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„JUST&MARRIED!” – Taylor Swift und Travis Kelce sind verheiratet

Seit Wochen wurde über die Hochzeit von Taylor Swift und Travis Kelce spekuliert – nun ist es offiziell: Die derzeit erfolgreichste Sängerin der Welt und der US-Football-Star sind verheiratet. Auf einer riesigen Leinwand am Madison Square Garden in New York, wo offensichtlich die große Hochzeitsfeier stieg, erschien am Freitagabend die Botschaft „JUST&T MARRIED!“ – wobei „T&T“ ganz klar für Taylor und Travis stand.
Die Hochzeit des Promi-Paares wurde auch von der Sprecherin von Swift bestätigt. Die Trauungszeremonie sei von Hollywood-Schauspieler Adam Sandler geleitet worden, teilte Tree Paine in New York mit. Trauzeuge der 36-jährigen Swift sei ihr Bruder Austin gewesen, beim gleichaltrigen Kelce habe diese Aufgabe sein Bruder Jason übernommen.

Zeremonie und Promi-Feier

„Die Zeremonie vereinte die beiden Familien und wurde von ihrem Freund Adam Sandler geleitet“, erklärte Swifts langjährige Sprecherin weiter. Sie ließ dabei offen, wann genau die Trauung stattfand. Stattdessen verbreitete sie Details zu Modefragen: Die Hochzeits-Outfits des Paares stammten demnach von Christian Dior, die Schuhe wurden eigens von Christian Louboutin angefertigt. Zudem trug die Braut Schmuck von Cartier. Aufnahmen von der Hochzeit wurden zunächst nicht verbreitet.
Die Erklärung der Sprecherin wurde genau zu dem Zeitpunkt veröffentlicht, als im Madison Square Garden in New York eine Mega-Party mit zahlreichen Prominenten stieg. Dabei handelte es sich nach Angaben der US-Presse um die Hochzeitsfeier des Paares. Für die Party fuhr am Freitag knapp drei Stunden lang eine abgedunkelte Limousine nach der anderen am Madison Square Garden vor.
Die Autos verschwanden in einem riesigen weißen Zelt, wo die meisten Gäste unerkannt für Außenstehende ausstiegen. Gesehen auf dem Weg zu der Party wurden die Filmstars Ethan Hawke, Hugh Grant, Bradley Cooper und Dakota Johnson sowie die Sänger Ed Sheeran und Benson Boone. Auch die Models Gigi Hadid und Karlie Kloss waren dabei. Insgesamt wurden laut US-Medien rund tausend Gäste zu der Hochzeitsfeier erwartet, darunter auch Spieler von Kelces Footballteam. Sie alle mussten demnach eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben und durften keine Handys mit zur Feier bringen.

Fans, Ablauf und Spekulationen

Während die Promis nach ihrer Ankunft schnell verschwanden, hielten viele Fans trotz Rekordtemperaturen von um die 40 Grad Celsius stundenlang in der Nähe der Arena aus, die von der Polizei weiträumig abgesperrt wurde. Vor allem Swifties, wie die Fans der Sängerin sich selbst nennen, waren gekommen.
„Ich bin seit 15 Jahre  ein Riesen-Fan von Taylor Swift“, erzählte Mayan Menahem. „Ich bin mir ihrer Musik aufgewachsen und total glücklich, bei ihrer Hochzeit in New York zu sein.“ Zusammen mit anderen Swifties stimmte die 31-Jährige Songs ihres Idols an. Später wurden die Wartenden aber von heftigem Regen und Sturmwarnungen vertrieben.
Unklar blieb zunächst, ob die Trauung wirklich am Freitag im Madison Square Garden stattfand. Die „New York Post“ hatte zuvor berichtet, das Paar habe bereits im Beisein einer „winzigen Gruppe“ von ihnen nahestehenden Menschen geheiratet – und feiere nun mit ihren Freunden nach.
Am Donnerstagabend hatte im Madison Square Garden laut Medien bereits ein Dinner mit etwa hundert Gästen aus dem engen Familien- und Freundeskreis des Brautpaares stattgefunden. Promi-Portalen zufolge bekamen die geladenen Gäste vom Brautpaar schwarze Samtschachteln mit den Initialen von Swift und Kelce und anscheinend mit Diamanten besetzten Sektflöten darin.
Am Freitag dann standen den Berichten zufolge zum Auftakt Begrüßungscocktails an, danach war eine Party bis spät in die Nacht geplant. Gerüchten zufolge sollten US-Musikerinnen und -musiker wie Stevie Nicks und Tim McGraw auftreten, die als enge Vertraute der Braut gelten. Auch die britischen Musik-Stars Ed Sheeran und Ex-Beatle Paul McCartney wurden als Stars auf der Bühne gehandelt. Das Magazin „Forbes“ schätzte die Kosten der Feierlichkeiten auf mehr als 20 Millionen Dollar.

Kritik und Reaktionen in New York

Der Rummel um die Promi-Hochzeit sorgte in New York allerdings nicht nur für Begeisterung. Die New Yorkerin Natalie Reed etwa sagte, in der Metropole sei wegen der Fußball-Weltmeisterschaft und der 250-Jahres-Feiern der USA ohnehin schon genug los. Polizisten sollten nicht auch noch „über Taylor Swift und die Leute, die zu ihrer Hochzeit kommen, nachdenken müssen“, kritisierte sie.
Taylor Swift gilt als die erfolgreichste Musikerin der Gegenwart. Die Gewinnerin von 14 Grammys dürfte mit einem geschätzten Vermögen von zwei Milliarden Dollar (1,75 Milliarden Euro) auch die reichste Musikerin sein. Ihr gleichaltriger Auserwählter Travis Kelce ist dreifacher Gewinner des Football-Finales Super Bowl. Sein Vermögen wird auf bis zu 90 Millionen Dollar geschätzt. (afp/red)
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Dramatische Rettungsaktion an Frankfurter Hochhaus

Es war ein besonderer und auch ein besonders gefährlicher Einsatz: Höhenretter der Frankfurter Berufsfeuerwehr haben zwei Fensterputzer aus einer defekten Arbeitsgondel aus 240 Metern Höhe gerettet – mit einer neuartigen Technik und bei starkem Wind, der die Retter selbst in Gefahr brachte.
„Der starke Wind hat die Rettungsarbeiten erheblich erschwert“, sagt Fabian Ommert, der den Einsatz leitete. Nach Einschätzung von Axel Manz, Ausbilder im Bereich Höhenrettung, handelte es sich bei dem Einsatz „um die höchste Rettung im urbanen Raum, die bislang in Deutschland durchgeführt wurde“.
Der Notfall trat am Donnerstag am Commerzbank-Tower in der Frankfurter Innenstadt ein. Das Gebäude gehört den zu höchsten und markantesten Gebäuden Frankfurts. Es hat 50 Etagen und misst mit seiner charakteristischen Antenne 300 Meter.

An der Akku-Seilwinde elf Stockwerke nach oben

In rund 240 Metern Höhe war der Fahrkorb einer Firma für Fassadenreinigung stecken geblieben. An Bord: zwei Fassadenreiniger. Laut Feuerwehr konnte der Korb aufgrund einer technischen Störung nicht mehr bewegt werden.
Um die Gebäudereiniger zu befreien, waren nach Angaben eines Sprechers 24 Feuerwehrleute im Einsatz, davon fünf speziell ausgebildete Höhenretter.
Über eine Seilwinde wurden die Männer einzeln elf Stockwerke nach oben gezogen und in Sicherheit gebracht. „Erstmals kam bei diesem Einsatz zudem eine erst kürzlich beschaffte Akku-Seilwinde zum Einsatz“, berichtet Feuerwehr-Sprecher Michael Rauch. „Sie trug wesentlich dazu bei, die Rettungsmaßnahmen zu beschleunigen.“

Korb wurde vom Wind von der Fassade weggedrückt

Denn es gab eine Komplikation: „Während der Rettungsarbeiten löste sich der in Führungsschienen laufende Fahrkorb durch starke Windböen aus seiner stabilen Position und wurde bis zu acht Meter von der Gebäudefassade weggedrückt“, so Rauch. „Anschließend schlug der Korb mehrfach gegen die Glasfassade zurück.“
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zwei Höhenretter im Fahrkorb. Die Kollegen waren in einer „hochkritischen Lage“, so die Feuerwehr. Dank der Akku-Seilwinde wurden sie nach oben gezogen und konnten die „akute Gefährdungslage unverletzt verlassen“, schilderte der Sprecher die dramatische Situation.

Gut vorbereitet dank Übungen vor Ort

Der Fahrkorb schwang nach der Rettung weiter im Wind. Einem Techniker der Betreiberfirma gelang es schließlich, den Korb sicher auf dem Dach abzustellen. Was dem Team half: Ortskenntnis.
Weil die Höhenretter regelmäßig am Commerzbank-Hochhaus üben, kannten die Einsatzkräfte die örtlichen Gegebenheiten und konnten auch auf diese Sondersituation gut reagieren.
Nach Angaben der Commerzbank werden die Fenster dreimal im Jahr gereinigt. Die Feuerwehr habe die Fassade nach der Bergung mit einer Drohne abgeflogen und keine Schäden festgestellt, so ein Sprecher der Bank. Die Feuerwehr bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Property-Management der Bank. (dpa/red)
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Gewalttat in Stade: Mehr als 620.000 Euro Spenden für Waisen

Nach den tödlichen Schüssen in Stade nehmen viele Menschen Anteil am Schicksal der Opfer – und dem zweier kleiner Kinder. Für die Drei- und Vierjährigen, deren Mutter getötet wurde und die bereits zuvor ihren Vater verloren hatten, kamen über die Spendenplattform GoFundMe binnen kurzer Zeit mehr als 620.000 Euro zusammen.
Zudem erhält der niedersächsische Migrationsbeauftragte nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung seiner Schwiegermutter in die Gewalttat Rückendeckung. Am Montag waren in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sechs Menschen getötet worden.

45-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft

Ein 45 Jahre alter Mann soll im Kontext eines Sorgerechtsstreites um seine kleine Tochter geschossen haben, vier Frauen und zwei Männer wurden brutal aus dem Leben gerissen. Darunter waren zwei Frauen und ein Mann aus dem Raum Hannover, die als Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Einrichtung waren.
Auch die 32 Jahre alte Mutter der beiden kleinen Kinder starb. Getötet wurden außerdem drei Beschäftigte der Stader Jugendhilfeeinrichtung, unter ihnen zwei Frauen und ein Mann.
Der tatverdächtige 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit soll während eines Gesprächstermins in der Einrichtung plötzlich mit einer mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschossen haben. Fünf Menschen starben am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus.
Spendenaufruf: „Ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen“
Nach Angaben der Spendenseite beteiligten sich bis Mittag über 24.000 Menschen an der Aktion. Dem Aufruf zufolge hatten die beiden Drei- und Vierjährigen wenige Wochen zuvor schon ihren Vater verloren.
„Am 9. Juni nahm die Familie Abschied vom Vater der Kinder. Nur 20 Tage später wurde auch ihre Mama viel zu früh aus dem Leben gerissen“, steht in dem Aufruf.
Auf der Spendenseite heißt es über die 32-Jährige: „Sie war eine außergewöhnliche Frau. Eine liebevolle Mutter, eine starke Persönlichkeit und ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen.“ Weiter heißt es dort: „Ihre eigenen Kinder waren ihr größter Schatz.
Sie waren ihr Stolz, ihre Freude und ihr Ein und Alles. Sie hat ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit geschenkt und alles dafür getan, dass es ihnen gut geht. Auch nach dem Verlust ihres Mannes blieb sie stark und kämpfte jeden Tag für ihre beiden Kinder.“

Kindern soll sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden

Mit dem Geld solle den Kindern ein möglichst sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden. Dabei gehe es um Versorgung, Betreuung, Bildung, mögliche therapeutische Unterstützung sowie Kosten rund um die Beerdigung. Wie der weitere Weg der Kinder aussehe, sei noch ungewiss.
Die Plattform GoFundMe teilte auf Anfrage mit: „Unser Team für Vertrauen und Sicherheit ist in Kontakt mit der Organisatorin, um sicherzustellen, dass die betroffene Familie beziehungsweise ein Vormund der Kinder als Spendenbegünstigte hinterlegt wird.“ So werde sichergestellt, dass alle gesammelten Gelder an die im Spendenaufruf genannten Menschen gingen.

Lies gibt dem Migrationsbeauftragten Rückendeckung

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterstützt den niedersächsischen Migrationsbeauftragten nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung von dessen Schwiegermutter in die Gewalttat: „Deniz Kurku hat richtig gehandelt, offen zu informieren, dass seine Schwiegermutter in das Geschehene verwickelt ist“, betonte der SPD-Politiker. „Ihn trifft selbst keine Schuld. Wir stehen an seiner Seite.“
Kurku hatte zuvor eine Stellungnahme veröffentlicht: „Unmittelbar, nachdem ich aufgrund von Medienberichten von der Betroffenheit meiner Schwiegermutter Kenntnis erhalten hatte, habe ich dieses den Ermittlungsbehörden und weiteren Stellen in meinem beruflichen Umfeld mitgeteilt“, ließ der Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe über einen Rechtsanwalt mitteilen.

Noch ist unklar: Wie viel wusste die Schwiegermutter?

Die Schwiegermutter des Migrationsbeauftragten soll am Steuer des Fluchtwagens gesessen haben, mit dem mutmaßlichen Schützen als Beifahrer. Die Polizei stoppte das Auto mit Schüssen.
Ob die 65-Jährige von den Plänen des mutmaßlichen Täters wusste und welche Rolle sie bei der Tat spielte, war nach Angaben der Ermittler zunächst unklar. Die Frau soll eine enge Verbindung zur Familie des Mannes haben. (dpa/red)
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WHO erklärt tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff für beendet

Der Hantavirus-Ausbruch ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beendet. Seit dem 25. Mai seien keine neuen Fälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ aufgetreten, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.

Drei Todesfälle, darunter eine Deutsche

Insgesamt seien mehr als 650 Kontaktpersonen in rund 30 Ländern identifiziert und beobachtet worden. Am Donnerstag sei die letzte Kontaktperson negativ auf das Virus getestet worden. Die Gesamtzahl der Infektionen liegt nach Angaben der WHO bei 13, darunter drei Todesfälle. Eine der Toten war eine Frau aus Deutschland.
Auch nach dem Ende dieses Ausbruchs werde die WHO weiter in der Hantavirus-Forschung aktiv bleiben, sagte Tedros. Die Organisation koordiniert eine internationale Studie zu dieser Krankheit. Dies werde bei der Entwicklung von Diagnosemethoden, Medikamenten und Impfstoffen helfen, sagte er.

Infektionen auf Atlantik-Kreuzfahrt

Auf einer in Argentinien begonnenen Kreuzfahrt des Schiffes „Hondius“ der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions hatten sich mehrere Menschen mit dem Hantavirus angesteckt. Es handelte sich um den südamerikanischen Andes-Typ. Das Andesvirus gilt als einziges Hantavirus, das vereinzelt auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Üblicherweise werden Hantaviren von Nagetieren übertragen, etwa durch Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.
Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren auf der „Hondius“. Wegen des Ausbruchs legte das Schiff im Mai an der Insel Teneriffa an, von wo aus die Menschen an Bord unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimatländer kamen. Schon vor Wochen hatte die WHO das Risiko für die breite Bevölkerung als gering bewertet und bekräftigt, dass keine Gefahr einer großen Ansteckungswelle oder Pandemie bestehe. (dpa/red)
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Können wir unsere Mitarbeiter zurückhaben? Warum Unternehmen ihre KI-Pläne überdenken

Die Revolution der Künstlichen Intelligenz führt möglicherweise doch nicht so schnell zum Verlust menschlicher Arbeitsplätze, wie manche befürchtet hatten. Steigende Rechenkosten, betriebliche Probleme und uneinheitliche Ergebnisse veranlassen einige Unternehmen dazu, ihren Kurs zu ändern und Mitarbeiter zurückzuholen.
Im frühen KI-Boom hatten viele Unternehmen aufgrund großer Versprechen zu Kosteneinsparungen Personal abgebaut – eine Entscheidung, die sich später oft als Fehler herausstellte.
Viele Branchenfachleute sind mittlerweile der Meinung, dass in Bereichen, in denen fundiertes Urteilsvermögen, Kreativität, Kundenkontakt und Qualitätskontrolle gefragt sind, Menschen weiterhin das Sagen haben müssen.

KI liefert nicht die versprochenen Ergebnisse

Neun von zehn Unternehmen würden ihre KI-bedingten Kündigungen überdenken. Das ergab eine Umfrage des Unternehmens CareerMind unter 600 Personalverantwortlichen, die in den vergangenen zwölf Monaten Entlassungen vorgenommen hatten.
Drei von vier befragten Personalverantwortlichen gaben an, dass ihr Unternehmen Mitarbeiter entlassen hat, weil technologische Fortschritte bestimmte Aufgaben und Zuständigkeiten übernommen haben. Nur 8,4 Prozent sagten, dass KI die erwarteten Ergebnisse tatsächlich erreicht hat.
„In den vergangenen zwölf Monaten haben wir einen deutlichen Anstieg von Unternehmen verzeichnet, die sich an uns wenden, nachdem sie die Einführung von KI-Tools ausgesetzt oder zurückgefahren haben“, erklärte James Calloway, Betriebsleiter (Chief Operating Officer) bei Stealth Agents, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

Bei Aufgaben, bei denen zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen, sind Menschen besser als KI.

Foto: Blue Planet Studio/iStock

Calloways Unternehmen bietet virtuelle Assistenten für Führungskräfte an. In diesem Bereich ist der Kostenunterschied zwischen menschlichen Mitarbeitern und KI-Agenten besonders groß.
„Ein E-Commerce-Kunde hatte Mittel für die Einführung eines KI-Kundenservices eingeplant. Dieser stellte fest, dass die Kosten für Lizenzen, Integration und die laufende Entwicklung von Prompts zwei- bis dreimal so hoch waren wie ursprünglich veranschlagt“, sagte Calloway. „Stattdessen stellte er zwei unserer remote arbeitenden Assistenten ein und senkte seine Kosten pro bearbeitetem Ticket um fast 40 Prozent.“
Weiter sagte Calloway: „Menschliche Mitarbeiter sind nach wie vor kosteneffizienter bei der Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, die Einfühlungsvermögen und Urteilsvermögen erfordert und bei Aufgaben, bei denen zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen, bei Arbeiten mit firmeneigenen Kontextinformationen, die nicht sicher in KI-Systeme von Drittanbietern eingespeist werden können, sowie bei allen Arbeitsabläufen, bei denen ein Fehler reale reputationsbezogene oder rechtliche Konsequenzen hat.“
Auch große Technologieunternehmen kamen zu dieser Erkenntnis. Im April sagte Bryan Catanzaro, Vizepräsident für angewandte Deep-Learning-Forschung bei Nvidia, gegenüber „Axios“:
„Für mein Team liegen die Rechenkosten weit über den Personalkosten.“
Nickle LaMoreaux, Senior Vice President und Personalvorstand (Chief Human Resources Officer) bei IBM, vertrat auf einem Gipfeltreffen des Wall Street Journal Leadership Institute im März die Auffassung, dass die Erweiterung von Aufgaben durch KI für das Unternehmenswachstum wichtiger sei als der vollständige Ersatz menschlicher Arbeitskräfte.
LaMoreauxs Aussage erfolgte nur wenige Wochen, nachdem IBM Pläne angekündigt hatte, die Zahl der Neueinstellungen auf Einstiegsebene zu verdreifachen. Auf die Frage, warum viele Unternehmen keinen ähnlichen Ansatz verfolgen, antwortete er: „Das liegt daran, dass sie in einer Produktivitätsmentalität verhaftet sind, anstatt eine Wachstumsmentalität zu verfolgen.“
Eine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) prognostiziert, dass 50 bis 55 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren durch KI „umgestaltet“ werden.

Besucher am 20. April 2026 am IBM-Messestand auf der Hannover Messe 2026 in Hannover, Deutschland. Auf der diesjährigen Messe liegt ein verstärkter Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz in der Industrie.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Unvorhergesehene Kosten

Jon Hill, CEO von The Energists, sagte, es sei ein weit verbreitetes Missverständnis, generative KI lediglich als „Software mit einer Abonnementgebühr“ zu betrachten. Er habe selbst erlebt, dass Enttäuschung über KI-Lösungen dazu führen könne, dass Unternehmen zuvor gestrichene Stellen wieder besetzen.
„Viele unserer Kunden haben generative-KI-Initiativen aggressiv vorangetrieben, weil sie glaubten, dadurch ihre Personalkosten senken zu können“, sagte Hill gegenüber der Epoch Times. „Doch wir beobachten zunehmend, dass diese Kunden wieder auf menschliche Mitarbeiter zurückgreifen, nachdem sie die tatsächlichen Kosten von KI-Systemen erkannt haben.“
Hill nannte beispielhaft ein Unternehmen, mit dem er zusammengearbeitet hatte und das einen Teil seiner Compliance-Berichterstattung und seines technischen Supports automatisieren wollte. Das Unternehmen stellte fest, dass die prognostizierten Einsparungen zwar zunächst vielversprechend erschienen, jedoch geringer ausfielen, sobald Kosten für Cybersicherheit, menschliche Überwachung und die Nutzung von Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) berücksichtigt wurden.
Der Kunde entschied sich, den Einsatz von KI auszusetzen, weil „menschliche Mitarbeiter verlässlichere Ergebnisse zu geringeren langfristigen Kosten lieferten“, so Hill.
Hill erklärte weiter, es gebe zahlreiche Kosten, die Unternehmen leicht übersehen könnten. Allein die Kosten für Cloud-Rechenleistung könnten je nach Nutzung „einen sechs- bis siebenstelligen Jahresaufwand“ verursachen.

Am 3. März 2025: Besucher während des Mobile World Congress in Barcelona, Spanien, in einem KI-Rechenzentrum bei SK Networks. Eine Umfrage vom Februar bei Personalmanagern ergab, dass neun von zehn Firmen Kündigungen im Zusammenhang mit KI noch einmal überdenken.

Foto: Manaure Quintero/AFP via Getty Images

Der von seinem Team eingesetzte KI-Content-Assistent habe sich letztlich als kostspielig und ineffizient erwiesen, sagte Matt Baharav, CEO von MKB Media Solutions, gegenüber der Epoch Times.
„Im letzten Quartal haben wir beschlossen, keinen automatisierten KI-Content-Assistenten mehr für unsere Akquisemaßnahmen zu nutzen. Wir haben erkannt, dass die Software wirkungslos war“, so Baharav. „Das Unternehmen, das wir beauftragt und dem wir monatlich mehrere tausend Dollar gezahlt hatten, stellte uns Lizenzkosten in Rechnung und zwang mein Team zudem dazu, unzählige Stunden damit zu verbringen, die von ihrem Tool erstellten allgemeinen Textabschnitte umzuschreiben.“

Die Deepseek-App am 31. März 2026 in Kiew, Ukraine. Nach dem rasanten Vormarsch der KI-Einführung in der Industrie holen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück an den Arbeitsplatz.

Foto: Oleksii Pydsosonnii/The Epoch Times

Baharav sagte, er habe gelernt, dass „ein guter Autor kostengünstiger ist als ein teurer automatisierter Inhaltsassistent“. Das gelte besonders bei komplexer Kommunikation. „Wir haben die Software komplett abgeschafft und die Mittel wieder in die Einstellung kompetenter, kluger Autoren investiert“, sagte er.
80 bis 85 Prozent der Unternehmen haben ihre Prognosen für die KI-Infrastruktur um mehr als 25 Prozent verfehlt. Das besagt eine Analyse der Tech-Ausgaben-Tracker Mavvrik im Bericht „State of AI Cost Management 2025“ . Gleichzeitig meldeten 84 Prozent aufgrund falsch kalkulierter KI-Kosten einen „erheblichen Rückgang der Bruttomarge“.

Luxuskomponente

Marcus Mossberger vertritt die Auffassung, dass KI ihre eigene Nische in der Arbeitswelt finden könne – solange es sich nicht um Situationen handelt, die besser durch menschliches Urteilsvermögen bewältigt werden. Mossberger ist Leiter der Marktstrategie (Chief Market Strategy Officer) bei der Workforce-Intelligence-Plattform LYTIQS.
„Das Personalwesen ist ein gutes Beispiel dafür, dass KI genutzt werden kann, um transaktionsbezogene Fragen wie ‚Wie hoch ist die Selbstbeteiligung bei meiner Krankenversicherung?‘ zu beantworten, nicht jedoch für persönlichere Anliegen wie ‚Was soll ich tun, wenn mir ein Kollege Unbehagen bereitet?‘“, so Mossberger.
Einige Unternehmen würden sich vermutlich zu stark auf KI verlassen und dabei eine harte Lektion lernen. Seiner Ansicht nach könnten die Konsequenzen gravierender sein als lediglich die Notwendigkeit, neue Mitarbeiter einzustellen.
„Ich glaube tatsächlich, dass die größte versteckte Kostenstelle im Zusammenhang mit der Einführung generativer KI die Zerstörung des Vertrauens zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist. Und seien wir ehrlich: Das war ohnehin nicht gerade ein Bereich, in dem wir besonders stark waren“, sagte Mossberger.

Die Büros im neuen Hauptsitz von Amazon Deutschland am 16. April 2026 in München. Im Januar entließ Amazon weltweit 16.000 Mitarbeiter. Diese Entlassungen sind Teil einer mehrjährigen Entlassungswelle, die unter anderem durch den KI-Einsatz ausgelöst wurde.

Foto: AFP via Getty Images

Fleißige Beschäftigte müssten mit ansehen, wie Arbeitgeber Milliarden in KI-Infrastruktur investieren, während gleichzeitig Kollegen entlassen werden und von ihnen erwartet wird, bei der Einarbeitung ihres eigenen KI-Ersatzes mitzuwirken. „Wenn Sie glauben, dass genau diese Menschen sich freiwillig über das normale Maß hinaus engagieren und innovative Risiken eingehen, um Ihr Unternehmen voranzubringen, irren Sie sich gewaltig“, so Mossberger weiter.
Er prognostiziert, dass Unternehmen gezwungen sein werden, das Vertrauen in ihre Marke wiederherzustellen und gleichzeitig neue Mitarbeitende einzuarbeiten. Mossberger geht davon aus, dass sich viele der Menschen, die in der Anfangsphase des KI-Booms entlassen wurden, weigern könnten, zurückzukehren.
Die Rückkehr eines Arbeitnehmers zu demselben Unternehmen, das ihn ursprünglich entlassen hat, wird als „Bumerang-Mitarbeiter“ bezeichnet.
Für den CEO von MKB Media, Matt Baharav, hat sich die Entscheidung, den Menschen in den Vordergrund zu stellen, ausgezahlt. „Bis heute haben wir dadurch tatsächlich Geld gespart“, sagte er.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Can We Have Our Humans Back? Why Some Companies Are Rethinking AI“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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Wunderrettung in Venezuela: „In den dunkelsten Momenten gab mir mein Sohn Hoffnung zu leben“


In Kürze:

  • Mutter und Neugeborenes überleben 32 Stunden unter Trümmern
  • Rettung nach Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5
  • Tausende Tote und Vermisste in Venezuela

 
Das verheerende Erdbeben in Venezuela Ende Juni hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Während die Zahl der Todesopfer und Vermissten weiter steigt, gibt es nur wenige Geschichten, die Hoffnung vermitteln. Eine davon ist die Rettung der jungen Mutter Dayana Patiño und ihres erst 18 Tage alten Sohnes Juan David.
Die beiden wurden beim Einsturz ihres Wohnhauses unter den Trümmern verschüttet, konnten jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Opfern lebend gerettet werden. Fast 32 Stunden harrten sie unter Beton und verbogenem Metall aus, bevor Rettungskräfte sie schließlich bargen.
Ihre Rettung am Abend des 25. Juni in La Guaira gilt als Symbol der Hoffnung – inmitten einer Katastrophe, deren Opferzahl weiter steigt.

Überleben inmitten des Chaos

Das Drama begann, als Dayana in ihrer Wohnung im achten Stock gerade den Abwasch erledigte. Um 18:04 Uhr erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,2 die Region. Nur 39 Sekunden später folgte ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,5.
Das Wohnhaus stürzte teilweise ein und begrub die junge Mutter und ihr Neugeborenes unter einer gewaltigen Masse aus Beton und verbogenem Metall. Während Sirenen heulten und verzweifelte Rufe die Straßen von La Guaira erfüllten, begann für Anwohner, örtliche Rettungskräfte und internationale Helfer ein Wettlauf gegen die Zeit, um Überlebende zu finden.
In einem Bericht der französischen Zeitung „Le Parisien“ schildert Dayana Patiño die Stunden unter den Trümmern, in denen sie glaubte, sterben zu müssen. Eingeklemmt in einer kleinen Luftblase wusste sie nicht, ob ihr Sohn noch am Leben war.
Nach ihren Worten gab ihr Juan David die Kraft, durchzuhalten. Jede Bewegung und jedes Stöhnen des Babys wurden für sie zu einem Zeichen der Hoffnung in der Dunkelheit und im Staub. „Selbst in den dunkelsten Momenten gab mir mein Sohn die Hoffnung zu leben“, sagt sie. Währenddessen arbeiteten sich die Rettungskräfte Meter für Meter durch die Trümmer, um Mutter und Kind zu erreichen.

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Bewegende Rettung in La Guaira

Von Internetnutzern verbreitete und von mehreren Medien veröffentlichte Bilder zeigen den bewegenden Moment der Rettung: Einsatzkräfte bergen den in eine Decke gewickelten Säugling aus den Trümmern und reichen ihn von Hand zu Hand aus dem klaffenden Loch, das der Einsturz des Gebäudes hinterlassen hatte.
Zunächst wurde das Baby gerettet, rund eine Stunde später konnten die Helfer auch die Mutter lebend aus den Trümmern bergen.

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Weitere Videos zeigen, wie die Mutter mit Verletzungen an den Beinen auf eine Trage gehoben wird, während medizinische Einsatzkräfte sie noch vor Ort versorgen und ihren Zustand stabilisieren.
Nach ersten medizinischen Einschätzungen, über die die BBC berichtete, befinden sich sowohl Dayana Patiño als auch ihr Sohn in einem stabilen Zustand. Beide konnten inzwischen wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden.

Ein „Wunder“ eines schwer getroffenen Landes

Diese Rettung ereignete sich vor dem Hintergrund einer nationalen Katastrophe. Nach Angaben von Jorge Rodríguez, Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, kamen bei den Erdbeben inzwischen 2.295 Menschen ums Leben. Zudem wurden 11.267 Verletzte registriert. Die aktualisierten Zahlen gab Rodríguez am 2. Juli in einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Lagebesprechung bekannt.
Am Strand von Los Cocos, ebenfalls im Bundesstaat La Guaira, zeigen Luftaufnahmen das Ausmaß der Zerstörung: Ganze Reihen eingestürzter Gebäude und stark beschädigte Bauwerke prägen das Bild der Küstenregion.
Zwischen den Trümmern sind Einsatzkräfte weiterhin im Einsatz. Sie durchsuchen die Ruinen noch Tage nach den Erdbeben systematisch nach möglichen Überlebenden und bergen zugleich die Toten aus den eingestürzten Strukturen.

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Inmitten der Trümmer wird die Rettung von Dayana Patiño und ihrem Baby von Medien und religiösen Vertretern als „Wunder“ bezeichnet und steht stellvertretend für die wenigen Überlebensgeschichten, die aus der Katastrophe hervorgehen.
Rettungskräfte äußern sich deutlich zurückhaltender. Für sie zeigt die Rettung einerseits, dass die Zusammenarbeit zwischen lokalen und internationalen Teams funktioniert, andererseits aber auch, wie groß die noch bevorstehenden Aufgaben sind. Nach wie vor gelten rund 50.000 Menschen als vermisst, zudem besteht durch instabile Gebäude weiterhin Einsturzgefahr.
Ein von „Euronews“ zitierter Rettungsleiter sagte: „Jedes gerettete Leben zählt, aber wir wissen, dass viele Familien noch immer auf Nachrichten von ihren Angehörigen warten.“ Er rief dazu auf, die Suche trotz Erschöpfung und hoher Risiken konsequent fortzusetzen.
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Shen Yun in Toronto: Zwischen Drohungen, Politik und dem finalen Applaus

Als sich am Abend des 28. Juni im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto zum letzten Mal in dieser Saison der Vorhang für Shen Yun hob, schloss sich ein Kreis, der Ende März mit einer Bombendrohung begonnen hatte. Seitdem stand unausgesprochen die Frage im Raum, ob sich eine Bühne in einem freien Land per E-Mail aus der Ferne lahmlegen lässt.
Am 29. März schien genau das zu geschehen. Eine Stunde vor einer Nachmittagsvorstellung erreichte das renommierte Theaterhaus eine Drohung: Im Gebäude sowie am Parlamentshügel seien Sprengsätze platziert. Rund 2.000 Menschen wurden daraufhin aus dem Saal gebracht. Die Polizei rückte an und durchsuchte das Gebäude, stufte die Drohung jedoch als unbegründet ein. Dennoch sagte das Four Seasons Centre die Vorstellung ab. Zwei Tage später wurden unter Verweis auf „eskalierende Drohungen“ auch die übrigen fünf Aufführungen gestrichen. Damit blieb für fast 10.000 Ticketinhaber unklar, ob und wann die Vorstellungen stattfinden würden.
Nach Angaben der Veranstalter war Toronto der erste Fall, in dem eine solche Drohung tatsächlich zur Absage von Shen-Yun-Aufführungen führte. Die 2006 in New York von chinesischen Künstlern gegründete Kompanie war in den vergangenen zwei Jahren über 150-mal Ziel ähnlicher Falschdrohungen, ohne dass es an einem anderen Ort zu Absagen kam – weder in Washington noch in Paris noch in Berlin. Nur in Toronto hatte die Drohung Konsequenzen.

Programm und kultureller Hintergrund von Shen Yun

Wer den Trubel um Shen Yun verstehen will, muss einen Blick ins Programm werfen. Die Kompanie zeigt nach eigenen Angaben ein „China vor dem Kommunismus“: 5.000 Jahre Kultur, klassischen chinesischen Tanz, Legenden und historische Szenen, begleitet von einem Orchester, das chinesische und westliche Instrumente verbindet. Ergänzt wird das durch animierte Bühnenbilder, in denen die Tänzer scheinbar zwischen Himmel und Erde wechseln.
Dargestellt wird ein China, das älter ist als die Volksrepublik: geprägt von Dynastien, Mythen, moralischen Erzählungen und religiösem Glauben. Genau darin liegt auch der Konfliktpunkt mit Peking. Shen Yun präsentiert ein China ohne Parteiparolen, ohne Mao-Kult und ohne kommunistische Ideologie – und verweist zugleich auf die Verfolgung der spirituellen Gruppe, die das Regime seit Jahren aus dem öffentlichen Leben verdrängen will.
Screenwriter Peter Campbell enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Drehbuchautor Peter Campbell bei Shen Yun im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Erfahrung des Publikums und persönliche Geschichte einer Falun-Gong-Praktizierenden

Wie der Abend beim Publikum ankam, beschrieb der Drehbuchautor Peter Campbell, der die letzte Vorstellung besuchte: „Es ist großartig, vom ersten Moment an. Sobald sich der Vorhang hebt, ist es schön – ich habe jede Sekunde geliebt.“ Besonders beeindruckt habe ihn die Kombination aus Tanz und animierten Bühnenbildern, durch die die Darsteller scheinbar aus der Projektion heraustreten und wieder in sie hineingehen. Campbell weiter: „Der Hintergrund ist mehr als nur ein Hintergrund.“
Die meisten der Künstler praktizieren Falun Gong, eine spirituelle Disziplin, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert und in China seit 1999 verfolgt wird. Für Nancy Zhang, die Moderatorin des Shen-Yun-Ensembles, das ursprünglich in Toronto auftreten sollte, ist diese Verfolgung keine abstrakte Geschichte. Sie war acht Jahre alt, als ihre Eltern nach der Arbeit nicht nach Hause kamen. Beide waren verhaftet worden, weil sie Falun Gong praktizierten. Der Vater wurde in ein Umerziehungslager gebracht und die Mutter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. „Für ein Kind wird diese Art von Angst normal“, sagte sie später, „aber so sollte das nicht sein.“
Dass sie diese Angst nun auch im Ausland wieder erlebt – wenn auch nicht durch direkte staatliche Repression, sondern durch Drohungen gegen Theater, Veranstalter und Publikum –, empfindet sie als besonders beunruhigend. Ihre Frage zielt auf einen größeren Zusammenhang ab: „Wenn wir nicht einmal in Übersee frei sprechen können, verwandelt sich dann nicht der Westen in China?“
Nancy Zhang, ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen Yun Ensembles. Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Nancy Zhang ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen-Yun-Ensembles und weiß, was Verfolgung in einem kommunistischen Land wie China bedeutet.

Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Internationale Einflussnahme und politische Reaktionen auf Shen Yun

Kanada behandelt solche Vorgänge inzwischen als Sicherheits- und Demokratiethema. Im Hintergrund steht der lange Arm eines autoritären Staates: Druck auf Exilgruppen, Drohungen gegen Kritiker, Überwachung von Diaspora-Gemeinschaften, Desinformation und diplomatische Interventionen. Bei Shen Yun führte diese Strategie zu einem Theaterabend mit evakuiertem Saal. Dieselbe E-Mail-Adresse, die das Four Seasons bedrohte, ging auch an das Theater in Vancouver. Die dortige Cybercrime-Einheit verortete eine mit dem Konto verknüpfte Telefonnummer in China. Schon im letzten Jahr hatten taiwanische Ermittler eine ähnliche Drohung in die nordchinesische Stadt Xi’an zurückverfolgt, in die Nähe einer Forschungseinrichtung des Konzerns Huawei.
Der sichtbarste politische Hinweis kam jedoch nicht aus einer E-Mail, sondern aus einem Sitzungszimmer: In Vancouver trafen sich Vertreter des chinesischen Konsulats mit einem städtischen Mitarbeiter und sprachen über Shen Yun. Quellen zufolge hätten die Diplomaten eine Absage der Aufführungen gewünscht; die Stadt erklärte dagegen, es habe keinen Druck gegeben, musste später jedoch Teile ihrer Darstellung korrigieren. Shen Yun spielte in Vancouver schließlich dennoch.
Auch in Deutschland ist Shen Yun bereits zum Gegenstand chinesischer Intervention geworden. Schon im Februar 2014 versuchte ein Vertreter der chinesischen Botschaft, einen Auftritt in Berlin zu verhindern. Jörg Seefeld, der damalige Leiter der Eventabteilung des Stage-Theaters am Potsdamer Platz, schilderte, wie der Diplomat zunächst Interesse am Haus zeigte und anschließend fragte, ob sich der Vertrag mit der Kompanie nicht annullieren lasse; stattdessen könnten politisch unbedenkliche Ensembles vermittelt werden. Seefelds Antwort fiel knapp aus: „Ich bin aus der DDR. Bei den Chinesen ist es wie damals bei unseren Machthabern: Die haben Angst.“ Die Aufführung fand dennoch statt – ebenso wie 2026 in der Deutschen Oper Berlin.
Die Bundesregierung hat die Verfolgung von Falun Gong wiederholt thematisiert. Die Menschenrechtsbeauftragte Bärbel Kofler erklärte zum 20. Jahrestag der Kampagne, China gehe „mit äußerster Härte“ gegen die Bewegung vor, und forderte Peking zur Einhaltung der Menschenrechte auf.
Dass Shen Yun im Juni im Four Seasons Centre auftreten konnte, war das Ergebnis von Gesprächen, öffentlicher Unterstützung und politischer Rückendeckung. Die Veranstalter verhandelten, Abgeordnete setzten sich für Nachholtermine ein und Bürger wandten sich mit Petitionen und Briefen an die Verantwortlichen. Das Theater setzte schließlich fünf Vorstellungen neu an, dieses Mal mit Metalldetektoren, Spürhunden und verstärkter Polizeipräsenz.
Tammy Peterson enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Allen Zhou/The Epoch Times

Die Podcasterin Tammy Peterson sah Shen Yun im Four Seasons Center for the Performing Arts in Toronto, Kanada.

Foto: Allen Zhou/The Epoch Times

Abschluss der Aufführung und Reaktionen auf Shen Yun

Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas, der sich seit Jahrzehnten mit der Lage in China befasst, sah das Besondere des jüngsten Shen-Yun-Auftritts in Toronto in der Verbindung von künstlerischer Schönheit und menschenrechtlichem Zeugnis. Die Aufführung spreche nicht nur über Freiheit, sondern mache sichtbar, was verloren gehe, wenn sie verschwinde. Die Podcasterin Tammy Peterson, die der Show beiwohnte, sprach von einer hoffnungsvollen Botschaft auch für den Westen: „Es liegt an uns, einander zu lehren, dass es ein Fundament unserer Kultur gibt, das unverzichtbar ist, wenn wir überleben wollen.“
Der Vorhang, der im März geschlossen blieb, hob sich schließlich im Juni. An diesem letzten Abend der Aufführungen in Toronto war nicht die Drohung das letzte Bild, sondern der tosende Applaus.
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Plädoyer für die Wiederbelebung lokalen Lebens

„Es ist nicht unsere Aufgabe, alle Strömungen der Welt zu beherrschen, sondern das zu tun, was in unserer Macht steht, um in den Jahren, in die wir gestellt sind, Hilfe zu leisten und das Böse auf den Feldern, die wir kennen, auszurotten, damit diejenigen, die nach uns kommen, sauberen Boden zum Bebauen vorfinden.“
„It is not our part to master all the tides of the world, but to do what is in us for the succour of those years wherein we are set, uprooting evil in the fields that we know so that those who come after may have clean earth to till.“
Diese wunderschönen Zeilen aus J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ geben uns sowohl Hoffnung als auch Orientierung in schweren Zeiten. Es ist leicht, sich von dem Bösen in der Welt überwältigen zu lassen, von den Problemen der Welt verwirrt und bedrängt zu werden.
Wir wünschen uns Veränderungen. Vielleicht wünschen wir uns sogar die Macht, das zu heilen, woran die Welt krankt. Doch allzu oft fühlen wir uns machtlos.
Tolkiens Zitat hebt zwei wichtige Wahrheiten hervor. Erstens können wir nicht die Last der ganzen Welt auf uns nehmen. Wir können nicht versuchen, „alle Strömungen zu beherrschen“. Aber gleichzeitig sind wir nicht machtlos. Wir mögen vielleicht nicht in der Lage sein, geopolitische Probleme zu lösen, aber wir können unseren Blick auf „die Felder, die wir kennen“ richten – unsere örtlichen Gemeinschaften – und die Probleme angehen, die wir dort vorfinden.
Wer Einfluss auf sein Umfeld nehmen möchte, sollte in seiner eigenen Nachbarschaft beginnen. Foto: Liudmila Chernetska/iStock

Wer Einfluss auf sein Umfeld nehmen möchte, sollte in seiner eigenen Nachbarschaft beginnen.

Foto: Liudmila Chernetska/iStock

Das ist ein Lichtblick in dunklen Zeiten. Indem wir uns den Aufgaben in unserem unmittelbaren Umfeld widmen, ebnen wir den Weg zu einem kulturellen Wandel, der durchaus erreichbar ist. Wenn genügend Menschen Zeit, Energie und Geld in die Verbesserung und den Wiederaufbau ihrer lokalen Gemeinschaften investieren, könnte die ganze Welt zum Besseren verändert werden.

Eine bewusste Anstrengung

Vielleicht ist die Zeit gekommen, sich wieder dem eigenen Umfeld zu widmen, statt den nationalen und internationalen Schauplätzen. „Normale Menschen wollen Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen“, schreibt Dale Ahlquist in der Einleitung zu seinem Buch „Localism“ aus dem Jahr 2024, „doch sie fühlen sich zunehmend frustriert und entfremdet, weil alles außerhalb ihrer Kontrolle liegt und sie nicht einmal wissen, wer die Kontrolle ausübt. … Lokalismus bedeutet, bei den Dingen mitreden zu können, die das eigene Leben betreffen.“

„Normal people want to take responsibility for their own lives, and they are increasingly frustrated and alienated by the fact that everything is out of their control and they cannot really say who is in control. …Localism means having a say in what happens to you.“

Unser größter Einflussbereich liegt vor unserer Haustür. Dort wirken sich Entscheidungen am unmittelbarsten auf uns und unsere Familien aus. Die wahre Gestaltungskraft gewöhnlicher Menschen entfaltet sich in ihrer Gemeinde, ihrer Nachbarschaft und ihrem direkten Umfeld. Ob sie davon Gebrauch machen, liegt bei ihnen selbst.

Dies ist einer der Grundgedanken des Lokalismus (Anm. d. Red.: Orientierung an lokalen Gemeinschaften). Er beruht auf der Überzeugung, dass sich das wirtschaftliche, kulturelle, soziale und religiöse Engagement eines Menschen in erster Linie auf seine unmittelbare Gemeinschaft und Region richten sollte.
Größere Institutionen und staatliche Ebenen sollten diese lokalen Strukturen achten, fördern und stärken. Auf vielfältige Weise schaffen solche Gemeinschaften die Kraft, Widerstände zu überwinden, und sie spielen eine entscheidende Rolle dabei, Gesellschaften zu bewahren, zu erneuern und lebendig zu halten.

Die „Unbesiegbaren“

G. K. Chesterton schrieb in einem Artikel vom 21. Juli 1928 für seine Zeitung „G.K.’s Weekly“:
„Es kommt in der Geschichte oft vor, dass sich extrem kleine und lokale oder gar rückständige und barbarische Dinge mit großem Erfolg gegen Imperien und Konzerne verteidigen, einfach weil sie zu abgelegen sind, um sich von bloßen kosmopolitischen Gerüchten und Reputationen einschüchtern zu lassen. Es gibt einige glückliche Gemeinschaften, die zu unwissend sind, um eingeschüchtert zu werden, zu abergläubisch, um sich erschrecken zu lassen, zu arm, um bestochen zu werden, und zu klein, um zerstört zu werden. Wahrscheinlich wird gerade an diesen winzigen und verborgenen Orten der Same der Zivilisation für künftige Zeitalter bewahrt bleiben – inmitten der stümperhaften Gesetzlosigkeit von großen, wahrscheinlich auf uns zukommenden Veränderungen.“

„It often happens in history that things intensely small and local, or even backward and barbaric, defend themselves with great success against empires and combines, simply because they are too remote to have been overawed by mere cosmopolitan rumour and reputation. There are some fortunate communities that are too ignorant to be bullied, too superstitious to be frightened, too poor to be bribed, and too small to be destroyed. It is probably in these minute and secret places that the seed of civilization will be preserved for future ages, through the blundering anarchy of big things which seems to be coming upon us.“

Ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene steht in Zusammenhang mit einem verbesserten sozialen Zusammenhalt und messbaren Vorteilen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden. Foto: nortonrsx/iStock

Ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene steht in Zusammenhang mit einem verbesserten sozialen Zusammenhalt und messbaren Vorteilen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden.

Foto: nortonrsx/iStock

Wie sieht Lokalismus in der Praxis aus?

Wie sieht Lokalismus in der Praxis aus? Einige allgemeine Merkmale lassen sich hier skizzieren. Ahlquist hilft uns, einige der zugrunde liegenden Prinzipien zu verstehen: „Unter Lokalismus verstehen wir eine Wirtschaft und ein politisches System, das auf der Familie basiert.“

„By localism, we mean an economy and a political system based on the family.“

Die Familie ist die unmittelbarste und lokalste Form der Gesellschaft. Lokalismus sollte sich darauf konzentrieren, ein soziales und wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, das die Familie begünstigt. Ahlquist schreibt:
„Wenn wir damit beginnen, die Würde darin zu sehen, für unsere eigenen Familien zu sorgen, sie zu schützen und zu lieben, dann ist der nächste natürliche Schritt, auch unseren Nachbarn mit derselben Achtung und Nächstenliebe zu begegnen, damit ihre Familien das genießen können, was auch wir genießen.“

„If we begin with the dignity of providing for and protecting and loving our own families, the next natural step is to treat our neighbors with the same respect and charity so that their families can enjoy what we enjoy.“

Wenn Familien glücklich sind und sich geborgen fühlen, ist der Grundstein für eine starke Gesellschaft gelegt.

Das Dorf braucht Dorfbewohner

Der familiäre Aspekt des Lokalismus ermutigt Eltern, auf die Einflüsse auf ihre Kinder zu achten. So könnte Bildung im „lokalen Stil“ beispielsweise darin bestehen, dass sich Eltern zusammenschließen, um eine eigene Schule oder Mikroschule zu gründen. Ziel wäre es, Kinder unter Nutzung lokaler Ressourcen zu unterrichten und dabei lokale Werte, Geschichte und Bräuche zu respektieren.
Leere Gasse in Stolberg im Harz, 2024. Foto: ChrisRinckes/iStock

Leere Gasse in Stolberg im Harz, 2024.

Foto: ChrisRinckes/iStock

Vielleicht betrifft der herausforderndste, aber auch transformativste Teil einer lokalen Vision die Wirtschaft. In der globalisierten Wirtschaft fließt Geld typischerweise aus lokalen Gemeinschaften heraus und in die Kassen entfernter Unternehmen.
Selten bleibt dieses Geld in der lokalen Gemeinschaft, um sie zu stärken und ihre Bewohner zu erhalten. Ein Ziel des Lokalismus ist es, stärkere lokale Wirtschaftskreisläufe zu schaffen. Denn wo wir unsere Geschäfte erledigen, ist ein großer Teil unseres Lebens.
Wendell Berry stellte in seinem Aufsatz „The Work of Local Culture“ den Zusammenbruch der lokalen Kultur fest. Teilweise liege das daran, dass aufgrund unseres globalen Wirtschaftsmodells kaum noch Menschen ihren Lebensunterhalt in ihren lokalen Gemeinschaften verdienen können.
Dale Ahlquist sah die Wiederherstellung der lokalen Wirtschaft als zentral für das Vorhaben, lokaler zu werden. Er sagt: „[Lokalismus] bedeutet, deine Dollars in deiner Gemeinschaft zu behalten, von deinem Nachbarn zu kaufen und dadurch deinen Nachbarn zu unterstützen. Es bedeutet, dein eigenes Stück der Gemeinschaft zu besitzen. Es bedeutet, dein eigener Chef zu sein.“

„[Localism] means keeping your dollars in your community, buying from your neighbor, and thereby supporting your neighbor. It means owning your own piece of the community. It means being your own boss.“

Das lokal-regionale Modell ermutigt zahlreiche Kleinunternehmer, Landwirte und lokale Hersteller, miteinander Geschäfte zu machen. Dadurch entsteht eine autarke und in sich selbst investierende Gemeinschaft.
Wichtige Gespräche: Vier ältere Frauen in einem italienischen Dorf. Foto: angeluisma/iStock

Zusammen statt allein: vier ältere Frauen in einem italienischen Dorf.

Foto: angeluisma/iStock

Örtliche Gemeinschaften und Kultur im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Ganzen steht natürlich die örtliche Gemeinschaft und ihre Kultur. Der Lokalismus versucht, Nachbarn wieder miteinander in Verbindung zu bringen. Er versucht, örtliche Vereine, Sportklubs, Glaubensgemeinschaften und gemeinnützige Organisationen neu zu beleben. [Anmerkung der Redaktion: So wie es heute in manchen ländlichen Gegenden Deutschlands noch gelebt wird.]
Lokalismus hat zum Ziel, das soziale Gefüge von Grund auf wieder zu knüpfen. Der Lokalismus misst echten Begegnungen von Mensch zu Mensch einen hohen Wert bei. Menschliche Beziehungen bilden das Herzstück des Lokalismus.
Das lokalistische Ideal klingt in unserer Zeit ein wenig veraltet. Doch es ist gar nicht so weit entfernt von den ursprünglichen Idealen der Unabhängigkeit, Nachbarschaftlichkeit, des Unternehmertums, der Resilienz und des Respekts vor der Tradition. Diese haben alle dazu beigetragen, unsere Nation überhaupt erst groß zu machen.
Es gab eine Zeit in Amerika, als ein Mann durch die Straßen seiner Stadt gehen und ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit empfinden konnte, dass alles, was er brauchte, genau hier war, direkt vor seinen Füßen, sowohl wirtschaftlich als auch sozial.
Er fühlte sich keinen entfernten, unpersönlichen finanziellen oder industriellen Kräften verpflichtet. Er kannte die Gesichter und die Namen der Männer und Frauen, die viele der Dinge herstellten, die er im täglichen Leben benutzte. Und er kannte sowohl die Menschen als auch die Philosophie der Menschen, die seine Kinder unterrichteten. Ihre Philosophie war seine eigene.
Er konnte zu Fuß zu seiner Kirche gehen, wo er dieselben Gesichter sah, mit denen er Geschäfte machte oder Baseball spielte. Er kannte die Leute, die in der Stadt- und Kreisverwaltung tätig waren; er hatte ihnen geholfen und sie ihm.
Die Geschichte seiner Stadt und der darin lebenden Familien war ihm auch bekannt. Er konnte auch den Zweig seiner Familie am Stammbaum seiner Gemeinschaft zurückverfolgen, der in der Gegend und Landschaft verwurzelt war. Er war Teil von etwas Lebendigem und Ganzem.
So könnte es wieder sein.
Der persönliche Kontakt ist nach wie vor einer der stärksten Indikatoren für Vertrauen in der Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement. Foto: monkeybusinessimages/iStock

Der persönliche Kontakt ist nach wie vor einer der stärksten Indikatoren für Vertrauen in der Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement.

Foto: monkeybusinessimages/iStock

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Case for Restoring Local Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Stade: Mordkommission ermittelt – OLG entscheidet über Sorgerecht

Zwei Tage nach den tödlichen Schüssen von Stade hat eine extra eingerichtete Mordkommission die Ermittlungen zum Tatgeschehen mit sechs Opfern übernommen. Ausgewertet werden vor allem Hinweise aus der Bevölkerung.
Die Polizei bittet Zeugen weiter um Fotos und Videos, die etwas zur Aufklärung der Schüsse in der Jugendhilfeeinrichtung am Montag beitragen können. Unterdessen ist der Tatverdächtige in Untersuchungshaft gekommen.
Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord. Der Tatverdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit hatte demnach einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter.

OLG entscheidet über Sorgerecht

In dem Sorgerechtsstreit entscheidet demnächst das Oberlandesgericht (OLG) Celle. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG.
Das Amtsgericht hatte angeordnet, dass die Kindsmutter und die Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden sollen. Zudem bestätigte das Amtsgericht in seiner Entscheidung, dass den Eltern die Gesundheitssorge entzogen bleibt. Das Gespräch mit den Eltern im Rahmen der Jugendhilfe habe nicht auf Anordnung oder Veranlassung der Gerichte stattgefunden, hieß es weiter.
Dass ein Hilfeplangespräch wie in Stade in der Einrichtung und nicht auf einer Polizeiwache oder bei einem Gericht stattfindet, ist laut niedersächsischem Sozialministerium gängig.
„Es gab vereinzelt Fälle in der Vergangenheit, wo auch die Polizei dazugeholt wurde von der Kommune, vom Jugendamt, wenn die Gefahrenlage so eingeschätzt wurde, dass das nötig ist“, sagte Ministeriumssprecherin Lea Karrasch. Dies sei hier nicht der Fall gewesen.
Wenn es beim Jugendamt Kenntnisse über Gefährdungen gebe, dann werde das natürlich berücksichtigt und es gebe Ratgeber dafür, sagte Karrasch. „Ob es darüber hinaus noch weitere Vorgaben geben muss über Sicherheitsvorkehrungen, darüber wird auf jeden Fall zu sprechen sein.“ In welcher Form und in welchem Ausmaß, ließe sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen.

Andacht für die Opfer in Hannover

Unter den sechs Toten sind drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei der Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt. Für die Opfer fand am Dienstag eine Andacht in Stade statt, der Andrang von Angehörigen, Kollegen und Feuerwehrleuten war riesig. Für Mittwoch, den 1. Juli war zudem in der Marktkirche Hannover ein Gedenken für die drei Mitarbeiter der Jugendhilfe der Region geplant.
Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Mitarbeitenden der Jugendämter.
In Bezug auf die beiden tatverdächtigen Frauen hat die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Sowohl die 34 Jahre alte Mutter der gemeinsamen Tochter als auch die Begleiterin des 45-Jährigen mutmaßlichen Täters sind aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen worden. Nach der Schließung der betroffenen Mutter-Kind-Gruppe sind die 34-Jährige und ihr Baby anderweitig untergebracht worden, wie das Sozialministerium mitteilte.

Arbeit mit erhöhtem Risiko von verbaler und physischer Gewalt

Die Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen stehen oft unter Druck, aber ist ein größerer Schutz möglich? Wenn es um Sorgerecht oder Kindeswohlgefährdung gehe, seien die Beschäftigten in solchen Einrichtungen einem erhöhten Risiko von verbaler und physischer Gewalt ausgesetzt, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Doreen Siebernik.
„Sie erleben immer wieder Entgleisungen und Übergriffe, die tief in den Dynamiken von häuslicher Gewalt und patriarchalem Kontrollwahn verwurzelt sind“, beschreibt sie.
Zum Schutz der Einrichtungen bedarf es aus Sicht der GEW eines funktionierenden Systems von Jugendamt, Polizei und Trägern. Siebernik benennt aber offen das „Dilemma“ dabei. „Einerseits müssen Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und das Leben der Angestellten schützen.
Andererseits leben soziale Arbeit und Jugendhilfe von Vertrauen und Zugänglichkeit“, sagt sie. Sollten die Orte zu „Festungen“ mit Sicherheitsschleusen mit bewachten Eingängen ausgebaut werden, könne dies die Hemmschwelle für Hilfesuchende vergrößern. (dpa/red)
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Digitaler Euro kommt näher: So soll das neue digitale Bargeld funktionieren

Wie Bargeld, aber nicht zum Anfassen: Die Europäische Zentralbank (EZB) will den digitalen Euro einführen, den Verbraucher zum Bezahlen auf ihrem Handy speichern können. Dafür braucht es zunächst einen EU-weiten Rechtsrahmen. Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat am 23. Juni mit 43 zu 14 Stimmen den Weg dafür geebnet.
In einer zweiteiligen Serie erklärt Epoch Times, wie der digitale Euro funktionieren soll, welche problematischen Punkte es gibt und warum die Kritiker des Projekts einen Teilerfolg errungen haben.
Was ist der digitale Euro?
Die EU beschreibt den digitalen Euro gern als digitales Bargeld. Das Geld liegt also nicht auf einem Bankkonto oder in einem Aktiendepot, sondern in einem sogenannten digitalen Geldbeutel. Dieser Geldbeutel ist in der Praxis eine App auf dem Smartphone, in der die digitalen Euros gespeichert sind. Sie sollen wie Scheine und Münzen sofort verfügbar sein – sogar ohne Internetverbindung.
Sollen Scheine und Münzen abgeschafft werden?
Nein, die EZB will Bargeld und digitale Euros ausgeben. Verbraucher können beides parallel nutzen. Die Bereitstellung von Bargeld soll sogar gesetzlich garantiert werden. Fernando Navarrete Rojas, Mitglied des Wirtschaftsausschusses des EU-Parlaments, erklärte laut dem Portal „btc-echo.de“:
„Mit dem Währungspaket schützen wir die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, ihr Zahlungsmittel selbst zu wählen. Wir stärken den Zugang zu und die Akzeptanz von Bargeld und stellen gleichzeitig Zentralbankgeld in digitaler Form zur Verfügung. Der digitale Euro wird Bargeld ergänzen, niemals ersetzen.“
Wie bekomme ich digitale Euros?
Wer eine Banking-App nutzt, kann Geld dort vom Konto in den digitalen Geldbeutel (Wallet) verschieben. Für die Bank funktioniert das ähnlich, als hätte der Kontoinhaber das Geld an einem Automaten abgehoben. Verbraucher können sich außerdem digitale Euros untereinander schicken – auch ohne Bankkonto.
Allerdings möchte die EZB eine Obergrenze für den digitalen Geldbeutel einführen. Sie will damit vermeiden, dass digitale Euros gehortet werden. Anders ausgedrückt handelt es sich dabei um eine Deckelung von Privatbesitz. Das Portal „heise.de“ berichtet, dass die Höchstgrenze von der EU-Kommission festgelegt und alle zwei Jahre überprüft werden soll. Als Basis diene eine Empfehlung der EZB. Das EU-Parlament wünscht sich dabei ein Mitspracherecht.

Unternehmen sollen Zahlungen in digitalen Euros sogar nur 24 Stunden lang halten dürfen, bevor das Geld weitergeschoben werden muss.

Wo kann ich damit bezahlen?
In fast allen Geschäften und im Internet. Händler sollen zur Annahme verpflichtet werden – mit Ausnahme von Kleinstbetrieben und Selbstständigen. Das heißt: Alle Händler, die heute Kartenzahlungen akzeptieren, sollen künftig auch digitale Euros annehmen.
Auch bei Onlinebestellungen soll die Bezahlung mit D€ (so die Abkürzung für den digitalen Euro) standardmäßig als Zahlungsmittel möglich sein.
Bezahlen wir nicht schon jetzt häufig digital?
Ja, aber normalerweise ist ein Drittanbieter im Spiel. Bei Kredit- und Debitkarten sind das häufig die US-Anbieter Visa und Mastercard, bei Onlinezahlungen Dienstleister wie PayPal oder Klarna. Diese erheben oft Gebühren und sammeln Daten über ihre Nutzer.
Digitale Euros würden – wie Bargeld – direkt von der EZB ausgegeben. Die EU will damit unabhängiger von US-Dienstleistern werden. Für private Nutzer sollen nach dem aktuellen Entwurf keine Gebühren anfallen.
Was passiert beim digitalen Euro mit meinen Daten?
Die EZB verspricht, dass beim Offlinebezahlen keine Daten gespeichert werden. Ein kryptografisches Verfahren namens Zero-Knowledge-Proofs soll die Daten anonymisieren.
Anders als private Finanzdienstleister darf die EZB die Daten nicht für geschäftliche Zwecke nutzen.
Banken und Ermittlungsbehörden dürften – wie schon heute – eingreifen, wenn der Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung besteht. Das Europäische Parlament und der Rat der 27 EU-Staaten müssen die Datenschutzregeln jedoch noch im Detail aushandeln.
Ist der digitale Euro eine Kryptowährung?
Nein, ein digitaler Euro wäre von der EZB abgesichert und damit immer genau 1 Euro wert – anders als Kryptowährungen, die nicht zentral verwaltet werden und deren Kurs oft schwankt. Natürlich kann auch ein digitaler Euro durch Inflation an Kaufkraft verlieren – wie der heutige Euro.
Digitale Euros sollen auch ohne Internetverbindung auf einem digitalen Endgerät (Smartphone) verfügbar sein. Das bedeutet allerdings auch: Wer sein Gerät mit der digitalen Brieftasche verliert, verliert auch sein Guthaben unwiderruflich – ähnlich wie bei einer verlorenen Brieftasche im realen Leben.
Wann will die EZB den digitalen Euro einführen?
Das kommt darauf an, wie schnell die Verhandlungen vorankommen. Die EZB bereitet sich eigenen Angaben zufolge darauf vor, ab 2029 die ersten digitalen Euros ausgeben zu können.
In der nächsten Ausgabe der Epoch Times folgt eine Analyse des digitalen Euros mit Stellungnahmen von Befürwortern und Kritikern. 
(afp/red)
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Feuer in Monschau in der Eifel drei Menschen tot

Bei einem Brand in Monschau in der Eifel sind in der Nacht drei Menschen ums Leben gekommen. Etliche weitere seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. Ob der Brand in einem Wohnheim für Senioren und Menschen mit geistiger Behinderung ausgebrochen sei oder in einem Mehrfamilienhaus, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. (dpa/red)
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Mehr Wettbewerb im Fernverkehr – gut für Fahrgäste?

Die Bundesnetzagentur will die Monopolstellung der Deutschen Bahn im Fernverkehr aufbrechen – und verspricht sich davon vor allem Vorteile für die Fahrgäste. Die Behörde will den bundeseigenen Konzern dazu verpflichten, mindestens ein Viertel der Kapazitäten auf bereits hochbelasteten Strecken an Wettbewerber abzugeben.
Die Bahn, die bislang rund 95 Prozent des Fernverkehrs in Deutschland dominiert, muss also bald mehr lukrative Trassen an Konkurrenten abtreten. Ein Überblick.

Was hat die BNetzA konkret entschieden?

Dem Beschluss der BNetzA zufolge darf die für das Schienennetz zuständige Bahntochter DB InfraGo auf hochbelasteten Strecken künftig nur noch 60 bis 75 Prozent der Kapazitäten an ein einziges Unternehmen vergeben. Den genauen Prozentsatz könne die InfraGo selbst festlegen.
Das bedeutet: Auf stark ausgelasteten Korridoren mit ausgewiesenen Kapazitätsobergrenzen, wie es etwa für die Knoten München und Frankfurt geplant ist, muss die InfraGo sicherstellen, dass mindestens ein Wettbewerber der DB Fernverkehr tatsächlich verkehren kann.
„Die Wettbewerberklausel gilt nur, wenn das Unternehmen vertaktete Verkehre anbietet“, teilte die Netzagentur mit. „Das bedeutet im Grundsatz, dass die Verbindung mindestens viermal täglich in zweistündigem Abstand zur gleichen Minute angeboten wird.“
Außerdem will die BNetzA die InfraGo dazu verpflichten, auch in den Bahnhöfen Platz für Wettbewerber zu machen und dort Flächen „nach objektiven und nichtdiskriminierenden Kriterien zu vergeben“.

Was bedeutet die Entscheidung für die Fahrgäste?

Mit der neuen Wettbewerbsklausel sollen Konkurrenten es einfacher haben, gegen die Bahn im Fernverkehr anzutreten. Die Bundesnetzagentur erhofft sich davon niedrigere Ticketpreise und mehr Qualität für Reisende im Fernverkehr, weil das in der Regel eine Folge von mehr Wettbewerb ist.
Doch die Bahn sieht das anders. Sie hat bereits angekündigt, weniger stark nachgefragte Fernverkehrsanbindungen in der Fläche reduzieren zu müssen, sollte sie auf den Rennstrecken Trassen verlieren. Denn dort verdiene der Konzern das Geld, mit dem er die Verbindungen in der Fläche finanziere.
Die InfraGo weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die neuen Regelungen nicht flächendeckend, sondern nur für ohnehin stark frequentierte Abschnitte gälten.
„Mit dieser Regel würden auf hochbelasteten Strecken immer mindestens zwei Anbieter von Schienenpersonenfernverkehr Trassen erhalten“, teilte die Bahn mit. „Die geplante Regelung würde damit das strukturelle Problem von Knoten und Kapazität verschärfen.“

Bringt mehr Wettbewerb auch mehr Pünktlichkeit?

Das ist unwahrscheinlich. Die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn liegt vor allem am maroden und an vielen Stellen überlasteten Schienennetz.
Staus in den Knoten und Tausende neue Baustellen jährlich bremsen alle Verkehrsarten auf der Schiene aus. Auch ein neuer Wettbewerber wie Italo wird da wenig ausrichten können.

Was ist der Hintergrund der Entscheidung?

Hintergrund der Entscheidung ist der geplante Einstieg des italienischen Zugunternehmens Italo in den deutschen Fernverkehrsmarkt. Die Pläne sehen vor, zunächst die Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund im Stundentakt und München-Berlin-Hamburg alle zwei Stunden zu fahren.
Italo will dafür 30 Hochgeschwindigkeitszüge für 56 tägliche Zugverbindungen ab dem Frühjahr 2028 auf die Gleise schicken.
Damit sich die Investition lohnt, will Italo die Wettbewerbsbedingungen ändern und hat dafür die Bundesnetzagentur angerufen. Entsprechend positiv äußerte sich das Unternehmen nun zu der Entscheidung.
„Sie sendet ein klares Signal, dass Deutschland bereit ist für echten Wettbewerb im Hochgeschwindigkeitsverkehr zum Nutzen aller Fahrgäste“, teilte Italo mit.
Neben dem Münchner Verkehrsunternehmen Flix wären die Italiener der zweite nennenswerte Wettbewerber der Deutschen Bahn im Fernverkehr. Auch Flix hat für 2028 eine neue Offensive mit zusätzlichen Zügen und neuen Verbindungen angekündigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Bei dem Beschluss der Bundesnetzagentur handelt es sich noch um einen Entwurf. Dieser wird nun dem Eisenbahninfrastrukturbeirat zugeleitet, der dazu angehört wird.
In zwei Wochen soll dann die finale Entscheidung fallen. Die neuen Regeln muss die InfraGo dann bei der Trassenvergabe für das Jahr 2028 anwenden.

Was sagt die Branche?

Nicht nur die Deutsche Bahn, auch andere Akteure der Branche haben sich gegen einen Markteintritt von Italo ausgesprochen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG etwa teilt die Befürchtung der Bahn, dass mit mehr Wettbewerbern die Anbindung in der Fäche bedroht ist.
Die Aufgabenträger im Schienenpersonennahverkehr wiederum fürchten, dass der Regionalverkehr auf der Schiene auf bestimmten Abschnitten das Nachsehen hat, die auf den hochbelasteten Korridoren liegen. (dpa/red)
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Vom Jungen zum Mann: Inspiration aus Kiplings legendärem Gedicht „If“

Jungen zu Männern zu erziehen, ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit sind in den vergangenen Jahrzehnten stark in den Hintergrund getreten, was zu einem scheinbaren Dilemma geführt hat: entweder toxische Männlichkeit oder bloße Verweichlichung.
Natürlich entspricht keines von beiden wahrer Männlichkeit. Und Jungen in diese falschen Lösungen zu drängen, schadet sowohl ihnen selbst als auch der Gesellschaft.
Wie können wir wieder ein angemessenes Verständnis von Männlichkeit und Mannsein erlangen, das die beiden genannten Extreme vermeidet? Ein Ansatzpunkt ist die klassische Literatur.
Der britische Schriftsteller und Dichter Rudyard Kipling lebte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Hierzulande wurde er unter anderem durch sein Werk „Das Dschungelbuch“ und den Roman „Kim“ bekannt. Sein gefeiertes Gedicht „If“ („Wenn“) gibt uns eine Momentaufnahme der traditionellen Ideale des Mannseins. Es wurde teilweise durch einen Freund Kiplings, Leander Starr Jameson, und dessen erfolglosem Militäreinsatz in Südafrika inspiriert.
In seinen Memoiren schrieb Kipling: „Unter den Versen in ,Rewards‘ war eine Reihe namens ‚If‘. … Sie waren durch Jamesons Charakter inspiriert und enthielten hohe moralische Maßstäbe, die sich leichter aussprechen als verwirklichen lassen.“ (“Among the verses in Rewards was one set called ‘If.’ […] They were drawn from Jameson’s character, and contained counsels of perfection most easy to give.”)
Das Gedicht ist an einen ungenannten Jungen oder Sohn gerichtet. Es listet eine Reihe von Bedingungen auf, um ein Mann zu werden. Die grundlegende Struktur lautet: „Wenn du all diese Dinge tun kannst, wirst du ein Mann sein.“ Hier sind einige der im Gedicht enthaltenen Lektionen, die uns helfen können, authentische Männlichkeit wiederzuerlangen.

Selbstvertrauen

Wenn du den Kopf bewahrst, da rings die Massen
Längst kopflos sind und geben Dir die Schuld,
Dir treu sein kannst, wenn alle Dich verlassen,
Und siehst ihr Zweifeln dennoch mit Geduld;

If you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you,
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;

Hier erinnert Kipling junge Männer an die Notwendigkeit, ein stilles Vertrauen in ihre eigenen Werte, Fähigkeiten und Ideen zu bewahren. Und das selbst dann, wenn andere sie infrage stellen.
Mannsein erfordert ein Gefühl der Identität, das darin wurzelt, wofür man steht und wovon man weiß, dass man es zu leisten imstande ist. Ein maskuliner Mann hat Prinzipien und weiß, dass er in der Lage ist, ihnen gerecht zu werden. Das verleiht ihm Charakterstärke, selbst in den chaotischsten Situationen.
Selbstvertrauen ist keine Arroganz. Letztere ist oft genug nur eine Maske, die verwendet wird, um innere Unsicherheit zu verbergen. Ein Mann, der aufrichtig auf sich selbst vertraut, muss es anderen nicht ständig beweisen. Gleichzeitig weiß selbst der selbstbewusste Mann, dass er nicht alles weiß. Er besitzt die Demut, den Perspektiven anderer zuzuhören und diese zu berücksichtigen.
Eines der zentralen Themen Kiplings ist emotionale Stabilität – die Fähigkeit, gelassen und prinzipientreu zu bleiben, selbst wenn andere es nicht tun. Foto: demaerre/iStock

Eines der zentralen Themen Kiplings ist emotionale Stabilität – die Fähigkeit, gelassen und prinzipientreu zu bleiben, selbst wenn andere es nicht tun.

Foto: demaerre/iStock

Das Überwinden der Gefallsucht

Kannst warten du und langes Warten tragen,
Läßt dich mit Lügnern nie auf Lügen ein,
Kannst du dem Hasser deinen Hass versagen
Und doch dem Unrecht unversöhnlich sein –

If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

Durch sein ruhiges Selbstvertrauen und seine Überzeugungen kann ein Mensch falschen Anschuldigungen oder Verdrehungen anderer standhalten. Er ist kein Sklave der Gefallsucht. Selbst wenn andere schlecht über ihn denken oder Unwahrheiten über ihn verbreiten, verliert er nicht seine Ruhe. Er weiß, dass sein Wert als Mensch nicht davon abhängt, was andere von ihm halten.
Deshalb kann er ungerechtfertigter Kritik oder sogar offenen Lügen mit Gelassenheit begegnen. Wie ein Mann, der durch trockene Blätter schreitet, lässt er sich von belanglosen Dingen nicht von seinem Weg abbringen.
Kipling deutet zudem an, dass der wahre Mann sich nicht zu rachsüchtigen Taktiken herablässt. Er wird beispielsweise Lüge nicht mit Lüge und Hass nicht mit Hass vergelten. Frei von der Tyrannei der Gefallsucht zu bleiben, hilft einem Mann, ihm angetanes Unrecht zu akzeptieren, ohne dem Drang nachzugeben, andere im Gegenzug ungerecht zu behandeln.

Ziele setzen und Rückschlägen ins Auge sehen

Wenn du kannst träumen, doch kein Träumer werden,
Nachdenken und gleichwohl kein Grübler sein;
Wenn dich Triumph und Sturz nicht mehr gefährden,
Weil beide du als Schwindler kennst, als Schein;

If you can dream — and not make dreams your master,
If you can think — and not make thoughts your aim;
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same;

Die ersten beiden Zeilen dieser Strophe enthalten je zwei ausgewogene Hälften. Hier weist Kipling auf die Notwendigkeit des Gleichgewichts bei einem Mann von wahrem Charakter hin. Beispielsweise sollte er ehrgeizig sein und in der Lage sein, sich eine bessere Zukunft vorzustellen.
Dies sollte jedoch nicht bis zu dem Punkt gehen, an dem er zulässt, dass seine Ambitionen ihn dominieren oder seine Prinzipien außer Kraft setzen. Ebenso ist ein Mann von Charakter ein Mann des Denkens, aber nicht nur des Denkens. Er muss auch ein Mann der Tat sein, dessen Gedanken und Ideale in der greifbaren Welt Früchte tragen.
Diese Strophe führt auch eine Idee ein, die sich durch den Rest des Gedichts ziehen wird. Es geht um Beharrlichkeit angesichts von Rückschlägen und Enttäuschungen. Ob er nun Erfolg oder Scheitern, Triumph oder Katastrophe gegenübersteht: Ein wahrer Mann erfüllt seine Pflicht unbeirrt.
Kipling verwendet den seltsamen Begriff „impostors“ – zu Deutsch „Schwindler“ –, um sowohl „Triumph“ als auch „Disaster“ zu beschreiben. Dies deutet darauf hin, dass ein Mann von Charakter weder durch Erfolg noch durch Scheitern definiert wird. Sie sollten nicht zu seiner gesamten Identität werden oder das ersetzen, was er im Grunde seines Wesens ist.
Viktorianische Ideale von Disziplin, Pflicht und Entschlossenheit prägen das Männlichkeitsbild bis heute. Foto: Miljan Živković/iStock

Viktorianische Ideale von Disziplin, Pflicht und Entschlossenheit prägen das Männlichkeitsbild bis heute.

Foto: Miljan Živković/iStock

Beharrlichkeit und Mut

Kannst du die Wahrheit sehn, die du gesprochen,
Verdreht zum Köder für den Pöbelhauf,
Siehst du als Greis dein Lebenswerk zerbrochen
Und baust mit letzter Kraft es wieder auf –

If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ’em up with worn-out tools:

Wenn du auf EINES Loses Wurf kannst wagen
die Summe dessen, was du je gewannst,
es ganz verlieren und nicht darum klagen,
nur wortlos ganz von vorn beginnen kannst;

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;

In diesen Strophen führt Kipling den Gedanken von Erfolg, Scheitern und einer männlichen Reaktion darauf weiter. Die Haupttugend, die er hier preist, ist Beharrlichkeit. Man bleibt dabei, selbst wenn all deine Arbeit ungeschehen gemacht wird und deine größten Errungenschaften zerfallen.
Der wahre Mann macht sich erneut an die Arbeit. Und wieder. So oft er muss, mit derselben ungebrochenen Entschlossenheit. Selbst die katastrophalsten Rückschläge treiben einen Mann nicht dazu, das aufzugeben, woran er glaubt. Sie bringen ihn auch nicht dazu, seine Hand vom Pflug zu nehmen, wenn er begonnen hat, die Furche zu ziehen.

Wenn du, ob Herz und Sehne längst erkaltet,
Sie doch zu deinem Dienst zu zwingen weißt
Und durchhältst, auch wenn nichts mehr in dir waltet
Als nur dein Wille, der „Durchhalten!“ heißt –

If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: „Hold on!“

Als eine der inspirierendsten Strophen des Gedichts konzentriert sich diese ganz auf die Notwendigkeit der Entschlossenheit. Ein wahrer Mann ist fähig, Verpflichtungen einzugehen und an ihnen festzuhalten. Denn er besitzt die Willensstärke, „durchzuhalten“, selbst wenn „Herz und Sehne“ nachgegeben haben – selbst wenn sein eigener Gefühlszustand und sein Körper gegen ihn rebellieren.
Er bleibt durch die Kraft seines Willens Herr seiner selbst. Wenn er erst einmal einem edlen Zweck verschrieben ist, gibt er unter keinem Ausmaß an Druck nach.
Teilzeitarbeit und Haushaltsverantwortung sind wichtige Möglichkeiten für Jungen, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit zu entwickeln. Foto: klingsup/iStock

Teilzeitarbeit und Haushaltsverantwortung sind wichtige Möglichkeiten für Jungen, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit zu entwickeln.

Foto: klingsup/iStock

Ein wahrer Mann besitzt einen inneren Zufluchtsort. Eine Kraftquelle, auf die er zurückgreifen kann. Er hat die Fähigkeit, sich zusammenzureißen, den Schmerz zu überwinden und die letzte Hürde zu meistern, wenn alle anderen aufgegeben haben.

Tugend und Identität

Kannst du zum Volke ohne Plumpheit sprechen,
Und im Verkehr mit Großen bleibst du schlicht;
Läßt du dich nicht von Freund noch Feind bestechen,
Schätzt du den Menschen, überschätzt ihn nicht;

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with Kings—nor lose the common touch,
If neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;

In dieser letzten Strophe greift Kipling einen Gedanken auf, den er bereits zu Beginn formulierte: die Treue zu sich selbst und seinen Werten. Ein wahrer Mann lässt sich nicht durch sein Umfeld von seinem Weg der Tugend abbringen. Er lässt sich weder von der Masse erniedrigen noch von selbsternannten „Königen“ zu Arroganz aufblähen. Er verachtet andere nicht, lässt sich aber auch nicht vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat.
Dies schenkt ihm wiederum eine gewisse Freiheit, sodass er seine Identität nicht daran bindet, Freunden zu gefallen oder Feinde zu bekämpfen.
Ein charakterstarker Mann identifiziert sich weder übermäßig mit seinen Erfolgen noch mit seinen Misserfolgen. Foto: PeopleImages/iStock

Ein charakterstarker Mann identifiziert sich weder übermäßig mit seinen Erfolgen noch mit seinen Misserfolgen.

Foto: PeopleImages/iStock

Kipling schließt das Gedicht mit den Worten:

Füllst jede unerbittliche Minute
Mit sechzig sinnvollen Sekunden an:
Dein ist die Erde dann mit allem Gute,
Und was noch mehr, mein Sohn: Du bist ein Mann!

If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds’ worth of distance run,
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And—which is more—you’ll be a Man, my son! 

Ein paar abschließende Anmerkungen sind angebracht. Kipling schließt mit einem indirekten Hinweis auf die Wichtigkeit der Zeit. Der weise Mann weiß, wie man selbst in einer einzigen Minute Fortschritte in Richtung seiner Ziele erzielt. Dies ist das letzte „Wenn“ vor dem Schluss: „Dein ist die Erde dann mit allem Gute“.
Der Punkt hierbei ist, dass ein Mann von Tugend und Charakter eine Art Meisterschaft über die Welt erlangt, nicht im Sinne einer buchstäblichen Beherrschung von allem, sondern in dem Sinne, dass er in der Lage ist, Ziele zu erreichen, unabhängig von der Wankelmütigkeit der menschlichen Meinung zu bleiben und jede Herausforderung zu meistern.
Doch von noch größerem Wert als diese Meisterschaft über die Welt ist das, was der Junge werden wird, der diesen Rat befolgt: ein „Mann“. Wichtiger als all die weltlichen Errungenschaften, die aus wahrer Männlichkeit folgen, ist der Wert, der darin liegt, ein Leben in Tugend zu führen und ein Mann von Charakter zu werden.
Natürlich drückt die Bedingtheit dieses durchdringenden „Wenn“, das sich durch das ganze Gedicht zieht, die Schwierigkeit aus, das hier dargelegte Ideal zu erreichen. Doch es deutet auch darauf hin, dass dieses Ideal für diejenigen, die bereit sind, mit Integrität zu leben, nicht außer Reichweite ist.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Kipling’s Poem ‘If’ Can Teach Boys About Manhood“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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TICKER | Erschütterung nach Gewalttat in Stade – Andacht am Abend

Bei Schüssen in Stade westlich von Hamburg sind sechs Menschen gestorben. „Es wurde in der Nähe einer Jugendeinrichtung in der Innenstadt geschossen“, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen laufen.

 
HEUTE12:57 Uhr

Die Stadt ist erschüttert

Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen im niedersächsischen Stade soll eine Andacht am Abend Raum für Trauer und Anteilnahme geben. Die evangelische Kirche lädt dafür um 18:00 Uhr in die Stader St.-Wilhadi-Kirche ein. Es gehe darum, mit dem Erschrecken, den Fragen und den Erlebnissen nicht allein zu sein, teilte der Sprengel Stade mit.
„Ich bin tief erschüttert über die Gewalttat in unserer Stadt“, sagte Regionalbischöfin Sabine Preuschoff laut der Mitteilung. „Menschen wurden getötet, so viel Leid ist über Familien gekommen“, sagte sie.
Auch Landesbischof Ralf Meister sowie Landrat Kai Seefried werden bei der Andacht vor Ort sein. Außerdem werden Notfallseelsorger und weitere Pastoren dabei sein.
Bei einer Andacht soll am Abend in Stade Raum für Trauer und Anteilnahme sein.

Bei einer Andacht soll am Abend in Stade Raum für Trauer und Anteilnahme sein.

Foto: Kai Moorschlatt/dpa

HEUTE12:27 Uhr

Für mehr Schutz

Der Bundesvorsitzende des Beamtenbundes, Volker Geyer, fordert mehr Schutz von Beschäftigten im öffentlichen Dienst.
„Wir sind tief erschüttert und wir sind wütend. Seit Jahren weisen wir auf die wachsende Zahl von Gewalttaten gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hin“, sagte Geyer der „Rheinischen Post“ mit Blick auf den Vorfall, bei dem am Montag sechs Mitarbeiter einer Mutter-Kind-Einrichtung umgebracht wurden.
Das seien die Menschen, die für diesen Staat, die für uns alle den Kopf hinhalten. Deshalb schulde man ihnen besonderen Schutz. Das sei zuerst die Verantwortung der Dienststellenleiter und Politiker vor Ort, so Geyer.
Es sei aber auch die Verantwortung aller Bürger. „Die Sitten in Deutschland verrohen, der Egoismus marschiert und die Gewaltbereitschaft wächst“, kritisierte der Vorsitzende des Beamtenbundes.
 
HEUTE8:55 Uhr

CDU-Innenpolitiker: Absolute Sicherheit nicht möglich

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, fordert eine lückenlose Aufklärung der Geschehnisse in Stade. Zugleich warnt er vor der Illusion eines vollständigen Schutzes.
„Eine absolute Sicherheit, das müssen wir ehrlicherweise sagen, können wir nicht schaffen“, sagte Throm den Sendern RTL und ntv. Man müsse vielmehr früher hinschauen, ob es bei einem späteren Täter bereits Hinweise gegeben habe, „die in eine solche Richtung hindeuten“, und dann konsequenter handeln.
Throm forderte eine vollständige Aufklärung der Tat. Noch sei zu wenig über die Hintergründe des Täters sowie mögliche persönliche und kriminelle Hintergründe bekannt. Die Tat müsse „mit aller Härte des Gesetzes geahndet werden“.
Es sei fürchterlich und schrecklich, wenn Menschen morgens zur Arbeit gingen, um anderen helfen zu wollen, und dann Opfer einer solchen Tat würden. „Das berührt mich zutiefst“, so Throm.
 
GESTERN20:52 Uhr

Polizeipräsidentin: Vermutlich ein Sorgerechtsstreit

Erste Details zum mutmaßlichen Täter und seinem Motiv kommen ans Licht. Hintergrund der Tat war vermutlich ein Sorgerechtsstreit, wie die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz sagte.
Beim Verdächtigen – bereits festgenommen – handelt es sich demnach um einen in Deutschland geborenen, 45-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover.
Der mutmaßliche Täter hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter – zusammen mit vielen seiner Opfer. Das Kind und die Mutter sind nicht unter den insgesamt sechs Toten.
Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol am Abend aus. Sie sagte, er habe bislang nicht als „absolut gewalttätig“ im polizeilichen System gegolten.
Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl für den Mann erlassen. Es sei noch offen, ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab.
Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Über eine Website können Zeugen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt an die Ermittler übermitteln, wie die Polizei mitteilte. „Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein.“

Die Spurensicherung der Polizei ist am Tatort im Einsatz, an dem am 29. Juni 2026 bei einer Schießerei in Stade; die Polizei erklärte, die tödliche Schießerei sei wahrscheinlich auf „eine Tragödie innerhalb einer Großfamilie“ zurückzuführen.

Foto: Ibrahim Ot/AFP via Getty Images

GESTERN20:50 Uhr

Innenministerin: „Kaltblütige“ Tat

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach auf der Pressekonferenz von einer „kaltblütigen“ Tat. Sie bezeichnete die Tat zudem als singulären Fall. Es gebe keine Verbindungen zu anderen Bereichen.
In der Stadt westlich von Hamburg hatten zuletzt im vergangenen Jahr Ausschreitungen zwischen zwei Großfamilien bei einem Mordprozess für Schlagzeilen gesorgt.
Dieser Fall habe nichts mit früheren Fällen zu tun, sagte die SPD-Politikerin am Abend und betonte: „Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen.“
 
GESTERN20:16 Uhr

Die Opfer: Zwei Männer und vier Frauen der Einrichtung

Die Polizei vermutet als Motiv hinter den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade einen Sorgerechtsstreit.
Wie die Lüneburger Polizei am Abend mitteilte, gilt ein 45-jähriger Mann als mutmaßlicher Täter. Der Mann soll in einem Mercedes geflüchtet sein, wurde jedoch von der Polizei gestellt.
Die Fahrerin des Fahrzeugs, eine Frau, habe laut Ermittlern eine enge Verbindung zur Familie des Täters.
Die Opfer der Tat sind zwei Männer und vier Frauen, die alle Mitarbeiter der Einrichtung waren.
Die Ermittler sprachen von einer „extrem kaltblütigen Gewalttat“ aus familiären Motiven. Der mutmaßliche Täter war polizeibekannt, jedoch bislang nicht als gewalttätig verzeichnet.
Er besaß keine Erlaubnis zum Führen einer Waffe, und die Herkunft der Tatwaffe ist bisher unbekannt.

Die Polizei setzt einen Hund ein, während sie am 29. Juni 2026 in der Nähe des Tatorts in Stade ermittelt.

Foto: Ibrahim Ot/AFP via Getty Images

 
GESTERN19:13 Uhr

Niedersachsens Ministerpräsident „tief betroffen“

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat den Schusswaffenangriff in Stade als „erschütternd“ bezeichnet. Die Tat mache „die gesamte Landesregierung tief betroffen“, erklärte Lies in Hannover.
Zugleich bat er darum, „jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben“. Es sei „die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung“.
„Wir sind in Gedanken bei den Opfern, deren Familien und Freunden und bei allen, die das furchtbare Geschehen miterleben mussten“, erklärte Lies und ergänzte: „Wir trauern um die Menschen, die ihr Leben verloren haben. Wir wünschen den Verletzten eine möglichst schnelle und vollständige Genesung.“
Lies dankte „allen Einsatzkräften, die in dieser schwierigen Situation, schnell und entschlossen gehandelt sowie Trost gespendet und Hilfe geleistet haben“. Die zuständigen Behörden arbeiteten „intensiv daran, die Hintergründe dieser schockierenden Tat aufzuklären“.
 
GESTERN17:34 Uhr

Polizei spricht von „Familientragödie“

Bei dem Schusswaffenangriff in Stade hat es sich nach Polizeiangaben um eine „erweiterte Familientragödie“ gehandelt.
Es gehe „nicht in Richtung Femizid oder auch politischer Hintergrund“, sagte ein Polizeisprecher in Lüneburg der Nachrichtenagentur AFP.
Das Motiv für die Gewalttat liege vielmehr „im Umfeld der Jugendhilfeeinrichtung begründet“.
Laut den Ermittlern wurde „ein Haupttäter“ festgenommen. Zwei weitere Menschen befänden sich „in polizeilichen Maßnahmen“, darunter auch eine „weibliche Begleitperson“. Ihre Tatbeteiligung sei Gegenstand der Ermittlungen.
Für den Abend wurde eine Pressekonferenz von Polizei, Staatsanwaltschaft und Landkreis mit Landesinnenministerin Daniela Behrens (SPD) in Stade angekündigt.
Wie geht es mit dem Hauptverdächtigen weiter?

Wie geht es mit dem Hauptverdächtigen weiter?

Foto: NWM-TV/dpa

 
GESTERN17:25 Uhr

Sechstes Todesopfer

Nach den Schüssen in Stade ist ein weiterer Mensch gestorben. Wie die Polizei mitteilte, starben fünf Menschen vor Ort, eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.
 
GESTERN16:41 Uhr

Was Zeugen berichten

Was genau sich gegen 12:10 Uhr in den Räumen der Einrichtung mit Mutter-Kind-Wohngruppen geschah, werden die Ermittler erst nach und nach rekonstruieren.
„Ich hab’ Schüsse gehört“, berichtet Zeuge Vitali Martens dem „Stader Tageblatt“. Zum Zeitpunkt des Geschehens sei er gerade vom Einkaufen gekommen.
Ein anderer Zeuge schildert „Focus Online“, was sich kurze Zeit später auf der Straße ereignet haben soll: Eine Frau und ein junger Mann hätten versucht, vom Tatort wegzufahren.
Ein Polizist habe gebrüllt: „Anhalten, stehen bleiben“, berichtet der Mann dem Magazin. Das Auto sei weitergefahren. Mehrere Beamte sollen das Feuer eröffnet haben. Mindestens zehn, fünfzehn Schüsse seien gefallen, schätzt der Zeuge.
Durch sein geöffnetes Fenster habe er den Polizeifunk aufgeschnappt, wie er weiter berichtet. Er habe nur Fetzen gehört wie „Brustschuss“ und „Kopfschuss“. Worte, die er nicht einordnen könne. Dann hätten Einsatzkräfte eine Person auf einer Trage aus dem Haus gehoben – und versucht zu reanimieren.
Kriminaltechniker der Polizei sind im Einsatz, um Spuren zu sichern.

Kriminaltechniker der Polizei sind im Einsatz, um Spuren zu sichern.

Foto: Fabian Höfig/NEWS5/dpa

 
GESTERN16:30 Uhr

Behörden warnen vor „Fehlinformationen“

Polizei und Stadt riefen die Menschen auf, keine ungeprüften Nachrichten mit Gerüchte zu verbreiten. Es kursierten bereits „Fehlinformationen“. „Die Ermittlungen zu den Hintergründen und zum genauen Tatablauf dauern an“, teilten die Beamten mit.
 
GESTERN15:43 Uhr

Stadtrat: Kita und Grundschule unversehrt

„Wir sind froh, dass es unseren Mitarbeitenden und den Kindern in Kita und Grundschule gut geht und ich bedanke mich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihren Einsatz in dieser unübersichtlichen Lage“, sagte Stades Stadtrat Carsten Brokelmann in einer Mitteilung.
Der Stadtrat sprach zudem im Namen der Stadtverwaltung seine Anteilnahme aus. „Gleichzeitig gilt unser tiefes Mitgefühl den Opfern dieser schrecklichen Tat sowie deren Hinterbliebenen.“
Noch seien die Hintergründe der Tat nicht bekannt. Er vertraue darauf, dass diese bald ermittelt würden, sagte Brokelmann in der Mitteilung weiter.
 
GESTERN15:28 Uhr

Keine Hinweise auf Clankriminalität

Bei Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade sind fünf Erwachsene getötet worden. „Es gibt mehrere Menschen, die zum Teil schwer verletzt wurden“, sagte eine Polizeisprecherin der dpa. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige.
Auf Bildern von der Umgebung des Tatortes waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge und Rettungskräfte zu sehen. Auch Kriminaltechniker in weißen Overalls waren vor Ort.
 
GESTERN14:59 Uhr

Mutmaßlicher Schütze festgenommen

Neben fünf Toten seien mehrere weitere Menschen verletzt worden, teilte die Polizei über WhatsApp mit. Zwei Verdächtige, darunter der mutmaßliche Schütze, seien demnach festgenommen worden.
Weitere Einzelheiten des Geschehens waren zunächst unklar. „Die Ermittlungen zu den Hintergründen und zum genauen Tatablauf dauern an“, teilten die Beamten mit.
Die Polizei sprach unter Berufung auf erste Ermittlungserkenntnisse von einem „Tötungsdelikt in einer Jugendhilfeeinrichtung“.
Die Verdächtigen seien im Zuge sofort eingeleiteter Fahndungs- und Einsatzmaßnahmen festgenommen worden, hieß es weiter. Darunter sei auch der mutmaßliche Schütze. Details zur Identität wurden nicht genannt.
 
GESTERN14:45 Uhr

Keine Gefahr für Bevölkerung

Nach den Schüssen in Stade mit fünf Todesopfern besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das teilte die Polizei mit.
Die Schüsse sind in einer Jugendeinrichtung gefallen. Dort sind Mutter-Kind-Wohngruppen untergebracht, wie eine Polizeisprecherin auf dpa-Anfrage bestätigte.
 
GESTERN14:01 Uhr

Polizei meldet Einsatz

Es komme zu einer „großen polizeilichen Einsatzlage“ im Bereich Dankersstraße, teilte die örtliche Polizei in den sozialen Netzwerken mit. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, wie ein Polizeisprecher bestätigte.
 

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Stade gehört zur Metropolregion Hamburg und ist auch als westliches Tor zum Alten Land bekannt, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Deutschlands. Die Hansestadt liegt rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt. Sie hat knapp 50.000 Einwohner.
(mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Paketbombe in Monaco: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs

Einen Tag nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein ukrainischer Oligarch und zwei seiner Familienmitglieder verletzt wurden, suchen die Sicherheitskräfte in dem Fürstentum und in Südfrankreich nach dem Täter.
Das Paket explodierte nach Angaben der monegassischen Behörden am 29. Juni gegen 21:00 Uhr. Demnach wurde bei der Explosion ein Paar im Alter zwischen 50 und 60 Jahren schwer verletzt, ein 13 Jahre alter Jugendlicher erlitt leichtere Verletzungen. Alle drei wurden ins benachbarte Nizza in Krankenhäuser gebracht.

Ermittlungen wegen Mordversuch aufgenommen

Die Staatsanwaltschaft geht zunächst nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe zurzeit keine Hinweise für eine solche Einstufung, sagte der monegassische Staatsanwalt Stéphane Thibault. Ermittelt werde wegen Mordversuch und einer Sprengstoffstraftat, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault.
An der Suche nach dem Täter seien auch französische Sicherheitskräfte beteiligt, sagte Thibault. Nach ersten Ermittlungen handle es sich um einen Einzeltäter, der ein Paket im Eingang des Wohnhauses abgelegt habe.
Kurz nachdem die drei Bewohner an der Tür erschienen seien, sei ein Sprengsatz detoniert. Es gebe zwei weitere Verletzte, die von Splittern durch berstende Schaufensterscheiben getroffen worden seien, sagte der Staatsanwalt.
Noch immer schwebt nach der Explosion in Monaco eine Frau in Lebensgefahr.

Noch immer schwebt nach der Explosion in Monaco eine Frau in Lebensgefahr.

Foto: Philippe Magoni/AP/dpa

Die Identität der Opfer wurde bislang nicht offiziell bekannt. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln.
Jermolajew ist von Kiew mit Sanktionen belegt und hat einen Wohnsitz in Monaco. Nach Medienberichten war er mit der ukrainischen Regierung in Konflikt geraten, weil er auf der Halbinsel Krim mit Alkohol Geschäfte machte.

Mann nicht mehr in Lebensgefahr

Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte der Staatsanwalt. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza.
Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und das gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und dass er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird.

Mitglieder eines Bombenräumkommandos am Tag nach einem mutmaßlichen Anschlag mit einem Sprengkörper in der Eingangshalle eines Wohngebäudes in Monaco am 30. Juni 2026 im Einsatz.

Foto: Valery Hache/AFP via Getty Images

Verdächtiger floh Richtung Frankreich

Die Regierung des Fürstentums erklärte, die „starke Explosion“ sei durch eine „Paketbombe“ verursacht. „Ein Verdächtiger wurde von der Videoüberwachung aufgenommen, wie er in Richtung der Gemeinde Beausoleil in Frankreich floh“, hieß es in der im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung.
Aus dem Umfeld des französischen Innenministers Laurent Nuñez verlautete, es sei eine Fahndung eingeleitet worden.
In Frankreich waren zwei Hubschrauber und etwa 30 Polizisten im Einsatz. Spezialkräfte seien in Alarmbereitschaft.

Am 29. Juni 2026 sind Rettungskräfte in Monaco in der Nähe des Ortes einer Explosion in einem Wohnhaus in Monaco, nahe der französischen Grenze, im Einsatz.

Foto: Valery Hache/AFP via Getty Images

Schock für Monaco

Fürst Albert II. bezeichnete den Vorfall als „abscheuliches Verbrechen“ und „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“. Der Staatsminister und Regierungschef des Fürstentums, Christophe Mirmand, sagte, der Sprengsatz habe offenbar Schrauben und Schrot enthalten.
„Dies ist meines Wissens das erste Mal in der Geschichte, dass eine solche Tat im Fürstentum verübt wurde“, sagte Mirmand.
Nun komme es darauf an, mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, „um das Umfeld der Opfer zu identifizieren“ und um festzustellen, ob womöglich weitere Menschen bedroht sein könnten, sagte er.
Der Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti, sprach auf X von einer „Tragödie“ für Monaco. (afp/red)
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Explosion in Monaco – ukrainischer Oligarch nicht mehr in Lebensgefahr

Einen Tag nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein ukrainischer Oligarch und zwei seiner Familienmitglieder verletzt wurden, suchen die Sicherheitskräfte in dem Fürstentum und in Südfrankreich nach dem Täter.
Das Paket explodierte nach Angaben der monegassischen Behörden am 29. Juni gegen 21:00 Uhr. Demnach wurde bei der Explosion ein Paar im Alter zwischen 50 und 60 Jahren schwer verletzt, ein 13 Jahre alter Jugendlicher erlitt leichtere Verletzungen. Alle drei wurden ins benachbarte Nizza in Krankenhäuser gebracht.
Die Identität der Opfer wurde bislang nicht offiziell bekannt. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln.
Jermolajew ist von Kiew mit Sanktionen belegt und hat einen Wohnsitz in Monaco. Nach Medienberichten war er mit der ukrainischen Regierung in Konflikt geraten, weil er auf der Halbinsel Krim mit Alkohol Geschäfte machte.

Mann nicht mehr in Lebensgefahr

Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte der Staatsanwalt. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza.
Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und das gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und dass er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird.
Die Staatsanwaltschaft geht zunächst nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe zurzeit keine Hinweise für eine solche Einstufung, sagte der monegassische Staatsanwalt Stéphane Thibault. Ermittelt werde wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault.

Verdächtiger floh Richtung Frankreich

Die Regierung des Fürstentums erklärte, die „starke Explosion“ sei durch eine „Paketbombe“ verursacht. „Ein Verdächtiger wurde von der Videoüberwachung aufgenommen, wie er in Richtung der Gemeinde Beausoleil in Frankreich floh“, hieß es in der im Onlinedienst X veröffentlichten Erklärung.
Aus dem Umfeld des französischen Innenministers Laurent Nuñez verlautete, es sei eine Fahndung eingeleitet worden.

Polizisten aus Monaco patrouillieren am 29. Juni 2026 in der Nähe des Ortes einer Explosion in einem Wohnhaus in Monaco, nahe der französischen Grenze.

Foto: Valery Hache/AFP via Getty Images

In Frankreich waren zwei Hubschrauber und etwa 30 Polizisten im Einsatz. Spezialkräfte seien in Alarmbereitschaft.

Schock für Monaco

Fürst Albert II. bezeichnete den Vorfall als „abscheuliches Verbrechen“ und „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft“. Der Staatsminister und Regierungschef des Fürstentums, Christophe Mirmand, sagte, der Sprengsatz habe offenbar Schrauben und Schrot enthalten. „Dies ist meines Wissens das erste Mal in der Geschichte, dass eine solche Tat im Fürstentum verübt wurde“, sagte Mirmand.
Nun komme es darauf an, mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten, „um das Umfeld der Opfer zu identifizieren“ und um festzustellen, ob womöglich weitere Menschen bedroht sein könnten, sagte er.
Der Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti, sprach auf X von einer „Tragödie“ für Monaco. (afp/red)
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Streit um Höcke-Interview: Landesmedienanstalt fordert „Einordnungen“ von YouTuber Ben Berndt


In Kürze:

  • Die Landesmedienanstalt NRW fordert den YouTuber Ben Berndt auf, ein Interview mit Björn Höcke nachträglich zu ändern und weitere Inhalte auf journalistische Sorgfalt zu prüfen.
  • Berndt lehnt dies ab, da er darin einen Eingriff in die Pressefreiheit sowie eine Einschränkung unabhängiger Medien sieht.
  • Sein Anwalt Joachim Steinhöfel kündigt einen Musterprozess an, der die Befugnisse der Landesmedienanstalten klären soll.

 
Ein Schreiben der Landesmedienanstalt NRW an den YouTuber Ben Berndt könnte zur Grundlage eines Musterprozesses über die Rolle und Kompetenzen der Landesmedienanstalten werden. Das hat der Anwalt des YouTubers, Joachim Steinhöfel, in einem Gespräch mit WELT TV angekündigt.
Wie Berndt seinem Publikum mitteilte, hatte die Landesmedienanstalt seine Firma ungeskriptet media GmbH angeschrieben und zur Anpassung oder Ergänzung einer Sendung aufgefordert. Betroffen ist sein Gespräch vom 29. April 2026 im Rahmen seiner Reihe „ungeskriptet“ mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.

Landesmedienanstalt fordert nachträgliche Prüfung aller 300 Interviews

Demnach soll Berndt der Rechtsabteilung der Landesmedienanstalt bis zum 30. Juni mitteilen, ob er den Inhalt auf den verschiedenen Plattformen entsprechend der Aufforderung geändert hat. Außerdem habe man ihn im Schreiben dazu aufgefordert, sein Angebot generell nachträglich auf die Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht zu prüfen. Dieses umfasst rund 300 mehrstündige Gespräche mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bereichen.
Grund für die Intervention ist eine Passage in dem Gespräch, in der Höcke über seine gerichtlichen Verurteilungen nach Paragraf 86a StGB sprach. Darin äußerte er Unmut darüber, dass er wegen der Verwendung der Parole „Alles für Deutschland“ verurteilt wurde. Höcke, der vor seinem Eintritt in die Politik Geschichtslehrer war, gab an, diese nicht als Parole der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) gekannt zu haben. Das Gericht schenkte dieser Einlassung keinen Glauben.
Im Gespräch mit „ungeskriptet“ erläuterte Höcke, warum er das Urteil für absurd hält. Dabei äußerte er, die SA habe kein Motto gehabt. Tatsächlich fand sich die Parole unter anderem auf einem Dolch der nationalsozialistischen Kampforganisation. Weil Berndt im Interview nicht auf diese Aussage von Höcke intervenierte, soll er die bereits von mehr als 6 Millionen Nutzern gesehene Sendung nachträglich ändern.

Definierte Sorgfaltspflichten in Paragraf 19 MStV als Grundlage

Die Landesmedienanstalt beruft sich bei ihrem Vorgehen auf ihre Kompetenzen nach dem Medienstaatsvertrag (MStV) und dessen Paragraf 19. Dieser erstreckt sich auf dort definierte Formen von „Telemedien mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten“. Gemeinsamer Nenner ist, dass diese „regelmäßig Nachrichten oder politische Informationen enthalten“.
Ist das der Fall, sind diese Inhalte „vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen“. Da es sich bei Höckes Aussage über die SA um eine „Tatsachenbehauptung, die dem Beweis zugänglich ist“, handelt, sieht sich die Landesmedienanstalt zu ihrem Vorgehen legitimiert.
Ursprünglich kontrollierten die Landesmedienanstalten private Rundfunksender. Mittlerweile fallen auch Internetangebote und damit ebenso Podcasts darunter. Dass Ben Berndt selbst angibt, kein Journalist zu sein, und Gespräche „wie bei einem Kaffee“ zu führen, die er „roh, ungeschnitten und unzensiert“ veröffentlicht, ist aus Sicht der Landesmedienanstalt nicht relevant.

Landesmedienanstalt: „Journalistisches Angebot“ bemisst sich nach realer Tätigkeit

Justiziarin Laura Braam erklärte gegenüber „t-online“, ob ein journalistisches Angebot vorliege, ergebe sich aus der Tätigkeit des Betreibers. Dabei genüge es, wenn dieser „Themen auswählt, Gespräche führt, Rückfragen stellt, Inhalte aufbereitet und präsentiert“. Es sei nicht erforderlich, dass eine große Redaktion dahinterstehe.
Berndt hat sein Gespräch mit Höcke bislang an zwei Stellen verändert. Dies geschah aus rechtlichen Gründen, da er sich andernfalls dem Risiko einer rechtlichen Verfolgung ausgesetzt hätte. Offenbar ging es dabei um Äußerungen Höckes über die frühere AfD-Parteisprecherin Frauke Petry.
Braam erklärte zudem, bei dem Schreiben handele es sich lediglich um einen „Hinweis“, der auf mögliche Defizite aufmerksam machen und dem Anbieter Gelegenheit geben solle, diese einzuordnen oder zu korrigieren, bevor ein Verwaltungsverfahren eingeleitet werde.
Der Medienstaatsvertrag enthält in Paragraf 109 allerdings keine ausdrückliche Bußgeld- oder Strafvorschrift für Verstöße gegen Paragraf 19. Auch die Untersagung von Inhalten ist nicht zulässig, wenn „die Maßnahme außer Verhältnis zur Bedeutung des Angebots für den Anbieter und die Allgemeinheit steht“. Eine Sperrung ist ebenfalls nur unter den Voraussetzungen des Paragraf 97 Abs. 5 Satz 2 und des Paragraf 98 der Strafprozessordnung zulässig. Möglich bleiben jedoch aufsichtsrechtliche Maßnahmen wie Beanstandung, Rücknahme oder Widerruf.

Steinhöfel: Hoheitliche Eingriffsbefugnisse würden Pressefreiheit verletzen

Ben Berndt will keine weiteren Anpassungen des Gesprächs mehr vornehmen. Er sieht insbesondere die Aufforderung, sämtliche von ihm bislang veröffentlichten Gespräche erneut zu überprüfen, als Einschüchterungsmaßnahme. Gegenüber „t-online“ sagte er, es werde „die Büchse der Pandora geöffnet“, sollte er der Aufforderung nachkommen. Zudem würde er damit nach eigener Darstellung „deren Auffassung akzeptieren, dass ich ein journalistisches Angebot mache und eine Behörde das regulieren darf“.
Auch sein Anwalt Joachim Steinhöfel betonte, die Landesmedienanstalt NRW sei „keine staatliche Schlussredaktion für mediale Inhalte“. Der Staat habe keine Befugnis, seine Vorstellungen journalistischer Sorgfalt hoheitlich gegenüber unabhängigen Medien durchzusetzen. Eine Behörde, die einem Presseanbieter mitteile, welche Aussagen eines politischen Gesprächspartners zu kommentieren, richtigzustellen oder zu ergänzen seien, übernehme „die Funktion einer Zensurbehörde“. Dies stelle einen Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte Pressefreiheit dar.
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Rumäne in Deutschland festgenommen – wegen mutmaßlicher Terrorpläne

In Baden-Württemberg ist ein junger Rumäne festgenommen worden, der von Deutschland aus versucht haben soll, den rumänischen Staat zu bekämpfen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe versuchte er, eine rechtsextremistische Gruppe zu gründen, die in Rumänien einen „Krieg des Terrors“ entfachen sollte.
Das sollte den Ermittlern zufolge zum Untergang des rumänischen Staats beitragen. Dem Festgenommenen, Nichita P., habe ein neuer Staat nach nationalsozialistischem Vorbild vorgeschwebt. Auch zur Errichtung eines solchen Staats habe die Gruppe beitragen sollen.

Aufruf zu Straftaten

Ab 2023 soll P. versucht haben, sie zu gründen. Dazu betrieb er zwei Kanäle in einem Messengerdienst, wie die Bundesanwaltschaft ausführte. Diese hätten sich vor allem an junge Rumänen gerichtet. P. habe Abonnenten und Mitglieder dazu aufgefordert, Straftaten zu begehen.
Dabei ging es den Angaben zufolge unter anderem um das Töten von Menschen und um Brandanschläge auf Gebäude, die von Migranten oder queeren Menschen genutzt werden. Er habe auch dazu aufgefordert, junge Mädchen zur Selbstverletzung zu verleiten.
Auf den Kanälen soll er außerdem Anleitungen zur Herstellung von Gift und Sprengstoffen sowie zum Bau von Molotowcocktails und Autobomben veröffentlicht haben. Im Tatzeitraum sei P. teils noch Heranwachsender gewesen, also unter 21 Jahren alt, erklärte die Bundesanwaltschaft.

Festnahme im Enzkreis

Festgenommen wurde er von Polizeikräften aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Enzkreis. Noch am Montag sollte er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe zur Entscheidung über die Untersuchungshaft vorgeführt werden.
Vorgeworfen wird P. der Versuch, als Rädelsführer eine ausländische terroristische Vereinigung zu gründen. Hinzu kommt die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. (afp/red)
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Meier, Müller, Müller-Meier? Die Deutschen und ihre Namen

Familiennamen, Doppelnamen, Mädchennamen. Ein weites Feld. Vor 50 Jahren tat sich hier Entscheidendes: Am 1. Juli 1976 trat in der Bundesrepublik ein neues Namensrecht in Kraft.
Damit war es Ehepaaren erstmals möglich, den Namen der Frau als Familiennamen zu wählen. Außerdem durften auch Männer einen Doppelnamen – oder richtiger: Begleitnamen – annehmen, der aber nicht an die Kinder weitervererbt werden durfte.

Lange Zeit konnte man seinen Namen einfach ändern

Die Sprachwissenschaftlerin Anne Rosar ist Expertin für Namensforschung an der Universität Mannheim. Sie weiß zu berichten, dass Namensänderungen im deutschsprachigen Raum bis etwa 1800 relativ unkompliziert möglich und üblich waren.
Erst als der Staat ein Interesse an der eindeutigen namentlichen Erfassung seiner Bürger entwickelte – etwa um professioneller Steuern zu erheben und Männer zum Kriegsdienst zu verpflichten – wurden Namensänderungen stark eingeschränkt. Einzige Ausnahme: Frauen mussten bei der Heirat den eigenen Familiennamen aufgeben und den Namen des Mannes annehmen.
Die erste Änderung kam 1958, als festgelegt wurde, dass die Frau ihren Geburtsnamen – oder „Mädchennamen“, wie es damals hieß – zumindest als „Begleitnamen“ weiterführen durfte. Das bedeutete, dass sie ihn mit Bindestrich an den Namen des Mannes anhängen durfte.
In der DDR wurde das Familien- und damit das Namensrecht schon 1966 grundlegend reformiert. Von da an war es Ehepaaren freigestellt, sich für den Namen des Mannes oder der Frau zu entscheiden. Doppelnamen waren dagegen nicht erlaubt – und sind infolgedessen in Ostdeutschland bis heute deutlich unbeliebter als im Westen.
1976 erfolgte dann die Reform in der Bundesrepublik, verbunden mit einer Liberalisierung des Ehe-, Familien- und Scheidungsrechts. „Das war eine entscheidende Umbruchphase, in der die Abkehr von erzkonservativen Vorstellungen von Ehe und Familie eingeleitet und ein auf Partnerschaft basierendes Verständnis rechtlich verankert wurde“, sagt Rosar.

Orientierung an der Tradition

Die nun bestehende Möglichkeit, den Namen der Frau als Familiennamen zu wählen, wurde aber nur sehr selten genutzt. „Das ist auch nicht überraschend, denn diese neue Möglichkeit stellte eine radikale Umkehr des bis dahin geltenden, tief in der Gesellschaft verankerten patriarchalen Ehenamen-Prinzips dar.“
Eine Umfrage von Rosar ergab dazu im Jahr 2022: Die weitaus meisten Paare begründen ihre Entscheidung für den Namen des Mannes noch immer damit, dass sie sich an der Tradition orientiert haben – man habe einfach das gemacht, was üblich sei. Außerdem fänden sie den Namen des Mannes einfach schöner. „Offenbar haben Männer einfach besser klingendere, seltenere, coolere Namen“, schmunzelt Rosar.
Auf einen gemeinsamen Ehenamen zu verzichten, war bis in die 90er Jahre nicht möglich. Doch dann erklärte das Bundesverfassungsgericht 1991 das bisherige Namensrecht für verfassungswidrig.
Es verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes, dass ein Ehepaar automatisch den Namen des Mannes bekomme, wenn sich die Eheleute nicht einigen könnten – so das Urteil der Richter. Weiter entschieden sie, dass die Eheleute auf einen gemeinsamen Namen auch einfach verzichten und ihren Geburtsnamen beibehalten könnten.

Merkel erklärt Meier-Müller und Müller-Meier

Angela Merkel (CDU), damals Bundesfrauenministerin, erklärte das dann so: „Das heißt, wenn die Eltern sich einigen, dann heißen die Kinder Meier oder Müller oder das Kind heißt Meier-Müller. Und jetzt ist nur noch ein strittiger Fall, und der heißt: Heißen sie Meier-Müller oder Müller-Meier? Und wenn sich die Eltern auch darüber nicht einigen können, dann entscheidet der Standesbeamte mit einem Losverfahren.“
Das ging allerdings nur in einer Übergangszeit, bis der Bundestag 1994 ein reformiertes Namensrecht beschloss. Doppelnamen als gemeinsame Ehenamen wurden darin nicht erlaubt.
2016 entschieden sich bereits 16 Prozent der Paare für getrennte Namen. „Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Familienformen immer vielfältiger werden“, so Rosar.
„Ein zentraler Wunsch von Familien ist es, durch einen gemeinsamen Namen als Einheit wahrgenommen zu werden. Das traditionelle Namenssystem ist aber nur auf die klassische Kleinfamilie aus Vater, Mutter und Kind ausgelegt. Je mehr sich also Lebensentwürfe durch Scheidung und Wiederverheiratung diversifizieren, desto häufiger scheitert das System daran, die Zugehörigkeit aller Familienmitglieder abzubilden. Das erklärt das wachsende Bedürfnis nach alternativen Regelungen.“

Doppelnamen, auch wenn Eltern nicht verheiratet sind

Das neueste Namensrecht, das vergangenes Jahr in Kraft trat, trägt dem Rechnung, indem es nun doch Doppelnamen als Familiennamen und somit auch für Kinder erlaubt, sogar wenn die Eltern nicht verheiratet sind. Eine weitere Neuerung: Doppelnamen können ohne Bindestrich geführt werden.
So ist inzwischen vieles möglich – aber vieles auch noch nicht. So dürfen in Deutschland keine völlig neuen Namen gewählt oder zusammengesetzt werden, außer in einigen ganz seltenen Ausnahmen.
In anderen Ländern ist das nicht so. Dort muss man mitunter nur ein Online-Formular ausfüllen, und schon bekommt man einen komplett anderen Namen.  (dpa/red)
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Bundeskanzler Merz zu Stade: „Viele Menschen, die helfen und schützen wollten, haben ihr Leben verloren“

Nach dem Schusswaffenangriff mit sechs Toten in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade liegt das Motiv nach ersten Erkenntnissen der Ermittler in einem Sorgerechtsstreit.
Bei dem kurz nach der Tat festgenommenen mutmaßlichen Schützen handle es sich um einen 45-jährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln, dessen drei Monate alte Tochter mitsamt der 34-jährigen Kindsmutter in der Einrichtung untergebracht gewesen sei.
Das teilte die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol am Montag vor Journalisten in Stade mit. Die Getöteten waren demnach Mitarbeiter eines Jugendhilfeträgers und des Jugendamts.
Schuol sprach von einem „Sorgerechtsstreit“ als mutmaßlichem Hintergrund des Verbrechens.

Innenministerin: Das wird „Spuren hinterlassen“

Niedersachsens Landesinnenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnete dieses als „kaltblütige Gewalttat ohne politische oder wirtschaftliche Hintergründe“, die aus mutmaßlich „familiären Motiven“ begangen worden sei. Die Tat werde weit über die unmittelbar Betroffenen und die Stadt Stade hinaus „Spuren hinterlassen“, fügte Behrens hinzu.
Nach Angaben Schuols gab es in der Sorgerechtsangelegenheit am Montag einen Termin in der Einrichtung, zu der neben mehreren Getöteten auch der im Raum Hannover wohnhafte Verdächtige geladen war.
Die Einrichtung eines privaten Trägers, in der sich Mutter-Kind-Wohnungen befinden, wird demnach vom Jugendamt Hannover genutzt. Bei den getöteten Mitarbeitenden handelte es sich um vier Frauen und zwei Männer. Die Kindsmutter und das Kind des Tatverdächtigen blieben bei dem Geschehen demnach unverletzt.

Polizeibeamte stehen zusammen mit Mitarbeitern einer Jugendhilfeeinrichtung und Zeugen in der Nähe des Tatorts, an dem am 29. Juni 2026 bei einer Schießerei in Stade sechs Menschen ums Leben kamen.

Foto: Ibrahim Ot/AFP via Getty Images

Vier Menschen waren sofort tot

Erste Notrufe über Schüsse in der Einrichtung erreichten die Polizei in der Stadt unweit von Hamburg gegen Mittag. Den eintreffenden Einsatzkräften habe sich ein „grausames Bild“ geboten, sagte Schuol.
Vier Opfer seien sofort tot gewesen, ein fünftes trotz Reanimation noch vor Ort verstorben. Ein weiterer Mensch starb später im Krankenhaus an seinen Schussverletzungen.
Der Verdächtige flüchtete laut Polizei zunächst in einem von einer 65-jährigen Frau gesteuerten Auto, das Beamte nach kurzer Zeit bei großangelegten Fahndungs- und Einsatzmaßnahmen stoppten.
Dabei fielen auch Schüsse, der mutmaßliche Schütze und die Fahrerin des Fluchtwagens blieben demnach unverletzt. Beide wurden festgenommen. Die Staatsanwaltschaft Stade will am Dienstag über die Beantragung von Haftbefehlen entscheiden.

Verdächtige war amtsbekannt

Auch die mutmaßliche Tatwaffe ist beschlagnahmt. Woher der Verdächtige sie hatte, war zunächst unklar. Eine waffenrechtliche Erlaubnis habe er nicht besessen, sagte Schuol.
Ihren Angaben zufolge war der Mann bereits wegen Bedrohung amtsbekannt, galt laut polizeilichen Auskunftssystemen aber nicht als „absolut gewalttätig“. Bei der ebenfalls festgenommenen mutmaßlichen Fluchtautofahrerin handelte es sich laut Ermittlern um eine Frau aus dem erweiterten Familien- oder Bekanntenkreis des 45-Jährigen.
Zunächst befand sich außerdem ein weitere Mensch in Polizeigewahrsam, wie die Polizeipräsidentin am Montagabend weiter sagte. Deren „Status“ ist aktuell noch in Klärung.
Die Kindsmutter werde von der Polizei betreut und befragt. Warum diese mit ihrer Tochter in der Einrichtung war, war zunächst ebenfalls noch offen. Zur Unterbringungssituation könnten die Ermittler aktuell konkret noch nicht sagen, betonte Schuol.

Bundeskanzler Merz dankt den Polizisten

Die Tat löste bundesweit Entsetzen aus. „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark“, schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Onlinedienst X.
„Viele Menschen, die helfen und schützen wollten, haben ihr Leben verloren oder wurden verletzt. Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen.“ Merz dankte zudem den Polizisten für ihren schnellen Einsatz.

Die Polizei setzt einen Hund ein, während sie am 29. Juni 2026 in der Nähe des Tatorts in Stade ermittelt.

Foto: Ibrahim Ot/AFP via Getty Images

„Ich bin tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz geben soll“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin. „Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Toten und Verletzten, die so viel Schmerz ertragen müssen.“ Sein Dank gehe an alle Einsatzkräfte und Ärzte.
Als „erschütternd“ bezeichnete Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) das Geschehen. Die Tat mache „die gesamte Landesregierung tief betroffen“, erklärte er in Hannover.
Zugleich bat er darum, „jetzt keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben“. Es sei „die Zeit für Trauer, Anteilnahme und sachliche Ermittlungsarbeit und nicht für Spekulationen und Verunsicherung“. (afp/red)