Die Weihnachtsproduktion beginnt schon im Sommer. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
Nikoläuse, Adventskalender, Weihnachtsbären, süße Tannenbäume: Im Schokoladenwerk Ruth in Bochum werden knapp drei Monate vor Heiligabend fleißig Figuren in allen denkbaren Varianten fürs Weihnachtsgeschäft hergestellt. Zum großen Teil von Hand, mit Hilfe von allerlei Formen und Pinseln. In der Produktionshalle duftet es schon seit dem Sommer nach Schokolade und Füllungen, die später als kleine Schmuckstücke im Nikolausstiefel oder unter Weihnachtbaum liegen werden.
Für die Branche beginnt Weihnachten oft schon im Frühsommer
„Das Weihnachtsgeschäft ist für die Schokoladenindustrie traditionell ein wichtiges Saisongeschäft“, berichtet eine Sprecherin des Bundesverbands der Süßwarenindustrie. Und deshalb geht es früh los. Der Lebensmittelhandel plant das Weihnachtsgeschäft mehrere Monate im Voraus: „Die Ordertermine für saisonale Produkte liegen häufig schon im Frühjahr oder Frühsommer“, sagt Alina Thieme vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Bereits ab September steige bei vielen Menschen die Vorfreude auf die Winter- und Weihnachtszeit und damit die Nachfrage nach den saisonalen Süßwaren.
Bei Ruth in Bochum ist Weihnachtsschoko seit einigen Wochen in der Mache. „Bei uns läuft die Produktion zu 70 Prozent händisch, nur zu 30 Prozent maschinell unterstützt“, erläutert Geschäftsführer Max Ruth. Es braucht also auch Kreativität und eine ruhige Hand. Kostprobe: Weihnachtsteddy Chris. Der kleine Kerl entsteht in einer Form mit Vorder- und Rückseite. Dazu pinselt Mitarbeiterin Jana zuerst auf der Vorderseite die Stelle für die Mütze mit roter Schoko aus, der Bommel wird weiß. „Ausschminken“ nenne man das.
Flüssige Schokolade wird im nächsten Schritt eingefüllt, die Oberseite draufgesetzt. Danach fahren die Bärchen so lange an einer Aufhängung Karussell, bis sie ausgehärtet sind. Auch Schneemänner entstehen ähnlich. „Bisschen Weihnachtsstimmung kommt dabei schon mal auf“, erzählt Kollegin Gaby ein paar Arbeitstische weiter. Tannenbäume werden gepudert und „gelackt“ – also mit Glanz überzogen. Oder auch Nikolausköpfe. „Ein Rennerartikel“, sagt Geschäftsführer Ruth.
Bleibt Schokolade weiter so teuer?
Eher bitter sind die Preise für so manche Schokoladen-Produkte, weil es seit Jahren tendenziell nach oben geht – vor allem wegen extrem gestiegener Kakao-Rohstoffkosten. Eine belastbare Prognose zu den Verbraucherpreisen in der (Vor-)Weihnachtszeit 2026 ist laut Branche bislang nicht möglich, aber es gibt erste Hinweise.
Einzelne Markenhersteller hätten Preissenkungen angekündigt, schildert Thieme vom Handelsverband mit Verweis auf Lindt. Der Hersteller plant Senkungen für eine Reihe von Produkten, bei einigen Weihnachtsmann-Sorten sollten sie um mehr als ein Fünftel fallen, wie das Unternehmen jüngst laut Medienberichten vermeldet hatte.
Fakt ist zudem: „Im Ostergeschäft war in diesem Jahr bei Markenartikeln tendenziell eine geschwächte Nachfrage aufgrund hoher Preise zu verzeichnen“, weiß Thieme. Es sei verstärkt zu Rabattaktionen gekommen. Und der Absatz von Weihnachtsschokolade war 2025 schon ordentlich geschrumpft, dem Marktforschungsunternehmen NIQ zufolge insgesamt um zwölf Prozent.
„Feiertage sind ein Anlass, es sich auch mal gutgehen zu lassen“
„Generell verspürt der Handel in der Breite eine große Kaufzurückhaltung. Die Bürger halten ihr Geld zusammen“, berichtet Thieme. Feiertage seien allerdings auch immer wieder Anlass, „es sich auch mal gut gehen lassen“. Der Handel halte „vielfältige und preiswürdige Angebote“ für diese Weihnachtszeit bereit.
Die Industrie betont, dass die Rohstoff-Preiskrise anhalte. Eine Entspannung im Frühjahr habe sich nicht fortgesetzt. Hinzu kämen Kostenbelastungen bei Energie und weiteren Rohstoffen. Schokolade insgesamt war im April 2026 laut Statistischem Bundesamt knapp 10 Prozent teurer als ein Jahr zuvor – im Januar 2026 sogar 21,0 Prozent teurer gewesen als im Vorjahresmonat.
Bei Ruth brummt das Geschäft. Der Firmenchef sieht sein Angebot preislich im Mittelfeld. Vielfalt sei wichtig. Über 600 Produkte verlassen das Werk. Aktuell werden auch Adventskalender fertiggemacht. Sonderauftrag für einen Versicherer. Fast 50 Pralinensorten bekommen ihre „Schminke“: Auch hier werden Farben oder Muster per Pinsel in die Kugel-Förmchen aufgetragen.
60 bis 70 Prozent produziere man für andere Marken, den deutlich kleineren Teil verkaufe man unter dem Eigennamen Ruth, verrät der Geschäftsführer. Kunden sind Fachhandelsketten, einige Supermärkte, Feinkostläden oder einzelne Unternehmen, es gibt einen Laden mit Café und ein stark wachsendes Online-Geschäft. Zudem werden Lebensmittelfarben hergestellt. „Die hat schon mein Opa in großen Mengen gekocht und an die Branchenkollegen verkauft.“
Hitzefrei und zusätzliche Investitionen im Klimawandel
Mitten in der Weihnachtsproduktion ist auch schon mal hitzefrei. So war es bei Ruth im zurückliegenden Hitzesommer für die 35 bis 40 Mitarbeitenden in der Produktion, wie Ruth mit Blick auf Außentemperaturen von bis zu 40 Grad berichtet. „Ab 23 Grad ist in der Halle keine gute Verarbeitung mehr möglich, da gibt es keinen schönen Glanz mehr auf der Schokolade und keinen guten Bruch“, erläutert er. Zwei neue Klimaanlagen werden nun eingebaut.
Der Süßwaren-Industrieverband betont, dass Hitzeschutz im Sommer bei dem so temperaturempfindlichen Produkt für die Hersteller nichts Ungewöhnliches ist. „Längere Hitzeperioden können jedoch den technischen und energetischen Aufwand für Kühlung, Lagerung und Transport erhöhen und auch die Arbeitsbedingungen in der Produktion beeinflussen.“ Welche Maßnahmen es brauche, sei von Standort, Produktionsanlagen und Sortiment abhängig.
Max Ruth plant auch neue Sommerprodukte, die nicht ganz so hitzeempfindlich sind. Für ihn ist das keine Last, denn: „Mein Herz gehört den Schokoladen.“ (dpa/red)
Chinesische Polizisten patrouillieren am 13. März 2012 auf Segways am Tian’anmen-Platz in Peking. - Foto: AFP Foto/ Liu Jin/ AFP via Getty Images
In Kürze:
RSF beschreibt eine Ausweitung chinesischer Medien- und Einflussaktivitäten im Ausland.
Deutschland wird im Zusammenhang mit Medienkooperationen und Influencer-Reisen genannt.
Der Bericht thematisiert zudem grenzüberschreitenden Druck auf Journalisten und mögliche Auswirkungen chinesischer Inhalte auf KI-Modelle.
„China versucht, seine eigenen Normen und sein eigenes Modell von Journalismus zu etablieren“, erklärt Reporter ohne Grenzen (RSF) in einem neuen Bericht.
Laut der Organisation mit Sitz in Paris hat sich die Kampagne Pekings zur Verbreitung seines staatlich kontrollierten Mediensystems ausgeweitet. Sie richtet sich demnach zunehmend auch gegen unabhängige Journalisten im Ausland.
Der am 21. September veröffentlichte Bericht warnt vor Pekings anhaltendem Streben nach einer „neuen Weltmedienordnung“ – einem Ziel, das Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping seit 2013 verfolgt.
Nach Darstellung von RSF hat sich das chinesische Modell, in dem Medien eng an staatliche Vorgaben gebunden sind, über Pekings internationales Mediennetzwerk inzwischen auf fünf Kontinente ausgebreitet.
Der Bericht nennt Deutschland ausdrücklich als eines der Länder, in denen Chinas Strategie zum Export seines Propagandamodells bereits sichtbar geworden sei.
Zum einen bestünden Content-Sharing-Vereinbarungen zwischen chinesischen Staatsmedien und öffentlich-rechtlichen sowie lokalen Sendern, durch die Inhalte chinesischer Staatsmedien als unabhängiger Journalismus weiterveröffentlicht werden könnten. Laut RSF betrifft dies auch Deutschland. RSF nennt dabei als Fallbeispiele den NDR und die „Berliner Zeitung“.
Zum anderen hätten staatsnahe chinesische Institutionen gezielt gesponserte Reisen für ausländische YouTuber und TikTok-Creator organisiert, während chinesische Staatsmedien eigene Programme für Influencer aufgelegt hätten, um ihre Propaganda zu verbreiten und ein breiteres, jüngeres Publikum zu erreichen.
Als Beispiele dafür nennt der Bericht neben Deutschland auch Nigeria und Neuseeland.
Sören Kittel, Referent für Asien und Pazifik bei RSF, äußerte im März dieses Jahres: „Chinas Einfluss auf die globale Informationsordnung ließ sich in den vergangenen Jahren auch in deutschen Städten feststellen – oft subtil, aber systematisch.“
Chinas Einfluss auf globale Medien nimmt neue Formen an
„China versucht, seine eigenen Normen und sein eigenes Modell von Journalismus zu etablieren – eines, in dem die Medien einzig dem Regime gegenüber verantwortlich sind und als Werkzeug der Propaganda und Kontrolle gelten, nicht als unabhängige Säule der Demokratie“, erklärten Anne Bocandé, RSF-Redaktionsdirektorin, und Aleksandra Bielakowska, Referentin für Asien und Pazifik bei RSF, in einer Stellungnahme zum Bericht.
„Wir hoffen, dass dieser Bericht mehr Licht auf diese Taktiken wirft und unsere Demokratien mit einem Schutzschild für unseren Informationsraum ausstattet, bevor es zu spät ist.“
Sie beschrieben Pekings systematische Kampagne, globale Mediennarrative durch bezahlte, redaktionell aufgemachte Beiträge (Advertorials) in ausländischen Publikationen, Medienpartnerschaften und Content-Sharing-Vereinbarungen sowie durch vollständig finanzierte Reisen und Schulungen für ausländische Journalisten zu prägen.
Der neue Bericht betont, dass China sich nicht auf eine einzige Methode verlasse, sondern seine Taktiken an die Medienlandschaften der jeweiligen Zielländer anpasse. Nach Darstellung von RSF zielt die Strategie darauf ab, chinesische Narrative zu verstärken und „Informationen, die den Interessen des Regimes zuwiderlaufen“, zu marginalisieren.
Der Bericht beschreibt zudem Fälle grenzüberschreitender Repression durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) gegen im Exil lebende chinesische sowie ausländische Journalisten. Dabei würden laut RSF verschiedene Methoden eingesetzt, die darauf abzielten, Betroffene „einzuschüchtern, zum Schweigen zu bringen und unter Druck zu setzen“.
„Seit 2020, insbesondere im Zuge der COVID-19-Pandemie, mussten viele chinesische Journalisten auf der Suche nach Sicherheit und einer dauerhaften Neuansiedlung in neue Länder fliehen“, heißt es in dem Bericht.
„Selbst wenn sie schließlich im Ausland sind, sehen sich diese Journalisten weiterhin Druck und Einschüchterung durch das chinesische Regime ausgesetzt.“
Im Juli appellierte RSF an Thailand, den chinesischen investigativen Journalisten Bai Zhaodong nicht abzuschieben. Bai war 2023 aus China geflohen, nachdem er über politisch heikle Themen berichtet hatte, darunter Korruption und Betrug unter KPCh-Funktionären.
Laut dem neuen Bericht wurden im Oktober 2024 vier chinesische Strafverfolgungsbeamte dabei beobachtet, wie sie vor einer Dienststelle der thailändischen Einwanderungsbehörde auf ihn warteten. Anschließend tauchte er unter, nachdem er weder sein Visum nicht verlängern noch seinen Pass zurückerhalten konnte.
Der Bericht zitiert zudem Tahir Imin, einen im Exil lebenden uigurischen Journalisten und Gründer der Nachrichtenwebsite „Uyghur Post“, mit den Worten, er habe wegen seiner Berichterstattung „jahrelange Hacking-Versuche, Online-Drohungen und Überwachung ertragen“.
Darüber hinaus seien 2025 zwei französische Journalisten „Ziel einer massiven, anhaltenden Cyber-Belästigungskampagne geworden, die von chinesischen Staatspropaganda-Medien verstärkt wurde“, so der Bericht. Die Journalisten hatten an einer Fernsehsendung mitgewirkt, die Geschäfte eines französischen Sportbekleidungsunternehmens mit einem chinesischen Unternehmen aufdeckte, dem der US-Kongress und die Vereinten Nationen vorwerfen, Zwangsarbeit von Uiguren einzusetzen.
Der Bericht warnt, dass Journalisten nun aufgrund von Chinas neu erlassenem Gesetz zur „ethnischen Einheit“ einem größeren Risiko ausgesetzt seien. Dieses enthalte eine Klausel zur extraterritorialen Gerichtsbarkeit, die Peking die Befugnis gebe, die Durchsetzung ins Ausland auszuweiten.
„Journalisten sind nun einem höheren Risiko rechtswidriger Strafverfolgung und grenzüberschreitender Repression im Namen der ‚Untergrabung der ethnischen Einheit‘ ausgesetzt – ein Beleg dafür, wie weit die KPCh zu gehen bereit ist, um das Schüren von Angst unter ihren politischen Gegnern zu rechtfertigen“, heißt es in dem Bericht.
Um der von RSF beschriebenen grenzüberschreitenden Repression zu begegnen, unterbreitet die Organisation mehrere Empfehlungen. Dazu gehört unter anderem, Strafverfolgungsbehörden für die verschiedenen Formen solcher Einflussnahme zu sensibilisieren und Übergriffe auf Journalisten einheitlich zu erfassen.
Die zunehmende Popularität generativer Künstlicher Intelligenz habe zu einer „neuen Stufe in Chinas Herangehensweise an Informationskontrolle und Propaganda“ geführt, so RSF.
Chinesische Sprachmodelle, darunter DeepSeek, ERNIE und Qwen, hätten laut eigenen Tests von RSF „politische Zensurmechanismen und staatlich genehmigte Narrative“ in ihre Antworten integriert.
Als DeepSeek gefragt wurde, warum die chinesische Bürgerjournalistin Zhang Zhan inhaftiert worden sei, habe der Chatbot Chinas „offizielle Sprachregelungen“ wiederholt, heißt es in dem Bericht. Zhang, die 2020 erstmals inhaftiert wurde, bevor sie 2025 zu einer weiteren vierjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, ist für ihre frühe Berichterstattung über den COVID-19-Ausbruch in China bekannt.
Eine eigene Untersuchung von DeepSeek durch die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times, veröffentlicht im Februar 2025, ergab, dass der KI-Chatbot sich weigerte, Fragen zu Chinas Menschenrechtsbilanz inhaltlich zu beantworten.
Pekings Propaganda habe auch westliche Sprachmodelle durchdrungen, so der Bericht, der sich auf eine gemeinsame Studie mehrerer US-amerikanischer Universitäten beruft, darunter die University of Oregon, die Purdue University und die University of California San Diego.
Die im Mai in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Studie untersuchte Inhalte aus Common Crawl, einem gemeinnützigen Archiv, das Websites aus dem gesamten Internet sammelt und dessen Daten zum Training großer Sprachmodelle verwendet wurden.
Anhand eines chinesischsprachigen Datensatzes von Common Crawl stellten die Forscher fest, dass sich 3,1 Millionen Dokumente in ihren Formulierungen erheblich mit Inhalten von zwei staatlich koordinierten chinesischen Medienquellen überschnitten – das entspreche 1,64 Prozent des Datensatzes, so ein Artikel der University of Oregon über die Studie. Unter den Dokumenten, die chinesische politische Führungspersönlichkeiten oder Institutionen erwähnten, sei der Anteil auf bis zu 23 Prozent gestiegen.
Hannah Waight, Assistenzprofessorin für Soziologie an der University of Oregon und Mitleiterin der Studie, sagte gegenüber RSF, die Ergebnisse deuteten auf „unbeabsichtigte Folgen“ hin: Unternehmen wie OpenAI und Anthropic könnten ein aus ihrer Sicht „neutrales Archiv“ an Online-Informationen für das Training nutzen und am Ende Modelle hervorbringen, deren Ausgaben stärker mit Pekings bevorzugten Narrativen übereinstimmten.
Die Forschungsergebnisse würden daher, so Waight, auf „eine besorgniserregende Möglichkeit“ hinweisen, was autoritäre Regime, insbesondere China, angesichts ihrer Kontrolle über chinesischsprachige Informationen anrichten könnten.
„Das gibt ihnen einen weiteren Grund, ihr Informationsumfeld zu koordinieren – denn dadurch können sie nicht nur beeinflussen, was ihre eigenen Bürger wahrnehmen, sondern auch die Modelle prägen, die eine zunehmend wichtige Rolle in unserem breiteren Informationsumfeld spielen“, sagte Waight.
Der RSF-Bericht befasst sich außerdem mit dem Fall von Eileen Wang, einer ehemaligen Bürgermeisterin von Arcadia im US-Bundesstaat Kalifornien. Sie bekannte sich im Mai schuldig, als Agentin für die KPCh tätig gewesen zu sein.
Staatsanwälte warfen Wang vor, das chinesischsprachige Medienunternehmen „US News Center“ betrieben zu haben, das sich als legitimes Nachrichtenmedium für die lokale chinesische Gemeinschaft in Kalifornien ausgab, tatsächlich aber zur Verbreitung von KPCh-Propaganda genutzt wurde.
RSF ordnet den Fall in einen größeren Zusammenhang ein und verweist auf weitere Untersuchungen zum Einfluss auf chinesischsprachige Diaspora-Medien in den USA.
Wang Yaqiu, eine in den USA ansässige Forscherin mit Schwerpunkt Menschenrechte und Demokratie, wird in dem Bericht mit den Worten zitiert, „auffällige Ähnlichkeiten in der redaktionellen Linie einiger chinesischer Diaspora-Medien“ in den Vereinigten Staaten deuteten auf die Möglichkeit breiterer, im Hintergrund agierender Netzwerke hin, die deren Berichterstattung zu lenken versuchten.
Laut dem Bericht habe Wangs Forschung ergeben, dass „Peking seinen Fokus zunehmend auf die Kommunalpolitik [in den USA] verlagert hat und versucht, Mitglieder der chinesischen Diaspora dazu zu bewegen, geschlossen für bestimmte Kandidaten zu stimmen oder ‚Wähler von anderen fernzuhalten, die pro-Hongkong oder pro-Taiwan eingestellt sind‘“.
Die Einflussoperation der KPCh habe zudem „erhebliche Investitionen“ in lokale und gemeinschaftliche chinesischsprachige Medien in den Vereinigten Staaten umfasst, darunter auch wirtschaftlich angeschlagene US-Medien, so der Bericht unter Berufung auf die in den USA ansässige chinesische Journalistin Vivian Wu.
„China hat 30 Milliarden Renminbi [3,9 Milliarden Euro] investiert, um dieses Netzwerk zum Aufkauf lokaler Medien aufzubauen“, sagte Wu gegenüber RSF.
Nach Wus Darstellung konkurrieren unabhängige Diaspora-Medien mit finanziell und institutionell deutlich besser ausgestatteten Akteuren.
Der Bericht fordert demokratische Regierungen auf, die finanzielle Nachhaltigkeit von Exilmedien zu stärken – durch langfristige Finanzierung, beschleunigte Visaverfahren für verfolgte Journalisten sowie erleichterten Zugang zu Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen für Journalisten im Exil.
Smart Glasses sind umstritten, da sie andere Menschen oft weitestgehend unbemerkt filmen können. (Archivbild) - Foto: Christoph Schmidt/dpa
Im Schwimmbad, mitten auf der Straße oder beim Feiern – mit Smart Glasses können Fremde intime Aufnahmen machen, von den Opfern oft völlig unbemerkt. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Menschen, die mit Datenbrillen solch heimliche Aufnahmen tätigen und sie ins Netz stellen. Wie groß ist das Problem in Deutschland und was könnte helfen?
Smart Glasses sind mit einer Kamera und einem Mikrofon ausgestattete Brillen, die sich optisch kaum von gewöhnlichen Seh- oder Sonnenbrillen unterscheiden. Dadurch können sie vergleichsweise unauffällig Fotos, Videos und Tonaufnahmen anfertigen.
Meta bringt neue KI-Brille mit Kamera nach Deutschland
Meta bringt inmitten der laufenden Datenschutz-Debatte seine KI-Brille mit Kamera und kleinem Display nach Deutschland. Das Gerät wird knapp ein Jahr nach dem US-Start ab dem 13. Oktober in mehreren europäischen Ländern verfügbar sein, kündigte das Unternehmen an.
Die Kameras in den Brillen sind nicht nur dafür da, Fotos und Videos aufzunehmen, sondern sollen auch Künstlicher Intelligenz (KI) von Meta vermitteln, was die Nutzer gerade sehen, damit sie ihre Antworten darauf anpassen kann. Ein helles Licht zeigt an, wenn die Kamera aktiv ist.
In den USA kam die Display-Brille bereits Ende vergangenen Jahres auf den Markt.
Foto: Andrej Sokolow/dpa
Heimliches Filmen mit Smart Glasses
Da das Filmen ohne Zustimmung oft unbemerkt erfolgt, ist es schwer zu sagen, wie verbreitet das Phänomen ist. In Kölner Freibädern gab es etwa Verdachtsfälle. Bei der Bäderallianz Deutschland heißt es, Smart Glasses seien auf jeden Fall Thema und beschäftigten die Betriebe. Sprecherin Ann-Christin von Kieter Schmidt meint im Gespräch mit der dpa auch: „Das Problem, das mit normalen Smartphones gefilmt wird, ist eigentlich größer.“
Auch Thomas Fuchs, Datenschutzbeauftragter von Hamburg, meint, dass heimliches Filmen derzeit noch mehr ein Handy-Thema sei, einfach weil diese weiter verbreitet seien. Er glaube, dass es noch nicht massenhaft Fälle mit Datenbrille gebe, dass man aber mit Recht davon ausgehen könne, dass das zunehmen werde.
Recherchen des SWR zufolge haben sich in sozialen Netzwerken und Onlineforen regelrechte Gemeinschaften von Smart-Glasses-Nutzern gebildet, die sich gegenseitig Tipps geben, wie sie Frauen unbemerkt filmen – sogar beim Sex.
Brillen werden kritischer als Handys gesehen
„Es ist unglaublich schwierig, die zu erkennen“, meint von Kieter Schmidt von der Bäderallianz. Auch Datenschützer Fuchs sagt: „Die Erkennbarkeit des Handys ist natürlich dadurch, dass du es hochhalten musst und filmst, irgendwie doch noch mal was anderes, als wenn ich einfach meine Brille aufsetze und dann nur so ein kleines Lämpchen leuchtet.“
Smart Glasses weisen in der Regel auf eine laufende Videoaufzeichnung hin. An der Vorderseite der Meta-Brille etwa befindet sich eine kleine weiße LED-Leuchte, die während der Aufnahme pulsierend blinkt. Kritiker zweifeln aber, ob Menschen dieses Signal etwa bei hellem Tageslicht oder aus weiterer Entfernung ausreichend wahrnehmen können.
Die „Serenity“-Smartbrille auf der Consumer Electronics Show (CES) 2020 am 9. Januar 2020 in Las Vegas, Nevada. Die Smartbrille wog damals 26 Gramm und verfügt über Stress- und Ermüdungssensor, EKG-Monitor sowie Sturzerkennung. Der Träger kann über die Brille außerdem Telefonate führen und Musik hören.
Foto: Robyn Beck/AFP via Getty Images
Wie wird gegen heimliche Aufnahmen vorgegangen?
Eine einheitliche Regelung gibt es in Deutschland bisher nicht, durchaus aber einzelne Verbote. Öffentliche Schwimmbäder in Baden-Württemberg und in Potsdam wollen Smart Glasses ausdrücklich verbieten, andere Bäder verweisen darauf, dass Filmen und Fotografieren in ihrer Badeordnung ohnehin tabu ist. Manche schulen auch ihre Mitarbeiter, um die Brillen besser zu erkennen.
Hamburg plant neben einem Verbot in städtischen Bädern auch ein Aus der Brillen in Bussen und Bahnen. Die dortige rot-grüne Koalition will auch den Einsatz von Smart Glasses auf Bundesebene regulieren lassen.
Die gemeinnützige Organisation HateAid versucht hingegen, den Verkauf der Brillen in Deutschland zu stoppen. HateAid hat Strafanzeigen gegen Vorstände und Führungskräfte des Digitalkonzerns Meta, der Brillenhersteller Ray-Ban und Oakley sowie großer deutscher Retail- und Optikerketten wie MediaMarktSaturn, Fielmann, Apollo-Optik und Mister Spex gestellt. Die Organisation fordert auch eine striktere Regulierung durch die Bundesnetzagentur und das Bundesjustizministerium.
Nutzungsverbote oder Produktionsverbot?
Datenschützer Fuchs geht nicht davon aus, dass es zu einem Produktverbot kommt. Vermutlich werde es immer mehr Nutzungsverbote an bestimmten Orten geben. „Und das ist wahrscheinlich auch richtig so, auch um Menschen zu schützen, die wie zum Beispiel im Schwimmbad eben mit wenig Kleidung exponiert sind.“
Er sagt zudem: „Was ich richtig fände, wäre, wenn man sagt, der Hersteller muss sich noch mehr anstrengen, was die Erkennbarkeit der Aufnahme anbelangt.“ Er weist zudem darauf hin, dass das heimliche Filmen und Weiterverbreiten ohnehin rechtswidrig ist – auch ohne Verbot der Brillen. Dafür kann auch ein Bußgeld verhängt werden.
Ray-Ban-Brillen von Meta, ausgestellt in einem Elektronikgeschäft am 10. August 2026 in Downtown Brooklyn in New York City.
Foto: Michael M. Santiago/Getty Images
Brillen als Assistenz
Schon jetzt haben sich in Köln Badegäste beschwert, weil sie die teils verbotenen Brillen brauchen, meint von Kieter Schmidt von der Bäderallianz. Auch Datenschützer Fuchs sieht die Problematik. Für Menschen mit Blinden- oder Behindertenausweis dürften Verbote natürlich nicht gelten, da sie ein berechtigtes Interesse daran hätten, die Brillen zu nutzen, um sich im Alltag besser zurechtzufinden.
„So wie es den Assistenzhund gibt, der irgendwo mit darf, wo sonst keine Hunde sein dürfen, so können natürlich Leute mit einem Assistenzbedarf nach solchen Brillen die Brillen benutzen.“ Auch die Live-Übersetzung kann laut Stiftung Datenschutz für einige Menschen sehr hilfreich sein.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist ein Verbot der gesamten Produktkategorie Smart Glasses nicht vorgesehen – und rechtlich demnach auch nicht möglich. Ein Verbot werde immer im Einzelfall geprüft.
Eine „getarnte Telekommunikationsanlage“ könne nur dann verboten werden, wenn sie „besonders für die heimliche Aufnahme von Bild oder Ton „bestimmt“ ist“. Bei den bislang geprüften Geräten lägen keine ausreichenden Voraussetzungen für ein Verbot vor.
Laut Meta wurden die Datenbrillen bereits 2022 von der deutschen Bundesnetzagentur geprüft. Die in Europa entwickelten Brillen seien von Grund auf mit Datenschutzvorkehrungen ausgestattet, die über das hinausgingen, was jedes Smartphone biete.
Meta verwies darauf, dass die Aufnahme-LED hell-weiß blinke, wenn man ein Foto oder Video aufnehme. Sollte jemand die LED abdecken oder beschädigen, werde die Kamera deaktiviert.
Meta gehe gegen Missbrauch vor, sagte der zuständige Top-Manager Alex Himel der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Entwicklermesse Meta Connect. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Alle Brillen, bei denen das Anzeige-Licht manipuliert worden sei, seien abgeschaltet worden. Und es habe sich um weniger als 0,1 Prozent der Geräte gehandelt.
Zudem scanne Meta Plattformen wie Instagram und Facebook, um Videos mit Belästigungen zu finden – „und dann löschen wir nicht nur die Inhalte, sondern blockieren auch die Accounts“. Schließlich versuche Meta, bekannter zu machen, dass das Licht auf eine laufende Kamera hinweise. „Wir wollen, dass die Leute das wissen.“ Aus Sicht von Meta ist die Anzeige auch deutlicher sichtbar als bei anderen Arten von Geräten, mit denen man Aufnahmen machen kann.
Auch Smart Glasses-Hersteller Rokid schreibt zumindest, dass Nutzer auch selbst darauf hinweisen sollten, wenn sie filmen. Auch seine Brillen signalisierten Aufnahmen durch ein Leuchten und sollen das Filmen beenden, wenn die Kamera verdeckt werde. (dpa/red)
2020 wurde er vom Landgericht Osnabrück zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. (Archivbild) - Foto: Friso Gentsch/dpa
Bandenmäßiger Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung – in mehreren Verfahren summierten sich die Strafen gegen Hendrik Holt auf fast neun Jahren Gefängnis.
Absitzen wollte der als Windkraftbetrüger bekanntgewordene Holt diese nicht. Ende August kehrte der 36-Jährige von einem genehmigten Ausgang nicht in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurück.
Knapp einen Monat später wurde er am Dienstag in Dubai gefasst, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte.
Zuvor hatten die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und „OM-Online“ berichtet. Nach dem aus dem emsländischen Haselünne stammenden Holt war weltweit mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet worden.
Einen Tag nach seiner Flucht war bei dem Berliner Gefängnis noch eine E-Mail eingegangen, in der es sinngemäß hieß, Holt werde nicht wiederkommen. Seit Oktober 2024 befand er sich im offenen Vollzug.
Seine Ehefrau und sein Kind ließ er zurück. Wo er sich aufhielt? Unbekannt.
In einem von Medien aufgegriffenen Instagram-Post hieß es: „Liebesgrüße aus Moskau sehr schön hier der Kaviar ist fantastisch“. Zur Echtheit des Beitrages machte die Staatsanwaltschaft Osnabrück damals keine Angaben.
Holt sei noch in Dubai, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Schanz. In einem nächsten Schritt müssten die Auslieferungsunterlagen übermittelt werden. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt.
Oberstaatsanwalt: „an Absurdität nicht zu überbieten“
Der Fall Holt sei gespickt mit „Ereignissen, die an Absurdität nicht zu überbieten waren“, sagte der Osnabrücker Oberstaatsanwalt Nils Leimbrock nach der Flucht.
Er hat Holt bereits einmal ins Gefängnis gebracht und ist wieder der leitende Ermittler bei der Fahndung der Staatsanwaltschaft Osnabrück und der Direktionsfahndung der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück nach dem Windkraftbetrüger.
Leimbrock hatte nach seinem Erfolg 2020 wieder mit einer Ergreifung Holts gerechnet. Der Ermittler war überzeugt, dass der Windkraftbetrüger „Gefallen an dem Licht der Öffentlichkeit gefunden“ hat. Dieser Umstand könnte hilfreich sein.
In einer ARD-Doku („Holt – Der Windkraft-Schwindler“) gibt sich der bereits Inhaftierte als jemand, der gerne im Mittelpunkt steht und es seit den Kindertagen gewohnt ist, zu bekommen, was er will.
Noch immer trägt er bevorzugt maßgeschneiderte Anzüge mit Einstecktuch. Vor seiner Festnahme umfasste sein Fuhrpark 18 Luxuswagen, drei Fahrer beschäftigte er.
Zehn Millionen Euro ergaunert
Das Luxusleben fand ein jähes Ende. Mit nicht einmal Mitte 30 wurde Holt 2022 vom Landgericht Osnabrück zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt.
Er hatte an ausländische Stromkonzerne angeblich existierende Windparks verkauft, die es in Wahrheit gar nicht gab. Er hatte ausländische Diplomaten bestochen, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger immun zu machen.
„Nur als Witz“ hatte er sich mit einem frei erfundenen Doktortitel geschmückt. Rund zehn Millionen Euro hatten er, ein Mittäter und Familienangehörige mit der Firma Holt Holding ergaunert.
In der Doku stellt sich Holt als „Unternehmer und Abenteurer“ dar, der in eine Situation gekommen sei, in der er sich entscheiden musste, ob er oder „die anderen“ gewinnen.
„Man muss den Willen zur absoluten Macht haben und auch den gewissen Killerinstinkt“, sagt Holt über sich. Großes Vorbild war sein Großvater, der in Haselünne ein Bauunternehmen besaß. Andere Menschen habe dieser wie ein General beim Militär herumkommandiert.
Holt sei unter anderem auch Sponsor der Münchener Sicherheitskonferenz gewesen und habe ungehinderten Zugang zur Hochpolitik gehabt, erzählte Oberstaatsanwalt Leimbrock.
Die Fahndung nach Holt Anfang 2020 – vor dessen Festnahme und Verurteilung – habe sich zeitweise fast wie im Film angefühlt, erinnerte sich der Oberstaatsanwalt. Mit der Flucht und Festnahme in Dubai hat der Windkraftbetrüger möglichen Stoff für eine Fortsetzung geliefert. (dpa/red)
Gegenseitiger Respekt kann dazu beitragen, Beziehungen auch in Zeiten von Meinungsverschiedenheiten zu bewahren. - Foto: kupicoo/iStock
Noelle Mering ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ethics and Public Policy Center (EPPC), einem bekannten konservativen US-amerikanischen Thinktank mit Sitz in Washington, D.C. Sie ist außerdem Mitautorin von drei Büchern der Reihe „Theology of Home“ (zu Deutsch: Theologie des Zuhauses). Ihre Beiträge sind in Dutzenden Publikationen erschienen. Als Mering 2020 durch das Land reiste, um für ihr Buch „Awake, Not Woke“ (zu Deutsch etwa: Wach, nicht angeblich wach) zu werben, gefielen ihr die Fragerunden dieser Veranstaltungen am besten. Damals fiel ihr auf, dass die Zuhörer immer wieder dieselbe Frage stellten: „Was soll ich mit meinen erwachsenen Kindern tun, die nicht nur ihren Glauben und ihre Werte aufgegeben haben, sondern sich auch von uns entfremdet haben?“
„Das hörte ich immer öfter“, sagte Mering der Epoch Times und wiederholte einige der Aussagen dieser Eltern über ihre erwachsenen Kinder, die kaum noch etwas mit ihnen zu tun haben wollten oder den Kontakt komplett abgebrochen hatten. „Sie leben anders. Sie haben die Art und Weise aufgegeben, wie wir sie erzogen haben. Sie sprechen kaum noch mit mir oder können es nicht ertragen, in meiner Nähe zu sein, weil wir in so vielen Dingen unterschiedlicher Meinung sind.“
Irgendwann erwähnte Mering diese immer wiederkehrende Reaktion gegenüber ihrem Agenten, der ihr als Erster von der „No-Contact“-Bewegung erzählte. Mering hatte noch nie davon gehört, doch schon bald tauchte das Thema „No Contact“ überall in den Medien und in ihren Gesprächen mit anderen auf.
„Es ist wirklich eines dieser Phänomene, die sich rasant entwickelten und in sehr kurzer Zeit exponentiell wuchsen, noch bevor ich überhaupt einen Namen dafür hatte“, sagte sie.
„No Contact“-Bewegung: abgetrennt von der Lebenserfahrung
Ihre Neugier war geweckt und die Wissenschaftlerin begann, diesen aufkeimenden Trend zerbrochener Familien zu erforschen. Das Ergebnis ist ihr in Kürze erscheinendes Buch „No Contact: How a Seductive Ideology Broke Families and Friendships and How We Can Repair Them“ (zu Deutsch: Kontaktabbruch: Wie eine verführerische Ideologie Familien und Freundschaften zerbrach und wie wir sie wiederherstellen können). In diesem Werk legt die Autorin, Ehefrau und Mutter von sechs Kindern die Ursachen dieses Angriffs auf die Familie offen und zeigt Wege auf, wie die dadurch verursachten Wunden geheilt werden können.
Sowohl in ihrem Buch als auch im Gespräch mit der Epoch Times stellte Mering klar, dass sie in ihrer Untersuchung der „No Contact“-Bewegung diejenigen ausgeschlossen hat, die sich aus Gründen körperlicher und psychischer Misshandlung von ihren Familien getrennt haben.
Stattdessen konzentrierte sie sich auf Familien, die durch die politischen und kulturellen Spaltungen unserer Zeit zerbrochen sind, insbesondere solche, die durch die Ereignisse der letzten zehn Jahre angeheizt wurden. Durch umfangreiche Lektüre, Gespräche mit Experten und Interviews mit zahlreichen Familienmitgliedern auf beiden Seiten der „No Contact“-Kluft entdeckte Mering die Triebkräfte jenseits der Ideologie, die den „No-Contact“-Boom befeuern: die Kriege in den sozialen Medien, unsere Opferkultur, die Neudefinition des Familienbegriffs durch Wissenschaftler und eine „Ich zuerst“-Philosophie („Me first“), die individuelle Interessen und das eigene Wohlergehen über alles andere stellt – einschließlich der Familie.
Das Zusammenspiel dieser Kräfte bildet die Grundlage für die neue Dynamik der Entfremdung.
Mauern und Stacheldraht der Ideologie
„Es gab schon immer Familienmitglieder, die sich voneinander abgewendet oder entfremdet haben“, sagte Mering gegenüber der Epoch Times. „Es gibt Missbrauch, Suchtprobleme, psychische Erkrankungen oder es herrschen einfach nur negative Gefühle, mit denen wir nicht umgehen können. Diese Beziehungen lassen sich einfach nicht aufrechterhalten – doch dies wird heute weitaus stärker von Ideologie getrieben als früher. Es gab schon immer politische Auseinandersetzungen, und Familienmitglieder konnten wütend davonstürmen, aber es ist mittlerweile üblicher geworden, den Kontakt zu Menschen aus ideologischen Gründen abzubrechen. Das hat sich in unser kulturelles Bewusstsein eingeprägt.“
Dieses Abbrechen familiärer Bindungen unterscheidet sich in noch einer weiteren Hinsicht radikal von der Vergangenheit. Damals waren es in der Regel – wenn auch viel seltener – die Eltern, die aufgrund des Verhaltens oder der Weltanschauung eines erwachsenen Kindes die Verbindung abbrachen. Heute sind diese Rollen beim Kontaktabbruch überwiegend vertauscht.
„Viele dieser jungen Erwachsenen verhalten sich, als wären sie die Eltern geworden, aber sie sind keine guten Eltern mit angemessener Autorität. Sie sind autoritäre Eltern, die versuchen, ihre unwissenden Älteren zu belehren, und ihnen damit drohen, nie wieder mit ihnen zu sprechen, wenn diese etwas sagen, das nicht mit ihren Ansichten übereinstimmt. Dieser Generationswandel ist enorm und wird weitaus stärker von Ideologie getrieben als früher.“
Versöhnung beginnt oft mit kleinen Gesten des guten Willens und nicht mit einer Einigung in schwierigen Fragen.
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Der Schmerz und die Trauer zerbrochener Familien
Eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2025 ergab, dass 38 Prozent der Amerikaner von einem Familienmitglied entfremdet sind. Genau wie Mering es erlebt hat, gehören politische und wertemäßige Differenzen, Einflüsse durch soziale Medien und die „Therapiekultur“ zu den von den Befragten genannten Hauptgründen für den Kontaktabbruch. Diese Spaltungen fordern von den Betroffenen einen enormen emotionalen Tribut: Schuldgefühle, Trauer, ein Gefühl des Versagens und vereitelte Liebe.
Eine der schlimmsten Geschichten, die Mering hörte, handelte von einem Sohn, der den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen hatte, aber gegen Ende der Corona-Pandemie nach Hause zurückkehrte, um sich von seinem sterbenden Vater zu verabschieden.
„Er ging wütend davon, weil einige Menschen im Haus nicht geimpft waren, und der Vater und die Mutter waren zutiefst untröstlich. ‚Das ist wahrscheinlich deine letzte Chance, bei ihm zu sein‘, sagte die Mutter zu ihrem Sohn, ‚er liegt im Sterben‘, und er antwortete: ‚Ich weiß, aber es ist eine Grundsatzfrage‘“, sagte sie.
Später, nachdem er seinen Vater auf dem Sterbebett im Stich gelassen hatte, wurde er doppelt wütend auf die Familie, da er annahm, sie würden 2024 für Trump stimmen, und erklärte, sie stünden „auf der falschen Seite der Geschichte“.
Blut ist dicker als Wasser
Wer seine Familie im Stich lässt, sucht oft nach einer „Wahlfamilie“, also Freunden, die die Rolle der Familie übernehmen. Zunächst mögen diese gewählten Familien funktionieren, doch für viele der von Mering befragten Verfechter des „No-Contact“-Ansatzes folgte die Enttäuschung.
„Man kann gereifte Liebe nur dann wirklich lernen, wenn man versteht, dass die Familie gegeben worden ist – und die selbstgewählte Familie lehnt diesen Rahmen gänzlich ab“, sagte sie und fügte hinzu: „Die Wahlfamilie wird sich selbst zum Verhängnis, denn sie kann dich genauso leicht wieder abwählen. Wenn sie auf einer Entscheidung beruht, ist niemand jemandem verpflichtet. Es gibt Geschichten von Menschen, die ihre Familien verlassen haben. Das hat gut funktioniert, solange sie jung, voller Energie und gesund waren. Doch jetzt befinden sie sich in einer Lebenskrise, sind krank oder haben ihren Job verloren, und ihre selbstgewählte Familie hält nicht mehr zu ihnen. Diese Menschen erkannten: ‚Ich brauche Menschen, die mir gegenüber verpflichtet sind.‘ Diese Ideen [Anm. d. Red.: der Wahlfamilie] scheitern immer wieder.“
Gegen Ende ihres Buches erinnert Mering die Leser daran, dass „die Epidemie der Entfremdung nicht allein aus Ideologie entstanden ist“. Dahinter stünden „unzählige kleine und große Misserfolge“: ein Mangel an Großzügigkeit und Vergebung, die Betonung des „Hyperindividualismus“ in unserer Kultur, ein Missbrauch der Therapie und die „Überhöhung der Opferidentität“ sowie der „Niedergang des Spirituellen“.
Aus ihren Recherchen, Gesprächen mit Beratern und Interviews mit Familien, die entweder zerbrochene Beziehungen wieder kitten konnten oder noch immer darunter leiden, sammelte sie Ratschläge, wie man die Wunden heilen kann, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Diese Ideen teilte sie mit der Epoch Times:
Halten Sie an Ihren Prinzipien fest, ohne Forderungen an den anderen zu stellen. Für diejenigen, die von einer Ideologie besessen sind, wird sich jede Kompromisslinie ständig ändern. Was auch immer Sie tun, es wird niemals „genug für eine echte, wahrhaftige Versöhnung“ sein.
Versuchen Sie nicht, Ihr erwachsenes Kind – oder in diesem Zusammenhang auch Ihre Eltern – durch Streit zu kontrollieren. „Sie machen sich selbst zum Feind, wenn Sie so nörgelig sind, dass sich die Person noch weiter von Ihnen zurückzieht.“
Hüten Sie sich davor, einem erwachsenen Kind, das unabhängig lebt, unaufgefordert Ratschläge zu erteilen. „Paradoxerweise sind sie vielleicht eher bereit, sich an Sie zu wenden, wenn Sie nicht zu viele Ratschläge geben.“
Nehmen Sie eine „Haltung der Neugier“ ein, die von Liebe geprägt ist. Fragen zu stellen „kann Momente der Anspannung und Auseinandersetzung wirklich entschärfen“. Anstatt die Meinung einer Person zu korrigieren, sagen Sie beispielsweise: „Ich möchte verstehen, warum du das denkst.“
Anerkennen Sie ihre Würde als individuelle Person, indem Sie das Gespräch von Konfliktbereichen weglenken. „Erzähl mir von deiner Arbeit, deinen Schwierigkeiten, deinen Erfolgen, deinen Freuden, deinen Leiden, deinen Freundschaften. Ich finde es toll, dass du so viel liest, oder dass du so kreativ bist, oder dass du so ein großartiger Geschichtenerzähler bist. Bestätigen Sie Dinge an ihnen, die nichts mit ihrer politischen Einstellung oder Ideologie zu tun haben. So entsteht ein gutes Verhältnis.“
„Haltet die Türen offen“
Für Eltern, die völlig von ihren Kindern abgeschnitten sind, empfiehlt Mering, die Tür immer offen zu halten. Einige der von ihr befragten Eltern betonten, wie wichtig es sei, den Drang nach Kontrolle loszulassen und stattdessen lebendige und gesunde Beziehungen zu pflegen. Manche fanden Trost und Kraft darin, andere Mütter und Väter in einer ähnlichen Situation zu begleiten oder sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Einige „verwandelten ihren Schmerz in Fürbitte und brachten ihn als Gebet für die Heilung ihres Kindes dar“, sagte sie.
Ideologie gegen Ideologie auszuspielen, ist für Familien ein aussichtsloser Kampf, ein Krieg, in dem es keine Sieger gibt. Merings Botschaft an alle, die in solche Konflikte verwickelt sind, lautet: nach Gemeinsamkeiten suchen, die Wahrheit sagen – aber sanft und liebevoll – und „uns selbst mit derselben Ehrlichkeit prüfen, die wir von anderen verlangen“, und schneller vergeben als verurteilen – all dies mit dem beständigen Wunsch nach Heilung, Versöhnung und Wiederherstellung.
Die Sitze im „Executive“-Wagen des neuen Hochgeschwindigkeitszugs „Frecciarossa 1000“ von Trenitalia, der am 26. September 2025 in Neapel vorgestellt wurde. - Foto: Tiziana Fabi/AFP via Getty Images
Mit dem „roten Pfeil“ nach Österreich oder Italien: Die Deutsche Bahn (DB) sieht in den neuen Direktverbindungen mit den Frecciarossa-Hochgeschwindigkeitszügen der italienischen Trenitalia auch Potenzial für Urlaubsreisende. Mit den Verbindungen von München nach Mailand und Rom seien „zahlreiche beliebte Urlaubsziele“ entlang der Strecke direkt zu erreichen, erklärte die DB am Mittwoch. Sein Angebot ausbauen will auch der Bahn-Konkurrent Flixtrain.
Frecciarossa ab München
Die Deutsche Bahn will die Direktverbindung zwischen München nach Mailand und nach Rom ab Sommer 2027 anbieten, in Kooperation mit Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB).
Zunächst ist laut DB die Aufnahme von zwei Zugpaaren (Hin- und Rückfahrt) auf den Verbindungen München–Mailand sowie München–Rom geplant. Zwischenhalte auf der Strecke nach Mailand sind dabei unter anderem Innsbruck, Bozen, Verona und Brescia; via Rom werden auch Bologna und Florenz angefahren.
Ausbau bis Berlin geplant
Ab Dezember 2028 sollen die Verbindungen nach DB-Angaben in Italien dann zudem bis nach Neapel und in Deutschland bis nach Berlin verlängert werden. Die Kooperation ziele darauf ab, „Italien und Österreich als besonders beliebte Urlaubsländer per Bahn noch komfortabler an Deutschland anzubinden“, erklärte DB-Fernverkehrsvorstand Michael Peterson.
Die Fahrtzeit für die etwa 600 Kilometer lange Strecke von München nach Mailand wird von der Deutschen Bahn mit rund sechseinhalb Stunden angegeben; für die 900 Kilometer aus der bayerischen Landeshauptstadt nach Rom sollen es achteinhalb Stunden sein.
Zum Einsatz kommen soll dabei der Frecciarossa, der Hochgeschwindigkeitszug der Trenitalia, der bereits seit 2015 in Italien verkehrt und mittlerweile auch in Frankreich und Spanien unterwegs ist.
Flixtrain bestellt neue Züge
Auf Hochgeschwindigkeitszüge setzt auch der DB-Konkurrent Flixtrain: Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, sollen ab 2028 sukzessive 65 Züge des bis zu 230 km/h schnellen Typs Star eingesetzt werden und „eine neue Ära des Reisens in Deutschland einläuten“.
Dann werde Flixtrain erstmals auch die Strecke Berlin–München bedienen. Weitere neue Ziele sollen im kommenden Jahr bekanntgeben werden. Das Vertragsvolumen für alle 65 Züge vom spanischen Hersteller Talgo sowie Lokomotiven von Siemens umfasst laut Flixtrain 2,4 Milliarden Euro. (afp/red)
Die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Südosthessen arbeitete mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Linksextremisten haben sich zu einem Anschlag auf ein CDU-Büro am Wochenende in Offenbach am Main bekannt.
Ein entsprechendes Bekennerschreiben wurde anonym auf dem Internetportal „Indymedia“ veröffentlicht. In dem Schreiben wurden weitere Gewaltaktionen gegen die „Partei von Friedrich Merz“ angekündigt. „Ein paar Steine“ im CDU-Büro seien „erst der Anfang“, hieß es.
Das hessische Innenministerium bestätigte „Focus Online“, dass den Sicherheitsbehörden ein mutmaßliches Bekennerschreiben vorliege, welches nun Teil der Ermittlungen sei. Die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums Südosthessen arbeitete mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls.
Unbekannte Täter hatten in der Nacht zu Montag die Kreisgeschäftsstelle der CDU und das zugehörige Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Björn Simon mit Steinen angegriffen. Dabei wurden sechs große Glasscheiben zerstört.
Der Sachschaden wurde auf rund 6.000 Euro geschätzt. Personen kamen nicht zu Schaden, da das Büro zur Tatzeit nicht besetzt war. Die Polizei erklärte gegenüber „Focus Online“, dass die Tat von mehreren dunkel gekleideten Personen verübt worden sei, die danach geflüchtet seien. (dts/red)
Aktivisten demonstrieren mit einer Kletter-Aktion am Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
In Berlin haben sich Umweltaktivisten am Mittwochmorgen vom Dach der CDU-Parteizentrale abgeseilt.
Wie die Polizei mitteilte, wurden die Einsatzkräfte kurz nach 7 Uhr zum Konrad-Adenauer-Haus gerufen. Dort hätten sich mehrere Personen unberechtigt Zugang zum Dach verschafft.
Kräfte des Zentralen Objektschutzes entdeckten demnach die Personen, welche sich dann vom Dach abseilten und ein Transparent an der Fassade des Gebäudes ausrollten.
Umweltaktivisten besetzen Dach der CDU-Zentrale in Berlin am 23.09.2026
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Offenbar handelte es sich um Mitglieder der Aktivistengruppe Robin Wood. Auf dem Transparent stand „Klare Kante gegen Rechts. Sozialabbau beenden, Klimakrise bekämpfen“.
Laut Polizei wurden Höhenretter alarmiert. Gegen alle beteiligten Personen würden Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch eingeleitet.
Auch eine Person mit einer Drohne wurde zunächst festgesetzt. Die Polizei war zunächst mit ca. 30 Einsatzkräften vor Ort. (dts/red)
Die „Serenity“-Smartbrille auf der Consumer Electronics Show (CES) 2020 am 9. Januar 2020 in Las Vegas, Nevada. Die Smartbrille wog damals 26 Gramm und verfügte über einen Stress- und Ermüdungssensor, einen EKG-Monitor sowie Sturzerkennung. Der Träger konnte über die Brille auch Telefonate führen und Musik hören. - Foto: Robyn Beck/AFP via Getty Images
Wegen heimlicher Filmaufnahmen von Frauen mit sogenannten Smart Glasses hat die französische Justiz Ermittlungen eingeleitet.
Wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte, gingen bereits mehrere „Strafanzeigen wegen Verletzung der Privatsphäre im Zusammenhang mit der Nutzung von Smart Glasses“ ein. Angaben zum Hersteller der Brillen machte die Staatsanwaltschaft nicht.
Smart Glasses werden von verschiedenen Brillenherstellern in Kooperation mit Technologiekonzernen wie Meta oder Google angeboten. Sie sind unter anderem mit Kameras ausgestattet und können sich mit dem Internet verbinden.
Neben Fotos und Videos sind oft auch Livestreams möglich. Allein eine High-Tech-Brille des Facebook-Mutterkonzerns Meta und des Herstellers Ray-Ban verkaufte sich 2025 weltweit sieben Millionen Mal. Ihr Einsatz stößt auf erhebliche Datenschutzbedenken.
Die Pariser Staatsanwaltschaft sprach von einem „zunehmenden Trend“ in den Online-Netzwerken, „bei dem Frauen auf der Straße mit Smart Glasses ohne ihre Zustimmung gefilmt und die Aufnahmen anschließend online veröffentlicht werden“.
Nach französischem Recht sei das eine Straftat, die mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 45.000 Euro bestraft werden könne.
In einigen Fällen seien auch Ermittlungen wegen sexueller Nötigung eingeleitet worden, wenn die Aufnahmen „mit nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakten einhergehen“. (afp/red)
Die Maschine wurde völlig zerstört. - Foto: Harald Tittel/dpa
Im Bereich der US-Airbase Spangdahlem in der rheinland-pfälzischen Eifel ist ein Kampfjet vom Typ F16 abgestürzt. Dabei sei nach ersten Erkenntnissen ein Mensch verletzt worden, teilte der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit.
Eine Sprecherin der Airbase sprach von einem „Vorfall“ mit einem Flugzeug auf dem Vorfeld. Der Pilot habe sich „sicher“ mit dem Schleudersitz retten können und werde medizinisch versorgt.
Der „Südwestrundfunk“ berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von einer schwarzen Rauchsäule im Bereich der US-Airbase.
Der mutmaßliche Unglücksort soll sich in der Verlängerung der Startbahn auf Höhe des Golfplatzes befinden. Deutsche Einsatzkräfte aus den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm wurden alarmiert.
Dem SWR zufolge sollen am Nachmittag zwei Maschinen gestartet sein, von denen eine abgestürzt sei. Der Pilot habe offenbar den Schleudersitz betätigt und die Maschine verlassen können.
Die Feuerwehr war im Einsatz.
Foto: via dts Nachrichtenagentur
„Zum Unfallhergang sowie zu weiteren Einzelheiten des Ereignisses können seitens des Eifelkreises derzeit keine Angaben gemacht werden“, so die Kreisbehörde.
Rund 20 Jets stationiert
In Spangdahlem ist eine F-16-Kampfjetstaffel mit rund 20 Flugzeugen beheimatet. Die Staffel, die weltweit Einsätze der US Air Force und der NATO unterstützt, ist das Kernstück des Flugplatzes.
Der Standort zählt nach jüngsten Angaben rund 5.000 militärische und zivile Mitarbeiter – plus Angehörige. Der US-Flugplatz ist auch Arbeitgeber für 700 bis 800 Deutsche.
Zuletzt war im Oktober 2019 ein US-Kampfjet vom Typ F-16 in der Nähe der Airbase in einem Wald bei Zemmer-Rodt (Kreis Trier-Saarburg) abgestürzt. Der Pilot hatte sich damals bei dem Routine-Übungsflug mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug gerettet: Er kam mit leichten Verletzungen davon.
Ein F-16-Kampfflugzeug über dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Spangdahlem (Symbolbild).
Foto: Maja Hitij/Getty Images
Die US-Luftwaffe ist seit Mitte der 1950er Jahre in Spangdahlem präsent. Die Airbase Spangdahlem gilt neben Ramstein bei Kaiserslautern in der Pfalz als eine der wichtigsten Flugplätze für das US-Militär.
Vor einigen Jahren gab es Abzugspläne, die die US-Regierung aber nicht umsetzte und 2021 auf Eis legte. Die Entscheidung sorgte damals in der Eifel für große Erleichterung. (dpa/dts/red)
Bei dem Absturz wurde nach ersten Erkenntnissen ein Mensch verletzt. (Archivbild) - Foto: Harald Tittel/dpa
Im Bereich der US-Airbase Spangdahlem in der rheinland-pfälzischen Eifel ist ein Militärflugzeug abgestürzt. Dabei sei nach ersten Erkenntnissen ein Mensch verletzt worden, teilte der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit.
„Zum Unfallhergang sowie zu weiteren Einzelheiten des Ereignisses können seitens des Eifelkreises derzeit keine Angaben gemacht werden“, so die Kreisbehörde. Die US-Luftwaffe machte auf Anfrage zunächst keine Angaben zu dem Unglück.
Anwohner berichteten dem SWR zufolge von einer großen Rauchsäule und Sirenengeheul. Der mutmaßliche Unglücksort soll sich in der Verlängerung der Startbahn auf Höhe des Golfplatzes befinden. Deutsche Einsatzkräfte aus den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm wurden alarmiert.
Dem SWR zufolge sollen am Nachmittag zwei Maschinen gestartet sein, von denen eine abgestürzt sei. Der Pilot habe offenbar den Schleudersitz betätigt und die Maschine verlassen können.
Die Feuerwehr war im Einsatz.
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Rund 20 Jets stationiert
In Spangdahlem ist eine F-16-Kampfjetstaffel mit rund 20 Flugzeugen beheimatet. Die Staffel, die weltweit Einsätze der US Air Force und der NATO unterstützt, ist das Kernstück des Flugplatzes.
Der Standort zählt nach jüngsten Angaben rund 5.000 militärische und zivile Mitarbeiter – plus Angehörige. Der US-Flugplatz ist auch Arbeitgeber für 700 bis 800 Deutsche.
Zuletzt war im Oktober 2019 ein US-Kampfjet vom Typ F-16 in der Nähe der Airbase in einem Wald bei Zemmer-Rodt (Kreis Trier-Saarburg) abgestürzt. Der Pilot hatte sich damals bei dem Routine-Übungsflug mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug gerettet: Er kam mit leichten Verletzungen davon.
Ein F-16-Kampfflugzeug über dem Stützpunkt der US-Luftwaffe in Spangdahlem (Symbolbild).
Foto: Maja Hitij/Getty Images
Die US-Luftwaffe ist seit Mitte der 1950er Jahre in Spangdahlem präsent. Die Airbase Spangdahlem gilt neben Ramstein bei Kaiserslautern in der Pfalz als eine der wichtigsten Flugplätze für das US-Militär.
Vor einigen Jahren gab es Abzugspläne, die die US-Regierung aber nicht umsetzte und 2021 auf Eis legte. Die Entscheidung sorgte damals in der Eifel für große Erleichterung. (dpa/dts/red)
Patientin mit AOK-Versicherungskarte in einer Arztpraxis in Berlin. (Symbolbild) - Foto: Adam Berry/Getty Images
Die Wurzeln reichen zurück in eine andere Zeit: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist eine der Institutionen in der Bundesrepublik, die noch aus der Zeit des Kaiserreichs stammen und deren Grundsätze – etwa die Versicherungspflicht für weite Bevölkerungskreise – sich seit ihrer Gründung 1883 bis heute erhalten haben.
Auch das Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Kassen reicht in diese Zeit zurück. Es ist eine Zweiteilung, die heute von manchen als sozial ungerecht empfunden wird und aktuell für politische Debatten sorgt.
Solidarprinzip vs. Krankheitsrisiko
Die tragende Säule des Systems der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist das Solidarprinzip. Die Versicherten zahlen einen nach Einkommen gestaffelten Beitrag. Bei den anschließenden Leistungen für Erkrankte – also etwa Arztbehandlung und Medikamente – spielt das Einkommen aber keine Rolle.
Die Beiträge bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) werden ganz anders kalkuliert: Hier wird das Krankheitsrisiko – und damit auch Kostenrisiko – jedes einzelnen Versicherten geprüft, und auf dieser Grundlage wird die Prämie berechnet.
Die PKV kann also Menschen, die absehbar hohe medizinische Kosten verursachen, mit entsprechend hohen Prämien belegen. Sie versichert tendenziell jüngere und gesündere Menschen. Das Risiko für chronisch Kranke oder ältere Menschen verbleibt in der GKV.
Aktuell sind rund 90 Prozent der Versicherten in der GKV – das entspricht rund 74,5 Millionen Menschen. In der PKV sind rund zehn Prozent, das entspricht neun Millionen Menschen.
Das nebeneinander von GKV und PKV wird als Zwei-Klassen-Medizin und als Bruch mit dem Solidarprinzip kritisiert. Die privaten Kassen sind finanziell besser aufgestellt und können Ärzten höhere Honorare zahlen.
Deswegen werden ihre Versicherten oft bei der Terminvergabe bevorzugt. Hinzu kommen bessere Leistungen wie etwa Chefarztbehandlungen und moderne Medizinmethoden.
In die PKV wechseln vor allem Menschen mit hohem Einkommen, Beamte und Selbstständige. Dadurch fehlen der gesetzlichen Solidargemeinschaft wichtige Beitragszahler.
Versicherungspflicht zunächst für Arbeiter und Handwerker
Gegründet wurde die GKV im Kaiserreich mit dem Ziel, Industriearbeiter und Beschäftigte in Handwerks- und Gewerbebetrieben vor dem Kostenrisiko von Erkrankungen zu schützen. Der Kreis der Versicherten wurde dann ständig ausgeweitet, ebenso der Leistungskatalog.
Heute ist im Sozialgesetzbuch V festgeschrieben, wer in der GKV pflichtversichert ist: Arbeitnehmer, Auszubildende, Arbeitslose, Rentner, Studenten, Künstler sowie Land und Forstwirte.
Ausnahmen von der Versicherungspflicht
Menschen, deren Jahresgehalt eine bestimmte Grenze überschreitet, sind von der Versicherungspflicht ausgenommen – aktuell ist das ein Jahresgehalt von 77.400 Euro. Bei ihnen geht der Staat davon aus, dass sie weniger schutzbedürftig sind und das Risiko von Erkrankungen finanziell selbst absichern können.
Auch Beamte müssen nicht in die GKV, weil sie anderweitig hinreichend abgesichert sind – etwa durch das Beihilfesystem für Staatsbedienstete. Weitere Ausnahmen sind im Sozialgesetzbuch festgeschrieben: Selbstständige, Geistliche, Richter und Soldaten.
Auch das System der Privatkassen reicht weit in die Geschichte zurück. Schon im Kaiserreich spielten sie eine wichtige Rolle, weil die GKV zunächst fast ausschließlich auf Arbeiter beschränkt war. (afp/red)
Die Ermittlungen, wie es zu dem Unfall kommen konnte, laufen. - Foto: Sven Hoppe/dpa
Auf dem Münchner Oktoberfest ist ein Mitarbeiter eines Fahrgeschäfts bei einem Unfall ums Leben gekommen. Wie konnte das passieren? Und wie geht es nun weiter?
Was ist geschehen?
Ein 52 Jahre alter Mitarbeiter des Fahrgeschäfts „Hangover“, ein 85 Meter hoher Freefall-Tower, wurde am Montagabend von der herunter rauschenden Gondel getroffen und möglicherweise auch eingequetscht. Laut Fahrgeschäfts-Homepage beträgt die Fallgeschwindigkeit bis zu 90 Kilometer in der Stunde.
Einsatzkräften gelang es, den Mann wiederzubeleben, er starb aber kurze Zeit später im Krankenhaus. Der Bereich rund um das Fahrgeschäft wurde für den großen Rettungseinsatz abgesperrt.
Wie konnte es dazu kommen?
Zu den genauen Umständen des mutmaßlichen Betriebsunfalls werde noch ermittelt, teilte die Polizei mit. Am Abend hieß es, der Mann habe sich wohl in einem Bereich aufgehalten, in dem er nicht hätte sein sollen. Warum, das war zunächst unklar und sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte Polizeisprecher Thomas Schelshorn.
Auch der Betreiber konnte dazu am Morgen danach noch nichts sagen, Besprechungen liefen. Die Polizei bat Zeugen, die den Unfall beobachtet haben, sich zu melden.
In einer Pressemitteilung der Betreiberfamilie hieß es, die Familie arbeitet eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen, um diese bei der Klärung der Frage zu unterstützen, wie es „zu diesem für die Schaustellerfamilie einmaligen Vorfall“ habe kommen können und welche Konsequenzen gegebenenfalls zu ziehen seien.
„Unser ganzes Team ist geschockt und entsetzt“, erklärte Dirk Metz, der Sprecher der Betreiberfamilie Schneider.
Auch Yvonne Heckel, Sprecherin der Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller, zeigte sich bestürzt: „Wir sind eine große Wiesnfamilie und die Anteilnahme, egal von welchem Bereich, sei es von denen, die für den Strom oder für den Müll zuständig sind, die Beileidsbekundungen, waren enorm heute früh und die Kollegen, die sind sprachlos“, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk.
Am Donnerstag solle es im Rahmen des Schaustellergottesdienstes Raum und Zeit geben, um den Kollegen zu trauern.
Laut Polizei und Aicher Ambulanz wurden keine Fahrgäste körperlich verletzt. Allerdings waren nach Angaben von Aicher-Sprecher Julian Tanzer Kriseninterventionsteams vor Ort, um denjenigen, die den Unfall mit ansehen mussten, zu helfen.
Wie viele Menschen betroffen waren, konnte Tanzer nicht sagen. Laut Fahrgeschäfts-Homepage haben 24 Menschen in der Gondel Platz. Ob sie komplett besetzt war, war aber zunächst unklar.
„Jeder, der eine Betreuung gewollt hatte, hatte die Möglichkeit, eine zu bekommen“, sagte Tanzer. „Es war aus meiner Sicht trotz der dramatischen Situation kontrolliert und geordnet, wie es in einer so ernsten Situation ablaufen muss.“
Wie geht es nun mit dem „Hangover“ weiter?
Das war am Morgen nach dem Unfall zunächst unklar. Er wisse noch nicht, ob und wann der Freefall-Tower wieder geöffnet werden könne, sagte der Betreiber auf Anfrage.
„Nachdem es kein technisches Problem sein wird, so wie es jetzt aussieht, werden wir auf alle Fälle wieder öffnen“, sagte Schausteller-Sprecherin Heckel dem BR. „Das steht schon mal fest. Zu welchem Zeitpunkt kann man nicht sagen. Jetzt ist einfach die Bestandsaufnahme von allen möglichen Sicherheitsbehörden“, sagte sie. Beteiligt seien Gewerbeaufsichtsamt TÜV Süd und die Lokalbaukommission. „Hier wird noch ganz, ganz viel geschehen und die nehmen sich die Zeit, die sie brauchen.“
Laut Homepage hatte der Tower einst 2,8 Millionen Euro gekostet – und seine Premiere im Juli 2015. Nach dem Oktoberfest, das noch bis zum 4. Oktober dauert, sind als weitere Stationen in diesem Jahr die Deutzer Kirmes in Köln und von Ende November bis Anfang Januar dann das Winter Wonderland im Londoner Hyde Park geplant.
Ist es der erste Vorfall mit einem Fahrgeschäft auf der Wiesn?
Nein. Auf dem Oktoberfest markiert der Unfall bereits den zweiten Vorfall mit einem Fahrgeschäft in diesem Jahr. In einem stehengebliebenen Drehkarussell hatten Fahrgäste am Samstagabend etwa zwei Minuten lang kopfüber ausharren müssen, bevor sie aus ihren Sitzen geholt werden konnten. Grund der Panne war wohl ein defekter Sensor. Der TÜV prüfte das Karussell erneut, bevor es noch am gleichen Abend wieder freigegeben wurde.
Wie gingen Oktoberfest-Unfälle früherer Jahre aus?
Manche glimpflich, doch manche auch tödlich. 2024 kam ein 20-Jähriger bei einer Testfahrt am Olympia Looping ums Leben. Der Arbeiter hatte sich im Gleisbereich aufgehalten und war von einem Zug erfasst worden. Im Jahr zuvor stürzte beim Fest-Abbau ein 50-jähriger Arbeiter aus etwa fünf Metern Höhe und verletzte sich dabei lebensgefährlich.
Am ersten Wiesn-Tag 2023 wurden bei der Kollision zweier Achterbahnwaggons neun Fahrgäste leicht verletzt. 2019 fiel ein Zweijähriger aus einem Karussell und brach sich beide Beine. (dpa/red)
In Deutschland sind erst 5,9 Prozent aller Messstellen mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet. (Archivbild) - Foto: Helge Toben/dpa
Der Stromverbrauch in Deutschland wird bislang nur an wenigen Stellen von intelligenten Stromzählern gemessen. Ende Juni waren an 5,9 Prozent der insgesamt gut 54 Millionen Messstellen sogenannte Smart Meter installiert, wie die Bundesnetzagentur in Bonn mitteilte. Im ersten Halbjahr kamen demnach 765.000 Geräte neu hinzu.
Die Behörde hatte im Frühjahr Verfahren gegen Strom-Verteilnetzbetreiber eingeleitet, die die gesetzlichen Ausbauziele nicht erfüllen. „Nach Eröffnung von Aufsichtsverfahren sehen wir nun, dass es bundesweit mit dem Rollout vorangeht“, erklärte Behördenpräsident Klaus Müller einer Mitteilung zufolge.
Smart Meter messen alle 15 Minuten den Stromverbrauch
Smart Meter bestehen aus einem Digitalzähler und einer Kommunikationseinheit. Sie messen alle 15 Minuten den Stromverbrauch eines Haushalts und übermitteln die Daten an die Netzbetreiber und Energielieferanten.
Mit intelligenten Messsystemen können Haushalte sehen, zu welcher Tageszeit sie wie viel Strom verbraucht haben. Haben Verbraucher einen speziellen Stromtarif abgeschlossen, können sie etwa den Betrieb einer Waschmaschine oder das Laden eines E-Autos in Zeiten mit viel Sonnen- und Windenergie legen, in denen Strom günstiger ist. Zugleich können Netzbetreiber mit den Daten ihr Netz besser steuern.
Deutschland hinkt in der EU weit hinterher
Bislang sind Netzbetreiber nur unter bestimmten Bedingungen zur Umrüstung bei privaten Kunden verpflichtet, etwa wenn in den Haushalten eine Wärmepumpe oder eine größere Sonnenstromanlage angeschlossen wurde. In Europa hinkt Deutschland daher bei der Umrüstung weit hinterher.
Laut der EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (Acer) verfügten in der EU und Norwegen Ende 2025 rund 66 Prozent der erfassten Haushaltskunden über einen intelligenten Zähler, wie es in einer Auswertung von Ende Juli heißt.
Zehn Länder mit 99-Prozent-Quote – oder mehr
In den meisten EU-Mitgliedstaaten liegt die Ausstattungsquote den Angaben zufolge bei mehr als 80 Prozent. In mehreren Ländern liege sie aber unter 20 Prozent. „Dadurch ist die Möglichkeit der Verbraucher eingeschränkt, ihren Stromverbrauch in Echtzeit anzupassen“, stellte die Agentur fest.
Aus einer Tabelle geht hervor, dass Deutschland Ende 2025 unter den erfassten Ländern die niedrigste Ausstattungsquote hatte – hinter Tschechien (8,0 Prozent) und Ungarn (9,5 Prozent). Daten aus Rumänien, Bulgarien und Griechenland lagen nicht vor. Folgende Staaten hatten demnach Ausstattungsquoten von 99 Prozent und mehr: Dänemark, Finnland, Italien, Estland, Lettland, Luxemburg, Portugal, Schweden, Slowenien und Spanien. (dpa/red)
Einige Jugendliche klagten über leichten Schwindel und Kreislaufprobleme. - Foto: Lennart Preiss/dpa
Rund fünf Minuten lang mussten Besucher eines Fahrgeschäfts auf dem Oktoberfest kopfüber ausharren. Das Drehkarussell blieb am Samstagabend wohl wegen einer technischen Störung stehen, wie ein Sprecher der Wiesnwache der Feuerwehr München mitteilte.
Vor allem Jugendliche klagten nach Angaben der Wiesn-Sanitäter der Aicher Ambulanz nach der Fahrt über leichten Schwindel und Kreislaufprobleme.
Nach einer kurzen Untersuchung konnten jedoch alle Besucher des Fahrgeschäfts wieder zurück auf das Festgelände gehen. Ein Sachverständiger prüfte nach Angaben der Feuerwehr das Karussell und gab es noch am Abend wieder frei.
191. Oktoberfest startete bei Traumwetter
Am Abend des Eröffnungstages meldeten die Wiesn-Sanitäter der Aicher Ambulanz zudem, dass die 600er-Marke an versorgten Patienten fast erreicht worden sei.
Das 191. Oktoberfest hatte am Samstagmorgen bei Traumwetter begonnen. Die ersten Gäste hatten bereits frühmorgens im Dunkeln ausgeharrt. Als die Eingänge um kurz nach 9.00 Uhr öffneten, stürmten sie im Laufschritt los, um einen guten Platz im Bierzelt zu ergattern.
Oberbürgermeister Dominik Krause meisterte seinen ersten Oktoberfest-Anstich mit zwei Schlägen. (dpa/red)
Welche Aufgabe halten Sie fest, obwohl sie eigentlich ein Lernfeld für jemand anderen wäre? - Foto: Sergii Kozii/iStock
Viele Führungskräfte tragen zu viel. Nicht aus Eitelkeit, sondern oft aus Verantwortungsgefühl. Sie wollen Qualität sichern, Kunden schützen, Mitarbeiter entlasten und Risiken vermeiden. Und irgendwann merken sie: Alle sind entlastet – außer ihnen selbst.
Der Satz „Ich mache das schnell selbst“ ist kurzfristig verführerisch. Er spart Erklärung, Rückfragen und mögliche Fehler. Langfristig ist er teuer. Denn er verhindert Lernen, Verantwortung und Skalierung.
Delegation ist nicht das Abwerfen von Arbeit. Delegation ist die bewusste Entwicklung von Verantwortung.
Ein Inhaber hatte jede größere Angebotsprüfung selbst gemacht. Sein Argument: „Das geht schneller.“ Das stimmte. Für den einzelnen Vorgang. Aber nicht für das Unternehmen. Denn niemand lernte, worauf es ankam. Also blieb er Engpass. Wir entwickelten eine Checkliste, zwei Freigabestufen und ein Nachgespräch pro Woche. Nach zwei Monaten konnte sein Team 80 Prozent der Fälle selbst vorbereiten.
Genug gearbeitet. Genug selbst getragen, wenn eigentlich andere wachsen müssten.
Gute Delegation braucht fünf Elemente:
Ergebnis: Was soll am Ende vorliegen?
Bedeutung: Warum ist das wichtig?
Spielraum: Was darf entschieden werden?
Unterstützung: Wo gibt es Hilfe?
Review: Wann schauen wir auf Ergebnis und Lernen?
Ohne diese Punkte ist Delegation oft nur Aufgabenweitergabe. Dann entsteht genau das, was Führungskräfte nervt: Rückfragen, Unsicherheit und halbfertige Ergebnisse. Nicht, weil Menschen unfähig sind, sondern weil Verantwortung nicht sauber übergeben wurde.
Delegation verlangt auch Selbstdisziplin. Wer abgibt, darf nicht bei der ersten Abweichung wieder übernehmen. Sonst lernt das Team: Eigenständigkeit ist nur erlaubt, solange sie genauso aussieht wie beim Chef.
Ein hilfreicher Satz lautet: „Ich hätte es anders gemacht, aber deine Lösung erfüllt den Zweck.“ Dieser Satz entwickelt mehr Verantwortung als jede Schulung.
Natürlich gibt es Grenzen. Nicht jede Aufgabe passt zu jeder Person. Aber gerade deshalb muss Delegation bewusst gestaltet werden: mit Kompetenzaufbau, Feedback und Rückendeckung.
Führung wird leichter, wenn Verantwortung wächst. Aber Verantwortung wächst nicht im Schatten einer Führungskraft, die alles festhält.
Genug gearbeitet. Welche Aufgabe halten Sie fest, obwohl sie eigentlich ein Lernfeld für jemand anderen wäre?
Laut Miller weisen Heranwachsende, die ein spirituelles Fundament haben – also eine Beziehung über sie selbst hinaus zu etwas Größerem – nach Traumata eine schnellere Genesung auf. - Foto: yaruta/iStock
„Im Jahr 1994 begann ich, in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses in New York zu arbeiten. Jugendliche, die Traumata wie die Scheidung der Eltern oder den Tod eines Elternteils erlebt hatten, kamen in meine Klinik. Sie fühlten, dass ihre Welt zertrümmert war, oder litten unter Problemen wie Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Angstzuständen und Selbstmordgedanken“, sagte Lisa Miller, Professorin für klinische Psychologie an der Columbia University, in einem Interview.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten führte Miller umfangreiche Forschungen durch, die in renommierten Psychologie- und Psychiatrie-Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.
„An einem Punkt begann ich, ein interessantes Phänomen zu bemerken, das ich nicht zu erklären wusste – dass Heranwachsende und Jugendliche, die ein spirituelles Fundament hatten, eine Beziehung zu etwas Größerem als sie selbst, eine schnellere Genesung aufwiesen als diejenigen, denen dieselbe Verbindung fehlte“, stellte sie fest. „Aber im Jahr 1994 gab es nicht eine einzige wissenschaftlich begutachtete Studie zum Thema Spiritualität bei Jugendlichen und Teenagern.“
Dina Gordon: War ihre Spiritualität mit religiösem Glauben verbunden?
Lisa Miller: Nicht notwendigerweise. Ihre Spiritualität war verbunden mit einem persönlichen, inneren Gefühl der Wertschätzung und Anerkennung einer höheren Macht, die den Menschen transzendiert. Dies ist eine Kraft, die sich für verschiedene Menschen auf unterschiedliche Weise manifestieren kann. Es kann der Schöpfer der Welt sein, ein göttliches Wesen, die Natur, das Universum und mehr. Manche Menschen wenden sich an Gott, wenn sie auf Schwierigkeiten stoßen; andere meditieren, gehen in der Natur spazieren oder fragen, was die höhere Macht von ihnen will.
Metaphorisch gesprochen, durchschritten die von mir beobachteten Jugendlichen einen ‚Tunnel der Dunkelheit‘ voller schwerer Probleme, denen sie gegenüberstanden, und am anderen Ende des Tunnels fanden sie Licht. Sie gelangten zu einem tiefen spirituellen Verständnis.
Lisa Miller, Professorin für Psychologie und Pädagogik an der Columbia University.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Nina Subin
Einen Weg aus dem Tunnel finden
Gordon: Geben Sie mir ein Beispiel.
Miller: Ein 13-jähriges Mädchen namens Iliana (ein Pseudonym) ist eines der bemerkenswertesten Beispiele, denen ich begegnet bin. Ihr Vater besaß einen Feinkostladen. Eines Tages raubten zwei seiner Bekannten ihn aus und ermordeten ihn.
Iliana war ihrem Vater sehr nahe gewesen und verfiel in eine tiefe Depression. Sie vernachlässigte ihr Studium, weinte unaufhörlich und schloss sich vollkommen ab. Sie kam zu Sitzungen in die Klinik, kommunizierte aber nicht mit mir; sie saß nur zusammengekrümmt da, mit ausdruckslosen Augen, vollkommen in sich gekehrt.
Viele Monate lang halfen die akzeptiertesten psychologischen Behandlungsmethoden der damaligen Zeit – kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und interpersonelle Psychotherapie – ihr nicht, den Tunnel der Depression zu durchschreiten, und sie begann weiter zu schwinden.
Dann, eines Tages, kam sie mit einem Funkeln in den Augen und einem breiten Lächeln zu einer Sitzung. ‚Rate mal, was passiert ist‘, sagte sie aufgeregt. Sie berichtete, dass sie in der Schule einen freundlichen und sehr sanften, rücksichtsvollen Jungen getroffen habe, der ihr Herz wahrhaftig berührt habe. Der aufregendste Teil, soweit es Iliana betraf, war der ungewöhnliche und seltene Name des Jungen. Er hieß ‚Horatio‘ – was auch der Name ihres Vaters war.
‚Siehst du‘, sagte sie. ‚Der Junge, den ich getroffen habe, hat denselben Namen wie mein Vater. Das ist ein Zeichen. Mein Vater hat ihn mir geschickt; es ist ein Zeichen, dass er immer noch über mich wacht.‘
Von diesem Tag an verbesserte sich Ilianas Zustand rapide und sie trat aus ihrer Depression heraus. Miller schrieb in ihrem Buch, dass Iliana ihre Perspektive ganz aus eigenem Antrieb heraus änderte.
Sie gelangte laut Miller zu der Erkenntnis, dass es in den schlimmsten und dunkelsten Momenten, in Zeiten von Schmerz und Trauer, eine höhere Macht gebe, die es ihr ermöglicht habe, Licht und Liebe zu empfangen.
Bestimmung inmitten der Natur gefunden
Miller bot ein weiteres Beispiel. Da war ein junger Mann, der Arzt werden wollte und sich gegen Ende der Highschool bei sechs medizinischen Fakultäten bewarb.
Miller: Er wurde von allen abgelehnt, und wurde depressiv. Er fühlte sich wie ein Versager. Er fühlte, er würde niemals erfolgreich sein, da er niemals ein Arzt wie sein Vater und seine Mutter sein würde. Eines Tages, als er im Wald spazieren ging, sah er ein strahlendes Licht, das durch die Bäume schien, und fühlte eine tiefe Einheit mit der Natur. Dieses Licht transformierte sein Denken; er spürte plötzlich die Anwesenheit einer höheren Macht der Liebe und Unterstützung.
Er sagte: ‚In diesem Moment verstand und wusste ich, dass Gott einen Plan für mich hat, dass ich vielleicht kein Arzt wie meine Eltern sein werde, aber ich werde ein Heiler sein, auf die Art, die Gott für mich vorgesehen hat.‘
Ein zusätzliches Beispiel ist das einer jungen Frau, die kurz davor stand, ihren Highschool-Schatz zu heiraten. Sie waren drei Jahre zusammen gewesen und der junge Mann hatte ihr versprochen, dass sie heiraten würden. Eine Woche vor dem Abschluss machte er mit ihr Schluss, und sie verfiel in eine Depressionen.
Sie sagte zu mir, er habe ihr das Herz gebrochen. Sie sagte, sie fühle sich hässlich, der Liebe unwürdig, nicht gut genug. Aber später, als sie in der Synagoge neben ihren Eltern und Großeltern saß und jeder plötzlich auf sie sah, fühlte sie sich von deren Liebe umgeben. Und durch diese Liebe fühlte sie Gottes Liebe und verstand, dass sie nicht allein war.
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Forschung mit Kindern
Wie Miller sagte, habe es, als sie ihre Karriere als klinische Psychologin begonnen hatte, bereits wissenschaftliche Beweise für die positiven Effekte von Spiritualität bei Erwachsenen gegeben. Dazu gehörten Dinge wie höhere Genesungsraten von Krankheiten, niedrigere Raten von Depression und Sucht, sowie ein längeres Leben. Aber es habe nicht eine einzige wissenschaftliche Studie über die positiven Effekte von Spiritualität bei Kindern, Jugendlichen und Teenagern gegeben.
Und so begann sie, zusammen mit anderen Forschern, die Effekte von Spiritualität zu untersuchen, wenn es darum ging, Probleme zu lösen, die häufig bei Jugendlichen und Teenagern vorkommen.
Ihre wissenschaftlich begutachteten Studien fanden heraus, dass ein starker spiritueller Kern einen signifikanten Schutz für Jugendliche bietet, mit einem ungefähr 80-prozentig verringerten Risiko, eine Drogenabhängigkeit zu entwickeln, einem etwa 70 Prozent niedrigeren Risiko für Mädchen, sich auf beiläufige sexuelle Aktivitäten einzulassen, und einer 43-prozentigen Reduktion der Wahrscheinlichkeit von Depressionen bei heranwachsenden Mädchen.
Gordon: Woher wissen Sie, dass es die Spiritualität war, die diesen Jugendlichen geholfen hat, und nicht Charaktereigenschaften wie Selbstvertrauen oder Werte, die sie zu Hause lernten?
Miller: In Studien dieser Art wird der Grad der Spiritualität der Probanden gemessen und Charaktereigenschaften wie Entschlossenheit, Willenskraft, Großzügigkeit, Optimismus und emotionale Belastbarkeit werden untersucht. Es zeigte sich, dass Spiritualität einen größeren Einfluss hatte als jede andere Charaktereigenschaft.
Wir sahen, dass Jugendliche ohne ein solides spirituelles Fundament dazu neigten, sich mehr nach ihren äußeren Leistungen, bestimmten Fähigkeiten, die sie besitzen, oder nach ihrem physischen Erscheinungsbild zu beurteilen. Sie haben eine stärkere Tendenz, sich selbst als eine Ansammlung separater Teile zu sehen, von denen sie einige mögen und einige nicht.
Zum Beispiel: ‚Ich bin gut in Mathe, ich bin nicht gut im Sport, ich habe Pickel, ich bin nicht beliebt, ich habe es nicht aufs College geschafft, andere sind erfolgreicher als ich.‘ Selbstbeurteilung, Vergleich mit anderen und ständiger Wettbewerb können das Leben für Jugendliche sehr schwer machen.
Im Gegensatz dazu sehen sich Jugendliche mit einem soliden spirituellen Fundament als ein Ganzes, als eine Seele mit einem bestimmten Sinn im Leben. Daher ist ihre gesamte Weltanschauung anders.
Sie mögen denken: ‚Alle Fähigkeiten, die ich habe, sind Geschenke, und durch sie muss ich den Zweck erfüllen, für den ich hier bin.‘ Die Aufgabe mag sein, anderen menschlichen Wesen zu dienen oder Gott zu dienen. Dies spiegelt sich darin wider, die Sichtweise zu haben, dass ein schwieriger Tag nur ein schwieriger Tag ist oder ein schwieriger Beginn in Richtung eines höheren Ziels.
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Ist Spiritualität angeboren?
Millers Forschung wurde teilweise durch die bahnbrechende Arbeit von Kenneth Kendler, einem Psychiater und Genetikforscher, inspiriert. Im Jahr 1997 veröffentlichten Kendler und seine Kollegen eine breite Studie, die 1.902 eineiige und zweieiige Zwillinge untersuchte.
Diese waren im Durchschnitt 30 Jahre alt. Einige von ihnen waren zusammen und einige getrennt aufgewachsen. Eine der revolutionären Schlussfolgerungen seiner Forschung war: Spiritualität ist eine angeborene Eigenschaft, die durch Vererbung weitergegeben wird.
Gordon: Wie kann man bestimmen, dass Spiritualität eine angeborene Eigenschaft ist?
Miller: Wenn man eineiige Zwillinge, die zusammen aufgewachsen sind, mit Zwillingen vergleicht, die getrennt aufgewachsen sind, kann man bestimmen, zu welchem Grad eine bestimmte Eigenschaft angeboren oder ein Ergebnis von Umwelteinflüssen ist.
Zum Beispiel wurde herausgefunden, dass der IQ zu ungefähr 60 Prozent eine angeborene Eigenschaft ist und zu 40 Prozent von der Umwelt abhängt, während Temperamente wie Introvertiertheit oder Extrovertiertheit zu 50 Prozent vererbt und zu 50 Prozent von der Umwelt abhängen. In Kendlers Studie wurden Zwillinge über den Grad religiösen und/oder spirituellen Glaubens in der Umgebung, in der sie aufgewachsen waren, befragt, und nach statistischen Berechnungen wurde herausgefunden, dass jeder Mensch bei der Geburt ungefähr 29 Prozent Spiritualität besitzt.
Zusätzliche Studien, die an Zwillingen durchgeführt wurden, produzierten ähnliche Ergebnisse.
Die Bedeutung der Forschung sei, erklärte Miller, dass die Art und Weise, in der sich Spiritualität im Leben einer Person entwickeln werde, oder ob sie überhaupt ausgedrückt werde, zu ungefähr 70 Prozent von der Umwelt abhänge. Dazu zählten die Eltern, die erweiterte Familie, das, was in der Schule gelehrt werde, die Gemeinschaft, die allgemeine Kultur und die Freunde, mit denen man verkehre.
Miller: Da nur ungefähr ein Drittel der spirituellen Eigenschaft angeboren ist und ungefähr zwei Drittel von der Umwelt abhängen, haben die ersten zwei Jahrzehnte des Lebens einer Person einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Kultivierung von Spiritualität.
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Spiritualität und religiöser Glaube
Kendlers Forschung kam zu einer weiteren Schlussfolgerung: Spiritualität und religiöser Glaube sind zwei unterschiedliche Begriffskomplexe. Spiritualität ist das Gefühl einer persönlichen Verbindung zu Gott, zur Natur oder einer anderen höheren Macht.
Demgegenüber sei der Grad, in dem eine Person einer bestimmten Religion anhänge, eine separate Erfahrung. Kendler fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Spiritualität und religiösem Glauben. Manche Menschen sind sehr spirituell und zutiefst religiös, andere sind sehr spirituell ohne religiösen Glauben.
Miller stellte zudem fest, dass „Spiritualität einen starken Schutz vor Drogenkonsum bieten kann, während eine strenge Einhaltung [religiöser Vorschriften] ohne das Gefühl einer heiligen Verbindung den Drogenkonsum nicht verhindert.“
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Gordon: Wenn Eltern die Spiritualität ihrer Kinder vernachlässigt haben, lässt sich diese Lücke dann im Jugendalter noch schließen?
Miller: Ja, das ist möglich. Der Grund ist, dass die Adoleszenz ein Alter spirituellen Erwachens ist. Wenn die Adoleszenz in der Vergangenheit nur als eine turbulente Übergangsphase angesehen wurde, die in Richtung sexueller, physischer, mentaler und emotionaler Reife führt, wird sie jetzt auch als ein spirituelles Erwachen, Suchen und Wachsen verstanden.
In diesem Alter tauchen zum ersten Mal existenzielle Fragen auf: Was ist der Sinn des Lebens, was ist meine Rolle in der Welt, wer bin ich als ein separates Wesen, und mehr. Diese erhöhte spirituelle Wachheit, die das Suchen, Überlegen und den Zweifel mit sich bringt, bietet Eltern die Chance, ihre Jugendlichen bei der Entwicklung und Stärkung ihres spirituellen Kerns zu unterstützen.
Dieses spirituelle Erwachen während der Adoleszenz ist universell. In Interviews, die mit 6.725 Jugendlichen aus acht Ländern durchgeführt wurden, unter anderen aus den Vereinigten Staaten, Australien, Indien und Kamerun, fanden Forscher tendenziell ein wachsendes Interesse an Spiritualität, ungeachtet der Religion oder des Landes, in dem die Jugendlichen lebten.
Miller: Ein solches spirituelles Erwachen tritt wieder in der Lebensmitte auf, ungefähr im Alter von 45 Jahren, wenn man im Rückblick zur Selbstprüfung ansetzt: ‚Habe ich meine Rolle in der Welt bisher gut erfüllt?‘, ‚Bin ich ein guter Vater/Mutter?‘, ‚Habe ich regen Gebrauch von den Geschenken gemacht, die ich von Gott erhalten habe?‘ und so weiter. Gegen Ende des Lebens, vielleicht in den späten 70ern, findet ein weiteres spirituelles Erwachen statt.
Wenn ein Kind die Adoleszenz erreicht, während seine Eltern in der Lebensmitte sind und sich ebenfalls in einer Phase erhöhten spirituellen Erwachens befinden, können sie sich gemeinsam auf eine Reise spiritueller Ermächtigung begeben – um die Fragen zu diskutieren, die aufkommen, und zu verstehen, dass dies letztendlich eine sehr persönliche Reise ist und jede Person ihren eigenen Weg geht.
Falun-Dafa-Praktizierende führen am 13. Mai 2015 im Rahmen der Feierlichkeiten zum Welt-Falun-Dafa-Tag auf dem Times Square in New York City Falun-Dafa-Übungen durch.
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Spiritualität bei Kindern fördern
Gordon: Wir haben über die Bedeutung von Spiritualität gesprochen, wie sie in Ihrer Forschungsarbeit deutlich wird. Wie kann sie bei Kindern kultiviert werden, sodass sie widerstandsfähig gegen die Stürme der Adoleszenz sind?
Miller: Es gibt mehrere Arten, sie zu kultivieren, und alle von ihnen sind sehr wichtig. Erstens müssen Eltern ihre spirituellen Erfahrungen in ihrem täglichen Verhalten ausdrücken. Es ist wichtig, Kindern von einem jungen Alter an zu zeigen, dass Spiritualität ein Teil des Lebens ist und dass es eine spirituelle Realität gibt.
Zum Beispiel, als meine Mutter Schabbatkerzen anzündete, überstürzte sie das Ritual nicht und murmelte das Gebet nicht einfach, um eine Verpflichtung zu erfüllen. Nach all den hektischen Vorbereitungen für den Schabbat schaltete sie um auf einen sehr langsamen, ruhigen Modus, zündete die Kerzen an und rezitierte das Gebet mit voller Inbrunst und einem gefühlvollen Herzen. Tränen der Dankbarkeit benetzten ihre Wangen, als sie Gott dankte, der in ihrem Leben gegenwärtig war und ihr alles gegeben hatte, was sie besaß. Ihr ganzes Wesen strahlte die spirituelle Erfahrung aus, die sie empfand.
Miller: Gleichermaßen können Eltern ihre Kinder einladen, sich ihnen anzuschließen, indem sie Anerkennung und Wertschätzung der höheren Macht in ihrem Leben zum Ausdruck bringen.
Zum Beispiel, indem sie ihre Kinder einladen, an Gebet, Meditation oder einem ruhigen Spaziergang in der Natur teilzunehmen, oder an einer anderen spirituellen Praxis, die in ihrem Leben präsent ist. Ein komplementärer Aspekt ist, wie sie andere menschliche Wesen behandeln, indem sie Liebe oder Mitgefühl ihnen gegenüber durch Hilfe und Rücksicht ausdrücken.
Etwa, indem sie für einen Nachbarn kochen, der sich schwierigen medizinischen Behandlungen unterzieht, oder in einem Pflegeheim freiwillig arbeiten. Es ist wichtig für Eltern, ihren Kindern zu erklären, wie diese Handlungen ein Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung der höheren Macht in ihrem Leben sind.
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Miller: Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Eltern ihren Kindern erzählen, wie Spiritualität in ihrem eigenen Leben präsent ist. Erklären Sie, dass der Pfad zur Entdeckung von Spiritualität eine Reise ist und die Jugendlichen ihre eigene Reise machen könnten.
Auf jener Reise mag es Höhen und Tiefen, Kämpfe und Zweifel, Erfolge und Misserfolge geben. Aber sie werden niemals allein sein; es wird immer eine Präsenz einer höheren Macht geben, selbst wenn sie sich zu manchen Zeiten wirklich isoliert fühlen.
Und schließlich erwähnt Miller eine Studie, die herausfand, dass bedingungslose Liebe und Akzeptanz Kindern hilft, ihre eigene Spiritualität zu entwickeln und zu kultivieren.
Miller: Es ist an der Zeit, dass die Psychologie die Spiritualität als eine zentrale Komponente im Leben von Jugendlichen behandelt.
Kein äußerer Erfolg kann mit der Wichtigkeit spirituellen Erwachens während der Adoleszenz verglichen werden, weil dieses Erwachen den inneren Kompass baut, unsere angeborene Kapazität zur Verbindung mit einer höheren Macht durch das Leben hindurch stärkt und Jugendliche während einer turbulenten Periode in ihrem Leben schützt – einer Periode, in der es eine größere Chance für Selbstmord oder das Verfallen in Depressionen gibt, als von einem Auto angefahren zu werden oder COVID-19 zu bekommen.
Der Run aufs Gelände beginnt. - Foto: Sven Hoppe/dpa
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Derweil liefen am Samstagmorgen auf dem Festgelände die abschließenden Vorbereitungen.
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Warten, warten, warten – bis das Festgelände endlich öffnete.
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Rennend ging es zum Festzelt.
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Der Run aufs Gelände beginnt.
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Oktoberfest 2026: Besucher stürmen zum Wiesn-Auftakt die Festwiese
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Oktoberfest 2026: Mann in Tracht vor Lebkuchenherzen auf der Wiesn
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Zahlreiche Einsatzkräfte sind auf dem Oktoberfestgelände unterwegs.
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Nach teils stundenlangem Warten sind die ersten Wiesn-Gäste mit der Öffnung des Festgeländes um kurz nach 09.00 Uhr aufs Oktoberfest-Gelände in München gestürmt. Im Laufschritt eilten sie zu den Zelten, um sich die besten Plätze zu sichern.
Das Festgelände öffnete dieses Jahr mit mehreren Minuten Verzögerung, auch wurde die Menschenmenge am Eingang immer wieder kurz zurückgehalten. Der Ansturm lief dadurch deutlich entzerrter ab, weil nicht alle Wiesn-Fans auf einmal aufs Gelände strömten.
Bier gibt’s allerdings noch nicht. Erst nach dem offiziellen Anstich um 12.00 Uhr dürfen die Maßkrüge mit dem eigens gebrauten Gerstensaft gefüllt werden.
Sektkorken und Applaus
Bereits bevor die Tore aufgingen, hatte sich eine lange Schlange gebildet: Zahlreiche Wiesn-Fans versammelten sich vor dem Haupteingang des größten Volksfests der Welt und warteten ungeduldig auf den Startschuss.
Gegen 7.00 Uhr reichte die Schlange schon Hunderte Meter vom Einlass am Haupteingang bis zur Ecke Alter Messeplatz. Die Wartezeit überbrückte die Wiesn-Enthusiasten auf unterschiedliche Art und Weise. Hier die letzten Handgriffe für die perfekte Wiesn-Frisur, da noch eine Brezn, damit das Bier nicht ganz auf nüchternen Magen getrunken wird.
In der Menge knallten immer wieder die Sektkorken, untermauert von Jubelrufen und Applaus. Die Stimmung war ausgelassen, die Vorfreude kaum zu überhören. Aus der Menge blitzten unter anderem schrille Hüte, Lederhosen aus Plastik und bunte Dirndl hervor.
Campingstühle und Schlafsäcke
Die erste Gruppe in der Schlange hatte sich gestern nach eigenen Angaben um 19 Uhr in Position gebracht, um einen der hart umkämpften Plätze in einem der Zelte zu ergattern. Das Ziel: den Anstich im Schottenhamel mitzuerleben.
Ein paar Meter dahinter wurde die nächtliche Wartezeit bis zum Start mit Rettungsdecken, Campingstühlen und Schlafsäcken überbrückt.
Miguel Nodjoumi aus München wartete seit ungefähr 7.00 Uhr – das reiche komplett. „Die Leute sagen immer, das Warten ist langweilig, aber ich sage, das Warten ist lustig und dann freut man sich auch auf die Maß erst einmal. Das wird super“, erzählt er.
Seine Strategie, wenn die Tore aufgehen: „So schnell rennen, wie es geht“. Für ihn gehe es jedes Jahr ins Hacker-Zelt „zum Himmel der Bayern“, sagt der 19-Jährige.
In der Schlange steht auch Luke Müller. Er freue sich am meisten auf das Bier. „Sobald es eigentlich neun ist, rennen wir vorne an der Schlange vorbei und drängen uns vorne rein“, berichtet er.
Mit dabei ist auch Tim Schneider. „Also die Vorfreude ist natürlich riesig“, erzählt der 19-Jährige. „Wenn man sich halt ein paar Spaßgetränke mitnimmt und dann hier mit seinen Freunden bisschen einfach nur chillt, dann passt das ja eigentlich zum Warten“, erzählt er. Bisher sei die Stimmung echt gut.
16 Tage lang, bis zum 4. Oktober, werden an die sechs Millionen Besucher erwartet. Die Mehrzahl der Besucher kommt aus München und dem Umland. Millionen Gäste reisen aber auch aus anderen Teilen Deutschland und aus der ganzen Welt an. (dpa/red)
Googles KI Gemini soll mit ChatGPT und Co mithalten. (Archivbild) - Foto: Andrej Sokolow/dpa
In der Debatte um existenzielle Risiken Künstlicher Intelligenz könnte der US-Bundesstaat Kalifornien eine Notabschalt-Vorrichtung für KI-Software vorschreiben. Ein solcher Mechanismus gehört zu einer Liste von Maßnahmen, zu denen dem demokratischen Gouverneur Gavin Newsom bis Mitte November Vorschläge gemacht werden sollen. Zu weiteren Ideen gehören unabhängige Beobachter in großen KI-Laboren sowie striktere Verpflichtungen, über Sicherheits-Zwischenfälle zu berichten, wie aus einer von Newsom unterzeichneten Anordnung hervorgeht.
Über einen „Kill Switch“ für Künstliche Intelligenz wird schon seit einiger Zeit diskutiert – noch ist aber unklar, ob eine solche Vorrichtung zur Notabschaltung überhaupt realistisch ist.
Kalifornien gilt als wichtigster Standort bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Vor allem in San Francisco und dem Silicon Valley sitzende führende KI-Unternehmen wie der ChatGPT-Entwickler OpenAI, dessen schärfster Rivale Anthropic und Google. Damit könnte der Bundesstaat auch bei der Regulierung eine zentrale Rolle spielen.
Experten plädieren für unabhängige Aufsicht
Die Debatte um Gefahren Künstlicher Intelligenz heizte sich in den vergangenen Wochen auf, insbesondere nachdem eigenständige Hacking-Attacken durch Software mit Künstlicher Intelligenz bekanntgeworden waren. Mitarbeiter von KI-Laboren warnten vor dem Risiko, dass die Menschheit die Kontrolle über Künstliche Intelligenz verlieren oder sogar von ihr ausgelöscht werden könnte.
Inzwischen fordern Dutzende renommierte Experten aus der Branche führende KI-Labore auf, unabhängige Aufsicht in ihren Unternehmen zuzulassen. Die Aufseher müssten wie führende Manager Zugang zu Systemen haben und mit zuständigen Mitarbeitern kommunizieren können, heißt es in einem offenen Brief. Zu den Unterzeichnern gehört der Physik-Nobelpreisträger und ehemalige Google-Forscher Geoffrey Hinton, der als einer der wichtigsten Köpfe hinter modernen KI-Systemen gilt. Anthropic gab als ersten Aufsichtspartner die Firma Faculty bekannt – eine Tochter des Beratungsriesen Accenture.
Googles KI Gemini hackte ebenfalls andere Unternehmen
Wie groß die Herausforderungen rund um die Kontrolle der neuen Systeme sind, zeigt nun ein weiterer Fall: Auch Googles KI-Software Gemini hackte sich bei Tests ihrer Cybersicherheits-Fähigkeiten in Computersysteme anderer Unternehmen. Der Internet-Riese ist der vierte Entwickler Künstlicher Intelligenz (KI), dessen Programme mit einem solchen Verhalten auffielen, nach OpenAI, Anthropic und dem Facebook-Konzern Meta. Google machte die bereits Monate zurückliegenden Vorfälle erst nach einer Nachfrage der Zeitung „Wall Street Journal“ öffentlich.
Demnach gab es drei Fälle, in denen Gemini in Computer anderer Unternehmen eindrang, deren Namen nicht genannt werden. In einem davon erriet die KI Passwörter, um in ein geschütztes System reinzukommen. In den beiden anderen fand sie Zugangsdaten in einer Datenbank, wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Google schrieb.
Google fand die Vorfälle nicht erwähnenswert
Die Vorfälle ereigneten sich demnach im Mai – und die Firma Irregular als Testpartner informierte Google im Juli darüber. Aus Sicht des Internetkonzerns sei es nicht notwendig gewesen, die Zwischenfälle öffentlich zu machen, da dabei kein Schaden entstanden sei. Zudem habe die KI die Attacken sofort beendet, als ihr klar geworden sei, dass sie in Systeme eines echten Unternehmens eingedrungen sei – und nicht eines, das eine Testsimulation war.
In dem bisher aufsehenerregendsten Fall war Künstliche Intelligenz des ChatGPT-Entwicklers OpenAI bei einem Test aus einer abgesicherten Umgebung ausgebrochen und drang ungeplant in Computer einer anderen KI-Firma, der Plattform HuggingFace, ein. Das hatte den Rivalen Anthropic veranlasst, seine eigenen Testläufe zu überprüfen, wobei weitere Vorfälle ans Licht kamen. Auch Meta räumte danach ein, dass KI des Konzerns sich wegen einer Fehlkonfiguration des Systems bei einem Testpartner in Computer eines anderen Unternehmens gehackt habe.
Dieses Foto zeigt die Website der EZB zum digitalen Euro auf einem Smartphone, aufgenommen am 10. Februar 2026 in Brüssel. - Foto: Nicolas Tucat/AFP via Getty Images
In Kürze:
Das Europäische Parlament hat am 9. Juli 2026 grünes Licht für Trilog-Verhandlungen zum digitalen Euro gegeben.
Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 testet die EZB mit 36 Zahlungsdienstleistern ein zwölfmonatiges Pilotprojekt.
Kernelement ist die Digital Euro Account Number (DEAN), eine 18-stellige, IBAN-ähnliche Kontonummer.
2029 soll der digitale Euro kommen. So sehen es jedenfalls die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Endgültig beschlossen ist er noch nicht, doch der nächste Schritt in diese Richtung ist getan.
Das Europäische Parlament hat am 9. Juli 2026 grünes Licht für Verhandlungen über den Gesetzesvorschlag gegeben. Im Verlauf dieser Trilog-Verhandlungen mit den 27 EU-Staaten (EU-Rat) und der EU-Kommission werden alle offenen Punkte der Verordnung ausgehandelt.
Über die endgültige Einführung des digitalen Euro wird entschieden, wenn ein gemeinsamer Text vereinbart ist.
36 Zahlungsdienstleister sind an Testlauf beteiligt
In der zweiten Hälfte des Jahres 2027 startet die Europäische Zentralbank ein zwölfmonatiges Pilotprojekt zum digitalen Euro. Dafür hat die EZB 36 Zahlungsdienstleister aus dem gesamten Euro-Währungsgebiet ausgewählt, die daran teilnehmen.
Dieses Pilotprojekt sei von entscheidender Bedeutung, um die technische Funktionalität und die operativen Abläufe des digitalen Euro zu testen. Die Erfahrungen der Nutzer sollten ebenfalls einfließen und zu einer Optimierung beitragen, heißt es in einer EZB-Mitteilung.
Ein Bestandteil bei der technischen Umsetzung des digitalen Euro ist die Digital Euro Account Number, kurz DEAN. Sie dient als eindeutige Kennung eines digitalen Euro-Kontos und ist in ihrer Struktur an die IBAN angelehnt.
Bei der DEAN handelt es sich um die Kontonummer, die einem Nutzer automatisch bei der Einrichtung eines Kontos für den digitalen Euro zugewiesen wird. Sie soll der eindeutigen Identifizierung des Kontos dienen und die Abwicklung von Zahlungsvorgängen ermöglichen.
Die DEAN besteht aus einer auf 18 Zeichen festgelegten Länge. Neben den Ziffern 0 bis 9 enthält sie die Buchstaben E und U. Dieser Standard gilt für alle Länder, unabhängig vom Alphabet der jeweiligen Landessprache, heißt es in einer Erklärung (Seite 14).
Die ersten beiden Zeichen sind die Buchstaben E und U. Es folgen zwei Prüfziffern, die ein Algorithmus nach ISO/IEC 7064 (MOD 97–10) erzeugt. Die Zeichen 5 bis 18 bestehen aus 14 Ziffern, der sogenannten Basic European Account Number (BEAN).
Die DEAN unterstützt die Funktion des digitalen Euro, die Kontonummer bei einem Wechsel des Nutzers von einem Zahlungsdienstleister zu einem anderen mitzunehmen („Portierung“). Darüber hinaus werden derzeit Umsetzungsspezifikationen für den Online-Handel (E-Commerce) oder Käufe mithilfe von mobilen Endgeräten (M-Commerce) ausgearbeitet. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Austausch zwischen Geschäftskunden und Zahlungsdienstleistern. Möglich sind Einmalzahlungen, wiederkehrende Zahlungen und die Vorabfreigabe von Zahlungen.
Neben der DEAN wird es auch einen Benutzer-Alias geben. Er ist eine leichter zu merkende Kennung, über die sich Nutzer für Zahlungen finden lassen. Voraussetzung dafür ist, dass der Alias registriert und mit der DEAN verknüpft ist.