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Neue App für Lkw-Fahrer: Parkplatzsuche für 1.850 Rastanlagen ist on

Ein neuer Info-Service soll ab sofort Lkw-Fahrern helfen, zügig einen der begehrten Parkplätze an Autobahn-Rastanlagen zu finden.
Der Stellplatz-Informationsdienst (SID) sei ein „digitales Upgrade mit großer Wirkung für den Güterverkehr und für den Logistikstandort Deutschland“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) an der Anlage Rhynern Süd an der A2 bei Hamm.
Ab heute seien die Belegungsdaten für alle 1.850 Autobahn-Rastanlagen kostenlos verfügbar. Das digitale System funktioniere echtzeitnah und sei einfach in der Nutzung.

Wie das SID-System funktioniert

Starker Lkw-Verkehr auf Autobahnen führt häufig zu überfüllten Rastanlagen. Für Fahrer wird es schwierig, einen freien Parkplatz für ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten zu finden, mitunter wird in riskanter Weise an Ein- und Ausfahrten von Rastanlagen, auf Auto-Parkplätzen oder am Autobahn-Seitenstreifen geparkt. Das SID soll Abhilfe schaffen.
Das neue System SID.

Das neue System SID.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Die Daten kommen aus dem Lkw-Mautsystem. Die Parkmöglichkeiten können von den Fahrern über verschiedene Apps abgerufen werden. Wird eine Auslastung angezeigt, können überfüllte Lkw-Rastplätze umfahren und gezielt freie Parkmöglichkeiten angesteuert werden.
Der flächendeckende Start des SID auf allen Rastanlagen an Autobahnen werde zur Reduzierung von Parksuchverkehren und zu mehr Sicherheit führen, betonte der Präsident des Bundesamts für Logistik und Mobilität, Christian Hoffmann, laut Mitteilung.
Im zweiten Schritt sollen auch die Rastanlagen an Bundesstraßen sowie private Parkraumanbieter und Autohöfe in den SID integriert werden. Das Ganze ist ein gemeinsames Projekt von Toll Collect, Bundesverkehrsministerium, der Bundesanstalt für Straßenwesen und weiteren Playern.

Digitalisierung löst nicht den Parkplatzmangel

Laut Bundesverkehrsministerium wird zugleich intensiv daran gearbeitet, die Zahl der Lkw-Parkplätze auf Autobahn-Rastanlagen kontinuierlich zu erhöhen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat geht von bundesweit 25.000 bis 40.000 fehlenden Stellplätzen aus.
„Wer nach stundenlanger Fahrt keinen sicheren Lkw-Stellplatz findet, steht vor einer unzumutbaren Entscheidung: gegen Vorschriften verstoßen oder trotz Übermüdung weiterfahren“, sagte Rats-Präsident Manfred Wirsch.
Die Kraftfahrer sorgten täglich dafür, dass die Wirtschaft funktioniere und die Regale gefüllt seien. „Sie verdienen sichere und verlässliche Bedingungen für ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten.“
Das neue SID-Angebot sei ein wichtiger und richtiger Schritt. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das System lückenlos funktioniert“, mahnte Wirsch.
Nötig sei zudem die Möglichkeit, verfügbare Stellplätze verbindlich reservieren zu können. Denn die Information über einen freien Parkplatz helfe nicht, wenn dieser bei der Ankunft dann doch bereits belegt sei. (dpa/red)
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Autonomes Fahren: Das plant Mercedes deutschlandweit ab 2027


In Kürze:

  • Mercedes-Benz plant, das Level-3-System Drive Pilot ab 2027 deutschlandweit anzubieten.
  • Fahrer sollen während der Fahrt zeitweise andere Tätigkeiten ausüben können.
  • Die Technik ist bislang nur auf ausgewählten Autobahnabschnitten zugelassen.
  • Deutschland liegt bei vollautonomen Systemen hinter den USA und China zurück.

 
Mercedes-Benz wird möglicherweise schon bald sein erstes hochautomatisiertes Fahrsystem Drive Pilot auf Deutschlands Straßen bringen. Wie der Technologiechef Jörg Burzer auf LinkedIn mitteilt, soll das Level-3-System schon ab 2027 in ganz Deutschland angeboten werden.
In China ist dieses System bereits Alltag, in Deutschland ist es bislang nur auf ausgewählten Autobahnabschnitten verfügbar. Wie der Konzern betont, wird das Konzept „in enger Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium“ weiterentwickelt.

Mercedes zieht sich bei S-Klasse taktisch zurück

Auf seiner Website hat Mercedes-Benz diesen Schritt am Freitag der Vorwoche angekündigt. Das Vorhaben kommt überraschend. Immerhin hatte es noch zu Beginn des Jahres geheißen, dass der Konzern das autonome Fahren der Stufe 3 nicht weiterverfolgen wolle. Als Grund wurden Bedenken über das Verhältnis zwischen Entwicklungskosten und Kundennachfrage genannt. Statt am Level 3 weiterzuarbeiten, wollte man den Level-2++-Assistenten MB.Drive Assist Pro weiter ausbauen.
Allerdings galt dies nur für die im Januar präsentierte Neuauflage der S-Klasse. Ab 2027 soll Level 3 jedoch ein deutschlandweit angebotenes Feature bei den Stuttgarter Autobauern erhältlich sein. Verfügbar werde es bis zu einem Tempo von 95 Kilometern pro Stunde sein. Ziel bleibt weiterhin die Ausweitung auf bis zu 130 Kilometer pro Stunde.
Die Level-3-Technologie soll dem Fahrer weitestgehende Freiheit verschaffen, sich auch anderen Tätigkeiten als dem Steuern des Fahrzeugs zu widmen. Er soll während der Fahrt beispielsweise TV schauen, das Handy nutzen oder eine Zeitung lesen können. Das Lenkrad muss dabei nicht mehr regelmäßig berührt werden, da das System nicht mehr den Fahrer, sondern den Verkehr überwacht.

Zusammenarbeit mit Behörden soll Mercedes’ Fortschritt flankieren

Schlafen darf der Fahrer jedoch nicht – er muss in der Lage sein, aus dem Zustand der Abgelenktheit heraus in Sekunden seine Reaktionsfähigkeit wiederherzustellen. Einsatzbereich des Level-3-Assistenten ist der fließende Autobahnverkehr bis 95 Kilometer pro Stunde.
Rund 30 Sensoren – darunter LiDAR-Systeme, Kameras und Radar – sowie ein Hochleistungssupercomputer mit 508 TOPS (eine Einheit zur Messung von KI-Leistung) sollen eine sichere Steuerung gewährleisten. Dadurch soll auch freihändiges Fahren möglich sein. Lediglich bei der sogenannten Punkt-zu-Punkt-Navigation, etwa im Stau, muss der Fahrer die Verantwortung übernehmen und zumindest alle paar Sekunden pro forma die Hände ans Lenkrad legen.
Mercedes-Benz war 2021 der erste Hersteller weltweit, der eine Zulassung für Level-3-Technologie erhielt. Nun arbeitet der Konzern gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr sowie dem Kraftfahrt-Bundesamt „intensiv daran, diese und andere Innovationen zügig und verantwortungsvoll auf die Straße zu bringen“.

Alphabet gilt mit Waymo als Weltmaßstab im Bereich Robotaxis

Außer Mercedes-Benz arbeitet in Deutschland auch BMW bei seinem 7er-Modell mit Level-3-Technologie, während VW seinen ID. Buzz AD in Hamburg testet. Bei Level 4, auf dem unter anderem Robotaxiflotten basieren, hinkt die deutsche Autoindustrie jedoch den USA und China hinterher.
Das Alphabet-Projekt Waymo führt global bei vollautonomen Fahrten. Tesla verfügt bislang über kein vollautonomes Modell. Der Drive Pilot ist in den USA bis 60 Kilometer pro Stunde zugelassen. China versucht hingegen, mithilfe staatlicher Förderung und geringerer Datenschutzanforderungen aufzuholen und die US-Konkurrenz zu überholen.