Armin Willingmann (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Kürze:
Die SPD kämpft bei der Landtagswahl am 6. September um den Wiedereinzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt.
Spitzenkandidat Armin Willingmann setzt auf Verlässlichkeit, Infrastruktur, Arbeit, Bildung und kommunale Stärke.
Die Bundespolitik und die schwachen Umfragewerte setzen die Sozialdemokraten zusätzlich unter Druck.
Taktische Wahlentscheidungen könnten der SPD am Ende dabei helfen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden.
In zwei Wochen wählt Sachsen-Anhalt seinen neuen Landtag – dabei könnte auch die Bundespolitik für die SPD eine Rolle spielen. Am Donnerstag, dem 20. August, kam Parteichef, Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ins Land. Zusammen mit Spitzenkandidat Armin Willingmann absolvierte er Termine in Halle an der Saale und Bitterfeld.
Im Mittelpunkt stand dabei der Besuch im Wasserwerk Beesen in Halle. Willingmann, der auch Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt ist, nahm von Klingbeil einen Förderbescheid entgegen. Dieser sichert die finanzielle Grundlage für die Reaktivierung der bereits 2006 abgeschalteten Einrichtung. Künftig soll Beesen wieder als Spitzenlastwasserwerk fungieren. Willingmann präsentiert die Entwicklung als wichtigen Erfolg seiner Arbeit und des SPD-Bundeschefs – gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Dürrephase.
SPD-Spitzenkandidat Willingmann in Sachsen-Anhalt wenig bekannt
Ob Beesen den Wahlkampf entscheidend beeinflussen wird, bleibt offen. Die SPD steht im Wahlkampf unter Druck, auch aufgrund von Entscheidungen, die Minister Klingbeil mitverantwortet. Kürzungen beim Wohngeld, die Infragestellung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Beschäftigte, dazu noch die Teuerung – all das setzt insbesondere Klingbeil unter Rechtfertigungsdruck.
Dazu kommt die Polarisierung zwischen Ministerpräsident Sven Schulze und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Willingmann ist zudem deutlich weniger bekannt als die Aushängeschilder von CDU und AfD. Als er im Vorjahr zum Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten gewählt wurde, konnten 35 Prozent der Bürger in Sachsen-Anhalt mit seinem Namen etwas anfangen.
Die Selbstdarstellung Willingmanns und das Wahlprogramm der SPD setzen auf Verlässlichkeit, Erfahrung und einen Geist des Miteinanders als zentrale Botschaften. Man wirbt für stabile Regierungsmehrheiten, eine lösungsorientierte Herangehensweise und eine Stärkung der Infrastruktur.
Integration, ziviles Engagement und betriebliche Mitbestimmung als Schwerpunkte
Die Sozialdemokraten wollen sich, sollten sie nach der Landtagswahl weiterhin der Regierung angehören, darum bemühen, abgewanderte Arbeitskräfte ins Land zurückzuholen. Gleichzeitig wollen sie junge Menschen frühzeitig über ihre Möglichkeiten und Rechte in der Arbeitswelt aufklären und die betriebliche Mitbestimmung stärken. Deshalb fordert die SPD unter anderem, öffentliche Förderungen nur für Betriebe zugänglich zu machen, die auch über einen Betriebsrat verfügen. Den Gewerkschaften will man den Zugang zu allgemeinbildenden und beruflichen Schulen erleichtern.
Außerdem betont die SPD die Bedeutung der frühkindlichen Bildung für die Integration. Eine Absonderung von Kindern mit geringen Deutschkenntnissen lehnen die Sozialdemokraten ab. Die SPD will zudem die Selbstorganisationen von Zugewanderten sowie Ehrenamtliche, Vereine und Initiativen stärken, die in diesem Bereich tätig sind. Außerdem betont sie im Wahlprogramm die Religionsfreiheit. Die SPD will die christlichen Kirchen in ihrem gesellschaftlichen und kulturellen Wirken weiter unterstützen, jüdisches Leben sichtbarer machen und Islamfeindlichkeit entgegentreten.
Weitere Schwerpunkte gelten unter anderem der Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung – und der besseren Ausschöpfung der Möglichkeiten, kommunale Einnahmen zu generieren. Dazu gehöre unter anderem die Beteiligung der Kommunen an Erträgen aus erneuerbaren Energien. Die SPD in Sachsen-Anhalt will zudem die Finanzierung freier Schulen verbessern und den Zugang von Jugendlichen ohne Abschluss zur Ausbildung verbessern.
SPD in Sachsen-Anhalt nur in den 1990er-Jahren stark
Sachsen-Anhalt war – trotz mehrerer bedeutender Industriereviere im Land – seit der Wiedervereinigung kein einfacher Boden für die SPD. Lediglich von 1994 bis 2002 stellten die Sozialdemokraten mit Reinhard Höppner den Ministerpräsidenten. Dabei brach dieser mit dem sogenannten Magdeburger Modell ein damals auch für die SPD geltendes Tabu. Er ließ sein rot-grünes Kabinett und ab 1998 seine Alleinregierung von der damaligen PDS tolerieren.
Ihre Ergebnisse im Bereich von 35 Prozent erreichten die Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt nur in den 1990er-Jahren. Seit 2002 kamen sie nie wieder über 21,5 Prozent hinaus – 2016 kamen sie nur noch auf 10,6 Prozent, fünf Jahre später lag ihr Ergebnis im einstelligen Bereich.
Zu Beginn war es die PDS beziehungsweise spätere Linkspartei, die größeren Erfolgen der Sozialdemokraten im Weg stand. Sie war strukturell besser verankert und dominierte auch im politischen Vorfeld, etwa bei den Gewerkschaften, gemeinnützigen Vereinigungen oder Sozialverbänden. Die SPD konnte in dieser Situation hauptsächlich auf starke Oberbürgermeister oder Landräte setzen – etwa Markus Bauer im Salzlandkreis.
Erfolgreiche Kommunalpolitiker scheuen zunehmend die höheren Ebenen
Die Verwaltungsspitzen aus der SPD in den Kommunen zogen es jedoch regelmäßig vor, ihren dortigen Wirkungsbereich aufrechtzuerhalten. Angesichts der immer schwächeren landespolitischen Position und des zunehmenden Einflusses der Bundespolitik erschien der Schritt auf eine höhere Ebene als unattraktiv.
Von der kommunalen Ebene in die Landespolitik wechselten unter anderem die frühere Oberbürgermeisterin von Halle/Saale, Ingrid Häußler, und der frühere Magdeburger Oberbürgermeister Wilhelm Polte. Allerdings war dies in den 2000er-Jahren. Später war kaum noch ein herausragender SPD-Kommunalpolitiker dazu bereit.
Zudem büßte die Partei in ihren Hochburgen auch wichtige Positionen ein. Der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper trat 2015 nach Differenzen in der Flüchtlingspolitik erstmals aus der Partei aus. In Halle an der Saale verloren die Sozialdemokraten 2012 den OB-Posten. Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Hans-Georg Otto im Jahr 2006 und der darauffolgenden mehrmonatigen Interimsphase unter Karl Gröger stellte die SPD auch in Dessau-Roßlau keinen Oberbürgermeister mehr.
Wer ist Armin Willingmann?
Damit ging der SPD aber auch das bis dahin stärkste Wahlkampfargument der sachpolitischen Kompetenz aus kommunalpolitischer Erfahrung verloren. Gleichzeitig wanderte die traditionelle Zielgruppe der Arbeiterschaft nach rechts ab. Hatten sich Parteien wie DVU, NPD oder Schill-Partei in den 1990er- und 2000er-Jahren nur regional und temporär etablieren können, ist der AfD 2016 auf Anhieb mit 24,3 Prozent der Einzug in den Landtag gelungen. Mit Ausnahme der Corona-Jahre konnte sie ihren Zuspruch von dort aus noch weiter ausbauen, während die SPD weiter an Zustimmung verlor.
Ihr jetziger Spitzenkandidat Armin Willingmann hatte keine Führungspositionen auf kommunaler Ebene inne. Er war jedoch von 2009 bis 2016 Stadtrat in Wernigerode und dort Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. Verwaltungserfahrung sammelte der Wirtschaftsjurist von 2003 bis 2016 als Rektor der Hochschule Harz. Anschließend fungierte er als Staatssekretär unter Jörg Felgner im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung. Nach dessen Rücktritt wurde er selbst Minister. Im Kabinett Haseloff III wurde er Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt.
Taktische Wähler als mögliche Unterstützung für die SPD?
Trotz der anhaltend schwierigen politischen Ausgangslage für die SPD in Sachsen-Anhalt und der zusätzlichen Belastung durch die Bundespolitik erscheint es als verfrüht, die Partei mit Blick auf die Landtagswahl abzuschreiben. Kämpfte die Partei im Juli noch um die Fünf-Prozent-Hürde, sehen erste Meinungsforschungsinstitute sie mittlerweile wieder bei 7 Prozent.
Bis zur Landtagswahl könnte sich dieser Wert noch verändern. Grund dafür sind vermehrte Aufrufe zum taktischen Wählen unter AfD-Gegnern. Um eine absolute Mandatsmehrheit der AfD zu verhindern, muss mindestens eine der kleineren Parteien mit einem Ergebnis deutlich über 5 Prozent in den Landtag einziehen.
Im Jahr 2021 hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff in letzter Minute auch taktische Wähler für sich gewonnen. Es bleibt abzuwarten, ob dies der SPD ebenfalls gelingen wird. Immerhin halten einer MDR-Umfrage zufolge 45 Prozent der Wähler eine rein taktische Wahlentscheidung für sinnvoll.
Stadtratskandidatin Corinna Jodeit will an ihrer Kandidatur festhalten. (Symbolbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
Mit einem kontroversen Schmuckstück sorgt eine CDU-Kandidatin im niedersächsischen Kommunalwahlkampf bundesweit für Aufsehen. Teil des goldenen Accessoires ist der Schriftzug „Milf“. Die englische Abkürzung steht laut Duden für „mom I’d like to fuck“ und beschreibt eine „sexuell attraktive reifere, erfahrene Frau“. Die Kette ist auf den Wahlplakaten mit dem Porträtfoto von Corinna Jodeit deutlich sichtbar. Die 38-Jährige bewirbt sich um einen Platz im Stadtrat von Wildeshausen südwestlich von Bremen. Kommunalwahl in Niedersachsen ist am 13. September.
Dem „Medienhaus Kreiszeitung“ in Syke sagte Jodeit: „Es ist doch nur ein Schmuckstück und hat mit Kompetenz nichts zu tun.“ Zwar sei die Kette „natürlich provokant“. Für sie drücke das zehn Jahre alte Accessoire aber vor allem Selbstständigkeit und Stärke aus. „Ich bin gerne eine Mutti. Aber nicht nur das“, sagte die Handwerksunternehmerin der Zeitung.
Die Kette für das Wahlplakat abzulegen, habe sie für nicht authentisch gehalten. Auf einigen Wahlwerbefotos ist sie allerdings auch ohne die Kette abgelichtet.
Auch verschiedene überregionale Medien berichten über den Fall. Unter einem Beitrag der „Wildeshauser Zeitung“ auf Instagram beschreiben Nutzer Jodeits Auftreten unter anderem als „peinlich“ oder unpassend für eine seriöse Politikerin. Mehrere Kommentare beleidigen sie auch mit sexuellen Sprüchen. Zahlreiche Nutzer stellen sich aber auch auf die Seite der Kandidatin.
Die Kritik, die sie für die Kette erhalte, gehe „nicht spurlos an mir vorbei“, sagte die 38-Jährige. Von ihrer Kandidatur abrücken wolle sie aber nicht. Von ihrer Partei erfahre sie viel Rückhalt und auch unter ihren eigenen Beiträgen in sozialen Netzwerken findet sich hauptsächlich Zuspruch. Jodeit ist für den Stadtrat von Wildeshausen auf Listenplatz drei nominiert.
Als die „Schlandkette“ viral ging
Vor 13 Jahren hatte schon einmal die Kette einer CDU-Politikerin für Schlagzeilen gesorgt. Vor der Bundestagswahl 2013 war es die „Schlandkette“, die Angela Merkel in einem TV-Duell trug. Das schwarz-rot-goldene Accessoire gehörte anschließend zu den am meisten verbreiteten Begriffen in den sozialen Netzwerken während des TV-Duells vor der Bundestagswahl 2013. (dpa/red)
Finanzminister Lars Klingbeil macht sich auf EU-Ebene für eine Übergewinnsteuer bei Ölkonzernen stark. (Archivbild) - Foto: via dts
„Wir müssen das Problem der hohen Energiepreise angehen, indem wir ein EU-weites Rahmenwerk zur Besteuerung von Zufallsgewinnen diskutieren“, fordern Klingbeil und fünf europäische Kollegen in einem Schreiben. In der aktuellen Krise dürfe es keine „Abzocke durch Energiekonzerne“ geben – das habe Klingbeil mehrfach deutlich gemacht, hieß es aus dem Finanzministerium in Berlin.
Die sechs Finanzminister fordern in einem Brief an den irischen Finanzminister Simon Harris, der AFP am Samstag vorlag, das Thema Übergewinnsteuer „so schnell wie möglich“ auf die Tagesordnung zu setzen – am besten beim Treffen der EU-Finanzminister am 18. und 19. September in Dublin.
Hauptfaktor für den Anstieg der Energiepreise sei der anhaltende Konflikt in der Golfregion, heißt es in dem Brief. Doch „die Ölkonzerne verzeichnen insgesamt eine gute Rentabilität und Margen bei Raffinerieprodukten, die – wenn auch möglicherweise beeinflusst durch produktspezifische Engpässe – den Anstieg der Rohölpreise übersteigen.“
Nicht nur in Deutschland und in Europa, sondern „weltweit wächst die Unzufriedenheit über den Anstieg der Lebenshaltungskosten“, schreiben die Finanzminister. Bisherige staatlichen Maßnahmen hätten nicht ausgereicht, um die Preise für Unternehmen und Bürger dauerhaft zu senken oder zu stabilisieren. Nötig sei daher ein „gemeinsamer Ansatz“: Diejenigen, die von der Krise profitieren, müssten „ihren Teil dazu beitragen, die Belastung für die breite Bevölkerung zu mildern“.
Klingbeil und seine Amtskollegen aus Österreich, Italien, Portugal und Spanien machen sich seit Monaten für eine Übergewinnsteuer in der EU stark. Eine solche war schon einmal 2022 als Notfallreaktion auf hohe Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs vorübergehend eingeführt worden; Energiekonzerne mussten sie für außergewöhnliche Gewinne zahlen.
Die 2022 gewonnenen Erkenntnisse könnten helfen herauszufinden, „wie die im Ausland erzielten Gewinne multinationaler Ölkonzerne gezielter einbezogen werden können“, heißt es in dem Brief. Die Finanzminister dringen zudem darauf, „dass uns die Ergebnisse der europäischen Untersuchung zu den Raffineriemargen so bald wie möglich vorliegen“. Diese könnten die „Grundlage“ für Maßnahmen sein um sicherzustellen, dass Raffinerien die derzeitige Lage nicht ausnutzen.
Mehrere große Ölkonzerne hatten im Juli ihre Quartalsbilanzen veröffentlicht. Laut der Hilfsorganisation Oxfam stiegen die Gewinne der sechs größten fossilen Energieunternehmen – BP, Chevron, Eni, ExxonMobil, Shell und TotalEnergies – von April bis Juni auf insgesamt knapp 40 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr 2026 werden sie sich demnach auf 147 Milliarden Euro summieren. Oxfam fordert eine „allgemeine und dauerhafte Übergewinnsteuer von mindestens 50 Prozent“ auf diejenigen Gewinne, die über einer Rendite von zehn Prozent liegen.
Portugal hatte Ende Juli einen Gesetzentwurf für eine Übergewinnsteuer vorgelegt. Die Einnahmen sollen laut Regierung „zur Unterstützung der Familien und Wirtschaftszweige verwendet werden, die am stärksten von den Kraftstoffpreissteigerungen betroffen sind“.
In Deutschland lehnt der Koalitionspartner Union eine Übergewinnsteuer ab. Auch in der EU stießen die sechs Finanzminister mit ihrem Wunsch nach einer solchen Steuer bislang auf Ablehnung. Die EU-Kommission hatte etwa im April klargestellt, dass sie nicht an einer EU-weiten Abschöpfung von Übergewinnen arbeite. Für die Einführung einer Übergewinnsteuer wäre nach Angaben der Kommission zudem ein einstimmiger Beschluss der Mitgliedstaaten notwendig. (afp/red)
Symbol für die Traumfabrik: Hinter den berühmten Buchstaben verändert künstliche Intelligenz gerade die Regeln des Filmemachens. - Foto: iStock Bill Chizek
In Kürze
250 Millionen gegen wenige Zehntausend: Nolans „The Odyssey“ trifft auf eine weitgehend KI-generierte Low-Budget-Version.
Hollywood setzt längst KI ein: Die Technologie verändert visuelle Effekte, Animation, Ton und Produktionsabläufe.
Weniger Produktionshürden, neue Konflikte: KI senkt Kosten, bedroht aber Arbeitsplätze und wirft Fragen nach Urheberrecht und menschlicher Leistung auf.
Zwei Filme erzählen in diesem Sommer dieselbe Geschichte. Christopher Nolans „The Odyssey“ ist ein 250-Millionen-Dollar-Epos, fast drei Stunden lang, mit Matt Damon als Odysseus, Anne Hathaway als Penelope und einer großen internationalen Besetzung. Nolan ließ 91 Tage lang in sechs Ländern drehen und setzte vollständig auf IMAX-Kameras. Der Film spielte allein am ersten Wochenende weltweit 264,1 Millionen Dollar ein und überschritt Anfang August die Marke von einer Milliarde Dollar.
Zeitgleich hat Ash Koosha eine zweite Version der Odyssee vorgelegt: „Odysseus: The Fall“ ist 135 Minuten lang und wurde mit einem Bruchteil der Infrastruktur einer klassischen Hollywoodproduktion geschaffen – ohne klassische Dreharbeiten, herkömmliche Filmsets und mit künstlich erzeugten Bildern.
Klassisches Hollywood trifft auf KI
Koosha arbeitete nach eigenen Angaben zwei bis drei Monate daran, teilweise allein an einem Laptop. Er schrieb das Drehbuch und führte Regie. An der Produktion, die insgesamt nur drei Monate dauerte, waren lediglich zwölf Personen beteiligt: eine professionelle Schauspielerin, mehrere Models und Personen ohne vorherige Erfahrung in der Unterhaltungsbranche. Als zentrales Videomodell kam Kling zum Einsatz, ergänzt durch eigene Produktionssoftware. Die vollständig KI-generierte Produktion soll im mittleren fünfstelligen Dollarbereich gelegen haben, also circa 50.000 Dollar.
Koosha kündigte sein „Odysseus: The Fall“ ausdrücklich und bewusst im Fahrwasser von Nolans Film an. Seine KI-Version der Reise des Odysseus könne Nolans Erfolg in gewisser Weise noch steigern, so Koosha gegenüber dem „Hollywood Reporter“, „indem sie diejenigen in die Kinos bringe, die neugierig seien, das Nonplusultra menschlicher Schöpfung zu sehen und es mit der Zusammenarbeit eines Menschen mit KI zu vergleichen“.
Damit stehen sich zwei Vorstellungen vom Filmemachen gegenüber: Auf der einen Seite die physische Materialschlacht des großen Kinos: Kameras, Schauspieler, Drehorte, Crew und ein Budget von rund einer Viertelmilliarde Dollar. Auf der anderen Seite stehen ein kleines Team, generative Modelle und jede Menge Rechenleistung. Kooshas Film ist dabei mehr als ein technisches Experiment. Die Produzenten verstehen ihn ausdrücklich als Beleg dafür, dass Künstliche Intelligenz aufwendige Filmstoffe für Menschen zugänglich machen kann, die niemals über die Budgets eines Hollywoodstudios verfügen würden.
Was passiert aber mit einer Filmindustrie, wenn die Herstellung eines Films plötzlich nicht mehr in erster Linie eine Frage von Geld, Personal, Drehorten und Technik ist?
Hollywood arbeitet längst mit KI
Hollywood lehnt KI nicht grundsätzlich ab. Die Studios investieren längst in die Technologie, um Produktionsabläufe zu beschleunigen und Kosten zu senken. Schauspieler, Drehbuchautoren und andere Filmschaffende fürchten dagegen, dass ihre Arbeit durch KI ersetzt oder ohne ihre Zustimmung genutzt wird.
Eine Recherche der „Los Angeles Times“ zeigt, wie weit die Technologie inzwischen in den Studios angekommen ist. Die Zeitung wertete rund 250 öffentlich ausgeschriebene Stellen bei Disney, Universal, Paramount, Warner Bros., Sony, Netflix und Amazon MGM aus. Rund 30 davon standen nach Einschätzung der Zeitung in direktem Zusammenhang mit KI. Disney suchte unter anderem Fachleute für „computer graphics and AI“, Netflix einen „Manager, Generative Workflows“, Amazon MGM einen KI-Verantwortlichen für die Produktion.
Die KI-Revolution findet also nicht erst dann statt, wenn ein vollständig künstlich erzeugter Spielfilm im Kino läuft. Sie findet bereits innerhalb der klassischen Filmproduktion statt. KI muss einen Schauspieler auch nicht ersetzen, um die Filmindustrie zu verändern. Es reicht zunächst, wenn sie einzelne Tätigkeiten übernimmt oder beschleunigt. Sie kann Hintergründe erzeugen, fehlende Einstellungen ergänzen, Beleuchtung verändern, Stimmen bearbeiten, Bilder animieren oder Produktionsabläufe beschleunigen.
Für die Beschäftigten kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Hollywood steht ohnehin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Nach einer Analyse des Tech Policy Program der Duke University hat Los Angeles County seit 2022 mehr als ein Viertel seiner Film- und Fernsehjobs verloren. Zwischen Oktober 2022 und Februar 2026 ging die Zahl der Produktionsjobs sogar um mehr als 35 Prozent zurück.
Die Entwicklung hat mehrere Ursachen, darunter die Veränderungen des Streaminggeschäfts und die Verlagerung von Produktionen. KI kommt als weiterer Faktor hinzu – und trifft damit auf einen bereits geschwächten Arbeitsmarkt.
Rechenzentren statt Kameras
Ein klassischer Film bezahlt Menschen, Drehorte, Kulissen, Kameratechnik, Reisen, Logistik, Spezialeffekte und Postproduktion. Bei KI-Produktionen mit deutlich weniger Kosten verschiebt sich ein Teil dieser in Richtung Software, die Menschen, die Modelle bedienen, Ergebnisse auswählen und korrigieren sowie Rechenleistung.
Wie radikal diese Verschiebung sein kann, zeigte im Mai 2026 „Hell Grind“. Der vollständig mit KI erzeugte Film wurde laut „Wall Street Journal“ innerhalb von zwei Wochen hergestellt und kostete rund 500.000 Dollar. Rund 400.000 Dollar entfielen dabei allein auf Rechenleistung.
Aufmerksamkeit in Hollywood bekam im Jahr 2025 Tilly Norwood: Eine vollständig künstlich erzeugte Schauspielerfigur, entwickelt vom Londoner KI- und Produktionsunternehmen Particle6. Ein etwa 15-köpfiges Team arbeitete sechs Monate an der Figur und erzeugte dabei mehr als 2.000 visuelle Varianten. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass Norwood die Hauptrolle in dem Comedy-Drama „Misaligned“ übernehmen soll.
Die Schauspieler-Gewerkschaft SAG-AFTRA hatte in dem Kontext davor gewarnt, dass Projekte wie der KI-Tilly Gefahr zu „Stolen Performance“ führten, auf Deutsch „gestohlene Darbietungen“. Die Gewerkschaft bezeichnete Tilly Norwood als synthetische Figur, deren Existenz auf der Arbeit realer Schauspieler beruhe, die dafür weder gefragt noch vergütet worden seien. Genau wegen dieser Bedenken hatte die Gewerkschaft bereits im Jahr 2023 gestreikt.
Als Hollywood-Star Emily Blunt während eines Podcasts ein Bild von Tilly gezeigt bekam, soll sie kommentiert haben: „Nein – im Ernst? Das ist eine KI?“ und weiter: „Meine Güte, dann sind wir ja erledigt.“
Schauspieler als reines Produktionsmaterial
Anders als bei einer klassischen Filmproduktion werden bei KI-generierten Filmen keine Schauspieler mehr aufgenommen. Stattdessen stellen Menschen ihre Gesichter beziehungsweise ihre digitale Ähnlichkeit für die Figuren zur Verfügung. Das führt zu der Frage: Was ist ein Schauspieler in einer Welt, in der sein Gesicht von einer Maschine in beliebige Situationen versetzt werden kann? Im Zweifelsfall wird das Gesicht damit zu einer Art Produktionsmaterial.
Einige in Hollywood nehmen inzwischen eine gemäßigtere Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz ein: Während einer Pressekonferenz auf dem diesjährigen Festival in Cannes sagte die US-amerikanische Schauspielerin Demi Moore, man solle Wege finden, mit der Technologie zu arbeiten. „KI ist da. Und sich dagegen zu wehren, bedeutet, einen Kampf zu führen, den wir verlieren werden.“
Auf der Gewinnerseite sieht sich „Star Wars“-Schöpfer George Lucas laut der „Los Angeles Times“ durch den Nutzen von KI: Diese abzulehnen sei so, als würde man eine Pferdekutsche einem Auto vorziehen. „Künstliche Intelligenz bedeutet, dass es für uns viel einfacher ist, Filme zu drehen“, so Lucas. „Daran lässt sich nichts ändern. Das ist Fortschritt. Das ist die Zukunft.“
Andere, wie Schauspieler Ben Affleck beispielsweise, treiben die Entwicklung für sich gewinnbringend voran: Er gründete ein Unternehmen für KI-Filmtechnologie und verkaufte das Start-up anschließend für über eine halbe Milliarde Dollar an Netflix. Bei der Gründung von InterPositive hatte Affleck erklärt, er wolle das „Storytelling menschlich“ halten, indem er KI-Tools entwickle, die etwa die Beleuchtung korrigieren, fehlende Aufnahmen generieren und andere Aufgaben übernehmen könnten, während „kreative Entscheidungen in den Händen der Künstler bleiben“.
Ob KI das klassische Hollywood zerstören oder ersetzen wird, ist heute kaum abzusehen. Verändert hat sie die Filmbranche aber längst. Filme lassen sich mit deutlich weniger Menschen, Geld und technischer Ausstattung herstellen als noch vor wenigen Jahren. Was früher ein großes Studio, ein aufwendiges Set und eine ganze Abteilung von Spezialisten brauchte, kann inzwischen teilweise ein kleines Team am Computer erledigen.
Wenn die Herstellung eines Films immer billiger und einfacher wird, ist nicht mehr allein die Produktionskapazität knapp. Knapp wird auch die Aufmerksamkeit des Publikums.
Das zeigt auch der Vergleich von Nolan und Koosha. Für Nolans „The Odyssey“ arbeiten Hunderte Menschen, gedreht wird an internationalen Schauplätzen, das Budget liegt bei rund 250 Millionen Dollar. Kooshas „Odysseus: The Fall“ entstand unter völlig anderen Bedingungen – mit einem kleinen Team, KI-Modellen und einem Bruchteil der Kosten. Doch am Ende müssen beide dasselbe leisten: einen Grund liefern, warum ein Mensch zwei Stunden seines Lebens mit ihrem Film verbringen will.
KI kann Bilder erzeugen, Kosten senken und Ideen möglich machen, die bislang am Budget scheiterten. Aber sie kann dem Publikum nicht vorschreiben, was es sehen will. Je leichter es wird, Filme zu produzieren, desto schwieriger könnte es im Gegenzug werden, einen Film zu schaffen, der aus der Masse künstlich erzeugter Bilder herausragt.
Apple bezahlt in Deutschland im Vergleich zu Irland wenig Steuern. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Apple hat im Rahmen neuer Transparenzvorschriften der Europäischen Union erstmals offengelegt, wie viel Gewinn und Steuern der US-Konzern in den einzelnen Mitgliedstaaten verbucht. Aus einem frisch veröffentlichten Steuerbericht für das Ende September 2025 abgeschlossene vergangene Geschäftsjahr geht hervor, dass Apple in Deutschland bei einem Vorsteuergewinn von rund 209 Millionen US-Dollar (aktuell 178 Mio Euro) Ertragsteuern in Höhe von 153,5 Millionen Dollar (131,2 Mio Euro) zahlte.
Der Gesamtumsatz der deutschen Geschäftseinheiten von Apple belief sich laut dem Bericht auf 2,72 Milliarden Dollar (2,33 Mrd Euro). Bundesweit beschäftigte das Unternehmen 4.089 Mitarbeiter, davon mehr als 2.000 Ingenieure am „European Silicon Design Center“ in München, Apples größtem Entwicklungsstandort in Europa.
In der Gesamtbilanz für die EU sticht vor allem Irland hervor: Dort wies Apple für das abgelaufene Geschäftsjahr tatsächlich gezahlte Steuern (Income tax paid) in Höhe von 17,08 Milliarden Dollar (14,60 Mrd Euro) aus. Der Konzern begründet diese enorme Summe im Bericht explizit mit der Auflösung des Treuhandkontos infolge der Beihilfe-Entscheidung der EU-Kommission und des Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).
Apple hatte im September 2024 einen jahrelangen Rechtsstreit mit der EU-Kommission verloren. Hintergrund waren Steuervergünstigungen, die Apple in Irland lange gewährt worden waren. Die EU-Kommission hielt dieses Vorgehen für wettbewerbsverzerrend und forderte Apple auf, insgesamt 13 Milliarden Euro Steuern plus Zinsen zu zahlen.
In dem aktuellen Steuerreport betont das Unternehmen nun: „Apple gehört kontinuierlich zu den größten Steuerzahlern der Welt und wir sind stolz auf die Beiträge, die wir für die Länder und Gesellschaften leisten, in denen wir tätig sind.“
Apple erklärte, dass Körperschaftsteuern nach internationalem Standard dort anfallen, wo wesentliche Entwicklungs- und Unternehmensrisiken gesteuert werden – bei Apple primär in den USA sowie über die europäische Drehscheibe im irischen Cork, die Kunden in über 120 Ländern betreut.
Große multinationale Konzerne mit einem weltweiten Umsatz von mehr als 750 Millionen Euro sind nach einer EU-Richtlinie (Public CbCR) verpflichtet, ihre Ertragsteuerinformationen aufgeschlüsselt nach Ländern öffentlich zugänglich zu machen. Bislang mussten diese Daten nur vertraulich an Finanzbehörden übermittelt werden. (dpa/red)
Bei älteren und chronisch kranken Menschen sind acht, zehn oder noch mehr verschriebene Präparate längst keine Seltenheit. (Symbolbild) - Foto: ruslanphoto2/iStock
In Kürze:
Noch nie wurden so viele Medikamente verschrieben wie heute. Versicherte der Techniker Krankenkasse erhielten 2025 im Schnitt 292 Tagesdosen.
Zahlreiche Arzneimittel lindern gezielt Beschwerden oder verhindern Komplikationen – und schaffen durch Wechselwirkungen untereinander neue.
2021 hat fast jeder zweite gesetzlich Versicherte ab 65 Jahren mindestens ein potenziell ungeeignetes Arzneimittel erhalten.
Das Bundesgesundheitsministerium ging im April 2026 von jährlich rund 250.000 Krankenhauseinweisungen infolge von Medikationsfehlern aus.
Veränderung ist möglich aber unbequem: Sie verlangt täglich neue Entscheidungen, zeigt sich oft aber erst nach Wochen oder Monaten.
Die Techniker Krankenkasse (kurz TK) meldete Anfang August einen neuen Höchstwert. Im Jahr 2025 bekamen die bei ihr versicherten Erwerbspersonen rund 34,3 Millionen Arzneimittelpräparate verschrieben. Insgesamt waren das 2,036 Milliarden Tagesdosen. Durchschnittlich entfielen damit 292 Tagesdosen auf jeden Versicherten.
Diese Auswertung betrifft wohlgemerkt Menschen im Erwerbsleben. Bewohner von Pflegeheimen und ein großer Teil der hochbetagten Patienten sind darin nicht enthalten. Gegenüber dem Vorjahr stieg das Verordnungsvolumen erneut um 2,6 Prozent. Bei den Herz-Kreislauf-Medikamenten hat sich die Zahl der Tagesdosen seit dem Jahr 2000 sogar um 129 Prozent erhöht.
Die TK nennt das einen Verordnungsrekord. Man kann dies als eine umfassende moderne medizinische Versorgung verkaufen. Schließlich gibt es heute für viele Erkrankungen wirksame Arzneimittel, die Beschwerden lindern, Komplikationen verhindern und Leben retten. Eine Frage bleibt trotzdem offen: Werden die Menschen dadurch gesünder?
Ein gesenkter Blutdruck gilt als Behandlungserfolg. Das gilt ebenso für einen besser eingestellten Blutzucker oder eine „beherrschte Entzündung“. Doch ein günstigerer Messwert beweist noch nicht, dass die Ursache einer Erkrankung beseitigt wurde. Der Patient kann laut Laborbericht gut eingestellt sein und sich dennoch keinen einzigen Tag gesund fühlen.
Polypharmazie und ihre Nebenwirkung
Hinzu kommt das Problem der Polypharmazie. Üblicherweise wird davon gesprochen, wenn ein Patient dauerhaft fünf oder mehr Medikamente einnimmt. Bei älteren und chronisch kranken Menschen sind acht, zehn oder noch mehr Präparate längst keine Seltenheit.
Wie ernst dieses Problem genommen werden muss, zeigt etwa die PRISCUS-Liste. Sie erfasst Arzneimittel, die bei Menschen ab 65 Jahren als potenziell ungeeignet gelten. Die aktuelle Fassung PRISCUS 2.0 enthält 177 Wirkstoffe und Wirkstoffklassen. Dazu gehören bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Schmerzmittel, Muskelrelaxantien und weitere häufig eingesetzte Präparate.
Teilweise werden auch eine zu hohe Dosis oder eine zu lange Einnahmedauer problematisch. Protonenpumpenhemmer gelten beispielsweise bei einer Behandlungsdauer von mehr als acht Wochen als potenziell inadäquat.
Die PRISCUS-Liste ist keine Verbotsliste. Ein dort aufgeführtes Medikament kann im Einzelfall notwendig und sinnvoll sein. Es sollte jedoch besonders sorgfältig geprüft werden, ob Nutzen, Dosierung und Behandlungsdauer noch stimmen und ob eine verträglichere Alternative infrage kommt.
Die Verordnungswirklichkeit ist indes ernüchternd. Nach einer Auswertung von Abrechnungsdaten hatte 2021 fast jeder zweite gesetzlich Versicherte ab 65 Jahren mindestens ein potenziell ungeeignetes Arzneimittel erhalten. Polypharmazie bedeutet deshalb mehr, als „nur“ eine lange Liste auf dem Medikamentenplan. Sie kann zu einem eigenständigen Gesundheitsrisiko werden.
Patienten in der Medikamente-Wechselwirkung-Spirale
Wie sieht es denn in der Praxis aus? Der Internist behandelt die Herzerkrankung. Der Diabetologe kümmert sich um den Blutzucker. Der Orthopäde verordnet etwas gegen die Schmerzen. Der Psychiater behandelt Depressionen. Beim Hausarzt laufen die verschiedenen Verordnungen schließlich zusammen – sollten sie zumindest. Er soll den Überblick behalten, obwohl sein Wartezimmer voll ist und für den einzelnen Patienten nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht.
Mit jedem zusätzlichen Präparat steigt die Zahl möglicher Wechselwirkungen. Auch die Gefahr einer Verordnungskaskade wächst. Dabei wird die Nebenwirkung eines Arzneimittels als neues Krankheitszeichen gedeutet und mit einem weiteren Mittel behandelt.
Beispiel: ein Medikament verursacht Schwindel, Wassereinlagerungen, Verstopfung, Müdigkeit oder Schlafprobleme. Statt die bestehende Medikation zu überprüfen, kommt eine neue Diagnose hinzu. Darauf folgt das nächste Rezept. Auf diese Weise wächst ein Medikamentenplan über Jahre, ohne dass dabei jemand leichtfertig oder mit böser Absicht gehandelt haben muss.
58.000 arzneimittelbedingte Todesfälle
Dass diese Risiken keineswegs theoretisch sind, zeigte bereits der Pharmakologe Professor Jürgen C. Frölich. Im Jahr 2003 errechnete er gemeinsam mit einem Kollegen auf Grundlage einer norwegischen Krankenhausstudie für Deutschland bis zu 58.000 Todesfälle durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen im stationären internistischen Bereich.
Die Zahl war eine Hochrechnung und wurde damals kontrovers diskutiert. Beunruhigend war vor allem der Befund, dass ungefähr die Hälfte dieser Todesfälle als potenziell vermeidbar galt. Nur etwa sechs Prozent der arzneimittelbedingten Todesfälle waren von den behandelnden Ärzten als solche erkannt worden.
Mehr als zwei Jahrzehnte später ist das Problem genauso aktuell. Das Bundesgesundheitsministerium ging im April 2026 von schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich infolge von Medikationsfehlern aus. Viele dieser Fälle seien vermeidbar.
Die Bundesregierung beschloss dann einen neuen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Aktionspläne sind immer gut und signalisieren „man ist bemüht“. Eine Frage bleibt aber: Warum lässt sich ein so offensichtliches Problem so schwer lösen?
Dilemma der Ärzte
Zur Rettung der Ärzteschaft muss man sagen: Ihnen sind in vieler Hinsicht die Hände gebunden. Eine sorgfältige Überprüfung eines umfangreichen Medikamentenplans benötigt Zeit. Sämtliche Präparate müssen erfasst, Dosierungen kontrolliert und mögliche Wechselwirkungen geprüft werden. Alter, Gewicht, Nierenfunktion, Leberleistung und weitere Erkrankungen sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Eine solche Prüfung lässt sich bei einem multimorbiden Patienten kaum zwischen Tür und Angel erledigen. Genau das verlangt der Praxisalltag jedoch häufig. Patienten müssen versorgt, Befunde dokumentiert, Anträge bearbeitet und zahlreiche gesetzliche Vorgaben erfüllt werden.
Dazu kommen dann die medizinischen Leitlinien. Formal sind Leitlinien keine Gesetze. In der Praxis beschreiben sie jedoch den anerkannten Behandlungsstandard. Ein Arzt, der von ihnen abweicht, sollte dafür gute Gründe haben und diese dokumentieren können. Wer die „Leitlinien-Therapie“ verordnet, befindet sich fachlich und rechtlich meist auf sichererem Boden.
Daraus entsteht ein merkwürdiges Leitlinienparadox. Jede einzelne Erkrankung wird korrekt nach ihrer jeweiligen Leitlinie behandelt. Der Patient mit fünf Krankheiten erhält am Ende fünf „korrekte“ Behandlungen, die aber zusammen ein kaum noch beherrschbares Problem bilden können.
Was Sie tun können
Auch die Patienten tragen ihren Teil zur Entwicklung bei. Das ist keine moralische Anklage. Wer krank ist, sucht einen Fachmann auf und erwartet Hilfe. Wenn ich mein Auto in die Werkstatt bringe, möchte ich es repariert zurückbekommen. Ich möchte vorher keinen Grundkurs in Fahrzeugelektrik absolvieren. Ähnlich ergeht es dem Patienten. Er geht zum Arzt, weil dieser Medizin studiert hat. Kaum jemand hat neben Beruf und Familie die Zeit, sich durch Leitlinien, Beipackzettel, Fachartikel und Wechselwirkungsdatenbanken zu arbeiten.
Der Vergleich hat allerdings eine Grenze. Das Auto fährt nach der Reparatur „allein“ weiter. Der menschliche Körper hängt auch nach dem Arztbesuch davon ab, wie sein Besitzer lebt und ob die Ursachen überhaupt abgestellt wurden, die zur Erkrankung oder den Schmerzen geführt haben.
Die Grundregeln – nicht nur der Naturheilkunde – dürften hinlänglich bekannt sein: ausreichende Bewegung, vernünftige Ernährung, guter Schlaf, weniger (besser gar kein) Alkohol, kein Nikotin, ein gesundes Körpergewicht und ein angemessener Umgang mit Stress. Das alles könnte bei zahlreichen chronischen Erkrankungen einen erheblichen Unterschied machen.
Die Umsetzung ist allerdings unbequem. Eine Tablette einzunehmen, dauert wenige Sekunden. Das eigene Verhalten zu verändern, verlangt täglich neue Entscheidungen. Und der Nutzen zeigt sich oft erst nach Wochen oder Monaten.
Vielleicht sehen wir deshalb im Fernsehen so viele medizinische Jubelgeschichten über neue Medikamente, Operationsroboter und spektakuläre Eingriffe. Solche Berichte liefern eindrucksvolle Bilder. Ein schwer kranker Mensch wird behandelt und kann wenige Tage später die Klinik verlassen.
Vielleicht wollen viele Menschen solche Sendungen gar nicht sehen. Die Botschaft könnte lauten, dass Gesundheit auch etwas mit der eigenen Lebensführung zu tun hat. Das klingt erheblich anstrengender als die Aussicht auf ein neues Präparat.
Und dann wäre da noch die Industrie. An einer dauerhaft eingenommenen Tablette lässt sich mehr verdienen als an einem täglichen Spaziergang. Das klingt schnell nach Verschwörung und der „bösen Pharmaindustrie“. Dafür benötigt es jedoch keine Verschwörung.
Pharmaunternehmen sind Wirtschaftsunternehmen, stehen unter Renditedruck und sind auch den Erwartungen ihrer Aktionäre verpflichtet. Prävention und die Vermeidung unnötiger Dauerverordnungen berühren bestehende Märkte und wirtschaftliche Interessen. Wer daran etwas ändern möchte, muss mit Gegenwind rechnen.
Ein sinnvolles Gesundheitssystem müsste seinen Erfolg daher anders messen. Entscheidend wäre nicht allein, wie viele Menschen behandelt werden. Interessanter wäre, wie viele nach einigen Jahren weniger Medikamente benötigen, belastbarer geworden sind und ihre Stoffwechsellage verbessert haben. Die 292 Tagesdosen je erwerbstätigem Versicherten erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte betrifft jeden von uns.
Fazit: Eine Frage kann helfen
Wie wollen Sie es künftig halten? Reicht es Ihnen, wenn Ihre Werte mit immer mehr Medikamenten einigermaßen stimmen? Oder möchten Sie wissen, weshalb Ihr Körper diese Unterstützung überhaupt benötigt und was Sie selbst verändern können?
Medikamente sollten niemals eigenmächtig abgesetzt werden. Fragen darf man trotzdem. Vielleicht wäre die wichtigste beim nächsten Arztbesuch: Benötige ich dieses Mittel noch? Und was kann ich tun, damit ich es eines Tages nicht mehr benötige?
Die deutsche Wirtschaft steht vor einer Wende ihrer China-Politik. „In den Industrieverbänden des BDI wird derzeit intensiv über ein härteres handelspolitisches Vorgehen gegenüber China diskutiert“, sagte Friedolin Strack, Co-Bereichsleiter Internationales beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der „Welt am Sonntag“. „Wir diskutieren derzeit verschiedene Ansätze, wie die handelspolitischen Schutzinstrumente der EU weiterentwickelt werden können.“
Es gehe dabei um „Fragen der Beweisführung“ in Antidumping- und Antisubventionsverfahren, sagte Strack, sowie um deren „Ausgestaltung und Geschwindigkeit“. Zugleich gehe es darum, wie „bestehende Instrumente angesichts aktueller Herausforderungen möglichst wirksam eingesetzt werden können“. Die EU dürfe nicht jahrelang an einem „handelspolitischen Superinstrument“ arbeiten, um es „anschließend in der Schublade liegenzulassen“, sagte Strack. „Stattdessen sollten wir viele kleinere Maßnahmen nutzen. China macht das ähnlich.“
Vor wenigen Tagen hatte bereits der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) als einer der wichtigsten BDI-Mitgliedsverbände bestätigt, dass er seine China-Politik überdenke. Der Maschinenbau-Verband VDMA als zweiter mächtiger Vertreter mit bisher großem China-Geschäft hatte seine Position schon vor mehreren Monaten geändert.
Chinesische Anbieter wie Chery, BYD und Leapmotor machen auf dem europäischen Markt weiter große Sprünge. (Archivbild)
Foto: Uncredited/CHINATOPIX via AP/dpa
Abhängigkeit von China als Risiko
Der VDMA-Abteilungsleiter Außenwirtschaft, Oliver Richtberg, sagte in der „Welt am Sonntag“: „Wir werden aktuell mit unfairen Maßnahmen deindustrialisiert – und das wollen die meisten Unternehmen nicht mehr hinnehmen.“ Und weiter: „Denn wenn wir jetzt nicht handeln, werden in der Zukunft zusätzliche kritische Abhängigkeiten von Maschinen aus China entstehen, denn europäische Hersteller dieser Maschinen geraten zunehmend unter Druck.“
Er forderte schnelles Handeln ohne Furcht vor chinesischer Vergeltung. „Wenn wir aus Angst vor der Abhängigkeit bei Seltenen Erden nun jahrelang nicht handeln, geraten wir in einen Teufelskreis“, sagte Richtberg. Appelle und Dialog hingegen seien nicht zielführend. „China wird sich politisch keinen Millimeter bewegen. Was das Land derzeit wirtschaftlich über Wasser hält, ist der Export. In diesem Bereich wird man rausholen, was geht. Deswegen müssen wir in der EU selbst aktiv werden.“ (dts/red)
Nach seiner Ankunft in Kiew sendet der Minister erste Botschaften auch an Moskau. - Foto: Michael Fischer/dpa
Bundesaußenminister Johann Wadephul ist kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine zu einem Solidaritätsbesuch in Kiew eingetroffen. Bei Gesprächen mit der ukrainischen Führung steht insbesondere die weitere deutsche Unterstützung im Abwehrkampf gegen Russland sowie die Vorbereitung auf den kommenden Winter im Mittelpunkt.
„Deutschland stellt jetzt zusätzliche 50 Millionen Euro für humanitäre Hilfe zur Verfügung“, sagte Wadephul am Samstag bei einer Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Kollegen Andrij Sybiha in Kiew. Zugleich kündigte der Minister weitere Gespräche über zusätzliche Luftverteidigungssysteme für die Ukraine an. Anfang der Woche wolle er mit US-Außenminister Marco Rubio über diese Frage und die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges sprechen.
Die zusätzlichen 50 Millionen Euro der Bundesregierung gingen an UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, die insbesondere Menschen in den Frontgebieten unterstützten, sagte Wadephul. Das Geld solle etwa dafür verwendet werden, Wohnungen instand zu setzen sowie mobile Sanitäranlagen und Heizgeräte bereitzustellen. Weitere zehn Millionen Euro zahle Deutschland in einen Nato-Fonds ein, mit dem unter anderem Energieversorgung, Sanitätsmaterial und Anlagen zur Drohnenabwehr finanziert würden.
Wadephul: Deutschland steht an der Seite der Ukraine
Nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug erklärte Wadephul, Deutschland stehe an der Seite der Ukraine und werde das Land weiter unterstützen. Russland habe die Ukraine in den vergangenen Monaten besonders stark angegriffen und dabei auch zivile Infrastruktur wie die Strom- und Wärmeversorgung ins Visier genommen.
Wadephul verwies darauf, dass Juli und August nach ukrainischen Angaben zu den schwersten Monaten für die Zivilbevölkerung seit Beginn des russischen Großangriffs gehörten. Russland versuche, durch Angriffe auf die Energieversorgung die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verschlechtern und den Durchhaltewillen der Ukraine zu schwächen.
Wadephul reiste bereits zum vierten Mal als Außenminister mit dem Zug in die Ukraine.
Foto: Michael Fischer/dpa
Mit Blick auf die ukrainische Luftverteidigung und den Mangel an Munition für Patriot-Luftabwehrsysteme sagte Wadephul, angesichts der russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern werde deutlich: „Es ist nicht genug.“ Er führe deshalb Gespräche mit europäischen und außereuropäischen Partnern über weitere Systeme für die Ukraine und werde diese kommende Woche fortsetzen. „Das ist noch lange keine Zusage, aber ich bin zuversichtlich, dass wir etwas erreichen können“, sagte der Minister. Anfang der Woche werde er mit seinem US-Kollegen Rubio über diese Frage sprechen.
Er setze zudem darauf, „dass die USA weiter bereit sind, eine aktive Rolle hier auch zu spielen in den Verhandlungen mit der Ukraine“, betonte Wadephul. Dabei müssten alle Möglichkeiten für Gespräche ausgeschöpft werden. „Ich glaube, wir brauchen die Bereitschaft dazu, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Wir müssen auf allen Wegen versuchen, Gespräche zu initiieren“, sagte Wadephul. „Das scheitert derzeit an Moskau.“
Auch der ukrainische Außenminister Sybiha sprach sich für mehr Engagement Washingtons aus. Die Friedensbemühungen müssten „so weit wie möglich verstärkt“ werden, sagte Sybiha und fügte an: „Leider liegen sie derzeit auf Eis. Wir brauchen eine aktivere Beteiligung der amerikanischen Seite.“ Ohne die USA sei es „unrealistisch, Fortschritte oder einen gerechten Frieden zu erreichen“.
Auf dem Schlachtfeld gebe es zugleich derzeit „keine Anzeichen dafür, dass die russische Seite zu einem ernsthaften Verhandlungsprozess bereit ist“, sagte Sybiha. „Im Gegenteil, sie hat ihren Terror verstärkt.“
Die Ukraine steht weiterhin unter erheblichem Druck durch russische Raketen- und Drohnenangriffe. Besonders schwierig ist die Abwehr ballistischer Raketen, gegen die der Ukraine nach eigenen Angaben ausreichende Verteidigungssysteme fehlen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die westlichen Partner deshalb erneut um zusätzliche Patriot-Raketen gebeten. Deutschland hat bereits Patriot-Luftverteidigungssysteme an die Ukraine geliefert.
Wolodymyr Selenskyj (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Angriffe treffen auch zivile Ziele
Kurz vor Wadephuls Ankunft wurde nach Angaben des ukrainischen Zivilschutzes bei einem russischen Drohnenangriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in Krywyj Rih mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt.
Gleichzeitig setzt auch die Ukraine ihre Angriffe auf Ziele in Russland fort. Ukrainische Drohnen nehmen unter anderem Energie- und Industrieanlagen ins Visier und sorgen nach ukrainischen Angaben teilweise für Engpässe bei der Treibstoffversorgung.
Wadephul warf der russischen Führung eine zunehmende Unterdrückung im eigenen Land und eine aggressive Propaganda vor. Russland setze darauf, die ukrainische Bevölkerung zu zermürben, erklärte der Außenminister. Die ukrainische Gesellschaft habe sich jedoch als widerstandsfähig erwiesen.
Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges sind zuletzt ins Stocken geraten. Die Bundesregierung setzt weiterhin darauf, den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Ukraine bei ihrer Verteidigung zu unterstützen.
Wadephul reist zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt in die Ukraine. Sein Besuch wurde aus Sicherheitsgründen nicht vorher öffentlich angekündigt. Am Montag begeht die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Im Mittelpunkt der Gespräche in Kiew stehen neben der militärischen Unterstützung insbesondere die Energieversorgung, der Schutz kritischer Infrastruktur und die Vorbereitung auf den Winter. Deutschland will der Ukraine dabei auch in den kommenden Monaten weitere Unterstützung leisten. (afp/dpa/red)
Nach seiner Ankunft in Kiew sendet der Minister erste Botschaften auch an Moskau. - Foto: Michael Fischer/dpa
Bundesaußenminister Johann Wadephul ist kurz vor dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine zu einem Solidaritätsbesuch in Kiew eingetroffen. Bei Gesprächen mit der ukrainischen Führung steht insbesondere die weitere deutsche Unterstützung im Abwehrkampf gegen Russland sowie die Vorbereitung auf den kommenden Winter im Mittelpunkt.
Wadephul: Deutschland steht an der Seite der Ukraine
Nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug erklärte Wadephul, Deutschland stehe an der Seite der Ukraine und werde das Land weiter unterstützen. Russland habe die Ukraine in den vergangenen Monaten besonders stark angegriffen und dabei auch zivile Infrastruktur wie die Strom- und Wärmeversorgung ins Visier genommen.
Wadephul verwies darauf, dass Juli und August nach ukrainischen Angaben zu den schwersten Monaten für die Zivilbevölkerung seit Beginn des russischen Großangriffs gehörten. Russland versuche, durch Angriffe auf die Energieversorgung die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verschlechtern und den Durchhaltewillen der Ukraine zu schwächen.
Wadephul reiste bereits zum vierten Mal als Außenminister mit dem Zug in die Ukraine.
Foto: Michael Fischer/dpa
Deutschland bereitet Winterhilfe vor
Ein Schwerpunkt des Besuchs ist die Vorbereitung auf den kommenden Winter. Die Bundesregierung will die Ukraine unter anderem mit Generatoren, Ersatzteilen und weiterer Energietechnik unterstützen. Zudem geht es um die Stabilisierung des ukrainischen Energiesektors und den Schutz kritischer Infrastruktur.
Wadephul betonte, Deutschland sei der wichtigste europäische Unterstützer der Ukraine. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Winter verstärken könnte.
Die Ukraine steht weiterhin unter erheblichem Druck durch russische Raketen- und Drohnenangriffe. Besonders schwierig ist die Abwehr ballistischer Raketen, gegen die der Ukraine nach eigenen Angaben ausreichende Verteidigungssysteme fehlen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die westlichen Partner deshalb erneut um zusätzliche Patriot-Raketen gebeten. Deutschland hat bereits Patriot-Luftverteidigungssysteme an die Ukraine geliefert.
Wolodymyr Selenskyj (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Angriffe treffen auch zivile Ziele
Kurz vor Wadephuls Ankunft wurde nach Angaben des ukrainischen Zivilschutzes bei einem russischen Drohnenangriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in Krywyj Rih mindestens 16 Menschen getötet und mehr als 130 verletzt.
Gleichzeitig setzt auch die Ukraine ihre Angriffe auf Ziele in Russland fort. Ukrainische Drohnen nehmen unter anderem Energie- und Industrieanlagen ins Visier und sorgen nach ukrainischen Angaben teilweise für Engpässe bei der Treibstoffversorgung.
Wadephul warf der russischen Führung eine zunehmende Unterdrückung im eigenen Land und eine aggressive Propaganda vor. Russland setze darauf, die ukrainische Bevölkerung zu zermürben, erklärte der Außenminister. Die ukrainische Gesellschaft habe sich jedoch als widerstandsfähig erwiesen.
Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges sind zuletzt ins Stocken geraten. Die Bundesregierung setzt weiterhin darauf, den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Ukraine bei ihrer Verteidigung zu unterstützen.
Wadephul reist zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt in die Ukraine. Sein Besuch wurde aus Sicherheitsgründen nicht vorher öffentlich angekündigt. Am Montag begeht die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
Im Mittelpunkt der Gespräche in Kiew stehen neben der militärischen Unterstützung insbesondere die Energieversorgung, der Schutz kritischer Infrastruktur und die Vorbereitung auf den Winter. Deutschland will der Ukraine dabei auch in den kommenden Monaten weitere Unterstützung leisten. (afp/dpa/red)
Keine Engpässe aber absehbar steigende Preise für Obst und Gemüse dürften laut Expertinnen die Folgen der diesjährigen heimischen Ernte sein. (Symbolbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa
Wochenlange Hitze, kaum Regen – das Wetter hat in diesem Jahr die Ernte schrumpfen lassen, so die Prognose des Deutschen Bauernverbands. Drohen nun leere Regale und Preisexplosionen bei bestimmten Produkten?
Nein, sagt Judith Dittrich, Marktanalystin für Verbraucherforschung bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). „Der Markt wird versorgt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig geht sie davon aus, dass einige Produkte teurer sein werden als zuletzt.
„Salatgurken waren zuletzt zum Beispiel schon deutlich teurer als letztes Jahr“, sagte die Expertin. Auch die Apfelernte falle kleiner aus als im erfolgreichen Jahr 2025. Weil hier große Lagerbestände abverkauft werden, werde sich der zu erwartende Preisanstieg hier erst bald zeigen. Bei Kartoffeln sei dieser dagegen schon jetzt zu erkennen.
In den Bäckereien erwartet Dittrich dagegen keine großen Preiserhöhungen, zumindest nicht aufgrund der geringen Erntemengen bei Getreide. „In diesem Bereich gibt es viele Prozesse zwischen der Getreideernte und dem Verkauf von Brot, daher ist der Effekt der Ernte auf die Verbraucherpreise geringer“, betonte sie. Ein wichtiger Faktor seien etwa die Energiekosten bei der Verarbeitung der geernteten Mengen.
Bauernverband: Enttäuschende Ernte
Der Deutsche Bauenverband hatte am Dienstag von einer enttäuschenden Ernte in diesem Jahr berichtet. „Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, so Bauernpräsident Joachim Rukwied.
Einbußen zeigten sich demnach etwa bei Winterweizen als wichtigster Getreideart und Winterraps, bei dem Schäden durch Schädlinge hinzukamen. Bei Kartoffeln zeichne sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab, erläuterte der Bauernverband.
Heu und anderes Tierfutter sind durch die Dürre knapp geworden. (Archivbild)
Foto: Kathrin Zeilmann/dpa
Nahrungsmittel wurden in fünf Jahren rund ein Drittel teurer
Selbst auf Flächen mit künstlicher Bewässerung seien kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Im Süden und andernorts mit zu wenig Regen gibt es auch Probleme beim Nachschub fürs Tierfutter, denn auf trockenen Wiesen wächst nach dem ersten Mähen kein Gras mehr nach.
Die Preise für Nahrungsmittel sind in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen. Zwischen Juli 2021 und Juli 2026 gingen die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke dem Statistischen Bundesamt zufolge um 32,6 Prozent nach oben. Zum Vergleich: Die allgemeine Preissteigerung in Deutschland lag in diesem Zeitraum bei 21,5 Prozent.
Verbraucher kaufen weiterhin sehr preisbewusst ein
Barbara Kopske vom Marktforscher Nielsen IQ betont, dass es neben den Erntemengen viele Faktoren gibt, die sich auf die Preise etwa von Nahrungsmitteln auswirken. Grundsätzlich geht sie aber davon aus, dass die Preise in verschiedenen Warengruppen weiter steigen werden. „Wir sehen beispielsweise, dass die Preise für Tiefkühlkost zuletzt bereits gestiegen sind. Geringere Erntemengen könnten diese Entwicklung zusätzlich verstärken“, sagte Kopske der dpa. Die Preise für Molkereiprodukte seien dagegen gesunken.
„In der Summe liegen die Preise für Nahrungsmittel derzeit leicht unter dem Vorjahresniveau“, erklärte die Expertin. „Dazu tragen unter anderem der weiterhin hohe Anteil von Promotions und damit Käufen zu reduzierten Preisen, die verstärkte Nachfrage nach günstigeren Eigenmarken sowie die anhaltend hohe Bedeutung der Discounter als Einkaufsstätte bei.“ Nielsen IQ beobachte darüber hinaus, dass die Verbraucher weiterhin ein ausgeprägtes Preisbewusstsein bei Nahrungsmitteln und Konsumgütern des täglichen Bedarfs hätten. Die Preise würden hier am Regal genau verglichen. (dpa/red)
Nach der Autofahrt in der Fußgängerzone von Hofgeismar mit mehreren Verletzten gehen die Ermittlungen weiter. - Foto: Florian Wiegand/dpa
Nach der folgenschweren Autofahrt durch eine Fußgängerzone mit mehreren Verletzten im nordhessischen Hofgeismar laufen die Ermittlungen zu dem Vorfall weiter. Dabei waren am Freitag nach ersten Angaben der Polizei acht Menschen verletzt worden. Die Behörden und Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) gehen von einem Unfall aufgrund eines medizinischen Notfalls aus.
Vier der Verletzten waren vorsorglich in Krankenhäuser gebracht worden, sie hatten nach Polizeiangaben Schürfwunden, Prellungen oder Schocks davongetragen. Schwere Verletzungen sollen bei keinem der verletzten Passanten vorgelegen haben.
Poseck hatte am Freitag deutlich gemacht, dass er keine vorsätzliche Tat sieht. „Nach allen mir vorliegenden Informationen ist in Hofgeismar von einem tragischen Unfallgeschehen infolge eines medizinischen Notfalls auszugehen“, hatte er laut Mitteilung erklärt. Seine Gedanken seien bei den Verletzten „und denjenigen, die durch den Vorfall in Angst und Schrecken versetzt wurden. Ich wünsche ihnen, dass sie schnell und vollständig genesen“, so der Minister, der sich auch bei den Einsatzkräften bedankte.
Der Vorfall hatte in der Kleinstadt mit knapp 16.000 Einwohnern große Aufregung ausgelöst. Laut Hauptamtsleiter Chris Dworak war sofort die Frage aufgekommen, welchen Hintergrund der Vorfall haben könnte. Das Telefon habe nicht mehr stillgestanden.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) behält die weiteren Ermittlungen gegen 17 Frankfurter Polizisten im Blick.
Foto: Andreas Arnold/dpa
Hohe Sicherheitsmaßnahmen in Hessens Innenstädten
Mit Blick auf den Schutz vor solchen und anderen Vorfällen mit Autos erklärte Poseck, die Sicherheitsmaßnahmen seien in den Innenstädten in Hessen bereits allgemein hoch. „Fußgängerzonen sind häufig bereits durch Poller abgesichert“, so der Minister. „Das Unfallgeschehen in Hofgeismar bietet aus meiner Sicht keinen Anlass, weitere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und noch mehr Poller einzusetzen.“ Es handele sich um einen tragischen Einzelfall. „So etwas lässt sich leider niemals und nirgendwo komplett ausschließen. Innenstädte müssen auch grundsätzlich erreichbar bleiben.“
Das Auto war nach Polizeiangaben nach einer mehrere Hundert Meter langen Irrfahrt gegen ein Kaufhaus-Schaufenster geprallt. Der Fahrer des Wagens, bei dem es sich laut Polizei um einen 68 Jahre alten Mann aus Hofgeismar (Landkreis Kassel) handelt, wurde von einem Notarzt behandelt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und befand sich laut Polizei in einem kritischen Zustand. Passanten hätten zuvor bei dem Mann in seinem Auto Erste Hilfe geleistet.
Offizielle Statistiken, wie häufig es zu medizinischen Notfällen hinter dem Steuer von Autos kommt, gibt es derweil laut Automobilclub ADAC nicht. Im konkreten Fall sei auch nicht bekannt, um welche Art Notfall es sich handelte. Ganz allgemein gelte aber, dass Autofahrer, die gesundheitliche Beeinträchtigungen bei sich feststellen, ihren Wagen möglichst rasch und sicher zum Stillstand bringen und bei Bedarf – sofern ihnen dies möglich ist – den Notruf verständigen sollten, wie ein Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen sagte.
Auf Autobahnen etwa sollte das Fahrzeug möglichst auf den Seitenstreifen oder einen Parkplatz gelenkt werden, sofern der Autofahrer oder die -fahrerin dazu in der Lage ist. Es gehe um den Schutz der eigenen Gesundheit, aber auch den anderer Verkehrsteilnehmer. Medizinische Notfälle könnten letztlich jeden Autofahrenden treffen. (dpa/red)
Elif Eralp (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Knapp vier Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die Linkspartei einer Umfrage des Instituts Forsa mit 22 Prozent vorn. Das berichtet das Nachrichtenportal „T-Online“, das die Erhebung in Auftrag gegeben hat.
Die aktuell regierende CDU teilt sich in der Umfrage den zweiten Platz mit der AfD. Beide Parteien kommen auf 18 Prozent. Dahinter folgen die Grünen mit 16 Prozent. Die derzeit mitregierende SPD rangiert bei der Forsa-Umfrage abgeschlagen auf dem fünften Platz – mit 12 Prozent.
Mehrheiten sind möglich
BSW und FDP würden mit 4 und 3 Prozent nicht ins Berliner Landesparlament einziehen. Sonstige Parteien können 7 Prozent auf sich vereinen.
Da in der Umfrage 14 Prozent der Wählerstimmen wegfallen und die jeweiligen Parteien aufgrund der Fünfprozenthürde nicht ins Parlament einziehen, ist eine absolute Mehrheit rechnerisch bei rund 44 Prozent der Stimmen möglich. Auf diese Mehrheit käme ein Zweierbündnis jedoch nicht.
Eine rot-grün-rote Koalition von Linken, Grünen und SPD erreichte mit 50 Prozent die absolute Mehrheit. Eine schwarz-grün-rote Koalition, angeführt von der CDU, käme auf 46 Prozent der Wählerstimmen. Rein rechnerisch würde es dafür auch reichen.
Wahlplakate mit Steffen Krach am 07.08.2026. Die Berliner Wahl findet am 20.09. statt.
Foto: via dts Nachrichtenagentur
Rot-Grün-Rot beliebtestes Bündnis
Eine Koalition aus Linkspartei, Grünen und SPD ist in der Umfrage auch das beliebteste Regierungsbündnis. Es kommt in der Befragung auf 37 Prozent. 19 Prozent wünschen sich eine Koalition zwischen CDU und AfD – die jedoch weder eine Mehrheit hätte noch politisch wahrscheinlich ist. Eine Fortsetzung des aktuellen Regierungsbündnisses in Berlin zwischen CDU und SPD wünschen sich nur 13 Prozent, eine Koalition zwischen CDU, SPD und Grünen noch weniger – 9 Prozent.
Für die Umfrage zur Wahlabsicht wurden vom Institut Forsa 1.535 Personen im Zeitraum vom 4. bis 18. August befragt. (dts/red)
Die Polizei meldete mehrere Festnahmen. - Foto: Uwe Anspach/dpa
Nach den schweren Ausschreitungen beim Südwest-Derby im DFB-Pokal zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern müssen beide Vereine mit Konsequenzen rechnen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kündigte eine umfassende Aufarbeitung der Vorfälle an. Nach Polizeiangaben wurden 35 Beamte verletzt und mehrere Fußballfans vorläufig festgenommen. Insgesamt mussten demnach 85 Personen medizinisch betreut werden und acht von ihnen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Bei den behandelten Blessuren handelte es sich laut einer Polizeisprecherin nach bisherigen Erkenntnissen um leichte Verletzungen.
Der DFB hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel auf die Ausschreitungen reagiert. „Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten“, hieß es in einer Stellungnahme auf Instagram. Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fußball kein Platz. „Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein“, sagte Referee Robert Schröder bei Sky.
Nach Angaben des Veranstalters hatten rund 23.500 Zuschauer das ausverkaufte Carl-Benz-Stadion in Mannheim am Freitagabend besucht, darunter etwa 3.500 Gästeanhänger. Die beiden Fan-Lager sind seit den frühen 1980er Jahren verfeindet und lieferten sich auch diesmal ein aufgeheiztes Duell auf den Rängen – inklusive Pyrotechnik, Feuerwerkskörpern und aufwendiger Choreographien.
Kaiserslauterns Fans zündeten Pyrotechnik.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Fans stürmen den Rasen
Nach torlosen 90 Minuten eskalierte die Situation, als nach einer Rudelbildung zwischen den Spielern auf dem Rasen einige FCK-Anhänger Feuerwerkskörper in den Sitzplatzbereich schossen. Daraufhin stürmten Mannheimer Fans den Platz. Einsatzkräfte der Polizei – manche von ihnen zu Pferd – mussten einschreiten, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizisten aus Baden-Württemberg leicht verletzt. Insgesamt waren rund 1.400 Sicherheitskräfte im Einsatz – darunter Beamte aus Rheinland-Pfalz und Bayern.
Zeitweise drohte ein Abbruch der Partie. Der Anpfiff zur Verlängerung musste infolge der Krawalle kurzzeitig verschoben werden, nach Wiederaufnahme des Spiels blieb es aber ruhig. Danach löschte die Feuerwehr einen von FCK-Anhängern im Gästefanblock gezündeten Brand.
Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
Polizisten stehen vor dem Fanblock des SV Waldhof Mannheim.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Beide Vereine kritisieren Randalierer
Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte für die Geschehnisse. „Das ist ein Derby, da sind die Emotionen groß, so etwas darf aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball“, sagte der Ex-Profi bei Sky. Für ihn waren das Einschreiten der Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend dafür, dass es nicht zum Spielabbruch kam. Auf dem Platz sei es aber ein faires Derby gewesen.
Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber hätte sich auch einen Abbruch der Partie vorstellen können. „Wenn Raketen in den Familienblock geschossen werden, ist das Maß überschritten. Da muss man irgendwann konsequent sein und vielleicht nicht mehr weiterspielen“, sagte er.
Beide Fanlager provozierten sich gegenseitig.
Foto: Uwe Anspach/dpa
GdP fordert harte Strafen
Nach den Ausschreitungen fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) harte Strafen für die Täter und Konsequenzen für die beteiligten Vereine.
„Die Straftäter sind mit aller Konsequenz und Härte zu bestrafen. Die Vereine müssen die Kosten für die Polizeieinsätze zwingend übernehmen“, sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“.
Die Vorkommnisse seien unerträglich. „Geldstrafen reichen hier nicht mehr aus. Ein Spielabbruch sowie das Disqualifizieren aus dem DFB-Pokal wären aus unserer Sicht die richtige Konsequenz gewesen“, sagte Roßkopf. Das Einschreiten der Polizei habe Schlimmeres verhindert. „Allen verletzten Kollegen beste Genesungswünsche“, sagte der GdP-Vorsitzende.
Innenminister: „Kein normales Derby“
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) verurteilte die Szenen. „Das war heute in Mannheim kein normales Derby“, erklärte er. „Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen.“
Zugleich lobte Hagel die Einsatzkräfte. Die Polizei habe „Großartiges geleistet“, sei „hochprofessionell vorbereitet“ gewesen und habe seine „volle Rückendeckung“.
Letztlich gewann Kaiserslautern das Spiel 1:0 (0:0) nach Verlängerung. Den entscheidenden Treffer für den Zweitligisten erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschießen. (dpa/red)
Die Polizei meldete mehrere Festnahmen. - Foto: Uwe Anspach/dpa
Nach den schweren Ausschreitungen beim Südwest-Derby im DFB-Pokal zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern müssen beide Vereine mit Konsequenzen rechnen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kündigte eine umfassende Aufarbeitung der Vorfälle an. Nach Polizeiangaben wurden 35 Beamte verletzt und mehrere Fußballfans vorläufig festgenommen. Insgesamt mussten demnach 85 Personen medizinisch betreut werden und acht von ihnen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Bei den behandelten Blessuren handelte es sich laut einer Polizeisprecherin nach bisherigen Erkenntnissen um leichte Verletzungen.
Der DFB hatte bereits unmittelbar nach dem Spiel auf die Ausschreitungen reagiert. „Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten“, hieß es in einer Stellungnahme auf Instagram. Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fußball kein Platz. „Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein“, sagte Referee Robert Schröder bei Sky.
Nach Angaben des Veranstalters hatten rund 23.500 Zuschauer das ausverkaufte Carl-Benz-Stadion in Mannheim am Freitagabend besucht, darunter etwa 3.500 Gästeanhänger. Die beiden Fan-Lager sind seit den frühen 1980er Jahren verfeindet und lieferten sich auch diesmal ein aufgeheiztes Duell auf den Rängen – inklusive Pyrotechnik, Feuerwerkskörpern und aufwendiger Choreographien.
Kaiserslauterns Fans zündeten Pyrotechnik.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Fans stürmen den Rasen
Nach torlosen 90 Minuten eskalierte die Situation, als nach einer Rudelbildung zwischen den Spielern auf dem Rasen einige FCK-Anhänger Feuerwerkskörper in den Sitzplatzbereich schossen. Daraufhin stürmten Mannheimer Fans den Platz. Einsatzkräfte der Polizei – manche von ihnen zu Pferd – mussten einschreiten, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizisten aus Baden-Württemberg leicht verletzt. Insgesamt waren rund 1.400 Sicherheitskräfte im Einsatz – darunter Beamte aus Rheinland-Pfalz und Bayern.
Zeitweise drohte ein Abbruch der Partie. Der Anpfiff zur Verlängerung musste infolge der Krawalle kurzzeitig verschoben werden, nach Wiederaufnahme des Spiels blieb es aber ruhig. Danach löschte die Feuerwehr einen von FCK-Anhängern im Gästefanblock gezündeten Brand.
Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
Polizisten stehen vor dem Fanblock des SV Waldhof Mannheim.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Beide Vereine kritisieren Randalierer
Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte für die Geschehnisse. „Das ist ein Derby, da sind die Emotionen groß, so etwas darf aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball“, sagte der Ex-Profi bei Sky. Für ihn waren das Einschreiten der Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend dafür, dass es nicht zum Spielabbruch kam. Auf dem Platz sei es aber ein faires Derby gewesen.
Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber hätte sich auch einen Abbruch der Partie vorstellen können. „Wenn Raketen in den Familienblock geschossen werden, ist das Maß überschritten. Da muss man irgendwann konsequent sein und vielleicht nicht mehr weiterspielen“, sagte er.
Beide Fanlager provozierten sich gegenseitig.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Innenminister: „Kein normales Derby“
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) verurteilte die Szenen. „Das war heute in Mannheim kein normales Derby“, erklärte er. „Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen.“
Zugleich lobte Hagel die Einsatzkräfte. Die Polizei habe „Großartiges geleistet“, sei „hochprofessionell vorbereitet“ gewesen und habe seine „volle Rückendeckung“.
Letztlich gewann Kaiserslautern das Spiel 1:0 (0:0) nach Verlängerung. Den entscheidenden Treffer für den Zweitligisten erzielte Ibrahim Kanaté in der 120. Minute, wenige Momente vor einem möglichen Elfmeterschießen. (dpa/red)
Trauer nach CSD-Anschlag (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will nach dem Terroranschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) mehrere Gesetze nachschärfen und das Grundgesetz ändern.
„Ich bin dafür, dass wir Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz ergänzen um ein Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Das Grundgesetz verbiete bereits heute ausdrücklich Ungleichbehandlungen aufgrund von Geschlecht, Religion oder Herkunft. Es sei nur logisch, auch Ungleichbehandlungen aufgrund der sexuellen Identität in der Verfassung zu verbieten.
Man müsse dazu in der Regierung noch Gespräche führen, so Hubig. Es sei bekannt, dass es in der Union Vorbehalte gebe. Allerdings sehe sie auch ermutigende Signale, sagte die SPD-Politikerin und verwies auf unionsgeführte Landesregierungen. „Und der Kanzler hat sich nach dem CSD-Anschlag persönlich an die queere Community gewandt und bekräftigt, dass der Staat sich für ihren Schutz einsetzen wird. Eine Ergänzung des Grundgesetzes würde diese Ankündigung mit Leben füllen“, so die Bundesjustizministerin.
Im Gespräch mit Dobrindt
Hubig will zudem den Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und Justiz verbessern. „Der Täter war kein Unbekannter. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn als gefährlichen Islamisten identifiziert. Und noch im Mai stand er in Berlin vor Gericht, weil er sich dem Islamischen Staat anschließen wollte. Trotzdem ist es nicht gelungen, die Tat zu verhindern“, sagte Hubig. Man müsse daraus Konsequenzen ziehen. Der Innenminister und sie führten dazu Gespräche.
Die Sicherheitsbehörden hätten oft wichtige Informationen dazu, ob von einer Person, etwa einem Islamisten, eine Gefahr ausgehe, sagte die SPD-Politikerin. Man müsse sicherstellen, dass die Strafjustiz diese Erkenntnisse heranziehen könne, wo es nötig sei. Das sei besonders wichtig, wenn ein Gericht entscheide, ob eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde. Denn Bewährung komme nur in Betracht, wenn zu erwarten sei, dass der Täter keine Straftaten mehr begehen werde. Für solche Prognosen könnten Informationen der Sicherheitsbehörden extrem relevant sein, so Hubig.
Hubig lehnt Verschärfung des Jugendstrafrechts ab
„Gleiches gilt für Entscheidungen über eine Vorbewährung, wie sie das Berliner Gericht im Falle von Abdul B. getroffen hat“, so Hubig. Die Vorbewährung gebe es nur im Jugendstrafrecht. Das Gericht könne sich die Entwicklung eines Straftäters zunächst noch einige Monate ansehen – und erst dann entscheiden, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde.
Fachleute würden die Vorbewährung für ein sinnvolles Instrument halten, diese Einschätzung teile sie. Man sollte sie also beibehalten, so Hubig. Aber sie könne sich vorstellen, dass man hier etwas nachschärfen müsse. Es müsse auch im Gesetz klar sein: Eine Vorbewährung dürfe nur ausgesprochen werden, wenn das mit Blick auf die Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit vertretbar sei.
Zugleich lehnte sie eine grundsätzliche Bestrafung von extremistischen Jugendlichen oder Gefährdern nach Erwachsenenstrafrecht ab und verteidigte die Anwendung von Jugendstrafrecht. Es gehe darum, junge Straftäter zurück auf den richtigen Weg zu bringen, erklärte die SPD-Politikerin. Das sollte weiterhin das Ziel sein, auch im Umgang mit jungen Menschen, die sich radikalisiert hätten. Denn sie seien oft noch formbar. Wenn man sie pauschal nach Erwachsenenstrafrecht verurteilen würde, könne das sogar den falschen Effekt haben und ihre Radikalisierung befördern. (dts/red)
Großeltern vermitteln Weisheit, Stabilität und Unterstützung, die Familien und Kindern zu einem gesunden Aufblühen verhelfen können. - Foto: Jacob Wackerhausen/iStock
Wenn Sie eine glückliche Familie sein wollen, sollten Sie die Rolle der Großfamilie nicht vernachlässigen, sagen Experten.
„Das Konzept einer unabhängigen, in sich geschlossenen Kernfamilie wird weder von den Sozialwissenschaften noch von der jüdisch-christlichen Tradition gestützt“, schreibt der amerikanische Professor und Kulturforscher Anthony B. Bradley. Er argumentiert, dass Netzwerke aus Mitgliedern der erweiterten Familie, insbesondere Großeltern, einen entscheidenden Rückhalt für die Familie und die Kindererziehung bieten.
Dieses Zitat stammt aus einem aktuellen Artikel auf seinem Substack-Account, in dem Bradley die zahlreichen und überraschenden Vorteile für Familien skizziert, die in der Nähe der Großmutter mütterlicherseits wohnen. Bradley stützt seine Schlussfolgerung auf zahlreiche wissenschaftliche Studien und erklärt, dass er die Nähe zur Großmutter mütterlicherseits für den Erfolg einer Familie sogar als wichtiger ansieht als eine hoch bezahlte Karriere.
„Eine der besten Möglichkeiten, wie ein Mann für seine Familie sorgen kann, besteht darin, alles Notwendige zu tun, um sicherzustellen, dass seine Frau in derselben Stadt wie ihre Mutter lebt – vorausgesetzt, sie haben ein gutes Verhältnis zueinander“, bemerkt er.
Neben dem Vater, so argumentiert Bradley, ist die Großmutter mütterlicherseits das wichtigste Familienmitglied für das Gedeihen von Mutter und Kind.
„Ich habe zwar bereits zuvor über die Bedeutung von Vätern geschrieben, doch die andere wesentliche familiäre Rolle für gedeihende Familien ist die der Großmutter, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass Kinder im selben lokalen Umfeld wie ihre Großmutter mütterlicherseits aufwachsen, wenn wir wollen, dass Mütter und Kinder sich gut entwickeln“, sagt er.
Großeltern helfen Kindern, ihre Wurzeln zu entdecken, und ermutigen sie für die Zukunft.
Foto: Halfpoint/iStock
Was die Forschung sagt
Hier sind nur einige der Forschungsergebnisse, die Bradley zur Untermauerung seiner Schlussfolgerung anführt:
Es hat sich gezeigt, dass Großmütter mütterlicherseits jungen Müttern während der Schwangerschaft und nach der Geburt entscheidende Unterstützung bieten.
Die Anwesenheit der Großmutter mütterlicherseits verringert emotionale und verhaltensbezogene Probleme bei Enkelkindern, die belastende Ereignisse erlebt haben, erheblich.
In einer Übersicht von 45 Studien aus allen Kontinenten wurde festgestellt, dass die Einbindung der Großmutter mütterlicherseits in 69 Prozent der Studien die Überlebenschancen der Kinder verbesserte.
In einer im Süden Äthiopiens durchgeführten Studie waren Kinder, deren Großmutter mütterlicherseits für sie erreichbar war, für ihr Alter größer und hatten eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, das dritte Lebensjahr zu überleben.
Töchter, deren Mütter in der Nähe wohnen, bekommen früher Kinder, in kürzeren Abständen, und mehr ihrer Kinder erreichen das Erwachsenenalter.
Auch wenn die Großmutter mütterlicherseits offenbar eine besondere Rolle spielt, können alle Großeltern einen starken positiven Einfluss auf wachsende Familien ausüben.
Großeltern verfügen über Weisheit, die sie durch die Mühen langer Jahre und die wechselhaften Erfahrungen im Hin und Her von Erfolg und Misserfolg erworben haben und die sie an ihre Kinder und Enkelkinder weitergeben können. Sie leisten wichtige Beiträge zur Entwicklung der nachfolgenden Generationen.
„Großeltern spielen im Familienleben vielfältige und wichtige Rollen: Aufpasser, Geschichtenerzähler, Familienchronisten, sie haben ein offenes Ohr und vieles mehr. Großeltern können eine Verbindung zur Vergangenheit und einen Wegweiser in die Zukunft darstellen“, schreiben Sean Brotherson, Brenda Langerud und Divya Saxena von der North Dakota State University.
Auch wenn sie in der Regel nicht direkt an der Erziehung kleiner Kinder beteiligt sind (obwohl dies sicherlich auch vorkommt), bieten Großeltern zumindest eine Art stabiles Umfeld – ein Bollwerk aus Erinnerung, Erfahrung, Freundlichkeit, stiller Führung und manchmal sogar finanzieller Unterstützung. Dies schützt und stützt junge Familien ungemein.
Natürlich gibt es so viele Arten von Großeltern, wie es Menschen gibt, und nicht alle Großeltern werden diese Rollen auf dieselbe Weise oder im gleichen Maße ausfüllen. Brotherson, Langerud und Saxena skizzieren fünf Typen oder Stile der Großelternschaft, die in der Forschung auftauchen. Jeder hat seine eigenen Vorteile:
„Formeller“ Großelternteil – Dieser Typ von Großelternteil erfüllt die Rolle des Familienältesten und vertritt feststehende Vorstellungen, Erwartungen und Traditionen.
Der „Spaß suchende“ Großelternteil – Dieser Großelternteil ist weniger formell und eher verspielt.
Der „Ersatzelternteil“ – Dieser Großelternteil übernimmt die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung und die Erziehung des Kindes.
Der „zurückhaltende“ Großelternteil – Dieser Großelternteil hält eher Abstand und interagiert mit der Familie vorwiegend bei großen Familienanlässen wie Hochzeiten.
Der „weise“ Großelternteil – Dieser Großelternteil erteilt Ratschläge, stellt Ressourcen zur Verfügung und bietet Beratung an.
Natürlich werden manche Großeltern mehrere der oben beschriebenen Stile oder Rollen miteinander verbinden. So werden sie ihren Kindern und Enkelkindern eine noch reichhaltigere Dimension des Lebens in der erweiterten Familie bieten.
In der zeitgenössischen Kultur wird der Familie immer weniger Wert beigemessen. Die amerikanische Gesellschaft steht vor einer drohenden Geburtenkrise. Auch Deutschland erlebt die niedrigsten Geburtenraten der Nachkriegszeit. Umso mehr werden heute Großeltern und ihre Unterstützung gebraucht. Durch Kinderbetreuung, Ermutigung und andere Formen der Unterstützung können Großeltern eine entscheidende Rolle dabei spielen, junge Paare zu ermutigen, mehr Kinder zu bekommen und diese in gesunden Familien großzuziehen.
Und natürlich haben Großeltern über diese rein praktischen Vorteile hinaus die Möglichkeit, ihren Enkelkindern eine besondere Beziehung zu schenken, die einen besonderen Wert in sich trägt. In einem Artikel für das Dr. James Dobson Family Institute schrieb Dobson:
„Ein Weiser bemerkte einmal, dass ältere Menschen langsamer werden und sich bücken, damit sie die Dinge wieder mit den Augen eines Kindes sehen können, damit sie die Hände von Kindern halten können, die auf unerfahrenen Füßen dahin stapfen. Der Käfer auf dem Bürgersteig, die Schnecke unter dem Kohlblatt, das Rotkehlchen, das den Wurm aus der regennassen Erde zieht – das sind die Dinge, die kleine Kinder und ihre Großeltern wahrnehmen.“
Dies ist eine wunderschöne Zusammenfassung der einzigartigen Rolle, die Großeltern im Leben ihrer Enkelkinder spielen können – sich ihrem Tempo anzupassen, sich mit ihnen zu bücken, um die Welt mit neuen Augen zu sehen, und sie gleichzeitig zu unterstützen, während sie in die Zukunft hineinwachsen, zu der sie berufen sind.
Viele westliche Länder erleben dramatische Geburtenrückgänge. Doch die Zukunft einer Nation erwächst aus ihren Kindern.
Die Spitzenkandidaten der AfD, Ulrich Siegmund (l.), und CDU, Sven Schulze, nehmen am 12. August 2026 in Magdeburg an einer Debatte im MDR teil. In Sachsen-Anhalt finden am 6. September 2026 Landtagswahlen statt. - Foto: Ronny Hartmann/AFP via Getty Images
In Kürze:
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gelten nur zweiSpitzenkandidaten als realistische Optionen für das Amt des Ministerpräsidenten.
Der seit Januar amtierende Regierungschef Sven Schulze (CDU) strebt ein Mandat für eine volleAmtszeit an.
Er will „Zuversicht und ein Gefühl der Sicherheit“ verbreiten.
Er beabsichtigt, mit einem „45 Prozent plus X“-Wahlsieg „Geschichte zu schreiben“.
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt seinen neuen Landtag. Knapp 1,8 Millionen Bürger sind wahlberechtigt. Es ist die neunte Wahl des Landesparlaments seit der Wiedererrichtung des Bundeslandes im Jahr 1990. Gleichzeitig dürfte es auch jene sein, die bisher die stärkste weltweite Aufmerksamkeit hervorruft.
Seit 1990 hatte Sachsen-Anhalt sieben Ministerpräsidenten – sechs davon stellte die CDU, einen die SPD. Drei davon wählte der Landtag infolge von Rücktritten der jeweiligen Amtsinhaber. Einer davon ist der amtierende Regierungschef Sven Schulze. Er ist seit 28. Januar 2026 im Amt und folgte Reiner Haseloff nach, der mit mehr als 14 Jahren der am längsten regierende Ministerpräsident des Landes war.
Deutschland-Koalition vor Verlust ihrer Mehrheit
Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die Landeswahlleiterin die Wahlvorschläge von 15 Parteien zugelassen. Geht man von Umfrageergebnissen aus, haben jedoch nur zwei Spitzenkandidaten realistische Chancen, künftig als Ministerpräsident die Landesregierung zu führen.
Amtsinhaber Sven Schulze beabsichtigt, sich bei der Landtagswahl das Mandat für seine erste volle Amtszeit zu holen. Die derzeit regierende Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP wird allerdings voraussichtlich keine Mehrheit mehr erzielen. Die CDU, die 2021 mit Haseloff auf 37,1 Prozent der Stimmen gekommen war, kann nur noch mit 22 bis 24 Prozent der Stimmen rechnen.
Stattdessen kann die AfD ein Ergebnis von 41 bis 43 Prozent der Stimmen erhoffen – und damit möglicherweise eine absolute Mandatsmehrheit. Dies könnte es ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ermöglichen, Ministerpräsident zu werden.
Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze. (Archivbild)
Foto: Via dts Nachrichtenagentur
Politische Karriere von Schulze begann mit 19 Jahren im Gemeinderat
CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze wurde am 31. Juli 1979 in Quedlinburg geboren und wuchs in Heteborn im Harz auf. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Abitur schloss er 1998 am Europa-Gymnasium in Aschersleben ab, anschließend absolvierte er den Zivildienst. Im Jahr 1999 nahm er ein Studium der Umweltschutztechnik an der TU Clausthal auf. Dieses schloss er 2007 als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab.
In den Jahren 2007 bis 2011 war Schulze als Projektleiter für mehrere mittelständische Maschinenbauunternehmen tätig. Von 2012 an fungierte er als Vertriebsleiter der Eckold GmbH in Sankt Andreasberg. Diese Tätigkeit endete mit seinem Einzug ins Europäische Parlament im Jahr 2014.
Der Einstieg von Sven Schulze in die Politik erfolgte 1998. Im Alter von 19 Jahren wurde er jüngstes Mitglied im Gemeinderat von Heteborn. Von 2004 bis 2007 saß Schulze im Kreistag von Quedlinburg. In der Partei selbst war Schulze von 2006 bis 2014 Landesvorsitzender der Jungen Union. Nach knapp sieben Jahren im EU-Parlament kehrte er 2021 in die Landespolitik zurück.
Ein CDU-Plakat mit Sven Schulze und Reiner Haseloff am 7. Januar 2026.
Foto: Via dts Nachrichtenagentur
Stabilität, Zuversicht und Sicherheit als zentrale Wahlversprechen
Etwa drei Monate vor der Landtagswahl 2021 übernahm Schulze den Posten des Landesvorsitzenden der CDU Sachsen-Anhalt. Im September des Jahres trat er als Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten ins Kabinett Haseloff III ein.
In seine Amtszeit fiel die Ansiedlung eines neuen Logistikstandortes von Daimler Truck in Halberstadt. Sachsen-Anhalt hielt zudem seine seit den 2000er-Jahren behauptete Stellung als eines der führenden Länder beim Ausbau der erneuerbaren Energien.
Schulze hinterließ als Wirtschaftsminister eine gemischte Bilanz. Etwa 30.000 Arbeitsplätze im Land hängen an der Chemiebranche, die immer stärker unter Druck gerät. Zudem scheiterte die zuvor prominent verkündete Ansiedlung des Chipherstellers Intel in Magdeburg.
Mit 46 Jahren war Schulze, der eher sachlich und ohne rhetorisches Feuer auftritt, bei Amtsantritt der jüngste amtierende Ministerpräsident Deutschlands.
Schulzes zentrales Wahlversprechen ist „Stabilität“. Gegenüber der „Volksstimme“ sagte er auch, dass er „Zuversicht und ein Gefühl der Sicherheit“ verbreiten wolle. Dazu gehören ein flächendeckendes Kita-Angebot und eine ärztliche Versorgung sowie eine Wirtschaft und ein Schulsystem, wo jeder seine Chance bekomme.
Der designierte Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, wird am 28. Januar 2026 im Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg, vom AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (l.) beglückwünscht, nachdem er zum neuen Landeschef gewählt worden war.
Foto: Ronny Hartmann/AFP via Getty Images
„Wir wollen keine Experimente“
Er bezeichnete sein persönliches Netzwerk von „5.000 Telefonnummern“ als „das Allerallerwichtigste“, was er dem Land bieten könne – als bedeutendes Arbeitsmittel, um Lösungen umsetzen zu können.
In der Bevölkerung litt der heute 47-Jährige lange unter seinem mangelnden Bekanntheitsgrad. Laut einer Umfrage für den MDR konnte er diese auf mittlerweile 65 Prozent steigern.
Allerdings bleiben Schulzes Beliebtheitswerte weit hinter jenen seines Vorgängers Haseloff zurück. Nur 29 Prozent sind mit Schulze als Ministerpräsident zufrieden.
Auch die Unbeliebtheit der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) scheint Schulze zu schaden. Die Personaldebatten und Streitereien in Berlin müssten „jetzt wirklich aufhören“, sagte Ende Juni in einem „Welt-TV“-Interview. Seine Wahlkämpfer könnten kaum mit Landesthemen durchdringen.
„Wir wollen keine Experimente und kein Sachsen-Anhalt, das zu einer isolierten Insel wird“, warnte er vor einer Machtübernahme durch die AfD. Eine Regierungsbildung an der AfD vorbei dürfte aber schwierig werden.
Sachsen-Anhalt sei „kein Untergangsland“, sagte Schulze. Für ihn wäre eine AfD-Regierung auch eine „ökonomische Katastrophe“, weil internationale Investoren wegbleiben würden.
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD, nimmt am 26. Juli 2026 in Weißenfels an einem von der AfD organisierten Treffen von Simson-Motorradfans im Vorfeld der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt teil.
Foto: Jens Schlueter/Getty Images
Siegmund gehörte knapp sechs Jahre lang der CDU an
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kam am 25. Oktober 1990 in Havelberg zur Welt. Er wuchs in Tangermünde auf, ist verheiratet und Vater einer Tochter. Nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann studierte Siegmund ab 2013 Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaft in Hamburg. Er erwarb 2016 den Abschluss als Bachelor of Arts an der Europäischen Fernhochschule Hamburg mit einer Arbeit über professionelles Duftmarketing.
In diesem Bereich hatte er 2014 ein Unternehmen in Berlin gegründet, nachdem er zuvor in einer Augenklinik gearbeitet hatte.
Seit 2016 ist er Mitglied im Landtag von Sachsen-Anhalt. In die AfD war Siegmund 2014 eingetreten. Davor hatte er sich nach sechs Jahren von der CDU im Zuge der Eurokrise abgewandt.
Im August 2022 übernahm Siegmund gemeinsam mit Oliver Kirchner den Vorsitz in der AfD-Landtagsfraktion. Bis Februar 2024 leitete er den Landtagsausschuss für Arbeit, Soziales und Gleichstellung. Aus dieser Funktion wurde er jedoch aufgrund seiner Teilnahme am sogenannten Geheimplan-Treffen in Potsdam im November 2023 abgewählt. Siegmund bezeichnet heute das private Treffen als „Potsdamer Kaffeekränzchen“.
Im Mai des Vorjahres wählte die AfD Sachsen-Anhalt Siegmund mit mehr als 98 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Ein wesentlicher Faktor dabei dürfte der Bekanntheitsgrad des 35-Jährigen gespielt haben.
Nicht zuletzt aufgrund des TikTok-Kanals „Mutzurwahrheit90“ mit derzeit über 760.000 Followern ist Siegmund einer der bekanntesten AfD-Politiker überhaupt – und das vor allem bei der jüngeren Generation.
Siegmund gibt sich siegesgewiss. Er will die „historische Sensation“ schaffen. Um Wähler zu mobilisieren, überzieht der redegewandte 35-Jährige das Land mit seiner Präsenz. Ob auf einem AfD-„Bürgerdialog“ oder bei einer Simson-Ausfahrt – Siegmund schießt Selfies, schüttelt Hände und bringt Tassen und Shirts mit seinem Konterfei unters Volk.
Als Wahlziel rief Siegmund „45 Prozent plus X“ aus. Das Kalkül dahinter: Selbst wenn die AfD keine absolute Mehrheit der Stimmen erreicht, könnte es für die Mehrheit der Sitze langen, wenn genug andere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.
Andere Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat als Wahlziel „45 Prozent plus X“ ausgegeben, um eine absolute Mehrheit für eine Alleinregierung zu erreichen. (Archivbild)
Foto: Heiko Rebsch/dpa
„Keine faulen Kompromisse“
Gegenüber der „Volksstimme“ betonte er, keine Koalition anzustreben – auch nicht mit einer deutlich kleineren CDU. Er sehe im Moment dort keine Kräfte auf Landesebene, mit denen man „gemeinsam gute Politik“ machen könne.
Eine Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten will Siegmund nicht ausschließen; er hält sie jedoch derzeit für unrealistisch. Dies würde daran scheitern, dass „wir unsere Kernpunkte nicht für irgendwelche faulen Kompromisse aufweichen“.
Als zentrale Themen nennt Siegmund gegenüber der Zeitung „Migration, innere Sicherheit, Leistungsbereitschaft, Klima-Ideologie, Schule“. Darüber hinaus plant der AfD-Spitzenkandidat, den Medienstaatsvertrag zu kündigen, der die Rechtsgrundlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist.
Ihre Ziele für den Fall einer Regierungsmehrheit hat die AfD Sachsen-Anhalt in einem eigenen „Regierungsprogramm“ dargelegt, das mehr als 250 Seiten umfasst. Darin findet sich auch der umstrittene Begriff „Remigration“, welcher neben einer „Abschiebeoffensive“ auch ein „Rückkehrprogramm für ausgewanderte deutsche Fachkräfte“ einschließt.
Zudem plant die AfD, Regenbogenflaggen an öffentlichen Schulen zu verbieten, eine Bildung- statt Schulpflicht einzuführen und „linksextremen“ Vereinen die Fördergelder zu streichen. Siegmund nennt das „Vision 2026“.
Er will mit einem Wahlsieg der AfD „Geschichte schreiben“. Mit 35 Jahren bei Amtsantritt Anfang Oktober 2026 wäre Siegmund der jüngste Ministerpräsident der Geschichte Deutschlands
Eine der Rheinfähren, hier in Bad Breisig (Rheinland-Pfalz). (Archivbild) - Foto: Thomas Frey/dpa
Nach wochenlanger Zwangspause nehmen immer mehr Rheinfähren aufgrund gestiegener Pegelstände den Betrieb wieder auf. Nach 29 Tagen Pause im Juli und August könne man ab heute endlich wieder fahren, sagte einer der Betreiber der Rheinfähre zwischen dem Düsseldorfer Süden und Zons (Dormagen), Jens Jansen, der Deutschen Presse-Agentur. „Da wir im Frühjahr und Sommer einen Großteil unserer Einnahmen erzielen, sind die wirtschaftlichen Folgen natürlich erheblich.“
Die Fähre ist neben Autofahrern auch bei Fahrradfahrern und Fußgängern beliebt, die von Düsseldorf aus einen Ausflug zur historischen Altstadt von Zons machen – besonders am Wochenende bei schönem Wetter ist der Andrang groß. Nicht so in diesem Jahr – Trockenheit und extremes Niedrigwasser führten zu der Zwangspause. „Das ist bitter, aber so ist die Natur“, sagt Jansen.
Das Unternehmen, in dem auch sein Vater und sein Bruder arbeiten, hat fünf Festangestellte und fünf Aushilfen. „Wir waren kurz davor, Kurzarbeit zu beantragen.“ Er sei erleichtert, dass es nun endlich wieder losgehe.
Bei der Fähre des Heimat- und Bürgervereins Bislich, die zwischen Xanten und Wesel am Niederrhein verkehrt, war die Wiederaufnahme des Betriebs ebenfalls für Samstag geplant, nach drei Wochen Pause. „Das war unsere längste naturbedingte Zwangspause, beim Niedrigwasser 2022 waren es zwei Wochen“, sagt Fährleiter Philipp Feine. Nur bei einem Getriebeschaden habe es mal länger gebraucht, bis man wieder starten konnte.
Dank der langsam steigenden Rheinpegel können vielfach die Fähren wieder verkehren – so wie hier in Kaub in Rheinand-Pfalz.
Foto: Boris Roessler/dpa
Pegelstände sind weiterhin recht niedrig
Die Fähre Weiß in Köln nahm am Freitag wieder den Betrieb auf, bei der Fähre Siebengebirge in Bad Honnef (NRW) und bei der Fähre in Kaub (Rheinland-Pfalz) ging es bereits am vergangenen Donnerstag wieder los. „Es hat sich entspannt – aber wer weiß, was in diesem Sommer noch kommt“, heißt es von der Fährgemeinschaft Kaub. Elf Tage lang habe man nicht fahren können.
In Bad Honnef gibt es noch Einschränkungen: Wegen des weiterhin recht niedrigen Pegelstandes werden keine Wohnmobile oder Transporter befördert, sondern nur Autos bis zur Größe eines VW-Busses. Die Rheinfähre zwischen Bad Breisig und Bad Hönningen (Rheinland-Pfalz) schränkte das Maximalgewicht pro Fahrzeug auf 7,5 Tonnen ein, mit einer speziellen Niedrigwasserrampe konnte der Fährbetrieb aufrechterhalten werden.
Bei der Hitdorfer Personenfähre, die im Juli normalerweise durchschnittlich 350 Menschen von Leverkusen nach Köln oder zurück befördert, soll der Betrieb frühestens am Montag wieder losgehen, wie eine Sprecherin der Stadt Leverkusen sagt. Die seit Juli mehr als 30-tägige Zwangspause habe zu Einbußen von etwa 30.000 Euro geführt.
Die Pegelstände am Rhein hatten in diesem Monat historische Tiefststände erreicht, in Düsseldorf fiel der Wert in den Minusbereich. Die Fahrrinne ist deutlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer, in Düsseldorf sind das 1,59 Meter. In den vergangenen Tagen ging es deutlich aufwärts, in der NRW-Landeshauptstadt wurde heute ein Wert von knapp 40 Zentimetern erwartet. Das ist allerdings weiterhin ein relativ niedriger Wert. (dpa/red)
Rednerpult mit CDU-Logo (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
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SPD fordert Frau als nächste Bundespräsidentin
Die SPD hält an ihrer Forderung fest, dass eine Frau für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nominiert wird. Sie soll parteiübergreifend Vertrauen genießen und für Zusammenhalt stehen. Als mögliche Kandidatin wird CSU-Politikerin Ilse Aigner gehandelt.
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Die Demokratische Republik Kongo hat im Kampf gegen eine schwere Ebola-Epidemie die ersten 16.000 von insgesamt 70.000 geplanten Ervebo-Impfdosen erhalten. Der Impfstoff soll vor allem medizinisches Personal und gefährdete Menschen schützen. Zudem wird seine Wirksamkeit gegen die derzeit verbreitete Bundibugyo-Variante getestet.
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Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) schließt aus, dass CDU-Abgeordnete nach der Landtagswahl zur AfD wechseln und ihr so zu einer Mehrheit verhelfen. Die AfD liegt in Umfragen mit rund 41 Prozent deutlich vor der CDU mit etwa 24 Prozent und strebt eine Alleinregierung an.
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Deutlicher Lohnunterschied zwischen Deutschen und Ausländern
Ende 2025 verdienten ausländische Vollzeitbeschäftigte in Deutschland im Median 23,6 Prozent weniger als deutsche. 30,6 Prozent erhielten Niedriglohn, bei Deutschen waren es 12,3 Prozent. Unterschiede hängen laut BA vor allem mit Qualifikation, Berufserfahrung und der Beschäftigung in unterschiedlich bezahlten Branchen zusammen.
Russland griff das Einkaufszentrum nach ukrainischen Angaben in zwei Wellen an. - Foto: ---/Staatsanwaltschaft der Ukraine/dpa
Bei russischen Angriffen im Zentrum und Süden der Ukraine sind am Freitag mindestens 18 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Allein bei einem doppelten Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der Stadt Krywyj Rih am hellichten Tage wurden nach Angaben der Regionalverwaltung mindestens 14 Menschen getötet und 120 weitere verletzt. Bei einem Angriff in der südlichen Region Mykolajiw starben vier Menschen, darunter drei Kinder.
„Ein absolut zynischer und abscheulicher Angriff wurde von den Russen auf ein ganz normales Einkaufszentrum in Krywyj Rih verübt“, schrieb der ukrainische Präsident Selenskyj im Onlinedienst X mit Blick auf den Angriff in seiner Heimatstadt Krywyj Rih.
Ihm zufolge verlief der Angriff in zwei Phasen: Eine halbe Stunde nach dem ersten Angriff und dem Ausbruch eines Feuers sei ein zweiter Angriff gefolgt, „der auf die Rettungskräfte abzielte“. Laut Militärverwaltungschef Oleksandr Wilkul handelte sich bei dem getroffenen Gebäude um das „größte Einkaufszentrum der Stadt“.
„Derartige Angriffe sind nichts anderes als terroristische Handlungen“, erklärte Selenskyj. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, „entsprechend zu reagieren – mit echtem Druck auf den Angreifer“.
Die russische Armee griff offenbar zunächst mit einer Drohne an, später folgte ein Angriff mit einer weiteren Drohne. Ein Video zeigt eine Drohne, die auf das Dach eines Gebäudes stürzt, während aus dem Dach bereits Rauch aufsteigt. Die Nachrichtenagentur AFP konnte die Echtheit der Aufnahmen zunächst nicht prüfen.
Krywyj Rih ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren immer wieder Ziel russischer Luftangriffe. Moskau greift die Ukraine regelmäßig vor allem nachts mit Drohnen an – Kiew wirft Moskau vor, dabei auf Wohngebiete und Zivilisten zu zielen.
Bei einem weiteren russischen Angriff in der Region Mykolajiw im Süden den Landes wurden vier Menschen getötet, darunter drei Kinder, wie Innenminister Iwan Wyhiwsky im Onlinedienst Telegram mitteilte. Durch den Angriff seien ein Geschäft, eine Apotheke und ein Postamt in Brand geraten.
Selenskyj erklärte, er habe in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär António Guterres „die anhaltenden russischen Angriffe und die zahlreichen Opfer in der Zivilbevölkerung“ angesprochen.
Viereinhalb Jahre nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine greifen die Armeen beider Länder immer häufiger Ziele weit von der Frontlinie entfernt an. Die Angriffe zielen auf zivile Infrastruktur und Warenlager ab. Die Zahl der zivilen Todesopfer ist dadurch deutlich gestiegen.(afp/red)