick auf den Inhalt des Manuskripts lässt beides für möglich erscheinen.
Das 23,5 × 16,2 Zentimeter große Voynich-Manuskript mit seinen Seiten aus braunem, fleckigem und leicht durchscheinendem Pergament ist heute unvollständig erhalten, da zu einem unbekannten Zeitpunkt an mehreren Stellen Seiten herausgetrennt wurden. Jede zweite der ursprünglich 232 Seiten ist mit einer arabischen Seitenzahl versehen, wobei einige Seiten zu großen Bögen ausklappbar sind.
Seite 68 vom Voynich-Manuskript mit astronomischen Darstellungen

Die Seite 68 besteht aus vier miteinander verbundenen Blättern und zeigt astronomische Darstellungen.

Ein Großteil der Buchseiten ist mit Zeichnungen und umfließendem Text gefüllt. Da die Schrift unentschlüsselt ist, bleibt offen, ob die Abbildungen im Zusammenhang mit dem Text stehen. Dennoch haben Wissenschaftler das Manuskript aufgrund seiner Bilder in fünf Themenbereiche untergliedert.

Von unbekannten Pflanzen bis zu italienischen Burgen

Nahezu die komplette erste Hälfte des Werkes besteht aus einem botanischen Teil, in dem unbekannte Pflanzen mit ihren Blüten, Blättern, Wurzeln und Fruchtständen dargestellt sind. Mit seinem umfließenden Text erinnert es stilistisch an Kräuterbücher des Mittelalters und der Renaissance.
Die zweite Hälfte des Buches beginnt mit einem astrologischen Teil, in dem Sonne, Mond und Sterne abgebildet sind. Einige dieser Darstellungen lassen sich Tierkreiszeichen oder bekannten Sternbildern wie den Plejaden zuordnen.
Auf die kosmologischen Seiten folgen ein biologischer Teil mit Zeichnungen von badenden Frauen sowie ein pharmazeutischer Teil mit Bildern von Pflanzen und medizinischen Gefäßen. Der letzte Teil besitzt fast ausschließlich Fließtext und erinnert an Aufzählungen oder Rezepte.
Wissenschaftlich interessant ist zudem die sogenannte Rosettenseite im biologischen Teil. Sie ist ausfaltbar, umfasst sechs Blatt Pergament und zeigt neun miteinander verbundene Kreise, in denen unter anderem Gebäude dargestellt sind. Eine dieser architektonischen Darstellungen zeigt eine Burg mit Zinnen in Schwalbenschwanzform, wie sie für norditalienische Burgen aus dem 14. und 15. Jahrhundert typisch sind. Könnte das Manuskript folglich in dieser Zeit im alpinen Raum entstanden sein? Oder entspringen Text und Bilder nur der Fantasie?

Fälschung oder echt?

Weil das Voynich-Manuskript trotz zahlreicher Bemühungen – teils unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz und anderen modernen Techniken – noch immer unentschlüsselt ist, sprechen viele Forscher von einer möglichen Fälschung – etwa durch Wilfrid Voynich selbst.
Um endgültige Klarheit zu schaffen, führten Forscher ab 2009 detaillierte Untersuchungen durch. Diese ergaben unter anderem, dass das Pergament des Manuskripts von 15 Kälbern stammt. Zusammen mit der Tinte und den Farbpigmenten entsprechen die verwendeten Materialien denen, die im Spätmittelalter häufig zum Einsatz kamen. Eine Analyse der Handschrift erbrachte außerdem, dass sehr wahrscheinlich mehr als eine Person an der Fertigung des Werkes arbeitete.
Auch das Alter des Buches ließ sich durch eine Radiokarbondatierung ermitteln. Dabei wurde festgestellt, dass die 15 erforderlichen Kälber zwischen 1408 und 1438 geschlachtet wurden. Damit konnte einerseits ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Voynich-Manuskript um eine moderne Fälschung handelt andererseits aber auch, dass Roger Bacon (circa 1220–1292) dieses Werk in seinen Händen hielt.
Der hohe materielle Aufwand spricht für viele Menschen dafür, dass das Manuskript wichtige oder gar brisante Informationen enthält. Um das mögliche Geheimnis zu wahren, wurde es verschlüsselt – etwa mittels einer fiktiven Sprache, einer seltenen und heute unbekannten natürlichen Sprache oder durch das absichtliche Chiffrieren des Textes.
Die Praxis des Chiffrierens war im Europa des 15. und 16. Jahrhunderts weit verbreitet, besonders in Italien. Dort wurde nachweislich eigens eine Chiffre zum Austausch politischer Nachrichten  entwickelt. Während einige der mittelalterlichen Verschlüsselungen bis heute entziffert wurden, bleibt das Voynich-Manuskript weiterhin ein Rätsel.

Im 16. Jahrhundert wurden aufwendigere Verschlüsselungsmethoden erfunden wie diese Chiffriermaschine von Heinrich II., König von Frankreich, zeigt.

Versuche der Entschlüsselung

Als Erster seit der Wiederentdeckung im Jahr 1912 versuchte sich William Romaine Newbold, der von Wilfrid Voynich beauftragt worden war, an der Dechiffrierung des Textes. Seiner Überzeugung nach sei der Text in altgriechischer Kurzschrift verfasst – doch lesen konnte er den Inhalt nicht. Im Jahr 1943 waren die Rechtsanwälte um Josesph Martin Feely überzeugt, dass das Manuskript in Latein, in verschlüsseltem Englisch oder Ukrainisch geschrieben sei.
In der Folgezeit kamen weitere Theorien über alte, exotische Sprachen und ein Werk von Außerirdischen hinzu. Ein erneuter Aufschwung von Entschlüsselungsversuchen kam in den 2010er-Jahren mit der Entwicklung neuer Techniken auf. Forscher glaubten zu erkennen, dass das Voynich-Manuskript in einer selten gesprochenen oder unbekannten Sprache, in Hebräisch oder in abgekürztem Latein verfasst sei. Keine dieser Theorien fand bis heute Bestätigung.
2016 veröffentlichte Gordon Rugg eine Studie, in der er das Manuskript als sinnlose Zeichensammlung mit bedeutungslosen Buchstabengruppen bezeichnete. Auch die beiden deutschen Voynich-Fachmänner Thorsten Timm und Jürgen Hermes sind der Meinung, dass dem Text kein Sinn innewohnt.
Auszug aus dem Voynich-Manuskript

Auszug aus dem Voynich-Manuskript, das viele Forscher und Laien bereits zu entschlüsseln versuchten.

Im Jahr 2019 folgte die Theorie von Gerard Cheshire, der behauptet, das Manuskript sei in einer Sprache aus dem Italien des 15. Jahrhunderts verfasst. Ein Jahr später veröffentlichte der deutsche Ägyptologe Rainer Hannig einen Aufsatz, wonach er das Manuskript, welches zu 80 Prozent auf Hebräisch geschrieben sein soll, entziffert habe.
Einer der jüngsten Entschlüsselungsversuche (2025) stammt von dem Wissenschaftsjournalisten Michael Greshko. Dieser glaubt, dass es sich bei dem Voynich-Text um eine ausgeklügelte Chiffre handelt, die mittels Würfeln, Spielkarten und Verschlüsselungstabellen erstellt wurde. Die sogenannte Naibbe-Chiffre entziffert jedoch weder Sprache noch Inhalt, sondern erzeugt mit ihren Beispielen lediglich ähnliche Buchstabenmuster und Erscheinungsformen wie das Voynich-Manuskript.
Ob das Manuskript für immer ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, wird die Zeit zeigen. Eines steht jedoch fest: Wenn das Ziel die Geheimhaltung von Informationen war, dann hat der Schöpfer des Werkes sehr gute Arbeit geleistet.
Buchtipp: Das „Voynich Manuskript“
Wenn Sie noch tiefer in das geheimnisvolle Voynich-Manuskript eintauchen möchten, bietet Ihnen der Bildband von Vera Pache und Klaus Schmeh beste Möglichkeiten. Sowohl in der einfachen Ausführung, als auch in der Vorzugsausgabe sind alle Seiten des Buches abgedruckt und mit interessanten Zusatzinformationen versehen.
Verlag: Favoritenpresse
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-96849-409-8

Das Buch „Voynich-Manuskript“ von Vera Pache und Klaus Schmeh.

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Drei Rotkreuz-Helfer unter ersten Ebola-Opfern im Kongo

Zu den ersten Todesopfern des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo gehören drei freiwillige Rotkreuz-Helfer. Das berichtet die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Genf.
Man gehe davon aus, dass die drei sich schon am 27. März infiziert hätten, als sie sich um Leichen kümmerten, teilte die Föderation mit. „Sie gehören zu den ersten bekannten Opfern des Ausbruchs.“ Sie seien in einer anderen humanitären Angelegenheit im Einsatz gewesen, bevor bekannt war, dass das Ebolavirus grassiert. Sie starben den Angaben zufolge am 5., 15. und 16. Mai.

Krankheit wochenlang unentdeckt

Die ersten Ebola-Fälle waren erst am 15. Mai im Labor bestätigt worden. Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch zuvor über Wochen unentdeckt blieb. Häufungen von ungeklärten Todesfällen wurden bereits vorher untersucht. Da es sich bei diesem Ausbruch aber um den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebolavirus handelt, wurde der Erreger mit herkömmlichen Tests zunächst nicht bestätigt.
Am 17. Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC). Sie betrachtet das Risiko einer Ansteckung im Kongo als sehr hoch, in der Region als hoch, weltweit aber als gering. Ebola überträgt sich anders als etwa das Coronavirus nicht durch Tröpfchen in der Luft, sondern nur durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten. Auch Leichen können noch Tage nach dem Tod eine hohe Virenlast aufweisen. (dpa/red)
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WHO: 750 Ebola-Verdachtsfälle und 177 Tote im Kongo

Bei dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo steigen die Fallzahlen weiter an. Mittlerweile gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 750 Verdachtsfälle und 177 mutmaßliche Todesfälle in dem zentralafrikanischen Land.
Es gebe zwar Fortschritte bei Überwachungsmaßnahmen und Labortests, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. Doch Gewalt und Unsicherheit behinderten die Bekämpfung der Epidemie
82 Infektionen und 7 Todesfälle wurden laut Tedros im Labor bestätigt. Die WHO geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt, weil nicht alle Krankheitsfälle registriert und gemeldet werden.
Im Nachbarland Uganda seien bis auf zwei bekannte Infektionen bislang keine weiteren neuen Fälle gemeldet worden, hieß es weiter.

Seltener Bundibugyo-Typ des Ebolavirus

Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC im Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Es handelt sich um den insgesamt 17. registrierten Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976.
Der Ausbruch des seltenen Bundibugyo-Typs des Ebolavirus, gegen den es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt, macht die Lage besonders schwierig.
Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. (dpa/red)
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Immun-Cocktail: Neue Superkraft von Ameisengift entdeckt


In Kürze:

  • Alte Annahme: Bislang galt Ameisensäure als alleiniger Bestandteil von Ameisengift.
  • Neue Erkenntnis: Forscher aus Halle/Saale und Berlin haben jüngst herausgefunden, dass das Toxin auch gesundheitswirksame Eiweiße enthält.
  • Künftiger Nutzen: Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, wirksame Mittel gegen Krankheitserreger wie Pilze zu entwickeln.

 
Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff dieser Ameisengifte betrachtet.
„Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe [Peptide] enthalten“, sagte Timo Niedermeyer, Professor für Pharmazeutische Biologie der Freien Universität Berlin. Er ergänzte:
„Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“

Ameisengift schützt Brut vor Pilzerkrankungen

Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. So schmieren die Ameisen ihre Brut mit ihrem Gift ein – die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betonte Dr. Simon Tragust, beteiligter Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen.

Internationale Spitzenforschung

Für ihre Arbeit kombinierten die Forscher Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Mithilfe modernster Technik wurden Protein- und RNA-Daten zusammengeführt, um die im Gift enthaltenen Peptide und ihre Gensequenzen zu identifizieren. Ergänzend kamen chemische Analysen, synthetische Verfahren, biophysikalische Experimente und Genomanalysen zum Einsatz.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die Studie erschien am 13. Mai 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
(Mit Material der Freien Universität Berlin.)
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meinung

Das energetische Geheimnis eines gesünderen Lebens – Medizinerin erklärt

Dr. Molly Maloof ist Ärztin, Pädagogin, Dozentin und Unternehmerin in den USA. Sie betreibt eine Praxis für Präzisionsmedizin, auch personalisierte Medizin genannt, und betreut Klienten in der Bay Area, Los Angeles, Atlanta und Jackson.
Auf ihrer Website erklärt die Präzisionsmedizinerin, seit 2012 mit über 50 Unternehmen in den Bereichen digitale Gesundheit, Biotech und Consumer-Wellness zusammengearbeitet zu haben. Ziel sei es gewesen, „eine Brücke zwischen innovativer Wissenschaft und praktischer Anwendung im Alltag“ zu bauen.
Die ehemalige Dozentin zum Thema „Live Better Longer: Enhancing Healthspan for Longer Lifespan“ (Länger besser leben: Die Gesundheitsspanne verlängern für ein längeres Leben) an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford lud zu einem Kurs über Selbstmanagement ein.
Ihr Anliegen dabei ist es, den Teilnehmern Tipps und Praktiken zur Verbesserung ihrer Anpassungsfähigkeit zu geben sowie ihnen Möglichkeiten vorzustellen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Durch die Anwendung bestimmter Ideen und Praktiken soll es ermöglicht werden, die krankheitsfreie Lebensphase eines Menschen zu verlängern. Sie erklärt:
„Ihre Transformation beginnt, wenn Sie aufhören, sich mit einem kranken, suboptimalen oder durchschnittlichen Gesundheitszustand zufriedenzugeben, und anfangen, nach Optimalität zu streben.“
EpochTV sprach in der Sendung „The Upgrade“ mit Dr. Molly Maloof. Hier eine gekürzte Version des Interviews.

Die Turbinen des Lebens

Dr. Molly Maloof, es freut mich, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Ich bin sehr neugierig auf Ihre Definition von Energie. Inwieweit bestimmt Energie die Gesundheit grundlegend?
Ohne Energiefluss in jeder einzelnen Zelle sind Sie nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen einer lebenden und einer toten Person. Wenn wir Luft atmen, Wasser trinken und Nahrung essen, zerlegen wir die Nahrung durch Verdauung in Substrate.
Diese Substrate werden durch das gespeist, was man Elektronentransportkette nennt, was uns im Grunde hilft, Energie zu produzieren. Die Elektronentransportkette transportiert Elektronen in den Mitochondrien, um eine ATP-Turbine [ATP steht für Adenosintriphosphat] anzutreiben. Diese Turbine erzeugt die Energiewährung der Zelle, und das erzeugt einen elektrochemischen Gradienten.
Wenn also ein elektrochemischer Gradient erzeugt wird, erhalten Sie eine Batterie. Sie erhalten auch einen Kondensator, wenn Sie einen Ladungsunterschied zwischen zwei Platten haben. Ohne Batterien und Kondensatoren sind wir also grundlegend nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der aufblüht, und jemandem, der sich abmüht.

Lebensstil hat mehr Einfluss als Genetik

Wir dachten früher, alles drehe sich um unsere Gene, und unsere Gene bestimmten unser Schicksal. Aber wir lernen gerade, dass unsere Gene wahrscheinlich nicht für mehr als 10 bis 30 Prozent unserer zukünftigen Gesundheit verantwortlich sind.
Es ist größtenteils der epigenetische Ausdruck unserer Gene, der unsere Gesundheit bestimmt. Und vieles davon basiert auf unserem Lebensstil. Unsere Mitochondrien sind diese Minisupercomputer in jeder Zelle.
Sie sind nicht nur Teil unseres Stoffwechsels. Sie spüren und integrieren die Umwelt und bestimmen, wohin die Energie fließt: Sind wir sicher? Sind wir unsicher? Produzieren wir Stresshormone, um der Gefahr zu entkommen, oder produzieren wir Sexualhormone, um uns fortzupflanzen? Sie sind also ein zentraler Regulator der Gesundheit und des Lebens.
Wenn man mehr Energie haben will, muss man also an seiner Batterie arbeiten. Wie können wir das angehen, sowohl körperlich als auch mental?
Sehr wichtig ist es, sicherzustellen, dass man mehr gute Dinge, die Energie liefern, zu sich nimmt und die schlechten Dinge, die die mitochondriale Funktion schädigen, entfernt.
Wie die Leute bereits wissen, ist unsere Umwelt sehr toxisch. Trinken Sie also reines, sauberes Wasser. Und ich spreche nicht von Flaschenwasser. In Flaschenwasser ist viel Mikroplastik. Man kann sich ein eigenes Wasserfiltersystem zulegen, sich Luftfiltersysteme anschaffen, sogar die Kleidung und Lebensmittel überprüfen und versuchen, Giftquellen aus dem Leben zu entfernen, wie Pestizide in Obst und Gemüse.
Das sind Kleinigkeiten, die man tun kann, um zu vermeiden, dass Toxine die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen. Man kann sich sogar auf Schwermetalle testen lassen.
Aber darüber hinaus muss man auch sicherstellen, dass die Verdauung ordnungsgemäß funktioniert. Denn wenn die Verdauung nicht richtig funktioniert und man keine Nährstoffe aufnimmt, können die Mitochondrien nicht richtig arbeiten, da sie B-Vitamine und eine Vielzahl anderer Mineralien benötigen, wie Elektrolyte zum Beispiel.
Wir brauchen Natriumchlorid und Kalium, um richtig zu funktionieren. Und dann ist Bewegung entscheidend. Jeder weiß bereits, dass wir uns bewegen sollten. Aber sie wissen nicht immer, warum.

Signale, Gedanken und Botschaften

Mitochondrien reagieren auf Signale, die sie erhalten, und sind quasi Vorhersagemaschinen. Sie wollen herausfinden: Was muss ich heute tun, um sicherzustellen, dass ich morgen gesund bin und morgen die Energie habe, die ich brauche, um das zu tun, was ich tue?
Und das sind die Botschaften, die die Mitochondrien durch Bewegung erhalten. Sagen Sie den Mitochondrien, dass Sie für morgen mehr Energie brauchen. Jedes Mal, wenn Sie sich bewegen, senden Sie ein Signal, dass sich Ihr Körper an den Bedarf anpasst, indem er Ihre Energiespeicher erhöht.
Davon abgesehen brauchen wir alle auch Erholung. Man kann eine Maschine nicht 24/7 betreiben und erwarten, dass sie gut funktioniert. Wenn Menschen nicht richtig schlafen, erhalten sie nicht die reparativen Funktionen, die notwendig sind, damit ihr Körper ordnungsgemäß funktioniert. Und während des Schlafs findet so viel epigenetische Aktivität statt. Man muss die Maschine also ab und zu ausschalten, richtig?
Darüber hinaus würde ich sagen, dass die Botschaften, die wir uns selbst durch unsere Gedanken senden, für die Gesundheit entscheidend sind.
Wenn wir Botschaften senden, dass wir krank sind, dass wir uns unwohl fühlen, dass wir nicht aufblühen, dass wir uns abmühen, dass wir schwach sind, werden unsere Zellen darauf reagieren, indem sie das glauben und entsprechend handeln.
Unsere Gedanken spielen also eine wirklich wichtige Rolle, ebenso wie die Menschen, mit denen wir uns umgeben. Wir sind elektrochemische, elektromagnetische Wesen, also können wir die Energie anderer Menschen spüren.
Wir können das EEG spüren, wir können das EKG spüren. Das sind elektromagnetische Felder, die von der Verdrahtung unseres Körpers ausgehen. Wir können tatsächlich die Emotionen anderer Menschen spüren. Sich mit wütenden oder schwierigen Menschen zu umgeben, wird also nicht die Bedingungen schaffen, unter denen Ihr Körper gesund bleibt, und Sie werden buchstäblich den emotionalen Zustand von jemand anderem absorbieren.

Natur, Beziehungen, Nahrung – unterschätzte Heilmittel

Ich denke, das Wichtigste für ein langes Leben sind unsere Beziehungen, unsere Bewegungsgewohnheiten, unser Schlaf und unsere Ernährung. Gerade die einfachsten Grundlagen sind entscheidend. Die meisten Menschen brauchen etwas mehr Eiweiß und deutlich mehr Gemüse. Und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist so einfach und wird doch so oft vernachlässigt.
Die Natur ist ein oft unterschätztes Heilmittel, das fast jeder Arzt seinen Patienten empfehlen sollte. Denn sie reduziert Stress direkt und ist eines der besten Mittel, um das Nervensystem zu regulieren. Denn unsere Umgebung bietet viele subtile, aber nicht immer aktive Reize – sie wirkt auf subtile Weise.
Beziehungen und menschliche Berührung sind sehr wichtig und werden so oft übersehen.
Das Interview führte Makai Allbert. Es erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Actually Makes You Live Longer: Dr. Molly Maloof“. Die vorliegende Version ist gekürzt. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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gesellschaft

EU-Einigung: Mehr wichtige Medikamente in Europa herstellen

Im Kampf gegen Engpässe bei lebenswichtigen Medikamenten in der EU haben sich Unterhändler in Brüssel auf Regeln geeinigt, um die Produktion von Arzneimitteln leichter mit öffentlichen Geldern unterstützen zu können.
Das teilten die Vertreter des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten mit. Europa soll dadurch weniger abhängig von einzelnen Lieferanten und der Herstellung außerhalb des Kontinents werden.
Menschen in Europa konnten in den vergangenen Jahren manche Medikamente zeitweise nicht mehr in der Apotheke kaufen. Betroffen waren etwa Schmerzmittel, Antibiotika oder Fiebersäfte für Kinder.
„Die Patienten sollten sich keine Sorgen darüber machen müssen, ob wichtige Arzneimittel wie Antibiotika in ihrer Apotheke oder ihrem Krankenhaus verfügbar sind“, teilte der zyprische Gesundheitsminister, Neophytos Charalambides, mit. Sein Land hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.
Bevor die Regeln in Kraft treten können, müssen sie noch vom Europaparlament und den EU-Staaten bestätigt werden. Normalerweise gilt das als Formsache, wenn sich die Unterhändler der Institutionen zuvor auf einen Kompromiss geeinigt haben.

EU will Anreize für heimische Produktion setzen

Ein Baustein der neuen Regeln betrifft die Vergabe öffentlicher Aufträge. Im Fall von wichtigen Arzneimitteln, bei denen es eine hohe Abhängigkeit von einem oder wenigen Ländern gibt, sollen hierbei künftig grundsätzlich in Europa hergestellte Medikamente bevorzugt werden.
So sollen Anreize für sichere Lieferketten geschaffen werden. Die vorläufige Einigung sieht vor, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, diese Medikamente zu bevorzugen.
„Dazu gehört, dass Lieferanten proportional zu dem Anteil der in der EU hergestellten Arzneimittel und deren pharmazeutischer Wirkstoffe vergütet werden“, teilte das Parlament mit.
Sogenannte strategische Projekte sollen zudem schneller genehmigt werden und schneller Zugang zu Förderung bekommen. Mehrere Länder können sich zudem zusammenschließen und gemeinsam wichtige Medikamente beschaffen.
Das betrifft unter anderem Arzneimittel für seltene Erkrankungen, bei denen sonst laut Kommission der Markt versagt.
Mit kritischen Arzneimitteln sind laut EU-Kommission Medikamente gemeint, „bei denen es nur wenige oder gar keine Alternativen gibt und bei denen die Patientinnen und Patienten durch Versorgungsengpässe ernsthaft geschädigt würden“.
Dazu gehören demnach unter anderem Antibiotika und Antithrombotika, Krebstherapeutika und Herz-Kreislauf-Mittel. Sie sind in einer Liste aufgeführt.

Vor allem in Asien hergestellt

Die EU-Kommission hatte die Anpassung im März 2025 vorgeschlagen. Nach Kommissionsangaben gibt es viele Gründe, warum es in der EU in den vergangenen Jahren Versorgungsprobleme gab.
Darunter seien etwa Engpässe bei Wirkstoffen. Aber auch, dass sich die Produktion in einigen wenigen Ländern konzentriere, trage zu den Problemen bei. In der Corona-Pandemie seien Schwachstellen in den Lieferketten deutlich geworden.
Nach Angaben von EU-Gesundheitsministern aus dem vergangenen Jahr stammen etwa 80 bis 90 Prozent der Medikamente in Europa aus Asien, vor allem aus China. Gleichzeitig sind in der EU im Arzneimittelsektor laut Kommission rund 800.000 Menschen beschäftigt. (dpa/red)
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gesellschaft

Interpol-Schlag: Millionen falsche Medikamente beschlagnahmt

Fahnder haben bei einem großangelegten Schlag gefälschte und nicht zugelassene Medikamente im Millionenwert beschlagnahmt. Mehr als 6,4 Millionen Dosen wurden eingezogen, wie die internationale Polizeiorganisation Interpol mit Sitz in Lyon mitteilte.
Die Stoffe haben demnach einen Wert von 15,5 Millionen US-Dollar (etwa 13,2 Millionen Euro). Am häufigsten fanden die Ermittler angebliche Mittel gegen Erektionsstörungen, Beruhigungsmittel, aber auch vermeintliche Produkte, die gegen das Rauchen helfen sollen.

Deutschland war an der Aktion nicht beteiligt

Insgesamt 269 Verdächtige nahmen die Fahnder bei dem von Interpol koordinierten knapp zweiwöchigen Schlag in rund 90 Ländern fest. Sie zerschlugen zudem 66 kriminelle Gruppen, die im illegalen Medikamentenhandel aktiv waren, und nahmen Tausende Online-Seiten und Kanäle hoch.
Die meisten Produkte fanden die Ermittler in Großbritannien, Kolumbien und Australien. Deutschland war an der Aktion nicht beteiligt.
„Gefälschte Medikamente sind nicht nur Betrug, sie bringen Leben in Gefahr“, zitierte Interpol ihren Generalsekretär Valdecy Urquiza. Über Online-Marktplätze und informelle Lieferketten könnten Kriminelle Lücken in der Kontrolle ausnutzen. Sie würden auf Menschen abzielen, die schnelle und erschwingliche Hilfe suchten, doch die Konsequenzen könnten schwer und sogar tödlich sein.

Hohe Menge vermeintlicher Mittel gegen Krebs im Umlauf

Interpol weist auch auf einen beunruhigenden Trend hin. So beschlagnahmten die Fahnder deutlich mehr Antiparasitika als in den vergangenen Jahren.
Die gefundenen Mittel Ivermectin und Fenbendazol würden als Teil sogenannter „Kits zur Krebsbehandlung“ als alternative Krebsmittel verkauft, obwohl Gesundheitsbehörden warnten, dass es dafür keine Grundlage gebe. Große Mengen der beiden Stoffe fanden die Ermittler in Australien, Neuseeland, Singapur, in den USA und Großbritannien.
Zu Ivermectin als Medikament gegen Krebs gibt es dem Krebsinformationsdienst zufolge bisher nur Untersuchungen aus der Grundlagenforschung, also in Zellen und an Mäusen. Diese Untersuchungen lieferten nur Hinweise und die Ergebnisse seien nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar.
„Es gibt keine abgeschlossenen klinischen Studien am Menschen, die eine Wirkung gegen Krebs zeigen.“ Zu einer möglichen Wirkung von Fenbendazol ist die Datenlage Experten zufolge noch schwächer. (dpa/red)
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wirtschaft

BioNTech schließt Standorte – Bis zu 1.860 Stellen in Gefahr

Der Impfstoffhersteller BioNTech plant die Schließung mehrerer Produktionsstandorte. Das Mainzer Unternehmen begründete die Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen.
Betroffen von den Plänen seien die Produktionsstandorte in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac. Insgesamt bis zu 1.860 Stellen könnten von den Maßnahmen betroffen sein, kündigte das Management des Biopharma-Unternehmens an.

Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro

Geplant ist, die Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 zu schließen. Der Betrieb in Singapur soll voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt werden. Geplant sei ein partieller oder vollständiger Verkauf.
Das Biopharma-Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährliche Einsparungen von bis zu rund 500 Millionen Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.

Weniger Umsatz mit Covid‑19-Impfstoffen

Im ersten Quartal verbuchte BioNTech einen zurückgehenden Umsatz. Die Erlöse lagen bei 118,1 Millionen nach 182,8 Millionen Euro in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Der Rückgang sei vor allem auf niedrigere Umsätze mit den Covid‑19-Impfstoffen zurückzuführen.
Der Nettoverlust stieg an und betrug den Angaben zufolge 531,9 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Vorjahres lag der Wert bei 415,8 Millionen Euro. Als Grund für die Entwicklung nannten die Mainzer höhere Kosten für die Entwicklung von Programmen für die Immunonkologie.

Hohe Entwicklungskosten

Angesichts der hohen Entwicklungskosten hatte BioNTech bereits das Vorjahr mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Für dieses Jahr rechnet BioNTech sowohl auf dem europäischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt mit geringeren Umsätzen aus dem Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen.
Für die Impfsaison 2026/27 werde die Entwicklung eines an Varianten angepassten Covid-19-Impfstoffs vorbereitet.
Zahlreiche Auszeichnungen wurden dem Ehepaar verliehen, auch der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. (Archivbild)

Zahlreiche Auszeichnungen wurden dem Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci verliehen, auch der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Foto: Boris Roessler/dpa

Für 2026 erwartet das Unternehmen, dessen Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden werden, Erlöse zwischen 2,0 Milliarden und 2,3 Milliarden Euro.

Onkologie im Fokus

BioNTech, das in der Corona-Pandemie Milliarden mit seinem Corona-Impfstoff verdient hatte, entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten.
Jüngst wurde das Biotechnologieunternehmen Curevac mit Sitz in Tübingen übernommen. Bis 2030 wollen die Mainzer mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Kandidaten gestellt haben. (dpa/red)