Bundeswehr-Panzer "Leopard 2" (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der deutsch-französische Panzerkonzern KNDS plant den Aufbau von zwei zusätzlichen Produktionsstätten in Deutschland. Das kündigte der Deutschlandchef des Unternehmens, Florian Hohenwarter, in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ an.
„In Deutschland werden wir nach jetziger Planung noch zwei zusätzliche Produktionsstätten aufbauen“, sagte Hohenwarter. Man spreche mit Unternehmen und schaue sich mögliche Standorte an. Berichte, wonach KNDS das Mercedes-Werk in Ludwigsfelde übernehmen werde, bestätigte er nicht.
Hohenwarter kündigte einen deutlichen Produktionshochlauf an. „Wir werden mittelfristig viermal so viele Boxer und Artillerie, dreimal so viele Leoparden und doppelt so viele Pumas herstellen“, sagte er.
Durch diesen Hochlauf werde sich die Belegschaft von KNDS Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppeln, es würden also 4.000 bis 5.000 Mitarbeiter dazukommen.
Doch selbst bei guten Bewerberzahlen – vor vier Jahren hatte man nach Hohenwarters Angaben 6.000 Bewerbungen im Jahr, vergangenes Jahr waren es 60.000 – werde das organische Wachstum nicht reichen, um den Hochlauf zu bewältigen, so der KNDS-Manager.
Radfahrzeug-Werk und Schweiß-Werk
Ein Standort werde sich der ganzen Produktionskette vom Rohbau bis zum fertigen Fahrzeug widmen, in dem Fall mit dem Schwerpunkt Radfahrzeuge, also Boxer, sagte Hohenwarter der FAZ weiter.
Der zweite Standort werde schwerpunktmäßig ein Schweißstandort sein, ähnlich wie das kürzlich vom Bahnhersteller Alstom übernommene Werk in Görlitz. Diese Werksübernahme sei für ihn beispielgebend für den Aufbau neuer Produktionsstätten. Man müsse „Industriezweige transformieren, also bestehende Ökosysteme nutzbar machen“, erklärte er.
Die Produktion von Panzern ist eine Kernkompetenz von KNDS. Auf die Frage, ob es diese Produkte überhaupt noch brauche, wo doch im Ukrainekrieg vor allem Drohnen gefragt seien, antwortete Hohenwarter, es brauche sie und er wehre sich gegen die Behauptung, hierbei handele es sich um alte Technik.
Im Ukrainekrieg zeige sich, dass Kampfpanzer, Artillerie und geschützte Radfahrzeuge „eine unverändert hohe Relevanz auf dem Gefechtsfeld“ hätten. Die Fähigkeiten des Menschen in militärischen Fahrzeugen würden auf lange Sicht weiter unerlässlich sein. (dts/red)
Ravensburger steigt beim Plüschtierhersteller Steiff ein. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
Der Knopf im Ohr steht in Zukunft unter Ravensburger-Regie: Der Spielehersteller übernimmt eine Mehrheit am Plüschtierhersteller Steiff, wie beide Unternehmen gemeinsam mitteilten. Verkäuferin ist die Steiff Beteiligungsgesellschaft, die von den Erben der Gründerin Margarete Steiff gehalten wird. Steiff soll weiterhin eigenständig geführt werden.
Durch den Schritt sind zwei der bekanntesten deutschen Spielzeugmarken künftig eng verflochten. Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles und Sammelkarten bekannt. Klassiker sind beispielsweise „Fang den Hut“, „Memory“, „Das verrückte Labyrinth“ und „Scotland Yard“. In vielen Kinderzimmern finden sich heute aber auch das spielerische Lernsystem „Tiptoi“ und die modulare Kugelbahn „GraviTrax“ der Oberschwaben.
Steiff gilt als Erfinder des Teddybären und steht seit mehr als 140 Jahren für hochwertige Plüschtiere – erkennbar am markanten Knopf im Ohr. Der Sitz der Firma ist in Giengen an der Brenz, im Osten Baden-Württembergs.
In welcher Höhe sich Ravensburger genau beteiligt, blieb offen. Der Familienanteil werde wesentlich bleiben, hieß es. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe.
Ravensburger ist vor allem für Gesellschaftsspiele, Puzzles und Sammelkarten bekannt. (Archivbild)
Foto: Felix Kästle/dpa
Familie Steiff stellt Weichen für die Zukunft
Ravensburger-Chef Clemens Maier begründete den Schritt mit der emotionalen Stärke der Kultmarke: „Unser Firmengründer Otto Maier war inspiriert von der Vorstellung, Spielzeug für Hirn, Hand und Herz zu entwickeln. Steiff steht dabei in besonderer Weise für das Herz“, sagte der Manager. Die Produkte seien seit Generationen für viele Menschen Teil ihrer Kindheit.
Mit dem Verkauf will die Familie die Weichen für eine langfristige Perspektive des Traditionsunternehmens stellen.
„Für uns war entscheidend, Steiff in verantwortungsvolle, unternehmerische Hände zu geben, die die Marke, die Werte und Geschichte verstehen und respektieren“, teilte der Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft, Frederik Reimann, mit. Ravensburger stehe wie kaum ein anderes Unternehmen für genau diese Haltung.
Steiff-Chef Frank Rheinboldt ergänzte, die Partnerschaft schaffe den Rahmen, internationale Potenziale gezielt zu nutzen und Tradition mit neuen Impulsen zu verbinden.
Ravensburger will die Mehrheit beim Plüschtierhersteller Steiff übernehmen. (Archivbild)
Foto: Marijan Murat/dpa
Ravensburger mit Umsatzrückgang
Für Ravensburger kommt die Ankündigung in einer Phase des wirtschaftlichen Gegenwinds. Nach einem Rekordumsatz von 790 Millionen Euro im Jahr 2024 – angetrieben vom Hype um das Sammelkartenspiel „Disney Lorcana“ – ging der Umsatz 2025 auf 742 Millionen Euro zurück.
Das Kerngeschäft mit Spielen, Puzzles und Büchern legte nach früheren Angaben zwar zu. Der Sammelkarten-Boom habe aber merklich nachgelassen.
Außerdem steige der Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Schwaben hatten daher angekündigt, an Strukturen und Kosten arbeiten zu wollen. Das umfasst auch einen Stellenabbau im unteren zweistelligen Bereich. Zuletzt waren bei dem Spielehersteller gut 2.500 Menschen in Ravensburg und in einem Werk in Tschechien beschäftigt.
Bereits im Frühjahr hatte Ravensburger angekündigt, sich breiter aufstellen zu wollen. Unter anderem soll das Eventportfolio ausgebaut werden. Dazu gehören Sammelkarten-Turniere und Speedpuzzle-Wettbewerbe. An Bedeutung gewinnen demnach auch personalisierte Angebote wie Fotopuzzles.
Die Steiff-Übernahme ist nicht der erste Zukauf des Unternehmens in jüngster Zeit: Ravensburger hat sich zuletzt mehrheitlich am NordSüd Verlag beteiligt – dem größten Schweizer Kinderbuchverlag, bekannt für Klassiker wie „Der Regenbogenfisch“ und „Lars, der kleine Eisbär“.
Ravensburger baut damit sein Kinderbuchsegment aus und sichert sich Zugang zu etablierten Figuren. Zur Ravensburger-Gruppe gehören unter anderem bereits Marken wie Brio, die für Holzeisenbahnen bekannt sind, und der Spielkartenverlag FX Schmidt. Mit Steiff kommt nun ein weiterer großer Name hinzu.
Bei Steiff begann alles mit einem kleinen Stoffelefanten. (Archivbild)
Foto: Marijan Murat/dpa
Vom Nadelkissen zum Teddybären
Die Geschichte von Steiff beginnt nicht mit einem Teddybären, sondern einem anderen Tier: Nach der Schneiderlehre macht sich Margarete Steiff 1877 mit einem Filzgeschäft selbstständig – und stellt einen kleinen Stoffelefanten als Nadelkissen her. Dieser wird der Firmenhistorie zufolge als Kinderspielzeug schnell zum Verkaufsschlager. 1880 gilt als das Gründungsjahr von Steiff.
Bereits wenig später gehören neben dem Elefanten unter anderem auch Affen, Esel, Pferde, Kamele, Schweine und Giraffen zum Sortiment. Bis der berühmte Teddybär entsteht, dauert es allerdings noch ein paar Jahre: Margaretes Neffe Richard Steiff entwirft den Bären 1902.
Es ist nach Firmenangaben der weltweit erste Plüschbär mit beweglichen Armen und Beinen. Ab 1906 sei der Bär unter dem Namen „Teddybär“ verkauft worden – benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt.
Steiff zuletzt mit roten Zahlen
Heute verkauft das Unternehmen auch weniger traditionelle Kuscheltiere. So gibt es beispielsweise Bären in Fußballtrikots oder Figuren aus dem Disney-Universum wie Winnie Puuh und Micky Maus. Außerdem hat Steiff Baby- und Kinderkleidung im Angebot.
Die Steiff Beteiligungsgesellschaft, zu der die Margarete Steiff GmbH gehört, besitzt auch einen kleinen Automobilzulieferer und eine Weberei. Die Gruppe erwirtschafte 2023 mit knapp 1.300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 94 Millionen Euro.
Mehr als zwei Drittel davon entfallen auf das Spielzeug-Geschäft, wie aus dem Unternehmensregister des Bundes hervorgeht. Zum Vergleich: 2019 machte Steiff einen Umsatz von mehr als 112 Millionen Euro.
Der Verlust lag 2023 bei gut 416.000 Euro. Das geht laut Jahresabschluss vor allem auf die schwächelnde Autosparte zurück. Das Spielzeug-Kerngeschäft lief demnach besser. Die gesamte Gruppe schrieb in den Vorjahren mehrfach rote Zahlen, zum Teil im Millionenbereich. Wie es Steiff aktuell geht, ist nicht bekannt. Neuere Daten sind bislang nicht verfügbar.
Auch andere Unternehmen suchen aktuell nach Partnern oder neuen Wegen. So übernahm etwa die Simba-Dickie-Group, zu der unter anderem der Bobby-Car-Hersteller Big und das Modelleisenbahn-Unternehmen Märklin gehören, Anfang 2026 eine US-Firma, um ihr internationales Geschäft auszubauen.
Playmobil setzt angesichts sinkender Umsätze auf neue Zielgruppen – unter anderem mit Figuren der Fußball-Nationalmannschaft und aller Bundesligisten. (dpa/red)
Vor einem Investitionsbeschluss müsse Deutschland bessere Rahmenbedingungen für Pharmafirmen schaffen und eine klare Richtung vorgeben, sagte der Moderna-Chef. - Foto: carmengabriela/iStock
Der US-Pharmakonzern Moderna hat Interesse an Werken in Deutschland, die der Konkurrent BioNTech schließen will.
„Wenn wir die richtige Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung finden würden, wären diese Anlagen eine interessante Option – im Vergleich zu einem Neubau“, sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel dem „Handelsblatt“ vom Mittwoch.
Auf die Frage, ob Moderna Beschäftigte von BioNTech übernehmen würde, sagte Bancel: „Wenn wir in ein Werk investieren würden – ganz sicher.“
mRNA-Kapazitäten in Europa in Gefahr
Vor einem Investitionsbeschluss müsse Deutschland aber bessere Rahmenbedingungen für Pharmafirmen schaffen und eine klare Richtung vorgeben, sagte der Moderna-Chef weiter.
„Wir führen derzeit Gespräche mit der Regierung über eine langfristige Partnerschaft, wie wir sie im Vereinigten Königreich und in Kanada eingegangen sind.“ Sollte Berlin nicht mitziehen, will Bancel Alternativen in Europa prüfen.
Er warnte: „Dass es bald keine mRNA-Produktionskapazitäten mehr in Deutschland und Europa geben wird, ist ein massives Souveränitätsproblem.“ In China würden gerade mindestens fünf mRNA-Unternehmen aufgebaut.
BioNTech hatte Anfang Mai mitgeteilt, dass es drei seiner Standorte in Deutschland schließen wolle. Davon betroffen sein könnten demnach bis zu rund 1.860 Stellen.
Die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und seine Frau Özlem Türeci hatten im März angekündigt, sich aus dem Unternehmen zurückziehen und ein neues Unternehmen gründen zu wollen.
Die neue Firma soll sich Innovationen im Bereich mRNA widmen. Sie soll weiterhin Verbindungen zu BioNTech haben, welches sich auf die Entwicklung und Vermarktung seiner Medikamente, insbesondere im Bereich der Onkologie, konzentrieren soll. (afp/red)
Privater ICE-Konkurrent: Der italienische Anbieter Italo lehnt eine Verschiebung seines Deutschland-Starts ab. (Archivbild). - Foto: GABRIEL BOUYS/AFP via Getty Images
Frankfurt/Berlin: Der italienische Fernverkehrs-Anbieter Italo drängt auf einen zeitnahen Markteintritt in Deutschland und lehnt Verzögerungen ab. Vorstandschef Gianbattista La Rocca wies Vorschläge zurück, den für 2028 geplanten Start des privaten ICE-Konkurrenten wegen ungeklärter Trassenfragen um drei Jahre zu verschieben.
Gegenüber dem Handelsblatt betonte er, dass das Unternehmen bereits seit über 15 Monaten an den Plänen arbeite, eine deutsche Gesellschaft gegründet und mehr als 25 Millionen Euro investiert habe.
Der Kern des Streits liegt in der geforderten Planungssicherheit. Italo verlangt von der Bundesnetzagentur eine verbindliche Trassenzusage für zehn bis fünfzehn Jahre.
Bislang vergibt die Deutsche Bahn bzw. die Infrastrukturtochter DB InfraGO Schienenwege weitgehend im jährlichen Turnus. Für private Investoren stellt dies ein erhebliches wirtschaftliches Risiko dar.
Die Entscheidung drängt: Italo fordert eine Klärung bis Ende Juni. Grund dafür sind Vorverträge mit dem Hersteller Siemens für den Bau der Hochgeschwindigkeitszüge.
Da sich das Produktionsfenster im Werk demnächst schließt, wurde die Fertigung bereits um zehn Monate aufgeschoben. Jede weitere Verzögerung gefährde das gesamte Vorhaben bezüglich Zeitplan, Kosten und Strategie.
Deutsche Bahn verweist auf EU-Reformen
Seitens der Deutschen Bahn wird das Vorhaben des neuen Konkurrenten zurückhaltend kommentiert. Aus dem Staatskonzern verlautete, dass die europäische Trassenvergabe im Jahr 2031 ohnehin grundlegend reformiert werde.
Es sei daher fraglich, kurz vor diesem Termin ein neues Vergabemodell einzuführen. Italo will den Druck auf die deutschen Regulierungsbehörden nun erhöhen, um einen rechtzeitigen Start zu sichern. (dts/red)
Capri-Sun kämpft seit zwei Jahren um eine Rückkehr zu Plastikstrohhalmen – Kunden hätten sich etwa über den Papiergeschmack beim Trinken beschwert, sagt das Unternehmen. (Symbolbild) - Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Nach der gescheiterten Petition von Capri-Sun für eine Rückkehr zum Plastikstrohhalm hat der langjährige Unternehmenschef Kritik geübt – das Ziel der Aktion aber verteidigt.
„Die Petition war schlecht gemacht und falsch – das nur nebenbei“, sagte Hans-Peter Wild, Präsident des Verwaltungsrates der Capri Sun Group Holding AG, der „Rhein-Neckar-Zeitung“. „Aber in der Sache macht die Forderung von Papier-Trinkhalmen absolut keinen Sinn.“
Das Unternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg bemüht sich seit 2024 um eine Rückkehr zum Plastikstrohhalm mit einer entsprechenden Genehmigung der EU.
Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren die Pläne. Wegen eines Verbots der EU von Einwegplastikprodukten verwendet Capri-Sun seit 2021 Papierstrohhalme an seinem klassischen Trinkbeutel.
Verbraucher kritisieren laut Unternehmen Papierstrohhalm
Seither gibt es dem Unternehmen zufolge Kritik von Verbrauchern: Der Papierstrohhalm lasse sich schlechter einstecken, werde weich und führe zu einem Papiergeschmack beim Trinken. Capri-Sun habe den Papierstrohhalm deswegen bereits mehrfach überarbeitet.
„Der Capri-Sun-Trinkpack ist 100-prozentig recycelbar“, sagte Wild in dem Interview anlässlich seines 85. Geburtstages. „90 Prozent der Papierhalme bleiben in der Tüte drin, wenn sie leer getrunken ist.“
Besser wäre es daher, wenn der recycelbare Strohhalm in der Capri-Sun bleibe und der Trinkbeutel so komplett recycelt werden könne.
Umwelthilfe kritisieren Bemühungen des Unternehmens
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben den Strohhalm aus dem gleichen Material herstellen wie den Trinkbeutel: dem Kunststoff Polypropylen. Capri-Sun wollte dazu mit einer Online-Petition eine Million Unterschriften sammeln, kam aber nur auf weniger als 170.000.
Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren die Bemühungen des Unternehmens. So sagte Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe vor kurzem: „Der anhaltende Kampf von Capri Sun für Einweg-Plastikstrohhalme ist aus Umweltsicht nicht nachvollziehbar und ein Armutszeugnis.“
Die kleinen Trinkbeutel seien vor allem für den Konsum unterwegs konzipiert und landeten entsprechend oft in der Umwelt. (dpa/red)
In Frankfurt gibt es laut Lufthansa absehbar genug Kerosin. - Foto: Boris Roessler/dpa
Die Schrumpfung des Kurzstreckennetzes der Lufthansa-Gruppe wird auch nach dem Ende von Lufthansa Cityline und der Herausnahme von 20.000 Flügen im laufenden Sommerprogramm weitergehen.
„Wir werden immer dann gezielt Kapazität auf der Kurzstrecke reduzieren, wenn es wirtschaftlich geboten ist“, sagte Dieter Vranckx, Chief Commercial Officer im Konzernvorstand, dem „Handelsblatt“.
Das sei ein fortlaufender Prozess, bei dem die Verbindungsqualität des Netzwerkes für die Kunden stets erhalten bleiben müsse. Der größte Teil der Konsolidierung im Kontinentalverkehr solle spätestens 2028 abgeschlossen sein, so Vranckx.
Enorme Standortkosten in Deutschland erschweren Luftfahrt
Wie weit das Netz noch ausgedünnt wird, wollte der Manager nicht sagen. „Es ist für die gesamte Gruppe wirtschaftlich nicht sinnvoll, jeden Flughafen von jedem unserer sechs Drehkreuze anzufliegen“, verteidigte Vranckx die Maßnahmen.
Die Gruppe habe das Ziel einer bereinigten Ergebnismarge von acht bis zehn Prozent ausgegeben. Davon sei man noch weit entfernt. Deshalb brauche die Gruppe ein effizientes Netz, das aber zugleich Kunden ein optimales Angebot an Flügen biete.
„Wir wollen Deutschlands wichtige Wirtschaftsregionen auch künftig anfliegen. Unser Ziel bleibt, ein Einzugsgebiet immer mindestens an ein Drehkreuz und damit auch an unser Langstreckennetz anzubinden“, sagte Vranckx.
Das sei aber angesichts der enorm hohen Standortkosten in Deutschland wirtschaftlich leider nicht immer umsetzbar. „Es wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Europa noch ein paar Veränderungen geben. Das Europageschäft ist für Lufthansa, aber auch für viele andere Airlines eine Herausforderung“, sagte der Lufthansa-Manager. (dts/red)
Stromtankstelle für E-Auto. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die milliardenschwere neue E-Auto-Prämie der Bundesregierung fließt bisher offenbar fast ausschließlich an ausländische Autohersteller, besonders aus China. Das sagte der Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD), Burkhard Weller, dem Nachrichtenmagazin Politico.
Wenn der Verband seine Autohäuser frage, welche Autos mit der Prämie gekauft werden, sei die Antwort unisono „die Klasse zwischen 20.000 und 30.000 Euro“ gewesen, sagte Weller. „Und was haben wir da? Chinesische Autos.“
Chinesische Hersteller profitieren
In den 42 Autohäusern seiner eigenen Weller-Gruppe habe sich der Absatz preiswerter Autos aus China im Mai mehr als verdoppelt. „Bei BYD waren es 235 Prozent“, sagte der Verbandspräsident.
Deutsche Autos fehlten noch in dieser Preisklasse. Der ID.Polo von VW soll erst im September kommen. Aus der EU gebe es „ein bisschen Renault und Peugeot, etwas Seat und Cupra. Dann wird es dünn“, sagte Weller.
Die Wirkung der deutschen Auto-Prämie ist auch deshalb heikel, weil die EU die Industrie gegen Konkurrenz aus China schützen will. Der „Industrial Accelerator Act“ etwa sieht Made-in-EU-Vorgaben für staatliche Förderungen vor.
Die Prämie kann für alle E-Autos beantragt werden, die seit dem 1. Januar 2026 zugelassen wurden. Sie gilt nur für Neuwagen und beträgt abhängig von Auto, Einkommen und Kinderzahl bis zu 6.000 Euro. Im Fördertopf liegen 3,5 Milliarden Euro.
Händler bezweifeln Lenkungswirkung
Weller widersprach Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der die neue Förderung gelobt hatte. Bisher sei vor allem der Rückstau geplanter Käufe eingereicht worden, sagte Weller. Die Prämie wurde Anfang Dezember 2025 angekündigt, aber noch ohne Details.
„Das hat zur Kaufzurückhaltung beigetragen“, die sich nun auflöse. Hinzu kämen Mitnahmeeffekte von Kunden, die ohnehin ein E-Auto kaufen wollten. Auf die Frage, wie die Prämie am Ende wirklich wirke, sagte Weller: „Stand heute ist meine Prognose null (…). Wegen der Prämie tauscht keiner sein Auto auf Elektro.“
Wenn schon eine Förderung, dann hätten auch Gebrauchtwagen einbezogen werden sollen. Noch wichtiger seien aber mehr Lademöglichkeiten, niedrigere Strompreise und besonders Preistransparenz an den Ladesäulen.
Sein Vorschlag: „Machen wir an Ladesäulen endlich wie beim Telefon-Roaming. Man schließt zuhause einen Tarif ab, und diesen Preis hat man über das Roaming dann an jeder Säule.“ (dts/red)
SpaceX-CEO Elon Musk. - Foto: Paul Hennessy/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa
Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX hat mit seinem Börsengang am Freitag rund 86 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) eingesammelt und damit deutlich mehr als die mindestens erwarteten 75 Milliarden Dollar.
Die beteiligten Banken hätten ihre Option ausgeübt und mehr Aktien verkauft als zunächst geplant, teilte SpaceX am Montag, 15. Juni, mit. Insgesamt wurden so 639 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von je 135 Dollar verkauft.
Die Banken hätten Gebühren in Höhe von 500 Millionen Dollar erhalten. Für SpaceX blieben so 85,7 Milliarden Dollar.
Die Aktie war an ihrem ersten Handelstag um mehr als 19 Prozent nach oben geschossen. Am Montag lag der Kurs rund sieben Prozent über dem Ausgabepreis.
SpaceX stellte mit seinem Börsengang alle bisherigen in den Schatten und machte Unternehmenschef Elon Musk zum ersten Billionär der Welt. Sein Vermögen stieg nach dem Börsenstart über die symbolische Marke von 1.000.000.000.000 Dollar, wie das Magazin „Forbes“ auf seiner Echtzeit-Reichenliste bestätigte.
Bei SpaceX ist Musk Vorstandschef, Technikchef und Verwaltungsratsvorsitzender in einer Person. Seinen Einfluss will er mit dem Börsengang noch ausbauen.
Dem Börsenprospekt zufolge kontrolliert Musk nun rund 85 Prozent der Stimmrechte bei SpaceX und hält 42 Prozent des Aktienkapitals – deutlich mehr als in anderen börsennotierten Unternehmen üblich.
Kritiker halten so viel Vermögen und Einfluss in der Hand eines einzigen Mannes für demokratiegefährdend. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres sagte, der Börsengang unterstreiche „das Problem der Ungleichheit“. Jene, die davon profitierten, müssten „alles in ihrer Macht Stehende tun, um alle anderen zu unterstützen“. (afp/red)
In einem Geschäft in Kalifornien werden am 13. März 2025 Flaschen französischen Weins ausgestellt. - Foto: Justin Sullivan/Getty Images
US-Präsident Donald Trump hat Frankreich mit hohen Zöllen auf Wein gedroht, sollte Paris nicht seine Digitalsteuer zurücknehmen. Er habe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gebeten, „keine Abgaben von US-Unternehmen zu verlangen“, sagte Trump der „New York Post“ vom Montag. „Sollten sie dies dennoch tun, habe ich keine andere Wahl, als einen Zoll von 100 Prozent auf alle Champagner und Weine aus Frankreich zu erheben.“
Frankreich hatte 2019 eine Steuer von drei Prozent auf im Land generierte Umsätze von Digitalunternehmen eingeführt. Die Abgabe betrifft vor allem die großen US-Konzerne Facebook, Amazon, Apple, Google und Microsoft.
Die USA sind der wichtigste Abnehmer französischer Weine und Spirituosen. Im vergangenen Jahr entfielen 21 Prozent der Ausfuhren der Branche auf die USA, wie der französische Verband der Wein- und Spirituosenexporte mitteilte. Derzeit unterliegen diese Exporte einem Zollsatz von 15 Prozent.
Die 2019 eingeführte französische Digitalsteuer erhebt eine Abgabe von 3 Prozent auf die in Frankreich erzielten Umsätze großer Digitalunternehmen. Die Steuer gilt für Unternehmen mit einem französischen Umsatz von mehr als rund 29 Millionen US-Dollar und einem weltweiten Umsatz von etwa 870 Millionen US-Dollar.
Die Maßnahme stößt seit langem auf Kritik aus Washington, da die Vereinigten Staaten argumentieren, dass sie amerikanische Technologieunternehmen unverhältnismäßig stark trifft.
Macron empfängt seinen US-Amtskollegen am Montag vor Beginn des G7-Gipfels in Frankreich. „Er müsste nur die Umsatzbesteuerung abschaffen, dann stünde er nicht unter diesem Druck“, sagte Trump der Zeitung. Im Januar hatte der US-Präsident bereits mit Zöllen in Höhe von 200 Prozent auf französischen Wein gedroht. Hintergrund war Frankreichs Weigerung, Trumps „Friedensrat“ für die Lösung internationaler Konflikte beizutreten.
Digitalsteuerstreit
Die Vereinigten Staaten haben die von Frankreich und anderen Ländern eingeführten Digitalsteuern wiederholt angefochten. Während Trumps erster Amtszeit leitete das Büro des US-Handelsbeauftragten eine Reihe von Untersuchungen gemäß Abschnitt 301 zu Digitalsteuern ein, die Washington als diskriminierend gegenüber amerikanischen Unternehmen ansah.
„Präsident Trump ist besorgt darüber, dass viele unserer Handelspartner Steuermodelle anwenden, die darauf abzielen, unsere Unternehmen unrechtmäßig zu benachteiligen“, erklärte der damalige US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer in einer Stellungnahme vom Juni 2020. „Wir sind bereit, alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um unsere Unternehmen und Arbeitnehmer vor jeglicher derartiger Diskriminierung zu schützen.“
Trump drohte bereits zuvor mit Zöllen auf französische Alkoholimporte. Im Januar kündigte er an, einen 200-prozentigen Zoll auf französische Weine und Champagner zu erheben, sollte Frankreich sich weigern, an der von den USA initiierten Friedensinitiative für Gaza teilzunehmen. Im März 2025 drohte er mit einem 200-prozentigen Zoll auf Alkoholimporte aus Frankreich und anderen EU-Ländern, nachdem Brüssel Pläne zur Einführung eines 50-prozentigen Zolls auf amerikanischen Whiskey bekannt gegeben hatte.
Immer stärkere KI-Modelle bergen Sicherheitsrisiken. - Foto: Peter Steffen/dpa
Um einer Anordnung der US-Behörden wegen nationaler Sicherheitsbedenken nachzukommen, hat das Unternehmen Anthropic den Zugriff auf seine beiden leistungsstarken KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 sperren müssen. Nur drei Tage nach der öffentlichen Einführung von Fable 5 – einer abgespeckten Version von Mythos 5 – erklärte das US-Unternehmen für Künstliche Intelligenz (KI), es habe eine behördliche Anweisung erhalten, die ausländischen Staatsangehörigen den Zugriff auf die beiden KI-Modelle untersage. Die Anweisung gelte auch für Ausländer, die für Anthropic arbeiten.
Da Anthropic seine Nutzer nicht nach ihrer Nationalität unterscheiden könne, sei die Folge, „dass wir Fable 5 und Mythos 5 für alle unsere Kunden unverzüglich deaktivieren müssen, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten“, erklärte der Konzern weiter.
Wie das Nachrichtenportal „Axios“ berichtete, kam die Anordnung von US-Finanzminister Howard Lutnick. Sein Ministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme durch die Nachrichtenagentur AFP.
Anthropic kritisiert fehlende Begründung der US-Behörden
Der KI-Konzern Anthropic teilte mit, dass die Regierung in dem Schreiben nicht dargelegt habe, was ihre konkrete Sorge ist. Anthropics vermute jedoch, dass die Regierung Kenntnis von einer Methode erlangt habe, dass beim Modell Fable 5 die Sicherheitsmaßnahmen so umgangen werden könnten, dass es für Hackerangriffe genutzt werden könnte.
„Wir bestreiten, dass die Entdeckung einer potenziellen Umgehung der Sicherheitsmaßnahmen rund um Fable 5 den Rückruf eines Geschäftsmodells rechtfertigt, das bei Hunderten von Millionen Menschen im Einsatz ist“, erklärte Anthropic.
Anthropic hatte sein KI-Modell Fable 5 am Dienstag veröffentlicht. Aus Sicherheitsgründen wurde die allgemein zugängliche Version namens Fable 5 allerdings in ihren Funktionen eingeschränkt.
Das besonders leistungsstarke KI-Modell Mythos 5 hatte der Konzern der Öffentlichkeit vorenthalten, da Bedenken bestanden, dass die KI über beispiellose Fähigkeiten zur Identifizierung von Software-Schwachstellen – oder Lücken im Code, die Hacker ausnutzen könnten – verfüge. Mythos wurde erstmals im April vorgestellt, die testweise Nutzung aber auf wenige Partner beschränkt. Inzwischen ist die uneingeschränkte Version Mythos 5 rund 200 Firmen sowie der US-Regierung vorbehalten.
Als riskant gilt vor allem die militärische Nutzung von KI. Anthropic liefert sich dazu einen Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium. Dabei geht es um eine uneingeschränkte Nutzung der KI-Technologie, die Anthropic dem Pentagon verweigert hat.
Der Konzern erklärte, er wolle KI nicht zur „Massenüberwachung im Inland“ oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin als „Sicherheitsrisiko in der Lieferkette“ ein, wogegen das Unternehmen sich juristisch wehrt.
Anthropic ist für seinen Chatbot Claude bekannt, Mythos ist dabei das fortschrittlichste Modell. (afp/red)
Menschen an einer Bushaltestelle in der kubanischen Hauptstadt Havanna. (Archivbild) - Foto: Yuri CORTEZ / AFP via Getty Images
Die kubanische Regierung hat unter enormem Druck aus Washington erneut Schritte zur Liberalisierung der Wirtschaft des Landes unternommen.
Weitere Wirtschaftssektoren würden für Privatunternehmen geöffnet und das Genehmigungsverfahren für neue Unternehmen gestrafft werden, teilte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel am Freitag, 12. Juni, in einer Fernsehansprache mit. Diese Reformen würden „bald diskutiert und sehr zügig verabschiedet werden“.
Im Jahr 2021 waren in Kuba waren private Unternehmen zugelassen worden, die bis zu 100 Personen beschäftigen dürfen. Seither sind sie zu einem zunehmend wichtigen Bestandteil der kubanischen Wirtschaft geworden. Seit Februar ist es ihnen erlaubt, Treibstoff zu importieren, ein Bereich, der zuvor ausschließlich vom Staat kontrolliert wurde.
Havanna setzt auf Liberalisierung
Die Regierung in Havanna will privaten Unternehmen nun ermöglichen, zu gleichen Bedingungen wie ausländische Investoren in die Wirtschaft der Karibikinsel zu investieren. Zuletzt hatten einige ausländische Investoren das Land aus Sorge vor US-Sanktionen verlassen. Díaz-Canel erklärte außerdem, die Regierung erwäge, staatliche Zwischenhändler bei Ein- und Ausfuhrgeschäften abzuschaffen.
Washington erhöht seit Monaten kontinuierlich den Druck auf Havanna. Kubanische Regierungsvertreter warfen Washington vor, einen Vorwand für einen militärischen Angriff gegen die sozialistisch regierte Insel zu suchen. US-Präsident Donald Trump drohte bereits mehrmals damit, „die Kontrolle“ über das Land zu übernehmen.
Der nur etwa 145 Kilometer von der Südspitze des US-Bundesstaats Florida entfernte Karibikstaat unterliegt seit 1962 einem US-Wirtschaftsembargo. Derzeit steckt Kuba in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, das Land leidet unter Stromausfällen und Treibstoffmangel. (afp/red)
Claude Fable 5 ist eine neue Version des KI-Programms Claude Mythos. Es konkurriert mit Diensten wie ChatGPT von OpenAI oder Gemini von Google. - Foto: Nicolas Tucat / AFP via Getty Images
Das US-Unternehmen Anthropic hat sein neues KI-Modell vorläufig vom Markt genommen. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken der US-Behörden, die nur wenige Tage nach der öffentlichen Vorstellung des Programms laut wurden, teilte der Konzern mit.
Wie das Unternehmen auf seiner Website schreibt, wurde es angewiesen, ausländischen Nutzern den Zugang zu Claude Fable 5 zu verwehren. Anthropic selbst hatte das Programm zuvor als „zu mächtig“ beschrieben.
„Die Folge dieser Anordnung ist, dass wir Fable 5 und Mythos 5 für alle unsere Kunden sofort abschalten müssen, um die Auflagen zu erfüllen“, hieß es in der Stellungnahme.
Bei Claude Fable 5 handelt es sich um eine Version des Programms Claude Mythos, das mit Diensten wie ChatGPT von OpenAI oder Gemini von Google konkurriert.
US-Behörden äußern Sicherheitsbedenken
Laut Anthropic haben die US-Sicherheitsbehörden keine konkreten Gefahren benannt. Man gehe jedoch davon aus, dass die Regierung von einer Methode erfahren habe, die Sicherheitsvorkehrungen von Fable 5 zu umgehen – ein Vorgang, der als „Jailbreaking“ bekannt ist.
Anthropic erklärte, man habe sich eine Vorführung dieser Methode angesehen, mit der eine Handvoll kleinerer, bereits bekannter Schwachstellen identifiziert worden seien. Diese Schwachstellen seien relativ simpel und könnten auch von anderen öffentlich zugänglichen KI-Modellen gefunden werden, ohne dass eine Umgehung der Sperren nötig sei.
Anthropic steht bereits seit längerem im Fokus der US-Regierung. Präsident Donald Trump hatte das Unternehmen öffentlich kritisiert, Verteidigungsminister Pete Hegseth stufte es später als „Lieferkettenrisiko“ ein – eine Bezeichnung, die zuvor noch nie für ein US-Unternehmen verwendet worden war.
Diese Einstufung bedeutet, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung als nicht sicher genug für den Einsatz in Regierungsbehörden gilt. Anthropic hat daraufhin das Pentagon verklagt. Die Anordnung des Pentagons gilt seitdem als vorläufig ausgesetzt. (dts/red)
Ein Leopard-2-Panzer. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Der Vorstandschef von Deutschlands größtem Rüstungskonzern Rheinmetall, Armin Papperger, schließt nicht aus, dass Frankreich nach dem Aus für das deutsch-französische Kampfflugzeug FCAS auch beim Panzer-Projekt MGCS aussteigt.
„Eine Gefahr ist immer da, aber es ist noch nichts entschieden“, sagte Papperger der „Welt am Sonntag“.
Papperger warnt vor Kürzungen
Frankreich plane bereits, das Budget für das MGCS-Projekt drastisch zu kürzen. Im Gespräch sei ein Betrag „von weniger als der Hälfte“ der bisherigen Planungen. „Wir haben null Entscheidungen über das finale Budget“, sagte Papperger.
Die Konsequenz eines gekürzten Budgets wären demnach Streichungen von Leistungsanteilen und dadurch auch weitere Verzögerungen bei dem Vorhaben. „Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, wird man nicht schneller und wir sind jetzt schon sehr langsam“, sagte der Rheinmetall-Chef.
Bisher haben die vier beteiligten Unternehmen in dem seit fast zehn Jahren laufenden Programm demnach erst 25 Millionen Euro erhalten. „Das ist natürlich sehr wenig Geld“, sagte Papperger.
Kampfflugzeug und Panzer
Die beiden Rüstungsprojekte FCAS und MGCS waren praktisch zeitgleich 2017 gestartet worden. Damals kündigten der französische Präsident Emmanuel Macron und die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Vorhaben an.
Während FCAS als Kernelement die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation als Nachfolger des Eurofighters und des französischen Kampfflugzeugs Rafale zum Ziel hatte, stehen bei MGCS (Main Ground Combat System) die Entwicklung eines bodengebundenen Kampfsystems und die gemeinsame Entwicklung eines Panzerns als Nachfolger des deutschen Leopard 2 und des französischen Leclerc im Mittelpunkt.
Als Brückenlösung haben die von deutscher Seite beteiligten Unternehmen – Rheinmetall und KNDS Deutschland – vor gut einem Jahr zudem schon die Entwicklung eines Leopard 3 gestartet. Die ersten Exemplare sollen Anfang der 2030er Jahre in Dienst gestellt werden, während die Einsatzbereitschaft des MGCS-Panzers erst in den 2040er Jahren erwartet wird.
„Das ist eine Wahnsinnszeit“, sagte Papperger in dem Interview. „Ich kann heute nicht sagen, ob es überhaupt ein MGCS geben wird.“
Kritik an zu viel nationalem Denken
Der Rheinmetall-Chef sieht außerdem erhebliche Hürden für eine Konsolidierung des europäischen Rüstungsmarkts. Das Scheitern des FCAS-Kampfflugzeugs sei wahrscheinlich eine Mixtur aus staatlichen und industriellen Uneinigkeiten gewesen.
Es werde noch immer sehr national gedacht, zum Schutz von Eigeninteressen. „Wenn man eine Konsolidierung in Europa machen möchte, müsste das natürlich auch irgendwie politisch mit unterstützt werden. Aber das sehen wir im Augenblick nicht“, sagte Papperger.
Die Konsolidierung müsse über die Firmen erfolgen. „Es wird nur manchmal behindert über Regierungen. Vor allem dann, wenn auch Staatsbetriebe mit dabei sind“, sagte Papperger und fügte als Erklärung hinzu: „Die Regierungen wollen bei Staatsbetrieben ihren Einfluss haben und natürlich wollen sie die Konsolidierung nicht.“ (afp/red)
Friedrich Merz am 09.06.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Kürze:
Mehr als 400 Unternehmer beim Tag des Familienunternehmens
Stiftungsvorstand fordert schnelle und entschlossene Reformen
Merz: Land kann sich in der Welt wieder einen vorderen Platz erarbeiten
Die Stiftung Familienunternehmen fordert die Bundesregierung auf, umfassende Reformen durchzusetzen, um den Rückgang der privaten Investitionen in Deutschland zu stoppen. Zum Tag des Familienunternehmens in Berlin am 11. und 12. Juni machte die Stiftung die Politik auf einen erheblichen Handlungsbedarf aufmerksam. An der Veranstaltung mit mehr als 400 Unternehmern nahmen neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch mehrere Bundesminister teil.
Unternehmen investieren in Erhalt, nicht in Erweiterung
„Viele Familienunternehmen haben bisher durchgehalten, obwohl in Deutschland seit drei Jahren Wachstum fehlt. Der Gegenwind für die Unternehmen nimmt von Tag zu Tag zu. Wir benötigen rasche Reformentscheidungen“, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung, im Hotel Adlon in der Nähe des Brandenburger Tores.
So seien die privaten Investitionen so stark eingebrochen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In den 1960er-Jahren hätten Investitionen noch 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgemacht. Im vergangenen Jahr sei aber die Netto-Investitionsquote erstmals seit Jahrzehnten ins Minus geraten. „Unser Kapitalstock ist überaltert und schrumpft. Unternehmen investieren am Standort Deutschland vorwiegend in den Ersatz vorhandener Anlagen und weniger in die Erweiterung“, sagte Kirchdörfer.
Als Ursachen nannte er hohe Kosten, langwierige Genehmigungsverfahren sowie übermäßige Bürokratie in Deutschland und Europa. Zwar investierten viele Familienunternehmen weiterhin, den Schwerpunkt ihrer Investitionen verlagerten sie jedoch zunehmend ins Ausland. Es komme dringend darauf an, wettbewerbsfähige Standortbedingungen zu schaffen, betonte Kirchdörfer.
Merz sieht bei Reformen „viel Zaghaftigkeit“
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in seiner Rede am Donnerstag, er sehe immer noch „sehr viel Zaghaftigkeit“, was notwendige Reformen angehe. Er sage das ohne jede Larmoyanz: „Eine wohlhabende Gesellschaft zu verändern, ist viel schwieriger, als ein Land nach Krieg und Zerstörung wieder aufzubauen“, fuhr er fort.
„Das, was wir uns vorgenommen haben umzusetzen, erfordert Veränderungsbereitschaft aus dem Wohlstand heraus bzw. vielleicht aus einer Wohlstandsillusion heraus.“ Es werde sich jedoch tatsächlich als eine Illusion erweisen, „wenn wir jetzt nicht handeln und die nötigen Veränderungen mit dieser Koalition auf den Weg bringen“.
Es gebe keinen Grund, „dass wir als Land, als Gesellschaft nicht wieder an uns selbst glauben“. Merz zweifelt auch nicht daran, „dass unser Land sich wieder einen vorderen Platz in dieser sich verändernden Welt erarbeiten kann“. Es möge sein, dass viele an alten Sicherheiten festhalten wollten, die längst nicht mehr wirkten. Dies sei eine Illusion, aber nicht der Weg. „Für alle, die sich aufmachen und Chancen nutzen, ist weitaus mehr drin.“
In der anschließenden Diskussion forderte Merz von den Unternehmern, dass sie sich stärker in der Öffentlichkeit engagierten.
Er machte einen „ganz praktischen Vorschlag“ als Reaktion auf Kirchdörfers Frage, wie man angesichts einer Stimmung, die gegen Unternehmer und Reiche gerichtet sei, junge Menschen motivieren könne, Unternehmer zu werden:
„Mir fällt auf, dass in den letzten Jahren die Zahl derer, die bereit gewesen sind, sich öffentlichen Diskussionen zu stellen, aus dem Bereich der Unternehmen deutlich abgenommen hat. Es gibt nicht mehr viele, die bereit sind, sich mal an einem Sonntagabend in eine Talkshow zu setzen.“
Das sei mühsam und auch immer wieder frustrierend.
„Aber ich werbe dafür, dass Sie auch stärker in die Öffentlichkeit gehen. Haben Sie Podcasts, die Sie regelmäßig bespielen? Gehen Sie regelmäßig raus zu Interviews? Gehen Sie regelmäßig raus in die Talkshows, wo Sie sich mal der Debatte stellen. Das sind nicht mehr so ganz viele.“
Er treffe jedenfalls sonntags „mehr Leute auf dem Golfplatz als abends in den Talkshows. Deswegen ist mein Appell an Sie. Sie müssen raus. Sie müssen raus mit den Botschaften, die Sie haben. Sie müssen der Bevölkerung zeigen, was Unternehmertum heute ausmacht.“
Die Chefin des Maschinenbauers Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller vom Kuratorium der Stiftung, reagierte:
„Ich habe in meinem ganzen Leben […] noch nie so viel Frust gesehen, wie auf dieser Messe. Ich habe mit verschiedensten Unternehmern gesprochen, die sagen, sie haben Kinder, die sind gut ausgebildet, die sind willig, die sind fleißig, die arbeiten, aber die sagen, wir können nicht guten Gewissens die Nachfolge an die Kinder übergeben. Wir wickeln unsere Unternehmen ab!“
Die Union sieht sie „in Geiselhaft ist zwischen links und rechts.“
Darauf entgegnet Merz, dass er bei den Wahlen die absolute Mehrheit knapp verfehlt habe. Nun müsse er mit der SPD reagieren: „Und das ist nicht so ganz einfach.“
SpaceX-CEO Elon Musk. - Foto: Paul Hennessy/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa
Raketenstart für Elon Musk in New York: Sein Raumfahrtkonzern SpaceX hat mit dem Börsengang alle bisherigen in den Schatten gestellt und Musk zum ersten Billionär der Welt gemacht.
Der Wert der SpaceX-Aktie schoss am Freitag in New York zwischenzeitlich um mehr als 30 Prozent auf 175 Dollar (152 Euro) nach oben. Der Konzern schreibe damit „Geschichte“, hatte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell zu Handelsbeginn vorausgesagt.
SpaceX sammelte an der Technologiebörse Nasdaq mindestens die erwarteten 75 Milliarden Dollar (rund 65 Milliarden Euro) ein. Damit übertraf Musks Konzern den bisher größten Börsengang des saudiarabischen Ölriesen Saudi Aramco Ende 2019 um rund das Dreifache.
Der Kursanstieg katapultierte den Marktwert von SpaceX auf über zwei Billionen US‑Dollar. Der Konzern wurde damit auf einen Schlag zu einem der zehn wertvollsten Konzerne der USA – noch vor Musks Elektroautohersteller Tesla, der Facebook-Mutter Meta und dem Einzelhandelsriesen Walmart.
Musk verfolgte den Börsenstart vom SpaceX-Hauptquartier in Texas aus. Er befeuerte die Erwartungen der Anleger noch. Seine Vision sei es, mit SpaceX ganz normale Menschen zum Mond zu bringen, zum Mars und letztlich auch an andere Orte des Sonnensystems, sagte er vor jubelnden Mitarbeitern.
Sein Ziel sei es, „Star Trek Wirklichkeit werden zu lassen“. Der gebürtige Südafrikaner nennt eine Besiedlung des Weltalls bereits seit Jahren erstrebenswert.
Fast ein Vierteljahrhundert nach Gründung von SpaceX im März 2002 hat Musk seine Stellung als reichster Mann der Welt damit zementiert. Sein Vermögen stieg nach dem Börsenstart über die symbolische Marke von 1.000.000.000.000 Dollar, wie das Magazin „Forbes“ auf seiner Echtzeit-Reichenliste bestätigte.
„Forbes“ gab den Marktwert des 54-Jährigen zwischenzeitlich mit 1,2 Billionen Dollar an. Weit abgeschlagen dahinter liegen die Google-Mitgründer Larry Page und Sergey Brin sowie Amazon-Gründer Jeff Bezos – sie kommen noch nicht einmal zusammen auf Musks Wert.
Vor dem Nasdaq-Sitz am New Yorker Times Square versammelten sich Menschen vor Großbildschirmen, auf denen Werbung für SpaceX lief, wie ein AFP-Reporter berichtete. Einige von ihnen waren als Astronauten verkleidet. „Die Leute wollen an dem teilhaben, was Elon Musk aufbaut“, sagte der 35-jährige Vermögensberater Adam Ennis, der ebenfalls Aktien kaufen wollte.
SpaceX gab bei dem Börsengang mehr als 555 Millionen Aktien zum Einheitspreis von 135 Dollar aus. Wegen der riesigen Nachfrage hatten Emissionsbanken eine Option, bis zu 83 Millionen zusätzliche Wertpapiere zu erwerben.
Zu SpaceX gehören das KI-Startup xAI und der Onlinedienst X. Musk ist zudem Chef des Elektroautobauers Tesla, außerdem gehören ihm weniger bekannte Firmen für Neurotechnologie und Tunnelbau.
Kritiker halten so viel Vermögen und Einfluss in der Hand eines einzigen Mannes für demokratiegefährdend. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres sagte, der Börsengang unterstreiche „das Problem der Ungleichheit“. Jene, die davon profitierten, müssten „alles in ihrer Macht Stehende tun, um alle anderen zu unterstützen“. Als Wohltäter hat sich Musk bisher keinen Namen gemacht.
Bei SpaceX ist Musk Vorstandschef, Technikchef und Verwaltungsratsvorsitzender in einer Person. Seinen Einfluss will er mit dem Börsengang noch ausbauen. Dem Börsenprospekt zufolge kontrolliert Musk nun rund 85 Prozent der Stimmrechte bei SpaceX und hält 42 Prozent des Aktienkapitals – deutlich mehr als in anderen börsennotierten Unternehmen üblich.
Die Senatorin Elizabeth Warren von der Demokratischen Partei warnte, die Schere zwischen Reichen und Armen in den USA gehe immer weiter auseinander. Die Welt bekomme ihren ersten Billionär, „während Amerikaner im ganzen Land jeden Dollar zusammenkratzen, um für den Ruhestand zu sparen“, kritisierte Warren, die in den Banken- und Finanzausschüssen des Kongresses sitzt.
Umstritten ist vor allem auch Musk politisches Engagement: Er hatte nach Schätzungen fast 300 Millionen Dollar in den Wahlkampf von Donald Trump investiert und den Präsidenten zu Beginn von dessen zweiter Amtszeit im vergangenen Jahr beraten. Im letzten Bundestagswahlkampf unterstützte der gebürtige Südafrikaner in Deutschland zudem offen die AfD. (afp/red)
Bauer mit Traktor (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Europäische Kommission hat am Freitag Maßnahmen vorgestellt, um Landwirte in Europa angesichts der stark gestiegenen Düngemittelpreise zu unterstützen.
Wie die Brüsseler Behörde mitteilte, sollen insgesamt 540 Millionen Euro mobilisiert werden, um finanzielle Erleichterungen zu gewähren und die Ernährungssicherheit zu stärken.
Die Kommission plant, die Agrarreserve um 300 Millionen Euro aufzustocken, wobei die Mitgliedstaaten die Möglichkeit haben, diese um bis zu 200 Prozent der nationalen Mittel zu erhöhen.
Zusätzlich schlägt die Kommission gezielte Anpassungen der Gemeinsamen Agrarpolitik vor, um Landwirten einen schnelleren und flexibleren Zugang zu Düngemitteln zu ermöglichen.
Dazu gehören eine neue Liquiditätsregelung zur Krisenunterstützung und die Möglichkeit, Betriebsinhabern frühere Direktzahlungen zu gewähren.
Die Mitgliedstaaten könnten ihre Haushalte für Direktzahlungen für das Kalenderjahr 2027 anpassen, um den Auswirkungen der hohen Düngemittelpreise zu begegnen.
„Heute kommen wir unserer Verpflichtung nach, Landwirte zu unterstützen, die mit steigenden Düngemittelkosten konfrontiert sind“, sagte EU-Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen. „Ich kann bestätigen, dass wir ein finanzielles Unterstützungspaket der EU in Höhe von 540 Millionen Euro vorgeschlagen haben, das die Mitgliedstaaten mit nationalen Mitteln aufstocken können, um bis zu 1,5 Milliarden Euro an Unterstützung für Landwirte vor Ort zu mobilisieren.“
Europa stehe fest an der Seite seiner Landwirte und ergreife „entschlossene Maßnahmen“, um die Grundlagen der Nahrungsmittelproduktion zu sichern.
Die vorgeschlagenen Änderungen der GAP-Gesetzgebung werden nun dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Billigung vorgelegt. Die endgültige Annahme der Agrarreserve ist bis Ende Juli 2026 geplant, sofern die Mitgliedstaaten zustimmen. (dts/red)
SpaceX-Chef Elon Musk, der per Videokonferenz aus dem SpaceX-Hauptquartier in Starbase, Texas, auf einer Leinwand zu sehen ist, hält am 12. Juni 2026 vor dem Börsengang von SpaceX im Nasdaq MarketSite in New York eine Rede. - Foto: TIMOTHY A. CLARY / AFP via Getty Images
Tech-Milliardär Elon Musk hat zum Börsenstart seines Raumfahrtkonzerns SpaceX eine Mars-Mission in Aussicht gestellt.
SpaceX wolle Menschen zum Mond bringen, „zum Mars und letztlich darüber hinaus“, sagte Musk am Freitag im SpaceX-Hauptquartier in Texas vor jubelnden Mitarbeitern. Sein Ziel sei es, „Star Trek Wirklichkeit werden zu lassen“.
Das Aktiendebüt soll das mit Abstand größte der Welt werden. SpaceX will an der Technologiebörse Nasdaq mindestens 75 Milliarden Dollar (rund 65 Milliarden Euro) einsammeln.
Durch eine Option für Emissionsbanken zum Erwerb von bis zu 83 Millionen zusätzlichen Wertpapieren könnte sich der Erlös sogar auf bis zu 86 Milliarden Dollar erhöhen.
Der bisher größte Börsengang war der des saudiarabischen Ölriesen Saudi Aramco Ende 2019. Er brachte dem Konzern 25,6 Milliarden Dollar ein.
Fast ein Vierteljahrhundert nach Gründung von SpaceX im März 2002 dürfte Musk damit der weltweit erste Billionär werden. SpaceX hat mit seinen Trägerraketen lukrative Verträge mit der US-Raumfahrtagentur Nasa abgeschlossen.
Zu dem Unternehmen gehört unter anderem auch das Satellitennetzwerk Starlink. Wegen der Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz schrieb Musks Konzern zuletzt allerdings rote Zahlen.(afp/red)
Zalando. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Vor dem WM-Auftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft protestieren die Beschäftigten ihres Hauptsponsors Zalando gegen die geplante Schließung von dessen Standort in Erfurt.
Für die Beschäftigten des Moderversandhändlers sei das ein Widerspruch, sagte Betriebsratschef Tony Krause dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
Betriebsrat übt scharfe Kritik
„Da wirft Zalando 60 Millionen Euro für ein Fußball-Sponsoring aus dem Fenster, während die Menschen, die dieses Unternehmen überhaupt erst groß und reich gemacht haben, weggeworfen werden wie Altpapier.“
Am Erfurter Standort verhandelt der Betriebsrat seit mehreren Wochen mit Zalando über einen Sozialplan für die rund 2.700 von der Schließung betroffenen Beschäftigten. Das Unternehmen setze falsche Prioritäten, kritisierte Krause. „Für Glanz und Glamour im Profifußball ist scheinbar alles da, aber für die Existenz der eigenen Leute bleibt gefühlt nur eiskalte Härte“, sagte der Arbeitnehmervertreter dem RND.
Zalando verweist auf wirtschaftliche Gründe
Zalando wies die Kritik zurück. „Fußball ist weit mehr als nur ein Sport – er ist gelebte Kultur und verbindet Menschen“, sagte ein Unternehmenssprecher dem RND. Die Schließung des Erfurter Standorts habe dagegen klar wirtschaftliche Gründe: „Wir müssen Überkapazitäten abbauen und das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig halten“, so der Sprecher.
Die Kritik am Fußball-Sponsoring von Zalando verschärft den Konflikt zwischen Betriebsrat und Unternehmen. Erst Ende Mai hatten beide Seiten nach wochenlanger Wartezeit wieder Gespräche aufgenommen. Zuvor waren erste Verhandlungen gescheitert. (dts/red)
Geschäft vor der Schließung. (Archivbild) - Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa
Inmitten der Wirtschaftskrise reißt die Welle der Firmenpleiten in Deutschland nicht ab.
Im ersten Quartal wurden 6.275 Unternehmensinsolvenzen bei den Amtsgerichten beantragt und damit 6,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allein im März stieg demnach die Zahl um 15,8 Prozent.
Auch Privatleute geraten zunehmend in finanzielle Bedrängnis. So gab es im März 7.462 Verbraucherinsolvenzen – fast ein Fünftel (18,9 Prozent) mehr als im Vorjahr. Im ersten Quartal legte die Zahl um sechs Prozent zu.
Forderungen der Gläubiger sinken trotzdem
Die Forderungen der Gläubiger aus den Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal beliefen sich auf rund 9,3 Milliarden Euro – deutlich weniger als ein Jahr zuvor mit 19,9 Milliarden Euro.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge liegt das daran, dass im ersten Quartal 2025 mehr Großunternehmen Insolvenz beantragt hatten. Bezogen auf 10.000 Unternehmen gab es im ersten Quartal dieses Jahres 17,7 Insolvenzen. Am stärksten betroffen waren Verkehr und Lagerei sowie das Gast- und Baugewerbe.
Bei den Daten ist zu berücksichtigen, dass die Anträge erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik einfließen. Der tatsächliche Zeitpunkt des Insolvenzantrags liegt in vielen Fällen fast drei Monate davor.
Experten wie die Kreditauskunftei Creditreform rechnen auch im laufenden Jahr mit mehr Insolvenzen in Deutschland. Einer Studie der Beratungsgesellschaft EY Parthenon zufolge erwarten auf Krisenfälle spezialisierte Banken mehr Umstrukturierungen angesichts steigender Energie- und Rohstoffkosten, Kriegen und einer schwächeren Wirtschaft.
Für den Auto- und Maschinenbau werde in Deutschland der höchste Restrukturierungsbedarf erwartet, während der Druck in der Immobilienbranche sinke. Deutschland als Exportnation sei vom global langsameren Wirtschaftswachstum und geopolitischen Krisen stärker betroffen als andere Länder in Europa. (dpa/red)
KI-Nutzung am Arbeitsplatz - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Knapp 20 Prozent der Unternehmen, die bereits Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, halten es für leicht oder sehr leicht, Arbeitskräfte mit Fach- oder Hochschulabschluss durch weniger qualifizierte Mitarbeiter zu ersetzen, die von KI unterstützt werden. Das ergab eine Erhebung des Münchner Ifo-Instituts.
Rund 15 Prozent dieser Unternehmen gaben demnach an, dass es ebenso leicht sei, erfahrene Arbeitskräfte durch unerfahrene, aber KI-nutzende Mitarbeiter zu ersetzen. „KI verändert die Arbeitswelt und kann in manchen Bereichen auch formale Qualifikationen und Erfahrungen teilweise ersetzen“, sagte Ifo-Forscherin Anna Ruffert.
Bisher setzen nach eigenen Angaben 54,5 Prozent der Unternehmen KI in ihren Geschäftsprozessen ein.
Besonders im Handel ist dieser Trend ausgeprägt, wo 28,6 Prozent der Unternehmen die Ersetzbarkeit von (Fach-)Hochschulabschlüssen durch KI als leicht oder sehr leicht einschätzen.
Bei den Dienstleistern liegt dieser Wert bei 19,7 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe bei 14,6 Prozent und im Bauhauptgewerbe bei 9,3 Prozent. Die Ergebnisse sind über alle Unternehmensgrößen hinweg nahezu identisch.
Berufserfahrung bleibt wichtiger Faktor
Bei der Berufserfahrung zeigt sich ein etwas schwächerer Effekt. Im Handel können 22,9 Prozent der Unternehmen Berufserfahrung leicht oder sehr leicht durch eine KI-unterstützte, unerfahrene Arbeitskraft ersetzen.
Bei den Dienstleistern beträgt dieser Wert 14,5 Prozent, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit 12,6 Prozent und dem Bauhauptgewerbe mit 7,7 Prozent. „Berufserfahrung ist für Unternehmen offenbar etwas schwerer durch KI zu kompensieren als formale Abschlüsse“, so Ruffert.
Hingegen schätzt immer noch mehr als die Hälfte der Unternehmen (55,4 Prozent), die KI einsetzen, es als schwer oder gar nicht möglich ein, eine Arbeitskraft mit (Fach-)Hochschulabschluss durch KI-unterstützte, weniger qualifizierte Mitarbeiter zu ersetzen.
Beim Austausch einer erfahrenen durch eine KI-nutzende, unerfahrene Arbeitskraft liegt dieser Anteil sogar bei 62,7 Prozent. (dts/red)