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Rechenzentren statt Filmsets: Wie Künstliche Intelligenz Hollywood verändert


In Kürze

  • 250 Millionen gegen wenige Zehntausend: Nolans „The Odyssey“ trifft auf eine weitgehend KI-generierte Low-Budget-Version.
  • Hollywood setzt längst KI ein: Die Technologie verändert visuelle Effekte, Animation, Ton und Produktionsabläufe.
  • Weniger Produktionshürden, neue Konflikte: KI senkt Kosten, bedroht aber Arbeitsplätze und wirft Fragen nach Urheberrecht und menschlicher Leistung auf.

 
Zwei Filme erzählen in diesem Sommer dieselbe Geschichte. Christopher Nolans „The Odyssey“ ist ein 250-Millionen-Dollar-Epos, fast drei Stunden lang, mit Matt Damon als Odysseus, Anne Hathaway als Penelope und einer großen internationalen Besetzung. Nolan ließ 91 Tage lang in sechs Ländern drehen und setzte vollständig auf IMAX-Kameras. Der Film spielte allein am ersten Wochenende weltweit 264,1 Millionen Dollar ein und überschritt Anfang August die Marke von einer Milliarde Dollar.
Zeitgleich hat Ash Koosha eine zweite Version der Odyssee vorgelegt: „Odysseus: The Fall“ ist 135 Minuten lang und wurde mit einem Bruchteil der Infrastruktur einer klassischen Hollywoodproduktion geschaffen – ohne klassische Dreharbeiten, herkömmliche Filmsets und mit künstlich erzeugten Bildern.

Klassisches Hollywood trifft auf KI

Koosha arbeitete nach eigenen Angaben zwei bis drei Monate daran, teilweise allein an einem Laptop. Er schrieb das Drehbuch und führte Regie. An der Produktion, die insgesamt nur drei Monate dauerte, waren lediglich zwölf Personen beteiligt: eine professionelle Schauspielerin, mehrere Models und Personen ohne vorherige Erfahrung in der Unterhaltungsbranche. Als zentrales Videomodell kam Kling zum Einsatz, ergänzt durch eigene Produktionssoftware. Die vollständig KI-generierte Produktion soll im mittleren fünfstelligen Dollarbereich gelegen haben, also circa 50.000 Dollar.
Koosha kündigte sein „Odysseus: The Fall“ ausdrücklich und bewusst im Fahrwasser von Nolans Film an. Seine KI-Version der Reise des Odysseus könne Nolans Erfolg in gewisser Weise noch steigern, so Koosha gegenüber dem „Hollywood Reporter“, „indem sie diejenigen in die Kinos bringe, die neugierig seien, das Nonplusultra menschlicher Schöpfung zu sehen und es mit der Zusammenarbeit eines Menschen mit KI zu vergleichen“.
Damit stehen sich zwei Vorstellungen vom Filmemachen gegenüber: Auf der einen Seite die physische Materialschlacht des großen Kinos: Kameras, Schauspieler, Drehorte, Crew und ein Budget von rund einer Viertelmilliarde Dollar. Auf der anderen Seite stehen ein kleines Team, generative Modelle und jede Menge Rechenleistung. Kooshas Film ist dabei mehr als ein technisches Experiment. Die Produzenten verstehen ihn ausdrücklich als Beleg dafür, dass Künstliche Intelligenz aufwendige Filmstoffe für Menschen zugänglich machen kann, die niemals über die Budgets eines Hollywoodstudios verfügen würden.
Was passiert aber mit einer Filmindustrie, wenn die Herstellung eines Films plötzlich nicht mehr in erster Linie eine Frage von Geld, Personal, Drehorten und Technik ist?

Hollywood arbeitet längst mit KI

Hollywood lehnt KI nicht grundsätzlich ab. Die Studios investieren längst in die Technologie, um Produktionsabläufe zu beschleunigen und Kosten zu senken. Schauspieler, Drehbuchautoren und andere Filmschaffende fürchten dagegen, dass ihre Arbeit durch KI ersetzt oder ohne ihre Zustimmung genutzt wird.
Eine Recherche der „Los Angeles Times“ zeigt, wie weit die Technologie inzwischen in den Studios angekommen ist. Die Zeitung wertete rund 250 öffentlich ausgeschriebene Stellen bei Disney, Universal, Paramount, Warner Bros., Sony, Netflix und Amazon MGM aus. Rund 30 davon standen nach Einschätzung der Zeitung in direktem Zusammenhang mit KI. Disney suchte unter anderem Fachleute für „computer graphics and AI“, Netflix einen „Manager, Generative Workflows“, Amazon MGM einen KI-Verantwortlichen für die Produktion.
Die KI-Revolution findet also nicht erst dann statt, wenn ein vollständig künstlich erzeugter Spielfilm im Kino läuft. Sie findet bereits innerhalb der klassischen Filmproduktion statt. KI muss einen Schauspieler auch nicht ersetzen, um die Filmindustrie zu verändern. Es reicht zunächst, wenn sie einzelne Tätigkeiten übernimmt oder beschleunigt. Sie kann Hintergründe erzeugen, fehlende Einstellungen ergänzen, Beleuchtung verändern, Stimmen bearbeiten, Bilder animieren oder Produktionsabläufe beschleunigen.
Für die Beschäftigten kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Hollywood steht ohnehin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Nach einer Analyse des Tech Policy Program der Duke University hat Los Angeles County seit 2022 mehr als ein Viertel seiner Film- und Fernsehjobs verloren. Zwischen Oktober 2022 und Februar 2026 ging die Zahl der Produktionsjobs sogar um mehr als 35 Prozent zurück.
Die Entwicklung hat mehrere Ursachen, darunter die Veränderungen des Streaminggeschäfts und die Verlagerung von Produktionen. KI kommt als weiterer Faktor hinzu – und trifft damit auf einen bereits geschwächten Arbeitsmarkt.

Rechenzentren statt Kameras

Ein klassischer Film bezahlt Menschen, Drehorte, Kulissen, Kameratechnik, Reisen, Logistik, Spezialeffekte und Postproduktion. Bei KI-Produktionen mit deutlich weniger Kosten verschiebt sich ein Teil dieser in Richtung Software, die Menschen, die Modelle bedienen, Ergebnisse auswählen und korrigieren sowie Rechenleistung.
Wie radikal diese Verschiebung sein kann, zeigte im Mai 2026 „Hell Grind“. Der vollständig mit KI erzeugte Film wurde laut „Wall Street Journal“ innerhalb von zwei Wochen hergestellt und kostete rund 500.000 Dollar. Rund 400.000 Dollar entfielen dabei allein auf Rechenleistung.
Aufmerksamkeit in Hollywood bekam im Jahr 2025 Tilly Norwood: Eine vollständig künstlich erzeugte Schauspielerfigur, entwickelt vom Londoner KI- und Produktionsunternehmen Particle6. Ein etwa 15-köpfiges Team arbeitete sechs Monate an der Figur und erzeugte dabei mehr als 2.000 visuelle Varianten. Im Juli 2026 wurde bekannt, dass Norwood die Hauptrolle in dem Comedy-Drama „Misaligned“ übernehmen soll.
Die Schauspieler-Gewerkschaft SAG-AFTRA hatte in dem Kontext davor gewarnt, dass Projekte wie der KI-Tilly Gefahr zu „Stolen Performance“ führten, auf Deutsch „gestohlene Darbietungen“. Die Gewerkschaft bezeichnete Tilly Norwood als synthetische Figur, deren Existenz auf der Arbeit realer Schauspieler beruhe, die dafür weder gefragt noch vergütet worden seien. Genau wegen dieser Bedenken hatte die Gewerkschaft bereits im Jahr 2023 gestreikt.
Als Hollywood-Star Emily Blunt während eines Podcasts ein Bild von Tilly gezeigt bekam, soll sie kommentiert haben: „Nein – im Ernst? Das ist eine KI?“ und weiter: „Meine Güte, dann sind wir ja erledigt.“

Schauspieler als reines Produktionsmaterial

Anders als bei einer klassischen Filmproduktion werden bei KI-generierten Filmen keine Schauspieler mehr aufgenommen. Stattdessen stellen Menschen ihre Gesichter beziehungsweise ihre digitale Ähnlichkeit für die Figuren zur Verfügung. Das führt zu der Frage: Was ist ein Schauspieler in einer Welt, in der sein Gesicht von einer Maschine in beliebige Situationen versetzt werden kann? Im Zweifelsfall wird das Gesicht damit zu einer Art Produktionsmaterial.
Einige in Hollywood nehmen inzwischen eine gemäßigtere Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz ein: Während einer Pressekonferenz auf dem diesjährigen Festival in Cannes sagte die US-amerikanische Schauspielerin Demi Moore, man solle Wege finden, mit der Technologie zu arbeiten. „KI ist da. Und sich dagegen zu wehren, bedeutet, einen Kampf zu führen, den wir verlieren werden.“
Auf der Gewinnerseite sieht sich „Star Wars“-Schöpfer George Lucas laut der „Los Angeles Times“ durch den Nutzen von KI: Diese abzulehnen sei so, als würde man eine Pferdekutsche einem Auto vorziehen. „Künstliche Intelligenz bedeutet, dass es für uns viel einfacher ist, Filme zu drehen“, so Lucas. „Daran lässt sich nichts ändern. Das ist Fortschritt. Das ist die Zukunft.“
Andere, wie Schauspieler Ben Affleck beispielsweise, treiben die Entwicklung für sich gewinnbringend voran: Er gründete ein Unternehmen für KI-Filmtechnologie und verkaufte das Start-up anschließend für über eine halbe Milliarde Dollar an Netflix. Bei der Gründung von InterPositive hatte Affleck erklärt, er wolle das „Storytelling menschlich“ halten, indem er KI-Tools entwickle, die etwa die Beleuchtung korrigieren, fehlende Aufnahmen generieren und andere Aufgaben übernehmen könnten, während „kreative Entscheidungen in den Händen der Künstler bleiben“.

Die neue Knappheit heißt Aufmerksamkeit

Ob KI das klassische Hollywood zerstören oder ersetzen wird, ist heute kaum abzusehen. Verändert hat sie die Filmbranche aber längst. Filme lassen sich mit deutlich weniger Menschen, Geld und technischer Ausstattung herstellen als noch vor wenigen Jahren. Was früher ein großes Studio, ein aufwendiges Set und eine ganze Abteilung von Spezialisten brauchte, kann inzwischen teilweise ein kleines Team am Computer erledigen.
Wenn die Herstellung eines Films immer billiger und einfacher wird, ist nicht mehr allein die Produktionskapazität knapp. Knapp wird auch die Aufmerksamkeit des Publikums.
Das zeigt auch der Vergleich von Nolan und Koosha. Für Nolans „The Odyssey“ arbeiten Hunderte Menschen, gedreht wird an internationalen Schauplätzen, das Budget liegt bei rund 250 Millionen Dollar. Kooshas „Odysseus: The Fall“ entstand unter völlig anderen Bedingungen – mit einem kleinen Team, KI-Modellen und einem Bruchteil der Kosten. Doch am Ende müssen beide dasselbe leisten: einen Grund liefern, warum ein Mensch zwei Stunden seines Lebens mit ihrem Film verbringen will.
KI kann Bilder erzeugen, Kosten senken und Ideen möglich machen, die bislang am Budget scheiterten. Aber sie kann dem Publikum nicht vorschreiben, was es sehen will. Je leichter es wird, Filme zu produzieren, desto schwieriger könnte es im Gegenzug werden, einen Film zu schaffen, der aus der Masse künstlich erzeugter Bilder herausragt.
Am Ende entscheidet das Publikum.
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Indien und Afrikanische Union verschieben Gipfel wegen Ebola-Ausbruchs

Indien und die Afrikanische Union haben wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo einen für kommende Woche geplanten Gipfel verschoben.
Beide Seiten seien angesichts der „sich entwickelnden Gesundheitslage“ auf dem Kontinent übereingekommen, das vierte Indien-Afrika-Forum zu einem späteren Zeitpunkt abzuhalten, erklärte das indische Außenministerium.

Neuer Gipfeltermin noch unbekannt

Der Gipfel sollte vom 28. bis 31. Mai in Neu Delhi stattfinden. Indien erklärte sich bereit, Bemühungen des Afrikanischen Zentrums für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten zur Bewältigung der Ebola-Lage zu unterstützen. Ein neuer Termin für den Gipfel soll später festgelegt werden.
Die WHO hatte am 20. Mai erklärt, das Risiko durch den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sei in Zentralafrika hoch, weltweit aber gering.
Nach WHO-Angaben verbreitete sich das Virus vermutlich bereits seit mehreren Monaten. Die Organisation geht von rund 600 wahrscheinlichen Fällen und 139 mutmaßlichen Todesopfern aus.

Bisher kein Impfstoff

Der Ausbruch der oft tödlich verlaufenden Fieberkrankheit war am vergangenen Freitag im Osten der Demokratischen Republik Kongo erklärt worden. Es ist der 17. Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Land.
Die Übertragung des Ebola-Virus erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten, die Inkubationszeit kann bis zu drei Wochen betragen.
Die aktuelle Epidemie wird von der erstmals 2007 nachgewiesenen seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. (afp/red)