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Wissenschaftlich fundiert: Zehn Gewohnheiten für mehr Glück

Ist Glück nur eine Frage des Zufalls? Die Forschungsergebnisse deuten glücklicherweise auf etwas anderes hin.
Glück wird immer etwas Geheimnisvolles an sich haben. Es ist eher etwas, das uns zuteilwird, als etwas, das wir selbst erschaffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir machtlos sind, glücklicher zu werden. Im Gegenteil: Wahres Glück hängt viel von unseren Entscheidungen ab, sodass wir es bis zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen können.
Glück ist nicht in erster Linie ein Gefühl – ein Bereich unseres Lebens, über den wir wenig Kontrolle haben.
„Die meisten Menschen betrachten Glück als ein Gefühl: etwas, das eintritt, wenn die Umstände stimmen, und verschwindet, wenn sie nicht stimmen. Doch die Erkenntnisse der Psychologie der letzten zehn Jahre zeichnen ein anderes Bild“, schrieb der Psychologe Mark Travers in einem Artikel für „Psychology Today“. Und weiter ebenda: „Glück ist nicht in erster Linie ein Stimmungszustand. Es ist ein Ergebnis, das sich aus der Struktur deines Lebens, den Entscheidungen, die du konsequent triffst, und dem Umfeld, in dem du lebst, ergibt.“
Menschen gestalten ihr Leben in erster Linie durch Gewohnheiten. Wir stellen Ihnen zehn wissenschaftlich belegte Gewohnheiten vor, die das Glücksempfinden fördern.

Pflegen Sie enge Beziehungen

Die Harvard-Studie zur Erwachsenenentwicklung ist die längste Studie zum menschlichen Glück, die jemals durchgeführt wurde. Sie begleitete eine Generation von Männern über 80 Jahre hinweg, beginnend in den 1930er-Jahren, und erfasste dabei alle möglichen Informationen über ihr Leben sowie ihre körperliche und geistige Gesundheit. Die Studie wurde inzwischen erweitert und umfasst nun auch einige Kinder der ursprünglichen Generation sowie eine weitere Kohorte von Männern, die in den 1970er-Jahren aus den Innenstadtvierteln von Boston rekrutiert wurden.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser groß angelegten Studie ist, dass von allen einzelnen Faktoren die Stärke der eigenen Beziehungen den größten Einfluss auf Glück und Gesundheit hat.
Die „Harvard Gazette“ berichtete: „Die Studie ergab, dass enge Beziehungen, mehr noch als Geld oder Ruhm, die Menschen ihr Leben lang glücklich machen. Diese Bindungen schützen Menschen vor den Unzufriedenheiten des Lebens, verzögern den geistigen und körperlichen Abbau und sind bessere Indikatoren für ein langes und glückliches Leben als die soziale Schicht, der IQ oder sogar die Gene.“
Das bedeutet, dass der Aufbau von Gewohnheiten, die die Verbindung zu anderen Menschen fördern, der Schlüssel zu langfristiger Erfüllung ist.

Gehen Sie über Small Talk hinaus

Diese Gewohnheit knüpft an die vorherige an, indem sie die Bedeutung tiefer menschlicher Verbindungen betont. Small Talk hat natürlich seinen Platz, sollte aber im Allgemeinen als Brücke zu tieferen Gesprächsthemen dienen – Themen, die zwischenmenschliche Beziehungen stärken und vertiefen.
Eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab, dass ein höheres Wohlbefinden mit weniger Small Talk und mehr tiefgründigen Gesprächen einherging. Natürlich ist es nicht immer einfach, tiefere Gespräche anzustoßen. Deshalb haben wir zwei Listen mit Fragen zusammengestellt, die zu gehaltvolleren Gesprächen mit den Menschen anregen sollen, die Ihnen am Herzen liegen.

Genießen Sie regelmäßig kleine Freuden

Das Leben besteht aus den kleinen Dingen. Scheinbar unbedeutende Freuden, die über die Tage und Wochen verteilt sind, können einen überproportional großen Einfluss auf das Glücksempfinden haben. Einfache Aktivitäten wie eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, einen kurzen Spaziergang an einem schönen Tag machen, einem Hobby nachgehen oder sich zu einem kurzen Mittagessen mit einem geliebten Menschen verabreden, können laut Forschungsergebnissen Stress reduzieren, die Widerstandsfähigkeit stärken und letztlich zum Glück beitragen.
Das soll nicht heißen, dass große Freuden und Erfolge für das Wohlbefinden unwichtig sind. Sie neigen jedoch dazu, die kleinen, beständigen Freuden zu überschatten, die in den Alltag eingewoben sind. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass beständige kleine Freuden einen sogar größeren kumulativen Einfluss auf das allgemeine Glücksempfinden haben als gelegentliche große.
„Das Schöne an den kleinen Momenten ist, dass sie für jeden zugänglich sind“, schrieb der pädiatrische Neuropsychologe Sam Goldstein auf seiner Website. „Indem wir uns darin üben, diese Momente wahrzunehmen und zu schätzen, entwickeln wir eine Gewohnheit des Glücks, die über äußere Umstände hinausgeht.“
Sich Zeit zu nehmen, die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern. Foto: ifatum/iStock

Sich Zeit zu nehmen, um die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern.

Foto: ifatum/iStock

Erleben Sie statt zu besitzen

Generell gilt: Geld für Erlebnisse auszugeben, macht glücklicher als Geld für Dinge auszugeben. Das könnte einerseits daran liegen, dass Erlebnisse eine tiefere psychologische Wirkung haben und wir dazu neigen, sie immer wieder neu zu erleben und zu genießen. Andererseits sind Erlebnisse meist sozialer Natur, was bedeutet, dass sie eine Vertiefung der Verbindung zu anderen fördern.
Allerdings sind nicht alle bereichernden Erlebnisse angenehm. Einige Erlebnisse, die letztendlich unser Wohlbefinden steigern, stellen uns laut Forschungsergebnissen im Moment vor Herausforderungen.
„Ein psychologisch reichhaltiges Leben ist nicht unbedingt einfach oder angenehm“, schrieb Mark Travers. „Es zeichnet sich durch Neuartigkeit, Komplexität, Wachstum und perspektivverändernde Erlebnisse aus. Erlebnisse wie Reisen, kreative Herausforderungen, schwieriges Lernen und freiwilliges Unbehagen sorgen nicht immer für maximalen unmittelbaren Komfort, aber sie schaffen ein Leben, das sich im Rückblick tiefgründig, abwechslungsreich und lebenswert anfühlt.“
Wenn wir uns daran gewöhnen, Herausforderungen anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, die uns wachsen lassen, kann das zu einem lebendigeren Leben führen.

Nehmen Sie Zeit wichtiger als Geld

Ashley Whillans von der Harvard Business School hat eingehend belegt, dass ein Gefühl der „Zeitarmut“ das Glück beeinträchtigen kann. Menschen, die angeben, regelmäßig unter Zeitdruck zu stehen, gehetzt zu sein, keine Kontrolle zu haben und durcheinander zu sein, schneiden bei Messungen der Zufriedenheit und der psychischen Gesundheit schlechter ab. Andererseits ergab eine Studie aus dem Jahr 2017, dass Menschen, die sich „Zeit kaufen“, statt Dinge zu kaufen, eine größere Lebenszufriedenheit berichteten. Die Forschung zeigt somit, dass ein Reichtum an Zeit für uns wichtiger ist als eine Fülle an Geld und Besitztümern.
Daher kann es einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten, sich anzugewöhnen, Zeit gegenüber materiellen Gütern oder Reichtum zu bevorzugen.

Verbringen Sie regelmäßig Zeit in der Natur

Der Reichtum der Natur macht auch uns reich. Wir blühen auf, wenn wir das Gedeihen der Natur erleben. Eine bedeutende Studie aus dem Jahr 2019, in der Daten von fast 20.000 Teilnehmern untersucht wurden, ergab, dass diejenigen, die jede Woche mindestens 120 Minuten in der Natur verbrachten, deutlich gesünder und glücklicher waren als diejenigen, die keine Zeit im Freien verbrachten. Dieses Ergebnis wurde durch viele ähnliche Studien bestätigt. Generell steigern Grünflächen, Sonnenschein und frische Luft das menschliche Wohlbefinden.

Natur ist eine oft unterschätzte Ressource für die mentale Gesundheit des Menschen.

Foto: Smileus/iStock

Seien Sie hilfsbereit und großzügig

Zahlreiche Belege deuten darauf hin, dass wir – entgegen unserer Intuition – tatsächlich glücklicher sind, wenn wir uns weniger auf uns selbst konzentrieren. So ergab beispielsweise eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2023, in der Dutzende von Studien aus verschiedenen Kulturen untersucht wurden, dass das Investieren von Zeit und Geld in andere Menschen das subjektive Wohlbefinden durchweg verbessert. Die Forschung zu altruistischem Verhalten – von kleinen Gesten der Freundlichkeit bis hin zu großzügigen Spenden – zeigt uns, dass wir dazu bestimmt sind, anderen mehr zu dienen als uns selbst, und dass wir dadurch unseren Lebenssinn erfüllen und größeres Glück erlangen.
Dies ist eine einfache Gewohnheit, die nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das Leben anderer verbessern kann.

Üben Sie sich in Vergebung

Das Verharren in schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit versklavt uns eher, als dass es uns Erleichterung bringt. Das Streben nach Mitgefühl und Vergebung hingegen bringt größere innere Freiheit und damit Glück. So zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2011, dass College-Studenten, die dazu angeleitet wurden, eine vergangene Verletzung mit Mitgefühl neu zu betrachten, eine niedrigere Herzfrequenz und größere Empathie aufwiesen.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2026 fand einen starken Zusammenhang zwischen regelmäßigem Vergeben und einem gesteigerten psychischen Wohlbefinden.
Mit anderen Worten: Machen Sie Vergebung zur Gewohnheit. Unversöhnlichkeit zerfrisst die Seele, während Vergebung sie befreit.

Fördern Sie das Staunen

Erlebnisse des Staunens – Gänsehaut erzeugende Begegnungen mit dem Majestätischen, Geheimnisvollen und Schönen – machen uns glücklicher und gesünder und stärken unsere sozialen Bindungen. Solche Erlebnisse können durch dramatische Anblicke oder Begegnungen entstehen, aber sie lassen sich auch im kleinen Kreis des Alltags finden. Der Nachthimmel, ein wunderschönes Musikstück oder ein tiefgründiges Gedicht können Ehrfurcht wecken. Wir können es uns zur Gewohnheit machen, danach zu suchen und diese Gelegenheiten wahrzunehmen, wenn sie sich bieten.

Streben Sie nicht nach Glück, sondern nach Sinn

Diese Gewohnheit mag im Widerspruch zu den vorherigen auf der Liste stehen, ist aber dennoch möglicherweise die wichtigste.
Der Psychologe und Konzentrationslagerüberlebende Viktor Frankl schrieb das berühmte Buch „Man’s Search for Meaning“, in dem er argumentiert, dass im Kern unseres Seins das Verlangen nach Sinn liegt und dass dieses Verlangen stärker und für unser Menschsein zentraler ist als unser Verlangen nach Vergnügen, Bequemlichkeit oder Reichtum. Dieses Streben nach Sinn kann selbst ein Leben voller Leid in ein erfülltes Leben verwandeln.
Im Vorwort zur Ausgabe von 1992 schrieb er: „Denn Erfolg kann, ebenso wie Glück, nicht angestrebt werden; er muss sich einstellen, und zwar nur als unbeabsichtigter Nebeneffekt des persönlichen Engagements für eine Sache, die größer ist als man selbst, oder als Nebenprodukt der Hingabe an eine andere Person als die eigene. Glück muss sich einstellen, und dasselbe gilt für den Erfolg: Man muss es geschehen lassen, indem man sich nicht darum bemüht.“
Laut Frankl sollten wir uns also gewohnheitsmäßig auf die Suche nach Sinn ausrichten, dann wird das Glück folgen. Wenn wir hingegen direkt nach Glück streben, geraten wir wahrscheinlich in Egoismus und werden dadurch unglücklich.
Glück ist wie eine Frucht, die am Baum der Sinnhaftigkeit wächst. Wird sie vom Baum getrennt, verfault sie und stirbt ab. Wenn wir jedoch den Baum finden, finden wir auch die Frucht – prall und gesund.
Das Paradoxe am Glück ist, dass wir es manchmal loslassen müssen, um es zu finden.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „10 Science-Backed Habits for Happiness“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Hackerangriff in Berlin: Laut Senat keine militärischen Daten betroffen

Bei dem folgenschweren Hackerangriff auf Berlin sind nach Angaben des Senats keine Daten zur militärischen Verteidigung des Landes gestohlen worden. Diese lägen den betroffenen Senatsverwaltungen gar nicht vor, sagte Berlins IT-Staatssekretär Florian Hauer am Dienstag in der Bundeshauptstadt.
Allerdings könne er nicht ausschließen, dass Daten mit Bezug zur kritischen Infrastruktur darunter seien. Dies könnten etwa Notfallpläne sein.

Bürgerdaten könnten betroffen sein

Auch Daten von Bürgerinnen und Bürgern könnten sich in dem Paket befinden, das nach einem Erpressungsversuch im Darknet landete, sagte Hauer. Diese würden nun so schnell wie möglich identifiziert und informiert.
Er gehe aber davon aus, dass dies noch Wochen dauern könne. Derzeit werde versucht, die 5,6 Terabyte Daten aus dem Darknet herunterzuladen, um sie anschließend in einem geschützten Bereich systematisch zu analysieren.

Wahlen laut Wegner nicht gefährdet

Die sogenannte Wahlumgebung sei von dem Hackerangriff nicht betroffen, betonte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU). „Daher sind die Wahlen Stand heute sicher.“
Am Sonntag kommender Woche finden in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt.

Zwei Millionen Euro Lösegeld gefordert

Die Cyberattacke auf die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz wurde Mitte August bekannt. Die Hacker wollten zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin erpressen, worauf der Senat aber nicht einging.
Daraufhin wurden die Daten im Darknet veröffentlicht. Medienberichten zufolge sind dort sensible Daten wie etwa private Handynummern, Geburtsurkunden, Personalakten oder Führungszeugnisse einzusehen. Auch Daten zum Gefahrenschutz oder etwa zur Erweiterung des Bundeskanzleramts sollen darunter sein.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Wegen des Hackerangriffs waren die Senatsverwaltungen rund eine Woche vom Landesnetz isoliert. Tagelang konnte unter anderem kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.
Mittlerweile gebe es keine Hinweise mehr auf eine Infiltrierung, sagte Wegner. Es werde nun untersucht, was abgeflossen sei und wie die Täter vorgegangen seien. Die Ermittlungen liefen „auf Hochtouren“. (afp/red)
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Wüst für Bund-Länder-Gruppe zur AfD-Prüfung – CSU skeptisch

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und möglichen Folgen. Diese Prüfung müsse ergebnisoffen sein und dürfe nicht automatisch zu einem Verbotsverfahren führen, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
„Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot, denn das Verbot einer politischen Partei kann nur der letzte Weg sein, wenn wir unsere Verfassung schützen wollen“, sagte Wüst. Er erklärte: „Es muss nun eine Struktur geben, in der diese Fragen von Bund und Ländern sorgfältig, professionell und seriös geprüft werden.“
Aus Sicht des NRW-Regierungschefs sollten in der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutz, aber auch Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. „Es geht insgesamt um die Frage, wie der Staat verfassungsrechtlich mit einer Partei umgeht, die mindestens in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolgt“, so der CDU-Politiker.

Söder reagiert skeptisch und warnt vor Märtyrerstatus für AfD

CSU-Chef Markus Söder reagierte skeptisch auf den Vorstoß: „Bei allem grundsätzlichen Verständnis, dass es einem lieber wäre, diese AfD wäre nicht da, ist die Realität, dass es verfassungsrechtlich kaum durchsetzbar ist“, sagte er nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Neben einem jahrelangen Verfahren bestehe die Gefahr, dass die AfD einen neuen Märtyrerstatus erhalte. Die AfD müsse inhaltlich gestellt werden.
Die CSU werde sich Gesprächen in einer Bund-Länder-Gruppe zwar nicht grundsätzlich verschließen, „aber das ist ja nichts anderes als ein Ausdruck auch von Unsicherheit“, betonte Söder. „Man muss in einer Demokratie mit demokratischen Mitteln arbeiten und der demokratische Weg heißt, sich auf die nächsten Wahlen anders vorzubereiten als in Sachsen-Anhalt, klarere Argumente zu finden.“ Die CSU glaube nicht, dass ein Verbotsverfahren funktioniere.

Wüst fordert Arbeitsgruppe zur AfD und warnt vor Folgen einer Regierungsbeteiligung

Am Montagabend hatte Wüst laut Berichten von „Politico“ und „Welt“ die Idee einer Arbeitsgruppe bei einer Talk-Veranstaltung mit der Ökonomin Maja Göpel in Berlin ins Spiel gebracht.
„Ich habe heute etwas gesagt, das hat öffentlich bisher, glaube ich, kein CDU-Mensch gesagt: dass ich dafür bin diese Arbeitsgruppe einzusetzen, die diese Arbeit dann leistet“, wurde Wüst dort zitiert.
Auch bei der Digitalmesse „Digital X“ der Deutschen Telekom ging Wüst am Dienstagvormittag auf der Bühne auf die AfD und die Folgen der Sachsen-Anhalt-Wahl ein. Er warnte vor der Vorstellung, die AfD könne sich entzaubern. Vielmehr säße eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt an wichtigen Schalthebeln: „Jede Woche werden in Landeskabinetten in Deutschland die Führung von Polizei, die Führung von Gerichten eingesetzt. Der Kern des Gewaltmonopols dieses Staates liegt in den Ländern.“
Die AfD wird bundesweit vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet. Einzelne Landesverbände – darunter Sachsen-Anhalt – werden vom jeweiligen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Einen Antrag auf ein Parteiverbot beim Bundesverfassungsgericht können ausschließlich der Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung stellen. Die Entscheidung liegt dann beim Bundesverfassungsgericht.

Unterschiedliche Ansichten in der Union

Einen solchen Vorstoß aus den Reihen der CDU gab es schon länger nicht mehr. Im Bundestag hatte der damalige CDU-Abgeordnete Marco Wanderwitz 2024 vorgeschlagen, der Bundestag sollte beim Bundesverfassungsgericht beantragen, die AfD für verfassungswidrig zu erklären. Über den Antrag, der vermutlich nicht die notwendige Mehrheit erreicht hätte, wurde bedingt durch die vorgezogene Neuwahl am Ende nicht final abgestimmt im Bundestag.
Offen für die Prüfung eines Verbotsverfahrens hatte sich in der Vergangenheit auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident, Daniel Günther (CDU), gezeigt. Besonders viel Skepsis war dagegen zuletzt aus den Reihen der CSU zu vernehmen, unter anderem von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.

Ott kritisiert Wüsts Vorstoß als taktisches Manöver

Der nordrhein-westfälische SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott äußerte sich kritisch zu Wüsts Vorstoß. Erst vor kurzem habe die SPD Wüst das Angebot unterbreitet, gemeinsam aus NRW eine Initiative für ein AfD-Verbotsverfahren über den Bundesrat zu starten. „Das können wir nächste Woche machen“, sagte Ott in Düsseldorf. „Ich weiß nicht, wie viele Arbeitsgruppen sollen wir noch gründen?“ Zahlreiche Juristen hätten sich bereits mit der Frage beschäftigt.
Wüsts Vorstoß sei aus seiner Sicht eher taktischer Natur, meinte der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im April. Nachdem junge Leute Wüst derzeit massenhaft über die sozialen Medien fragten, was er gegen die AfD tun wolle, habe Wüst offenbar, „wieder mal vom Balkon versucht, noch einen Punkt zu machen“.

Wer den Verbotsantrag stellen darf

Die von der Innenministerkonferenz im Juni 2025 eingerichtete Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur AfD hat nicht die Prüfung eines Verbotsverfahrens zum Ziel. Vielmehr geht es um Sicherheitsüberprüfungen, Folgen für den öffentlichen Dienst und die waffenrechtliche Zuverlässigkeit von AfD-Mitgliedern.
Grundsätzlich haben die Innenminister verabredet, die finale Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln zur Einstufung der Partei als gesichert rechtsextremistische Bestrebung abzuwarten. Im Eilverfahren hatte das Gericht diese Einstufung nicht bestätigt; weshalb die AfD aktuell vom Bundesamt für Verfassungsschutz weiterhin als Verdachtsfall bearbeitet wird. (dpa/red)
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Bildungsministerin Prien nennt PISA-Ergebnisse für Deutschland „dramatisch“

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie mit Blick auf Deutschland als „dramatisch“ bezeichnet.
„Was wir heute sehen, ist ohne Zweifel ein besorgniserregender Befund“, sagte Prien bei einer Pressekonferenz in Berlin. Das Thema Bildung müsse zu einer „Top-Priorität“ in Politik und Gesellschaft werden.
In der internationalen Schulleistungsstudie mit Daten von 2025, die von der OECD in Paris veröffentlicht wurde, sind die Ergebnisse von 15-Jährigen in Deutschland in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften „die niedrigsten, die je gemessen wurden“.
An der Spitze des internationalen Bildungsvergleichs liegen erneut Singapur und vier chinesische Regionen.

Ein „beunruhigender“ Trend

Es „beunruhigend“, dass der Kompetenzrückgang bei Schülern in Deutschland „im Trend nach unten“ gehe, sagte Prien. Darüber hinaus sei es „außerordentlich beunruhigend“, dass „die soziale Schere weiter aufgeht und sich nicht schließt“, sagte Prien.
Dass es „besonders große Kompetenzunterschiede zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und aus privilegierten Familien“ gebe, sei „keine Neuigkeit“. Dass sich diese Schere weiter öffne, sei aber ein Befund, „der so nicht hinnehmbar ist“, führte die Ministerin aus.
Die PISA-Studie sei mehr als eine reine Leistungsvergleichsstudie, sagte die Bildungsministerin. Es gehe letztlich um gesellschaftliche und ökonomische Teilhabe und um die Frage, „inwieweit junge Menschen eine Chance haben, in einer sich immer schneller verändernden, digital geprägten, zunehmend durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuerten Welt überhaupt zurechtzufinden“.

Prien: „Verändertes Erziehungsverhalten“

Die Ursachen für die Abwärtsentwicklung seien vielfältig, sagte Prien. Sie verwies auf „ein verändertes Erziehungsverhalten“, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Nutzung von Online-Diensten, die eine „große Rolle spielten“.
Zudem habe sich das Einwanderungsland Deutschland „erst seit wenigen Jahren darauf eingestellt, uns auch wie ein Einwanderungsland zu verhalten“, führte die CDU-Ministerin aus.
Gegen die Entwicklung helfe nicht „der eine große Hebel“, sagte Prien. Nötig sei ein Bündel an Maßnahmen. Dabei müssten die Bundesländer untereinander und der Bund und die Länder enger zusammenarbeiten.

Was tun?

Unter anderem forderte Prien mehr frühkindliche Förderung. Dies werde mit dem neuen Kita-Gesetz noch nicht „konsequent umgesetzt“. Zudem sei der Einsatz begrenzter Ressourcen dort nötig, „wo sie besonders gebraucht werden“.
Prien verwies in dem Zusammenhang auf das von Bund und Ländern vor zwei Jahren auf den Weg gebrachte Startchancenprogramm, das jetzt zu wirken beginne. Auch der kürzlich in Kraft getretene Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder sei „eine Riesenchance“, sagte Prien.
Zudem müsse es eine bessere Ausbildung und Fortbildung geben und eine engere Kooperation zwischen Schulen und Hilfesystemen, forderte die Ministerin. Desweiteren forderte sie ein „schnelles Handeln“ bei der Altersbegrenzung von Onlinediensten für Minderjährige.
Bildung müsse außerdem in der Familie einen „deutlich höheren Stellenwert“ haben, forderte Prien. Es sei etwa ein „riesiges Problem“, dass Eltern in Deutschland ihren Kindern deutlich weniger vorläsen als in anderen Ländern.
Familien mäßen der Bildung ihrer Kinder in Deutschland oft einen geringeren Wert bei als in anderen OECD-Staaten. Dies sei sein „erschreckender Befund“, sagte Prien. (afp/red)
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Sabotage am Stromnetz: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Nach der Serie von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Polizei den 48-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Nach dpa-Informationen fiel der Mann der Polizei in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf.
Die Behörden hatten seit Tagen nach dem 48-Jährigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet gefahndet. Er soll an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, mit selbstgebauten Raketen einen dünnen Draht über Hochspannungsleitungen zu schießen und so einen Kurzschluss auszulösen.
Zuletzt waren am Montag erneut mehrere Abschussvorrichtungen an einer Hochspannungsleitung in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler entdeckt worden – also ganz in der Nähe der Stelle, an der die Polizei den Mann nun festnehmen konnte. Außerdem fanden die Ermittler dort einen weiteren Bekennerbrief.

Kurzschlüsse an zwei Kraftwerken

In mindestens zwei Fällen ging der Plan des Täters offensichtlich auf. Bei Bergheim westlich von Köln waren durch einen Kurzschluss mehrere Blöcke eines Kraftwerks für einige Tage lahmgelegt worden.
In Brandenburg hatte es am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde zwei Kurzschlüsse gegeben. Mehr als 20 selbst gebaute Raketen sollen dort leitfähiges Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Einen Stromausfall gab es bei den beiden Taten nicht.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuletzt gesagt, es handele sich offensichtlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.

Bekennerbriefe: Kampf gegen fossile Energien

Zu der Sabotage-Serie gibt es Bekennerbriefe, die die Ermittlungsbehörden für authentisch halten und dem 48-Jährigen zuordnen. Darin hatte der Mann die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien begründet.
„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, heißt es in den Briefen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In allen drei betroffenen Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. (dpa/red)
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Tödlicher Streit an Tankstelle: Zwei Jahre auf Bewährung in Detmold

Nach einem tödlichen Streit an einer Tankstelle in Nordrhein-Westfalen ist ein 37-jähriger Mann zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.
Das Landgericht Detmold sprach ihn am 7. September wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag sagte. Zudem soll er als Bewährungsauflage 10.000 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Streit um Nutzung einer Reifendruckprüfanlage

Der 37-Jährige war laut Anklage im August 2025 an einer Tankstelle in Bad Salzuflen mit einem 69-Jährigen in einen Streit um die Nutzung einer Reifendruckprüfanlage geraten.
Dabei soll er den Mann kräftig nach hinten gestoßen haben. Der Mann stürzte daraufhin und schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutung und starb rund zwei Wochen später in einem Krankenhaus.
Das Gericht nahm dem Sprecher zufolge einen minder schweren Fall an. Der Angeklagte sei nicht einschlägig vorbestraft gewesen. Er habe den Mann laut den Feststellungen nicht absichtlich töten wollen, der Sturz sei auch für ihn überraschend gekommen.
Darüber hinaus habe er sofort Rettungsmaßnahmen eingeleitet, den Notruf gewählt und sich um den Verletzten gekümmert.
Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte für eine Freiheitsstrafe von weniger als zwei Jahren. (afp/red)
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Umfrage zur digitalen Brieftasche: Sicherheit hat für Verbraucher oberste Priorität

Die Einführung einer digitalen Brieftasche, die EUDI-Wallet, ist ein wichtiges Projekt von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Einer Umfrage im Auftrag des Digitaldienstleisters IDnow zufolge ist für die Verbraucher die Sicherheit bei der Nutzung dieses Angebots entscheidend.
Ein Großteil der Befragten äußerte demnach die Sorge vor Hacking oder Datendiebstahl, vor betrügerischer Nutzung der digitalen Brieftasche oder davor, dass Unternehmen darüber zu viele Daten sammeln könnten.

Eine Sorge: Staatliche Überwachung

Auch staatliche Überwachung ist der Befragung zufolge eine Sorge vieler potenzieller Nutzer, wie aus der neu veröffentlichten Befragung hervorgeht.
„Für die Entwickler der EUDI-Wallet unterstreicht dieses Ergebnis die Bedeutung einer transparenten Steuerung, einer unabhängigen Aufsicht und klarer technischer Garantien, dass die Wallet nicht zur dienstübergreifenden Nachverfolgung genutzt werden kann“, erklärte IDnow.
EUDI steht für European Digital Identity. Eine EU-Verordnung sieht vor, dass die 27 Mitgliedstaaten bis zum Ende des Jahres die Möglichkeit einer digitalen Brieftasche – der EUDI-Wallet – schaffen.
Wildberger ist für die Umsetzung zuständig. In dieser Woche will er das Partnerunternehmen für die technische Umsetzung sowie weitere Details wie das Logo präsentieren.

Zu kompliziert und unzuverlässig?

Die digitale Brieftasche soll es Bürgern erleichtern, sich gegenüber Behörden und privaten Unternehmen zu identifizieren. Dort soll auch etwa der Führerschein oder die Krankenversichertenkarte digital hinterlegt werden. Auch Unternehmen sollen die Plattform nutzen können, um Mitarbeiterausweise oder Versicherungszertifikate auszustellen.
Wie gut sich die EUDI-Wallet etablieren wird, hängt laut IDnow wesentlich davon ab, wie zuverlässig sie im Alltag funktioniert.
„73 Prozent der Befragten befürchten, dass die verschiedenen Systeme, Dienste und Apps nicht reibungslos zusammenspielen“, erklärte das Unternehmen. „69 Prozent sind außerdem der Meinung, dass die Technologie zu komplex oder nicht zuverlässig genug sein könnte, um von jedem problemlos genutzt zu werden.“
„Damit die Einführung der EUDI-Wallet zum Erfolg wird, muss sie vor allem alltägliche Abläufe erleichtern. Wenn sie rund um die Uhr zuverlässig funktioniert und sich unkompliziert nutzen lässt, kann die Wallet für Verbraucher zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags werden“, erklärt Liudmyla Rabchynska.
Die ehemalige stellvertretende ukrainische Digitalministerin leitet inzwischen den Bereich Regulierungs- und Regierungsangelegenheiten bei IDnow. (afp/red)
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Explosion in Umspannwerk sorgt für Ampel-Chaos in Berlin


In Kürze:

  • Technischer Defekt wahrscheinlich: Nach einer Explosion brannte in Berlin-Tiergarten ein Umspannwerk. Die Polizei geht derzeit von einem technischen Defekt als Ursache aus.
  • Dutzende Ampeln ausgefallen: Infolge von Spannungsschwankungen nach Netzumschaltungen fielen berlinweit zeitweise etwa 50 bis 60 Ampelanlagen aus, nach anderen Angaben bis zu 90.
  • Sabotage nicht ausgeschlossen: Einen Anschlag halten die Ermittler derzeit für wenig wahrscheinlich. Wegen jüngster Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz wird jedoch weiterhin in alle Richtungen ermittelt.

 
Ein Brand in einem Umspannwerk am Montagmorgen, 7. September, in Berlin könnte weitreichendere Folgen gehabt haben als ursprünglich angenommen. Obwohl die Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung der Hauptstadt überschaubar blieben, fielen im gesamten Stadtgebiet teilweise gleichzeitig die Ampelanlagen aus.
Ursache könnten Spannungsschwankungen infolge erforderlich gewordener Netzumschaltungen gewesen sein. Wie der rbb berichtet, sprach Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel am Vormittag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses von einem „technischen Defekt“ als wahrscheinlicher Ursache.

„Erheblicher Schaden“ am Umspannwerk – aber keine Verletzten

Dieser Defekt habe in einem Umspannwerk in Berlin-Tiergarten einen Kurzschluss ausgelöst, der zu einer Explosion und in weiterer Folge zu einem Brand geführt habe. Allerdings sei die Untersuchung durch die Experten der Kriminaltechnik im Landeskriminalamt (LKA) noch nicht abgeschlossen. Der erste Alarm ging nach bisherigen Erkenntnissen gegen 02:41 Uhr bei der Berliner Feuerwehr ein. Dabei war die Rede von einem Vorfall auf dem Gelände eines Umspannwerks in der Bissingzeile in Berlin-Tiergarten.
Anschließend seien 54 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Die Löscharbeiten sollen mehr als fünf Stunden in Anspruch genommen haben. Gegen 08:00 Uhr konnten die Einsatzkräfte sie beenden. Es gab keine Verletzten. Der Betreiber der Anlage, der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, sprach jedoch von einem „erheblichen Schaden“. Auch bei 50Hertz geht man bislang von einem technischen Defekt aus.
Ein Anschlag gilt nach derzeitigem Ermittlungsstand als wenig wahrscheinlich. Allerdings ermittelt die Polizei weiter in alle Richtungen. Die Serie an mutmaßlichen Sabotageakten in den vergangenen Tagen hat die Sicherheitskräfte hellhörig werden lassen. Deshalb sagte Polizeisprecher Florian Nath, frühere Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz würden bei den Ermittlungen „mitgedacht“.

Ermittler seit Sabotageserie zusätzlich hellhörig

Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP), Benjamin Jendro, warnte ebenfalls davor, Fremdeinwirkung vorzeitig auszuschließen. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ äußerte er: „Wenn es in einem Berliner Umspannwerk brennt, läuten logischerweise sofort alle Alarmglocken.“
Zwar erscheine der technische Defekt als „höchstwahrscheinliche“ Ursache. Um vorsätzliche Brandstiftung definitiv ausschließen zu können, müssten die Ermittlungen vollständig abgeschlossen sein. Es sei „leider zu erwarten“, dass „auch unsere Berliner Versorgung auf kurz oder lang wieder ins Visier von Stromterroristen gerät“.
Anfang des Monats hatte sich eine Serie von Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz ereignet. Mutmaßliche Tathandlungen hatten sich unter anderem in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ereignet. In diesem Zusammenhang läuft derzeit eine intensive Fahndung nach einem 48-jährigen Tatverdächtigen. Bereits zu Beginn des Jahres hatte ein Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin zu einem mehrtägigen Stromausfall geführt, der mehrere Bezirke betraf.

Bis zu 90 Berliner Ampeln zeitweise außer Betrieb

Die Stromversorgung selbst blieb in der Hauptstadt stabil. Ein großflächiger Stromausfall trat nicht ein. Allerdings kam es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Spannungsschwankungen, als Strom im Netz zwischen 02:00 Uhr und 03:00 Uhr morgens umgeleitet werden musste.
Am Montagmorgen fielen dann in Berlin ungewöhnlich viele Lichtsignalanlagen gleichzeitig aus. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) und die Senatsverkehrsverwaltung sprachen zunächst von etwa 50 bis 60 Ampelanlagen. Es gab aber auch Angaben über bis zu 90 betroffene Anlagen.
Die Störungen traten dabei nicht allein im engeren räumlichen Umfeld des Stadtteils Tiergarten auf. Sie waren an unterschiedlichen Stellen der Stadt zu beobachten. Ampeln können auf Spannungsschwankungen sensibel reagieren; deshalb liegt ein Zusammenhang mit diesem Effekt der Netzumschaltungen nahe.

Folgewirkungen des Brandes im Umspannwerk noch bis Mittag im Verkehr registriert

Es war möglich, die meisten Ampeln aus der Ferne zu reaktivieren. In einigen Fällen mussten Techniker jedoch ausrücken, um diese vor Ort wieder funktionstüchtig zu machen. Ziel war es, bis Mittag alle Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Beobachter wie das „Verkehrsstudio Berlin“ meldeten um 11:55 Uhr noch mindestens 35 ausgefallene Anlagen, seither jedoch keine mehr.
Am Montagmorgen sorgte die Situation für teils erhebliche Verkehrsbehinderungen. So fiel unter anderem die Ampelanlage an der Einfahrt Invalidenstraße am Tiergartentunnel (B 96) aus. Dadurch mussten die Ein- und Ausfahrten des Tunnels zeitweise gesperrt werden.
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Schuss aus Druckluftwaffe verletzt Demonstrant in Halle: Staatsschutz ermittelt

Nach einem Schuss aus einer Druckluftwaffe auf Teilnehmer einer Demonstration in Halle nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat der polizeiliche Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.
Ein 25-jähriger Demonstrant wurde durch ein Geschoss leicht im Gesicht verletzt und vor Ort von Rettungskräften versorgt, wie die örtliche Polizei mitteilte. Mindestens ein Schuss aus einer Druckluftwaffe sei von einem bislang Unbekannten aus einem angrenzenden Wohnhaus abgegeben worden.
Die Polizei leitete demnach umgehend Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung ein, sicherte Spuren und überprüfte zwei nahe Mehrfamilienhäuser. Woher der Schuss kam, konnte zunächst allerdings nicht ermittelt werden.
Bei dem angemeldeten Demonstrationszug waren nach Polizeiangaben etwa 850 Teilnehmende am Montagabend durch die Innenstadt von Halle gezogen.
Das Motto des Aufzugs lautete „Auf die Straße – Demonstration zu den Landtagswahlen“. Zu der Schussabgabe kam es dann während der Abschlusskundgebung. Der leicht verletzte Mann musste demnach nicht in ein Krankenhaus. (afp/red)
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Suche nach Strom-Saboteur ausgeweitet – neue Sprengsätze in Sachsen gefunden

Nach einer Serie von Sabotage-Aktionen in mehreren Bundesländern hat die Polizei ihre Ermittlungen und Fahndung nach dem mutmaßlichen Strom-Saboteur ausgeweitet. In einem größeren Einsatz zwischen Remscheid und Wuppertal suchten Kräfte nach einer verdächtigen Person mit Rucksack. Diese war an einem Umspannwerk im bergischen Remscheid gesehen worden. Ob es sich um den gesuchten Tatverdächtigen handelt, war zunächst offen.
Im Zusammenhang mit zahlreichen Angriffen auf das Stromnetz in mehreren Bundesländern sei man seit dem Vormittag im Großraum Wuppertal im Einsatz, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Auch ein Hubschrauber kreise über dem Gebiet zwischen Remscheid-Lüttringhausen und Wuppertal-Ronsdorf.
Detailangaben könne man nicht machen, um die Fahndungsmaßnahmen nicht zu gefährden, schilderte der Sprecher. Allerdings: „Wir haben inzwischen im ganzen Land Nordrhein-Westfalen Maßnahmen laufen.“ Dazu gehörten auch verdeckte Maßnahmen.

Eine 60-köpfige Gruppe ermittelt

Einen größeren Polizeieinsatz gab es auch an einem Umspannwerk im Kreis Wesel am Niederrhein. In der Nacht zu Montag sei ein aufgeschnittener Zaun an einem Umspannwerk aufgefallen. Auch tagsüber wurden laut Polizei noch Spuren gesichert. Und: „Die Anlage wird derzeit mit dem Betreiber überprüft.“
Eine 60-köpfige Ermittlungsgruppe werte derzeit umfangreiche Unterlagen aus dem Besitz des Gesuchten „auf mögliche weitere Tatorte im gesamten Bundesgebiet aus“, heiß es. Man steht in engem Kontakt auch zu Behörden in weiteren Bundesländern, berichtete die Kölner Polizei. Seit Tagen fahnden die Behörden nach einem 48-Jährigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet, der die Sabotage-Aktionen in NRW und Brandenburg begangen haben soll.

Zusammenhänge von Fällen bundesweit werden geprüft

Zu Taten in Brandenburg und NRW gibt es Bekennerbriefe, die die Ermittlungsbehörden für authentisch halten und dem gesuchten 48-Jährigen zuordnen. Auch wegen „der Art der Sprengvorrichtungen“ werde ein Zusammenhang zu den Fällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft, berichteten die Behörden.
Der Verdächtige hatte überall versucht, mit selbstgebauten Raketen einen dünnen Draht über die Hochspannungsleitungen zu schießen und so einen Kurzschluss auszulösen. In Bergheim westlich von Köln waren dadurch mehrere Blöcke eines Stromkraftwerks lahmgelegt worden, zu Stromausfällen kam es aber nicht. Auch bei Jänschwalde in Brandenburg war ein solcher Angriff auf das Stromnetz erfolgreich.
Nach den Sabotage-Aktionen in NRW und Brandenburg wurden auch noch in Sachsen weitere selbst hergestellte Abschussvorrichtungen im unmittelbaren Bereich von Hochspannungstrassen entdeckt. Die Sprengvorrichtungen seien durch Spezialkräfte des Landeskriminalamtes entschärft worden. Damit erhöhte sich die Zahl der in allein Sachsen aufgefundenen Vorrichtungen nach Angaben der Behörden auf 21.

Aufwendige Einsätze in Remscheid-Wuppertal und Wesel

An dem Umspannwerk in Remscheid hatte laut der Wuppertaler Polizei eine Privatperson die verdächtige Person mit einem Rucksack gemeldet. Ob es sich bei dieser geflüchteten Person um den Gesuchten handele, war auch mehrere Stunden nach Einsatzbeginn noch unklar. „Das wissen wir erst, wenn wir die Person antreffen, das ist aber bisher nicht der Fall“, schilderte der Wuppertaler Polizeisprecher. Mehrere Medien berichteten über die Suchaktion.
Auch am Niederrhein handelte es sich um einen größeren Einsatz. In der Nacht zum Montag war einer Polizeistreife in Wesel ein Loch in einem Zaun an der Umspannanlage aufgefallen. „Wir sind jetzt sensibilisiert in Bezug auf solche Einrichtungen und fahren dort vermehrt Streife“, betonte ein Polizeisprecher.
Am Sonntag hatte es einen Großeinsatz im lange Zeit von Klimaaktivsten besetzten Hambacher Forst im Rheinischen Braunkohlerevier nahe Köln gegeben. Dort war zuvor der Camping-Lastwagen des Verdächtigen in der Nähe gefunden worden. Es fanden sich aber keine Hinweise auf den Mann.

Auch in Berlin wird ein Vorfall untersucht

In Berlin-Mitte kam es zu einer Explosion in einem Umspannwerk, wie ein Sprecher des Betreibers 50Hertz mitteilte. Rund 90 Ampeln in der Hauptstadt fielen aus. Einem Unternehmenssprecher zufolge deutet derzeit allerdings einiges darauf hin, dass ein technischer Defekt die Ursache ist. Dies bestätigte auch die Polizei nach ersten Ermittlungen.

Fahnder hoffen weiter auf Hinweise von Zeugen

Nach den Vorfällen in Brandenburg und NRW suchen die Ermittler seit Samstag auch mit zwei Fotos öffentlich nach dem 48-Jährigen. „Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen“, hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag gesagt. Es handele sich offensichtlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.
In der Wohnung des Tatverdächtigen hatten Ermittler Sprengstoff gefunden. Es wird auch nach einem Fahrrad gefahndet, das der Mann womöglich benutzt hat. Die Polizei hofft auf Hinweise von Zeugen.
In den Bekennerbriefen hatte der mutmaßliche Täter die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien begründet. „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, heißt es in den Briefen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In allen drei betroffenen Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. (dpa/red)
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Landgericht Mannheim eröffnet Verfahren gegen Xavier Naidoo

Gegen den Sänger Xavier Naidoo („Dieser Weg“, „Sie sieht mich nicht“) hat das Landgericht Mannheim ein Strafverfahren eröffnet. Zugelassen wurde dem Gericht zufolge die Anklage der Staatsanwaltschaft von Juli 2023, in der dem 54-Jährigen Volksverhetzung in einem Fall in Tateinheit mit Beleidigung vorgeworfen wird. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.
Der Anklage zufolge soll der aus Mannheim stammende Naidoo einen Menschen, der der Amadeu Antonio Stiftung zugehörig war, beleidigt und in diesem Zusammenhang Texte mit antisemitischem Inhalt veröffentlicht haben. Den Ermittlungen hätten diverse Strafanzeigen, unter anderem der geschädigten Person, zugrunde gelegen.

Zweite Anklage nicht zugelassen

Die übrigen Anklagepunkte eines zweiten Verfahrens, ebenfalls wegen Volksverhetzung, wurden dem Gericht zufolge mangels hinreichenden Tatverdachts nicht zugelassen. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingereicht, die derzeit beim Oberlandesgericht Karlsruhe geprüft werde. Die zweite Anklage war im Juni 2024 erhoben worden.
Die Anwälte des Musikers waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Naidoo hatte 2022 ein Entschuldigungsvideo veröffentlicht und eingeräumt, sich jahrelang in Verschwörungserzählungen verrannt zu haben. Seine Anwälte betonen zuletzt, die Vorwürfe seien falsch und würden ausdrücklich bestritten. Der 54-Jährige lehne jegliches antisemitisches oder rassistisches Gedankengut ab. (dpa/red)
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Sabotageversuche an Stromversorgung: Weitere Sprengvorrichtungen in Sachsen gefunden

In Sachsen hat die Polizei neun weitere selbstgebaute Sprengvorrichtungen gefunden, die mutmaßlich für Anschläge auf die Stromversorgung aufgestellt wurden.
Sie befanden sich unmittelbar an Hochspannungstrassen in der Nähe des Umspannwerks Graustein bei Görlitz, wie das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mitteilten. Der Tatverdächtige war weiter auf der Flucht.

Anschläge in Brandenburg und Bergheim

Am Dienstag vergangener Woche waren Anschläge auf Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen verübt worden. Weitere verdächtige Vorrichtungen wurden später in Dormagen und Weisweiler entdeckt.
Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde dabei mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
Die Anschläge in Bergheim und Jänschwalde führten zu Abschaltungen in Kraftwerksblöcken, die Stromversorgung war aber nicht gefährdet. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Vorwurfs verfassungsfeindlicher Sabotage, in Brandenburg auch wegen Bildung einer Terrorvereinigung.

21 Vorrichtungen in Sachsen gefunden

Am Freitag wurden auch in Sachsen Sprengvorrichtungen in der Nähe der Umspannwerke Bärwald und Graustein entdeckt. Nach Hinweisen war dort die Polizei ausgerückt.
Bis Sonntag war sie im Einsatz. Insgesamt fand sie in Sachsen 21 solcher Vorrichtungen, wie die Ermittler nun mitteilten.
Nach dem Tatverdächtigen, einem 48 Jahre alten Mann aus Nordrhein-Westfalen, wird öffentlich gefahndet. Er soll einige der Taten in Bekennerschreiben zugegeben und mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen begründet haben.

Großeinsatz nahe dem Hambacher Forst

Am Sonntag rückte die Polizei mit Drohnen zu einem Großeinsatz in der Nähe des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen aus. Dort war am Freitag auf einem Parkplatz das Wohnmobil des 48-Jährigen gefunden worden.
Die Brandenburger Polizei teilte mit, dass er inzwischen mit dem Fahrrad unterwegs sein könnte. Gefunden wurde er zunächst nicht. (afp/red)
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Umspannwerk in Berlin durch Feuer beschädigt – Stromversorgung nicht beeinträchtigt

In Berlin ist ein Umspannwerk durch ein Feuer leicht beschädigt worden. Die Einsatzkräfte seien am frühen Montagmorgen alarmiert worden, teilte die Polizei mit.
In der Bissingzeile brannten demnach „eine Baustelle und ein Teil des Umspannwerkes, welche durch das Feuer beschädigt wurden“.
Die Kriminalpolizei ermittele nun mit Hilfe des Betreibers, ob eine Straftat oder ein technischer Defekt vorliege. Die Stromversorgung sei derzeit nicht beeinträchtigt.

48-Jähriger gesucht

In den vergangenen Tagen waren Anschläge auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen verübt worden. Am Freitag wurden dann auch in Sachsen an zwei Umspannwerken mehrere Sprengstoffvorrichtungen entdeckt.
Die Polizei fahndet nach einem 48-jährigen aus Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen, der zwei als authentisch eingeschätzte Bekennerschreiben hinterließ. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, er gehe von einem Fall von „Klimaextremismus“ aus. (afp/red)
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„Genug gearbeitet“ – Politik und Rahmen: Wenn äußere Zumutungen innere Ordnung brauchen

Viele Unternehmer sind müde. Nicht von Arbeit allein, sondern von der Summe äußerer Zumutungen: neue Vorschriften, wechselnde politische Signale, unklare wirtschaftliche Rahmenbedingungen, steigende Kosten, Fachkräfteengpässe, Berichtspflichten und gesellschaftliche Erwartungen.
Man kann darüber klagen. Manchmal muss man es auch. Aber Führung beginnt nicht bei der Klage. Führung beginnt bei der Frage: Was liegt trotz allem in unserem Einfluss?
Dieser Satz ist nicht naiv. Er blendet äußere Belastungen nicht aus. Er verhindert nur, dass sie innerlich alles beherrschen.
Ein Geschäftsführer sagte: „Ich weiß manchmal gar nicht mehr, worauf ich mich verlassen kann.“ Das ist ein zentraler Punkt. Wenn der äußere Rahmen unsicher wird, braucht das Unternehmen innen umso mehr Verlässlichkeit: klare Prioritäten, saubere Entscheidungen, ruhige Kommunikation und stabile Werte.
Genug gearbeitet. Genug so getan, als könne man äußere Unsicherheit durch noch mehr hektische Reaktion beherrschen.
Führung unter schwierigen Rahmenbedingungen braucht vier Ebenen:
  • Einordnung: Was betrifft uns wirklich und was ist nur Lärm?
  • Entscheidung: Was tun wir jetzt, was beobachten wir, was lassen wir?
  • Kommunikation: Was sagen wir dem Team, damit keine Fantasie entsteht?
  • Selbstschutz: Welche Energie dürfen äußere Themen nicht dauerhaft verbrauchen?
Ein Unternehmen führte ein monatliches „Rahmenradar“ ein. 30 Minuten. Keine Grundsatzdebatten. Nur drei Fragen: Was verändert sich außen? Was bedeutet das für uns? Was entscheiden wir daraus? Das Format nahm Druck aus Flurgesprächen, weil Themen einen Ort bekamen.
Gerade politische und bürokratische Themen werden gefährlich, wenn sie nur emotional im Raum hängen. Dann entsteht Zynismus. Und Zynismus ist teuer, weil er Gestaltungskraft frisst.
Natürlich darf man sich ärgern. Die Frage ist nur: Bleibt es beim Ärger oder entsteht daraus Handlung?
Ein hilfreicher Satz lautet: „Wir können den Rahmen nicht allein ändern, aber wir können entscheiden, wie wir darin führen.“ Das ist kein Rückzug. Das ist Führungsrealismus.
Beim b-steps summit 2026 gehört auch diese Ebene dazu: Unternehmer brauchen keine Durchhalteparolen, sondern Arbeitsformen, mit denen aus Belastung wieder Struktur wird.
Genug gearbeitet. Welches äußere Thema bindet bei Ihnen zu viel innere Energie, ohne dass daraus eine Entscheidung entsteht?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
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Bei E-Zigaretten steht die nächste Teuerung an – Krebsforscher warnen vor Vaping

Deutschlands Vaper müssen sich auf etwas höhere Preise einstellen, wenn sie ihre Flüssigkeiten für E-Zigaretten kaufen. Grund dafür ist die geplante Erhöhung der Tabaksteuer, die in der Bundespolitik weitgehend Konsens ist. Strittig ist aber, wie stark der Steuersatz steigen soll: Nachdem die Bundesregierung eine eher moderate Anhebung vorgeschlagen hat, peilen die Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD im Bundestag einen stärkeren Steueraufschlag an. Das wiederum sorgt nun für Unruhe in der Branche: Der Verband Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) befürchtet eine sinkende Nachfrage des legalen Geschäfts und eine Zunahme des Schwarzmarktes.
Der Verbandsvorsitzende Dustin Dahlmann weist darauf hin, dass die Tabaksteuer auf Liquids erst dieses Jahr um 6 auf 32 Cent pro Milliliter angestiegen ist. Wegen der damit verbundenen Preiserhöhungen sei der Schwarzmarktanteil von schätzungsweise 40 auf 50 Prozent gestiegen. „Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, wenn erneut stark an der Steuerschraube gedreht wird“, sagt Dahlmann.

Wie teuer es werden könnte

Das Bundesfinanzministerium schlug eine Anhebung um einen Cent auf 33 Cent pro Milliliter zum Januar 2027 vor, die Koalitionsfraktionen sind nun für einen Aufschlag um drei Cent auf 35 Cent. Auf diesen Steueraufschlag wird noch die Mehrwertsteuer berechnet – je höher der Steueraufschlag ist, desto höher fällt die Mehrwertsteuer aus. Ein typisches 10-Milliliter-Fläschchen, das im Handel derzeit grob gesagt 12 Euro kostet, könnte steuerbedingt 36 Cent teurer werden, heißt es von dem Branchenbündnis. Das wäre ein Preisanstieg um drei Prozent bei den Vaping-Liquids.
Branchenvertreter Dahlmann rechnet zudem damit, dass der Fiskus deutlich weniger Steuereinnahmen bekäme als erwartet. „Das war schon 2022 bei der Novelle des Tabaksteuer-Gesetzes so: Damals ging das Bundesfinanzministerium von 520 Millionen Euro Tabaksteuer-Einnahmen durch den Verkauf von E-Zigaretten im Jahr 2025 aus, tatsächlich wurden es nur 403 Millionen Euro.“ Der Konsum habe zwar angezogen, aber der Schwarzmarkt eben auch. „Diesen Fehler droht der Bund nun zu wiederholen.“

Krebsforscher warnen vor Vaping

Bei E-Zigaretten werden Flüssigkeiten (Liquids) erhitzt, ihr Dampf wird inhaliert. Laut einer Umfrage der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, der Debra-Studie, greifen rund drei Prozent der Ab-14-Jährigen in Deutschland zur E-Zigarette. Die Vaping-Branche betont, dass ihre Produkte viel weniger Schadstoffe freisetzten als Tabakzigaretten und dass sich Vapes daher als Alternativprodukte für Tabakraucher eigneten.
Dass beim Vaping deutlich weniger Schadstoffe freigesetzt werden als beim Verbrennen von Tabakzigaretten, ist unstrittig. Wegen des Mangels an Langzeitstudien ist aber unklar, wie schädlich die verbliebenen Stoffe für den Körper sind. Die Substanzen könnten erheblich schaden, warnen Krebsforscher und Mediziner und weisen darauf hin, dass das in den meisten E-Zigaretten enthaltene Nikotin abhängig mache. Dass Vaping besonders unter Teenagern und jungen Erwachsenen beliebt ist, beobachtet auch die Politik mit Argusaugen. (dpa/red)
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Wenn Helfer Jahre später erkranken – Die Folgen von 9/11

Achtmal hat sich Curt Andrews schon Hautkrebs entfernen lassen müssen. Im Gesicht, am Kopf und auf der Brust. Es sind die Stellen seines Körpers, die vor 25 Jahren dem Staub ausgesetzt waren, den die Anschläge auf die Türme des World Trade Centers verursacht haben. Der freiwillige Feuerwehrmann aus dem US-Bundesstaat Connecticut verbrachte eine Woche in der Katastrophenzone, die als Ground Zero in die Geschichte einging. Was damals kaum jemand überblickte: Über die Luft und die Haut nahmen die Helfer einen hochgiftigen Cocktail aus pulverisiertem Beton, Glas, Gipskarton, verbrannten Kunststoffen und weiteren Schadstoffen auf.
„Wir alle wussten, dass dort Tausende und Abertausende Menschen arbeiteten. Also sagte ich mir: Ich muss da hin, um zu helfen“, sagt Andrews, der sich damals kurzerhand mit einer für zwei Wochen gepackten Tasche und weiteren Feuerwehrmännern ins Auto setzt, um ins anderthalb Stunden entfernte New York zu fahren.
Die Türme sind bereits zusammengestürzt als er ankommt. Er watet durch eine Art Asche, die ihm bis zum Knie reicht. „Es war, als würde man durch Schnee laufen“, sagt er. Die Straßen rund um das World Trade Center sind voller Trümmer.

„Wir waren da, um anderen zu helfen“

Andrews erwartet, Menschen aus den Trümmern zu retten, und Hilferufe unter den kollabierten Türmen. Aber das Einzige, was er hört, sind Pieper. Vor dem Einsturz waren die Feuerwehrleute der gesamten Stadt zum World Trade Center gerufen worden. Mehr als 300 Feuerwehreinsatzkräfte sterben, als die Türme zusammenstürzen. Die Geräte piepen, wenn sie länger nicht bewegt werden. Ein Notsignal. Irgendwann sind die Batterien leer.
„Um 11.00 Uhr kurz vor Mitternacht fanden wir dann aber jemanden – einen Mann, der noch am Leben war. Ein Stahlträger hatte sich in seinen Arm gebohrt. Wir ließen Ärzte zu ihm kommen, die ihm Morphin verabreichten. Anschließend mussten wir seinen Arm amputieren und ihn aus dem Trümmerhaufen bergen. Er hat überlebt“, erzählt Andrews. Es soll der einzige Überlebende sein, den er innerhalb einer Woche findet. Schutzmasken tragen er und seine Kollegen nach seiner Erinnerung nicht. „Wir waren da, um anderen zu helfen. Um uns selbst haben wir uns keine Gedanken gemacht.“
Seine Augen seien gereizt gewesen und er habe viel gehustet. Die erste Nacht verbrachte der damals 41-Jährige auf einem Bordstein. „Wir hatten keine Gelegenheit zu duschen, die ganze Zeit, die wir dort unten waren. Wir waren also völlig mit diesem Staub bedeckt.“

Heute sind Zehntausende krank

An den Rettungs- und Aufräumarbeiten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 waren Zehntausende Helfer beteiligt. 25 Jahre danach ist die durch sie ausgelöste Gesundheitskrise noch in vollem Gange.
Neben dem toxischen Staub verpesteten Feuer, die bis zum Dezember in den Trümmerbergen am sogenannten Ground Zero brannten, zusätzlich monatelang die Luft. Die Umweltschutzbehörde der USA erklärt am 18. September 2001, die Luft sei nicht gesundheitsschädlich – eine Einschätzung, die sie später zurücknehmen muss. Hunderttausende waren da bereits an ihre Arbeitsplätze, in Schulen und in ihre Wohnungen zurückgekehrt und der giftigen Luft ausgesetzt. Die nahe gelegene New Yorker Börse öffnete schon am 17. September wieder.
Lila Nordstrom ist damals Schülerin an einer am World Trade Center gelegenen Schule, die Anfang Oktober wieder öffnet. Die Aufräumarbeiten sind da noch in vollem Gange. Kurz darauf klagen viele Schüler über Atemwegsbeschwerden. Neben einer Verschlimmerung ihres Asthmas entwickelte die Schülerin eine Refluxkrankheit und eine posttraumatische Belastungsstörung durch das Erleben des Anschlags. Sie war in der Schule, als die entführten Flugzeuge in die Türme krachten.
Die zentrale Gesundheitsbehörde der USA (CDC) verzeichnet bisher mehr als 57.000 Fälle von Krebs infolge der Anschläge. Am häufigsten ist es Hautkrebs, gefolgt von Prostata- und Brustkrebs. Allein in den zwölf Monaten vor Juni 2026 verzeichnete das Programm mehr als 10.000 weitere Krebsfälle. Weitere typische Krankheiten infolge der Anschläge sind laut CDC unter anderem chronischer Reflux, Asthma und posttraumatische Belastungsstörungen. Bis 2026 haben sich mehr als 150.000 Menschen in einem staatlichen Gesundheitsprogramm für durch die Anschläge Geschädigte registriert. Dabei wird geprüft, ob Erkrankung, Ausmaß der damaligen Belastung und zeitlicher Verlauf festgelegte wissenschaftliche Kriterien erfüllen. Ist das der Fall, wird die Erkrankung als 9/11-bedingt anerkannt.

Mehr Tote durch Spätfolgen als durch Anschlag selbst

Experten weisen im Oktober 2001 mehr als 350 chemische Substanzen in dem Staub nach – pulverisierter Beton, Isoliermaterial, Kerosin, elektrische Geräte und eine hohe Konzentration von Glaspartikeln. Der Staub habe etwa direkt die Nebenhöhlen und den Magen-Darm-Trakt angegriffen. Unmittelbar nach dem Anschlag ging ein Foto von Marcy Borders um die Welt, die als Staub-Frau bekannt wurde. Sie starb 2015 mit 42 Jahren an Magenkrebs. Sie machte den Staub dafür verantwortlich.
Eine exakte Zahl der Menschen, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 an durch die Katastrophe bedingten Erkrankungen gestorben sind, wird von den US-Behörden nicht ausgewiesen. Experten gehen aber davon aus, dass es mehr sind als die in direkter Folge durch den Anschlag getöteten 3.000 Menschen.

20 Jahre lang kehrte Andrews nicht nach New York zurück

Feuerwehrmann Andrews kennt viele solcher Geschichten. Einer seiner Kollegen aus Connecticut sei 2018 an Leberkrebs gestorben, ein anderer habe sich jahrelang wegen einer Quecksilbervergiftung behandeln lassen. Dass Andrews seinen Einsatz mit gleich mehrfachen Krebserkrankungen bis heute bezahlt, lässt ihn keine Reue spüren. „Ich würde 100 Prozent wieder so handeln. Ich bin dankbar, dass ich helfen konnte.“
Mehr als 20 Jahre hat es gedauert, bis Andrews an den Ground Zero zurückkehren konnte. 2023 überredet ihn ein Freund, der sich den Ort von Andrews zeigen lassen wollte. Es habe auch Jahre gebraucht, bis er sich ein Bild der in eine amerikanische Flagge gehüllten Zwillingstürme auf den Unterarm tätowieren lassen konnte. Darunter steht „Never Forget“ – „Vergiss niemals“. (dpa/red)
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Marius Borg Høiby: Der tief gefallene Sohn der neuen Königin

Als der Sarg des verstorbenen Königs Harald V. vor wenigen Tagen während einer feierlichen Zeremonie durch die Säle des norwegischen Königsschlosses getragen wurde, erregte vor allem eines Aufsehen. Neben dem Sarg ging, gemeinsam mit den Kindern und Enkeln des Monarchen, mit starrem Blick Marius Borg Høiby. Der Sohn der neuen Königin Mette-Marit – im Juni wegen zweier Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Høiby beabsichtigt, es anzufechten. Aber das Signal ist klar und stark: Der Stiefsohn des neuen Königs Haakon VIII. gehört zum engsten Kreis der Familie – auch wenn er in nicht allzu ferner Zukunft ins Gefängnis wandern könnte. Die Zeremonie war eigentlich privat, doch das Königshaus entschied sich dazu, sie im Fernsehen übertragen zu lassen – und ließ damit alle Welt zusehen.
Eigentlich sitzt Høiby derzeit mit elektronischer Fußfessel im Hausarrest auf Gut Skaugum, dem bisherigen Zuhause der neuen norwegischen Königsfamilie. Für die Sargprozession bekam der 29-Jährige Ausgang. Öffentlich darüber gesprochen hat bislang kein Mitglied der Königsfamilie. Auch beim Begräbnis des norwegischen Monarchen an diesem Mittwoch darf Høiby dabei sein.

Im Ausland Erschütterung

Entrüstung rief der Auftritt des tief gefallenen Høiby fast ausschließlich im Ausland hervor. Die Ehrfurcht vor und die Trauer um König Harald V. lassen in diesen Tagen in norwegischen Medien kaum eine kritische Meinung zu. Die dänische Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ schrieb dagegen von einem „erschütternden“ Signal. Høibys Opfer seien dem norwegischen Königshaus offensichtlich egal, findet die Königshaus-Korrespondentin des Blatts: „Tatsächlich entscheidet man sich dafür, ihn für seine Straftaten zu belohnen, indem man ihm einen prominenten Platz am Sarg von König Harald einräumt. Das schreit doch zum Himmel.“
In Norwegen haben viele Menschen Verständnis für den Umgang mit dem Sohn der neuen Königin: Schließlich ist Høiby, den Mette-Marit in die Ehe mit Haakon brachte, von Kindesbeinen an ein Teil der Königsfamilie. König Harald V., so heißt es, habe ihn wie seinen leiblichen Enkel behandelt. Kurz vor dessen Tod durfte sich der 29-Jährige von seinem Ziehopa im Krankenhaus verabschieden. Høibys Ankunft und Abfahrt wurden mit etlichen Fotos dokumentiert.

Die Akte Høiby

Noch vor ein paar Wochen war auch in Norwegen ein drastischeres Bild Høibys gezeichnet worden. Während des Prozesses wurde detailliert über die Vorwürfe berichtet, insgesamt wurden 40 Anklagepunkte verhandelt. Die schwersten Vorwürfe bezogen sich auf Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht, vier Frauen sind betroffen. Høiby soll sie missbraucht und gefilmt haben, während sie schliefen. Von zwei dieser Vorwürfe wurde er freigesprochen, die Taten bestritt er.
Andere Vorwürfe hatte der Sohn von Mette-Marit zugegeben. Dazu zählen Körperverletzungen, Drohungen, Verstöße gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, ein Drogendelikt und mehrere Verkehrsdelikte. Der Prozess zog sich über sechs Wochen. Stundenlang wurden mehr als 800 SMS vorgelesen, Freunde, frühere Nachbarn, Eltern, Geschwister, ein Schlafforscher, Psychologen, Ärzte, Ermittler und andere Zeugen befragt. In jedem neuen Fall kamen zunächst die mutmaßlichen Opfer zu Wort. Danach erzählte Høiby jeweils seine Version der Dinge.
Immer wieder betonte der 29-Jährige zudem, wie sehr er sich von den Medien seit seiner Kindheit verfolgt fühle und wie er darunter leide, dass er in der Öffentlichkeit stehe, ohne es sich selbst ausgesucht zu haben. Mehrfach sagte Høiby unter Tränen aus, wenn es um seine Kindheit und ungewollte Prominenz ging. In der Öffentlichkeit festigte sich das Bild eines Mannes, der ein sorgenfreies Leben hätte führen können, dieses aber durch seine Taten und sein Verhalten selbst zerstörte.

Kein Mitglied des Königshauses

Die Beziehung, aus der Høiby stammt, soll laut norwegischen Medien flüchtig gewesen sein. Mette-Marit zog ihren Sohn allein auf, bis sie Haakon traf. „Lille Marius“ wurde der Junge bei der Hochzeit der beiden 2001 liebevoll genannt. In den folgenden Jahren wurden seine Halbgeschwister geboren: die nach Haralds Tod neue Thronfolgerin, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), und Prinz Sverre Magnus (20).
Mitglied des norwegischen Königshauses war Haakons Stiefsohn nie, und damit auch kein Prinz. 2017 hatte Høiby ein BWL-Studium in den USA angefangen, es aber gleich wieder abgebrochen. Später war er unter anderem Praktikant bei einem Modedesigner und arbeitete als Verkäufer in einem Unternehmen, das eine Party-App entwickelt hat, sowie als Motorradmechaniker. Eine andere Rolle als die des Außenseiters dürfte er auch in Zukunft nicht spielen – vor allem dann nicht, wenn die Haftstrafe nach einer Berufung bestehen bleibt. (dpa/red)
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Zwölf Sprengsätze in Sachsen – Verbindung zu anderen Fällen wird geprüft

Nach den Anschlägen auf Umspannwerke in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sind auch in Sachsen an zwei Umspannwerken insgesamt zwölf Sprengstoffvorrichtungen entdeckt worden.
Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Landeskriminalamt Sachsen und Polizeidirektion Görlitz teilten am Samstag mit, es werde eine Verbindung zu den Ermittlungsverfahren in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft.
Grund sei ein in einem Bekennerschreiben des Verdächtigen aus Gevelsberg erwähnter Tatort sowie die Art der Sprengvorrichtungen.

Zwölf Vorrichtungen entdeckt

Acht Sprengsätze wurden den Angaben zufolge am Freitag südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen entdeckt, vier östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Es handle sich um selbst hergestellte Sprengvorrichtungen.
Sie sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen. Ermittelt werde wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchter Störung öffentlicher Betriebe und versuchter verfassungsfeindlicher Sabotage.

Spezialkräfte entschärfen Sprengsätze

Spezialkräfte des Landeskriminalamtes Sachsen entschärften die Vorrichtungen und stellten sie zur weiteren Untersuchung sicher, wie Staatsanwaltschaft und Polizei weiter mitteilten. Zudem untersuchten Kriminaltechniker die Tatorte.
Im Zuge der Arbeiten vor Ort mussten demnach die Hochspannungsleitungen kurzzeitig stromfrei geschaltet werden. Zu einem tatsächlichen Schaden oder Beeinträchtigungen der Stromversorgung kam es aber nicht. Es besteht keine Gefahrenlage für die Bevölkerung.
Polizeikräfte suchten an der elektrischen Infrastruktur „vorsorglich“ nach weiteren Sprengvorrichtungen.

Ermittler prüfen Zusammenhang

Am Dienstag waren Anschläge auf Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen verübt worden. Weitere verdächtige Vorrichtungen wurden später in Dormagen und Weisweiler entdeckt.
Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde dabei mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
Die Polizei fahndet nach einem 48-jährigen aus Gevelsberg in Nordrhein-Westfalen, der nach Angaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) zwei als authentisch eingeschätzte Bekennerschreiben samt Täterwissen hinterließ.
In den Schreiben begründete er die Anschläge demnach mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen. Dobrindt sagte, er gehe von einem Fall von „Klimaextremismus“ aus. (afp/red)
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Jedes fünfte Unternehmen spürt hybride Bedrohung

Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland spürt nach eigenen Angaben Auswirkungen sogenannter hybrider Bedrohungen aus dem Ausland. Darunter fallen unter anderem Cyberangriffe, Desinformation, Spionage und Sabotage, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Unternehmen sind dadurch etwa veranlasst, den Werkschutz zu verbessern, oder sie sind durch Vorfälle eingeschränkt im operativen Geschäft.
Das Institut hatte 1.041 Unternehmen befragt. Besonders die größeren mit mehr als 250 Beschäftigten spüren demnach die hybride Bedrohung. Nach Branchen betrachtet nehmen Information und Kommunikation die größten Risiken wahr, gefolgt von Energie- und Wasserversorgung sowie Entsorgung.
Unter hybriden Angriffen versteht man eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln. Dazu zählen auch Cyberattacken und Desinformationskampagnen, um die öffentliche Meinung etwa vor Wahlen zu beeinflussen.

Operationsplan gefordert

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte jüngst der Deutschen Presse-Agentur gesagt, die Bedrohungslage habe über die letzten 12 bis 18 Monate deutlich zugenommen. Er fordert einen zivilen Operationsplan, um auf Krisenfälle reagieren zu können – zum Schutz der Strom- oder der Wasserinfrastruktur sowie der Versorgung mit Lebensmitteln.
Die Wirtschaftsforscher des IW folgern aus ihren Befunden: „Dies erfordert eine neue Abwehrbereitschaft.“ Zwar hätten viele Unternehmen die Investitionen in die IT-Sicherheit und die digitale Infrastruktur erhöht. Doch nur ein kleiner Teil habe seine Energieversorgung besser abgesichert oder Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastruktur angelegt.

Warnung vor Destabilisierung

Es fehle an Austausch mit den Sicherheitsbehörden und vielfach auch an einem wirksamen Werkschutz. Die Regelungen seien uneinheitlich und Abstimmungswege diffus. Ein im März für einen besseren Schutz in Kraft getretenes Kritis-Dachgesetz bleibe noch hinter den Anforderungen zurück.
Das IW warnt: „Die mangelnde Vorbereitung hat eine destabilisierende Wirkung auf die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft.“ Angriffe verursachten erhebliche Kosten, erhöhten die Unsicherheit und könnten zu Produktionsausfällen führen. (dpa/red)
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Weniger Ransomware-Angriffe auf Unternehmen – jedes fünfte Opfer zahlt

Die Zahl der sogenannten Ransomware-Angriffe auf Unternehmen ist zuletzt zurückgegangen. In einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom gaben 45 Prozent der befragten Unternehmen an, in den vergangenen zwölf Monaten Opfer eines solchen Cyber-Angriffs geworden zu sein. Ein Jahr zuvor waren es noch 58 Prozent.
Bei mehr als der Hälfte der betroffenen Unternehmen entstand durch den Angriff ein Schaden. Auch dieser Anteil ist der Bitkom-Umfrage zufolge leicht rückläufig.

So funktionieren Ransomware-Angriffe

Ransomware sind Schadprogramme, mit denen sich Hacker Zugriff auf Computer und Daten verschaffen. Häufig richten sich die Angriffe gegen Unternehmen. Die Täter verschlüsseln Daten oder verhindern auf andere Weise den Zugriff darauf. Für die Entschlüsselung fordern sie Lösegeld.
Die große Mehrheit der betroffenen Unternehmen zahlt jedoch nicht. „66 Prozent haben den Erpressern nichts überwiesen“, erklärte Bitkom. „Jedes Fünfte (20 Prozent) hat aber schon Lösegeld gezahlt, 14 Prozent wollen oder können dazu keine Angabe machen.“
Für die Umfrage wurden gut 1000 Unternehmen ab zehn Beschäftigten befragt.

Ransomware-Angriff auf Berliner Stadtverwaltung

Derzeit sorgt ein Ransomware-Angriff auf die Berliner Stadtverwaltung für Aufsehen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz waren deshalb im August für rund eine Woche vom Landesnetz isoliert worden.
Wegen der Cyberattacke konnte in Berlin unter anderem tagelang kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.

Angreifer fordern rund zwei Millionen Euro

Die Angreifer fordern rund zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin, wie die Behörden bestätigten. Für den Fall, dass nicht gezahlt wird, drohen sie mit der Veröffentlichung von 5,7 Terabyte an erbeuteten Daten. Am Freitag läuft demnach ein Ultimatum der Erpresser aus.

Bitkom warnt vor Lösegeldzahlungen

„Der aktuelle Fall in Berlin zeigt, vor welch schwieriger Entscheidung Opfer von Ransomware-Angriffen stehen“, erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
„Richtig wäre, nicht zu zahlen. Jede Zahlung finanziert den nächsten Angriff. Und selbst wer zahlt, erhält keine Garantie: Weder für die Entschlüsselung seiner Daten noch dafür, dass die Täter die Daten nicht doch veröffentlichen oder weiterverkaufen.“ (afp/red)