Standort- und Bewegungsdaten gekoppelter Smartphones ermöglichen, detaillierte Bewegungsprofile zu erstellen. (Symbolbild) - Foto: metamorworks/iStock
In Kürze:
Moderne Fahrzeuge sammeln umfangreiche Daten zu Insassen, Standort und Fahrverhalten und bergen dadurch Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.
Der Verfassungsschutz und der niederländische Geheimdienst AIVD warnen besonders vor Spionage durch Erstellen von Bewegungsprofilen und mögliche Fernzugriffe auf Mikrofone – vorwiegend bei Personen in sensiblen Positionen.
Bei chinesischen Fahrzeugen besteht ein zusätzliches Risiko, da Daten nach China übertragen und dort von staatlichen Stellen abgerufen werden könnten.
Moderne Fahrzeuge werden immer „intelligenter“. Ihre Ausstattung mit ausgefeilten digitalen Systemen bietet praktische Vorteile, birgt jedoch auch Risiken für den Datenschutz und die Sicherheit.
Die Fahrzeuge erfassen große Mengen an Informationen über Insassen, Standort und Fahrverhalten sowie über Personen und Objekte in ihrer Umgebung. Vor möglichen Spionagerisiken warnen nun sowohl deutsche als auch niederländische Nachrichtendienste.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht insbesondere Personen gefährdet, die aufgrund ihrer Funktion oder Tätigkeit „Zugang zu schutzbedürftigen Informationen“ haben. Dazu zählten Menschen in „herausgehobenen“ staatlichen, politischen oder wirtschaftlichen Positionen. Auch Abgeordnete, Journalisten und Beschäftigte kritischer Infrastrukturen könnten einem erhöhten Spionagerisiko ausgesetzt sein, erklärte die Behörde kürzlich gegenüber dem „Handelsblatt“.
Über die Internetverbindung eines Fahrzeugs könnten Angreifer Fahrdaten, Telemetriedaten und möglicherweise auch Aufzeichnungen aus dem Innenraum abgreifen. Zudem könnten sich die Mikrofone vieler Fahrzeuge aus der Ferne aktivieren lassen. Die Risiken beschränkten sich laut Verfassungsschutz nicht auf den Verlust persönlicher Daten. Unter Umständen sei sogar eine Übernahme der Fahrzeugkontrolle denkbar.
Standortdaten und Kontakte offengelegt
Auch der niederländische Geheimdienst AIVD warnt vor den Möglichkeiten zur Datenerfassung in modernen Fahrzeugen.
In einer Ende September veröffentlichten Informationsbroschüre mit dem ungefähren deutschen Titel „Das moderne Auto als potenzieller Spion: Digitale Bedrohungen in intelligenten Fahrzeugen“ beschreibt der Nachrichtendienst verschiedene technische Risiken und gibt Empfehlungen, wie sich die Gefahr von Spionage begegnen lässt.
Ein besonderes Risiko stellten das Erfassen von Standort- und Bewegungsdaten dar, wie der AIVD bekannt gab. Ausreichend genaue Informationen könnten es ermöglichen, detaillierte Bewegungsprofile zu erstellen. Dadurch könnten etwa Besuche in Ministerien, militärischen Einrichtungen oder sicherheitsrelevanten Unternehmen nachvollziehbar werden.
Nach Einschätzung des AIVD sollten sich Nutzer dessen bewusst sein, dass die erfassten Daten „für verschiedene Akteure von Interesse sein können, darunter staatliche Stellen, die ebenfalls Zugriff darauf erhalten können“.
Die Empfehlungen richten sich insbesondere an Beschäftigte in der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit mit sensiblen Informationen in Berührung kommen.
Das moderne Auto als potenzieller Spion
Mikrofone im Fahrzeug: Es besteht die Möglichkeit, Mikrofone aus der Ferne zu aktivieren und dadurch Gespräche im Fahrzeug oder in dessen unmittelbarer Umgebung abzuhören. Der AIVD rät deshalb davon ab, vertrauliche Gespräche in modernen Autos oder in deren Nähe zu führen.
Innen- und Außenkameras: Kameras können Aufnahmen aus dem Fahrzeuginneren und der Umgebung anfertigen. Der Geheimdienst empfiehlt, mit Fahrzeugen, die über Außenkameras verfügen, nicht an sensible Orte zu fahren und darauf zu achten, welche Personen, Einrichtungen oder Vorgänge aufgezeichnet werden könnten.
Infotainmentsysteme: Diese Systeme moderner Fahrzeuge, welche die zentrale Steuerung von Radio, Navigation und Multimedia-, sowie Internet-Anwendungen ermöglichen, speichern unter anderem Informationen über verbundene Geräte, Kontakte, Nachrichten, Internetaktivitäten und Navigationsdaten. Diese Informationen könnten an den Hersteller und Dritte übermittelt werden. Der AIVD empfiehlt daher, sensible Adressen nur mit Bedacht einzugeben und die Nutzung integrierter digitaler Dienste vom jeweiligen Fahrtzweck abhängig zu machen.
Verbindung mit dem Smartphone: Die Kopplung eines Mobiltelefons über Bluetooth, WLAN oder USB kann zusätzliche Datenzugriffe ermöglichen. Der AIVD rät dazu, automatische Kopplungen zu vermeiden und bei Kabelverbindungen einen USB-Datenblocker zu verwenden. Auch beim kabellosen Laden empfiehlt der Dienst besondere Vorsicht.
GPS und Telematik: GPS-Systeme und Telematikmodule ermöglichen die Erfassung von Standortdaten und Fahrten. Telematikmodule übertragen über ihre Internetverbindung Informationen an den Hersteller, etwa zu Standort und Aktualisierungen. Fahrer haben in der Regel keine vollständige Kontrolle darüber, welche Daten erfasst und weitergegeben werden.
Auch Ladestationen für Elektroautos können Daten aus angeschlossenen Fahrzeugen übertragen. Die Risiken im Zusammenhang mit GPS, Telematik und Ladevorgängen lassen sich nach Einschätzung des AIVD weder durch technische Maßnahmen noch durch das Verhalten der Fahrer vollständig ausschließen.
Besondere Risiken bei chinesischen Fahrzeugen
Erhöhte Risiken sieht der Verfassungsschutz bei Fahrzeugen aus Staaten, deren Gesetze Unternehmen zur Zusammenarbeit mit den nationale Sicherheitsdiensten verpflichten. Die deutsche Behörde nennt ausdrücklich China und verweist auf das dortige Nationale Geheimdienstgesetz von 2017.
Auch die tschechische Cybersicherheitsbehörde NÚKIB hat vor möglichen Risiken durch vernetzte Fahrzeuge aus China gewarnt. In einer strategischen Analyse vom August 2025 untersuchte die Behörde Elektroautos und andere vernetzte Fahrzeuge chinesischer Herkunft.
Nach Einschätzung des NÚKIB würden bei Fahrzeugen aus China die übermittelten Daten unter anderem auf Servern in China gespeichert, auf die nach chinesischem Recht auch das chinesische Regime zugreifen könne.
Der NÚKIB warnte deshalb vor einer hohen Bedrohung durch die Übermittlung von System- und Nutzerdaten nach China und in dessen Sonderverwaltungsregionen.
Jens Baas (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Techniker Krankenkasse (TK) ist mit mehr als zwölf Millionen Versicherten die größte Kasse in Deutschland. TK-Chef Jens Baas schlägt ein System vor, in dem das Beste aus beiden Welten genutzt werde. „Aus der GKV ist das etwa der Verzicht auf eine Risikoselektion“, so der TK-Chef.
Auch die Möglichkeit, jederzeit die Kasse wechseln zu können, müsse übernommen werden. Das ist in der PKV kaum möglich. Drittens dürften keine Gewinne aus der Krankenversicherung abgeschöpft werden. Und viertens müsse es bestimmte Standards geben, welche Leistungen von der Kasse abgedeckt werden.
Als Vorteile aus der PKV nannte Baas die Staatsferne. „An die Altersrückstellungen der Privaten kommt der Staat nicht ran“, sagte er. Dass der Staat Rücklagen nicht angreifen könne, müsste man in einem neuen System übernehmen. Ein zweiter Pluspunkt seien vertragliche Gestaltungsmöglichkeiten. „Eine PKV kann Verträge mit Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten in der Theorie viel freier gestalten als wir“, sagte Baas dem „Spiegel“. Sie schafften das aber meist nicht, „weil sie zu klein sind. In einem gemeinsamen System könnten wir das umsetzen.“
Zudem kritisierte der TK-Chef die politische Debatte beim Thema Bürgerversicherung: „Jeder versteckt sich in seiner parteipolitischen Wohlfühlecke.“ (dts/red)
«Sparschwein» fürs Alter: Neue Frühstartrente. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Kinder bekommen zehn Euro im Monat vom Staat – für die Rente, die noch Jahrzehnte entfernt ist. Das ist der Kern der neuen Frühstartrente. Sie soll das Startkapital für die Altersvorsorge sein, unabhängig von den Finanzen der Eltern. Der Bundestag stimmt am Freitag über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung ab. Anschließend befasst sich auch der Bundesrat mit dem Entwurf.
Was ist konkret geplant?
Für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren zahlt der Staat pro Monat zehn Euro in einen Altersvorsorgedepot-Vertrag ein. Das kann ein von den Eltern ausgewähltes Depot sein oder automatisch eine von der Bundesbank verwaltete öffentliche Kapitalanlage.
Die Erträge sind bis zum Beginn der Auszahlungsphase steuerfrei. Ausgezahlt wird das geförderte Kapital laut Finanzministerium grundsätzlich nicht vor Vollendung des 65. Lebensjahres. Eltern und Großeltern können das Depot durch freiwillige Zahlungen aufstocken – Einzahlungen bis zu 6.840 Euro im Jahr sind erlaubt.
Gefördert wird laut Finanzministerium nur ein Standarddepot-Vertrag mit einem Kostendeckel von einem Prozent. Bis zur Volljährigkeit dürfen Anbieter keine Abschluss- und Vertriebskosten erheben. Im Finanzausschuss des Bundestags wurde festgelegt, dass das Geld ausschließlich in breit gestreute globale Aktien oder Aktienfonds anzulegen ist.
Wann startet die Frühstartrente?
Das Gesetz soll Anfang Januar 2027 in Kraft treten. Die Frühstartrente startet rückwirkend mit dem Geburtsjahrgang 2020, also den im Jahr 2026 Sechsjährigen. Ab 2027 wird jährlich der Geburtsjahrgang der im jeweiligen Kalenderjahr Sechsjährigen einbezogen. Kinder, die heute bereits sieben Jahre oder älter sind, erhalten keine Förderung. Der Staat zahlt die Frühstartrente bis zur Volljährigkeit. Danach geht das Depot in die steuerlich geförderte private Altersvorsorge über.
Was soll die Frühstartrente bringen?
Der große Vorteil eines frühen Starts sei Zeit, so das Finanzministerium. Über viele Jahre könne der Zinseszinseffekt wirken. Je länger Geld investiert bleibe, desto stärker könne sich dieser Effekt bemerkbar machen.
Nach Berechnungen des Finanzministeriums entsteht allein aus der staatlichen Förderung bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 Euro. Daraus könnten bis zum 65. Lebensjahr ohne weitere Einzahlungen rund 53.000 Euro werden. Legen Eltern monatlich zehn Euro dazu, kann das Depot laut Ministerium bis zum 65. Lebensjahr auf rund 107.000 Euro wachsen – bei 50 Euro Zuzahlung wären es rund 320.000 Euro.
Den Berechnungen liegt dem Finanzministerium zufolge eine angenommene durchschnittliche Wertentwicklung von 7 Prozent pro Jahr zugrunde. Das entspreche der langjährigen Durchschnittsrendite weltweit gestreuter Aktienanlagen nach Abzug etwaiger Kosten. Die tatsächliche Wertentwicklung könne höher oder niedriger ausfallen. Im Gesetzentwurf heißt es, sollte das Startkapital durch eine ungünstige Entwicklung am Kapitalmarkt geringer ausfallen als die Summe der für einen Anspruchsberechtigten angelegten Frühstartrente, bestehe kein Anspruch auf einen Ausgleich durch den Bund.
Was kostet das den Staat?
Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.
Wozu soll die Frühstartrente junge Menschen motivieren?
Die Frühstartrente soll auch dafür sorgen, dass sich mehr junge Menschen mit dem Aktienmarkt auseinandersetzen. Sie sollen die Wertentwicklung in ihren eigenen Depots verfolgen – und sehen, dass sich ein vorübergehendes Minus auf lange Sicht oft ausgleicht.
So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen. Dafür hat die Bundesregierung auch einen Nachfolger für die private Riester-Rente entwickelt.
Wie wird das Konzept bewertet?
Die Deutsche Kreditwirtschaft begrüßt die Pläne. Die Frühstartrente ergänze das geplante Altersvorsorgedepot um ein Angebot für Kinder und Jugendliche und erleichtere den frühzeitigen Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge. „Sie kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, junge Menschen früh an den langfristigen Vermögensaufbau über den Kapitalmarkt heranzuführen“, hieß es in einer Stellungnahme.
„Zehn Euro im Monat werden die Rentenlücke nicht schließen. Aber die Frühstartrente kann Millionen junge Menschen frühzeitig und ganz selbstverständlich mit dem Kapitalmarkt und langfristigem Investieren in Kontakt bringen“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
Was wird kritisiert?
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bezeichnet die Frühstartrente dagegen als „Mogelpackung“. „Sie ist keine Rente und verschweigt die sozialen und ethischen Risiken des Kapitalmarkts“, heißt es in einer Stellungnahme. Sie sei daher abzulehnen. „Die Frühstartrente ist vor allem ein staatlich finanzierter Weg der Kundenakquise für private Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen.“
Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband sagte, bei der Finanzbildung bleibe die Politik hinter ihren Ansprüchen zurück. „Informationen von Finanzanbietern sind wichtig. Eine unabhängige Finanzbildung ersetzen sie aber nicht. Kinder und Familien brauchen qualitätsgesicherte Bildungsangebote statt Werbematerial.“ (dpa/red)
Die Linke ist vors Bundesverfassungsgericht gezogen. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
Im Streit um ein Instagram-Video von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die Linke am Bundesverfassungsgericht einen Erfolg erzielt. Die Ministerin muss das auf dem Profil ihres Ministeriums veröffentlichte Video zunächst entfernen, entschied das höchste deutsche Gericht in Karlsruhe und gab damit einem Eilantrag der Linken statt. Das Ministerium teilte daraufhin mit: „Wir werden die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nun prüfen und die Konsequenzen selbstverständlich umsetzen.“
Es geht um ein Video auf dem Instagram-Account des Ministeriums mit Ausschnitten einer Rede vom 23. September – wenige Tage nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin. Reiche warnt darin, es sei gefährlich für die Hauptstadt und den Investitionsstandort Deutschland, dass eine Partei über Enteignung spreche und dies in ihr Programm schreibe sowie „Antisemitismus offen lebt, die den Juden in dieser Stadt Angst macht“.
Folgeabwägung fällt für Linke aus
Die Linke hatte die Ministerin per Anwalt aufgefordert, das Video bis zum 29. September zu entfernen. Das geschah allerdings nicht. Die Partei wandte sich mit einer Organklage und einem Eilantrag an das Bundesverfassungsgericht. Letzterer hatte nun Erfolg. Reiche muss das Video bis zu einer Entscheidung über die Organklage in der Hauptsache – längstens aber für die Dauer von sechs Monaten – löschen, entschied der Zweite Senat in Karlsruhe.
Erginge diese einstweilige Anordnung des Gerichts nicht, aber hätte die Organklage später Erfolg, drohe der Linken durch die fortwährende Verbreitung womöglich ein „schwerer irreparabler Nachteil mit Blick auf ihr Recht auf gleichberechtigte Teilnahme am politischen Wettbewerb“, begründeten die Richterinnen und Richter ihre Entscheidung. Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der laufenden Gespräche zur Regierungsbildung in Berlin.
Sollte die Organklage hingegen später keinen Erfolg haben, sei Reiche an einer Wiederholung der Äußerungen dann nicht gehindert. Außerdem könne sie sich während des laufenden Verfahrens als Parteipolitikerin oder Privatperson im Rahmen der Meinungsfreiheit äußern. Die Klärung der Frage, ob die streitigen Äußerungen verfassungsgemäß sind, bleibe dem Hauptsacheverfahren vorbehalten. Die Entscheidung erging mit 6:2 Richterstimmen.
Linke kritisiert „einseitige und parteipolitische“ Äußerung
In dem Antrag der Linken, der der Deutschen Presse-Agentur und anderen Medien vorlag, hieß es, Reiche habe das Neutralitätsgebot für Staatsorgane missachtet und die Linke in ihrem Recht auf gleichberechtigte Teilnahme am politischen Wettbewerb verletzt. Als Wirtschaftsministerin habe sie sich rechtswidrig „einseitig und parteipolitisch“ geäußert und sei „Teil einer systematischen Kampagne“ der CDU gegen die Linke.
Ein Ministeriumssprecher hatte während des laufenden Verfahrens keine weitere Stellungnahme abgeben wollen und lediglich mitgeteilt, der Beitrag sei die Verlängerung einer Rede vor Familienunternehmern und beziehe sich eindeutig auf die Auswirkungen auf und Gefährdung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Der Titel des Clips auf Instagram laute „Wirtschafts- und Investitionsstandort stark machen“.
Auch Reiches Anwältinnen und Anwälte argumentieren in einer Erwiderung mit dem Bezug zur Wirtschaft. „Verfolgt die Bundesregierung also das Ziel, die Investitionsbedingungen in Deutschland zu verbessern und privates sowie internationales Kapital für den Wirtschaftsstandort zu mobilisieren, gehört es grundsätzlich auch zu ihrer Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, dieses Ziel zu erläutern und die Öffentlichkeit über Entwicklungen zu informieren, die sie als Gefahren für die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen bewertet“, heißt es in dem Schriftsatz von Schertz Bergmann, welcher der dpa vorliegt. Zuvor hatte auch „Beck aktuell“ darüber berichtet.
In Bezug auf den Antisemitismus-Vorwurf verweist die Kanzlei auf eine „seit Jahren bestehende und im Jahr 2026 erneut zugespitzte öffentliche Auseinandersetzung über den Umgang des Berliner Landesverbandes der Antragstellerin mit antisemitischen Positionen und Vorfällen“. Auch hier sei Wirtschafts-Bezug gegeben. So heißt es in dem Schreiben unter anderem: „Die Auseinandersetzung um Antisemitismus und die Sicherheit jüdischen Lebens hat damit zugleich eine erhebliche wirtschaftliche Standortdimension: Die internationale Attraktivität Berlins als Hauptstadt des Investitionsstandorts Deutschland beruht gerade auch auf ihrer Wahrnehmung als weltoffener und sicherer Ort für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion.“
Auch andere Politiker bekamen Post von Anwälten der Linken
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September war die Linke deutlich stärkste Kraft geworden. Die Partei geht mit anwaltlichen Schreiben auch gegen andere Politiker vor, die der Partei über Social Media Antisemitismus und Nähe zu kriminellen Clans vorgeworfen haben. Einige haben danach ihre Beiträge gelöscht, andere nicht.
„Die groß angelegte Kampagne von CDU-Ministern gegen Die Linke fällt gerade wie ein Kartenhaus in sich zusammen“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Linken, Janis Ehling, dem „Spiegel“. „Statt ihr Amt für eine sachliche politische Auseinandersetzung zu nutzen, haben sie versucht, Die Linke mit gezielten Unterstellungen zu diskreditieren.“ (dpa/red)
Das Oberlandesgericht Hamburg. (Archivbild) - Foto: Christian Charisius/dpa
Wegen der Vorbereitung von Anschlägen auf deutsch-jüdische Vertreter im Auftrag eines iranischen Geheimdiensts sind zwei Männer in Hamburg zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.
Das Oberlandesgericht in der Hansestadt verhängte gegen die beiden Angeklagten am Donnerstag Freiheitsstrafen von viereinhalb beziehungsweise achteinhalb Jahren.
Auftrag der iranischen Revolutionsgarden
Laut Anklage waren sie unter anderem auf den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, angesetzt worden.
Bei den Beschuldigten handelt es sich nach Erkenntnissen der anklageführenden Bundesanwaltschaft um einen Agenten der iranischen Revolutionsgarden und einen von ihm angeworbenen Komplizen.
Der Agent sollte unter anderem Informationen über Schuster und den Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, den Grünen-Politiker Volker Beck, sammeln. Laut Anklageschrift waren diese zur Vorbereitung von Anschlägen gedacht.
Der von ihm angeworbene Komplize sollte ihm dabei helfen und erklärte sich laut Bundesanwaltschaft dazu bereit, einem weiteren Mann eine Waffe für einen Anschlag auf Beck zu verschaffen und diesen zu einem Anschlag zu veranlassen.
Staatsbürger Dänemarks und Afghanistans
Bei den Männern handelt es sich um einen dänischen und einen afghanischen Staatsbürger. Beide waren im vergangenen Jahr im Abstand von mehreren Monaten in Dänemark festgenommen worden.
Verurteilt wurden sie unter anderem wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit und versuchter Beteiligung an einem Mord.
Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer Haftstrafen von viereinhalb sowie achteinhalb Jahren gefordert, das OLG folgte mit seinem Urteil diesen Anträgen. Die Verteidigung der Angeklagten hatte Freisprüche beantragt. (afp/red)
Wer Opfer von Kontobetrug wird, darf nach EU-Recht grundsätzlich zunächst eine Rückerstattung von seiner Bank verlangen. (Symbolbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpa
Banken müssen Opfern von Kontobetrug das Geld zunächst sofort erstatten, selbst wenn sie ihnen grobe Fahrlässigkeit vorwerfen.
Das stellte der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in einem Urteil klar. Der Zahlungsdienstleister könne danach die Verluste von Kunden zurückfordern, die auf deren grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen seien, hieß es in einer Mitteilung des Gerichtshofs in Luxemburg.
Phishing-Fall aus Polen
Hintergrund war ein Fall aus Polen, bei dem eine Bankkundin Opfer eines Betrugs durch Phishing wurde.
Die Frau hatte einen Artikel auf einer Online-Verkaufsplattform angeboten. Ein Betrüger gab sich als Kaufinteressent aus und schickte ihr einen Link, der angeblich von der Plattform stammte und den Verkauf bestätigen sollte.
Die Frau folgte dem Link und landete auf einer Website, die wie die ihrer Bank aussah. Dort gab sie ihre Zugangsdaten für das Online-Banking ein. Tatsächlich gelangte der Täter so an ihre Daten und überwies rund 700 Euro auf ein eigenes Konto.
Die Kundin meldete den Vorgang am nächsten Tag ihrer Bank. Das Institut lehnte eine Erstattung aber ab: Die Frau habe den Betrug durch grobe Fahrlässigkeit ermöglicht. Die Kundin zog vor ein polnisches Gericht, das dem EuGH den Fall zur Klärung vorlegte.
Verbraucherschützer: In Deutschland ähnliche Praxis von Banken
Einer Expertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zufolge lässt sich in Deutschland eine ähnliche Praxis beobachten wie in dem polnischen Fall.
Das führe für Verbraucher dazu, dass sie viel Aufwand in die Auseinandersetzung mit ihren Zahlungsdienstleistern investieren müssen, aufgeben oder ungünstige Vergleichsangebote annehmen. Außerdem scheuen die Menschen aufgrund des Prozesskostenrisikos den Rechtsweg, um eine Rückerstattung zu erreichen.
Die Luxemburger Richter stellten klar: Banken müssen Beträge aus solchen Vorgängen sofort erstatten, wenn Kunden sie rechtzeitig informieren.
Nach EU-Recht gebe es nur eine Ausnahme: Wenn es Gründe für den Verdacht gibt, dass Betroffene selbst betrügen, und die Bank dies der zuständigen nationalen Behörde schriftlich mitteilt.
Der Gerichtshof verwies auf das Ziel, ein hohes Maß an Verbraucherschutz zu gewährleisten. (dpa/red)
Randalierer zündeten am 13. Oktober 2026 auf dem Boulevard des Invalides in Paris ein Auto an. - Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
In Kürze:
Am fünften Protesttag demonstrierten laut Innenministerium 161.500 Menschen in Frankreich.
Es kam erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei, Vandalismus und Verletzungen von Schulpersonal und Polizei.
Organisatoren hoffen, am 17. Oktober auch die Gelben Westen zu mobilisieren.
Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hatte sich zuvor an einer Schulblockade in Saint-Denis beteiligt.
„Es gibt nur eine Lösung: Revolution!“, skandierten die ersten Demonstranten, als sie am späten Dienstagnachmittag auf der Place Vauban eintrafen. Sie führten einen von zwei Demonstrationszügen an, die sich auf dem Platz hinter dem Hôtel des Invalides, dem historischen Militärkomplex im Zentrum von Paris, versammelten.
Es folgten die bekannten Parolen. „Nieder mit dem Staat, der Polizei und den Faschisten“, „Alle hassen die Polizei“ und die italienische Parole „Siamo tutti antifascisti“ („Wir sind alle Antifaschisten“) waren aus der Menge zu hören. Manche trugen – wie bei früheren Kundgebungen – palästinensische und kommunistische Fahnen, zusammen mit Plakaten mit Botschaften wie „Besteuert die Reichen“ und „Widerstand gegen den Faschismus“.
Besuch von Greta Thunberg
Der Dienstag, 13. Oktober, war der fünfte landesweite Protesttag, seit die Bewegung am 18. September begann, als Schüler in den Pariser Vororten Gymnasien zu blockieren anfingen. Die Unruhen haben sich seither auf die Universitäten ausgeweitet und Unterstützung von Lehrergewerkschaften sowie linken politischen Gruppen erhalten.
Eines der Ereignisse, die während der Proteste am 13. Oktober internationale Aufmerksamkeit erregten, war die Teilnahme der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg.
Demonstranten marschieren am 13. Oktober 2026 durch Paris.
Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
Sie erschien vor dem Lycée Paul-Éluard in Saint-Denis, einem Vorort im Norden von Paris mit einem großen Anteil an Einwanderern, der zu einem Zentrum der Proteste geworden war. Dort schloss sie sich mehr als hundert Demonstranten an, die sich versammelt hatten, um die Schule zu blockieren.
„Ich bin unglaublich stolz auf die französischen Schüler. Unsere Zukunft wird uns gestohlen“, sagte Thunberg gegenüber Reportern.
Ihr Besuch wurde vom Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, Mitglied der linken Partei La France Insoumise (LFI), begrüßt, der den Vorort auf X als „Hauptstadt des Widerstands und Sammelpunkt der verschiedenen Kämpfe“ beschrieb.
Jean-Philippe Tanguy, Abgeordneter der rechten Partei Rassemblement National, wies Thunbergs Anwesenheit als „politischen Opportunismus schlimmster Art“ zurück.
„Die arme Frau Thunberg spricht nicht einmal Französisch. Lasst sie in Schweden bleiben“, sagte er.
Thunberg zeigte sich nur am Vormittag vor dem Gymnasium in Saint-Denis und wurde bei der großen Demonstration am Nachmittag nicht gesehen.
Regierung sieht Bewegung nachlassen
Nach Angaben des Innenministeriums gingen in ganz Frankreich am Dienstag 161.500 Menschen auf die Straße, darunter 41.500 in Paris, wo zwei separate Demonstrationszüge stattfanden. Die linksradikalen Studentenorganisationen, die hinter der Mobilisierung standen, bezifferten die landesweite Teilnehmerzahl deutlich höher, nämlich auf 480.000.
Die Zahlen der Regierung deuten auf einen Rückgang der Beteiligung im Vergleich zur Vorwoche hin, als man 266.000 Demonstranten schätzte. Auch die Anzahl der Schulen, die von Blockaden, Störungen und Zerstörungen betroffen waren, sank stark. Das Bildungsministerium berichtete, dass 94,2 Prozent der Gymnasien am Dienstag geöffnet gewesen seien. Geschlossen gewesen seien 214, gegenüber 800 eine Woche zuvor.
Ein Demonstrant mit palästinensischer Flagge trifft am 13. Oktober 2026 in Paris auf die Polizei.
Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times
Die Gewalt blieb jedoch für das Ministerium ein ernstes Problem; es beschrieb die Situation als „sehr besorgniserregend“. Allein am Montag wurden 20 Schulmitarbeiter verletzt, darunter fünf Schulleiter, sodass die Zahl der verletzten Mitarbeiter im Bildungswesen seit Beginn der Unruhen auf 147 stieg.
Ähnlich wie bei den Schätzungen der Teilnehmerzahlen gingen auch die Angaben zu den Universitäten auseinander. Die linke Studentenvertretung behauptete, 90 Prozent der Universitäten seien blockiert oder geschlossen gewesen; das Hochschulministerium meldete Störungen an 35 Prozent der Hochschulen.
Autos in Brand gesetzt, Schaufenster eingeschlagen
Am Dienstagabend erklärte Innenminister Laurent Nuñez gegenüber Reportern, dass rund 50 Polizisten in der Hauptstadt verletzt worden seien, und warnte, die Zahl könne noch steigen. Elf Polizisten seien ins Krankenhaus gebracht worden, von denen zwei hätten operiert werden müssen – Nuñez sprach von „schweren Verletzungen“.
Einige Demonstranten hätte auf der Place Vauban Pflastersteine herausgerissen und auf die Polizei geworfen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und setzte schließlich Wasserwerfer ein, um diejenigen zu zerstreuen, die sich weigerten, den Platz zu verlassen.
Teilnehmer der Proteste zerschlugen auch Schaufenster und setzten Autos in Brand.
Laut am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Innenministeriums sind seit Beginn der Proteste am 18. September fast 900 Polizisten und Gendarmen verletzt worden. Das Justizministerium berichtete, dass über 6.800 Personen, die meisten von ihnen Minderjährige, festgenommen worden seien.
Paris war nicht die einzige Stadt, in der am Dienstag Gewalt ausbrach. In Lyon, Frankreichs drittgrößter Stadt, forderte die Polizei die Demonstranten kurz nach 13:30 Uhr auf, sich zu zerstreuen. Die regionale Präfektur berichtete, dass Teilnehmer der Demonstration Geschäfte beschädigt, eine Tankstelle angegriffen und Polizisten angegriffen hätten. Die Bereitschaftspolizei setzte auch in Nantes und Straßburg Tränengas gegen Demonstranten ein, während in Rennes im Westen Frankreichs zwei Personen festgenommen wurden.
„Bündelung sozialer Kämpfe“
An der Spitze des Demonstrationszugs vom Place d’Italie gingen mehrere Abgeordnete der LFI, darunter deren Gründer Jean-Luc Mélenchon und der nationale Koordinator Manuel Bompard. Auf X warf Mélenchon der Polizei vor, zu versuchen, „sie zu verprügeln und zu verletzen“ – gemeint waren die Jugendlichen – und schrieb, die Medien berichteten zu wenig über die Polizeigewalt gegen die Demonstranten.
Jean-Luc Mélenchon (l.), Gründer der Partei La France Insoumise (LFI), und Manuel Bompard, der nationale Koordinator der Partei, marschieren am 13. Oktober mit Demonstranten in Paris.
Foto: Etienne Fauchaire/ Epoch Times
La hargne médiatique s’essouffle dans son invisibilisation des violences policières. Le ministre s’essouffle à fermer les lycées. Les policiers s’essoufflent à courir derrière les jeunes pour les tabasser et les blesser. Seuls les jeunes ne s’essoufflent pas à protester courageusement. Casques et brassards blancs, à vos postes !
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Unter den Demonstranten war Sylvie, 65, die mit einer palästinensischen Fahne gekommen war. Für sie ging es bei der Demonstration um die „Bündelung sozialer Kämpfe“.
„Die Schüler in Palästina haben keinen normalen Schulalltag“, sagte sie gegenüber Epoch Times und beschrieb den Zustand sowohl der französischen Gymnasien als auch der Krankenhäuser als „katastrophal“. „Die einzige Lösung ist, dass die LFI an die Macht kommt“, sagte sie.
Noah, ein 21-jähriger Filmstudent, trug ein Megafon mit einem antifaschistischen Symbol. Er erzählte Epoch Times, er sei vor allem gekommen, um die Gymnasiasten zu unterstützen, aber auch, um gegen die steigenden Kosten des Hochschulstudiums zu protestieren. Er sagte, er habe vor, am 17. Oktober erneut auf die Straße zu gehen, diesmal, um „gegen die Regierung und das herrschende System“ zu demonstrieren.
Mobilisierung für den 17. Oktober
Ein weiterer Protesttag ist für Samstag geplant, bei dem die Organisatoren hoffen, neben Schülern und Studenten auch die Gelben Westen zu mobilisieren – eine populistische Bewegung, die 2018 mit Protesten gegen die Treibstoffpreise begann, sich aber zu einem landesweiten Aufstand gegen Einkommensunterschiede und die hohen Lebenshaltungskosten entwickelte.
Die Mobilisierung für den 17. Oktober entstand in den sozialen Medien, ohne eine formelle organisierende Instanz. Sie soll voraussichtlich Demonstrationen und Blockaden in ganz Frankreich umfassen. Das Datum fällt auch mit dem Beginn der Herbstferien zusammen.
Die CGT, eine der größten französischen Gewerkschaften, erklärte ebenfalls ihre Unterstützung für Proteste am Samstag und sagte, ihre Beteiligung werde dazu beitragen, „Übernahmeversuche durch die extreme Rechte zu verhindern“. Der Vorwurf wurde auch in die entgegengesetzte Richtung erhoben. Manche auf der rechten Seite warfen ihrerseits der Linken vor, diese Bewegung infiltriert und übernommen zu haben. Die Gelben Westen stießen anfangs auf Misstrauen vonseiten der Linken.
Die CGT-Generalsekretärin Sophie Binet, die an dem Zug am Dienstag in Paris teilnahm, hat bereits zu einem weiteren landesweiten Streiktag am 5. November aufgerufen.
Die Zeit (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Nach der Beschlagnahmung von Audiomaterial im Block-Prozess hat die Journalistin Anne Kunze von der „Zeit“ das staatliche Vorgehen kritisiert und ihre Entscheidung verteidigt, im Podcast „House of Block“ zwei Kinder der Unternehmerin Christina Block zu Wort kommen zu lassen, darunter die heute 15-jährige Klara, die an Silvester 2023 gemeinsam mit ihrem Bruder Theo entführt worden war.
„Klara hat gesagt, sie wolle Teil des Podcasts sein“, sagte Kunze dem „Spiegel“. Sie habe geantwortet, sie sei sich nicht sicher, ob sie das möchte. Klara habe erwidert, sie möchte es. Sie habe das mit ihrer psychologischen Betreuung und ihrem Vater besprochen. Kunze erklärte, sie habe ihr auch die Töne vorgelegt, die sie ganz am Anfang aufgezeichnet hatte. Klara werde in wenigen Tagen 16 Jahre alt. In dem Alter dürfe man wählen, Parteien beitreten, seine Religionszugehörigkeit bestimmen und eben auch seine Meinung frei äußern, so Kunze. Klara habe ihr gesagt, sie habe es satt, dass Erwachsene besser wissen, was gut für sie ist. Ihr jüngerer Bruder Theo sei im Podcast mit keinem Laut zu hören, erklärte die Journalistin.
Kunze hatte nach Darstellung der Zeitung am Montag Besuch von zwei Beamten des LKA Hamburg bekommen. Sie forderten demnach die Audioaufnahmen aus Kunzes Block-Recherche. Dem Landgericht Hamburg zufolge, das den Durchsuchungsbeschluss erlassen hatte, habe Kunze das Audiomaterial freiwillig herausgegeben.
„Das war ungefähr so freiwillig, wie wenn jemand sagt: Entweder du gibst mir deinen Schlüssel, oder ich trete deine Tür ein“, sagte Kunze. „Es gab zwei Möglichkeiten: Ich händige ihnen die Aufnahmen aus – oder sie durchsuchen die Wohnung, in der ich mit meiner Familie lebe, die Redaktionsräume der `Zeit` in Hamburg und eventuell auch in Berlin und finden die Tonaufnahmen auf diese Weise.“ Die Überlassung der Tonaufnahmen sei Folge des ausgeübten staatlichen Drucks gewesen. (dts/red)
Das Oberlandesgericht Celle. - Foto: Holger Hollemann/dpa
Das Oberlandesgericht (OLG) in Celle erklärte einen bei der Hauptversammlung des Konzerns im Juli 2021 gefassten Beschluss über die Zustimmung der Aktionäre zum Haftungsvergleich mit Stadler für „nichtig“, wie es am Mittwoch mitteilte. Die in der Hauptversammlung zu Stadlers Vermögensverhältnissen gegebenen Antworten genügten demnach nicht, „um die Beurteilung des Aufsichtsrats nachvollziehbar darzulegen“. (Az. 9 U 93/22)
Bei internen Untersuchungen um den 2015 bekannt gewordenen Dieselskandal war der VW-Konzern zu dem Ergebnis gekommen, dass der frühere VW-Chef Martin Winterkorn und Stadler ihre Sorgfaltspflichten fahrlässig verletzt hatten. Im Juli 2021 billigte die Hauptversammlung mit großer Mehrheit Haftungsvergleiche mit ihnen sowie mit einer vom Konzern für seine Führungskräfte abgeschlossenen Haftpflichtversicherung. Winterkorn sollte demnach 11,2 Millionen Euro selbst zahlen und Stadler 4,1 Millionen Euro, die Versicherung weitere rund 270 Millionen Euro.
Gegen diese Zustimmungsbeschlüsse klagten zwei Anlegerschutzvereine. Das zuständige Landgericht Hannover wies die Klagen ab, das OLG Celle die Berufung dagegen. Der Bundesgerichtshof allerdings hob die Zustimmung zu den Haftungsvergleichen im September 2025 teilweise auf und verwies die Sache zurück an das OLG.
Es sollte laut BGH nochmals prüfen, ob der VW-Vorstand bei der Hauptversammlung dem Fragerecht der Aktionäre ausreichend nachgekommen ist. Konkret ging es um eine Frage nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der Ex-Manager – die Aktionäre bekamen konkrete Auskünfte nur zu den Einkünften, nicht aber zu den Vermögen von Stadler und Winterkorn.
In dem Urteil vom Mittwoch ging es zunächst nur um die Vereinbarung zu Stadler. Aus den Antworten an die Aktionäre ergab sich laut OLG vor allem nicht, in welchem Umfang Haftungsansprüche durch eigenes Vermögen des ehemaligen Vorstandsmitglieds gedeckt gewesen wären. Auch sei für die Aktionäre nicht „hinreichend deutlich gewesen, dass der Aufsichtsrat bei Vergleichsschluss möglicherweise selbst nicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügt und seine Entscheidung daher nicht auf diese Kenntnisse gestützt habe“.
Das Urteil ist den Angaben nach noch nicht rechtskräftig. Eine Revision ließ der Senat nicht zu, möglich bleibt aber die Nichtzulassungsbeschwerde zum Bundesgerichtshof. (afp/red)
Die Zuckersteuer soll auf Getränke mit zugesetztem Zucker anfallen. (Illustration) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Limonaden, Eistees und andere zuckergesüßte Getränke könnten bald teurer werden. Grund ist eine neue Steuer, die die schwarz-rote Bundesregierung nach längerer Verhandlung jetzt auf den Weg gebracht hat. Als Nächstes wird sie im Bundestag debattiert. Geht es nach Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), soll sie schon nächsten Sommer greifen.
Auf welche Produkte soll die Zuckersteuer anfallen?
Besteuert werden gezuckerte Getränke mit einem Gesamtzuckergehalt von mindestens fünf Gramm pro 100 Milliliter. Das geht aus dem Vorschlag hervor, den die Bundesregierung jetzt in den Bundestag gibt. Demnach sind zum Beispiel Limonaden, Eistees, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke mit Zuckerzusatz betroffen. Keine zusätzliche Steuer gibt es für Getränke mit Alkohol – sie würden ja ohnehin schon höher besteuert, wird argumentiert. Auch alkoholfreie Biere, Weine oder Cocktails sind ausgenommen.
Reine Frucht- und Gemüsesäfte oder ungesüßte Schorlen werden ebenfalls nicht zusätzlich besteuert, weil hier ja kein Zucker zugesetzt, sondern natürlich vorhanden ist. Anders als zwischenzeitlich von Beamten des Finanzministeriums erwogen, wird die Steuer auch nicht auf Zero-Getränke erhoben, die mit Süßungsmitteln gesüßt werden und dadurch kaum oder keine Kalorien enthalten.
Wie viel teurer könnten die Getränke werden?
Das hängt davon ab, ob die Hersteller die neue Steuer eins zu eins auf die Verbraucher umlegen. Denn erst einmal zahlen sie die Steuer – abhängig davon, wie viel Zucker sie in ihre Produkte mischen. Die Hersteller müssen dann abwägen, ob sie die Mehrkosten selbst tragen, sie ihre Rezepte ändern und weniger Zucker nutzen oder ob sie die Kosten über höhere Preise an die Bürger weitergeben.
Generell sind zwei Stufen vorgesehen. Bei einem Zuckergehalt zwischen 5 und 8 Gramm pro 100 Milliliter sollen je Liter 26 Cent, der Steuersatz für Getränke mit einem Zuckergehalt ab 8 Gramm pro 100 Milliliter soll 32 Cent betragen.
Ausnahmen soll es für kleine, unabhängige Hersteller geben. Allerdings sind hier genaue Grenzen noch offen. Die Bundesregierung möchte alle Betriebe von der Steuer befreien, die bis zu einer Million Liter im Jahr produzieren. Das muss aber von der EU-Kommission erlaubt werden. Sollte die Kommission ein Veto einlegen, soll es zumindest Ausnahmen für Betriebe mit jährlicher Produktionsmenge bis zu 70.000 Liter geben.
Warum das alles?
Die Steuer wird aus zwei Gründen eingeführt. Einerseits soll sie Getränkeherstellern einen Anreiz geben, bei ihren Produkten weniger Zucker zu verwenden. Damit solle die Gesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen geschützt werden, erklärte das Finanzministerium. Übermäßiger Zuckerkonsum führe zu einem erhöhten Risiko für Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Das Gesundheitssystem habe dadurch jährlich Kosten von rund 2,1 Milliarden Euro.
Gleichzeitig aber sollen die Einnahmen aus der Steuer den Bundeshaushalt entlasten. Denn Finanzminister Klingbeil muss ohnehin jeden Cent zusammenkratzen, gleichzeitig drohen höhere Beiträge zum Beispiel für die Krankenversicherung. Das wollen Union und SPD verhindern, die Steuereinnahmen sollten deshalb „dazu verwendet werden, die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten“, erklärte das Ministerium.
Um wie viel Geld geht es?
Der Bund rechnet mit Einnahmen von etwas unter einer Milliarde Euro im Jahr. Konkret sollen im kommenden Jahr 690 Millionen in die Kasse fließen – weil die Steuer ja erst zur Jahresmitte gelten soll. Im Jahr 2028 werden Einnahmen von 925 Millionen erwartet. Danach, so denkt man, könnte sich der Markt anpassen und weniger Zucker verwenden. Deshalb sinken perspektivisch auch die Einnahmen. Für die Folgejahre rechnet das Finanzministerium mit 875 bis 890 Millionen Euro jährlich.
Ist damit alles klar oder gibt es noch Streit?
Während die SPD die Zuckersteuer unterstützt, gibt es vor allem in der Union Gegner. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) bezeichnete sie in einem Interview vor der Koalitionseinigung als „Teuer-Steuer“. Steigende Lebenshaltungskosten seien eines der größten Probleme in Deutschland, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Eine Zuckersteuer halte ich deshalb für ein falsches Signal, zumal es dabei nicht darum geht, die Gesundheit zu fördern, sondern Bürger wieder zur Kasse zu bitten für die Haushaltslöcher des Bundes.“ Zudem gefährde die Steuer Arbeitsplätze in der meist mittelständisch geprägten Getränkeindustrie.
Die CSU trägt die Steuer im Grundsatz zwar mit, wünscht sich aber einen späteren Starttermin. „Unser Wunschtermin ist der 1. Januar 2028. Dann hätten die Unternehmen Zeit, die Rezepturen umzustellen“, sagte der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Hoffmann, im Frühstart von RTL und ntv. Den bislang vorgesehenen Start zum 1. Juli 2027 sehe die CSU weiterhin „sehr, sehr kritisch“.
Hauptziel sei die Gesundheit von Kindern, deshalb müsse man den Unternehmen Zeit geben, ihre Rezepturen umzustellen. Der Bundeshaushalt sei zwar „auf Kante genäht“, es gebe aber Spielräume, um auf die Einnahmen für 2027 zu verzichten und eine Verschiebung möglich zu machen. Im Bundestag dürften Union und SPD darüber in den nächsten Wochen noch debattieren. (dpa/red)
Ein Tippfehler soll zum Großaufgebot der Polizei am Nürnberger Flughafen geführt haben. - Foto: Daniel Löb/dpa
Ein Tippfehler im Cockpit soll laut Polizei den Entführungsalarm und Großeinsatz am Flughafen Nürnberg ausgelöst haben. Der Pilot der Maschine habe nach aktuellen Ermittlungen einen Funkausfall melden wollen und dabei versehentlich den Code für eine Flugzeugentführung eingegeben, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur.
Nach Angaben der Polizei war zudem das Funkgerät der Boeing 737-800 defekt. Die Crew war nach dem Start auf der griechischen Insel Korfu deshalb nicht mehr zu erreichen. Statt des Codes für einen Funkausfall sendete der Transponder die 7500, das Signal für eine Entführung.
Dem Piloten sei der mutmaßliche Fehler wohl nicht bewusst gewesen, sagte Polizeisprecher Michael Petzold. Ein einmal gesendeter Code könne nicht mehr zurückgenommen werden. Gegen den Piloten ermittle die Polizei aber nicht, da er mutmaßlich nicht absichtlich gehandelt habe.
Kampfjets eskortierten das Flugzeug bis Nürnberg
Wegen des Alarms waren am Dienstag in Nürnberg etwa eine Verhandlungsgruppe, die für den Kontakt mit Entführern geschult ist, und das Unterstützungskommando (USK) der bayerischen Polizei im Einsatz. Bereits im kroatischen Luftraum hatten Militärflugzeuge die Maschine begleitet. Abfangjäger des österreichischen Bundesheeres wurden alarmiert. Im deutschen Luftraum eskortierten zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 das Flugzeug bis Nürnberg.
Zwischen Notsignal und Landung sei den Einsatzkräften weniger als eine Stunde geblieben, um zu reagieren, sagte Petzold. „Es war schon eine extrem hervorragende Leistung.“ Die Polizei sei in kürzester Zeit auf den schlimmsten Fall vorbereitet gewesen. (dpa/red)
Eine Hebamme tastet den Bauch einer Schwangeren ab. Eine Szene, die es im Heinsberger Krankenhaus nicht mehr geben wird. - Foto: Annette Riedl/dpa
In Kürze
Zum 30.September 2026 hat das Krankenhaus Heinsberg den Kreißsaal dicht gemacht.
Einige Hebammen haben sich mit einem innovativen Konzept neu ausgerichtet.
Sie bieten jetzt eine individuelle Begleitung von Beginn der Schwangerschaft.
Doch die bürokratischen und finanziellen Hürden wachsen für Hebammen.
Fast jede zweite Hebamme denkt ans Aufhören.
Es war ein trauriger Moment, als sich am 30. September 2026 die Tür der Geburtsstation des Städtischen Krankenhauses Heinsberg für immer schloss.
Am Zaun versammelten sich Familien mit ihren Kindern, um sich von den Hebammen zu verabschieden. Darunter waren nicht nur Mütter, die ihre Kinder erst kürzlich in Heinsberg zur Welt gebracht hatten. Es waren auch jene gekommen, die bereits vor vielen Jahren in Heinsberg das Licht der Welt erblickten – einige vor mehr als 40 Jahren.
Sie alle hatten selbstgebastelte bunte Herzen dabei, die mit ihrem Namen und dem Geburtsdatum beschriftet waren und befestigten diese am Zaun unterhalb der Geburtsstation. Dem emotionalen Abschied waren Proteste vorausgegangenen.
Herzen für die Hebammen am letzten Tag vor der Schließung der Geburtsstaion im Städtischen Krankenhaus Heinsberg.
Foto: Simone Maria Vossen
Versorgung sichergestellt
Die Klinik hat erklärt, dass die stationäre Versorgung im Kreis Heinsberg auch nach der Schließung der Geburtsstation sichergestellt bleibt. Das Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz soll als alternative Anlaufstelle dienen und über ausreichende Kapazitäten für zusätzliche Geburten verfügen.
Drei der bisherigen Heinsberger Beleghebammen kooperieren ab Januar 2027 mit dem Krankenhaus in Erkelenz. Julia Jansen, Laura Hahn und Brigitte Hülden bilden das neue Begleit-Beleghebammen-Team.
Das neue und innovative Konzept ist im Gegensatz zum früheren Dienstsystem im Heinsberger Krankenhaus auf Ganzheitlichkeit ausgerichtet.
Bislang mussten die Hebammen im Schichtdienst und in zugewiesenen Kreissälen freiberuflich arbeiten. Jetzt setzt das Team auf eine ganzheitliche und individuelle Begleitung der Schwangeren.
Die werdenden Mütter können von Beginn der Schwangerschaft, über die Geburt bis zur Nachsorge im Wochenbett kontinuierlich von derselben Hebamme betreut werden. Die intensive 1:1-Betreuung schafft ein besonderes Vertrauen, erklärt Hebamme Julia Jansen. Und Hebamme Laura Hahn ergänzt:
„Es ist nicht egal, wie wir geboren werden.“
Bislang kam es im Krankenhaus Heinsberg je nach Dauer der Geburt und dem Takt des Dienstplans immer wieder zu stetigen Wechseln der Hebammen. Das soll mit dem neuen Konzept anders werden.
Besonders bei der Geburt, die für viele Frauen eine äußerst intime Erfahrung bedeutet, möchte das Team Geborgenheit spenden. Julia Jansen macht die Essenz des neuen Konzepts deutlich:
„Wir wollen die Frauen wieder in ihre eigene Kraft und Stärke bringen.“
Resilienten Kraft durch eine sanfte Geburt
Viele werdende Mütter sind oft verunsichert und trauen sich nur wenig zu, erklärt Jansen. Die Kraft, die während der Geburt von Mutter und Kind aufgebracht wird, kann bei späteren Herausforderungen zur resilienten Kraft werden, so das Hebammen-Team.
Monika Boylan, die zukünftig zwar nicht mehr in der aktiven Geburtshilfe arbeitet, stattdessen aber mit ihrer Erfahrung in der Hebammen-Praxis unterstützt sagt: „Der Schichtdienst hat mir irgendwann mehr zugesetzt“. Deshalb begrüßt sie das neu entwickelte Konzept der Begleit-Beleghebammen sehr.
Für Boylan ist die „sanfte Geburt“ nach Michel Odent einer der besten Wege in einer Klinik Geburtshilfe anzubieten. Das Konzept beschreibt, wie Natürlichkeit und Freiheit auch im Krankenhaus möglich sind. Es bewirkt zum Beispiel, dass Geburtsräume eine natürliche Atmosphäre ausstrahlten. Für Odent war es wichtig, ein Minimum an Eingriffen in den natürlichen Geburtsprozess anzustreben.
Vier Hebammen mit neuem Konzept (von l.): Julia Jansen, Monika Boylan, Brigitte Hülden und Laura Hahn.
Foto: Simone Maria Vossen
Krise als Chancen nutzen
Allerdings bringt das neue System der Begleit-Beleghebammen auch Kapazitätsgrenzen mit sich. Maximal können zwölf Schwangere Frauen pro Monat für die Geburtsbegleitung aufgenommen werden.
Die Kosten für die Rufbereitschaft müssen in Eigenleistung erbracht werden. Allerdings werden von einigen Krankenkassen die Kosten anteilig übernommen.
Wie das Städtische Krankenhaus Heinsberg blickt auch das Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz auf eine lange Tradition in der Geburtshilfe zurück. Nun wird Erkelenz zum zentralen Ort der neuen Begleit-Beleghebammen. Laut Julia Jansen sei das erste Treffen mit dem bestehenden Hebammen-Team sehr freundlich und offen gewesen.
Die ehemaligen Heinsberger Hebammen kümmern sich auch um die ambulante und präventive Versorgung. Mit ihrer bereits seit vielen Jahren bestehenden Hebammenpraxis „Hebammen von Anfang an“, die Julia Jansen gemeinsam mit Monika Boylan gegründet haben, decken sie ein breites Portfolio an Unterstützung für die werdenden Mütter ab. Neben Akupunktur, Low-Level-Laser-Therapie und Kinesio-Taping ist die Praxis auch Treffpunkt für Austausch und Begegnung.
Trotz der nervenraubenden gesundheitspolitischen Entwicklungen blickt das Team mutig und mit Tatendrang in die Zukunft. Mit ihrem neuen Weg wollen die Hebammen zeigen, dass Krisen auch als Chancen genutzt werden können.
Die vier Frauen setzen sich auch politisch für ihre Belange ein. Julia Jansen und ihr Team suchen kontinuierlich den Austausch mit den lokalen Parteiverbänden im Kreisgebiet. Ihr Anliegen ist es auch überregional auf die Missstände aufmerksam zu machen und aufzuklären. Dabei blicken sie auf eine langjährige Berufserfahrung zurück. Laura Hahn betont:
„Ich bin froh, überhaupt noch Geburtshilfe machen zu können.“
Hebammen hatten in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder mit vielen Hürden zu kämpfen, wie beispielsweise stark ansteigende Haftpflichtversicherungen. Julia Jansen sagt: „Wir sind fast täglich mit bürokratischen Herausforderungen beschäftigt.“
Viele Hebammen hören wegen den wachsenden bürokratischen Hürden mit ihrer Arbeit auf und kehren der Geburtshilfe dauerhaft den Rücken, erklärt Julia Jansen. Eine bundesweite Studie der open data-Zukunftsstiftung in Essen und dem Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement an der Berliner Sigmund Freud Privatuniversität vom Oktober 2025 unterstreicht die Aussage. Sie zeigt, dass fast jede zweite der etwa 26.000 Hebammen in Deutschland ans Aufhören denkt.
Der schwierige Spagat zwischen Berufung und Belastung. 83 Prozent üben ihre Tätigkeit gerne aus; 51 Prozent klagen über zu viel Bürokratie und 35 Prozent bemängeln die hohen laufenden Kosten.
Schlechte Bezahlung: Das Durchschnittsbruttogehalt liegt bei rund 4.380 Euro monatlich.
Der Studienleiter Prof. Dr. Thomas Druyen erklärt:
„Ohne Hebammen keine Zukunft.“
Für Monika Boylan steckt hinter den verschlechterten Bedingungen eine Methode, den Berufsstand der Hebammen abzuschaffen. Für viele ist ihre Existenz bedroht. Der seit dem 1. November 2025 in Kraft getretene Hebammenhilfevertrag (HHV) sorgt für Unsicherheiten bei den Hebammen. In der klinischen Geburtshilfe und auch bei Beleghebammen drohen demnach Verdiensteinbußen von bis zu 30 Prozent.
Michelle Rump, Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen NRW erklärt: „Mit dem neuen Vertrag gehen viele freiberuflich tätige Hebammen in die Ungewissheit, ob sie weiterhin von ihrem Beruf leben können.“
Beruf ist Berufung
Für die Frauen aus dem Team ist ihr Beruf auch ihre Berufung. Doch das System macht es vielen jungen Hebammen zunehmend schwer, ihre Berufung leben zu können.
Julia Jansen wünscht sich, dass werdende Mütter zu Beginn der Schwangerschaft den Erstkontakt mit ihrer Hebamme haben. Weiterhin wünscht sie sich, dass sich niedergelassene Gynäkologen auch mehr öffnen und den Hebammen mehr Raum, Gewichtung und Mitgestaltung schenken.
Vielleicht kann das Beispiel der Heinsberger Hebammen für andere Kommunen eine nachhaltige Antwort auf die gesundheitspolitischen Veränderungen liefern – damit Versorgung kein Auslaufmodell wird.
Mehr als 200 Forscher aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Cybersicherheit haben in einem offenen Brief sofortige Maßnahmen gefordert, um weitere Sicherheitsvorfälle mit KI-Modellen zu verhindern. Die Wissenschaftler riefen dazu auf, dass Modelle im Bereich der Cybersicherheit während der Testphase physisch vom Internet getrennt werden, wie am Dienstag, den 13. Oktober, aus dem Schreiben hervorging.
Unter den Unterzeichnern aus 21 Ländern sind der KI-Pionier und Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und der bekannte KI-Wissenschaftler Yoshua Bengio. Es seien sowohl mehr Forschung zur KI-Sicherheit als auch „eine stärkere Fokussierung auf Eindämmungstechnologien und -verfahren“ nötig, schreiben die Wissenschaftler.
Führende KI-Unternehmen aus den USA haben in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Vorfällen enthüllt, bei denen sich in Entwicklung befindliche KI-Modelle Zugang zum Internet verschafften und Webseiten hackten, darunter Internetseiten der australischen Regierung. „Ohne unverzügliche Änderungen bei der Entwicklung und dem Einsatz von KI werden solche Vorfälle weiterhin auftreten, und zukünftige Vorfälle werden weitaus mehr Schaden an unserer exponierten kritischen Infrastruktur anrichten“, warnten die Wissenschaftler.
Ihr Brief rief dazu auf, dass Organisationen, die KI-Modelle mit Cyberfähigkeiten entwickeln, einsetzen und testen, durch einen „Air Gap“ – also eine physische Trennung vom Internet – abgesichert werden, um sicherzustellen, dass die KI-Modelle nicht ausbrechen. Zudem sprachen sich die Forschenden dafür aus, eine internationale Einrichtung zu schaffen, die bewährte Verfahren im Bereich der Sicherheit standardisiert. Unternehmen sollten demnach verpflichtet werden, Ausfälle von Sicherheitsvorkehrungen an diese Stelle zu melden, die wiederum für die Erfassung und Nachverfolgung zuständig wäre.
Die Vorfälle der vergangenen Monate hatten Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung angeheizt, doch Industrie und Regierungen sind in der Frage nach Regulierung des Sektors sowie hinsichtlich eines absichtlich langsameren Tempos uneins. In den USA lehnt US-Präsident Donald Trump eine staatliche Regulierung ab und setzt auf Selbstkontrollen der KI-Branche. (afp/red)
Sprinter-Verbindungen sind bei den Fahrgästen beliebt, weil sie unterwegs nicht so oft halten. Mitte Dezember startet eine neue Linie zwischen Hamburg und München. (Archivbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Mit mehr Verbindungen ins Ausland sowie einer weiteren Sprinter-Linie will die kriselnde Deutsche Bahn ab Mitte Dezember Fahrgäste in ihre Züge locken. Nach dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember hat der bundeseigene Konzern täglich mehr als 320 internationale Fahrten im Angebot – beispielsweise nach Frankreich, Italien oder Österreich. Zwischen Hamburg und München gibt es dann zudem eine besonders schnelle Verbindung – Fahrzeit 5.20 Stunden.
In der Fläche bleibe der Fahrplan insgesamt stabil, teilte die Bahn mit. Einige Verbindungen könnten vor allem baustellenbedingt nicht angeboten werden. Ihren Ansprüchen in Sachen Pünktlichkeit fährt die Bahn weiter hinterher.
Tickets für den neuen Fahrplan können ab Mittwoch (14. Oktober) gekauft werden. Bahn-Chefin Evelyn Palla kündigte bereits im April an, dass Fahrgäste bis Mai 2027 von Preiserhöhungen im Fernverkehr verschont bleiben.
20 Minuten Zeitersparnis verspricht die Deutsche Bahn durch die neue Sprinter-Verbindung zwischen Hamburg und München, die dreimal täglich in beide Richtungen fährt. Halten werden die Züge nur in Hannover und Nürnberg. Lüneburg, Göttingen oder Fulda fallen als Stopp zwischen den Metropolen also weg.
Die bestehende Sprinter-Linie zwischen Berlin und Stuttgart wird ausgebaut und fährt künftig drei- statt einmal täglich je Richtung (4.45 Stunden). Die Verbindung war erst vor einem Jahr eingeführt worden. Deutschlandweit gibt es nach Bahn-Angaben ab Mitte Dezember täglich rund 70 Sprinter-Fahrten auf wichtigen Strecken.
Mailand oder Rom – Hauptsache Italien
„Der internationale Fernverkehr boomt“ – das betont die Bahn seit Jahren. Entsprechend baut der bundeseigene Konzern sein europäisches Netz weiter aus. Diesen Weg setzt das Unternehmen mit dem neuen Fahrplan fort. Mehr als 320 Fahrten täglich gehen bald in Städte außerhalb Deutschlands oder kommen von dort. Das seien 20 mehr als bislang und rund 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Mehr als 200 Städte in 14 Ländern seien dann direkt von Deutschland aus erreichbar.
Mittlerweile ist zudem der Ticketkauf für die Bahn-Anbieter in anderen Ländern einfacher. Mehr als 10.000 europäische Reiseziele können die Kunden bereits im DB Navigator buchen, dazu gehören Tickets der Österreichischen Bundesbahn, von Trenitalia oder Eurostar. „Bis Ende 2026 sollen auch Fahrkarten der niederländischen Bahn NS sowie der spanischen Bahn IRYO für Reisen innerhalb der Niederlande bzw. Spaniens gebucht werden können.“
Nach Bahn-Angaben fahren künftig mehr Züge nach Italien, Frankreich, Österreich und Dänemark. Die Verbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen fährt ab März siebenmal täglich, ab 7:00 Uhr etwa alle zwei Stunden. Derzeit sind es fünf Verbindungen am Tag. Auch von Stuttgart nach Paris fahren künftig zwei Züge am Tag mehr (12 statt 10), gleiches gilt für die Verbindung zwischen Frankfurt und Wien (14 statt 12).
Ab Sommer gibt es in Zusammenarbeit mit der italienischen Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen eine neue Direktverbindung zwischen München, Mailand und Rom (Fahrzeit nach Mailand rund 6.30 Stunden, nach Rom rund 8.30 Stunden).
Weitere Änderungen in Kürze:
Von Westfalen (u.a. Hamm und Paderborn) geht es wieder direkt mit dem ICE nach Würzburg, Nürnberg und München.
Zwischen Jena und Berlin fährt wieder direkt ein ICE.
Von Bonn geht es fast ganzjährig wieder alle zwei Stunden direkt nach Berlin.
Baustellen bereits eingeplant
Was bleibt, sind die vielen Baustellen im teils maroden Schienennetz der Bahn. Bahn und Bund wollen bis 2031 zwar deutlich weniger vielbefahrene Strecken sanieren als bislang geplant. Doch auch im kommenden Jahr müssen sich die Fahrgäste auf Bauarbeiten und lange Umleitungen einstellen.
Bereits angelaufen ist die Erneuerung der rund 230 Kilometer langen Strecke zwischen Lehrte und Berlin. Die wichtige Ost-West-Verbindung ist bis Dezember 2027 vollständig gesperrt. Die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover verlängert sich aufgrund der Umleitung um 80 auf rund 180 Minuten. Einige Verbindungen fallen deshalb weg oder fahren seltener.
Ebenfalls für das kommende Jahr geplant sind die Sanierungen zwischen Rosenheim und Salzburg sowie zwischen Fulda und Hanau. Umleitungen und geänderte Fahrzeiten seien schon jetzt in der Reiseauskunft hinterlegt, teilt die Bahn mit. Böse Überraschungen bleiben also hoffentlich aus. „Wer sein Ticket bucht, bekommt die jeweils geltenden Fahrtzeiten angezeigt.“
Im September war gerade mal jeder zweite Fernzug pünktlich
Kurzfristige Verspätungen sind natürlich weiter möglich. Zuletzt war nahezu jeder zweite Fernzug unpünktlich – das heißt, er kam mindestens sechs Minuten zu spät an. Die Pünktlichkeitsquote lag nach Bahn-Angaben im Fernverkehr im September bei 52,4 Prozent.
Bahn-Chefin Palla hatte für das laufende Jahr ein Pünktlichkeitsziel von mindestens 60 Prozent im Fernverkehr ausgegeben. Das dürfte wohl verfehlt werden. Bis Ende 2029 sollen mindestens 70 Prozent der Züge pünktlich kommen. (dpa/red)
Gerrit Huy (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die AfD-Politikerin Gerrit Huy ist mit einer Klage gegen ihren Ausschluss aus einer Abgeordnetenvereinigung gescheitert. Das Landgericht Berlin erklärte in einem am Montag veröffentlichten Urteil den Ausschluss der Bundestagsabgeordneten aus der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft (DPG) für rechtens. (Az 88 O 155/25)
Der Verein hatte seine Entscheidung mit ihrer Teilnahme an einem Potsdamer Treffen von Politikern und Unternehmern im November 2023 begründet, wo der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner laut Medienberichten sein sogenanntes Remigrationskonzept zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland vorgestellt haben sollte. Durch ihre Teilnahme und ihre fehlende Distanzierung von dieser Veranstaltung habe die AfD-Abgeordnete das Ansehen der DPG in grober Weise beschädigt.
Der Verein hält sich dem Gericht zufolge damit an den ihm zustehenden Beurteilungsspielraum. Die Positionen Sellners stünden den Zielen der Parlamentariervereinigung diametral entgegen – dem Bekenntnis zur Menschenwürde, zur Demokratie und zum Rechtsstaat sowie die ausdrückliche Ablehnung jeder Benachteiligung wegen Herkunft, Ethnie oder Religion.
Die Entscheidung des Landgerichts ist nicht rechtskräftig. Dagegen kann die Klägerin Berufung zum Kammergericht Berlin einlegen zu. Die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft ist eine überparteiliche Vereinigung von Abgeordneten des Bundestags, der deutschen Landtage und des Europaparlaments. Ihm gehören etwa 2000 Mitglieder an, darunter 129 Mitglieder der AfD-Bundestagsfraktion.(afp/red)
Veränderung braucht auch Geduld. Nicht als Ausrede, sondern als Führungsdisziplin. - Foto: Halfpoint/iStock
Veränderung klingt oft groß. Transformation, Digitalisierung, Kulturwandel, KI-Strategie, neue Führung, neue Prozesse. Große Worte erzeugen Aufmerksamkeit. Im Alltag erzeugen sie häufig Müdigkeit.
Denn Menschen verändern sich nicht, weil ein Ziel groß ist. Sie verändern ihr Verhalten, wenn der nächste Schritt klar, machbar und wiederholbar ist.
Viele Veränderungsprojekte scheitern nicht an fehlender Einsicht. Sie scheitern an fehlender Übersetzung. Nach dem Workshop ist allen klar, was besser werden soll. Am Montag danach ist wieder Alltag. Kunden rufen an, E-Mails kommen, alte Routinen sind schneller als neue Absichten.
Ein Unternehmen wollte die Zusammenarbeit verbessern. Die erste Idee war ein großes Kulturprogramm. Wir begannen kleiner: ein wöchentliches 20-Minuten-Ritual mit drei Fragen: Was ist offen? Was blockiert? Was entscheiden wir heute? Nach sechs Wochen hatte sich mehr verändert als nach mehreren früheren Strategierunden.
Genug gearbeitet. Genug Veränderung angekündigt, die im Alltag keinen festen Platz bekommt. Umsetzungsrituale haben drei Vorteile:
Sie machen Fortschritt sichtbar.
Sie halten Verantwortung lebendig.
Sie verhindern, dass Themen nach der ersten Begeisterung verschwinden.
Ein gutes Ritual ist klein genug, um durchgehalten zu werden, und konkret genug, um Wirkung zu erzeugen. Zehn Minuten können reichen, wenn sie verbindlich sind. Ein großes Projektmeeting kann wirkungslos sein, wenn niemand entscheidet.
Für Veränderungen rund um KI, Bürokratieabbau, Zusammenarbeit oder Führung gilt dasselbe: Nicht die große Ansage zählt, sondern die nächste gelebte Wiederholung.
Vier Fragen helfen bei der Übersetzung:
Was machen wir ab nächster Woche anders?
Wann prüfen wir das?
Wer achtet darauf, dass es nicht untergeht?
Was beenden wir, damit das Neue Platz hat?
Veränderung braucht auch Geduld. Nicht als Ausrede, sondern als Führungsdisziplin. Wer nach zwei Wochen alles wieder umbaut, produziert Erschöpfung. Wer nie nachsteuert, produziert Stillstand. Die Kunst liegt dazwischen: dranbleiben, beobachten und anpassen.
Beim b-steps summit geht es genau um diese Brücke: nicht nur gute Impulse, sondern Arbeit an der Umsetzung. Denn Erkenntnis ohne nächsten Schritt wird schnell zur weiteren Belastung.
Genug gearbeitet. Welches große Ziel braucht bei Ihnen ein kleines Ritual, das morgen beginnt?
„Um den digitalen Lärm und die Mauern der Jugendlichen zu durchbrechen, braucht man keine besseren Argumente, sondern bessere Geschichten“, sagt Storytelling-Expertin Natalia Nutting. - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Natalia Nutting
Wenn sie die Bühne betritt und Geschichten erzählt, kleben die Zuhörer – ob klein oder groß – regelrecht an ihren Lippen. Durch die britische Pädagogin Natalia Nutting wird die uralte Kunst des Storytellings wieder erlebbar. Im Gespräch mit Epoch Times schildert sie, wie Eltern mit starken Geschichten die oft schwierige Kommunikation mit Jugendlichen verändern und wieder eine echte Verbindung aufbauen können. Damit das Zuhause wieder zu einem Ort wird, an dem sich die Kinder gern aufhalten.
Was ist für dich die „Kunst des Storytellings“ im Kern?
Die Kunst des Storytellings ist eine uralte mündliche Tradition und der effektivste Weg, mit dem wir Wissen, Weisheit und Werte weitergegeben, Impulse gesetzt und Völker vereint haben. Es geht um eine Erfahrung, die jemand gemacht hat und aus der eine Erkenntnis oder Entdeckung hervorgegangen ist. Sowohl die Szene des Geschehens als auch der Weg, den die Figur zurückgelegt hat, werden lebendig. Und genau so haben wir es seit Anbeginn der Zeit getan. Eine gut erzählte Geschichte kann alle Sinne ansprechen.
Kannst du das näher erklären?
Wenn die Umgebung gut beschrieben ist, entstehen Bilder im Kopf des Zuhörers. Ist die Figur, um die es geht, dem Zuhörer ähnlich, entsteht Empathie. Es wird Neugier geweckt, weil wir wissen wollen, was mit dieser Figur geschieht.
Das Geschichtenerzählen weckt die Vorstellungskraft, sodass Zuhörer etwas erleben, ohne es wirklich am eigenen Leib erfahren zu haben. Dadurch können sie eigene Schlussfolgerungen ziehen und lernen, kritisch zu denken, Zusammenhänge herzustellen und komplexe Themen durch die Erfahrungen eines anderen Menschen zu begreifen.
Darin liegt der grundlegende Unterschied zwischen einem Vortrag und der Kunst des Geschichtenerzählens.
Warum funktionieren Geschichten besser als reine Fakten oder Regeln?
Bei einem Vortrag mit reinen Fakten oder Regeln wird der Lehrstoff isoliert präsentiert. Die Zuhörer stimmen entweder aufgrund eigener Erfahrung zu, fügen sich vorübergehend der Darstellung oder hören gar nicht hin. Ein Vortrag bedeutet nicht, dass der Zuhörer etwas lernt.
Welche Elemente braucht eine gute Kurzgeschichte, damit sie wirkt?
Ganz einfach: Eine Figur gerät in Schwierigkeiten und geht als Sieger hervor. Aber die Art und Weise, wie man die Geschichte erzählt, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Hier sind einige Tipps, was man tun und was man vermeiden sollte:
✓ Tauche direkt in die Handlung ein, mitten in den Konflikt – das weckt die Neugier! ✓ Nutze Dialoge und Körpersprache für jede Aktion – es wird spannend, wenn die Stimmen der Figuren zum Leben erweckt werden! ✓ Halte Augenkontakt mit deinem Publikum – das zieht es in deinen Bann! ✓ Erzähle nur eine Geschichte, die für die Person vor dir relevant ist.
• Erzähle keine Hintergrundgeschichte zur Geschichte – niemand will das hören, das macht es langweilig! • Gib keine Interpretationen zu den Fakten ab und halte keine Vorträge mitten in der Geschichte – das macht es zäh! Wir wollen nur wissen, was passiert ist! • Weiche nicht zu einer anderen Geschichte ab, ohne die erste zu Ende zu erzählen – das irritiert die Leute!
Wie können Eltern das Geschichtenerzählen nutzen, um ihre Kinder zu erziehen, ohne ihnen Anweisungen zu erteilen?
Tolle Frage! Eltern verlieren zunehmend den Kontakt zu ihren Kindern und die Kommunikation mit ihnen im Teenager-Alter. Sie glauben, dass ihre Kinder ihnen einfach folgen, wenn sie ihnen Anweisungen geben. Falsch – Kinder folgen inspirierenden Vorbildern, die ihnen eine Vision vermitteln können. Und genau das bewirkt das Geschichtenerzählen.
Mit spannenden Geschichten werden Eltern zu Vorbildern, denen die Kinder nacheifern.
Foto: BrianAJackson/iStock
Viele Eltern bekommen von ihren Teenagern nur Ein-Wort-Antworten. „Wie war dein Tag?“ „Gut.“ Sie versuchen, ihnen behutsam Ratschläge zu geben, werden dabei aber nur mit Augenrollen, tiefen Seufzern oder sofortiger Abwehrhaltung konfrontiert. Jeder Gesprächsversuch gleicht einem Minenfeld. Eine falsche Frage, und schon verschließen sich die Kinder, ziehen sich in ihr Zimmer zurück und verstecken sich hinter ihren Bildschirmen.
Das tut weh. Eltern spüren, wie die Distanz von Tag zu Tag wächst. Sie haben Angst, dass sich ihnen die Möglichkeit, ihr Kind wirklich kennenzulernen, immer weiter verschließt. Allerdings bringt es nichts, sie zum Reden zu zwingen. Ein Verhör führt ins Leere. Und Vorträge treiben die Kinder nur noch weiter in die Ferne.
Was ist deine Lösung?
Um den digitalen Lärm und die Mauern der Jugendlichen zu durchbrechen, braucht man keine besseren Argumente, sondern bessere Geschichten.
„Das Erzählen von Geschichten ist ein neurologischer Geheimcode. Eine gut erzählte Geschichte umgeht die natürliche Logik und die Abwehrmechanismen eines Jugendlichen.
Wenn Eltern lernen, Geschichten zu erzählen, die ihre Kinder unterhalten, bilden und stärken, überbrücken sie nicht nur die Kluft, sondern gestalten die Dynamik völlig neu – und ihr Zuhause wird wieder zu dem Ort, an dem ihre Kinder sich gern aufhalten.
Wie können Eltern Storytelling im Alltag fördern?
Geschichten prägen die Seele. Darüber müssen sich Eltern und Lehrer im Klaren sein. Schon Platon hat erkannt, dass der menschliche Geist Geschichten aufnimmt, noch bevor er die Vernunft entwickelt. Aus diesem Grund argumentierte er, dass die allerersten Dinge, die Kinder hören, sorgfältig ausgewählte Geschichten sein müssen, um Tugendhaftigkeit zu fördern.
Mit der richtigen Struktur lassen sich Alltagserlebnisse in spannende Geschichten verwandeln.
Foto: JackF/iStock
Die besten Geschichten, die Eltern ihren Kindern erzählen können, um eine tägliche Verbindung aufzubauen, sind Geschichten mit ihren eigenen Lebenserfahrungen, Fehlern aus der Vergangenheit und Anekdoten aus dem Alltag. Das sind die Geschichten, die Kinder am liebsten hören! Der Schlüssel liegt darin, sie fesselnd, unterhaltsam und wirklich inspirierend zu gestalten. Die Kinder werden gespannt zuhören und sie immer wieder hören wollen!
Johnny Chang bereitet am 30. April 2026 in Los Angeles die Ausrüstung für einen bevorstehenden Podcast vor. - Foto: John Fredricks/Epoch Times
In Kürze:
Christliche Influencer wie Gabe Poirot und Johnny Chang erreichen in den USA Millionen Follower mit persönlichen Glaubenszeugnissen.
Junge Gläubige zeigen Skepsis gegenüber Megakirchen und deren Finanzen.
Studien sehen eine wachsende Bindung an Jesus vor allem bei Generation Z und Millennials.
Gabe Poirot war 20 Jahre alt, als er von seinem Elektroskateboard stürzte. Dabei zog er sich einen Schädelbruch zu und lag 18 Tage im künstlichen Koma. Eine Nahtoderfahrung, während er am Rande des Todes schwebte, veränderte ihn für immer.
„Es war eine persönliche Erfahrung mit Christus, die mein Herz wirklich entflammt hat. Und aufgrund dieser außerkörperlichen Erfahrung bin ich ihm für immer ergeben“, sagte Poirot der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Obwohl sein Körper „so gut wie tot“ war, wie der gebürtige Texaner betonte, habe er keine Todessituation erlebt, sondern vielmehr eine „außergewöhnliche“ Odyssee, bei der er seinen Körper verließ, als wäre er „aus einem Handschuh geschlüpft“ – und sei letztlich Jesus in einer Stadt aus Licht begegnet.
„Es war so real. Ich hatte das Gefühl, mein Leben auf Erden sei [im Vergleich dazu] nur ein Traum“, sagte er. „Seit meiner Rückkehr ist es mir wichtig, so viele Menschen wie möglich für den Himmel zu gewinnen und so vielen wie möglich das Evangelium nahezubringen. Denn mir ist bewusst, wie kurz meine Zeit ist.“
Der christliche Influencer Gabe Poirot im Arcadia Trail Park in Fort Worth, Texas, am 20. September 2026. Poirot ist der Autor des Buches „18 Tage im Himmel“, in dem er seine Nahtoderfahrung und die Begegnung mit Jesus beschreibt.
Foto: Bobby Sanchez/The Epoch Times
Mittlerweile spricht er regelmäßig mit seinen über 2 Millionen Abonnenten auf YouTube und 1 Million Followern auf TikTok. Nahezu ständig auf Reisen trifft der frischgebackene Vater sie auch an Universitäten überall in den USA, in Jugendgruppen und Kirchen und spricht vor Abtreibungskliniken mit Menschen über seinen Glauben.
Eine neue Form evangelikaler Verkündigung entsteht: weniger Megakirchenbühnen und Fernsehprediger, dafür TikTok, YouTube, Podcasts, Apps, persönliche Zeugnisse und Reisen. Poirot zufolge steht die Generation Z an der Spitze dieser neuen Bewegung.
Nathan Apffel, Regisseur der investigativen Dokuserie „The Religion Business“ (auf Deutsch etwa: Das Religionsgeschäft), sieht ebenfalls eine Wiederbelebung des Glaubens. In seiner Doku beschäftigt er sich mit finanziellem Missbrauch und Korruption in Amerikas großen religiösen Institutionen, den sogenannten Megakirchen.
„Es gibt definitiv eine Suche nach Glauben oder nach dem Christentum. Christus ist ein großartiges Vorbild. Daher wird diese jüngere Generation jeden, der sich zu Christus bekennt, aufmerksam beobachten und näher kennenlernen wollen“, sagte der Filmemacher, der selbst Christ ist.
Die Jugend von heute stelle mehr Fragen, so seine Beobachtung. „Sie durchschauen die Heuchelei eines Systems viel schneller.“ Dazu gehöre auch, das „Wohlstandsevangelium“ des Modells der kommerziellen Megakirchen sowie eine offensichtliche Diskrepanz zu den Lehren Christi infrage zu stellen.
Allerdings bilde die gleiche Struktur, die zu weitverbreiteter finanzieller Korruption in religiösen Institutionen geführt habe, die Grundlage für neuere, von den sozialen Medien vorangetriebene Modelle, in denen charismatische Influencer Aufrufe monetarisieren und Produkte verkaufen – von Bibelhandschriften und Augustiner-Schwertern bis zu Energydrinks mit aufgedruckten Glaubensbotschaften und Bekleidung.
Ein einflussreicher Podcaster, so Apffel, habe ihm einmal einen Platz in seiner Sendung angeboten – gegen eine Gebühr von 100.000 US-Dollar (circa 88.800 Euro). Epoch Times konnte dies nicht verifizieren, da die Produzenten der Show nicht auf Anfragen reagierten.
„Die Schlussfolgerung lautet also: Okay, Jesus kommt zurück, wenn alle von Kopf bis Fuß in Jesusgewändern gekleidet sind und Jesus-Energydrinks in der Hand halten? Nein, das ist nicht mein Gott und auch nicht der Gott der Bibel“, sagte Apffel. „Verkaufen wir das Evangelium, oder geben wir es weiter?“
Ein anderer, weithin bekannter christlicher Influencer ist Johnny Chang. Er war geprägt von einem Leben voller Kriminalität, Gewalt und Leid, das seine Jugend verschlungen hatte. Sein Pastor schlug ihm vor, neue Wege zu gehen und sich in der Gefängnisarbeit zu engagieren.
„Ich dachte, ‚Oh mein Gott, ich habe all meine Zeit damit verbracht, dem Gefängnis zu entkommen, und du schickst mich zurück‘“, erinnerte sich Chang. Das ehemalige Gangmitglied kam mit zwölf Jahren in Jugendhaft und verbrachte später mehr als acht Jahre in kalifornischen Gefängnissen.
„Er sagte, ‚Du solltest dorthin gehen, weil du sie verstehst. Du sprichst ihre Sprache, du siehst aus wie sie. Du solltest einfach über dein Glaubenszeugnis sprechen. Du musst nicht über Jesus und Gott sprechen. Du gehst da rein und erzählst, was Gott für dich getan hat‘“, sagte Chang der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Beim ersten Mal brachte er es nicht über sich, hinzugehen. „Ich hatte eine regelrechte Panikattacke. Es fühlte sich an, als säße ich im Gerichtssaal, als würde ich verurteilt werden und die Wände würden auf mich einstürzen“, sagte er. Schließlich tat er es doch – nervös und zitternd, den Kopf voller aufdringlicher Gedanken, die seinen Selbstwert infrage stellten.
Er erzählte den Häftlingen von seinem von Missbrauch geprägten frühen Familienleben, das ihn mit zwölf Jahren auf die Straße und in die Arme einer örtlichen Bande getrieben hatte, von der ständigen Gewalt im Gefängnis, von seiner zwischenzeitlichen Hinwendung zum Islam und von der Leere und Verzweiflung, die ihn plagten, bevor er schließlich zu Christus fand.
„Und am Ende klatschten sie. Ich dachte mir: ‚Wow, das ist irgendwie seltsam.‘ Dann kamen sie auf mich zu, stellten sich in einer Reihe auf und schüttelten mir die Hand, und jeder einzelne dieser Häftlinge begann, seine Geschichte zu erzählen“, sagte Chang.
Johnny Chang am 30. April 2026 in Los Angeles.
Foto: John Fredricks/The Epoch Times
„Zuerst folgten mir alle meine Gangsterfreunde“
Das war ein Wendepunkt für Chang. „Ich erinnere mich, dass ich danach auf dem Parkplatz saß und einfach zusammenbrach und weinte, weil mein Pastor schon wusste, was ich nicht wusste“, sagte er. „Selbst heute noch werde ich emotional, wenn ich daran denke.“
Sein Pastor schlug ihm außerdem vor, in den sozialen Medien aktiv zu werden. „Ich habe schließlich meine eigene kleine Seite erstellt, und natürlich folgten mir zuerst alle meine Gangsterfreunde“, sagte er. Doch nach und nach fand seine Botschaft Anklang.
„Die Leute fangen an, mich zu entdecken. Sie kommen zu mir und sagen: ‚Hey Bro, was du sagst, macht Sinn – du drängst uns nicht zum Christentum. Du sprichst einfach darüber, was es für dich bewirkt hat, und das können wir respektieren.‘“
Changs großer Durchbruch kam im Jahr 2023, als er bei Soft White Underbelly auftrat, einem YouTube-Kanal, der oft provokante Interviews mit Gangmitgliedern, Prostituierten, Drogenabhängigen und anderen Vertretern der Unterwelt zeigt. Seine Folge erhielt am ersten Tag mehr als 1 Million Aufrufe.
Mittlerweile hat er rund 4 Millionen Follower auf seinen Social-Media-Kanälen. Er nutzt verschiedene Technologien, darunter eine eigene App mit täglichen Andachten sowie einen Evangeliums-Chatbot, der auf der Grundlage seiner Predigten und Bibelnotizen trainiert wurde, um sein Publikum zu vergrößern. Zudem organisiert er internationale Veranstaltungen, leistet aber nach wie vor jeden Donnerstag Gefängnisseelsorge.
Vor etwa zwei Jahren begann Chang, die Sache ernst zu nehmen, und räumte ein: „Ich denke, ich bin jetzt ein Influencer.“
Sein Publikum reicht von Häftlingen bis zu NFL-Spielern: „Mittlerweile folgen mir auch berühmte Leute, es ist wirklich ein breites Spektrum.“ Chang schätzt, dass seine Hauptzielgruppe die 25- bis 45-Jährigen sind, einschließlich der Teilnehmer seiner wöchentlichen Bibelklasse, die er über Zoom abhält, sowie jüngerer Follower.
Johnny Chang liest am 30. April 2026 in Los Angeles in seiner Bibel.
Foto: John Fredricks/The Epoch Times
Eine Epidemie der Einsamkeit
Sowohl Chang als auch Poirot benennen die weitverbreitete Einsamkeit und Angst unter jungen Menschen als treibende Kraft hinter ihrer Arbeit und hinter der christlichen Bewegung.
„Es gibt heutzutage viel Leere und viel Nichtigkeit. Nicht nur physische Einsamkeit“, sagte Chang. „Es gibt keinen Austausch zwischen Menschen auf einer intimen, tiefgründigen Ebene. Alles bleibt sehr oberflächlich.“
Er fügte hinzu: Junge Menschen, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, stünden ständig unter destabilisierendem Druck. Sie würden von allen Seiten von Werbung und sozialen Vergleichen bombardiert.
Beide geben an, eine Mischung aus sozialen Medien und persönlichen Veranstaltungen zu nutzen, um engere Verbindungen zu den Menschen aufzubauen.
Ein Vorbild ist Charlie Kirk
Für viele konservative Christen bleibt Charlie Kirk, der im September 2025 ermordete Gründer der konservativen Jugendorganisation Turning Point USA, eine inspirierende Figur und ein Vorbild dafür, wie junge Evangelikale Menschen in Not erreichen können.
„Meine Generation sucht wirklich nach Authentizität […] und wir schätzen Pastoren, die bereit sind, Fragen zu beantworten und sich nicht vor Gesprächen scheuen“, sagte Poirot.Er hob Kirks „Mut und Kühnheit“ hervor, zu Hochschulen zu reisen und offene Foren abzuhalten, bei denen jeder das Mikrofon ergreifen konnte.
„Ich liebe die Kirche. Ich glaube an die Ortsgemeinde. Aber ich denke, die örtliche Kirche muss erkennen, dass sich die Lage stark verändert hat. Es ist wichtig, dass wir in den sozialen Medien aktiv sind und alles tun, um die Menschen dort zu erreichen, wo sie sind“, sagte Poirot.
„Ich kenne niemanden aus der Generation Z, der zu mir kommt und sagt: ‚Mann, ich liebe das Megakirchenmodell. Ich finde es toll, dass wir einen Pastor auf dem Bildschirm sehen, mit dem wir niemals sprechen könnten, und dass dort mehr als 10.000 Menschen sind‘“, sagte er.
Skepsis gegenüber den Megakirchen
Vielmehr bestehe, so Poirot, eine Nachfrage nach kleinen Gruppen und Hauskirchen. Megakirchen seien an sich nicht schlecht. Doch es gebe auch eine wachsende Skepsis gegenüber der finanziellen Intransparenz, die mit großen religiösen Institutionen verbunden sei.
Kirchen, die „stundenlange Predigten zum Thema Opfergabe“ halten, aber ihre Finanzen nicht offenlegen, seien sich möglicherweise nicht bewusst, wie manipulativ dies auf junge Menschen wirke, so Poirot.
„Ich habe eine öffentlich zugängliche 990-Erklärung [1]. Die Leute können sich mein Gehalt heute ansehen“, sagte er. Poirot fügte hinzu, dass er sich nicht auf die Arbeit als Influencer verlasse, um seine Familie zu ernähren. Er übernehme deshalb zusätzlich Aufträge im Landschaftsbau und in der Immobilienpflege, um seine Rechnungen zu bezahlen.
„Ich betrachte den pastoralen Dienst als einen Dienst am Nächsten. Ich halte es auch nicht für falsch, dass Pastoren ein Gehalt beziehen und finanziell unterstützt werden. […] Aber wenn wir damit nicht offen umgehen, fragen sich die Menschen: ‚Was macht ihr mit dem Geld, das wir euch geben?‘“
Junge Menschen beten während einer katholischen Messe in Camarillo, Kalifornien, am 27. September 2026. Männer der Generation Z „sehen Religion zunehmend als wichtigen Bestandteil ihres Lebens an“, sagt die Religionswissenschaftlerin Kelsey Hanson Woodruff.
Foto: Monica Seeley/The Epoch Times
66 Prozent der US-Erwachsenen bekunden ein persönliches Engagement für Jesus
Trotz vereinzelter Begeisterung, tiefer stilistischer und technischer Veränderungen sowie des damit einhergehenden Medienrummels – zeichnen die verfügbaren Daten ein komplexeres Bild davon, wie junge Menschen mit Religion umgehen.
Der jahrzehntelange Rückgang des Christentums in den USA hat sich einer Studie des Pew Research Centers zufolge in den vergangenen Jahren zumindest verlangsamt. Die „Religious Landscape Study“ 2023–2024 des Zentrums ergab, dass sich 62 Prozent der Befragten als Christen bezeichneten. 2007 waren es 78 Prozent und 2014 noch 71 Prozent. Unter den Christen ist der Anteil der Protestanten auf rund 40 Prozent gesunken. Unter den Protestanten stieg der Anteil der Evangelikalen auf 58 Prozent.
In einer im Jahr 2025 veröffentlichten Studie berichtete die christliche Forschungsorganisation Barna, dass junge Menschen eine „Welle der Hingabe an Jesus“ vorantreiben. Dabei bekundeten 66 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner ein persönliches Engagement für Jesus – ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte im Vergleich zu 2021.
„Dieser Wandel ist nicht nur statistisch signifikant. Er könnte auch der deutlichste Hinweis auf eine bedeutende spirituelle Erweckung in den Vereinigten Staaten sein“, schrieb die Organisation im April 2025. Die Ergebnisse basieren auf Interviews mit über 130.000 Erwachsenen, die zufällig aus der gesamten Bevölkerung ausgewählt wurden.
Barna stellt fest, dass insbesondere die Generation Z und die Millennials diesen Trend vorantreiben. Dies ist eine Kehrtwende gegenüber früheren Erhebungen, die ältere Menschen und die Babyboomer als engagiertere Christen auswiesen.
In der Barna-Studie wird zwischen zwei Aspekten unterschieden: der christlichen Selbstidentität und der „Verbundenheit mit Jesus“, die sich nicht immer überschneiden. Fast drei von zehn Menschen, die sich nicht als Christen identifizieren, bekennen sich zu einer persönlichen Verbundenheit mit Jesus. Laut der Organisation ist das ein Allzeithoch.
Dies könnte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass Menschen zu ihrem Glauben zurückkehren. Andererseits könnten es neue Gläubige sein, die sich mit organisierter Religion weniger wohlfühlen, also die „Spirituellen, aber nicht Religiösen“, so Barna.
Während das Christentum langfristig an Bedeutung verloren hat, zeigen nationale Umfragen gleichzeitig einen Anstieg der „Konfessionslosen“. Diese Gruppe hat sich laut Pew und dem Meinungsforschungsinstitut Public Religion Research Institute seit 2007 fast verdoppelt. Auch hier liegt die Generation Z vorn.
Eine kulturelle Welle
Junge christliche Influencer, die sich für Reisen, Glaubenszeugnisse und Technologie begeistern, scheinen derzeit einen kollektiven Wachstumsschub zu erleben. Niemand weiß so recht, wie es weitergehen wird.
Chang, der 33 Mitarbeiter beschäftigt, sagte, er wolle irgendwann in jedem Bundesstaat Gemeinden gründen. Poirot, der immer noch hauptsächlich als Ein-Mann-Betrieb arbeitet, möchte sein Werk ausbauen und Mitarbeiter einstellen.
Apffel bleibt in Bezug auf die Zukunft der Influencer-Ära vorsichtig. „Wenn ich mir diese Jungs und Mädels in den sozialen Medien anschaue, dann sind sie einfach kleine Unternehmen, deren Fortbestand von ihren Fähigkeiten abhängt“, sagte er. „Sie reiten auf einer kulturellen Welle, die wahrscheinlich in den nächsten 10 oder 15 Jahren wieder abebben wird.“
Doch er finde zum einen Trost in dem seiner Ansicht nach wiedererwachten Interesse an kleinen Gemeindekirchen. Zum anderen erfreue ihn die wachsende Gegenbewegung gegen das problematische Geschäftsmodell der organisierten Religion in den Vereinigten Staaten.
„Wir stehen am Anfang einer religiösen Reform“, sagte er. „Und diese Reform wird, so glaube ich, das Geschäftsmodell demokratisieren.“
[1] Die 990-Erklärung (Formular 990) ist eine jährliche Meldung steuerbefreiter Organisationen in den USA an die Bundessteuerbehörde IRS über Einnahmen und Ausgaben, Vermögen, Verbindlichkeiten und anderes.
Teilnehmer des Spazierclubs laufen am Abend durch Dresden. - Foto: Robert Michael/dpa
Eine Kolonne von Spaziergängern zieht an einem Freitagabend durch die Dämmerung in der Dresdner Innenstadt. Junge und ältere Menschen laufen nebeneinander. Manche halten einen Getränkebecher in der Hand, einige sind mit Lichterketten geschmückt, andere haben ihre Hunde dabei. In kleinen Gruppen unterhalten sie sich – hier noch verhalten, dort schon lebhaft.
Was Passanten hier in der Dresdner Innenstadt beobachten können, ist der noch junge Dresdner Spazierclub, den Konrad Höferth nach eigenen Angaben im Juli dieses Jahres ins Leben gerufen hat. „Einfach, weil ich selber Lust hatte, neue Leute kennenzulernen, weil mein Freundeskreis schon sehr begrenzt ist“, sagt Höferth. Alle Freunde, die er habe, kenne er über die Arbeit.
Neues Format, aber kein Boom
Spazierclubs werden über Social Media bekannt: Nach und nach gibt es sie in immer mehr Städten, zum Beispiel auch in Berlin, Leipzig, Frankfurt am Main, Hamburg oder Oldenburg. Zum Teil kommen nach Veranstalterangaben Hunderte Menschen zusammen.
Trotz der schnellen Verbreitung: Von einem Boom der Clubs würde der Sport- und Sozialpsychologe Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule in Köln nicht sprechen: „Ich würde einfach von einem neuen Format reden, was einfach die gesamte Bandbreite von möglichen Angeboten auf eine schöne, nette Art ergänzt.“
Eine Überwindung, Leute anzusprechen
In Dresden kennt ein sogenanntes Awareness-Team die Route, führt die Gruppe und steht jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. Ein Moderator stellt unterwegs Fragen oder Aufgaben, damit die Teilnehmer ins Gespräch kommen. „Alle wollen das Gleiche und trauen sich bloß nicht. Wir sorgen dafür, dass das eben nicht das Hindernis ist, dann wirklich neue Leute kennenzulernen“, erklärt Höferth diese Hilfestellungen. „Ab der Hälfte vom Walk hat wirklich jeder jemanden zum Quatschen und vielleicht sogar schon einen neuen Freund kennengelernt.“
Die 26-jährige Vi-Anh hat den Club auf Instagram entdeckt und ist seit dem zweiten Spaziergang dabei. Zu ihrem ersten Treffen wollte sie mit einer Freundin kommen. Die sagte jedoch ab, also ging sie allein. „Ich hatte dann echt ein mulmiges Gefühl am Anfang, aber das ging dann ganz schnell weg“, erinnert sie sich. „Es hat dort keine zwei Minuten gedauert, bis mich die ersten angesprochen haben.“ Inzwischen habe sie durch den Spazierclub auch schon neue Freunde kennengelernt.
Bewegung erleichtert Kontakt
Spaziert werde hier nicht, um Schritte zu sammeln, erklärt Höferth: „Es soll eben eigentlich mehr ums Connecten gehen und das Spazieren ist einfach so der Grund, wieso man sich trifft.“ Deshalb spaziert die Gruppe auch nur rund drei Kilometer weit. „Das schafft jeder“, meint Höferth.
„Bewegung erleichtert Kontakt insofern, weil man eine gemeinsame Tätigkeit ausführt. Und das ist natürlich immer einfacher, als wenn man sich irgendwie nur treffen würde, um sich zu treffen, sondern man trifft sich, um etwas zusammen zu tun“, erklärt Sport- und Sozialpsychologe Kleinert.
Er sieht auch in den niedrigen Leistungsansprüchen einen Faktor für die Beliebtheit von Spazierclubs. Die seien eine Art Gegenprogramm zu leistungsorientierten Trendsportarten wie Hyrox oder CrossFit, sagt er.
Ein Format, an dem alle teilnehmen können
Höferth will die Teilnahme möglichst niedrigschwellig gestalten. Deshalb seien die Routen kurz und barrierefrei. Er suche für jeden Spaziergang Sponsoren, um Getränke und Snacks anbieten zu können.
Nelly ist Teil von Höferths Awareness-Teams und läuft bei jedem der Spaziergänge mit. „Ich bin da mit meinen 45 Jahren so ein bisschen die Mutti“, scherzt sie. Sie habe es sich besonders zur Aufgabe gemacht, „dass man immer schön beeinträchtigte Menschen im Blick behält oder auch die ältere Generation, dass es halt barrierefreie Routen gibt“. Laut Veranstalter Höferth sind bei jedem Walk auch Rollstuhlfahrer dabei.
Spazieren gegen Einsamkeit
Experte Kleinert erklärt, dass Einsamkeit in der Gesellschaft ein stärker gewordenes Problem sei, das Angebote wie die Spazierclubs zu kompensieren versuchten. Laut einer Panelstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2025 fühlen sich 19 Prozent der Deutschen manchmal oder häufiger einsam – vor der Pandemie seien es lediglich 14 Prozent gewesen.
Laut Höferth spielt dabei auch Social Media eine Rolle. Er schildert: „Man kann sich mit jedem super easy connecten, aber man ist halt eben nur so oberflächlich und nicht im Real Life befreundet.“ Das bekomme er im Spazierclub so auch gespiegelt. Kleinert sagt dazu, es reiche den Menschen nicht, Kontakte über Social Media zu haben. „Das ist etwas anderes, als den leiblichen Kontakt zu haben und jemanden wirklich neben sich zu spüren.“ (dpa/red)
Der Schütze von Berngau hatte vor Jahrzehnten eine Ausbildung als Polzist begonnen. (Archivbild) - Foto: Daniel Löb/dpa
Der Mann, der zwei Behördenmitarbeiter in der Oberpfalz bei einer Waffenkontrolle getötet haben soll, hat in den 80er-Jahren eine Polizeiausbildung begonnen. Er sei von 1988 an in Bayern Polizeibeamter in Ausbildung gewesen, heißt es von der Polizei.
Er sei dann aber vor Ausbildungsende entlassen worden. Zu den Gründen wurde nichts bekannt. Zuvor hatte die „Bild“ über die Polizeivergangenheit des 60-Jährigen berichtet.
Der Mann soll am Donnerstag in Berngau im Landkreis Neumarkt einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes und dessen 54 Jahre alte Kollegin erschossen haben, als diese den Jäger und Sportschützen für eine Waffenkontrolle aufsuchten.
Er wurde festgenommen, nachdem er sich stundenlang in einem Haus in Berngau verschanzt hatte. Nach Polizeiangaben rief er selbst bei der Einsatzzentrale an und gab zu, geschossen zu haben.
Zudem habe er gesagt, er sei in seiner Wohnung, im Besitz von Schusswaffen und werde nicht widerstandslos aufgeben.
Noch immer im Krankenhaus
Spezialkräfte schossen bei der Festnahme auf den Mann und verletzten ihn schwer. Er wurde unter polizeilicher Bewachung in ein Krankenhaus gebracht, wo er sich laut Polizei auch am Samstag noch befand.
Der 60-Jährige soll nach seiner medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Dieser würde dann über die Frage einer Untersuchungshaft oder einer Unterbringung in einer Fachklinik entscheiden.
Der Mann besaß laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Seine Kontrolle erfolgte nach Angaben des Landratsamtes routinemäßig und ohne Vorankündigung. (dpa/red)