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Ministerpräsident Schnieder weist Mitschuld-Vorwürfe nach Bas-Rücktritt zurück

CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Gordon Schnieder zeigte Verständnis für die persönliche Entscheidung der SPD-Politikerin, wies jedoch ihre Kritik am politischen Umgang mit ihr entschieden zurück. „Also den Teil der Erklärung kann ich da nicht nachvollziehen. Das muss man dann auch aushalten“, sagte er dem Fernsehsender „Welt“. Wenn man Vereinbarungen nicht einhalte, wenn man auch entsprechende Entwürfe nicht auf den Tisch lege, wenn man damit nicht ins Kabinett gehe, dann müsse man sich irgendwann fragen lassen, warum das nicht so sei.
Mit dem Ausscheiden von Bas sieht Schnieder nun die SPD in der Pflicht, die seit Monaten diskutierte Rentenreform endlich vorzulegen. „Es gibt eine klare Vereinbarung im Koalitionsvertrag. Es gibt auch klare Zusagen im Koalitionsausschuss. Diese Rentenreform müssen wir durchbringen. Wir brauchen Beitragsstabilität und wir brauchen endlich auch für die Menschen im Land eine Zukunftsperspektive, nämlich dass Altersvorsorge künftig gesichert ist und besser wird als das, was wir jetzt haben. Der Entwurf ist von Bärbel Bas nie vorgelegt worden. Die SPD ist aufgefordert, das zu tun.“
Ob Bas die zentrale Bremserin der Reform gewesen sei, wollte Schnieder zwar nicht bestätigen, allerdings stellte er fest: „Wir warten auf die entsprechenden Entwürfe und die müssen kommen, und die müssen aus ihrem Haus kommen oder sollten aus ihrem Haus kommen. Und jetzt ist die Nachfolgerin oder der Nachfolger aufgefordert, das jetzt in die Hände zu nehmen.“ (dts/red)
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Arztgeheimnis, Staatstrojaner, KI: Was die Geheimdienstreform für Bürger bedeutet


In Kürze:

  • Die Bundesregierung will BND und Verfassungsschutz mehr Befugnisse zur Abwehr von Spionage, Sabotage und hybriden Angriffen geben.
  • Geplant sind unter anderem Staatstrojaner, KI-gestützte Datenanalysen und erweiterte biometrische Abgleiche.
  • Kritiker warnen vor Eingriffen in Grundrechte, ärztliche Vertraulichkeit und Datenschutz. Der Bundestag berät noch, verfassungsrechtliche Fragen sind offen.

 
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist am 6. Oktober unter Spionageverdacht festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm unter anderem landesverräterische Ausspähung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Hanning sitzt in Untersuchungshaft und bestreitet die Vorwürfe über seinen Anwalt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Über den Fall wurde international berichtet. Er wirft Fragen auf: Wie gut sind Staatsgeheimnisse beim BND geschützt? Was muss bei den deutschen Nachrichtendiensten geändert werden?

Reform schon länger geplant

Doch es bedurfte gar nicht erst des Falls Hanning, um bei der Bundesregierung ein Nachdenken über Reformen bei den Geheimdiensten auszulösen. Diese hatten CDU/CSU und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt. Als Anlass für die geplanten Änderungen nennt die Bundesregierung, dass die „staatliche Souveränität“ und das „Gemeinwesen“ vermehrt mit Bedrohungen aus dem In- und Ausland „konfrontiert“ seien.
Die Bundesregierung nennt vermehrte Spionage, Sabotage und sogenannte hybride Angriffe. Deshalb benötigten das Bundesamt für Verfassungsschutz und der BND „zeitgemäße Befugnisse“, „um wirksam agieren zu können“.
Am 12. August beschloss das Bundeskabinett den Gesetzentwurf von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) und brachte ihn am 24. September im Bundestag zur ersten Lesung ein. Hauptziel der Reform ist es, den BND und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) von reinen Informationssammlern zu Geheimdiensten mit Handlungsbefugnissen umzubauen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Nachrichtendienst“ und „Geheimdienst“ oft gleichbedeutend verwendet. Selbst die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages bezeichnen die deutschen Nachrichtendienste in einer Ausarbeitung als „Geheimdienste“.
Streng genommen gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Begriffen: Ein Nachrichtendienst sammelt lediglich Informationen und wertet sie aus, ein Geheimdienst geht weiter und nutzt die Informationen für eigene aktive Operationen, um Gegner oder Angriffe auszuschalten. Insbesondere der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad ist mit solchen Operationen bekannt geworden. Künftig sollen auch die beiden wichtigsten deutschen Nachrichtendienste zu solchen Geheimdiensten umgestaltet werden.
In der Debatte im Bundestag am 24. September sprach die für den BND zuständige Kanzleramtsministerin Warken von der „größten Novellierung“ des Nachrichtendienstrechts in der Geschichte des Landes. Deutschland sei ständiges Ziel hybrider Angriffe geworden, die eine akute Gefahr darstellten. Dabei habe man sich bislang zu häufig darauf verlassen, „dass unsere Sicherheit von unseren Partnern gewährleistet wird“. Mit der Reform würden die deutschen Nachrichtendienste nun konkurrenzfähiger gemacht, so Warken weiter. Dazu würden ihre Aufklärungsbefugnisse gestärkt, damit der BND und das BfV Bedrohungen rechtzeitig entdecken könnten.
Warken sagte zudem, die Reform sehe auch die Anwendung aktiver Maßnahmen vor, etwa die Abschaltung der Server von staatlichen Hackergruppen. Es wäre ihrer Meinung nach nicht vertretbar, wenn der BND bei einer besonders relevanten Bedrohung, die von anderen Stellen nicht abgewendet werden könne, tatenlos zusehen würde.

Bald „echte“ Geheimdienste?

Bundesinnenminister Dobrindt sagte, mit dem Reformgesetz lege die Bundesregierung den „Grundstein für eine neue Zeitrechnung bei den Nachrichtendiensten“, die zu „echten Geheimdiensten“ würden. „Aus Informationsbeschaffung über Bedrohungen wird echte Abwehr von Gefahren, Anschlägen und Terror – das ist Schutz von Land, Bevölkerung und Demokratie.“
Der Inlandsnachrichtendienst, offiziell Verfassungsschutz genannt, ist bisher vielschichtig organisiert. Es gibt zum einen das Bundesamt für Verfassungsschutz und zum anderen 16 Landesämter (LfV), für jedes Bundesland eines. Diese Behörden arbeiten sowohl autonom als auch untereinander zusammen. Ihre Struktur ist uneinheitlich. Die LfV sind teilweise unmittelbar im jeweiligen Landesinnenministerium angesiedelt oder als eigenständige Landesoberbehörde dem jeweiligen Innenministerium nachgeordnet.
Der für das Ausland zuständige BND hat bisher die Aufgabe, „im Ausland Informationen zu sammeln, die von außen- oder sicherheitspolitischer Bedeutung“ für Deutschland sind. BND-Mitarbeiter sind zum Beispiel in jeder deutschen Botschaft im Ausland vertreten.
Der dritte Nachrichtendienst ist in erster Linie für die Bundeswehr relevant: Das Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst (BAMAD) klärt unter Soldaten und Zivilangestellten der Bundeswehr extremistische und sicherheitsgefährdende Handlungen oder Denkweisen auf. Ergeben sich Schnittstellen mit dem Verfassungsschutz, informiert das BAMAD den Inlandsgeheimdienst entsprechend.

Was bringt die Reform für die Bürger?

Einerseits soll ein erhöhter Schutz vor digitalen Bedrohungen hergestellt werden, andererseits könnte das Gesetz tiefgreifende Einschnitte in die digitalen und privaten Freiheitsrechte jedes Einzelnen nach sich ziehen. Die technischen Aufklärungsmöglichkeiten sollen laut Gesetzentwurf umfassend ausgeweitet werden.

Staatstrojaner

Der Verfassungsschutz und der BND sollen bei konkreten Gefährdungslagen gezielt Staatstrojaner einsetzen können, um Smartphones und Computer zu infiltrieren. Juristisch spricht man dabei von Quellen-Telekommunikationsüberwachung beziehungsweise Online-Durchsuchung. Entsprechende Passagen finden sich in den Entwürfen für die einzelnen Nachrichtendienstgesetze.
Die Befugnisse für Online-Durchsuchungen sind unter anderem in den §§ 23, 25 und 26 des Entwurfs zum Bundesverfassungsschutzgesetz (BVerfSchG-E) geregelt. Die Regelungen für den BND finden sich in den §§ 37 bis 39 des Entwurfs zum BND-Gesetz.
Künftig könnte damit die Kommunikation auf den Geräten überwachter Personen inklusive verschlüsselter Messenger-Apps wie WhatsApp oder Signal mitgelesen und ausgewertet werden. Chats, Fotos und Standortdaten wären für die Dienste dann einsehbar.
Laut Bundesregierung reicht das Spektrum von wenig eingriffsintensiven Maßnahmen, etwa gegen einen intelligenten Kühlschrank, bis zu erheblich eingriffsintensiven, etwa gegen ein privat genutztes Mobiltelefon. Auch elterliche Kontroll-Apps oder Familien-Sicherheitssysteme könnten erfasst werden.
Für die Installation der Spionagesoftware könnte zudem das heimliche Betreten von Wohnungen nötig werden. Kritiker sehen darin eine erhebliche Aufweichung der Unverletzlichkeit der Wohnung. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Gottfried Curio warf der Bundesregierung vor, eine „Geheimpolizei“ zu ermöglichen. Der Verfassungsschutz werde damit seiner Meinung nach „zur Stasi 2.0 umgebaut“.

Wie erhält man Auskunft über gesammelte Daten?

Wer sich überwacht fühlt, hat ein grundsätzliches Auskunftsrecht. Nach § 15 BVerfSchG-E kann auf Antrag Auskunft über gespeicherte Daten verlangt werden. Allerdings muss die betroffene Person auf einen konkreten Sachverhalt hinweisen und ein besonderes Interesse darlegen. Zudem sieht der Entwurf weitreichende Ausnahmen vor, in denen eine Auskunft unterbleiben kann.
Diese sind allgemein formuliert, etwa mit dem Hinweis auf eine Gefährdung der Aufgabenerfüllung oder des Quellenschutzes, und könnten daher von der Behörde vielfach als Grund für eine Auskunftsverweigerung angeführt werden. Im Entwurf des BND-Gesetzes ist dies in § 9 unter Verweis auf § 15 BVerfSchG-E geregelt.

KI zur Datenanalyse

Der Gesetzentwurf schafft erstmals eine explizite, eigenständige Rechtsgrundlage für den Einsatz von KI-Systemen durch deutsche Nachrichtendienste. Damit sollen riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden. Dies könnte zum Beispiel dazu führen, dass auch unbescholtene Bürger ins Visier eines Geheimdienstes geraten, ohne etwas falsch gemacht zu haben.

Biometrischer Datenabgleich

Auch die „Verwendung von Tools für den biometrischen Abgleich von Bilddaten“ soll erleichtert werden. Der gemeinnützige Verein Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) kritisierte bereits vor Vorlage des Gesetzentwurfs mit Verweis auf die KI-Verordnung der EU (AI Act), dass künftig massenhaft Daten völlig unbeteiligter Menschen abgeglichen würden. Die GFF verweist auf das sogenannte Flächendeckungsverbot, das das Bundesverfassungsgericht in einem Beschluss aus dem Jahr 2018 formuliert hat. Es soll verhindern, „dass der Staat ohne hinreichenden Anlass den gesamten öffentlichen Raum nach potenziellen Treffern durchsucht“, so die GFF.

Arztgeheimnis betroffen

Anders als Rechtsanwälte, Strafverteidiger, Geistliche oder Abgeordnete sollen künftig Ärzte und Psychotherapeuten abgehört und überwacht werden können. Nach § 32 BVerfSchG-E sollen dem Inlandsgeheimdienst Befugnisse eingeräumt werden, die er bisher nicht hatte. So sollen Patientengespräche in Praxen abgehört und aufgezeichnet werden können, indem der Geheimdienst die Praxisräume zuvor heimlich betritt und Abhörgeräte installiert.
Diese Maßnahmen sollen möglich werden, wenn das öffentliche Aufklärungsinteresse des Staates im Fall von Verdacht auf Terrorismus, Spionage oder andere Bedrohungen größer ist als das Vertraulichkeitsinteresse von Patient und Arzt. Dagegen gibt es Protest aus der Ärzteschaft.
Die Bundesärztekammer etwa warnte vor einer Untergrabung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. Wenn Patienten intimste oder psychische Probleme aus Angst vor staatlicher Überwachung verschweigen würden, gefährde dies die medizinische Behandlung.

Aufweichung des Trennungsgebots

Eine weitere wesentliche Änderung findet sich in § 59 BVerfSchG-E. Bisher gilt ein Trennungsgebot zwischen der Polizei, die eingreifen darf, und den Nachrichtendiensten, die nur beobachten dürfen. Dieses Prinzip soll aufgeweicht werden. Den Verfassungsschützern soll bei terroristischen oder hybriden Bedrohungen erlaubt werden, „aktive Schutzmaßnahmen“ zu ergreifen, um Gefahren abzuwehren, wie die Bundesregierung auf ihrer Website schreibt.
Wörtlich heißt es dort: Wenn die Dienste „Gefahren erkennen, die andere Stellen – etwa die Polizei – nicht gleichermaßen wirksam abwehren können, sollen die Nachrichtendienste künftig in engen Grenzen selbst eingreifen können. Das kann etwa das Abschalten eines ausländischen Servers sein, von dem aus ein Cyberangriff unmittelbar bevorsteht.“

Kontrolle soll gebündelt werden

Auf derselben Seite verweist die Bundesregierung darauf, dass der Unabhängige Kontrollrat die Zuständigkeit für alle Nachrichtendienste des Bundes erhalten soll. „Damit soll die aktuelle Zersplitterung der Rechtskontrolle aufgehoben und eine stringente gerichtsähnliche Spruchpraxis ermöglicht werden“, heißt es weiter.
Dabei soll der Kontrollrat „besonders eingriffsintensive Einzelmaßnahmen der Nachrichtendienste“ vorab genehmigen. Das Gesetz über das Parlamentarische Kontrollgremium bleibe von der Novelle unberührt.

Muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden?

Über den Gesetzentwurf, der mehr als 600 Seiten umfasst, wird weiter im Bundestag beraten, zumal auch der Bundesrat Einwände erhoben hat. Da das Vorhaben erhebliche verfassungsrechtliche Fragen aufwirft, kann es dazu kommen, dass letztlich das Bundesverfassungsgericht die endgültigen Grenzen der Geheimdienstreform stecken muss.
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Bärbel Bas tritt von allen Ämtern zurück – Schweitzer soll neuer Arbeitsminister werden

Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und als SPD-Chefin zurück. Sie begründete den Schritt in einer öffentlichen Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners. Politiker aus der Union hatten Bas zuletzt scharf dafür kritisiert, dass sie Gesetzentwürfe zu geplanten Reformvorhaben zum Beispiel in der Rente nicht schnell genug vorlege. Sie hatten ihr vorgeworfen, die Reformen zu verschleppen und zu blockieren.
Auf Instagram schrieb Bas:
„Heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch. Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.
Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.
Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege.
Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.
Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen.
Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt.
Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe.
Gleiches gilt für meine Partei.
Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion für die Unterstützung bedanken.
Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte. Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen.
Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte. Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.
Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können.
Glück auf und Freundschaft
Eure Bärbel Bas“

Alexander Schweitzer soll Bundesarbeitsminister werden

Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas als SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin steht ihre Nachfolge im Ministeramt offenbar bereits fest. Wie mehrere Medien am Montag übereinstimmend berichten, soll der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer ins Kabinett nachrücken. Derzeit ist er noch Chef der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag.
SPD-Chef Klingbeil äußerte sich über die Entscheidung von Bas: „Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen“, betonte er. Deshalb könne er den Schritt persönlich nachvollziehen. „Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht“, betonte der Vizekanzler. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch würdigte, Bas habe Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. „Aber die Kraft ist endlich.“
(dpa/dts/red)
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Bärbel Bas tritt als SPD-Vorsitzende und Arbeitsministerin zurück

Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und als SPD-Chefin zurück. Sie begründete den Schritt in einer öffentlichen Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union.
Auf Instagram schrieb sie:

„Heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch.

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen.

Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.

Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.
Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege.
Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.
Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen.
Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt.
Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe.
Gleiches gilt für meine Partei.
Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion für die Unterstützung bedanken.
Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte. Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen.
Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte. Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.
Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können.
Glück auf und Freundschaft
Eure Bärbel Bas“
(dpa/red)
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Regionale Erbschaftsteuer und Privilegien für Firmenerben: Karlsruhe verhandelt Bayern-Klage

Wer in Deutschland auf geerbtes Vermögen wie viel Steuern zahlen muss, ist bundesweit einheitlich festgelegt. Die bayerische Staatsregierung und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) haben das in der Vergangenheit oft kritisiert – sie fordern eine Regionalisierung der Steuer. Das Thema beschäftigt mittlerweile auch das Bundesverfassungsgericht.
Heute (14:00 Uhr) verhandelt das Gericht in Karlsruhe eine abstrakte Normenkontrolle aus Bayern. Der Freistaat will von den höchsten deutschen Richtern unter anderem klären lassen, ob Vorschriften im Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz schon deshalb verfassungswidrig sind, weil der Bund sie gar nicht vorgeben darf. Ein Urteil wird erst einige Monate nach der mündlichen Verhandlung erwartet.

Vorschriften zu Freibeträgen und Steuersätzen

Eine abstrakte Normenkontrolle können nur die Bundesregierung, eine Landesregierung oder ein Viertel der Mitglieder des Bundestags in Karlsruhe einreichen. Das Bundesverfassungsgericht prüft bei dieser Art von Verfahren unabhängig von einem konkreten Rechtsstreit unter allen infrage kommenden Aspekten, ob eine Rechtsnorm mit der Verfassung vereinbar ist.
Konkret greift der Freistaat die Vorschriften zur Bewertung von Grundstücken, zu Steuerfreibeträgen und zu den Steuersätzen an. Dem Bund fehle dafür die Gesetzgebungskompetenz – er sei also gar nicht zuständig, diese Dinge vorzuschreiben, sondern die Länder. Die Steuersätze und Freibeträge seien zudem verfassungswidrig, weil sie nicht an die Inflation angepasst wurden, meint die bayerische Staatsregierung. Und: die Freibeträge müssten regionale Unterschiede bei den Immobilienpreisen berücksichtigen.

Bayerns Finanzminister: Weg nach Karlsruhe unumgänglich

„Die Erbschaftsteuer ist eine Ländersteuer – das Aufkommen steht in voller Höhe den Ländern zu“, erklärte der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) im Vorfeld der Verhandlung. Daher sollten die Landesparlamente auch maßgeblich über ihre Ausgestaltung entscheiden können.
Bayern setze sich seit Jahren bei Bund und Ländern für eine Reform der Erbschaftsteuer ein. „Freibeträge und Steuersätze sind seit 2009 unverändert – die Immobilienpreise haben sich aber teils verdoppelt oder gar verdreifacht“, so Füracker. Die Freibeträge hätten dadurch ihre Entlastungswirkung verloren. Die drastisch gestiegene Inflation verstärke diesen Effekt zusätzlich.

Steuereinnahmen gehen an die Länder

Erbschaftsteuer bezahlen muss grundsätzlich jeder, der durch den Tod einer anderen Person Vermögen erhält. Das kann Bargeld sein, ein Haus, eine Firma, Wertpapiere, Schmuck oder Unternehmensanteile. Wie viel Steuer man zahlt, hängt vom Verwandtschaftsgrad und dem Wert des Erbes ab. Die Steuersätze liegen zwischen 7 und 50 Prozent. Je mehr man erbt und je entfernter man mit dem Verstorbenen verwandt ist, desto mehr Steuern muss man zahlen.
Schätzungen zufolge wechseln 200 bis 400 Milliarden Euro jedes Jahr durch Erbschaften und Schenkungen in Deutschland den Besitzer. Im Jahr 2025 kassierte der Staat dabei Steuern in Höhe von 13,3 Milliarden Euro. Auch wenn die Erbschaftsteuer in einem Bundesgesetz geregelt ist: als Ländersteuer fließen die Einnahmen komplett in die Kassen der jeweiligen Bundesländer.

Bundesregierung plant Reform der Erbschaftsteuer

Dass die Erbschaftsteuer reformbedürftig ist, ist Konsens in der schwarz-roten Bundesregierung. Da hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Während die SPD gern längst begonnen hätte und die Debatte treibt, wollen CDU und CSU erst abwarten, wie das Bundesverfassungsgericht entscheidet.
Am Dienstag wird das Gericht in einem zweiten Verfahren ebenfalls zur Erbschaftsteuer verhandeln – diesmal geht es darum, ob die umfassenden Steuerprivilegien für Erben von Betriebsvermögen mit dem Grundgesetz vereinbar sind.
Die SPD will künftig verhindern, dass große Vermögen nahezu steuerfrei übertragen werden können. CDU und CSU lehnen die Vorschläge ab. Aber auch innerhalb der Union ist man sich beim Thema teils uneinig. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Söders Forderung nach einer Regionalisierung der Erbschaftsteuer im vergangenen Jahr eine Absage erteilt.

Stiftung Familienunternehmen befürchtet „Steuer-Katastrophe“

Der Chef der Stiftung Familienunternehmen, Rainer Kirchdörfer, warnt vor einer Katastrophe für den Standort Deutschland, sollten die Verschonungsregeln für Firmenerben bei der Erbschaftsteuer wegfallen. „Die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen wie Fabriken, Maschinen, Patente sind für Familienunternehmen existenziell wichtig. Sie dienen dazu, dass Familienunternehmen über Generationen hinweg bestehen können“, sagte Kirchdörfer der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe).
Das Ausland beneide Deutschland um seine große Vielfalt an kleinen, mittleren und großen Familienunternehmen. „Höhere Erbschaftsteuern auf Betriebsvermögen würden dazu führen, dass Familienunternehmen weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung hätten. Im Endeffekt würden sie auch Arbeitsplätze kosten. Es kommt entscheidend darauf an, die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen zu erhalten“, sagte Kirchdörfer der „Rheinischen Post“.

DIHK-Chef: Erbschaftsteuer könnte Familienbetriebe gefährden

Auch der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, verteidigt die Verschonungsregeln bei der Erbschaftsteuer für Firmenerben gegen Kritik. „Hinter jedem Familienunternehmen stehen Menschen, Beschäftigte, Auszubildende und oft ganze Regionen, die von diesem Betrieb leben. Wer sie schützen will, muss das produktive Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer weiterhin verschonen“, sagte Adrian der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe).
Es gehe nicht um Privilegien. „Die Verschonung ist keine Subvention, sondern unterliegt festen Vorgaben wie der Weiterführung des Betriebs oder dem Erhalt von Arbeitsplätzen“, so der DIHK-Chef weiter. Betriebsvermögen sei „in aller Regel im Unternehmen gebunden“ und stehe den Nachfolgern nicht als Geld zur Verfügung. „Es steckt in Maschinen, Hallen und Innovationen. Eine zusätzliche steuerliche Belastung trifft deshalb unmittelbar die Investitions- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens“, sagte Adrian.
Fehle die Verschonung, könnten bis zu 50 Prozent des übertragenen Wertes als Steuer fällig werden. „Dann bleibt vielen Erben nur, Teile des Betriebs oder den ganzen Betrieb zu verkaufen, um diese Steuer überhaupt zahlen zu können“, warnte der DIHK-Präsident.
(dpa/afp/dts/red)
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Nach Annullierung: Einzelkandidatin Binder gewinnt Bürgermeisterwahl in Strausberg

Nach der Annullierung des ersten Urnengangs hat die parteilose Einzelkandidatin Annette Binder die wiederholte Bürgermeisterwahl im brandenburgischen Strausberg gewonnen.
Bei der Stichwahl am Sonntag bekam Binder 64,9 Prozent der Stimmen, wie die Wahlleitung mitteilte. Sie setzte sich damit gegen ihren parteilosen Gegenkandidaten Robert Krause durch, der auf 35,1 Prozent kam.
Im Februar hatte bereits eine Bürgermeisterwahl in der Mittelstadt mit knapp 28.000 Einwohnern stattgefunden, wobei es aber Unstimmigkeiten gab.
Der Landkreis Märkisch-Oderland stellte Strafanzeige, weil von den mehr als 4000 versandten Briefwahlunterlagen nur etwa 2800 an die Wahlbehörde zurückkamen.
Ermittelt wurde wegen des Verdachts der Unterschlagung oder der Manipulation gegen einen der Kandidaten. Das Verfahren gegen ihn wurde aber inzwischen eingestellt, die Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder sah keinen hinreichenden Tatverdacht.
Die Wahl vom Februar wurde außerdem zunächst annulliert. Die anstehende Stichwahl wurde abgesagt, was das Verwaltungsgericht Frankfurt an der Oder aber im März im Eilverfahren für rechtswidrig erklärte. Die Stichwahl fand statt, Binder gewann.
Die Stadtverordnetenversammlung erklärte die Wahl allerdings nach Einsprüchen für ungültig, weswegen sie nun wiederholt wurde. Der Kandidat, gegen den ermittelt worden war, trat im zweiten Anlauf nicht mehr an.(afp/red)
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Entspannung? Wo der Strom 2027 günstiger werden könnte


In Kürze:

  • Nach vorläufigen Zahlen für 2027 zahlen Haushalte und kleinere Unternehmen voraussichtlich etwas weniger Stromnetzentgelte – mit deutlichen regionalen Unterschieden.
  • Die bundesweit einheitlichen Entgelte der Übertragungsnetzbetreiber steigen dagegen um knapp 24 Prozent.
  • Auch bei den Gasnetzentgelten wird es insgesamt teurer.

 
Ab 2027 werden die Stromnetzentgelte für Haushalte und Gewerbekunden in der Niederspannung voraussichtlich sinken. Das geht aus den ersten veröffentlichten Preisblättern zu den vorläufigen Netznutzungsentgelten 2027 hervor, über die das Dienstleistungsunternehmen ene’t GmbH informiert.
Die Stromnetzentgelte, auch Netznutzungsentgelte genannt, sind Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes und den Transport des Stromes von A nach B. Sie sind von jedem Stromkunden zu zahlen. Sinkende Stromnetzentgelte können letztlich die Stromrechnung leicht reduzieren.
Niedrigere Stromnetzentgelte waren zuvor nicht unbedingt erwartbar. Noch am 1. Oktober war von einer deutlichen Erhöhung der Stromnetzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber im kommenden Jahr die Rede.
Aktuell liegen die Preisblätter von zwölf Netzbetreibern vor, die zusammen 56,6 Prozent des stromversorgten Gebiets abdecken. Damit lassen sich erste Trends für 2027 ablesen. Allerdings weist ene’t darauf hin, dass die Preisblätter „vorläufig“ seien. Somit blieben Änderungen bis zum Jahreswechsel noch möglich.

Kleiner Preisrückgang bei Privathaushalten

Von der neuerlichen Anpassung profitieren laut ene’t viele private Haushalte. Demnach bezahle ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) im kommenden Jahr durchschnittlich 354,39 Euro an Netzentgelten. Das entspreche 1 Prozent weniger als 2026. Ein Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 1.500 kWh zahle kommendes Jahr 193,42 Euro, was einen Rückgang um 0,4 Prozent bedeute.
Die stärkste Preisminderung würden kleine Gewerbekunden im Verbrauchsbereich von 40.000 kWh pro Jahr erleben, die sich ebenfalls noch auf der Niederspannungsebene befinden. Sie müssten mit 2.672,45 Euro für die Netznutzung rechnen, was ein Minus von 1,6 Prozent bedeute.
Deutlich größere Gewerbekunden mit 400.000 kWh Jahresabnahme auf Mittelspannungsebene zahlen 2027 laut ene’t hingegen mehr. Für sie stehe eine Preissteigerung von 3,5 Prozent bei den Netzentgelten zu Buche. Bundesweit einheitlich steigen zudem die Entgelte der vier Übertragungsnetzbetreiber: Auf der Höchst- und Umspannungsebene erhöht sich das durchschnittliche Netzentgelt nach deren Angaben von 2,86 auf 3,54 Cent pro kWh. Das entspricht einer Steigerung um knapp 24 Prozent.
Strom

Voraussichtliche Veränderung der Netzentgelte 2027 für Privathaushalte und Gewerbekunden.

Foto: mf/Epoch Times, Daten: ene’t

Regionale Unterschiede

Es handelt sich hierbei jedoch nur um Durchschnittswerte. Nach Angaben von ene’t bestehen auf Ebene der einzelnen Verteilnetzbetreiber deutliche Unterschiede. So sollen im Netz der NordNetz für den betrachteten Musterhaushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch 237,93 Euro fällig werden. Damit weise der Betreiber nach aktuellem Stand das niedrigste Preisniveau auf. Gegenüber 2026 stiegen die jährlichen Kosten allerdings um 10,80 Euro oder um 4,8 Prozent.
Die höchsten Kosten würden bei der Westnetz anfallen, die eine vergleichsweise große Fläche versorgt. Hier bezahle ein Musterhaushalt 432,60 Euro an Stromnetzentgelten im Jahr. Dennoch zeige sich eine deutliche Reduzierung des hohen Preisniveaus um 41,95 Euro, was 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche. Der spezifische Arbeitspreis reduziere sich damit um 1,04 auf 10,82 Cent pro kWh.
Strom

Deutschlandkarte mit den prozentualen Veränderungen der Stromnetzentgelte 2027 zu 2026 für den Abnahmefall Haushalt mit 4.000 kWh pro Jahr in der Niederspannung nach Verteilnetzbetreibern.

Foto: ene’t

Die größte prozentuale Erhöhung unter den bislang erfassten Netzbetreibern nehme die Bayernwerk Netz vor. Dort sei eine Steigerung der jährlichen Kosten für den betrachteten Musterhaushalt um 31,60 Euro oder 10,6 Prozent auf 329,40 Euro zu erwarten. Der Arbeitspreis erhöhe sich von 7,45 auf 8,24 Cent pro kWh.
Nach aktuellem Veröffentlichungsstand liegen für den Musterhaushalt 2027 knapp 195 Euro jährlich zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet. Ob sich diese Trends mit der Veröffentlichung weiterer Preisblätter bestätigen, bleibt abzuwarten.

Zuschuss vom Bund sinkt

Wie bereits erwähnt, sind die Daten vorläufig. Eine Veränderung zuungunsten der Stromkunden wäre etwa denkbar, wenn der geplante Zuschuss des Bundes zu den Übertragungsnetzkosten nicht rechtzeitig gesetzlich verankert wird. Die Übertragungsnetzbetreiber haben ihn in ihre vorläufigen Entgelte für 2027 bereits eingerechnet; ohne Rechtssicherheit bis zum 7. Dezember 2026 könnten die endgültigen Entgelte nach ihren Angaben höher ausfallen.
In diesem Jahr liegt der Zuschuss noch bei insgesamt 6,5 Milliarden Euro und wird dem Klima- und Transformationsfonds entnommen. Im kommenden Jahr und bis einschließlich 2029 soll dieser strompreisdämpfende Zuschuss laut Gesetzentwurf nur noch 5,525 Milliarden Euro pro Jahr betragen.
Laut der Bundesregierung soll dies Haushalte und Unternehmen weiterhin „spürbar entlasten“. Was die Verbraucher nicht über die Stromrechnung bezahlen, wird jedoch aus öffentlichen Mitteln beglichen.

Höhere Kosten bei Gasnetzentgelten

Neben den Entgelten für Strom hat ene’t auch eine Aktualisierung der voraussichtlichen Gasnetzentgelte für 2027 mitgeteilt. Demnach müssten Verbraucher hier in allen betrachteten Fällen mit einem preislichen Aufwärtstrend rechnen.
So bezahle ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh und einer installierten Leistung von 11 Kilowatt im kommenden Jahr im Schnitt 603,47 Euro für die Gasdurchleitung. Gegenüber den endgültigen Entgelten für 2026 entspreche dies einem Anstieg um 7,25 Euro oder 1,2 Prozent.
Auch bei kleineren Haushalten und Gewerbekunden würden sich die Steigerungen in einer vergleichbaren Größenordnung bewegen.

Wo es teurer und wo es günstiger wird

Zwischen den einzelnen Netzbetreibern gebe es teilweise große regionale Preisunterschiede. Am teuersten sei das Netz der E.DIS Netz GmbH, die weite Teile von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern versorgt. Für den Musterhaushalt mit 20.000 kWh Jahresverbrauch würden dort 977,68 Euro anfallen, ein Plus von 17,00 Euro oder 1,8 Prozent im Vorjahresvergleich.
Die niedrigsten Kosten für 2027 für denselben Musterhaushalt fänden sich bei den Stadtwerken Greven. Dort würden für diesen Abnahmefall 301,51 Euro oder 1,51 Cent pro kWh berechnet. Gegenüber 2026 erhöhe sich der Preis um 13,70 Euro oder 4,8 Prozent.
Die größte prozentuale Erhöhung – ebenfalls für 20.000 kWh – nehme die Thüga Energienetze vor. Die jährlichen Kosten sollen hier um 50,74 Euro oder 12,1 Prozent auf 471,94 Euro ansteigen. Der Arbeitspreis erhöhe sich von 2,11 auf 2,36 Cent pro kWh.
Mancherorts seien allerdings auch sinkende Netzentgelte zu beobachten. Die größte prozentuale Reduzierung verzeichne nach aktuellem Stand die eneREGIO. Dort gingen die jährlichen Kosten um 42,40 Euro oder 8,0 Prozent auf 489,60 Euro zurück. Der spezifische Arbeitspreis sinke von 2,66 auf 2,45 Cent pro kWh.
Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Gasnetz liegen nach aktuellem Veröffentlichungsstand beim betrachteten Musterhaushalt gut 676 Euro pro Jahr.
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Rot-Grün-Rot in Berlin: Leuchtturm oder Achsbruch?

Vor dem Hintergrund einer hitzigen bundespolitischen Debatte über ein mögliches Bündnis von Linke, Grünen und SPD in Berlin treiben die drei Parteien ihre Sondierungsgespräche voran. Die möglichen Partner kamen am Sonntag erneut zusammen und wollen auch am Montag ihre Verhandlungen fortsetzen.
Gleichzeitig nahmen die Warnungen vor einer linksgeführten Regierung in der Hauptstadt zu. Der Kulturstaatsminister und Kanzlervertraute Wolfram Weimer löste mit drastischen Worten Streit in der schwarz-roten Koalition aus. Doch auch aus den Reihen von Grünen und SPD kommen ablehnende Stimmen.
Am Rande der Sondierungen hielten sich die drei Parteien mit Zwischenständen bedeckt, gesprochen werden soll etwa noch über mögliche Zankäpfel wie Mieten und Wohnen. Umso heftiger tobt die öffentliche Debatte.
In den vergangenen Wochen wurden der Berliner Linken immer wieder einzelne konkrete Verbindungen zu antisemitischen Kreisen und in das sogenannte Clan-Milieu vorgeworfen, wobei der Begriff Clankriminalität in der Partei als stigmatisierend kritisiert wird.
Weimer sagte der „Bild“-Zeitung, die Berliner Linke öffne „dem Antisemitismus Tür und Tor“. Islamistische und linksradikale Milieus verbündeten sich. Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nannte es im „Spiegel“ „vollkommen ausgeschlossen“, mit einer Partei zusammenzuarbeiten, die offen antisemitisch agiere.

Weimar warnt vor „Achsbruch“ für Deutschland

Bundestags-Vizepräsident und Ex-Grünen-Chef Omid Nouripour sagte angesichts von Berichten über eine Nähe von Linke-Politikern zu radikalen Milieus in der „Bild“: „Ich glaube nicht, dass man solchen Leuten Verantwortung überreichen kann.“ Er hoffe sehr, „dass meine Leute sich der Größe der Entscheidung bewusst sind“, mahnte er die Berliner Grünen.
Weimer forderte die SPD-Chefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas auf, ein Linksbündnis „sofort und eindeutig“ zu unterbinden. Sonst wäre dies eine Belastung, „ein Misstrauensvotum gegen unsere Koalition“.
Es sei nicht zu ertragen, wenn Bas und Klingbeil ein Überschreiten „aller roten Linien für Demokraten“ passieren ließen. Eine Regierung „unter Führung der SED-Nachfolger wäre ein Achsbruch für die Integrität der Bundesrepublik“. Der parteilose Weimer gilt als enger Vertrauter des momentan stark unter Druck stehenden Bundeskanzlers und CDU-Chefs Friedrich Merz.

SPD kritisiert Gerüchte über Koalitionsbruch

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf entgegnete: „Wer über Auswirkungen auf die Koalition im Bund oder mögliche Minderheitsregierungen spekuliert, zeigt nur, dass er den Ernst der Lage überhaupt nicht verstanden hat.“ Zuletzt war im Regierungsviertel ein vorzeitiges Aus der Koalition Gegenstand von Spekulationen gewesen.
Weimer war dabei das Gerücht über eine mögliche CDU-Minderheitsregierung zugeschrieben worden – der Kulturstaatsminister wies dies jüngst in der „Süddeutschen Zeitung“ aber vehement zurück und betonte, er warne im Gegenteil vor einer Minderheitsregierung.
Klüssendorf sagte der Deutschen Presse-Agentur, Weimer solle sich lieber damit beschäftigen, „ob die Union (…) weiterhin die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen ausschließt“. Er spielte damit auf die aktuelle „Brandmauer“-Debatte über das Verhältnis von Union und AfD an.
Klüssendorf verwies auf „erhebliche Fragen“ in Sachsen-Anhalt. Dort bemüht sich die AfD gerade um genügend Abgeordneten-Stimmen, um ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen.

Linke: „Leuchtturm für einen Politikwechsel“

Die Linke im Bund hofft auf einen „Leuchtturm für einen Politikwechsel“ durch Rot-Grün-Rot, wie ihr Parteivorstand in einem Beschluss betonte. Der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch warf Kritikern vor, die Debatte zu instrumentalisieren. „Wer meint, dass Wahlverlierer, also Union und SPD mit dem Beiboot Grüne, regieren sollten, der soll das sagen“, sagte Bartsch dem „Tagesspiegel“.
Gegen Antisemitismus habe Spitzenkandidatin Elif Eralp klar Position bezogen. Der Berliner Politologe Thorsten Faas sagte der dpa, die CDU unter Stefan Evers scheine „auch weiterhin ein großes Interesse“ an einem rechnerisch möglichen CDU-Grünen-SPD-Bündnis zu haben.
Die Länder-Unionsfraktionschefs Klaus Holetschek (Bayern/CSU) und Andreas Bühl (Thüringen/CDU) forderten die SPD zur Absage an ein Bündnis mit der Linken auf.
Im „Focus“ warnten sie vor antisemitischen Kräften in Berlin und stellten Finanzflüsse aus anderen Bundesländern infrage. „Wenn die SPD in Berlin mit dieser Linken zusammenarbeitet, dann muss sich für uns unweigerlich die Frage nach der weiteren Zusammenarbeit mit der SPD stellen“, schrieben sie.

Giffey: Gespräche nicht fortführen

Für „nicht vertretbar“ hält auch Berlins amtierende Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) eine Koalition mit der Linkspartei in Berlin. Sie begründete das auf Instagram mit Streit beim Wahlsieger: 120 Linke hatten sich per Brief gegen eine rot-grün-rote Antisemitismus-Vereinbarung gestellt.
Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt Fischer sagte der dpa: „Wenn die Linke nicht ihre Hausaufgaben macht und so manchen radikalen Quertreiber nicht sanktioniert oder rausschmeißt, kann man keine verantwortungsvolle Koalition für unsere Hauptstadt formen.“ (dpa/red)
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Nach Wahlniederlagen: CDU sucht bei Führungsklausur Wege aus der Krise

Drei verlorene Landtagswahlen, Umfragewerte unter 20 Prozent und ein unter Druck geratener Kanzler und Parteichef Friedrich Merz: Die CDU sucht am Sonntag und Montag bei einer Führungsklausur (Beginn 13.00 Uhr) nach Wegen aus einer der schwersten Krisen ihrer Geschichte. Das Treffen des Parteipräsidiums mit seinen etwa 25 Mitgliedern war angesetzt worden, nachdem die CDU Ende September in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus einem Landtag ausgeschieden war.
In der Aussprache soll es darum gehen, wie man konkret auf die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung reagieren kann. Aber auch die langfristige strategische Ausrichtung wird Thema sein.

Wie ist die Ausgangslage?

„Es ist ein Desaster.“ Mit diesen Worten kommentierte Merz am Abend des 20. September bereits kurz nach 18 Uhr das Ergebnis der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern – als noch gar nicht klar war, dass die CDU erstmals bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde. In Berlin wurde sie am selben Abend von der Linken von Platz eins verdrängt, die jetzt versucht, eine Regierung mit SPD und Grünen zu bilden.
In Sachsen-Anhalt hatte die Partei zwei Wochen zuvor fast 20 Prozentpunkte verloren. Dort stellt sich der AfD-Politiker Ulrich Siegmund nun im Dezember zur Wahl für das Ministerpräsidentenamt.
Auch auf Bundesebene hat die CDU deutlich an Zustimmung verloren. In mehreren Umfragen liegt sie 17 Monate nach Vereidigung der schwarz-roten Bundesregierung unter 20 Prozent – im Vergleich zu 28,5 Prozent bei der Wahl Anfang 2025.

Worum geht es für die CDU?

Es wird bei der Klausur zunächst einmal eine lange Aussprache geben – vor allem über inhaltliche Konsequenzen aus den Wahlen. Bleibt es bei dem straffen Reformkurs, etwa bei Rente, Pflege und Gesundheit? Und was ist darüber hinaus nötig?
„Wir müssen uns um all die Themen kümmern, die für die ganz normalen Leute wichtig sind: Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Migration, Arbeitsplätze“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein vor der Klausur der „Welt am Sonntag“. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt forderte ganz konkret eine Senkung der Lebenshaltungskosten: „Wir müssen darüber reden, wie für die Menschen das Leben wieder bezahlbar wird.“
Es dürfte aber auch um grundsätzlichere Fragen für die Union gehen. Muss die CDU konservativer werden, um Wähler zurückzugewinnen? Oder umgekehrt? Und wie geht es mit der Brandmauer zur AfD und zur Linken weiter?

Welche Rolle wird die Lage der Koalition spielen?

Die Nachwehen der Wahlen in Sachsen-Anhalt und in Berlin werden zu einer immer größeren Belastung für die schwarz-rote Koalition. Auch das dürfte bei der Klausur eine Rolle spielen. Die SPD verdächtigt CDU-Abgeordnete, in Sachsen-Anhalt den AfD-Landtagspräsidenten mitgewählt und damit ein Tabu gebrochen zu haben.
Die Union warnt die SPD im Gegenzug vor einer Zusammenarbeit mit der von ihr als extremistisch angesehenen Linken in Berlin. Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur im Kanzleramt und Merz-Vertrauter, sieht die Sondierungen in Berlin als direkte Belastungsprobe für die Koalition. „Wenn die SPD-Parteivorsitzenden ein Linksbündnis in Berlin nicht sofort und eindeutig unterbinden, dann wäre das ein Misstrauensvotum gegen unsere Koalition“, sagte er der „Bild“.

Worum geht es für den Kanzler?

Der Druck auf den Kanzler bleibt groß – auch wenn die Ministerpräsidenten ihm zunächst Rückendeckung gegeben haben. Der Parteichef wird bei der Klausur versuchen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ausgang: offen.
Unterstützung könnte Merz von einem Gast bekommen, der nicht Mitglied der CDU ist: Zum Abendessen ist Ex-Bundespräsident Joachim Gauck eingeladen. Der stellte sich kürzlich im „Spiegel“-Spitzengespräch Rücktrittsforderungen an Merz vehement entgegen. „Wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel“, sagte der 86-Jährige. „Das wäre wirklich total schädlich. Weil da ein Restvertrauen, ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben, schwer leiden würde, noch mehr minimiert würde.“ (dpa/red)
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Schröder feiert mit Putin – jetzt steht sein SPD-Parteibuch auf dem Spiel

Nach Gerhard Schröders Besuch bei der Geburtstagsfeier des russischen Staatschef Wladimir Putin werden in der SPD erneut Rufe nach einem Parteiausschluss des Altkanzlers laut. Während mehrere SPD-Politiker und Parteigliederungen ein neues Parteiordnungsverfahren fordern, äußern andere angesichts gescheiterter früherer Versuche Zweifel an dessen Erfolg. Auch aus der CDU kommt die Aufforderung an die Sozialdemokraten, sich endgültig von Schröder zu trennen.
„Die SPD sollte die Causa Schröder final für sich klären und ihn endlich vor die Tür setzen“, sagte der Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, dem „Tagesspiegel“. Ein ehemaliger Bundeskanzler, der angeblich zu krank sei, um einem Untersuchungsausschuss beizuwohnen, aber mit Putin Geburtstag feiere und einen neuen Nebenjob in Russland antrete, sei eine Schande für Deutschland. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die SPD einen solchen Fall moralischer Insolvenz noch verteidigen könne.
Auch innerhalb der SPD wächst die Kritik an Schröders anhaltender Nähe zum Kremlchef. Die SPD-Co-Vorsitzenden von Baden-Württemberg und Bayern, Robin Mesarosch und Sebastian Roloff, hatten sich bereits für einen Parteiausschluss ausgesprochen.
„Ein Altkanzler, der auf Geburtstagspartys von Kriegsverbrechern geht, macht sich nicht nur für die SPD unmöglich“, sagte Mesarosch dem „Tagesspiegel“. Schröder sei eine einzige Schande für das ganze Land. Roloff bezeichnete den Erfolg eines neuen Parteiausschlussverfahrens zwar als fraglich, fügte aber hinzu: „Wenn es eine Chance gibt, sollte es versucht werden.“

SPD-Bezirk Oberpfalz fordert neues Verfahren

Der SPD-Bezirk Oberpfalz sprach sich am Samstag auf einem Bezirksparteitag einstimmig für einen erneuten Versuch aus, Schröder aus der Partei auszuschließen. Die Bezirksvorsitzende Carolin Wagner, die für die SPD auch im Bundestag sitzt, bestätigte den Beschluss.
In dem Antrag, dessen Wortlaut der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird der SPD-Parteivorstand aufgefordert, „auf Grundlage der neu bekanntgewordenen Vorgänge unverzüglich ein erneutes Parteiordnungsverfahren gegen Gerhard Schröder mit dem Ziel seines Ausschlusses aus der SPD zu beantragen“.
Als Gründe nennt der Antrag insbesondere Schröders Aufsichtsratsmandat bei der russischen Handelskette Hyperglobus sowie seinen Besuch bei Putin zu dessen Geburtstag. Schröders öffentliche Nähe zum russischen Präsidenten stehe in einem schwerwiegenden Widerspruch zu den Grundwerten der Sozialdemokratie und beschädige die Glaubwürdigkeit der Partei.
Wagner verwies auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Tausenden Toten, verschleppten Kindern und Kriegsverbrechen. Es könne nicht sein, dass die SPD alles daran setze, den Krieg zu beenden, während der Altkanzler gleichzeitig seine Nähe zu Putin zur Schau stelle. Das verstehe bei der SPD Oberpfalz „keiner mehr“.

Skepsis gegenüber einem erneuten Parteiausschluss

Nicht alle Sozialdemokraten halten ein neues Verfahren für sinnvoll. Ulf Kämpfer, Vorsitzender der SPD Schleswig-Holstein, äußerte sich gegenüber dem „Tagesspiegel“ skeptisch. „Was ein neues Parteiausschlussverfahren angeht, bin ich nach dem Scheitern aller bisherigen Versuche skeptisch“, sagte er.
Unabhängig davon, ob Schröder noch Mitglied der SPD sei, hätten sich die Wege der Partei und des Altkanzlers bereits vor vielen Jahren getrennt. Ratschläge aus anderen Parteien brauche die SPD dafür nicht, betonte Kämpfer, der Kieler Oberbürgermeister und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist.
Schröders Besuch bei Putins Geburtstagsfeier sei an Zynismus nicht zu überbieten, aber auch nicht überraschend. Der Altkanzler lebe schon lange in seiner eigenen Welt, sagte Kämpfer.
Auch Pierre Orthen, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins im badischen Leutenbach, sieht derzeit keinen Anlass für einen neuen Vorstoß. Sein Ortsverein hatte 2022 erfolglos ein Parteiordnungsverfahren gegen Schröder angestrengt.
„Aktuell planen wir kein neues Parteiordnungsverfahren, weil wir gegenwärtig davon ausgehen, dass der Besuch von Gerhard Schröder auf diesem Wege leider nicht sanktioniert werden kann“, sagte Orthen dem „Tagesspiegel“. Moralisch sei Schröders Verhalten jedoch maximal verstörend.

Kritik an Äußerungen von Ralf Stegner

Orthen kritisierte zudem den SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner, der Schröders Besuch bei Putin gewürdigt hatte. Da Stegner Schröders private Reise und deren Auswirkungen auf die außenpolitische Position der Bundesregierung wiederholt relativiert oder sogar positiv bewertet habe, sei eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Äußerungen angebracht.
Dabei stelle sich die Frage, inwieweit Stegners Haltung seiner besonderen Verantwortung als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses gerecht werde.
Frühere Ausschlussversuche scheiterten
Gerhard Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und ist seit seiner Amtszeit mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin befreundet. Den russischen Angriff auf die Ukraine hat er zwar als Fehler bezeichnet, an seiner Freundschaft zu Putin hält er jedoch fest.
Ein erstes Parteiausschlussverfahren gegen Schröder scheiterte 2023. Ob die jüngsten Vorgänge einen erneuten Anlauf ermöglichen, bleibt innerhalb der SPD umstritten. Während Befürworter einen klaren Bruch mit dem Altkanzler fordern, verweisen Kritiker auf die bisherigen Misserfolge und die begrenzten Erfolgsaussichten eines weiteren Verfahrens. (afp/dpa/red)
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Immer mehr Forderungen nach Parteiausschluss von Schröder

Nach dem Besuch von Gerhard Schröder bei Kreml-Chef Wladimir Putin drängen Politiker von SPD und Grünen die Sozialdemokraten zum Parteiausschluss des Altkanzlers.
Neben den SPD-Landesvorsitzenden aus Bayern und Baden-Württemberg forderte auch Grünen-Ko-Chefin Franziska Brantner einen solchen Schritt. Putin hatte Schröder am Mittwoch an seinem 74. Geburtstag bei sich zu Hause empfangen.

Kritik an Treffen mit Putin

Laut Kreml erfuhr der russische Präsident aus den Medien, dass sich der Altkanzler „geschäftlich in Moskau aufhielt“ und lud „seinen alten Freund ein“. Der Kreml veröffentlichte Fotos, auf denen die beiden Männer sich lächelnd die Hände schütteln.
„Gerhard Schröder feiert mit Putin dessen Geburtstag, während in der Ukraine erneut Zivilistinnen und Zivilisten durch russische Angriffe sterben. Das ist politisch unerträglich“, sagte Brantner dem „Tagesspiegel“.
Alles andere als ein Parteiausschlussverfahren wäre „ein fatales Signal, nicht nur an die Ukraine, sondern an die Menschen und ihre Sicherheit in unserem Land“, sagte Brantner.
Die SPD-Ko-Vorsitzenden von Baden-Württemberg und Bayern, Robin Mesarosch und Sebastian Roloff, halten einen Parteiausschluss Schröders ebenfalls für nötig.

Hohe Hürden für Parteiausschluss

Beide verwiesen im „Tagesspiegel“ allerdings auf die hohen Hürden eines solchen Verfahrens. Ein Parteiordnungsverfahren gegen den Altkanzler war vor einigen Jahren gescheitert.
„Ein Altkanzler, der auf Geburtstagspartys von Kriegsverbrechern geht, macht sich nicht nur für die SPD unmöglich“, sagte Mesarosch. „Schröder ist eine einzige Schande für das ganze Land.“ Die Hürden für einen Parteiausschluss lägen hoch, sagte der SPD-Landeschef.
„Wenn es dieses Mal Aussicht auf Erfolg haben sollte, sollten wir das tun.“ Persönlich habe er längst mit Schröder abgeschlossen: „Denke ich an Schröder, denke ich nicht mehr an einen Sozialdemokraten.“
Die Aussicht auf Erfolg eines erneuten Parteiausschlussverfahrens sei fraglich, sagte der bayerische SPD-Ko-Vorsitzende Sebastian Roloff: „Wenn es eine Chance gibt, sollte es versucht werden.“
Der SPD-Bezirk Oberpfalz strebt einen Parteiausschluss von Schröder an. Ein entsprechender Antrag wurde auf dem Bezirksparteitag am Samstag einstimmig beschlossen, wie der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Parteikreise berichtete.
Kritik an Schröder übte auch der frühere Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). „Die herzliche Umarmung von Schröder und Putin in Moskau empört mich zutiefst und wühlt mich auf“, sagte Heil. (afp/red)
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Neuer Vorschlag für EU-Haushalt – Merz sieht „keine Grundlage für Einigung“

Ein in Brüssel vorgestelltes Konzept des irischen EU-Vorsitzes sieht vor, den nächsten langfristigen EU-Haushalt gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission lediglich um rund 159 Milliarden Euro auf insgesamt rund 1,826 Billionen Euro zu kürzen.
Der Entwurf ist nach Auffassung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) „keine Grundlage für eine Einigung“. Ein „starkes und souveränes Europa“ brauche „einen grundlegend modernisierten und bezahlbaren Mehrjährigen Finanzrahmen“, erklärte Merz am Samstag in Berlin.

Nettozahler fordern weitere Kürzungen

Deutschland und weitere wichtige Nettozahler wie die Niederlande, Schweden und Österreich hatten eine Kürzung des Haushaltsentwurfs um mehrere Hundert Milliarden Euro gefordert. Diese Staaten zahlen mehr in den EU-Haushalt ein, als sie daraus erhalten.
Auch die Verteilung der Kürzungen entspricht nicht den Vorstellungen der Bundesregierung. Besonders stark reduziert werden gegenüber dem Kommissionsvorschlag jene Haushaltsposten, aus denen künftig eigentlich mehr Geld für Wettbewerbsfähigkeit, Forschung, Verteidigung sowie Außen- und Entwicklungspolitik fließen sollte.
Der EU-Haushalt müsse „für diejenigen bezahlbar sein, die die Hauptlast der Finanzierung tragen“, betonte Merz. Zu den notwendigen Anpassungen müssten „alle beitragen, denn Priorisierung und Modernisierung der Ausgaben des EU-Haushaltes sind eine Aufgabe für uns alle“.
„Von einer Einigung sind wir gleichwohl noch weit entfernt“, erklärte der Kanzler. Die Höhe des neuen Vorschlags sei „keine Grundlage für eine Einigung“.
Der nächste mehrjährige EU-Haushalt steht auf der Tagesordnung des EU-Gipfels in der kommenden Woche.

Erfolg der Agrar-Lobby?

Die traditionellen großen Haushaltsposten Agrar- und Kohäsionspolitik würden dagegen weitgehend geschont. Mit der Kohäsionspolitik sollen wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen Europas verringert werden.
Sie kommt vor allem ärmeren EU-Staaten zugute.
Weitgehend unangetastet würden nach dem irischen Vorschlag auch die für die Mitgliedstaaten vorgesehenen Gelder für Migration, Grenzschutz und innere Sicherheit bleiben.
Bei zusätzlichen Mitteln für diesen Bereich sowie bei Agenturen wie Frontex und Europol sieht der Vorschlag dagegen deutliche Kürzungen vor.

Einigung bis Jahresende zweifelhaft

Eine Einigung über den nächsten langfristigen EU-Haushaltsplan soll eigentlich bis Ende des Jahres erzielt werden. Ob das neue Konzept einen schnellen Durchbruch in den Verhandlungen ermöglicht, ist allerdings höchst zweifelhaft.
Die österreichische Europaministerin Claudia Bauer erklärte, der neue Budgetvorschlag sei nach wie vor weit von einer Zustimmung aus Wien entfernt. Gemeinsam mit den anderen acht Nettozahlern stemme Österreich bereits heute mehr als 60 Prozent des EU-Budgets. Mehr sei den eigenen Steuerzahlern nicht zumutbar.
Die schwedische EU-Ministerin Jessica Rosencrantz nannte den Vorschlag nicht angemessen und verlangte, das Gesamtvolumen müsse deutlich sinken.
Ein EU-Diplomat kommentierte, der irische Vorschlag sei eine Enttäuschung und nicht einmal annähernd eine mögliche Einigungsgrundlage. Indem der Vorschlag politische Prioritäten des 20. Jahrhunderts bevorzuge, versäume er es, die EU auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten. „Wir brauchen dringend mehr finanzielle Realitätsnähe und weniger finanzielles La-La-Land“, sagte er.
Der irische Europastaatsminister Thomas Byrne hielt unter anderem dagegen, dass eine „sehr große Mehrheit“ der Mitgliedstaaten verlangt habe, im Bereich Landwirtschaft und Kohäsion nicht weiter zu kürzen. Dies schließe auch einige Nettozahler ein. „Niemand wird alles bekommen, was er wollte. Aber wir glauben, dass für alle Mitgliedstaaten etwas dabei ist“, sagte er.

Showdown bei EU-Gipfel

Zur offenen Aussprache über das neue Konzept soll es nun beim EU-Gipfel am kommenden Donnerstag und Freitag in Brüssel kommen. Im Anschluss wird voraussichtlich der ständige EU-Ratspräsident António Costa die Verhandlungsführung übernehmen.
Auch bei der Finanzierung lässt der irische Vorschlag zentrale Streitfragen weiter offen. Als mögliche neue EU-Eigenmittel stehen unter anderem Beiträge großer Unternehmen, Einnahmen aus dem Emissionshandel und dem CO2-Grenzausgleich sowie Abgaben auf Tabak und Elektroschrott im Raum. Eine Einigung auf diese Instrumente gibt es bislang aber nicht.
Der größte Teil des langfristigen EU-Haushalts wird allerdings auch künftig durch Beiträge der Mitgliedstaaten finanziert werden müssen – jeder EU-Staat zahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Bruttonationaleinkommens (BNE). Als größte Volkswirtschaft der EU steuert Deutschland dabei den mit Abstand größten Beitrag bei, zuletzt mehr als ein Fünftel. Gleichzeitig profitiert es aber stark vom EU-Binnenmarkt.

Deutschland ist größter Nettozahler

2025 führte die Bundesrepublik nach Zahlen der EU-Kommission insgesamt rund 34,1 Milliarden Euro an EU-Beiträgen ab; darin enthalten waren rund 29,6 Milliarden Euro nationale Beiträge sowie etwa 4,4 Milliarden Euro in Deutschland erhobene Zölle, die als traditionelle EU-Eigenmittel gelten.
Den rund 12,2 Milliarden Euro an EU-Ausgaben in Deutschland stand damit bei Einbeziehung der Zölle rechnerisch ein Netto-EU-Beitrag von rund 21,8 Milliarden Euro gegenüber.
Bei dem von den Iren vorgeschlagenen Gesamthaushaltsvolumen von 1,826 Billionen Euro ist die erwartete Inflation während des siebenjährigen Finanzzeitraums berücksichtigt.
In Preisen von 2025 würde der Finanzrahmen für 2028 bis 2034 nach dem irischen Konzept rund 1,622 Billionen Euro umfassen. Die Kommission hatte inflationsbereinigt 1,763 Billionen Euro vorgeschlagen. Damit kürzt die irische Ratspräsidentschaft das Volumen real um rund 141 Milliarden Euro oder acht Prozent. (dpa/afp/red)
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Plastik- und Zuckersteuer: Steuerzahlerbund kritisiert 1.046 neue Stellen


In Kürze:

  • Der Bund der Steuerzahler kritisiert den Verwaltungsaufwand für die geplante Plastik- und Zuckersteuer.
  • Für beide Abgaben sind nach den vorliegenden Angaben insgesamt 1.046 zusätzliche Vollzeitstellen vorgesehen.
  • Die beiden Steuern sollen nach bisherigen Planungen am 1. Juli 2027 in Kraft treten.

 
Während sich die entsprechenden Vorhaben der Bundesregierung noch nicht im Parlament befinden, übt der Bund der Steuerzahler (BdSt) bereits Kritik an den neuen Steuerplänen. Konkret geht es um die geplante Plastiksteuer auf Verpackungen und die Zuckersteuer auf gesüßte Getränke.
Die Vereinigung nennt den dafür erforderlichen staatlichen Verwaltungsaufwand „Bürokratie-Irrsinn mit Ansage“. BdSt-Präsident Reiner Holznagel weist darauf hin, dass der Bund allein schon für die Administration der Abgaben 1.046 zusätzliche Vollzeitstellen eingeplant habe.

Plastiksteuer würde besonders hohen Personalaufwand nach sich ziehen

Der Stellenaufwuchs werde überwiegend beim Zoll anfallen, daneben beim IT-Dienstleister ITZBund und im Bundesfinanzministerium. Davon entfallen 819 Vollzeitäquivalente auf den Vollzug der Plastiksteuer, für die Administration der Zuckersteuer weisen ministerielle Berechnungen zudem 227 zusätzliche Stellen aus.
Der BdSt betrachtet es als völlig unverhältnismäßig, für nur zwei neue Steuern mehr als 1.000 neue Stellen einzurichten. Die Bundesregierung versuche, „Haushaltslöcher mit neuen Steuern zu stopfen“, betont Holznagel. Das sei der falsche Weg. Stattdessen solle sie dazu übergehen, „endlich Ausgaben und Strukturen auf den Prüfstand zu stellen“.
Die Bundesregierung habe Bürokratieabbau und Personalreduzierung angekündigt, nun geschehe das Gegenteil. Zu Beginn des Monats hatte bereits die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die deutliche Zunahme der Stellen in der Bundesverwaltung kritisiert – vor allem in den höheren Gehaltsgruppen. Als wichtigste Treiber des Stellenzuwachses galten bislang die Bereiche Sicherheit und Verteidigung.

Zuckersteuer noch im Stadium der Überarbeitung

Im Detail sehen die Gesetzentwürfe des Bundesfinanzministeriums für die Plastiksteuer 788 neue Stellen beim Zoll vor. Weitere 28 sollen beim ITZBund anfallen und 3 im Bundesfinanzministerium. Damit seien jährliche Personalkosten in Höhe von rund 46 Millionen Euro verbunden. Die Zuckersteuer erfordere 200 zusätzliche Stellen beim Zoll, 23 beim ITZBund und 3,75 im Ministerium. Die damit verbundenen Personalkosten würden sich auf etwa 28 Millionen Euro pro Jahr belaufen.
Die geplante Zuckersteuer befindet sich derzeit erneut zur Überarbeitung im Bundesfinanzministerium. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte einen ersten Entwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gestoppt, weil er diesen für „nicht mehrheitsfähig“ hielt. Es bestehe an mehreren Stellen Erklärungsbedarf.
Bisher zeichnet sich ab, dass die Zuckersteuer ab dem 1. Juli 2027 anfallen und sich nach dem Zuckergehalt der Getränke richten soll. So soll die Steuer 26 Cent je Liter für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis unter 7 Gramm je 100 Milliliter betragen. Bei einem Anteil von 7 bis unter 10 Gramm sollen es 32 Cent und bei 10 Gramm und darüber 38 Cent sein.

Reichweite der Zuckersteuer ungeklärt – Plastiksteuer soll EU-Zahlung ausgleichen

Ungeklärt ist unter anderem, ob Zero-Getränke, Hafermilch, zuckerfreie Frucht- und Gemüsesäfte oder alkoholfreies Bier ebenfalls betroffen sein sollen. Zudem ist noch offen, ob die Einnahmen als Steuer in den Bundeshaushalt fließen sollen – oder als Abgabe zweckgebunden in das Gesundheitswesen.
Die Plastiksteuer soll ebenfalls ab dem 1. Juli 2027 gelten. Sie soll 550 Euro je Tonne Kunststoff betragen und vor allem Hersteller, Importeure und bestimmte Verbringer von Verpackungen und Folien betreffen. Recycelte Kunststoffe sollen auf Antrag entlastungsfähig sein. Mit der Plastiksteuer will der Bund vor allem den eigenen Haushalt entlasten: Seit 2021 zahlt er die EU-Plastikabgabe von rund 1,4 Milliarden Euro jährlich aus dem Bundeshaushalt.
Der Bund erhofft sich von der Zuckersteuer 2027 Einnahmen von 775 Millionen Euro und ab 2028 von knapp 1,2 Milliarden Euro. Die Plastiksteuer soll 2027 weitere 805 Millionen Euro in den Bundeshaushalt bringen. Ab 2028 soll dieser Betrag jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro betragen.
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CDU streitet über Brandmauer vor Präsidiumsklausur

„Die starren Unvereinbarkeitsbeschlüsse bringen uns nicht voran“, sagte der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Florian Oest der „Welt am Sonntag“. Das christliche Menschenbild, die soziale Marktwirtschaft, Freiheit und Verantwortung auch für Schwächere zu übernehmen, seien die Leitplanken der Union. „Wer diesen inneren Kompass hat, orientiert sich nicht an anderen“, so Oest weiter.
Der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Guido Heuer (CDU), ehemaliger Fraktionschef, sagte: „Mit der Brandmauer haben wir uns eingemauert, dahinter brennt es aber weiter. In bin dafür, dass wir stattdessen rote Linien definieren, uns also auf Inhalte konzentrieren.“ Koalitionen mit der AfD oder Linken halte er für ausgeschlossen. „Aber wenn die CDU eine Beschlussvorlage macht, die zu echten Verbesserungen für die Menschen führt, dann geht das in Ordnung, wenn AfD und Linke zustimmen“, so Heuer weiter.
Im Vorstand der Unions-Bundestagsfraktion wird dies hingegen zurückgewiesen. Fraktionsvize Günter Krings (CDU) sieht für eine Aufweichung der bisherigen Linie „keinen Anlass“. Er halte die These „für gewagt, dass die AfD ohne unseren Unvereinbarkeitsbeschluss nicht gewachsen wäre. Leute wählen ja nicht AfD, weil wir mit denen nicht zusammenarbeiten, sondern weil sie von der aktuellen Politik enttäuscht sind“, so Krings weiter.
Am Sonntag trifft sich das Präsidium der CDU zu einer außerordentlichen Klausur in Berlin. Demoskopen stellen ihre Ergebnisse und Prognosen vor, am Abend wird Altbundespräsident Joachim Gauck zum Austausch erwartet. Im Vorfeld werden Entwürfe zur Umsetzung der angekündigten Reformen und Lösung akuter Probleme erstellt, die vom Präsidium beschlossen werden sollen. Unter anderem geht es um Entlastungen der Bürger von dem Hintergrund allgemeinen Preissteigerung. In der CDU pocht man auf konkrete Ergebnisse.
„Wir müssen uns um all die Themen kümmern, die für die ganz normalen Leute wichtig sind: Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Migration, Arbeitsplätze“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) der „Welt am Sonntag“. Die Union dürfe Debatten über diese Themen nicht verhindern, sondern müsse sie in der demokratischen Mitte diskutieren. „Sonst passiert das an den extremen Rändern“, warnte Rhein. (dts/red)
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Brandenburg: AfD in Umfrage bei 40 Prozent, SPD bei 20, CDU bei 9

Bei einer Landtagswahl in Brandenburg könnte die AfD derzeit einer Umfrage zufolge doppelt so stark abschneiden wie die regierende SPD. Der am Freitagabend veröffentlichten Erhebung des Instituts Insa für die „Märkische Allgemeine Zeitung“, die „Märkische Oderzeitung“ und die „Lausitzer Rundschau“ zufolge kommt die AfD auf 40 Prozent Zustimmung. Die SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke erreicht demnach 20 Prozent.

CDU und Linke bei neun Prozent

Es folgen mit jeweils neun Prozent die mitregierende CDU und die Linke vor den Grünen und dem BSW mit jeweils sieben Prozent.
Befragt wurden vom Dienstag vergangener Woche bis Dienstag 1.000 Wahlberechtigte in Brandenburg. Die nächste Landtagswahl steht regulär im Herbst 2029 an.

SPD gewann die Wahl 2024

Die Wahl vom September 2024 gewann die SPD mit 30,9 Prozent vor der AfD mit 29,2 Prozent. In den Potsdamer Landtag schafften es sonst nur das BSW mit 13,5 Prozent und die CDU mit 12,1 Prozent.
Zunächst regierten SPD und BSW zusammen, bis Woidke das Bündnis im Streit aufkündigte und eine Koalition mit der CDU einging. (afp/red)
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CDU nach Wahlschlappen: Merz-Partei sucht Ausweg aus der Vertrauenskrise

Vor der Klausur des CDU-Präsidiums zur Aufarbeitung der jüngsten Wahlschlappen fordern führende Christdemokraten, die Alltagsprobleme der Menschen mehr in den Blick zu nehmen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann machte vor den Beratungen der engeren Parteispitze zugleich deutlich, dass es nicht die eine Lösung für die Probleme der Partei gebe. Das Präsidium mit Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz trifft sich am Sonntag und Montag, um die Ursachen für die Wahlschlappen im September zu analysieren und Folgen daraus abzuleiten.

Voigt: Nicht Anspruch der CDU, zweitstärkste Kraft zu sein

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, der auch dem Präsidium angehört, erwartet von der Klausur einen inhaltlichen Neustart. „Wir müssen darüber reden, wie für die Menschen das Leben wieder bezahlbar wird“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Heizen, Tanken und Einkaufen seien für viele Menschen zu teuer geworden. Das müsse sich ändern. Eine Stärke der CDU sei es immer gewesen, sich der Alltagsprobleme der Menschen anzunehmen. „Ich verspüre eine tiefe Sehnsucht der Basis, dass die CDU wieder klar formuliert, wofür sie steht.“
Es sei nicht Anspruch der CDU, „zweitstärkste Kraft in Deutschland zu sein“, sagte Voigt mit Verweis auf Umfragewerte, die die AfD auch bundesweit klar vorne sehen. Die CDU-Ministerpräsidenten sieht Voigt als Sprachrohr, das auf Belastungen der Menschen aufmerksam macht, weil sie in ihren Bundesländern die Nähe zu den Bürgern haben.
Berlins CDU-Landeschef Stefan Evers sagte dem Portal t-online: „Wir müssen uns die Frage stellen, weshalb immer weniger Menschen der CDU vertrauen.“ Darüber werde man in aller Ehrlichkeit und Klarheit sprechen. Evers hatte diese Woche auch Merz eine gehörige Mitschuld bescheinigt, dem Kanzler fehle Empathie und Nahbarkeit.

Sozialflügel: Gerechtigkeit nicht zu kurz fassen

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, mahnte ebenfalls, die Probleme breiter Bevölkerungsschichten in den Blick zu nehmen. „Wir können die Frage der Gerechtigkeit nicht nur auf Grundsicherungsempfänger und Flüchtlinge reduzieren. Wir haben keine Luxusversorgung“, sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Radtke sieht die CDU in einer Vertrauenskrise. Ursache sei, dass das christlich-soziale Profil der Partei kaum noch zur Geltung komme.
Radtke empfahl Parteichef Merz, sich den Landesverband Nordrhein-Westfalen zum Vorbild zu nehmen. „In Nordrhein-Westfalen ist die CDU ganz sicher noch Volkspartei.“ Dort sei ein Kabinett ohne klares christlich-soziales Profil nicht denkbar. Die CDU sei dort auch viel tiefer in der Lebenswirklichkeit der Menschen verankert. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wird immer wieder als möglicher Nachfolger für Merz genannt.

„Spürbare, kurzfristige Verbesserungen“ für die Menschen

CDU-Generalsekretärin Hoppermann thematisierte ebenfalls den Gerechtigkeitsbegriff. Das Präsidium müsse neben der Vorbereitung der geplanten Reformen auch auf Impulse für die Lage der Bevölkerung setzen: „Wir schaffen Gerechtigkeit und Akzeptanz nur, wenn uns beides gelingt: mutige, langfristige Veränderungen für die Zukunft und spürbare, kurzfristige Verbesserungen im Alltag“, sagte Hoppermann der „Augsburger Allgemeinen“.
Sie warnte zugleich davor, schnelle Lösungen zu erwarten. „Bei dieser Klausur soll es vor allem um eines gehen: Das Signal der jüngsten Wahlergebnisse ist bei uns angekommen“, sagte Hoppermann. „Dabei muss uns allen klar sein, dass von dieser Klausur keine „Silver Bullet“ ausgeht, die alle Probleme über Nacht wegzaubert“, ergänzte sie. (dpa/red)
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Bau-Präsident: Bereits „verheerende Folgen“ durch Vergesellschaftungspläne der Linken

Die Pläne der Linkspartei zur Vergesellschaftung von Wohnungen in Berlin haben nach Angaben von Bauindustrie-Präsident Olaf Demuth „schon jetzt eine verheerende Wirkung“. „Baugesellschaften, die in Berlin Darlehen aufnehmen wollen, um dort Wohnraum zu schaffen, kommen nicht mehr an frisches Geld“, sagte Demuth der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe). „Die Kreditgeber sind plötzlich zurückhaltender. Das merken selbst die staatlichen Akteure.“
Zentrales Wahlversprechen der Linkspartei bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl war es, Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen zu vergesellschaften. Nach dem Wahlsieg der Partei hat die Linke mit Grünen und SPD die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vereinbart, um eine Regierung zu bilden.
„Schon die Pläne irritieren die Märkte“, sagte Demuth der „NOZ“ über die geplante Enteignung großer Wohnungskonzerne. Internationale Investoren wendeten sich ab. „Leider versteht man im Ausland auch das föderale System in Deutschland nicht so ganz. Deswegen setzt sich die Überzeugung fest, nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg und München könnten Wohnbestände von Immobilienkonzernen bald vergesellschaftet werden“, führte der Baupräsident. Dies sei „echt gefährlich“.

Demuth warnt vor Folgen für den Wohnungsbau

Die Wohnungsnot in Berlin zu lindern, könne so nicht gelingen, warnte Demuth. Die von der Berliner Linkspartei geplante Verstaatlichung von 200.000 Wohnungen würde 20 bis 30 Milliarden Euro kosten. „Dann ist aber noch keine einzige Wohnung saniert und keine neu gebaut. Dafür hätte das Land kein Geld mehr“, erklärte Demuth in dem Interview. „Die Privatwirtschaft würde sich aus dem Baugeschäft zurückziehen – warum sollte sie auch bauen, wenn Vergesellschaftungen drohen?“
Laut dem Verbandschef gibt es nur „einen Weg aus der Misere: Das Bauen muss wieder attraktiv gemacht werden. Und zwar für alle: Für Privatleute, für Genossenschaften und für institutionelle Anleger.“ (afp/red)
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Mecklenburg-Vorpommern: SPD, Linke und Grüne streben Koalition an

Die Zeichen stehen auf Rot-Rot-Grün in Mecklenburg-Vorpommern: Nach zweiwöchigen Sondierungsgesprächen haben die Verhandler von SPD, Linken und Grünen ihren Parteien empfohlen, Koalitionsverhandlungen für das erste Dreier-Bündnis in der Geschichte des Bundeslandes aufzunehmen. Am Abend stimmten die Gremien der SPD und der Linken zu.
Die Grünen wollen am Samstag in Rostock bei einem Kleinen Landesparteitag entscheiden. Sollten auch sie einverstanden sein mit der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen, soll es am Montag um 11.00 Uhr damit losgehen, wie die SPD-Landesvorsitzende, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, ankündigte. Über die Posten der Ministerinnen und Minister werde ganz zum Schluss gesprochen. Mit den Sondierungen der vergangenen Wochen zeigte sich Schwesig zufrieden: „Es waren sehr gute Gespräche.“
Bei der Landtagswahl am 20. September war die AfD stärkste Kraft geworden. Mit 32 Sitzen hat sie jedoch keine Mehrheit im Schweriner Landtag mit seinen insgesamt 71 Abgeordneten. SPD (29), Grüne (5) und Linke (5) verfügen zusammen über mehr als die Hälfte der Sitze. Klappt die Regierungsbildung, haben sie mit 39 Sitzen drei Sitze mehr als sie für die Mehrheit benötigen.

„Mehr als ein Bündnis aus drei Parteien“

Die drei Parteien haben große Pläne. „Wir wollen mehr sein als ein Bündnis aus drei Parteien“, sagte Schwesig. „Wir wollen für alle da sein: in der Stadt und auf dem Land, für Junge und Ältere, für unsere Wählerinnen und Wähler und genauso für die, die skeptisch sind oder uns nicht gewählt haben.“ Der Vorsitzende des Linken-Landesverbandes und der neuen Linken-Fraktion im Landtag, Hennis Herbst, verwies auf eine geplante stärkere Bürgerbeteiligung im Land, etwa mit Bürgerräten.
In den Sondierungen verständigten sich die Beteiligten den Angaben zufolge bereits auf zentrale Vorhaben für die nächsten fünf Jahre. „Mit dem MV-Plan sollen bis 2035 zusätzlich 1,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen in die Modernisierung des Landes fließen“, teilten die Verhandler mit. „Die Kita bleibt beitragsfrei, Schulen werden weiter modernisiert und die Unterrichtsversorgung verbessert.“ Die Partner wollen sich für den Erhalt aller Krankenhausstandorte einsetzen und 1.000 neue oder sanierte Wohnheimplätze für Azubis und Studierende schaffen.
Zu den Vorhaben gehören demnach auch ein vergünstigtes Jugendticket für den öffentlichen Nahverkehr, mehr Bürgerbeteiligung sowie ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu rechtsextremen Netzwerken. Letzterer kam auf Betreiben der Linken ins Sondierungspapier, wie Herbst der Deutschen Presse-Agentur sagte. Eine Zusammenarbeit mit der AfD – der einzigen Oppositionspartei im neuen Schweriner Landtag – schließen SPD, Linke und Grüne aus.

Sieben Arbeitsgruppen für Koalitionsverhandlungen

Die Koalitionsverhandlungen sollen von einer Hauptgruppe aus Spitzenvertretern der drei beteiligten Parteien geführt werden. Ihr sollen sieben Arbeitsgruppen zu den einzelnen Themenfeldern zuarbeiten: Finanzen und Digitalisierung, Landwirtschaft und Klimaschutz, Wirtschaft und Energie, Bildung und Kultur, Soziales und Gesundheit, Innen und Kommunen sowie Sonderthemen (Bund und Europa). Am Ende sollen Landesparteitage aller drei Parteien über den Koalitionsvertrag und die Bildung der neuen Landesregierung entscheiden.

Wahl der Regierungschefin spätestens am 17. November

Viel Zeit bleibt nicht, das Dreier-Bündnis zu schmieden. Am 20. Oktober tritt der Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Danach gibt die Landesverfassung vier Wochen Zeit, um den Ministerpräsidenten oder die Ministerpräsidentin zu wählen. Das wäre spätestens am 17. November. Daran, dass sie ihre nächste Amtszeit anstrebt, hat die SPD-Politikerin Schwesig nie einen Zweifel gelassen. (dpa/red)
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Erbschaftsteuer: Ökonomen fordern Ende der Privilegien für Firmenerben

Führende Ökonomen sprechen sich in der Debatte um die Erbschaftsteuer in Deutschland für eine Abschaffung der steuerlichen Sonderregeln bei der Vererbung von Unternehmen aus. Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, fordert deutlich niedrigere Steuersätze, weniger Ausnahmen und großzügige Stundungsmöglichkeiten. Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die geltenden Privilegien für nicht mehr zeitgemäß.
Die Debatte gewinnt durch anstehende Verhandlungen vor dem Bundesverfassungsgericht an Bedeutung. Am Montag und Dienstag befasst sich das Gericht mit den geltenden Regelungen zur Erbschaftsteuer. Im Mittelpunkt stehen sowohl die steuerlichen Vorteile für Firmenerben als auch die Freibeträge beim Erben und Schenken. Während Ökonomen eine gerechtere Besteuerung unterschiedlicher Vermögensarten fordern, warnt der Verband der Familienunternehmer vor möglichen Folgen für Unternehmen, Investitionen und Arbeitsplätze.

Ökonomen fordern Abschaffung der Steuerprivilegien

Insbesondere für Betriebsvermögen gelten derzeit weitreichende Ausnahmen von der Erbschaftsteuer. Sie sollen verhindern, dass Unternehmen nach dem Tod ihrer Eigentümer aufgegeben werden müssen, weil die Erben die Steuerlast nicht tragen können.
DIW-Präsident Fratzscher fordert die Abschaffung „aller Ausnahmen, insbesondere für große Vermögen“. Um Unternehmen vor finanziellen Engpässen zu schützen, könnten die Steuerzahlungen gestundet werden. Damit ließe sich nach seiner Auffassung eine stärkere Besteuerung ermöglichen, ohne Betriebe unmittelbar mit hohen Zahlungsverpflichtungen zu belasten.
Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest hält die Sorge vor negativen Folgen für Unternehmen für übertrieben. „Eine Steuer mit niedrigem Satz im Bereich von zehn Prozent, kombiniert mit großzügigen Stundungsregelungen, ist tragbar“, sagte er der „Welt am Sonntag“.
Fuest spricht sich zudem dafür aus, Ausnahmen für selbst genutzte Immobilien abzuschaffen. Eine Steuerfreiheit sei seiner Ansicht nach nur beim Ehepartner gerechtfertigt, der bereits in der betreffenden Immobilie wohne.

Unterschiedliche Vorstellungen zur Steuerlast

Während Fratzscher Vermögen insgesamt stärker zur Finanzierung staatlicher Aufgaben heranziehen will, setzt Fuest vor allem auf eine gerechtere Verteilung der Steuerlast. Der Ifo-Chef kritisiert, dass vor allem mittelgroße Erbschaften von der Erbschaftsteuer betroffen seien, während viele große Erbschaften in Form von Betriebsvermögen kaum oder gar nicht besteuert würden.
Die beiden Ökonomen sehen damit vor allem bei der steuerlichen Behandlung unterschiedlicher Vermögensarten Reformbedarf. Die zentrale Frage ist, wie sich eine gleichmäßigere Besteuerung erreichen lässt, ohne Unternehmen durch kurzfristig fällige Steuerzahlungen in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen.
Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bekannt als die Wirtschaftsweisen, hatte sich in seinem Jahresgutachten 2025/2026 für eine Reform ausgesprochen. Ziel sollte es sein, unterschiedliche Vermögensarten gleichmäßiger zu besteuern. Dafür sollte die steuerliche Begünstigung von Betriebsvermögen deutlich verringert werden.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vertritt eine andere Position. Er hält die Privilegierung von Betriebsvermögen für verfassungsgemäß und verweist auf deren Bedeutung für das Gemeinwohl. Der Erhalt von Unternehmen, ihrer Investitionskraft und der damit verbundenen Arbeitsplätze sei ein legitimes Ziel.

Bundesverfassungsgericht prüft zwei Aspekte der Erbschaftsteuer

Die Erbschaftsteuer beschäftigt nun das Bundesverfassungsgericht. Am Montag und Dienstag stehen zwei Verfahren auf der Tagesordnung, die unterschiedliche Bestandteile der geltenden Regelungen betreffen.
Im ersten Verfahren geht es um die Freibeträge beim Erben und Schenken. Die bayerische Landesregierung hält diese angesichts der gestiegenen Immobilienpreise für zu niedrig und die Steuerbelastung für zu hoch. Außerdem vertritt Bayern die Auffassung, dass der Bund nicht allein über die entsprechenden Regelungen entscheiden sollte. Weil sich Immobilienpreise regional stark unterscheiden, sollten regionale Besonderheiten stärker berücksichtigt werden.
Über diesen Fall verhandelt das Gericht am Montag (Az. 1 BvF 1/23).
Das zweite Verfahren betrifft die steuerlichen Vorteile für Firmenerben. Wer betriebliches Vermögen erbt, muss darauf häufig deutlich weniger Steuern zahlen als jemand, der Privatvermögen erbt. Ob diese Ungleichbehandlung mit dem Grundgesetz vereinbar ist, prüft das Gericht am Dienstag (Az. 1 BvR 804/22).

Welche Freibeträge gelten beim Erben?

Wie viel Vermögen steuerfrei vererbt werden kann, hängt unter anderem vom Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Erben ab. Witwen und Witwer können beispielsweise bis zu 500.000 Euro steuerfrei von ihrem verstorbenen Ehepartner erben. Für Kinder beträgt der Freibetrag 400.000 Euro.
Die Höhe dieser Freibeträge ist Teil der politischen und juristischen Debatte. Bayern argumentiert, dass die gestiegenen Immobilienpreise dazu führen könnten, dass Erben trotz vergleichsweise geringer anderer Vermögenswerte Erbschaftsteuer zahlen müssen. Die regional unterschiedlichen Immobilienpreise sind dabei ein zentraler Punkt der Argumentation.

So funktionieren die Steuerprivilegien für Unternehmen

Für geerbtes Betriebsvermögen gelten besondere Verschonungsregeln. Wird ein Unternehmen mindestens fünf Jahre lang fortgeführt und sinkt die Summe der an die Beschäftigten gezahlten Löhne nicht zu stark, bleiben grundsätzlich 85 Prozent des geerbten Betriebsvermögens steuerfrei.
Wird das Unternehmen sieben Jahre lang weitergeführt und werden die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann die Erbschaftsteuer vollständig entfallen. Kleine Betriebe mit weniger als sechs Beschäftigten sind von der Lohnsummenregelung ausgenommen.
Die Begünstigungen gelten für Betriebsvermögen bis zu einem Wert von 26 Millionen Euro. Bei höheren Beträgen greift die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Dabei wird geprüft, ob der Erbe die Steuer aus seinem verfügbaren Vermögen bezahlen kann. Kann er dies nachweisen, kann die Steuer erlassen werden.
Wie groß die finanziellen Auswirkungen dieser Regelung sind, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Verschonungsbedarfsprüfung insgesamt 3,7 Milliarden Euro an Steuern erlassen.
Die Sonderregeln sollen verhindern, dass Erben Unternehmen verkaufen oder deren wirtschaftliche Substanz angreifen müssen, um die Steuer zu begleichen. Kritiker sehen darin jedoch eine erhebliche Ungleichbehandlung gegenüber Erben von Privatvermögen.

Wer hat gegen die Regelungen geklagt?

Dem Verfahren zu den Steuerprivilegien liegt die Verfassungsbeschwerde eines Mannes zugrunde, der Wertpapiere und Immobilien von seiner Tante geerbt hatte. Dafür sollte er rund 47.000 Euro Erbschaftsteuer zahlen.
Seine Klage vor dem Finanzgericht Münster blieb erfolglos. Daraufhin wandte er sich mit einer Verfassungsbeschwerde an das Bundesverfassungsgericht. Das Verfahren führt nun zur Prüfung der geltenden steuerlichen Regeln für Firmenerben.

Familienunternehmer warnen vor Folgen für den Standort Deutschland

Der Verband der Familienunternehmer warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen, sollte das Bundesverfassungsgericht die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen für verfassungswidrig erklären.
„Das schlimmste Szenario wäre die Feststellung, dass die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen verfassungswidrig sind“, sagte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann der „Rheinischen Post“.
Bei den derzeitigen Steuersätzen würde ein solches Urteil nach ihrer Einschätzung die unternehmerische Substanz in Deutschland massiv gefährden. Eine Erbschaftsteuer, die die besondere soziale Funktion von Betriebsvermögen nicht berücksichtige, wäre aus ihrer Sicht nicht nur für Unternehmen selbst problematisch, sondern auch für den Wirtschaftsstandort und den Wohlstand.
Ostermann warnte zudem, ein Ende der steuerlichen Begünstigungen könne private Investitionen abschrecken. Sie verwies auf Unternehmensanteile, die bereits jetzt wegen der aus ihrer Sicht schlechten Standortbedingungen ins Ausland verlegt würden.
Entscheidend sei, dass das Bundesverfassungsgericht anerkenne, dass Betriebsvermögen nicht einfach mit Privatvermögen gleichzusetzen sei. Die Übertragung eines Familienunternehmens auf die nächste Generation müsse möglich bleiben, ohne dem Betrieb die für Investitionen und Wachstum notwendige Liquidität zu entziehen. Andernfalls könnten aus Sicht des Verbandes auch die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen und die Arbeitsplätze gefährdet werden.

Wie hat das Gericht bisher über die Erbschaftsteuer entschieden?

Das Bundesverfassungsgericht hat sich bereits mehrfach mit der Erbschaftsteuer befasst. In den Jahren 1995, 2006 und 2014 stufte es jeweils die damals geltenden Regelungen als verfassungswidrig ein. In der Folge wurde das Gesetz jeweils reformiert.
Auch diesmal könnte eine Beanstandung durch das Gericht Änderungen am Erbschaftsteuerrecht erforderlich machen. Welche konkreten Vorschriften betroffen wären und wie umfangreich eine mögliche Reform ausfallen müsste, hängt von der Entscheidung ab.

Wann wird ein Urteil erwartet?

Eine Entscheidung wird nicht unmittelbar nach den mündlichen Verhandlungen am Montag und Dienstag erwartet. Die konkreten Urteilstermine stehen bislang nicht fest. In Karlsruhe werden Entscheidungen häufig erst einige Wochen oder Monate nach einer mündlichen Verhandlung verkündet. Der Verband der Familienunternehmer rechnet mit einem Urteil Ende 2026 oder Anfang 2027.
Sollte das Gericht die geltenden Regelungen beanstanden, müsste die Politik eine Reform auf den Weg bringen. Das könnte schwierig werden, weil Union und SPD bei der Erbschaftsteuer unterschiedliche Positionen vertreten. Die SPD steht tendenziell Reformen offener gegenüber, während die Union eher an den bestehenden Begünstigungen festhalten will. Innerhalb der Parteien, insbesondere der CDU, gibt es allerdings ebenfalls unterschiedliche Auffassungen.
Damit geht es bei den anstehenden Verhandlungen nicht nur um die steuerliche Behandlung von Erbschaften. Die Entscheidung könnte auch die künftige Gestaltung der Unternehmensnachfolge, die Finanzierung von Investitionen und die Verteilung der Steuerlast zwischen Erben unterschiedlicher Vermögensarten beeinflussen. (afp/dts/red)
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Bauindustrie warnt vor weiterem Einbruch beim Wohnungsbau – Milliardenhilfe gefordert

Die Bauindustrie erwartet wegen der gestiegenen Kosten einen weiteren Einbruch beim Wohnungsbau und ruft die Regierung zum Eingreifen auf. „Um aus der Krise zu kommen, muss jetzt das Finanzierungsdebakel aufgelöst werden“, sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Olaf Demuth, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagausgabe). „Hier muss auch der Staat ein Eigeninteresse haben. Ein Finanzierungsturbo ist der einzige Turbo, der sofort Schub gäbe.“
Dass es in Ballungsräumen zu wenige Wohnungen gebe, könne niemand bestreiten, sagte Demuth. Die Energiepreise hätten das Bauen aber so teuer gemacht, dass der Neubau sich oft nicht mehr lohne. „Wir gehen fest davon aus, dass in diesem Jahr nochmals deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt werden als im vergangenen“, sagte Demuth daher. „Wir werden wohl unter der 200.000er-Marke landen.“ 2025 waren 206.000 Wohnungen fertiggestellt worden.

Verband fordert günstige Kredite und Bürgschaften

„Es wäre ganz sicher möglich, die Krise binnen einiger Jahre zu entschärfen, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen würden“, sagte er. Der Staat müsse Haushalte, Familien und Anleger durch zinsgünstige Darlehen und durch Bürgschaften dabei unterstützen, an Kapital zu kommen, weil der Kapitalmarkt immer mehr Sicherheiten verlange. „Ohne einen gehörigen Teil Eigenkapital kommt niemand mehr an vernünftige Zinsen“, sagte Demuth.
„Wenn der Wohnungsbau im Volumen von 50 bis 60 Milliarden Euro mit günstigen Krediten abgesichert wäre, dann würde das ordentlich was bringen.“ Dabei gehe es nicht um klassische konsumtive Ausgaben, denn die Mittel seien Darlehen, kämen also zurück, würden als Sicherheit genutzt und könnten eine Hebelwirkung entfalten.

Demuth fordert politische Entscheidungen

Warum die Union und SPD seiner Ansicht nach noch nicht handelten, sei völlig unverständlich. „Wir haben in Berlin gesehen, dass die Wohnungsnot den Populisten die Wähler in die Arme treibt und Wahlen entscheidet. Ich kann weder als Bürger noch als Bauindustrie-Präsident begreifen, warum die Bundesregierung das Thema nicht abräumt“, sagte der Verbandspräsident. „Auf Trump, Putin oder China haben wir wenig Einfluss, aber ob mehr Wohnungen gebaut werden, das können wir sehr wohl beeinflussen.“ Und man kenne die Instrumente aus früheren Jahrzehnten.
„Die richtigen Fördermaßnahmen haben die Bauzahlen sehr rasch nach oben getrieben. Wir haben da Übung drin, es funktioniert. Es ist der politische Wille, der jetzt gefragt ist“, sagte Demuth. „Und wenn der Baumotor richtig läuft, dann trägt er neun bis zwölf Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung bei. Da liegt also eine gewaltige Chance.“ (dts/red)