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Ein Tabu-Produkt verstärkt plötzlich die Wirkung von Blutdrucksenkern

Wissenschaftler sind auf ein überraschendes Phänomen gestoßen: Ausgerechnet zuckerhaltiger Kaugummi, das Schreckgespenst eines jeden Zahnarztes, könnte die blutdrucksenkende Wirkung von Rote-Bete-Saft verstärken.
In einer kleinen Studie sank der Blutdruck von gesunden Testpersonen leicht, wenn sie nach dem Saft zu Kaugummi mit Zucker griffen. Die zuckerfreie Variante blieb wirkungslos.
Ein neues Wundermittel gegen Bluthochdruck ist der süße Kaugummi deshalb zwar nicht. Doch das Ergebnis offenbart ein Zusammenspiel in unserem Körper: Was wir essen, verändert die Chemie in unserem Mund, und beeinflusst direkt, wie effizient der Organismus herzschützende Botenstoffe bildet.

Eine kleine Studie mit interessantem Hinweis

In der von Forschern am King’s College London durchgeführten Studie tranken die Teilnehmer rund 70 Milliliter Rote-Bete-Saft, der etwa 400 mg Nitrat enthält, ungefähr so viel wie in einem großen Spinat- oder Blattsalat enthalten ist. Anschließend kauten sie entweder zuckerhaltigen oder zuckerfreien Kaugummi.
Als die Teilnehmer den zuckerhaltigen Kaugummi kauten, sank der systolische Blutdruck um durchschnittlich 2,7 mmHg und der diastolische Blutdruck um 1,9 mmHg. Bei denjenigen, die zuckerfreien Kaugummi kauten, trat keine solche Senkung auf.
Der Effekt schien einige Stunden später nachzulassen. Die Forscher verfolgten die Teilnehmer nicht über diesen Zeitraum hinaus, sodass noch unbekannt ist, wie lange ein etwaiger Nutzen im Alltag anhalten könnte.
„Eine Senkung um etwa 2,7 bis 1,9 mmHg mag gering erscheinen, aber selbst kleine Blutdrucksenkungen können bedeutend sein, wenn es um die Verringerung des kardiovaskulären Risikos geht“, erklärte Dr. Sirisha Vadali, eine staatlich geprüfte Kardiologin und erfahrene Lipidologin, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times.
Für sie zeigen die Ergebnisse vor allem, dass das biologische Prinzip dahinter funktioniert. Ein Grund, die eigene Lebensweise umzustellen, sei das aber nicht: Kaugummikauen könne bewährte Maßnahmen wie ausreichend Bewegung oder eine herzgesunde Ernährung niemals ersetzen.

Warum zuckerhaltiger Kaugummi?

Es ist bereits bekannt, dass nitratreiche Gemüsesorten wie Rote Bete, Spinat und Grünkohl einen gesunden Blutdruck unterstützen.
Sobald Nitrat aus diesen Lebensmitteln in den Blutkreislauf aufgenommen wird, gelangt bis zu ein Viertel davon in die Speicheldrüsen und wird zurück in den Mund abgesondert. Dort wandeln Bakterien auf der Zunge es in Nitrit um, das verschluckt und in den Blutkreislauf aufgenommen wird, wo es in Stickstoffmonoxid umgewandelt werden kann, ein Molekül, das dabei hilft, die Blutgefäße zu entspannen und zu erweitern.
Forschern ist seit Langem bekannt, dass dieser Prozess nicht nur vom Nitrat aus der Nahrung, sondern auch vom oralen Mikrobiom abhängt. Frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Säuregrad des Speichels Einfluss darauf hat, wie effizient Mundbakterien diese Umwandlung durchführen.
Das Team des King’s College London machte sich daran, die umgekehrte Frage zu untersuchen: Könnte eine Erhöhung des Säuregehalts des Speichels die Stickstoffmonoxidproduktion steigern? Kaugummi erwies sich als praktisches Mittel, um den pH-Wert des Speichels zu beeinflussen.
Der zuckerhaltige Kaugummi senkte den pH-Wert des Speichels um etwa 1,4 Einheiten, während der zuckerfreie Kaugummi ihn um 0,38 Einheiten erhöhte. Normaler Speichel liegt bei etwa 6,7 bis 7,4. Der zuckerfreie Kaugummi machte den Speichel etwas basischer, während der zuckerhaltige Kaugummi ihn saurer machte.
Die Verschiebung des pH-Werts schien von Bedeutung zu sein. Teilnehmer, die zuckerhaltigen Kaugummi kauten, wiesen im Speichel um 45 Prozent höhere Nitritwerte und im Blut um 25 Prozent höhere Werte auf als beim Kauen von zuckerfreiem Kaugummi, was mit dem leichten Blutdruckabfall einherging.
„Je saurer, desto aktiver“, erklärte Dr. Andrew Webb, klinischer Dozent an der School of Cardiovascular and Metabolic Medicine & Sciences am King’s College London und korrespondierender Autor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Die Versauerung des Speichels nach dem Trinken von Rote-Bete-Saft schien den Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg des Körpers zu verstärken, sagte er.
Die Ergebnisse seien möglicherweise nicht auf zuckerhaltigen Kaugummi beschränkt, sagte er. „Wir gehen davon aus, dass auch andere Methoden zur Veränderung des pH-Werts eine Wirkung hätten“, wobei er anmerkte, dass auch Kaffee den pH-Wert des Speichels senkt.

Kaugummi ist nicht die Lösung

Angesichts der potenziellen schädlichen Auswirkungen wiederholter Zuckereinnahme auf die Zahngesundheit empfehlen die Forscher nicht, regelmäßig zuckerhaltigen Kaugummi zu kauen, um den Blutdruck zu senken.
„Insgesamt scheint eine gute Zahnhygiene die Nitratumwandlung zu fördern“, merkte Webb an und unterstrich, dass Mundgesundheit und der Nitrat-Stoffwechselweg miteinander verflochten sind und nicht im Widerspruch zueinander stehen.
Kara Siedman, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin in den USA, warnte davor, zuckerhaltigen Kaugummi als langfristige Strategie zur Verbesserung der Stickstoffmonoxidproduktion zu betrachten. Stattdessen betonte sie die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und von Gewohnheiten, die ein gesundes orales Mikrobiom unterstützen.
„Das orale Mikrobiom ist nach dem Darm die zweitgrößte mikrobielle Gemeinschaft im Körper und spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit des gesamten Körpers“, erklärte Siedman gegenüber Epoch Times.

Den Nitrat-Nitrit-Stoffwechselweg auf natürliche Weise unterstützen

Aufgrund seiner zentralen Rolle im Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechselweg sei es wichtig, die dafür zuständigen Bakterien zu unterstützen, ohne dabei ein Umfeld zu schaffen, das Zähnen oder Zahnfleisch schaden könnte, so Siedman.
Sie empfiehlt den Verzehr von nitratreichem Gemüse wie Rote Bete, Rucola, Spinat und Blattgemüse. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 ergab, dass eine tägliche Nitrataufnahme von 200 bis 800 mg aus Rote-Bete-Saft bei Menschen mit Bluthochdruck mit einem durchschnittlichen Rückgang des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg verbunden war – ein weitaus größerer Effekt als der in der Zahnfleischstudie beobachtete.
Siedman empfiehlt, eine gute Mundhygiene zu pflegen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und einen gesunden Speichelfluss zu fördern.
Vorsicht geboten sei auch bei scharfen Mundspülungen: Wer zu oft zu antiseptischen Mitteln greife, insbesondere solchen mit dem Wirkstoff Chlorhexidin, töte genau jene Nützlinge im Mund ab, die für die Umwandlung von Nitrat nötig sind, warnt Webb.
Studien haben die Verwendung von Chlorhexidin-Mundspülungen mit einem Anstieg des Blutdrucks in Verbindung gebracht.
Im Gegensatz dazu beeinträchtigen Rauchen, Parodontitis, das Altern und hormonelle Veränderungen, wie sie beispielsweise in den Wechseljahren auftreten, das mikrobielle Gleichgewicht und die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid, so Siedman.
„Die kardiovaskuläre Gesundheit sollte ganzheitlich betrachtet werden“, sagte Vadali. Die allgemeine Erkenntnis ist nicht, dass Menschen zuckerhaltigen Kaugummi kauen sollten, um den Blutdruck zu senken, sondern dass sie ein gesundes orales Mikrobiom aufrechterhalten sollten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Scientists Discover an Unexpected Way to Boost Beet Juice’s Blood Pressure Benefits“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Manipulation im Alltag: Wie frei ist unsere Entscheidung wirklich?


In Kürze:

  • Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Das macht uns effektiv, aber anfällig für Manipulation.
  • Wer weiß, wie Menschen denken und fühlen, kann dieses Wissen gezielt einsetzen – zum Guten, aber auch zum eigenen Vorteil.
  • Künstlicher Zeitdruck und induzierte Gefühle sind mächtige Werkzeuge der Manipulation, aber nicht die Einzigen.
  • Freie Entscheidung beginnt daher mit einer Pause und einer Frage an sich selbst.

 
Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen. Wir wählen, was wir einkaufen, wem wir vertrauen, welche Nachrichten wir glauben oder wie wir auf andere Menschen reagieren. Dabei sind wir überzeugt, frei und unabhängig zu entscheiden. Doch die Wahrheit ist: Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Diese sogenannten mentalen Heuristiken helfen uns, schnell Entscheidungen zu treffen – machen uns aber gleichzeitig anfällig für Manipulation.
Manipulation begegnet uns überall. Sie findet nicht nur in der Werbung statt, sondern auch in Beziehungen, im Berufsleben, in den sozialen Medien und in der Politik. Oft geschieht sie so subtil, dass wir sie gar nicht bemerken. Erst im Nachhinein fragen wir uns: „Warum habe ich eigentlich zugestimmt?“, oder „Wie konnte ich mich darauf einlassen?“

Warum unser Gehirn manipulierbar ist

Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Würden wir jede Entscheidung gründlich analysieren, wären wir bereits vor dem Frühstück erschöpft. Deshalb nutzt unser Denken Faustregeln. Wir orientieren uns an Erfahrungen, Gewohnheiten – und den Reaktionen anderer Menschen.
Diese Abkürzungen funktionieren meistens gut. Genau sie machen uns jedoch berechenbar. Wer weiß, wie Menschen denken und fühlen, kann dieses Wissen gezielt einsetzen – zum Guten, aber auch zum eigenen Vorteil.
Hinzu kommt, dass Gefühle häufig stärker sind als rationale Überlegungen. Angst, Sympathie, Zeitdruck oder das Bedürfnis, dazuzugehören, beeinflussen unser Verhalten oft stärker als Fakten.

Sympathie, Gegenseitigkeit und künstliche Begehrlichkeit

Menschen sagen eher Ja zu Personen, die sie sympathisch finden. Ein freundliches Lächeln, Gemeinsamkeiten oder ein ehrliches Kompliment schaffen Vertrauen. Genau deshalb investieren Verkäufer, Influencer oder geschickte Verhandler zunächst in den Beziehungsaufbau. Wer sich verstanden fühlt, senkt unbewusst seine kritische Haltung.
Natürlich ist Freundlichkeit nichts Negatives. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie ausschließlich dazu dient, Entscheidungen zu beeinflussen.
Wer etwas geschenkt bekommt, verspürt häufig den Wunsch, sich zu revanchieren. Dieses Prinzip ist tief in unserer sozialen Entwicklung verankert. Kostenlose Proben, kleine Geschenke oder vermeintlich unverbindliche Gefälligkeiten erzeugen oft ein Gefühl der Verpflichtung. Dabei spielt der tatsächliche Wert des Geschenks kaum eine Rolle. Entscheidend ist das Gefühl: „Jetzt sollte ich mich erkenntlich zeigen.“
Hinzu kommt: Die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen, ist häufig größer als die Freude über einen möglichen Gewinn. Dieses Phänomen wird auch als Fear of Missing Out (FOMO) bezeichnet.
„Nur noch zwei Stück verfügbar.“
„Dieses Angebot gilt nur heute.“
Solche Aussagen begegnen uns ständig. Dahinter steckt ein einfacher psychologischer Mechanismus: Was knapp erscheint, wirkt automatisch wertvoller. In Wirklichkeit reduziert Zeitdruck unsere Fähigkeit, kritisch nachzudenken. Deshalb lohnt es sich fast immer, wichtige Entscheidungen eine Nacht zu überschlafen.

Menge und Autorität sagen nichts über Inhalt

Die Angst, etwas zu verpassen, wirkt aber nicht nur im Einzelhandel. Auch die Anziehungskraft sozialer Netzwerke beruht zum großen Teil auf dem Nicht-Verpassen-Wollen. Zugleich ist hier ein zweiter Effekt am Werk: Wenn viele Menschen etwas tun, muss es doch richtig sein – oder?
Doch Algorithmen kennen unsere Interessen oft erstaunlich genau. Sie zeigen Inhalte, die unsere Aufmerksamkeit möglichst lange binden. Je häufiger wir bestimmte Meinungen lesen, desto vertrauter erscheinen sie uns. Psychologen sprechen vom „Mere-Exposure-Effekt“: Allein die wiederholte Begegnung mit einer Aussage erhöht ihre Glaubwürdigkeit.
Deshalb lohnt es sich, bewusst unterschiedliche Informationsquellen zu nutzen und gelegentlich die eigene Sichtweise zu hinterfragen, denn unser Gehirn orientiert sich an der Gruppe. Tausende positive Bewertungen, lange Warteschlangen oder Formulierungen wie „Bestseller“ oder „Die Nummer 1“ erzeugen Vertrauen. Dieses Prinzip ist besonders hilfreich, wenn wir uns unsicher fühlen. Allerdings bedeutet Beliebtheit nicht automatisch Qualität.
Auch ein weißer Kittel, akademische Titel oder eine beeindruckende Berufsbezeichnung können unsere Wahrnehmung erheblich verändern. Das bedeutet nicht, dass Experten grundsätzlich falschliegen. Dennoch sollten Aussagen immer anhand ihrer Inhalte beurteilt werden – nicht allein aufgrund des Status der Person.
Geschichte und Forschung zeigen immer wieder, dass Menschen Autoritäten erstaunlich weit folgen können, selbst wenn sie dabei gegen ihre eigenen Überzeugungen handeln.

Das Ja-Sagen beginnt mit kleinen Schritten

Eine bekannte Technik besteht darin, zunächst um eine kleine Zustimmung zu bitten. Wer einmal Ja gesagt hat, stimmt später häufig auch größeren Bitten zu. Aus 5 Minuten werden dann schnell 20 und am Ende ist der halbe Tag vertan.
Psychologen sprechen hier vom Wunsch nach Konsistenz. Wir möchten als verlässlich gelten und handeln deshalb oft im Einklang mit früheren Entscheidungen. Dieses Prinzip begegnet uns beim Spendensammeln ebenso wie im Verkauf oder in persönlichen Beziehungen.

Die Macht der Emotionen

Kaum ein Gefühl beeinflusst unser Verhalten so stark wie Angst. Wer Angst hat, sucht nach Sicherheit. Genau deshalb funktionieren Schlagzeilen, die Bedrohungen betonen, häufig besonders gut. Auch Betrüger nutzen dieses Prinzip. Sie erzeugen zunächst Unsicherheit und präsentieren anschließend die vermeintliche Lösung.
Ein ruhiger Moment zum Nachdenken reicht oft aus, um Manipulationsversuche zu erkennen.
Und dann sind da noch Schuldgefühle und emotionale Erpressung:
„Wenn du mich wirklich lieben würdest …“
„Nach allem, was ich für dich getan habe …“
Solche Aussagen zielen nicht auf einen sachlichen Austausch, sondern auf Schuldgefühle. Emotionale Erpressung nutzt unsere Angst vor Ablehnung oder Konflikten. Statt frei zu entscheiden, handeln wir aus schlechtem Gewissen. Gesunde Beziehungen zeichnen sich dagegen durch Respekt, Freiwilligkeit und gegenseitige Wertschätzung aus.

Wie Sie Manipulation erkennen …

Manipulation arbeitet häufig mit denselben Mustern:
  • künstlicher Zeitdruck
  • starke emotionale Ansprache
  • Schuldgefühle
  • übertriebene Versprechen
  • scheinbare Alternativlosigkeit
  • Berufung auf Autoritäten
  • Gruppendruck
  • übermäßiges Lob oder Schmeichelei
Je mehr dieser Signale gleichzeitig auftreten, desto vorsichtiger sollten Sie sein.

… und sich vor ihr schützen

Der wirksamste Schutz beginnt mit einem kurzen Moment der Pause.
Fragen Sie sich:
  • Warum treffe ich diese Entscheidung gerade jetzt?
  • Profitiere wirklich auch ich davon?
  • Würde ich ohne Zeitdruck genauso entscheiden?
  • Welche Gefühle werden gerade bei mir ausgelöst?
  • Welche Informationen fehlen mir noch?
Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren die Wirkung vieler Manipulationstechniken.
Ebenso hilfreich ist es, wichtige Entscheidungen niemals ausschließlich aus Angst, Euphorie oder schlechtem Gewissen heraus zu treffen. Auch wenn Sie dafür Zeit benötigen und den anderen warten lassen müssen.

Fazit

Dass Manipulation funktioniert, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Folge unserer menschlichen Denkweise. Unser Gehirn nutzt Vereinfachungen, Gefühle und Erfahrungen, um den Alltag zu bewältigen. Genau diese Mechanismen können jedoch ausgenutzt werden.
Fakt ist auch, wir alle sind beeinflussbar, doch nicht jede Form der Beeinflussung ist automatisch negativ. Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrkräfte begeistern für Wissen und Therapeuten unterstützen Menschen dabei, hilfreiche Verhaltensweisen zu entwickeln. Der Unterschied liegt in der Absicht. Während Manipulation den Vorteil des Beeinflussenden in den Mittelpunkt stellt, verfolgt eine respektvolle Kommunikation das Ziel, beide Seiten zu stärken.
Die gute Nachricht lautet: Wer die wichtigsten psychologischen Tricks kennt, erkennt sie schneller. Ein kurzer Moment des Innehaltens, kritisches Nachfragen und das Bewusstsein für die eigenen Gefühle reichen oft aus, um Manipulationsversuchen die Wirkung zu nehmen.
Die größte Freiheit besteht nicht darin, sich niemals beeinflussen zu lassen. Sie besteht darin, den Unterschied zwischen einer selbstbestimmten Entscheidung und einer geschickten Beeinflussung zu erkennen. Denn je besser wir verstehen, wie unser Denken funktioniert, desto souveräner können wir unseren eigenen Weg gehen.
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Zell-Verjüngung entdeckt: Körper verwandelt alte Zellen zurück in frische Stammzellen

Lange galt in der Medizin ein Grundsatz: Gehen einem Gewebe die Stammzellen aus, ist der Schaden unumkehrbar. Neue Ergebnisse israelischer Forscher stellen dieses Dogma nun auf den Kopf. Der Körper kann offenbar gealterte Zellen verjüngen und wieder in frische Stammzellen verwandeln. Damit besitzt er die Fähigkeit, sich gewissermaßen von innen heraus selbst zu regenerieren.
Konkret beobachtete das Forschungsteam dieses Phänomen an der Hornhaut des Auges: Reife, bereits gealterte Zellen verwandelten sich dort wieder in aktive Stammzellen, um die Verletzung zu heilen. Der entscheidende Impuls kommt dabei vom Immunsystem. Bestimmte Abwehrzellen (die sogenannten Makrophagen), die eigentlich Krankheitserreger bekämpfen, senden Signale aus. Diese veranlassen die gealterten Zellen dazu, wieder in den Stammzell-Zustand zurückzukehren.
„Wir waren überrascht, als wir entdeckten, dass sich die Hornhaut selbst nach der Zerstörung all ihrer Stammzellen regenerieren kann“, erklärt Studienautorin Ruby Shalom-Feuerstein in einer Stellungnahme.
Während die Entdeckung hauptsächlich auf Experimenten mit Mäusen basiert, verwendeten die Forscher in Laborstudien auch menschliche Hornhautepithelzellen, um ihre Ergebnisse zu validieren.
Zukünftige Studien müssen zeigen, ob auch andere reife Zellen in Stammzellen umprogrammiert werden können, so die Forscher. Es ist die erste Studie, die zeigt, dass reife Zellen ebenfalls in ihren früheren Zustand zurückkehren können, sagten sie.

Ein Grund zum Optimismus

Krishna Surapaneni, Facharzt für Augenheilkunde und Chirurg für Katarakt, Hornhaut und Refraktionschirurgie in Houston, USA, bezeichnete die Ergebnisse als „wirklich spannend“, merkte jedoch an, dass es sich hierbei noch weitgehend um eine Studie an Mäusen handele, mit lediglich ersten, vielversprechenden Anzeichen bei menschlichen Zellen im Labor. Die Forscher untersuchen nun, ob derselbe natürliche Regenerationsprozess auch beim Menschen existiert und wie er letztendlich genutzt werden könnte.
„Die Kluft zwischen einem bei Mäusen funktionierenden Mechanismus und einer sicheren, zuverlässigen Behandlung für Patienten ist groß“, sagte Surapaneni. „Und sie lässt sich in Jahren messen, nicht in Monaten.“
Dennoch stellt die Studie die Annahme in Frage, dass der Verfall unumkehrbar ist, sobald ein Gewebe seine Stammzellen verliert. „Wenn reife Zellen dazu gebracht werden können, wieder eine reparierende Rolle zu übernehmen, verändert das unsere Sichtweise auf die Heilung im Auge und möglicherweise auch darüber hinaus“, sagte Surapaneni.

Toxine und Stressoren können den Prozess behindern

Andere Forschungsarbeiten zur zellulären Reprogrammierung deuten darauf hin, dass bestimmte Toxine, Umwelteinflüsse und metabolische Stressoren nicht nur Stammzellen schneller altern lassen, sondern auch eine Rückbildung gealterter Zellen in einen Stammzellzustand behindern können:
  • Oxidativer Stress: Tabakrauch, Pestizide, Schwermetalle und Strahlung können oxidativen Stress auslösen, der DNA, Proteine und Zellmembranen schädigt und zu genomischer Instabilität führt, wodurch es für eine Zelle schwieriger wird, sich zurückzusetzen.
  • Epigenetische Veränderungen: Die Rückbildung in den Stammzellzustand erfordert, dass eine Zelle ihr epigenetisches „Gedächtnis“ ihrer reifen Identität löscht. Eine anhaltende Belastung durch schädliche Chemikalien, Stoffwechselnebenprodukte und chronische Entzündungen kann das Epigenom einer Zelle so verändern, dass sie in ihrem aktuellen Zustand „feststeckt“.
  • Anreicherung von Zellabfällen: Eine schlechte Stoffwechselgesundheit in Verbindung mit toxischer Belastung kann zu einer Anreicherung von Fetttröpfchen und fehlgefalteten Proteinen führen. Wenn die Abfallbeseitigungssysteme einer Zelle überlastet sind, kann der für die Umwandlung in eine Stammzelle erforderliche Erneuerungsprozess ins Stocken geraten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Aged Cells Revert to Stem Cells to Repair the Body“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Majoran – Gewürz mit überraschenden Gesundheitsvorteilen


In Kürze:

  • Majoran ist ein beliebtes Würzkraut aus dem Mittelmeerraum mit hohem Anteil an ätherischen Ölen.
  • Seit alten Zeiten ist er auch als Heilkraut mit vielseitigen Anwendungen bekannt.
  • Traditionell kommt Majoran bei Verdauungsproblemen, Erkältungen, Muskel- und Nervenschmerzen und Frauenleiden zum Einsatz.
  • Die moderne Wissenschaft bestätigt antimikrobielle, antimykotische, entspannende und antioxidative Eigenschaften.
  • Mit einfachen Tipps ist Anbau und Ernte als einjährige Pflanze auch bei uns möglich.

 
Majoran (Origanum majorana) ist vor allem als kräftiges Küchengewürz bekannt. Fisch- und Fleischgerichte aber auch Kartoffelsuppe oder Gemüseeintöpfe mit Hülsenfrüchten werden durch Majoran nicht nur schmackhafter, sondern auch bekömmlicher. Besonders beliebt ist das Gewürzkraut in der mediterranen Küche, wo es Pasta und Pizza verfeinert.
Der Mittelmeerraum ist auch die ursprüngliche Heimat des Majorans. In unseren Gärten ist die kälteempfindliche Pflanze seit dem 16. Jahrhundert heimisch. Das eng mit dem Oregano verwandte Kraut der Gattung Origanum (= Dost) in der Familie der Lippenblütler hat sich nicht nur als Küchengewürz einen Namen gemacht.
Seit der Antike sind auch die heilenden Eigenschaften von Majoran bekannt und in den ältesten medizinischen Handbüchern wie in der Dioscorides‘ De Materia Medica (78 n. Chr.) oder dem Sammelwerk für Frühdeutsche Medizin von Hildegard von Bingen gelistet. Die sonnenliebende Pflanze wurde vor allem bei Verdauungsbeschwerden, Erkältungen und Frauenleiden eingesetzt. Bei den alten Griechen und Römern galt der wohlriechende Majoran als glücksbringendes Kraut wurde mit der Göttin Aphrodite in Verbindung.

Inhaltsstoffe und gesundheitliche Vorteile von Majoran

Der intensiv würzige und zugleich fein blumige Duft des Majorans verrät einen hohen Anteil an ätherischen Ölen, der zu Beginn der Blüte am höchsten ist und bis zu 3,5 Prozent betragen kann. Den Hauptanteil bilden unterschiedliche Terpene. Studien zeigen, dass die scharf schmeckenden ätherischen Öle antimikrobielle und antimykotische Eigenschaften besitzen, die nicht nur Speisen haltbarer machen, sondern auch die Ausbreitung von Bakterien und Pilzen wie Candida albicans im Körper hemmen können.
Weiterhin erwies sich Majoranöl in Studien antioxidativ, entzündungshemmend, entspannend und gefäßerweiternd, was das Risiko für Bluthochdruck und koronare Herzerkrankungen senken kann. Die enthaltenen Monoterpene zeigten sich außerdem als krebsfeindlich.
Darüber hinaus enthält Majoran Bitter- und Gerbstoffe, die die Bildung von Verdauungssäften fördern und Leber und Galle unterstützen.

Heilkundliche Anwendungen von Majoran

Das Zusammenspiel seiner Inhaltsstoffe macht Majoran zu einem wirksamen Heilkraut, das in der Volksmedizin eine breite Anwendung findet. Er kommt traditionell bei Verdauungsproblemen mit Krämpfen, Blähungen, Durchfall, schwachem Magen und Appetitlosigkeit zum Einsatz. Besonders bei Säuglingen kann das sanfte Einreiben der Nabelgegend mit Majoransalbe entspannend wirken und Blähungsbeschwerden lindern.
Majoran ist zudem ein traditionelles Hausmittel in der Erkältungszeit. Besonders bekannt ist die Majoransalbe, die seit Generationen zur Pflege der gereizten Haut im Naseneingangsbereich verwendet wird. Die Salbe ist in Apotheken erhältlich oder kann auf traditionelle Weise selbst aus Butter und Majoran hergestellt werden. Dafür Butter und pulverisiertes Majorankraut im Verhältnis 1:1 im Wasserbad vorsichtig erwärmen und etwa eine halbe Stunde ziehen lassen. Die warme Flüssigkeit durch ein feines Sieb in einen kleinen Tiegel abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Beim Abkühlen wird die Salbe fest. Bei Bedarf die Salbe mehrmals täglich dünn auftragen.
Darüber hinaus ist ein Teeaufguss hilfreich, um festsitzenden Schleim zu lösen und Reizhusten zu lindern. Dafür einen Teelöffel Blätter und Blüten mit heißem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen. Zwei bis drei Tassen pro Tag trinken. Ein Dampfbad mit Majoran unterstützt dabei, eine verschnupfte Nase freizumachen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die enthaltenen ätherischen Öle wie Carvacrol und Thymol, das auch im Thymian vorkommen.
Die ätherischen Öle im Majoran werden außerdem wegen ihrer beruhigenden Eigenschaften auf das Nervensystem geschätzt. Sie wirken aufhellend und angstlösend auf die Psyche und fördern den Schlaf.
Des Weiteren gilt Majoran in der Naturheilkunde als wärmende Pflanze, die die Durchblutung fördert und Schmerzen lindert. Er kommt daher bei verspannten Muskeln, Rheuma, Glieder- und Nervenschmerzen zum Einsatz. In der Frauenheilkunde wird er bei krampfartigen Menstruationsbeschwerden, nervöser Anspannung und Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus eingesetzt.
Schwangere sollten Majoran meiden, da er eine stimulierende Wirkung auf die Gebärmutter ausüben kann. Gelegentliche kleine Mengen zum üblichen Würzen sind bedenkenlos.

Majoran in der Küche

Majoran macht schwere und fette Speisen verdaulicher. Daher ist er ein beliebtes Gewürz in deftigen Fleischgerichten wie Schweinebraten oder Hackfleischgerichten, Pasteten und Würsten, wie der bayrischen Weißwurst. Das brachte Majoran auch die Bezeichnung als „Wurstkraut“ ein.
Majoran harmoniert allerdings auch wunderbar zu Rührei, Bratkartoffeln, Bohneneintöpfen sowie Kartoffel- und Gemüsesuppen. In Pastasaucen lässt sich Oregano problemlos durch Majoran ersetzen. Da Majoran milder, etwas süßlicher und blumiger schmeckt als Oregano, verleiht er Tomaten- und Gemüsesaucen eine feinere, weniger herbe Würze.

Anbau und Ernte

In seiner ursprünglichen Heimat wächst Majoran als mehrjähriger Halbstrauch. Da er nicht gänzlich winterhart ist, wird er bei uns meist einjährig kultiviert. Das Kraut liebt einen vollsonnigen und windgeschützten Standort mit kiesigem bis lehmigem Boden.
Die Aussaat erfolgt Mitte März bis Ende Mai auf dem Fensterbrett oder Frühbeetkasten. Die Jungpflanzen kommen ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen ins Freie.
Frische Triebe können den ganzen Sommer geerntet werden. Die beste Zeit für die Ernte zum anschließenden Trocknen ist der Beginn der Blütezeit – das ist meist von Juni bis September. Für die Ernte den Majoran etwa handbreit über dem Boden abschneiden. Zu Bündeln kopfüber aufhängen und an einem warmen, jedoch schattigen und luftigen Ort trocknen lassen. Anschließend die Blättchen und Blüten von den Stängeln abstreifen und luftdicht verschlossen dunkel aufbewahren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Die 10-Minuten-Falle beim Arzt: Warum Zeitmangel zu gefährlichen Fehldiagnosen führen kann

Herr S., ein 38-jähriger Patient, suchte mich wegen wiederkehrender Atemnot, Brustenge und Kurzatmigkeit auf. Er wirkte angespannt, aber bemüht, die Situation sachlich zu schildern.
Als er seine Unterlagen auf den Tisch legte, zeigte sich, dass er in den vergangenen Monaten mehrfach beim Hausarzt, einmal beim Lungenfacharzt und sogar in der Notaufnahme gewesen war.

Verschiedene Ärzte – die gleiche Fehldiagnose

Sein Hausarzt hatte ihm nach einem kurzen Gespräch ein „mildes Belastungsasthma“ diagnostiziert. Die Diagnose war in einem Termin gefallen, der laut Patienten keine fünf Minuten gedauert hatte und mit einem Rezept für ein Asthmaspray endete.
Der Pneumologe hatte später im Rahmen der Untersuchung der Lungenfunktion ein Spirometrie-Ergebnis gesehen, das zwar grenzwertig, aber nicht eindeutig war. Aufgrund der Vorbefunde übernahm er die Diagnose allergisches Asthma, ohne weiter nachzufragen.
Doch während ich mit Herrn S. sprach, zeigte sich, dass die Beschwerden nicht zu einem allergischen Asthma passten.
In seinen Unterlagen fand ich einen Lungenfunktionstest, der unauffällig war. Ein Allergietest ohne Befund. Ein Thorax-Röntgen, das normal war. Die körperlichen Befunde passten ebenfalls nicht zur Diagnose.
In meinem Gespräch mit Herrn S. stellte sich heraus, dass die Atemnot häufig in Situationen auftrat, die emotional belastend waren: vor Präsentationen im Job, nach Konflikten mit seiner Partnerin, manchmal auch nachts nach intensiven Grübeleien.
Er erwähnte nebenbei, dass er seit Monaten die Doppelbelastung aus Vollzeitjob und Pflege seines Vaters trug, der nach einem Schlaganfall Unterstützung brauchte.
Mit jeder Minute, die ich zuhörte, kamen weitere entscheidende Details hinzu: ein seit Jahren bestehender, nie behandelter Angstzustand, eine familiäre Dauerbelastung, ein Arbeitsplatzkonflikt, der ihn täglich unter Druck setzte.

Stresssymptome als diagnostische Herausforderung

Fehldiagnosen wie im Fall von Herrn S. sind kein Einzelfall und wissenschaftlich gut dokumentiert.
Eine Studie, die von kanadischen Forschern über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt wurde, ergab, dass rund ein Drittel aller Asthma-Diagnosen bei einer standardisierten erneuten Abklärung nicht bestätigt werden konnten, weil sie zuvor ohne objektive Tests gestellt wurden.
Ein Teil der falsch diagnostizierten Patienten litt in Wahrheit unter Stressreaktionen, Hyperventilation oder psychosomatischen Beschwerden.
Die moderne Forschung zeigt, dass Stress körperliche Symptome erzeugen kann, die so überzeugend wirken, dass sie als organische Erkrankungen fehlinterpretiert werden, besonders dann, wenn die psychosoziale Anamnese fehlt.
Eine in der Fachzeitschrift „Nature Reviews“ veröffentlichte Arbeit belegt, dass Stress Atemnot, Brustenge, Herzrasen und Schwindel auslösen kann — Symptome, die, wenn man sich nicht die Zeit für ein umfassendes Gespräch mit dem Patienten nimmt, schnell in Richtung Asthma, Herzkrankheit oder Panikstörung gedeutet werden.
Genau das geschah bei Herrn S. Seine Atembeschwerden waren in Wahrheit nicht bronchial, sondern emotional. Nicht allergisch, sondern psychosozial. Nicht organisch, sondern systemisch.
Die vermeintliche Asthma-Diagnose war in Wahrheit ein ausgeprägtes Hyperventilationssyndrom, ausgelöst durch chronischen Stress, Schlafmangel und emotionale Überlastung.
Doch für diese Diagnose brauchte es genügend Zeit, um sich ein ganzheitliches Bild zu machen — Zeit, die im modernen System oft fehlt.

Zeitmangel ist ein systemischer Risikofaktor

Zeit ist in der modernen Medizin zu einer knappen Ressource geworden. Konsultationen dauern oft nur wenige Minuten, obwohl die Komplexität der Patienten steigt. Die Kombination aus Ärztemangel und niedrigen gesetzlichen Kassentarifen in Deutschland trägt dazu bei, dass Ärzte oft eine zu große Zahl an Patienten pro Tag behandeln müssen, um für ausführliche Gespräche Zeit zu finden.
Eine Erhebung im Auftrag des Bundesministeriums aus dem Jahr 2022 bestätigt, dass die durchschnittliche Behandlungszeit beim Hausarzt pro Besuch zehn Minuten beträgt, in 48 Prozent der Fälle fünf bis 10 Minuten.
Die Forschung zeigt klar, dass diese Verkürzung nicht nur die Gesprächsqualität mindert, sondern die diagnostische Präzision beeinflusst. Eine systematische Übersichtsarbeit, die im Jahr 2017 erschien, bestätigt, dass Zeitdruck und unvollständige Anamnesen zentrale Ursachen für Fehldiagnosen sind.
Unter Zeitdruck und Belastung greifen Ärzte häufiger zu heuristischen, vereinfachten Entscheidungswegen, wie eine im Fachjournal Medical Education veröffentlichte Studie zeigt. Das bedeutet: Nicht nur wichtige Patienteninformationen fehlen — auch die Denkprozesse verändern sich aufgrund des Zeitdrucks.

Wenn das Gesamtbild verloren geht

Fehldiagnosen sind nur die erste Stufe. Die zweite ist noch gefährlicher: Fehltherapie.
Die experimentelle Studie von Tsiga und Kollegen zeigt, dass Ärzte unter Zeitdruck häufiger zu Standardtherapien greifen, statt individuell zu behandeln.
Ein weiterer moderner Faktor ist die fragmentierte Versorgung. Fragmentierte Versorgung kann dazu führen, dass Informationen verloren gehen, Untersuchungen doppelt durchgeführt werden oder Behandlungen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass auch Fehldiagnosen häufig passieren, wenn mehrere Ärzte beteiligt sind, sich jeder mit einzelnen fachspezifischen Symptomen beschäftigt, aber ein Überblick über die Gesamtgeschichte fehlt.

Warum Zeit in der Ganzheitlichen Medizin ein diagnostisches Werkzeug ist

Zeitmangel ist längst kein Randproblem mehr, sondern ein struktureller Schaden, der sich immer mehr im Gesundheitswesen abbildet.
Diagnostik braucht jedoch Zeit – Zeit zum Zuhören, Zeit zum Nachfragen, Zeit zum Verstehen.
In der Ganzheitlichen Medizin wird Zeit nicht als Luxus angesehen, sondern als ein diagnostisches Werkzeug. Aus ganzheitlicher Sicht betrachtet, sind psychosoziale Faktoren, die man erst nach einem längeren, vertrauten Gespräch einschätzen kann, keine Nebensache, sondern zentrale Bausteine der Gesundheit.
In meiner Praxis sehe ich immer wieder, dass echte Heilung dann beginnt, wenn der Arzt die Geschichte hinter den Symptomen versteht. Denn daraus ergibt sich der präzise Rahmen, in dem eine richtige Diagnose gestellt werden kann, die die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie ist.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Mahlzeiten auslassen beim Fasten: Welches Essen Sie niemals streichen sollten, laut Studien

Viele Menschen lassen beim Fasten die falsche Mahlzeit aus. Da zeitlich begrenzte Ernährung immer beliebter wird, deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass das Auslassen des Frühstücks im Vergleich zum Abendessen der Biologie des Körpers zuwiderläuft.

Warum der Zeitpunkt wichtig ist

Eine Auswertung von 13 randomisierten kontrollierten Studien legt nahe, dass eine frühere Mahlzeit im Tagesverlauf im Allgemeinen besser für die Stoffwechselgesundheit ist.
Menschen, die ihre erste Mahlzeit vor 9 Uhr morgens zu sich nehmen, weisen tendenziell eine bessere Blutzuckerkontrolle und stärkere Verbesserungen der Insulinsensitivität auf als diejenigen, die bis nach 11 Uhr morgens warten.
„Frühes zeitlich begrenztes Essen ist im Allgemeinen metabolisch vorteilhafter als spätes zeitlich begrenztes Essen“, erklärte Dr. Muhammad Usama, Facharzt für Schlafmedizin und Adipositasmedizin, gegenüber Epoch Times.
Das Auslassen des Abendessens oder dessen frühere Einnahme passt besser zur circadianen Biologie, da Insulinsensitivität, Glukoseverwertung und ernährungsbedingte Thermogenese (der Energieverbrauch während der Verdauung) zu Beginn des Tages stärker ausgeprägt sind, fügte Usama hinzu.
„Das Auslassen des Frühstücks und spätes Essen mag bei manchen Menschen zwar zu einer Kalorienreduktion führen, aber aus metabolischer Sicht läuft man damit oft gegen die innere Uhr“, sagte Usama.
Das Auslassen des Frühstücks wurde zudem mit einem höheren Risiko für Übergewicht und Adipositas sowie höheren Gesamt- und LDL-Cholesterinwerten in Verbindung gebracht.

Die Biologie des früheren Essens

Warum scheint früheres Essen besser zu funktionieren? Die Antwort liegt in der Chrononahrung, also der Erforschung, wie der Zeitpunkt der Mahlzeiten mit dem zirkadianen Rhythmus des Körpers zusammenwirkt.
Eine Hauptuhr im Gehirn synchronisiert die Uhren im gesamten Körper, einschließlich derer in Leber, Darm, Bauchspeicheldrüse und Fettgewebe, die bei der Regulierung des Stoffwechsels helfen. Folglich kann der Zeitpunkt, zu dem wir essen, beeinflussen, wie effizient unser Körper Nahrung verarbeitet.
Die Glukosetoleranz erreicht morgens nach dem nächtlichen Fasten auf natürliche Weise ihren Höhepunkt und nimmt im Laufe des Tages ab, sodass der Morgen ein guter Zeitpunkt ist, um zu essen und Nahrung zu verstoffwechseln.
Melatonin, dessen Spiegel am Abend ansteigt, unterdrückt die Insulinausschüttung, während niedrigere Melatoninspiegel am Morgen mit einer höheren Insulinsensitivität in Verbindung gebracht werden.
Zudem sind die GLP-1-Hormone, die die Insulinreaktion auslösen, morgens von Natur aus höher.
„Die gleiche Mahlzeit, die um 8 Uhr morgens und um 21 Uhr abends eingenommen wird, hat nicht dieselben metabolischen Auswirkungen“, sagte Usama.

Wer sollte besonders darauf achten

Obwohl sich eine Ernährung im Einklang mit den natürlichen Rhythmen des Körpers für die meisten Menschen positiv auswirken kann, steht für Frauen, insbesondere für diejenigen, die mit Insulinresistenz, dem polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom oder der Perimenopause zu tun haben, möglicherweise noch mehr auf dem Spiel.
Mpho Tshukudu, eine funktionelle Ernährungsberaterin, empfiehlt dieser Gruppe ein proteinreiches Frühstück, ein reichhaltiges Mittagessen und ein leichtes, frühes Abendessen. Ein proteinreiches Frühstück hilft, den Blutzuckerspiegel nach dem nächtlichen Fasten zu stabilisieren, und trägt gleichzeitig dazu bei, den natürlichen morgendlichen Anstieg des Cortisolspiegels zu dämpfen.
Das Auslassen des Frühstücks belastet hingegen auf Dauer die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, das wichtigste Stressreaktionssystem des Körpers, sowie die Fortpflanzungshormone zusätzlich.
„Frauen reagieren aufgrund der Wechselwirkung zwischen Stress und Fortpflanzungshormonen im Allgemeinen empfindlicher auf Energieeinschränkungen“, erklärte sie gegenüber Epoch Times.
Kinder, schwangere oder stillende Frauen, Menschen mit Essstörungen in der Vorgeschichte sowie Personen, die blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, sollten vor dem Fasten professionellen Rat einholen.
„Vor allem kann der richtige Zeitpunkt eine qualitativ schlechte Ernährung nicht ausgleichen“, sagte Tshukudu. Es sei besser, fügte sie hinzu, innerhalb eines vernünftigen Fastenzeitraums ein gesundes Frühstück zu sich zu nehmen, als das Fasten zu verlängern, nur um es dann mit einer ungesunden Mahlzeit zu unterbrechen.

Eine alte Sichtweise auf den Zeitpunkt der Mahlzeiten

Die Idee, im Einklang mit den natürlichen Rhythmen des Körpers zu essen, ist nicht neu. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), ein jahrhundertealtes Heilsystem, kommt zu einer ähnlichen Schlussfolgerung, wenn auch aus einer anderen Perspektive.
Der TCM zufolge erreicht die Magenenergie zwischen 7 und 9 Uhr morgens ihren Höhepunkt, das ist dann die ideale Zeit für das Frühstück. Eine warme, nahrhafte Mahlzeit soll dem Körper Energie liefern und für eine gleichmäßige Energieversorgung über den Tag hinweg sorgen.
Da der Abend als Zeit gilt, in der sich der Körper beruhigen soll, empfiehlt die TCM ein leichteres, bescheideneres Abendessen, um die Verdauung vor dem Schlafengehen nicht unnötig zu belasten.
Die Ansätze unterscheiden sich, der eine stützt sich auf die Forschung zur zirkadianen Biologie, der andere auf ein traditionelles medizinisches System, doch beide weisen in dieselbe Richtung.
„Ich betrachte zeitlich begrenztes Essen weniger als magisches Fasten, sondern eher als Anpassung des Stoffwechsels“, sagte Usama. „Es funktioniert am besten, wenn es den Menschen hilft, zu den Zeiten zu essen, zu denen der Körper biologisch besser darauf vorbereitet ist, Nahrung zu verarbeiten.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „If You Skip a Meal, Should It Be Breakfast or Dinner?“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Schadet die tägliche Dosis Ihrem Herzen? Was die Wissenschaft jetzt zu Kaffee enthüllt

Für Millionen Menschen ist der Griff zur Kaffeetasse am Morgen nicht nur ein Wachmacher, sondern ein unverzichtbares Ritual. Doch wie viel Koffein verträgt das menschliche Herz-Kreislauf-System, ohne Schaden zu nehmen?

Eine aktuelle wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association (AHA), veröffentlicht im Fachjournal „Circulation“, liefert folgende Richtlinie: Für die meisten gesunden Erwachsenen ist der Konsum von bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag unbedenklich – das entspricht etwa drei bis fünf normalen Tassen Filterkaffee (ca. 240 ml pro Tasse).

Mehr noch: Die Auswertung zahlreicher Studien zeigte laut der Stellungnahme, dass moderater Kaffeegenuss das Herz nicht belastet, sondern mit einem geringeren Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit und Schlaganfälle sowie Typ-2-Diabetes einhergehen kann.

Schwarz und unverfälscht: Die Zubereitung entscheidet

Ein entscheidendes Detail der Untersuchung betrifft die Art des Kaffeekonsums. Die gesundheitlich vorteilhaften Effekte wurden vor allem bei schwarzem Kaffee beobachtet, also ohne zugesetzten Zucker, aromatisierte Sirups, Milch oder Sahne.

„Koffein aus Kaffee ist für viele Menschen ein fester Bestandteil des Alltags. Unsere Überprüfung der neuesten Daten zeigt, dass ein täglicher Konsum von bis zu 400 Milligramm Koffein das kardiovaskuläre Risiko nicht erhöht“, erläutert Dr. Gregory M. Marcus, Professor für Medizin an der University of California in San Francisco und Erstautor der kürzlich erschienenen Stellungnahme.

Warum Kaffee das Herz schützen kann, liegt nach Erkenntnissen der Forscher nicht zwingend am Koffein allein. Die Kaffeebohne enthält eine Vielzahl bioaktiver Substanzen mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. In klinischen Studien zeigte sich beispielsweise, dass Kaffeekonsum das Risiko für Vorhofflimmern, eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen,  senken kann, wenngleich er vereinzelt Herzklopfen begünstigen kann.

Vorsicht vor Energydrinks und Shots

Scharfe Kritik üben die Wissenschaftler hingegen an hochkonzentrierten Koffeinquellen wie Energydrinks und sogenannten Energy-Shots. Im Gegensatz zum schrittweisen Kaffeegenuss führen diese Produkte dem Körper in sehr kurzer Zeit extrem hohe Koffeindosen zu. Ein Energy-Shot kann pro Volumeneinheit drei- bis viermal so viel Koffein enthalten wie regulärer Kaffee.

Diese Dosen stehen laut Untersuchungen im Verdacht, akuten Bluthochdruck sowie gefährliche Herzrhythmusstörungen auszulösen. „Hohe Koffeindosen, wie sie in Energydrinks vorkommen, können schädliche Auswirkungen auf das Herz haben und sollten gemieden werden“, so Kardiologe Marcus.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.

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Wie sich Kunst auf unsere DNA auswirken kann

Einmal pro Woche eine Kunstgalerie zu besuchen oder zum Pinsel zu greifen, steht laut einer neuen Studie mit einem langsameren biologischen Alterungsprozess in Zusammenhang.
„Diese Ergebnisse belegen die gesundheitlichen Auswirkungen der Künste auf biologischer Ebene“, so die Hauptautorin Daisy Fancourt vom Institut für Epidemiologie und Gesundheitswesen des University College London in einer Stellungnahme.
Forscher befragten im Rahmen der kürzlich in der Fachzeitschrift „Innovation in Aging“ veröffentlichten Studie 3.556 Erwachsene im Vereinigten Königreich, wie oft und in welcher Weise sie sich mit Kunst beschäftigen, und führten umfassende Blutanalysen durch. Bei denjenigen, die sich regelmäßig künstlerisch und kulturell betätigten, wurden DNA-Veränderungen festgestellt, die darauf hindeuten, dass ihre Zellen und inneren Systeme langsamer altern.

Genetische Veränderungen, die den Alterungsprozess verlangsamen

Die Forscher verwendeten sieben verschiedene Tests zur Untersuchung der DNA-Methylierung, jener chemischen Markierungen an der DNA, deren Muster sich mit zunehmendem Alter verändern und als Indikatoren für das biologische Alter dienen.
Das biologische Alter wird daran gemessen, wie leistungsfähig die Zellen und inneren Systeme funktionieren, während das chronologische Alter die tatsächliche Zeit angibt, die der Mensch gelebt hat.
Menschen, die häufiger an verschiedenen künstlerischen Aktivitäten teilnahmen oder sich damit beschäftigten, zeigten Merkmale, die auf einen etwa 4 Prozent langsameren Alterungsprozess hinwiesen, im Vergleich zu denen, die dies selten taten, eine Rate, die laut den Forschern mit den Auswirkungen regelmäßiger körperlicher Betätigung vergleichbar ist.
Selbst eine Teilnahme dreimal im Jahr war mit einem um etwa 2 bis 4 Prozent langsameren Altersprozess verbunden.
Menschen, die wöchentlich künstlerischen und kulturellen Aktivitäten nachgingen, erschienen laut den Studiendaten biologisch gesehen etwa ein Jahr jünger als diejenigen, die dies selten taten. Im Vergleich dazu war die mindestens einmal wöchentliche Ausübung körperlicher Betätigung damit verbunden, biologisch etwa sechs Monate jünger zu sein als das chronologische Alter.
„Dies baut auf einer wachsenden Zahl von Belegen für die gesundheitlichen Auswirkungen der Künste auf, wobei sich gezeigt hat, dass künstlerische Aktivitäten Stress reduzieren, Entzündungen lindern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Genau wie es auch von körperlicher Betätigung bekannt ist“, sagte die leitende Autorin Feifei Bu vom UCL Institute of Epidemiology & Health Care in der Erklärung.
Die Effekte waren bei Erwachsenen ab 40 Jahren stärker ausgeprägt und blieben auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Körpergewicht, Rauchen, Bildungsstand und Einkommen bestehen.
Zu den von den Teilnehmern genannten künstlerischen Aktivitäten zählten bildende Kunst (Malen, Zeichnen, Fotografie, Basteln), Musik (Singen, Instrumentalspiel, Musikhören) und Bewegungskunst (Tanzen).
Die Ergebnisse bauen auf vorherigen wissenschaftlichen Untersuchungen auf, die bereits zeigten, dass das Beschäftigen mit Kunst und Kultur den biologischen Alterungsprozess verlangsamen kann, indem es chronischen Stress und Entzündungen verringert, die bestimmte chemische Marker auf unserer DNA direkt verändern.
„Die Autoren selbst verweisen ausdrücklich auf die Verringerung psychosozialen Stresses, positive Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit und eine Senkung des kardiovaskulären Risikos durch eine gesunde Lebensweise, die damit Hand in Hand geht“, erklärte Dr. Carolyn Lam, stellvertretende Chefredakteurin des „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC) und Co-Moderatorin des wöchentlichen Podcasts „JACC This Week“, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.

Kunst und körperliche Betätigung sind jedoch nicht austauschbar

Künstlerische Betätigung und körperliche Bewegung seien jedoch nicht austauschbar, sondern ergänzten sich, so Lam.
„Regelmäßige körperliche Aktivität erhält Skelettmuskulatur und Knochen, stärkt die kardiorespiratorische Fitness [und] erhöht die maximale Sauerstoffaufnahme“, was in der Kardiologie zu den stärksten Prädiktoren für die Lebenserwartung zählt, ein Merkmal, das „durch den Besuch einer Kunstausstellung nicht gesteigert werden kann“, so Lam.
Die Forscher wiesen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, um festzustellen, ob der Beginn künstlerischer Aktivitäten im späteren Leben ebenfalls den Alterungsprozess verlangsamen kann und wie oft Menschen daran teilnehmen müssen, um einen tatsächlichen Nutzen zu erzielen.
Sie merkte außerdem an, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die an einer britischen Kohorte (Studiengruppe) mit überwiegend weißer europäischer Abstammung durchgeführt wurde und lediglich einen Zusammenhang zwischen verlangsamtem Altern und künstlerischem Engagement zeige, keinen kausalen Zusammenhang.
Dennoch sieht Lam einen echten Wert in den Ergebnissen, insbesondere für Menschen, denen herkömmliche körperliche Betätigung schwerfällt.
„Für ältere, gebrechliche Menschen oder solche mit mehreren Begleiterkrankungen, denen intensive körperliche Betätigung schwerfällt“, merkte sie an, „könnten die Künste einen parallelen und zugänglichen Weg zu einigen der gleichen biologischen Vorteile bieten.“
„Die Botschaft, die ich meinen Patienten vermitteln möchte, lautet nicht ‚entweder/oder‘, sondern ‚auf jeden Fall/und‘“, sagte Lam. „Bewegen Sie Ihren Körper und nähren Sie Ihre Seele – beides ist wichtig, und nach den Erkenntnissen dieser Studie scheinen beide positive Auswirkungen auf die epigenetischen Uhren zu haben.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Seeing and Doing Art Does to Your DNA“. (deutsche Bearbeitung cs)
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Ganz ohne Gegenleistung: Warum schenken Menschen anderen ihre Zeit?

Liebe Marianna, SK-Epoch Times,

wie ein Blinder suche ich seit einiger Zeit nach dem Warum sich Leute ehrenamtlich engagieren. Was bewegt Menschen dazu, ihre Zeit für andere herzugeben? Ohne Entgelt, ohne Gegenleistung.

Sucht man nach Antworten in den Daten der Bundesregierung, warum sich knapp 27 Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich engagieren, zeigen Motiv-Erhebungen aus dem Jahr 2019 vorwiegend Gründe wie Spaß zu haben, aus Hilfsbereitschaft, etwas für das Gemeinwohl zu tun, oder die Gesellschaft mitzugestalten und mit anderen Menschen zusammenzukommen. Doch was bedeuten diese Begriffe im echten Leben? Wie sieht diese Freude aus, wenn sie einem gegenüber sitzt?

Die nächste Gelegenheit, der Frage nachzugehen, ergab sich für mich in Berlin-Dahlem. Dort wollte ich den Vortrag einer Bekannten besuchen. Ich war spät dran, doch am Eingangstor des ehrenamtlich organisierten „Café gegen Einsamkeit“ teilte mir ein weißhaariger, großgewachsener, älterer Herr mit, dass der Vortrag wegen einer Erkrankung der Referentin leider ausfallen müsse. Der Mann, seinerseits leicht verdutzt über die terminliche Absage, winkte mich trotzdem hinein.

Einsamkeit sieht anders aus

Wo sich eine Tür schließt, wird vielleicht eine andere aufgehen. Und in der Tat befand ich mich im nächsten Augenblick inmitten einer großen Tafelrunde. Die Runde staunend betrachtend, eröffnete sich mir ein Anblick, der mit Einsamkeit wenig zu tun hatte.

Der lange Tisch, gedeckt mit gelb-orangen Servietten, durchzog wie ein prächtiges Schiff den Saal. Kaffeetassen thronten auf dazu passenden Untertassen und kleine Wassergläser rundeten jedes Gedeck ab. Über 25 handgeschriebene Namenskärtchen erwarteten repräsentativ ihre Namensträger an fast jedem Gedeck.

Frau Schmidt stand nun vor mir und erklärte, dass Frau Sanft erkrankt sei, um genau zu sein, einen Nasenbeinbruch erlitten hatte, und der Vortrag nicht stattfinden würde, aber nachgeholt werden würde.

Als sie in mein Gesicht blickte, stellte sie entzückt fest, dass ich so aussehen würde, als ob ich mich sehr auf den Vortrag gefreut hätte. Vor allem hatte ich mich gefreut, mit Frau Sanft das Thema über das ehrenamtliche Engagement zu vertiefen. Vor einiger Zeit hatte diese mir erzählt, dass sie in Berlin-Mitte ehrenamtlich durch Kunstausstellungen führte. Ich musste an die Neurowissenschaftler denken, die vom „Helfer-Glück“ sprechen – diesem Hormonschub aus Oxytocin und Dopamin, der sich einstellt, wenn man für andere da ist. Psychologisch gesehen ist dieses uneigennützige Geben vielleicht auch einfach ein zutiefst menschlicher Akt der Selbstfürsorge.

Lebenserfahrung: Der Schatz der späten Jahre

Noch bevor ich etwas erwidern konnte, lud mich Frau Schmidt ein zu bleiben. Du weißt ja, Marianna, wie das ist, wenn man eigentlich wegen einer Recherche da ist; plötzlich saß ich mit Kaffee und Kuchen mitten im Geschehen an einem Platz ohne Namensschild.

Kurz darauf setzte sich schon Annelie auf den freien Platz neben mir. Die großgewachsene Frau saß geraden Rückens. Freundlichkeit und Durchsetzungsstärke strahlten mir aus ihrem Gesicht entgegen, fein temperiert durch intellektuelle Neugier und einer herzlichen Offenheit für neu zu entdeckende Geschichten.

So starteten wir in eine sportliche Gesprächsrunde, gleich einer sonnigen Sommerauffahrt in den Alpen, als Annelie meinte, ältere Menschen würden nicht gerne zuhören, weil sie selbst viel zu erzählen hätten. Mich erstaunte das, hatte ich doch andere Erfahrungen gemacht. Doch sie blieb bei ihrer These und lag damit gar nicht so falsch: Entwicklungspsychologische Studien deuten darauf hin, dass das Bedürfnis, eigene Lebensgeschichten zu teilen und die eigene Identität im Erzählen zu verfestigen, im höheren Alter an Bedeutung gewinnt.

Erst mein Argument, dass ältere Menschen über eine große Lebenserfahrung verfügen, jene gereifte Weisheit und empathische Urteilskraft, die man in der Psychologie als „kristalline Intelligenz“ bezeichnet, vermochte sie ein wenig zu überzeugen.

Ich versuchte nun, der Antwort auf meine Frage bezüglich des Ehrenamts näherzukommen, und fragte Annelie, ob sie öfter hier sei und wegen der Einsamkeit kommen würde. Gerade als sie ansetzte: „Ja schon, wegen der Einsamkeit auch, aber nicht nur deswegen“, da riss die Gelegenheit auch wieder abrupt ab, mehr darüber zu erfahren.

Denn Annelie musste eilig weg, um sich als Fotografin zu betätigen. Für einen wichtigen Anlass sollten Fotos von Frau Schmidt zusammen mit der Runde geschossen werden.

Annelie bewegte sich mühelos und schnell durch den Raum und schoss Fotos mit ihrem Smartphone. Nur beim Aufstehen und Hinsetzen verriet sich das Alter hinter den Jahrzehnten an Lebenserfahrung. Kaum zu glauben, dass sie 85 Jahre alt war.

Aschenputtel, Arthrose und ein Zapfenstreich

Kurz bevor sie für die Fotoaufnahmen weggeeilt war, erwähnte sie, sie würde Umschläge herstellen. Dabei schwang ein vielsagender Ton mit. Diese Umschläge würden dann zu besonderen Anlässen von Frau Schmidt verteilt.

Während Annelie hin- und herlief und Fotos machte, versuchte ich mir einen Reim auf die Sache mit den Umschlägen zu machen. Sofort dachte ich an medizinische Umschläge, schmerzstillend und lindernd, vielleicht bei Arthrose-Patienten.

Noch bevor ich mein Rätselraten zu Ende bringen konnte, war Annelie wieder zurück am Tisch und teilte mir entschieden mit, wir sollten uns wieder treffen. Denn gerade lief uns die Zeit aus.

Die Runde würde nämlich bald mit dem Singen beginnen, und sowohl ich als auch Annelie hatten einen Zapfenstreich. Wie Aschenputtel hatte ich früh kalkuliert, mich pünktlich vor dem Singen zu verabschieden. Als Klassikliebhaberin, jedoch ohne die geringste musikalische Begabung, wäre ich schnell enttarnt worden. Und Annelie hatte keine Schilddrüse mehr, da machte das Singen keinen Spaß, vertraute sie mir an.

Ein Blumenstrauß, der nicht vergeht

Hastig tauschten wir unsere Kontaktdaten aus, machten uns auf zu gehen, doch bevor wir den Saal verlassen konnten, zog sie mich hinüber in die obere Ecke des Raumes zu einem vollgepackten Stehtisch. Dort, in einer großen Tasche, seien die Umschläge, die möchte sie mir noch zeigen.

Ehe ich mich versah, zog sie einen Umschlag nach dem anderen heraus und die Zeit schien starr. Da entsprang sie, die Wiese voll Veilchen aus den Händen Annelies. Was war das, inmitten der Wiese? Ich schaute genauer hin. Ein kleines Mädchen mit langen rot-blonden Haaren, einem Hut und einem hübschen Kleid. Und dann war sie wieder plötzlich weg, denn es kam der nächste Umschlag, diesmal mit einem Meer aus größeren Blumen, und so ging es immer weiter.

Frau Schmidt gesellte sich zu uns, sichtlich angetan, und erzählte, wie sie Grußkarten in diese Umschläge packte und bei ihren persönlichen Besuchen zu erkrankten und verhinderten Mitgliedern der Runde mitnahm und überreichte, auch an Jubilare stolzer Lebensjahre, und wie die Umschläge dann verlässlich ihre Wirkung entfalteten. Wie ein Blumenstrauß, der nicht vergeht.

Also doch! Annelies Umschläge vermochten es nicht nur, Zeit zum Stillstand zu bringen, sondern auch Schmerzen zu lindern.

Vielleicht geht es beim Ehrenamt nicht nur darum, Lücken im System zu stopfen. Vielleicht bedeutet es auch, Räume zu schaffen, um Inne zu halten. Wie siehst du das aus der slowakischen Perspektive, liebe Marianna? Ich bin gespannt auf Deinen nächsten Brief!

Herzliche Grüße aus dem Berliner Büro!

Deine Kalina

An unsere Leserinnen und Leser
Wie und warum engagieren Sie sich ehrenamtlich? Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen und Geschichten an: [email protected]
Ich lese jeden einzelnen Beitrag und freue mich darauf!

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Vier überraschende Erkenntnisse: Wie Ihre Nieren Gehirn, Blutdruck und Immunsystem beeinflussen

 

Auf einer großen Fachkonferenz der American Physiological Society haben Wissenschaftler überraschende Erkenntnisse vorgestellt. Auch wenn die meisten Experimente bisher an Tieren durchgeführt wurden, werfen sie ein völlig neues Licht auf die tägliche Arbeit unserer Nieren.

1. Heißhunger auf Salz? Die Niere funkt dem Gehirn

Wenn wir richtig Lust auf Salziges haben, schieben wir das meistens auf das Gehirn. Doch Forscher um den Wissenschaftler Babatunde Anidu haben herausgefunden, dass die Nieren dabei ein kräftiges Wörtchen mitreden.

Die Nieren messen rund um die Uhr, wie viel Salz und Wasser sich im Körper befinden. Über eine direkte Nervenleitung schicken sie diese Informationen wie ein heißer Draht ans Gehirn. In Versuchen mit Ratten zeigte sich: Wurde diese Nervenverbindung gekappt, verloren die Tiere nach einer salzarmen Phase das Verlangen nach Salzwasser. Das zeigt: Die Nieren sind also nicht nur emotionale Beobachter, sondern steuern unser Essverhalten aktiv mit.

2. Die Bedeutung von Essenspausen

Dass zu viel Salz den Nieren schadet, ist bekannt. Eine weitere auf der Konferenz präsentierte Untersuchung an Ratten mit Neigung zu Bluthochdruck bringt jedoch einen weiteren Faktor ins Spiel: die Uhrzeit.

Ratten, die ihr Futter nur innerhalb eines festen täglichen Zeitfensters fressen durften (Intervallfasten), wiesen deutlich weniger Entzündungen in den Nieren auf als Tiere, die rund um die Uhr snacken konnten. Der Grund: Das zeitweilige Fasten hilft dem Körper, den Blutdruck nachts natürlich abzusenken und Salz besser auszuscheiden. Die Nieren entlasten sich dadurch gewissermaßen von selbst.

3. Sport als Schutzschild für geschädigtes Gewebe

Dass Bewegung gut für Herz und Muskeln ist, weiß jeder. Doch Sport hilft den Nieren auch dabei, sich nach Verletzungen oder Durchblutungsstörungen schneller zu erholen.

In einer Untersuchung von Forscherin Sophia Sears erholten sich Mäuse, die sich regelmäßig im Laufrad bewegten, nach einer Nierenverletzung deutlich schneller. Bereits nach drei Tagen waren ihre Nierenwerte wieder nahezu normal – ganz im Gegensatz zu den inaktiven Tieren. Regelmäßiger Sport verbessert offenbar die Durchblutung der Nieren in Ruhephasen und sorgt dafür, dass körpereigene Aufräum- und Heilungszellen im Gewebe aktiv werden.

4. Die guten Helfer: Warum manche Abwehrzellen den Blutdruck senken

Das Immunsystem wird bei Bluthochdruck oft als Entzündungstreiber gesehen. Der Nierenforscher Josselin Nespoux hat jedoch gezeigt, dass bestimmte weiße Blutkörperchen genau das Gegenteil bewirken.

Als die Wissenschaftler diese speziellen Abwehrzellen bei Mäusen entfernten, stieg deren Blutdruck bei salzreicher Ernährung plötzlich noch stärker an. Normalerweise helfen die Zellen den Nieren dabei, Gefäße zu entspannen und überschüssiges Salz auszuscheiden. Das Immunsystem arbeitet bei Bluthochdruck also keineswegs nur gegen uns: Manche Abwehrzellen dienen als körpereigener Schutzschild.

Was bedeutet das für unseren Alltag?

Auch wenn diese Erkenntnisse erst noch beim Menschen bestätigt werden müssen, liefern sie spannende Impulse. Wer seinen Nieren etwas Gutes tun möchte, sollte also nicht nur auf den Salzstreuer achten, sondern auch auf regelmäßige Bewegung und ausreichende Essenspausen.

Mit Material von theepochtimes.com.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.

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Von Studien übersehen: Die Kraft der Natur wirkt auch ohne Stress


In Kürze:

  • Forscher untersuchen seit Jahrzehnten vor allem, wie Natur Menschen nach Stress oder mentaler Belastung regeneriert.
  • Natur kann möglicherweise Aufmerksamkeit, Stimmung und Wohlbefinden auch ohne vorherige Erschöpfung fördern.
  • Die Forschungsergebnisse, wenn auch noch nicht zahlreich, haben weitreichende Bedeutung für den Alltag.
  • Sie legen nahe, dass Grünflächen nicht nur zur Erholung nach Belastungen beitragen, sondern jederzeit Konzentration, Resilienz und psychische Gesundheit fördern.

 
Ein Spaziergang im Park nach einem anstrengenden Tag gilt als klassisches Beispiel dafür, wie Natur beim Abschalten und Erholen helfen kann. Doch natürliche Umgebungen könnten noch mehr leisten: Sie fördern möglicherweise Stimmung und geistige Leistungsfähigkeit auch dann, wenn Menschen nicht zuvor gestresst oder erschöpft waren.
Zu diesem Schluss kommt eine im „Journal of Environmental Psychology“ veröffentlichte Übersichtsarbeit von zwei Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Für ihre Studie beschäftigten sie sich mit einem „blinden Fleck“ der bisherigen Forschung.
Die Umweltpsychologie untersucht seit Jahrzehnten die regenerativen Wirkungen der Natur: die Erholung von geistiger Erschöpfung, Stress oder negativen Emotionen durch den Aufenthalt in natürlichen Umgebungen.
Die Autorinnen der neuen Arbeit argumentieren, dass ein anderer Aspekt bislang kaum untersucht wurde: die Möglichkeit, dass Natur Menschen auch ohne vorherige Belastung durch sogenannte instorative Effekte stärken kann.
Gemeint sind Verbesserungen von Aufmerksamkeit, Stimmung oder Wohlbefinden, die von einem neutralen Ausgangszustand ausgehen und keine vorherige Erschöpfung voraussetzen.

Ein wenig beachteter Aspekt

Für die Übersichtsarbeit werteten die beiden Wissenschaftlerinnen 54 Studien mit insgesamt 61 Experimenten aus, die die Wirkung natürlicher und städtischer Umgebungen auf kognitive Leistung, emotionale Zustände oder das subjektive Erholungsempfinden untersuchten. Dabei kategorisierten sie die Studien danach, ob die Untersuchung ohne vorherige Belastung stattfand, ob die Teilnehmer vor der Naturerfahrung gezielt einem Stressfaktor ausgesetzt wurden oder ob bereits die Studiendurchführung selbst eine mentale Belastung verursachte.
Die Analyse zeigt eine deutliche Schieflage: Der überwiegende Teil der untersuchten Studien befasste sich mit Erholung und Regeneration nach Stress oder mentaler Belastung. Nur wenige Studien untersuchten gezielt, ob Natur Aufmerksamkeit, Stimmung und Wohlbefinden auch ohne vorherige Beanspruchung fördern kann.
Die Grafik zeigt zwei mögliche Wirkungen von Naturerlebnissen. Die rote gestrichelte Linie stellt einen Leistungs- oder Stimmungseinbruch durch Stress dar. Nach dem Aufenthalt in der Natur (vertikale gestrichelte Linie) zeigt die blaue Kurve, wie sich Menschen von dieser Belastung erholen und wieder ihr normales Niveau erreichen. Die grüne Kurve verdeutlicht, dass Natur auch dann positive Effekte haben kann, wenn keine vorherige Belastung vorlag: Stimmung und geistige Leistungsfähigkeit können sich über das normale Ausgangsniveau hinaus verbessern. Foto: Adapted from Prugger & Kühn, 2026, original image licensed under CC BY 4.0 Image: Max-Institut für Bildungsforschung, CC BY 4.0

Die Grafik zeigt zwei mögliche Wirkungen von Naturerlebnissen. Die rote gestrichelte Linie stellt einen Leistungs- oder Stimmungseinbruch durch Stress dar. Nach dem Aufenthalt in der Natur (vertikale gestrichelte Linie) zeigt die blaue Kurve, wie sich Menschen von dieser Belastung erholen und wieder ihr normales Niveau erreichen. Die grüne Kurve verdeutlicht, dass Natur auch dann positive Effekte haben kann, wenn keine vorherige Belastung vorlag: Stimmung und geistige Leistungsfähigkeit können sich über das normale Ausgangsniveau hinaus verbessern.

Foto: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nach Prugger, Kühn (2026), CC BY 4.0

Gleichzeitig berichteten diese Studien durchweg positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit und überwiegend positive Auswirkungen auf das emotionale Befinden. Aufgrund ihrer geringen Zahl weisen die Autorinnen jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten.

„Wir stehen erst am Anfang“

„Die Umweltpsychologie ist seit vielen Jahren stark von der Frage geprägt, wie Natur Menschen nach Stress oder Erschöpfung hilft“, sagte Erstautorin Johanna Prugger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsbereich Umweltneurowissenschaften des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Weiter sagte sie:
„Unsere Analyse legt nahe, dass wir dadurch möglicherweise einen grundlegenderen Wirkmechanismus übersehen haben – nämlich, dass Natur menschliche Funktionen auch verbessern kann, wenn gar keine vorherige Belastung vorliegt.“
Die Autorinnen sehen daher erheblichen Forschungsbedarf. Zukünftige Studien sollten gezielt untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen Natur die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden von Menschen steigern kann, ohne dass zuvor Stress oder Erschöpfung vorliegen.
Darüber hinaus seien präzisere theoretische Konzepte, neue Messinstrumente und alltagsnähere Untersuchungsdesigns nötig, um die unterschiedlichen Wirkungsweisen natürlicher Umgebungen besser voneinander abzugrenzen.
„Wir stehen erst am Anfang des Verständnisses, wie Natur auf den Menschen wirkt“, ergänzte Simone Kühn.
„Die Forschung hat bisher vor allem die Rolle von Natur als Erholungsraum betrachtet. Zukünftige Studien sollten der Frage nachgehen, ob Natur auch Ressourcen stärken und Menschen langfristig widerstandsfähiger gegenüber Belastungen machen kann“, so die Direktorin am Forschungsbereich Umweltneurowissenschaften des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung weiter.

Mehr Natur im Alltag

Die Ergebnisse könnten auch praktische Konsequenzen für die Gestaltung lebenswerter Städte haben. Wenn Natur nicht nur der Erholung dient, sondern auch Konzentration, Selbstregulation und psychische Widerstandskraft stärkt, gewinnt die Bedeutung von Grünflächen in Städten, Schulen und Arbeitsumgebungen zusätzlich an Gewicht.
Naturnahe Räume wären dann nicht nur Orte der Regeneration, sondern auch eine wichtige Ressource für die langfristige Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und mentaler Resilienz.
Mit Material der Max-Planck-Gesellschaft
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Manipulation im Alltag – Teil 2


In Kürze:

  • Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrer versuchen, Lernverhalten zu fördern, und Verkäufer möchten verkaufen. Manipulation ist allgegenwärtig und nicht immer ein negatives Verhalten.
  • Manipulation funktioniert nicht, weil Menschen naiv sind, sondern, weil unser Gehirn auf Vertrauen, Kooperation und soziale Verbundenheit ausgerichtet ist.
  • Der wichtigste Schutz besteht nicht darin, jedem zu misstrauen. Viel hilfreicher ist die Bereitschaft, das eigene Erleben regelmäßig zu hinterfragen.

 
Im ersten Teil habe ich erklärt, warum unser Gehirn beeinflussbar ist, Manipulation selten mit einer großen Täuschung beginnt und auch intelligente Menschen nicht vor ihr gefeit sind.
Um es in aller Kürze zusammenzufassen: Manipulation folgt selten einem Zufallsprinzip. Vielmehr bedient sie sich psychologischer Mechanismen, die tief in unserem Verhalten verankert sind. Je subtiler diese Techniken eingesetzt werden, desto schwieriger sind sie zu erkennen. Genau darum geht es im Folgenden.

Das Prinzip der Gegenseitigkeit

Eine der stärksten sozialen Regeln lautet: Wer etwas bekommt, möchte etwas zurückgeben. Dieses Prinzip der Reziprozität gehört zu den Grundpfeilern menschlichen Zusammenlebens. Im Alltag erleben wir dies ständig.
Ein Kollege übernimmt eine Aufgabe für uns und wir fühlen uns verpflichtet, ihm später ebenfalls einen Gefallen zu tun. Ein Verkäufer bietet eine kostenlose Kostprobe an. Kurz darauf steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas kaufen.
Manipulation beginnt dort, wo Gefälligkeiten nicht aus Hilfsbereitschaft erfolgen, sondern ausschließlich dazu dienen, eine spätere Verpflichtung zu erzeugen. Das schlechte Gewissen übernimmt dann die eigentliche Überzeugungsarbeit.

Kleine Schritte mit großer Wirkung

Menschen stimmen kleinen Bitten deutlich häufiger zu als großen Forderungen. Wer bereits einmal „Ja“ gesagt hat, möchte dieses Bild von sich selbst aufrechterhalten.
Ein klassisches Beispiel: Zunächst bittet jemand lediglich um 5 Minuten Hilfe. Wenig später werden daraus 20 Minuten. Schließlich übernimmt man ein ganzes Projekt.
Jede einzelne Bitte erscheint harmlos. Erst im Rückblick wird deutlich, wie weit man sich von der ursprünglichen Situation entfernt hat. Verhaltensanalytiker beobachten dieses Muster nicht nur im Berufsleben, sondern auch in Partnerschaften und Freundschaften.

Wer einmal Hilfe zugesichert hat, will sie oft nicht zurückziehen und hilft immer wieder. Das kann von manipulativen Menschen gezielt ausgenutzt werden.

Foto: Tatsiana Volkava/iStock

Schuld als Druckmittel

Schuldgefühle gehören zu den stärksten menschlichen Emotionen. Sie dienen eigentlich dazu, Beziehungen zu stabilisieren und Verantwortung zu übernehmen. Manipulative Menschen nutzen Schuld jedoch gezielt.
Sätze wie „Nach allem, was ich für dich getan habe …“, „Wenn du mich wirklich lieben würdest …“ und „Ich hätte das für dich sofort gemacht“ zielen nicht auf einen sachlichen Austausch, sondern auf emotionalen Druck.
Plötzlich steht nicht mehr die eigentliche Frage im Mittelpunkt, sondern das Bedürfnis, das unangenehme Schuldgefühl möglichst schnell zu beenden.

Wenn die eigene Wahrnehmung infrage gestellt wird

Besonders belastend ist eine Form der Manipulation, bei der Menschen beginnen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu misstrauen. Typische Aussagen sind: „Das habe ich nie gesagt“, „Du bildest dir das nur ein“, „Du bist viel zu empfindlich“ oder „Das hast du völlig falsch verstanden“.
Einzelne dieser Aussagen müssen noch keine bewusste Manipulation darstellen. Missverständnisse gehören zu jeder Beziehung. Problematisch wird es, wenn solche Reaktionen systematisch auftreten und die betroffene Person zunehmend an ihrem Gedächtnis, ihren Gefühlen oder ihrer Wahrnehmung zweifelt.
Das Ziel besteht nicht immer darin, die Realität vollständig umzuschreiben. Häufig genügt bereits die Verunsicherung des Gegenübers.

Fallen häufig Sätze wie „Das habe ich nie gesagt“, kann das Betroffene nachdenklich machen und sie an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen.

Foto: PeopleImages/iStock

Die Macht der Verknappung

Was knapp ist, erscheint wertvoll. Dieser psychologische Effekt begegnet uns täglich. „Nur noch heute erhältlich.“ – „Nur noch zwei Plätze frei.“ – „Dieses Angebot endet in wenigen Stunden.“
Selbst wenn wir das Produkt ursprünglich gar nicht kaufen wollten, entsteht plötzlich das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Die Angst vor Verlust beeinflusst unser Verhalten oft stärker als die Aussicht auf einen Gewinn.
Psychologen sprechen hier von der Verlustaversion. Menschen empfinden einen möglichen Verlust emotional intensiver als einen gleich großen Gewinn.

Manipulation in Beziehungen

Manipulation beginnt selten mit Kontrolle. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit, mit Verständnis, mit dem Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, der einen vollständig versteht.
Gerade zu Beginn einer Beziehung entsteht häufig eine intensive emotionale Nähe. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Nähe später dazu genutzt wird, Abhängigkeiten entstehen zu lassen.
Nach und nach werden Kontakte zu Freunden infrage gestellt. Eigene Interessen verlieren an Bedeutung. Entscheidungen werden zunehmend vom Partner beeinflusst. Nicht selten geschieht dies schleichend über Monate oder Jahre. Die Betroffenen bemerken die Veränderung oft erst, wenn Außenstehende darauf aufmerksam machen.

Glückliche Beziehungen sind gut, doch klammert der Partner zu stark und hat man das Gefühl, eingeengt zu werden, ist Obacht geboten.

Foto: PeopleImages/iStock

Manipulation am Arbeitsplatz

Auch im Berufsleben gehören manipulative Strategien zum Alltag. Da werden Verantwortlichkeiten bewusst unklar formuliert. Lob wird gezielt eingesetzt, um zusätzliche Leistung zu erhalten. Informationen werden zurückgehalten, um Machtpositionen zu sichern. Oder Mitarbeiter werden gegeneinander ausgespielt.
Besonders kritisch wird es, wenn Führungskräfte Unsicherheit erzeugen, um Kontrolle auszuüben. Ein dauerhaftes Klima aus Angst und Unberechenbarkeit führt dazu, dass Menschen ihre Entscheidungen zunehmend an den Erwartungen anderer ausrichten. Eigenverantwortliches Denken nimmt ab.

Die digitale Bühne der Beeinflussung

Noch nie war es so einfach, Aufmerksamkeit zu steuern, wie heute. Soziale Medien belohnen Inhalte, die starke Emotionen auslösen. Empörung verbreitet sich schneller als Sachlichkeit. Angst erreicht mehr Menschen als Gelassenheit.
Je emotionaler eine Botschaft formuliert ist, desto häufiger wird sie geteilt. Hinzu kommen Algorithmen, die bevorzugt Inhalte anzeigen, die unsere bisherigen Überzeugungen bestätigen. Dadurch entstehen sogenannte Echokammern.
Menschen begegnen darin immer seltener widersprüchlichen Informationen und halten ihre eigene Sichtweise zunehmend für die einzig richtige. Manipulation benötigt unter diesen Bedingungen kaum noch direkten Kontakt. Sie verbreitet sich über Wiederholung, Gruppenzugehörigkeit und emotionale Aktivierung.

In Zeiten der sozialen Medien ist es einfacher, Menschen zu manipulieren.

Foto: Robert Way/iStock

Wie wir Manipulation erkennen können

Der wichtigste Schutz besteht nicht darin, jedem Menschen zu misstrauen. Viel hilfreicher ist die Bereitschaft, das eigene Erleben regelmäßig zu hinterfragen. Fragen Sie sich beispielsweise:
  • Treffe ich diese Entscheidung wirklich freiwillig?
  • Entsteht gerade Druck oder Angst?
  • Darf ich auch „Nein“ sagen, ohne Schuldgefühle zu bekommen?
  • Werden meine Gefühle ernst genommen oder ständig abgewertet?
  • Erhalte ich vollständige Informationen oder nur ausgewählte Ausschnitte?
Wer sich solche Fragen regelmäßig stellt, entwickelt mit der Zeit ein feineres Gespür für manipulative Dynamiken.

Selbstbewusstsein statt Gegenmanipulation

Viele Menschen glauben, sie müssten Manipulation mit denselben Mitteln beantworten. Das Gegenteil ist meist sinnvoller, und zwar klare Kommunikation, ruhige Nachfragen, Zeit zum Nachdenken, Benennung eigener Grenzen.
Ein respektvoll ausgesprochenes „Nein“ ist häufig der wirksamste Schutz. Manipulation verliert an Kraft, wenn sie nicht mehr automatisch die gewünschte Reaktion auslöst.
Abgrenzung lernen: Warum Nein-Sagen so schwer fällt

„Nein“ klingt im ersten Moment nach Ablehnung, Konflikt oder Schuld, dabei kann es Ausdruck von Selbstbewusstsein sein.

Foto: Pict Rider/iStock

Das Fazit

Manipulation gehört zum menschlichen Zusammenleben. Sie beginnt nicht erst bei spektakulären Täuschungen oder offensichtlichen Lügen. Oft zeigt sie sich in kleinen Formulierungen, subtilen Andeutungen oder geschickt eingesetzten Emotionen. Gerade deshalb bleibt sie häufig unbemerkt.
Als Verhaltenstherapeut begegne ich immer wieder Menschen, die glauben, sie seien „einfach zu gutgläubig“ gewesen. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Manipulation funktioniert nicht deshalb, weil Menschen naiv sind. Sie funktioniert, weil unser Gehirn auf Vertrauen, Kooperation und soziale Verbundenheit ausgerichtet ist. Genau diese Eigenschaften machen unser Zusammenleben möglich – und genau sie können missbraucht werden.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir manipulierbar sind. Das sind wir alle. Entscheidend ist vielmehr, wie bewusst wir unsere Entscheidungen treffen. Wer lernt, Emotionen von Fakten zu unterscheiden, sich Zeit für wichtige Entscheidungen nimmt und den Mut entwickelt, auch einmal höflich, aber bestimmt „Nein“ zu sagen, entzieht manipulativen Strategien einen großen Teil ihrer Wirkung.
Die größte Stärke gegenüber Manipulation liegt nicht im Misstrauen gegenüber anderen, sondern in einem klaren Vertrauen in die eigene Wahrnehmung – verbunden mit der Bereitschaft, diese immer wieder kritisch zu überprüfen. Denn wer sich seiner selbst bewusst ist, wird schwieriger lenkbar. Und genau darin liegt die wirksamste Form psychologischer Selbstbestimmung.
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Frische Kräuter den ganzen Sommer lang

Es ist ausgerechnet die goldene Regel der Immobilienbranche, die sich als das große Geheimnis für den erfolgreichen Anbau zahlreicher Kräuter entpuppt. Über die heißen Sommermonate hinweg bis in den Herbst hinein geht es hauptsächlich um eins: Lage, Lage, Lage.
Wählen Sie den bestmöglichen Standort für Ihre Pflanzen und berücksichtigen Sie dabei das Klima Ihrer Region. Üppiges Basilikum, aromatischer Thymian, wunderbare Minze und andere Kräuter benötigen in Regionen mit anhaltender Hitze und intensiver Nachmittagssonne während der heißesten Sommermonate Schutz.
Selbst sonnenliebende Kräuter, die normalerweise 8 oder mehr Stunden Sonne pro Tag bevorzugen – wie Rosmarin, Basilikum, Thymian und Oregano –, kommen in wärmeren Klimazonen mit 6 Stunden aus.
Ebenso gedeihen halbschattige Kräuter, die in kühleren Monaten oder Regionen 6 Stunden Sonne benötigen – wie Minze, Koriander, Dill, Petersilie und Schnittlauch –, in wärmeren Regionen auch mit 3 Stunden Sonne täglich. Planen Sie entsprechend.

Beet oder Mobilhome?

Bestimmte Pflanzgefäße – groß genug für mehrere Pflanzen, klein genug zum Umstellen – eignen sich hervorragend, um die Sonneneinstrahlung manuell zu regulieren. Dies ist besonders hilfreich, wenn die Pflanzen Anzeichen von Sonnenbrand zeigen – erkennbar an gebleichten, weißen, gelben oder braun gekräuselten Flecken auf den sonnenzugewandten Blättern.
Beachten Sie, dass Pflanzen im Kübel mehr Wasser benötigen als im Freiland. Empfindliche Stauden (wie Rosmarin und Zitronengras) gedeihen besonders gut in Kübeln, weil sie so zum Überwintern ins Haus geholt werden können, ohne ihre Wurzeln zu beschädigen.
Eine beliebte Methode zum Schutz von Kräutern im Beet oder in einem großen Topf ist der Einsatz von Beschattungsnetzen. Dennoch können die Pflanzen so mit ausreichend Licht versorgt werden. Für die Mittagssonne wird allgemein ein Beschattungsnetz mit 30 bis 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit empfohlen.
Für Menschen mit knappem Budget hat sich als Alternative bewährt, während der heißesten Stunden des Tages ein Laken über die Pflanzen zu legen oder einen Sonnenschirm aufzuspannen.
Oder Sie pflanzen ihre Kräuter gleich im Halbschatten an. Dort spenden die Bäume – je nach Blattdichte – mehr oder weniger viel Schatten.

Favoriten des Sommers

Sowohl Thymian als auch Zitronenthymian gedeihen prächtig in voller Sonne. Sie eignen sich zudem hervorragend als Bodendecker.
Sehr beliebt ist hierzulande das Genoveser Basilikum. Es ist ein fester Bestandteil in einem Caprese-Salat (Tomate-Mozzarella) und harmoniert besonders mit frischen, sonnengereifte Tomaten aus dem Garten. Allerdings benötigt dieses Basilikum etwas Schutz.
Wenn Sie wenig Zeit zum Gärtnern haben und pfeffrige Aromen mögen, greifen Sie lieber zum hitzebeständigeren Thai-Basilikum oder zum nelkenartigen Heiligen Basilikum (Tulsi), das traditionell in ganzheitlichen Heiltees verwendet wird.
Oregano stammt aus dem trockenen, heißen Mittelmeerraum und breitet sich leicht aus. Majoran, ein hervorragender Oregano-Ersatz, ist eine weitere hitzebeständige Option, die regelmäßig zurückgeschnitten werden sollte, damit ihre Stängel krautig bleiben und nicht verholzen.
Obwohl er kein echter Oregano ist, zählt der großblättrige, würzige, kubanische Oregano zu den robustesten Kräutern überhaupt. Er gedeiht am besten, wenn man ihn weitgehend sich selbst überlässt und regelmäßig erntet.
Rosmarin und Salbei eignen sich nicht nur hervorragend für einen Festtagsbraten, sie benötigen auch nur wenig Wasser zum Gedeihen. Dafür reagieren sie recht empfindlich auf Staunässe. Damit sie jung und ertragreich bleiben, sollten Sie diese beiden Kräuter regelmäßig ernten.
Tropisches Zitronengras, das auch als sommerliches Ziergras genutzt werden kann, bietet neben kulinarischen Vorzügen auch einen gewissen Schutz vor Insekten. Zitronengras wächst auch in Deutschland, am besten auf Sandböden, muss aber frostfrei überwintert werden.
Es bevorzugt gleichmäßige Feuchtigkeit, daher empfiehlt sich die Installation einer Bewässerungsanlage oder die Pflanzung neben einem Rasen mit Sprinkleranlage.
Gärtner mit begrenztem Platz werden feststellen, dass die meisten Kräuter gut als Randbepflanzung oder in Blumenbeeten gedeihen und natürlich auch als Begleitpflanzen für Gemüse.

Schattenfreunde

Minze ist ein fester Bestandteil erfrischender Sommergetränke wie Eistee. Hier kann alles verwendet werden: von der klassischen Krauseminze und der Pfefferminze bis hin zu den zahlreichen Exoten aus dem Online- oder Gartenhandel mit Aromen von Orange, Schokolade, Apfel, Ananas, Mojito und Banane.
Ein nach Osten ausgerichteter Standort am Haus oder Zaun ist ideal, da die Pflanzen dort die Morgensonne genießen können, den Rest des Tages aber geschützt sind. In warmen Klimazonen sollten sie zwischen 13 und 16 Uhr nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Grüne Minze (Spearmint), Pfefferminze, Apfelminze, Schokoladenminze und die leicht blumige Marokkanische Minze (Nana-Minze) sind in der Regel hitzebeständiger. Ihre Verwandten, Zitronenmelisse und Katzenminze, gedeihen bei ausreichender Bewässerung ebenfalls gut.
Schnittlauch, mit seinem leichten Zwiebelaroma und den essbaren violetten Blüten, sowie Knoblauchschnittlauch mit seinen flacheren Blättern, dem knoblauchartigen Duft und den essbaren weißen Blüten gedeihen bereits gut mit nur 3 Stunden Morgensonne pro Tag. Halten Sie Ihren Schnittlauch gut feucht und ernten Sie die Blätter regelmäßig.
Koriander ist zwar eine wichtige Zutat in exotischen Küchen weltweit, verträgt allerdings keine hohen Temperaturen. Die Lösung? Wählen Sie eine spätblühende, schossfeste Sorte wie Calypso oder Delfino und planen Sie eine gestaffelte Aussaat, indem Sie die Setzlinge im Haus vorziehen und erst nach Bedarf ins Freiland setzen.
Es gibt auch spätblühende, hitzebeständige Dillsorten wie Bouquet-Dill und Farnblatt-Dill. Glatte Petersilie übersteht einen heißen Sommer besser als krause Sorten.

Die letzte Ernte

Lassen Sie einige Pflanzen aussamen und bewahren Sie die Samen an einem kühlen, trockenen Ort für die Aussaat im nächsten Jahr auf. Bedenken Sie dabei: Hybriden, wie zum Beispiel schossfeste Sorten, vermehren sich möglicherweise nicht sortenecht.
Betrachten Sie die Samenaufbewahrung daher eher als ein kleines Experiment und vergessen Sie nicht, Stecklinge zu schneiden – für einen kleinen Kräutergarten auf der Fensterbank in der Küche.

Eiszeit, frische und frostige Kälte

Aromatisierte und dekorative Eiswürfel für Getränke können Sie mit ein paar Blättchen Minze, Zitronenmelisse oder anderen Kräutern herstellen. Ihre Kinder werden begeistert sein.
Basilikum, Minze und andere Kräuter mit weichen Stielen können im Kühlschrank bis zu einer Woche lang in einem Glas Wasser aufbewahrt werden. Rosmarin, Salbei und Thymian sollten eher in ein feuchtes Papiertuch gewickelt und in einem wiederverschließbaren Gefrierbeutel gelagert werden.
Alternativ lassen sich Kräuter auch flach ausgebreitet auf einem Teller im Gefrierschrank vorfrieren und anschließend in Gefrierbeuteln für einige Monate aufbewahren.
Kräuter und Blüten in Ice. Foto: Manuta/iStock

Kräuter und Blüten in Ice.

Foto: Manuta/iStock

Gewollte Dürre

Jahrhundertelang wurden Kräuter haltbar gemacht, indem man sie kopfüber zum Trocknen aufhing. Nachdem sie vollständig getrocknet sind, können sie in Gläser oder luftdurchlässige Beutel umgefüllt und aufbewahrt werden.
Alternativ kann man auch ein mehrstufiges Trockengestell verwenden. Für schnellere Ergebnisse und größere Mengen eignen sich ein Dörrgerät oder die Mikrowelle.
Aromatische Kräuter aus dem Garten trocknen an der Luft. Foto: ValentynVolkov/iStock

Aromatische Kräuter aus dem Garten trocknen an der Luft.

Foto: ValentynVolkov/iStock

Feine Kräuterküche

Mit frischen oder getrockneten Kräutern lässt sich Essig geschmacklich verfeinern. Den Kräuteransatz lässt man zwei bis sechs Wochen ziehen. Mit vollständig getrockneten Kräutern lässt sich auch Kräuteröl herstellen. Dieses kann portionsweise in Eiswürfelbehältern eingefroren und anschließend in einem wiederverschließbaren Beutel im Gefrierschrank aufbewahrt werden.
Achten Sie bei der Herstellung und Lagerung von Kräuteröl unbedingt auf hygienisches Arbeiten und die richtige Lagerung, da insbesondere Öl mit frischen Kräutern unter ungünstigen Bedingungen das Risiko von Botulismus birgt.
Für Kräuterbutter lässt man Butter bei Zimmertemperatur weich werden, mischt frische Kräuter unter, formt sie anschließend wieder zu einer Rolle und bewahrt sie im Kühlschrank auf.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How to Grow Herbs All Summer Long“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Kann Alzheimer im Frühstadium rückgängig gemacht werden? Ein Neurologe gibt Tipps


In Kürze:

  • Alzheimer ist eine vielschichtige Erkrankung, die zurzeit als unheilbar gilt.
  • Der Neurologe Dr. Dale Bredesen ist der Ansicht, dass die Erkrankung im Frühstadium umkehrbar ist.
  • Mithilfe seiner Methode, des ReCODE-Ansatzes, konnte er die Alzheimer-Symptome bei Patienten signifikant verbessern.
  • In der Präzisionsmedizin wird die Behandlung für jede Person maßgeschneidert und umfasst vor allem Veränderungen des Lebensstils.

 
Viele Menschen glauben, dass die Alzheimer-Krankheit lediglich eine Frage schlechter Gene, von Pech oder eine unvermeidliche Folge des Alterns ist – und dass man kaum etwas tun kann, sobald der Verfall einmal eingesetzt hat. Diese Ansicht sei überholt, meinte Dr. Dale Bredesen, ein Neurologe mit dem Spezialgebiet neurodegenerative Erkrankungen.
„Ich wünschte, mehr Menschen würden verstehen, dass die Alzheimer-Krankheit weitaus häufiger auftritt, als es sein müsste“, sagte Bredesen zu Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass Präzisionsmedizin der richtige Ansatz zur Behandlung der Erkrankung sei.

Eine vielschichtige Erkrankung

Bredesen beschrieb einen biologischen Schalter. Dieser schalte das Gehirn von einem sogenannten „Verbindungsmodus“ zu einem „Schutzmodus“ und zurück.
Befindet sich das Gehirn im Verbindungsmodus, könne es lernen, sich anpassen und Erinnerungen bilden, so der Neurologe. Alzheimer entwickle sich, wenn das Gehirn in den Schutzmodus wechselt – ein Wechsel, der durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Dazu gehören unter anderem:
  • Insulinresistenz,
  • Schlafapnoe,
  • schlechte Energieproduktion,
  • Bewegungsmangel,
  • chronische Entzündungen,
  • Infektionen,
  • die Belastung durch Giftstoffe wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Mikroplastik.
Bei einer Behandlung verändere man mit seiner Methode mehrere Dinge, damit sie zusammenwirken, so Bredesen weiter. Auf diese Weise bleibe der Körper nicht länger im Schutzmodus und könne in den Verbindungsmodus zurückkehren.
„Ein Grund, warum die Behandlung der Alzheimer-Krankheit bisher nicht besonders erfolgreich war, ist, dass wir Alzheimer in der Vergangenheit zu eng gefasst und zu spät angegangen sind“, so die Einschätzung von Dr. Margarita Mikhaylova, Fachärztin für Neurologie und funktionelle Medizin, gegenüber Epoch Times. 
Der Fokus müsse sich über Eiweißablagerungen hinaus auf eine Vielzahl von Faktoren verlagern, von Insulinresistenz bis hin zu Nährstoffmangel, fügte sie hinzu. „Das sind keine Fragen der Alternativmedizin, sondern gängige Risikofaktoren für Demenz.“

Personalisierte Behandlung von Alzheimer

Die wachsende Erkenntnis, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist, führte zu einem personalisierten Behandlungsansatz. Ärzte berücksichtigen die Faktoren, die die Gehirngesundheit einer Person beeinträchtigen könnten und stellen dann einen Plan zusammen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Person zugeschnitten ist.
In einer Studie nutzten Forscher einen personalisierten Ansatz bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Teilnehmer erhielten dabei einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dieser umfasste Änderungen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressbewältigung, Nahrungsergänzungsmittel und in einigen Fällen auch Medikamente. 
Bei den meisten Teilnehmern verbesserten sich im Verlauf der Studie die kognitiven Funktionen oder blieben auf dem gleichen Niveau ohne weitere Verschlechterungen. Zudem gab es Verbesserungen bei mehreren Alzheimer-bezogenen Risikofaktoren.

Bredesen und die Ergebnisse seiner Studien

Auch Bredesen ist der Ansicht, dass Alzheimer einen personalisierten Ansatz zur Behandlung erfordert. Zu diesem Zweck entwickelte er seine eigene maßgeschneiderte Methode, den ReCODE-Ansatz (Reversal of Cognitive Decline, „Kognitiven Verfall umkehren“).
In Versuchen aus dem Jahr 2022, die im „Journal of Alzheimer’s Disease“ erschienen, testete er seinen Präzisionsmedizin-Ansatz in einer klinischen Untersuchung an 25 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz. In seiner jüngsten randomisierten Kontrollstudie, die derzeit noch auf die Begutachtung durch Fachkollegen wartet, verglich er den ReCODE-Ansatz mit der Standardbehandlung bei 73 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz.
Die Teilnehmer, die einen personalisierten Plan befolgten, zeigten laut den Studienautoren signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, des Gedächtnisses und des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Auch verbesserten sich ihr Blutdruck, Body-Mass-Index, Blutzucker, Gesamtcholesterin und andere Marker.
Mit diesen Untersuchungen verbesserte Bredesen einige Punkte in der Studiendurchführung, die an älteren Veröffentlichungen von anderen Forschern kritisiert wurden. Zu den Verbesserungen zählen die Verwendung standardisierter kognitiver Tests, MRT-Bilder und genauere Dokumentation.
Andere Bedenken konnten nicht gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise, dass es keine Kontrollgruppe gibt und bei dem umfassenden Ansatz der Präzisionstherapie keine Verblindung möglich war.
Da es keine Kontrollgruppe gibt und die Behandlung für jede Person individuell angepasst wurde, kann die Studie nur individuell vergleichen, wie es den gleichen Patienten vor und nach der Behandlung ging. Allgemeine Vergleiche mit einer Placebogruppe, wie es in vielen klinischen Studien üblich ist, können auf diese Weise nicht gezogen werden.
Mikhaylova zufolge ist die Präzisionsmedizin bei der Alzheimer-Krankheit ein Gebiet, das aufstrebend, aber noch in der Entwicklung ist. Bredesens Arbeit biete einen wichtigen Wandel im Verständnis der Krankheit und stelle die Vorstellung in Frage, dass Alzheimer eine Erkrankung mit einem einzigen Krankheitsweg sei.
„Ein mehrdimensionaler Ansatz, der Lebensstil und Stoffwechsel umfasst, kann höchstwahrscheinlich in einem früheren Stadium des Krankheitsverlaufs helfen, wenn noch genügend neuronale Netzwerkfunktionen vorhanden sind, die erhalten oder verbessert werden können“, sagte sie. 
„Bei fortgeschrittener Demenz können wir zwar immer noch die Lebensqualität, den Schlaf, die Gewohnheiten und die Belastung der Pflegepersonen verbessern, sollten aber bei der Erwartung einer kognitiven Umkehrung wesentlich vorsichtiger sein.“

Was ist der ReCODE-Ansatz?

Das Ziel des Ansatzes besteht darin, so viele potenzielle Faktoren für den kognitiven Verfall wie möglich zu ermitteln und diese dann anzugehen. Es ist anspruchsvoll – Bredesen empfiehlt, es als Teilzeitjob zu betrachten –, etwa zwei Stunden pro Tag.

Ernährung

Im Mittelpunkt steht die Ernährung, die pflanzenreich, leicht ketogen und ballaststoffreich sein sollte. Vermieden werden sollten verarbeitete und glutenhaltige Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, künstliche Süßstoffe, Milchprodukte und Alkohol. 
Die Betroffenen werden dazu angehalten, über Nacht 12 bis 16 Stunden zu fasten. Dieser Ansatz unterstützt die Darmgesundheit, die Insulinsensitivität, die Stoffwechselflexibilität und die Ketonproduktion.
„Um zu funktionieren, benötigt das Gehirn viel Energie“, so Bredesen. Es könne Glukose oder Ketone verwerten, doch viele Menschen könnten nicht auf diese zugreifen, da sie insulinresistent seien. Ihre Körper würden laut Bredesens Einschätzung Glukose nicht effizient nutzen; und der erhöhte Insulinspiegel hindere die Leber daran, Ketone zu bilden.
Wie jeder andere Aspekt des ReCODE-Ansatzes müsse auch die Ernährung individuell angepasst werden, so Bredesen. Ihm zufolge können Fasten und Ketose für übergewichtige Menschen einfacher sein, da ihr Körper auf Fettreserven zurückgreifen kann, um Ketone zu bilden. Für gebrechliche Menschen sei derselbe Ansatz jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Sport

Bewegung ist eine weitere zentrale Komponente. Der Ansatz umfasst Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Dehnübungen für mindestens 45 Minuten pro Tag an sechs Tagen pro Woche.
Jede Art von Bewegung wirkt sich auf unterschiedliche Weise positiv auf das Gehirn aus. Aerobes Training verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung, während Krafttraining die Insulinsensitivität erhöht. Zweimal pro Woche wird hochintensives Intervalltraining empfohlen.

Schlaf, Stress und Hormone

Der Neurologe empfiehlt 7 bis 8 Stunden guten Schlaf, mit ausreichend REM-Schlaf und Tiefschlaf.
Was den Hormonspiegel und Nährstoffstatus betrifft, so sollen diese untersucht und bei Bedarf verbessert werden. Unter anderem die Vitamine D und B, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, die Schilddrüsenfunktion und die Sexualhormone.
Auch Stressbewältigung durch Biofeedback, also das bewusste Wahrnehmen der körperlichen Prozesse, ist Teil des Programms, genauso wie das Training der Herzratenvariabilität. Das ist ein Indikator, der angibt, wie sich das Herz an körperliche und mentale Anforderungen anpasst.
Erst wenn das Gehirn besser versorgt ist, stimuliert man es. „Das Letzte, was man tun sollte, ist, mit Gewichten zu trainieren, wenn man unterernährt ist. Das Gleiche gilt für das Gehirn“, erklärte Bredesen.

Ein Schwachpunkt des Ansatzes

Der Ansatz von Bredesen braucht viel Zeit, deshalb gibt es Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Der Ansatz sei „hinsichtlich des Trainingsaufwands so intensiv, dass sich nur sehr wenige Menschen die damit verbundene Zeit oder die Kosten leisten können“. Das meinte Paul Ehren, Fachmann für funktionelle Ernährung und Master Personal Trainer, zu Epoch Times.
Bredesen räumt dies ein. Man müsse nicht alles perfekt machen, sagte er dazu. „Es gibt eine Schwelle, die bei jedem Menschen anders liegt. Das zu tun, was man kann, und sich kontinuierlich zu verbessern, führt in der Regel zu guten Ergebnissen.“
Derzeit gibt es keine anerkannte Heilung für Alzheimer. Laut Bredesens Einschätzung befindet sich die Alzheimerforschung jedoch gerade an einem Wendepunkt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Neurologist Uses Precision Lifestyle Medicine to Reverse Early Alzheimer’s“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum manche Gehirne um bis zu 13 Jahre jünger erscheinen

Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben möglicherweise eine Gehirnstruktur, die deutlich jünger erscheint, als es ihrem Alter entspricht. Laut einer neuen Studie weisen sie Merkmale auf, die typischerweise bei bis zu 13 Jahren jüngeren Menschen zu finden sind.
Die Ergebnisse, die kürzlich auf dem Forum 2026 der Federation of European Neuroscience Societies vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass das Gehirn umso jünger wirkt, je mehr Sprachen man spricht.
Die neu vorgestellten Daten bauen auf einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie des Forscherteams auf, die Menschen aus 27 europäischen Ländern untersuchte und einen Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und gesünderem Altern zeigte.

Wie das Erlernen von Sprachen das alternde Gehirn prägt

Je mehr Sprachen man spricht, desto langsamer altert das Gehirn. Laut der Studienautorin Lucia Amoruso kommt es dabei aber auch darauf an, wie gut man die Sprachen beherrscht und wann man sie gelernt hat.
Diejenigen, die zwei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die mittels KI-basierter Modellrechnungen etwa sechs Jahre jünger eingeschätzt wurden als ihr tatsächliches Alter. Diejenigen, die drei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die etwa sieben Jahre jünger erschienen, und Teilnehmer, die vier Sprachen fließend beherrschten, hatten Gehirne, die etwa 13 Jahre jünger geschätzt wurden.
Diese Ergebnisse stimmen mit einer wachsenden Zahl neurowissenschaftlicher Untersuchungen überein, die darauf hindeuten, dass lebenslange Mehrsprachigkeit mit einer größeren kognitiven Reserve verbunden ist und dem Gehirn helfen könnte, im Alter widerstandsfähiger zu bleiben, sagte Dr. Paul E. Bendheim, klinischer Professor für Neurologie am College of Medicine der University of Arizona, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.

Das Erlernen von Sprachen trainiert das Gehirn in besonderem Maße

Zwar hält jede Denkaufgabe das Gehirn fit, aber Sprachenlernen ist ein besonderes Kompletttraining: Es fordert Hören, Denken, Sprechen und Gefühle gleichzeitig. Das Gehirn muss dabei ununterbrochen zwischen den Sprachen wechseln, erklärt Neurowissenschaftler Christopher U. Missling.
Es muss aber nicht immer Sprachenlernen sein: Auch Tanzen, Musik machen, Sport oder Meditation können positive Auswirkungen auf das Gehirn haben. Der Neurowissenschaftler betont, dass vor allem die Mischung aus Bewegung, neuen Reizen und dem Kontakt zu anderen Menschen entscheidend ist.
Laut Missling stärken Meditation und Achtsamkeit die Aufmerksamkeit. Sport wie Kraft- und Ausdauertraining regt dagegen die Durchblutung an, was die Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn fördert.
Selbst im fortgeschrittenen Alter, so sagte er, könne das Erlernen neuer Fähigkeiten, wie das Spielen eines Instruments oder die Ausübung einer neuen Sportart, eine vorteilhafte synaptische Umstrukturierung auslösen.
„Das Gehirn bleibt während des gesamten Erwachsenenalters plastisch; es ist nie zu spät, es mit neuen, herausfordernden Erfahrungen zu stimulieren“, sagte er.
Mit Blick auf die Zukunft planen Amoruso und ihr Team zu untersuchen, ob ähnliche Effekte bei Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer auftreten und ob der Umgang mit eng verwandten Sprachen, der möglicherweise mehr mentale Kontrolle erfordert, einen noch größeren Einfluss hat.
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Kaffee als Superfood? Was Forscher jetzt im Darm von Kaffeetrinkern entdeckten

Forscher am University College Cork untersuchten, wie Kaffee die sogenannte Darm-Hirn-Achse – die Wechselwirkung zwischen Verdauung und Gehirn – beeinflusst. An der Studie nahmen 62 gesunde Erwachsene in Irland teil. Eine Hälfte der Gruppe trank täglich drei bis fünf Tassen koffeinhaltigen Kaffee, während die andere Hälfte, die keinen Kaffee trank, als Vergleichsgruppe diente.

Über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg erfassten die Wissenschaftler neben kognitiven Funktionen, Stimmung, Stressniveau und Schlaf auch Entzündungswerte sowie die genaue Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms.

Bei der Auswertung stießen die Forscher auf deutliche Unterschiede: In der Kaffeegruppe hatten sich bestimmte Bakterienarten wie Cryptobacterium curtum und Eggerthella messbar vermehrt. Diese Mikroben spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel, etwa beim Recyceln von Gallensäuren für die Fettverdauung.

Diese positiven Veränderungen im Darm gingen Hand in Hand mit einer besseren Stimmung, gesteigerter Denkleistung und einer gestärkten Immunabwehr. Interessant war zudem der Vergleich mit entkoffeiniertem Kaffee: Während das Koffein vor allem für die unmittelbaren Effekte auf Gehirn und Stimmung verantwortlich war, zeigten sich die positiven Auswirkungen auf die Darmgesundheit bei beiden Kaffeevarianten gleichermaßen.

Was passiert im Darm?

In unserem Darm leben Billionen mikroskopisch kleiner Lebewesen – sie bilden das sogenannte Darm-Mikrobiom. Diese Bakterien helfen nicht nur bei der Verdauung, sondern spielen auch für unser Immunsystem und unsere allgemeine Gesundheit eine wichtige Rolle. Je vielfältiger und ausgewogener die Bakterienmischung im Darm ist, desto besser ist es im Allgemeinen für die Gesundheit.

Wenn wir Kaffee trinken, geschieht Folgendes:

  • Nützliche Bakterien vermehren sich: Kaffee fördert gezielt das Wachstum von bestimmten „guten“ Darmbakterien (wie den sogenannten Bifidobakterien).
  • Entzündungshemmende Stoffe entstehen: Die Bakterien verarbeiten die Inhaltsstoffe des Kaffees und stellen dabei nützliche Fettsäuren her. Diese dienen der Darmwand als Energiequelle und werden mit dem Schutz vor Entzündungen in Verbindung gebracht.

Nicht das Koffein ist entscheidend, sondern die Pflanze

Dass entkoffeinierter Kaffee im Darm ähnlich gut wirkt wie koffeinhaltiger, zeigt: Nicht das Koffein ist für diese Effekte verantwortlich, sondern andere Inhaltsstoffe der Kaffeebohne.

Dazu gehören vor allem:

  • Pflanzliche Schutzstoffe (Polyphenole): Kaffeebohnen enthalten viele natürliche Antioxidantien. Unser Körper nimmt diese im Magen und Dünndarm nur zu einem kleinen Teil auf. Sie wandern weiter in den Dickdarm und dienen dort den nützlichen Bakterien als Nahrung.
  • Lösliche Ballaststoffe: Beim Aufbrühen von Kaffee lösen sich kleine Mengen an Ballaststoffen aus der Bohne, die ebenfalls die Darmflora unterstützen.

Was bedeutet das für den Alltag?

Die Ergebnisse zeigen, dass der gesundheitliche Wert von Kaffee für den Darm in den Inhaltsstoffen der Bohne selbst liegt. Für alle, die Koffein nicht gut vertragen – etwa weil sie davon Herzklopfen bekommen, nervös werden oder schlecht schlafen –, ist das eine hervorragende Nachricht.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die pflanzlichen Wirkstoffe der Kaffeebohne stärken gezielt die guten Darmbakterien.
  • Auch entkoffeinierter Kaffee liefert diese präbiotischen Bausteine.
  • Die Darmflora profitiert von den Antioxidantien der Bohne – völlig unabhängig vom Koffeingehalt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Manipulation im Alltag – Teil 1


In Kürze:

  • Manipulation ist der Versuch, das Denken, Fühlen oder Handeln eines anderen gezielt zu beeinflussen, ohne dass dieser es vollständig erkennt.
  • Dabei ist Manipulation kein ausschließlich negatives Verhalten und keiner bleibt davon verschont.
  • Menschen werden selten Opfer spektakulärer Täuschungsversuche. Viel häufiger entwickeln sich manipulative Beziehungen langsam.
  • Manipulation funktioniert nicht trotz unserer sozialen Fähigkeiten, sondern gerade wegen ihnen.
  • Welche Werkzeuge der Manipulation es gibt und wie wir sie erkennen können, lesen Sie im zweiten Teil.

 
„Ich wollte doch nur helfen.“ – „Das habe ich nur zu deinem Besten gesagt.“ – „Du übertreibst wieder.“ Solche Sätze begegnen uns nahezu täglich. Meist schenken wir ihnen kaum Beachtung. Schließlich erscheinen sie harmlos, manchmal sogar fürsorglich. Doch genau hier beginnt ein Phänomen, das Verhaltensanalytiker seit Jahrzehnten beschäftigt: Manipulation geschieht selten laut oder offensichtlich. Sie beginnt oft mit kleinen Verschiebungen der Realität – mit einer Auslassung, einer geschickten Formulierung oder einer scheinbar belanglosen Lüge.
Dabei ist Manipulation kein ausschließlich negatives Verhalten. Aus psychologischer Sicht beschreibt sie zunächst den Versuch, das Denken, Fühlen oder Handeln eines anderen Menschen gezielt zu beeinflussen, ohne dass dieser den Einfluss vollständig erkennt.
Jeder Mensch manipuliert – bewusst oder unbewusst. Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrkräfte versuchen, Lernverhalten zu fördern, Verkäufer möchten Kaufentscheidungen beeinflussen, Führungskräfte ihre Mitarbeiter motivieren und Partner versuchen, Konflikte möglichst günstig für sich zu lösen.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Absicht. Dient die Beeinflussung dem gemeinsamen Wohl und erfolgt sie transparent, sprechen wir eher von Überzeugung oder Motivation. Wird sie jedoch eingesetzt, um eigene Vorteile auf Kosten anderer zu erzielen oder Informationen gezielt zu verschleiern, beginnt der Bereich problematischer Manipulation.
Positive Manipulation ist zum Beispiel, wenn Eltern ihren Kindern beim Lernen gut zu reden

Positive Manipulation ist zum Beispiel, wenn Eltern ihren Kindern beim Lernen gut zureden.

Foto: gpointstudio/iStock

Warum unser Gehirn manipulierbar ist

Viele Menschen glauben, rationale Entscheidungen zu treffen. Tatsächlich zeigt die moderne Psychologie jedoch, dass der überwiegende Teil unserer Entscheidungen unbewusst vorbereitet wird. Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen, sogenannten Heuristiken. Diese mentalen Faustregeln ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig anfällig für gezielte Beeinflussung.
Aus biologischer Sicht war dies sinnvoll. Unsere Vorfahren mussten innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob eine Situation gefährlich oder sicher war. Für langes Nachdenken blieb oft keine Zeit. Deshalb bevorzugt unser Gehirn einfache Muster, vertraute Personen und emotionale Signale.
Genau diese Mechanismen nutzen Manipulatoren aus. Sie argumentieren selten ausschließlich mit Fakten. Stattdessen erzeugen sie Gefühle wie Sicherheit, Angst, Schuld, Mitleid oder Hoffnung. Emotionen verändern unsere Wahrnehmung schneller als logische Argumente.
Hinzu kommt ein weiterer psychologischer Effekt: Menschen möchten innere Widersprüche vermeiden. Die Kognitionspsychologie bezeichnet dies als das Streben nach Konsistenz. Haben wir uns einmal entschieden oder öffentlich positioniert, neigen wir dazu, an dieser Entscheidung festzuhalten – selbst dann, wenn neue Informationen dagegensprechen. Manipulation nutzt dieses Bedürfnis geschickt aus.

Wenn Menschen einmal eine Entscheidung getroffen haben, bleiben sie oft dabei und lehnen andere Vorschläge ab, auch wenn diese besser sind.

Foto: fizkes/iStock

Die kleine Lüge als sozialer Schmierstoff

Nicht jede Lüge ist böswillig. Tatsächlich wären zwischenmenschliche Beziehungen ohne kleine Unwahrheiten oft erheblich konfliktreicher. Wenn jemand fragt: „Wie gefällt dir meine neue Frisur?“, antworten viele Menschen höflicher als ehrlich. Wenn Kollegen sagen: „Kein Problem, ich mache das gern“, obwohl sie innerlich genervt sind, handelt es sich ebenfalls um eine Form sozialer Anpassung.
Psychologen unterscheiden deshalb häufig zwischen prosozialen und eigennützigen Lügen. Prosoziale Lügen sollen Gefühle schützen oder Beziehungen stabilisieren. Eigennützige Lügen verfolgen dagegen persönliche Vorteile.
Die Grenze zwischen beiden Formen ist allerdings fließend. Aus einer kleinen Notlüge kann schleichend ein dauerhaftes Manipulationsmuster entstehen.

Manipulation beginnt selten mit einer großen Täuschung

In der Beratungspraxis fällt immer wieder auf, dass Menschen selten Opfer spektakulärer Täuschungsversuche werden. Viel häufiger entwickeln sich manipulative Beziehungen langsam.
Zu Beginn wirkt alles freundlich: ein kleiner Gefallen, ein kleines Kompliment, ein wenig Verständnis, ein gemeinsames Geheimnis. Nach und nach entstehen Verpflichtungsgefühle. Der Manipulator investiert wenig und erhält später deutlich mehr zurück.

Ein kleines Kompliment kann positiv sein, aber auch der Anfang manipulativer Beziehungen.

Foto: Moon Safari/iStock

Diese Entwicklung geschieht selten bewusst. Viele Menschen manipulieren, weil sie es im Laufe ihres Lebens gelernt haben. Wer beispielsweise erfahren hat, dass direkte Bedürfnisse regelmäßig zurückgewiesen wurden, entwickelt möglicherweise indirekte Strategien, um dennoch Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu erhalten.
Manipulation ist deshalb nicht zwangsläufig Ausdruck eines schlechten Charakters. Häufig handelt es sich um erlernte Verhaltensmuster, die sich über viele Jahre verfestigt haben.

Die Macht der Sprache

Kaum ein Werkzeug beeinflusst unser Denken stärker als Sprache. Bereits einzelne Wörter verändern unsere Wahrnehmung. Vergleichen wir folgende Aussagen: „Sie haben noch die Möglichkeit, sich zu entscheiden“ oder „Sie müssen sich jetzt entscheiden“.
Beide Aussagen beschreiben dieselbe Situation. Dennoch löst die zweite erheblich mehr Druck aus.
Verhaltensanalytiker sprechen hierbei vom sogenannten Framing. Informationen werden in einen bestimmten Bedeutungsrahmen eingebettet. Nicht die Fakten verändern sich, sondern ihre Interpretation.
Ein weiteres Beispiel: „90 Prozent fettfrei“ wirkt deutlich attraktiver als „10 Prozent Fett“, obwohl beide Aussagen mathematisch identisch sind. Unser Gehirn reagiert stärker auf den emotionalen Rahmen als auf objektive Zahlen.

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Akzeptanz bedeutete über Jahrtausende das Überleben innerhalb einer Gemeinschaft. Ablehnung hingegen konnte lebensbedrohlich sein. Diese historische Prägung wirkt bis heute nach.
Deshalb orientieren wir uns häufig an der Mehrheit. Wenn viele Menschen ein Produkt kaufen, erscheint es automatisch hochwertiger. Sind viele Kollegen einer Meinung, zweifeln wir eher an unserer eigenen Einschätzung. Wenn in sozialen Netzwerken Tausende Menschen einen Beitrag liken, gewinnt dieser an Glaubwürdigkeit – unabhängig davon, ob die Inhalte tatsächlich korrekt sind.
Dieses Phänomen bezeichnet die Sozialpsychologie als sozialen Beweis. Manipulation nutzt diesen Mechanismus gezielt. Aussagen wie „Alle machen das“, „Jeder vernünftige Mensch sieht das so“ und „Niemand hat sich bisher beschwert“ sollen weniger informieren als vielmehr sozialen Druck erzeugen.

Weil Akzeptanz über Jahrtausende Überleben bedeutete, orientieren wir uns häufig an der Mehrheit, was nicht immer richtig sein muss.

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Warum intelligente Menschen ebenfalls manipulierbar sind

Ein weitverbreiteter Irrtum besteht darin, dass Manipulation ausschließlich mit mangelnder Intelligenz in Verbindung stehe. Tatsächlich zeigt die Forschung das Gegenteil. Gerade intelligente Menschen entwickeln häufig besonders raffinierte Begründungen für bereits getroffene Entscheidungen. Sie hinterfragen weniger ihre eigenen Überzeugungen als vielmehr die Argumente anderer.
Hinzu kommt, dass gerade Experten ihrem eigenen Fachgebiet häufig übermäßig vertrauen. Dieser sogenannte Overconfidence-Bias führt dazu, Risiken zu unterschätzen.
Manipulation trifft deshalb nicht die „Dummen“, sondern den Menschen. Sie nutzt universelle Eigenschaften unseres Gehirns, nämlich Vertrauen, Kooperation, Empathie und das Bedürfnis nach Orientierung. Genau darin liegt ihre eigentliche Stärke. Manipulation funktioniert nicht trotz unserer sozialen Fähigkeiten, sondern gerade wegen ihnen.
Welche Werkzeuge der Manipulation es gibt und wie wir sie erkennen können, lesen Sie im zweiten Teil.
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Sardinen: Nährstoffbomben, die die Gesundheit von Herz und Knochen fördern

Sowohl preiswert als auch gesund – das sind die typischen Eigenschaften von Sardinen. Tatsächlich zählen diese kleinen Fische zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt.
„Sardinen sind eine vollständige Proteinquelle, vergleichbar mit Lebensmitteln wie Eiern, Milchprodukten und Fleisch. Sie enthalten alle 20 Aminosäuren und sind reich an Omega-3-Fettsäuren.“ Das schrieb Helen Tieu, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin und zertifizierte Diabetologin, in einer E-Mail an Epoch Times.
Neben Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren sind Sardinen auch reich an:
  • Vitamin D: Eine Dose Sardinen liefert in der Regel etwa 150 bis 200 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D. Zum Vergleich: Ein Eigelb enthält 20 IE. Die empfohlene tägliche Menge liegt bei 800 IE.
  • Calcium: 100 Gramm Sardinen (die Menge in einer Standarddose) liefern 382 Milligramm Calcium. Das ist mehr als die Menge in eineinhalb Tassen Milch. Calcium ist für starke Knochen unerlässlich.
  • Vitamin B12: Eine Dose Sardinen deckt laut Tieu bereits etwa das Drei- bis Vierfache des Bedarfs eines Erwachsenen.

Gut für Herz, Knochen und Gehirn

Neben diesen Nährstoffen sind Sardinen zudem eine kostengünstige und natürliche Quelle für Eisen, Kalium, Magnesium, Zink und Taurin. Diese wirken zusammen, um die Herz-Kreislauf-Funktion zu unterstützen.
Darüber hinaus haben Sardinen einen hohen Phosphorgehalt, der in Kombination mit Vitamin D dem Körper hilft, Calcium effektiver aufzunehmen. Dadurch würden die kleinen Fische helfen, Osteoporose vorzubeugen und zu behandeln, so Tieu.
Außerdem steht ein erhöhter Fischverzehr mit einem langsameren kognitiven Verfall bei älteren Erwachsenen in Verbindung, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2017. Dies betrifft insbesondere jene Hirnregionen, die für das Gedächtnis zuständig sind. Diese positiven Effekte wurden unabhängig von einem genetischen Risiko für Alzheimer beobachtet. Die deutlichsten Effekte zeigten sich bei vier oder mehr Portionen Fisch pro Woche.

Weitere Vorteile

Depressionen: Eine höhere Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, wie sie durch den Verzehr von Sardinen erreicht werden kann, unterstützt das Gehirn und reguliert Entzündungen. Das kann dazu beitragen, das Risiko für depressive Episoden zu senken.
Immunabwehr: Neben Omega-3-Fettsäuren liefern Sardinen auch Selen und Zink. Diese Spurenelemente regulieren ebenfalls Entzündungen und unterstützen das Immunsystem.
Entzündungen und ihre Folgen: Der regelmäßige Verzehr von Sardinen kann dazu beitragen, chronische, leichtgradige Entzündungen zu reduzieren. Diese stehen mit vielen Gesundheitsproblemen in Verbindung, darunter Autoimmunerkrankungen, Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen.
Hormonproduktion: Sardinen enthalten Jod, das zusammen mit Selen und Vitamin D die Hormonproduktion und die Schilddrüsenfunktion unterstützt. 
Gesunde Haut: Omega-3-Fettsäuren fördern zudem die Kollagenbildung, die Elastizität und die Feuchtigkeitsversorgung.

So holen Sie das Beste aus Sardinen heraus

Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren in Sardinen sind fettlöslich, das heißt, sie lösen sich in Fett auf. Daher kann die Kombination von Sardinen mit einem gesunden Fett dem Körper dabei helfen, die nützlichen Fettsäuren effektiver aufzunehmen.
Magnesiumreiche Lebensmittel  können die Aufnahme von Vitamin D zusätzlich fördern. Vitamin-C-reiche Lebensmittel können hingegen dazu beitragen, die Calciumwirkung von Sardinen zu maximieren.
Vitamin B12, Folsäure und Eisen wirken zusammen, um den Energiestoffwechsel und die Bildung roter Blutkörperchen zu unterstützen. Der Verzehr von Sardinen zusammen mit Blattgemüse oder anderem Gemüse kann deren Wirksamkeit verbessern.
Empfohlene Lebensmittel in Kombination mit Sardinen:
  • Fett: Olivenöl, Avocado
  • Magnesium: Blattgemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte
  • Vitamin C: Tomaten, Zitronen, Paprika
Ferner kann das Garen bei hohen Temperaturen Omega-3-Fettsäuren zerstören. Sanftere Zubereitungsmethoden wie Backen bei moderaten Temperaturen, Dämpfen oder kurzes Anbraten können dazu beitragen, mehr von den wertvollen Fetten zu erhalten.

Profi-Tipps

„Ich sage den Leuten immer wieder: Lasst euch Sardinen nicht entgehen“, erklärte Kenny Minor, Koch und Kochbuchautor, gegenüber Epoch Times.
Er gibt einige Empfehlungen, um den Sardinen mehr Pep zu verleihen:
  • Die Sardinen mit Avocado, Zitronenschale, Chili und Kräutern pürieren und die Paste aufs Brot schmieren.
  • Jede Sardine von Kopf bis Schwanz auf einen Spieß stecken, mit thailändischer süßer Chilisauce bestreichen und so lange grillen, bis sie leicht knusprig ist.
  • Sardinen unter warme Getreideprodukte wie Quinoa oder Nudeln mischen, um eine einfache, schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten.
Frische Sardinen kann man mit etwas Olivenöl beträufeln, mit Mineralsalz bestreuen und je nach Größe 25 bis 30 Minuten bei 150 bis 180 Grad Celsius backen. Dies empfiehlt Ana Bueno, zertifizierte Ernährungsberaterin und ehemalige Chefköchin, gegenüber Epoch Times.

Vorsichtsmaßnahmen

Es ist empfehlenswert, in Olivenöl oder Wasser eingelegte Sardinen zu kaufen. Das kann helfen, ein gesundes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren aufrechtzuerhalten. Denn Sardinen in Soja- oder Sonnenblumenöl haben einen hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren. Zu große Mengen an Omega-6-Fettsäuren können laut Untersuchungen Entzündungen im Körper begünstigen.
Wer an einer Fischallergie leidet, sollte Sardinen meiden.
Wer große Mengen an Sardinen verzehrt, sollte zudem Vorsicht walten lassen. Laut der Diabetologin Tieu sind die kleinen Fische reich an Purinen. Diese könnten den Harnsäurespiegel erhöhen und möglicherweise Gichtanfälle auslösen oder zur Bildung von Harnsäure-Nierensteinen beitragen.
Zudem haben Konserven oft einen hohen Salzgehalt. Wer unter Bluthochdruck leidet, sollte auf Dosen mit niedrigem Salzgehalt zurückgreifen oder die Sardinen vor dem Verzehr abspülen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Sardines: Nutrient Powerhouses That Boost Cardiometabolic and Bone Health“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Schrumpfendes Gehirn im Alter: Fehlt Ihrem Kopf dieser eine alltägliche Nährstoff?

Vitamin C hat sich seinen Ruf als Mittel zur Stärkung des Immunsystems erworben. Doch Wissenschaftler stellen zunehmend fest, dass eine seiner wichtigsten Funktionen möglicherweise im Schutz des alternden Gehirns liegt.
Diese Möglichkeit wurde durch eine aktuelle Studie mit mehr als 2.000 älteren japanischen Erwachsenen festgestellt. Die Forscher fanden heraus, dass Teilnehmer mit niedrigeren Vitamin-C-Spiegeln im Blut über weniger graue Substanz verfügten und die Kommunikation innerhalb eines der ersten bei der Alzheimer-Krankheit betroffenen Hirnnetzwerke schwächer war.

Warum Vitamin C für das Gehirn wichtig sein könnte

Vitamin C kann viel mehr als nur das Immunsystem stärken: Es ist ein echter Schutzschild für unser Gehirn. Als Antioxidans fängt es schädliche Stoffe (freie Radikale) ab, die das Gehirn mit den Jahren altern lassen. Gleichzeitig hilft es bei der Herstellung von Botenstoffen, mit denen Gehirnzellen untereinander Informationen austauschen.
Der Mensch kann Vitamin C nicht selbst produzieren und muss es vollständig über die Ernährung aufnehmen. Reichhaltige Quellen sind Zitrusfrüchte, Beeren und grünes Blattgemüse.
Die empfohlene Tagesdosis beträgt für die meisten erwachsenen Frauen 95 mg und für die meisten erwachsenen Männer 110 mg. Während einige Forscher vermuten, dass eine höhere Zufuhr zusätzliche Vorteile bieten könnte, ist die optimale Zufuhr für die langfristige Gesundheit des Gehirns noch nicht ermittelt worden.

Bisherige Forschung

Die neuen Erkenntnisse ergänzen eine wachsende Zahl von Belegen, die einen Zusammenhang zwischen einem gesunden Vitamin-C-Status und einer besseren kognitiven Gesundheit herstellen.
Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2002 begleitete 5.395 Personen über sechs Jahre hinweg und stellte fest, dass eine hohe Zufuhr von Vitamin C und E mit einem um 18 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer verbunden war.
Andere Studien haben ergeben, dass selbst Vitamin-C-Spiegel, die zu niedrig sind, um klassische Mangelerscheinungen hervorzurufen, bei älteren Erwachsenen mit einem schlechteren Gedächtnis und einer langsameren Informationsverarbeitung in Verbindung gebracht wurden.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022, in der 12 Studien ausgewertet wurden, ergab ebenfalls, dass Menschen mit Alzheimer durchweg signifikant niedrigere Vitamin-C-Spiegel im Blut aufwiesen als kognitiv gesunde Erwachsene, was darauf hindeutet, dass der Nährstoff eine Rolle beim Krankheitsverlauf spielen könnte.
Ältere Erwachsene sind möglicherweise einem höheren Risiko für niedrige Vitamin-C-Spiegel ausgesetzt, was auf verminderten Appetit, eine weniger abwechslungsreiche Ernährung sowie altersbedingte Veränderungen der Verdauung und Aufnahme zurückzuführen ist, sagte Jen Scheinman, eine in New York ansässige staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der Epoch Times.
Chronische Erkrankungen, Entzündungen und bestimmte Medikamente können den Vitamin-C-Bedarf des Körpers zusätzlich erhöhen.

Vitamin C ist nur ein Teil des Puzzles

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie nicht beweist, dass Vitamin C das Gehirn direkt schützt. Ein Grund dafür ist, dass Menschen mit höheren Vitamin-C-Spiegeln oft insgesamt einen gesünderen Lebensstil pflegen.
Vitamin C sollte als Teil eines umfassenden Ernährungsmusters betrachtet werden, wie beispielsweise der Mittelmeerdiät oder der MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay), so Dr. Thomas Holland, klinischer Forscher, der sich mit kognitivem Altern befasst und nicht an der Studie beteiligt war.
„Kein einzelnes Lebensmittel und kein einzelnes Vitamin kann Demenz verhindern“, sagte Holland. „Aber eine konsequent nährstoffreiche Ernährung, einschließlich reichlich vitamin-C-reicher Obst- und Gemüsesorten, kann langfristig dazu beitragen, die kognitiven Funktionen zu erhalten.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Low Vitamin C Linked to Reduced Brain Volume, Study Finds“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Schwindel stoppen: Warum ein Zusammenspiel von Blutdruck, Nervensystem und Darmflora der Schlüssel sein können

Schwindel ist ein Symptom, das den Menschen aus seiner Mitte reißen kann. Es ist kein Schmerz, kein Fieber, kein klarer Angriffspunkt – sondern ein Verlust von Selbstverständlichkeit. Genau mit diesem Gefühl kam Frau L., 78 Jahre alt, in meine Praxis. Sie bewegte sich vorsichtig, als wolle sie dem Schwindel keine neue Gelegenheit geben.
„Es ist, als würde mein Kopf kurz leer werden“, sagte sie. Kein Drehen, kein Sturz – nur ein leises, aber beharrliches Wegsacken.
Was mich besonders nachdenklich machte: Sie war bereits bei ärztlichen Kollegen gewesen – beim HNO-Arzt, Neurologen, Kardiologen und sogar in der Radiologie. Alles ohne Befund.
„Alle sagen, ich sei gesund“, sagte sie, „aber ich fühle mich nicht so.“ Dieser Satz ist in der Ganzheitsmedizin ein Schlüssel. Denn wenn alle Fachgebiete einzeln nichts finden, liegt die Ursache nach meiner Erfahrung oft an mehreren Faktoren, die sorgfältig zu einem ganzheitlichen Bild zusammengefügt werden müssen.

Das Innenohr: Wichtig, aber selten der alleinige Schlüssel

In der klassischen Medizin beginnt die Suche nach der Ursache für Schwindel oft im Innenohr, wo sich das sogenannte Gleichgewichtsorgan befindet. Doch moderne Forschungen zeigen, dass Gleichgewicht weit mehr ist als ein vestibuläres Signal, wie man den Nervenimpuls des Gleichgewichtssinns in der medizinischen Fachsprache bezeichnet.
Studien belegen, dass emotionale Stresszustände die Verarbeitung vestibulärer Signale im Gehirn verändern können. Das bedeutet: Selbst ein völlig gesundes Innenohr kann Schwindel erzeugen, wenn das limbische System überlastet ist.
Für die Ganzheitsmedizin ist das ein entscheidender Hinweis. Gleichgewicht entsteht nicht nur im Kopf, sondern im Zusammenspiel von Emotionen, vegetativem Nervensystem und körperlicher Stabilität.
Wenn eine Patientin wie Frau L. sagt: „Ich fühle mich kurz weg“, dann kann das oft ein Ausdruck innerer Dysbalance sein – nicht nur ein lokales Problem im Ohr.
Viele Patienten berichten, dass sie nach einer langen diagnostischen Odyssee hören: „Organisch ist alles in Ordnung.“ Doch Schwindel ist oftmals kein rein organisches Symptom. Er ist ein Systemsignal.
Denn Gleichgewicht ist ein System – und Systeme geraten aus dem Lot, lange bevor ein einzelnes Organ versagt.

Der Kreislauf – wenn niedriger Blutdruck und Flüssigkeitsmangel das Gleichgewicht schwächen

Besonders ältere Menschen trinken oft zu wenig. Das klingt banal, ist aber physiologisch hochrelevant. Dehydration senkt das Blutvolumen, der Blutdruck fällt, und der Fluss in den kleinsten Blutgefäßen, der sogenannten Mikrozirkulation, wird schwächer. Das Gehirn erhält in diesen Momenten nicht genug Sauerstoff und reagiert mit Schwindel.
Untersuchungen zeigen, dass selbst leichte Störungen der Mikrozirkulation Schwindel auslösen können, auch wenn Herz und große Gefäße klinisch unauffällig erscheinen.
Bei Frau L. war genau das der Fall. Ihr Blutdruck war niedrig, ihr Körper unterversorgt. Doch weil bei den zuvor durchgeführten Untersuchungen jeder Facharzt nur den Ausschnitt aus seinem eigenen Fachgebiet betrachtete, blieb der Zusammenhang unentdeckt. Beim Kardiologenbesuch selbst war sie aufgeregt, und der dort gemessene Blutdruck galt mit 125/75 mmHg als normal.
Die ganzheitliche Sicht zeigte jedoch: Der Schwindel war kein unerklärbares Rätsel, sondern ein Warnsignal eines Kreislaufs, der nicht mehr stabil genug war. Aber es gab noch weitere Aspekte.

Die unsichtbaren Mitspieler im Nervensystem

Wenn alle Untersuchungen unauffällig sind, wird oft vorschnell gesagt: „Das ist psychisch.“ Doch die Psyche ist kein Ersatzdiagnosefeld, sondern ein realer Einflussfaktor auf das Gleichgewicht.
Studien zeigen, dass chronischer Stress die Tiefensensorik der Muskeln beeinträchtigt. Diese Sensoren liefern dem Gehirn entscheidende Informationen über die Körperposition im Raum. Wenn sie gestört sind, entsteht ein diffuser Schwindel, der nicht drehend sein muss, um den Alltag zu destabilisieren.
Zudem zeigen Untersuchungen, dass selbst leichte entzündliche Prozesse im Gehirn die Verarbeitung von Gleichgewichtssignalen beeinträchtigen können.
Diese Erkenntnisse zeigen: Schwindel ist oft ein Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren. Das vegetative Nervensystem reagiert empfindlich auf Stress, Schlafmangel, innere Unruhe und erzeugt Symptome, die organisch nicht immer klar messbar sind, aber real erlebt werden.

Die Achse zwischen Darm und Gehirn

Der Darm spielt ebenfalls eine überraschende Rolle für das Gleichgewicht. Aktuelle Forschungen untersuchen, wie entzündliche Prozesse im Darm über die direkte Nerven-Datenautobahn zum Gehirn, den sogenannten Vagusnerv, die Aktivität des Gleichgewichtszentrums beeinflussen können.
In der Ganzheitsmedizin wird der Darm als zentraler Regulator des vegetativen Nervensystems betrachtet. Wenn dort ein Ungleichgewicht herrscht, kann sich das auf den gesamten Körper auswirken. Bei Frau L. zeigte sich in weiteren Untersuchungen eine deutliche Dysbiose, also ein aus der Balance geratenes Darmmikrobiom, die ihren Zustand zusätzlich destabilisiert hatte.
Ein sogenannter „ungeklärter“ Schwindel kann also ein Ausdruck eines Systems sein, das an mehreren Stellen gleichzeitig die Balance verloren hat.

Das System wieder ins Lot bringen

Der Fall von Frau L. zeigt, wie vielschichtig Schwindel sein kann. Es ist selten das Innenohr alleine. Oft ist es ein Zusammenspiel aus Kreislauf, Flüssigkeitsmangel, Stress, Darmgesundheit, Mikrozirkulation und neuroinflammatorischen Prozessen.
Frau L. fand schließlich ihr Gleichgewicht wieder. Nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein ganzes Paket an Veränderungen. Sie trank mehr, stabilisierte ihren Kreislauf, brachte ihren Darm wieder ins Lot und half ihrem gestressten Nervensystem, zur Ruhe zu kommen.
In der Ganzheitsmedizin wird Schwindel oft als Hinweis betrachtet, dass der Körper nach Balance sucht. Wer ihn ernst nimmt, findet nicht nur Stabilität, sondern oft auch ein neues Körperbewusstsein.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.