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Freigegebene UFO-Akten: Was Apollo-Berichte und Militärvideos enthüllen


In Kürze:

  • Pentagon veröffentlicht erste größere UFO-/UAP-Aktensammlung
  • Trump spricht von der Erfüllung eines Wahlversprechens
  • Apollo-Astronauten meldeten mehrfach ungewöhnliche Lichtphänomene
  • Militärvideos zeigen unbekannte Objekte und Infrarotaufnahmen
  • FBI untersuchte zigarrenförmiges Objekt über US-Testanlage
  • Dokumente enthalten auch internationale Sichtungen aus Kasachstan und Papua-Neuguinea

 
Am 8. Mai hat US-Präsident Donald Trump auf Truth Social verkündet, ein für einen Teil seiner Anhängerschaft gewichtiges Versprechen zu erfüllen. Das Pentagon hat an diesem Tag eine erste größere Sammlung von Dokumenten veröffentlicht, die sich mit nicht identifizierten Luftphänomenen befassen. Landläufig sind diese eher als UFOs oder UAPs bekannt.
Auf einer eigens dafür eingerichteten Website können Interessierte Aufnahmen und dazu veröffentlichte Dokumente einsehen. Die bisher publizierten „UFO Files“ umfassen NASA-Protokolle der Apollo-Missionen, FBI-Berichte, interne Regierungsdokumente, diplomatische Telegramme sowie Videos und Infrarotaufnahmen unbekannter Flugobjekte.
Klare Beweise für die Existenz außerirdischen Lebens enthalten die bisherigen Dokumente nicht. Jedoch bieten einige von ihnen Anlass für weitere Fragen und Spekulationen. Donald Trump schrieb selbst dazu auf Truth Social, die Öffentlichkeit solle nun „selbst entscheiden, was es mit all dem auf sich hat“.

Apollo-Missionen: NASA-Foto mit Dreiecksformation

Einer der Schwerpunkte der Sammlung betrifft die Apollo-Missionen der NASA. Gleich mehrfach hatten Astronauten in ihrem Umfeld unbekannte Phänomene gemeldet. Buzz Aldrin berichtete demnach auf einer Apollo-11-Mission von einer „hellen Lichtquelle“ nahe dem Monde. Dabei könne es sich um einen möglichen „Laser“ gehandelt haben.
Im Jahr 1969 berichtete auch die Crew der „Apollo 12“ mehrfach über unbekannte Erscheinungen. Die Astronauten beschrieben etwa leuchtende Partikel und Objekte außerhalb der Mondfähre. Diese wirkten, als ob sie „im Weltall wegsegeln“ oder „dem Mond entkommen“.
Auch während der Mission der „Apollo 17“ im Jahr 1972 beschrieben die Teilnehmer mehrere ungewöhnliche Ereignisse. Zu diesen gehörten Lichtblitze über der Mondoberfläche, helle Partikel nahe dem Raumschiff und intensive Lichtphänomene. Besonders auffällig ist dabei ein NASA-Foto, das drei Punkte in Dreiecksformation über dem Mond zeigt. Die NASA erklärte in diesem Kontext explizit, dass es „keinen Konsens über die Natur dieser Anomalie“ gebe.

Ein Archivfoto der NASA von der Apollo-17-Mission, das im Dezember 1972 aufgenommen wurde, zeigt ein unbekanntes und ungewöhnliches Phänomen am Himmel über dem Mond.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Pentagons.

„Achtzackiger Stern mit unterschiedlich langen Armen“

Neben den Astronauten und der NASA hat auch das Pentagon selbst mehrere Militärvideos über mögliche UFOs veröffentlicht. So zeigt ein Video des US Central Command von 2013 ein Objekt, das als „achtzackiger Stern mit unterschiedlich langen Armen“ bezeichnet wird. Dieses scheint in der Luft zu schweben. Die Aufnahme erstreckt sich über eine Minute und 46 Sekunden.
Aus den Jahren 2022 und 2024 gibt es weitere Infrarotaufnahmen, darunter schnell bewegte Objekte, die man als mögliche Raketen deutete. Eine weitere Aufnahme zeigt einen scheinbaren Formationsflug zweier heller Objekte. Das Pazifikkommando steuerte wiederum Videos von unbekannten Erscheinungen nahe Windkraftanlagen in Japan und im Pazifikraum bei.

In einem kürzlich vom Pentagon veröffentlichten Video ist ein möglicherweise nicht identifiziertes anomales Phänomen zu sehen. Es zeigt ein Objekt in der Luft, das als „achtzackiger Stern mit unterschiedlich langen Zacken“ beschrieben wurde.

Foto: Screenshot/Mit freundlicher Genehmigung des Pentagons

„Zigarrenförmiges Objekt“ über Testanlage – ein UFO?

Das FBI untersuchte 2023 ein von mehreren Zeugen gesichtetes und übereinstimmend beschriebenes, zigarrenförmiges Objekt. Diese hätten eine Frau und mehrere im Auftrag der Regierung tätige Beschäftigte eines Morgens über einer nicht genannten US-Testanlage gesehen.
Diesem Bericht zufolge hatte es eine metallisch bronzefarbene Erscheinung, sendete extrem helles Licht aus und war zwei bis drei Black-Hawk-Hubschrauber lang. Nach 5 bis 10 Sekunden in der Luft sei es verschwunden, ohne Kondensstreifen zu hinterlassen. Das FBI führte mehrere Zeugenbefragungen durch und fertigte auf Grundlage der Angaben eine Skizze an.
Neben diesen Zeugen sagte auch ein Drohnenpilot, der in der Nähe der Einrichtung im Einsatz war, über den Vorfall aus. Dazu kam ein weiterer Augenzeuge, der von seinem Auto aus eine entsprechende Beobachtung machte.

Rätselhaftes „Kobaltstrahl“-Memo aus dem Jahr 1967

Ein besonders merkwürdiges Dokument stellt ein internes FBI-Memo dar, das im Jahr 1967 der damalige Rechtsattaché des Büros in Mexiko-Stadt an FBI-Direktor J. Edgar Hoover gesendet hatte. Das als „geheim“ eingestufte Dokument reproduziert ein Telegramm, das ein W.R. Hanawalt im Dezember 1966 aus Harlingen, Texas, verschickt habe.
Darin war die Rede von einem „technologischen Objekt“, das als „Laser- oder Kobaltstrahl“ beschrieben war, in den man sich selbst einhüllen könnte und das Nervensystem einer Person manipulieren könne. Das Objekt soll Menschen manipulieren, Sinneswahrnehmungen beeinflussen und „Visionen von Flugobjekten erzeugen können“.
Der Meldungsleger stellte in weiterer Folge Behauptungen auf, wie jene über eine „Unterwanderung“ staatlicher Stellen durch obskure Auftraggeber und angebliche Maulwürfe in den Behörden. Das FBI bestätigte den Eingang des Schreibens. Über die Person des „Hanawalt“ und dessen Glaubwürdigkeit finden sich keine Äußerungen.

Internationale Sichtungen in Kasachstan und Papua-Neuguinea

Die nun freigegebenen Dokumentensammlungen enthalten auch Berichte über Sichtungen in anderen Staaten. Einem Telegramm aus Kasachstan zufolge, das 1994 übermittelt wurde, meldeten Piloten ein „extrem helles Objekt“, das sich vom Horizont auf sie zubewegte. Über etwa 40 Minuten hinweg sei dieses Kreis-, Korkenzieher-Manöver und 90-Grad-Wendungen unter hoher Beschleunigung geflogen. Es soll mit einer Olympus-Taschenkamera angefertigte Fotos dazu geben, die jedoch nicht im Bericht dokumentiert sind.
Im Jahr 1985 wurde einem Telegramm des U.S. State Department zufolge ein „in großer Höhe mit hoher Geschwindigkeit“ fliegendes Objekt über der US-Botschaft in Port Moresby, Papua-Neuguinea, gemeldet. Dazu kamen weitere Berichte über schnelle Flugobjekte mit Lichtern, Geräuschen und Kondensstreifen, die auch Anwohner beunruhigt hätten. Allerdings seien, so die US-Regierung später, keine eigenen Militärmaschinen dort unterwegs gewesen.
 
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Immun-Cocktail: Neue Superkraft von Ameisengift entdeckt


In Kürze:

  • Alte Annahme: Bislang galt Ameisensäure als alleiniger Bestandteil von Ameisengift.
  • Neue Erkenntnis: Forscher aus Halle/Saale und Berlin haben jüngst herausgefunden, dass das Toxin auch gesundheitswirksame Eiweiße enthält.
  • Künftiger Nutzen: Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, wirksame Mittel gegen Krankheitserreger wie Pilze zu entwickeln.

 
Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff dieser Ameisengifte betrachtet.
„Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe [Peptide] enthalten“, sagte Timo Niedermeyer, Professor für Pharmazeutische Biologie der Freien Universität Berlin. Er ergänzte:
„Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“

Ameisengift schützt Brut vor Pilzerkrankungen

Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. So schmieren die Ameisen ihre Brut mit ihrem Gift ein – die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betonte Dr. Simon Tragust, beteiligter Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen.

Internationale Spitzenforschung

Für ihre Arbeit kombinierten die Forscher Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Mithilfe modernster Technik wurden Protein- und RNA-Daten zusammengeführt, um die im Gift enthaltenen Peptide und ihre Gensequenzen zu identifizieren. Ergänzend kamen chemische Analysen, synthetische Verfahren, biophysikalische Experimente und Genomanalysen zum Einsatz.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die Studie erschien am 13. Mai 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
(Mit Material der Freien Universität Berlin.)
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gesellschaft wissen

„Zum ersten Mal Gesichter“: Fotos von Pariser Juden-Deportation aufgetaucht

Das Papier war grün, der Ton höflich: „Herr Pinkus Eizenberg ist gebeten, sich mit einem Angehörigen oder einem Freund am 14. Mai 1941 um 7.00 Uhr an der Sporthalle von Japy einzufinden.“ Es gehe um die „Klärung seiner Situation“. Mitzubringen seien eine Garnitur Wäsche und Lebensmittel für einen Tag.
Es war der Auftakt zur ersten Massenverhaftung und Deportation ausländischer Juden in Paris – angeordnet von den deutschen Besatzern, ausgeführt von der französischen Polizei. Und minutiös dokumentiert von dem deutschen Fotografen Harry Croner.

Zum ersten Mal zu sehen

Croners Bilder von der Massenfestnahme sind – bis auf wenige Ausnahmen – erst 2020 überraschend aufgetaucht. Sie sind seit dieser Woche zum ersten Mal in der Pariser Shoah-Gedenkstätte zu sehen.
„Die Fotos sind sehr außergewöhnlich“, erklärt Lior Lalieu, die Leiterin der Bilderdatenbank der Gedenkstätte. „Es gibt extrem wenige Bilder von der Shoah in Frankreich“, fügt sie hinzu.
Darüber hinaus fasziniere der „doppelte Blick“ des Fotografen: Croner war damals für die Propagandakommission im Einsatz – machte aber heimlich auch bewegende Aufnahmen der Opfer. „Das hätte er nicht tun dürfen, aber er hat es trotzdem gemacht“, sagt Lalieu. „Die wiedergefundenen Bilder zeigen zum ersten Mal ihre Gesichter.“
Stunde um Stunde, Station um Station dokumentierte Croner, wie die meist polnischen Juden den Nazis in die Falle gingen: Die Ankunft der Männer in der Pariser Sporthalle. Die Frauen, die ihnen noch Sachen bringen durften – wohl um den eigentlichen Zweck der Einbestellung zu verschleiern.
Ein Foto zeigt den Abschiedskuss eines jungen Paares, daneben einen ungeduldig wirkenden französischen Polizisten. Als die Männer in den Bus einsteigen, hält Croner die besorgten Gesichter von einigen fest – was sicher nicht mit seinem Auftrag vereinbar gewesen war.

Massenverhaftung

Etwa 6.500 Familien hatten den „grünen Schein“ erhalten, nachdem die Massenverhaftung später benannt wurde, „dos grine tsetl“ auf Jiddisch. Gut 3.700 begaben sich zu den Sammelorten, viele in der Hoffnung, ihre Papiere in Ordnung zu bringen.
Wenige Stunden später wurden sie in Bussen zum Bahnhof gefahren und per Zug in die Internierungslager von Pithiviers und Beaune-la-Rolande, etwa 100 Kilometer südlich von Paris, gebracht. Auch dorthin reiste Croner, um für die Propagandakommission zu fotografieren. Auch dort machte er heimlich Aufnahmen, die eine Anteilnahme am Schicksal der Opfer erahnen lassen.

Der Fotograf als Zwangsarbeiter

Einige wenige Bilder wurden damals veröffentlicht, sie stellen die Festnahme als eine reguläre, administrative Maßnahme dar. Croner wurde wenige Monate später aus der Wehrmacht entlassen, als bekannt wurde, dass sein Vater Jude war. Er kam als Zwangsarbeiter nach Frankreich und am Kriegsende in US-Gefangenschaft.
Nach dem Krieg baute Croner sich in Berlin eine neue Existenz als Promi-Fotograf auf. Er porträtierte Marlene Dietrich, Willy Brandt und die Filmstars der Berlinale. Über seinen Pariser Propaganda-Einsatz schwieg er sich aus. Croner starb 1992, zu seinen letzten großen Reportagen zählte der Fall der Berliner Mauer.
Von der Existenz der Pariser Bilder aus der Besatzungszeit ahnte niemand etwas – bis sich 2020 ein französischer Sammler meldete. Er hatte Jahre zuvor einen Stapel Kontaktabzüge auf einem Flohmarkt in Reims erworben.

Nur wenige überlebten

Experten der Shoah-Gedenkstätte fanden schnell heraus, dass es sich um einen bedeutenden Fund handelte: Die Ereignisse, die bislang nur durch Schriftstücke und Zeugenaussagen bekannt waren, standen den Betrachtern plötzlich direkt vor Augen.
Von den 3.700 Festgenommenen kamen etwa 800 frei. Alle anderen wurden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht. Von ihnen überlebten nur sehr wenige.
Renée Sieradzki war fünf Jahre alt, als ihr Vater den grünen Schein erhielt. „Ich saß unter dem Tisch und hörte, wie die Erwachsenen sich unterhielten“, berichtete sie später.
Die Männer seien sich einig gewesen, dass sie zu den Sammelpunkten gehen wollten. „Es geht doch nur um eine Überprüfung der Papiere, das kann nichts Schlimmes bedeuten“, hätten sie gesagt. (afp/red)
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gesellschaft wissen

Die Lust am Wandern: Warum Unterwegssein beflügelt und erdet


In Kürze:

  • Wandern wirkt nicht nur körperlich, sondern schafft Abstand vom Alltag und öffnet den Blick für das Wesentliche.
  • Der deutsche Begriff „Wanderlust“ fand als Lehnwort Eingang in andere Landessprachen, ähnlich wie „Zeitgeist“ oder „Schadenfreude“.
  • Längere Wanderungen schaffen besondere Erlebnisse und machen das Unterwegssein zum Sinnbild persönlicher Reifung.
  • Ein wachsender Trend: Jugendliche tauschen Mallorca-Partys gegen gemeinsame Wander- und Naturerlebnisse.

 
„Das Wandern ist des Müllers Lust“: Kaum eine Zeile aus dem deutschen Volksgut hat sich so tief in das Gedächtnis eingegraben wie diese. Generationen von Schulkindern sangen sie auf Wandertagen, in Jugendherbergen und am Lagerfeuer.
Der Dichter Wilhelm Müller schrieb den Text 1821 als Teil seines Zyklus „Die schöne Müllerin“. Franz Schubert vertonte ihn kunstvoll, ehe Carl Friedrich Zöllner daraus jenes bis heute bekannte Wanderlied machte. Doch das Lied beschreibt kein romantisches Naturidyll. Es spiegelt die uralte Sehnsucht nach Bewegung und Freiheit wider, die die deutsche Kultur seit Jahrhunderten prägt.

Heimat braucht Ferne

Die Deutschen gelten als heimatverbunden und wanderfreudig zugleich. Gerade in dieser besonderen Spannung liegt vielleicht der Kern ihrer Wanderkultur. Heimweh und Fernweh entspringen derselben seelischen Landschaft. Beide setzen voraus, dass es einen Ort gibt, dem man sich verbunden fühlt, den man vermisst oder den man neu entdecken will.
England kennt seinerseits mit dem „rambling“, einer Wortschöpfung aus dem 19. Jahrhundert, eine lebendige Tradition des gemeinschaftlichen Landschaftswanderns, die stärker auf Geselligkeit und das Recht auf das Betreten setzt. In Spanien prägen lange Pilgerwege wie der Jakobsweg das Bild des Unterwegsseins, oft mit spiritueller Zielsetzung. Jede Form teilt das Naturerlebnis und die körperliche Herausforderung.
„Wanderlust“ jedoch scheint dies zusätzlich zur deutlichen inneren Suche und erlebbaren romantischen Resonanz zu verdichten. Vielleicht erklärt das, warum das altdeutsche Wort als sogenanntes Lehnwort in fremde Sprachen übernommen wurde. Es beinhaltet die besondere Mischung aus Sehnsucht, persönlicher Erneuerung und dem Verlangen, die Welt zu Fuß zu entdecken.

Auf dem Weg zur Reife

Diese Sehnsucht war es, die in Deutschland bereits früh konkrete Formen annahm und so eine Kultur des Gehens hervorbrachte, die weit über reine Fortbewegung hinausging. Im Mittelalter gingen Handwerksgesellen nach ihrer Lehrzeit „auf Wanderschaft“. Über Jahre hinweg wanderten sie von Stadt zu Stadt, arbeiteten bei verschiedenen Meistern und reiften dabei, sowohl beruflich als auch persönlich. Noch heute begegnet man gelegentlich jungen Zimmerleuten in schwarzer Kluft und mit Wanderstab, die nach alter Tradition für mehrere Jahre unterwegs sind, bevor sie mit ihrem in der Fremde erworbenen Erfahrungsschatz zurückkehren.
Die Vorstellung, dass sich Bildung und Charakter erst in der Fremde weiterentwickeln, prägte auch die deutsche Romantik. Joseph von Eichendorffs Wanderer, getrieben von unbestimmter Sehnsucht, offen für das Ungeplante, wurde zur Schlüsselgestalt einer ganzen Ära. Und als die Industrialisierung die Städte verdichtete und lärmend machte, wurde die Natur zum Gegenentwurf. Sie wurde zu einem begehbaren Ort der Stille, des Schutzes und des Seelenheils.

Kollektives Wandern bewegt bis heute

Eben jene Sehnsucht nach dergleichen trieb um 1900 die Wandervogel-Bewegung an. Tausende Jugendliche verließen an Wochenenden die Städte, um singend durch Wälder und Mittelgebirge zu ziehen. Sie entflohen so dem engen Korsett des wilhelminischen Zeitalters und fanden dabei in Einfachheit, Gemeinschaft und Naturerlebnissen, was ihnen die bürgerliche Gesellschaft verweigerte. In dieser Bewegung wurzeln noch heute der schulische Wandertag ebenso wie große Wallfahrten, etwa die Pilgerfahrten nach Kevelaer.
Dass kollektives Unterwegssein in Deutschland bis heute nicht nur religiöse, sondern auch säkulare und feierliche Ausprägungen hat, zeigt der Brauch an Christi Himmelfahrt. Der sogenannte Vatertag – regional auch Herrentag oder Männertag –, der dieses Jahr mit dem Tag des Wanderns zusammenfällt, verbindet ausgelassene Männerausflüge mit dem Motiv des gemeinsamen Ziehens durch die Landschaft – eine unterhaltsame Fortsetzung der langen Praxis, in Gruppen draußen Erlebnis und Gemeinschaft zu suchen.

Eine neue Generation wandert

Das Wandern steht jedoch nicht nur für Geselligkeit oder Sportliches, es kann auch ausgleichend und meditativ wirken. Rhythmisches Gehen ordnet die Gedanken, entschärft im Erkunden der weitläufigen Landschaft den Blick und verändert das Zeitgefühl. In einer Zeit der permanenten Erreichbarkeit und zunehmenden Reizüberflutung gewinnt genau diese Erfahrung wieder eine neue Bedeutung. Der Weg durch den Wald schafft eine Brücke ins Innere und bewirkt einen heilsamen Ausgleich.
Deshalb pilgern seit Jahrzehnten Menschen aus ganz Europa nach Santiago de Compostela. Viele suchen dabei weniger religiöse Erfüllung als eine Form innerer Klärung und Erkenntnis. Das Gehen über Wochen hinweg schafft einen Zustand zwischen Konzentration und Loslassen. Und am Ende, so berichten viele Pilger, wartet nicht Erschöpfung oder Ermüdung, sondern Klarheit.
Genau das scheinen auch jüngere Generationen (wieder) für sich zu entdecken. Die Trendstudie „Jugend reist 2022“ zeigte, dass Jugendliche verstärkt Interesse an Erlebnisreisen und dem Wandern haben. Das spiegelt sich auch in Angeboten von Veranstaltern und Verbänden wider, die neben Mallorca inzwischen Alpenüberquerungen und mehrtägige Wanderungen als Abschlussfahrt anbieten. Verbirgt sich hier ein leiser kultureller Wandel, auf der Suche nach Ausgleich, Regeneration und einem neuen Gemeinschaftssinn?

Eine Sehnsucht, die erdet

Erfahrene Wanderer wissen: Gute Wege entstehen dort, wo Zeit bleibt für eine Rast, für entspannte Gespräche und für stille Einkehr oder gemeinsame Verbindung. Die Strecke wird nach Rhythmus und Einklang gewählt, nicht nach sportlichem Ehrgeiz.
Genau deshalb wurden Pilgerwege restauriert, Bahntrassen zu Naturpfaden umgebaut und in den Mittelgebirgen wie Eifel, Harz und Schwarzwald Wanderwege neu erschlossen. Was die Menschen dort hinzieht, ist das archetypische Gefühl der stillen und beruhigenden Zuflucht, während sie auf dem Weg zu sich selbst sind – ein Empfinden, das die deutsche Wanderkultur seit Jahrhunderten trägt.
Von den Gesellen auf der Walz über romantische Dichter bis hin zu jungen Menschen, die wieder längere Wege durch die Natur suchen, zieht sich ein Gedanke durch die Zeit: Wandern ist mehr als Fortkommen. Es schafft Abstand, öffnet den Blick und verschiebt die Perspektive auf das eigene Leben.
In dieser Bewegung zwischen Heimweh und Fernweh, Walz und Jakobsweg, Lagerfeuer und Naturpfad spiegelt sich auch eine leise Antwort auf die Unruhe der Gegenwart. Nicht alles muss schneller, lauter oder weiter werden. Manchmal reicht es, mit offener Wahrnehmung und bewusstem Blick zu gehen. Und so kann schon ein langer Fußmarsch genügen, um das Wesentliche wieder zu spüren: die erhellenden Einsichten, die erst entstehen, wenn sich der Mensch auf der erfüllenden Reise zu sich selbst befindet.
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deutschland meinung wissen

Weltklimarat revidiert RCP 8.5 – Klimakatastrophe findet nicht statt


In Kürze:

  • 44 IPCC-Autoren haben drei Klimamodelle im Rahmen einer Neubewertung als „unplausibel“ erklärt und zurückgezogen: RCP8.5, SSP5-8.5. und SSP1-1.9.
  • Erstere Szenarien prognostizierten Erwärmungen von bis über 5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts.
  • Sie dienten damit tausenden Wissenschaftlern und Regierungen weltweit als Grundlage für Studien und Klimapolitik.
  • Mit dem Wegfall der wissenschaftlichen Grundlage müssten diese Arbeiten und Gesetze ebenfalls revidiert oder mindestens grundlegend überarbeitet werden.

 
Die Abweichung der globalen Mitteltemperatur vom langjährigen Mittel der Satellitenmessungen ist im dritten Monat in Folge praktisch unverändert. Im April 2026 lag sie +0,39 Grad Celsius über dem Mittelwert der vergangenen 30 Jahre. Im März betrug die Abweichung +0,38 °C, im Februar +0,39 °C in Bezug auf den jeweiligen Mittelwert.
Der durchschnittliche Temperaturanstieg seit 1979 beträgt 0,16 Grad Celsius pro Jahrzehnt oder 1,6 °C in einem Jahrhundert. Dieser mäßige Anstieg vertrug sich nie mit den Katastrophenszenarien des sogenannten Weltklimarats, offiziell das Zwischenstaatliche Gremium für Klimawandel (IPCC), der in seinen Szenarien einen Temperaturanstieg von 3 bis 5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 weissagte.
Das ist seit dem 7. April 2026 der Schnee von gestern. Wissenschaftler des IPCC haben an diesem Tag in einer aufsehenerregenden Veröffentlichung die bisherigen Untergangsszenarien kassiert.
In Politik, Medien und Wissenschaft müsste dies als eine große Erleichterung aufgenommen werden und zu einer sofortigen Korrektur der Klimapolitik führen. Doch die Diskussion findet in Deutschland nicht statt. Sondersendung im ARD, Sondersitzung des Deutschen Bundestages, Regierungserklärung der Bundesregierung zu den fehlerhaften Grundlagen des Klimaschutzgesetzes: Alles Fehlanzeige. Der Klimapopanz bleibt aufgebauscht, denn damit konnte man herrlich grüne und linke Politik machen.

IPCC-Autoren verabschieden sich von Katastrophenszenarien

Am 7. April 2026 erschien eine Veröffentlichung von 44 IPCC-Autoren, die mit für die Klimaszenarien des Weltklimarats verantwortlich sind. Unter der Federführung von Prof. Detlef van Vuuren erklärten die Wissenschaftler, dass die bislang in den letzten beiden Klimaberichten von 2013/2014 (AR5) sowie von 2021 bis 2023 (AR6) aufgeführten Szenarien, die zu Temperaturerhöhungen bis über 5 Grad Celsius im Jahre 2100 führen sollten, „implausible“ (unplausibel) sind.
In diesen Szenarien (RCP 8.5) wurde angenommen, dass die CO₂-Emissionen sich im Verlaufe dieses Jahrhunderts mehr als verdreifachen würden. Da das IPCC in seinen Modellen CO₂ als den wesentlichen Klimafaktor zugrunde legt, kam man so auf erschreckende Temperaturanstiege. Im Modell RCP8.5 sollte es nach dem letzten Bericht (AR6) bis zum Jahre 2100 um 4,4 bis 5,7 Grad wärmer werden.
Seit vielen Jahren weisen Wissenschaftler, darunter auch ich in mehreren Beiträgen und in einem eigenen Kapitel in meinem Buch „Unerwünschte Wahrheiten“ darauf hin, dass in diesem Extremszenario schon 2080 der weltweite Kohlenstoff in Form von Öl, Gas und Kohle erschöpft wäre. Mit anderen Worten, wir können nicht so viel CO₂ erzeugen, wie erforderlich.

Eine weitreichende Entscheidung?

Trotzdem hielt man an diesem Szenario fest und beschrieb es sogar als „business as usual“. Der Trick ging weitgehend auf: Das Schreckensszenario beherrschte mit Schlagzeilen wie „Bis zu 5 Grad Erwärmung …“ die Medien.
Mit diesem Szenario wurde auch im politischen Raum gearbeitet und damit Gesetze zur Einführung der CO₂-Steuer, Klimaschutzprogramme und Verbrennerverbote begründet. Selbst das Bundesverfassungsgericht stützt sich auf die IPCC-Berichte, die das Gericht als „zuverlässige Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstands zum Klimawandel“ ansieht. Das Gericht begründet seine Entscheidung in den Randnummern 19 und 22 seines Beschlusses vom 21. März 2021 wie folgt:
„Ohne zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels gilt derzeit ein globaler Temperaturanstieg um mehr als 3 °C bis zum Jahr 2100 als wahrscheinlich.“
Als Quelle verweist man auf den IPCC-Bericht von 2012/13 – Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. Auf Seite 25 findet man dort als Quelle eine Grafik, die die Temperaturentwicklung bis 2100 aufgrund des Szenarios RCP8.5 beschreibt:
Das Bundesverfassungsgericht nimmt also als Basis seiner Entscheidung eine Temperaturprognose, die mittlerweile als unplausibel verworfen worden ist. Und zwar nicht von irgendwem, sondern von den Wissenschaftlern, die für die Szenarien des Weltklimaberichts verantwortlich sind.
Hätte das Bundesverfassungsgericht und nachfolgend die Bundesregierung die damals schon vorhandene Kritik an den Katastrophenszenarien des IPCC zur Kenntnis genommen – wie man es bei einer solch folgenschweren Entscheidung eigentlich voraussetzen sollte–, hätte man einen solch schwerwiegenden Fehler, der Deutschland ins Unglück stürzt, vermeiden können. Die federführende Richterin Britz schrieb lieber in den Beschluss Formulierungen hinein, die auch schon ihr Ehemann, der damalige Vorsitzende der Grünen in Frankfurt, Bastian Bergerhoff, nahezu wortgleich auf seiner persönlichen Webseite Monate vor dem Beschluss veröffentlicht hatte.

Was sind die neuen IPCC-Weissagungen?

Der US-Klimawissenschaftler Roger Pielke Jr. hat die Veröffentlichung der 44 Wissenschaftler vom 7. April 2026 untersucht. Die Veröffentlichung behandelt nur noch sieben Szenarien mit hohen, mittleren und niedrigen CO₂‑Emissionen. Das neue hohe Emissionsszenario („CMIP7 High“) wird von den Autoren selbst als unwahrscheinlich bezeichnet. Darin würden die Emissionen noch einmal um 30 Prozent ansteigen – und im Verlaufe dieses Jahrhunderts auch nicht mehr absinken.
Dieses neue Hoch-Szenario ist auch deswegen absurd, weil es eine Bevölkerungsexplosion von heute 8,2 Milliarden auf 14,5 Milliarden Menschen annimmt. Die heutigen Bevölkerungsprognosen gehen von einer maximalen Bevölkerung von 9 bis 10 Milliarden Menschen in diesem Jahrhundert aus.

Entwicklung der CO₂-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen und Industrie (FFI) im 21. Jahrhundert nach Vorhersage verschiedener Klimamodelle. Das Szenario mit den höchsten Emissionen (SSP5-8.5) wurde von den verantwortlichen Autoren revidiert. Das neue „Hoch“-Szenario geht von 40 Prozent geringeren Emissionen aus. Das neue „Sehr-Niedrig“-Szenario repliziert im Wesentlichen das ebenfalls zurückgezogene Szenario SSP1-1.9.

Das mittlere Szenario („CMIP7 Medium“) orientiert sich an den aktuellen Prognosen der Internationalen Energieagentur IEA und ist wohl die wahrscheinlichste Entwicklung. Sie wird beschrieben als Fortsetzung der heutigen Politik „current policies“ und führt bis 2050 und darüber hinaus zu unmerklich höheren Emissionen als heute. Sie belaufen sich damit am Ende des Jahrhunderts auf etwa ein Drittel der RCP8.5-Prognose.
Nach den Berechnungen der 44 Wissenschaftler errechnet sich daraus eine Erwärmung bis zum Jahre 2100 von 2,56 Grad Celsius gegenüber dem Jahre 1860. Da im Jahre 2025 gegenüber dem Basisjahr 1860 bereits eine Erwärmung von 1,45 Grad Celsius festgestellt wurde, geht das mittlere und wahrscheinlichste Szenario von einer Erwärmung um nur 1,1 Grad Celsius bis zum Jahre 2100 aus.

Die Klimakatastrophe findet nicht statt. Und nun?

Das wäre alles andere als eine Katastrophe. Wenn man wie das IPCC annimmt, dass die Erwärmung im Wesentlichen vom CO₂ bestimmt wird, dann kann man auch den Anteil Deutschlands an dieser Erwärmung bis 2100 berechnen. Deutschland hat einen Anteil von zuletzt 1,46 Prozent an den globalen, anthropogenen CO₂‑Emissionen. 1,46 Prozent von 1,1 Grad machen 0,016 Grad bis zum Jahre 2100 aus.
Und für diese nicht sicher messbare Veränderung zerstört grüne und linke Politik den Wohlstand des eigenen Landes?
Die schlimmste Erfahrung der letzten Wochen ist aber, dass die doch so gute Nachricht, dass die Klimakatastrophe abgesagt werden kann, in Deutschland nicht diskutiert wurde. Wenn man das ernsthaft täte, müssten alle Gesetze, Programme und Subventionen, die den angeblich zu erwartenden Klimanotstand bekämpfen sollen, rigoros abgeschafft werden. Das wäre zwar mehr als peinlich für unsere Klimakämpfer in Regierungen und Medien. Aber es wäre der Beginn eines neuen deutschen Wirtschaftswunders.
Dieser Artikel erschien im Original auf klimanachrichten.de unter dem Titel: Fritz Vahrenholt: Der Weltklimarat sagt, die Klimakatastrophe findet nicht statt. (redaktionelle Bearbeitung: ts/Epoch Times)
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deutschland wissen

Gasspeicher in Deutschland auf Vierjahrestief – Warnung vor Engpässen

Die Gasspeicher in Deutschland sind so wenig gefüllt wie seit vier Jahren nicht mehr – und den Energieunternehmen fehlt offenbar jeder Anreiz, daran etwas zu ändern.
Am 1. Mai lag der durchschnittliche Speicherfüllstand in Deutschland lediglich bei rund 26 Prozent – ein Niveau, das zuletzt im Krisenjahr 2021/2022 erreicht wurde, teilte die Initiative Energien Speichern e. V. (INES), ein Zusammenschluss von Betreibern deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher, am Dienstag, 12. Mai, mit.
Aufgrund der stark gestiegenen Preise wollen die Marktakteure derzeit kein Gas auf dem Großmarkt kaufen und einspeichern – denn für den Winter kann derzeit in der Theorie viel günstiger eingekauft werden.
Das Problem: Es könnte die Situation eintreten, dass Gasversorger im Winter dann zwar einen Anspruch auf Lieferung haben, das Gas aber physisch nicht vorhanden ist.
„In einem kalten Szenario mit einem Temperaturniveau des Referenzjahres 2010 zeigen die Analysen Versorgungsknappheiten“, teilte INES mit.
In diesem Fall könnte in den Monaten Januar, Februar und März 2027 eine Unterdeckung von insgesamt 20 TWh auftreten. In den Modellrechnungen könnte demnach an einzelnen Tagen sogar über 35 Prozent des Gasverbrauchs nicht mehr gedeckt werden.
Der Markt kauft derzeit Gas auf dem Großmarkt in einem Umfang ein, der eine Befüllung der Gasspeicher von 76 Prozent bis zum 1. November erwarten lässt.
Die Speicherbetreiber sind diesbezüglich weiterhin skeptisch, ob das ausreicht: „Wir wissen bereits aus dem letzten Winter, dass eine Buchungs- und Befüllungssituation in Höhe von 76 Prozent nur reicht, wenn das Wetter mitspielt.“ (dts/red)
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Mit dem Luftschiff über den Nordpol in 17 Stunden


In Kürze:

  • Am 12. Mai 2026 jährt sich zum 100. Mal der erste Flug über den Nordpol durch den Polarforscher Roald Amundsen.
  • Mit diesem Erfolg sicherte sich der damals 54-jährige Norweger seinen zweiten Rekord.
  • Insgesamt benötigte der Mann, dessen Name „der Ruhmvolle“ bedeutet, drei Anläufe: zu Schiff, per Flugzeug und im Luftschiff.

 
Der Drang nach Abenteuern und Entdeckungen ist eines der Merkmale der Menschheit. Früher wie heute schrecken Neugierige weder vor Fremdem noch vor Extremem zurück und dringen zu Orten vor, an denen niemand zuvor war. Im 19. Jahrhundert fassten Entdecker besonders die Arktis und Antarktis ins Auge.
Schon bald begann ein Wettlauf um die Rekorde. Wer durchquert als Erstes per Schiff die Nordwestpassage oder erreicht die geografischen Erdpole? Und wer überfliegt erstmals das Ewige Eis oder taucht darunter durch?
Ein Mann, der später als bekanntester Polarforscher in die Geschichte einging, nahm erfolgreich an diesem Wettbewerb teil. Sein Name ist Roald Amundsen.
Roald Amundsen war der erste Mann, der den Nordpol überflog

In Norwegen wird der Polarforscher Roald Amundsen als Nationalheld gefeiert.

Eisige Faszination von Kindesbeinen an

Der Norweger Roald Engelbregt Gravning Amundsen erblickte im Juli 1872 als Sohn eines wohlhabenden Schiffskapitäns das Licht der Welt. Geprägt von dem Beruf seines Vaters und den Büchern über Entdeckungsreisen entbrannte in dem jungen Amundsen bereits früh die Faszination für Polarforschungen – sehr zum Leidwesen seiner schulischen Leistungen.
Zwar begann er zunächst ein Studium, brach dieses jedoch bald ab, um Matrose zu werden. Gute soziale und finanzielle Absicherungen reichten nicht aus, um seine Leidenschaft für das Ewige Eis aufzuwiegen.
Mit 24 Jahren heuerte er bei dem Belgier Adrien de Gerlache de Gomery (1866–1934) für eine Antarktisexpedition an. Aufgrund seiner guten Kenntnisse wurde Amundsen bald zum Zweiten Offizier und Co-Leiter der Belgica-Expedition erhoben.

Aufnahme des getakelten Dampfschiffs „Belgica“ vor dem antarktischen Eis.

Fortan unternahm Amundsen zahlreiche weitere Expeditionen und veröffentlichte stets Berichte über seine Reisen. Seine Beliebtheit stieg und seine Landsleute feierten ihn als Nationalheld.
Einen Meilenstein erreichte der Norweger im Dezember 1911, als er als erster Mensch den geografischen Südpol erreichte. Doch das Erlebte reichte dem damals 39-Jährigen nicht, und er setzte Kurs auf die Arktis.

Amundsen wusste sich im Ewigen Eis zu orientieren, zu bewegen und zu überleben.

Drei Anläufe bis zum Nordpol

Zwar erreichte die Welt 1909 die umstrittene Nachricht, dass der US-Amerikaner Robert Edwin Peary bereits den Nordpol erobert habe, doch hielt dies Amundsen nicht davon ab, die Arktis selbst zu bereisen. 1920 startete er deshalb seinen ersten Versuch per Schiff, musste diesen jedoch aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.
Da die Luftfahrt zu dieser Zeit enorme Fortschritte machte und Amundsen sie für „die Zukunft des Reisens und Forschens“ hielt, plante er seine nächste Reise mit dem Flugzeug. 1925 startete der Norweger zusammen mit dem US-amerikanischen Piloten Lincoln Ellsworth (1880–1951) seinen zweiten Versuch, die Arktis zu erreichen. Doch auch dieser erste Versuch der Amundsen-Ellsworth-Expedition schlug fehl, da die Flugzeuge 255 Kilometer vor dem Nordpol den Dienst versagten.
Es heißt „alle guten Dinge sind drei“ und so unternahm Amundsen ein Jahr später erneut einen Anlauf. Dieses Mal sollte die Reise in einem Luftschiff des italienischen Flugpioniers Umberto Nobile (1885–1978) erfolgen.

Rekordflug vor 100 Jahren

Amundsen kaufte der italienischen Regierung den fliegenden Giganten „N-1“ ab, benannte es in „Norge“ um und ließ das Luftschiff für seine Expedition umrüsten. Am 10. April 1926 startete Amundsen mit seiner 16-Mann-starken Besatzung das Abenteuer.
Von Italien ging es zunächst über England, Oslo und Russland nach Spitzbergen (7. Mai). Kurz vor dem Start am 11. Mai erreichte die Mannschaft die Meldung, dass dem US-Amerikaner Richard Byrd bereits der Überflug über den Nordpol geglückt sei. Diese ist bis heute umstritten, da die Angaben zu seiner Route und zum Wetter Zweifel wecken.
Unbeeindruckt startete Amundsen am 12. Mai 1926 seinen Flug über den geografischen Nordpol. Nach 16 Stunden, 40 Minuten und rund 5.300 Kilometern Luftweg über die Arktis landete das Team erfolgreich in Alaska.

Ein Teil der Besatzung der „Norge“. Auf den Stühlen sitzend  v.l.n.r.: Roald Amundsen, Lincoln Ellsworth und Umberto Nobile.

Damit gilt dieser Versuch offiziell als erster Überflug des Nordpols. Roald Amundsen, dessen Name im Nordischen „der Ruhmvolle“ bedeutet, hält damit gleich zwei Rekorde rund um die Pole der Erde.