Das schwarze Kleid von Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ (Blake Edwards, 1961), entworfen von Hubert de Givenchy, ist ein markantes Beispiel für den Moment, in dem das Kleidungsstück auf der Leinwand eine völlig neue Dimension erlangte.
Dieses Etuikleid aus Satin mit seinem genial einfachen Rückenausschnitt verkörpert zeitlose Eleganz und besiegelte die Allianz zwischen Haute Couture und der siebten Kunst – dem Film. Die vor den Schaufenstern von Tiffany’s verewigte Szene katapultierte das „kleine Schwarze“, in den 1920er-Jahren von Coco Chanel popularisiert, in den Rang einer Ikone.
Das von der Protagonistin getragene Kleid sollte zu einem der teuersten Kostüme der Kinogeschichte werden. Das einzige verkaufte Exemplar wurde 2006 bei einer Auktion für 608.000 Euro versteigert.
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Goldenes Zeitalter der Zusammenarbeit
Mit dem Aufstieg Giorgio Armanis markieren die 1980er-Jahre einen Wendepunkt. Dessen minimalistische und strukturell aufgelöste Silhouetten definieren die maskuline und feminine Eleganz neu. Durch die Kreation der Garderobe von Richard Gere in „American Gigolo“ (Paul Schrader, 1980) wird Armani dem amerikanischen Publikum bekannt.
Seine eleganten und raffinierten Anzüge wurden zu seinem Markenzeichen und begründeten einen Stil, der bis heute prägend ist. Der Mailänder Modeschöpfer realisierte anschließend zahlreiche hochkarätige Kooperationen: Er kleidete Kevin Costner, Sean Connery und Robert De Niro in „Die Unbestechlichen“ (Brian De Palma, 1987), Lauren Bacall in „A Star for Two“ (Jim Kaufman, 1991) und erneut Kevin Costner in „Bodyguard“ (Mick Jackson, 1992). Diese Auftritte trugen maßgeblich dazu bei, das Bild eines Armani-Stils zu prägen, der für unaufdringliche Stärke und zeitlose Eleganz steht.
Diese privilegierte Beziehung zwischen Armani und Hollywood setzte sich fort mit George Clooney und Brad Pitt in „Ocean’s 13“ (Steven Soderbergh, 2007), deren Outfits er ebenso entwarf wie jene von Tom Cruise in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Brad Bird, 2011) oder auch jene von Leonardo DiCaprio in „The Wolf of Wall Street“ (Martin Scorsese, 2013).
Dort trägt die Figur des Jordan Belfort dreiteilige Anzüge, die seinen gesellschaftlichen Aufstieg und seine Maßlosigkeit symbolisieren. Diese Kollaborationen veranschaulichen, wie die Mode der Erzählung dient, die Glaubwürdigkeit der Figuren stärkt und den Zuschauer in eine bestimmte Epoche oder ein bestimmtes soziales Milieu eintauchen lassen kann.
Das Kleidungsstück im Kino dient der Transformation. Forscher haben sich mit diesem Prozess anhand von „Pretty Woman“ (Garry Marshall, 1990) befasst. Der Film greift auf moderne Weise das archetypische Thema der Verwandlung auf, das in den klassischen Märchen „Aschenputtel“ und „Die Schöne und das Biest“ sowie in „Pygmalion“ aus den „Metamorphosen“ des Ovid präsent ist.
Vivian Ward, gespielt von Julia Roberts, eine gewöhnliche, naive und doch charmante Frau, verwandelt sich dank ihrer Outfits. Sie entwickelt sich von einer Außenseiterin zu einer eleganten, mondänen Frau. Dies ermöglicht es ihr, die Aufmerksamkeit von Edward Lewis (Richard Gere), einem wohlhabenden Geschäftsmann, auf sich zu ziehen.
Die oben erwähnten Forscher betonen, dass „Pretty Woman“ eine Gesellschaft im Wandel widerspiegelt, in der die persönliche Identität zunehmend durch Image und Stil geprägt wird. Die gepunkteten Kleider, das weiße Kleid mit schwarzem Hut auf dem Rodeo Drive oder das rote Abendkleid in der Oper wurden zu Symbolen dieser Metamorphose. Sie prägten Trends, die die amerikanische Mode der 1990er-Jahre definierten.
Wenn Mode den Ehrgeiz und die berufliche Identität formt
In „Der Teufel trägt Prada“ (David Frankel, 2006), adaptiert nach dem Roman von Lauren Weisberger, ist Mode nicht nur ein Accessoire, sondern ein Instrument der Macht und der Selbstverwirklichung.
Andrea Sachs, eine frisch diplomierte junge Journalistin, gespielt von Anne Hathaway, wird die Assistentin von Miranda Priestly, der tyrannischen Chefredakteurin des Magazins „Runway“, verkörpert von Meryl Streep.
Venedig, 7. September 2006: Die Schauspieler Meryl Streep, Stanley Tucci und Anne Hathaway (v. l. n. r.) aus „Der Teufel trägt Prada“ bei der Premiere des Films bei den 63. Filmfestspielen von Venedig.
Foto: MJ Kim/Getty Images
Anfänglich wegen ihres Mangels an Stil verspottet, durchläuft Andrea eine kleidungsmäßige Metamorphose, die ihr Selbstvertrauen stärkt. Der weiße Mantel, der grüne Blazer und der Faltenrock oder auch die über das Knie reichenden schwarzen Chanel-Stiefel werden zu sichtbaren Merkmalen ihrer Entwicklung und veranschaulichen, wie die Anpassung an die Modecodes die Türen zu einer unerbittlichen Berufswelt öffnen kann.
20 Jahre später wirft die Veröffentlichung des zweiten Teils eine zentrale Frage auf: Wird sich Andrea gegenüber Miranda und den anderen ehrgeizigen Frauen der Branche weiterhin behaupten können, insbesondere durch das Tragen von Herrenmode? Welche neuen Silhouetten entstehen aus dieser Rivalität und diesem Streben nach Emanzipation?
Von der Produktplatzierung hin zur Kreation von Trends
Film und Fernsehserien haben sich durch die Präsentation von Luxusmarken zu wichtigen Marketinginstrumenten entwickelt. Die 2000er-Jahre mit Serien wie „Sex and the City“ systematisierten diese Gangart, und Leinwand und Bildschirme verwandelten sich in Schaufenster für Manolo Blahnik, Dolce & Gabbana, Prada und Gucci. Die Untersuchungen von Sunita Kumar (2017) bestätigen, dass Produktplatzierung in Filmen eine hervorragende Strategie ist, die Markenbekanntheit zu steigern und gezielt bestimmte Kundensegmente zu erreichen.
In einem Luxusmarkt, der, mit fast 25 Prozent amerikanischen Kunden, im Jahr 2024 auf mehr als 1,5 Billionen Euro geschätzt wurde, ist es nicht überraschend, dass Marken die Produktionen jenseits des Atlantiks so sehr begehren.
Dennoch bleibt das Gleichgewicht zwischen erzählerischer Kongruenz und übermäßiger Werbung fragil. Marken müssen es vermeiden, zur Karikatur zu werden, wie in „Emily in Paris“, bei dem das wiederholte Zeigen von Luxusprodukten manchmal an parodistisches Theater grenzt.
Hingegen haben bestimmte diskretere Auftritte wie die Taschen eines Modehauses aus dem Département Isère, die für die 5. Staffel einer Serie produziert wurden, zu einem Ansturm von Bestellungen geführt – ein Beweis für den direkten Einfluss dieser Produktplatzierungen.
Die Serie „Love Story“ (2024), die die Beziehung zwischen Carolyn Bessette und John F. Kennedy Jr. von den 1990er-Jahren bis zu deren tragischem Ableben im Jahr 1999 nachzeichnet, verdeutlicht eindrucksvoll den Einfluss der auf der Leinwand gezeigten Mode.
Obwohl die Serie vor allem die psychologische Dimension dieses ikonischen Paares beleuchtet, nehmen die Outfits von Carolyn Bessette-Kennedy darin einen zentralen Platz ein. Ihr minimalistischer, schlichter und eleganter Stil wird dort förmlich zu einer eigenständigen Figur, die unter dem Namen „Carolyn Bessette Style“ gefeiert wird.
Die sozialen Medien greifen das Phänomen auf. Suchanfragen nach Kleidungsstücken aus den 1990er-Jahren und dem Hashtag #CBK schnellen in die Höhe. Secondhand-Marktplätze verzeichnen einen rasanten Anstieg der Verkäufe von Vintagekleidung, während Calvin Klein, die Kultmarke jener Zeit, eine beispiellose Renaissance erlebt.
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Dieser Erfolg zeigt, dass Mode, wenn sie subtil und wirkungsvoll eingesetzt wird, über ihre Rolle als bloßes Accessoire hinauswächst und zu einem wichtigen Identifikationsobjekt mit Sehnsuchtsfaktor werden kann.
Doch die Platzierung von Luxusmarken entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie Teil eines stimmigen Erzählkontextes ist. „Love Story“ ist der beste Beweis dafür. Indem die Serie Carolyn Bessettes Stil mit einer bestimmten Ära, Ästhetik und Emotion verknüpfte, schuf sie ein kulturelles Phänomen, das weit über eine einfache Produktplatzierung hinausging.
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Mode auf der Leinwand: Gesellschaftlicher Spiegel und Meinungsbildner
Das Kinokostüm, anfänglich ein einfaches Accessoire, das gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt und vorwegnimmt, hat sich als universelle Sprache durchgesetzt. Es geht mittlerweile über seine narrative Funktion hinaus und wird zu einem Instrument der Identitätsbildung und zu einem unverzichtbaren Marketinginstrument.
Im digitalen Zeitalter, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen, pflegen Luxusmarken und die siebte Kunst – die Filmkunst – eine symbiotische Beziehung: Die eine bietet die Bühne, die anderen die Geschichte. Diese Verbindung zwischen künstlerischem Schaffen und Geschäftsstrategie fesselt weiterhin die kollektive Vorstellungskraft und hinterfragt zugleich die Grenzen einer immer intensiveren Zurschaustellung. Sehen die Zuschauer auf der Suche nach Identifikation und Authentizität in diesen Erzählungen noch immer das Versprechen einer persönlichen Metamorphose?
Ein neuer Trend scheint sich abzuzeichnen, der einige Modehäuser dazu veranlasst, in die Filmproduktion einzusteigen, um ihr Storytelling neu zu erfinden, ihr Image zu kontrollieren und ein Publikum zu erreichen, das nach Sinn sucht. Die lange Liebes- und Marketinggeschichte zwischen Mode und Kino ist noch lange nicht am Ende, sondern erfindet sich ständig neu.
Im Frühjahr 1940 gelang James „Jimmy“ Maitland Stewart (1908–1997) der Durchbruch in Hollywood. Er avancierte zu einem der Topstars der Metro-Goldwyn-Mayer-Filmstudios (MGM) und stieg vom kleinen Nebendarsteller zum Publikumsmagneten auf. Er spielte in Komödien wie „Lebenskünstler“ (1938) und „Mr. Smith geht nach Washington“ (1939) und „Die Nacht vor der Hochzeit“ (1940), für den er einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann. Vielen ist James Stewart auch noch als philosophischer Lehrer in Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ (1948) in Erinnerung oder als Westernheld in „Winchester 73“ (1950).
Im Herbst 1940 erhielt er einen Musterungsbescheid – und wurde einige Monate später bei der ärztlichen Untersuchung für untergewichtig und dienstuntauglich erklärt. Das hätte ihm erlaubt, dem Dienst zu entgehen.
Doch Stewart hatte längst beschlossen, den Glanz von Hollywood hinter sich zu lassen und in die Armee einzutreten. Er begann ein Fitnesstraining mit Ernährungsaufbau und ließ sich anschließend nochmals wiegen. Der Plan ging auf. James Stewart trat Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor in die Armee ein. Später gestand er, dass er bei diesem zweiten Versuch einen Freund an der Waage hatte.
Vom einfachen Soldaten zum Fliegeroffizier
Mit seinem lebenslangen Interesse am Fliegen und seinen Hunderten Flugstunden als Pilot trat Stewart als einfacher Soldat in das Army Air Corps (Luftwaffe) ein. Sein Architekturstudium an der Princeton University verhalf ihm zu einer Offizierslaufbahn, und er bekleidete verschiedene Positionen, vor allem als Ausbilder für schwere Flugzeuge.
Während des Krieges wollte Stewart unbedingt im Ausland dienen, zögerte aber, seinen Starstatus dafür zu nutzen. Schließlich erreichten ihn Gerüchte, er solle für Werbereisen und Filmprojekte des Militärs eingesetzt werden. Daraufhin wandte er sich an seinen damaligen Kommandeur, Oberst Walter Arnold, und bat ihn um einen Kampfeinsatz. Arnold gab seinem Wunsch nach, und Stewart wurde bald darauf als Operationsoffizier des 445. Bombergeschwaders nach England verlegt.
Der Januar 1944 über Ludwigshafen
Stewart erwies sich als kompetenter Offizier, als sorgfältiger Planer und Mann für Details. Diese Eigenschaften brachten ihm die Bewunderung seiner Piloten und Besatzungsmitglieder ein. Er leitete auch sein Geschwader im Einsatz über Deutschland. Eine dieser Missionen brachte ihm die Anerkennung seiner vorgesetzten Offiziere ein, woraufhin Stewart mit dem „Distinguished Flying Cross“ ausgezeichnet wurde.
Während eines Einsatzes über Ludwigshafen folgte sein 445. Geschwader dem 389. Geschwader. Stewart bemerkte, dass das andere Geschwader beim Heimflug nach England um 30 Grad vom Kurs abgekommen war. Er kontaktierte den Anführer, doch dieser behauptete, dass Stewart sich irre. Trotz dieses Fehlers des anderen Geschwaderführers blieb Stewart bei der 389., wohl wissend, dass dies seinen Tod und den seiner Männer bedeuten könnte. Andererseits wusste er auch, dass die 389. seine Hilfe brauchen würde. Und so kam es auch.
Major Jimmy Stewart berät sich im Jahr 1944 mit einem Besatzungsmitglied einer B-24.
Foto: US-Luftwaffe/gemeinfrei
Nahe Paris tauchten plötzlich rund 60 Jagdflugzeuge der Deutschen Luftwaffe auf und umschwärmten die beiden US-Geschwader. Sie eröffneten das Feuer. Der führende Pilot des 389. Geschwaders wurde abgeschossen. 16 weitere B-24 stürzten an diesem Tag ebenfalls ab. Jedoch ging keines von Stewarts Flugzeugen während dieses heftigen Gefechts verloren. Sein Mut, beim 389. Geschwader zu bleiben, rettete einigen von ihnen das Leben.
Als der Krieg vorbei war und Stewart nach Hause zurückkehrte, weigerte er sich, öffentlich über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wollte auch in keinem Film mitspielen, der direkt vom Krieg handelte. Darüber hinaus blieb er in der Armee-Reserve, bis er 1968 als Brigadegeneral in den Ruhestand ging.
Eine Frage, die sich stellt
Ein Oscar-Preisträger wie Stewart drängt darauf, Monate vor Pearl Harbor in den Militärdienst einzutreten. Er bittet um den Kampfeinsatz – als erster großer Filmstar überhaupt. Er lehnt die meisten Interviewanfragen während seines Dienstes in England ab und weigert sich später, aus seinem Beitrag zum Krieg Kapital zu schlagen, obwohl er das leicht hätte tun können.
Generalleutnant Henri Valin, Stabschef der französischen Luftwaffe, verleiht Oberst Jimmy Stewart um 1945 das Croix de Guerre mit bronzener Palme – die höchste Stufe dieser Auszeichnung – für seine außergewöhnlichen Verdienste bei der Befreiung Frankreichs.
Foto: US-Luftwaffe/gemeinfrei
Auch hatte die Teilnahme an diesem Krieg ihren Preis. Stewart vergaß nie die Männer unter seinem Kommando, die ihr Leben verloren hatten – Erinnerungen daran waren von Leid, Qual und Schuldgefühlen begleitet.
Warum also hat er das getan? Oder, wie ein junger Mensch fragen könnte: Von welchem Planeten kam dieser Kerl?
Eine Antwort finden wir in Stewarts Kindheit und Jugend. Es geht um seine Familie, sein Erbe und seine Heimatstadt.
Heimat und Patriotismus
Die Familie Stewart blickte auf eine stolze Tradition im Militärdienst zurück. Einer von Stewarts Vorfahren, Fergus Moorhead, hatte im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten gekämpft. Sein Großvater mütterlicherseits war General der Union im Bürgerkrieg, und Alex, Stewarts Vater, kämpfte im Spanisch-Amerikanischen Krieg und trat dann im Alter von 42 Jahren im Ersten Weltkrieg erneut in die Armee ein.
Noch wichtiger war jedoch, dass Elizabeth und Alexander Stewart ihrem Sohn Liebe, Disziplin, einen starken religiösen Glauben, Arbeitsmoral und Respekt vor anderen mit auf den Weg gaben. Dafür liebte er seine Eltern. Er sprach immer in den höchsten Tönen von ihnen und richtete seinen Moralkodex und sein Verhalten nach dem Vorbild seines Vaters aus, den er verehrte.
Kurz bevor Stewart nach Europa kam, gab ihm sein Vater eine kleine Mini-Bibel mit, die unter anderem den „Soldaten“-Psalm 91 enthielt – und einen Brief. Darin stand:
„Jim, ich verlasse mich ganz auf die beiliegende Abschrift des 91. Psalms. Das Einzige, was an die Stelle von Furcht und Sorge tritt, ist das Versprechen dieser Worte. Ich setze mein ganzes Vertrauen in diese Worte. Ich bin mir sicher, dass Gott dich durch dieses wahnsinnige Erlebnis führen wird. Gott segne dich und behüte dich. Ich liebe dich mehr, als ich es in Worte fassen kann. Dein Papa.“
Stewart trug diesen Brief für den Rest seines Lebens bei sich. Die Inschrift auf seinem Grabstein ist dem 91. Psalm entnommen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“, stand da.
Geprägt durch die Heimatstadt Indiana
Stewart empfand auch eine glühende Loyalität gegenüber seiner Heimatstadt Indiana, Pennsylvania. Dort betrieb sein Vater ein Eisenwarengeschäft, das er 1853 eröffnet hatte. Indiana festigte weiter die Werte, die Stewart in seinem Elternhaus verinnerlicht hatte.
Bei einem seiner vielen Besuche würdigte Stewart die Stadt mit folgenden Worten: „Ich habe immer gewusst, dass es in Indiana freundliche, anständige Menschen gibt. Leute, die jeden Morgen aus dem Bett aufstehen, ihr Tagewerk vollbringen und ihr Leben auf eine Weise führen, dass es dem Land alle Ehre macht. … Das ist der Charakter von Indiana, der Charakter, von dem wir alle, die das Glück haben, hier zu leben, ein Stück mitnehmen und es überallhin mit uns tragen. Ich gehöre hierher. Das ist ein gutes Gefühl, und ich bin dankbar dafür.“
In dem beliebten Filmklassiker „Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra spielt James Stewart den entmutigten Kleinstadtbewohner George Bailey. Am Ende des Films taucht dessen Bruder Harry auf – ein Pilot, der selbst Ruhm erlangt und Leben gerettet hat, genau wie Stewart es im wirklichen Leben tat. Es ist Heiligabend, und Harry erhebt vor der Familie und Freunden sein Glas auf George mit den Worten: „Auf meinen großen Bruder George, den reichsten Mann der Stadt.“
Jimmy Stewart war keineswegs der reichste Mann in Hollywood, aber sein Patriotismus und seine Opferbereitschaft bereichern alle, die seine Geschichte kennen.
Ein Porträt des amerikanischen Schauspielers Jimmy Stewart aus dem Jahr 1942, aufgenommen vor einem Militärflugzeug, mit Fliegermütze und in einem Wollmantel.
Es ist Jahre her, dass sich ein Kinobesuch wirklich gelohnt hat. Aber die Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ ist wirklich anders – und jeden Cent wert. Viele Darsteller der Originalbesetzung sind wieder mit am Start in dieser intelligenten und urkomischen Parodie auf die moderne Unternehmenskultur. Erfreulicherweise ist der Film völlig frei von jeglichen Woke-Signalen.
20 Jahre nachdem Andy Sachs (Anne Hathaway) zum ersten Mal die gnadenlosen Büros des „Runway“-Magazins betrat, liefert dieser Film (Regie: David Frankel, Drehbuch: Aline Brosh McKenna) eine witzige und treffende Fortsetzung.
Er verwandelt das Märchen aus der realen Modewelt in eine pointierte Kritik an der heutigen Medienlandschaft: dem Triumph der Personalbürokratie, der Dominanz der Werbeindustrie, der Raubtiermentalität von Private-Equity-Gesellschaften (Kapitalbeteiligungsgesellschaften) und der „Optimierung“ im McKinsey-Stil.
Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci kehren zurück, um die Machthaber unserer Zeit aufs Korn zu nehmen. Der bissige, satirische Ton und die opulente Produktion machen das Ganze zu einem gelungenen Comeback. Insbesondere Tuccis Mode fiel mir als urkomisch kreativ auf, sollte aber mit einer Warnung versehen werden, dies nicht zu Hause nachzumachen.
Über die Handlung
Andrea „Andy“ Sachs ist mittlerweile eine erfahrene Journalistin geworden, die sich eine Karriere im „echten“ Journalismus aufgebaut hat. Im Zuge des Zusammenbruchs der Branche wird sie dennoch – zusammen mit ihren Kollegen – entlassen. Bezeichnenderweise erhält sie zur gleichen Zeit eine renommierte Auszeichnung. Um jedoch ihren Lebensunterhalt weiterhin bestreiten zu können, kehrt sie widerwillig zu „Runway“ zurück. Sie soll als Ressortleiterin für Reportagen bei der Bewältigung einer PR-Krise helfen, in der das Modemagazin feststeckt.
Meryl Streep kehrt in ihrer Rolle als Miranda Priestly, die herrische Chefredakteurin, zurück, die im Lauf der Zeit und dank ihrer Erfahrungen in ihrem Privatleben etwas milder geworden ist.
Auch Emily Charlton (Emily Blunt) ist wieder mit im Boot und mit ihr der alte Groll aus der alten „Runway“-Zeit. Emily ist inzwischen zur Leiterin des Luxuseinzelhandels bei Dior geworden und pflegt ihre alte Sehnsucht nach Rache.
Ebenfalls erneut dabei ist Stanley Tucci in seiner Rolle als Nigel Kipling, Mirandas loyale rechte Hand. Er punktet mit Witz und Weisheit, während er seine Chefin beinahe andächtig verehrt.
Meryl Streep als Miranda Priestly und Stanley Tucci als Nigel Kipling brillieren auch im zweiten Teil von „Der Teufel trägt Prada“.
Schon früh wird Andy Sachs mit dem ersten „Overlord“ konfrontiert: der modernen Personalabteilung. Im Original von 2006 holten Assistentinnen noch ohne Klagen Kaffee und hängten Mäntel auf. Nun verbieten Unternehmensrichtlinien solche Bitten, um jeglichen Anschein von Hierarchie oder Ausbeutung zu vermeiden.
Andys harmloser Hinweis, dass ein Nachwuchsmitarbeiter ihr mit dem Mantel behilflich sein könnte, löst eine passiv-aggressive Intervention der Personalabteilung aus, inklusive Broschüren zum Sensibilisierungstraining und indirekter Ermahnungen zur „psychologischen Stabilität“.
Es ist ein rasant komischer Mikrokosmos der heutigen Arbeitswelt, die offene Tyrannei gegen bürokratische Erstickung eingetauscht hat. Miranda verdreht die Augen, doch sie muss sich selbst durch den Formulardschungel kämpfen. Der Grundtenor ist gesetzt: Der Teufel hängt nun ordentlich seine Mäntel selbst auf, trägt Business Casual und zitiert die Richtlinien.
Der zweite „Overlord“
Als Nächstes kommen die Werbekunden, der zweite „Overlord“. Ein großer Skandal bricht aus, als „Runway“ eine Fast-Fashion-Marke lobt, die später wegen Arbeitsrechtsverletzungen angeprangert wird. Sponsoren drohen mit Rückzug und zwingen Miranda zum Einlenken. So läuft es eben. Alle kennen das Spiel: Wer zahlt, hat das Sagen.
Andy beobachtet entsetzt, wie die redaktionelle Unabhängigkeit schwindet: „Ohne Anzeigenkunden gäbe es uns nicht mehr“, erklärt Miranda mit müdem Pragmatismus. Der Film zeigt klug, wie der Druck, Einnahmen zu generieren, einst unabhängige Publikationen entmachtet.
Reale Entsprechungen gibt es in Hülle und Fülle. Man denke nur an traditionsreiche Magazine wie „Vogue“, die ein Gleichgewicht zwischen anspruchsvollen Inhalten, Partnerschaften mit Luxusmarken und digitalen Kennzahlen finden mussten. Im Übrigen die Inspiration für „Runway“ mit Miranda als eine Art überzeichneter Anna Wintour [Anm. d. Red.: frühere Chefredakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der „Vogue“].
Dasselbe gilt für alle großen Medien heutzutage. Denken Sie bei jedem Medienhype um eine Krankheit einmal darüber nach – und wohin dies führt.
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Der dritte „Overlord“
Die ultimative Bedrohung geht von den fremdfinanzierten Private-Equity-Bossen aus.
Irv Ravitz (Tibor Feldman, in seiner Paraderolle), langjähriger Vorstandsvorsitzender der „Runway“-Muttergesellschaft Elias-Clarke, stirbt plötzlich. Das kommt einem bekannt vor! Sein verwöhnter und hochmütiger Sohn Jay Ravitz (B. J. Novak), ein lächerlicher, unkultivierter Versager in Sportkleidung, übernimmt den Medienkonzern.
Niemand mag ihn. Das ist ihm egal. Denn jeder muss ihm gehorchen.
Die beiden Protagonistinnen: Miranda Priestly (Meryl Streep) (links) und Andy Sachs (Anne Hathaway) in 20th Century Studios Film „Der Teufel trägt Prada 2“.
Jay Ravitz engagiert sofort Berater von McKinsey, um das Unternehmen „umzustrukturieren“. Diese mit Klemmbrettern bewaffneten MBA-Manager – einer von ihnen prahlt selbstgefällig mit seiner Harvard-Ausbildung – schlagen drastische Budgetkürzungen, Personalabbau und eine Neuausrichtung auf „digital first“ vor. Auch das „Biest“ der Kostenoptimierung soll freigesetzt werden. Die Berater bedienen sich modischer Worthülsen, die mit der eigentlichen Realität kaum noch etwas zu tun haben.
Komplott mit dem Tech-Bro
Dass Miranda nun in der Economy Class fliegt, wird zum Running Gag. Unterdessen verkörpern die Berater jene seelenlose Effizienz, die schon ganze Medienimperien ausgehöhlt hat, ganz zu schweigen von Finanzunternehmen, Tierarztpraxen und sogar Bowlingbahnen.
B. J. Novak spielt Jay mit unerträglicher Selbstgerechtigkeit und macht ihn so zum perfekten Sündenbock der Antivetternwirtschaft- und Anticonsulting(berater)-Satire des Films.
Andy, die sich auf ihre journalistischen Ideale besinnt, tut sich mit Emily zusammen, um die Übernahme abzuwehren. Sie holen Emilys milliardenschweren Freund ins Boot, den von Justin Theroux verkörperten Benji Barnes – einen durchtrainierten, aber etwas schrägen Tech-Typen mit einem Bezos-ähnlichen Lachen, eitlen Prestigeprojekten und transhumanistischen Fantasien zur Cocktailstunde, wie wir etwa in Zukunft keine Hälse mehr brauchen würden.
Doch Verrat lauert. Emilys Allianz verbirgt nur ihre Rachegelüste. Miranda hatte sie einst ins Abseits gestellt – „Du bist keine Visionärin; du bist eine Verkäuferin“ – und sie zu Dior gedrängt. Emily will, dass Benji „Runway“ kauft, damit sie selbst auf dem Cover erscheint. Der Plan scheitert während eines hochkarätigen Modeevents in Italien, inklusive Judas-Symbolik und emotionaler Konfrontationen.
Die Rettung naht
Dann kommt die überraschende Rettung in Form von Banjis geschiedener Frau Sasha Barnes (Lucy Liu). Die wohlhabende, idealistische und altruistische Philanthropin überbietet Benji für die Mehrheitsbeteiligung und bewahrt ein Stück redaktionelle Seele unter einem wohlwollenderen Eigentümer. Es ist eine Fantasielösung, aber eine befriedigende, die den Figuren erlaubt, ihre Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.
Auch bringen völlig neue Charaktere Würze ins Geschehen, wie Andys neuer Freund Peter, ein bodenständiger australischer Immobilienentwickler, gespielt von Patrick Brammall. Ihn beschäftigt, dass er in seinem Job bei der Sanierung älterer Wohnhäuser Schönheit und Geschichte zerstören muss. Dagegen kann er nichts tun – so verdient er seinen Lebensunterhalt –, aber zumindest bedauert er es. Dann gibt es noch einige Gastauftritte, unter anderem von Lady Gaga, die sich selbst spielt.
Mehr als eine seichte Komödie
Thematisch brilliert „Der Teufel trägt Prada 2“ als Unternehmenssatire. Er spießt auf, wie die Personalabteilung Arbeitsplätze infantilisiert hat, Werbekunden Inhalte diktieren, Private Equity die Kultur aushöhlt und mit Tabellenkalkulationen bewaffnete Berater tatsächliches Fachwissen zerstören.
Reale Parallelen finden sich überall: die Kämpfe von Condé Nast, „Vogues“ Pakt mit Milliardären, die „Washington Post“ unter der Herrschaft von Technologiekonzernen und mit Finanzierung durch die Pharmaindustrie oder die unzähligen Übernahmen kleiner Familienbetriebe. Denn das gilt ja nicht nur für die Medien, sondern auch für Sport, Medizin, Lebensmittel und jeden anderen Sektor. Wo sind Wahrheit und Schönheit geblieben?
Die aus der Nullzinspolitik geborene Finanzialisierung [Anm. d. Red.: alles in materielle Werte umzumünzen] hat den zivilisierten Handel in ein räuberisches Casino verwandelt, das sich nicht um Prinzipien, Schönheit, Anstand, Lebenserfahrung oder vernünftiges Handeln schert.
Miranda entwickelt sich von der reinen Schurkin zur bedrängten Hüterin der Exzellenz, die durch ihre Ehe und stille Entschuldigungen menschlicher wird. Andy wächst zu einer pragmatischen Idealistin heran.
Es ist kein revolutionäres Kino, aber in einer Ära des schwindenden Printsektors und des KI-Mülls ist seine Verteidigung von Handwerk, Schönheit und Unabhängigkeit hochaktuell. Letztlich hat mich der Film angesprochen und mir viele Momente herzlichen Lachens beschert – mit erfreulich wenigen unnötigen Vulgaritäten und moralischen Verwerfungen.
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist ein glänzender Erfolg. Er erinnert daran, warum der erste Teil so gut war, und aktualisiert dessen Gesellschaftskritik für die Realitäten des Jahres 2026. Die Teufel haben neue Anzüge – HR-Lanyards (Schlüsselbänder der Personalabteilung), Präsentationsfolien und Privatjetlisten –, doch der Kampf um Wahrhaftigkeit bleibt. Der Film ist sehenswert wegen der Lacher, der Mode und der überraschend scharfsinnigen Kommentare.