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Kassen warnen vor Pflege-Blockade – „Geld alle“

Die Pflegekassen ermahnen die SPD, die angekündigte Pflegereform nicht zu blockieren. „Nicht zu handeln, wäre fatal“, sagte der Chef des Kassen-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, dpa. „Die Pflegereform muss jetzt in den Deutschen Bundestag kommen.“
Ähnlich äußerte sich die Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, Katrin Staffler (CSU). SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hatte Änderungen an Reformplänen von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) gefordert und mit Blockade gedroht.
Blatt bekräftigte: „In der Pflege herrscht Alarmstufe Rot.“ Dass die Pflege bis Ende des Jahres ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro anhäufen werde, sei lange bekannt. „In wenigen Monaten ist das Geld schlichtweg alle.“ Sein Appell richte sich „aktuell insbesondere an die SPD“, sagte Blatt.

Bevollmächtigte: Gefahr für Versorgung

Unterstützung für die SPD kommt von ver.di. „Die SPD greift die massive Kritik an der geplanten Pflegereform auf, das begrüßen wir sehr“, sagte ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler der dpa. Reformen seien nötig, die die Menschen nicht weiter belasteten.
Auch Deutschlands oberste Verbraucherschützerin Ramona Pop mahnte weitergehende Beratungen der Koalition zur Reform an. Die bisherigen Pläne der Bundesregierung stärkten nicht die pflegerische Versorgung, sondern schwächten sie.
„Leistungen zu kürzen, Kosten auf Pflegebedürftige und Angehörige abzuwälzen und zentrale Versprechen aus dem Koalitionsvertrag hinauszuzögern, wie die Begrenzung der Eigenanteile für Pflegeheimbewohner, sind der falsche Weg“, betonte die Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv) gegenüber der „Rheinischen Post“.
Die Pflege-Bevollmächtigte Staffler kritisierte: „Immer neue Vorschläge der SPD verzögern die dringend nötige Pflegereform.“ Das gefährde die finanzielle Stabilität der Pflegeversicherung und damit die Versorgungssicherheit für Millionen Pflegebedürftige. Die Reform müsse zeitnah ins Kabinett.
Die Arbeiten an einer Strukturreform liefen parallel. Für die private Krankenversicherung warf PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther der SPD „ideologische Forderungen“ vor, mit denen sie die dringend notwendige Reform blockiere.
Der Chef des gesetzlichen Kassenverbands, Blatt, sagte: „Wenn diese mit einer Blockade droht, um Leistungskürzungen zu vermeiden, dann stelle ich fest, dass der Schlüssel für eine gerechtere Lösung im SPD-geführten Finanzministerium liegt.“ Blatt erneuerte die Forderung der Kassen, sogenannte versicherungsfremde Leistungen wie Rentenbeiträge für pflegende Angehörige aus Steuermitteln zu finanzieren. Allein dabei gehe es um fünf Milliarden Euro.

„Privatversicherte müssen Beitrag leisten“

Linnemann hatte angekündigt, seine Reformpläne in der kommenden Woche ins Kabinett zu bringen. Doch SPD-Fraktionschef Miersch sagte der „Bild“: „Ein reines Kürzungspaket macht die SPD-Bundestagsfraktion so nicht mit.“ Es fehlten die notwendigen Strukturreformen. Das könne und müsse sich noch ändern.
Miersch betonte, die Reform müsse Pflege als Aufgabe der ganzen Gesellschaft begreifen. „Deshalb müssen dazu auch Privatversicherte ihren gerechten Beitrag leisten.“ Dafür erwarte er „konkrete Vorschläge“.

Saarland konkretisiert Preisdeckel

Auch die SPD-Vorstellungen für einen Preisdeckel für die steigenden Eigenanteile im Heim nehmen Gestalt an. So schlägt das Saarland ein zweistufiges Modell vor.
In Stufe eins soll der Anteil der Betroffenen auf maximal 1.500 Euro begrenzt werden. Dann sollen die Eigenanteilskosten durch Zuschüsse unter 1.500 Euro fallen. Der Vorschlag ist in einem Brief von Saar-Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) an seine Länderkollegen enthalten, der der dpa vorliegt. Die ARD berichtete zuerst über das Konzept.
Im Juli waren die Eigenanteile allein für die Pflege im Heim auf im Schnitt 3.364 Euro im Monat in Deutschland gestiegen.
Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU), von der Linnemann das Gesundheitsressort übernommen hat, hatte Pläne vorgelegt, bei denen es vor allem um Einsparungen ging.
Neben Einsparungen bei Zuschlägen, die bei den Eigenanteilen Entlastung bringen sollen, waren Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern und strengere Einstufungen in Pflegegrade enthalten.
Linnemann sagte vor wenigen Tagen bei seinen jüngsten Ankündigungen zur Pflege im Bundestag, fürs nächste Jahr müssten Milliarden eingespart werden. Reformbedarf bestreitet auch die SPD nicht. (dpa/red)
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Statt ÖPNV-Tarifdschungel: Fahrscheine für 15 oder 60 Minuten?

Nimmt man eine Einzelfahrt von Zone M bis Zone 4 oder für die Ringe 1 und 2? Reicht das Ticket AB bis zum Flughafen, oder braucht es noch eins für C? Und wie viele Halte gelten eigentlich noch als günstige Kurzstrecke?
Wenn es ums Bus- und Bahnfahren im Nahverkehr geht, rätseln oft nicht nur Touristen, welcher Tarif wohl der richtige und günstigste ist – und steigen dann vielleicht nicht ein. Die Verbraucherzentralen fordern jetzt ein einfaches Preismodell für alle, die nur ab und zu fahren und kein Deutschlandticket nutzen.
Die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop, sagte dpa: „Wer in Deutschland Bus und Bahn nutzt, braucht ein Tarifsystem, das überall gleich funktioniert.“
Das Deutschlandticket sei ein erfolgreicher Anfang, um den Tarifdschungel zu beenden. Das brauche es auch für gelegentliche Nutzer, die weiterhin vor einem unübersichtlichen Flickenteppich aus Verbundgrenzen, Tarifzonen und Ticketangeboten stünden.

Nur noch fünf Ticketarten – nach Fahrtzeit

Die Verbraucherschützer schlagen daher ein Preismodell vor, das sich allein an der „genutzten Zeit“ auf Basis des Fahrplans orientiert.
Konkret sollte es nur noch fünf Ticket-Arten geben – für 15 Minuten, 30 Minuten, 60 Minuten, 120 Minuten und für 24 Stunden. Dieser Tarifansatz sei einheitlich nutzbar, intuitiv und leicht verständlich, heißt es in einem Positionspapier. Das Prinzip müsse von Fahrgästen einmal verstanden werden und könnte dann überall gelten.
„Gerade in Zeiten steigender Spritpreise brauchen Verbraucherinnen und Verbraucher attraktive Alternativen zum Auto“, sagte Pop. Das System sollte digital, aber auch analog etwa mit Fahrscheinautomaten nutzbar sein.
Damit würde der öffentliche Nahverkehr auch für Menschen deutlich einfacher, die nur ab und zu Busse und Bahnen nutzen und auch kein Abo abschließen möchten.
Das 2023 eingeführte Deutschlandticket ist vor allem für Pendler und Vielfahrer interessant und hat inzwischen 14,5 Millionen Kunden. Es ermöglicht Fahrten in allen Bussen und Bahnen des Regional- und Nahverkehrs in Deutschland, ganz unabhängig von Tarifbestimmungen. Es wird als monatlich kündbares Abo angeboten und kostet seit Jahresbeginn 63 Euro im Monat.

Wie viel kostet das D-Ticket im nächsten Jahr?

Für das nächste Jahr soll der Preis erstmals nach einem neuen Index errechnet werden, der Personal-, Energie- und andere Kosten enthält. Eine Bekanntgabe des Preises für 2027 wird demnächst erwartet.
Verbraucherverbände warnten schon mehrfach vor einer weiteren starken Anhebung, nachdem der Preis von zuerst 49 Euro bereits auf 58 Euro und aktuell auf 63 Euro hochgesetzt wurde.
Der Preis des Deutschlandtickets für 2027 wird bald ermittelt. (Archivbild)

Der Preis des Deutschlandtickets für 2027 wird bald ermittelt. (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Allerdings schlagen die gestiegenen Energiepreise auch bei den Verkehrsunternehmen mit ihren Bussen, Zügen, Straßenbahnen und U-Bahnen durch. Da das Deutschlandticket immer noch günstiger ist als übliche regionale Pendler-Abos, schießen Bund und Länder schon jeweils 1,5 Milliarden Euro im Jahr als Ausgleich für Einnahmeausfälle bei Verkehrsunternehmen zu.
Als Flatrate-Angebot, mit dem man sich nicht um Tarifzonen kümmern muss, ist das Deutschlandticket Vorbild für den Vorschlag der Verbraucherzentralen – nur eben nicht gleich für mindestens einen Monat.
Die fünf Ticket-Stufen von 15 Minuten bis 24 Stunden ermöglichten eine ausreichende Differenzierung für unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse, heißt es in dem Positionspapier. Die Fahrtzeit sei, anders als die Strecke oder die Zahl der durchquerten Tarifräume, in der Regel bekannt. Das mache die Wahl des richtigen Tickets auch intuitiver.
Preise nennen die Verbraucherzentralen in ihrem Vorschlag nicht – das neue Modell könne aber insgesamt „erlösneutral“ ausgestaltet werden, also auf dem Niveau der heutigen Fahrpreiseinnahmen.

Mögliche Preise für die fünf Ticket-Arten

In einem für das Konzept in Auftrag gegebenen Gutachten gibt es dazu eine Modellierung auf Basis der Preise von 2026 und mit dem Hinweis, dass dies bei einer möglichen späteren Einführung anzupassen wäre. Demnach könnte ein Ticket für 15 Minuten 2,50 Euro kosten, für 30 Minuten 3,50 Euro, für 60 Minuten 5,00 Euro, für 120 Minuten 6,50 Euro und für 24 Stunden 14,50 Euro.
Ein Ermäßigungstarif könnte jeweils die Hälfte kosten. Und berechnet würde die Fahrtzeit jeweils nach dem Fahrplan, so dass Kunden nicht mehr bezahlen müssen, wenn es Verspätungen oder Ausfälle gibt.
Möglich sei auch, es für flexible digitale Zahlmethoden zu verwenden, die es in einigen Regionen auch schon gibt – indem man sich zum Beispiel per App selbst ein- und auscheckt und der günstigste Fahrpreis dann automatisch berechnet wird. (dpa/red)
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So geht es mit Münchens Olympia-Bewerbung weiter

München soll es richten. Mit der bayerischen Landeshauptstadt geht Deutschland ins Rennen um die Bewerbung für Olympia und Paralympics für die Jahre 2036, 2040 oder 2044.
Nach dem gewonnenen Duell mit Köln-Rhein-Ruhr am Samstag in Baden-Baden müssen sich Sport und Politik nun für den globalen Wettstreit wappnen. Das Ziel ist erstmals seit 1972 wieder die Ausrichtung von Olympischen Spielen in Deutschland.

Vor welchen Hürden steht die Münchner Bewerbung?

In allererster Linie geht es darum, sich international in eine gute Position zu bringen. „Wir müssen quasi ab morgen loslegen“, sagte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) nach dem DOSB-Entscheid vor dem Hintergrund, dass schon für 2036 eine Vergabe an die drittgrößte Stadt Deutschlands möglich ist.
Der Kern der Bewerbung soll so bleiben, auch an den vorgesehenen Wettkampfstätten wollen die Verantwortlichen nicht rütteln. Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und der Segelwettbewerbe in Kiel sollen sämtliche Events in Bayern stattfinden.
DOSB-Präsident Thomas Weikert sieht die Münchner Olympia-Bewerbung auch international mit guten Chancen.

DOSB-Präsident Thomas Weikert sieht die Münchner Olympia-Bewerbung auch international mit guten Chancen.

Foto: Marijan Murat/dpa

Das Konzept wollen die Verantwortlichen aber weiter verbessern und optimieren – und sich möglicherweise etwas von den nationalen Kontrahenten Köln-Rhein-Ruhr, Berlin und Hamburg abschauen.
„Erst mal ist das Konzept München maßgebend. Natürlich wird es bei den anderen Konzepten Ideen geben, die vielleicht in München noch nicht vorhanden sind“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert und fügte hinzu: „Wir wollen ja eine maximal gute Bewerbung haben, damit wir international eben eine Chance haben, die Spiele hierherzuholen.“
Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) muss Deutschland Detailpläne und finanzielle Garantien vorlegen, bevor die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 im März 2027 abgeschlossen sein soll.
Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Krause geht von Kosten in Höhe von rund zehn Milliarden Euro aus. „Fünf Milliarden Eventkosten und fünf Milliarden Infrastrukturkosten, wobei es bei den Eventkosten so ist, dass die sich in der Vergangenheit – soweit ich weiß – selbst getragen haben“, sagte der Grünen-Politiker.
Für die Stadt München seien vor allem die Infrastrukturkosten relevant. „Sprich das olympische Dorf, der Ausbau des ÖPNV“, erklärte Krause.
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause hofft auf Unterstützung durch den Bund.

Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause hofft auf Unterstützung durch den Bund.

Foto: Marijan Murat/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von mehreren Finanzierungssäulen. „Das ist das Sponsoring, das ist die Stadt, das ist das Land und dann am Ende auch der Bund.“ Mit dem Bund wolle man nun schnellstmöglich reden, „inwiefern er sich auch beteiligen wird“, sagte Krause.
„Denn wir können mit den Infrastrukturplanungen nicht warten, bis die Entscheidung des IOC gefallen ist, sondern wir müssen jetzt eigentlich loslaufen.“ Gut für München: Die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung unterstützt eine deutsche Olympia-Bewerbung.

Wer sind die Konkurrenten von München?

Die Hauptkonkurrenten dürften aus Europa kommen. Denn Deutschland will dann mit einer Bewerbung überzeugen, wenn das IOC die Sommerspiele an einen europäischen Bewerber vergibt. Möglich ist 2029 auch eine Doppelvergabe für 2036 und 2040 an Asien und Europa.
Neben München haben Budapest und Istanbul Olympia-Pläne – auch Madrid, der Norden Großbritanniens und Italien mit der Toskana prüfen einen Anlauf.
Doch offen ist, ob die genannten Kandidaten auch tatsächlich dann ins Rennen um die Vergabe gehen und ihre Pläne konkretisieren – oder sich frühzeitig von der Idee verabschieden. Aus Asien gelten Indien und Katar als mögliche Bewerber.

Wie stehen die Chancen im internationalen Wettstreit?

Das ist noch relativ offen. Bislang lässt sich das IOC nicht in die Karten schauen – zumal die Konkurrenz ja noch nicht feststeht. Der DOSB rechnet sich durchaus große Chancen auf den Zuschlag aus.
„Der Standort Deutschland ist auch im IOC bekannt als guter Standort, um es ganz bescheiden zu formulieren“, sagte Weikert und fügte hinzu: „Wir können mit unserer Bewerbung ein Angebot machen – und wir haben ein gutes Angebot.“ Wie das IOC dann aber entscheidet, könne man „nur schwer beeinflussen“, so der 64-Jährige. (dpa/red)
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SMR: So steht es weltweit um die Mini-Kernkraftwerke


In Kürze:

  • In immer mehr Ländern werden SMR-Anlagen, kleine modulare Kernreaktoren, entwickelt.
  • Vorreiter sind Russland und China mit bereits laufenden Reaktoren.
  • In Kanada befindet sich ein Reaktor in der Bauphase und könnte 2030 fertig sein.
  • Rolls-Royce SMR hat mit mehreren europäischen Staaten bereits Verträge zum Bau von SMR-Anlagen geschlossen.
  • In Deutschland ist die kommerzielle Nutzung der Kernkraft weiterhin verboten.

 
Den neuen Trend in der Stromgewinnung durch Kernkraft markieren SMR, sogenannte Small Modular Reactors beziehungsweise kleine modulare Kernreaktoren. Sie sind deutlich kleiner und leistungsschwächer – der Definition nach maximal 300 Megawatt (MW) – als die Reaktoren großer konventioneller Kernkraftwerke. Allerdings sollen sie dafür flexibler einsetzbar und aufgrund Serienfertigung günstiger sein.
Diese Technologie steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Weltweit gibt es kaum Anlagen, die sich bereits im kommerziellen Betrieb befinden. Dafür existieren umso mehr, die sich im Bau, in der Test- oder Planungsphase befinden.
Auch wenn Deutschland vor gut drei Jahren aus der kommerziellen Stromerzeugung durch Kernkraft ausgestiegen ist, setzen viele Länder weiterhin auf nukleare Brennstoffe. Einige Staaten wie Italien, Polen, Norwegen oder die Türkei wollen sogar einsteigen. Somit besitzt auch das Interesse an SMR-Anlagen eine internationale Tragweite.
Kernkraft Länder, Europa, Karte

Status Quo verschiedener Länder hinsichtlich Kernkraft. In Klammern jeweils die Anzahl der in Betrieb befindlichen Reaktoren.

Foto: Canva/Epoch Times, Daten: World Nuclear Association

Bestehende SMR in Russland und China

Aktuell sind nur zwei kommerzielle SMR-Anlagen in Betrieb. Eine davon befindet sich im Nordosten von Russland – nicht an Land, aber auf See. Die „Akademik Lomonossow“ ist das erste und einzige in Betrieb befindliche schwimmende Kernkraftwerk mit kleinen modularen Reaktoren. Sie steht am Hafen der Stadt Pewek im Autonomen Kreis der Tschuktschen.
Der SMR besteht aus zwei Druckwasserreaktoren des Typs KLT-40S mit je 38,5 MW elektrischer Leistung, in Summe also 77 MW. Die Anlage läuft seit Mai 2020 und soll eine Lebensdauer von voraussichtlich 40 Jahren besitzen.

Das schwimmende Kernkraftwerk Akademik Lomonossow am Hafen der Stadt Pewek.

Foto: Bildschirmfoto/Google Maps

Der schwimmende Reaktor liefert Strom und Fernwärme für die abgelegene Arktisregion. Alle 3,5 Jahre ist der Austausch aller Brennelemente vorgesehen. Theoretisch kann diese Anlage eine Stadt mit bis zu 100.000 Einwohnern mit Strom versorgen.
Die zweite SMR-Anlage befindet sich in der chinesischen Stadt Rongcheng in der Provinz Shandong. Sie besteht ebenfalls aus zwei Reaktoren, die gemeinsam eine elektrische Leistung von 210 MW aufweisen. Im Gegensatz zur Akademik Lomonossow funktioniert das Kernkraftwerk Shidaowan auf Grundlage eines gasgekühlten Hochtemperatur-Kugelhaufenreaktors (HTR-PM).
Seit Dezember 2023 befindet sich der chinesische Reaktor im kommerziellen Betrieb. Es ist somit der weltweit erste HTR-PM in SMR-Form, die technische Grundlage hingegen wurde vor mehr als 50 Jahren in Deutschland entwickelt. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Sicherheit der Anlage. Sollte der Primärkreislauf zum Erliegen kommen, kühlt er von selbst ab, sodass eine Kernschmelze nicht möglich ist. Auch wenn die Kühlmittelleitungen des Primärkreislaufs reißen, schmilzt der Reaktorkern nicht und kühlt sich durch natürliche Konvektion selbst ab.

Weitere SMR im Bau

Darüber hinaus sind weltweit aktuell keine anderen SMR-Anlagen im kommerziellen Betrieb. Doch das dürfte sich bald ändern. China und auch Russland wollen weitere SMR ans Netz bringen. So steht in der chinesischen Hafenstadt Changjiang auf der Insel Hainan der „Linglong One“ oder „ACP100“ kurz vor der Fertigstellung. Die Leistung des Druckwasserreaktors soll 125 MW betragen.
Nach mehreren Testläufen soll der ACP100 noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Mitte 2021 begannen die Bauarbeiten. Der Reaktor könne jährlich eine Milliarde Kilowattstunden Strom erzeugen – genug, um den Bedarf von 526.000 Haushalten zu decken. Neben der reinen Stromerzeugung soll die Anlage auch für Heizung, Dampferzeugung oder Meerwasserentsalzung ausgelegt sein.
Bis der nächste SMR in Russland betriebsbereit ist, dürften noch ein paar Jahre vergehen. Der neue „BREST-OD-300“, ein bleigekühlter schneller Reaktor mit 300 MW, befindet sich noch in der Bauphase. Die Fertigstellung ist auf Winter 2027/2028 angesetzt. Gleichzeitig plant das Land den Bau von weiteren schwimmenden SMR. Dazu hat die Maschinenbauabteilung der Kernenergiebehörde Rosatom bereits entsprechende RITM-200C-Reaktoren mit je 58 MW hergestellt.
In Asien will auch Usbekistan in die Kernkraft einsteigen. Dazu hat sich das zentralasiatische Land für russische RITM-200N-Reaktoren entschieden. Zunächst waren dort insgesamt sechs wassergekühlte Druckwasser-SMR mit je 55 MW angedacht. Inzwischen stellten die Beteiligten den Vertrag auf noch zwei RITM-200N-Reaktoren plus zwei größere VVER-1000-Rektoren am selben Standort. Wenn alles nach Plan verläuft, soll ein erster Reaktor Ende 2029 ans Netz gehen.

Amerika will nachziehen

Weitere Länder, die momentan SMR errichten, sind Kanada, die USA und Argentinien. In Kanada befindet sich der Darlington SMR-1 aktuell in der Bauphase. Es handelt sich um das Modell BWRX-300. Als Baubeginn nennt der Weltverband der Kernenergie den 26. Juni 2026. In den Monaten zuvor wurden bereits Vorarbeiten getätigt und das Fundament errichtet. Wenn die Anlage fertiggestellt ist, soll der Reaktor eine elektrische Leistung von 300 MW liefern – und könnte der erste SMR im Westen sein.

Im April 2026 erfolgte der Einhub der knapp 1.000 Tonnen schweren Grundplatte des SMR in Darlington, Kanada.

Ebenso baut das US-amerikanische Unternehmen TerraPower seit April 2026 im US-Bundesstaat Wyoming einen Natrium-Reaktor. Die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen – wobei die Anlage auf 345 MW Leistung kommen soll und somit über dem Limit eines SMR liegt. Zudem soll der natriumgekühlte Schnellreaktor seine Leistung vorübergehend für rund fünf Stunden auf 500 MW erhöhen kann. So soll die Anlage auf die täglichen Stromlastwechsel durch „erneuerbare“ Energiequellen flexibel reagieren können.
Die Genehmigung für den Natrium-Reaktor erfolgte im März 2026 durch die Nukleare Regulationsbehörde (NRC). Diese teilte der Epoch Times auf Anfrage mit, welche weiteren SMR-Projekte es aktuell in den Vereinigten Staaten gibt. Hierzu zählen eine Designzertifizierung des Unternehmens NuScale, wobei das Projekt 2023 eingestellt wurde, und ein Mikroreaktor von eVinci in der Planungsphase. Gleichzeitig prüft das NRC seit 2019 mehrere Berichte und Dokumente zu einem eigenen BWRX-300-Reaktor.
Darüber hinaus erhielt auch der Demonstrationsreaktor Hermes 2 des US-Unternehmens Kairos eine Baugenehmigung und befindet sich im Bau. Der 50-MW-Reaktor soll Google-Rechenzentren in Tennessee und Alabama versorgen und dazu beitragen, diese zu dekarbonisieren.
Seit 2014 versucht auch Argentinien mit dem CAREM-25 eine SMR-Anlage zu errichten. Gravierende technische und finanzielle Schwierigkeiten bremsten das Projekt vor einigen Monaten vorerst aus. Inzwischen plant das südamerikanische Land mit dem ACR-300 einen Leichtwasser-SMR mit 300 MW zu bauen. Auch hier ist nicht vor 2030 nicht mit der Fertigstellung zu rechnen. Die Kosten sind auf umgerechnet gut eine Milliarde Euro veranschlagt.

Deutschland hält sich raus

Das aktuelle deutsche Atomgesetz verbietet hierzulande die kommerzielle Stromerzeugung aus Kernenergie. Entsprechend existieren keine Pläne, auf deutschem Boden einen SMR zu errichten.
Lediglich flammen in der politischen Debatte vereinzelte Zustimmungen zu einer Rückkehr zur Kernkraft auf. So sprach sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im März dieses Jahres für den Bau von SMR-Anlagen aus. Die in vielen Umfragen führende Oppositionspartei AfD befürwortet eine vollständige Rückkehr zur Kernkraft.

Heiße Kandidaten in Europa

In Europa plant unter anderem Rumänien den Bau eines SMR geplant. Es traten zuletzt jedoch Komplikationen bei Grundstückskauf, Finanzierung und Zeitplan auf.
Konkrete Pläne zu SMR-Anlagen haben zudem Großbritannien, die Tschechische Republik und Schweden. Rolls-Royce SMR teilte der Epoch Times mit, dass das Unternehmen bereits „vertragliche Verpflichtungen“, mit diesen Ländern abgeschlossen habe. Laut eigenen Angaben sei Rolls-Royce SMR Europas führender Anbieter von SMR-Technologie.
„In Europa sollen unsere ersten Anlagen im Vereinigten Königreich und in der Tschechischen Republik Mitte der 2030er Jahre in Betrieb gehen“, teilte ein Sprecher von Rolls-Royce SMR mit. Die ersten Inbetriebnahmen seien voraussichtlich im Vereinigten Königreich mitsamt Netzeinspeisung zu erwarten.
Ein aktuelles Einstiegsland bei der Kernkraft ist die Türkei. Neben konventionellen Großreaktoren konzentriert sich das transkontinentale Land auch auf SMR. Bis 2050 will die Türkei eine SMR-Kapazität von insgesamt 5.000 MW erreichen. Interesse an der SMR-Technologie haben ebenfalls Belgien, Italien, Dänemark bekundet.

Wann sind SMR massentauglich?

Noch befinden sich die meisten SMR-Anlagen in der Planungs- oder Bauphase. Mit weltweit gerade einmal zwei in Betrieb befindlichen Reaktoren kann bislang nicht von einer Massentauglichkeit die Rede sein. Die Komplikationen etwa in Argentinien und Rumänien zeigen, welche Schwierigkeiten es auf dem Weg bis dorthin noch gibt.
Rolls Royce SMR teilte hierzu optimistisch mit: „SMRs befinden sich bereits auf dem Weg von der Entwicklung zum Einsatz, wobei in Europa mehrere Projekte voranschreiten.“ Das Unternehmen rechnet mit einer „breiteren Einführung, sobald die ersten Projekte dieser Art fertiggestellt sind und nationale Programme im Laufe der 2030er Jahre ausgebaut werden“.
Bisher steht der Massentauglichkeit von SMR noch die Finanzierung im Weg. Das zeigen manche Projekte wie in Kanada und in Rumänien, die sich bei Folgeschätzungen kostspieliger entpuppten.
Eine aktualisierte Datenbank über SMR-Projekte und Unternehmen weltweit bietet das SMR-Dashboard der Nuklearen Energieagentur (NEA).
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Erste Gespräche seit Jahren: Wadephul trifft Lawrow

Bundesaußenminister Johann Wadephul hat sich in New York mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow getroffen. Das erste bilaterale Treffen der Außenminister der beiden Länder seit Jahren fand am Rande der UN-Generaldebatte in einem Besprechungszimmer der russischen Seite im UN-Gebäude statt.
Das Treffen dauerte gut 20 Minuten und endete mit einem Handschlag beider Minister.
Die deutsche Seite habe um das Treffen gebeten, zitierte die Nachrichtenagentur Tass die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.
Es ist das erste Gespräch auf dieser Ebene seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022. Seitdem waren deutsche und russische Regierungsvertreter zwar bei verschiedenen internationalen Treffen gemeinsam vertreten, direkte Gespräche auf Außenministerebene blieben jedoch aus.

Wadephul sieht russische Angriffe auf „neuer Stufe“

Das Treffen in New York findet vor dem Hintergrund anhaltender Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges statt. Wadephul und Lawrow halten sich wegen der Generaldebatte der Vereinten Nationen in der US-Metropole auf. Zunächst war nicht bekannt, welche konkreten Themen die beiden Außenminister besprachen.
Wadephul hatte erst vor wenigen Tagen seine Sorge vor einer weiteren Eskalation geäußert. Er warf Russlands Präsident Wladimir Putin angesichts zunehmender hybrider Attacken eine Eskalation der Aggression gegen Europa vor.
„Russlands hybride Angriffe gegen diejenigen, die die Ukraine und das Völkerrecht unterstützen, haben eine neue Stufe erreicht“, kritisierte der CDU-Politiker bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen.
Die Bundesregierung macht Russland für einen versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und hat einen Sanktionskatalog gegen Moskau angekündigt.
Dazu gehört die Kündigung des Vertrags für den Betrieb des Russischen Hauses in Berlin, das im Verdacht steht, als Kulturinstitut getarnt für Spionagezwecke zu dienen. Moskau wies die Vorwürfe zurück und kündigte Gegenmaßnahmen an.
In der Folge ordnete Russland unter anderem die Schließung der Goethe-Institute im Land an.

Medwedew: Deutschland hat Bestrafung verdient

Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, erklärte zudem, dass Deutschland sich mit seiner „russlandfeindlichen Politik“ eine echte Bestrafung verdient habe.
Konkret nannte der Ex-Präsident „direkte Schläge“ gegen Rüstungsbetriebe in Deutschland, die Militärgüter an die Ukraine liefern. (dpa/red)
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München ist deutscher Kandidat für Olympia

München ist der Kandidat für eine deutsche Bewerbung um Olympia und Paralympics für 2036, 2040 oder 2044.
Die bayerische Landeshauptstadt setzte sich bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in Baden-Baden im Duell mit Köln-Rhein-Ruhr durch. Das verkündete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Seite von DOSB-Chef Thomas Weikert. Die Bewerbung sei „eine Riesenchance für ganz Deutschland“, sagte Steinmeier.
München galt vor der geheimen Abstimmung als Favorit. Prüfer des DOSB hielten das Münchner Konzept schon vor dem Votum für am besten geeignet, wie aus einer Bewertung durch die Evaluierungskommission hervorging.
Der Vorschlag Münchens schnitt dabei knapp besser ab als der des Kontrahenten Köln-Rhein-Ruhr. Mit Ausnahme von Fußballspielen in Stuttgart und den Segelwettbewerben in Kiel sollen sämtliche Wettkämpfe in Bayern stattfinden.

Letztmals 1972 Olympische Spiele in Deutschland

München hat die Chance, Olympia zum ersten Mal seit den Sommerspielen 1972 wieder nach Deutschland zu holen. Auch damals war München Gastgeber dieses sportlichen Großereignisses. Seitdem gab es mehrere gescheiterte deutsche Bewerbungen um Sommer- und Winterspiele.
Nun hofft der DOSB auf eine Rückkehr der Olympischen Spiele nach Deutschland. National punktete die bayerische Landeshauptstadt mit der Unterstützung der Politik und der Bevölkerung. Bei einer Bürgerbefragung im vergangenen Oktober sicherte sich München eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Olympia-Pläne.
2013 war in der drittgrößten Stadt Deutschlands eine Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2022 noch an einem Bürgerentscheid gescheitert. Damals lehnte eine Mehrheit die Pläne ab.

Hamburg und Berlin verabschiedeten sich vorzeitig

Neben München und Köln-Rhein-Ruhr hatten auch Hamburg und Berlin Olympia-Pläne geschmiedet. Doch anders als in München und auch in Köln-Rhein-Ruhr stimmte in Hamburg die Mehrheit der Bevölkerung bei einer Bürgerbefragung gegen das Olympia-Konzept.
Berlin zog die Bewerbung zwei Tage vor der Abstimmung zurück. Zum einen schnitt die Hauptstadt bei der DOSB-Evaluierung deutlich schlechter ab als die Konkurrenz.
Zum anderen wurden die Olympia-Befürworter im Senat bei der Wahl des Abgeordnetenhauses am vergangenen Sonntag abgewählt. Stattdessen gewann die Wahl die Linke. Ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp, die neue Regierende Bürgermeisterin werden könnte, lehnt Olympia in Berlin ab.

Nun geht’s im internationalen Wettbewerb weiter

Für den DOSB und München als Bewerberstadt geht es darum, sich nun auch im internationalen Wettstreit in Stellung zu bringen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Detailpläne und finanzielle Garantien vorzulegen. Mit ikonischen Wettkampfstätten wie dem Olympiapark und weltweiter Strahlkraft will München auch international punkten.
Der neue Sport-Staatsminister Ronald Rauhe warb für eine Bewerbung, die Menschen begeistern könne. „Vielleicht ist es genau das, was Deutschland gerade gut gebrauchen kann: ein großes gemeinsames Ziel. Wenn wir gemeinsam an etwas glauben, dann können wir gemeinsam etwas erreichen“, sagte der Kanu-Olympiasieger.
Die erste Vorauswahl für die Vergabe der Sommerspiele 2036 soll im März 2027 abgeschlossen sein. Die nächste Phase strategischer Verhandlungen würde dann bis Ende 2028 laufen, ehe in den letzten Monaten bis zur entscheidenden IOC-Session Mitte 2029 nur noch die aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen verbleiben.
Offen ist, ob das IOC für 2036 einen Kandidaten aus Asien oder Europa bevorzugt. Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für die Sommerspiele in zehn Jahren. Erwogen wird beim IOC auch eine Doppelvergabe der Spiele 2036 und 2040.
Der DOSB will in jedem Fall dann mit einer überzeugenden Bewerbung bereitstehen, wenn Europa gefragt ist. Neben München haben in Europa Budapest und Istanbul Olympia-Pläne – auch Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana prüfen einen Anlauf. (dpa/red)
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„Freiheit hat ihren Preis“: Nach 26 Jahren Petitionen sucht chinesischer Unternehmer Asyl in Deutschland


In Kürze:

  • Nach einer abenteuerlichen Flucht gelang es dem chinesischen Unternehmer Shen Qijia nach Deutschland zu kommen und hier Asyl zu beantragen.
  • Die chinesischen Behörden haben ein Teil von Shens Vermögen vor 26 Jahren  beschlagnahmt und ihm trotz wiederholter Petitionen nicht zurückgegeben.
  • Nach 300 gescheiterten Petitionen wurde Shen zu einem bekannten Kritiker des Regimes.
  • Aus Protest trat Shen öffentlich aus der Partei aus.

In China ist er im Internet unter dem Namen „Jinglei 惊雷“ (auf Deutsch: Donnergrollen) für seine kritische Stimme gegen das kommunistische Regime bekannt.
Der 64-jährige Unternehmer Shen Qijia gab am 12. September auf X bekannt, dass er nach einer abenteuerlichen Reise aus China geflüchtet und über mehrere europäische Länder nach Deutschland gekommen sei. Er beschrieb die Reise als verzweifelten Versuch, die freie Welt zu erreichen.
„Ich habe es geschafft“, sagte Shen der chinesischen Ausgabe der Epoch Times, als er in Deutschland ankam.
Die Reise hatte ihn körperlich sehr erschöpft. Er war mehrere Tage lang im bergigen Gelände zu Fuß unterwegs und war nun kaum noch in der Lage, zu stehen.
„Freiheit hat ihren Preis“, so Shen.

Vom erfolgreichen Unternehmer zum Regimekritiker

Shens Flucht erfolgte nach 26 Jahren zunehmender öffentlicher Kritik an der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Grund dafür war ein jahrzehntelanger Streit mit dem Regime über enteignetes Eigentum.
1997 gründete Shen ein Einzelhandelsunternehmen in der südchinesischen Metropole Shenzhen und wurde damit erfolgreich. Im Jahr 2000 schlossen die Behörden eine seiner Tochtergesellschaften und warfen ihm unter anderem „falsche Angaben zum Stammkapital“ und Betrug vor.
Er wurde von der Polizei verhaftet und 118 Tage lang festgehalten, bis die Staatsanwaltschaft den Haftantrag ablehnte.
Nach seiner Freilassung forderte Shen die Rückgabe von Vermögen im Wert von rund 4,8 Millionen Yuan (circa 620.000 Euro), das seiner Aussage nach beschlagnahmt worden sei. In den folgenden 26 Jahren habe er sich seinen Angaben zufolge über 300-mal mit Petitionen an die Behörden gewandt. Fünfmal wurde er verhaftet und jeweils für mehr als 15 Tage inhaftiert.
Er gab an, etwa umgerechnet circa 1.300 Euro an staatlicher Entschädigung erhalten zu haben. Die Polizei von Shenzhen zahlte circa 117.000 Euro zurück und die Bezirksregierung weitere circa 26.000 Euro. Laut Shen sei der Restbetrag nie zurückerstattet worden.

Öffentlicher Austritt aus der Partei

Im Laufe der Jahre brachten ihn seine wiederholten Petitionen in Konflikt mit den Machthabern des Regimes. Schließlich wurde er zu einem Online-Influencer, der die KPCh auf chinesischen Plattformen wie Weibo oder Douyin kritisierte. Petitionen sind in China ein Verwaltungsverfahren, um Beschwerden vorzubringen. In der Praxis schikaniert und verfolgt das Regime jedoch regelmäßig Petenten, die eine abweichende Meinung äußern.
Im März 2026 veröffentlichte Shen ein Video, in dem er die Behörden dafür kritisierte, dass sie seine Livestreams blockiert hatten. In einem anschließenden Interview mit der Epoch Times erklärte er, dass ihn die erlittenen Schäden dazu veranlasst hätten, seine Sicht auf das Regime grundlegend zu ändern.
„Ich selbst habe mich bereits erhoben“, sagte er.
Im Juli sei die Polizei erneut zu ihm nach Hause gekommen, nachdem er während einer Live-Übertragung eine Rede von US-Präsident Donald Trump auf Chinesisch vorgelesen hatte. Er sagte, die Polizei habe ihn unter Druck gesetzt, sich nicht mehr öffentlich zu äußern.
Anschließend veröffentlichte Shen unter seinem echten Namen eine Erklärung auf der Website des „Global Service Center for Quitting the CCP“ (Globales Servicezentrum zum Austritt aus der KPCh), in der er seinen Austritt aus den Jungen Pionieren der Partei bekannt gab. Dies ist eine Organisation, der er bereits als Kind beigetreten war und deren Mitgliedschaft an chinesischen öffentlichen Schulen obligatorisch ist.
Das in New York ansässige, gemeinnützige „Global Service Center“ unterstützt Chinesen beim Austritt aus der KPCh. Es wurde kurz nach der Veröffentlichung der Artikelserie „Neun Kommentare zur Kommunistischen Partei Chinas“ durch die Epoch Times im Jahr 2004 gegründet.

„Es geht darum, die KPCh zu stürzen“

Shen sagte, dass seine Social-Media-Konten in China nach seinem Austritt aus der KPCh gesperrt worden seien, seine jahrelangen Aktivitäten hätten sich jedoch gelohnt. Er beabsichtige nicht, China zu verlassen, nur um seine persönliche Freiheit zu genießen.
„Ich gehe nicht ins Ausland, um die Freiheit der freien Welt zu genießen, sondern um für die Freiheit zu kämpfen“, sagte er. „Es geht darum, die KPCh zu stürzen.“
Shen nannte das Massaker auf dem Tian’anmen-Platz 1989, die Verfolgung von Falun-Gong-Praktizierenden seit 1999 und die Unterdrückung der Weißblatt-Bewegung gegen den Lockdown im Jahr 2022 als Beispiele für die Verbrechen des Regimes.
„Seit die KPCh 1949 an die Macht kam, sind ihre Verbrechen zu zahlreich, um sie alle aufzuzählen“, sagte er. „Sie haben viele ungeheuerliche Verbrechen begangen, und wir müssen sie dafür zur Rechenschaft ziehen.“

Flucht aus China

Laut Shen habe er China schon lange verlassen wollen, habe jedoch von den Behörden keinen Reisepass erhalten. Als er am Abend des 26. August erfuhr, dass die Behörden ihn bald festnehmen würden, hatte er nicht einmal Zeit, sich von seiner Familie zu verabschieden. Innerhalb von 20 Minuten verließ er seine Wohnung und fuhr unter dem Schutz der Dunkelheit mehrere Hundert Kilometer direkt zur Grenze.
Zu seiner Überraschung verlief die Ausreise außergewöhnlich reibungslos. „Es war seltsam, wundersam und auch ein großes Glück“, sagt er. Schlagartig fühlte er sich erleichtert: „Sobald ich China verlassen hatte, war ich so gut wie in Sicherheit – endlich aus dem Gefängnis der kommunistischen Banditen entkommen.“
Nach der Ausreise gelangte Shen nach mehreren Umwegen an die Grenze von Bosnien-Herzegowina mit Kroatien. Von dort aus lief er zu Fuß durch die kroatischen Berge nach Slowenien weiter.
Die Tage, in denen er die Berge überquerte, waren nicht einfach. Shen berichtete der Epoch Times:
„Tief in den Bergen und im Wald habe ich Verzweiflung erlebt. Beim Bergsteigen stürzte ich fünf oder sechs Meter in die Tiefe und hatte das Gefühl, mir die Hüfte gebrochen zu haben. Ich ging und kletterte weiter, denn es war dunkel und überall waren steile Abgründe. Beinahe wäre ich in einen tausend Meter tiefen Abgrund gestürzt.“
Wiederholt stürzte er, immer wieder rappelte er sich auf – Shen gab nicht auf. Er hielt an seiner Überzeugung fest: „Auch wenn ich sterben sollte, werde ich meine Seele in die freie Welt mitnehmen. Ich möchte nicht mein ganzes Leben lang unter der Kontrolle dieses Gefängnismodells der Kommunistischen Partei stehen.”

Asylantrag in Deutschland

Shen berichtete, dass er auf seinem Weg nach Slowenien vielen Chinesen begegnet sei, die „keine Angst vor dem Tod“ gehabt hätten. Unter ihnen waren Familien mit mehreren Kindern, Väter mit ihren Töchtern, Senioren, die kurz vor ihrem 70. Geburtstag standen, sowie junge Menschen.
Ihre Gründe, das chinesische Festland zu verlassen, waren unterschiedlich: Einige suchten nach Möglichkeiten, Geld zu verdienen und sich weiterzuentwickeln, andere taten es für die Zukunft ihrer Kinder und wieder andere, wie er, wurden durch Repressionen zur Flucht gezwungen.
In Deutschland plant er, politisches Asyl zu beantragen und seinen Aktivismus von außerhalb Chinas fortzusetzen. Sobald sich die Lage stabilisiert habe, wolle er den chinesischen Bürgern, die weiterhin vom Festland fliehen wollten, mit konkreten Taten helfen.
Da er sein Zuhause in aller Eile verlassen musste, hatte er keine Zeit, sich von seiner Frau zu verabschieden. Nach einem Videoanruf mit ihr kamen ihm die Tränen. „Ich hoffe, dass sie gut auf sich aufpasst. Sobald der richtige Zeitpunkt gekommen ist, werde ich meine Frau zu mir holen.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Chinese Entrepreneur Who Spent 26 Years Petitioning the Regime Escapes to Germany“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: yh)
Mit Material von epochtimes.com
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SPD stellt sich gegen geplante Kürzungen bei der Pflege

Kurz vor einem geplanten Kabinettstermin für Pflegereform-Pläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann hat die SPD sich gegen Kürzungen ausgesprochen. Bei der Pflege gehe es gerade um richtig viel, erklärte Generalsekretär Tim Klüssendorf am Abend. „Dabei drohen vor allen Dingen für Pflegende, für Pflegebedürftige, aber auch ihren Angehörigen massive Kürzungen. Doch das lassen wir nicht zu.“ Er betonte: „Wir akzeptieren keine Leistungskürzung in der Pflege.“ Klüssendorf forderte mehr Entlastungen für Pflegeheimbewohner und eine weitergehende Neuordnung der Finanzierung.
Offen ließ der Sozialdemokrat in seiner auch in einem Instagram-Video verbreiteten Stellungnahme, was das mit Blick auf Linnemanns Pläne bedeutet. Der CDU-Minister will in der kommenden Woche einen Gesetzentwurf ins schwarz-rote Kabinett bringen, der die Finanzen der gesetzlichen Pflegeversicherung im nächsten Jahr stabilisieren soll. Die Pflegekassen stehen stark unter Druck, für 2027 wird ein Milliardendefizit erwartet. Nach Informationen aus Koalitionskreisen laufen zu Linnemanns Vorhaben noch Gespräche.

SPD fordert Deckelung der Pflege-Eigenanteile

Wenn es nach der SPD gehe, „dann wollen wir Pflegebedürftige zukünftig spürbar entlasten“, sagte Klüssendorf. Er verwies dabei auf den Vorschlag eines Pflegedeckels, den die saarländische SPD-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in die Diskussion gebracht hatte – also eine Deckelung des Eigenanteils an den Kosten für einen Platz im Pflegeheim.
„Damit wollen wir verhindern, dass Menschen und ihre Familien von den Pflegekosten finanziell überfordert werden“, sagte Klüssendorf. „Außerdem wollen wir ein gerechtes und solidarisches System, in das alle einzahlen, oder zumindest einen fairen finanziellen Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung.“
Rehlinger hatte dafür geworben, den Eigenanteil für Pflegebedürftige bei 1.500 Euro zu deckeln. Nach einer Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen mussten mit Stand 1. Juli im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt 3.364 Euro im Monat aus eigener Tasche gezahlt werden.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis wurde konkreter, wie die Sozialdemokraten die private Pflegeversicherung mit heranziehen wollen: Er argumentierte, gesetzliche und private Pflegeversicherung wiesen unterschiedliche Risikostrukturen auf – und fordert einen „systemübergreifenden, risikoorientierten Finanzausgleich“. Das sei „eine konkrete Mindestforderung bei der Neuordnung der Pflegefinanzierung“, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion.

Acht Milliarden sollen eingespart werden

Bei der aktuell diskutierten Pflegereform geht es darum, das für 2027 erwartete Milliardendefizit der Pflegeversicherung zu decken und allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden. Details sind noch unklar. Linnemann hatte am Mittwoch im Bundestag gesagt, dass er das Vorhaben kommende Woche ins Kabinett bringen will. „Wir geben für die Pflegeversicherung rund 74 Milliarden Euro im Jahr aus, und wir müssen für das nächste Jahr acht Milliarden Euro einsparen. Das zeigt schon, welche Herausforderung das ist.“
Linnemann ist erst seit Ende Juli im Amt. Seine Vorgängerin Nina Warken (CDU) hatte einen Entwurf vorgelegt, der Ausgabenbremsen und Mehreinnahmen vorsieht und auf große Kritik gestoßen war. Ihr Ziel war es, allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden – es wurde aber erwogen, den Pflegebeitrag für Kinderlose leicht auf 4,3 Prozent anzuheben. Bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern sah der Entwurf Einschränkungen vor. Voraussetzungen für Einstufungen in Pflegegrade sollten strenger werden.
Gespart werden sollte laut dem Entwurf bei den gestaffelten Zuschlägen für Heimbewohner, die deren Eigenanteile drücken – hier sollten höhere Zuschläge künftig erst nach längerer Zeit im Heim gezahlt werden als bislang. Warken hatte zudem eine Kürzung der Renten-Beitragszahlungen für pflegende Angehörige angepeilt. Hier hatte Linnemann aber bereits angekündigt, darauf möglichst zu verzichten.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Pantazis räumte ein, die Pflegeversicherung stehe finanziell und strukturell unter erheblichem Druck. „Dass wir handeln müssen, steht außer Frage.“ Die Menschen würden Veränderungen aber nur dann dauerhaft mittragen, wenn sie darauf vertrauen könnten, dass die Lasten gerecht verteilt werden.

Kommission soll weitere Reform vorbereiten

Linnemann plant über das aktuelle Vorhaben hinaus eine umfassendere Pflegereform und hat dazu angekündigt, eine Expertenkommission einzusetzen. „Unser Pflegesystem ist, wie es jetzt organisiert ist, nicht zukunftsfest“, sagte der CDU-Politiker vor kurzem der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Wenn man es nicht grundlegend umbaue, werde es in den 30er Jahren kollabieren. Daher werde er eine „Strukturkommission“ ins Leben rufen. „Ziel ist, dass wir auf Basis ihrer Vorschläge im kommenden Jahr eine strukturelle Pflegereform bekommen.“ (dpa/red)
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Milchprodukte könnten bald teurer werden

Milch, Joghurt und Quark könnten schon bald wieder teurer werden. „Erhebliche Preissteigerungen für Milchprodukte“ seien „dringend notwendig“, teilte der Milchindustrie-Verband (MIV) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Erste Gespräche zu den anstehenden Kontraktverhandlungen über die sogenannte Weiße Linie (also Trinkmilch, Joghurt, Quark und ähnliche Frischeprodukte) seien bereits gestartet, hieß es vom Verband, der zu laufenden Verhandlungen selbst keine konkreten Zahlen nennen wollte. Zuvor hatte die „Lebensmittelzeitung“ berichtet.
Der Milchpreis liege derzeit rund ein Viertel niedriger als im Vorjahreszeitraum und habe damit ein Fünfjahrestief erreicht, so der MIV. Aus Sicht des Verbands sprechen mehrere Faktoren für steigende Preise: Der Absatz von Milch und Milchprodukten laufe sowohl in Deutschland als auch international ausgesprochen gut. Zudem habe die sommerliche Dürrephase in Deutschland und Europa die Milchanlieferung regional stark einbrechen lassen. Viele Experten rechneten zusätzlich durch einen starken El-Niño-Effekt im tropischen Pazifik mit einer deutlichen Abschwächung der weltweiten Milchanlieferung. Der El-Niño-Effekt kann in wichtigen Molkereiexportregionen zu Dürren führen.

Butterpreis steigt wieder

Der Weltmarkt hat für die deutsche Milchwirtschaft erhebliches Gewicht: Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) gehen 49 Prozent der hierzulande hergestellten Milchprodukte in den Export. Entwicklungen auf dem Weltmarkt schlagen sich damit unmittelbar auf den deutschen Milchpreis durch.
Erste Anzeichen für eine Wende gab es zuletzt bereits bei Butter: Nach einem starken Preisverfall Ende 2025, der Butter zeitweise unter die Marke von einem Euro pro 250-Gramm-Päckchen gedrückt und Bauernverbände zu Protesten veranlasst hatte, zog der Preis wieder an. Supermärkte und Discounter erhöhten den Preis für Eigenmarken-Päckchen Mitte September um 14 Cent auf 1,19 Euro. Auch bei Käse, Milchpulver und Proteinprodukten ziehen die Erlöse an, während der Preis für frische Vollmilch das Jahr über bei rund 95 Cent pro Liter stabil geblieben ist.

Proteinhype treibt Nachfrage

Auch der Proteinboom spiele eine Rolle, sagt Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Molkenproteinkonzentrate seien derzeit stark gefragt. Für deren Herstellung werde Molkenkonzentrat benötigt, das entsprechend knapp und hochpreisig sei. Molke ist das flüssige Nebenprodukt, das bei der Käseherstellung aus Milch entsteht.
Die Landwirte drängen darauf, von der erwarteten Preiswende zu profitieren. „Der Deutsche Bauernverband fordert, dass sich abzeichnende Markterholungen bei Milch zeitnah an die Erzeuger weitergegeben werden, da Dünger-, Energie- und Treibstoffkosten die Betriebe weiter erheblich belasten“, sagte der Vizepräsident des Bauernverbandes und Milchpräsident Karsten Schmal. Wer künftig hochwertige Milchprodukte aus heimischer Erzeugung wolle, müsse sicherstellen, „dass steigende Erlöse fair entlang der Wertschöpfungskette verteilt werden und bei den Milcherzeugern ankommen“, so Schmal.
Ähnlich äußerte sich der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Angesichts zurückgehender Milchanlieferungen und einer deutlich besseren Nachfrage vor allem nach Milcheiweiß sei die Forderung nach höheren Preisen für Trinkmilch und Quark „höchst angebracht“, sagte ein Sprecher. (dpa/red)
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Abschiebezentren außerhalb der EU: Die Pläne Deutschlands und anderer EU-Länder

Deutschland und vier weiter EU-Länder treiben die umstrittenen Pläne zu Abschiebezentren für abgelehnte Asylbewerber außerhalb der Europäischen Union voran. Sie wollen noch in diesem Jahr eine Vereinbarung mit einem Partnerland außerhalb der EU erreichen. Die Pläne dürften auch bei einem Migrationstreffen in München an diesem Samstag mit weiteren europäischen Innenministern eine Rolle spielen. Worum es geht:
Was sind Abschiebezentren?
In Abschiebezentren („return hubs“) in Drittstaaten außerhalb der EU sollen Asylbewerber „zurückgeführt“ werden, deren Anträge in der EU abgelehnt wurden, die aber nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden können. Voraussetzung ist ein Abkommen zwischen einem oder mehreren EU-Ländern mit einem Drittland, das solche Abschiebezentren einrichtet.
Grundlage für solche Zentren ist die EU-Rückführungsverordnung, auf die sich Unterhändler von EU-Parlament und Mitgliedstaaten im Juni geeinigt hatten. Das Partnerland muss dabei „die internationalen Menschenrechtsstandards und -grundsätze im Einklang mit dem Völkerrecht“ achten. Die EU-Verordnung ist Teil einer verschärften Migrationspolitik der Europäischen Union.
Ist das rechtlich zulässig?
Die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Pläne ist noch nicht abschließend geklärt. Ein juristisches Gutachten am Europäischen Gerichtshof (EuGH) vom April kam zu dem Ergebnis, dass zumindest die umstrittenen italienischen Abschiebezentren in Albanien nicht gegen Europarecht verstoßen. Grundsätzlich verbiete es das EU-Recht den Mitgliedstaaten nicht, solche Zentren außerhalb ihres Territoriums einzurichten.
Voraussetzung sei jedoch, dass die Menschen dort weiter juristischen Beistand und sprachliche Unterstützung bekommen sowie Kontakt mit ihrer Familie und den zuständigen Behörden halten können. Die europäischen Richter orientieren sich oft an solchen Gutachten.
Welche Kritik gibt es?
Menschenrechtsorganisationen und Kirchenverbände warnen vor einer „Kriminalisierung der Migration“. Es wirke so, als ob die EU-Verordnung den „Einsatz von Haft in gefängnisähnlichen Einrichtungen außerhalb des EU-Gebiets“ normalisiere, kritisierte etwa Marta Welander vom International Rescue Committee (IRC). Menschen würden womöglich in Länder abgeschoben, wo ihnen „Verfolgung, Folter oder Schlimmeres“ drohten.
Die Caritas erklärte, Betroffene könnten durch „willkürliche und unbefristete Inhaftierung“ in einer „rechtlichen Grauzone“ verbleiben. Die Kinderschutzorganisation Save the Children warnte, die geplanten Rückführungszentren seien „Orte der Unsicherheit und bergen die Gefahr massiver Kinderrechtsverletzungen“.
Bereits die Ampel-Regierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Drittstaaten-Regelungen für die Aufnahme von Migranten prüfen lassen. Nach Angaben des damals SPD-geführten Bundesinnenministeriums vom Juli 2024 verwiesen Fachleute auf die „enormen Kosten“ im Vergleich zur Unterbringung von Flüchtlingen im eigenen Land.
Welche europäischen Länder planen Abschiebezentren außerhalb der EU?
Deutschland führt gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden, Österreich und Griechenland Gespräche mit Ländern insbesondere in Afrika zur Einrichtung von Abschiebezentren. Sie hatten sich zuletzt Anfang September in Kopenhagen getroffen. Dort wurde das Ziel ausgegeben, bis zum Jahresende ein Abkommen mit einem Drittstaat außerhalb der Europäischen Union über die Errichtung von Abschiebezentren zu schließen.
Während Italien mit Abschiebezentren in Albanien als Vorreiter gilt, planen andere EU-Staaten wie Frankreich keine solche Einrichtungen. „Ich glaube, dass das weder wirksam ist, noch unseren Prinzipien entspricht“, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron im Juni.
In Großbritannien strich die Regierung des damaligen Labour-Premierministers Keir Starmer 2024 eine vergleichbare Regelung, nachdem diese vom Obersten Gerichtshof als „illegal“ eingeordnet worden war. 2022 hatte die Regierung des konservativen Premiers Boris Johnson ein Abkommen mit Ruanda darüber geschlossen, Migranten ohne Papiere aufzunehmen, die über den Ärmelkanal nach Großbritannien gekommen waren.
In welchen Ländern könnte könnte es Abschiebezentren geben?
Ende August bestätigte die ruandische Regierung Gespräche von Vertretern Deutschlands und weiterer europäischer Staaten über die Einrichtung von Abschiebezentren. Medienberichten zufolge äußerte auch Italien Interesse an einem Abkommen mit Ruanda. Im Gespräch ist unter anderem das Transitzentrum in Gashora etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt Kigali entfernt. Dort wurden seit 2019 in Libyen gestrandete Migranten aufgenommen.
Anfang 2025 hatte das Bundesentwicklungsministerium geplante Regierungskonsultationen mit Ruanda abgesagt. Hintergrund war der von Ruanda unterstützte Vorstoß der M23-Miliz zur Eroberung der Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo.
Insgesamt fassten EU-Mitgliedstaaten ein Dutzend Länder als potenzielle Partner für Abschiebezentren ins Auge, wie es Anfang April aus informierten Kreisen hieß. Im Gespräch für eine Zusammenarbeit waren demnach neben Ruanda die afrikanischen Länder Ägypten, Äthiopien, Ghana, Libyen, Mauretanien, Senegal, Tunesien und Uganda, darüber hinaus auch Armenien, Usbekistan, und der Balkanstaat Montenegro. (afp/red)
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Sachsen-Anhalt: AfD und BSW sprechen über MDR und Corona-Ausschuss

AfD und BSW sprechen bei ihren Sondierungen in Sachsen-Anhalt einem Medienbericht zufolge unter anderem über den künftigen Umgang mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und einen Corona-Untersuchungsausschuss. Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ (Samstag) berichtete, wollen beide Parteien in den kommenden Wochen insbesondere ausloten, wie ihre jeweiligen Vorstellungen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusammenpassen.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte angekündigt, die Rundfunkstaatsverträge zügig kündigen und ein neues Sendeangebot aufbauen zu wollen. Das BSW will der „Mitteldeutschen Zeitung“ zufolge zunächst durch eine Kommission prüfen lassen, ob und in welcher Form der MDR nach seinen Vorstellungen reformiert werden kann.

AfD und BSW haben keine gemeinsame Mehrheit

Dem Bericht zufolge besteht hingegen Einigkeit zwischen AfD und BSW bei der Forderung nach einem Untersuchungsausschuss zum Behördenhandeln während der Corona-Pandemie. Die AfD hatte im Wahlkampf angekündigt, Verantwortliche für aus ihrer Sicht begangenes „Unrecht“ zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Auch die neue BSW-Landtagsfraktion hat sich für einen solchen Ausschuss ausgesprochen.
Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als stärkste Kraft gewonnen und stellt 39 Abgeordnete, das BSW fünf. Zusammen verfügen beide Fraktionen damit über 44 der 83 Sitze. Das BSW hatte eine Koalition mit der AfD bislang ausgeschlossen. (afp/red)
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Berliner Linke will mit Grünen und SPD sondieren

Die Linke als Siegerin der Berlin-Wahl will mit Grünen und SPD Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung in der Hauptstadt führen. Das beschlossen die Delegierten eines Parteitags am Abend mit breiter Mehrheit.
Bei den Sondierungen soll demnach geprüft werden, ob die politischen Voraussetzungen für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vorhanden sind.
Die Parteispitze will jetzt offiziell dazu einladen. Die Gespräche könnten dann im Verlauf der kommenden Woche beginnen, genaue Termine gibt es noch nicht. Dem Vernehmen nach will die Linke zunächst getrennt mit Vertretern der Grünen und Vertretern der SPD sprechen. Dann sollen die Gespräche im Dreierformat weitergehen.
Grüne und SPD dürften die Einladung wohl annehmen – auch wenn es in beiden Parteien Skepsis mit Blick auf ein mögliches Bündnis mit der Linken gibt. Der Landesvorstand der Grünen beschloss nach Angaben einer Parteisprecherin, in Sondierungen zu gehen.
SPD-Landesparteichef Steffen Krach hatte sich am Donnerstag ebenfalls grundsätzlich bereit gezeigt für solche Gespräche. Es gebe aber keinen Automatismus, dass diese dann später auch in konkrete Koalitionsverhandlungen münden.

Debatte um Antisemitismus

Seit dem Wahlsonntag wird bundesweit heftig über den Umgang der Linken mit Antisemitismus und Kontakte ins Clan-Milieu diskutiert. Die Debatte löste Besorgnis auch bei den potenziellen Koalitionspartnern Grüne und SPD aus.
Beide forderten die Linke zu Klarstellungen auf, dass sie gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens stehe. Das wiederum hatten Spitzenkandidatin Elif Eralp und auch die Bundesspitze zuletzt immer wieder betont – und Eralp tat das auch auf dem Parteitag.
Teile der Berliner Linke stehen wegen ihrer Positionen zum Nahostkonflikt und zum Antisemitismus schon seit längerem immer wieder in der Kritik. Großen Wirbel verursachte eine Wahlparty des Linke-Kreisverbands Neukölln, bei der am Sonntagabend neben einer bekannten Clan-Größe auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend war.
Bei der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am vergangenen Sonntag war die Linke mit 25,7 Prozent die mit Abstand stärkste Kraft geworden. Dahinter folgten CDU (18,8 Prozent), AfD (16,3 Prozent), Grüne (14,3 Prozent) und SPD (12,1 Prozent). Bisher regiert in Berlin ein CDU/SPD-Senat. Nach der Wahl haben nur noch Dreierbündnisse eine rechnerische Mehrheit. (dpa/red)
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25. September: Neues Bundespolizeigesetz beschlossen | Grundrecht auf Asyl abschaffen | Keine Einigung in Sachsen-Anhalt

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Neues Bundespolizeigesetz beschlossen

Der Bundestag hat die Neufassung des Bundespolizeigesetzes mit 322 Ja-Stimmen verabschiedet. Die Bundespolizei erhält damit erweiterte Befugnisse, beispielsweise bei der Telekommunikationsüberwachung, der Drohnenabwehr und der biometrischen Erkennung. Bürgerrechtsorganisationen warnen vor einer möglichen Ausweitung staatlicher Überwachung und bemängeln Defizite bei Kontrolle und Transparenz.

Grundrecht auf Asyl abschaffen

Sachsens CDU-Innenminister Armin Schuster fordert die Streichung des Grundrechts auf Asyl aus dem Grundgesetz. Stattdessen sollen jährliche Kontingente gelten. Sein Vier-Punkte-Plan sieht zudem Beugehaft für abgelehnte Asylbewerber, strengere Vorraussetzungen zur Einbürgerung und eine Lockerung der Menschenrechtskonvention, um Straftäter leichter abschieben zu können.

Keine Einigung in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es keine Einigung über die Größe der Landtagsausschüsse. Die AfD will zwölf Mitglieder pro Ausschuss, die Verwaltung empfiehlt elf. Am 30. September folgt eine weitere Beratung im Vor-Ältestenrat. Die endgültige Entscheidung fällt mit der Geschäftsordnung am 6. Oktober.

Rückruf eine Million Fahrzeuge

Wegen möglicher Korrosion an einer Lenkungsverschraubung rufen VW, Audi und Seat weltweit Millionen Fahrzeuge zurück, davon mindestens 950.000 in Deutschland. Betroffen sind unter anderem der Tiguan, der Golf Variant, der Audi Q3 sowie der Seat Ateca und der Tarraco. Die Reparatur dauert bis zu einer Stunde. Bisher sind keine Personenschäden bekannt.

Xis Besuch inmitten Protesten

US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping trafen sich zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen über drängende Themen wie Handel, KI und Taiwan. Trump sagte, die dort getroffenen Entscheidungen würden für die kommenden Jahrzehnte von Bedeutung sein. Begleitet wurden die Gespräche von Demonstrationen, die die Menschenrechtssituation in China anprangern.
 
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KI-Debatte im Bundestag: Mehr Kontrolle und Souveränität

Angesichts der rasanten Entwicklung bei neuen KI-Anwendungen haben Abgeordnete verschiedener Fraktionen im Bundestag mehr Sicherheit und eine stärkere Eigenständigkeit bei künstlicher Intelligenz gefordert.
Franziska Brantner (Grüne) warb für eine Aufsicht auf Augenhöhe mit den Unternehmen und verwies auf aktuelle Fälle, in denen KI-Modelle aus Testumgebungen ausgebrochen und in fremde Systeme eingedrungen waren.
Bei den notwendigen Regeln zum Schutz vor negativen Folgen des Einsatzes künstlicher Intelligenz müsse es auch um Haftungsfragen gehen, so Brantner. Sie betonte zugleich die mit KI verbundenen Chancen. „Wer selbst die Technologie nicht hat, der bleibt abhängig“, sagte die Grünen-Chefin.

Neues KI-Sicherheitsinstitut

Thomas Jarzombek (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium, sagte in der von den Grünen beantragten Debatte zur KI-Kontrolle, der Fokus müsse stärker darauf liegen, Gründungen von Firmen mit dem Geschäftsfeld KI zu erleichtern; zugleich brauche es globale Sicherheitsstandards. Er verwies in diesem Kontext auf das noch im Aufbau befindliche deutsche KI-Sicherheitsinstitut (AISI).
Wer die Leitung des Instituts, das unter dem gemeinsamen Dach des Digitalministeriums und des Bundesinnenministeriums arbeitet, übernehmen soll, ist noch offen. Jarzombek sagte, das Institut solle keine klassische Behörde sein, vielmehr gehe es darum, „eine Truppe aufzubauen, die auch helfen und auch abwehren“.

Lauterbach: KI wird neue KI entwickeln

Karl Lauterbach (SPD) forderte eine Verlangsamung der Entwicklung neuer KI-Modelle, denn spätestens in zwei Jahren werde es so sein, dass der größte Teil der KI-Entwicklung von einer KI vorgenommen werde.
Gleichzeitig warnte er vor technologischer Abhängigkeit: Deutschland müsse beim Aufbau eigener KI-Fähigkeiten aufholen, auch wenn die Ausgangssituation nicht einfach sei. Er sagte: „Wenn wir das nicht tun, laufen wir in eine brutale Abhängigkeit hinein.“
Sonja Lemke (Linke) pochte auf eine Vergütung für Urheber, deren Werke zum Training von KI genutzt werden. Tobias Ebenberger (AfD) sagte, eine sich verselbständigte künstliche Superintelligenz könne niemand wollen.
Für Aufregung sorgte zuletzt unter anderem der Zugriff eines OpenAI-Agenten auf ein staatliches Statistikportal im Umfeld des australischen Gesundheitssystems. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) bezeichnete den Vorfall in einem BBC-Interview als „sehr beunruhigend“.
Sicherheitsvorfälle, bei denen KI-Modelle aus Testumgebungen ausgebrochen und in fremde Systeme eingedrungen waren, gab es in den vergangenen Monaten auch mit KI-Modellen anderer Entwicklungslabore. (dpa/red)
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Tankrabatt, Polizeiarbeit, Elterngeld: Die Beschlüsse des Bundesrats

In seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause hat der Bundesrat eine Reihe von Beschlüssen gefasst – vom Tankrabatt über mehr Befugnisse für die Bundespolizei bis zum antragslosen Kindergeld. Ein Überblick:

Tankrabatt kommt zum Oktober

Der eilig von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Tankrabatt kann pünktlich zum 1. Oktober in Kraft treten. Nach dem Bundestag passierte das Gesetz auch den Bundesrat.
Demnach sollen für drei Monate bis Jahresende die Steuern auf Benzin und Diesel um 17 Cent je Liter sinken. Mehrere Bundesländer forderten darüber hinausgehende Maßnahmen, etwa eine Übergewinnsteuer, gezieltere Maßnahmen statt Unterstützung „mit der Gießkanne“ sowie eine sinkende Abhängigkeit von Öl.

Reform des Polizeigesetzes

Grünes Licht gab es von der Länderkammer auch für die Reform des Bundespolizeigesetzes, das zum überwiegenden Teil noch aus dem Jahr 1994 stammt.
Die Polizei bekommt nun im Kampf gegen Schwerkriminelle und Cyberangriffe eine Reihe neuer Befugnisse, insbesondere bei der Datenerhebung und beim Einsatz von Drohnen zur Überwachung und Aufklärung.
Zugleich dürfen die Beamten Flugkörper selbst abwehren. Mehrere Ländervertreter sprachen von einem „guten Tag“ für die Sicherheit des Landes.

Kindergeld künftig antragslos möglich

Ab dem kommenden Jahr wird das Kindergeld im Regelfall automatisch nach der Geburt ausbezahlt – zunächst für jedes weitere Kind von Eltern, die bereits mindestens eins haben, und in einem zweiten Schritt für erste Kinder.
Voraussetzung ist etwa, dass mindestens ein Elternteil gemeinsam mit dem Kind im Inland wohnt und ein Elternteil im Inland arbeitet. Der Bundestag billigte nun entsprechende Regierungspläne.
Außerdem verabschiedete die Länderkammer eine Entschließung zu weniger Bürokratie beim Elterngeld, die nun der Regierung zugeleitet wird.

Vermieter haften künftig für E-Scooter-Unfälle

Opfer von Unfällen mit E-Scootern sollen künftig leichter an Schadenersatz kommen. Der Bundesrat stimmte für einen Gesetzentwurf der Regierung, wonach für E-Scooter künftig bei Unfällen die gleichen Haftungsregeln gelten sollen wie für andere Kraftfahrzeuge.

Haushalt 2027: Kritik am Stopfen von Löchern

Bei den Beratungen über den Bundeshaushalt für das kommende Jahr haben mehrere Länder das Stopfen von Haushaltslöchern kritisiert und zudem vor Steuererhöhungen gewarnt.
Von der Bundesregierung geplant sind etwa eine höhere Tabaksteuer und eine Zuckersteuer. Die Länder forderten in ihrer Stellungnahme außerdem entschlossenes Handeln bei Investitionen, und schnelle Maßnahmen gegen hohe Stromkosten.

Entschließungen zu Plattformen und Autoposing

Der Bundesrat fasste mehrere eigene Entschließungen, die nun der Regierung weitergeleitet werden – dieser steht es frei, ob und wann sie die Anregungen berücksichtigt. So forderte die Länderkammer etwa bessere Arbeitsbedingungen bei Essenslieferdiensten, vor allem eine Direktanstellung der Fahrer bei den Plattformen.
Außerdem forderten die Abgeordneten ein härteres Durchgreifen bei Autoposing, damit werden heulende Motoren oder riskante Fahrmanöver umschrieben. Das sei eine Gefahr für die Sicherheit und Verkehrsordnung, argumentierten die Länder.
Mecklenburgs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warb zudem für eine Entschließung zum Recht auf Vergessenwerden bei einer Krebserkrankung. So soll bleibenden Nachteilen, etwa bei Krediten oder bei Adoptionen, entgegengewirkt werden. Der Text wurde in die Ausschüsse überwiesen.

Stellungnahmen zu Nachrichtendiensten, Wohngeld und Bafög

Bei einer Reihe von Gesetzen der Bundesregierung fasste der Bundesrat Stellungnahmen: Bei der Reform der Nachrichtendienste, die mehr Überwachungsbefugnisse bekommen und auch mit Gegenangriffen aktiv werden sollen, formulierten die Länder Änderungsvorschläge.
Sie forderten eine transparentere Beteiligung an der Ermittlung und Berücksichtigung der Kosten und eine breitere Fassung des Begriffs freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Außerdem müsse eine Datenübermittlung auch beim Verdacht der Volksverhetzung möglich sein.
Bei der geplanten Kürzung des Wohngelds fürchten die Länder höhere Kosten für die Kommunen – denn dadurch könnten mehr Menschen auf soziale Sicherungssysteme angewiesen sein.
Der Ausschussempfehlung, das Gesetz abzulehnen, folgten die Ländervertreter nicht. Beide Gesetze gehen nun wieder an den Bundestag und dann erneut an den Bundesrat.
Kritik gab es auch an der geplanten Reform der Kinder- und Jugendhilfe – unter anderem daran, dass die Bündelung der Zuständigkeiten für junge Menschen mit und ohne Behinderung unter einem gemeinsamen Dach nun doch nicht kommt.
Bei der Bafög-Reform forderten die Länder Nachbesserungen und kritisierten die Kürzungen bei der Wohnkostenpauschale und eine zu geringe Anhebung der Freibeträge.(afp/red)
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Zigaretten und Alkohol teurer? Länder melden Widerstand an

Die geplante Erhöhung von Tabak-, Alkohol- und Sektsteuern stößt im Bundesrat auf Widerstand. „Ich lehne die Steuererhöhungen, die geplant sind, ab“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) in der Länderkammer. Stattdessen fordern mehrere Länder mehr Entlastung an der Tankstelle und Spritpreise unter zwei Euro.
Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig drängte Kanzler Friedrich Merz, die Länder bei Reformen mitreden zu lassen. In einer Umfrage bezweifelten zwei von drei Bürgern, dass Merz seinen Reformkurs durchziehen kann.
Anlass der Debatte im Bundesrat war die erste Befassung mit dem Bundeshaushalt 2027 mit Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro. Allein im Kernhaushalt sollen dafür Schulden von 118,7 Milliarden Euro gemacht werden.
Dazu kommen Sonderschulden für Infrastruktur, Klimaneutralität und Bundeswehr. Die Steuererhöhungen sollen helfen, Finanzlöcher zu stopfen. Geplant ist eine neue Plastikabgabe sowie höhere Tabak-, Alkohol- und Sektsteuern. Auch eine Zuckersteuer wird vorbereitet. Details aber sind offen.

Weinland Hessen rebelliert

Ministerpräsident Rhein sagte, eine Steuererhöhung beim Schaumwein träfe Hessen als Weinland besonders schwer. Eine Zuckersteuer lehnte Rhein als „Belastung für mittelständische Getränkehersteller“ ab.
Mit Steuererhöhungen würde die Preiskrise „eine ernsthafte Politikkrise“, meinte der CDU-Politiker. Auch sein thüringischer Kollege Mario Voigt (CDU) sagte der „Bild“: „Ich halte nichts von Steuererhöhungen in diesen Zeiten.“ Im „Handelsblatt“ präzisierte Voigt, vor allem Lebensmittel dürften nicht zusätzlich belastet werden.
Rhein hatte schon vergangene Woche einen Bogen von den geplanten Steuererhöhungen zum Tankrabatt geschlagen: „Was der Staat an der Zapfsäule zurückgibt, darf er sich nicht an anderer Stelle wiederholen“, meinte Rhein. Tatsächlich wollen mehrere Länder stärkere Entlastungen für Autofahrer, auch wenn das teuer würde.

„Sprit unter zwei Euro“

SPD-Politikerin Schwesig sagte, der neue Tankrabatt von 17 Cent je Liter sei wichtig für die Menschen. „Aber es wird nicht reichen. Der Sprit muss nach meiner Auffassung wieder unter zwei Euro.“ Die Zwei-Euro-Marke nannte auch Voigt im Bundesrat: „Die Energiepolitik ist die soziale Frage in dieser Zeit.“
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) gab zu bedenken: „Wir können nicht bei jedem neuen Ölpreisschock wieder Milliarden aufwenden, um Benzin und Diesel zu verbilligen pauschal.“ Es brauche gezieltere Entlastungen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert einen grundlegenden Ansatz für dauerhaft niedrigere Energiepreise: „Wir müssen über die CO2-Bepreisung und alle Preisregeln sprechen, die Energie in Deutschland staatlich teurer machen.“

„Merz soll Ministerpräsidenten einladen“

Mit Blick auf den Reformkurs der Regierung forderte Schwesig den Kanzler auf, die Länder einzubinden. „Ich erwarte, dass der Kanzler mit der Bundesregierung jetzt auch Ministerpräsidenten einlädt und über die Sozialreformen spricht“, sagte die SPD-Politikerin in der ARD.
Diese seien wichtig für soziale Stabilität im Land. „Ich möchte nicht, dass die Arbeitskosten weiter steigen“, sagte Schwesig. Sie plädierte dafür, nach Einsparmöglichkeiten im System zu schauen.
Auch CDU-Politiker Voigt will Mitsprache, in seinem Fall auf Parteiebene: „Wir als Ministerpräsidenten werden klar formulieren, worauf sich die Union im Berliner Regierungshandeln konzentrieren muss.“ Voigt forderte „einen programmatischen Neuanfang“.
Das Konzept werde man dann als Union mit der SPD besprechen. Das CDU-Präsidium will am 11. Oktober in Berlin bei einer Klausurtagung beraten. Eine Serie von Wahlniederlagen setzt CDU-Chef Merz unter Druck, auch wenn die acht CDU-Ministerpräsidenten ihm zunächst Rückendeckung gegeben hatten.

Viele Bürger skeptisch

Viele Bürger haben wenig Zutrauen in Merz und seinen Reformkurs. Im ZDF-„Politbarometer“ sagten. 67 Prozent der Befragten, sie erwarteten nicht, dass Merz die Fortsetzung seiner Reformen im Großen und Ganzen gelingen wird. Nur 28 Prozent erwarten eine erfolgreiche Umsetzung.
65 Prozent der Befragten erwarten ein vorzeitiges Ende von Merz‘ Kanzlerschaft. Nur 31 Prozent glauben an eine volle Amtszeit bis 2029. Seine Arbeit bewerteten nur 17 Prozent als eher gut, 79 Prozent als eher schlecht. (dpa/red)
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VW und Audi rufen fast eine Million Fahrzeuge zurück

Der Autohersteller Volkswagen und seine Töchter Audi und Seat rufen mehrere Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. In Deutschland sind von dem vorsorglichen Rückruf mindestens gut 950.000 Autos betroffen, wie aus Daten das Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervorgeht. Sprecher von VW und Audi bestätigten den Rückruf. Zuvor hatten Medien berichtet.

Korrosion kann Lenkung beeinträchtigen

„Bei internen Qualitätsüberprüfungen wurde festgestellt, dass bei bestimmten Fahrzeugen verschiedener Baureihen der Marke Volkswagen ein Problem an der Lenkung auftreten kann“, teilte ein VW-Sprecher auf Anfrage mit.
Bei bestimmten Umwelteinflüssen und nach langjährigem Betrieb unter Streusalz-Einfluss könne es zur Korrosion an einer Befestigungsverschraubung der Lenkung kommen. „Schreitet diese Korrosion fort, kann in Einzelfällen die Befestigung der Lenkung und damit ihre Funktion beeinträchtigt werden“.
Von dem Rückruf betroffen sind demnach die VW-Modelle Tiguan, Touran, Golf Variant, Golf Sportsvan und Caddy mit dem Produktionszeitraum September 2013 bis Juli 2024. Nach KBA-Angaben handelt es sich weltweit um fast 2,16 Millionen Fahrzeuge, davon knapp 900.000 in Deutschland.

Reparatur dauert „bis zu eine Stunde“

„Um den Kunden die bestmögliche Sicherheit zu bieten, bittet Volkswagen diese Fahrzeuge im Rahmen einer vorsorglichen Rückrufaktion nun zum Tausch dieser Verschraubung in die Servicebetriebe“, teilte der VW-Sprecher mit. Die Instandsetzung des Fahrzeuges dauert demnach bis zu einer Stunde.
Das Problem kann auch beim Audi-Modell Q3 auftauchen, wenn es zwischen Oktober 2017 und Mai 2024 hergestellt wurde. Hier sind laut KBA weltweit fast 700.000 Fahrzeuge potenziell betroffen, davon gut 58.500 in Deutschland. Ein Audi-Sprecher äußerte sich weitgehend wortgleich zu dem Rückruf. Darüber hinaus teilte er mit: „Bislang gab es in diesem Zusammenhang keine Personen- oder weitergehenden Sachschadensfälle“.

Zahl betroffener Seat-Fahrzeuge noch nicht bekannt

Einen Rückruf gibt es außerdem für die Seat-Modelle Ateca und Tarraco im Produktionszeitraum April 2016 bis September 2024. Die genaue Zahl der potenziell betroffenen Fahrzeuge der spanischen VW-Tochter war zunächst aber nicht bekannt.
Für andere Marken des VW-Konzerns wie Skoda fanden sich in der KBA-Datenbank zunächst keine Informationen. (dpa/red)
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Ölschock und KI-Boom – Kampf ums Kapital treibt die Renditen

Seit Monaten ist es in großen Volkswirtschaften zu beobachten: Die Renditen für Staatsanleihen steigen – und zwar kräftig. US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wurden zeitweise mit einer Rendite von 5,2 Prozent gehandelt und damit auf dem höchsten Stand seit 2007. Das Phänomen stark steigender Renditen gibt es in vielen Ländern.
Es ist Beleg für einen allgemein hohen Kapitalbedarf in der Weltwirtschaft und wird von Experten noch nicht als Vorbote einer möglichen Schuldenkrise gesehen. Die Turbulenzen bergen aber nicht nur Gefahren für die Börsen, sondern auch für den Staat – bis zum einzelnen Bürger.

Warum steigen die Renditen für Staatsanleihen so stark?

Ein starker Treiber sind hohe Energiepreise. Diese verstärken die Inflationserwartungen und damit die Spekulation auf steigende Zinsen. Im September haben sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen angehoben und die Schritte jeweils mit einer erhöhten Inflation begründet. An den Finanzmärkten wird mehr oder weniger stark mit weiteren Zinserhöhungen gerechnet, was die Renditen für Staatsanleihen zusätzlich in die Höhe treibt.
Hinzu kommen wachsende Sorgen über die hohe Verschuldung, vor allem in den USA. Im Schnitt steigt der amerikanische Schuldenberg Tag für Tag um über sechs Milliarden Dollar und hat 40 Billionen US-Dollar erreicht, wie aus Daten des US-Finanzministeriums hervorgeht.
Ein weiterer Faktor ist eine erratische Wirtschafts- und Zollpolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die an den Finanzmärkten immer mehr Zweifel an der Rolle von US-Staatsanleihen als sicherem Anlagehafen schürt.
Das bremst die Nachfrage und erhöht die Renditen, wobei US-Anleihen oftmals als Taktgeber für die übrigen Märkte fungieren. Wenn die Renditen der Anleihen in der größten Volkswirtschaft der Welt steigen, zieht das auch die Renditen in anderen Ländern mit nach oben.

Wie sieht es bei den Bundesanleihen aus?

Auch bei den deutschen Staatsanleihen haben Inflationssorgen infolge hoher Energiekosten die Renditen deutlich nach oben getrieben. Ähnlich wie bei den US-Anleihen ist die Rendite in der zehnjährigen Laufzeit seit Beginn des Jahres von etwa 2,9 auf zuletzt 3,6 Prozent gestiegen.
Die Rendite für Bundesanleihen liegt damit zwar deutlich unter dem Niveau der amerikanischen Anleihen. Die Staatsverschuldung hat sich aber auch hierzulande kräftig verteuert. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2022 hatte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen noch an der Nullmarke gelegen.
Steigen die Anleiherenditen, wird die Aufnahme neuer Schulden teurer. Zuletzt hatten Ratingagenturen vor einer steigenden Zinslast bei wachsenden Schulden gewarnt.
Noch könne Deutschland von vergleichsweise günstigen Finanzierungskosten profitieren, sagte die Deutschland-Expertin der Ratingagentur Fitch, Malgorzata Wegner, jüngst der „Welt am Sonntag“. Allerdings verteuern höhere Kapitalmarktzinsen und die wachsende Kreditaufnahme den Schuldendienst.
Der Renditeanstieg hat auch Folgen für Immobilienkäufer und Bauherren in Deutschland, da sich Bauzinsen an zehnjährigen Bundesanleihen orientieren. Da Bauherren und Hauskäufer in der Regel hohe Summen per Kredit finanzieren, können schon kleine Aufschläge teuer werden und Pläne zunichtemachen.

Wie hoch können die Renditen noch steigen?

Seit Monaten zählen hohe Energiekosten zu den stärksten Treibern der Inflation und damit verbunden zu den wichtigsten Triebfedern für den Anstieg der Renditen. Die Blockade der Transporte von wichtigen Energierohstoffen aus den Fördergebieten am Persischen Golf durch die Straße von Hormus treibt seit Monaten die Kosten für Öl und Gas nach oben, und nach wie vor gibt es keine Aussicht auf eine Öffnung der wichtigen Meerenge.
Zwar gab es mehrfach diplomatische Bemühungen um eine Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Sie brachten bisher aber keine wesentlichen Fortschritte.
Hinzu kommt, dass der hohe Kapitalbedarf von vielen Unternehmen aus dem Technologiebereich infolge des Booms der Künstlichen Intelligenz und die wachsende Verschuldung großer Volkswirtschaften eine enorme Nachfrage nach Kapital erzeugen. Nach Einschätzung von Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz, tobt ein Kampf um das Kapital: „Hier sind große Kräfte am Werk, die die Renditen tendenziell nach oben drücken.“

Droht eine neue Schuldenkrise in der Eurozone?

Die Renditen für Bundesanleihen zählen trotz des Höhenflugs zu den niedrigsten in Europa. In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, werden die Staatsanleihen mit einer deutlich höheren Rendite gehandelt.
Hier sind es bei einer Laufzeit von zehn Jahren 4,64 Prozent. In Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft, beträgt die Rendite 4,50 Prozent. Zum Vergleich: Im Zuge der Euro-Schuldenkrise musste Italien 2011 für die Verschuldung zeitweise Renditen von mehr als sieben Prozent verkraften.
Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank mittlerweile über eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Bekämpfung einer möglichen Krise verfügt, deren Wirksamkeit sich bereits in der vergangenen Euro-Schuldenkrise erwiesen hat. Des Weiteren muss auch jederzeit mit fallenden Renditen gerechnet werden.
Die Energiepreise haben in den vergangenen Monaten kräftig geschwankt. Sollte es doch zu einer Verständigung für eine Öffnung der Straße von Hormus kommen, könnten die Preise für Öl und Gas schnell wieder fallen, was unmittelbare Auswirkungen auf die Rendite von Staatsanleihen hätte.
Eine ähnliche Reaktion erwartet Eyb & Wallwitz-Ökonom Mayr auch im Fall einer Krise in der Tech-Branche: „Sollte der KI-Trend kollabieren, würden die Renditen sehr schnell nach unten kommen.“ (dpa/red)
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Bundestag macht Weg für erneuten Tankrabatt frei

Der Bundestag hat den Weg für den erneuten Tankrabatt freigemacht, der ab 1. Oktober die Steuern auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent je Liter senken soll. Für die Maßnahme votierte am Freitag in namentlicher Abstimmung die Mehrheit der Abgeordneten. In der Debatte im Parlament hatten die Koalitionsfraktionen von Union und SPD hervorgehoben, dass der Tankrabatt kurzfristig Entlastung an den Zapfsäulen bringe. Auch die AfD-Fraktion unterstützte die Maßnahme; die Grünen und die Linksfraktion wandten sich dagegen.

Tankrabatt soll Spritpreise senken

Ziel des Tankrabatts ist nach Angaben von Union und SPD, die Belastungen durch die wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Spritpreise für drei Monate bis einschließlich Dezember abzufedern. Wie bereits im Mai und Juni soll daher die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Inklusive der darauf fällig werdenden Mehrwertsteuer summiert sich der Tankrabatt auf 17 Cent pro Liter.
Nach der Abstimmung im Bundestag sollte sich am Freitag auch noch der Bundesrat mit dem Vorhaben befassen.
Im Bundestag hob SPD-Fraktionsvize Armand Zorn hervor, dass der Tankrabatt „direkt wirksam“ sei, um Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, möglichst schnell zu entlasten.
Auch der CDU-Abgeordnete Stefan Korbach verwies darauf, dass die Maßnahme „sofort“ an der Zapfsäule wirke und überdies die Inflation dämpfen könne. Zwar sei die Maßnahme, deren Kosten auf 2,5 Milliarden Euro veranschlagt werden, wovon die Hälfte auf die Bundesländer entfällt, lediglich ein „Pflaster“, das nicht die Ursache heile – für die aktuelle Lage sei sie jedoch das beste verfügbare Instrument.

Grüne und Linke kritisieren Maßnahme

Dem widersprachen insbesondere Abgeordnete der Grünen und der Linksfraktion. So kritisierte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge unter anderem, dass Union und SPD Kürzungen im Sozialbereich mit fehlenden finanziellen Mitteln begründet hätten. Die 2,5 Milliarden Euro seien exakt die Summe, die Kürzungen im Familienbereich ausmachten.
Die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm monierte, dass der Tankrabatt „wenig passgenau“ sei und ein Teil des Geldes bei den Mineralölkonzernen ankomme.
Auch bei Ökonominnen und Ökonomen steht der Tankrabatt in der Kritik. Am Donnerstag hatten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erklärt, dass die Maßnahme „ökonomisch kontraproduktiv“ sei, weil Kraftstoffe trotz knappen Angebots künstlich verbilligt würden. (afp/red)
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Keine Einigung zu Landtagsausschüssen in Sachsen-Anhalt

Im Streit um die Besetzung von Landtagsausschüssen in Sachsen-Anhalt haben die Fraktionen bei einer Beratung in Magdeburg noch keine Lösung gefunden. Am 30. September kommen die Vertreter von AfD, CDU, SPD, Grünen, Linken und BSW zu einer weiteren Sitzung im sogenannten Vor-Ältestenrat zusammen, wie mehrere parlamentarische Geschäftsführer nach der Beratung sagten. In dem Gremium werden die Verfahrensregeln für den Parlamentsbetrieb besprochen.

AfD will zwölf Abgeordnete pro Ausschuss

Die AfD strebt an, dass die Ausschüsse künftig aus zwölf statt bisher 13 Abgeordneten bestehen sollen. Empfohlen hat die Landtagsverwaltung jedoch eine Besetzung mit elf Abgeordneten.
Die Größe macht einen Unterschied: Bei einer Stärke von zwölf Politikern könnte die AfD sechs Plätze einnehmen – das wäre zwar keine eigene Mehrheit, aber ein Patt von 6:6 gegenüber den übrigen Fraktionen. Damit könnten Beschlüsse oder Beschlussempfehlungen im Ausschuss leichter blockiert oder verzögert werden.

Entscheidung mit neuer Geschäftsordnung

Die Ausschussgröße wird final mit der Geschäftsordnung festgelegt, die der Landtag am 6. Oktober nach der Wahl des Landtagspräsidenten beschließen könnte.
Sollten die zwölfköpfigen Ausschüsse festgesetzt werden, wollen mehrere Fraktionen Klage beim Landesverfassungsgericht einreichen, weil sie das Wahlergebnis in den Mehrheitsverhältnissen nicht abgebildet sehen. (dpa/red)