Laut Feuerwehr waren zwischenzeitlich etwa 100 Rettungskräfte im Einsatz. - Foto: Sanitätseinsatzleitung/Nürnberger Hilfsorganisationen/dpa
Nach einem Chemieunfall in einer Nürnberger Firma ist ein schwerverletzter Mann im Krankenhaus gestorben. Die Polizei ging am Freitagabend davon aus, dass sechs weitere Menschen Verletzungen der Atemwege erlitten. Zwei Mitarbeiter hatten noch am Unfallort das Bewusstsein verloren, einer von ihnen starb später in der Klinik. Das Bayerische Rote Kreuz sprach von 30 Verletzten und 17 Menschen, die zur weiteren Behandlung und Beobachtung ins Krankenhaus gebracht worden seien. Die gesamte Anlage wurde evakuiert. Gefahr für die Bevölkerung bestand demnach nicht, weil der giftige Stoff innerhalb des Gebäudes blieb und nicht an die Luft gelangte.
Die Kripo Nürnberg leitete Ermittlungen ein, allerdings können die Beamten das Gebäude vorerst nicht betreten. Wie ein Sprecher der Nürnberger Feuerwehr mitteilte, arbeitet das Unternehmen routinemäßig mit Chemikalien. Um welchen Stoff es sich handelte, war zunächst nicht bekannt.
Retter holten alle Verletzten aus Gebäude
Der Alarm ging laut Polizei kurz vor der Mittagszeit ein. Ein Großaufgebot der Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Feuerwehren aus den umliegenden Orten rückte aus. Die ersten Einsatzkräfte fanden demnach „eine dramatische Lage“ vor, da sie mehrere Menschen retten und ins Freie bringen mussten. Die Retter konnten den Angaben zufolge alle Verletzten zügig aus dem Gefahrenbereich bringen und medizinisch versorgen.
Insgesamt waren 65 Feuerwehrleute im Einsatz, darunter mehrere Trupps in Chemikalienschutzanzügen. Außerdem waren neben Polizisten etwa 50 Kräfte des Rettungsdienstes mit mehreren Rettungswagen und Notärzten beteiligt. Insgesamt brachten die Einsatzkräfte etwa 70 Beschäftigte aus dem Gebäude.
Gebäude kann nicht betreten werden
Da das Gebäude vorerst nicht betreten werden kann, war auch unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte – ob die Chemikalie etwa aus einer defekten Maschine oder Anlage austrat oder ob ein Mensch beteiligt war. (dpa/red)
Depot hat Filialen in vielen Innenstädten. - Foto: Alicia Windzio/dpa
Die Deko-Kette Depot ist erneut in finanzielle Schieflage geraten. Die GDC Deutschland GmbH hat beim Amtsgericht Aschaffenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt, wie eine Gerichtssprecherin bestätigte.
Geschäftsführer Christian Gries will das Unternehmen sanieren. „Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und möglichst viele Filialen erhalten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Als Gründe für die Insolvenz nannte er neben Zöllen und der wachsenden Online-Konkurrenz durch Plattformen wie Temu auch die Kaufzurückhaltung. „Es ist eine schwierige Zeit für den Handel. Viele Kunden schauen stark auf die Preise.“ Preisreduzierungen seien jedoch auf Dauer kein Mittel, um ein rentables Geschäft zu führen.
Gries rechnet mit weiteren Filialschließungen. „Eine genaue Zahl können wir noch nicht sagen.“ Man werde „alles auf den Prüfstand stellen“ und Gespräche mit den Vermietern führen. Zudem soll das Konzept von Depot angepasst werden.
Probleme nach der Pandemie
Das Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung bereits angeordnet. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Rechtsanwalt Thomas Rittmeister aus Frankfurt bestellt. Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt. Die „Lebensmittelzeitung“ hatte zuvor berichtet.
Depot hat seinen Sitz im unterfränkischen Großostheim. Während und nach der Corona-Pandemie kämpfte die Kette mit Schwierigkeiten. Schon 2024 meldete das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung an. Daraufhin wurden bundesweit zahlreiche Filialen geschlossen.
Aktuell betreibt Depot noch mehr als 150 Geschäfte, vor einigen Jahren waren es noch rund 400. Zur Zahl der Beschäftigten machte Gries auf Nachfrage keine Angaben.
Viele Insolvenzen – Mäc Geiz ebenfalls in dieser Woche
Die Branche steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Jeder sechste Einzelhändler in Deutschland fürchtet laut der monatlichen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts inzwischen um die Existenz. Im April schätzten 17,4 Prozent der Unternehmen ihre Lage als existenzbedrohend ein, so viele wie nie zuvor.
In dieser Woche hatte auch der Non-Food-Discounter Mäc Geiz Insolvenz angemeldet. Die Zahl der Pleiten in der Branche befindet sich auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Kreditversicherer Allianz Trade verzeichnete im vergangenen Jahr 2.571 Fälle. Branchenexperten erwarten weiter steigende Zahlen.
In den vergangenen Jahren haben bereits Zehntausende Geschäfte in Deutschland geschlossen – nicht nur wegen Insolvenzen. Laut einer Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) dürfte die Zahl der Läden in diesem Jahr unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. (dpa/red)
Spielte auch in großen Kinoproduktionen wie «Gandhi»: Günther Maria Halmer. (Archivbild) - Foto: picture alliance / Ingo Wagner/dpa
Der als „Tscharlie“ in der Kultserie „Münchner Geschichten“ bekanntgewordene Schauspieler Günther Maria Halmer ist tot. Der gebürtige Rosenheimer sei am Sonntag im Alter von 83 Jahren gestorben, teilte das Münchner Residenztheater mit. Zuvor hatten unter anderem „Bild“ und „Bunte“ berichtet.
Im vergangenen Jahr war Halmer auf die Bühne des Residenztheaters zurückgekehrt, wo er in dem Stück „Gschichtn vom Brandner Kaspar“ von Franz Xaver Kroetz die Titelfigur spielte. Es sollte seine letzte Rolle sein.
Staatsintendant Andreas Beck schreibt in einem Nachruf, Halmer sei ein wundervoller Kaspar Brandner gewesen. Er habe die Rolle geliebt, und es sei ihm schwergefallen, sie nach nur zwölf Vorstellungen abzugeben. „Er sagte mir damals, er wäre krank und dass er jetzt fürs Erste pausieren und nicht mehr spielen werden könne. Ich habe ihm gesagt, dass die Rolle und wir auf ihn warten“, so Beck. Und weiter: „Es tut mir unendlich leid.“
Seit seinem TV-Debüt Mitte der 1970er Jahre als „Tscharlie“ in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ stand Halmer für hochwertige und abwechslungsreiche Fernsehunterhaltung. In zahlreichen Filmen und Serien reifte der markige Oberbayer zum vielseitigen Darsteller, der auch in internationalen Produktionen wie „Gandhi“ überzeugte. Er stand neben Stars wie Senta Berger, Hanna Schygulla und Meryl Streep vor der Kamera.
Vom Gymnasium geflogen und zum Schauspieler gereift
Halmers Vater war Jurist, streng katholisch und autoritär, die Mutter liebevoll, aber krank. Trost und Zuflucht fand er als Jugendlicher im Kino, bei Leinwandhelden wie John Wayne.
Halmers Schullaufbahn und beruflicher Einstieg verliefen wenig gradlinig: Er flog vom Gymnasium, schmiss eine Lehre in der Hotellerie und eckte auch bei der Bundeswehr an. Von seinem Traumjob Pilot musste er sich verabschieden.
Da wagte Halmer den großen Schnitt: Mit Anfang 20 ging er nach Kanada, um eineinhalb Jahre lang in einer Asbest-Mine nahe der Grenze zu Alaska zu rackern – und um zu sich selbst zu finden. Dort sei die Idee entstanden, Schauspieler werden zu wollen, erzählte er im Bayerischen Rundfunk. Ein Wunsch, den er sich auch von seinem autoritären Vater nicht ausreden ließ.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte er seinen Plan in die Tat um: Halmer absolvierte die Otto Falckenberg-Schauspielschule in München und erhielt ein erstes Engagement an den dortigen Kammerspielen.
Vom Erfolg als „Tscharlie“ überrascht
Bald darauf folgte seine Fernseh-Paraderolle – der liebenswürdige Schwabinger Lebenskünstler und Aufschneider „Tscharlie“ in der Serie „Münchner Geschichten“. Mit dem überwältigenden Erfolg habe er nicht gerechnet, war es doch sowohl Dietls erste Regie-Arbeit als auch Halmers Fernseh-Premiere. Doch die Serie der beiden Newcomer habe wohl den Nerv vieler Menschen getroffen, sagte Halmer einmal. Viele Bayern hätten wohl etwas „Tscharliehaftes“ in sich und könnten sich mit der Figur identifizieren.
Günther Maria Halmer lebte mit seiner Frau Claudia, mit der er zwei Söhne hat, in der Nähe seines Geburtsortes Rosenheim. Mit dem Thema Tod habe er keine Berührungsängste, sagte Halmer vor ein paar Jahren. „Der Tod ist für mich nichts Überraschendes mehr, im Alter wacht man damit auf, dass es jederzeit vorbei sein kann.“ In dem kleinen Dorf, in dem er lebe, seien viele schon älter als 89 oder 90. „Da ist es nicht ganz so überraschend, wenn jemand stirbt. Und es ist tröstlich, wenn das ganze Dorf bei der Beerdigung dabei ist.“
Ein Paradies hielt Halmer nach eigener Aussage eher für unwahrscheinlich: „Man hofft, dass es weitergeht, aber ich glaube das eigentlich nicht. Wenn es vorbei ist, wird man wieder zu Erde – und aus.“ (dpa/red)
Der frühere Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic übernimmt. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Ab Donnerstag, 14. Mai, haben die mehr als 150.000 BMW-Mitarbeiter weltweit einen neuen Chef.
Um Mitternacht endet die fast siebenjährige Amtszeit von Oliver Zipse – und der bisherige Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic übernimmt den Chefposten.
Der Wechsel erfolgt planmäßig und war schon Ende 2025 angekündigt worden.
Zipse bedankte sich am Ende einer herausfordernden, von vielen globalen Krisen geprägten Amtszeit auf der Hauptversammlung des Konzerns.
Aufsichtsratschef Nicolas Peter lobte: „Oliver Zipse hat auch gegen äußere Widerstände stets klare Position bezogen und das Unternehmen damit in volatilen Zeiten strategisch auf Kurs gehalten.“
Und Zipse bekam sogar Grüße vom Premium-Rivalen aus Stuttgart: Mercedes-Chef Ola Källenius schrieb auf Instagram an den scheidenden Kollegen, er habe all die Jahre den fairen Wettbewerb und den guten Austausch mit Zipse und dessen Team sehr geschätzt – und wünschte: „Alles Gute für Deine Zukunft. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft.“
Und noch eine weitere Personalie wurde vor dem Amtsantritt bekannt: Michael Nikolaides wird BMW-Strategiechef, wie ein BMW-Sprecher bestätigte. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet.
Nikolaides war demnach in den vergangenen vier Jahren für das Produktionsnetzwerk und die Logistik bei BMW verantwortlich. (dpa/red)
Die Datenauswertung zeigt regionale Unterschiede bei der Pünktlichkeit im Fernverkehr der Deutschen Bahn. (Archivbild) - Foto: Roberto Pfeil/dpa
Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn (DB) im Fernverkehr ist offenbar schlechter als vom Konzern ausgewiesen.
Das zeigt eine Auswertung des Start-ups Railwise im Auftrag des „Handelsblatts“ aus mehr als 180.000 Ankunftsdaten.
Demnach reichte es bei den ICE- und IC-Ankünften im April lediglich für eine Pünktlichkeit von 62,4 Prozent. Laut Mitteilung der Bahn waren es 64,4 Prozent.
Genauso wie die DB notierte Railwise lediglich Verspätungen ab sechs Minuten. Rechnet man Komplettausfälle hinzu, lag die tatsächliche Quote nur noch bei 58 Prozent.
Nordrhein-Westfalen schwer betroffen
Die Datenauswertung offenbart bemerkenswerte Unterschiede: In Bayern fiel die Pünktlichkeit in den vergangenen 30 Tagen bis zum 9. Mai mit fast 66 Prozent am höchsten aus.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen dagegen kam der DB-Fernverkehr auf eine Pünktlichkeitsquote von 50,2 Prozent. Acht der zehn verspätungsintensivsten Bahnhöfe befinden sich in NRW. Den höchsten Wert verzeichnete Minden, wo 61,2 Prozent der Fernzüge mit mehr als sechs Minuten Verspätung eintrafen.
Die Abweichungen der Railwise-Daten vom vorläufigen DB-Monatsbericht April seien nicht nachvollziehbar, sagte eine Konzernsprecherin auf Anfrage.
Die Messungen unterlägen strengen Qualitäts- und Plausibilitätsanforderungen und seien so ausgestaltet, dass sie den tatsächlichen Betrieb realistisch und nachvollziehbar abbilden, fügte sie hinzu.
Railwise bezieht die Daten direkt von der DB über die lizenzpflichtige Schnittstelle „Timetable“. (dts/red)
Siemens-Boss Roland Busch kündigte im Januar 2026 mehrere KI-Initiativen für die Industrie an. - Foto: Uncredited/Siemens/dpa
Siemens hat in der von Unsicherheit und Belastungen geprägten Weltlage solide Zahlen vorgelegt.
Zwar sank der Gewinn des Konzerns im zweiten Geschäftsquartal von Januar bis März um 8 Prozent, wie er mitteilt. Viele andere deutsche Unternehmen können von 2,2 Milliarden Plus unter dem Strich nur träumen. Zudem hatte Siemens vor einem Jahr noch von einem Sondereffekt profitiert.
Der Umsatz blieb trotz eines Verkaufs bei 19,8 Milliarden Euro stabil, der Auftragseingang stieg dagegen um 11 Prozent auf 24,1 Milliarden.
Bei allen Zahlen machten sich negative Währungseffekte bemerkbar. Wie stark sie auf das Ergebnis wirkten, beziffert Siemens nicht, bei Auftragseingang und Umsatz waren es dem Konzern zufolge aber 7 beziehungsweise 6 Prozentpunkte.
Digital Industries erholt sich
Vor allem Digital Industries konnte sich im zweiten Quartal weiter erholen. Die Sparte war lange Zeit die profitabelste im Konzern, hatte dann aber einige Zeit unter anderem wegen zu großer Lagerbestände bei den Kunden geschwächelt und den Abbau mehrerer tausend Jobs im Automatisierungsgeschäft angekündigt. Nun geht es wieder aufwärts: Das Ergebnis stieg von 634 Millionen auf 857 Millionen Euro.
Techniker bereiten humanoide Roboter am Siemens-Messestand auf der Hannover Messe 2026 am 20. April 2026 in Hannover vor.
Foto: Sean Gallup/Getty Images
Den höchsten Ergebnisanteil steuerte erneut Smart Infrastructure bei. Das Ergebnis dort sank aber um 20 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro – hier hatte der Vergleichswert aus dem Vorjahr allerdings den bereits erwähnten positiven Sondereffekt von mehr als 300 Millionen gehabt.
„Wir haben ein erfolgreiches zweites Quartal abgeliefert, trotz des weiterhin sehr anspruchsvollen geopolitischen Umfelds“, sagt Siemens-Chef Roland Busch. Siemens hat erst vor kurzem seine Prognose für das laufende Jahr erhöht. Diese Werte bestätigte der Konzern nun.
Zudem kündigte Finanzvorständin Veronika Bienert ein neues Aktienrückkaufprogramm an. In den kommenden fünf Jahren will Siemens bis zu 6 Milliarden Euro dafür einsetzen. (dpa/red)
Einige Windkraftanlagen stehen am 17. Juli 2023 bereits in der Nähe des bayerischen Dorfes Schnabelwaid. Nun sollen weitere im Waldgebiet folgen. - Foto: Christof Stache/AFP via Getty Images
In Kürze:
Lange Zeit leistete die bayerische Bürgerinitiative BIZEK Widerstand gegen einen geplanten Windpark.
Der Bau von elf neuen Windkraftanlagen ist dennoch in Vorbereitung.
Um das zu erreichen, war vonseiten der Behörden selbst viel Widerstand gegen die Bürgerinitiative nötig.
Auch andere Bürgerinitiativen gegen Windkraft erleben unterschiedliche Schwierigkeiten.
„Immer, wenn ich in den Kitschenrain gehe, laufe ich mit Tränen in den Augen durch den Wald. Ich möchte nicht wissen, wie alles nach der Fertigstellung aussieht“, teilte Karin Bauer, Hochschulsekretärin von der Uni Bayreuth, der Epoch Times mit.
Im Waldgebiet Kitschenrain, das rund 15 Kilometer südlich der nordbayerischen Stadt Bayreuth liegt, sollen elf neue Windkraftanlagen entstehen. Die Vorbereitungsarbeiten laufen bereits auf Hochtouren. „Ende 2025 wurde mit den Fällungen der Bäume begonnen“, schilderte Bauer. „Die Fällungen erstrecken sich über mehrere Kilometer – und das alles sieht sehr schlimm aus.“
Im Jahr 2010 erfuhren Bauer und ihre Mitstreiterin Rosemarie Ballwieser erstmals von den Plänen – damals sollten es noch 18 Windräder sein. Daraufhin bildeten sie mit anderen Anwohnern eine Bürgerinitiative, um das Projekt zu verhindern. Bauer ist allerdings keine Gegnerin der Energiewende. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Erneuerbare. Wir sind gegen Windräder im Wald – also den Standort“, schilderte sie ihren Standpunkt und den von der Bürgerinitiative BIZEK (Bürgerinitiative zum Erhalt des Kitschenrain).
Trotz Umfragen per Unterschriftenlisten mit – laut Bauer – teils „überwältigender Mehrheit gegen den Bau der Windräder“ und anderen Aktionen genehmigte letztlich das Landratsamt Bayreuth den Bau des Windparks Schnabelwaid.
Zwei Gegnerinnen der geplanten Windkraftanlagen im Wald, Karin Bauer (r.) und Rosemarie Ballwieser (l.), am 17. Juli 2023 in Schnabelwaid. Dort haben die Einwohner und die Gemeinde letztlich der Installation von Windkraftanlagen neben ihrem ländlichen bayerischen Dorf zugestimmt.
Foto: Christof Stache/AFP via Getty Images
Nach aktuellem Stand sollen im Kitschenrain elf Anlagen vom Typ Vestas V172 mit je 7,2 Megawatt (MW) Nennleistung entstehen. Die künftige Betreiberfirma ist Uhl Windkraft. In Summe kommt der Windpark auf eine Nennleistung von 79,2 MW. Uhl Windkraft datiert die Inbetriebnahme auf 2027.
Kein Einzelfall
In den vergangenen Jahren hat es hierzulande in zahlreichen Regionen solche konfliktreichen Situationen gegeben. Weil viele Bürger mit neuen Windkraftprojekten in ihrer Nähe nicht einverstanden waren, bildeten sich Hunderte Bürgerinitiativen.
Vor gut fünf Jahren kam die Recherchegruppe „Europäische-Energiewende-Community“ zu dem Ergebnis, dass die Anzahl der tatsächlich aktiven Bürgerinitiativen bei 290 liegt. Die genaue Zahl, wie viele Bürgerinitiativen gegen Windkraft heute existieren und wirklich aktiv sind, ist nicht bekannt.
Zum einen herrscht hier eine vollkommen dezentrale Struktur, gleichzeitig sind keine Kontrollmechanismen bekannt, die die Bürgerinitiativen erfassen. Die einzelnen Gruppen agieren gänzlich eigenständig.
Ob eine Bürgerinitiative aktiv ist, hängt maßgeblich vom Engagement der Mitglieder ab – und von der jeweiligen Situation vor Ort. Wenn sich bei der Planung für ein geplantes Windkraftprojekt nichts mehr tut oder der Widerstand erfolgreich scheint, flaut die Aktivität der Initiative meist ab.
Das war auch bei der BIZEK für knapp zehn Jahre der Fall. Nach Angaben von Bauer habe die Firma Uhl gegen Ende 2010 ihre Baupläne zunächst eingestellt. Auch der Bürgermeister vom Markt Schnabelwaid, Hans-Walter Hofmann, habe daraufhin per Brief der Regierung von Oberfranken mitgeteilt, die Windräder nicht mehr bauen zu wollen. Der Widerstand schien erfolgreich gewesen zu sein, BIZEK musste nichts mehr unternehmen – vorerst.
Im Juli 2020 erfuhr die Bürgerinitiative, dass es neue Pläne für die Windräder im Kitschenrain gebe. Die BIZEK trat daraufhin wieder in Aktion.
Die Vorgehensweise vieler Bürgerinitiativen entspricht dabei reiner Basisarbeit. Sie informieren zunächst sich selbst und anschließend ihre Mitmenschen über die jeweilige Situation vor Ort. Ebenso „äußern sie verstärkt bei den Politikern in Gemeinde- und Kreistagssitzungen ihren Unmut“. Das erklärte Thomas Lang von der Bürgerinitiative Für-sinnvolle-Energie im Landkreis Harburg und Sprecher von 25 Bürgerinitiativen.
„Maßnahmen der Bürgerinitiativen gibt es zu den Themen Schall, Ewigkeitschemikalien, Trinkwasserschutzgebiete, Naturschutz – Gefährdung von Insekten, Fledermäusen und Vögeln, Blinkfeuer, Schlagschatten und die Gefährdung durch Havarien wie Brand oder Bruch von Rotorblättern“, so Lang. Weitere häufig diskutierte Themen sind der Infraschall und der Wertverlust der Immobilien in der direkten Umgebung.
„Die Medien verbreiten diese Informationen leider nicht“, beklagte Lang. „Viele Medien sperren sich sogar, die von den Bürgerinitiativen übermittelten Daten und Presseberichte zu drucken, und tragen damit zur Desinformation ihrer Nutzer bei.“
Lang habe zudem beobachtet, dass viele Menschen bereits von der regionalen Politik der „Geheimhaltung“ enttäuscht wären. Deshalb würden die Menschen inzwischen wachsamer verfolgen, was in den Amtsblättern steht.
Ein Problem sei ebenfalls, dass die örtliche Presse „so gut wie keine Information“ über die Windkraftprojekte erhält und Informationsveranstaltungen selten sind. Laut Lang komme es zudem vor, dass mancherorts Flächennutzungspläne gar nicht erst geändert würden, „um die Einspruchsmöglichkeit der Bevölkerung zu unterbinden“.
Auf welche Widerstände stoßen die Bürgerinitiativen?
Während die Bürgerinitiativen meist engagierten Widerstand gegen die Windkraft in ihrer Nachbarschaft leisten, erfahren sie selbst ebenso Widerstand. Wie im Falle von BIZEK zeigt sich das in der Ablehnung von Unterschriftenlisten, Petitionen oder Bürgerbegehren durch Bürgermeister und Behörden.
Eine weitere Methode liegt im Bereich der Gegen-Informationsverbreitung. Während Bürgerinitiativen über die erwähnten Auswirkungen und Nachteile von Windkraftanlagen informieren, gehen die Gemeinden mancherorts ähnlich vor. Mit Informationsveranstaltungen und Hausverteilungen versuchen sie, die Zustimmung der Bevölkerung für das Windkraftprojekt zu gewinnen.
So verteilten die Behörden am Schnabelwaid im Februar 2022 einen eigenen zwölfseitigen Flyer an die Haushalte. Darin waren mehrere Punkte aufgeführt, die die Bürger vom geplanten Windprojekt überzeugen sollten. Unter anderem wurden Zuwächse in der regionalen Wertschöpfung genannt. Demzufolge prognostizierte die Firma Uhl für die Gemeinde einen Ertrag von rund 2 Millionen Euro über die Gesamtlaufzeit von 20 Jahren. Das seien Einnahmen zur freien Verfügung, ohne selbst ein finanzielles Risiko eingehen zu müssen. Zudem stuften die Behörden mehrere „Behauptungen“ der BIZEK als falsch ein.
In dem Streitfall gab ein Verwaltungsgericht 2023 der BIZEK recht, wie ein Protokoll belegt. Die lokalen Behörden mussten ein von der Bürgerinitiative beantragtes Bürgerbegehren zulassen.
Einen Monat später beschlossen der Bürgermeister und der Gemeinderat laut Bauer, gleichzeitig zum Bürgerbegehren ein Ratsbegehren durchzuführen. Damit hatten die Bürger drei Stimmen. Je eine für oder gegen das Ratsbegehren und den Bürgerentscheid und eine für eine Stichfrage, welches Begehren im Zweifelsfall zu bevorzugen sei.
Die Fragestellung beim Ratsbegehren im April 2023 zielte auf das Thema der Wasserversorgung in der Region ab. Dabei sei durch die Gemeindeverwaltung „insbesondere zu gewährleisten, dass die gemeindliche Trinkwasserversorgung aus den Quellen am Kitschenrain nicht gefährdet wird“.
Stimmzettel für das Ratsbegehren und den Bürgerentscheid.
Foto: BIZEK
Bauer zeigte sich ungläubig: „Wie kann jemand gewährleisten, dass die Trinkwasserversorgung beim Bau von Windrädern nicht gefährdet ist?“ Zudem habe ein im April 2022 fertiggestelltes Gutachten von einem Ingenieurbüro für Hydrogeologie und Umweltschutz darauf hingewiesen, dass die Windräder unter anderem die Quellen verunreinigen könnten.
Demnach sei „von einem sehr hohen Gefährdungspotenzial des Grundwassers bei Eingriffen in den Untergrund auszugehen“. Dieser Eingriff ist spätestens beim Fundamentbau gegeben.
Denkbar knappes Ergebnis
Das Ergebnis der Bürgerbefragung fiel nicht mehr so deutlich aus wie bei den Unterschriftenlisten. Für das Ratsbegehren haben 300 Schnabelwaider gestimmt, 260 stimmten dagegen. „Unser Bürgerbegehren wurde aufgrund eines Patts für ungültig erklärt und abgewiesen“, berichtete Bauer. Am Ende standen sich dort jeweils 277 Für- und Gegenstimmen gegenüber. „Wobei wir bei der Stichfrage um einige Stimmen vor dem Ratsbegehren lagen und damit die Wahl gewonnen hätten.“
Der regionale Planungsverband Oberfranken Ost stimmte in einer internen Abstimmung geschlossen für das Windkraftvorranggebiet im Kitschenrain. Dieses Ergebnis reichte schließlich, um dem Windpark Schnabelwaid grünes Licht geben zu können.
Die Firma Uhl berief sich bei unserer Anfrage nach der Berechtigung des Windparks auf das Ergebnis des Bürgerentscheids. „Die Mehrheit [hat] für die Weiterführung der Windparkplanung gestimmt“, so Dr. Matthias Pavel von der Firma Uhl. „Der Windpark wird also nicht gegen den Willen der Bevölkerung gebaut, sondern mit deren Unterstützung. Diese Unterstützung ist auch vor Ort spürbar.“
Zuletzt standen Anschuldigungen wie angebliche Bestechung im Zusammenhang mit dem geplanten Windpark gegen drei Personen im Raum. Einer der drei ist Bürgermeister Hofmann. Nach einer Untersuchung der Polizei sollen sich die Vorwürfe jedoch nicht bestätigt haben. Laut Medienberichten will Hofmann selbst rechtliche Schritte prüfen.
Widerstand trifft auf Widerstand – nicht nur im Kitschenrain
Auf reichlich Widerstand stieß auch die baden-württembergische Bürgerinitiative Pro-Heuchelberg e. V. Für den Höhenzug bei Heilbronn sind 13 Windkraftanlagen mit jeweils 250 Metern Gesamthöhe geplant. Wie Ingolf Weber, Vorstand der Bürgerinitiative, schilderte, war schon der Start der Bürgerinitiative schwierig. „Schon die Gründung als eingetragener Verein war ein kleiner Hindernislauf“, sagte er gegenüber Epoch Times. Weiter kritisierte er: „Pachtverträge, Abmachungen, Gutachten – alles wird behandelt, als handele es sich um Staatsgeheimnisse.“
Er fasst den Widerstand gegen die Bürgerinitiative zusammen: „Wir kämpfen nicht nur gegen Windräder, sondern gegen ein System, das Bürgerbeteiligung als Störung empfindet. Aber wir bleiben dran – weil Demokratie nicht funktioniert, wenn man sie nur dann zulässt, wenn sie bequem ist.“
Im Fall von Bauer am Kitschenrain scheint der Kampf gegen die Windmühlen verloren. Der Bau des Windparks Schnabelwaid befindet sich in Vorbereitung. Zu Trauer der Hochschulsekretärin über die Abholzungen gesellt sich nun eine Befürchtung: „Stehen erst einmal die Windräder, kommen immer noch welche dazu – wie auf der anderen Seite des Dorfes im Lindenhardter Forst.“
Studien nähren dies. In Gegenden, in denen bereits Windkraftanlagen stehen, akzeptieren Menschen sie eher als in Gegenden, in denen sich noch keine befinden.
Sir Simon Rattle, von Söder als „einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit“ gewürdigt. Der 71-Jährige prägt die Musikwelt seit Jahrzehnten. (Archivbild). - Foto: Chris J Ratcliffe/Getty Images
Der deutsch-britische Dirigent Sir Simon Rattle ist mit dem Bayerischen Maximiliansorden ausgezeichnet worden. Er erhielt die Ehrung am Donnerstag vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in München.
Rattle war von 2002 bis 2018 Dirigent der Berliner Philharmoniker und ist seit 2023 Leiter des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks.
Söder: Rattle ist einer der größten Künstler unserer Zeit
Söder würdigte Rattle als einen „der bedeutendsten Künstler unserer Zeit“. Der 71-Jährige präge die Musikszene seit Jahrzehnten durch Exzellenz und Nachwuchsförderung.
Der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst geht auf eine Gründung von König Maximilian II. aus dem Jahr 1853 zurück.
Nach einer längeren Unterbrechung wird er seit 1981 wieder regelmäßig verliehen. Maximal 100 lebende Menschen können gleichzeitig Ordensträger sein, nun sind es 95. (afp/red)
Eine Bank brachte die Ermittlungen ins Rollen. - Foto: Oliver Berg/dpa
Das Landgericht im bayerischen Kempten hat ein Ehepaar wegen Münzdiebstählen aus Parkautomaten im Millionenwert zu jeweils fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.
Schuldig gesprochen wurden der Mann und die Frau wegen Diebstahls in 317 Fällen, wie das Gericht mitteilte. Der Mann war beim städtischen Betriebshof für die Leerung kommunaler Parkscheinautomaten zuständig.
Die zuständige Kammer sah es als erwiesen an, dass er zwischen April 2015 und November 2025 er das Geld regelmäßig mit nach Hause genommen hatte.
Die Quittungen aus dem Automaten warf er weg. Teilweise übergab er das Geld an seine mitangeklagte Ehefrau. Die Münzen zahlte das Paar auf ihre Konten oder bei Münzautomaten in Supermärkten ein.
Da es beim Bauhof keine durchgehende Kontrolle der Quittungen aus den Automaten und keine Dokumentation über die fehlenden Schlüssel gab, fiel der Diebstahl laut Urteil lange Zeit nicht auf. Eine Bank brachte die Ermittlungen schließlich ins Rollen. Diese hatte wiederholt auffällige Geldeinzahlungen registriert.
Ein Teil der Taten war bereits verjährt. Das betraf den Zeitraum zwischen April 2015 und November 2020. In dieser Zeit hatte das Paar Münzgeld im Wert von mehr als einer halbe Million Euro gestohlen.
Allerdings muss es diesen Betrag trotzdem zurückzahlen. Zusammen mit den Beträgen aus dem nicht verjährten Zeitraum hat das Paar laut Urteil nun mehr als 1,9 Millionen Euro zurückzuzahlen.(afp/red)
Die Zahlen für das erste Quartal waren die letzten, die der scheidende BMW-Chef Oliver Zipse verantwortet. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Im letzten Quartal unter seinem scheidenden Chef Oliver Zipse hat BMW erneut einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Unter dem Strich verdienten die Münchner von Januar bis März knapp 1,67 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilt.
Das sind rund 23 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Im Vorjahresquartal galten die derzeitigen US-Zölle noch nicht. Die Zölle werden BMW auch im weiter laufenden Geschäftsjahr belasten, erwartet der Konzern – wenn auch etwas weniger als im Gesamtjahr 2025.
Auch der Umsatz schrumpfte – um 8,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro – unter anderem, wegen Währungseffekten und weil der Absatz um 3,5 Prozent auf 565.780 Autos sank.
Hier machte sich die Schwäche in China bemerkbar, unter der alle deutschen Hersteller leiden. Gute Geschäfte in Europa konnten dies nicht ausgleichen.
Rekord bei Auftragseingängen in Europa
Positiv sieht man bei BMW aktuell sehr starke Bestellungen in Europa. „Nie zuvor haben wir in Europa so viele Auftragseingänge erzielt wie in den ersten drei Monaten des Jahres“, sagt Konzernchef Zipse und betont: Man habe mit der Einführung der Neuen Klasse die richtige Entscheidung getroffen.
Insgesamt sieht er das Unternehmen „richtig aufgestellt, um auch unter herausfordernden Bedingungen nachhaltig erfolgreich zu sein“.
BMW will angesichts der aktuellen Entwicklung dennoch sparen – wenn auch ohne große Sparprogramme anzukündigen.
„Im wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld blicken wir stets auf die Kosten“, sagt Finanzvostand Walter Mertl. „Wir setzen an diversen Stellhebeln im Unternehmen an, und unser Kostenmanagement zielt auf nachhaltige Wirkung.“
Zipse ist noch bis zur BMW-Hauptversammlung am 13. Mai Konzernchef. Am 14. Mai übernimmt Milan Nedeljkovic – bislang ist er Produktionsvorstand, ein Amt das auch Zipse vor seinem Aufstieg an die Unternehmensspitze bekleidet hatte. (dpa/red)
«Welcome to Rose Barracks Vilseck», steht am Eingang zum US-Standort in der Oberpfalz. Das US-Verteidigungsministerium hatte angekündigt, rund 5.000 der etwa 39.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen. - Foto: Armin Weigel/dpa
Wer die Region rund um den Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern besucht, betritt ein wenig eine eigene Welt: Hier sind oberpfälzische und amerikanische Lebensart, Kultur, Sprache miteinander verwachsen.
Umso mehr beunruhigt die Nachricht von einem möglichen Truppenabzug aus der Kleinstadt Vilseck die Menschen – und auch den neuen Bürgermeister Thorsten Grädler. Sollten tatsächlich mehrere tausend Soldaten abgezogen werden, würde das „dramatische Auswirkungen“ haben, sagt der Kommunalpolitiker.
Die US-Regierung hat einen Teilabzug angeordnet, von 5000 Soldaten ist die Rede. Dass es Vilseck treffen solle, wisse er lediglich aus Medienberichten, so Grädler.
Offiziell bekannt sei dazu noch nichts. Es ist nicht das erste Mal, dass US-Präsident Donald Trump Truppen aus der Oberpfalz abziehen will. Die erneute Debatte treibt die Bürger um – ob im Café oder auf dem Supermarkt-Parkplatz ist die Ankündigung Thema.
Bürgermeister Grädler ist erst seit Freitag im Amt, und schon überschlagen sich die Ereignisse. Auch die mediale Aufmerksamkeit ist groß. Kamerateams sind in der Stadt unterwegs, der Rathaus-Chef gibt ein Interview nach dem anderen.
Der Abzug von so vielen Soldaten scheint hier unvorstellbar. Denn der Truppenübungsplatz Grafenwöhr, an dem Vilseck liegt, sei nicht nur der größte außerhalb der USA, sondern auch der modernste, sagt Grädler.
Er hofft, dass auf landes- und bundespolitischer Ebene alles getan wird, um den geplanten Abzug zu verhindern.
Wirtschaftliche Bedeutung
Für die Region habe die Präsenz des US-Militärs wirtschaftlich und gesellschaftlich eine enorme Bedeutung. Grädler spricht von einer Wirtschaftskraft in Höhe von ungefähr 650 bis 700 Millionen Euro pro Jahr.
Regionale Betriebe wie Baufirmen profitierten von dem Standort. Es gebe dort zudem rund 3.000 zivile Arbeitsplätze. Auch die Gastronomie, die Kfz-Werkstätten, die Einkaufsmärkte – alle seien ein Stück weit von den Amerikanern abhängig.
In der Kasernenanlage, den Rose Barracks, sind nach Angaben der Stadt rund 8.000 Soldaten stationiert, hinzu kommen etwa 12.000 Familienangehörige.
Insgesamt sind in Vilseck und Grafenwöhr samt Umland etwa 30.000 Soldaten und Familienangehörige angesiedelt. Der Wegfall von etwa der Hälfte der Menschen hätte gravierende Folgen.
Nicht nur wirtschaftliche Folgen, sondern auch zwischenmenschliche: „Das ist der dritte und mir persönlich der wichtigste Aspekt“, sagt Grädler. Die Amerikaner seien seit mehr als 80 Jahren in der Region.
„Und ich glaube, das kann ich behaupten, dass sich die Amerikaner bei uns immer sehr wohlgefühlt haben.“ Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr sei für die Soldaten ein „home away from home“.
Freundschaften und Vereinsleben
Die Amerikaner sind in der Region fest integriert. Es sind Freundschaften und Ehen entstanden. Beim Bäcker oder im Supermarkt hört man Englisch genauso selbstverständlich wie Oberpfälzer Dialekt.
„Die amerikanischen Kinder spielen in deutschen Fußballvereinen, die Amerikaner besuchen unsere Feste. Die Kirchweih beispielsweise oder das Ritterlager, das alle zwei Jahre auf der Burg stattfindet.“
Wirklich vorstellen können sich die Menschen nicht, dass Tausende Soldaten samt ihren Familien die Stadt verlassen müssen. „Wo sollen die denn hin“, fragt eine Anwohnerin. Das sei doch gar nicht so einfach, so viele Menschen umzusiedeln.
Der Bürgermeister dagegen fürchtet, dass es eben doch schnell gehen könne. Im Gespräch ist der Abzug des 2. Kavallerieregiments, der sogenannten Stryker-Brigade.
Die Stryker, also Radpanzer, könnten auf Züge verladen und abtransportiert werden. Die Truppen würden verlegt. Das könnte sehr schnell gehen, fürchtet Grädler. „Und das macht mir ein Stück weit Angst.“ Umso mehr hofft er, dass dieser Schritt abgewendet werden kann. (dpa/red)
Deutschlands Industrie reagiert mit verstärkter Forschung und Entwicklung auf die technologische Konkurrenz aus China und anderen Nationen. Die Unternehmen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Neuentwicklungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet als 2024. Das teilte die Münchner Bundesbehörde mit. Insgesamt stieg die Zahl der Patentanmeldungen um 4,7 Prozent auf 62.050.
Der Großteil – 42.349 Anmeldungen – stammte nach wie vor von heimischen Unternehmen, ein Plus von 5,6 Prozent. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es ein gutes Zeichen, dass der Schutz von Innovationen gerade für Unternehmen aus Deutschland weiter hohe Priorität hat“, erklärte DPMA-Präsidentin Eva Schewior. Ausländische Firmen reichten 19.701 Patentanmeldungen ein, das war ein niedrigerer Anstieg von 2,8 Prozent.
Die zehn Unternehmen mit den meisten Anmeldungen waren sämtlich Autohersteller und -zulieferer, darunter acht deutsche Firmen. An erster Stelle lag Bosch, gefolgt von Mercedes-Benz, BMW, Audi, VW, Porsche und Schaeffler. Auf den Plätzen acht und neun lagen die US-Konzerne General Motors und Ford, auf dem zehnten Platz dann mit dem Zulieferer ZF wieder ein deutsches Unternehmen.
Zahlenmäßig stärkster Technologiesektor war der Maschinenbau mit 24.338 in- und ausländischen Anmeldungen (+2,2 Prozent), gefolgt von der Elektrotechnik mit 19.436 (+ 9,1 Prozent).
Die alljährliche Bilanz des Patent- und Markenamts ist ein Indikator der Entwicklungstätigkeit der deutschen Industrie. Ein vollständiges Bild liefern die Zahlen nicht, da Siemens und manche anderen deutschen Unternehmen ihre Neuentwicklungen bevorzugt beim ebenfalls in München sitzenden Europäischen Patentamt einreichen.
Dass die deutsche Industrie nicht zuletzt wegen des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas mit einer grundlegend veränderten Situation zu kämpfen hat, lässt sich am deutlichsten in einem anderen Bereich der Statistik ablesen: den Markenanmeldungen. Deren Zahl schoss um knapp 20 Prozent auf 96.328 nach oben.
Ein Hauptgrund war, dass chinesische Unternehmen die Zahl ihrer Markenanmeldungen im Vergleich zu 2024 fast verdreifachten: von 3.385 auf 10.027. Der Hintergrund: Viele chinesische Firmen haben in den vergangenen Jahren Überkapazitäten aufgebaut und sind dringend auf Exporte angewiesen, um ihre Produktion abzusetzen. Da die US-Regierung unter Präsident Donald Trump chinesische Importe begrenzen will, drängen Unternehmen aus der Volksrepublik verstärkt nach Europa. So haben chinesische Firmen auf Kundensuche auch ihre Präsenz auf europäischen Industriemessen stark erhöht.
Für den Staat ist die Arbeit des Patentamts gewinnbringend: Die Behörde erwirtschaftete mit ihren Gebühren 2025 einen Überschuss von 232,6 Millionen Euro, 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. (dpa/red)