Die Polizei registriert steigende Fallzahlen bei sexueller Gewalt gegen Kinder und sieht ein großes Dunkelfeld. (Symbolbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei 17.126 Fälle, das waren rund 1.600 mehr als noch im Jahr 2021.
Das geht aus dem Bundeslagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, das in Berlin vorgelegt wurde.
Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der Fälle im vergangenen Jahr um 772. Die Ermittlungen ergaben erneut, dass in mehr als der Hälfte der Fälle zwischen Opfern und Tatverdächtigen eine Vorbeziehung bestand. Bei Jugendlichen stieg die Zahl von 1.191 auf 1.239 Fälle. Als Kinder gelten strafrechtlich Personen unter 14 Jahren.
Deutlich mehr Mädchen Opfer sexueller Gewalt
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Chef Holger Münch und die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, legten die Zahlen in Berlin vor.
Das Bundeslagebild basiert auf Daten der bereits veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik und nimmt besonders die Bereiche sexueller Missbrauch, Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen in den Blick.
Die Fallzahlen bei jugendpornografischen Inhalten stiegen um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und verdoppelten sich in den letzten 5 Jahren, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Bundeslagebildes zu Sexualdelikten gegen Kinder und… pic.twitter.com/gJjDQXkq0I
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Den Angaben zufolge wurden insgesamt 18.736 Opfer im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern registriert, ein Anstieg um 3,6 Prozent. Ein Kind kann dabei in der Statistik mehrfach erfasst werden, wenn es wiederholt Opfer wurde. 13.870 der Opfer waren Mädchen, 4.866 Jungen.
Auch die Zahl der Tatverdächtigen stieg erneut, von 12.368 auf 12.823. Es handele sich hauptsächlich um männliche, alleinhandelnde Tatverdächtige.
Dobrindt sagte, die hohen Fallzahlen zeigten, dass Kinder besser geschützt werden müssten, besonders in der digitalen Welt. „Täter dürfen sich nicht in der Anonymität des Internets sicher fühlen.“ Er forderte wirksame Instrumente wie die IP-Adressenspeicherung, um Täter zu identifizieren und Missbrauch zu beenden.
Holger Münch betonte, dass das NCMEC dem BKA über 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise übermittelt habe. Dobrindt begrüßte die Bestrebungen der EU, Lücken bei der Erkennung und Meldung von kinder- und jugendpornografischen Inhalten zu schließen.
Zahlen zeigen nur einen Teil
Die Statistik spiegelt nur die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie bearbeiteten Straftaten wider – das sogenannte Hellfeld – einschließlich sogenannter Versuchstaten.
Die Zahlen sind daher auch vom Anzeigeverhalten beeinflusst. „Neben dem in diesem Lagebild dargestellten polizeilichen Hellfeld ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen“, heißt es in dem Bericht. (dpa/red)
Mehrere EU-Länder planen bereits nationale Vorgaben für den Zugang zu Social-Media-Plattformen. (Symbolbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
Experten überreichen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute (10:00 Uhr) einen Bericht mit wegweisenden Ratschlägen zur möglichen Einführung eines Mindestalters für soziale Netzwerke. Die Empfehlungen könnten auch für die deutsche Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche entscheidend sein.
Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Was sollten die Experten klären?
Kommissionspräsidentin von der Leyen will von den Fachleuten wissen, wie Kinder und Jugendliche online besser geschützt werden können. Sie hatte den großen Online-Plattformen vorgeworfen, Kinder aus Profitinteressen abhängig von ihren Produkten zu machen.
Die deutsche Politikerin sprach sich daher für strengere Altersgrenzen aus und nannte Australien als mögliches Vorbild. Dort gilt seit Dezember ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.
Das im März von der EU-Kommission einberufene Expertengremium soll also eine Empfehlung dazu abgeben, ob ein solches gesetzliches Mindestalter für Social Media auch in der EU nötig ist und wenn ja, wie die Brüsseler Behörde es gestalten sollte.
Warum sind die Vorschläge wichtig?
Der Bericht könnte von der Leyen nun weitere Argumente an die Hand geben, die eine Altersgrenze und damit auch einen Eingriff in die Rechte von Minderjährigen begründen. Auch gegenüber den Mitgliedsländern könnte die Expertenmeinung als Argumentationsstütze dienen. Denn auch wenn Länder wie Frankreich, Österreich oder Spanien sogar schon nationale Gesetze planen, sind andere EU-Staaten skeptisch, wie viel ein Verbot bringt.
In Brüssel ist man aber interessiert daran, keine übermäßige Fragmentierung zuzulassen – also keine unterschiedlichen Regeln in den 27 Mitgliedsländern zu haben. Auch hier könnten die Empfehlungen der Experten wegweisend sein und eine EU-weite Lösung in Aussicht stellen. Letztlich bleibt es die Entscheidung der EU-Kommission und ihrer Präsidentin, inwiefern man den Ratschlägen der Fachleute folgt. Mit einem Gesetzesvorschlag aus Brüssel wird spätestens im Herbst gerechnet.
Kann Deutschland ein eigenes Social-Media-Verbot aussprechen?
Der Bevölkerung vorzuschreiben, ab welchem Alter Social Media erlaubt ist, darf Deutschland grundsätzlich. Dann müssten Eltern kontrollieren, ob sich ihre Kinder an die Regeln halten. Viele Politiker in den Mitgliedsländern wollen aber ja eben die großen Plattformen wie TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die Verantwortung nehmen – ihnen die Rolle der Türsteher geben.
Doch von Online-Riesen eine Alterskontrolle zu verlangen, kann per Gesetz nur die EU. Die Europäische Kommission setzt die Digitalgesetze ihnen gegenüber durch. Nationale Gesetze dürfen sich deshalb nicht mit den EU-Regeln überlappen. Erst vergangene Woche beanstandete die Europäische Kommission den französischen Plan eines Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 15. Der Gesetzesvorschlag stand mit EU-Regeln im Konflikt und muss nun geändert werden.
Wie sind die Experten zu ihrer Einschätzung gekommen?
Über die vergangenen vier Monate tauschten die Autoren des Berichts sich mit Wissenschaftlern, Juristen und Interessenvertretern verschiedener Disziplinen aus – darunter Kinderrechte, Gesundheit und IT. Dabei sollten auch junge Menschen selbst zu Wort kommen. Zudem wurden Beweise aus laufenden Verfahren gegen die großen Online-Plattformen wegen möglicher Verstöße gegen EU-Digitalregeln in der Analyse berücksichtigt.
Die beiden Autoren des Berichts sind der deutsche Forscher Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, sowie die französische Wissenschaftlerin Maria Melchior. Sie ist Epidemiologin an einer staatlichen Einrichtung in Frankreich und beschäftigt sich ebenfalls mit der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Wie könnte ein Social-Media-Verbot technisch klappen?
Hier dürfte eine App der EU eine große Rolle spielen. Die digitale Brieftasche EUDI-Wallet soll Anfang 2027 auch in Deutschland verfügbar sein. Darin soll es dann eine Möglichkeit der Altersverifikation geben. Nutzerinnen und Nutzer sollen ein bestimmtes Mindestalter nachweisen können, ohne dabei persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum zu speichern oder an die großen Online-Plattformen weiterzugeben. Diese Möglichkeit der Altersverifikation könnte auch für die Durchsetzung bestehender Regeln wichtig sein.
Welche Regeln gibt es schon?
Die beliebten Plattformen YouTube, Instagram, Tiktok, Snapchat und Co. fallen unter das europäische Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act – DSA). Artikel 28 („Online-Schutz Minderjähriger“) des DSA verpflichtet die Online-Riesen „geeignete und verhältnismäßige Maßnahmen“ zu ergreifen, um Minderjährige zu schützen.
Zudem verlangt die EU-Kommission von den Online-Diensten, dass sie ihre eigenen Nutzungsbedingungen einhalten. Die sehen aus Datenschutzgründen oft erst einen Zugang zu den Plattformen ab 13 Jahren vor. Gegen den Facebook- und Instagram-Konzern Meta läuft deshalb bereits ein Verfahren. Ganz neu wären Altersgrenzen faktisch also nicht. (dpa/red)
Mit der Zeit wachsen Weisheit, Charakterstärke und Widerstandsfähigkeit. - Foto: fitzkes/iStock
Seit einigen Jahren schneide ich meine Haare kürzer, da sie mit der Zeit dünner geworden sind. Eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, werde ich sie wohl komplett rasieren müssen. Als Teenager hatte ich noch dichte, dunkle Locken. Diese Zeit kommt mir vor, als wäre sie gestern gewesen. Allerdings ist schon ein Jahrzehnt vergangen.
Der Verlust meiner Haare hat mich überrascht. Ich dachte, ich müsste mir erst in meinen Vierzigern oder Fünfzigern darüber Sorgen machen. So viel Glück hatte ich dann wohl doch nicht. Und doch bin ich in gewisser Weise – zumindest in guten Momenten – dankbar dafür. Dadurch wurde mir bewusst: Das Leben vergeht sehr schnell und ich sollte jeden Moment wertschätzen. Jedes Mal, wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, werde ich an meine Sterblichkeit erinnert – mein persönliches Memento mori.
Natürlich bin ich keineswegs alt. Aber das erste Kapitel meines Lebens ist bereits abgeschlossen und es ist viel schneller vergangen, als ich erwartet habe. Ältere und Weisere sagen mir, dass es im ganzen Leben so ist – es vergeht schneller, als wir uns vorstellen können.
Doch was fangen wir mit dieser Erkenntnis an?
Mir scheint, das Altern erfordert eine ständige Anpassung der Perspektive, denn wir alle altern permanent. Nachdem ich das frühe Erwachsenenalter hinter mir gelassen habe, muss ich über meine derzeitige Rolle im Leben nachdenken. Mit zwei kleinen Töchtern spüre ich, dass sich meine Aufmerksamkeit zunehmend auf sie verlagern muss.
Im Teenageralter oder den frühen Zwanzigern fühlt man sich noch wie der Held in der eigenen Geschichte. Jetzt erkenne ich jedoch, dass ich mich als Vater darauf konzentrieren muss, die Geschichte von jemand anderem zu fördern. Und darin liegt wohl eine tiefere Freude als in der Selbstbezogenheit der Jugend. Wenn Geben erfüllender ist als Nehmen, dann sollte ich umso erfüllter sein, je älter ich bin und je mehr Weisheit und Ressourcen ich an andere weitergeben kann.
Was die moderne Kultur über das Altern sagt
Mit zunehmendem Alter und Weisheit erwachsen viele Segnungen und Vorteile. Nur sind es nicht jene, die wir typischerweise in der Populärkultur lobpreisen. Unsere Kultur schätzt das Altern nicht besonders. Entlehnen wir unsere Orientierung von der Mainstream-Musik und den meisten Filmen, glauben wir, dass es darauf ankomme, so lange wie möglich jung, attraktiv und vorzugsweise wohlhabend zu sein – und das am besten für immer. An der Spitze der Billboard-Charts stehen Lieder, die größtenteils Themen behandeln, die mit der Jugend verknüpft sind: Partys feiern, trinken, sich verlieben, sich trennen.
In dieser Welt der Popmusik scheint sich alles Interessante im Alter zwischen 15 und 35 Jahren abzuspielen. Wenn in einem Lied der Körper einer Person erwähnt wird, dann geht es selten um Falten. Es gibt nur wenige Lieder über friedliche und erfüllte Ehen oder über Paare, die gemeinsam das mittlere oder hohe Alter erkunden, statt sich ständig neu zu verlieben, sich gerade zu trennen oder sich jedes Wochenende zu betrinken.
Dieses in der Popmusik vermittelte Bild der Jugend ist nicht ganz zutreffend. Abgesehen von ein paar Jahren im Studium können die meisten von uns kein immerwährendes Partyleben führen oder ständig leidenschaftliche Romanzen erleben. Doch selbst wenn dieses Bild tatsächlich auf die Jugend zuträfe, wäre es nur eine Momentaufnahme eines ziemlich kurzen Lebensabschnitts. Das hieße, der Höhepunkt der menschlichen Erfahrung läge im Alter von etwa 20 Jahren und alles Weitere wäre nur eine enttäuschende Nachspielzeit. Ein großer Teil der Popkultur existiert in einer Welt wie „Nimmerland“, in der niemand jemals älter wird oder sich Gedanken über die Bedeutung des Alterns macht.
Die Transformation der Jahre
Natürlich existiert „Nimmerland“ nicht und Gevatter Zeit ist unbesiegbar. Niemand bleibt ewig jung. „Alle Feuer erlöschen früher oder später“, schreibt die norwegische Literaturnobelpreisträgerin Sigrid Undset gegen Ende von „Kristin Lavransdatter“. Ihre historische Romantrilogie erzählt von den Konsequenzen jugendlicher Leidenschaft und davon, wie diese unweigerlich in Bitterkeit und Bedauern umschlägt oder sich in etwas völlig anderes, Transzendenteres verwandelt.
Am Anfang von Platons „Staat“ diskutieren Sokrates und ein alter Mann namens Kephalos über das Alter. Da Sokrates ein weiser Mann ist und Respekt vor den Alten hat, sagt er: „Wirklich, Kephalos, antwortete ich, unterhalte ich mich gern mit besonders alten Männern; denn ich meine, man muß sich bei ihnen erkundigen als Vorgängern auf einem Pfade, den auch wir vielleicht werden gehen müssen, wie derselbe beschaffen ist, ob rauh und beschwerlich oder leicht und bequem. Und so möchte ich auch dich fragen, was du davon hältst, da du bereits die Jahre erreicht hast, welche die Dichter als ‚Schwelle des Alters‘ bezeichnen, ob für einen beschwerlichen Teil des Lebens, oder was du sonst darüber aussagst?“
Kephalos hat eine unerwartete Perspektive. Er antwortet, dass er im Alter eine neu gefundene Freiheit entdeckt habe, da die Begierden und Leidenschaften, die ihn in der Jugend gequält hätten, abgeklungen seien. Im Alter habe man „in diesen Beziehungen vollkommenen Frieden und Freiheit. Wenn nämlich die Anspannung durch die Begierden aufgehört hat und sie nachgelassen haben, so wird allerdings das Wort des Sophokles wahr: von sehr zahlreichen tollen Gebietern kommt man los“.
Wunderschöne Geschichten, wunderschöne Seelen
Dieser Frieden geht Hand in Hand mit der Verringerung der körperlichen Kräfte. Während wir altern, schwindet die Anmut aus dem Körper wie ein sterbendes Abendglühen. Dies ist kein leichter Verlust. Es wird immer etwas Schauderhaftes am Altern geben, es wird immer den Hauch des Grabes mit sich bringen. Es ist herzzerreißend, das Prinzip des Verfalls in unseren eigenen Körpern und den Körpern derer, die wir lieben, am Werk zu sehen.
Und doch besteht eine umgekehrte Beziehung zwischen dem Niedergang des Körpers und dem Wachstum der Seele. Und darin liegt eine Hoffnung, die den Verfall vielleicht überwinden kann. Die Anmut des Körpers verblasst, ja. Aber die Schönheit ist nicht verschwunden. Sie zieht sich lediglich nach innen zurück, wie der Keim des Lebens im Winter, verborgen in der Erde. Wenn ein Mensch gut gelebt hat, verinnerlicht er seine äußere Schönheit und vervollkommnet sein Herz.
Es ist allerdings auch nicht völlig wahr, dass ein alter Körper keine Schönheit besitzt. Zugegebenermaßen ist es eine andere Art von Schönheit. Die Linien des Gesichts, die Beugung des Rückens, die Flecken auf der Haut – was sind all diese Dinge, wenn nicht das Zeugnis eines erfüllten Lebens, geschrieben auf den Körper? Der ältere Körper trägt die Zeichen all der getragenen Lasten, durchstandenen Leiden, erlittenen Verluste und angenommenen Freuden. In einem erfüllten Leben ist das eine schöne Sache.
Mein 2010er Toyota Corolla hat mehrere Hageldellen auf der Motorhaube und dem Dach. Ich werde sie niemals reparieren lassen und werde dieses Auto auch niemals verkaufen. Sie entstanden, als ein ungewöhnlicher Sturm von den Ebenen im westlichen South Dakota aufzog. Meine Frau und ich waren in unseren Flitterwochen. Diese Spuren haben eine Bedeutung. Sie sind Teil unserer Vergangenheit, ein einzigartiges Zeichen, das kein anderes Fahrzeug hat oder haben könnte. Sie sind wie die Falten oder das dünner werdende Haar – wenn wir sie an uns selbst oder unseren Geliebten sehen, werden sie zu Objekten der Liebe statt des Hasses, die wir gemeinsam erlebt haben. Diese Zeichen sind wie kleine Webknoten im großen Wandteppich des Lebens, der auf dem Webstuhl der Zeit entsteht.
Alte Häuser haben schiefe Linien, verwitterte Farbe, schräge Böden und vermackte Holzteile – wir nennen das „Charakter“. Das Haus ist nicht so glatt und makellos wie ein Neubau, aber es hat etwas, das das neue Haus nicht hat: Erinnerungen, Geschichte, Durchhaltevermögen und Bedeutung sind in seine blanken Oberflächen eingraviert. Jeder Makel macht das Haus einzigartig. Dies ist ebenso auf den älteren Menschen zutreffend. Ein erfülltes Leben gipfelt – so ist zu hoffen – in einem alten Mann oder einer alten Frau mit Charakter. Er oder sie besitzt tiefe Brunnen, gefüllt mit Erfahrung, Weisheit und Tugend, die in der Jugend noch nicht vorhanden waren.
Es gibt die Veränderungen des Körpers und es gibt die Veränderungen des Geistes – letztere sind leichter in einem positiven Licht zu sehen. Hierbei handelt es sich natürlich um das sprichwörtliche Wachstum an Weisheit. Aber es gibt noch mehr als das, zumindest laut G. K. Chesterton. Es entsteht eine Verschiebung der Perspektive: Die Welt erwacht noch stärker zum Leben, während man altert. In seinem Werk „On the Pleasures of No Longer Being Very Young“ [Über die Freuden, nicht mehr sehr jung zu sein] schrieb er:
„Ein Genuss des Älterwerdens ist, dass vieles jünger zu werden scheint; frischer und lebendiger, als wir es einst annahmen. […] Es ist etwas Besonderes, in einer Welt voller lebendiger und bedeutungsvoller Dinge zu leben, anstatt in einer Welt toter und bedeutungsloser Dinge. Und es ist die rebellische Jugend, selbst die gerechte, die ihre Umgebung als tot und bedeutungslos wahrnimmt. Es ist das Alter, ja sogar die zweite Kindheit, die erkennt, dass alles einen Sinn hat und dass das Leben selbst niemals gestorben ist.“
Dies erinnert mich an meinen Großvater, der in seiner Jugend und im mittleren Alter ein geschäftiger, hochproduktiver Mann war. Dafür habe ich großen Respekt. Jetzt findet er Freude daran, die Vögel von seiner Terrasse aus zu beobachten. Ich vermute, in seiner Jugend hätte er kein großes Interesse daran gehabt. Vielleicht erkennt er jetzt aber selbst in den kleinsten Dingen einen tieferen Sinn.
Zwei Seelen, die schon viel miteinander erlebt haben.
Foto: jacoblund/iStock
Die Hoffnung wächst
Ich möchte schließen, indem ich das Thema der Hoffnung anspreche. Verblasst die Hoffnung mit dem Alter? Tatsächlich ist es laut Chesterton das Gegenteil. Er schrieb:
„Man sagt gewöhnlich, die Hoffnung gehöre der Jugend und verleihe ihr die Flügel eines Schmetterlings; doch ich neige zu der Ansicht, dass die Hoffnung die letzte Gabe ist, die dem Menschen zuteilwird – und die einzige, die der Jugend nicht gegeben ist. Die Jugend ist vor allem jene Zeit, in der der Mensch lyrisch, fanatisch und poetisch sein kann; doch sie ist zugleich die Zeit, in der er verzweifeln kann. Das Ende jeder Episode erscheint ihr wie das Ende der Welt. Die Fähigkeit jedoch, über alles hinweg zu hoffen, das Wissen, dass die Seele ihre Abenteuer überlebt, diese große Inspiration kommt erst im mittleren Alter. Gott hat diesen guten Wein bis zuletzt aufgehoben. Erst von den Rücken der älteren Herren sollten die Flügel des Schmetterlings hervorbrechen.“
Platon stimmt zu. Gegen Ende des oben zitierten Gesprächs sagt Kephalos zu Sokrates: „[…] dem aber, der sich keines Unrechts bewußt ist, dem steht immer frohe Hoffnung zur Seite, und die gute Alterspflegerin, wie Pindar sich ausdrückt. Denn anmutig, Sokrates, sagt er, wer gerecht und heilig das Leben verbringe, von solchem weicht nie des Herzens Labsal, die freudvolle Alterspflegerin, Hoffnung, die am allermeisten der Erdensöhn’ unstäten Sinn lenkt.“
Und welche größere Quelle der Hoffnung gibt es als treue Liebe? Es ist immer noch wahr – was auch immer die Trennungslieder andeuten mögen –, dass es eines der romantischsten Dinge ist, die man zu jemandem sagen kann: „Ich möchte mit dir alt werden.“ Und eines der romantischsten Dinge, die man vollbringen kann, ist, es tatsächlich zu tun. Hier werden wahre Liebe und Hoffnung auf die Probe gestellt – nicht im hellen Aufblühen des Frühlings des Lebens, sondern im bernsteinfarbenen Herbst des Lebens, seinem langen Sonnenuntergang, der geduldig ertragen wird, Seite an Seite, bis in die Dämmerung.
So wie es in einem Lieblingslied aus meinen Teenagerjahren heißt: „Auch wenn sich Gesichter verändern – mein Herz bleibt dasselbe.“
Eine Umfrage aus dem Jahr 2025 unter amerikanischen Erwachsenen im Alter von 30 Jahren und jünger ergab, dass 62 Prozent dem Sozialismus positiv gegenüberstanden. Bei derselben Umfrage standen 34 Prozent dem Kommunismus positiv gegenüber.
Befürwortung durch Propaganda?
Es wäre ein Fehler, diese Statistiken als Reaktion auf die derzeitige Regierung zu interpretieren. Umfragen verschiedener Organisationen, die in den vergangenen fünf Jahren durchgeführt wurden, liegen im Rahmen dieser Zahlen.
Diejenigen von uns, die den Kommunismus als böse betrachten, sind entsetzt über diese Zahlen. Wissen diese jungen Menschen, dass Kommunisten in den vergangenen 100 Jahren mehr als 100 Millionen Menschen getötet haben?
Sind sie sich der gebrochenen Versprechen des Kommunismus in Diktaturen wie Kuba, Nordkorea und China bewusst? Ist ihnen nicht klar, dass unter einer kommunistischen Regierung ihr Leben vom Staat diktiert würde, sofern sie nicht zum inneren Kreis der Partei gehören? Können sie Sozialismus und Kommunismus überhaupt definieren?
Die Antwort auf diese und andere Fragen ist nur mit einem klaren „Nein“ zu beantworten. Entweder wissen sie nichts von diesen Ungeheuerlichkeiten des 20. Jahrhunderts oder sie sind Opfer von Propaganda. Kein vernünftig erzogener Mensch würde zustimmen, ein Sklave des Staates zu werden.
Am Montag, 18. Mai, zeigten mir eine Lehrerin der fünften Klasse und ein römisch-katholischer Priester einen Weg, wie wir dieser Fehlentwicklung entgegenwirken können.
Am Sonntag erwähnte Lara Purciel, die Lehrerin und auch eine Freundin von mir, dass sie Pater Tom Shepanzyk eingeladen hatte, vor ihrer Klasse an der Padre-Pio-Akademie über den Kommunismus zu sprechen. Pater Shepanzyk lebte in seiner Jugend unter dem Kommunismus in Polen, bevor er in die Vereinigten Staaten ging. Lara bemerkte mein Interesse und lud mich daraufhin ein, zuzuhören.
Etwas mehr als 1 Stunde lang fesselte Pater Shepanzyk die Aufmerksamkeit dieser Klasse und der hinzugekommenen Achtklässler. Er sprach darüber, wie sein Leben als gläubiger katholischer Jugendlicher in einem System aussah, das Religion verachtete und verspottete.
Pater Shepanzyk erzählte seinem jungen Publikum von den Stunden, die er in Schlangen vor Lebensmittelgeschäften verbrachte, um nur das Nötigste zum Leben zu kaufen. Ebenso berichtete er von der Propaganda in den Schulen und auf den allgegenwärtigen Plakaten in den Straßen, vom staatlich kontrollierten Fernsehen und von der Angst, von den falschen Leuten belauscht zu werden, was die freie Meinungsäußerung einschränkte.
„Alle lebten in Angst“, sagte Pater Shepanzyk. „Alle hatten Angst.“
Einige seiner Geschichten trafen sicherlich einen Nerv. Als ihnen gesagt wurde, dass eines Tages die ganze Welt kommunistisch sein und alles „dem Volk“ gehören würde, scherzten er und seine Klassenkameraden: „Werden unsere Socken dann privat sein?“ Er erklärte, dass er nur einmal im Jahr eine Orange bekommen habe, und: „Als ich in die Vereinigten Staaten kam, aß ich Tag und Nacht Orangen.“
An einer Stelle sagte Pater Shepanzyk zu den Schülern: „Die Kommunisten haben es immer auf die Jugend abgesehen.“ Sie tun dies, indem sie an ihren Idealismus appellieren und sie über die Realitäten einer sozialistischen beziehungsweise kommunistischen Regierung im Vergleich zu diesem Idealismus in die Irre führen.
Und genau hier liegt die Lehre, die ich aus dieser Unterrichtsstunde gezogen habe. Genau wie die Linken müssen wir uns um die Jugend bemühen. Viele unserer Schulen, Universitäten und kulturellen Einflussnehmer tun genau das. Sie verstehen – und haben schon seit Jahrzehnten verstanden –, dass ein Kampf um die Herzen und Köpfe unserer jungen Menschen tobt.
Wie kann man aufklären?
Ein altes Sprichwort besagt: „Wir müssen Feuer mit Feuer bekämpfen.“ Insbesondere durch Geschichten müssen wir unseren jungen Menschen die Übel des Marxismus aufzeigen.
Die gute Nachricht ist, dass wir die Mittel dafür haben. Sucht man online nach „Wie viele Opfer des Kommunismus leben in den Vereinigten Staaten?“, findet man Angaben, dass die Zahlen schwer genau zu bestimmen sind, aber insgesamt in die Millionen gehen. Diese Zahl erhöht sich noch weiter, wenn man die Kinder und Enkelkinder berücksichtigt, die aus diesen Flüchtlingen vor dem Marxismus hervorgegangen sind.
Genau wie Pater Shepanzyk es in jenem Klassenzimmer tat, benötigen wir diese Männer und Frauen, die mit unseren jungen Menschen über die Misshandlungen und das Leid sprechen, das sie miterlebt haben, über die grausame Unterdrückung von Würde und persönlichen Ambitionen. Diese Geschichten können dann als Gegenmittel gespeichert werden, um dem Gift der kommunistischen und sozialistischen Propaganda entgegenzuwirken.
Lehrer können einfach Laras Beispiel folgen und einen oder mehrere dieser Zeitzeugen einladen, vor ihren Klassen zu sprechen. Homeschooling-Gruppen und andere Jugendorganisationen könnten dasselbe tun. Sicherlich gibt es genug Osteuropäer, Vietnamesen, Chinesen und andere Staatsangehörige, die bereit wären, sich diesem Anliegen anzuschließen.
Eine weitere großartige Ressource ist die Victims of Communism Memorial Foundation. Ihr Witness Project und Voices for Freedom enthalten Interviews mit Menschen aus aller Welt, die unter kommunistischen Regimen inhaftiert, gefoltert und ihrer natürlichen Rechte beraubt wurden.
Lehrer und Eltern können den Jugendlichen auch Bücher und Filme näherbringen, die Totalitarismus und Kollektivismus anprangern. Ältere Teenager könnten sich „Mr. Jones“ ansehen, den erschütternden Film über den Holodomor, was „Tod durch Hunger“ bedeutet, durch den die Sowjetunion Millionen Ukrainer verhungern ließ.
Der ab 16 Jahren freigegebene Film „Das Leben der Anderen“ zeigt uns die Schattenseiten des ostdeutschen Polizeistaats und dessen Überwachung privater Gespräche. Bücher wie Lois Lowrys antikollektivistischer Roman „The Giver“, George Orwells Klassiker „Animal Farm“ und „1984“ sowie James Clavells weitgehend vergessener, aber wichtiger Roman „The Children’s Story“ können helfen, Schutz vor den giftigen Einflüssen der extremen Linken zu bieten.
Unsere jungen Menschen müssen wissen, bevor sie auf die Hochschule gehen oder ins Berufsleben eintreten, dass der Kommunismus die Seele und oft auch den Körper tötet, dass er seine Versprechen nicht einhält, dass es unter einem kommunistischen Regime keine unveräußerlichen Rechte gibt, kein Leben, keine Freiheit und kein Streben nach Glück.
Und es liegt an uns, ihnen diese Dinge beizubringen.
Die Bildungsminister der Länder haben gemeinsame Ziele und Maßnahmen zur Stärkung der Medienkompetenz in der Schule verabschiedet. (Symbolbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Während der laufenden Debatte um eine Altersbegrenzung der sozialen Medien hat sich die Bildungsministerkonferenz auf eine Stärkung der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern verständigt.
„Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu einem reflektierten, kritischen und sicheren Umgang mit Social Media zu befähigen, ihre Medienkompetenz zu stärken und sie besser vor negativen Auswirkungen zu schützen“, erläuterte die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz (CSU), in München. Es gehe um einen Dreiklang aus sensibilisieren, stärken und schützen.
„Wir wollen junge Menschen stark machen für die digitale Welt voller Chancen, aber auch voller Herausforderungen“, betonte Stolz, die auch bayerische Kultusministerin ist.
Die zuständigen Ministerinnen und Minister der Länder hätten sich daher in einer Erklärung zum Umgang mit Social Media in den Schulen erstmals auf gemeinsame Ziele, Leitlinien und Maßnahmen verständigt.
Im Mittelpunkt stehe dabei die Entwicklung von digitaler Resilienz, der Schutz vor negativen Auswirkungen exzessiver Social-Media-Nutzung sowie die enge Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus.
Empfehlungen zu Altersgrenzen erwartet
Über die Notwendigkeit dieser drei Komponenten bestehe Einigkeit, betonte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) – „unabhängig davon, ob wir jetzt im Einzelnen für oder gegen ein pauschales Social-Media-Verbot – das ist ja eine sehr vereinfachte Debatte, die hier geführt wird – sind“.
Wie in anderen Ländern wird auch in Deutschland derzeit über Altersgrenzen für soziale Medien diskutiert; aktuell erarbeitet eine Expertenkommission Empfehlungen für konkrete Maßnahmen.
Prien kündigte an, dass die Ergebnisse am 24. Juni vorgestellt würden und knapp 50 Empfehlungen enthielten, die sich neben den Schulen auch an Eltern, Kitas und etwa Ärzte richteten.
Schulen müssen Kinder auf digitale Welt vorbereiten
Dessen ungeachtet müssten die Länder die Stärkung von Medienkompetenz in den Schulen noch mehr in den Mittelpunkt rücken, sagte die Bildungsministerin des Saarlandes, Christine Streichert-Clivot (SPD). „Social Media kann verbinden, informieren und inspirieren, aber auch verunsichern, unter Druck setzen oder manipulieren.
Deshalb müssen junge Menschen lernen, kritisch hinzuschauen, Informationen einzuordnen und selbstbewusst mit digitalen Medien umzugehen.“
Ihre Kollegin Dorothee Feller (CDU) aus Nordrhein-Westfalen ergänzte, Angebote wie „Kompetent im Netz“ würden daher weiter ausgebaut. Es werde aber ohne die Einbindung der Eltern nicht funktionieren, die Kinder auf eine Welt vorzubereiten, in der Social Media, künstliche Intelligenz und sonstige digitale Entwicklungen den Alltag prägen. (dpa/red)
Kinder und Jugendliche sind im Netz vielen Gefahren ausgesetzt - Experten von Jugendschutz.net registrierten mehr als 15.000 Jugendschutzverstöße im vergangenen Jahr. (Symbolbild) - Foto: Annette Riedl/dpa
Die von Bund und Ländern finanzierte Plattform Jugendschutz.net hat im vergangenen Jahr 15.099 Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen im Netz registriert. In den meisten Fällen ging es um Missbrauchsdarstellungen von Kindern (12.334 Fälle) und Jugendpornografie (1.091), wie aus dem Jahresbericht der Stelle hervorgeht, der in Berlin vorgelegt wurde.
Andere Bereiche wie politischer Extremismus, Cybermobbing, Pornografie oder Gewalt machten einen vergleichsweise geringen Anteil der entdeckten Verstöße aus.
In 96 Prozent der Fälle (14.520) konnte den Angaben zufolge bei den Anbietern die Entfernung der Verstöße erreicht werden. In fast 6.500 Fällen seien unmittelbar die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet worden.
„Die erneut alarmierenden Zahlen zeigen, wie weit wir noch davon entfernt sind, Kindern und Jugendlichen eine sichere und unbeschwerte Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen“, sagte die Bundesministerin für Bildung und Jugend, Karin Prien (CDU).
Viele Anbieter täten noch immer zu wenig für Kinder- und Jugendschutz. Da digitale Angebote und KI-Programme für junge Menschen immer bedeutsamer würden, müssten „Sicherheit, Schutz und klare Regeln endlich mit der technologischen Entwicklung Schritt halten“, so Prien.
Gesamtzahl geht zurück – Aussagekraft aber gering
Im Vergleich zum Vorjahr (17.630 Fälle) ging die Gesamtzahl zwar zurück. Es wird aber darauf hingewiesen, dass die Zahl unter anderem von der Meldebereitschaft abhängt. So gibt es auf Jugendschutz.net ein Online-Formular, über das Nutzer Missbrauchsdarstellungen oder andere Verstöße auf Webseiten oder auf Social Media melden können.
„Auf Basis der jährlichen Zahlen lassen sich daher nur bedingt Aussagen zur Verschärfung oder Verbesserung von Gefahrenlagen treffen“, heißt es.
Das Kompetenzzentrum von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten durchsucht Internet und Social-Media-Plattformen nach Gefahren für junge Nutzer.
Dabei helfen Hinweise über sein Beschwerdeportal und auch von Partnerorganisationen aus dem Ausland. In den Blick genommen werden auch Online-Angebote mit Kostenfallen, ungeeigneter Werbung oder möglichen Verletzungen von Persönlichkeitsrechten von Minderjährigen.
Kritik: Anbieter schaffen keine wirksamen Schutzvorkehrungen
Die Stelle schaut sich zudem an, welche Schutzvorkehrungen Anbieter von Online-Spielen oder Dienste wie Instagram, YouTube und Tiktok treffen. Hier geht es etwa um Einstellungen, mit denen eine ungefragte Kontaktaufnahme durch Fremde verhindert wird oder um die Anbieter-eigenen Meldesysteme.
Der Leiter von Jugendschutz.net, Stefan Glaser, kritisierte: „Statt wirksame Schutzvorkehrungen zu treffen, schaffen die Anbieter immer neue Einfallstore und bauen ihre manipulativen Geschäftsmodelle weiter aus.“
Besonders im Bereich Künstlicher Intelligenz rase die Entwicklung. Glaser nannte Chat-Roboter, die inzwischen die Funktion emotionaler Sparringspartner erfüllten. „Damit verbundene parasoziale Beziehungen verzerren die Realität und erschweren die Einordnung, was künstlich und was echt ist.“
In seinem Jahresbericht lenkt Jugendschutz.net den Blick konkret auf folgende Gefahren:
„Charakter-Bots“
Die Experten sehen problematische Aspekte bei sogenannten Charakter-Bots – frei gestaltbaren KI-Gesprächspartnern, die zunehmend echt wirkten. „Sie beraten, coachen oder simulieren Beziehungen“. Durch lückenhafte Filter und unzureichende Sicherheitseinstellungen besteh
t demnach die Gefahr, dass solche Roboter auch sexuelle Handlungen mit Minderjährigen beschreiben oder die Rolle von Minderjährigen einnehmen, „die sexualisiert agieren“.
KI-Profile in Social Media
Storys und Posts von Nutzern, die gar keine sind? Mögliche KI-Profile auf Social-Media-Plattformen werden als „Einfallstor für Risiken“ bezeichnet. Schon in einer früheren Veröffentlichung von Jugendschutz.net hieß es: Verschiedene Anbieter trainierten KI darauf, menschliches Verhalten in Social Media zu imitieren. Das solle die Angebote interessanter machen und Nutzer dazu verleiten, mehr Zeit in den Diensten zu verbringen.
Dazu kommen „KI-Influencer“, die Perfektion als Maßstab setzten mit negativen Folgen für das Selbstbild von Minderjährigen oder „KI-Models“, die „übernatürlich schöne Körper“ zeigten und „die vor allem in der Masse negativen Einfluss auf die eigene Körperwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen ausüben“.
Jugendschutz.net warnt darüber hinaus vor einer Verherrlichung von Essstörungen und vor Verharmlosung von Magersucht und Bulimie durch Videos unter dem Hashtag „Skinnytok“ (Skinny=dünn) bei Tiktok, in denen dünn sein idealisiert wird.
Die Jugendschützer nehmen auch die Plattform Discord ins Visier, wo sich Leute in Chaträumen zu den unterschiedlichsten Themen austauschen. Es handele sich um einen „Umschlagplatz für viele rechtsextreme, menschenfeindliche und gewaltverherrlichende Inhalte“.
Dazu gehörten NS-Propaganda, Hass gegen Minderheiten sowie drastische Gewaltvideos. Bestimmte Chaträume konfrontierten junge Menschen „humoristisch oder strategisch verschleiert“, beiläufig mit entsprechenden Inhalten und beeinflussten ihre Weltsicht. Die Moderation sei oft unzureichend, Meldungen führten nicht zeitnah zur Löschung. (dpa/red)
Familienabteil bei der Deutschen Bahn (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Deutsche Bahn startet eine Rabatt-Offensive für junge Fahrgäste. Das Unternehmen verschenkt die „Jugend-Bahncard 25“ für ein ganzes Jahr an alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland-
Das kündigte Bahnchefin Evelyn Palla in der „Bild am Sonntag“ an. Das Unternehmen öffne damit seine Zugtüren für potenziell 15 Millionen Jugendliche.
Die Bahncard-Aktion startet Mitte Juni und läuft bis Ende September. Das Angebot richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen im Alter von sechs bis einschließlich 18 Jahren – unabhängig von der Nationalität.
Die Karte, die regulär 7,90 Euro kostet, wird für zwölf Monate kostenlos zur Verfügung gestellt. Palla sagte der „Bild am Sonntag“: „Millionen Jugendliche sollen mit der Gratis-Jugend-Bahncard-25 in einen schönen Sommer starten.“ Kinder unter sechs Jahren reisten ohnehin umsonst.
Mit der geschenkten Karte erhalten die jungen Fahrgäste ab Aktivierung 25 Prozent Nachlass auf alle Super-Spar-, Spar- und Flexpreise der ersten und zweiten Klasse im ICE sowie im IC/EC.
Buchung und Nutzung erfolgen rein digital über bahn.de oder die App „DB Navigator“ mittels eines eigenen Kundenkontos.
Die Karte läuft nach einem Jahr automatisch ab, eine Kündigung ist nicht erforderlich. Für alleinreisende Kinder von sechs bis 14 Jahren reduziert die Karte den ohnehin halbierten Fahrpreis um weitere 25 Prozent; in Begleitung von Eltern oder Großeltern reisen sie im Fernverkehr weiterhin generell komplett kostenlos.
Gleichzeitig steuert der Staatskonzern nach einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr finanziell um und könnte in diesem Jahr eine schwarze Null erreichen.
Palla sagte der „Bild am Sonntag“: „Es macht sich bezahlt, dass wir die Bahn auf Effizienz trimmen. Eine schwarze Null scheint nach einem halben Jahrzehnt an Milliardenverlusten greifbar nah. Unser internes Verschlankungsprogramm mobilisiert auch die Zahlen Richtung steigender Wirtschaftlichkeit und damit Stabilität.“ (dts/red)