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SpaceX und Tesla diskutieren mögliche Fusion im Wert von 3,5 Billionen Dollar

Die Aktien von SpaceX und Tesla legten Mitte der Woche kräftig zu, nachdem Milliardär Elon Musk eine mögliche Fusion der beiden Billionen-Dollar-Unternehmen ins Spiel gebracht hatte.
An der Wall Street wird seit Langem über eine mögliche Fusion spekuliert, die zwei zentrale Teile des Geschäftsimperiums des zeitweise als Billionär gehandelten Unternehmers unter einem gemeinsamen Konzerndach zusammenführen würde.
In einer Telefonkonferenz mit Analysten am Dienstag, 20. Oktober, deutete Musk an, dass ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen eine „gute Idee“ sei.

Sonderausschüsse eingesetzt

Musk bestätigte, dass die Verwaltungsräte von SpaceX und Tesla unabhängige Ausschüsse eingesetzt hätten, um über eine mögliche Fusion zu diskutieren. „Manche Leute gehen davon aus, dass eine Fusion von SpaceX und Tesla bereits beschlossene Sache ist, aber ich halte das für übertrieben“, sagte Musk zu den Analysten.
„Die Sonderausschüsse haben noch keine Einigung über die Bedingungen einer Transaktion erzielt. Und natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass sie dies tun werden.“
Neben den Fusionsgesprächen zeigten sich die Anleger erfreut über die soliden Ergebnisse von SpaceX im dritten Quartal, die die Schätzungen der Wall Street übertrafen.
Tesla hat seine Ergebnisse für das dritte Quartal am Mittwoch, 21. Oktober, vorgelegt. Die SpaceX-Aktie legte um bis zu 10 Prozent zu, während Tesla um etwa 3 Prozent stieg.

Hinter den Kulissen einer möglichen Fusion

Eine Fusion werde seit der Ankündigung des Börsengangs von SpaceX Anfang dieses Jahres allgemein erwartet, sagte Daniel Newman, CEO des auf große Technologieunternehmen spezialisierten Analyseunternehmens The Futurum Group.
Angesichts der langfristigen Vision der Unternehmen – die Besiedlung des Weltraums, der Bau von Robotern und die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz – würde ihre Zusammenarbeit wahrscheinlich viele Vorteile mit sich bringen, was auch Musk bestätigte.

Ein Tesla Cybercab fährt am 4. Oktober 2026 auf der Autobahn in Hayward, Kalifornien.

Foto: Josh Edelson/AFP via Getty Images

Außerdem haben die beiden Unternehmen bereits zahlreiche Geschäfte miteinander getätigt. SpaceX hat Megapack-Batterien und Cybertrucks im Wert von 1 Milliarde US-Dollar (rund 0,9 Milliarden Euro) von Tesla gekauft. Zudem wurde Tesla zum SpaceX-Aktionär, als seine Investition von 2 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) in xAI in SpaceX-Aktien umgewandelt wurde. Musks KI-Modell „Grok“ ist zudem in vielen Tesla-Fahrzeugen kostenlos vorinstalliert.
Gemeinsam mit Intel haben SpaceX und Tesla bereits eine Partnerschaft bei  Terafab geschlossen, einer Halbleiterfertigungsanlage, die Chipdesign, Speicherproduktion und Chipmontage unter einem Dach vereint.
Das Joint Venture hat sich zum Ziel gesetzt, bis Juni 2027 seinen ersten SRAM-Chip zu testen und Chips für selbstfahrende Fahrzeuge, humanoide Roboter und KI-Rechenzentren im Orbit zu produzieren.

Raketentriebwerke am Tesla Roadster

„Die Raketentriebwerke am Tesla Roadster gaben einen guten Vorgeschmack darauf, wie er die Zusammenarbeit der Unternehmen in der Zukunft sieht“, sagte Newman gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

Eine Sonderanfertigung des neuen Tesla Roadster kann schweben und über Autos „springen“.

Foto: Tesla

Vergangene Woche stellte Tesla einen fliegenden Sportwagen vor, der mithilfe der Kaltgas-Triebwerke von SpaceX rückwärts gerichtete Saltos und Sprünge vollführte.
„Unter dem Strich vereinen die beiden Unternehmen die Bereiche Weltraum, KI, Autonomie und Robotik und wären wohl das weltweit am besten positionierte Unternehmen für die kommenden Entwicklungen“, so Newman.

Eines der weltweit größten Unternehmen

Wenn die größte Fusion aller Zeiten zustande käme, würde das fusionierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von fast 4 Billionen Dollar (rund 3,6 Billionen Euro) sofort zu einem der größten börsennotierten Unternehmen der Welt aufsteigen und mit Alphabet, Amazon und Microsoft konkurrieren.
Die größten börsennotierten Unternehmen der USA
Eine mögliche Fusion von SpaceX und Tesla würde das Unternehmen zu einem der größten der Welt machen:

Die Schätzungen zur Marktkapitalisierung entsprechen Stand 21. Oktober 2026.

Foto: Andrew Moran/Epoch Times; erstellt mit Datawraper

Abgesehen von einer enorm hohen Marktkapitalisierung würde ein gemeinsames Unternehmen von SpaceX und Tesla zu einem verzweigten Industrie- und Technologiegiganten mit rund 155.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 153 Milliarden Dollar (rund 136 Milliarden Euro) werden.
Zugleich haben beide Unternehmen weiterhin einen hohen Kapitalbedarf. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 belief sich der negative Cashflow von SpaceX auf insgesamt rund 35 Milliarden Dollar (rund 31 Milliarden Euro), nachdem 48 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) ausgegeben worden waren – größtenteils für KI-bezogene Infrastruktur.
Im zweiten Quartal lag der freie Cashflow von Tesla bei minus 1,1 Milliarden Dollar (rund 1 Milliarde Euro).

„Eine komplexe Organisation“

Eine Fusion von SpaceX und Tesla könnte laut Ryan Zurrer, Gründer der auf alternative Anlagen spezialisierten Firma Dialectic, die zu den frühen Investoren von SpaceX gehörte, eine „komplexe Organisation“ schaffen, deren Führung eine Herausforderung darstellen würde.
Er fügte hinzu, dass ein wahrscheinliches Szenario darin bestehe, dass die beiden Unternehmen als getrennte Einheiten innerhalb des Konglomerats agieren und dann technische Ressourcen gemeinsam nutzen würden.
„Ich sehe keine große Vermischung der Marken“, sagte Zurrer der Epoch Times.

Der Start des SpaceX-Raumschiffs Starship 14 am 28. September 2026 auf der SpaceX-Starbase in Starbase, Texas.

Foto: Ronaldo Schemidt/AFP via Getty Images

Die Sicht der Wall Street

Ein Deal würde Musks Einfluss auf Tesla stärken. Während er bei SpaceX 84 Prozent der Stimmrechte kontrolliert, beträgt sein Anteil an Tesla 20 Prozent.
Trotz des weitverbreiteten Optimismus an der Wall Street könne eine Fusion von SpaceX und Tesla Risiken für die Aktionäre mit sich bringen, warnt Robert Johnson, Finanzprofessor am Heider College of Business der Creighton University in Omaha, Nebraska.
„Man kann die Aussichten des einen Unternehmens positiv und die des anderen negativ einschätzen“, sagte er der Epoch Times.
„Solange es sich um getrennte Unternehmen handelt, kann man in das eine investieren und das andere meiden (oder leerverkaufen). Das fusionierte Unternehmen bietet einem Anleger nicht diese Möglichkeit.“
Laut dem Finanzportal „MarketBeat“ haben Wall-Street-Analysten zum Stand vom 21. Oktober unterschiedliche Erwartungen für beide Unternehmen.
  • Die Konsensbewertung für SpaceX lautet „Moderate Buy“ (moderater Kauf) mit einem Kurspotenzial von 43 Prozent innerhalb von zwölf Monaten.
  • Tesla hat eine „Hold“-Bewertung (Halten) und eine Kurspotenzial von 7 Prozent innerhalb von 12 Monaten.
Einer Fusion müssten Aktionäre mit mindestens 50 Prozent aller ausstehenden Tesla-Aktien zustimmen – nicht nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen –, etwas, was Musk als „eine ziemlich hohe Hürde“ bezeichnete.
Die Prognosemärkte erwarten eine offizielle Fusion bis spätestens Dezember 2027.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „From Rockets to Roadsters: SpaceX, Tesla Boards Start Possible $3.5 Trillion Merger“. (deutsche Bearbeitung ks)
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SpaceX auf Billionen-Kurs: Musk setzt auf KI, Starlink und Starship


In Kürze:

  • SpaceX steigerte den Umsatz deutlich und sieht Künstliche Intelligenz als wichtigen Wachstumstreiber.
  • Elon Musk erwartet bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar und setzt auf Starlink sowie Starship.
  • Hohe Investitionen, Verluste und Kursschwankungen zeigen die Risiken der ambitionierten Zukunftspläne.

 
Elon Musk ist bekannt für große Zukunftsvisionen. Auch bei SpaceX setzt der Unternehmer die Messlatte hoch: Das Raumfahrt- und Technologieunternehmen rechnet nach Angaben von Musk damit, bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar zu erreichen. In einer Telefonkonferenz mit Analysten erklärte Musk, dass dieses Ziel nun bereits ein Jahr früher als bisher erwartet erreichbar sein könnte.
Aktuell liegt SpaceX von dieser Marke allerdings noch weit entfernt. Im vergangenen Quartal erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar (rund 6,75 Milliarden Euro). Das entspricht zwar einem Wachstum von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, zeigt aber auch die enorme Dimension des angestrebten Ziels.
Musk sieht vor allem das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz als einen entscheidenden Wachstumstreiber. Die KI-Sparte von SpaceX erzielte im vergangenen Quartal einen Umsatz von rund 2,56 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig investierte das Unternehmen erhebliche Summen in den Ausbau von Rechenzentren und die notwendige Infrastruktur. SpaceX plant, seine KI-Rechenleistung in den kommenden Jahren massiv auszubauen und setzt dabei unter anderem auf Hochleistungschips von Nvidia.
Zum Vergleich: Unter den großen Technologieunternehmen kommt derzeit vor allem Amazon der Umsatzmarke von einer Billion US-Dollar nahe. Der Handels- und Cloud-Konzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 717 Milliarden US-Dollar (rund 620 Milliarden Euro).

Eine SpaceX Falcon-9-Rakete startet mit 22 Starlink-Satelliten vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien am 1. April 2024.

Foto: Mario Tama/Getty Images

Starlink bleibt wichtigster Umsatzbringer

Der wichtigste Geschäftsbereich von SpaceX ist derzeit weiterhin Starlink. Der Satelliteninternetdienst erreichte im vergangenen Quartal einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden US-Dollar und verzeichnete damit ein Wachstum von fast zwei Dritteln gegenüber dem Vorjahr.
Starlink wird inzwischen von Millionen Kunden genutzt, darunter zunehmend auch Fluggesellschaften und Unternehmen. Die Zahl der Nutzer stieg innerhalb von drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen. Das operative Ergebnis des Geschäftsbereichs legte nach Unternehmensangaben um 80 Prozent auf rund 1,66 Milliarden US-Dollar (etwa 1,44 Milliarden Euro) zu.
SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell sieht weiteres Wachstumspotenzial. Sie erklärte, Starlink könne mit leistungsfähigeren Satelliten künftig stärker mit klassischen Mobilfunkanbietern konkurrieren. Besonders in großen Ländern mit lückenhafter Netzabdeckung könnten Satellitenverbindungen eine wichtige Rolle spielen.
Musk selbst erklärte, dass Starlink langfristig einen erheblichen Anteil der weltweiten Internetversorgung übernehmen könnte – zumindest in Regionen, in denen der Dienst zugelassen ist.

Starship als Grundlage für die nächste Wachstumsphase

Neben Starlink gilt die Schwerlastrakete Starship als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte von SpaceX. Das Unternehmen entwickelt die Rakete, um deutlich größere Nutzlasten ins All transportieren zu können als mit bisherigen Systemen.
Musk erklärte, dass SpaceX mit der Falcon-9-Rakete derzeit jährlich etwa 2.500 Tonnen Nutzlast ins All bringe. Mit Starship solle diese Kapazität langfristig auf rund eine Million Tonnen pro Jahr steigen – möglicherweise sogar auf zehn Millionen Tonnen.
Nach Musks Einschätzung könnte Starship bereits innerhalb eines Jahres regelmäßig starten. Allerdings gelten die Zeitpläne des Unternehmers bei früheren Projekten häufig als ambitioniert und wurden teilweise nicht eingehalten.

Starlink-Werbung von Elon Musk am Times Square in New York nach dem SpaceX-Börsengang am 12. Juni 2026.

Foto: ANGELA WEISS / AFP via Getty Images

Hohe Investitionen und Druck auf die Aktie

Der Ausbau von Starship und der KI-Infrastruktur erfordert enorme Investitionen. Nach Angaben von SpaceX lagen die Ausgaben für diese Bereiche zuletzt über den Gewinnen aus dem Starlink-Geschäft. Das Unternehmen schloss das Quartal mit einem Verlust von 541 Millionen US-Dollar ab, nachdem der Verlust im Vorjahreszeitraum noch bei rund einer Milliarde US-Dollar gelegen hatte.
Auch an der Börse verlief die Entwicklung nach dem Börsengang zunächst positiv, bevor die Aktie wieder unter Druck geriet. SpaceX startete im Juni mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie (rund 117 Euro) und einer Bewertung von fast 1,8 Billionen US-Dollar (rund 1,56 Billionen Euro). In den ersten Wochen stieg der Kurs zeitweise auf über 225 US-Dollar (rund 195 Euro), fiel anschließend jedoch wieder unter den Ausgabepreis.
Ein weiterer Faktor für die Kursentwicklung könnte das Ende von Haltefristen für Aktien von Mitarbeitern und frühen Investoren sein. Mehr als 91 Millionen Aktien könnten dadurch zusätzlich handelbar werden. Ein größeres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage kann den Aktienkurs belasten.
Die Bewertung von SpaceX hängt damit stark von den Erwartungen an die Zukunft ab. Entscheidend werden vor allem die Entwicklung von Starlink, der Ausbau der KI-Infrastruktur und der Erfolg von Starship sein.
Mit Material der Deutschen Presse Agenturen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „SpaceX Delivers 1st Earnings Report Since Blockbuster Wall Street Debut“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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SpaceX nimmt mit Börsengang 86 Milliarden Dollar ein

Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX hat mit seinem Börsengang am Freitag rund 86 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) eingesammelt und damit deutlich mehr als die mindestens erwarteten 75 Milliarden Dollar.
Die beteiligten Banken hätten ihre Option ausgeübt und mehr Aktien verkauft als zunächst geplant, teilte SpaceX am Montag, 15. Juni, mit. Insgesamt wurden so 639 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von je 135 Dollar verkauft.
Die Banken hätten Gebühren in Höhe von 500 Millionen Dollar erhalten. Für SpaceX blieben so 85,7 Milliarden Dollar.
Die Aktie war an ihrem ersten Handelstag um mehr als 19 Prozent nach oben geschossen. Am Montag lag der Kurs rund sieben Prozent über dem Ausgabepreis.
SpaceX stellte mit seinem Börsengang alle bisherigen in den Schatten und machte Unternehmenschef Elon Musk zum ersten Billionär der Welt. Sein Vermögen stieg nach dem Börsenstart über die symbolische Marke von 1.000.000.000.000 Dollar, wie das Magazin „Forbes“ auf seiner Echtzeit-Reichenliste bestätigte.
Bei SpaceX ist Musk Vorstandschef, Technikchef und Verwaltungsratsvorsitzender in einer Person. Seinen Einfluss will er mit dem Börsengang noch ausbauen.
Dem Börsenprospekt zufolge kontrolliert Musk nun rund 85 Prozent der Stimmrechte bei SpaceX und hält 42 Prozent des Aktienkapitals – deutlich mehr als in anderen börsennotierten Unternehmen üblich.
Kritiker halten so viel Vermögen und Einfluss in der Hand eines einzigen Mannes für demokratiegefährdend. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres sagte, der Börsengang unterstreiche „das Problem der Ungleichheit“. Jene, die davon profitierten, müssten „alles in ihrer Macht Stehende tun, um alle anderen zu unterstützen“. (afp/red)
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Milliarden-Hype um SpaceX: Sollten Anleger jetzt zugreifen?


In Kürze:

  • Größter Börsengang aller Zeiten: SpaceX will mehr Geld einsammeln als jedes Unternehmen zuvor.
  • Hohe Bewertung: Anleger zahlen hauptsächlich für künftiges Wachstum, nicht für heutige Gewinne.
  • Vorsicht geboten: Viele Börsenneulinge starten stark, bleiben langfristig aber hinter den Erwartungen zurück.

 
Der Kapitalmarkt liebt große Geschichten. Kaum eine ist derzeit größer als die von SpaceX. Wenn das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk wie angekündigt am kommenden Freitag, 12. Juni, an die Nasdaq geht, könnte dies nicht nur der größte Börsengang der Finanzgeschichte werden. Es wäre zugleich ein Testfall dafür, wie viel Anleger derzeit bereit sind, für Tech-Aktien zu bezahlen.
Mit einer angestrebten Bewertung von bis zu 1,8 Billionen US-Dollar (1,56 Billionen Euro) würde SpaceX auf Anhieb zu den wertvollsten Unternehmen zählen. Die Gesellschaft läge damit in einer Größenordnung von Microsoft, Apple oder Nvidia – alles Unternehmen, die jährlich Hunderte Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften und seit Jahren hohe Gewinne erzielen.
SpaceX dagegen steht trotz beeindruckender technologischer Fortschritte noch immer am Anfang eines Geschäftsmodells, dessen langfristige Ertragskraft der Markt erst beweisen muss. Die entscheidende Frage für Anleger lautet daher nicht, ob SpaceX ein außergewöhnliches Unternehmen ist. Daran bestehen kaum Zweifel. Die Frage lautet vielmehr: Ist die Aktie zum Börsenstart ein attraktives Investment?

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Die Größenordnung des Börsengangs ist außergewöhnlich. SpaceX plant nach eigenen Angaben, rund 555 Millionen Aktien zu einem Preis von jeweils 135 US-Dollar (117 Euro) zu verkaufen.
Durch den Verkauf dieser Aktien würde SpaceX rund 75 Milliarden Dollar von Investoren einsammeln. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Gegenwert von mehr als 65 Milliarden Euro. Sollten die beteiligten Banken zusätzlich weitere Aktien verkaufen, könnte die Summe sogar auf knapp 86 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) steigen.
Die Dimension wird im historischen Vergleich deutlich: Der bisher größte Börsengang der Welt stammt vom saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco, der Ende 2019 rund 29,4 Milliarden Dollar bei Investoren einsammelte. SpaceX würde diesen Rekord mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar mit mehr als dem Doppelten übertreffen. Selbst die Wall Street hat einen Börsengang dieser Größenordnung bislang nicht erlebt.

Die Bewertung als zentrale Frage

Das Kapital soll, laut dem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Börsenprospekt vorrangig in drei Bereiche fließen: den weiteren Ausbau des Satelliteninternetdienstes Starlink, die Entwicklung der Schwerlastrakete Starship sowie den Aufbau zusätzlicher KI- und Recheninfrastruktur. Weiter plant das Unternehmen, einen Überbrückungskredit über 20 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) zurückzuführen.
Bemerkenswert ist auch die Eigentümerstruktur. CEO und Gründer Elon Musk wird trotz der erstmaligen Aktienausgabe die Kontrolle behalten. Nach dem Börsengang soll er, laut Angaben von SpaceX, weiterhin rund 83,6 Prozent der Stimmrechte halten.
Anleger erwerben somit zwar Anteile an einem börsennotierten Unternehmen, erhalten jedoch kaum Einfluss auf dessen strategische Ausrichtung. Möglich wird das durch eine Aktienstruktur mit unterschiedlichen Stimmrechten, bei der die von Musk gehaltenen Class-B-Aktien jeweils zehn Stimmen verleihen.

Die Lehren früherer Börsengänge

In der öffentlichen Wahrnehmung wird SpaceX häufig mit spektakulären Raketenstarts, Plänen für Marsmissionen und anderen futuristischen Visionen verbunden. Für Investoren ist jedoch ein anderer Geschäftsbereich entscheidend: Starlink.
Das Satellitennetzwerk hat sich innerhalb weniger Jahre vom ambitionierten Nebenprojekt zur wirtschaftlichen Grundlage des Konzerns entwickelt. Über 12 Millionen Kunden weltweit beziehen inzwischen Internetdienste über das Satellitennetzwerk. Anders als das klassische Startgeschäft liefert Starlink wiederkehrende Umsätze und kalkulierbare Zahlungsströme.
Gerade diese wiederkehrenden Einnahmen erklären einen erheblichen Teil der hohen Bewertung. Die Börse ist grundsätzlich bereit, für Infrastruktur- und Plattformgeschäfte hohe Preise zu zahlen – oft ein Vielfaches der aktuellen Umsätze oder Gewinne.
Chipkonzern NVIDIA wird nicht wegen seiner aktuellen Gewinne so hoch bewertet, sondern weil Anleger auf eine langfristige Dominanz im KI-Markt setzen. Bei SpaceX beruht die Hoffnung auf einer ähnlichen Logik. Starlink könnte sich zu einer globalen Kommunikationsplattform entwickeln.
Doch genau an diesem Punkt beginnt die Unsicherheit. Der Markt für satellitengestützte Kommunikation wird zunehmend umkämpft. Neben traditionellen Telekommunikationsunternehmen investieren auch Amazon und andere Technologiekonzerne Milliardenbeträge in vergleichbare Systeme. Gleichzeitig bleibt unklar, wie hoch die langfristigen Margen tatsächlich ausfallen werden.
Die größte Herausforderung für Anleger liegt jedoch weniger im Geschäftsmodell als in der Bewertung. SpaceX erzielte im vergangenen Jahr, laut dem Börsenprospekt, rund 18,7 Milliarden Dollar Umsatz (16,2 Milliarden Euro). Dem steht eine Börsenbewertung von bis zu 1,8 Billionen Dollar (1,56 Billionen Euro) gegenüber. Das entspricht einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von annähernd 100.

Der Musk-Faktor

Zum Vergleich: Selbst viele der erfolgreichsten Technologieunternehmen der vergangenen Jahre wurden an der Börse deutlich niedriger bewertet. Unternehmen mit einem derart hohen Verhältnis zwischen Unternehmenswert und Umsatz müssen über viele Jahre außergewöhnlich stark wachsen, um die Erwartungen des Marktes zu erfüllen.
Hinzu kommt die Ertragslage. Zwar erwirtschaftete SpaceX zeitweise Gewinne. Insgesamt bleibt das Unternehmen jedoch hochgradig investitionsintensiv. Die Entwicklung neuer Raketensysteme, der Ausbau der Satellitenflotte und die geplanten KI-Investitionen verschlingen enorme Summen.
Für Anleger bedeutet das: Sie kaufen heute nicht die gegenwärtigen Erträge des Unternehmens. Sie kaufen die Hoffnung auf künftige Erträge. Das ist kein ungewöhnliches Phänomen an der Börse. Gerade Wachstumsunternehmen werden häufig auf Basis ihrer Zukunftsaussichten bewertet. Doch je höher die Bewertung bereits zum Börsenstart ausfällt, desto kleiner wird die Fehlertoleranz.
Historisch betrachtet sind Börsengänge für Privatanleger häufig weniger attraktiv, als es die öffentliche Aufmerksamkeit vermuten lässt. Kaum jemand hat Börsengänge so intensiv untersucht wie der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Jay Ritter. Seine Auswertungen zeigen ein wiederkehrendes Muster: Viele Neuemissionen starten mit kräftigen Kursgewinnen. Langfristig können jedoch nur wenige Unternehmen die hohen Erwartungen erfüllen, die Anleger zu Beginn in sie gesetzt haben.

Warum der Börsenhype riskant sein kann

Der Grund liegt in der Mechanik des Börsengangs. Investmentbanken und Altaktionäre bringen Unternehmen meist dann an die Börse, wenn die Marktstimmung günstig ist und hohe Bewertungen durchsetzbar erscheinen. Für die bisherigen Eigentümer ist das rational. Für neue Anleger bedeutet es häufig, dass ein erheblicher Teil der Zukunftserwartungen bereits eingepreist ist.
Beispiele dafür gibt es zahlreiche. Uber galt beim Börsengang 2019 als dominierende Mobilitätsplattform der Zukunft. Dennoch dauerte es Jahre, bis das Unternehmen nachhaltig profitabel wurde. Die Aktie entwickelte sich lange Zeit enttäuschend.
Ähnliches gilt für Uber-Konkurrent Lyft, das Softwareunternehmen UiPath oder zuletzt Zahlungsanbieter Klarna. Viele dieser Unternehmen verfügten zweifellos über innovative Geschäftsmodelle. Die Aktien erwiesen sich dennoch über längere Zeiträume als schlechte Investments, weil die Erwartungen der Anleger zu hoch waren.
Kein anderer Aspekt dürfte die Bewertung von SpaceX so stark beeinflussen wie Musk selbst. Für Befürworter ist Musk der erfolgreichste Technologieunternehmer seiner Generation. Kaum jemand hat so viele Industrien gleichzeitig verändert – von Elektroautos über Raumfahrt bis zu künstlicher Intelligenz.
Musk ist nicht nur Chef von SpaceX, sondern zugleich in zahlreiche weitere Projekte involviert. Seine politischen Aktivitäten und öffentlichen Kontroversen haben bereits mehrfach direkte Auswirkungen auf die Bewertung seiner Unternehmen gehabt.
Der Börsenprospekt weist ausdrücklich darauf hin, dass SpaceX eng mit Musk verbunden bleiben wird. Anleger investieren damit nicht nur in Raketen und Satelliten, sondern auch in die Fähigkeit eines einzelnen Unternehmers, seine ambitionierten Pläne umzusetzen.

Warum Tesla kein Maßstab ist

Viele Privatanleger hoffen auf eine Wiederholung der Tesla-Geschichte. Allerdings ist das eine der großen Ausnahmen der Börsengeschichte. Anleger, die die Aktie beim Börsengang 2010 zeichneten und über Jahre hielten, wurden mit Kursgewinnen belohnt, wie sie selbst im Technologiesektor selten sind. Allerdings startete Tesla damals mit einer Börsenbewertung von 1,7 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro). SpaceX startet mit einer Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar – also mehr als tausendmal höher.
Der Unterschied ist fundamental. Tesla musste seinen Erfolg zunächst beweisen. SpaceX erhält den Vertrauensvorschuss bereits im Voraus. Auch wenn das Unternehmen operativ ähnlich erfolgreich wäre wie Tesla in den vergangenen 16 Jahren, dürfte das Kurspotenzial allein aufgrund der Ausgangsbewertung deutlich geringer ausfallen. Die Mathematik der Kapitalmärkte setzt hier enge Grenzen.
SpaceX ist zweifellos eines der weltweit innovativsten Unternehmen. Mit Starlink verfügt der Konzern über ein wachsendes Infrastrukturgeschäft. Im Raketenmarkt besitzt er eine technologische Führungsposition. Die langfristigen Perspektiven sind beeindruckend.
Für Anleger ergibt sich daraus jedoch nicht automatisch ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Die geplante Bewertung verlangt nahezu perfekte Entwicklung in mehreren Geschäftsbereichen gleichzeitig. Starlink muss seine Marktposition verteidigen, Starship muss technisch und wirtschaftlich funktionieren, und die milliardenschweren Investitionen in neue Technologien müssen sich auszahlen. Schon kleinere Enttäuschungen könnten ausreichen, um die hohen Erwartungen des Marktes zu korrigieren.
Die Geschichte von SpaceX mag erst am Anfang stehen. Für die Aktie gilt das möglicherweise nicht. Ein großer Teil der Zukunft scheint bereits im Ausgabepreis enthalten zu sein. Wer den Börsengang verpasst, verpasst deshalb womöglich nicht die Chance seines Lebens. Er vermeidet vor allem das Risiko, für eine Vision den denkbar höchsten Preis zu bezahlen.