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Von Kaffee mit Gedächtnis bis neue Katze entdeckt

Fahrerlos in die Filiale

Rund 100 Meter trennen das Lidl-Zentrallager Edermünde und die Filiale an der Langen Heideteile südwestlich von Kassel. Für Aufmerksamkeit sorgt der Warentransport zwischen beiden Standpunkten dennoch: Seit Mitte September erfolgt dieser mittels Lkw ohne Fahrer und sogar ohne Fahrerhaus. 15 Paletten kann der dreiachsige, rund acht Meter lange und bislang auf 25 km/h begrenzte Lkw transportieren. Weitere Fahrzeugdaten nennen weder der schwedische Hersteller noch die Handelskette. Ganz ohne Fahrer geht es dennoch nicht. Gemäß aktuellen Auflagen begleitet ein „Local Operator“ den Lkw auf seiner rund 400 Meter langen Strecke in einem separaten Fahrzeug. Eine zweite Phase soll die Ausweitung auf eine weitere Filiale einschließen.

Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride haben den E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen gebracht.

Foto: Lidl

Ihr Kaffee hat ein Gedächtnis

Wer Kaffee zu lange stehen lässt, wird Zeuge eines unvermeidlichen physikalischen Prinzips: Wärme fließt von einem heißeren Körper – Ihrem Kaffee – zu einem kälteren – der Umgebung. Auf atomarer Ebene scheint diese universelle Regel nicht mehr so unumstößlich. Nicht nur kann Wärme zu einem heißeren Körper fließen, sondern sogar Informationen eines früheren Ereignisses tragen und somit eine Art Gedächtnis haben. „Wärme erinnert sich nicht wie wir an eine Person oder ein Ereignis“, erklärt Prof. Jianjun Dong von der Auburn University. „Seine Erinnerungen sind in mikroskopischen Bewegungen des Materials gespeichert.“ Während heißer Kaffee sich also weder Ihr Gesicht noch Namen merken kann, kann er vielleicht wissen, wie energisch Sie Ihre Tasse abgestellt haben.
Gesicht im Kaffee ist eine Form von Pareidolie

Eine Tasse Kaffee am Morgen kann erstaunliches leisten: die Stimmung aufhellen und eine Erinnerung bergen.

Foto: dmf87/iStock

Fehlendes Chromosom könnte Krebs begünstigen

Jede Zelle im männlichen Körper trägt normalerweise ein X- und ein Y-Chromosom. Besonders Immunzellen können letzteres im Alter einbüßen und, so eine neue Studie, eine „versteckte Zone genetischer Anfälligkeit“ für Krebs hinterlassen. Dr. Dan Theodorescu vom Krebszentrum der University of Arizona und sein Team analysierten rund 1.000 Gewebeproben von über 400 Männern. Dabei konnten sie den Verlust von Y-Chromosomen in „normal erscheinendem Gewebe neben Tumoren“ nachweisen. Gerade dies mache die Entdeckung so spannend, und sei womöglich „eines der frühesten Anzeichen sich bildender Tumore“, so der Medizinprofessor. Dies könnte eines Tages Ärzten helfen, Unregelmäßigkeiten in Biopsien zu erkennen, die kleine Tumore übersehen.

Liegt Nofretete hinter Tutanchamun?

Baustruktur und Malereien ließen Ägyptologen hinter dem Grab von Tutanchamun seit 2015 weitere Räume vermuten. Neue Untersuchungen verdichten diese Annahme und deuten auf verborgene Kammern und Gänge hinter einer Scheinwand hin. Diese könnten seit der Antike verschlossen und vor dem Tod Tutanchamuns entstanden sein. Erneut flammt damit die Hoffnung auf, dass dort das Grab von Nofretete – der Stiefmutter des jungen Pharaos – liegen könnte. Möglich ist auch, dass dort lediglich Lagerräume sind oder die potenzielle Grabkammer durch Sturzfluten gestört ist. Ob es weitere Untersuchungen geben wird und die Forscher mittels Bohrungen einen Blick hinter die Wand werfen dürfen, muss der Oberste Rate für Altertümer in Ägypten noch entscheiden.

Wilde Honigbienen auf Roter Liste

In Deutschland und der Schweiz würde das Summen wildlebender Honigbienen ohne Imkerei binnen eines Jahrzehnts gänzlich verstummen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Patrick Kohl von der Universität Hohenheim anhand der Analyse von 700 Nistplätzen in sieben europäischen Ländern. In Südostengland würden sich die Bestände alle zehn Jahre hingegen vervielfachen. Die Untersuchung bildet die Grundlage für die Aufnahme wildlebender Westlicher Honigbienen auf die Rote Liste der IUCN als „stark gefährdet“.

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“.

Foto: Samuel Ray/iStock

Alkohol aus dem Erdreich

Lignin ist der Baustoff der Natur, der Pflanzen Festigkeit verleiht, kann laut Forschern der Universität Heidelberg aber auch Methanol bilden. Nötig sei dafür lediglich Erde und Wasser. Konkret spalten reaktive Eisen-Sauerstoff-Verbindungen einzelne Methoxygruppen vom Lignin ab. Dieser Prozess ist bisher vor allem bei knapp 300 Grad Celsius, erhöhtem Druck und Wasserstoffumgebung bekannt. In der Natur genügen Zimmertemperatur, Normaldruck und Anwesenheit von Wasser, selbst nach mehreren Trockenzyklen. Biologisch aktivere Böden setzten weniger Methanol frei, vermutlich weil Mikroorganismen die Verbindung als Energiequelle nutzen. Was das für Umwelt und Materialwissenschaft – Lignin ist als Abfallprodukt der Papierindustrie ein vielversprechender alternativer Rohstoff – bedeutet, ist Gegenstand künftiger Forschung.

Fraß unsere Sonne eine Supererde?

Im Gegensatz zu vielen anderen Sonnensystemen besitzt unseres keine Supererde. Wieso das so ist, fragen sich Astronomen seit vielen Jahren. Eine mögliche These ist, dass sie in jungen Jahren von der Sonne verschlungen wurde. Der türkische Forscher Prof. Mutlu Yildiz von der Ege-Universität hält dies für möglich und vermutet, dass die Sonne noch immer Spuren ihres Mahles in sich tragen könnte. So würden die subtilen Veränderungen der inneren Struktur der Sonne und ihr geringer Lithiumgehalt für das Verschlingen eines Planeten mit dem 5- bis 10-Fachen der Erdmasse sprechen. Ein endgültiger Beweis dafür könne laut den Forschern jedoch nie erbracht werden.

250 Jahre versteckt

Leopardus tilcayo schleicht sich als erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren in den Stammbaum der Tigerkatzen. Ihr hellbraunes Fell mit dunklen, unregelmäßigen Rosetten ermöglicht beste Tarnung in den bolivianischen Bergwäldern – und erschwerte Forschern die Unterscheidung von vier artverwandten Katzen, die erstmals 1775 vom Thüringer Mediziner und Naturforscher Johann Christian Daniel Scheber (1739-1810) beschrieben wurden. Mit „Tilcayo“ übernehmen die Entdecker jenen Namen, den Einheimische seit Generationen für die Wildkatze verwenden.

Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien.

Künstliches Knie im Gehirn

Abtrieb aus künstlichen Gelenken lässt sich im Gehirn ihrer Träger nachweisen. In einer Autopsiestudie mit 701 verstorbenen Menschen fanden Forscher des Rush University Medical Center um Robin Pourzal erhöhte Konzentrationen von Kobalt, Titan und typischen Legierungen von Implantaten. Dass sich derartige Partikel im benachbarten Gewebe ablagerten, ist seit Jahren bekannt, neu ist, dass sie auch ins Gehirn gelangen. Welchen Weg sie dorthin nehmen, vermag die neue Studie dennoch nicht sagen. Unsicher ist ebenfalls, ob erhöhte Werte im Gehirn zu Demenz beitragen. Bei Kobalt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang, bei Titan schon. Dies lasse sich aber nicht eindeutig auf künstliche Gelenke zurückführen, weil Titanverbindungen unter anderem auch in Nahrung und Medikamenten vorkommen.

Burg in Universität gefunden

Lange suchten Historiker nach der verschollenen Burg Roebuck. Jetzt hat der irische Archäologe Tadhg O’Keeffe vom University College Dublin Hinweise gefunden: aber nicht in Form von Schriftquellen, sondern von Mauern. Tatsächlich war die Burg aus dem 13. Jh. nicht wie viele andere abgerissen, sondern neu aufgebaut und später als archäologisches Institut der Universität verwendet worden. Detaillierte Malereien des Baus aus dem Jahr 1765 machten es möglich, die unter dem Putz verborgen mittelalterlichen Strukturen wiederzuentdecken. Jetzt können Studenten ihre Zeit in dem einstigen Burghof verbringen, der heute der Innenhof ihrer Universität ist.

Zeichnung der Burg Roebuck von dem Maler Gabriel Beranger aus dem Jahr 1768.

Dicker ist besser

Moderne Batterien bestehen aus sehr vielen, sehr dünnen Schichten. Dabei wechseln sich Kathode und Anode sowie Stromleiter und Trennschichten ab. Dieser Aufbau ermöglicht hohe Leistungen, die vielen inaktiven Schichten benötigen jedoch ihrerseits Platz. Forscher um Dr. Oliver Fitz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Dicken einzelner Schichten „von bisher üblichen 100 bis 200 Mikrometer auf bis zu 800 Mikrometer“ vervielfacht, die Zahl nötiger Schichten reduziert und dadurch Material gespart. Auf demselben Bauraum und bei gleichem Gewicht wird so mehr Platz für aktives Material. Das erhöht die Energiedichte um rund 10 bis 15 Prozent. Obgleich die Fertigung auf einer „industrienahen Fertigungslinie“ erfolgte, sei weitere Forschung nötig.

Menschliche Zellen in Mäusen

Neurologische Erkrankungen sind schwer zu untersuchen, da das Gehirn komplex und sein lebendes Gewebe fast unzugänglich ist. US-amerikanische Forscher um Prof. Sergiu Pașca von der Stanford Medicine haben dennoch eine Möglichkeit gefunden. Dafür haben sie genetisch veränderte Mäuse erzeugt und ihnen funktionsfähige menschliche Hirnorganoide eingepflanzt. Danach wurden die Nager mit Sauerstoffmangel konfrontiert, der nachweislich zu neurologischen Schäden führt. Der Versuch zeigte funktionelle Einschränkungen bei den menschlichen Gehirnzellen, nicht aber bei normalen Mäusen, was auf die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns hindeutet. Künftig wollen die Mediziner mit dieser Methoden Epilepsie, Autismus und andere Krankheiten erforschen.

Für den Tierversuch wurden die Mäuse so genetisch verändert, dass der Großteil ihres Neokortex und Hippocampus nicht gebildet wurde.

Foto: JacobStudio/iStock

Schon gewusst? Heißes Eis im All

Bei Eis denken wir zunächst an gefrorene Würfel, die wir in ein kaltes Getränk geben. Doch auf den Gasplaneten Neptun und Uranus gibt es auch heißes, flüssiges Eis. Dieser nach irdischem Maßstab seltsame Zustand liegt an der immensen Hitze und des enormen Drucks. Dadurch sind Sauerstoffatome in einem festen Gitter gebunden, während Wasserstoffkerne wie eine Flüssigkeit frei durch sie hindurchfließen können, und sich sogenanntes superionisches Eis bildet.

Nicht alle Wege führen nach Rom

Verkehrstechnisch gilt Rom heute als Mittelpunkt des Römischen Reiches. Das haben dänische Forscher der Universität Aarhus widerlegt, indem sie 300.000 Kilometer des antiken Straßennetzes untersuchten. Dabei entdeckten sie, dass nicht alle Straßen gerade verliefen, sondern sich – wo nötig – der Landschaft anpassten und Provinzhauptstädte oft wichtige Knotenpunkte waren. Doch nicht Rom spielte eine dominierende Rolle, sondern die spätantike Hauptstadt Konstantinopel. Und noch etwas zeigte sich: Römische und heutige Ingenieure nutzten nicht selten die gleichen Strecken, sodass die moderne Infrastruktur wortwörtlich Parallelen zur antiken aufweist.

Rekonstruierter Verlauf der 299.171 Kilometer römische Straßen, die in der Studie untersucht wurden.

Foto: Pažout et al. (2026) | CC BY 4.0 ; Zuschnitt Epoch Times

Jahrelange Nachbeben nach Atomwaffentest

Nordkorea führte 2006 bis 2017 sechs unterirdische Kernwaffentests durch. Unmittelbar danach traten zahlreiche kleinere Erdbeben auf, die Spannungen und Einstürze im Untergrund zeigten, binnen Wochen jedoch abklangen. Am 2.205 Meter hohen Mantapsan nahm die seismische Aktivität hingegen bis 2025 zu. „Besonders bemerkenswert“ ist laut Prof. Kwang-Hee Kim von der Pusan National University, dass die „Erdbeben mit der Zeit eine zunehmend deutliche Verteilung entlang bestehender Störungen“ zeigten, was auf eine Reaktivierung der geologischen Bruchzonen durch die Sprengungen deute. Aufgrund unterschiedlicher Geologie lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf andere Testgelände übertragen, erfordern zugleich aber eine langfristige Überwachung – auch bei weniger intensiven Bodennutzungen.

Erster Riese Europas

Unser Kontinent ist um einen Dinosaurier reicher: Paläontologen haben in Spanien die fossilen Überreste eines Diplodocus entdeckt. Dieser gehört zu den Sauropoden, im Volksmund auch Langhälse genannt, und war bislang ausschließlich aus Fundstellen in den USA bekannt. Der 25 Meter lange Gigant wanderte vor 150 Millionen Jahren zwischen den heute voneinander getrennten Kontinenten Europa und Nordamerika umher. Die Fossilien sind derzeit im Dinosaurier-Saal des Museo Aragonés de Paleontología in Dinópolis bei Teruel, Ostspanien, öffentlich ausgestellt.

Künstlerische Darstellung eines Diplodocus.

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Blasenkrebs wird oft spät erkannt – diese Warnzeichen können früh auftreten

Blasenkrebs zählt in Deutschland zu den relevanten Krebserkrankungen des Harnsystems. Besonders bedeutsam ist, dass die Heilungschancen stark davon abhängen, wie früh der Tumor erkannt wird.
Viele Menschen nehmen an, Blasenkrebs beginne ohne erkennbare Zeichen. Tatsächlich kündigt er sich häufig durch unspezifische Beschwerden an, vor allem durch Blut im Urin, häufigen Harndrang oder Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.

Was sind die Symptome und Frühzeichen von Blasenkrebs?

Das häufigste – und oft erste – Symptom von Blasenkrebs ist Blut im Urin (Hämaturie). Die Farbe des Urins kann von blassrosa bis rauchig, rostfarben, leuchtend rot oder dunkelrot reichen.
Blut kann nur ein- oder zweimal auftreten, sodass es leicht übersehen oder auf andere häufige Erkrankungen zurückgeführt wird, wie beispielsweise eine Harnwegsinfektion oder postmenopausale Blutungen bei Frauen.
Diese Verwechslung verzögert oft die Diagnose, wodurch der Krebs in ein Stadium fortschreiten kann, in dem er schwieriger zu behandeln ist.
Weitere häufige Symptome sind unter anderem:
  • Schmerzen, Brennen oder Reizungen beim Wasserlassen
  • Plötzlicher Harndrang, auch wenn die Blase nicht voll ist
  • Häufigeres Wasserlassen als gewöhnlich
  • Nächtliches Aufwachen mit starkem Harndrang

Symptome einer fortgeschrittenen Erkrankung

Wenn der Blasenkrebs an Größe zunimmt oder sich über die Blase hinaus ausbreitet, kann er weitreichendere Symptome verursachen, darunter die folgenden:
  • Flankenschmerzen (Schmerzen an der Seite des Rückens, unterhalb der Rippen und oberhalb der Taille)
  • Bauchschmerzen
  • Knochenschmerzen oder Druckempfindlichkeit
  • Appetitlosigkeit oder unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Schwellungen in den Füßen
  • Anhaltende Müdigkeit
  • Unfähigkeit, Wasser zu lassen

Was verursacht Blasenkrebs?

Die Blase ist ein ballonförmiges Organ im Unterbauch, das Urin speichert, bis er ausgeschieden wird. Sie gehört zum Harnsystem, das außerdem die Nieren, die Harnleiter und die Harnröhre umfasst.
Blasenkrebs entsteht, wenn Zellen in der Blase unkontrolliert zu wachsen beginnen. Rund 90 Prozent der Fälle sind laut Untersuchungen sogenannte Urothelkarzinome, die aus den Zellen der Blasenschleimhaut hervorgehen. Da diese Zellen auch das Nierenbecken, die Harnleiter und die Harnröhre auskleiden, können Tumore auch in anderen Bereichen der Harnwege auftreten.
Seltener sind andere Formen wie das Plattenepithelkarzinom oder das Adenokarzinom.
Die genauen Ursachen von Blasenkrebs sind noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass bestimmte genetische Veränderungen das Risiko erhöhen können. Meist entstehen diese Mutationen (FGFR3, PIK3CA, KDM6A und TP53) im Laufe des Lebens und werden nicht vererbt. Auch Umweltfaktoren und krebserregende Stoffe können dazu beitragen.
Darüber hinaus können laut Studien einige vererbte Genvarianten (GSTM1, NAT2) sowie erbliche Erkrankungen wie das Lynch-Syndrom oder das Cowden-Syndrom das Risiko erhöhen.
Neben genetischen Faktoren spielen laut Untersuchungen auch Umwelt-, Gesundheits- und Lebensstilfaktoren eine Rolle, da sie die Blasenschleimhaut langfristig schädigen oder reizen können.

Diese Faktoren erhöhen das Blasenkrebsrisiko

Rauchen: Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs. Es erhöht das Erkrankungsrisiko um mindestens das Dreifache und ist möglicherweise für etwa die Hälfte aller Fälle verantwortlich. Die im Tabak enthaltenen Schadstoffe gelangen über das Blut in die Nieren, werden mit dem Urin ausgeschieden und kommen dabei direkt mit der Blasenschleimhaut in Kontakt. Nach dem Rauchstopp sinkt das Risiko allmählich.
Chemische Belastung: Bestimmte Industriechemikalien können das Risiko für Blasenkrebs erhöhen. Betroffen sind vor allem Menschen, die beruflich über viele Jahre mit chemischen Farbstoffen, Dämpfen oder Dieselabgasen in Kontakt kommen, etwa Maler, Drucker, Friseure, Feuerwehrleute oder Lkw-Fahrer. Da sich Blasenkrebs oft langsam entwickelt, können die Folgen einer solchen Belastung erst nach 30 bis 40 Jahren auftreten.
Arsenbelastung: Die Exposition gegenüber Arsen – aus natürlichen Quellen oder durch industrielle Kontamination – kann das Risiko für Blasenkrebs erhöhen. Arsen ist ein bekanntes Karzinogen, das die DNA schädigen, zelluläre Reparaturmechanismen beeinträchtigen und die Genexpression verändern kann.
Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel: Das Diabetesmedikament Pioglitazon wurde mit einem erhöhten Blasenkrebsrisiko in Verbindung gebracht, insbesondere bei höheren Dosierungen. Auch Nahrungsergänzungsmittel mit Aristolochiasäure, die in einigen traditionellen Heilpflanzen vorkommt, können das Risiko für Urothelkarzinome erhöhen, da sie DNA-Schäden in den Zellen verursachen können.
Chronische Blasenreizung und Infektionen: Lang anhaltende Harnwegsinfektionen, Nieren- oder Blasensteine, ein längerer Kathetergebrauch sowie parasitäre Infektionen wie Bilharziose wurden mit einem erhöhten Blasenkrebsrisiko in Verbindung gebracht, insbesondere mit Plattenepithelkarzinomen. Es wird angenommen, dass chronische Reizungen und Entzündungen der Blasenschleimhaut – sei es durch Infektionen, Steine oder Verletzungen – dazu beitragen.
Strahlenexposition: Die Exposition gegenüber Strahlung – einschließlich Strahlentherapie im Bauch- oder Beckenbereich, berufsbedingter Strahlenexposition oder Exposition durch nukleare Unfälle – erhöht das Risiko für Blasenkrebs.
Hoher Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch: Ein hoher Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch wird mit einem um etwa 20 Prozent erhöhten Blasenkrebsrisiko in Verbindung gebracht. Unverarbeitetes rotes Fleisch kann in Maßen jedoch wertvolle Nährstoffe wie Eiweiß, Eisen und Vitamin B12 liefern.
Geringe Wasseraufnahme: Eine zu geringe Wasseraufnahme kann das Risiko erhöhen, da regelmäßige Flüssigkeitszufuhr dazu beiträgt, die Blase zu spülen, und die Zeit verkürzt, in der schädliche Chemikalien mit der Blasenschleimhaut in Kontakt bleiben.
Entkoffeinierter Kaffee: Eine Studie aus dem Jahr 2025 mit mehr als 120.000 Teilnehmern ergab, dass Männer, die entkoffeinierten Kaffee tranken, ein signifikant höheres Risiko für Blasenkrebs hatten als diejenigen, die keinen tranken.
Opiumkonsum: Opium findet zwar medizinische Anwendungen zur Schmerzlinderung, wird aber auch illegal konsumiert und steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken.
Frühere Krebserkrankungen: Wer bereits an einem Urothelkarzinom, etwa Blasenkrebs, erkrankt war, hat ein erhöhtes Risiko für weitere Tumoren im Harntrakt. Zudem tritt Blasenkrebs laut Studien nach der Behandlung häufig erneut auf. Das Rückfallrisiko liegt bei 50 bis 80 Prozent.
Vorherige Chemotherapie: Bestimmte Chemotherapeutika, darunter Cyclophosphamid oder Ifosfamid, können die Blase reizen und das Blasenkrebsrisiko erhöhen.
Bestimmte angeborene Fehlbildungen: Seltene angeborene Fehlbildungen wie Urachusdefekte oder eine Blasenekstrophie können das Risiko für Blasenkrebs im späteren Leben erhöhen. Bei Urachusdefekten bleibt eine Verbindung zwischen Blase und Nabel bestehen, in der sich Zysten bilden oder bösartige Veränderungen entwickeln können. Bei einer Blasenekstrophie schließt sich die Blase während der Entwicklung im Mutterleib nicht vollständig. Dadurch liegt sie teilweise frei, was chronische Infektionen und langfristig auch das Krebsrisiko begünstigen kann.
Organtransplantation: Empfänger von Organtransplantaten benötigen immunsuppressive Medikamente, was zu häufigeren Blasenentzündungen führen kann, die mit einem höheren Risiko für Blasenkrebs verbunden sind.
Bestimmte demografische und nicht veränderbare Faktoren können das Blasenkrebsrisiko ebenfalls beeinflussen:
Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, wobei die meisten Fälle bei Menschen über 55 Jahren auftreten.
Geschlecht: Männer erkranken etwa dreimal häufiger an Blasenkrebs als Frauen.

Wie wird Blasenkrebs diagnostiziert?

Die Sterblichkeit durch Blasenkrebs sinkt seit Jahren. Experten führen dies vor allem auf eine frühere Erkennung und bessere Behandlungsmöglichkeiten zurück.
Vorsorge nur bei erhöhtem Risiko
Für Menschen mit durchschnittlichem Risiko werden routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen ohne Symptome in der Regel nicht empfohlen. Bei Personen mit erhöhtem Risiko können dagegen Urinuntersuchungen, Urinzytologie oder in Einzelfällen eine Zystoskopie sinnvoll sein.
Wie die Diagnose gestellt wird
Am Anfang stehen meist die Beschwerden des Patienten, eine körperliche Untersuchung sowie weitere gezielte Tests. Anschließend kommen je nach Verdacht bildgebende Verfahren und Gewebeuntersuchungen zum Einsatz.
Wichtige Untersuchungen
  • Zystoskopie: Untersuchung von Blase und Harnröhre mit einem dünnen, beleuchteten Schlauch; dabei können auch Gewebeproben entnommen werden.
  • Biopsie/TURBT: Entnahme und Analyse von Tumorgewebe, oft gleichzeitig erste Behandlung bei frühen Tumoren.
  • CT, MRT und Ultraschall: Dienen dazu, Tumore sichtbar zu machen und eine mögliche Ausbreitung des Krebses zu beurteilen.
  • Ureteroskopie: Untersuchung der oberen Harnwege, einschließlich Harnleiter und Nierenbecken.
Blut- und Urintests
Blutuntersuchungen liefern Hinweise auf die Funktion von Nieren und Leber. Urintests können Blut, Entzündungen, Krebszellen oder bestimmte Tumormarker nachweisen und helfen, andere Ursachen wie Harnwegsinfektionen auszuschließen.
Genetische Untersuchungen
Genetische Tests werden nur in ausgewählten Fällen empfohlen, etwa bei jüngeren Patienten oder wenn in der Familie gehäuft Blasen-, Darm- oder andere verwandte Krebsarten auftreten. Sie können vererbte Veränderungen aufdecken, die das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Was bedeuten Grad und Stadium?

Nach der Diagnose wird Blasenkrebs nach Grad und Stadium eingeteilt. Diese Einteilung hilft Ärzten, die passende Behandlung zu wählen und die Prognose abzuschätzen.
Der Grad beschreibt, wie stark sich die Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden. Niedriggradige Tumoren wachsen meist langsamer und breiten sich seltener aus.
Hochgradige Tumoren sind aggressiver, wachsen schneller und neigen eher zu Rückfällen oder Metastasen. Die meisten invasiven Blasentumoren sind bereits bei der Diagnose hochgradig.
Das Stadium zeigt, wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat. In Stadium 0 ist er auf die Blasenschleimhaut beschränkt, in Stadium 1 wächst er in das darunterliegende Gewebe ein.
Stadium 2 bedeutet, dass die Blasenmuskulatur betroffen ist, Stadium 3 eine Ausbreitung in umliegendes Fettgewebe oder benachbarte Organe. In Stadium 4 hat der Krebs entfernte Organe wie Lunge, Leber oder Knochen erreicht.
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung verschlechtert sich die Prognose deutlich: Die 5-Jahres-Überlebensrate sinkt von ungefähr 73 Prozent in Stadium 2 auf 9 Prozent in Stadium 4.

Was sind die möglichen Komplikationen bei Blasenkrebs?

Komplikationen bei Blasenkrebs können durch das Tumorwachstum selbst oder als Folge der Behandlung entstehen. Dazu gehören ein blockierter Harnabfluss, Blutungen, die Ausbreitung des Krebses auf andere Organe, wiederkehrende Infektionen sowie Nebenwirkungen von Operationen, Chemotherapie oder Bestrahlung. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
  • Anämie
  • Schwellung der Harnleiter aufgrund von Harnstau
  • Verengung der Harnröhre
  • Verlust der Blasenkontrolle
  • Erektionsstörungen bei Männern
  • Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen

Natürliche Maßnahmen und Lebensstil bei Blasenkrebs

Lebensstilentscheidungen können die allgemeine Gesundheit fördern, Behandlungsnebenwirkungen lindern und das Risiko eines Rückfalls verringern.

1. Ernährung

Eine spezielle Diät gegen Blasenkrebs gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung kann den Körper jedoch während der Behandlung und der Genesung unterstützen.
Eine Studie zeigte zudem, dass Menschen, die häufiger rohen Brokkoli verzehrten, seltener an Blasenkrebs oder anderen Ursachen starben. Für andere Obst- und Gemüsesorten wurde ein vergleichbarer Zusammenhang nicht beobachtet.
Bei Beschwerden während der Behandlung können folgende Maßnahmen helfen:
  • Verstopfung: Magnesiumoxid, magnesiumreiches Mineralwasser oder Flohsamen.
  • Muskelabbau (z. B. während einer Chemotherapie): ausreichend mageres Eiweiß.
  • Ausreichend trinken: Wasser und Kräutertees; die empfohlene Trinkmenge sollte mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
  • Übelkeit und Durchfall: mehrere kleine Mahlzeiten, leicht verdauliche und ballaststoffarme Lebensmittel sowie vorübergehend der Verzicht auf Milchprodukte, fettreiche und scharf gewürzte Speisen, Zucker, Koffein und Alkohol. Bananen, Brühe und Nüsse helfen, den Elektrolythaushalt zu unterstützen.
  • Ein metallischer Geschmack im Mund lässt sich oft durch Zitronen- oder Limettensaft beim Würzen der Speisen lindern.
Zur Vorbeugung von Blasenkrebs wird empfohlen:
  • viel Gemüse, insbesondere Blattgemüse, Brokkoli und Paprika
  • Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel
  • Fisch und Kreuzblütler
  • Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an den Vitaminen E, C und D
  • ausreichend trinken
Verarbeitete Fleischprodukte sollten möglichst gemieden und rotes Fleisch nur in Maßen verzehrt werden.

Lebensstil und Umwelt

Weitere Maßnahmen, die das Blasenkrebsrisiko verringern können:
  • mit dem Rauchen aufhören
  • ein gesundes Körpergewicht halten
  • beim Umgang mit schädlichen Chemikalien Schutzkleidung und Atemschutz tragen
  • Arzneimittel und pflanzliche Präparate mit Aristolochiasäure vermeiden
  • auf den Konsum von Opium verzichten
  • Harnwegsinfektionen frühzeitig behandeln und bei Nieren- oder Blasensteinen
  • ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen
  • unnötige Strahlenbelastungen möglichst vermeiden

Verringerung des Rezidivrisikos

Einige Hinweise deuten darauf hin, dass die Einnahme hoher Dosen bestimmter Vitamine und Mineralstoffe – darunter die Vitamine A, B6, C und E sowie Selen und Zink – dazu beitragen kann, das Rezidivrisiko zu senken.
Gleichzeitig kann eine hohe Zufuhr von synthetischer Folsäure das Rezidivrisiko bei nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs erhöhen, was darauf hindeutet, dass Patienten vorsichtig sein und sich bezüglich der Folsäurezufuhr von ihrem Arzt beraten lassen sollten.

2. Meditation und Achtsamkeit

Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, dass die Kombination einer Epirubicin-Chemotherapie mit achtsamkeitsbasierten Interventionen die Krebsversorgung verbessern kann, indem sie behandlungsbedingte Nebenwirkungen und psychische Belastungen bei Menschen mit Tumoren des Harnsystems verringert.
Meditation und Yoga können laut einer Studie die Lebensqualität von weiblichen Krebsüberlebenden verbessern, indem sie Stress abbauen und körperliche Symptome wie Müdigkeit und Schmerzen lindern.

3. Bewegung

Regelmäßige Bewegung kann die Lebensqualität von Menschen mit Blasenkrebs verbessern. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021, die 23 Studien auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität das Risiko für Blasenkrebs senken und zugleich die Überlebenschancen sowie die Lebensqualität verbessern kann.

4. Musik

Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit 160 Männern mit Blasenkrebs, die sich einer nachsorgeflexiblen Zystoskopie unterzogen, ergab, dass Teilnehmer, die mit geräuschunterdrückenden Kopfhörern Musik hörten, nach dem Eingriff deutlich weniger Angst verspürten und zufriedener waren und eine höhere Zufriedenheit sowie Bereitschaft zur Wiederholung des Eingriffs zeigten als diejenigen, die keine Musik hörten.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Bladder Cancer: Most Common Cancer of the Urinary System–Here Are the Warning Signs“. (deutsche Bearbeitung: vm)