Die Teilnehmer liefen teils im Gleisbett. - Foto: Uli Deck/dpa
111 Menschen haben gemeinsam eine Diesellok samt zwei Waggons 111 Meter weit an Seilen gezogen. Der kollektive Kraftakt während des Brezelfests in Speyer hat nach Angaben der Organisatoren unfallfrei geklappt.
Auch andernorts in Deutschland gab es kuriose Veranstaltungen: Im hessischen Witzenhausen spuckten Hunderte Teilnehmer Kirschkerne um die Wette und in Plau am See kämpften 22 Teams um den Titel der kreativsten „Badewanne“.
Muskelkraft gegen Lok
„In gut zwei Minuten war die Lok im Ziel. Jeder war überrascht, wie schnell das Ganze funktioniert hat“, berichtete der Vorsitzende des Verkehrsvereins Speyer, Uwe Wöhlert, dpa.
Mit dabei waren 19 Teams aus der Region, von Gewichthebern und Ringern bis zu Stadtwerken und Verwaltung. Die Lok und die Waggons zusammen wogen den Angaben zufolge 111 Tonnen.
Es gab zwei je 50 Meter lange Seile, die über den Schultern der Teilnehmer lagen. Die 111 Menschen liefen teils im Gleisbett. Es sei niemand gestürzt oder gestolpert, sagte Wöhlert.
Die Organisatoren hatten das Muskelkraft-Event als Weltrekordversuch angemeldet. Geplant ist ein Eintrag beim Rekordinstitut für Deutschland (RID). Ein Notar hat das Geschehen verfolgt.
30 Meter lange Spuckebahn in Hessen gebaut
Ähnlich ambitioniert, aber unter ganz anderen Vorzeichen traten im hessischen Witzenhausen Hunderte Kinder, Frauen und Männer im Kirschsteinweitspucken gegeneinander an. Die Sieger dürfen sich Deutsche Meister in der Disziplin nennen.
Das Reglement sieht vor, dass das Spucken „ausschließlich mit dem bloßen Mund“ erfolgt. „Jegliche Hilfsmittel oder Veränderungen am Kirschstein sind nicht gestattet“, heißt es dort.
Der verwendete Kirschstein muss aus den zur Verfügung gestellten Kirschen stammen. Jeder Teilnehmer hat drei Spuckversuche. Es zählt nicht das erste Aufkommen, sondern der Punkt, an dem der Stein liegenbleibt.
Das Reglement sieht vor, dass das Spucken „ausschließlich mit dem bloßen Mund“ erfolgt.
Foto: Kai Moorschlatt/dpa
Seit 1985 finden die Deutschen Meisterschaften im Kirschsteinweitspucken schon in Witzenhausen im Rahmen der jährlichen Kesperkirmes statt. Den Titel als Deutsche Meisterin beim Kirschsteinweitspucken verteidigte Frederike Brübach – mit mehr als zwölf Metern.
Buntes Badewannen-Rennen in Plau am See
Deutlich bunter ging es in Plau am See (Mecklenburg-Vorpommern) zu, wo sich die Elde wieder in eine Rennstrecke für auffällig geschmückte Boote verwandelte.
Bei sommerlichen Temperaturen bis zu 29 Grad traten 22 Teams mit ihren „Badewannen“, meist schwimmfähigen Plattformen, gegeneinander an und kämpften unter anderem um den Titel der kreativsten Kreation.
Die Teilnehmer der traditionellen Badewannenrallye stellten sich sowohl der Wertung der Besucher als auch einer Jury.
Foto: Philip Dulian/dpa
Die Teilnehmer der traditionellen Badewannenrallye stellten sich dabei sowohl der Wertung der Besucher als auch einer Jury. Die Rallye fand in diesem Jahr zum 32. Mal statt.
Gepaddelt wurde auf einer Strecke von etwa 500 Metern zwischen der Plauer Schleuse und der historischen Hubbrücke. Am Abend sollten die Teilnehmer dann noch ausgezeichnet werden. (dpa/red)
«Die Leute möchten den politischen Wandel», sagt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Mehr Abschiebehaftplätze, flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Förderung von Führerscheinen – der sachsen-anhaltische AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat in Magdeburg ein 100-Tage-Programm vorgestellt. Zehn zentrale Punkte möchte die AfD unmittelbar nach der Landtagswahl am 6. September umsetzen.
„Die Leute möchten den politischen Wandel“, sagte Siegmund. „Alle anderen Parteien beschäftigen sich nur noch mit uns, haben keine eigenen Positionen.“ Die AfD habe Politik wieder lebendig gemacht. „Wir geben den Ton an.“
Diese Punkte stehen im 100-Tage-Programm:
Rundfunkstaatsverträge kündigen
Mehr Abschiebungen: Geplant sind mehr Abschiebehaftplätze und eine neue Arbeitsgruppe von Land und Kommunen
Flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber
Weniger Geld für parteinahe Stiftungen
Führerscheinförderung: Vor allem Auszubildende sollen profitieren
Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern und Wachschutz an Problemschulen
Schwarz-Rot-Gold an Schulen: Regenbogenflaggen sollen verboten werden, stattdessen soll an jedem Schultag die Bundesflagge wehen
Neue Landeskampagne: Aus „#moderndenken“ soll „#deutschdenken“ werden
Weniger Ministerien: Siegmund will ein bis zwei Ministerien einsparen
Corona-Untersuchungsausschuss im Landtag zur Aufarbeitung der Pandemie
Kritik an CDU und Ministerpräsident
AfD-Landeschef Martin Reichardt hatte die CDU zuvor scharf kritisiert und Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) Lügen vorgeworfen. Schulze wisse genau, dass er lüge, wenn er eine Zusammenarbeit mit den Linken ausschließe, sagte Reichardt zu Beginn des Landesparteitags. „Denn ohne die Linken hat Herr Schulze überhaupt keine Chance auf irgendwelche Mehrheiten.“
In Umfragen hatte die AfD mit ihrem 35-jährigen Spitzenkandidaten Siegmund zuletzt deutlich vor der CDU gelegen. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP könnte ihre Mehrheit im September verlieren. Die AfD strebt eine Alleinregierung an. Alternativ kommt eine CDU-geführte Minderheitsregierung in Betracht, die gegebenenfalls punktuell mit den Linken zusammenarbeiten müsste.
„Unsere historische Aufgabe ist es, diese Mehrheit aus Deutschlandhassern und machtgierigen Unionsspießern zu verhindern“, sagte Reichardt.
In Sachsen-Anhalt wird die AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Der Landesverband hat rund 3.500 Mitglieder. (dpa/red)
Omnipräsent bei der WM: Jürgen Klopp mit Frankreichs Topstar Kylian Mbappé. - Foto: Tom Weller/dpa
Jürgen Klopp sah aus wie ein Tourist. Helle Hose, sportliche Sneaker – und dazu die Sonnenbrille lässig ins Shirt gesteckt. So zeigten Fotos den 59-Jährigen beim ersten Bundestrainer-Gipfel mit der DFB-Spitze in New York. Direkt danach gab es weder Äußerungen der Teilnehmer, noch drangen konkrete Fakten oder gar Ergebnisse nach außen. Es gab nicht einmal Hinweise über mögliche weitere Treffen. Bleibt die DFB-Spitze länger in den USA?
Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte Fotos der Zusammenkunft von DFB-Präsident Bernd Neuendorf (65) sowie DFB-Vize und Ligapräsident Hans-Joachim Watzke (67) mit Klopp und dessen Berater Marc Kosicke (55) in einem Hotel am John F. Kennedy Flughafen. Kosicke, der Vierte im Bunde, kümmert sich seit vielen Jahren um Klopps Belange. Der Sportmanager gilt in der Fußball-Szene als gewiefter Verhandler. Er kümmert sich auch um Klopps Sponsoring-Verträge.
Das Airport-Treffen soll inklusive kurzer Pausen über vier Stunden gedauert haben. Es gab also erwartungsgemäß viel unter acht Augen zu besprechen. Klopp-Intimus Watzke hatte zuvor davon gesprochen, dass es bei der Nachfolge für den nach der nächsten vermurksten WM nicht zuletzt auf sanften Verbands-Druck zurückgetretenen Julian Nagelsmann nicht nur darum ginge, „dass man einen Namen austauscht“.
Klinsmann erklärt Klopp den Bundestrainer-Job
Das Anforderungsprofil für einen Nationaltrainer skizzierte in den WM-Tagen übrigens Jürgen Klinsmann. Der 61-Jährige, als Bundestrainer von 2004 bis 2006 verantwortlich für das deutsche WM-Sommermärchen, sprach dabei von einer Vielzahl an Rollen, die der Chefcoach bei einem Turnier zu erfüllen habe.
„Im Grunde bist du ein Menschen-Manager“, erklärte Klinsmann, angefangen beim Spieler-Puzzle, der Steuerung der Mannschaft, dem Umgang mit den Familien bis hin zum Verband.
„Manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Und wenn es nicht so gut läuft, übernimmst du Verantwortung, so wie es Julian Nagelsmann getan hat. Er hat Verantwortung übernommen und gesagt: Ich habe keinen guten Job gemacht. Ich gehe und mache den Weg frei für einen anderen, für den nächsten Trainer“, schilderte Klinsmann.
Verantwortung im deutschen Fußball und als Nationaltrainer übernehmen will nun Klopp, der als Vereinscoach bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool bewiesen hat, dass er Mannschaften zu Titeln führen kann. Und dass er Menschen anleiten kann. Er würde damit die Voraussetzung des „Menschen-Managers“ erfüllen, auch wenn er noch nie ein Nationalteam geführt hat. Auch darum sieht er wohl in Ex-Teamchef Rudi Völler (66) eine echte Hilfe. Der DFB-Sportdirektor bleibt auch nach dem WM-Aus bis zur EM 2028 im Amt.
Mit Wasserstandsmeldungen über den New-York-Gipfel sollten sich alle Beteiligten am Wochenende zunächst zurückhalten. Und wenn, wäre es wohl die Aufgabe von Verbandsboss Neuendorf, ein Statement zu veröffentlichen.
Bosse fliegen aus Frankfurt ein
Neuendorf und Watzke waren am Freitag aus Frankfurt in die US-Metropole geflogen. In New York hat Klopp seine WM-Basis. Er arbeitet für MagentaTV als Experte, beobachtet vor Ort die Turnierspiele bewertet sie sportlich.
Der Austausch von Angesicht zu Angesicht galt als zentrale Voraussetzung, um zur von Verbandsseite und Klopp angestrebten Zusammenarbeit zu gelangen. Im Zuge der Nagelsmann-Trennung hatten sich beide Parteien klar und offensiv zueinander bekannt. Auch inhaltlich wurde vieles sehr schnell vorbesprochen.
Klopp soll demnach einen Vertrag bis zur WM 2030 erhalten. Dieser soll nicht viel höher dotiert sein, als der seines Vorgängers. Nagelsmann soll nach unbestätigten Medienberichten rund sieben Millionen Euro pro Jahr kassiert haben.
Ein Knackpunkt bleiben die Verhandlungen mit Red Bull über eine Auflösung des noch bis 2029 datierten Vertrages von Klopp als „Head of Gobal Soccer“. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff soll in der WM-Finalwoche in die USA reisen.
Wie viel Red Bull dürfte noch in Klopp stecken?
Wenn die kolportierten Details stimmen, gibt Klopp seinen Job bei dem österreichischen Getränkekonzern auf, könnte aber Markenrepräsentant bleiben. Dieses Konstrukt wird nach dpa-Informationen freilich bei den Traditionalisten innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes kritisch bewertet.
Mit einer ultralangen Hängepartie der Klopp-Personalie wird allgemein nicht gerechnet. Obwohl kein Zeitdruck besteht. Die ersten Länderspiele der DFB-Auswahl in der neuen Saison stehen erst Ende September an. Dann gibt es im ersten, neu gestalteten Länderspielfenster innerhalb von nur zehn Tagen aber gleich vier Partien gegen die Niederlande, Serbien und Griechenland (zweimal). Beim Start als Bundestrainer müsste Klopp also gleich in die Vollen gehen. (dpa/red)
Unklar ist, wann die Strecke wieder freigegeben wird - Foto: Christoph Reichwein/dpa
Als Ursache des Feuers an der wichtigen Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln wird ein Sabotageakt vermutet. Das verlautete aus Sicherheitskreisen. Inzwischen tauchte auf der linken Plattform indymedia.org ein angebliches Bekennerschreiben auf. Die Bahnstrecke ist seit Freitag gesperrt. Noch ist unklar, wann Züge wieder regulär fahren.
Die Gruppe „Kommando Angry Birds“ veröffentlichte das Schreiben. Darin schreibt die Gruppe, dass sie verantwortlich „für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen“ sei. Es seien Brandsätze in einem Kabelschacht deponiert worden.
In Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass das Schreiben echt ist, wie die Deutsche-Presse-Agentur erfuhr. Dass ein technischer Defekt den Böschungsbrand an der Bahnstrecke auslösen konnte, gelte als wenig wahrscheinlich. Über das Bekennerschreiben hatte zuerst der WDR berichtet.
Die linksextremistische Gruppe „Kommando Angry Birds“ hatte vor etwa einem Jahr auch einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich reklamiert.
Der Staatsschutz der Kölner Polizei hatte bereits am Freitag die Ermittlungen übernommen. Es werde untersucht, ob strafrechtliches Handeln vorliege und das Feuer absichtlich gelegt worden sei, hatte ein Polizeisprecher gesagt.
Strecke weiter gesperrt
Bisher ist noch unklar, wann der gesperrte Abschnitt wieder freigegeben wird. Am Samstagmittag sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn, es könne aktuell keine Prognose abgegeben werden, wann die Strecke wieder befahren werden könne. Im Nah- und Fernverkehr kommt es wegen der Sperrung zu Umleitungen und Verspätungen, Ausfall einzelner Züge.
Was ist passiert?
Laut Bahn hatte am Freitagvormittag an zwei Stellen die Böschung zwischen Langenfeld und Leverkusen gebrannt. Die Feuerwehr habe die Brände zwar gelöscht. Allerdings habe das Feuer Schäden an mehreren Signalkabeln angerichtet, so dass auf dem Streckenabschnitt keine Züge fahren könnten. (dpa/red)
Gleitschirmfliegen ist besonders im Sommer ein beliebter Sport. (Symboldbild) - Foto: Nicolas Armer/dpa
Eine junge Frau aus Hessen ist beim Gleitschirmfliegen in den Tiroler Alpen tödlich verunglückt. Wie die österreichische Polizei am Samstag mitteilte, stürzte die 28-Jährige am Vortag in einen Wald bei Neustift im Stubaital und krachte gegen einen Baum. Dabei erlitt sie tödliche Verletzungen.
Ein Mann, der in dem Wald unterwegs war, bemerkte die leblose Frau, die in rund 40 Meter Höhe in einer Baumkrone hing, und alarmierte die Einsatzkräfte, wie eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte der Sender ORF darüber berichtet. Wieso die Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis abstürzte, war vorerst unklar.
Ein weiterer deutscher Gleitschirmflieger aus Nordrhein-Westfalen wurde am Freitag im österreichischen Tirol verletzt. Wie die Polizei mitteilte, klappte sein Schirm aus ungeklärter Ursache zusammen, und der Mann stürzte aus rund 25 Metern Höhe in den Achensee. Zwei Bootsfahrer beobachteten den Unfall des 24-Jährigen, bargen den Flugsportler und brachten ihn ans Ufer. Der Mann aus dem Rhein-Sieg-Kreis wurde danach mit einem Helikopter in eine Klinik geflogen. (dpa/red)
Da ging etwas schief: Ein aufgerissenes Paket vor einer Haustür. (Archivbild) - Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Aus Frust über verlegte, verlorene oder beschädigte Briefe und Pakete haben Verbraucher Zehntausende Beschwerden bei einer Behörde eingereicht. Wie aus der Website der Bundesnetzagentur hervorgeht, gingen bei ihr im ersten Halbjahr 35.728 kritische Wortmeldungen beim sogenannten Mängelmelder ein. Im Vorjahreszeitraum hatte die Behörde 22.981 Beschwerden gezählt. Die Zahlen sind laut Netzagentur aber nicht vergleichbar, da sich die Methodik geändert hat.
Die Beschwerden richten sich gegen alle Postdienstleister, in 87 Prozent der Fälle geht es um den Marktführer Deutsche Post/DHL, der als einzige Firma sowohl Briefe als auch Pakete austrägt. Den Mängelmelder gibt es erst seit Herbst 2025. Die Website enthält Fragen mit Multiple-Choice-Antworten, bei denen Verbraucher sich einfach durchklicken und ihre Beschwerde nicht mehr in eigenen Worten ausformulieren müssen, wie es im alten System der Fall war.
Raus mit den Paketen und ab zu den Empfängern: ein DHL-Transporter im Einsatz. (Archivbild)
Foto: Martin Schutt/dpa
Die Post hält Beschwerdezahlen für „aufgebläht“
Die Post argumentiert, dass durch das neue System die Hemmschwelle sinke und sich manch Verbraucher leichter tue mit der Eingabe subjektiv empfundener Mängel, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als unberechtigt erwiesen. Und manch neue Beschwerde wäre über das alte System vielleicht gar nicht eingereicht worden.
„Der neue Mängelmelder bläht die Beschwerdestatistik auf und erweckt den Eindruck, die Postversorgung in Deutschland würde nicht funktionieren“, sagt ein Post-Sprecher. „Das ist falsch – im Gegenteil: Die Post in Deutschland funktioniert sehr gut.“ Der Anteil der Beschwerden, die bei der Post direkt eingehen, liege unverändert bei 0,003 Prozent der Menge an Briefen und Paketen.
Eine andere Entwicklung stützt die Sichtweise der Post, dass die im Vergleich zu 2025 höhere Beschwerdezahl kein Hinweis auf ein größeres Problem ist. Denn es gibt keine „Hotspots“ mehr, also keine gehäuften Beschwerden aus einer Gegend. Solche Hotspots nahm die Netzagentur in der Vergangenheit als Anlass für Prüfverfahren, um die postalische Versorgung vor Ort genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die Logik dahinter: Trudelt nur eine Beschwerde aus einem Stadtteil ein, so kann das auch ein miesepetriger Verbraucher gewesen sein, der eine Mücke zum Elefanten macht. Sind es hingegen mehrere Beschwerden unterschiedlicher Menschen aus einem Stadtteil, so kann das ein Hinweis sein, dass wirklich etwas im Argen liegt. In der Vergangenheit räumte die Post nach solchen Anlassprüfungen mitunter ein, dass es vor Ort Personalengpässe gebe und sie diese nun beheben wolle. Im ersten Halbjahr gab es aber keine einzige Anlassprüfung der Netzagentur, im ersten Halbjahr 2025 waren es acht gewesen.
Der Anteil der Beschwerden an den gesamten Sendungsmengen in Deutschland ist verschwindend gering. Im vergangenen Jahr transportierte die Deutsche Post 13,3 Milliarden Briefe und Pakete in Deutschland, hinzu kamen noch die Sendungen der Wettbewerber. Allerdings dürften sich längst nicht alle Menschen, die sich über misslungene Postdienstleistungen ärgern, bei der Bundesnetzagentur beschweren. Der Inhalt einer Beschwerde wird nicht überprüft – sowohl im alten wie im neuen System.
Politiker sieht neues Beschwerdesystem positiv
Die Post weist zudem darauf hin, dass sich manche Beschwerden auf sie bezögen, tatsächlich aber anderen Firmen gelten. So landeten pro Jahr 800.000 Fundbriefe im Netz der Deutschen Post. Das sind Briefe, die Wettbewerber falsch zugestellt haben und anschließend von Privatleuten wieder in einen Briefkasten der Post geworfen werden, damit sich die Post um die verirrte Sendung kümmert.
Die große Menge an Fundbriefen zeige, dass vielen Menschen gar nicht klar sei, dass solche Briefe nicht von der Post kommen, heißt es von dem Bonner Logistiker. Daraus schlussfolgert sie, dass sich auch viele Beschwerden fälschlicherweise auf die Post beziehen.
Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff hat damit gerechnet, dass die Beschwerdezahlen mit Einführung des niedrigschwelligen Mängelmelders steigen. „Es ist gut, dass die vorher bestehende Dunkelziffer nun verkleinert wird und die Bundesnetzagentur schneller erkennt, ob es in bestimmten Regionen zu größeren Problemen kommt“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. „Unsere Erwartung bleibt, dass Mängel schnellstmöglich und konsequent abgestellt werden und eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Briefen und Paketen sichergestellt wird.“
Ein Postbote bei der Arbeit: Wie lange waren seine Briefe wohl unterwegs?
Foto: Bernd Weißbrod/dpa
DPD mit zweitmeisten Beschwerden
In der Beschwerdestatistik fällt auch die Paketfirma DPD negativ auf. Ihr Anteil an allen Beschwerden lag im ersten Halbjahr 2026 bei vier bis fünf Prozent pro Monat. DPD ist deutlich kleiner als Konkurrent DHL/Deutsche Post, zudem transportiert die Firma nur Pakete – würde man Beschwerden zu Briefen, Zeitungen und anderen Themen herausrechnen, so läge der DPD-Beschwerdeanteil wesentlich höher. Auf vergleichbare Paket-Konkurrenten wie Hermes und GLS entfallen weniger Beschwerden als auf DPD.
Als Reaktion auf die Zahlen sagte ein DPD-Sprecher, seine Firma nehme die bei der Bundesnetzagentur eingehenden Beschwerden ernst. Es sei aber eine differenzierte Betrachtung wichtig. So sei der Anteil von Beschwerden, die bei DPD direkt eingehen, von 0,11 Prozent des Sendungsaufkommens 2024 auf 0,09 Prozent 2025 gesunken. „Bei über 370 Millionen beförderten Paketen pro Jahr zeigt dies, dass die überwiegende Mehrheit unserer Zustellungen zuverlässig und zur Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden erfolgt.“
Kein gutes Licht auf DPD warf unlängst eine TV-Doku des investigativen Reporterteams Wallraff bei RTL. Die Arbeitsbelastung bei den Subunternehmern, die für DPD unterwegs sind, wurde als extrem hoch und als „Knochenjob“ beschrieben. Außerdem verschickte das Reporterteam testweise 50 Pakete mit Tassen, Weingläsern und Weinflaschen quer durch Deutschland, fast die Hälfte davon ging kaputt.
DPD teilte mit, man überprüfe Hinweise auf mögliche Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben oder eigene Standards. Sollten Missstände nicht abgestellt werden, werde die Zusammenarbeit mit den Systempartnern beendet. Mit Systempartnern sind Subunternehmer gemeint. Außerdem teilte DPD mit, dass „einige der erhobenen Vorwürfe und Darstellungen“ nicht der Realität entsprächen. Ein Firmensprecher lobte „das Engagement der vielen tausend Menschen bei DPD und unseren Partnerunternehmen, die jeden Tag verantwortungsvoll arbeiten“. (dpa/red)
Die Flutkatastrophe hinterließ eine Schneise der Verwüstung. (Archivfoto) - Foto: Boris Roessler/dpa
Immer mehr Landräte und andere Verantwortliche nutzen das Angebot des Bundes für Schulungen zum Krisenmanagement im Katastrophenfall. Beobachter vermuten, dass die verheerende Flut im Ahrtal 2021 mit 135 Toten und mehreren hundert Verletzten ein Grund ist für das gestiegene Interesse an den Kursen der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (BABZ) in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im Fokus der Kritik standen damals das schlechte Krisenmanagement des Landkreises unter Landrat Jürgen Pföhler (CDU) und die Art und Weise, wie der damalige rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) in der Krise agierte.
Akademie des BBK liegt mitten im Ahrtal
Wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auf Anfrage mitteilte, nahmen im vergangenen Jahr 3.656 Führungskräfte in Bund, Ländern und Kommunen an den Schulungen der BABZ teil. Im Jahr zuvor zählte das BBK, das die Akademie betreibt, 2.329 Teilnehmer aus dem Kreis der Verantwortlichen im Katastrophenschutz. Im Jahr 2022 waren es 1.845 Teilnehmer. Aufgrund der Corona-Pandemie und wegen der Flut sind die Zahlen für die Vorjahre nicht vergleichbar.
Die BABZ liegt mitten im Ahrtal. Aufgrund ihrer erhöhten Lage wurde sie zwar von der Flutwelle weitestgehend verschont, an einen normalen Betrieb war jedoch aufgrund der Zerstörung im Umkreis zunächst nicht zu denken. Sie stellte ihre Räumlichkeiten direkt nach der Katastrophe zudem der Technischen Einsatzleitung (TEL) des Kreises Ahrweiler zur Verfügung.
Aufbauarbeiten nach der Ahrtal-Flut. Hochwasser hemmen die wirtschaftliche Entwicklung. (Archivbild)
Foto: Thomas Frey/dpa
Teilnahme an Kursen ist freiwillig
In Deutschland sind die Länder für den Katastrophenschutz zuständig. Die Bewältigung akuter Katastrophenlagen liegt in der Verantwortung der Länder und Kommunen. Sie können vom Bund Unterstützung anfordern, etwa von der Bundespolizei oder der Bundeswehr. Der Bund trägt dagegen die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung im Spannungs- und Verteidigungsfall. Die Teilnahme an den Schulungen der BABZ für den Katastrophenfall ist für die Verantwortlichen freiwillig. Bei den Veranstaltungen der Akademie, die teils online stattfinden, geht es unter anderem um grundlegende Kenntnisse zu Themen wie Trinkwassernotversorgung oder Katastrophenmedizin.
Grüne plädieren für verpflichtende Teilnahme
Die Grünen haben vorgeschlagen, den Zivil- und Katastrophenschutz per Gesetzesänderung zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zu machen. Aus ihrer Sicht könnte der Bund auch jetzt schon über seine Zuständigkeit für den Zivilschutz eine Pflichtausbildung für Landräte und Oberbürgermeister vorschreiben. Der Grünen-Abgeordnete Leon Eckert sagte: „Gute Krisenbewältigung findet vor Ort statt – damit das gelingt, müssen die Verantwortlichen in den Landratsämtern und Rathäusern wissen, was sie tun.“
DERNAU, GERMANY – JANUARY 12: A damaged flood house covered by graffiti that reads “’Thank you all helpers“ during ongoing recovery efforts following last year’s devastating floods on January 12, 2022 in Dernau, Germany. In June, 2021, massive flooding swept through the Ahrtal valley as well as other towns and regions across the states of Rhineland-Palatinate and North Rhine-Westphalia, causing widespread destruction and the deaths of over 160 people. The Ahrtal valley was hit especially hard and is still recovering.
Foto: by Andreas Rentz/Getty Images
Beschluss der Innenministerkonferenz
Im Juni hatte die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern festgelegt, welche Verantwortlichen im behördlichen Krisenmanagement geschult werden sollen – auch zu den Themenbereichen Zivile Verteidigung und Zivilschutz. Entsprechende Aus- und Fortbildungsplätze für diese Zielgruppen seien daher von Bund und Ländern sicherzustellen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion.
An der BABZ sei auf dieser Basis eine Erhöhung von derzeit rund 170 Seminaren pro Jahr auf circa 700 Seminare geplant, um die erforderlichen Kapazitäten in Zuständigkeit des Bundes bis 2029 erreichen zu können. Auch das Technische Hilfswerk (THW) werde seine Lehrgangskapazitäten ausbauen.
Zivilschutz-Kenntnisse
Die Bundesregierung weist in ihrer Antwort zudem darauf hin, dass für den Bereich Zivilschutz bundesweit einheitliche Standards für Oberbürgermeister und Oberbürgermeisterinnen, Landräte und Mitglieder von Verwaltungs- und Krisenstäben „verpflichtend definiert“ worden seien. Der Bund besitzt beim Katastrophenschutz zwar keine Zuständigkeit. Er pocht jedoch, was die im konkreten Anwendungsfall oft ähnlich gelagerten Zivilschutz-Kenntnisse betrifft, darauf, dass die Verantwortlichen sich kundig machen, was im Ernstfall zu tun ist. Mindestens alle sechs Jahre sollten diese Zielgruppen verpflichtend Schulungen im behördlichen Krisenmanagement absolvieren, schreibt die Bundesregierung. Die dabei erworbenen Kenntnisse dürften sich wohl auch im Katastrophenfall als nützlich erweisen. (dpa/red)
Ein Mercedes-AMG GT 4-Türer-Coupé ist während einer Präsentation des Axialflussmotors für Elektrofahrzeuge im Mercedes-Benz-Motorenwerk am 9. Juni 2026 in Berlin zu sehen. - Foto: Sean Gallup/Getty Images
In Kürze:
Der Axialflussmotor geht bei Mercedes in die Serienproduktion.
Im Gegensatz zu herkömmlichen E-Motoren hat er eine höhere Leistungsdichte.
Er ist ab sofort exklusiv in zwei Mercedes-Modellen erhältlich.
Mercedes-Benz will für einen Durchbruch bei der Elektromobilität sorgen. Anfang Juni hat der Autobauer in seinem Werk Berlin-Marienfelde mit der Großserienproduktion des neuen elektrischen Axialflussmotors begonnen.
Der Hochleistungsmotor kommt im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé zum Einsatz. Es ist das erste Mal überhaupt, dass diese Form von E-Motor in einem reinen Elektroserienfahrzeug verbaut ist. Zuvor war er schon im Ferrari SF90 Stradale eingebaut – zwischen dessen V8-Biturbo-Motor und Getriebe. Mehrere Prototypen griffen ebenfalls auf die Technik zurück.
Der Hersteller möchte den Hauptstadtstandort nun als Kompetenzzentrum für die Herstellung von High-Performance-Elektromotoren etablieren. Michael Schiebe, Vorstandsmitglied bei Mercedes-Benz, bezeichnete die Vermarktung des Axialantriebs als „wegweisende Innovation“. Gleichzeitig erhofft er sich neuen Aufwind für die angeschlagene deutsche Automobilbranche. Er sagte:
„Damit setzen wir ein starkes Zeichen für technologische Führungsstärke, operative Exzellenz und den Wandel der Automobilindustrie in Deutschland.“
Was ist anders am Axialflussmotor?
Eine komplett neue Erfindung ist der Axialflussmotor nicht. Zur Zeit der Disketten fand dieses Bauprinzip unter anderem in Diskettenlaufwerken Anwendung. Heutzutage nutzen ihn auch manche Drohnen sowie elektrische Flugzeuge.
In Elektrofahrzeugen sind bisher hingegen meist Radialflussmotoren verbaut. Ihr Magnetfeld fließt – namensgebend – radial. Dabei bilden die Feldlinien aus Blickrichtung der Achse ein Kleeblattmuster. Im Axialflussmotor, auch Scheibenläufermotor genannt, fließt das Magnetfeld axial, also parallel zur Drehachse. Könnte man die Feldlinien sehen, sähe man aus identischem Blickwinkel lediglich Strahlen.
Die Unterschiede ergeben sich aus der grundverschiedenen Anordnung der Bauteile. Während sich in Radialflussmotoren der Rotor entweder in oder um einen festen Stator dreht, besteht der Axialflussmotor aus hintereinanderliegenden Scheiben von Rotoren und Statoren. Der Rotor dreht sich also zwischen zwei Statoren oder zwei Rotoren drehen sich um einen Stator. Beides ist möglich. Mercedes verwendet Ersteres.
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Axialflussmotoren gibt es seit Jahrzehnten. Sie kommen unter anderem in Computerlaufwerken vor. Der wesentliche Unterschied zu Radialflussmotoren liegt in der Richtung der Wicklung der Kupferspulen.
Beim Axialflussmotor wirken die Kupferwicklungen wie gestapelt und ergeben ein vielblättriges Kleeblattmuster. Neue Fertigungsverfahren erlauben sogar den 3D-Druck von Spulen.
Foto: Ladislav Kubeš/iStock
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Bei Radialflussmotoren sind die Spulen selbst strahlenförmig angeordnet. Das Kleeblatt ist hier unsichtbar in den magnetischen Feldlinien verborgen.
Die Spulen des Radialflussmotors sind klassisch gewickelt und bei kleinen Motoren oft tatsächlich rund. Bei größeren Motoren erfolgt die Wicklung oft um einen (sehr) in die Länge gezogenen Eisenkern.
Foto: Remigiusz Gora/iStock
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Ein Industriemotor in Radialbauweise. Gut zu sehen sind die außen liegenden Kupferdrahtwicklungen sowie der einzeln liegende, sich innerhalb drehende Rotor mit Achse. Dadurch ergibt sich eine zylindrische Bauform.
Im Kleinen wie im Großen ist ein Axialflussmotor scheibenförmig aufgebaut. Zum feierlichen Start der Großserienproduktion präsentierte Mercedes-Benz die einzelnen Segmente. Ein Großteil der Entwicklungsarbeit steckt im Rotor (3. v. l., im Glaskasten).
Die in der Draufsicht dreieckigen, scheinbar gestapelten Kupferspulen des Axialflussmotors sind in der Segmentansicht nur zu erahnen. Für die Herstellung aus Rechteckdraht mussten eigene Biegemaschinen entwickelt werden.
Als Mercedes den Axialflussmotor beschrieb, bezeichnete der Hersteller ihn als „V8 des Elektrozeitalters“. Das begründe sich mit einer höheren Drehmoment- und Leistungsdichte als beim Radialflussmotor. Auch im Dauerbetrieb sei die Leistung höher, was an der besseren Kühlung liege.
Die Testfahrten sollen überzeugt haben: Der Hersteller testete im Vorfeld das Concept AMG GT XX im süditalienischen Nardò ausgiebig. Trotz mehrerer Rennstarts mit voller Beschleunigung sei auf Dauer kein Leistungsverlust aufgetreten.
Zudem ist die Bauweise des Axialmotors kompakter und leichter. An der Vorderachse misst er lediglich in der Breite knapp 9 Zentimeter. Noch kompakter ist er an der Hinterachse. Hier weisen die beiden E-Motoren nur rund 8 Zentimeter in der Breite auf.
Axialflussmotoren sind aufgrund ihrer Bauweise sehr kompakt. Die fertigen Motoren von Mercedes-Benz messen weniger als 10 Zentimeter in der Breite (hier liegend auf dem Band). Ihr Durchmesser ist dafür etwas größer und entscheidet maßgeblich über das Drehmoment.
Diese Effizienzsteigerung wirkt sich auf die Fahrleistung aus. Der Stuttgarter Konzern gibt für das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé eine Beschleunigungsdauer von nur 2,1 Sekunden vom Stand auf 100 Kilometer pro Stunde an. Das ist im Bereich der Beschleunigungsleistung eines Formel-1-Rennwagens. Die Leistung gibt Mercedes mit bis zu 1.169 PS an. Die Höchstgeschwindigkeit des GT Coupé soll bei rund 300 Kilometern pro Stunde liegen.
Doch der Axialflussmotor bringt auch noch Herausforderungen mit sich. Durch seine anspruchsvollere Bauart sind die Produktionskosten höher als beim Radialflussmotor. Ebenfalls erfordern die kompakte Bauform und hohe Leistungsdichte des Motors laut Mercedes komplett neue Fertigungsverfahren, die auch für die Großserie geeignet sind.
Wann kann man den Motor kaufen?
Der Motor allein ist nicht im Handel erhältlich. Ebensowenig kann er einfach so in ein bestehendes E-Auto eingebaut werden und dessen Motoren ersetzen. Die einzelnen Komponenten müssen miteinander kompatibel sein, sowohl bau- als auch steuerungstechnisch. Zudem sind die Raummaße wie beschrieben andere. Und Yasa Limited, der Entwickler, gehört zu 100 Prozent Mercedes-Benz.
Daher ist der Axialmotor aktuell nur im Ferrari und im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé bestellbar. Der deutsche Hersteller bietet das E-Auto in zwei Versionen an: dem GT 55 und dem GT 63 – beide mit einem sechsstelligen Preisschild versehen.
Für deutlich weniger Geld sind Motoren dieser Bauart im Fachhandel für den Modellbau erhältlich und werden teils unter der Bezeichnung der bürstenlosen Motoren ohne weitere Kennzeichnung vertrieben. Im Regelfall ist ihr Durchmesser größer als ihre Breite. Ein sicheres Erkennungsmerkmal ist das jedoch nicht.
Erfolg vor der Wehrdienstpause: Die Band BTS kommt zu den 64th Annual Grammy Awards im Jahr 2022. (Archivfoto) - Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
Die südkoreanische Erfolgsband BTS feiert nach einer mehrjährigen Pause ihr Konzertcomeback in Deutschland: Am heutigen Samstag sowie morgigen Sonntag spielen die sieben Mitglieder zwei Auftritte in der restlos ausverkauften Allianz-Arena in München. Es sind die einzigen Konzerte in Deutschland während ihrer ausgiebigen Welttournee, die insgesamt fast 90 Auftritte in mehreren Kontinenten umspannt – von Australien bis nach Chile.
Der Andrang auf die Karten ist auch deshalb enorm, weil BTS erstmals nach einer fast vierjährigen Pause wieder in die Öffentlichkeit tritt. Seit Ende 2022 hatten RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jungkook nacheinander ihren in Südkorea verpflichtenden Militärdienst absolviert. Ende März läutete die Band schließlich ihr Comeback mit dem Album „Arirang“ ein, das nach dem wohl bekanntesten koreanischen Volkslied benannt ist.
Seit ihrem Debüt 2013 hat BTS einen beachtlichen Weg zurückgelegt – vom einstigen Geheimtipp aus Südkorea zur wohl erfolgreichsten Pop-Band der Gegenwart. Die Gruppe gehört zudem zu den wenigen Musikacts, denen es gelungen ist, die lange Zeit nahezu unangefochtene kulturelle Dominanz westlicher Popmusik zumindest teilweise zu durchbrechen. Anlass genug also, einmal hinter den Hype zu blicken.
Was macht BTS so erfolgreich?
Die Band profitierte zwar vom bereits zuvor geebneten Erfolg der sogenannten koreanischen Welle („Hallyu“), doch im K-Pop-Universum sticht BTS durch mehrere Besonderheiten hervor: So sind die Mitglieder nicht nur an vielen ihrer Musikproduktionen maßgeblich beteiligt, sondern schreiben auch ihre Songs selbst. Inhaltlich sprechen sie zudem viele universelle Themen an, die zuvor von den meisten Bands gemieden wurden: psychische Gesundheit, gesellschaftlicher Leistungsdruck, Selbstakzeptanz und -zweifel.
Eine entscheidende Rolle spielt auch die außergewöhnlich enge Bindung von BTS an ihre Fangemeinde, die sich „Army“ nennt. Seit Beginn ihrer Bandgeschichte nutzt BTS soziale Medien, um eine treue, weltweite Anhängerschaft aufzubauen.
In den letzten Jahren hat BTS etliche Rekorde gebrochen: Ihre 2020 erschienene Hitsingle „Dynamite“ erreichte allein auf YouTube innerhalb von 24 Stunden über 100 Millionen Aufrufe. Zudem ist BTS die erste K-Pop-Band, die den ersten Platz der Billboard Hot 100 erreicht haben. Mittlerweile haben sieben ihrer Singles den Spitzenplatz erreicht, zuletzt der Sommersong „Swim“ vom aktuellen Album „Arirang“.
Wie global ist K-Pop mittlerweile in der globalen Popkultur verankert?
Viele K-Pop-Labels visieren in ihrer Geschäftsstrategie vor allem internationale Märkte außerhalb der eigenen Landesgrenzen an. Dass die Bemühungen mittlerweile Früchte tragen, zeigt sich bereits seit längerem.
Zunächst erfreute sich das Phänomen K-Pop vor allem bei der asiatischen Jugend großer Beliebtheit, allen voran in China und in Südostasien. Mittlerweile ist die Popularität in fast allen Kontinenten riesig, etwa in Lateinamerika oder auch in großen Teilen Europas.
Prominentestes Beispiel der Branche ist zweifelsohne BTS. Bei den in Las Vegas im Mai ausgetragenen American Music Awards (AMA) hat die Boyband sowohl den Preis als Künstler des Jahres sowie den Preis für den besten Sommersong (mit der Hit-Single „Swim“) abgeräumt.
Ein relativ aktueller Trend ist, dass südkoreanische Künstler zunehmend auch in andere kulturelle Sphären vordringen. Auf der Fashion Show in Paris sind regelmäßig K-Pop-Stars auf dem Laufsteg zu sehen. Auch Fernsehserien und Kinofilme werden zunehmend mit ihnen besetzt.
Die Sängerin Lisa der Girlband Blackpink etwa gab 2025 ihr Schauspieldebüt in der erfolgreichen HBO-Serie „The White Lotus“. Die 29-Jährige ist ein Beleg dafür, dass K-Pop-Stars nicht ausschließlich südkoreanisch sein müssen: Lalisa Manobal, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, wurde im thailändischen Buri Ram geboren.
Bald wird die südkoreanische Boyband BTS wieder auf der großen Bühne stehen – wie hier 2019 im King Fahd International Stadion in Saudi-Arabien. (Archivfoto)
Foto: -/YNA/dpa
Inwiefern hat auch die südkoreanische Regierung zum Erfolg der K-Pop-Industrie beigetragen?
Seit rund 30 Jahren arbeitet der südkoreanische Staat aktiv daran, die heimische Popkultur als Exportgut zu vermarkten. Ende der 1990er Jahre litt der ostasiatische Tigerstaat unter der sogenannten Asienkrise, woraufhin die Regierung gezielt nach neuen Wirtschaftsmotoren suchte.
In den folgenden Jahren förderte es die aufstrebende K-Pop-Industrie, etwa durch Finanzierungsprogrammen für Labels oder Hilfen bei der internationalen Vermarktung. Doch die kreative Energie stammt keineswegs von den Behörden, sondern von den privat geführten Musiklabels und den individuellen Künstlertalenten.
Das neue Album «Arirang» verkaufte sich am ersten Tag fast vier Millionen Mal.
Foto: Uncredited/Big Hit Music via AP/dpa
Was sind die Schattenseiten des K-Pop?
Die südkoreanische Unterhaltungsindustrie steht trotz seiner beachtlichen Erfolge auch regelmäßig in der Kritik. So beklagen viele junge Sänger den immensen Leistungsdruck innerhalb der K-Pop-Branche, zudem waren Knebelverträge der Musiklabels immer wieder ein Thema. Viele K-Pop-Acts werden über Jahre mit rigidem Training in Gesang und Tanz aufgebaut, ehe sie das Licht der Öffentlichkeit erblicken.
Gleichzeitig stehen die südkoreanischen Stars unter immensen Druck, ihr Privatleben skandalfrei zu halten. Mehrere Suizide von Künstler, etwa nach Online-Stalking und Shitstorms, haben eine öffentliche Debatte darüber ausgelöst, wie die südkoreanische Popindustrie die psychische Gesundheit ihrer Stars besser schützen kann. (dpa/red)
Der Supermarkt ist großräumig abgesperrt. - Foto: Marco Porzig/dpa
In einem Supermarkt im Süden Berlins hält ein Mann seit dem späten Freitagabend eine Frau als Geisel. Kurz nach 22 Uhr hatte der Täter die Frau in dem Rewe-Markt im Stadtteil Marienfelde in seine Gewalt gebracht und bedroht, wie Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Der Einsatz dauert an“, sagte er am Samstagmorgen gegen 4.30 Uhr. Der Supermarkt befindet sich in der Hildburghauser Straße, an der Ecke zum Tirschenreuther Ring.
„Wir haben Kontakt zu dem Geiselnehmer, zu dem Mann“, sagte Petersen-Schümann weiter. Es gebe Einsatzkräfte, die für solche Vorfälle entsprechend geschult seien, erklärte er. Über die Hintergründe der Tat war zunächst nichts bekannt.
Supermarkt großräumig abgesperrt
Der Supermarkt ist großräumig abgesperrt, wie ein Reporter vor Ort berichtete. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) ist vor dem Gebäude positioniert. Zahlreiche Polizeifahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr sind vor Ort. Am frühen Morgen stellten die Beamten eine Leiter ans Gebäude und verschafften sich einen Blick in den Markt, wie ein dpa-Reporter beobachtete.
Hinter der Absperrung, mit Blick auf den Markt, harrten einige Angestellte des Supermarkts aus. Sie hatten dünne Stoffdecken umgelegt, die ihnen der Rettungsdienst bereitgestellt hatte. Nach dpa-Informationen befanden sie sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Laden.
In der Nacht waren die Straßen rund um den Tatort nahezu menschenleer. Nur vereinzelte Passanten waren unterwegs. Neben dem Supermarkt befindet sich eine Tankstelle.
Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Rand der Hauptstadt, weit entfernt vom Berliner Stadtgeschehen. Es ist eine ruhige Wohngegend, geprägt von Einfamilienhäusern und mehrstöckigen Wohnbauten. In der Gegend befinden sich mehrere Schulen und Kindertagesstätten. (dpa/red)
Die XXXLutz-Unternehmensgruppe ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Möbelhändler. (Archivbild) - Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Die Europäische Kommission untersucht die Übernahme von Porta durch den österreichischen Möbelriesen XXXLutz wegen möglicher Verstöße gegen EU-Wettbewerbsrecht.
Konkret stehen die Unternehmen im Verdacht, mit der Durchführung der Übernahme nicht abgewartet zu haben, bis eine Genehmigung dafür vorlag, wie die Brüsseler Wettbewerbshüter mitteilten.
Die geplante Transaktion zwischen XXXLutz und Porta wurde demnach Anfang Januar 2025 öffentlich bekanntgegeben, bei der EU-Kommission bislang aber nicht förmlich angemeldet.
„Nach vorläufiger Einschätzung der Kommission hat diese Transaktion eine EU-weite Bedeutung und wäre der Kommission zu melden“, heißt es in der Mitteilung.
Stillhalteverpflichtung nicht eingehalten?
Bis zur Freigabe dürfen die beteiligten Unternehmen laut EU-Regeln keine Maßnahmen ergreifen, die zu einem faktischen Kontrollwechsel führen – etwa die Abstimmung von Geschäftsabläufen oder den Austausch sensibler und wettbewerbsrelevanter Informationen.
Der EU-Kommission lägen Hinweise vor, wonach XXXLutz und Porta möglicherweise gegen diese sogenannte Stillhalteverpflichtung verstoßen hätten, heißt es in der Mitteilung.
Sollten die Wettbewerbshüter einen Verstoß feststellen, könnten sie gegen die Unternehmen eine Strafe von bis zu zehn Prozent des weltweiten Konzernumsatzes verhängen.
Unabhängig von der nun eröffneten Untersuchung soll laut Brüsseler Behörde geklärt werden, ob die Übernahme grundsätzlich mit europäischem Wettbewerbsrecht vereinbar ist.
XXXLutz gehört nach eigenen Angaben zu größten Möbelhändlern der Welt
Die deutsche Möbelindustrie sprach im vergangenen Jahr angesichts der geplanten Übernahme von einer „dramatischen Nachricht“. „Käme dieser Kauf zustande, würde sich die ohnehin schon hohe Konzentration im deutschen Möbelhandel weiter verschärfen und eine bedrohliche Größenordnung erreichen“, hieß es in einer Reaktion der Verbände der deutschen Möbelindustrie.
Die XXXLutz-Unternehmensgruppe, zu der auch Mömax und Poco gehören, ist nach eigenen Angaben einer der weltweit größten Möbelhändler. Porta gibt es seit 1965. Damals wurde das erste Einrichtungshaus in der Nähe von Porta Westfalica errichtet.(dpa/red)
Die Nordkurve der berühmten Berliner Rennstrecke AVUS im Jahr 1995. - Foto: Bernd Lauter/Bongarts/Getty Images
In Kürze:
Der Große Preis von Deutschland feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum.
Der Erste fand am 11. Juli 1926 auf der ersten Rennstrecke Deutschlands statt: der AVUS in Berlin.
Die darauffolgende Entwicklung des Motorsports brachte weitere Rennstrecken hervor.
Neben der Königsklasse des Motorsports entstanden auch andere Rennserien.
Besonders zwei Namen verzauberten die Fans – und ließen viele erst zu solchen werden.
Laute Motoren, hohe Geschwindigkeiten, spannende Duelle: Der Motorsport stellt für viele eine besondere Faszination dar. Die ersten „Wettrennen“ dieser Art entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts.
Damals gab es zunächst nur Autorennen von einer Stadt zu einer anderen. Die Probleme hierbei waren jedoch der schlechte Zustand vieler Straßen sowie Hindernisse durch Kutschen, Fußgänger sowie andere Verkehrsteilnehmer und deren Gefährdung. Daher ging der Trend hin zu permanenten Rennstrecken.
Die erste deutsche Rennstrecke entstand in Berlin. Auf der AVUS-Hochgeschwindigkeitsrennstrecke fand am 11. Juli 1926 – also vor genau 100 Jahren – der erste Große Preis von Deutschland statt. AVUS steht für Automobil-Verkehrs- und ÜbungsStraße. Damals fuhr Rudolf Caracciola auf einem Mercedes nach knapp 3 Stunden und einigen Wetterkapriolen als Erster über die Ziellinie.
Eine Maßnahme der Automobilbranche
Diese Motorsport-Premiere geht zurück auf eine umfassende Maßnahme der deutschen Automobilindustrie. Da zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Erfolg bei internationalen Automobilveranstaltungen zu wünschen übrig ließ, gründeten sie 1909 ein Unternehmen, das die Menschen für den Motorsport begeistern sollte. Die Branche erhoffte sich dadurch eine effizientere technische Entwicklung deutscher motorisierter Autos und somit steigende Verkaufszahlen.
Bereits 1913 begannen in diesem Zuge die Bauarbeiten der rund 19,5 Kilometer langen AVUS-Rennstrecke im Südwesten der Hauptstadt. Gebremst durch den Ersten Weltkrieg konnte sie allerdings kurz danach fertiggestellt werden.
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Rennwagen in der Nordkurve bei einem Rennen auf der AVUS im Jahr 1938.
Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 013994b / Fotograf: Willy Pragher, CC BY 4.0
Ein Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) vom 7. Mai 1995 auf der AVUS (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) in Berlin.
Foto: Bernd Lauter/Bongarts/Getty Images
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Die Tribüne an der AVUS für den Autosport, dahinter das Messegelände mit dem Veranstaltungsort CityCube, Juni 2022. Heute gibt es die einstige Rennstrecke nicht mehr. Die Geraden fungieren als öffentliche Autobahn.
Im Jahr 1921 fand dann ein erstes Autorennen auf dieser Piste statt, die nur aus zwei langen Geraden und zwei teils bis zu 43 Grad angewinkelten Steilkurven bestand. Fünf Jahre später sorgte dann der erste Große Preis von Deutschland für Aufsehen. Von einst 44 Fahrern sahen letztlich nur 17 die Zielflagge. Die widrigen Bedingungen und praktisch nicht vorhandene Sicherheitsvorkehrungen forderten zudem leider vier Todesfälle bei diesem Ereignis.
Damit kam die AVUS vorerst nicht mehr für einen Großen Preis von Deutschland infrage und die Veranstalter wichen auf den 1927 eingeweihten Nürburgring als Austragungsort aus. Erst am 2. August 1959 kehrte der Große Preis von Deutschland zur AVUS zurück. Der Sieger war damals Tony Brooks auf einem Ferrari.
Danach war Berlin nie wieder Austragungsort dieses Spektakels. Heute ist die AVUS eine reine Autobahn. Die Tribüne indes steht noch.
Erste Blütezeit in den 1930er-Jahren
In den 1930er-Jahren erfuhr der deutsche Motorsport einen zusätzlichen Schub. Die damalige Staatsführung unterstützte die weitere Entwicklung, was vor allem die Hersteller Mercedes-Benz und Auto Union begünstigte.
Zu dieser Zeit, um genau zu sein am 3. Juni 1934, entstand auch der berühmte „Silberpfeil“. Die Legende besagt, dass der Mercedes W25 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring am Vorabend vor dem Start 751 Kilogramm Leergewicht auf die Waage gebracht haben soll. Das wäre ein Kilogramm zu viel gewesen.
Um noch starten zu dürfen, hätten die Mechaniker kurzerhand den weißen Lack des Boliden abgefeilt. Übrig blieb die silberne Aluminiumkarosserie. Am Renntag glänzten schließlich nicht nur der Silberpfeil, sondern auch Fahrer Manfred von Brauchitsch. Sein Sieg markierte offiziell den Beginn einer Legende.
Allerdings soll Mercedes schon vor jenem Großen Preis mit einer unlackierten, silbernen Karosserie experimentiert haben. Zudem soll es bei diesem Rennen gar keine Gewichtsbeschränkung gegeben haben. Doch an dieser Legende vom abgeschliffenen Lack hält selbst Mercedes gerne weiter fest, da sie wohl gut in die Dramatik ihrer Motorsportgeschichte passt.
Der Historiker Don Capps sagte dazu: „Mercedes-Benz hat sehr deutlich gemacht, dass man dort den Mythos genießt und sich nicht um die Fakten schert.“
Wie bereits erwähnt, fand der Große Preis von Deutschland ab 1927 in jedem Austragungsjahr bis 1958 auf dem Nürburgring statt. Auch ab 1960 war der Nürburgring ein oft gewählter Austragungsort dieses Motorsport-Spektakels. Seit 1927 fand der Große Preis von Deutschland insgesamt 39 Mal im Schatten der Nürburg statt.
1968 fiel erstmals der bis heute bestehende Spitzname „Grüne Hölle“, der sich besonders auf die anspruchsvolle Nordschleife der Strecke bezieht. Damals sagte der Formel-1-Fahrer Jackie Stewart zu seinem Fahrerkollegen Graham Hill vor dem Großen Preis (Grand Prix) von Deutschland:
„Das wird die grüne Hölle dieses Wochenende.“
Bei seiner Anreise mit dem Flugzeug blickte er dabei von oben auf den verregneten Nürburgring. Das Rennen gewann der Schotte bei widrigsten Bedingungen mit Regen und Nebel mit deutlichem Vorsprung.
Früher bestand der Nürburgring aus der noch heute von verschiedenen Rennserien benutzten Nordschleife und einer daran angebundenen Südschleife. Anfang der 1980er-Jahre wurde die Südschleife zur heutigen Grand-Prix-Strecke umgebaut.
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Blick auf einen Streckenabschnitt der Nürburgring-Nordschleife.
Überdies hat die Begeisterung für den deutschen Motorsport nach der AVUS und dem Nürburgring hierzulande mehrere weitere Rennstrecken entstehen lassen.
Als zweithäufigster Austragungsort des Großen Preises von Deutschland erlangte der Hockenheimring große Berühmtheit. Der erste Formel-1-Grand-Prix fand dort im Jahr 1970 statt. Damals hatte die baden-württembergische Rennstrecke noch ihre langen Geraden, die durch den Schwetzinger Hardt, ein Waldgebiet, führten. Zu jener Zeit unterbrachen lediglich zwei Schikanen die Hochgeschwindigkeitspassagen, ab 1982 dann im Bereich der Ostkurve eine dritte.
Im Jahr 2002 erfolgte der Umbau zur heutigen verkürzten Grand-Prix-Strecke. Der Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und die Rennsportkommission FIA forderten eine Modernisierung, sonst drohte der Verlust der Strecke im Formel-1-Kalender. Sie hielten die Strecke für zu lang, zu motorbelastend und zu schwer zu sichern.
Um neben der Formel 1 anderen deutschen und internationalen Rennserien ausreichend Möglichkeiten zu bieten, entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte mehrere weitere Rennstrecken. Dazu zählen die Arena Oschersleben, der Sachsenring, der Norisring, der Lausitzring und das Schleizer Dreieck.
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Formel-Rennwagen fahren am 18. Oktober 2015 über die Start- und Zielgerade des Hockenheimrings.
Der letzte Große Preis von Deutschland fand 2019 statt. Seitdem stehen weder der Nürburgring noch der Hockenheimring im Formel-1-Kalender. Der Hauptgrund dafür sind die hohen Kosten von bis zu 20 Millionen Euro für ein Rennwochenende und die fehlende staatliche Unterstützung. Ohne diese ist den Betreibern das finanzielle Risiko zu hoch.
Durch das Pandemiechaos im Jahr 2020 ergab sich dennoch kurzfristig ein Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Dieses wurde jedoch nicht als Großer Preis von Deutschland, sondern als Großer Preis der Eifel bezeichnet. Der Formel-1-Zirkus würde eine Rückkehr nach Deutschland begrüßen.
Die Formel 1 gibt es seit 1950. Vor dem Zweiten Weltkrieg fand der Große Preis von Deutschland im Rahmen der sogenannten Grand-Prix-Europameisterschaft statt.
Der deutsche Motorsport beschränkte sich aber nicht nur auf den Großen Preis von Deutschland und die Königsklasse des Motorsports. Im Laufe der vergangenen hundert Jahre entstanden mehrere verschiedene Rennklassen.
So gibt es neben der Formel 1 weitere Formel-Rennserien wie die Formel 2, die Formel 3 und die Formel 4 – ehemals Formel ADAC – für Nachwuchsfahrer. Auch die sogenannte Formula Student, ein Konstruktionswettbewerb für Studenten, ist entstanden. Letzteren gibt es heute sowohl für Verbrenner als auch für E‑Autos, wobei immer wieder atemberaubende Rekorde aufgestellt werden. Im September 2023 schaffte der Elektroflitzer der ETH Zürich den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter einer Sekunde – und damit schneller als ein Formel-1-Wagen.
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Der Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton während des Rennwochenendes vom Großen Preis von Belgien 2025.
Das Formula Student Team der ETH Zurich stellte mit ihrem Elektrorennwagen „mythen“ am Freitag, 1. September 2023 auf dem Militaerflugplatz in Duebendorf den Beschleunigungsweltrekord auf: von 0 auf 100 km/h in 0,956 Sekunden.
Foto: ETH/Alessandro Della Bella
Rasant bis holprig, aber immer am Limit
Zu erwähnen ist auch die DTM (Deutsche Tourenwagen-Masters). Darin konkurrieren aktuell die Automarken Mercedes-AMG, BMW, Porsche, Ford, Aston Martin, Lamborghini und McLaren mit ihren GT3-Sportwagen gegeneinander.
Im Weiteren nutzen noch der Kartsport sowie Motorrad- und Truckrennen die genannten Rennstrecken in häufig verkürzten Streckenversionen. Auch Langstreckenrennen wie das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring konnten sich etablieren.
Obwohl der Rallyesport nicht die festen Rennstrecken, sondern Geländepisten nutzt, hat er sich ebenfalls nach dem Zweiten langsam entwickelt. In Deutschland entstand die Begeisterung dafür durch einige Erfolge.
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Rennfahrer der Deutschen Tourenwagen-Masters liefern sich in der Arena Oschersleben am 27. April 2025 ein spannendes Duell.
Hier ist vor allem der Rallyefahrer Walter Röhrl zu nennen. Seine Karriere begann im Jahr 1968 bei Fiat. Spätere Rallyes fuhr er zunächst mit BMW, Alfa Romeo und Porsche. Nur zwei Jahre später erhielt er einen Werksvertrag mit Ford.
Ab 1973 ging Röhrl für Opel an den Start und gewann im darauffolgenden Jahr die Europameisterschaft. Durch seinen präzisen Fahrstil begeisterte er die Massen. Ein Jahr später siegte Röhrl bei der Akropolis-Rallye in Griechenland. Im Jahr 1980 holte er sich mit Fiat den Weltmeisterschaftstitel. Zwei Jahre später gewann er diesen nochmals mit einem hinterradgetriebenen Opel und setzte sich gegen die Allrad-Audis durch. Röhrl gilt als herausragender Fahrer der goldenen Rallye-Ära der 1970er und 1980er-Jahre.
In der Formel 1 begeisterte vor allem Michael Schumacher die Fans des deutschen Motorsports – und ließ viele solche werden. Im Jahr 1991 gab er sein Debüt in der Königsklasse. Beim Großen Preis von Belgien auf der anspruchsvollen Rennstrecke Spa Francorchamps sprang er für einen ausgefallenen Stammfahrer ein.
Bei der Qualifikation für das Rennen fuhr Schumacher zum Erstaunen der Fachwelt die siebtschnellste Zeit, was den gleichrangigen Startplatz bedeutete. Die Überraschung ging weiter, als er beim Start noch vor der ersten Kurve zwei Kontrahenten überholen konnte und plötzlich auf der fünften Position lag. Allerdings fiel er kurz nach der ersten Kurve aufgrund eines Kupplungsschadens aus.
Kurz darauf wechselte Schumacher zu Benetton. Mit diesem Team holte er 1992, ebenfalls in Spa, seinen ersten Formel-1-Sieg. 1994 und 1995 schaffte er es dann, die Königsklasse des Motorsports zu dominieren, und gewann seine ersten Weltmeistertitel. In den Jahren 2000 bis 2004 gewann er mit Ferrari seinen dritten bis siebten Weltmeisterschaftstitel. 2012 beendete er seine aktive Formel-1-Karriere, als er noch drei Jahre für Mercedes fuhr.
Gibt's bald mehr Medaillen bei Olympia? Das neue Sportfördergesetz soll auch dafür sorgen. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Weniger Bürokratie, mehr Medaillen bei Olympia? Mit einem Sportfördergesetz wollen Politik und der organisierte Sport in Deutschland genau das erreichen.
Eine nächste Hürde hat die geplante Neuausrichtung nun genommen. Der Bundestag stimmte dem Entwurf des Sportfördergesetzes mit 561 Ja-Stimmen zu. Laut Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour votierten 43 Abgeordnete in der Schlussabstimmung dagegen.
Zuvor hatten Union, SPD, AfD und Grüne dafür votiert. Die Linksfraktion lehnte das Vorhaben ab und begründete dies unter anderem mit mangelnder sozialer Absicherung von Trainern. Zudem kritisierte ihr Abgeordneter Jorrit Bosch eine „Sportförderung je nach Kassenlage“.
Schenderlein: „Erfolgskapitel für den deutschen Spitzensport“
„Mit dem heutigen Beschluss schlagen wir ein neues Kapitel für den deutschen Spitzensport auf“, sagte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU). „Wir schaffen damit die Voraussetzungen dafür, dass unsere Spitzensportförderung moderner, leistungsorientierter und effizienter wird.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Leistungsfähigkeit des deutschen Spitzensports nachhaltig stärken – und wieder mehr Medaillen bei internationalen Wettbewerben gewinnen“, so Schenderlein. Sie sei überzeugt, dass das Gesetz „ein Erfolgskapitel für den deutschen Spitzensport“ werde.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte bereits vor der Sitzung die Anpassungen begrüßt. „Das Gesetz bietet eine gute Grundlage, auf der wir Erfolge aufbauen können“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. „Wir wollen Deutschland zurück in die Weltspitze des Sports führen.
Wir wollen ein System gestalten, das nachhaltige Spitzenleistungen hervorbringt.“ Der Bundesrat soll im Herbst final beraten. Erst dann kann das Gesetz in Kraft treten.
Unabhängige Agentur soll Förder-Millionen verteilen
Herzstück der Reform ist die neue und unabhängige Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig. Der Stiftungsrat als zentrales Aufsichtsorgan der Agentur soll aus Vertretern der Politik und dem organisierten Sport bestehen.
Unter der Führung von zwei hauptamtlichen Vorständen soll die Agentur im nächsten Jahr ihre Arbeit aufnehmen und eigenständig die Steuer-Millionen verteilen.
Der Plan: die Spitzensportagentur fördert Verbände, Athleten sowie Olympia- und Bundesstützpunkte, richtet letztere gegebenenfalls neu aus und unterstützt wissenschaftlich.
Zudem bestimmt sie die Anzahl der Bundeskader und legt sportübergreifende Kaderkriterien fest. Ab 2031 plant die Regierung jährliche Kosten von 8,4 Millionen Euro für die Spitzensportagentur ein.
Bundesregierung räumt dem Sport mehr Mitsprache ein
Die Besetzung des Stiftungsrats passte die Bundesregierung zuletzt noch einmal an – und reagierte damit auf die Forderung des organisierten Sports, mehr Mitsprache zu erhalten: Dem Rat sollen nun zehn statt neun Mitglieder angehören. Der Deutsche Olympische Sportbund darf vier statt drei Mitglieder entsenden. Ein Platz ist für die Athletenkommission reserviert.
Auch der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und das Nationale Paralympische Komitee lobten das neue Gesetz, dieses sende wichtige Signale für die weitere Entwicklung des deutschen Leistungssports.
„Entscheidend wird dabei sein, den paralympischen Spitzensport als selbstverständlichen Bestandteil der neuen Förderstrukturen zu verankern“, sagte der DBS-Vorstandsvorsitzende Idriss Gonschinska.
Lobende Worte und Zustimmung gab es sogar aus der Opposition. „Das Sportfördergesetz ist ein historischer Schritt und ein echter Paradigmenwechsel für den deutschen Spitzensport“, sagte Tina Winklmann, Grünen-Sprecherin für Sport und Ehrenamt.
„Wir Grünen haben diese Reform in der vergangenen Wahlperiode maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Deshalb tragen wir dieses Gesetz trotz verbleibender Lücken aus Überzeugung mit.“ (dpa/red)
Bundespolizei (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Im Kampf gegen Schwerkriminelle und Cyberangriffe soll die Bundespolizei eine Reihe neuer Befugnisse bekommen, insbesondere zur Erhebung von Daten oder dem Einsatz von Kamera-Drohnen.
Der Bundestag beschloss mit Stimmen der Regierungsfraktionen Union und SPD dazu am Freitag eine Reform des Bundespolizeigesetzes.
Demnach dürfen die Beamten künftig eigene Drohnen zur Überwachung und Aufklärung einsetzen. Zugleich können sie Flugkörper durch technische Maßnahmen wie elektromagnetische Impulse, GPS-Störungen oder physische Eingriffe selbst abwehren.
Das geltende Bundespolizeigesetz stammt zum überwiegenden Teil noch aus dem Jahr 1994 und bedürfe „einer umfassenden Modernisierung“, heißt es im Gesetzentwurf. Täterinnen und Täter kommunizierten heutzutage verschlüsselt und nutzten Cloud- und Onlinedienste. Daher müssten die Polizeibehörden mit „zeitgemäßen und modernen Befugnissen“ ausgestattet werden.
Dies gilt insbesondere für den Bereich der Telekommunikation. Daher soll die die Bundespolizei personenbezogene Daten künftig leichter erheben, speichern und weiterverarbeiten dürfen.
Die Überwachung von Telekommunikation einschließlich der sogenannten Quellen-TKÜ (Quellen-Telekommunikationsüberwachung) – also das heimliche Mitlesen von Kommunikation direkt am Endgerät vor der Verschlüsselung – soll ebenso erleichtert werden wie die Identifizierung und Lokalisierung von Mobilfunkkarten und -endgeräten.
Auch soll die Bundespolizei künftig selbst Abschiebehaft bei Gericht beantragen können. Das betrifft laut Bundesinnenministerium vollziehbar ausreisepflichtige Menschen ohne Duldung.
So soll verhindert werden, dass aufgegriffene Personen wieder entlassen werden und untertauchen. In Waffen- und Messerverbotszonen soll die Bundespolizei in Zukunft verdachtsunabhängige Kontrollen durchführen können.
Zugleich sollen mit dem Gesetzentwurf Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zur Erhebung von Daten umgesetzt werden, die etwa durch den Einsatz verdeckter Ermittlungsmaßnahmen erhoben wurden. Nun muss sich nach der Sommerpause noch der Bundesrat mit dem Gesetzentwurf befassen und zustimmen.(afp/red)
Bundesratssitzung. (Archivbild) - Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images
Der Bundesrat hat sich in seiner Sitzung am Freitag mit zahlreichen Gesetzentwürfen der Bundesregierung befasst. Darunter waren wichtige Vorhaben wie das umstrittene Sparprogramm für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder das neue Heizungsgesetz. Hinzu kamen eigene Initiativen aus den Bundesländern. Ein Überblick über die Beschlüsse der Länderkammer:
Gesetzliche Krankenversicherung
Die Länderkammer gab endgültig grünes Licht für die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Damit will die Bundesregierung die Ausgaben im Gesundheitssystem bremsen. Das hoch umstrittene Sparprogramm ist für Versicherte, Krankenhäuser und Ärzte mit schmerzlichen Einschnitten verbunden.
Mehrere Bundesländer kritisierten insbesondere, dass Tarifsteigerungen für Beschäftigte im Gesundheitsbereich nicht mehr vollständig ausgeglichen werden sollen. Mit ihrem Versuch, den Vermittlungsausschuss anzurufen, scheiterten sie aber.
Neues Heizungsgesetz
Nach der Verabschiedung im Bundestag winkte der Bundesrat das sogenannte Gebäudemodernisierungsgesetz durch. Die Vorgaben für den Heizungstausch des alten Heizungsgesetzes der Ampel-Koalition entfallen damit künftig weitgehend. Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen bleiben so langfristig möglich.
Von nun an neu eingebaute fossile Heizungen müssen aber ab 2029 zu zehn Prozent mit erneuerbaren Brennstoffen betrieben werden, bis 2040 steigt dieser Anteil auf 60 Prozent. Außerdem müssen Anbieter von Heizbrennstoffen bis 2045 vollständig auf nicht-fossile Materialien umstellen. Umweltverbände halten die Neuregelung gleichwohl für ungeeignet, um die deutschen Klimaziele zu erreichen.
Recht auf Reparatur
Verbraucherinnen und Verbraucher sollen künftig ein Recht auf Reparatur bei Geräten wie Smartphones, Waschmaschinen und Kühlschränken haben. Der Bundesrat stimmte dazu für einen Gesetzentwurf der Regierung. Demnach sollen Hersteller künftig verpflichtet werden, bestimmte Produkte mehrere Jahre zu einem „angemessenen“ Preis zu reparieren.
Bisher haben Verbraucherinnen und Verbraucher nur im Rahmen des zweijährigen Gewährleistungsrechts Anspruch auf Reparatur. Die neue Regelung soll nun für alle Produkte gelten, für die Hersteller bereits nach derzeitiger Rechtslage Ersatzteile für eine bestimmte Zeit vorrätig halten müssen.
Vorrang für Infrastruktur
Wichtige Infrastrukturprojekte haben in Deutschland künftig Priorität und sollen so schneller geplant und genehmigt werden. Der Bundesrat gab am Freitag grünes Licht für das sogenannte Infrastruktur-Zukunftsgesetz.
Darunter fallen etwa der Neubau von Autobahnen, Bahn-Projekte, der Ersatz maroder Brücken oder Maßnahmen zum Hochwasser- und Küstenschutz.
Diäten-Erhöhung ausgesetzt
Die Erhöhung der Abgeordnetendiäten im Bundestag hat in der Vergangenheit immer wieder eine große Debatte ausgelöst – nach einigem Hin und Her fällt die eigentlich in diesem Jahr vorgesehene Erhöhung nun aus. Bundestag und Bundesrat billigten am Freitag einen entsprechenden Gesetzentwurf.
Abgeordnete hätten ab 1. Juli 4,2 Prozent mehr Geld bekommen. Die Entschädigung wäre damit um knapp 500 Euro auf 12.330,48 Euro gestiegen.
Spritpreis-Deckel
Das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern scheiterten im Bundesrat mit ihrem Vorschlag, flexible Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl staatlich festzulegen. Im Plenum der Länderkammer fand dieses sogenannte Luxemburger Modell keine Mehrheit.
Missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung
Der Bundesrat billigte ein Gesetz gegen eine missbräuchliche Anerkennung von Vaterschaften ausländischer Kinder.
Nach den von der Bundesregierung vorgelegten Plänen soll damit verhindert werden, dass Männer deutscher Staatsangehörigkeit die Vaterschaft für ein ausländisches Kind nur deshalb anerkennen, um diesem zum Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit oder von Sozialleistungen zu verhelfen.
„Nur Ja heißt Ja“-Regelung
Die Bundesländer setzen sich für die Einführung einer Konsensregelung im Sexualstrafrecht nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“ ein. Auf Initiative Hamburgs fasste der Bundesrat eine entsprechende Entschließung.
Ein konsensbasiertes Modell führe zu einem besseren Schutz der sexuellen Selbstbestimmung, argumentieren die Länder. Für eine solche Neuregelung setzt sich auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ein.
Bewahrung der Schulpflicht
Angesichts von Plänen der AfD zur Aufweichung der Schulpflicht setzt sich der Bundesrat für deren Erhalt ein. In einer Entschließung fordert die Länderkammer die Bundesregierung auf, „allen Vorhaben entgegenzutreten, die die allgemeine Schulpflicht als tragendes Prinzip des deutschen Bildungssystems schwächen könnten“.
Die AfD in Sachsen-Anhalt will in Anlehnung an das österreichische Modell „eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht schaffen“.
Existenzrechts Israels
Auf Initiative von Hessen brachte der Bundesrat einen Gesetzentwurf auf den Weg, um die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe zu stellen.
Die derzeit in Betracht kommenden Strafvorschriften seien nicht ausreichend, heißt es in der Begründung zu dem Gesetzentwurf, zu dem sich nun Bundesregierung und Bundestag positionieren können.
Bundesnetzagentur als KI-Anlaufstelle
Die Bundesnetzagentur wird die zentrale Anlaufstelle und Aufsichtsbehörde für den Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Ein Anlauf mehrerer Bundesländer, um mehr Zuständigkeiten in den Bereich der Länder zu bringen, scheiterte im Bundesrat.
Ein Gesetz zur Umsetzung einer EU-Verordnung, die nationale Zuständigkeiten und Aufsichtsstrukturen für KI und Vorgaben aus der EU fordert, ist damit verabschiedet.(afp/red)
Berliner Regierender Bürgermeister Kai Wegner (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verzichtet auf die Spitzenkandidatur bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September.
Der 53-Jährige begründete dies am Freitag damit, wegen der anhaltenden Kritik an seiner Kommunikation beim Stromausfall im Januar nicht mehr bei der Bevölkerung mit seinen Themen durchzukommen. Deshalb werde er den Kreisvorsitzenden der Berliner CDU am Freitagabend den Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklären.
Berliner CDU-Kreisvorsitzende wollen Evers als Spitzenkandidat
Stefan Evers (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die CDU in Berlin will mit dem bisherigen Finanz- und Kultursenator Stefan Evers als neuem Spitzenkandidaten in die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September ziehen.
Unter den zwölf Kreisvorsitzenden sei Evers der ausgemachte Kandidat für die Nachfolge des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) als Spitzenmann, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Reihen der Kreisvorsitzenden. Diese wollen am Abend mit Wegner über dessen Nachfolge beraten.
Nach der Jungen Union fordern nun auch CDU-Mitglieder den Rückzug von Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU). In einem offenen Brief fordern die Berliner CDU-Mitglieder, dass Wegner die CDU nicht wie geplant in die Abgeordnetenhauswahl im September führt, wie das Portal Table Briefings am Donnerstagabend berichtete. „Wir schreiben nicht gegen die Union – wir schreiben, weil wir sie schützen wollen“, heißt es demnach in dem Entwurf des Briefs.
Initiator des offenen Briefs sei der Berliner Investor und Kuratoriumsmitglied des Start-up-Verbands, Christian Miele. In dem Brief werde Wegner aufgefordert, sein Amt als Regierender Bürgermeister unverzüglich aufzugeben und auf die Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl zu verzichten. „Elf Wochen reichen für einen glaubwürdigen Neustart“, heißt es demnach mit Blick auf den Wahltermin.
Wegner war in den Wochen nach dem Stromausfall vom Jahresbeginn immer wieder mit Unwahrheiten und Widersprüchen zu seinen Aussagen zu dem ersten Tag des Stromausfalls konfrontiert worden. Zuletzt kam heraus, dass er anders als von ihm behauptet nicht am Tag des Stromausfalls direkt zu telefonieren begonnen hatte. Am Freitagabend wollen sich nun die Kreisvorsitzenden der CDU treffen.
In Berlin wird am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Einer kürzlich veröffentlichten Umfrage zufolge liegt die CDU nur noch auf Platz vier hinter der Linkspartei, den Grünen und der AfD – der Abstand zwischen den Parteien ist aber nur gering. (afp/red)
Bundestagssitzung am 10.07.2026. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Was sind Diäten und seit wann gibt es sie?
Der Name leitet sich aus dem französischen „diète“ für Parlament oder Versammlung ab. Vor 1906 war die Mitgliedschaft in einem Parlament in Deutschland ein Ehrenamt, seitdem bekommen die Abgeordneten für die Ausübung ihres Mandats eine Entschädigung, die Verdienstausfälle ausgleichen und die Unabhängigkeit der Volksvertreter sicherstellen soll.
Wie hoch sind die Diäten und wie werden sie angepasst?
Jeder Abgeordnete erhält aktuell 11.833,47 Euro pro Monat. Im Jahr 2014 wurde das Abgeordnetengesetz umfassend geändert. Seitdem gilt das Einkommen von Bundesrichterinnen und Bundesrichtern als Bezugsgröße. Die Diäten wurden damals kräftig erhöht, außerdem wurde ein Automatismus zur jährlichen Erhöhung jeweils zum 1. Juli eingeführt.
Seit 2016 sind die Diäten dabei an die allgemeine Verdienstentwicklung für Beschäftigte in Deutschland gekoppelt. Grundlage dafür ist die Entwicklung des Nominallohnindex, den das Statistische Bundesamt ermittelt.
Wie hoch wäre die Erhöhung in diesem Jahr ausgefallen?
Abgeordnete hätten zum 1. Juli 4,2 Prozent mehr Geld bekommen. Die Entschädigung wäre damit um knapp 500 Euro auf 12.330,48 Euro gestiegen.
Warum fällt die Erhöhung nun aus?
Die schwierige Wirtschaftslage und geplante harte Einschnitte durch Reformen und Sparmaßnahmen der Regierung hatten im Frühjahr eine Debatte über eine Aussetzung der Diätenerhöhung ausgelöst. Anfang Mai sprach sich auch SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf dafür aus. Um „Glaubwürdigkeit und Vertrauen“ zurückzugewinnen, könne die Politik nicht „auf der einen Seite schmerzhafte Sparpakete schnüren und auf der anderen Seite bei uns selbst die Diäten unentwegt weiter“ erhöhen, sagte er.
Zögerlich zeigte sich zunächst noch die Union. Fraktionschef Jens Spahn (CDU) lenkte aber nach zwei Wochen ein. Auch er verwies dann auf zusätzliche Belastungen für die Bürger, etwa durch die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Spahn plädierte aber dafür, nach der einmaligen Aussetzung wieder zu dem Automatismus der Diätenanpassung zurückzukehren. „Denn es ist ein Wert an sich, dass wir nicht jedes Jahr politisch darüber entscheiden.“
Worauf verweist nun das Gesetz?
Die Vorlage der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD verweist nun auf eine „Sondersituation“ durch die „herausfordernde Wirtschafts- und die angespannte Haushaltslage“, die durch den Iran-Krieg nochmals verschärft worden sei. Es sei das „richtige Signal“ in diesen „herausfordernden Zeiten“, die Abgeordnetenentschädigung ausnahmsweise nicht zu erhöhen.
Wie viel Geld wird damit gespart?
Der Bundestag hat 630 Abgeordnete. Da es bis Juli 2027 zwölf Monate keine Erhöhung gibt, beträgt die Einsparung knapp 3,8 Millionen Euro.
Allerdings ist der Sparbetrag noch höher: Denn mit den Diäten steigt auch die Altersentschädigung für ehemalige Bundestagsabgeordnete und Hinterbliebene, was nun gleichfalls ausfällt. Eine Summe konnte der Bundestag hierzu auf AFP-Anfrage zunächst nicht nennen.
Warum kam es nun doch zunächst zu einer Erhöhung?
Bis das Koalitionsgesetz zur Aussetzung in Kraft ist, läuft der Prozess zur Auszahlung der erhöhten Diäten bereits, die immer vorab für den Folgemonat ausgezahlt werden. Die Abgeordneten haben also bereits Anfang Juli den erhöhten Betrag von 12.330,48 Euro erhalten.
Dies wird im Folgemonat August aber wieder rückgängig gemacht: Dann gibt es nur 11.336,46 Euro. Ab September wird dann wieder der bisher reguläre Betrag ohne Erhöhung von 11.833,47 Euro gezahlt. Dies wäre auch der Basiswert für jede weitere Erhöhung ab Juli 2027.
Fällt dieses Jahr auch die Erhöhung der steuerfreien Aufwandspauschale aus?
Nein. Diese ist schon erfolgt, da die Pauschale immer zum 1. Januar an die Lebenshaltungskosten angepasst wird. Sie liegt aktuell bei 5467,27 Euro monatlich. Daraus bestreiten die Abgeordneten etwa die Kosten für Wahlkreisbüros oder einen Zweitwohnsitz in Berlin.
Für die Gehälter von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stehen für jeden Abgeordneten aktuell monatlich maximal 27.396 Euro zur Verfügung. Diese Summe erhalten die Abgeordneten aber nicht selbst, sondern die Gehälter werden direkt durch die Bundestagsverwaltung gezahlt.
Gibt es weitere Forderungen nach Solidaritätsbeiträgen der Abgeordneten?
Die von der Regierung eingesetzte Reformkommission zur Altersversorgung empfiehlt, Abgeordnete in das System der gesetzlichen Rente einzubeziehen.
Bisher erhalten sie deutlich höhere Altersbezüge. Die Abschaffung dieses Sonderstatus wurde in der Debatte insbesondere aus SPD, Grünen und Linken ausdrücklich befürwortet. AfD und Linke kritisierten auch generell den Mechanismus automatischer Diätenerhöhungen.(afp/red)
Bundestagssitzung am 10.07.2026. - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Kürze:
Die Bundesregierung hat das Gebäudeenergiegesetz durch das Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt.
Hauseigentümer dürfen künftig wieder frei über die Art ihrer Heizungsanlage entscheiden.
Bei neuen fossilen Heizanlagen müssen Vermieter tiefer in die Tasche greifen.
Auch Mieter betroffen – durch eventuelles Weiterreichen der Mehrkosten und Verknappung von Mietraum.
„Bio-Treppe“ und „Grüngasquote“ lösen die 65-Prozent-Regelung ab.
Das „Heizungsgesetz“ der früheren Ampel-Regierung ist bald Geschichte. Der Bundestag hat das neue Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. Damit kippt die schwarz-rote Koalition zentrale Regelungen des bestehenden Gesetzes. Die Reform sollte am Freitag auch den Bundesrat passieren.
Unions-Fraktionsvize Sepp Müller sagte, Menschen hätten wieder Freiheit im Heizungskeller: „Wir ersetzen Bevormundung durch Wahlfreiheit.“ Scharfe Kritik kam aus der Opposition.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte. „Diese Reform ist ein Brandbeschleuniger für die Klimakrise. Es ist völlig zukunftsvergessen, dass CDU und SPD wieder auf klimaschädliche Öl- und Gasheizungen setzen.“
Auch Umweltverbände warnen vor Rückschritten beim Klimaschutz und einer Kostenfalle für Mieterinnen und Mieter, wenn Vermieter neue Gasheizungen einbauen.
Kein „Reinregieren“ mehr?
„Mit dem bürokratischen Reinregieren in den Heizungskeller muss Schluss sein“ – so stand es im Wahlprogramm der Union. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte mit Blick auf die bestehenden Regelungen von einem „Zwang zur Wärmepumpe“ gesprochen.
Es solle nun Technologieoffenheit geben. Der CDU-Politiker Lars Rohwer sagte, die Koalition beende Habecks „Heizungsmurks“.
„Der Eigentümer hat wieder Entscheidungsfreiheit, welche Heizungsoption er wählen möchte“, heißt es im Gesetzentwurf. Reiche sagte, auch in Zukunft werde die Wärmepumpe eine dominierende Technologie bleiben. Bisher aber gebe es eine Zurückhaltung bei Investitionen.
Eckpunkte des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes im Überblick.
Foto: Epoch Times
Es trifft zunächst Vermieter
Die neue Version des Heizungsgesetzes nimmt Vermieter ab 2028 verstärkt in die Pflicht, sofern sie sich im Rahmen einer Neuinstallation für eine fossil betriebene Heizanlage entscheiden. Laut SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sollen sie dann „künftig ökonomisch die Verantwortung übernehmen“.
So hat sich die Regierungskoalition aus Union und SPD darauf geeinigt, dass Vermieter in diesem Fall künftig die Kosten der Netzentgelte und des Brennstoffs zur Hälfte mittragen müssen, bei den fossilen und biogenen Brennstoffen jedoch nur die Mehrkosten. Dadurch bleibt der erneute Griff zu einer neuen fossilen Heizung zwar erlaubt, wird jedoch finanziell unattraktiver.
Konkret sollen sich Vermieter künftig beim Neueinbau einer Gas- oder Ölheizung erstmals hälftig an den Nebenkosten beteiligen, die für das Heizen anfallen. Dazu zählen:
CO₂-Preis,
Gasnetzentgelte,
Mehrkosten für biogene Anteile.
Von der Reform seien rund 5,5 Millionen Vermieter in Deutschland betroffen. Die meisten davon sind Kleinvermieter, die nur eine oder zwei einfache Wohnungen besitzen. Insgesamt befinden sich rund 16 Millionen Wohnungen in privater Hand. Das sind 64 Prozent, also knapp zwei Drittel, des gesamten deutschen Mietwohnungsbestandes.
Miersch betonte, dass die Bemühungen zum Klimaschutz für die Mieter bezahlbar bleiben müssten. „Wir konnten erreichen, die Kostenrisiken bei CO₂, Netzentgelten und Biogas konsequent zu halbieren“, so der Fraktionschef.
Den reinen Grundpreis für den fossilen Brennstoff, also den eigentlichen Gas- oder Ölpreis, bezahlt weiterhin vollständig der Mieter. Im Grundpreis ist allerdings der CO₂-Preis bereits enthalten, sodass der Mieter diesen zunächst voll bezahlt. Im Nachhinein erstattet der Vermieter dem Mieter die Hälfte des in der Abrechnung bezahlten Klimazuschlags. Die Mehrkosten für biogene Anteile entstehen aus der Erfüllung weiterer gesetzlicher Pflichten im Rahmen der Gesetzesänderung.
Die Aufteilung der Kosten zwischen Mieter und Vermieter klingt zunächst nach einer Entlastung. Laut dem zentralen Immobilienverband Haus & Grund löst sie das Grundproblem jedoch nicht. Dipl.-Ing. Corinna Kodim, Geschäftsführerin des Bereichs Energie, Umwelt, Technik, teilte der Epoch Times hierzu mit:
„Die Kosten entstehen durch staatliche Regulierung, steigende CO₂-Preise und teurere Brennstoffe. Am Ende wird Wohnen trotzdem teurer.“
Mit anderen Worten: Eine Entlastung der Mieter ist gleichzeitig eine Mehrbelastung für den Vermieter. Es ist daher anzunehmen, dass viele Vermieter die entstehenden Mehrkosten letztlich an den Mieter weiterreichen, etwa indirekt durch eine Mieterhöhung, sodass am Ende eher keine Entlastung, sondern nur eine geringere Steigerung erfolge.
Die Verteuerung ergebe sich laut Kodim „entweder über steigende Betriebskosten, über notwendige Investitionen in andere teure Heizungsoptionen oder über eine geringere Investitionsfähigkeit der Eigentümer“. Sie sieht das Risiko, dass sich private Vermieter aus dem Markt zurückziehen. Das könne den privaten Mietwohnungssektor unmittelbar schwächen.
Zugleich ist unklar, wie sich die Mehrkosten entwickeln. Faktoren hierfür sind die künftige Höhe der Nebenkosten. Vor allem die tatsächliche Entwicklung des CO₂-Preises ist ungewiss, da dieser ab dem kommenden Jahr vom nationalen in den europäischen Emissionshandel übergeht.
Was gilt für Hauseigentümer?
Eigenheimbesitzer, die selbst in ihrer Immobilie wohnen, tragen die anfallenden Heiz- und Zusatzkosten ohnehin komplett. Sie dürfen sich wieder die Heizanlage ihrer Wahl aussuchen. Wird es eine fossile Neuinstallation, müssen Eigenheimbesitzer die sogenannte Bio-Treppe einhalten, die im Artikel später dargestellt wird.
Entscheidet sich der Immobilieneigentümer hingegen für den Umstieg auf das Heizen mit erneuerbaren Energien, kann er auch künftig die staatlichen Förderungen beantragen. Grundsätzlich steht jedem Eigentümer ein Basiszuschuss von 30 Prozent der Gesamtkosten zu – unabhängig vom Einkommen. Für effizientere Erdwärmepumpen und Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel sind weitere 5 Prozent möglich – der sogenannte Effizienzbonus.
Nochmals 30 Prozent Zuschuss stehen für einkommensschwache Haushalte mit einem Jahreseinkommen von unter 40.000 Euro bereit. Vor Steuerabzug entspricht das in etwa 50.000 Euro brutto. Zusammen mit der Grundförderung können Immobilienbesitzer so 65 Prozent der Anlagekosten durch Zuschüsse finanzieren.
Ferner gibt es den sogenannten Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent bis Ende 2025. In den Folgejahren reduziert sich dieser stufenweise. In Summe ergeben diese Boni 85 Prozent. Die maximal mögliche Förderquote beträgt jedoch 70 Prozent.
Die staatlichen Förderungen für Wärmepumpen in der Übersicht.
Foto: mf/Epoch Times
Neben der Förderung für den Heizungstausch können Immobilienbesitzer weitere Förderungen für zusätzliche Effizienzmaßnahmen beantragen. Darunter fallen etwa die Dämmung des Gebäudes oder der Einbau energieeffizienterer Türen und Fenster. Die Fördersätze liegen hier bei 15 Prozent. Förderanträge können bei der staatlichen Förderbank KfW eingereicht werden – auch rückwirkend für bereits begonnene Vorhaben.
Dennoch müssen Hauseigentümer zunächst für die gesamten Kosten selbst aufkommen, sowohl beim Einbau einer Wärmepumpe als auch bei weiteren Maßnahmen. Je nach Art der Anlage liegen diese bei mehreren Zehntausend Euro, im Bereich der energetischen Sanierung auch darüber. Erst wenn die Bauarbeiten abgeschlossen und alle Nachweise geprüft sind, können sich Eigentümer den zutreffenden Anteil erstatten lassen.
„Künftig können neben der Wärmepumpe, Fernwärme, hybriden Heizungsmodellen und Biomasseheizung weiterhin auch Gas- und Ölheizungen eingebaut werden“, heißt es in einem Eckpunktepapier der Union. Dadurch wolle man den Bürgern bei der Heizungswahl mehr Selbstbestimmung geben. „Wir stärken ihre Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung, denn die Eigentümer wissen am besten, was in ihren Heizungskeller passt.“
Zudem soll das Heizungsgesetz künftig weniger bürokratisch sein. Das zeigt sich mit der Streichung der Paragrafen 71 bis 71p. Sie bildeten den Kern der Pflicht zum Einbau von Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien.
„Auch Betriebsverbote für bestimmte Heizungsarten streichen wir“, hat die Union im Entwurf mitgeteilt. Somit soll ebenso der Paragraf 72 des GEG wegfallen. Dieser verlangt die Austauschpflicht für alte Heizkessel. Demnach dürfen Öl- und Gasheizungen, die vor dem 1. Januar 1991 eingebaut wurden, nicht mehr betrieben werden. Für Heizkessel, die nach diesem Datum installiert wurden, gilt eine maximale Betriebsdauer von 30 Jahren. Das GModG streicht diese Begrenzung.
Das weitere Vorgehen ist damit grundsätzlich wieder technologieoffen. Der Bauherr besitzt somit hier wieder mehr Freiheit, die allerdings bedingt ist. Denn das Heizen mit fossilen Brennstoffen wird teurer, wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bereits angekündigt hat.
Mehr Planungssicherheit?
Die voraussichtlich wegfallende 65-Prozent-Regelung sieht aktuell noch vor, dass jede neu eingebaute Heizung in Neubauten zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Ab 1. Juli 2026 hätte sie auch für alle Gebäude in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern gegriffen. Laut Branchenfachverbänden verschiebt sie sich zunächst aufgrund einer Änderung des aktuellen GEG um vier Monate auf den 1. November. Das soll für Rechtssicherheit bis zum Inkrafttreten des GModG sorgen.
Aus Sicht von Haus & Grund wird es mit der neuen Reform jedoch nicht wirklich besser. Im Gegenteil, sie bringe „mehr Verunsicherung“. „Eigentümer müssen Investitionsentscheidungen über Heizungen, Dämmung und energetische Sanierung für 20 bis 30 Jahre treffen“, erklärte Kodim. „Wenn sich Regeln, Förderbedingungen, Kostenverteilungen und politische Leitplanken ständig ändern, steigt das Risiko, die falsche Entscheidung zu treffen.“ Das führe nicht automatisch zu mehr Klimaschutz, sondern häufig zu Investitionszurückhaltung.
Besonders dieser starke Fokus der ehemaligen Ampelkoalition auf möglichst nur Wärmepumpen war heftig umstritten und hat viele Verbraucher verunsichert. Anfang 2024 bewirkte diese Politik das Gegenteil ihrer Zielsetzung. Es kam zu Rekordabsätzen bei Öl- und Gasheizungen, während sich der Absatz von Wärmepumpen reduzierte.
Bio-Treppe ab 2029
Entscheidet sich der Immobilienbesitzer künftig erneut für eine neue Öl- oder Gasheizung, gelten zusätzlich festgelegte Vorgaben zum Einsatz klimafreundlicher Brennstoffe. Diese soll der Anlagenbetreiber dem herkömmlichen Brennstoff beimischen. Die Höhe des Beimischungsanteils ist durch die sogenannte Bio-Treppe definiert. Sie soll ab Anfang 2029 gelten.
Diese Treppe beinhaltet vier Stufen, die die Beimischungen von Biomethan, Wasserstoff, Wasserstoffderivaten sowie synthetischem Methan oder Bioöl vorschreiben. Diese Biostoffe sind meist teurer als normales Erdgas oder Heizöl.
Aus dem jüngsten Referentenentwurf der Bundesregierung geht hervor, dass die erste Stufe der Bio-Treppe ab 1. Januar 2029 greift. Der Gesetzgeber verlangt hier einen Anteil von mindestens 10 Prozent. Nur ein Jahr später sollen es schon mindestens 15 Prozent sein. Ab dem 1. Januar 2035 folgt eine Erhöhung auf mindestens 30 Prozent und ab 2040 auf mindestens 60 Prozent.
Bis 2045 wäre dann in diesem Übergangsprozess ein vollständiger Umstieg auf einen 100-Prozent-Anteil möglich. Bestehende Anlagen sind hiervon zunächst nicht betroffen. Bei den ersten drei der vier Stufen sollen sich Mieter und Vermieter je zur Hälfte den für diese biogenen Brennstoffe anfallenden Preisbestandteil aufteilen. Die Mehrkosten oberhalb von 30 Prozent, also ab der vierten Stufe, soll vollständig der Vermieter tragen.
Die ersten vier Stufen der Bio-Treppe des Gebäudemodernisierungsgesetzes sind im jüngsten Entwurf der Bundesregierung bereits festgelegt.
Foto: mf/Epoch Times
Grüngasquote
Eine weitere kostentreibende Regelung stellt die sogenannte Grüngasquote – oder Grünölquote – im GModG dar. Im Gegensatz zur Bio-Treppe gilt sie bei allen Heizanlagen, also auch den bestehenden fossilen. Hierbei sind Gaslieferanten verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Gase wie Biomethan und Wasserstoff im Netz schrittweise zu erhöhen. Ähnliches gilt für Öllieferanten.
Die Bundesregierung will sie ab 2028 in Kraft treten lassen. Wie hoch die Anteile der beigemischten biogenen Brennstoffe sein sollen, ist noch nicht bekannt.
Dieser Artikel wurde am 12. Mai 2026 aktualisiert, um zu verdeutlichen, dass sich der Artikel auf einen Entwurf bezieht. Die finale Gesetztesfassung kann davon abweichen. Epoch Times wird weiter darüber berichten.
Ministerin Nina Warken (CDU) warb für das Spargesetz. - Foto: Elisa Schu/dpa
Der Bundestag hat das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition für stabile Krankenkassenbeiträge beschlossen. Für das Gesetz stimmten 319 Abgeordnete, es gab 286 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Nun soll im Laufe des Tages auch der Bundesrat abschließend über die Reform befinden, die angesichts von Milliardendefiziten massive Einschnitte bei den Kassenleistungen sowie zusätzliche Kosten für Versicherte vorsieht.
Das Paket sieht Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche vor – aber auch höhere Zuzahlungen und Einschnitte für Versicherte. Dies soll die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr in Milliardenhöhe entlasten und neue Erhöhungen der Zusatzbeiträge verhindern.
Parallel zum Bundestag fand am Freitagvormittag bereits die Debatte im Bundesrat über die Reform statt. Die Länder hatten zuvor einer nötigen Fristverkürzung zugestimmt, damit das Gesetz noch am Freitag endgültig im parlamentarischen Verfahren verabschiedet werden kann.
Mehrere Länder übten in der Debatte Kritik an der Reform. Das Saarland, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen kündigten dabei an, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Schließen sich nicht noch deutlich mehr Länder an, würde dies aber scheitern und das Gesetz könnte angenommen werden.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte zuvor in der Debatte: „Wir wollen künftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt.“ Ohne die Reform drohe 2027 eine Beitragserhöhung von einem Prozentpunkt.
Von der Opposition kam Kritik. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte, das mit heißer Nadel gestrickte Gesetz schone die eigentlichen Kostentreiber. „Es wird keine Beitragsstabilität geben, sondern Krankenhausinsolvenzen, überlastete Hausärzte und verratene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.“ Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte: „Sie gefährden mit diesem Gesetz Menschenleben.“ Nicole Hess (AfD) sagte: „Das ist keine Reform, das ist eine Einladung zum Rückzug aus der Versorgung.“
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrüßte den Beschluss als „gute Nachricht für unsere 75 Millionen Versicherten“. Zwar enthalte das Gesetz „viele Härten“, es lege aber die Grundlage für stabile Kassenbeiträge, erklärte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt. Es sei gut, dass die Koalition „hier Handlungsfähigkeit bewiesen“ habe. Blatt kritisierte, einige Gegner der Reform seien in den vergangenen Monaten „mit haltlosen Schreckensszenarien und Angstmacherei übers Ziel hinausgeschossen“.
Warken hatte das Sparziel für 2027 angesichts zuletzt rasanter steigender Ausgaben noch auf 18,8 Milliarden Euro heraufgesetzt. Die neue Lücke werde mit dem nun vorliegenden Entwurf geschlossen, sagte sie. Inwiefern auch noch ein etwas größerer Puffer für Unwägbarkeiten geschaffen wird, war zunächst unklar.
Der Entwurf war zuletzt in mehreren Punkten verändert worden. Dabei wurden Belastungen für Versicherte teils abgemildert. So werden die Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro für Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro angehoben. Gestrichen wurde aber, dass die Zuzahlungen danach auch jährlich angepasst werden sollen. Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern wird eingeschränkt, nun aber mit weiter gefassten Ausnahmen. Erhalten bleiben soll sie etwa für Eltern von Kindern unter zwölf Jahren statt unter sieben Jahren.
Für künftig nicht mehr frei mitversicherte Partner sollen Kassenmitglieder ab 2028 einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen. Entschieden wurde auch, mehr Steuergeld bereitzustellen als zunächst vorgesehen. So soll der reguläre Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro 2027 noch um 1,35 Milliarden sinken statt um zwei Milliarden Euro. Die Zahlungen des Bundes für die Krankenkosten von Grundsicherungsbeziehern werden 2027 um eine Milliarde Euro erhöht. Änderungen gab es auch bei geplanten Preisabschlägen für Pharmahersteller.
Generell zielt das Gesetz darauf, Anstiege der Vergütungen bei allen Erbringern von Leistungen wie Ärzten und Kliniken zu begrenzen. Gestrichen werden sollen etwa auch homöopathische Leistungen auf Kassenkosten. Gegen Einschnitte gibt es seit Wochen heftige Proteste und Warnungen vor Verschlechterungen der Versorgung aus dem gesamten Gesundheitswesen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte deutlich gemacht, dass das Paket den Auftakt für eine Reihe großer Reformen der schwarz-roten Koalition in diesem Jahr bilden soll. (dpa/afp)
Die Ringbahnbrücke in Berlin trug täglich sehr viel Verkehr. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa
Ob die Bonner Nordbrücke, die Rahmede-Talbrücke der A45 oder die Ringbahnbrücke in Berlin: Immer wieder wurden zuletzt zentrale Verkehrsbrücken plötzlich gesperrt – oder stürzten im Fall der Carolabrücke in Dresden sogar ein. Deutschland kümmere sich zu wenig um die Instandhaltung von Brücken, kritisierte Steffen Marx von der Technischen Universität Dresden.
„Die Pflege von Brücken ist vergleichbar mit dem Zähneputzen: Wenn ich einen Tag meine Zähne nicht putze, ist das nicht so schlimm.“ Eine Brücke halte es gut aus, wenn sie ein Jahr lang nicht gepflegt werde. „Wenn ich mich aber 30 Jahre lang nicht um die Instandhaltung kümmere – wie in Deutschland geschehen – dann beschleunigt sich der Schadensfortschritt.“
Aufsehen erregte etwa die Ringbahnbrücke der Berliner Stadtautobahn. Wegen Schäden im Tragwerk wurde sie im Frühjahr 2025 kurzfristig gesperrt und abgerissen. Der millionenschwere Neubau soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertig sein. Aktuell werden dafür Stahlüberbauten eingehoben.
Reparatur viel teurer als Pflege
Verglichen mit den Kosten für die Pflege müsse man das Vielfache investieren, um eine Brücke zu reparieren oder neu zu bauen, sagte Marx, Direktor am Institut für Massivbau der TU. Ein defekter Abfluss zum Beispiel sei leicht auszubessern. Passiere das aber nicht, durchfeuchte die Brücke, der Stahl roste, und es werde viel aufwendiger und teurer, den Schaden zu beseitigen.
Meist erfolgt eine Vollsperrung dann plötzlich, weil erhebliche Schäden entdeckt werden und Experten Einsturzgefahr bescheinigen. Fahrbahn, Fuß- und Radwege der Bonner Nordbrücke dürfen seit Anfang Juni nicht mehr genutzt werden.
2025 traf es die Ringbahnbrücke in Berlin, 2024 die Elbbrücke in Bad Schandau, 2021 die Rahmede-Talbrücke im Sauerland. Mit der Carolabrücke stürzte vor etwa zwei Jahren gar eine Brücke im laufenden Betrieb ein.
„Der Zustand vieler vielbefahrener Brücken in Deutschland ist kritisch“, sagte Martin Claßen von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Das gelte insbesondere im Autobahnnetz. „Die aktuelle Situation ist kein plötzliches Problem, sondern das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung.“
Strategie „build and forget“
Viele Brücken seien nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden und auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt, sagte Marx. Oft seien sie für eine andere Belastung geplant gewesen. „Wir haben heute viel mehr Schwerlastverkehr und Verkehr insgesamt als in der Zeit, zu der viele Brücken geplant und gebaut wurden.“
Danach sei auf eine Erhaltungsstrategie gesetzt worden, die man „build and forget“ („bau es und vergiss es“) nennen könne, meinte Marx. „Die Brücken werden gebaut, aber dann nicht gepflegt.“ Es fänden lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Inspektionen alle sechs Jahre statt. „Deshalb kommt nun eine große Welle von Brücken in schlechtem Zustand auf uns zu.“
Bei so vielen Brücken in sehr schlechtem Zustand wiederum gebe es zwangsläufig einige, die in noch schlechterem Zustand seien als ohnehin angenommen – Einstürze seien irgendwann nahezu unvermeidbar.
Die Carolabrücke sei seit dem Zweiten Weltkrieg aber die erste Brücke, die im laufenden Betrieb eingestürzt sei. Ursache seien versteckte Drahtbrüche im Inneren gewesen – bei den Inspektionen habe man sie nicht sehen können.
Das Verkehrsministerium hatte unter der Ampel-Regierung von SPD, Grünen und FDP 4.000 Brücken von Autobahnen erfasst, die für den Verkehr besonders wichtig, aber modernisierungsbedürftig sind. Sie sollen binnen weniger Jahre saniert oder erneuert werden – ein Ziel, an dem auch die aktuelle Bundesregierung festhält.
Neubau wäre oft gar nicht nötig
Unter Modernisierung verstehe die Regierung allerdings größtenteils den Abriss und Neubau, meinte Marx. Dabei könne etwa die Hälfte der Brücken, die abgerissen würden, saniert werden – was erheblich Kosten spare.
„Die relevanten Teile müssen repariert werden, aber die Brücke muss nicht nagelneu aussehen.“ Auch Claßen ist überzeugt, dass nicht jede Brücke sofort ersetzt werden muss. „Bei vielen Bauwerken kann eine intelligente Zustandsbewertung helfen, Maßnahmen effizient zu staffeln.“
Beim Ersatz von Brücken wiederum liege die größte Herausforderung oft bei Planung, Genehmigung und Vergabe. Ein wichtiger Hebel seien sogenannte funktionale Ausschreibungen: „Statt Projekte bis ins letzte Detail vorzudefinieren, sollte stärker beschrieben werden, welche Funktion ein Bauwerk erfüllen muss. Das schafft Raum für innovative und effizientere Lösungen.“
Zudem brauche es mehr Standardisierung und Modularisierung. „Viele Brücken werden noch immer als Einzelprojekte behandelt“, sagte Claßen. Dabei gebe es technisch ausgereifte Schnellbauansätze, mit denen Bauzeiten – und damit auch Sperrzeiten – drastisch reduziert werden könnten.
Wichtig sei zudem, die bestehenden Überwachungsstrategien für Brücken zu verbessern, sagte Claßen. Und: trotz aller Mängel und Verbesserungsmöglichkeiten: „Das Risiko eines unerwarteten Einsturzes bleibt in Deutschland insgesamt gering.“ (dpa/red)