Hier verkauft Emily Harryman ihre Backwaren auf lokalen Veranstaltungen. - Foto: Emily Harryman
Wohlige Wärme und der Duft frischen Brotes und feiner Gewürze strömen Emily Harryman entgegen, wenn sie die Tür zu ihrer Backstube öffnet. Was einst das Esszimmer ihres Hauses in der texanischen Stadt Keller nahe Dallas war, dient nun als Herzstück der von zu Hause aus betriebenen kleinen Bäckerei „Plain Jane Bakes“ – was in etwa „einfach nur backen“ bedeutet.
Die Wände sind französischblau gestrichen, die Decke tapeziert mit hellgrünen Blattornamenten. Das große, nach Osten ausgerichtete Fenster flutet den Raum mit Licht und wirft Sonnenstrahlen auf die hölzernen Backregale, auf denen die Sauerteigbrote abkühlen können.
In der Ecke am Fenster steht der Ofen, ein kompakter Simply Bread L12, der ein Dutzend Laibe auf einmal fassen kann. Der Raum ist mit einer großen Kücheninsel aus dunklem Holz sowie mehreren Anrichten ausgestattet, in denen Emily Harryman ihre Zutaten und Backutensilien aufbewahrt.
Der Brotraum in Emily Harrymans Hausbäckerei.
Foto: Heidi Sears Photography
„Ich hätte mir nie vorgestellt, dass unser Esszimmer eine Hausbäckerei sein würde. Nun findet der gesamte Sauerteigprozess hier statt. Der Raum erfüllt mein Herz mit großer Freude“, sagt Harryman.
Seit der Gründung ihres Unternehmens im Jahr 2024 ist Harrymans Brotbackraum mehr als nur ein Ort, an dem sie Brot backt, Kurse gibt und die Rezepte für ihr kommendes Kochbuch „Plain Jane Sourdough: Simple Ingredients and Techniques for Stunning Artisanal Bread“ perfektioniert (auf Deutsch etwa: „Schlichtweg Sauerteig: Einfache Zutaten und Techniken für beeindruckendes Handwerksbrot“). Es ist der Höhepunkt einer langen Reise, die in der bescheidenen Küche am Meer begann, in dem Haus, das ihre Großeltern bauten.
Emily Harryman ist Autodidaktin im Sauerteigbacken und betreibt heute eine erfolgreiche kleine Bäckerei in ihrem Esszimmer.
Foto: Heidi Sears Photography
Dekorative Anfänge
Harrymans Liebe zum Essen wurde durch regelmäßige Besuche bei ihren Großeltern entfacht, die in einer kleinen Küstenstadt unweit von San Francisco lebten. „Meine Oma war sehr leidenschaftlich beim Kochen. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch waren, setzten wir uns ins Wohnzimmer und wählten ein Rezept aus einer der Food-Zeitschriften von ihrem Couchtisch aus, das wir ausprobieren wollten“, erinnert sich Harryman.
Obwohl die Rezepte nicht immer erfolgreich waren, hatte der Geist der Gastfreundschaft ihrer Großmutter einen tiefgreifenden Effekt auf Harryman. Sie erinnerte sich, dass ihre Großeltern „eine Freundin hatten, eine Witwe, die ständig zu den Mahlzeiten herüberkam. Sie stellten immer sicher, dass sie sich angenommen und umsorgt fühlte.“
Davon inspiriert übernahm Harryman, wenn sie von der Schule kam, die Verantwortung für die Mahlzeiten und entdeckte bald, dass ihre wahre Leidenschaft dem Backen galt. Nach Kursen im Tortendekorieren bekam Harryman Anfragen für Geburtstagstorten von Mitschülern. Dann, in ihrem Abschlussjahr an der Highschool, wurde sie gebeten, eine Hochzeitstorte zu machen. „Sie war fast einen Meter hoch und von ,Alice im Wunderland‘ inspiriert. Das öffnete viele Türen für andere Jobs und Hochzeiten“, erzählt sie.
Harryman dekorierte weiterhin Torten, während sie noch auf ein College außerhalb von Pittsburgh, Pennsylvania, ging. Ihre Fähigkeiten verschafften ihr und ihrem Mitbewohner Tristan 2016 einen Auftritt in einer Folge der beliebten Food-Network-Show ‚Cake Wars‘. Das Duo trat in einer Folge, die dem Videospiel Minecraft gewidmet war, gegen professionelle Bäcker an. „Wie durch ein Wunder haben wir gewonnen!“, sagt Harryman.
2016 war auch das Jahr, in dem sie ihren Ehemann Issac traf. Nachdem sie geheiratet hatten, zog das Paar nach Texas. Ein paar Jahre später ging es bereits zurück nach Pennsylvania, wegen eines neuen Jobs.
Harryman gab das Backen auf, während sie versuchten, eine Familie zu gründen. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten, bevor sie dann doch drei gesunde Kinder zur Welt brachte. Ein Jobverlust im Jahr 2022 zwang die Familie zurück nach Texas für eine Arbeit mit signifikanter Gehaltskürzung.
Für die Familie bedeutete das, dass sie eine zusätzliche Einnahmequelle benötigte, um über die Runden zu kommen. So wandte sich Emily Harryman 2024 wieder voll dem Backen zu. Doch diesmal ging es nicht um das Dekorieren von Torten. Sie begann, Sauerteigbrote zu backen.
Der Grundstein für Harrymans Sauerteig-Abenteuer wurde gelegt, als ihr College-Mitbewohner Tristan sie wieder an die natürlichen, unverarbeiteten Zutaten heranführte, die sie in der Küche ihrer Großmutter gesehen hatte.
Durch die Mutterschaft wuchs in ihr das Bewusstsein, welche Zutaten sie ihren kleinen Kindern zu essen gab. „Es gibt so viele Konservierungsstoffe, so viele genetisch veränderte Zutaten, so viele Dinge, die auf unser Essen gesprüht werden, dass ich … Dinge kaufen wollte, die so ziemlich nah an dem sind, wie Gott sie geschaffen hat“, sagt Harryman.
Harryman begann ihr Bäckereiunternehmen, um ihre Familie zu ernähren. Heute gibt sie ihr Wissen über Sauerteigbacken über soziale Medien und ein neues Kochbuch weiter.
Foto: Heidi Sears Photography
Diese einfache Philosophie der „echten Zutaten“ sollte der Schlüssel zu Harrymans Erfolg mit Sauerteig sein. Die Aussicht, eine eigene Sauerteigbäckerei zu gründen, empfand sie als beängstigend, weil „es so viele verschiedene Gedanken dazu gibt, wie man Sauerteig macht. Als Anfänger ist das schrecklich, weil man nicht weiß, was richtig ist. Aber sobald man seinen Prozess im Griff hat, ist es wie Radfahren.“
Harrymans eigener Prozess beginnt mit einer Mischung aus Weißmehl, Roggenmehl und Wasser, die zum Fermentieren stehen gelassen wurde. Natürliche, darmfreundliche Bakterien begannen, den Zucker und die Proteine des Mehls zu fressen, wodurch ein blubberndes Teiggemenge entsteht, das als Sauerteigstarter bekannt ist.
Der Starter muss immer wieder verwendet und gefüttert werden, damit die Fermentation aktiv bleibt. Wenn der Sauerteig in einen Brotteig eingearbeitet wird, wirkt er als Triebmittel und verleiht dem Brot seinen charakteristischen säuerlichen Geschmack.
Das Cover zu Emily Harrymans Buch “Plain Jane Sourdough”.
Foto: Heidi Sears Heidi Sears Photography
Aus diesem Sauerteig wird das treffend benannte „Plain Jane“ hergestellt, ein unverfälschtes Sauerteig-Landbrot, das der Star der Harryman Backwaren ist. Sie entwickelte außerdem ihre eigene Variante des „Miche“, eines rustikalen französischen Brotes, sowie ein „Herbes de Provence“, ein einfaches Brot mit Kräutern.
Ursprünglich bot sie ein umfangreicheres Sortiment mit einer Auswahl an Scones, Keksen und Spezialbroten an, reduzierte dieses jedoch schließlich auf Anraten ihres Mannes. „Ich musste es einfach halten. Das Brot verkaufte sich ohnehin immer am besten“, erklärt Harryman.
Sauerteig, wie sich herausstellte, war eine Neuheit in Keller, Texas. Harryman begann, die Laibe über Hausbestellungen und auf lokalen Märkten zu verkaufen. In den ersten Monaten des Unternehmens hatte Harryman weder einen Backraum noch einen Backofen. Sie arbeitete mehr als 13 Stunden am Tag, um die Laibe in ihrem Einbau-Doppel-Backofen in der Küche eins nach dem anderen zu backen.
Es war harte Arbeit, aber das zusätzliche Geld verschaffte der Familie das dringend benötigte finanzielle Polster – und das alles, ohne dass Harryman das Haus verlassen oder auf den Heimunterricht ihrer Kinder verzichten musste – beides war für sie nicht verhandelbar. „Das Geschäft musste etwas sein, das meiner Familie zugutekommt und mich nicht von ihr fernhält“, sagt sie.
Neben ihrem lokalen Erfolg, wurde Harryman auch zu einer Sensation in den sozialen Medien. Ihr Instagram-Kanal „Plain Jane Bakes“ schnellte in zwei Jahren von null auf 59.000 Follower hoch. Das war genug, dass ein unabhängiger Verlag sich Harrymans Kochbuchidee annahm.
„Plain Jane Sourdough“ ist eine Liebeserklärung und zugleich ein praktischer Leitfaden zum Sauerteigbacken. Sie widmete das Buch ihrer Großmutter. „Ich wollte versuchen, meinen Weg so weiterzugeben, wie meine Großmutter mir ihren vermittelt hat“, sagt Harryman. „Ich hoffe, dass es den Lesern in der Küche eine Hilfe und beim Lesen eine Ermutigung sein wird.“
Sven Hüber soll als DDR-Grenzoffizier die Durchsetzung des Schießbefehls an der Grenze zu Westdeutschland aktiv propagiert haben. (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der wegen Vorwürfen aus seiner Zeit als Offizier der DDR-Grenztruppen in der Kritik stehende stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sven Hüber, ist zurückgetreten.
Hüber begründete seinen Schritt in einer am Mittwoch, den 26. August, von der GdP verbreiteten Erklärung damit, die Anschuldigungen von der Gewerkschaft abwenden zu wollen. Die Vorwürfe wies er zurück und bezeichnete sie als rufmordähnlich.
„Ich trete mit sofortiger Wirkung von meinem Amt zurück, weil es derzeit mehrere von mir angestrengte rechtliche und gerichtliche Prüfungen gegen erhobene mediale verunglimpfende und rufmordähnliche Vorwürfe vor meinem Dienst in der Bundespolizei und vor der GdP gibt“, hieß es in der Erklärung.
Während der gerichtlichen Auseinandersetzung über die Anschuldigungen wolle er die GdP davon fernhalten.
Der Rücktritt erfolgte mit sofortiger Wirkung. Die GdP erklärte, „weiterhin im Zusammenhang mit Falschbehauptungen, Bedrohungen und verzerrten Veröffentlichungen“ straf- und zivilrechtlich gegen die Urheber der Beiträge vorgehen zu wollen.
Vorwürfe aus DDR-Zeit
Das rechtsgerichtete Portal Apollo News hatte unter Berufung auf die eidesstattliche Versicherung eines Zeugen berichtet, dass Hüber Ende der 80er Jahre als DDR-Grenzoffizier einen Gefangenen misshandelt habe. Außerdem habe er die Durchsetzung des Schießbefehls an der Grenze zu Westdeutschland aktiv propagiert.
Ostdeutscher Grenzsoldat (Symbolbild)
Foto: Aliaksandr Litviniuk / iStock
Hüber bereits zuvor in der Kritik
Hüber war zuvor innerhalb der GdP wegen eines Artikels zu den Folgen einer möglichen AfD-Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt in die Kritik geraten.
Im Mitgliedermagazin der Gewerkschaft diskutierte er die Frage, was im Fall einer Übernahme des für die Polizei zuständigen Innenministeriums in Sachsen-Anhalt durch die AfD passieren könne.
Dabei schrieb Hüber in seiner Funktion als GdP-Vizechef mit Blick auf die in dem Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD, Polizisten könnten kraft ihres Eids keine solche Partei wählen oder diese unterstützen. Außerdem rief er dazu auf, dass Polizisten unter Umständen Widerstand gegen eine AfD-Regierung leisten müssten.
Mehrere GdP-Landesverbände distanzierten sich anschließend von Hüber. Die Vorwürfe aus seiner Zeit als Grenzoffizier der DDR wurden nach der Kontroverse um seinen Artikel erhoben. (afp/red)
Häuser stehen nach Sturzfluten im nepalesischen Distrikt Nuwakot teilweise unter Wasser. Eine gewaltige Flutwelle beschädigte am 26. August Straßen und die Strominfrastruktur. - Foto: Prabin Ranabhaat / AFP via Getty Images
Nach massiven Überschwemmungen in Nepal werden in dem Himalaya-Staat hunderte Touristen vermisst. Nach vorläufigem Stand gebe es von 384 Touristen kein Lebenszeichen, darunter 291 Ausländer, erklärte die nepalesische Tourismusbehörde am Mittwoch. Die Behörden arbeiteten daran, ihren Aufenthaltsort zu klären.
Videoaufnahmen zeigten Wassermassen, die Häuser mit sich rissen, und in Schlamm versunkene Gebäude. Unter den vermissten Touristen seien 291 Menschen aus den USA, Indien, Malaysia und Großbritannien.
Rettungskräfte tragen am 26. August 2026 in Devghat im nepalesischen Distrikt Nuwakot eine von den Sturzfluten betroffene Person. Die schweren Überschwemmungen forderten in Nepal acht Todesopfer.
Foto: Prakash Mathema / AFP via Getty Images
19 Leichen geborgen
Nach Angaben von Polizeisprecher Abi Narayan Kafle wurden zunächst 19 Leichen geborgen. Auch zahlreiche Polizisten seien nicht erreichbar. Die Such- und Rettungsarbeiten liefen auf Hochtouren.
Der Lehrer Suman Chalise aus dem nepalesischen Bezirk Nuwakot berichtete von der Zerstörung: „Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen.“ Es sei „absolut entsetzlich“ gewesen. „So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.“
Auch der 56-jährige Raju Bhadel berichtete von schweren Schäden. Er habe am Morgen einen Anruf von seinem Schwager erhalten. Dessen gesamtes Haus sei weggespült worden. Drei Familienmitglieder konnten gerettet werden, sein Bruder werde jedoch noch vermisst.
Häuser sind nach Sturzfluten im nepalesischen Distrikt Nuwakot von Schlamm überflutet. Die schweren Überschwemmungen forderten am 26. August in Nepal Todesopfer.
Foto: Prakash Mathema / AFP via Getty Images
Armee schickt Hubschrauber
Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren blockiert. Zudem wurden Wasserkraft- und Solaranlagen beschädigt.
Erdrutsch im Grenzgebiet zu Nepal
Chinesische Staatsmedien berichteten zudem über einen Erdrutsch im Grenzgebiet zu Nepal mit vielen Opfern.
Das chinesische Staatsfernsehen meldete einen Erdrutsch in Tibet am Grenzübergang Gyirong. Zur Zahl der Toten und Verletzten äußerte sich die Regierung in Peking zunächst nicht. Der Staatssender CCTV zeigte Bilder von Wassermassen, die Äste und Trümmerteile mit sich rissen.
Chinas Staatschef Xi Jinping ordnete wegen des Ausmaßes der Katastrophe an, alle verfügbaren Kräfte und Mittel für den Rettungseinsatz einzusetzen. Die „dringlichste Aufgabe“ sei es nun, „alles Erdenklich zu tun, um die Vermissten zu suchen und zu retten, die Verletzten schnell zu behandeln und die Opferzahl so gering wie möglich zu halten“. (afp/red)
(v. l. n. r.) Der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Bundeskanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt geben am 26. August 2026 vor Schloss Neuhardenberg (Nordostdeutschland) eine Presseerklärung im Anschluss an eine zweitägige Klausurtagung des Bundeskabinetts ab. - Foto: Odd Andersen / AFP via Getty Images
Bei der Kabinettsklausur im brandenburgischen Schloss Neuhardenberg hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwoch, den 26. August, die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“ bekräftigt. Zugleich kündigte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) an, die Einkommensteuerreform in der kommenden Kabinettssitzung vorzulegen.
Merz betonte, dass sich der Koalitionsausschuss bereits auf die vollständige Umsetzung der Rentenreform geeinigt habe. „Wir werden in der Bundesregierung hier bei diesem Kurs bleiben, den wir uns gemeinsam vorgenommen haben“, sagte der Kanzler.
Die Forderung der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten, die „Rente mit 63“ beizubehalten, habe ihn „etwas erstaunt“, sagte Merz. Aus seiner Sicht sei sie „nicht mit ausreichenden Sachargumenten unterlegt“ gewesen.
CDU, SPD und CSU seien sich im Koalitionsausschuss Anfang Juli einig gewesen, „dass wir alle Anreize zur Frühverrentung beenden müssen“. Daran müsse festgehalten werden, betonte Merz: „Das ist ein Kernstück der Reform.“
Abschaffung der vorzeitigen Verrentung
Die Abschaffung der vorzeitigen Verrentung nach 45 Beitragsjahren – bekannt als „Rente mit 63“ – ist Teil des Maßnahmenkatalogs, den eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission für eine grundlegende Reform des Rentensystems ausgearbeitet hat.
Mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen im Parlament sagte Merz, es werde „keine Eins-zu-eins-Umsetzung geben, das hat es noch nie gegeben“. Die Vorschläge müssten aber „in ihrer Gesamtheit“ in ein Gesetzgebungsverfahren gehen.
Der Kanzler kündigte zudem eine Härtefall-Regelung an. „Aber der Trend zur Frühverrentung bei einer älter werdenden Gesellschaft, der muss gestoppt werden – und darüber sind wir uns in der Koalition einig.“
Ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten gegen Abschaffung
Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten hatten sich gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung für langjährig Versicherte ausgesprochen. Sie begründeten dies damit, dass Menschen in Ostdeutschland besonders davon betroffen seien, weil hier viele Menschen neben der gesetzlichen Rente keine andere Form der Altersvorsorge hätten.
Merz sagte dazu nun: „Ich will ausdrücklich betonen, das ist kein Ost-West-Thema.“
Es gebe auch im Westen „eine Zahl von Versicherten, die außer der gesetzlichen Rentenversicherung keine Altersversorgung haben – der Anteil dort ist etwas kleiner als im Osten, aber er ist auch im Westen vorhanden.“
Bundeskanzler Friedrich Merz (4.r) leitet am 25. August 2026 in Neuhardenberg im Nordosten Deutschlands eine zweitägige Klausurtagung des Bundeskabinetts.
Das Bundeskabinett soll nach den Worten von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) schon bald die Reform der Einkommensteuer beschließen.
„In der kommenden Kabinettssitzung werde ich die Reform der Einkommensteuerreform vorlegen, die wir gemeinsam im Koalitionsausschuss vereinbart haben“, sagte Klingbeil am Mittwoch nach der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg.
„Ja, wir haben knappe Kassen. Und ja, wir mussten priorisieren.“ Deshalb habe die Reform „einen klaren Schwerpunkt“.
„Wir wollen, dass Familien entlastet werden“, betonte der Minister. „Deswegen sieht der Gesetzentwurf vor, dass Familien mit zwei Kindern um etwa 600 Euro im Jahr entlastet werden.“
Klingbeil fügte hinzu: „Das sollte niemand kleinreden. Das ist wichtig für Familien, gerade in diesen Zeiten.“
Pläne für die Einkommensteuer
Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich bei ihrem letzten Koalitionsausschuss Anfang Juli auf eine Einkommensteuerreform geeinigt. Für die Umsetzung des Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag ist Finanzminister Klingbeil zuständig.
Seinen Plänen nach sollen vor allem kleine und mittlere Einkommen entlastet werden – und zwar in der Endstufe 2028 um insgesamt zehn Milliarden Euro. Im Gegenzug sollen die Reichensteuer erhöht und einige Steuervergünstigungen gestrichen werden.
In der Union stießen die Pläne auf scharfe Kritik. So wurde unter anderem bemängelt, dass die Reform die sogenannte kalte Progression nicht ausgleichen würde, also schleichende Steuererhöhungen durch die Inflation.
Die nächste Kabinettssitzung findet am 2. September statt. (afp/red)
Bei förmlichen Auskunftsersuchen nach Artikel 15 der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung soll die Schufa archivierte Daten den Bürgern verschwiegen haben (Symbolbild). - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Der Wirtschaftsauskunftei Schufa droht im Streit um die sogenannte Schattendatenbank ein folgenschwerer Rechtsstreit.
Die europäische Datenschutzorganisation NOYB („None of Your Business“) in Wien hat das Unternehmen formell abgemahnt und die Vorbereitung einer gerichtlichen Sammelklage bekanntgegeben. Die Schufa wies die Kritik zurück und kündigte an, sich rechtlich gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen – bis hin zum Bundesgerichtshof.
Vorwurf: Jahrelange Speicherung statt Löschung
Hintergrund des Konflikts sind Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“, die Mitte Juli berichtet hatten, dass die Schufa „historische Daten“ aufbewahrt. Dabei handele es sich um Informationen über alte Kredite, Pfändungen oder gar Privatinsolvenzen – Forderungen und Schulden, die Betroffene häufig schon vor Jahren beglichen hätten.
Laut Datenschutzregeln und den von der Branche selbst gesteckten Löschfristen müssten solche Daten nach bestimmter Zeit gelöscht werden. Die Schufa speichert diese jedoch nach eigenen Angaben bis zu zehn Jahre lang weiter.
Besonders schwer wiegt aus Sicht der Datenschützer ein weiterer Punkt: Bei förmlichen Auskunftsersuchen nach Artikel 15 der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) soll die Schufa diese archivierten Daten den Bürgern verschwiegen haben.
Das Unternehmen argumentiert, Verbraucher interessierten sich im Wesentlichen für ihren aktuellen Score und die aktuell einfließenden Werte, weshalb man über historische Bestände nicht informiere.
NOYB fordert sofortigen Stopp und plant Verbandsklage
„Wir mahnen die Schufa jetzt formell ab und fordern sie auf, die historischen Daten umgehend zu löschen“, erklärte NOYB-Sprecher Marco Blocher. Weigere sich das Unternehmen, werde man eine Unterlassungsklage im kollektiven Verbraucherinteresse einreichen.
NOYB bereitet zudem eine Verbandsklage – eine spezielle Form der Sammelklage – auf immateriellen Schadenersatz vor. Begründet wird dies mit der millionenfachen Verletzung des Auskunftsrechts nach Artikel 15 DSGVO. NOYB hat Betroffene bereits dazu aufgerufen, sich auf einer Interessentenliste zu registrieren.
Sollten die Datenschützer vor Gericht Recht bekommen, könnte dies massive finanzielle Konsequenzen für die Auskunftei haben.
Da die Schufa Datensätze zu praktisch allen rund 68 bis 69 Millionen Erwachsenen in Deutschland führt, könnte selbst ein geringer Entschädigungsbetrag pro Kopf Gesamtforderungen in astronomischer Höhe nach sich ziehen.
Schufa weist Vorwürfe zurück
Die Schufa Holding AG sieht ihr Handeln hingegen als rechtmäßig und sachlich geboten an. Die Verarbeitung historischer Daten entspreche gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen, sagte ein Schufa-Sprecher.
„NOYB fordert trotzdem in der Unterlassungsklage, historische Daten zu löschen. Das wäre zudem für Verbraucher und Wirtschaft schädlich.“
Denn historische Daten und Datentests seien erforderlich, um wissenschaftlich belastbare Scores zu entwickeln, ihre Qualität zu überprüfen sowie Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Verwendung von Daten sicherzustellen.
„Die Forderung von NOYB stärkt nicht den Verbraucherschutz, sondern würde zentrale Voraussetzungen für faire und treffsichere Bonitätsbewertungen beseitigen. Wir werden die Speicherung historischer Daten vor Gericht verteidigen – auch wenn wir erneut bis vor den Bundesgerichtshof gehen.“
Die Datenschützer aus Wien erhalten Unterstützung von der deutschen NGO AlgorithmWatch. Die Bürgerrechts- und Transparenzorganisation hatte eine Petition gestartet und Betroffenen ein Formular zur Verfügung gestellt, mit dem bereits mehr als 22.000 Menschen gezielt Auskunft über ihre archivierten Daten verlangt haben.
Geschäftsführer Matthias Spielkamp wies die Darstellung der Schufa, die Bürger hätten an diesen Daten ohnehin kein Interesse, scharf zurück: Dass nun zehntausende Menschen Einsicht verlangten und die Schufa mit dreimonatigen Verzögerungen reagiere, zeige, dass sich das Unternehmen „zunehmend in Widersprüche verwickelt“.
Zusammen mit fast 145.000 Unterstützern der Petition verlangt AlgorithmWatch eine vollständige Auskunftserteilung, die endgültige Löschung der „Schattendatenbank“ sowie ein hartes Durchgreifen des Hessischen Datenschutzbeauftragten bis hin zum höchstmöglichen Bußgeld. (dpa/red)
Die 10-jährige Bianca Navarro schaut sich am 10. Dezember 2025 in ihrem Zuhause im Westen Sydneys eine Social-Media-Seite an. - Foto: Saeed Khan/AFP via Getty Images
Nach der Einführung des Onlinedienste-Verbots für Kinder und Jugendliche in Australien haben junge Menschen in dem Land Angebote wie Instagram und Tiktok zuletzt offenbar wieder verstärkt genutzt.
Bei einigen Anwendungen nähern sich die Nutzungsraten dem Niveau vor dem Verbot im Dezember, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten von Qustodio, einer Kontroll-App für Eltern, zeigten.
Jeder vierte 13- bis 15-Jährige ist weiter bei TikTok
Gut jeder Vierte der 13- bis 15-Jährigen nutzt den Angaben zufolge weiter die Videoplattform TikTok. Das ist nur gut ein Prozentpunkt weniger als vor Inkrafttreten des Verbots.
Bei den Zehn- bis Zwölfjährigen lag die Nutzungsrate nur 0,06 Prozentpunkte unter dem Niveau vor dem Verbot. Auch Instagram und Snapchat nutzten Kinder und Jugendliche zuletzt wieder vermehrt.
Nach dem Inkrafttreten des Verbots im Dezember waren die Nutzungszahlen zunächst zurückgegangen. Australien war mit seinem Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige weltweiter Vorreiter gewesen.
Seitdem erließen mehrere weitere Länder ähnliche Vorschriften, auch in Deutschland wird über eine solche Regelung diskutiert.
Verbot hat kaum Auswirkungen auf Nutzungsverhalten
Die Nutzungszahlen stiegen womöglich, „weil die Beschränkungen nicht funktionieren“, führte Yasmin London von Qustodio aus. Die Kinder und Jugendlichen könnten die Alterssperre umgehen, indem sie VPN-Dienste nutzten oder ihr Alter falsch angäben.
Laut Qustodio wurden die Daten durch die anonymisierte Analyse der monatlichen Nutzung von Apps durch Kinder und Jugendliche in Australien erhoben. Sie zeigen den Prozentsatz derjenigen, die eine App in einem Monat mindestens einmal länger als fünf Minuten nutzten. Mit der App können Eltern die Nutzung von Angeboten durch ihre Kinder steuern.
Bereits im Juni war eine im Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlichte Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass das Verbot kaum Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten australischer Teenager hatte.
Minderjährige umgehen demnach die per Gesetz erlassenen Beschränkungen, indem sie beispielsweise Fake-Accounts erstellen oder Konten nutzen, die auf ältere Personen registriert sind.
Bei Verstößen gegen die Regelungen drohen Konzernen in Australien Geldstrafen von bis zu 99 Millionen australische Dollar (59,9 Millionen Euro). Die Aufsichtsbehörde kann die Unternehmen zu Nachweisen darüber verpflichten, welche Maßnahmen sie ergreifen, um zu verhindern, dass Unter-16-Jährige ein Nutzerkonto eröffnen.
Zur Überprüfung der Angaben kann sie zudem Informationen und Unterlagen anfordern – von den Betreibern selbst, auch von Dritten wie den Anbietern für die Altersüberprüfung oder den App-Store-Betreibern. (afp/red)
Parton gehörte zur Generation der Stars, die bis ins Alter unermüdlich auf der Bühne standen. - Foto: Carlos Osorio/AP/dpa
Über sich selbst sang Dolly Parton einst selbstironisch, sie sei „nur eine Hinterwäldler-Barbie mit zu viel Make-up und zu viel Haar“.
Doch Parton war weit mehr: In mehr als sechs Jahrzehnten im Musikgeschäft prägte sie entscheidend die Countrymusik, spielte in zahlreichen Filmen und Serien mit, war als Geschäftsfrau aktiv und engagierte sich für wohltätige Zwecke. Nun ist die „Königin der Countrymusik“ nach Angaben ihrer Familie im Alter von 80 Jahren gestorben.
US-Präsident Donald Trump würdigte sie als große Musikerin und Vorbild für Millionen von Menschen. Sie sei „eine der größten Countrysängerinnen aller Zeiten“ gewesen, schriebt Trump auf Truth Social. Zu ihren Ehren lasse er die US-Flagge ab Dienstagabend (Ortszeit Washington) überall in den Vereinigten Staaten für eine Woche auf halbmast setzen.
Partons Tod sei ein „Verlust für Millionen von Menschen“, schrieb Trump weiter. Er schloss seine Onlinebotschaft mit den Worten: „Ruhe in Frieden, Dolly! Die Welt liebt dich.“
Über 100 Millionen verkaufte Platten
Während ihrer über 60-jährigen Karriere mit knapp 50 Studioalben und mehr als 100 Millionen verkauften Platten stand Parton häufiger an der Spitze der Charts als jede andere Countrymusikerin.
Sie schrieb rund 3000 Songs, darunter zeitlose Country-Klassiker wie „Jolene“ und die Ballade „I Will Always Love You“, die in der Version von Whitney Houston zu einem der erfolgreichsten Hits aller Zeiten wurde.
Der Erfolg war ihr jedoch keineswegs in die Wiege gelegt: Dolly Rebecca Parton wurde am 19. Januar 1946 im ländlichen Sevierville im US-Bundesstaat Tennessee geboren und wuchs als viertes von zwölf Kindern in Armut auf. Bereits im Alter von zehn Jahren schrieb sie erste Songs und gab mit 13 Jahren ihr erstes Konzert.
„Wir waren arm wie Dreck“, erzählte sie immer wieder. Eine Hommage an ihre Kindheit kam mit dem Song „Coat of Many Colors“, in dem sie sich an einen von ihrer Mutter aus vielen Stoffresten genähten Mantel erinnerte. Der Hit wurde dann auch 2015 als Dolly-Biografie verfilmt.
Eine Empfehlung von Johnny Cash
Am Tag nach ihrem Highschool-Abschluss machte sich Parton auf den Weg nach Nashville, der Hauptstadt der Country-Musik. Dort machte sie rasch Karriere und gehörte dank ihrer Teilnahme an einer Fernsehshow mit 21 Jahren bereits zu den bekanntesten Persönlichkeiten der US-Musikszene.
Ein Herr mit Gitarre empfahl ihr, einfach ihrem Herzen zu folgen und Musik zu machen. Es war Johnny Cash. Also sang sie, am liebsten von ihrem Zuhause. Von der „Guten alten Zeit, als es uns schlecht ging“.
Die Welt trauert um die Country-Ikone Dolly Parton. (Archivbild)
Foto: Will Oliver/epa/dpa
Zu Partons Bühnenpersönlichkeit gehörten ihre platinblonden aufgebauschten Haare, starkes Make-up und ihre Sanduhrfigur. „Ich liebe Make-up, ich liebe Kleidung, und ich habe die nötige Persönlichkeit, um das durchzuziehen“, sagte sie in einem Interview. Offen bekannte Parton sich zu ihren Schönheitsoperationen und sagte selbstironisch, es koste „ein Vermögen, so billig auszusehen“.
10 Grammys, Country Music Hall of Fame und die Rock ’n Roll Hall of Fame
Einst wurde Parton im Fernsehen noch abschätzig als „eine der hübschesten, singfreudigsten kleinen Blondinen der Countrymusik“ vorgestellt. Sie selbst spielte mit dem Bild des dummen Blondchens, doch im Lauf ihrer über 60 Jahre umfassenden Karriere trotzte sie der von Männern dominierten Branche, indem sie ihren eigenen Regeln folgte. So behielt sie etwa alle Rechte für die von ihr geschriebenen Songs selbst.
Parton landete mit 26 Songs an der Spitze der Country-Hitparade und wurde mit zehn Grammys und zehn Preisen der Country-Akademie ausgezeichnet, zwei ihrer Songs erhielten Oscar-Nominierungen. Bereits 1999 wurde Parton in die Country Music Hall of Fame aufgenommen, 2022 dann auch in die Rock ’n Roll Hall of Fame. Das renommierte Kulturzentrum Kennedy Center in Washington ehrte sie 2006 für ihr Lebenswerk.
Mit eigenem Freizeitpark, Radiosender und Restaurants
Auch als Unternehmerin war Parton erfolgreich: Ihr eigener Freizeitpark namens Dollywood lockt jährlich Millionen von Besuchern nach Pigeon Forge in Tennessee. Zudem gründete sie einen Radiosender, Produktionsfirmen und Restaurants und schrieb gemeinsam mit dem Autor James Patterson den Bestseller „Run, Rose, Run“.
Parton, seit Jahrzehnten von Menschen unterschiedlichster Herkunft verehrt, machte auch als langjährige Philanthropin Schlagzeilen. Die Entwicklung des Corona-Impfstoffs der Firma Moderna unterstützte sie mit einer Spende über eine Million Dollar (rund 830.000 Euro), ein von ihr betriebenes Leseförderprogramm verteilte weltweit rund 100 Millionen Bücher an bedürftige Kinder. Auch als lautstarke Unterstützerin der LGBTQ-Gemeinschaft war Parton bekannt.
„Warum soll ich aussehen wie ein alter Hofhund, wenn ich nicht muss?“, hatte Parton einmal gesagt.
Foto: John Russell/AP/dpa
Parton hatte keine Kinder – in einem Interview sagte sie einmal, stattdessen müssten ihre Songs im Alter für sie sorgen. Ihr Ehemann Carl Dean hielt sich stets im Hintergrund abseits des Rampenlichts, bevor er 2025 nach mehr als 58 Jahren Ehe starb.
Der Verlust traf die Musikerin tief, so tief, dass sie monatelang keine Texte mehr schreiben konnte, wie sie öffentlich gestand. „Vielleicht später“, verriet sie in einem NBC-Interview. Dennoch veröffentlichte sie nur wenige Tage nach seinem Tod den Song „If you hadn’t been there“, um an ihren Mann zu erinnern. Darin fragt sie sich, wer und wo sie ohne ihn wäre. „I thank God and you, Oh, for your loving care.“
Zuletzt hatte Parton Zeit gesundheitliche Probleme. Im Herbst stürzte ihre Schwester die Fans in Sorge, als sie sie aufforderte, für die Country-Legende zu beten. „Ich bin noch nicht tot“, verkündete Dolly Parton daraufhin in einem Online-Video.
Dolly Partons Neffe Bryan Seaver würdigte seine Tante in einem Video auf Instagram als große Musikerin und Vorbild für Generationen von Menschen. Sie habe nicht nur für zahlreiche Musikerinnen und Musiker, sondern für „Träumerinnen und Träumer aus allen Lebensbereichen Türen geöffnet“, sagte er. (afp/dpa/red)
Ein Besucher trägt während der Consumer Electronics Show (CES) am 7. Januar 2025 in Las Vegas, Nevada, die Smart-Brille „Amazon Echo Frames“ mit Alexa. - Foto: Patrick T. Fallon/AFP via Getty Images
Die norwegische Regierung plant zufolge, die Nutzung sogenannter Smart Glasses und ähnlicher Geräte zu regulieren. Sie erwägt, die Gesichtserkennungs-Funktion für die Spezialbrillen zu verbieten.
Digitalministerin Karianne Tung teilte mit, sie wolle eine Expertengruppe einberufen, die die Regierung darin beraten solle, wie Verbraucher besser vor den neuen Technologien geschützt werden könnten. Sie rief zudem den öffentlichen und den privaten Sektor auf, eigene Richtlinien zu erwägen.
Schnittstellen zu KI – und Datenschutzbedenken
Smart Glasses werden von verschiedenen Herstellern in Kooperation mit Technologiekonzernen wie Meta oder Google angeboten. Sie sind unter anderem mit Kameras ausgestattet und können sich mit dem Internet verbinden.
Nutzern werden zudem Informationen über die Brillengläser angezeigt, die Geräte sollen etwa als Schnittstelle zu Anwendungen Künstlicher Intelligenz dienen. Ihr Einsatz stößt jedoch auf erhebliche Datenschutzbedenken.
Die Organisation HateAid möchte Datenbrillen verbieten lassen, mit denen man heimlich Videoaufnahmen erstellen kann. (Symbolbild)
Foto: Christoph Dernbach/dpa
Digitalministerin Tung erklärte weiter, es sei offensichtlich, dass das Privatleben der Menschen „unter Druck der neuen Technologien“ käme. „Ich möchte daher Smart Glasses und ähnliche Geräte strenger als bisher regulieren.“
Das könne bedeuten, dass Funktionen wie die Gesichtserkennung fremder Menschen verboten würden. Es müsse vermieden werden, dass durch die Kombination von KI und Kameras oder Mikrophonen in Alltagsgegenständen Menschen in der Öffentlichkeit überwacht würden.
Der für Digitalpolitik zuständige Leiter des Norwegischen Verbraucherrats, Finn Lützow-Holm Myrstad, begrüßte die Ankündigung der Ministerin. Er rief Händler auf, den Verkauf der Brillen einzustellen, bis rechtliche Klarheit herrsche. „Das Potenzial für Missbrauch ist gewaltig“, sagte Myrstad.
Deutschland: Geräte mit Kameras so nicht erlaubt
In Deutschland hatte die Organisation HateAid Strafanzeige gegen die Facebook-Mutter Meta sowie mehrere Brillenhändler und -hersteller wegen des Verkaufs von Smart Glasses in Deutschland gestellt.
„HateAid hält den Vertrieb der Meta-Smart-Glasses in Deutschland für strafbar“, teilte die Organisation vor knapp zwei Wochen mit. Das Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz verbiete es, „Geräte auf den Markt zu bringen, die als Alltagsgegenstand getarnt und dazu bestimmt sind, andere unbemerkt zu filmen oder abzuhören“.
Die Bundesnetzagentur hatte vor zwei Jahren gewarnt, dass smarte Geräte mit eingebauten Kameras in Deutschland nicht erlaubt seien, „wenn sie unbemerkt Audio- oder Videoaufnahmen erstellen können und diese an andere Geräte übertragen“.
Das gelte auch für smarte Brillen, „wenn diese keine optischen Warnzeichen oder akustischen Signale abgeben, die auf das Fotografieren oder das Filmen hinweisen“.
Laut dem Digitalbranchenverband Bitkom verfügen aktuelle Modelle „in aller Regel“ über eine LED, die im Aufnahmemodus aufleuchtet und dies für Umstehende erkennbar macht.(afp/red)
Die Trümmer eines zerstörten Hauses nach dem Tornado in Pomas im Südwesten Frankreichs am 25. August 2026. Nach Angaben der Präfektur gab es 39 Verletzte, von denen sich zwei in kritischem Zustand befanden, und 300 betroffene Häuser. - Foto: Idriss Bigou-Gilles/AFP via Getty Images
Ein Tornado hat im Südwesten Frankreichs ein Dorf weitgehend verwüstet. Bei dem Unwetter wurden in Pomas 39 Menschen verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich, wie die Behörden am Dienstag mitteilten.
Etwa 300 der knapp 480 Häuser wurden bei dem Wirbelsturm am Vortag beschädigt: Der Sturm deckte Dächer ab und ließ Gemäuer einstürzen. 39 Menschen wurden verletzt, 17 kamen ins Krankenhaus, zwei erlitten schwere Blessuren.
„Es war wie ein Luftangriff der Natur“, sagte der Bürgermeister Hervé Giné. Um 17:00 Uhr hätten die Kinder im Dorf noch das anstehende Dorffest vorbereitet, eine Stunde später sei das Dorf verwüstet gewesen, „wie im Krieg“, sagte der Bürgermeister. Auf einigen Grundstücken sei kein Stein auf dem anderen geblieben. Es sei ein Wunder, dass es keine Toten gegeben habe.
Diese Videoaufnahme aus Villefloure zeigt einen Tornado, der am 24. August 2026 das Dorf Pomas im Südwesten Frankreichs heimsuchte.
Foto: Cyrille Kaldor /UGC/AFP/AFP v ia Getty Images
An der Dorfschule blieben die Zeiger der Wanduhr auf kurz nach fünf Uhr stehen, dem Zeitpunkt der Ankunft des Tornados am Montagnachmittag. In den Gassen des Ortes lagen am Tag danach zahlreiche Trümmer verstreut. Es waren Dachziegel, entwurzelte Bäume, zerstörte Autos zu sehen. Die Häuser, die ihr Dach verloren hatten, waren bereits mit Plastikplanen abgedeckt.
Feuerwehrleute waren im Einsatz, um einsturzgefährdete Häuser zu sichern. Die Polizei sperrte die Zugangsstraßen zu dem Dorf, in dem etwa 1.000 Menschen leben. Der Ort steht unter Schock. „Man könnte meinen, wir wurden bombardiert“, sagt Anwohner Bruno im Sender BFMTV.„Alles muss neu gemacht werden, alles ist kaputt.“
„Es war Chaos“
Marie-Hélène Bouissac von der Präfektur Aude spricht von „einem außergewöhnlichen und für alle Anwohner sehr traumatisierenden Ereignis“. Am späten Montagnachmittag hatte der Tornado die Gemeinde getroffen. „Das ist so schnell gekommen, wir konnten nichts tun“, erzählt Anwohnerin Amandine dem Sender BFMTV.
Sie habe Gegenstände herumfliegen sehen und sich in Sicherheit gebracht. Der heftigste Teil des Unwetters habe nur wenige Minuten gedauert. „Ich bin wieder raus gegangen. Es war Chaos“, sagt die Frau unter Tränen.
Beschädigte Hausdächer in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. In dem Ort im Département Aude wurden mehrere Dächer abgedeckt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
„Es gibt keine Ziegel mehr, keine Dächer. Die Häuser, die ein Obergeschoss hatten, haben es verloren“, schildert Anwohner Fabien dem Sender „France Info“. „Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen beschreiben soll, so schwer ist es, das zu glauben.“
Ein weiterer Bewohner, dessen Haus schwer beschädigt wurde, sagt der Zeitung „Le Parisien“, es gehe auch nicht nur um die materiellen Schäden. Ein anderer Mann brüllt dem Blatt zufolge unter Tränen: „20 Jahre lang habe ich mir den Rücken krumm gemacht und ich habe kein Dach mehr. Ich habe kein Dach mehr.“
Ein zerstörtes Auto in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. Nach Angaben der Präfektur wurden 39 Menschen verletzt und rund 300 Häuser beschädigt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
7.200 Haushalte ohne Strom
„Es bricht mir das Herz, das zu sehen. Ich habe meine ganze Kindheit hier verbracht“, sagt Djibril Yazid, ein junger Mann aus dem Ort. Eine schwangere Frau war verletzt worden, als ihr Haus über ihr zusammenbrach, wie ihr Ehemann berichtete. Sie habe überlebt, weil sie durch ein Sofa geschützt gewesen sei. Ein junges Paar, das kurz vor der Hochzeit stand, suchte in den Trümmern seines Hauses nach den Eheringen.
Zahlreiche Bewohner des Dorfes, etwa 100 Kilometer südöstlich von Toulouse, hatten Schutz in Notunterkünften oder in benachbarten Gemeinden gesucht. In der südwestfranzösischen Region Languedoc-Roussillon waren am Montagvormittag 7.200 Haushalte ohne Strom.
Ein Tornado von seltener Intensität verwüstete am 25. August 2026 ein Dorf in Südfrankreich, verursachte weitreichende Zerstörungen und versetzte die Bewohner in Schock. Der Bürgermeister beschrieb die Folgen als „wie im Krieg“.
Foto: Idriss Bigou-Gilles/AFP via Getty images
Einsatzkräfte untersuchen Häuser
Wie stark die Schäden in Pomas insgesamt sind, ist bisher nicht klar. Einsatzkräfte sind vor Ort und nehmen die Häuser in Augenschein. Auch die Gebäude, die auf den ersten Blick nicht betroffen scheinen, untersuchen sie.
Bis man Gewissheit habe, habe man die Bewohner gebeten, ihre Häuser zu verlassen, sagt Bouissac. 1.400 Häuser in der Gegend sind nach dem Unwetter noch immer vom Strom abgeschnitten.
Wegen eines Hagelsturms war am Montag die dritte Etappe des Radrennens Vuelta a España abgebrochen worden, die durch das südostfranzösische Département Aude führte. Unwetter in ganz Südfrankreich führten zu Zugverspätungen, Straßensperrungen und Flugausfällen an mehreren Flughäfen. (dpa/afp/red)
Chinesische Rote Garden mit einem Porträt von Mao Zedong während der Kulturrevolution in Peking Ende der 1960er Jahre. (Archivbild) - Foto: AFP via Getty Images
Ein Gericht in China hat den regierungskritischen Künstler Gao Zhen wegen „Beleidigung von Helden und Märtyrern“ zu drei Jahren Haft verurteilt.
Die Richter in Sanhe in der nordchinesischen Provinz Hebei hätten damit die Höchststrafe gegen den 70-Jährigen verhängt, erklärte die Organisation „Chinese Human Rights Defenders“ (CHRD) am Dienstag, den 25. August. Gao hatte sich unter anderem kritisch mit Staatsgründer Mao Zedong auseinandergesetzt.
Die „Verhängung der Höchststrafe für dieses Delikt“ durch das Gericht in Sanhe verdeutliche „die Entschlossenheit der Behörden, andere von unabhängiger Kunstausübung abzuschrecken“, erklärte die China-Expertin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Sarah Brooks.
„Kein Künstler sollte strafrechtlich belangt werden, weil er Werke schafft, die offizielle Narrative hinterfragen oder zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte anregen“, fügte sie hinzu.
Gao Zhen und sein Bruder Gao Qiang waren Anfang der 2000er Jahre mit Kunstwerken bekannt geworden, die sich kritisch mit Mao, der Kulturrevolution und den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens auseinandersetzten.
Die Skulptur „Maos Schuld“ etwa zeigte den Staatsgründer in kniender Haltung auf dem Boden.
Gao war 2022 in die USA gezogen und 2024 bei einem Besuch in China festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Haft. (afp/red)
Nach der Instandsetzung fahren die Züge wieder planmäßig. - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Der Betonschacht unter der Brücke ist nur schwer zu erreichen. Eine steile Böschung führt hinab in ein abgelegenes Gelände am Stadtrand von Backnang. Die Kabel verlaufen unter der Brücke hindurch über wenige Meter entlang der Bahnstrecke.
Dort sollen Unbekannte mehrere Kabel durchtrennt und damit den Zugverkehr sowie die Internet- und Telefonversorgung in Teilen der Stadt beeinträchtigt haben.
Die Polizei geht von einer mutwilligen Tat aus. Deshalb ermittelt die Fachinspektion Staatsschutz wegen des Verdachts der Sabotage. An dem Schacht seien vermutlich Werkzeugspuren gesichert worden, sagte ein Polizeisprecher in Aalen.
Zudem sei nach DNA-Spuren gesucht worden. Wer hinter der Tat steckt und welches Motiv die Unbekannten gehabt haben könnten, war zunächst offen.
Bahn: Es gab dort keine Bauarbeiten
Einen Unfall bei Bauarbeiten hält die Polizei als Ursache für den Schaden an der Strecke nordöstlich von Stuttgart für eher unwahrscheinlich. „Der erste Anschein hat nicht nach einem Bagger ausgesehen, dem das aus Versehen passiert ist“, sagte der Polizeisprecher.
„Sondern es schaut aus, als habe das jemand mutwillig durchschnitten.“ Nach Angaben einer Bahn-Sprecherin gab es auf dem betroffenen Streckenabschnitt auch keine Bauarbeiten.
Diese wurde nach ihren Angaben am Sonntag durch eine Fehlermeldung auf den Schaden aufmerksam. Die beschädigten Kabel verursachten eine sogenannte Rotausleuchtung. Dieses Signal zeigt an, dass ein Gleisabschnitt oder eine Weiche von einem Zug besetzt oder blockiert ist – auch wenn tatsächlich kein Zug dort steht.
Beschädigte Kabel verursachten eine Rotausleuchtung: Das Signal zeigt einen belegten oder blockierten Gleisabschnitt an, obwohl dort kein Zug steht. (Symbolbild)
Foto: Ralph Orlowski/Getty Images
Reparatur in der Nacht
Der Schaden hatte nach Polizeiangaben zu Datenausfällen und Einschränkungen im Zugverkehr geführt. Auch die Internet- und Telefonversorgung in der rund 38.000 Einwohner zählenden Stadt Backnang war beeinträchtigt. Wie viele Züge betroffen waren und wie lange die Störungen insgesamt dauerten, war zunächst nicht bekannt.
Für die Reparatur der Kabel wurde die Strecke in der Nacht von Sonntag auf Montag vorübergehend gesperrt. Zwischen etwa Mitternacht und 3.30 Uhr konnten die Arbeiten an dem Betonschacht erledigt werden, teilte die Bahn mit. Nach ihren Angaben ist die Strecke inzwischen wieder frei, die Züge fahren an der betroffenen Stelle weitgehend pünktlich vorbei.
Polizei bittet um Hinweise
Die Ermittler suchen nun Menschen, die rund um die Bahnstrecke verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Dabei geht es insbesondere um Personen oder Fahrzeuge auf den Feld- und Wanderwegen in der Nähe des Betonschachts. Auch Hinweise auf mögliche Arbeiter, die durch mitgeführtes Werkzeug aufgefallen sein könnten, könnten für die Polizei wichtig sein. (dpa/red)
Der MDR unterbrach „Sachsen-Anhalt heute“ mit einem schwarzen Bildschirm und warnte damit vor einem möglichen Ende des Programms im Land. (Symbolbild) - Foto: Oleksandr Pastukh/iStock
Als Warnung vor den Folgen einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) eine Nachrichtensendung vorübergehend mit einem schwarzen Bildschirm unterbrochen.
„Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Keinen MDR mehr in Sachsen-Anhalt? Und damit auch kein MDR Sachsen-Anhalt heute? Das könnte passieren“, war am Montagabend während der Sendung
„MDR Sachsen-Anhalt heute“ auf schwarzem Hintergrund zu lesen und von einer Stimme im Off zu hören.
Panik beim ersten deutschen Staatsfernsehen! Das waren heute die Nachrichten des #MDR in Sachsen-Anhalt. Genau so gesendet! Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland macht der öffentlich-rechtliche Rundfunk offen Wahlkampf gegen eine Partei. Ein Tabubruch! #AfDpic.twitter.com/nnH61vqR1s
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AfD liegt in Umfragen vorn
Hintergrund der Aktion ist die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag kommender Woche. Die AfD liegt in den Umfragen derzeit weit vor der regierenden CDU.
Im Fall einer Regierungsübernahme will die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD unter anderem als erste Amtshandlung die Rundfunkstaatsverträge kündigen, die Grundlage für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind.
Dafür gelten Kündigungsfristen von zwei Jahren. Würde die Kündigung Ende 2028 wirksam, müsste zum 1. Januar 2029 die MDR-Fernsehsendung „Sachsen-Anhalt heute“ eingestellt werden. Auch das Radioprogramm des MDR in Sachsen-Anhalt und die Onlineberichterstattung durch den Sender müssten dann gestoppt werden.
Der MDR machte am Montag demnach auch an anderer Stelle mit kurzen Sendepausen und geschwärzten Bildern auf seiner Webseite darauf aufmerksam. MDR-Intendant Ralf Ludwig begründete dies damit, dass vielen Menschen in Sachsen-Anhalt die Konsequenzen einer Kündigung des Staatsvertrages nicht bewusst seien.
MDR sieht Auftrag gefährdet
Eine Kündigung würde „konkret bedeuten, dass es die Angebote des MDR für Sachsen-Anhalt, aus Sachsen-Anhalt heraus, dann ab 2029 nicht mehr geben würde, weil wir dann schlichtweg keinen Auftrag mehr haben“, sagte Ludwig in der Sendung am Montagabend.
Der MDR ist eine Drei-Länder-Anstalt von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ohne Sachsen-Anhalt würde aus dem MDR eine Zwei-Länder-Anstalt – laut Ludwig dann aber nur mit „einem deutlich eingeschränkten Angebot, weil die Finanzierung aus Sachsen-Anhalt fehlt“. (afp/red)
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußert sich zum Auftakt der Kabinettsklausur im Schloss Neuhardenberg auch über den Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne in Leipzig. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Kanzler Friedrich Merz hat angekündigt, dass sich die Bundesregierung demnächst zu Erkenntnissen über die Urheber des Vorfalls mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle am 4. August äußern will.
Bei der Klausur des schwarz-roten Kabinetts auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg werde es nicht um die Zuordnung des Angriffs gehen, sagte der CDU-Chef zum Auftakt des zweitägigen Treffens östlich von Berlin zwar. Er ergänzte aber, daran arbeite man mit den Sicherheitsbehörden intensiv und fügte hinzu: „Wir werden das in Kürze auch darlegen und uns dazu äußern.“
Kanzler: „Deutschland bleibt ein sicheres Land“
Unter anderem der Drohnenangriff in Leipzig zeige, dass Deutschland „ganz handfest bedroht“ sei, sagte Merz. „Wir haben Probleme, die zum Teil von außen kommen und die wir nicht ignorieren dürfen“, wozu nicht zuletzt das Thema Sicherheit gehöre.
„Deutschland ist stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer gerückt.“ Der Kanzler sagte: „Angreifer nehmen zunehmend skrupellos auch schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf.“
Der Vorfall von Leipzig zeigt nach Ansicht von Merz, dass es richtig gewesen sei, dass die Bundesregierung vieles auf den Weg gebracht habe, um das Land und seine Bevölkerung gegen hybride Angriffe besser zu schützen.
„Deutschland bleibt ein sicheres Land“, betonte der Kanzler. Die Bundesregierung stärke deshalb den Schutz, zuletzt durch die Einrichtung des Drohnenzentrums in Magdeburg.
Die Zahl der Drohnensichtungen an deutschen Flughäfen ist im ersten Halbjahr deutlich gestiegen. (Archivbild)
Foto: Jan Woitas/dpa
Merz: Urheber hybrider Angriffe werden bezahlen
Deutschland schrecke außerdem ab, indem die Bundesregierung Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auferlege, sagte Merz. „Sie werden dafür bezahlen“, kündigte er an. Dies sei wichtiges Ziel des im August vom Kabinett beschlossenen Gesetzespaketes zu den Nachrichtendiensten.
Zudem halte die Bundesregierung Kurs und setze die Unterstützung der Ukraine in deren Abwehr des Angriffskriegs Russland „mit langem Atem fort“, um Friedensgespräche zu erzwingen.
Die Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle war am Abend des 4. Augusts im Sicherheitsbereich zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden.
Die Bundesanwaltschaft sprach von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte später: „Leipzig ist kein singulärer Fall, sondern Leipzig ist Teil eines größeren Gebildes, mit dem wir es zu tun haben.“ Es besteht zwar die Vermutung, dass Russland dahintersteckt, geklärt ist die Urheberschaft aber nicht. (dpa/red)
Ein Tornado, der am 24. August 2026 das Dorf Pomas im Südwesten Frankreichs trifft. Dabei wurden mehrere Dächer abgedeckt. - Foto: Cyrille Kaldor / UGC / AFP / AFP via Getty Images
Nachdem ein Tornado eine südfranzösische Gemeinde verwüstet hat, steht der Ort unter Schock. „Man könnte meinen, wir wurden bombardiert“, sagt Anwohner Bruno im Sender BFMTV.
„Alles muss neu gemacht werden, alles ist kaputt.“ 300 Häuser der Ortschaft Pomas in den Ausläufern der Pyrenäen wurden von dem Unwetter beschädigt. 39 Menschen wurden verletzt, 17 kamen ins Krankenhaus, 2 erlitten schwere Blessuren.
„Es war Chaos“
Marie-Hélène Bouissac von der Präfektur Aude spricht von „einem außergewöhnlichen und für alle Anwohner sehr traumatisierenden Ereignis“. Am späten Montagnachmittag hatte der Tornado die Gemeinde getroffen. „Das ist so schnell gekommen, wir konnten nichts tun“, erzählt Anwohnerin Amandine dem Sender BFMTV.
Sie habe Gegenstände herumfliegen sehen und sich in Sicherheit gebracht. Der heftigste Teil des Unwetters habe nur wenige Minuten gedauert. „Ich bin wieder raus gegangen. Es war Chaos“, sagt die Frau unter Tränen.
Beschädigte Hausdächer in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. In dem Ort im Département Aude wurden mehrere Dächer abgedeckt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
„Es gibt keine Ziegel mehr, keine Dächer. Die Häuser, die ein Obergeschoss hatten, haben es verloren“, schildert Anwohner Fabien dem Sender France Info. „Ich weiß nicht, wie ich es Ihnen beschreiben soll, so schwer ist es, das zu glauben.“
Ein weiterer Bewohner, dessen Haus schwer beschädigt wurde, sagt der Zeitung „Le Parisien“, es gehe auch nicht nur um die materiellen Schäden. Ein anderer Mann brüllt dem Blatt zufolge unter Tränen: „20 Jahre lang habe ich mir den Rücken krumm gemacht und ich habe kein Dach mehr. Ich habe kein Dach mehr.“
Ein zerstörtes Auto in Pomas nach dem Tornado vom 24. August 2026. Nach Angaben der Präfektur wurden 39 Menschen verletzt und rund 300 Häuser beschädigt.
Foto: Idriss Bigou-Gilles / AFP via Getty Images
Einsatzkräfte untersuchen Häuser
Wie stark die Schäden in Pomas insgesamt sind, ist bisher nicht klar. Einsatzkräfte sind noch immer vor Ort und nehmen die Häuser in Augenschein. Auch die Gebäude, die auf den ersten Blick nicht betroffen scheinen, untersuchen sie.
Bis man Gewissheit habe, habe man die Bewohner gebeten, ihre Häuser zu verlassen, sagt Bouissac. 1.400 Häuser in der Gegend sind nach dem Unwetter noch immer vom Strom abgeschnitten. Auch im Flugverkehr, auf der Straße und bei Zügen kam es wegen des Unwetters am Vortag zu Einschränkungen. (dpa/red)
Bundeskanzler Friedrich Merz will aus den Folgen von Trockenheit, Hitze, Waldbränden und Ernteausfällen langfristige Lehren ziehen. (Archivbild) - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich vor Beginn der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg zur Notwendigkeit des Kampfes gegen die Erderwärmung bekannt.
„Wir müssen den Klimawandel weiter eindämmen und zugleich unser Land besser an die Folgen des Klimawandels anpassen“, sagte Merz in seinem Auftaktstatement am Dienstag. Darüber solle am Mittwoch im Kabinett beraten werden.
Lehren aus dem Hitzesommer
Es gehe darum, „vor allem die langfristigen Lehren aus Extremsituationen wie diesem Hitzesommer zu ziehen“, sagte der Kanzler. „Denn Trockenheit, Hitze, Waldbrände und Ernteausfälle führen uns vor Augen, dass konkreter Handlungsbedarf besteht.“ Er verwies auf damit verbundene „große Schäden“.
„Gesundheit, Krankenhäuser, Altenheime, die Landwirtschaft, es gibt kaum einen Lebensbereich, der nicht betroffen ist“, sagte Merz mit Blick auf Hitze und Dürre sowie deren Folgen.
Er verwies dabei auf seinen Besuch im Waldbrandgebiet bei der Gemeinde Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen am vergangenen Wochenende, wo er sich ein Bild von der Lage gemacht habe.
Im Kabinett solle es an diesem Mittwoch zunächst darum gehen, dass die einzelnen Ressorts über ihre Einschätzungen dazu berichten und die Regierung daraus gemeinsam Schlussfolgerungen ziehe. Dies solle dann in weiteren Kabinettssitzungen in konkrete Entscheidungen umgesetzt werden, kündigte der Kanzler an.
Kritik an Klimapolitik der Regierung
Merz war wiederholt vorgeworfen worden, sich nicht hinreichend mit dem Klimawandel und dessen Folgen zu befassen. Zudem werfen Umweltverbände, Grüne und Linkspartei der Regierung vor, vielmehr Klimaschutz-Regeln in unterschiedlichen Bereichen aufzuweichen und abzuschwächen.
Bei seinem Besuch in Hürtgenwald war der Kanzler mit einem Pfeifkonzert empfangen worden. Forderungen, Klima- und Hitzeschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz zu verankern, lehnen CDU und CSU bislang ab. (afp/red)
Viele Einkäufe werden bargeldlos bezahlt, oft kontaktlos quasi im Vorbeigehen. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Die Girocard zum bargeldlosen Bezahlen an Deutschlands Ladenkassen hat im ersten Halbjahr Rekordzahlen erzielt. Rund 4,21 Milliarden Mal nutzten Verbraucher die Karte wie Euro Kartensysteme mitteilte. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent übertroffen. Im Gesamtjahr 2025 waren 8,3 Milliarden Girocard-Transaktionen gezählt worden.
Vor allem das kontaktlose Bezahlen boomt, viele Nutzer haben die Girocard zusätzlich in ihre digitalen Geldbörsen im Smartphone integriert. Im Juni wurden 92 Prozent aller Bezahlvorgänge mit der Girocard im Vorbeigehen erledigt.
Die Daten zur Abwicklung der Bezahlung werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn Kunden Karte beziehungsweise Smartphone oder Smartwatch nah an das Gerät halten. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig.
Auch Kleinstbeträge werden zunehmend mit Karte bezahlt
Inzwischen gibt es fast 1,4 Millionen Bezahlterminals im Einzelhandel in Deutschland und die Girocard kommt zunehmend auch bei kleineren Beträgen zum Einsatz: in der Bäckerei, am Kiosk, am Automaten.
Seit Jahren sinkt daher der Durchschnittsbetrag, der mit der Girocard beglichen wird. Im ersten Halbjahr 2026 ging es weiter nach unten auf 36,12 Euro.
Die gesamten Umsätze mit der Girocard summierten sich nach Angaben der Frankfurter Einrichtung Euro Kartensysteme in den ersten sechs Monaten auf 151,9 Milliarden Euro nach 150,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.
In Deutschland sind etwa 100 Millionen Girocards im Umlauf. Die Karte, die oft noch „EC-Karte“ genannt wird, ist beim Bezahlen ohne Schein und Münze hierzulande das am meisten genutzte Zahlungsmittel.
Weitere Anwendungsmöglichkeiten sollen die Girocard noch attraktiver machen, wie Christopher Kirsch, Direktor Produktentwicklung Girocard bei Euro Kartensysteme, im Juni der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt sagte.
Voraussichtlich ab Frühjahr 2027 werden demnach sogenannte In-App-Zahlungen möglich sein, also die Nutzung der Girocard zum Bezahlen direkt in den Apps von Händlern. Zudem ist für nächstes Jahr geplant, dass die Girocard anstelle einer Kreditkarte genutzt werden kann, um einen Mietwagen zu buchen oder ein Hotelzimmer zu reservieren. (dpa/red)
AOK-Chefin befürchtet Milliardendefizit in den Pflegekassen auch 2027. (Symbolbild) - Foto: picture alliance / dpa
Die AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann hat sich für einen Finanzausgleich zwischen der gesetzlichen und der privaten Pflegeversicherung ausgesprochen. Die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen sei in der privaten Pflegeversicherung deutlich geringer als in der gesetzlichen Pflegeversicherung, sagte Reimann der Funke-Mediengruppe.
„Das drohende Loch umfasst also über ein Zehntel des gesamten Ausgabenvolumens der sozialen Pflegeversicherung von 70 Milliarden Euro pro Jahr und erscheint somit noch dramatischer als das Finanzproblem der GKV“, sagte Reimann. Das für dieses Jahr vom Bund bereitgestellte Darlehen von 3,2 Milliarden Euro werde voraussichtlich nicht ausreichen. „Wir gehen davon aus, dass das Darlehen nicht bis zum Ende des Jahres reicht.“
Milliarden-Defizit erwartet
Für 2027 zeichne sich in der gesetzlichen Pflegeversicherung ein Defizit von rund acht Milliarden Euro ab, sagte Reimann. Wenn die Finanzierung nicht schnell stabilisiert werde, werde es zu weiteren Beitragssatzanhebungen kommen – „es sei denn, man trifft andere Maßnahmen oder stellt zusätzliche Mittel aus dem Bundeshaushalt bereit“.
Reimann sprach sich dafür aus, gesamtgesellschaftliche Aufgaben der Pflegeversicherung aus Steuermitteln zu finanzieren. Dazu zählt sie auch die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige.
Die AOK-Chefin begrüßte die Entscheidung von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), die geplanten Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige nicht mitzutragen.
„Es ist ein gutes Signal, dass sich der neue Minister bei diesem Thema gleich so klar positioniert hat“, sagte Reimann.
5,7 Millionen Menschen seien pflegebedürftig, 86 Prozent würden zu Hause gepflegt, „zu großen Teilen von Angehörigen“. Gerade dort die Rentenversicherungsbeiträge zu reduzieren, sei „der komplett falsche Weg“.
Große Pflegereform geplant
Die Bundesregierung plant eine große Pflegereform. Für einen ersten Entwurf hatte die damalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) viel Kritik geerntet – auch weil die Eigenanteile für Pflegebedürftige weiter steigen dürften.
Nach dem Kabinettsumbau muss nun Warkens Nachfolger Linnemann trotz starken Gegenwinds das Vorhaben zu Ende bringen. (afp/dts/dpa/red)
Junge Leute mit Smartphone (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Jugendliche und junge Erwachsene sehen die eigenen Aufstiegschancen immer pessimistischer.
Wie der Jugendfinanzmonitor 2026 der Wirtschaftsauskunftei Schufa Holding ergab, über den die „Frankfurter Rundschau“ von Ippen Media berichtet, glauben nur noch 40 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in Deutschland, künftig einen gleich hohen oder gar höheren Lebensstandard erreichen zu können als die Generation vor ihnen. 2018 waren es noch 72 Prozent in dieser Altersgruppe.
Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Schufa im Juni und Juli 1.010 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren.
Auch berufliche Perspektiven skeptisch gesehen
Die junge Generation ist den Ergebnissen zufolge auch mit Blick auf ihre beruflichen Perspektiven pessimistisch: Nur 52 Prozent glauben, auch in Zukunft wie frühere Generationen die Chance auf eine gute und sichere Beschäftigung zu haben. 2018 lag dieser Wert noch bei 71 Prozent.
Eigene finanzielle Lage überwiegend positiv
Die aktuelle eigene finanzielle Situation bewertet die junge Generation laut Schufa-Monitor hingegen überwiegend positiv. 68 Prozent sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder sehr zufrieden, 82 Prozent kommen nach eigener Einschätzung gut oder sehr gut mit ihrem Geld aus.
39 Prozent der 16- bis 17-Jährigen haben weniger als 100 Euro im Monat zur Verfügung. Erwerbstätige junge Menschen verfügen laut der Befragung im Durchschnitt über 1.332 Euro.
Das Thema Geld wird im Schulunterricht derweil präsenter, wie die Befragung zeigt. Fast die Hälfte der 16- bis 17-Jährigen (46 Prozent) hat bereits mit Finanzthemen im Unterricht zu tun gehabt – neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei den 18- bis 21-Jährigen kennen 29 Prozent Finanzthemen aus dem Schulunterricht, bei den 22- bis 25-Jährigen sind es 28 Prozent.
92 Prozent der jungen Generation zwischen 16 und 25 Jahren wünschen sich, dass Themen rund um Finanzen und wirtschaftliche Zusammenhänge ausführlich in der Schule vermittelt werden.
„Finanzkompetenz ist ein wichtiger Schlüssel zur Teilhabe. Dass immer mehr jungen Menschen Finanzthemen bereits im Unterricht begegnen, ist eine wichtige und ermutigende Entwicklung“, sagte Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der Schufa, der „Frankfurter Rundschau“.
Deutschland hinkt international hinterher
An den Lehrplänen habe sich in den vergangenen Jahren aber kaum etwas geändert, sagte Carmela Aprea, Wirtschaftspädagogin und Mitglied des Schufa-Verbraucherbeirats: „Gleichzeitig ist das Bewusstsein für die Bedeutung der finanziellen Bildung größer geworden, auch im Bewusstsein von Lehrkräften, die vorhandene Freiräume der Lehrpläne nutzen.“
Deutschland hinkt beim Thema im internationalen Vergleich hinterher. 2023 hatten Finanzministerium und Bildungsministerium den Startschuss für eine entsprechende Bildungsinitiative gegeben – als letztes der G20-Länder.
Umgesetzt sind die Planungen für eine nationale Finanzbildungsstrategie allerdings bislang nicht. (dts/red)
KI-generierte Musik bleibt erlaubt, vollständig von KI erschaffene Songs sollen künftig aber nicht mehr in die australischen Aria-Charts aufgenommen werden. (Symbolbild) - Foto: Jun / iStock
Von Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugte Musik hat künftig keinen Platz mehr in den australischen Charts. Die neuen Richtlinien sollen „den menschlichen Ursprung des künstlerischen Schaffens“ schützen, wie die Australian Recording Industry Association (Aria) am Dienstag mitteilte. Nach Angaben des Branchenverbands treten die Änderungen am Freitag in Kraft.
KI-Einsatz bleibt erlaubt
Demnach müssen die in den Charts gelisteten Lieder „im Wesentlichen von Menschen geschaffen“ worden sein. Der Einsatz von KI ist zwar nicht verboten. Vollständig von KI erschaffene Musik wird künftig aber nicht mehr in die Aria-Charts aufgenommen.
Im Juli hatte eine Cover-Version von Madonnas „Like a Prayer“ die Spitze der australischen Charts erobert. Später kam heraus, dass der Gesang und das Schlagzeug von KI generiert wurden.
Mehrere Branchenverbände hatten im Juli ein System zur Kennzeichnung von Musik vorgestellt, die ganz oder teilweise mit Künstlicher Intelligenz erschaffen wurde. Das freiwillige Kennzeichnungssystem ist für eine weltweite Einführung konzipiert und soll auch bei Streamingdiensten zum Einsatz kommen.
Streamingdienste reagieren
Der Streamingdienst Deezer hat bereits eine Kennzeichnung für KI-generierte Musik eingeführt. Nach Angaben von Deezer wird Künstliche Intelligenz bereits in fast jedem zweiten auf der Plattform neu veröffentlichten Song eingesetzt.
Spotify kündigte kürzlich an, ab Mitte September KI-generierte Profile als „AI Persona“ zu kennzeichnen. (afp/red)
Das Smartphone zeigt uns den Weg, die Kontrolle liegt bei uns. - Foto: Nature/iStock
Vor ein paar Tagen fuhr ich etwa 3 Kilometer von der Ranch weg, um mich mit einem Amazon-Zusteller zu treffen. Er hatte ein Paket für mich. Mein Name stand auf dem Karton. Es lag direkt dort in seinem Lieferwagen, aber er durfte es mir nicht aushändigen. Er erklärte mir, dass er es erst scannen dürfe, wenn er genau an der Stelle angekommen sei, an der der Pin auf seinem Bildschirm angezeigt würde.
Ich schlug ihm vor, einen Blick auf meinen Führerschein zu werfen. Mein Name stimmte mit dem auf dem Paket überein. Ich stand auf meinem eigenen Grundstück. Ich war gern bereit, meine Identität nachzuweisen.
Er entschuldigte sich, sagte aber, dass er das leider nicht machen könne.
Also fuhren wir hintereinander zur Ranch zurück. Ich fuhr voraus und er folgte dem blauen Punkt.
Als wir den Ort schließlich erreichten, befand sich der Markierungspunkt nicht einmal bei meinem Haus. Er war beim Restaurant erschienen. Das Paket war an meine Privatadresse adressiert, aber auf der Karte war offenbar eine andere Adresse angegeben. Am Ende telefonierten wir mit dem Kundenservice und versuchten, dem Mitarbeiter zu erklären, wo ich tatsächlich wohne.
Vor fünf Jahren hätte mir derselbe Fahrer das Paket einfach an der Einfahrt übergeben und seinen Arbeitstag fortsetzen können.
Ich erzähle diese Geschichte nicht, weil ich glaube, der Fahrer hätte etwas falsch gemacht. Er tat genau das, was das System von ihm verlangte. Was mich jedoch verblüffte, war, dass ein Punkt auf einem Bildschirm vertrauenswürdiger geworden war als eine Frau, die vor ihm stand – auf ihrem eigenen Grundstück – und einen Ausweis in der Hand hielt, auf dem derselbe Name stand wie auf dem Paket.
Die Technologie, die uns eigentlich helfen sollte, einander zu finden, hatte uns nun voneinander getrennt.
Ein Freund von mir in New York erzählte mir kürzlich von einem Kollegen, der mit dem Auto voll in ein Haus gefahren war. Zu seiner Verteidigung sagte er, das Navi habe die Kurve in der Straße nicht angezeigt und es habe keine Schilder gegeben, die ihn davor gewarnt hätten.
Seit wann erwarten wir nicht mehr, dass Autofahrer tatsächlich fahren? Dass sie durch die Windschutzscheibe schauen, statt davon auszugehen, dass die Karte bereits alles für sie gesehen hat?
Auf unserer Ranch gibt es eine ähnliche Situation. Unser Grundstück hat mehrere Eingänge, aber nur einer ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir haben aus allen Richtungen mehr als 15 Schilder aufgestellt: mit Pfeilen, mit Firmennamen, mit der Aufschrift „Hofladen in Sicht“, „Restaurant kommt gleich“ oder „Sie sind fast da“.
Dennoch fährt fast jede Woche jemand selbstbewusst auf ein verschlossenes Tor einer benachbarten Ranch zu, weil das Handy ihm anzeigt, dass er angekommen ist. Er kann sehen, dass das Tor geschlossen ist. Er kann Schilder sehen, die in eine andere Richtung weisen. Und doch sitzt er da und wartet darauf, dass das Handy seine Meinung ändert.
Wir haben aber auch noch ein ganz anderes Problem. Eine der Karten-Apps leitet die Leute nicht nur zum falschen Tor, sondern sogar zu einem völlig anderen Haus, das fast 6 Kilometer entfernt ist.
Der Hausbesitzer ist verständlicherweise frustriert. Er hat mich wütend angerufen und die Polizei verständigt. Ich habe mich ihm gegenüber unzählige Male entschuldigt. Ich habe dem Unternehmen eine E-Mail geschrieben, mich an den Kundenservice gewandt und Stunden in Onlinechats damit verbracht, zu erklären, dass die Karte falsch ist. Aber ich habe keinen Einfluss auf die Karte. Ich kann den Pin nicht einfach verschieben. Ich bin genauso auf die Technologie angewiesen wie alle anderen auch.
So etwas ist mir auch schon in einem anderen Zusammenhang passiert.
Als ich das Angebot meiner kalifornischen Restaurants von veganer Küche auf tierische Produkte aus regenerativer und lokaler Erzeugung – Fleisch, Eier und Milchprodukte – umstellte, wurden diese auf Google und Yelp aufgrund koordinierter Onlinekampagnen wiederholt als „endgültig geschlossen“ gekennzeichnet.
Die Restaurants waren jedoch nicht geschlossen. Sie waren voller Gäste. Jedes Mal, wenn das geschah, verbrachte ich Tage damit, die Einträge zu korrigieren. Irgendwann wurden sie zwar wiederhergestellt, aber der Schaden war bereits angerichtet. Wenn das Smartphone anzeigt, dass ein Restaurant dauerhaft geschlossen ist, fahren die meisten Menschen nicht extra hin, um zu überprüfen, ob das stimmt. Sie glauben einfach, was auf dem Bildschirm steht.
Die digitale Version der Realität war mächtiger geworden als die Realität selbst.
Ich sage das nicht, weil ich Technologie für schlecht halte. Ich nutze Satellitennavigation (GPS) fast jeden Tag. Auf einer großen Ranch, auf der Gäste, Auftragnehmer, Lieferfahrer und Besucher kommen und gehen, ist sie unglaublich nützlich.
Aber langsam frage ich mich, was passiert, wenn ein Werkzeug mehr als nur ein Werkzeug wird.
Als man noch nach Straßenkarten fuhr …
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als es noch kein GPS gab. Wer damals in Los Angeles mit dem Auto unterwegs war, hatte höchstwahrscheinlich irgendwo im Auto einen Straßenführer dabei. Ich jedenfalls hatte einen. Man lernte die Stadt kennen – eine falsche Abzweigung, ein Orientierungspunkt und eine Karte nach der anderen aus diesem Atlas. Irgendwann brauchte man ihn nicht mehr so oft, weil sich die Karte aus dem Buch in den Kopf eingeprägt hatte.
Mein Mann ist zwölf Jahre jünger als ich und hat erst nach mir das Autofahren gelernt. Eines Tages erwähnte ich, dass auf den meisten Straßen die geraden Hausnummern auf der einen Seite und die ungeraden auf der anderen Straßenseite liegen. Wenn man die gesuchte Adresse kennt, weiß man also bereits, auf welche Straßenseite man achten muss. Er sah mich an und gab zu, dass er noch nie darüber nachgedacht hatte. Da wurde mir klar, warum. Wenn man schon immer mit GPS gefahren ist, warum sollte man es dann selbst können? Das Handy weiß es ja, also gab es nie einen Grund, es selbst zu lernen.
Die analoge Navigation funktionierte noch mit Landkarte und Kompass.
Foto: betterinall/iStock
Über Fähigkeiten und Eigenverantwortung
Das ist der stille Preis einer Technologie, die wirklich gut funktioniert. Nicht, dass sie uns im Stich lässt, sondern dass sie so erfolgreich ist, dass wir aufhören, die Fähigkeiten zu entwickeln, die sie still und leise ersetzt.
Es gibt bereits Augmented-Reality-Brillen, die versprechen, digitale Informationen direkt vor unsere Augen zu projizieren. Die Navigation wird dann nicht mehr nur auf dem Armaturenbrett oder in unseren Händen stattfinden, sondern in die reale Welt eingeblendet werden.
Ich weiß nicht genau, wohin das alles führen wird. Vielleicht werden einige dieser Technologien unser Leben verbessern, vielleicht auch nicht. Aber eines ist klar: Wir müssen präsent bleiben und die Kontrolle behalten.
Wir müssen das Auto immer noch selbst fahren. Wir müssen immer noch die Schilder lesen. Und wir müssen immer noch merken, wenn etwas keinen Sinn ergibt. Wir müssen immer noch einem anderen Menschen in die Augen schauen und entscheiden, ob das, was wir vor uns sehen, vertrauenswürdiger ist als das, was uns ein Bildschirm sagt.
Auf einer Ranch kann etwas schiefgehen, wenn man nicht aufpasst. Ein Zaun bricht zusammen. Ein Kalb wird krank. Das Wasser fließt nicht mehr. Verantwortungsbewusstes Handeln beginnt damit, das wahrzunehmen, was direkt vor einem liegt. Und ich glaube nicht, dass das nur auf einer Ranch gilt.
Technologie sollte uns helfen, uns in der Welt zurechtzufinden, und uns nicht die Verantwortung abnehmen, die Welt selbst zu erleben.
Die Kurve in der Straße ist immer noch da. Das geöffnete Restaurant gibt es immer noch. Das richtige Tor befindet sich immer noch dort.
Und auf meiner Ranch gibt es mehr als 15 Schilder, die den Menschen genau den Weg weisen, den sie gehen müssen.