Ein Trümmerfeld unter dem Eis der Antarktis deutet auf ein einst massives Bergmassiv am heutigen Südpol hin. Sichtbar ist es aus zweierlei Gründen nicht mehr. - Foto: Nancy Pauwels/iStock
Ein Gehirn = zwei Organe?
Dass linke und rechte Hirnhälfte unterschiedliche Funktionen steuern, ist bekannt. Auch, dass graue und weiße Substanz eigene Aufgaben haben, wissen wir. Aber hätten Sie gedacht, dass Ihr Gehirn eigentlich zwei unabhängige Organe sind? Demnach entwickelt sich das Hinterhirn, das unter anderem Herzschlag und Atmung steuert, aus anderen Zellen als das Mittel- und Vorderhirn, die uns Reflexe und Denkvermögen verleihen. Dennoch gehen beide im frühesten Entwicklungsstadium auf das sogenannte Ektoderm zurück, dessen Bildung beim Menschen etwa drei Wochen nach der Befruchtung beginnt. Bereits in dieser Phase „entstehen gleichzeitig zwei parallele Gehirnvorläufer“, so die Forscher aus Kalifornien, einschließlich unterschiedlicher aktiver Gene. Hühner, Zebrafische und Meereswürmer weisen diese Unterteilung ebenfalls auf. (ger)
Auf einem Acker bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen haben Archäologen einen Schatz aus mehr als 900 römischen Silbermünzen ausgegraben. Der Großteil des Geldes stammt aus der Zeit von Kaiser Hadrian der 117–138 n. Chr. regierte und stellt mit insgesamt 3,1 Kilogramm Silber ein beträchtliches Vermögen dar. „Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus dieser Zeit in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erklärt Landesarchäologe Dr. Erich Claßen. Wieso und von wem das wertvolle Gut vergraben wurden, ist nicht bekannt. Der Schatzfund wird nun erstmalig im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt. (kms)
Ein Teil der über 900 entdeckten Münzen bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen.
Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Himalaya unter der Antarktis
99,5 Prozent der Antarktis ist heute von Eis bedeckt. Daher lassen sich Rückschlüsse auf die Geologie im Untergrund nur anhand voreiszeitlicher Spuren und Fernerkundungen wie Bohrkernen ziehen. Ein solches Blickfenster machten sich Geologen um Bei Chen von der Australischen Nationaluniversität zunutze. Ihre Studie ergab, dass sich unter der Eisdecke 650 bis 450 Millionen Jahre alte Schichten befinden, die zu jener Zeit entstanden, als sich der Großkontinent Gondwana bildete. Dabei könnte ein Gebirge von der Größe des Himalayas entstanden sein, das später vollständig erodierte und heute nur noch als riesige Ansammlung von Sediment unter dem Ewigen Eis ruht. (kms)
Rund 65 Prozent aller Fasern auf dem Weltmarkt sind aus Kunststoff, was der Umwelt schadet. Um die Textilindustrie nachhaltiger zu machen, suchen Forscher seit Langem nach Alternativen – einschließlich Pilzen. Bisherige Bemühungen scheiterten daran, dass bei der Herstellung die Pilzzellen starben und ein zerbrechliches Endprodukt entstand. Nun haben chinesische Forscher das fadenförmige Myzel der Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) benutzt, um flexible, lebende Stoffbahnen zu fertigen. Ihr Stoff konnte jegliche Farben annehmen, vor UV-Strahlen schützen und Muster wachsen lassen. Außerdem konnte der Prototyp eines Kleides seine eigenen Risse mit Wasser und Pilzflicken heilen. Trotz der positiven Ergebnisse handelt es sich bei der Entwicklung noch nicht um ein tragfähiges und alltagstaugliches Kleidungsstück. (ts)
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Die Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) gehört zu den Schlauchpilzen und kommt in Europa vor.
Für viele erinnern Dinosaurier optisch eher an Echsen als an die Vorfahren unserer Vögel. Dabei war der König der Fleischfresser – Tyrannosaurus rex – ein gar nicht so kaltblütiges Reptil, wie viele denken. Tatsächlich haben US-amerikanische Paläontologen um Robert Eagle ganz ohne Messen der Körpertemperatur entdeckt, dass T. rex ein Warmblüter war. Hierfür fühlten sie „Thomas“, einem Tyrannosaurus-Skelett aus Los Angeles auf den Zahn. Denn ein warmblütiges Tier weist in seinem Zahnschmelz weniger chemische Bindungen auf als ein kaltblütiges Tier. Das Ergebnis: 36 °C – fast genauso viel wie bei Menschen. Damit ist der Beweis erbracht, dass der Tyrann unter den Echsen ein schneller Räuber war und keine träge, sich in der Sonne aalende Bestie. (kms)
Zu wissen, wann unsere Sonne erneut in ihrem Aktivitätsmaximum ist, hilft den Menschen, sich auf mögliche technische Störungen durch Sonneneruptionen vorzubereiten. Um deren Vorhersage zu verbessern, haben sich Forscher um Sandra Chapman von der University of Warwick mit dem elfjährigen Sonnenzyklus und seinem alles andere als sanften Wechsel beschäftigt. Dabei entdeckten sie, dass der abrupte „Umschaltpunkt“ von einem zum nächsten Zyklus und die Zahl seiner Sonnenflecken einen Hinweis auf die Stärke des kommenden Zyklus liefert. Was genau das für die Zukunft bedeutet, wird sich in zwei Jahren zeigen: dann beginnt der neue Zyklus 26. Erste Prognosen deuten auf eine ähnlich starke Sonne wie im aktuellen Zyklus hin. (ts)
Sonneneruption, aufgenommen von der Sonde „Solar Orbiter“
Foto: Solar Orbiter/EUI Team/ESA & NASA/dpa
Was wäre, wenn Yellowstone ausbricht?
Vor etwa 631.000 Jahren ereignete sich in der heutigen USA eine Katastrophe: der Supervulkan Yellowstone brach aus. Würde unsere moderne Zivilisation ein solches Ereignis überleben? Dieser Frage gingen Ilan Kelman, Professor für Gesundheit, und der Geologe Matthew Blackett nach. Beide kommen zu dem Entschluss: „Ja, aber …“ Zunächst sorgt der Ausbruch für enorme Mengen Asche und weit verwüstete Landschaften. Alle Überlebenden werden in den folgenden Monaten mit Erkrankungen durch schlechte Luft, verschmutztes Wasser und andere Spätfolgen konfrontiert. Lieferketten und Stromnetze brechen zusammen, Industrie und Landwirtschaft kommen zum Erliegen und die globale Temperatur sinkt um bis zu 1,5 °C. Insgesamt könnte die Weltbevölkerung auf 7,9 Milliarden Menschen sinken – davon hätten 4,8 Milliarden keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. (kms)
Oft staunen wir, wie Opernsänger mit Leichtigkeit in höchsten Tönen singen. Nun haben Forscher der University of Warwick herausgefunden, dass der Indri (Indri indri), der weltweit einzige bekannte singende Lemur, offenbar eine auffallend ähnliche Gesangstechnik einsetzt. Dabei koordinieren die Primaten aus Madagaskar ihre Mundöffnung mit der Frequenz ihrer Gesänge. Kurz gesagt: Je höher die Tonhöhe des Gesangs, desto weiter öffnen Indris ihren Mund, um ihn zu singen. Dieses Talent nutzen die Affen, um sich über große Entfernungen mit anderen Gruppen austauschen zu können. (kms)
Der Indri ist weltweit der einzige bekannte singende Lemur.
Foto: Artush/iStock
Unordnung für grünen Wasserstoff
Platin, Iridium und Ruthenium sind für die Wasserelektrolyse ebenso wichtig wie verflucht: Sie sind (zu) teuer. Eine mögliche Lösung fanden indische Forscher um Prof. Ranganathan in sogenanntem einschichtigen amorphen Kohlenstoff. Anders als die höchst geordnete Struktur in Graphen verfügt dieser über Unregelmäßigkeiten, Verzerrungen sowie Berge und Täler. Genau jene begünstigen laut Berechnungen die Bildung von Wasserstoff und könnten – so sich die Ergebnisse bestätigen – die Platinmetalle als Katalysatoren ersetzten. Ob, und wann sie tatsächlich zum Einsatz kommen ist offen. Sowohl die experimentelle Bestätigung als auch Untersuchungen zur Gesamtreaktion, zur Herstellung und zur Haltbarkeit stehen aktuell noch aus. (ts)
Fettansammlung in Muskelzellen stellt ein großes Gesundheitsproblem dar, das durch Faktoren wie fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Alterung begünstigt wird. Sie verringern die Fähigkeit des Körpers, Glukose und Fettsäuren effizient zu verwerten, was die metabolische Flexibilität und die Insulinresistenz beeinträchtigt. Ein einfaches Mittel dagegen, kommt aus dem Obstregal, wie eine neue Studie aus Japan zeigt. Laut den Forschern um Professor Takakazu Mitani hilft das natürlich vorkommende Polyphenol in Heidelbeeren, Trauben und anderen Beeren eine übermäßige Fettansammlung zu verhindern. (ger)
Beeren verhindern eine übermäßige Fettansammlung in den Muskeln.
Foto: Zakharova_Natalia/iStock
Erde wird runder – und weniger rund
Entgegen der kindlichen Vorstellung ist der Erdball keine perfekte Kugel, sondern an ihren Polen leicht abgeflacht und am Äquator gewölbt. Doch natürliche Prozesse wie schmelzendes Eis oder Plattentektonik verändern die Form. Und um das besser zu verstehen, hat der griechische Geologe Prof. Christoforos Kotsakis satellitengestützte Messdaten untersucht. Dabei entdeckte er, dass sich die Pole zu heben und der Äquator abzusenken scheint, womit die Erdmasse runder wird. Gleichzeitig flacht laut Daten das masseabhängige Schwerefeld stärker ab, womit die tatsächliche Erdform möglicherweise unrunder wird. (ts)
Sprache und Feuer gelten als Marker des Menschseins – und beides könnte in puncto Erfindung enger miteinander verknüpft sein, als bislang erwartet. Eine Theorie besagt, dass unsere Vorfahren zunächst mittels Gesten kommunizierten. Das ist jedoch zeitlich begrenzt, denn im Dunkeln sind Handzeichen schwer bis nicht mehr wahrnehmbar. Forscher um Catherine Hobaiter von der Universität St. Andrews vermuten deshalb, dass Geschichtenerzählen am Lagerfeuer wesentlich zur Sprachentwicklung beitrug. Weil das Licht zu schwach war, hätten die frühen Menschen zu den Gesten auch Laute benötigt, um sich zu unterhalten. Dies wiederum soll letztlich die sozialen Bindungen untereinander gestärkt und Wissen vermittelt haben, wodurch der Mensch zu seinem erfindungsreichen Ich kam. (kms)
Einer Theorie zufolge könnte Lagerfeuer bei der Entwicklung der Sprache geholfen haben.
Foto: Dmytro Aslanian/iStock
Strand, Meer, Mars
Weite Sandstrände und das Rauschen der Wellen im weiten Ozean: Was wie Urlaub in der Südsee klingt, soll die Vergangenheit des Mars vor Milliarden Jahren gewesen sein. Den Beweis wollen chinesische Forscher mit ihrem Rover „Zhurong“ erbracht haben, der 2021 auf dem Roten Planeten landete. Seine Bilder zeigen Schichten, die nicht wie Sanddünen, Einschlagskrater oder Lavaströme aussehen. Vielmehr seien sie Spuren von Wellen, die an der Küste brandeten und allmählich die von den Flüssen ins Meer gespülten Sedimente verteilten und ablagerten. Dies stützt die Annahme, dass der Mars einst große eisfreie Gewässer besaß und nicht wie heute ein zumindest oberflächlich kalter, trockener und staubiger Planet war. (ts)
Die Darmgesundheit spielt eine entscheidende Rolle für das allgemeine Wohlbefinden, wobei Verstopfung eines der am weitesten verbreiteten Verdauungsprobleme ist. Dennoch bleibt sie oft unbemerkt oder unbehandelt, bis sie das tägliche Leben beeinträchtigt. Unter den vielen Ansätzen zur Behandlung von Verstopfung sticht körperliche Aktivität als eine der einfachsten und am häufigsten empfohlenen Maßnahmen hervor, wie eine neue Studie von japanischen Forschern untermauert. So zeigten Yohei Otaka und Kollegen, dass bereits wenige Minuten Bewegung nach dem Essen den Darm in Schwung bringt. Wie passend, dass dies die letzte Meldung in dieser Übersicht ist. (ger)
Bereits wenige Minuten laufen kann die Verdauung in Bewegung bringen und Verstopfungen vorbeugen.
Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien. - Foto: Paola Nogales Ascarrunz/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0, Epoch Times
Fahrerlos in die Filiale
Rund 100 Meter trennen das Lidl-Zentrallager Edermünde und die Filiale an der Langen Heideteile südwestlich von Kassel. Für Aufmerksamkeit sorgt der Warentransport zwischen beiden Standpunkten dennoch: Seit Mitte September erfolgt dieser mittels Lkw ohne Fahrer und sogar ohne Fahrerhaus. 15 Paletten kann der dreiachsige, rund acht Meter lange und bislang auf 25 km/h begrenzte Lkw transportieren. Weitere Fahrzeugdaten nennen weder der schwedische Hersteller noch die Handelskette. Ganz ohne Fahrer geht es dennoch nicht. Gemäß aktuellen Auflagen begleitet ein „Local Operator“ den Lkw auf seiner rund 400 Meter langen Strecke in einem separaten Fahrzeug. Eine zweite Phase soll die Ausweitung auf eine weitere Filiale einschließen.
Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride haben den E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen gebracht.
Foto: Lidl
Ihr Kaffee hat ein Gedächtnis
Wer Kaffee zu lange stehen lässt, wird Zeuge eines unvermeidlichen physikalischen Prinzips: Wärme fließt von einem heißeren Körper – Ihrem Kaffee – zu einem kälteren – der Umgebung. Auf atomarer Ebene scheint diese universelle Regel nicht mehr so unumstößlich. Nicht nur kann Wärme zu einem heißeren Körper fließen, sondern sogar Informationen eines früheren Ereignisses tragen und somit eine Art Gedächtnis haben. „Wärme erinnert sich nicht wie wir an eine Person oder ein Ereignis“, erklärt Prof. Jianjun Dong von der Auburn University. „Seine Erinnerungen sind in mikroskopischen Bewegungen des Materials gespeichert.“ Während heißer Kaffee sich also weder Ihr Gesicht noch Namen merken kann, kann er vielleicht wissen, wie energisch Sie Ihre Tasse abgestellt haben.
Eine Tasse Kaffee am Morgen kann erstaunliches leisten: die Stimmung aufhellen und eine Erinnerung bergen.
Foto: dmf87/iStock
Fehlendes Chromosom könnte Krebs begünstigen
Jede Zelle im männlichen Körper trägt normalerweise ein X- und ein Y-Chromosom. Besonders Immunzellen können letzteres im Alter einbüßen und, so eine neue Studie, eine „versteckte Zone genetischer Anfälligkeit“ für Krebs hinterlassen. Dr. Dan Theodorescu vom Krebszentrum der University of Arizona und sein Team analysierten rund 1.000 Gewebeproben von über 400 Männern. Dabei konnten sie den Verlust von Y-Chromosomen in „normal erscheinendem Gewebe neben Tumoren“ nachweisen. Gerade dies mache die Entdeckung so spannend, und sei womöglich „eines der frühesten Anzeichen sich bildender Tumore“, so der Medizinprofessor. Dies könnte eines Tages Ärzten helfen, Unregelmäßigkeiten in Biopsien zu erkennen, die kleine Tumore übersehen.
Liegt Nofretete hinter Tutanchamun?
Baustruktur und Malereien ließen Ägyptologen hinter dem Grab von Tutanchamun seit 2015 weitere Räume vermuten. Neue Untersuchungen verdichten diese Annahme und deuten auf verborgene Kammern und Gänge hinter einer Scheinwand hin. Diese könnten seit der Antike verschlossen und vor dem Tod Tutanchamuns entstanden sein. Erneut flammt damit die Hoffnung auf, dass dort das Grab von Nofretete – der Stiefmutter des jungen Pharaos – liegen könnte. Möglich ist auch, dass dort lediglich Lagerräume sind oder die potenzielle Grabkammer durch Sturzfluten gestört ist. Ob es weitere Untersuchungen geben wird und die Forscher mittels Bohrungen einen Blick hinter die Wand werfen dürfen, muss der Oberste Rate für Altertümer in Ägypten noch entscheiden.
In Deutschland und der Schweiz würde das Summen wildlebender Honigbienen ohne Imkerei binnen eines Jahrzehnts gänzlich verstummen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Patrick Kohl von der Universität Hohenheim anhand der Analyse von 700 Nistplätzen in sieben europäischen Ländern. In Südostengland würden sich die Bestände alle zehn Jahre hingegen vervielfachen. Die Untersuchung bildet die Grundlage für die Aufnahme wildlebender Westlicher Honigbienen auf die Rote Liste der IUCN als „stark gefährdet“.
Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“.
Foto: Samuel Ray/iStock
Alkohol aus dem Erdreich
Lignin ist der Baustoff der Natur, der Pflanzen Festigkeit verleiht, kann laut Forschern der Universität Heidelberg aber auch Methanol bilden. Nötig sei dafür lediglich Erde und Wasser. Konkret spalten reaktive Eisen-Sauerstoff-Verbindungen einzelne Methoxygruppen vom Lignin ab. Dieser Prozess ist bisher vor allem bei knapp 300 Grad Celsius, erhöhtem Druck und Wasserstoffumgebung bekannt. In der Natur genügen Zimmertemperatur, Normaldruck und Anwesenheit von Wasser, selbst nach mehreren Trockenzyklen. Biologisch aktivere Böden setzten weniger Methanol frei, vermutlich weil Mikroorganismen die Verbindung als Energiequelle nutzen. Was das für Umwelt und Materialwissenschaft – Lignin ist als Abfallprodukt der Papierindustrie ein vielversprechender alternativer Rohstoff – bedeutet, ist Gegenstand künftiger Forschung.
Fraß unsere Sonne eine Supererde?
Im Gegensatz zu vielen anderen Sonnensystemen besitzt unseres keine Supererde. Wieso das so ist, fragen sich Astronomen seit vielen Jahren. Eine mögliche These ist, dass sie in jungen Jahren von der Sonne verschlungen wurde. Der türkische Forscher Prof. Mutlu Yildiz von der Ege-Universität hält dies für möglich und vermutet, dass die Sonne noch immer Spuren ihres Mahles in sich tragen könnte. So würden die subtilen Veränderungen der inneren Struktur der Sonne und ihr geringer Lithiumgehalt für das Verschlingen eines Planeten mit dem 5- bis 10-Fachen der Erdmasse sprechen. Ein endgültiger Beweis dafür könne laut den Forschern jedoch nie erbracht werden.
Leopardus tilcayo schleicht sich als erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren in den Stammbaum der Tigerkatzen. Ihr hellbraunes Fell mit dunklen, unregelmäßigen Rosetten ermöglicht beste Tarnung in den bolivianischen Bergwäldern – und erschwerte Forschern die Unterscheidung von vier artverwandten Katzen, die erstmals 1775 vom Thüringer Mediziner und Naturforscher Johann Christian Daniel Scheber (1739-1810) beschrieben wurden. Mit „Tilcayo“ übernehmen die Entdecker jenen Namen, den Einheimische seit Generationen für die Wildkatze verwenden.
Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien.
Abtrieb aus künstlichen Gelenken lässt sich im Gehirn ihrer Träger nachweisen. In einer Autopsiestudie mit 701 verstorbenen Menschen fanden Forscher des Rush University Medical Center um Robin Pourzal erhöhte Konzentrationen von Kobalt, Titan und typischen Legierungen von Implantaten. Dass sich derartige Partikel im benachbarten Gewebe ablagerten, ist seit Jahren bekannt, neu ist, dass sie auch ins Gehirn gelangen. Welchen Weg sie dorthin nehmen, vermag die neue Studie dennoch nicht sagen. Unsicher ist ebenfalls, ob erhöhte Werte im Gehirn zu Demenz beitragen. Bei Kobalt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang, bei Titan schon. Dies lasse sich aber nicht eindeutig auf künstliche Gelenke zurückführen, weil Titanverbindungen unter anderem auch in Nahrung und Medikamenten vorkommen.
Burg in Universität gefunden
Lange suchten Historiker nach der verschollenen Burg Roebuck. Jetzt hat der irische Archäologe Tadhg O’Keeffe vom University College Dublin Hinweise gefunden: aber nicht in Form von Schriftquellen, sondern von Mauern. Tatsächlich war die Burg aus dem 13. Jh. nicht wie viele andere abgerissen, sondern neu aufgebaut und später als archäologisches Institut der Universität verwendet worden. Detaillierte Malereien des Baus aus dem Jahr 1765 machten es möglich, die unter dem Putz verborgen mittelalterlichen Strukturen wiederzuentdecken. Jetzt können Studenten ihre Zeit in dem einstigen Burghof verbringen, der heute der Innenhof ihrer Universität ist.
Zeichnung der Burg Roebuck von dem Maler Gabriel Beranger aus dem Jahr 1768.
Moderne Batterien bestehen aus sehr vielen, sehr dünnen Schichten. Dabei wechseln sich Kathode und Anode sowie Stromleiter und Trennschichten ab. Dieser Aufbau ermöglicht hohe Leistungen, die vielen inaktiven Schichten benötigen jedoch ihrerseits Platz. Forscher um Dr. Oliver Fitz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Dicken einzelner Schichten „von bisher üblichen 100 bis 200 Mikrometer auf bis zu 800 Mikrometer“ vervielfacht, die Zahl nötiger Schichten reduziert und dadurch Material gespart. Auf demselben Bauraum und bei gleichem Gewicht wird so mehr Platz für aktives Material. Das erhöht die Energiedichte um rund 10 bis 15 Prozent. Obgleich die Fertigung auf einer „industrienahen Fertigungslinie“ erfolgte, sei weitere Forschung nötig.
Menschliche Zellen in Mäusen
Neurologische Erkrankungen sind schwer zu untersuchen, da das Gehirn komplex und sein lebendes Gewebe fast unzugänglich ist. US-amerikanische Forscher um Prof. Sergiu Pașca von der Stanford Medicine haben dennoch eine Möglichkeit gefunden. Dafür haben sie genetisch veränderte Mäuse erzeugt und ihnen funktionsfähige menschliche Hirnorganoide eingepflanzt. Danach wurden die Nager mit Sauerstoffmangel konfrontiert, der nachweislich zu neurologischen Schäden führt. Der Versuch zeigte funktionelle Einschränkungen bei den menschlichen Gehirnzellen, nicht aber bei normalen Mäusen, was auf die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns hindeutet. Künftig wollen die Mediziner mit dieser Methoden Epilepsie, Autismus und andere Krankheiten erforschen.
Für den Tierversuch wurden die Mäuse so genetisch verändert, dass der Großteil ihres Neokortex und Hippocampus nicht gebildet wurde.
Foto: JacobStudio/iStock
Schon gewusst? Heißes Eis im All
Bei Eis denken wir zunächst an gefrorene Würfel, die wir in ein kaltes Getränk geben. Doch auf den Gasplaneten Neptun und Uranus gibt es auch heißes, flüssiges Eis. Dieser nach irdischem Maßstab seltsame Zustand liegt an der immensen Hitze und des enormen Drucks. Dadurch sind Sauerstoffatome in einem festen Gitter gebunden, während Wasserstoffkerne wie eine Flüssigkeit frei durch sie hindurchfließen können, und sich sogenanntes superionisches Eis bildet.
Nicht alle Wege führen nach Rom
Verkehrstechnisch gilt Rom heute als Mittelpunkt des Römischen Reiches. Das haben dänische Forscher der Universität Aarhus widerlegt, indem sie 300.000 Kilometer des antiken Straßennetzes untersuchten. Dabei entdeckten sie, dass nicht alle Straßen gerade verliefen, sondern sich – wo nötig – der Landschaft anpassten und Provinzhauptstädte oft wichtige Knotenpunkte waren. Doch nicht Rom spielte eine dominierende Rolle, sondern die spätantike Hauptstadt Konstantinopel. Und noch etwas zeigte sich: Römische und heutige Ingenieure nutzten nicht selten die gleichen Strecken, sodass die moderne Infrastruktur wortwörtlich Parallelen zur antiken aufweist.
Rekonstruierter Verlauf der 299.171 Kilometer römische Straßen, die in der Studie untersucht wurden.
Nordkorea führte 2006 bis 2017 sechs unterirdische Kernwaffentests durch. Unmittelbar danach traten zahlreiche kleinere Erdbeben auf, die Spannungen und Einstürze im Untergrund zeigten, binnen Wochen jedoch abklangen. Am 2.205 Meter hohen Mantapsan nahm die seismische Aktivität hingegen bis 2025 zu. „Besonders bemerkenswert“ ist laut Prof. Kwang-Hee Kim von der Pusan National University, dass die „Erdbeben mit der Zeit eine zunehmend deutliche Verteilung entlang bestehender Störungen“ zeigten, was auf eine Reaktivierung der geologischen Bruchzonen durch die Sprengungen deute. Aufgrund unterschiedlicher Geologie lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf andere Testgelände übertragen, erfordern zugleich aber eine langfristige Überwachung – auch bei weniger intensiven Bodennutzungen.
Erster Riese Europas
Unser Kontinent ist um einen Dinosaurier reicher: Paläontologen haben in Spanien die fossilen Überreste eines Diplodocus entdeckt. Dieser gehört zu den Sauropoden, im Volksmund auch Langhälse genannt, und war bislang ausschließlich aus Fundstellen in den USA bekannt. Der 25 Meter lange Gigant wanderte vor 150 Millionen Jahren zwischen den heute voneinander getrennten Kontinenten Europa und Nordamerika umher. Die Fossilien sind derzeit im Dinosaurier-Saal des Museo Aragonés de Paleontología in Dinópolis bei Teruel, Ostspanien, öffentlich ausgestellt.
In der Medizin geht es nicht um schöne Laborwerte, sondern um Menschen, die möglichst keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen. - Foto: tonefotografia/iStock
In Kürze:
Lipoprotein(a) ist weitgehend genetisch bestimmt und gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen.
Medikamente reduzieren den Lp(a)-Wert teils deutlich, zeigen aber keine signifikante Minderung des Risikos.
Bilder der Blutgefäße und Blutdruck liefern die Ausgangssituation, denn Erkrankungen finden nicht auf dem Papier statt.
Die Behandlung sollte zudem Ursachen berücksichtigen: Welche Faktoren treiben bei genau diesem Menschen die Gefäßerkrankung voran?
„Operation gelungen, Patient tot.“ Natürlich ist das für das folgende Beispiel eine Zuspitzung. In der betreffenden Studie sind selbstverständlich nicht die Patienten gestorben. Aber der bekannte Spruch beschreibt ein Problem ziemlich treffend, welches uns in der Medizin immer wieder begegnet: Man verändert einen Messwert – mit durchaus eindrucksvollem Ergebnis – und stellt anschließend fest, dass der Patient davon gar nicht den erhofften Nutzen hat.
Das jüngste Beispiel betrifft das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Dieser Blutwert ist in den vergangenen Jahren geradezu zum neuen Star der Herz-Kreislauf-Medizin aufgestiegen. Lp(a) ist weitgehend genetisch bestimmt und gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen.
Etwa jeder fünfte Mensch weist erhöhte Werte auf. Entsprechend groß ist natürlich das Interesse an Medikamenten, die Lp(a) gezielt senken sollen. Ob das den Geschäftsinteressen von „Big-Pharma“ oder echtem Interesse an Heilung von Patienten geschuldet ist, lasse ich mal dahingestellt. Vermutlich ist es beides.
Das Medikament Pelacarsen im Test
Jedenfalls heißt eines dieser (neuen) Medikamente Pelacarsen. Der Wirkstoff greift direkt in die Bildung des Apolipoprotein(a) ein. In früheren Studien ließ sich der Lp(a)-Wert damit deutlich reduzieren. Das klingt zunächst hervorragend.
Also wurde Pelacarsen in einer großen Studie mit mehr als 8.000 Patienten geprüft, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten. Die entscheidende Frage lautete nun nicht mehr, ob der Laborwert sinkt, sondern ob die Patienten tatsächlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden.
Am 4. September 2026 kam die Antwort: Der primäre Studienendpunkt wurde nicht erreicht. Pelacarsen senkte zwar Lp(a), konnte aber gegenüber dem Placebo keine statistisch signifikante Verminderung des kombinierten Risikos aus Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und dringlichen Eingriffen an den Herzkranzgefäßen zeigen. Die ausführlichen Studiendaten stehen noch aus.
Ich würde aus dieser ersten Meldung deshalb nicht ableiten, Lp(a) spiele überhaupt keine Rolle. Aber das Ergebnis erinnert an eine medizinische Grundregel, die erstaunlich häufig vergessen wird. Ein besserer Laborwert ist nicht automatisch ein „gesünderer Patient“.
Laut RKI sind 40 Prozent der Todesfälle in Deutschland auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen.
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Wir behandeln Menschen – keine Laborzettel
Nicht dass wir uns falsch verstehen. Ich halte Lipoprotein(a) durchaus für einen interessanten und sinnvollen Risikomarker. Ein deutlich erhöhter Wert sollte ernst genommen werden. Was ich für problematisch halte, ist etwas anderes, nämlich die Fixierung auf einen einzelnen Messwert.
Heute ist es das Lp(a) – gestern war es LDL. Morgen ist es vielleicht irgendein neuer Entzündungsmarker. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass einige Patienten ihre Herzgesundheit auf einige wenige Zahlen reduzieren. Wenn man länger in der Medizin ist, lernt man, dass der Körper so nicht „funktioniert“.
Also ist ein Risikofaktor zunächst (nur) genau das: ein Risikofaktor. Er ist keine Diagnose und schon gar kein Schicksal. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie bekomme ich diesen einen Wert möglichst schnell herunter?“, sondern im Fall des Lp(a): Wie sehen die Gefäße dieses Patienten tatsächlich aus? Und: Welche Faktoren treiben bei genau diesem Menschen die Gefäßerkrankung voran?
Dazu passt eine weitere aktuelle Untersuchung, die ich fast noch interessanter finde. Forscher untersuchten mehr als 16.000 Erwachsene ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Und sie machten etwas eigentlich sehr Naheliegendes: Sie schauten nach. Mit Ultraschall wurden Arterien untersucht, zusätzlich wurden die Herzkranzgefäße bildgebend beurteilt.
Das Ergebnis war mehr als interessant. Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer fanden sich bereits Anzeichen einer sogenannten subklinischen Atherosklerose – also Gefäßveränderungen, obwohl noch keine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung vorlag.
Genau hier liegt der berühmte Hund begraben. Die Atherosklerose, landläufig als Gefäßverkalkung bekannt, findet nicht auf dem Laborzettel statt. Diese findet in der Gefäßwand statt. Deshalb rate ich Patienten mit entsprechendem Risikoprofil dazu, sich die Gefäße einmal genauer anzusehen.
Ein Ultraschall der Halsschlagadern ist für mich eine der einfachsten Möglichkeiten, sich zunächst ein Bild von der Gefäßsituation zu machen. Moderne Geräte können Plaques und Veränderungen der Gefäßwand heute sehr gut darstellen. Dabei muss noch lange keine hochgradige Verengung von 70 oder 80 Prozent vorliegen. Schon vorhandene Ablagerungen zeigen, dass der Prozess der Arteriosklerose begonnen hat. Und genau diese Information sollte man einmal haben, damit man weiß, woran man ist.
Unter Plaque versteht man Einlagerungen in den Blutgefäßen.
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Blutdruck: banal, aber enorm wichtig
Dann kommt etwas, das sehr viel weniger modern klingt: der Blutdruck. Bluthochdruck gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Und trotzdem sehe ich immer wieder Patienten, die ihren Lp(a)-Wert auf drei Nachkommastellen kennen (ja ich übertreibe), aber nicht wissen, welchen Blutdruck sie morgens zu Hause haben. Dabei interessiert mich auch nicht unbedingt der einzelne Wert in der Arztpraxis.
Wer vorher zehn Minuten einen Parkplatz gesucht hat, zwei Stockwerke hochgelaufen ist und anschließend fünf Minuten im Wartezimmer über seinen nächsten Termin nachdenkt, liefert nicht zwingend seinen normalen Alltagsblutdruck ab. Regelmäßige häusliche Messungen oder gegebenenfalls eine 24-Stunden-Blutdruckmessung ergeben häufig ein wesentlich besseres Bild.
Dann die Blutfette. Auch dort sollte man nicht nur auf LDL starren. Mich interessieren je nach Ausgangslage auch Triglyceride, non-HDL-Cholesterin und das ApoB. ApoB kann einen Hinweis darauf geben, wie viele atherogene Lipoproteinpartikel tatsächlich unterwegs sind. Das ist gerade bei Menschen mit Stoffwechselstörungen oft aufschlussreich.
Was macht der Zuckerstoffwechsel?
Damit sind wir schon beim nächsten Punkt. Wie sieht der Zuckerstoffwechsel aus? Nüchternglukose und HbA1c liefern wichtige Informationen. Bei entsprechenden Hinweisen interessiert mich zusätzlich die Insulinsituation.
Insulinresistenz entsteht häufig Jahre, bevor der klassische Diabetes diagnostiziert wird. Ein Patient kann also noch „normale“ Zuckerwerte haben und trotzdem längst metabolisch in die falsche Richtung laufen. Typischerweise kommen dann Bauchfett, erhöhte Triglyceride, Bluthochdruck und Bewegungsmangel gleich im kompletten Paket daher. Aber genau das ist für die Gefäßgesundheit wesentlich relevanter als die verzweifelte Jagd nach ein paar Prozent weniger Lp(a).
Der Blutzucker ist mehr als ein Laborwert. Er zeigt, wie gut der Körper mit unserem modernen Alltag zurechtkommt.
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Und auch die fortlaufenden Entzündungsprozesse, die in gewisser Weise immer stattfinden müssen, sollte man nicht ignorieren. Ein dauerhaft erhöhtes hochsensitives CRP (hsCRP) kann zusätzliche Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko liefern. Aber auch hier gilt wieder: Ich möchte einen erhöhten Entzündungswert nicht einfach „wegtherapieren“. Ich möchte wissen, warum er erhöht ist.
Liegt Übergewicht vor? Wird geraucht? Besteht eine chronische Zahnfleischzündung? Gibt es eine Stoffwechselstörung? Eine entzündliche Erkrankung? Schlafmangel? Vielleicht sogar eine bislang nicht erkannte Schlafapnoe? „Entzündungen senken“ bedeutet für mich deshalb nicht, irgendeine Heilpflanze gegen Entzündungen einzunehmen. Es bedeutet zunächst, nach den Ursachen zu suchen.
Sie kennen das alles und es ist natürlich weniger aufregend als ein neuer Wirkstoff, der einen Laborwert um 80 oder 90 Prozent reduziert und der einem mit Werbung schmackhaft gemacht werden soll.
Übrigens: bei bestimmten Patienten können auch Fasten, eine bessere Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren oder der gezielte Ausgleich tatsächlicher Vitalstoffmängel wichtige Bausteine sein.
Dabei sollte man allerdings dasselbe Prinzip beachten. Omega-3 muss Lipoprotein(a) nicht senken, um beispielsweise bei stark erhöhten Triglyceriden interessant zu sein. Fasten muss Lp(a) nicht verändern, um bei Übergewicht, Insulinresistenz oder Bluthochdruck sinnvoll zu sein. Auch hier sollte man nicht den Fehler machen, eine sinnvolle Therapie danach zu beurteilen, ob genau jener Laborwert reagiert, auf den gerade alle schauen.
Wer natürliche, unverarbeitete Lebensmittel von guter Qualität wählt, macht bei seiner Ernährung wenig falsch.
Foto: thesomegirl/iStock
Fazit
Erfreulich an dieser Geschichte zum Pelacarsen ist: Man hat es offen gesagt. Der Wirkstoff senkt Lipoprotein(a) deutlich, aber der entscheidende klinische Nutzen ließ sich in dieser großen Studie nicht zeigen. Kein Herumreden, kein „Trend“, der irgendwie noch zum Erfolg umgedeutet wird. Der primäre Endpunkt wurde verfehlt. Das klingt zwar selbstverständlich, ist es aber nicht immer.
Es ist seit Langem bekannt, dass in der medizinischen Forschung Interessenkonflikte, selektive Veröffentlichungen und verschwundene negative Ergebnisse ein sehr reales Problem sind. Welche Studie publiziert wird, welche Daten hervorgehoben werden und was am Ende in einer Pressemitteilung steht, sind Fragen, die immer gestellt werden sollten. Aber das wäre der Stoff für eine eigene Kolumne.
Für heute reicht mir eine andere Erkenntnis. Wenn ein Medikament einen Laborwert eindrucksvoll verbessert, die Patienten aber nicht entsprechend profitieren, dann sollte uns das daran erinnern, worum es in der Medizin eigentlich geht. Nicht um schöne Laborwerte, sondern um Menschen, die möglichst keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen. Oder, um wieder beim alten Spruch vom Anfang zu landen: Die Operation mag gelungen sein, entscheidend ist trotzdem, wie es dem Patienten danach geht.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. Für Informationen zur Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten von Heilpflanzen wird eine Beratung in der Apotheke empfohlen.
Das „Zeitalter der ungewöhnlichen Tiere“, gezeichnet von dem deutschen Maler Heinrich Harder (1858-1935). - Foto: gemeinfrei
In Kürze:
Im Känozoikum gab es arktische Geparden und Elefanten mit Hauer-artigen Stoßzähnen, die spätestens 11.700 Jahre vor heute ausstarben.
Spanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Elefanten der Gattung Deinotherium verschwanden, weil sie zu langsam neue Arten hervorbrachten.
Parallel entdeckten US-amerikanische Forscher, dass der amerikanische Gepard eher ein Puma war und aufgrund zu geringer genetischer Vielfalt die Eiszeit nicht überlebte.
Vor rund 66 Millionen Jahren begann auf der Erde ein neues Zeitalter. Mit dem Asteroideneinschlag, der zum Aussterben der Dinosaurier führte, und der kontinentalen Teilung, wie wir sie heute kennen, war nicht nur eine Lücke in der Tierwelt geschaffen, sondern auch die Natur umgestaltet worden.
Diese Bedingungen boten die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Arten, die im Vergleich zu unseren heutigen Tieren fantasievoll anmuten. Denn im Känozoikum, übersetzt dem „Zeitalter der ungewöhnlichen Tiere“, lebten arktische Geparden, die eher Pumas waren, und Elefanten mit Hauer-artigen, nach unten gebogenen Stoßzähnen, wie wir sie heute von Walrössern kennen.
Zwei voneinander unabhängige Studien haben nun herausgefunden, dass beide Tierarten – Miracinonyx trumani und Deinotherium – aufgrund unterschiedlicher Verluste der Vielfalt von unserem Planeten verschwanden.
Zu wenig Tiere für Hauerelefanten
Vor etwa einer Million Jahre verschwanden in Afrika die letzten Urzeit-Elefanten der Gattung Deinotherium, auch Hauerelefanten genannt. Lange Zeit glaubten Forscher, dass der moderne Mensch mit seiner Jagd wesentlich zum Aussterben der Tiere beitrug. Neue Erkenntnisse deuten jedoch auf eine andere Ursache hin: es entstanden zu wenig neue Arten.
Der Ursprung dieses Problems ist laut dem Paläobiologen Juan López Cantalapiedra vom Nationalmuseum für Naturwissenschaften in Madrid und seinen Kollegen um sieben Millionen Jahre vor heute zu finden. Zu dieser Zeit, begann das Klima in Afrika trockener zu werden. Dies führte zu Veränderungen der Landschaften und Vegetationstypen, die wiederum zur Neugestaltung der Huftiere führten.
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Künstlerische Darstellung des Deinotherium, dessen Stoßzähne nach unten gebogen sind.
Foto: Tim Bertelink/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0
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Das ausgestellte Skelett eines Deinotherium im Museum am Löwentor in Stuttgart.
Anfänglich nahmen sowohl die Entstehung neuer Arten als auch das Aussterben anderer Arten zu. Dann, vor rund 3,6 Millionen Jahren, kam die Entstehung neuer Arten jedoch zum Stillstand, während die Aussterberate weiter anstieg und sich zu Beginn des Pleistozäns vor 2,58 Millionen Jahren noch beschleunigte.
„Wir haben festgestellt, dass größere Arten entgegen der bisherigen Annahme nicht schneller ausstarben als kleinere. Tatsächlich waren ihre Aussterberaten sogar etwas niedriger. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass Großpflanzenfresser [Tiere über eine Tonne Gewicht] viel langsamer neue Arten hervorbrachten“, erklärt Cantalapiedra.
Letztlich starben die Großpflanzenfresser also aus, weil nicht genügend neue Arten entstanden, um die verschwundenen zu ersetzen.
Zu wenig Gene der arktischen Geparden
Auch im eiszeitlichen Nordamerika kam es am Ende des Pleistozäns zum Aussterben zahlreicher Arten, unter anderem der Großkatze Miracinonyx trumani. Die wegen ihrer schlanken Körper und langen Vorderbeinen auch als „Amerikanische Geparden“ bezeichneten Tiere waren in Wirklichkeit jedoch Verwandte des Pumas.
Eine aktuelle Studie von Molly Cassatt-Johnstone von der University of California, Santa Cruz, und ihren Kollegen kam zu dem Entschluss, dass die Großkatze wegen ihrer Gepard-ähnlichen Statur sowohl ihre Beute an Land verfolgen konnte als auch mit ihren kräftigen Vorderbeinen Lachse und Co. fischen konnte. Außerdem war ihre innere Uhr, der zirkadiane Rhythmus, ideal auf arktische Sommer und Winter angepasst. Was seinen Lebensraum um über 20 Grad Richtung Norden bis ins heutige Alaska ausweitete.
Künstlerische Darstellung eines „amerikanischen Geparden“, der vor 12.000 Jahren ausstarb.
Trotz der guten Anpassung an seinen Lebensraum starb der „amerikanische Gepard“ aus. Doch woran lag es? Auch auf diese Frage haben die Forscher eine Antwort gefunden. Das Zünglein an der Waage sei demnach eine zu geringe genetische Vielfalt gewesen. So erbrachten Genanalysen an fossilen Überresten keine Anzeichen von Inzucht oder starken Populationsengpässen, wohl aber wenig Varianz in der DNA.
„Der Rückgang verlief langsam, nicht plötzlich, und genau das könnte der Grund dafür gewesen sein, dass die Art sich nicht anpassen konnte, als sich das Klima [zu Beginn des Holozäns] veränderte“, so Cassatt-Johnstone.
Reagieren, kommunizieren, erinnern: Was ein Lügendetektor 1966 an einer Zimmerpflanze aufzeichnete, entpuppt sich heute als hochkomplexes Kommunikationsnetzwerk. - Foto: Ran/The Epoch Times
In Kürze:
Bereits in den 1960er-Jahren wies ein US-Amerikaner nach, dass Pflanzen über eine Art Bewusstsein verfügen.
Lange Zeit galt diese Annahme als falsch, da sich die Testergebnisse nicht reproduzierbar waren.
Heute ist klar: Pflanzen können Gedankenlesen, ohne Nervenzellen kommunizieren und ohne Gehirn lernen oder sich erinnern.
Cleve Backster war ein Spezialist für Lügendetektoren und bildete unter anderem Verhörbeamte des US-Geheimdienstes CIA aus. Sein Fachgebiet war das Erkennen menschlicher Täuschung.
Im Februar 1966 führte er aus Neugier ein ungewöhnliches Experiment durch: Er schloss die Elektroden eines Lügendetektors an eine Zimmerpflanze an und goss diese anschließend. Die Aufzeichnungen des Geräts überraschten den Experten.
Das elektrische Signal ähnelte Mustern, die üblicherweise bei Menschen auftreten, wenn sie Freude oder Aufregung empfinden. Backster schloss daraus, dass die Pflanze eine positive Messreaktion auf das Gießen zeigte.
Gedankenlesen im Pflanzenreich?
Backster ging in seinen Versuchen noch weiter: Er erwog, ein Blatt der Pflanze anzuzünden, um deren Reaktion zu testen. Noch bevor er jedoch ein Streichholz entzündete, schlug die Nadel des Lügendetektors heftig aus. Das aufgezeichnete Signal glich den Reaktionen, die bei Menschen in Angst- oder Stresssituationen gemessen werden.
Seine Beobachtungen hielt Backster später in dem Buch „Primary Perception“ fest. Er stellte die These der sogenannten „primären Wahrnehmung“ auf. Darunter verstand er die Idee, dass Bewusstsein nicht an ein zentrales Nervensystem gebunden ist, sondern bereits auf zellulärer Ebene existiert. Nach seiner Auffassung verfügen selbst Pflanzen über eine bislang nicht definierte Form der Wahrnehmung.
Cleve Backster testet seine Zimmerpflanze mit einem Lügendetektor.
In der Wissenschaft stießen seine Behauptungen auf breite Ablehnung. Fachleute kritisierten die Methoden scharf, da sich die Effekte bei unabhängigen Wiederholungsversuchen nicht reproduzieren ließen.
Backster führte diese Fehlschläge darauf zurück, dass Pflanzen auf die tatsächliche Haltung des Beobachters reagierten: Eine skeptische oder unbeteiligte Einstellung der Forscher habe seiner Ansicht nach die feinfühlige Wahrnehmung der Pflanzen blockiert.
Er argumentierte, dass Pflanzen nicht wie klassische Messobjekte in einem Labor funktionieren. Nach seiner Theorie reagierten die Pflanzen direkt auf die echten Absichten und Gefühle der anwesenden Menschen. Wenn Wissenschaftler ein Experiment nur durchführten, um seine Thesen zu widerlegen oder die Pflanze skeptisch zu beobachten, spürte die Pflanze diese Distanz oder Täuschung und „blockierte“ oder zeigte keine Reaktionen mehr. Nur bei echter, authentischer Absicht, so Backsters Begründung, ließen sich die Signale messen.
Auch wenn Backsters Thesen von der Fachwelt verworfen wurden: Dass Pflanzen miteinander kommunizieren, ist heute keine Vermutung mehr, sondern gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Sie besitzen zwar keine Neuronen, tauschen aber dennoch problemlos Informationen aus – etwa um sich vor Gefahren zu warnen.
Frisst eine Raupe an einem Blatt, setzt die Pflanze laut Untersuchungen den Botenstoff Glutamat frei. Dieser Neurotransmitter spielt auch im menschlichen Nervensystem eine zentrale Rolle. Das Glutamat löst innerhalb der Pflanze eine Kettenreaktion aus: Noch unbeschädigte Pflanzenteile werden so über die Verletzung informiert und können Abwehrmechanismen aktivieren.
Darüber hinaus senden Pflanzen auch Warnsignale an ihre Umgebung. Bei einem Schädlingsbefall geben sie flüchtige chemische Verbindungen an die Luft ab. Benachbarte Pflanzen nehmen diese Signale wahr und bereiten sich ebenfalls darauf vor, den drohenden Angriff abzuwehren.
Werden Pflanzen von Schädlingen angegriffen, senden sie Warnsignale für andere Pflanzen aus.
Foto: Heiko119/iStock
Vom Skeptizismus zur wissenschaftlichen Tatsache
Im Jahr 1983 dokumentierte der Forscher David Rhoades als Erster, dass Pflanzen Warnsignale über die Luft übertragen können. Anfänglich stieß auch er auf erheblichen Widerstand in der Fachwelt – vor allem, weil das Phänomen völlig neu war und beinahe wie Fantasie klang. Im Laufe der Zeit wurde seine Theorie jedoch gründlich überprüft, bestätigt und schließlich in wissenschaftlichen Studien bei mehr als 30 verschiedenen Pflanzenarten erfolgreich nachgewiesen.
Einen visuellen Beweis lieferte 2023 ein japanisches Forschungsteam: Mithilfe spezieller Videotechnik filmten die Wissenschaftler, wie eine gesunde Pflanze flüchtige chemische Stoffe einer beschädigten Nachbarpflanze registrierte. Innerhalb von Sekunden löste dieser Kontakt interne Alarmsignale aus, die sich von einem Blatt über die gesamte Pflanze ausbreiteten.
Neueste Experimente belegen zudem, dass der Informationsaustausch nicht nur auf chemischem Weg funktioniert: Pflanzen nutzen für ihre Kommunikation auch elektrische Signale.
Einige Arten scheinen zudem über gewisse kognitive Fähigkeiten zu verfügen. Ein bekanntes Beispiel ist die Venusfliegenfalle: Untersuchungen zeigen, sie schnappt keineswegs reflexartig zu, sobald ein Objekt sie berührt. Stattdessen registriert und verarbeitet die Pflanze die Signale, bevor sie ihre Falle schließt.
Im Inneren der Klappfalle sitzen winzige Auslösehaare. Wird nur ein einzelnes Haar berührt, passiert zunächst nichts. Erst eine zweite Berührung innerhalb von 15 bis 20 Sekunden führt dazu, dass die Falle zuschnappt.
Doch selbst im geschlossenen Zustand beginnt die Verdauung nicht sofort. Die Pflanze prüft zunächst, ob sie tatsächlich ein lebendes Insekt gefangen hat. Während sich die Beute im Inneren wehrt, löst sie die Auslösehaare wiederholt aus. Erst nach etwa fünf Reizen beginnt die Venusfliegenfalle mit der Ausschüttung von Verdauungsenzymen.
Die Pflanze zählt die mechanischen Impulsmuster somit effektiv mit. Auf Basis dieser Informationen trifft sie eine zweckmäßige Reaktion – und das völlig ohne Gehirn oder zentrales Nervensystem.
Nahaufnahme einer zersetzten Fliege in halb geöffneter Venusfliegenfalle.
Foto: Andreas Häuslbetz/iStock
Kalkuliertes Risiko im Wurzelreich
Dass Pflanzen verfeinerte Überlebensstrategien nutzen, zeigt auch ein Experiment mit Erbsenpflanzen. Forscher teilten das Wurzelsystem einzelner Pflanzen auf zwei verschiedene Töpfe auf. Während ein Topf gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt wurde, schwankte das Angebot im zweiten Topf stark – auch wenn die Nährstoffmenge im Durchschnitt in beiden Töpfen identisch war.
Die Wissenschaftler wollten beobachten, in welchen Topf die Pflanze mehr Energie für neues Wurzelwachstum investieren würde. Dabei zeigte sich ein erstaunliches Verhalten:
Reichte die stabile Nährstoffquelle im ersten Topf problemlos zum Überleben aus, ging die Pflanze auf Nummer sicher und verstärkte dort ihr Wurzelwachstum. War die verlässliche Versorgung jedoch dauerhaft zu gering, änderte die Pflanze ihre Strategie. Sie ging ein kalkuliertes Risiko ein und verstärkte das Wurzelwachstum im Topf mit dem schwankenden Angebot. Sie zog somit die Chance auf ausreichende Nahrung der Gewissheit einer Mangelsituation vor.
Die Forscher schlussfolgerten daraus, dass Pflanzen über eine Form von „Risikosensibilität“ verfügen – ein Entscheidungsverhalten, das verblüffend an die Logik von Anlegern auf dem Finanzmarkt erinnert.
Pflanzen reagieren jedoch nicht nur auf mechanische Reize oder chemische Signale: Untersuchungen zeigen, dass sie unter Stress sogar Töne erzeugen. Was Menschen als absolute Stille in der Natur wahrnehmen, könnte für viele Tierarten daher in Wahrheit eine recht geräuschvolle Kulisse sein.
Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt, dass dehydrierte oder verletzte Pflanzen Klickgeräusche von sich geben. Diese Töne liegen im Ultraschallbereich, verbreiten sich über die Luft und lassen sich mit Spezialmikrofonen aufzeichnen. So registrierten Forscher bei einer unterversorgten Tomatenpflanze etwa 35 Klicks pro Stunde. Gut gewässerte Pflanzen blieben hingegen nahezu stumm.
Die Töne erwiesen sich als so spezifisch, dass ein KI-Modell allein anhand des Geräuschmusters erkennen konnte, ob die Pflanze unter Wassermangel litt oder beschädigt worden war.
Als Ursache vermuten die Wissenschaftler ein physikalisches Phänomen namens Kavitation: Dabei bilden sich im Wassertransportsystem der Pflanze winzige Dampfblasen, die schließlich platzen. Für das menschliche Gehör sind diese Frequenzen zwar unhörbar, für Insekten und andere Tiere jedoch gut wahrnehmbar. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass etwa Motten diese Signale gezielt nutzen: Bei der Eiablage meiden sie gestresste Pflanzen und steuern bevorzugt gesunde Exemplare an.
Gestresste und schwache Pflanzen geben für den Menschen unhörbare Klickgeräusche ab.
Foto: Tatiana Dyuvbanova/iStock
Lernfähig ohne Gehirn
Dass Pflanzen Reize nicht nur verarbeiten, sondern auch aus Erfahrungen lernen können, zeigte ein Experiment aus dem Jahr 2014. Die Forscherin Monica Gagliano und ihr Team untersuchten dazu die Mimose (Mimosa pudica) – eine Pflanze, die bekannt dafür ist, bei der kleinsten Berührung schlagartig ihre Blätter zusammenzufalten.
Für die Studie ließen die Wissenschaftler im Topf gezogene Mimosen wiederholt aus geringer Höhe auf ein weiches Kissen fallen. Für die Pflanze war dieser Sturz zwar eine unerwartete, aber völlig harmlose Erschütterung. Zu Beginn faltete die Mimose nach jedem Sturz ihre Blätter ein. Nach mehreren Wiederholungen schwächte sich die Reaktion jedoch ab, bis die Pflanze schließlich nicht mehr ihre Blätter faltete. Sie hatte offenbar gelernt, dass von dem Reiz keine Gefahr ausging, und sparte sich den Energieaufwand.
Mimosen falten bei Berührung gewöhnlich ihre Blätter ein.
Foto: JokoHarismoyo/iStock
Wurde die Pflanze jedoch einem anderen, unbekannten Reiz ausgesetzt, faltete sie ihre Blätter erneut zusammen. Als das Team das ursprüngliche Fall-Experiment einen Monat später wiederholte, zeigte sich der Gewöhnungseffekt noch immer: Die Pflanze reagierte weiterhin gelassen.
Für die Forscher war dies ein starkes Indiz für eine Art von Langzeitgedächtnis. Sie schlussfolgerten, dass Lern- und Erinnerungsprozesse keineswegs an tierische Gehirne oder Nervensysteme gebunden sind. Komplexe neuronale Netzwerke seien zwar eine hochentwickelte Lösung der Natur, eine zwingende Voraussetzung für Lernfähigkeit scheinen sie laut den Studienergebnissen jedoch nicht zu sein.
Der Menschheit werden heute elementare Fähigkeiten wie die Schaffung von Kunst und der Bau von Siedlungen zugeschrieben.
Archäologische Funde wie die Flöten aus der Schwäbischen Alb zeigen, dass sich diese Fähigkeiten bereits vor zehntausenden Jahren entwickelten.
Während diese allgemein anerkannt sind, treten immer mehr Artefakte zutage, die weit älter und mitunter umstritten sind.
Die Arbeit von Archäologen ist eine Mammutaufgabe: Sie müssen anhand äußerst begrenzter Informationen herausfinden, wo und wie unsere Vorfahren einst gelebt haben. Historiker haben es da etwas leichter: Um ein genaues Verständnis jahrhunderte- oder jahrtausendealter Zivilisationen zu erlangen, konsultieren sie umfangreich die hinterbliebenen antiken Schriftquellen.
Archäologen hingegen versuchen, noch weiter zurückliegende Epochen zu verstehen – vor Zehntausenden, Hunderttausenden oder sogar Millionen von Jahren. Gleichzeitig verfügen sie über deutlich weniger Material, auf das sie ihre Schlussfolgerungen stützen können. Ihre Aufgabe gleicht dem Zusammensetzen eines großen Puzzles mit nur einer Handvoll Teilen oder dem Verstehen der Handlung eines Romans, von dem nur wenige Seiten erhalten geblieben sind.
Obwohl die Archäologie auf greifbaren Beweisen aus wissenschaftlichen Untersuchungen gefundener Artefakte basiert, beinhaltet sie zwangsläufig auch einiges an Spekulation, Vermutung und Vorstellungskraft. Wenn neue Erkenntnisse zu früheren Entdeckungen auftauchen, können dadurch bisherige Theorien untermauert, verfeinert oder revidiert werden.
Technologische Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten haben zusätzlich große Veränderungen in der Archäologie bewirkt. Moderne Entwicklungen wie die Radartechnologie haben es den Archäologen ermöglicht, neue Spuren an zuvor unzugänglichen Orten ausfindig zu machen. Verbesserungen bei der Altersbestimmung von Funden – etwa der Radiokarbondatierung – liefern zudem ein immer klareres Bild der Vergangenheit.
Von alten Höhlenmalereien und kreativen Artefakten bis hin zu lange verschütteten antiken Bauwerken bieten viele moderne Entdeckungen spannende Einblicke in das große Rätsel der Menschheit.
Die älteste bekannte Höhlenkunst
Im Januar 2026 ließen Archäologen um Adhi Agus Oktaviana von der australischen Griffith University die Entdeckung der weltweit ältesten Höhlenmalerei verlauten. Die auf Sulawesi, Indonesien, entdeckte Kunst aus Menschenhand sei mindestens 67.800 Jahre alt, wie eine Urandatierung ergab.
Beispiel der Höhlenmalerei von Sulawesi, Indonesien.
Die Malereien, zu denen eine Vielzahl von Handabdrücken, Tieren und die älteste bekannte Darstellung eines Menschen gehören, entstanden zudem über mindestens 45.000 Jahre hinweg. Dies zeigt, dass die frühen Menschen über einen unglaublich langen Zeitraum das Gebiet regelmäßig aufsuchten.
Weiterhin nehmen die Archäologen an, dass die frühen Menschen vor 68.000 Jahren mittels Booten in die Inselwelt einwanderten, was für frühe Fähigkeiten und Kenntnisse im Bootsbau und der Navigation spricht.
Letztlich führte die Entdeckung der indonesischen Höhlenmalereien zur Umschreibung der Menschheitsgeschichte. Zuvor galt die umstrittene Malerei aus den spanischen Maltravieso-Höhlen mit 64.000 Jahren als älteste Kunst der Welt. Die schwarzen und roten Zeichnungen zeigen ähnlich wie in Sulawesi Tiere und Handabdrücke, aber auch Punkte und Muster.²
Wenn wir von Höhlenkunst sprechen, gehören die Malereien aus der Chauvet-Höhle zu den beeindruckendsten Beispielen. Diese 1994 in Frankreich entdeckten Zeichnungen sind 36.000 Jahre alt und zeugen von einem hohen Maß an künstlerischer Raffinesse. So zeigen sie detailliert und maßstabsgetreu mindestens 14 verschiedene Tierarten wie Bären, Höhlenlöwen, Mammuts und Wollnashörner und sind ein Beweis dafür, wie früh sich menschliche Kreativität und Kunstfertigkeit entwickelten.
Höhlenmalerei aus der Chauvet-Höhle in Frankreich.
Foto: Jeff Pachoud/AFP via Getty Images
Musische Fähigkeiten
Doch unsere alten Vorfahren drückten sich nicht nur durch das Zeichnen künstlerisch aus. In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Musikinstrumente entdeckt, vor allem Flöten aus Tierknochen, von denen einige mehrere Zehntausend Jahre alt sind.
Als derzeit ältestes Musikinstrument gilt eine Flöte aus dem Oberschenkelknochen eines Bären, die 1995 in einer Höhle bei Cerkno in Slowenien entdeckt wurde. Archäologen schätzen ihr Alter auf 50.000 bis 60.000 Jahre. Dabei ist jedoch fraglich, ob frühe Menschen die Löcher bewusst in den Knochen bohrten oder ob Raubtiere an dem Knochen nagten.³
Die unvollständig erhaltene Flöte aus Bärenknochen ist etwa 13 Zentimeter lang.
Sollte die slowenische Flöte aus Bärenknochen nicht von Menschenhand gemacht sein, muss dennoch nicht am musischen Wissen der frühen Menschen gezweifelt werden. Die zweitälteste Flöte aus einem Schwanenknochen ist 35.000 bis 40.000 Jahre alt und stammt aus Geißenklösterle in Baden-Württemberg, Deutschland. Hier und aus zwei benachbarten Fundstellen stammen fünf weitere Flöten, die eine zufällige Entstehung der Instrumente durch Wildtiere unwahrscheinlich erscheinen lassen.
Replikat einer der Flöten aus Geißenklösterle in der Schwäbischen Alb.
Heute gilt es aufgrund zahlreicher Funde als allgemein anerkannt, dass die Menschheit ihre Kreativität und künstlerische Ausdruckskraft im Laufe von zehntausenden Jahren entwickelte. Doch ebenso gibt es vermehrt Belege, die darauf hindeuten, dass sie sogar noch älter sein könnten.
Konkret wurden 1891 auf Java, Indonesien, Muschelschalen gefunden, in die die frühen Menschen geometrische Muster in Form von Zickzack-Linien geritzt haben sollen. Statt der bereiten Öffentlichkeit gezeigt zu werden, landeten die Funde für über 100 Jahre in einer Museumsschublade.
Erst in den 2010er-Jahren wurden die Muschelschalen wieder Gegenstand der Forschung. Die Archäologin Josephine Joordens von der niederländischen Universität Leiden und ihre Kollegen führten wissenschaftliche Untersuchungen durch und kamen zu dem Schluss, dass „die Herstellung geometrischer Muster im Allgemeinen als Hinweis auf Kognition und modernes Verhalten interpretiert werden muss“. Diese Fähigkeiten sollen die frühen Menschen laut Altersbestimmung bereits vor rund 500.000 Jahren gehabt haben.⁴
Im Jahr 2019 entdeckten Archäologen an den Kalambo-Wasserfällen im südafrikanischen Sambia die älteste künstliche Holzkonstruktion der Welt. Da die ineinandergreifenden Baumstämme vor etwa 475.000 Jahren durch absichtlich geschnittene Kerben miteinander verbunden waren, gehen die Forscher von einer frühen Ingenieursleistung aus.⁵ Welchem Zweck die Konstruktion diente, ist nicht eindeutig geklärt. Die Vermutungen gehen von erhöhten Plattformen zum Arbeiten bis zu Wegen und Fundamenten für Wohnstätten.
Aufnahmen von der Entdeckung der bearbeiteten Baumstämme nahe der Kalambo-Wasserfälle.
Umstrittener ist hingegen die Entdeckung des Nationalen Instituts für Meerestechnologie in Indien. So fanden die Forscher geometrische Strukturen auf dem Meeresboden im Golf von Khambhat, die sie als prähistorische Stadt bezeichnen. Zu den dort geborgenen Artefakten gehören Töpferwaren, Perlen, Statuen, Mauerreste und menschliche Knochen. Mit etwa 9.500 Jahren wäre diese Fundstelle älter als die anerkannten Siedlungen in Mesopotamien und Afrika.⁶
Einige Wissenschaftler zweifeln an dieser Theorie und äußern die Bedenken, dass die datierten Artefakte auch durch Meeresströmungen an diesen Ort gespült worden und die geometrische Form der Stätte natürlich entstanden sein könnten. Ähnliche Funde und Kritik gibt es für versunkene Strukturen vor den Küsten Kubas und Japans.
Nahe der japanischen Insel Yonaguni im Ostchinesischen Meer liegt ein umstrittenes Monument aus Stein. Während einige Forscher eine natürliche Gesteinsformation sehen, deuten andere die Stätte als Unterwasserpyramiden.
Zwar liefert jede neue Entdeckung ein weiteres Stück für das komplexe Puzzle der Menschheit, doch verfügen wir noch immer über zu wenige Teile, um das Gesamtbild klar zu erkennen. Dennoch wissen wir heute bereits viel mehr und können uns vorstellen, wie unsere Vorfahren Malereien schufen, Musik spielten oder Holzkonstruktionen bauten.
Da moderne Technologie stetig den Umfang unserer Entdeckungen und die Genauigkeit unserer Analysen erweitert, werden Archäologen zukünftig vielleicht noch erstaunlichere Hinweise entdecken, die zusätzliche Einblicke in die uralten Geheimnisse der Menschheit gewähren.