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Von Kaffee mit Gedächtnis bis neue Katze entdeckt

Fahrerlos in die Filiale

Rund 100 Meter trennen das Lidl-Zentrallager Edermünde und die Filiale an der Langen Heideteile südwestlich von Kassel. Für Aufmerksamkeit sorgt der Warentransport zwischen beiden Standpunkten dennoch: Seit Mitte September erfolgt dieser mittels Lkw ohne Fahrer und sogar ohne Fahrerhaus. 15 Paletten kann der dreiachsige, rund acht Meter lange und bislang auf 25 km/h begrenzte Lkw transportieren. Weitere Fahrzeugdaten nennen weder der schwedische Hersteller noch die Handelskette. Ganz ohne Fahrer geht es dennoch nicht. Gemäß aktuellen Auflagen begleitet ein „Local Operator“ den Lkw auf seiner rund 400 Meter langen Strecke in einem separaten Fahrzeug. Eine zweite Phase soll die Ausweitung auf eine weitere Filiale einschließen.

Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride haben den E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen gebracht.

Foto: Lidl

Ihr Kaffee hat ein Gedächtnis

Wer Kaffee zu lange stehen lässt, wird Zeuge eines unvermeidlichen physikalischen Prinzips: Wärme fließt von einem heißeren Körper – Ihrem Kaffee – zu einem kälteren – der Umgebung. Auf atomarer Ebene scheint diese universelle Regel nicht mehr so unumstößlich. Nicht nur kann Wärme zu einem heißeren Körper fließen, sondern sogar Informationen eines früheren Ereignisses tragen und somit eine Art Gedächtnis haben. „Wärme erinnert sich nicht wie wir an eine Person oder ein Ereignis“, erklärt Prof. Jianjun Dong von der Auburn University. „Seine Erinnerungen sind in mikroskopischen Bewegungen des Materials gespeichert.“ Während heißer Kaffee sich also weder Ihr Gesicht noch Namen merken kann, kann er vielleicht wissen, wie energisch Sie Ihre Tasse abgestellt haben.
Gesicht im Kaffee ist eine Form von Pareidolie

Eine Tasse Kaffee am Morgen kann erstaunliches leisten: die Stimmung aufhellen und eine Erinnerung bergen.

Foto: dmf87/iStock

Fehlendes Chromosom könnte Krebs begünstigen

Jede Zelle im männlichen Körper trägt normalerweise ein X- und ein Y-Chromosom. Besonders Immunzellen können letzteres im Alter einbüßen und, so eine neue Studie, eine „versteckte Zone genetischer Anfälligkeit“ für Krebs hinterlassen. Dr. Dan Theodorescu vom Krebszentrum der University of Arizona und sein Team analysierten rund 1.000 Gewebeproben von über 400 Männern. Dabei konnten sie den Verlust von Y-Chromosomen in „normal erscheinendem Gewebe neben Tumoren“ nachweisen. Gerade dies mache die Entdeckung so spannend, und sei womöglich „eines der frühesten Anzeichen sich bildender Tumore“, so der Medizinprofessor. Dies könnte eines Tages Ärzten helfen, Unregelmäßigkeiten in Biopsien zu erkennen, die kleine Tumore übersehen.

Liegt Nofretete hinter Tutanchamun?

Baustruktur und Malereien ließen Ägyptologen hinter dem Grab von Tutanchamun seit 2015 weitere Räume vermuten. Neue Untersuchungen verdichten diese Annahme und deuten auf verborgene Kammern und Gänge hinter einer Scheinwand hin. Diese könnten seit der Antike verschlossen und vor dem Tod Tutanchamuns entstanden sein. Erneut flammt damit die Hoffnung auf, dass dort das Grab von Nofretete – der Stiefmutter des jungen Pharaos – liegen könnte. Möglich ist auch, dass dort lediglich Lagerräume sind oder die potenzielle Grabkammer durch Sturzfluten gestört ist. Ob es weitere Untersuchungen geben wird und die Forscher mittels Bohrungen einen Blick hinter die Wand werfen dürfen, muss der Oberste Rate für Altertümer in Ägypten noch entscheiden.

Wilde Honigbienen auf Roter Liste

In Deutschland und der Schweiz würde das Summen wildlebender Honigbienen ohne Imkerei binnen eines Jahrzehnts gänzlich verstummen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Patrick Kohl von der Universität Hohenheim anhand der Analyse von 700 Nistplätzen in sieben europäischen Ländern. In Südostengland würden sich die Bestände alle zehn Jahre hingegen vervielfachen. Die Untersuchung bildet die Grundlage für die Aufnahme wildlebender Westlicher Honigbienen auf die Rote Liste der IUCN als „stark gefährdet“.

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“.

Foto: Samuel Ray/iStock

Alkohol aus dem Erdreich

Lignin ist der Baustoff der Natur, der Pflanzen Festigkeit verleiht, kann laut Forschern der Universität Heidelberg aber auch Methanol bilden. Nötig sei dafür lediglich Erde und Wasser. Konkret spalten reaktive Eisen-Sauerstoff-Verbindungen einzelne Methoxygruppen vom Lignin ab. Dieser Prozess ist bisher vor allem bei knapp 300 Grad Celsius, erhöhtem Druck und Wasserstoffumgebung bekannt. In der Natur genügen Zimmertemperatur, Normaldruck und Anwesenheit von Wasser, selbst nach mehreren Trockenzyklen. Biologisch aktivere Böden setzten weniger Methanol frei, vermutlich weil Mikroorganismen die Verbindung als Energiequelle nutzen. Was das für Umwelt und Materialwissenschaft – Lignin ist als Abfallprodukt der Papierindustrie ein vielversprechender alternativer Rohstoff – bedeutet, ist Gegenstand künftiger Forschung.

Fraß unsere Sonne eine Supererde?

Im Gegensatz zu vielen anderen Sonnensystemen besitzt unseres keine Supererde. Wieso das so ist, fragen sich Astronomen seit vielen Jahren. Eine mögliche These ist, dass sie in jungen Jahren von der Sonne verschlungen wurde. Der türkische Forscher Prof. Mutlu Yildiz von der Ege-Universität hält dies für möglich und vermutet, dass die Sonne noch immer Spuren ihres Mahles in sich tragen könnte. So würden die subtilen Veränderungen der inneren Struktur der Sonne und ihr geringer Lithiumgehalt für das Verschlingen eines Planeten mit dem 5- bis 10-Fachen der Erdmasse sprechen. Ein endgültiger Beweis dafür könne laut den Forschern jedoch nie erbracht werden.

250 Jahre versteckt

Leopardus tilcayo schleicht sich als erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren in den Stammbaum der Tigerkatzen. Ihr hellbraunes Fell mit dunklen, unregelmäßigen Rosetten ermöglicht beste Tarnung in den bolivianischen Bergwäldern – und erschwerte Forschern die Unterscheidung von vier artverwandten Katzen, die erstmals 1775 vom Thüringer Mediziner und Naturforscher Johann Christian Daniel Scheber (1739-1810) beschrieben wurden. Mit „Tilcayo“ übernehmen die Entdecker jenen Namen, den Einheimische seit Generationen für die Wildkatze verwenden.

Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien.

Künstliches Knie im Gehirn

Abtrieb aus künstlichen Gelenken lässt sich im Gehirn ihrer Träger nachweisen. In einer Autopsiestudie mit 701 verstorbenen Menschen fanden Forscher des Rush University Medical Center um Robin Pourzal erhöhte Konzentrationen von Kobalt, Titan und typischen Legierungen von Implantaten. Dass sich derartige Partikel im benachbarten Gewebe ablagerten, ist seit Jahren bekannt, neu ist, dass sie auch ins Gehirn gelangen. Welchen Weg sie dorthin nehmen, vermag die neue Studie dennoch nicht sagen. Unsicher ist ebenfalls, ob erhöhte Werte im Gehirn zu Demenz beitragen. Bei Kobalt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang, bei Titan schon. Dies lasse sich aber nicht eindeutig auf künstliche Gelenke zurückführen, weil Titanverbindungen unter anderem auch in Nahrung und Medikamenten vorkommen.

Burg in Universität gefunden

Lange suchten Historiker nach der verschollenen Burg Roebuck. Jetzt hat der irische Archäologe Tadhg O’Keeffe vom University College Dublin Hinweise gefunden: aber nicht in Form von Schriftquellen, sondern von Mauern. Tatsächlich war die Burg aus dem 13. Jh. nicht wie viele andere abgerissen, sondern neu aufgebaut und später als archäologisches Institut der Universität verwendet worden. Detaillierte Malereien des Baus aus dem Jahr 1765 machten es möglich, die unter dem Putz verborgen mittelalterlichen Strukturen wiederzuentdecken. Jetzt können Studenten ihre Zeit in dem einstigen Burghof verbringen, der heute der Innenhof ihrer Universität ist.

Zeichnung der Burg Roebuck von dem Maler Gabriel Beranger aus dem Jahr 1768.

Dicker ist besser

Moderne Batterien bestehen aus sehr vielen, sehr dünnen Schichten. Dabei wechseln sich Kathode und Anode sowie Stromleiter und Trennschichten ab. Dieser Aufbau ermöglicht hohe Leistungen, die vielen inaktiven Schichten benötigen jedoch ihrerseits Platz. Forscher um Dr. Oliver Fitz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Dicken einzelner Schichten „von bisher üblichen 100 bis 200 Mikrometer auf bis zu 800 Mikrometer“ vervielfacht, die Zahl nötiger Schichten reduziert und dadurch Material gespart. Auf demselben Bauraum und bei gleichem Gewicht wird so mehr Platz für aktives Material. Das erhöht die Energiedichte um rund 10 bis 15 Prozent. Obgleich die Fertigung auf einer „industrienahen Fertigungslinie“ erfolgte, sei weitere Forschung nötig.

Menschliche Zellen in Mäusen

Neurologische Erkrankungen sind schwer zu untersuchen, da das Gehirn komplex und sein lebendes Gewebe fast unzugänglich ist. US-amerikanische Forscher um Prof. Sergiu Pașca von der Stanford Medicine haben dennoch eine Möglichkeit gefunden. Dafür haben sie genetisch veränderte Mäuse erzeugt und ihnen funktionsfähige menschliche Hirnorganoide eingepflanzt. Danach wurden die Nager mit Sauerstoffmangel konfrontiert, der nachweislich zu neurologischen Schäden führt. Der Versuch zeigte funktionelle Einschränkungen bei den menschlichen Gehirnzellen, nicht aber bei normalen Mäusen, was auf die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns hindeutet. Künftig wollen die Mediziner mit dieser Methoden Epilepsie, Autismus und andere Krankheiten erforschen.

Für den Tierversuch wurden die Mäuse so genetisch verändert, dass der Großteil ihres Neokortex und Hippocampus nicht gebildet wurde.

Foto: JacobStudio/iStock

Schon gewusst? Heißes Eis im All

Bei Eis denken wir zunächst an gefrorene Würfel, die wir in ein kaltes Getränk geben. Doch auf den Gasplaneten Neptun und Uranus gibt es auch heißes, flüssiges Eis. Dieser nach irdischem Maßstab seltsame Zustand liegt an der immensen Hitze und des enormen Drucks. Dadurch sind Sauerstoffatome in einem festen Gitter gebunden, während Wasserstoffkerne wie eine Flüssigkeit frei durch sie hindurchfließen können, und sich sogenanntes superionisches Eis bildet.

Nicht alle Wege führen nach Rom

Verkehrstechnisch gilt Rom heute als Mittelpunkt des Römischen Reiches. Das haben dänische Forscher der Universität Aarhus widerlegt, indem sie 300.000 Kilometer des antiken Straßennetzes untersuchten. Dabei entdeckten sie, dass nicht alle Straßen gerade verliefen, sondern sich – wo nötig – der Landschaft anpassten und Provinzhauptstädte oft wichtige Knotenpunkte waren. Doch nicht Rom spielte eine dominierende Rolle, sondern die spätantike Hauptstadt Konstantinopel. Und noch etwas zeigte sich: Römische und heutige Ingenieure nutzten nicht selten die gleichen Strecken, sodass die moderne Infrastruktur wortwörtlich Parallelen zur antiken aufweist.

Rekonstruierter Verlauf der 299.171 Kilometer römische Straßen, die in der Studie untersucht wurden.

Foto: Pažout et al. (2026) | CC BY 4.0 ; Zuschnitt Epoch Times

Jahrelange Nachbeben nach Atomwaffentest

Nordkorea führte 2006 bis 2017 sechs unterirdische Kernwaffentests durch. Unmittelbar danach traten zahlreiche kleinere Erdbeben auf, die Spannungen und Einstürze im Untergrund zeigten, binnen Wochen jedoch abklangen. Am 2.205 Meter hohen Mantapsan nahm die seismische Aktivität hingegen bis 2025 zu. „Besonders bemerkenswert“ ist laut Prof. Kwang-Hee Kim von der Pusan National University, dass die „Erdbeben mit der Zeit eine zunehmend deutliche Verteilung entlang bestehender Störungen“ zeigten, was auf eine Reaktivierung der geologischen Bruchzonen durch die Sprengungen deute. Aufgrund unterschiedlicher Geologie lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf andere Testgelände übertragen, erfordern zugleich aber eine langfristige Überwachung – auch bei weniger intensiven Bodennutzungen.

Erster Riese Europas

Unser Kontinent ist um einen Dinosaurier reicher: Paläontologen haben in Spanien die fossilen Überreste eines Diplodocus entdeckt. Dieser gehört zu den Sauropoden, im Volksmund auch Langhälse genannt, und war bislang ausschließlich aus Fundstellen in den USA bekannt. Der 25 Meter lange Gigant wanderte vor 150 Millionen Jahren zwischen den heute voneinander getrennten Kontinenten Europa und Nordamerika umher. Die Fossilien sind derzeit im Dinosaurier-Saal des Museo Aragonés de Paleontología in Dinópolis bei Teruel, Ostspanien, öffentlich ausgestellt.

Künstlerische Darstellung eines Diplodocus.

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Rooibos-Tee: Das gesundheitliche Potenzial von Südafrikas Nationalgetränk


In Kürze:

  • Rooibos ist das koffeinfreie und tanninarme Nationalgetränk Südafrikas.
  • Er ist reich an antioxidativen Verbindungen, die laut ersten Studien dazu beitragen können Entzündungen zu lindern und Blutgefäße und Gehirnzellen zu schützen.
  • Es gibt roten und grünen Rooibos, die sich im Geschmack und in ihren Eigenschaften unterscheiden.
  • Doch nicht nur die Art von Rooibos, sondern auch die Zubereitungsmethode kann Inhaltsstoffe und Geschmack beeinflussen.

 
In den Cederbergen Südafrikas färbt sich ein spindeldürrer grüner Strauch tief rotbraun, wenn er in der Sonne trocknet.
Dieser Strauch ist Aspalathus linearis, besser bekannt als Rooibos. In freier Natur wächst er nirgendwo sonst auf der Welt. Seit Generationen ist er Südafrikas alltäglicher Tee – koffeinfrei, tanninarm und von Kindheit an ein fester Bestandteil des Familienlebens.
Rooibos

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Marthane Swart

Nun untersuchen Wissenschaftler genauer, was tatsächlich in einer Tasse Rooibos-Tee steckt. Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass seine antioxidativen Verbindungen mehr können als nur den Durst zu stillen. 

Was in Rooibos drinsteckt

Rooibos

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Marthane Swart

Rooibos-Tee gibt es in zwei Varianten: fermentiert (rot) und unfermentiert (grün). Beide sind reich an polyphenolischen Antioxidantien – pflanzlichen Verbindungen, die freie Radikale neutralisieren und dadurch laut Untersuchungen vor Entzündungen und Zellschäden schützen. Dazu gehören unter anderem die Pflanzenstoffe Aspalathin, Nothofagin und Quercetin.
Aspalathin und Nothofagin kommen vorwiegend in grünem Rooibos vor und in der Natur sonst fast nirgendwo. Beide sind starke Antioxidantien und Entzündungshemmer.
In einer Studie reduzierten die beiden Verbindungen zusammen Entzündungen der Blutgefäße in menschlichen Zellen und bei Mäusen, die durch einen hohen Glukosespiegel verursacht wurden. Das ist ein Ergebnis, das laut den Forschern auf zukünftige Behandlungsmöglichkeiten für Diabetesfolgeerkrankungen hindeuten könnte.
Quercetin ist bekannt für seine starken antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen, die die Zellen vor Schäden schützen und die Herzgesundheit unterstützen.
In Studien am Menschen verbesserte Rooibos die Cholesterinwerte und senkte den Blutzucker. Die Wirkungen zeigten sich sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Personen mit bestehenden chronischen Erkrankungen.
Studien weisen auf positive Effekte in folgenden Bereichen hin:
Ferner sei Rooibos in Südafrika bei Ausdauersportlern beliebt, da er koffeinfrei und reich an Antioxidantien sei, schrieb Marthane Swart in einer E-Mail an Epoch Times.
„Experimentelle Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass Rooibos körperliche Ermüdung bei wiederholtem, anstrengendem Training verringern und einen gewissen Schutz vor den Auswirkungen großer Höhen bieten könnte“, so das Sekretariat des South African Rooibos Council.

Potential für das Gehirn

Ein weiterer Bereich der Rooibos-Forschung ist die Auswirkung auf das Gehirn. Laut ersten Untersuchungen in Labor-, Zell- und Tiermodellen könnten die in Rooibos enthaltenen Verbindungen das Gehirn schützen.
Forschungsergebnisse zeigen, dass die einzigartigen Polyphenole in Rooibos, wie Aspalathin und Nothofagin, dazu beitragen können, 
  • Entzündungen im Gehirn zu reduzieren,
  • oxidativen Stress zu verringern
  • Mechanismen zu modulieren, die mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung stehen.
Wie die medizinische Biochemikerin Taskeen Docrat in ihrer Metaanalyse aus dem Jahr 2024 feststellte, sind die neuroprotektiven Wirkungen von Rooibos nicht auf eine einzelne antioxidative Verbindung zurückzuführen.
„Die neuroprotektiven Wirkungen gehen wahrscheinlich auf das Zusammenspiel der gesamten Mischung der vorhandenen Verbindungen zurück“, schrieb Docrat in einer E-Mail an Epoch Times.
Dieser Mechanismus deutet laut Docrat auf drei Fähigkeiten von Rooibos hin:
  1. Entzündungen im Gehirn zu reduzieren.
  2. Oxidativen Stress zu lindern.
  3. Gesunde Mitochondrien – die energieproduzierenden Strukturen in den Zellen – zu unterstützen.
Der Metaanalyse zufolge weisen Studien darauf hin, dass Rooibos-Verbindungen reaktive Sauerstoffspezies neutralisieren und die Verarbeitung von Amyloid-beta im Gehirn beeinflussen können – jenem Proteinfragment, das als zentraler Auslöser der Alzheimer-Krankheit gilt, so die Biochemikerin.
Die meisten der in Docrats Übersichtsarbeit berücksichtigten Studien basieren jedoch auf Zell- oder Tiermodellen. Es bestehe Bedarf an weiterer klinischer Forschung, die sich speziell auf neurodegenerative Biomarker und kognitive Ergebnisse am Menschen konzentriere, fügte sie hinzu.

Rot oder grün: Was ist der Unterschied?

Rooibos

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Marthane Swart

Sowohl roter als auch grüner Rooibos stammen von derselben Pflanze. Der Unterschied zwischen den beiden Arten liegt in der Verarbeitung nach der Ernte.
Laut Swart wird roter Rooibos traditionell geschnitten, zerkleinert und befeuchtet, um anschließend oxidieren zu können. Durch diesen Prozess verfärben sich die Blätter von grün zu rotbraun, was dem Tee seinen milden, natürlich süßen Geschmack verleiht. Anschließend werden die Blätter in der Sonne getrocknet.
Bei grünem Rooibos entfällt der größte Teil dieser Oxidation. Er bleibt grün und schmeckt leichter und grasiger.
Da er weniger stark verarbeitet ist, enthält grüner Rooibos mehr Aspalathin und weist in Labortests im Allgemeinen eine stärkere antioxidative Wirkung auf. Roter Rooibos enthält jedoch ebenfalls viele nützliche Inhaltsstoffe. Zudem wird er von den meisten Menschen getrunken und ist am besten erforscht.

Wie man Rooibos aufbrüht

Rooibos

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Marthane Swart

Auch die Zubereitungsmethode kann die Inhaltsstoffe beeinflussen. Docrat empfiehlt, Rooibos fünf bis zehn Minuten in kochendem Wasser ziehen zu lassen, um möglichst viele Polyphenole, darunter auch Aspalathin, freizusetzen. Wie viel davon jedoch vom Körper beim Trinken tatsächlich aufgenommen werden kann, muss erst in weiteren Studien untersucht werden.
Im Gegensatz zu vielen Teesorten ist Rooibos von Natur aus tanninarm, sodass er selbst bei längerer Ziehzeit selten bitter wird. Tatsächlich bringe eine längere Ziehzeit, so Swart, eher seine natürliche Süße und seinen honigartigen Geschmack zur Geltung. 
In Südafrika wird er typischerweise pur oder mit Milch, Zitrone, Honig oder Zucker serviert. Auch wird er stark aufgebrüht auf Eis getrunken oder zu Cocktails, Lattes und einem südafrikanischen Favoriten verarbeitet: dem „roten Cappuccino“. Dabei ersetzt man den Kaffee durch Rooibos.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Rooibos Tea May Reduce Inflammation and Protect the Aging Brain“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Diese alltägliche Bewegung senkt das Risiko für Herzkrankheiten um fast 40 Prozent

Schon ein einfacher Gang über die Treppenstufen kann das Leben verlängern: Wer regelmäßig Treppen steigt, senkt sein Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 39 Prozent. Auch das allgemeine Sterberisiko sinkt um fast ein Viertel (24 Prozent). Das zeigt eine großangelegte Untersuchung im „American Journal of Cardiovascular Drugs“, für die Daten von über 480.000 Erwachsenen im Alter zwischen 35 und 84 Jahren über durchschnittlich 14 Jahre hinweg ausgewertet wurden.
„Treppensteigen ist eine praktische und oft unterschätzte Möglichkeit, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen“, betont Studienleiter Vassilios Vassiliou, Professor an der Norwich Medical School der University of East Anglia.

Wie viel Treppensteigen braucht das Herz wirklich?

Der Grund für den Effekt liegt laut den Forschern im hohen Kraftaufwand: Vertikale Bewegung verbraucht fast zehnmal so viel Energie wie ruhiges Sitzen. Solche kurzen, hochintensiven Belastungsspitzen stärken gezielt den Herzmuskel, vergrößern das Schlagvolumen und senken langfristig den Ruhepuls.
„Wer körperlich dazu in der Lage ist, findet im Treppensteigen ein einfaches und kostenloses Alltagstraining“, so Vassiliou. Die Daten zeigen ein klares Bild: Bereits der Schritt von gar keiner Bewegung zu gelegentlichem Stufensteigen senkt das Gesundheitsrisiko. Mehr Training bringt zwar meist noch mehr Nutzen – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt.
Laut einer der in der Analyse berücksichtigten Studien liegt das Optimum bei etwa sechs Treppenläufen am Tag. Für eine offizielle medizinische Empfehlung reicht die Datenlage jedoch noch nicht aus, da die anderen zugrundeliegenden Studien die Aktivität zu unterschiedlich erfassten. Eine exakte „Dosis“ lässt sich daraus bislang nicht ableiten.

Herzerkrankungen haben sich seit 1990 verdoppelt

Die Notwendigkeit einfacher Präventionsmaßnahmen ist hoch: Herzerkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Die Fallzahlen haben sich von 1990 bis 2019 fast verdoppelt.
Dass schon kleine Mengen an Bewegung wirken, belegen frühere Untersuchungen. So reichen bereits kurze Treppensteigintervalle an drei Tagen pro Woche aus, um die Ausdauerleistung innerhalb von sechs Wochen messbar zu steigern.

Passen Sie die Übungen an Ihre Bedürfnisse an

Treppensteigen trainiert Gesäßmuskeln, Oberschenkel, hintere Oberschenkelmuskulatur und Waden und erhöht gleichzeitig schnell die Herzfrequenz, sagte Denise Chakoian, zertifizierte Fitnesstrainerin, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times. Damit sei es sowohl für die kardiovaskuläre Fitness als auch für den Kraftaufbau nützlich.
Ihre Empfehlungen lauten wie folgt:
  • Fangen Sie klein an: Beginnen Sie mit ein paar Treppenläufen, anstatt sofort ein langes Treppentraining zu versuchen, besonders wenn Sie diese Aktivität nicht gewohnt sind.
  • Tragen Sie stabiles Schuhwerk: Wählen Sie Schuhe mit guter Bodenhaftung, um die Rutschgefahr zu verringern.
  • Nutzen Sie den Handlauf: Halten Sie sich am Handlauf fest, wenn Sie zusätzliche Stabilität benötigen, und achten Sie auf Ihren Tritt.
  • Hören Sie auf, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt: Brechen Sie das Training ab, wenn Sie Schwindel, ungewöhnliche Atemnot oder stechende Schmerzen verspüren, anstatt sich durchzubeißen.
  • Gönnen Sie Ihrem Körper Erholung: Planen Sie Zeit für die Erholung ein, denn wie bei jedem Training kann Überlastung ohne Pause zu Verletzungen führen.
Wer die Übung anspruchsvoller gestalten möchte, kann das Tempo erhöhen, weitere Treppenabsätze hinzunehmen oder einfach länger steigen, so Chakoian.
Personen mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Vorerkrankungen sollten jedoch vor Aufnahme eines neuen Trainings mit ihrem behandelnden Arzt Rücksprache halten.

Herz-Kreislauf-Fitness ohne Gelenkbelastung

Für Menschen mit Gelenkschmerzen oder eingeschränkter Mobilität ist das Treppensteigen oft besser verträglich als wiederholtes Treppenabsteigen, da das Absteigen die Knie stärker belastet, erklärte sie.
Alternativen mit geringerer Belastung wie Gehen auf ebenem Boden, Schwimmen, Wassergymnastik, das Training auf dem Fahrradergometer und Kraftübungen im Sitzen können ähnliche Vorteile bieten, ohne die Gelenke zu belasten.
„Das Ziel ist es, eine Bewegungsform zu finden, die Ihre Muskeln und Ihr Herz fordert, ohne Ihre Gelenke zu überlasten oder Sie einem Sturzrisiko auszusetzen“, sagte Chakoian.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Climbing Stairs Cuts Heart Disease Death Risk by Nearly 40 Percent“. (deutsche Bearbeitung: kr)
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Ihr neues Symptom könnte von Ihrem alten Medikament kommen

Ein 87-jähriger Mann wird wegen einer COVID-19-Infektion im Krankenhaus behandelt. Da sein Gedächtnis bereits vor der Erkrankung nachließ, reagiert er auf den Aufenthalt besonders empfindlich. Um die Infektion zu bekämpfen, verabreichen die Ärzte Steroide. Diese haben allerdings unerwünschten Nebenwirkungen: Der Patient wird zunehmend verwirrt, versucht nachts aus dem Bett zu steigen und setzt sich gegen das Pflegepersonal zur Wehr. Schließlich muss eine Sitzwache für seine Sicherheit sorgen.

Zur Unterstützung wird Dr. George Hennawi, Leiter eines medizinischen Zentrums für Altersmedizin (Geriatrie) und Seniorenversorgung, hinzugezogen. Zu diesem Zeitpunkt hat der Patient bereits ein Beruhigungsmittel erhalten.

Hennawis Team analysiert den bisherigen Behandlungsverlauf und identifiziert die Steroide als Ursache. Die Ärzte reduzieren die Dosis und verlegen die Einnahme auf den Morgen, um den Schlafrhythmus nicht zu stören.

„Schritt für Schritt kehrte der Patient zu seinem gewohnten Zustand zurück. Wir konnten die Dauerbewachung beenden und ihn wieder mobilisieren“, berichtet der Altersmediziner.

Der Fall illustriert ein typisches Dilemma der Geriatrie: die sogenannte Prescribing Cascade (Verschreibungskaskade). Dabei werden Nebenwirkungen eines Medikaments fälschlicherweise als neue Symptome gedeutet und mit weiteren Arzneimitteln behandelt.

Gefährliche Kaskaden in der Altersmedizin

Eine Studie mit fast 2,3 Millionen älteren Erwachsenen, die im BMJ veröffentlicht wurde, quantifizierte, wie häufig bestimmte Muster bei der Medikamentengabe auftreten. Die Forscher gingen von 65 vermuteten Medikamentenkombinationen aus. Sie fanden 24 solcher Kombinationen mit hoher Priorität, in denen auf ein Medikament häufig ein anderes folgte, das zur Behandlung einer bekannten Nebenwirkung des ersten eingesetzt wurde.
  • An erster Stelle standen Eisenpräparate: Fast 12 Prozent der älteren Erwachsenen, die neu mit der Einnahme von Eisen begannen, etwa einer von acht, erhielten innerhalb eines Jahres ein rezeptpflichtiges Abführmittel.
  • Als Nächstes folgten Statine: 10,9 Prozent der Erstnutzer, etwa einer von neun, erhielten ein Rezept für ein Schmerzmittel. Statine gehörten zudem zu den am häufigsten genutzten Medikamenten in der Studie und wurden 55 Prozent der älteren Erwachsenen verschrieben.
  • An dritter Stelle stand eine Kombination, die besonders für Familien bedeutsam ist, die jemanden mit Demenz pflegen. Etwa einer von zehn Menschen, die neu mit einem Cholinesterase-Hemmer – einer Wirkstoffklasse, zu der auch Donepezil gehört – begannen, bekam innerhalb eines Jahres ein Schlafmittel verschrieben. Das ist deshalb wichtig, weil manche Schlafmittel selbst die kognitiven Fähigkeiten älterer Erwachsener beeinträchtigen können.
  • Etwa 7,5 Prozent der Menschen, die mit einem Kalziumkanalblocker wie Amlodipin, einem gängigen Blutdruckmedikament, das zu Schwellungen an den Knöcheln führen kann, begannen, erhielten innerhalb eines Jahres ein Diuretikum (entwässerndes Medikament) verschrieben.
  • Fast jeder 18. neue Steroid-Anwender erhielt ein Schlafmittel.
  • Etwa jeder 15. Mensch, der mit einem Entzündungshemmer wie Naproxen begann, bekam einen Magenschutz, und drei Prozent erhielten ein neues Blutdruckmedikament.
Hennawi beobachtet diese Ketten schon seit Jahren.
„Was mich am meisten überraschte, waren nicht die spezifischen Kaskaden an sich, sondern das Ausmaß des Problems“, sagte er. Die Studie „hat Verschreibungskaskaden von einem konzeptionellen zu einem messbaren Problem gemacht.“

Warum der Zusammenhang übersehen wird

Bei älteren Erwachsenen ähneln Nebenwirkungen oft den Symptomen des Alterns.
„Schwindel, Schwellungen, Harnwegsbeschwerden, Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Verstopfung sind allesamt häufige Beschwerden“, sagte Hennawi. „Ohne eine sorgfältige Überprüfung der Medikation neigt man leicht dazu, eine neue Diagnose als Ursache anzunehmen, obwohl die Antwort möglicherweise in der Medikamentenliste zu finden ist.“
Die Erkenntnis zu Statinen stieß auf größere Skepsis. Fast 11 Prozent der Menschen, die mit der Einnahme eines Statins begannen, erhielten später ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel.
„Ich glaube, was mich am meisten überrascht hat, war der Zusammenhang zwischen Statinen und Schmerzmitteln“, sagte Judith Beizer, eine klinische Pharmazeutin und Professorin an der St. John’s University.
Dr. Ann Marie Navar, Kardiologin am UT Southwestern Medical Center, warnte davor, diese Zahl als Beweis dafür zu werten, dass Statine Muskelschmerzen verursachen. Beschwerden des Bewegungsapparats seien bei älteren Erwachsenen häufig, sagte sie, und fast ebenso viele Menschen in der Studie hätten bereits vor der Einnahme des Statins mit einem Schmerzmittel begonnen wie danach.
„Ich halte es für weit hergeholt, diese Zusammenhänge als kausal zu betrachten“, erklärte Navar gegenüber der Epoch Times in einer E-Mail.
Diese Unsicherheit wirkt in beide Richtungen.
Für einen Patienten ist die praktische Frage einfacher. Wenn Beinschmerzen nach Beginn der Statin-Einnahme auftreten, lohnt es sich, den zeitlichen Zusammenhang zu beachten, anstatt anzunehmen, die Schmerzen seien einfach Teil des Alterungsprozesses.
Andere bekannte Nebenwirkungen bleiben unerkannt. Ein trockener Husten durch einen ACE-Hemmer wie Lisinopril ist eine der Nebenwirkungen, die bereits früh in der medizinischen Ausbildung vermittelt werden. Dennoch erhielten 2,1 Prozent der Erstanwender in der Studie später ein Hustenmittel.
Dr. Aaron Troy, klinischer und wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Fachbereichen Kardiologie und Geriatrie an der Johns Hopkins School of Medicine, sagte gegenüber der „Epoch Times“, dass Patienten, bei denen nach Beginn der Einnahme von Lisinopril ein Husten auftritt, fragen sollten, ob das Medikament dafür verantwortlich sein könnte – und ob ein alternatives Medikament wie Losartan besser geeignet wäre.
Manche Symptome lassen sich schwer zurückverfolgen. Dr. Nancy Schoenborn, Geriaterin an der Johns Hopkins, wies auf mehrere Kettenreaktionen hin, die mit einem Medikament gegen Übelkeit enden. Übelkeit „ist ein ziemlich unspezifisches Symptom“, erklärte sie der Epoch Times in einer E-Mail, insbesondere wenn die Einnahme des ersten Medikaments bereits Monate zuvor begonnen hatte.
Depressionen könnten ein weiterer blinder Fleck sein. Etwa jedem 16. neuen Opioid-Anwender und jedem 19. neuen Betablocker-Anwender wurde innerhalb eines Jahres ein Antidepressivum verschrieben. Ärzte denken bei diesen Medikamenten schnell an Müdigkeit oder Schwindel, so Schoenborn, aber „eine Depression wird seltener als Nebenwirkung in Betracht gezogen“.
Auch der zeitliche Verlauf verschleiert die Spur. Die Forscher stellten fest, dass manche Kettenreaktionen schnell auftreten, während andere erst nach Monaten sichtbar werden.
„Zeit ist wahrscheinlich das größte Hindernis“, sagte Hennawi.
Ältere Erwachsene haben möglicherweise lange Medikamentenlisten und mehrere Fachärzte, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten Medikamente verschreiben. In einem kurzen Arztbesuch kann es schwierig sein, nachzuvollziehen, wann ein Symptom begann und was sich unmittelbar davor geändert hat.
Jemand sollte die gesamte Liste im Blick behalten, erklärte Dr. Dave Rakel, Lehrstuhlinhaber für Familienmedizin an der University of Wisconsin School of Medicine and Public Health, gegenüber der Epoch Times.
Diese Aufgabe obliegt dem Hausarzt, dem „Quarterback der Versorgung“, der den Überblick behält und Medikamente absetzen kann, die Wechselwirkungen zeigen oder nicht mehr benötigt werden, so Rakel. Seine Praxis versuche, diese Überprüfung bei jedem Besuch durchzuführen. Ein Apotheker im Hausarztteam sei dabei hilfreich, sagte er.

Wann das zweite Medikament sinnvoll ist

Aus den Verschreibungsunterlagen geht nicht hervor, warum das zweite Medikament hinzugefügt wurde.
„Diese Studie identifiziert Muster und Zusammenhänge, nicht einzelne Verschreibungsentscheidungen“, sagte Hennawi.
Manchmal ist das zweite Medikament genau das, was der Patient braucht.
Beizer verwies auf Eisen. Verstopfung sei zu erwarten, sagte sie, daher könne ein Abführmittel bewusst hinzugefügt werden. Dasselbe geschehe oft bei Opioiden nach einer Operation.
In anderen Fällen ist es besser, das erste Medikament noch einmal ärztlich überprüfen zu lassen. Wenn Amlodipin geschwollene Knöchel verursacht, würde Schoenborn es vorziehen, auf die Zugabe eines Diuretikums zu verzichten.
„Ich würde lieber prüfen, ob wir die Schwellung durch einen Wechsel beseitigen können, anstatt ein weiteres Medikament hinzuzufügen“, so ihre Einschätzung.
Die Schwellung kann jedoch auch eine andere Ursache haben. Atemnot oder eine sich verschlimmernde Schwellung sollten Anlass zu einer genaueren Untersuchung geben, anstatt einfach davon auszugehen, dass Amlodipin schuld ist, sagte Troy.
Manchmal gibt es keinen guten Ersatz für das ursprüngliche Medikament. Dann stellt sich die Frage, ob die Nebenwirkung störend genug ist, um sie zu behandeln.
„Manchmal ziehen es die Menschen vor, keine Wellen zu schlagen“, sagte Schoenborn.

Was kann ein Patient tun?

Wenn ein neues Symptom auftritt, fragen Sie zunächst: Was hat sich unmittelbar davor geändert?
Ein Medikament, das Tage oder Wochen zuvor eingenommen wurde, kann leicht in Vergessenheit geraten. Hennawi rät Patienten und Angehörigen, eine einfache Frage zu stellen: „Ist es möglich, dass mein Symptom oder das meines Angehörigen mit einem Medikament zusammenhängt?“
Dann sollte man sich die gesamte Liste ansehen. Patienten können einen Termin speziell zur Überprüfung ihrer Medikamente vereinbaren, sagte Rakel.
Hennawi empfiehlt, die Originalverpackungen – einschließlich rezeptfreier Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel – mindestens ein- bis zweimal im Jahr und immer dann mitzubringen, wenn ein neues Symptom auftritt. Man sollte wissen, warum jedes einzelne Medikament da ist, wann die Einnahme begonnen wurde und ob es noch seine Wirkung entfaltet.
Anhand dieser Aufzeichnungen, so sagte er, könne der Arzt beispielsweise die Medikation anpassen oder absetzen, „anstatt ein weiteres Mittel hinzuzufügen“.
Er hat erlebt, warum das wichtig ist. Ein Patient, der mit Schwäche zu ihm kam, nahm zwei Cholesterinmedikamente ein, obwohl ihm gesagt worden war, eines davon abzusetzen. Hennawi hat alte Rezepte entdeckt, die noch immer verwendet wurden, sowie Produkte, von denen das medizinische Team nichts wusste.
Auch der 70-Jährige mit den schmerzenden Beinen hat Optionen. Beizers Rat lautet, weder die Zähne zusammenzubeißen und es zu ertragen, noch die Tablette abzusetzen. Fragen Sie den Arzt nach einer niedrigeren Dosis oder einem anderen Statin; theoretisch sollten die Medikamente gleich wirken, sagte sie, aber Menschen reagieren unterschiedlich darauf. Wenn kein Statin verträglich ist, gibt es andere Cholesterinmedikamente.
Die Fragen können schon am Apotheken-Schalter beginnen, noch bevor man die erste Tablette einnimmt. Fragen Sie, welche Nebenwirkungen am wahrscheinlichsten sind und was man tun kann, wenn eine auftritt.
Rakel bringt es auf eine Frage auf den Punkt: „Was sind die Nebenwirkungen, und wie kann ich am besten damit umgehen?“
Wenn möglich, sollte man immer dieselbe Apotheke aufsuchen, damit der Apotheker einen besseren Überblick über das Gesamtbild erhält. Falls einige Medikamente per Post zugestellt werden, sollte man sicherstellen, dass die Apotheke vor Ort darüber informiert ist.
Wenn man den Verdacht hat, dass ein Medikament ein Problem verursacht, „sollte man es nicht eigenmächtig absetzen“, sagte Beizer.
„Sprechen Sie mit Ihrem Apotheker“, sagte Beizer. „Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.“
Ein Arzt kann das Medikament wechseln oder die Dosis senken. Oder er kommt in manchen Fällen zu dem Schluss, dass das ursprüngliche Medikament wichtig genug ist, um es beizubehalten.
Genau diese Abwägung möchte Hennawi den Patienten näherbringen.
„Viele Medikamente sind äußerst nützlich“, sagte er. „Das Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Symptome richtig interpretiert werden und dass jedes Medikament weiterhin mehr Nutzen als Schaden bringt.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Your New Symptom Might Be Your Old Prescription“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Was beim Herzinfarktrisiko wirklich zählt


In Kürze:

  • Lipoprotein(a) ist weitgehend genetisch bestimmt und gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen.
  • Medikamente reduzieren den Lp(a)-Wert teils deutlich, zeigen aber keine signifikante Minderung des Risikos.
  • Bilder der Blutgefäße und Blutdruck liefern die Ausgangssituation, denn Erkrankungen finden nicht auf dem Papier statt.
  • Die Behandlung sollte zudem Ursachen berücksichtigen: Welche Faktoren treiben bei genau diesem Menschen die Gefäßerkrankung voran?

 
„Operation gelungen, Patient tot.“ Natürlich ist das für das folgende Beispiel eine Zuspitzung. In der betreffenden Studie sind selbstverständlich nicht die Patienten gestorben. Aber der bekannte Spruch beschreibt ein Problem ziemlich treffend, welches uns in der Medizin immer wieder begegnet: Man verändert einen Messwert – mit durchaus eindrucksvollem Ergebnis – und stellt anschließend fest, dass der Patient davon gar nicht den erhofften Nutzen hat.
Das jüngste Beispiel betrifft das Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Dieser Blutwert ist in den vergangenen Jahren geradezu zum neuen Star der Herz-Kreislauf-Medizin aufgestiegen. Lp(a) ist weitgehend genetisch bestimmt und gilt als Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Gefäßerkrankungen.
Etwa jeder fünfte Mensch weist erhöhte Werte auf. Entsprechend groß ist natürlich das Interesse an Medikamenten, die Lp(a) gezielt senken sollen. Ob das den Geschäftsinteressen von „Big-Pharma“ oder echtem Interesse an Heilung von Patienten geschuldet ist, lasse ich mal dahingestellt. Vermutlich ist es beides.

Das Medikament Pelacarsen im Test

Jedenfalls heißt eines dieser (neuen) Medikamente Pelacarsen. Der Wirkstoff greift direkt in die Bildung des Apolipoprotein(a) ein. In früheren Studien ließ sich der Lp(a)-Wert damit deutlich reduzieren. Das klingt zunächst hervorragend.
Also wurde Pelacarsen in einer großen Studie mit mehr als 8.000 Patienten geprüft, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten. Die entscheidende Frage lautete nun nicht mehr, ob der Laborwert sinkt, sondern ob die Patienten tatsächlich weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle erleiden.
Am 4. September 2026 kam die Antwort: Der primäre Studienendpunkt wurde nicht erreicht. Pelacarsen senkte zwar Lp(a), konnte aber gegenüber dem Placebo keine statistisch signifikante Verminderung des kombinierten Risikos aus Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und dringlichen Eingriffen an den Herzkranzgefäßen zeigen. Die ausführlichen Studiendaten stehen noch aus.
Ich würde aus dieser ersten Meldung deshalb nicht ableiten, Lp(a) spiele überhaupt keine Rolle. Aber das Ergebnis erinnert an eine medizinische Grundregel, die erstaunlich häufig vergessen wird. Ein besserer Laborwert ist nicht automatisch ein „gesünderer Patient“.

Laut RKI sind 40 Prozent der Todesfälle in Deutschland auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen.

Foto: ximushushu/iStock

Wir behandeln Menschen – keine Laborzettel

Nicht dass wir uns falsch verstehen. Ich halte Lipoprotein(a) durchaus für einen interessanten und sinnvollen Risikomarker. Ein deutlich erhöhter Wert sollte ernst genommen werden. Was ich für problematisch halte, ist etwas anderes, nämlich die Fixierung auf einen einzelnen Messwert.
Heute ist es das Lp(a) – gestern war es LDL. Morgen ist es vielleicht irgendein neuer Entzündungsmarker. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass einige Patienten ihre Herzgesundheit auf einige wenige Zahlen reduzieren. Wenn man länger in der Medizin ist, lernt man, dass der Körper so nicht „funktioniert“.
Also ist ein Risikofaktor zunächst (nur) genau das: ein Risikofaktor. Er ist keine Diagnose und schon gar kein Schicksal. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie bekomme ich diesen einen Wert möglichst schnell herunter?“, sondern im Fall des Lp(a): Wie sehen die Gefäße dieses Patienten tatsächlich aus? Und: Welche Faktoren treiben bei genau diesem Menschen die Gefäßerkrankung voran?

Man kann die Gefäße tatsächlich anschauen

Dazu passt eine weitere aktuelle Untersuchung, die ich fast noch interessanter finde. Forscher untersuchten mehr als 16.000 Erwachsene ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung. Und sie machten etwas eigentlich sehr Naheliegendes: Sie schauten nach. Mit Ultraschall wurden Arterien untersucht, zusätzlich wurden die Herzkranzgefäße bildgebend beurteilt.
Das Ergebnis war mehr als interessant. Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer fanden sich bereits Anzeichen einer sogenannten subklinischen Atherosklerose – also Gefäßveränderungen, obwohl noch keine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung vorlag.
Genau hier liegt der berühmte Hund begraben. Die Atherosklerose, landläufig als Gefäßverkalkung bekannt, findet nicht auf dem Laborzettel statt. Diese findet in der Gefäßwand statt. Deshalb rate ich Patienten mit entsprechendem Risikoprofil dazu, sich die Gefäße einmal genauer anzusehen.
Ein Ultraschall der Halsschlagadern ist für mich eine der einfachsten Möglichkeiten, sich zunächst ein Bild von der Gefäßsituation zu machen. Moderne Geräte können Plaques und Veränderungen der Gefäßwand heute sehr gut darstellen. Dabei muss noch lange keine hochgradige Verengung von 70 oder 80 Prozent vorliegen. Schon vorhandene Ablagerungen zeigen, dass der Prozess der Arteriosklerose begonnen hat. Und genau diese Information sollte man einmal haben, damit man weiß, woran man ist.

Unter Plaque versteht man Einlagerungen in den Blutgefäßen.

Foto: Rasi Bhadramani/iStock

Blutdruck: banal, aber enorm wichtig

Dann kommt etwas, das sehr viel weniger modern klingt: der Blutdruck. Bluthochdruck gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Und trotzdem sehe ich immer wieder Patienten, die ihren Lp(a)-Wert auf drei Nachkommastellen kennen (ja ich übertreibe), aber nicht wissen, welchen Blutdruck sie morgens zu Hause haben. Dabei interessiert mich auch nicht unbedingt der einzelne Wert in der Arztpraxis.
Wer vorher zehn Minuten einen Parkplatz gesucht hat, zwei Stockwerke hochgelaufen ist und anschließend fünf Minuten im Wartezimmer über seinen nächsten Termin nachdenkt, liefert nicht zwingend seinen normalen Alltagsblutdruck ab. Regelmäßige häusliche Messungen oder gegebenenfalls eine 24-Stunden-Blutdruckmessung ergeben häufig ein wesentlich besseres Bild.
Dann die Blutfette. Auch dort sollte man nicht nur auf LDL starren. Mich interessieren je nach Ausgangslage auch Triglyceride, non-HDL-Cholesterin und das ApoB. ApoB kann einen Hinweis darauf geben, wie viele atherogene Lipoproteinpartikel tatsächlich unterwegs sind. Das ist gerade bei Menschen mit Stoffwechselstörungen oft aufschlussreich.

Was macht der Zuckerstoffwechsel?

Damit sind wir schon beim nächsten Punkt. Wie sieht der Zuckerstoffwechsel aus? Nüchternglukose und HbA1c liefern wichtige Informationen. Bei entsprechenden Hinweisen interessiert mich zusätzlich die Insulinsituation.
Insulinresistenz entsteht häufig Jahre, bevor der klassische Diabetes diagnostiziert wird. Ein Patient kann also noch „normale“ Zuckerwerte haben und trotzdem längst metabolisch in die falsche Richtung laufen. Typischerweise kommen dann Bauchfett, erhöhte Triglyceride, Bluthochdruck und Bewegungsmangel gleich im kompletten Paket daher. Aber genau das ist für die Gefäßgesundheit wesentlich relevanter als die verzweifelte Jagd nach ein paar Prozent weniger Lp(a).
Der unterschätzte Taktgeber: Warum der Blutzucker mehr steuert als nur Diabetes

Der Blutzucker ist mehr als ein Laborwert. Er zeigt, wie gut der Körper mit unserem modernen Alltag zurechtkommt.

Foto: Pakawadee Wongjinda/iStock

Und auch die fortlaufenden Entzündungsprozesse, die in gewisser Weise immer stattfinden müssen, sollte man nicht ignorieren. Ein dauerhaft erhöhtes hochsensitives CRP (hsCRP) kann zusätzliche Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko liefern. Aber auch hier gilt wieder: Ich möchte einen erhöhten Entzündungswert nicht einfach „wegtherapieren“. Ich möchte wissen, warum er erhöht ist.
Liegt Übergewicht vor? Wird geraucht? Besteht eine chronische Zahnfleischzündung? Gibt es eine Stoffwechselstörung? Eine entzündliche Erkrankung? Schlafmangel? Vielleicht sogar eine bislang nicht erkannte Schlafapnoe? „Entzündungen senken“ bedeutet für mich deshalb nicht, irgendeine Heilpflanze gegen Entzündungen einzunehmen. Es bedeutet zunächst, nach den Ursachen zu suchen.

Und dann kommt das Übliche …

Jetzt kommen die Maßnahmen, die seit Jahrzehnten bekannt sind und deshalb leider kaum noch Schlagzeilen machen: Nicht rauchen, regelmäßig bewegen, Muskulatur erhalten, übermäßiges Bauchfett abbauen, Blutdruck normalisieren, Stoffwechselstörungen behandeln, ausreichend schlafen, vernünftig essen.
Sie kennen das alles und es ist natürlich weniger aufregend als ein neuer Wirkstoff, der einen Laborwert um 80 oder 90 Prozent reduziert und der einem mit Werbung schmackhaft gemacht werden soll.
Übrigens: bei bestimmten Patienten können auch Fasten, eine bessere Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren oder der gezielte Ausgleich tatsächlicher Vitalstoffmängel wichtige Bausteine sein.
Dabei sollte man allerdings dasselbe Prinzip beachten. Omega-3 muss Lipoprotein(a) nicht senken, um beispielsweise bei stark erhöhten Triglyceriden interessant zu sein. Fasten muss Lp(a) nicht verändern, um bei Übergewicht, Insulinresistenz oder Bluthochdruck sinnvoll zu sein. Auch hier sollte man nicht den Fehler machen, eine sinnvolle Therapie danach zu beurteilen, ob genau jener Laborwert reagiert, auf den gerade alle schauen.

Wer natürliche, unverarbeitete Lebensmittel von guter Qualität wählt, macht bei seiner Ernährung wenig falsch.

Foto: thesomegirl/iStock

Fazit

Erfreulich an dieser Geschichte zum Pelacarsen ist: Man hat es offen gesagt. Der Wirkstoff senkt Lipoprotein(a) deutlich, aber der entscheidende klinische Nutzen ließ sich in dieser großen Studie nicht zeigen. Kein Herumreden, kein „Trend“, der irgendwie noch zum Erfolg umgedeutet wird. Der primäre Endpunkt wurde verfehlt. Das klingt zwar selbstverständlich, ist es aber nicht immer.
Es ist seit Langem bekannt, dass in der medizinischen Forschung Interessenkonflikte, selektive Veröffentlichungen und verschwundene negative Ergebnisse ein sehr reales Problem sind. Welche Studie publiziert wird, welche Daten hervorgehoben werden und was am Ende in einer Pressemitteilung steht, sind Fragen, die immer gestellt werden sollten. Aber das wäre der Stoff für eine eigene Kolumne.
Für heute reicht mir eine andere Erkenntnis. Wenn ein Medikament einen Laborwert eindrucksvoll verbessert, die Patienten aber nicht entsprechend profitieren, dann sollte uns das daran erinnern, worum es in der Medizin eigentlich geht. Nicht um schöne Laborwerte, sondern um Menschen, die möglichst keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen. Oder, um wieder beim alten Spruch vom Anfang zu landen: Die Operation mag gelungen sein, entscheidend ist trotzdem, wie es dem Patienten danach geht.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. Für Informationen zur Dosierung, Anwendung und unerwünschten Effekten von Heilpflanzen wird eine Beratung in der Apotheke empfohlen.
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Koriander – ein antikes Gewürz bis heute beliebt


In Kürze:

  • Koriander ist weltweit in vielen Küchen beliebt.
  • Blätter und Samen schmecken sehr unterschiedlich.
  • Korianderkörner sind Teil vieler Gewürzmischungen während die Blätter ähnlich wie Petersilie verwendet werden.
  • Koriander enthält antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle, schmerzstillende und krampflösende Inhaltsstoffe.

 
Koriander ist eines der ältesten und heute weltweit am häufigsten verwendeten Gewürze. Es ist vor allem aus der asiatischen und arabischen Küche bekannt. Sowohl die frischen Blätter als auch die Samen des Korianderkommen dabei in der Küche – und als Heilmittel – zum Einsatz.
Der Echte Koriander (Coriandrum sativum) gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und Nahen Osten. Bereits im Alten Ägypten wurde er als Gewürz und Heilpflanze, bei rituellen Räucherungen und als Grabbeigabe verwendet. Heute wird Koriander weltweit angebaut und ist aus zahlreichen Küchen nicht mehr wegzudenken.
Die einjährige krautige Pflanze wird 30 bis 70 Zentimeter hoch und riecht nach der Ausdünstung verschiedener Wanzenarten, was ihr auch den Namen Wanzenkraut oder Wanzendill einbrachte. Der Name Koriander leitet sich von dem griechischen Wort „Koris“ ab, was Wanze bedeutet. Weiter Trivialnamen sind Arabische Petersilie oder Schwindelkraut.
Sorten, die vorwiegend Samen ausbilden, gedeihen am besten an sonnig-warmen und geschützten Standorten. Blattkoriander hingegen bevorzugt halbschattige oder schattige Plätze im Gartenbeet. Generell benötigt Koriander nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden. Er eignet sich zudem gut als Mischkultur mit Kohlgemüse, das sein Duft Schädlinge wie die Kohlblattlaus oder den Kohlweißling abwehrt. Auch in Töpfen auf dem Balkon gedeiht Koriander sehr gut.

Blätter und Samen mit unterschiedlichem Aroma

Blätter und Samen haben einen intensiven Geschmack, der sich allerdings stark voneinander unterscheidet. Die frischen Korianderblätter haben einen frisch-zitronigen, würzigen, leicht pfeffrigen Geschmack, der für manche Menschen aufgrund der enthaltenen Aldehyde als seifig wahrgenommen wird und Abneigung hervorruft. Die Blätter werden in vielen Küchen Asiens und Afrikas wie Petersilie verwendet.
Koriandersamen haben hingegen ein warmes, leicht süßlich bis nussiges Aroma mit einer feinen Note von Orange. Sie harmonieren besonders gut mit Gewürzen wie Kreuzkümmel, Fenchel, Kurkuma, Zimt, Kardamom oder Ingwer und kommen daher häufig gemeinsam in Gewürzmischungen vor. Koriandersamen sind Basis vieler Currymischungen, ein traditionelles Gewürz für Brot und Gebäck und unverzichtbar im klassischen Lebkuchengewürz.

Inhaltsstoffe und volksheilkundliche Verwendungen

Koriander enthält zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Phenolsäuren, Phytosterole und Terpene, die laut Studien das Herz-Kreislauf-System und die Blutdruckregulation positiv unterstützen können. Zudem gilt Koriander aufgrund der enthaltenen Polyphenole als wertvolles Lebensmittel gegen das metabolische Syndrom und Diabetes.
Darüber hinaus enthalten Korianderblätter viele Vitamine wie Vitamin C und Folsäure sowie Chlorophyll. Koriandersamen sind zudem reich an ätherischen Ölen, deren Hauptbestandteil Linalool ist. Außerdem enthalten sie Cineol (Eukalyptol). Wissenschaftliche Untersuchen zeigen antimikrobielle, antioxidative, entzündungshemmende, krampflösende und beruhigende Eigenschaften der ätherischen Öle.
In der Volksmedizin kommen Koriandersamen unter anderem bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Durchfall, Appetitlosigkeit, Angststörungen, rheumatoider Arthritis sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden und bei Diabetes zum Einsatz. Ferner wird Koriander traditionell bei Nierenerkrankungen, Schlafstörungen und Übelkeit verwendet.

Koriander in der Küche

Koriandersamen können ganz oder gemahlen verwendet werden. Ein besonders intensives Aroma entsteht, wenn die ganzen Früchte vor der Verwendung ohne Fett geröstet werden. Wichtig dabei ist, die Pfanne zu schwenken, damit sie nicht anbrennen. Danach die Samen mörsern und alsbald verwenden.
Korianderkörner sind ein unverzichtbares Gewürz in indischen Linsendals, Currys, Eintöpfen und Suppen. Sie passen aber auch zu Fleisch, Fisch und Würsten und eignen sich zum Einlegen von Gemüse, da sie aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften zu einer besseren Haltbarkeit beitragen. Besonders gut harmonieren die Körner zu Blumenkohl und anderen Kraut- und Kohlgerichten sowie zu Karotten, Kürbis, Süßkartoffeln und Kartoffeln. Vielen sind die Samen zudem als klassisches Brotgewürz vertraut. In süßen Speisen wird Koriander vor allem für Lebkuchen und Gewürzkuchen oder -kekse in Kombination mit Ingwer, Zimt und Kardamom verwendet.
Das Koriandergrün wird gerne in den Küchen Indiens, Chinas, Thailands und Vietnams zum Garnieren und für Salate verwendet. Oft werden Blattgrün und Samen in einem Gericht verwendet – richtig dosiert ergänzen sie sich. Überdies kommt die Korianderwurzel vor allem in der thailändischen Küche als Basis für Würz- und Currypasten zum Einsatz.
Hinweis: Wie auch bei anderen Kräutern können manche Menschen auf Koriander allergisch reagieren, sowohl auf die Blätter als auch auf die Samen. Besonders Menschen mit Allergien gegen andere Doldenblütler wie Sellerie, Beifußpollen, Petersilie oder Kümmel. Dies kommt allerdings selten vor.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Fehldiagnose Demenz? Erfahren Sie, welche Faktoren Vergesslichkeit auslösen können

Ich erinnere mich genau an den Moment, als Herr K. meine Praxis betrat. Er war 72 Jahre alt, ein Mann, der früher ganze Werkhallen leitete, Maschinen reparierte, Probleme löste, bevor andere sie überhaupt bemerkten.
Doch an diesem Morgen stand er vor mir wie ein Mensch, der sich selbst verloren hatte. Seine Hände zitterten leicht, nicht aus körperlicher Schwäche, sondern aus einer Angst, die tiefer ging als jede Krankheit. Als er sich setzte, sah er mich an, und in seinen Augen lag eine Frage, die er nicht auszusprechen wagte: „Verliere ich mich jetzt?“
Er erzählte stockend, wie er in den letzten Monaten Termine vergessen, Namen durcheinandergebracht und Wege, die er seit Jahrzehnten kannte, nicht mehr gefunden hatte. Eine neurologische Kurzdiagnose hatte zudem den Verdacht auf beginnende Demenz in den Raum gestellt.
Herr K. sagte mir, er habe sich in diesem Moment gefühlt, als würde jemand einen Vorhang über sein Leben ziehen. Und während er sprach, spürte ich, wie in mir eine Mischung aus Mitgefühl und kritischer Wachsamkeit entstand, denn manchmal fällt die Diagnose Demenz bei Vergesslichkeit im Alter zu schnell.

Die Biochemie des Vergessens ganzheitlich betrachtet

In der ganzheitlichen Medizin beginnt jede Diagnose jedoch mit der Frage: „Warum?“ Nicht: „Wie benennen wir es?“
Herr K. zeigte Symptome der Verwirrtheit und des Vergessens, die oft mit Demenz in Verbindung gebracht werden. Aber in unserem Gespräch zeigte sich beispielsweise, dass Herr K. seit Monaten schlecht schlief. Er wachte mehrmals pro Nacht auf und fühlte sich morgens wie „verkatert“.
Untersuchungen zeigen, dass fragmentierter Schlaf die Gedächtnisleistung messbar reduziert und Symptome erzeugen kann, die einer Demenz ähneln. In einem standardisierten Demenztest kommen jedoch Fragen wie „Wie viele Stunden Schlaf man nachts bekommt“ oder „Ob man gut durchschläft“ nicht vor.
Ich fragte ihn nach seinem Schlafrhythmus, nach nächtlichem Grübeln, nach Atemaussetzern, nach Medikamenten, die den Schlaf beeinflussen könnten. Zudem weiß ich: Wer Schlaf verstehen will, muss ihn messen.
In der Praxis beinhaltet das oftmals eine umfassende Diagnostik. Darunter eine Untersuchung der nächtlichen Sauerstoffsättigung, eine Analyse des Cortisol-Tagesprofils sowie die Frage nach der Melatoninproduktion, die sich indirekt über den Schlaf-Wach-Rhythmus erkennen lässt. Schon kleine Störungen können dazu beitragen, kognitive Symptome zu verstärken.

Die unterschätzte Rolle von Entzündungen, Ernährung und Lebensstil

Ebenso wichtig war ein Blick auf seine Laborwerte. Denn oft wird unterschätzt, wie stark biochemische Dysbalancen das Gehirn beeinflussen. Auch hier ist eine umfassende Diagnostik, darunter die Einbeziehung der offiziellen Leitlinien für Demenzuntersuchungen, unverzichtbar.
Im Fall von Herrn K. ließ ich folgende Werte bestimmen:
  • Vitamin D
  • Vitamin B12
  • Homocystein (ein Stoffwechselprodukt, das bei einer zu hohen Menge im Blut die Gefäße schädigen kann)
  • C-reaktives Protein (CRP) als Entzündungsmarker
  • die Schilddrüsenwerte TSH, fT3 und fT4
  • sowie die Blutzuckerregulation über HbA1c.
Eine Studie aus dem Jahr 2020, die im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht wurde, zeigte, dass bis zu 40 Prozent der Demenzfälle durch modifizierbare Faktoren beeinflusst werden können, die das Erkrankungsrisiko reduzieren oder verzögern, darunter auch genau jene Parameter, die bei Herrn K. nun untersucht wurden.
Als seine Laborwerte vorlagen, ergab sich für mich ein klares Bild: Vitamin D war deutlich erniedrigt, Homocystein erhöht, CRP grenzwertig, die Schilddrüse arbeitete verlangsamt.
Alles Faktoren, die das Gehirn belasten können.

Stille Entzündungen

Besonders eindrucksvoll war für mich die Primärstudie von Walker und Kollegen von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health aus dem Jahr 2017, die zeigte, dass erhöhte Entzündungsmarker wie CRP über Jahre hinweg messbare strukturelle Veränderungen im Gehirn verursachen können.
Die Forscher konnten mittels MRT nachweisen, dass chronische Entzündung nicht nur ein Begleitphänomen des Alterns ist, sondern ein aktiver Treiber neurodegenerativer Prozesse. Genau auf solche stillen Entzündungen konnte man auch anhand der Laborergebnisse bei Herrn K. rückschließen.

Ernährung

Ein weiterer oft unterschätzter Faktor ist die Ernährung. Studien belegen, dass eine mediterrane Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, frischem Gemüse, Olivenöl und Nüssen, die kognitive Leistungsfähigkeit signifikant verbessern kann. Herr K. aß hingegen oft spät, selten frisch und häufig industriell verarbeitet. Also praktisch das Gegenteil dessen, was in der mediterranen Ernährung, die besonders gut für das Gehirn gilt, empfohlen wird.

Lebensstil

Auch sein Lebensstil war ein weiterer Risikofaktor. Nach der Pensionierung hatte er sich zurückgezogen, kaum soziale Kontakte gepflegt, wenig geistige Aktivität betrieben.
Studien zeigen hingegen klar, dass geistige Stimulation, Bewegung und soziale Einbindung das Gehirn langfristig schützen – selbst bei genetischer Prädisposition für Demenz.

Der Verdacht, der sich auflöste – und die Verantwortung, die bleibt

Nach mehreren Gesprächen, einer umfassenden Anamnese und der Analyse seiner Laborwerte zeigte sich: Herr K. litt nicht an einer beginnenden Demenz. Er litt an Schlafmangel, chronischem Stress, Vitamin-D-Mangel, erhöhtem Homocystein, stillen Entzündungen und sozialer Isolation.  Ein komplexes Zusammenspiel, das reversible kognitive Symptome erzeugen kann.
Ich erklärte ihm, dass wir an mehreren Stellschrauben drehen werden:
  • Schlafhygiene verbessern
  • Abendroutine stabilisieren
  • nächtliche Atemaussetzer prüfen
  • Vitamin-D-Spiegel anheben
  • Homocystein über B-Vitamine senken
  • Entzündungen reduzieren
  • Ernährung mediterran ausrichten
  • soziale Kontakte aktivieren.
Als ich ihm dies sagte, sah ich, wie sich seine Schultern entspannten. Es war, als würde jemand den Vorhang wieder öffnen.
Als ich Herrn K. schließlich nach einigen Monaten wieder sah, war er wie ausgewechselt. Er berichtete, dass er wieder klare Gedanken fassen konnte und sich auch an Namen und Wege wieder besser erinnern konnte.

Fazit

Demenz ist eine ernste Erkrankung, aber nicht jede Vergesslichkeit ist der Beginn davon. Die ganzheitliche Medizin erinnert daran, dass das Gehirn ein Spiegel des gesamten Körpers ist.
Herr K. hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, nicht nur Diagnosen zu stellen, sondern Zusammenhänge zu erkennen. Die Wissenschaft zeigt längst, dass viele Wege in den kognitiven Verfall führen – aber einige auch wieder hinaus.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (Redaktionelle Bearbeitung cs)
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Das Alzheimer-Rätsel: Beginnen die Ursachen der Erkrankung außerhalb des Gehirns?

Obwohl Alzheimer gemeinhin als reine Hirnerkrankung gilt, verläuft der Krankheitsbeginn womöglich komplexer. Wie ein Forschungsteam der Universität Kopenhagen um den Wissenschaftler César Cunha in einer computergestützten Analyse von Gen- und Zelldaten darlegt, zeigt sich die charakteristische Pathologie zwar letztlich im Gehirn, ihren Ursprung könnte sie bei manchen Patienten jedoch in anderen Körperregionen haben.
Andere Forscher stimmen darin überein, dass das Thema aus einer breiteren Perspektive betrachtet werden muss.
Laut Donna Wilcock, Professorin für Neurologie an der Indiana University und Chefredakteurin der Fachzeitschrift „Alzheimer’s and Dementia“, können auch körperliche Veränderungen außerhalb des zentralen Nervensystems die Hirnfunktion maßgeblich beeinflussen. Um die Entstehung von Alzheimer vollständig zu verstehen, müsse die Forschung daher den gesamten Körper in den Blick nehmen. „Auch wenn Alzheimer eine Erkrankung des Gehirns ist, müssen wir den gesamten Körper im Blick haben, wenn wir darüber nachdenken, wie sie entsteht“, sagte sie.

Auf der Suche nach dem Ursprung von Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung, die nach und nach die Nervenzellen im Gehirn schädigt, und sie ist die häufigste Ursache für Demenz. In ihren frühen Stadien beeinträchtigt sie vor allem das Gedächtnis, doch im weiteren Verlauf kann sie die Orientierungsfähigkeit, die Sprache, das Urteilsvermögen und die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Aufgaben beeinträchtigen.
Die Gehirne von Alzheimer-Patienten weisen typischerweise zwei wesentliche Merkmale auf:
  • Beta-Amyloid, also klebrige Proteinfragmente, die sich zusammenklumpen und Ablagerungen zwischen den Nervenzellen bilden, und
  • Bündel bestehend aus fadenförmigen Tau-Proteinen, im Inneren der Zellen.
Da diese Veränderungen im Gehirn auftreten, zielt der Großteil der Bemühungen zur Entwicklung von Medikamenten gegen Alzheimer auf die Entfernung von Amyloid-Ablagerungen aus dem Gehirn ab. Doch selbst wenn diese Medikamente die Plaques wirksam reduzieren, bleibt die klinische Besserung bei den Patienten sehr begrenzt. Im besten Fall verlangsamen sie lediglich das Tempo des Verfalls, sie stoppen das Fortschreiten der Krankheit nicht.
Aus diesem Grund blicken immer mehr Forscher über das Gehirn hinaus und fragen sich, was diese schädlichen Proteinablagerungen überhaupt erst in Gang setzt.

Was die neue Studie ergab

Wenn das bloße Beseitigen der Proteine im Gehirn den Verfall kaum stoppen kann, drängt sich die Frage auf: Wo nimmt die Kaskade ihren eigentlichen Anfang?

Die Wissenschaftler liefern für diese Spur nun ein weiteres Argument. Ihre Ergebnisse stützen die Annahme, dass wesentliche Weichenstellungen für Alzheimer nicht primär im Gehirn selbst stattfinden könnten, sondern an den Außengrenzen unseres Körpers. Grundlage dafür ist eine große Datenmenge der European Alzheimer and Dementia Biobank, die Gen-, Zell- und Gewebeproben von fast 86.000 Alzheimer-Patienten umfasst. Diese vorhandenen Datensätze analysierten die Forscher mittels computergestützter statistischer Verfahren.

Da Gewebeveränderungen im Gehirn Verstorbener immer nur das schwer geschädigte Endstadium einer jahrzehntelangen Entwicklung abbilden, setzten die Forscher bewusst auf den Blick auf Gewebe und Zellen außerhalb des Gehirns. Ihre Forschung deutet darauf hin, dass der Ursprung von Alzheimer in den sogenannten Barrieregeweben liegen könnte. Organe wie Lunge oder Darm stehen in ständigem Kontakt mit der Umwelt und filtern Erreger, Schadstoffe und Nahrung. Sie bilden die erste Verteidigungslinie des Körpers, weshalb das Immunsystem dort dauerhaft gefordert ist. Eine mögliche Erklärung der Forscher lautet daher: Chronische Störungen dieser peripheren Immun- und Entzündungsreaktionen könnten der eigentliche Startpunkt des Alzheimer-Prozesses sein, bevor die Schädigung auf das Gehirn übergreift.

Wie der Körper mit dem Gehirn „kommuniziert“

Doch wie genau führt eine Entzündung in der Lunge, im Darm oder im Blut letztendlich zu Gedächtnisschäden im Gehirn? Hier zeigte sich Cunha zurückhaltender und merkte an, dass dies genau der Teil ist, den die Wissenschaft noch nicht vollständig versteht.
Seine zentrale Hypothese betrifft die Blut-Hirn-Schranke – einen Schutzmechanismus, der filtert, was aus dem Blutkreislauf in das Hirngewebe gelangt. Diese Schranke macht es Immunzellen, Krankheitserregern und anderen großen Partikeln sehr schwer, ins Gehirn einzudringen.
Mit zunehmendem Alter neigt die Schranke jedoch dazu, schwächer und durchlässiger zu werden. Wenn das geschieht, sind chronische Entzündungen oder eine Überaktivität der Immunzellen möglicherweise nicht mehr nur ein Problem des „Körpers“ und können beginnen, auch das Gehirn zu beeinträchtigen.
„Normalerweise besteht die Aufgabe der Immunzellen darin, nur dann zu reagieren, wenn ein Virus oder ein Bakterium vorhanden ist, das beseitigt werden muss“, sagte Cunha. „Aber vielleicht führen die Gene, die das Alzheimer-Risiko erhöhen, dazu, dass diese Immunzellen auch dann aktiv werden, wenn sie es eigentlich nicht sollten. Und wenn solche Immunzellen das Gehirn erreichen, nachdem die Blut-Hirn-Schranke geschwächt ist, könnte dies ein Mechanismus sein, durch den das Immunsystem des Körpers eine Verschlechterung im Gehirn verursacht.“
Er verwendete eine einfache Analogie, um diese Idee zu veranschaulichen: Eine gut funktionierende Alarmanlage sollte in der Lage sein, zwischen einem Einbrecher und einer vorbeistreunenden Katze zu unterscheiden, während eine fehlerhafte Alarmanlage bei jeder kleinen Bewegung Alarm auslöst. Einige der mit Alzheimer in Verbindung stehenden Gene könnten auf ähnliche Weise wirken, vermutete er. Sie „verursachen“ die Krankheit nicht direkt, aber sie machen das Immunsystem überempfindlich, überaktiv und stark entzündungsfördernd. Wenn dieser Zustand über Jahre anhält und die Blut-Hirn-Schranke mit zunehmendem Alter schwächer wird, könnte das Gehirn letztendlich den Preis dafür zahlen.
Das bedeutet nicht, dass Alzheimer eine Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem das körpereigene Gewebe angreift. Cunha stand dieser Definition skeptisch gegenüber. Seiner Ansicht nach spielt das Immunsystem zweifellos eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Krankheit, doch derzeit gibt es keine ausreichenden Belege dafür, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung wie Multiple Sklerose handelt, bei der der Immunangriff typischerweise schneller und aggressiver verläuft.

Nicht der erste Hinweis

Die Vorstellung, dass die Alzheimer-Krankheit möglicherweise nicht ausschließlich im Gehirn ihren Ursprung hat, geht nicht auf Cunha zurück. Bereits 2002 ergab eine 25-jährige Follow-up-Studie mit mehr als 1.000 japanisch-amerikanischen Männern in Hawaii, dass Teilnehmer mit niedrigeren Werten des hochsensitiven C-reaktiven Proteins – eines Blutproteins, das Entzündungen signalisiert – in der Lebensmitte ein geringeres Risiko hatten, später an Demenz zu erkranken.
Einfach ausgedrückt: Entzündungswerte, die viele Jahre vor dem Auftreten von Symptomen gemessen wurden, standen in Zusammenhang mit dem zukünftigen Demenzrisiko.
Nachfolgende Studien haben ähnliche Zusammenhänge aufgezeigt, konnten jedoch keinen direkten Kausalzusammenhang nachweisen. So stellte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2020 einen Zusammenhang zwischen bakteriellen Markern für Parodontitis und einem höheren Alzheimer-Risiko her, insbesondere im höheren Alter. Parodontitis ist eine weit verbreitete Erkrankung, die Mundgeruch, Zahnfleischbluten, Zahnfleischrückgang und in schweren Fällen Zahnverlust verursachen kann.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte den Zusammenhang zwischen Darmbakterien und Alzheimer. Die Forscher identifizierten 10 Bakterienarten, die mit dem Erkrankungsrisiko in Verbindung stehen, wobei einige mit einem erhöhten und andere mit einem geringeren Risiko assoziiert waren. Eine umfassende Übersichtsarbeit zu rund 200 Studien kam zu dem Schluss, dass 16 verschiedene Erkrankungen – darunter Parodontitis, Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen und Typ-2-Diabetes – zusammen etwa ein Drittel der weltweiten Demenzlast ausmachen.
Ruth Itzhaki, eine renommierte molekulare Neurobiologin und emeritierte Professorin an der Universität Manchester, erforscht seit Jahrzehnten die mögliche Rolle von Herpesviren bei Alzheimer. Itzhaki fand heraus, dass das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) – der Erreger von Lippenherpes – nach der Erstinfektion nicht aus dem Körper verschwindet und oft jahrelang, manchmal sogar jahrzehntelang, in einem Ruhezustand verbleibt. Im späteren Leben kann es ins Gehirn gelangen oder dort reaktiviert werden, was Entzündungen und im Laufe der Zeit kumulative Schäden auslöst.
Unterstützende Belege stammen auch von Rudolph Tanzi, einem wegweisenden Neurowissenschaftler an der Harvard Medical School. In einer Studie aus dem Jahr 2018 zeigten er und seine Kollegen, dass die Infektion kultivierter menschlicher Neuronen mit Herpesviren ausreichte, um eine rasche Anreicherung von Beta-Amyloid auszulösen.
Diese Erkenntnisse stehen im Einklang mit der „Hypothese des mikrobiellen Schutzes“, die im Laufe des letzten Jahrzehnts vorgebracht wurde. Sie besagt, dass Beta-Amyloid ursprünglich möglicherweise gebildet wurde, um Eindringlinge wie Viren und Bakterien einzufangen, dass es jedoch problematisch wird, wenn die Reaktion außer Kontrolle gerät und zu einer übermäßigen Anreicherung führt.

Frühzeitige Intervention neu überdenken

Sollte dies – auch nur teilweise – zutreffen, könnten die therapeutischen Auswirkungen weitreichend sein. Seit Jahrzehnten ist eine der größten Herausforderungen in der Hirnmedizin die Blut-Hirn-Schranke selbst: die Schwierigkeit, Medikamente in das Hirngewebe zu bringen. Wenn ein Teil des Prozesses, der Alzheimer vorantreibt, „vorgeschaltet“ stattfindet, also im Immunsystem, im Blut und in den Barrieregeweben, müssen wir möglicherweise nicht immer direkt auf das Gehirn abzielen, um einzugreifen.
Nach Cunhas Ansicht stellt dies eine der wichtigsten Erkenntnisse aus seiner Forschung dar. Anstatt sich ausschließlich auf Versuche zu konzentrieren, die Endprodukte der Krankheit aus dem Gehirn zu entfernen, könnte es möglich sein, in einem früheren Stadium einzugreifen: durch die Verringerung unnötiger entzündlicher Aktivierung des Immunsystems, den besseren Schutz der Blut-Hirn-Schranke und die Identifizierung von Personen, die in das Zeitfenster der Anfälligkeit eintreten, bevor sichtbare Hirnschäden auftreten.
Diese Idee gewinnt angesichts neuerer Impfstoffstudien zusätzlich an Bedeutung. Im Februar 2026 berichteten Forscher von Kaiser Permanente Southern California, dass bei Personen ab 65 Jahren, die zwei Dosen eines Impfstoffs zur Vorbeugung von Gürtelrose – einer schmerzhaften Erkrankung, die durch die Reaktivierung des Windpockenvirus ausgelöst wird – erhalten hatten, das kumulative Demenzrisiko deutlich geringer war als bei ungeimpften Patienten. Während des Nachbeobachtungszeitraums lag das Demenzrisiko in der geimpften Gruppe bei 5,67 Prozent, verglichen mit 10,64 Prozent in der Kontrollgruppe.
Cunha mahnte hier zur Vorsicht – der Impfstoff ist kein Mittel zur Behandlung von Alzheimer, und die Studie beweist nicht, dass ein einzelnes Virus die alleinige Ursache der Krankheit ist. Auch wenn Impfstoffstudien, Infektionsforschung und genetische Erkenntnisse zunehmend in dieselbe Richtung weisen, bedeutet dies nicht, dass wir alle bisherigen Erkenntnisse über Alzheimer über Bord werfen sollten.
Das Gehirn spielt bei der Erkrankung nach wie vor eine zentrale Rolle. Die endgültigen Schäden – Gedächtnisverlust, Sprachstörungen und der Verlust der Selbstständigkeit – treten alle im Gehirn auf. Cunhas Forschung stellt weder einen direkten Kausalzusammenhang her, noch identifiziert sie bislang den pathologischen Verlauf, beispielsweise welche Zellen die Blut-Hirn-Schranke überwinden oder welche Hirnregionen zuerst betroffen sind.
Dennoch erfüllt sie eine entscheidende Funktion: Sie hat das Potenzial, die Perspektive zu verändern, aus der wir die Krankheit betrachten.
„Es gibt noch vieles, was wir über die Prozesse, die zu dieser Krankheit führen, nicht verstehen, aber ich betrachte unsere Arbeit als Grundlage, die andere Forscher dazu anregen kann, diese Mechanismen zu untersuchen und zu verstehen, wie sie wirklich funktionieren“, sagte er.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „For Years We Searched for Alzheimer’s in the Brain. Now, Researchers Suggest It May Begin Elsewhere“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Der Echte Lorbeer: Mehr als nur ein Gewürz


In Kürze:

  • Echter Lorbeer ist eine alte Ritual- und Heilpflanze.
  • Die moderne Wissenschaft stellte antibakterielle, antioxidative, entzündungshemmende und schleimlösende Eigenschaften im Lorbeer fest.
  • In der Volksmedizin kommt Lorbeer bei Erkältungen, Verdauungsbeschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen zum Einsatz.
  • In der Küche ist Lorbeer als vielseitiges Gewürz und Konservierungsmittel einsetzbar.

 
Schon die alten Römer schmückten siegreiche Feldherren mit einem Kranz aus Lorbeerblättern. Auch heute gelten Lorbeeren noch als Symbol für Lob, Ruhm und Anerkennung. Ebenso beliebt sind Lorbeerblätter in der Küche als aromatisches Gewürz und als Heilmittel in der Volksmedizin. Sie dürfen in keinem Sauerkraut fehlen und geben vielen herzhaften Gerichten wie Eintöpfen, Suppen, Fisch oder Wildgerichten eine würzige Note. In der Naturheilkunde kommen Lorbeerblätter bei Erkältungen, Blähungen, Schmerzen und zur Insektenabwehr zum Einsatz.
Ursprünglich stammt der Echte Lorbeer (Laurus nobilis) aus Vorderasien und hat sich über den Mittelmeerraum verbreitet, wo er in vielen Gärten und wild in der Natur zu finden ist. Hierzulande gedeiht der wärmeliebende Lorbeerbaum oder -strauch am besten in Topfkultur an einem geschützten, sonnigen bis halbschattigen Standort. Da er nur bis etwa minus 5 °C verträgt, benötigt Lorbeer im Winter Frostschutz, ideal ist die Überwinterung im Glashaus oder Wintergarten.
Der Lorbeer trägt das ganze Jahr über grüne Blätter, die frisch oder getrocknet verwendet werden. Weniger bekannt ist, dass auch die schwarzen Früchte des Lorbeers als Gewürz und Heilmittel Verwendung finden. Allerdings sind nur die Beeren des Echten Lorbeer genießbar, die Früchte anderer Lorbeerarten wie die Kirschlorbeeren sind giftig.

Heilsame Inhaltsstoffe

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Echten Lorbeer zählen unter anderem ätherische Öle, die ihm seinen frisch-würzigen, leicht eukalyptusartigen und blumigen Duft verleihen. Sie besitzen antimikrobielle, schleimlösende sowie antioxidative Eigenschaften. Den Hauptanteil des ätherischen Öles bildet 1,8-Cineol (Eukalyptol), des Weiteren sind Terpentinol, Linalool und Eugenol enthalten.
Lorbeer enthält zudem phenolische Verbindungen wie Catechine (Gerbstoffe), Vanillinsäure sowie weitere bioaktive Substanzen. Eine neuere Studie zeigt, dass diese Stoffe starke antioxidative Wirkungen sowie hemmende Eigenschaften auf Enzyme, die mit Diabetes und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer in Verbindung stehen, besitzen. Eine blutzuckersenkende Wirkung von Lorbeerblattpulver wurde bereits in einer früheren Studie nachgewiesen. Allerdings fehlen größere angelegte klinische Studien, die eine mögliche therapeutisch Anwendung beim Menschen bestätigen.
Darüber hinaus befinden sich Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) im Lorbeer, die gemeinsam mit den enthaltenen ätherischen Ölen die Bildung von Verdauungssäften unterstützen und gleichzeitig antibakteriell, pilzfeindlich und entzündungshemmend wirken.

Volksheilkundliche Anwendungen

In der Volksmedizin der Ursprungsländer kommt Lorbeer vor allem bei Erkältungen als schleimlösendes und schweißtreibendes Mittel zum Einsatz, beispielsweise als Tee oder Aufguss für Inhalationen. Außerdem ist Lorbeer ein traditionelles Mittel bei Blähungen, Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit. In der iranischen Volksmedizin wird Lorbeer auch bei Epilepsie, Nervenschmerzen und Parkinson verwendet. Das aus den Blättern gewonnene ätherische Öl wird zudem in der Parfüm- und Seifenindustrie eingesetzt. Darüber hinaus kommt es bei der Behandlung von Hämorrhoiden und rheumatischen Schmerzen zum Einsatz.
Aus den frischen Früchten des Lorbeers kann ein Pflanzenöl gepresst werden, das auch als Lorbeerbutter bekannt ist. Es kommt traditionell als pflegendes Hautöl bei trockener, rissiger und beanspruchter Haut sowie als Massagebalsam und für Einreibungen bei Gelenk- und Muskelschmerzen zum Einsatz. Ferner ist Lorbeeröl Bestandteil von Aleppo-Seifen. Das sind traditionell hergestellte Naturseifen aus Olivenöl und Lorbeerbutter, die ursprünglich in der syrischen Stadt Aleppo hergestellt wurden. Sie sind besonders für die Pflege irritierter Haut mit Ekzemen und zarter Babyhaut geeignet.
Lorbeer ist darüber hinaus ein bewährtes Kraut zum Räuchern. Sein angenehm warm-würziger, leicht balsamischer Duft wirkt reinigend und klärend. Er soll stagnierende Energien vertreiben und die Konzentration fördern.

Vielseitiges Gewürz in der Küche

Traditionell wird Lorbeer für deftige Speisen wie Sauerbraten, Wildgerichte aber auch für Fischgerichte und -soßen verwendet. Ebenso verleiht er Gemüsesuppen, Bohneneintöpfen oder Grillgerichten eine aromatische Würze. Besonders beliebt sind Lorbeerblätter bei der Herstellung von Sauerkraut und zum Einlegen von Gurken oder anderem Gemüse. Sie verleihen nicht nur Aroma und Geschmack, sondern verbessern aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirkung auch die Haltbarkeit.
Auch die Früchte des Echten Lorbeer sind als Gewürz nutzbar, allerdings kommen diese weitaus seltener zum Einsatz. Sie werden getrocknet und gemahlen und in einigen Regionen des Mittelmeerraums ebenso zum Würzen von Fleisch, Wurst und Eintöpfen verwendet.
Der Duft des Gewürzes wirkt außerdem abschreckend auf Insekten. Daher können Lorbeerblätter auch in Vorratsschränke gelegt werden, um Schädlinge abzuwehren. Da sich der Duft mit der Zeit verflüchtigt, sollten die Blätter immer wieder ausgetauscht werden.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Muskelverlust ab 40: Warum die Standard-Protein-Empfehlung für Sie unzureichend sein kann

Proteine boomen, doch mit dem Trend wächst die Verwirrung. Protein-Shake direkt nach dem Training? Maximal 30 Gramm Proteine pro Mahlzeit? Hüttenkäse vor dem Schlafen? Bei all den Regeln und Mythen verliert man schnell den Überblick. Die gute Nachricht: Es ist deutlich einfacher, als man denkt.

Der 30-Gramm-Mythos

Sie haben es wahrscheinlich schon einmal gehört: Der Körper kann pro Mahlzeit nur etwa 30 Gramm Protein aufnehmen, alles darüber hinaus sei verschwendet. Das stimmt nicht. Forschungsergebnisse zeigen, dass es keine festgelegte Menge an Protein gibt, die der Körper in einer einzigen Mahlzeit verwerten kann.
Diese Vorstellung stammt aus früheren, aber mittlerweile relativierten Untersuchungen, die zeigten, dass der Verzehr von mehr als 25 bis 30 Gramm hochwertigem Protein in einer Mahlzeit im Vergleich zu einer geringeren Menge keinen nennenswerten zusätzlichen Muskelaufbau bewirke.
So ergab eine Studie aus dem Jahr 2023 in „Cell Reports Medicine“, dass Mahlzeiten mit bis zu 100 Gramm Protein den Muskelaufbau über Stunden hinweg aufrechterhielten.

Worauf es tatsächlich ankommt

Die Menge an Protein, die man täglich zu sich nimmt, ist wichtiger als der Zeitpunkt der Einnahme. Als allgemeine Richtlinie gelten etwa mindestens 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, wobei Menschen, die regelmäßig Sport treiben, mehr benötigen. Durch körperliche Bewegung und Training kann der Tagesbedarf je nach Intensität auf 1,4 bis 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht steigen. Bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm wären dies beispielsweise 105 bis 150 Gramm pro Tag.
„Ich denke, die Bedeutung des Zeitpunkts wird weitgehend überbewertet“, sagte James McKendry, Ernährungsforscher an der University of British Columbia mit dem Schwerpunkt Altersphysiologie und Muskelproteinstoffwechsel, gegenüber Epoch Times und merkte an, dass für die meisten Menschen, die Muskeln aufbauen wollen, die tägliche Gesamtzufuhr in Kombination mit Krafttraining tatsächlich ausschlaggebend für die Ergebnisse ist.
Allerdings kann die Verteilung der Proteinzufuhr über den Tag hinweg einen leichten Schub für die Muskelproteinsynthese bieten, sobald die tägliche Gesamtmenge bereits im Zielbereich liegt.
Eine 2013 im „Journal of Physiology“ veröffentlichte Studie ergab, dass Menschen, die alle drei Stunden 20 Gramm zu sich genommen hatten, mehr Muskeln aufbauten als diejenigen, die die gleiche Gesamtmenge in wenigen größeren oder sehr kleinen, häufigen Dosen konsumierten.
„Es ist viel einfacher, mehrmals täglich 20 Gramm Protein zu sich zu nehmen als 60 Gramm in einer Mahlzeit“, erklärte Markelle Strzalkowski, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der Epoch Times. Sie empfiehlt, den Tag mit einem proteinreichen Frühstück zu beginnen, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren, das Sättigungsgefühl zu steigern und das Erreichen des täglichen Proteinziels zu erleichtern.

Pragmatismus schlägt Perfektion

Jake Cox, ein Forscher im Bereich des Skelettmuskelstoffwechsels an der Universität Nottingham, erklärte gegenüber der Epoch Times, dass die Feinabstimmung vor allem für Menschen wichtig ist, die bereits viel Protein zu sich nehmen – Bodybuilder und Sportler, die die letzten 1 oder 2 Prozent an Zuwächsen anstreben. Für die meisten Menschen ist die Verteilung des Proteins über die Mahlzeiten hinweg eigentlich nur ein praktischer Weg, um ihren Bedarf zu erreichen.
Selbst Menschen mit sitzender Lebensweise profitieren von einer relativ gleichmäßigen Verteilung der Proteinzufuhr über den Tag, um den Erhalt der Muskelmasse zu unterstützen, so Cox. Für Menschen, die eine Keto-Diät oder eine Eine-Mahlzeit-pro-Tag-Diät befolgen, steht möglicherweise eher das Körpergewicht als die reine Muskelmasse im Mittelpunkt.
„In einer idealen Welt würde ich dennoch empfehlen, dreimal täglich 20 bis 30 Gramm Protein zu sich zu nehmen. Selbst wenn man das in Form von Proteinpulver mit etwas Wasser oder Milch zu sich nimmt“, sagte Cox über seine Empfehlung in Zusammenhang mit speziellen Diäten.

Das Zeitfenster nach dem Training ist größer, als man denkt

Trotz jahrzehntelanger Empfehlungen, unmittelbar nach dem Training einen Proteinshake zu trinken, gibt es kaum Belege dafür, dass dies einen wirklichen Unterschied macht.
Eine 2024 in „Frontiers in Nutrition“ veröffentlichte klinische Studie ergab, dass die Proteinzufuhr unmittelbar vor oder nach dem Training kaum einen zusätzlichen Nutzen bot, wenn die tägliche Gesamtzufuhr bereits ausreichend war. Das liegt daran, dass Krafttraining die Muskeln dazu anregt, Protein über einen viel längeren Zeitraum als 30 Minuten nach dem Training zu verwerten.
Studien zeigen, dass nach Krafttraining der Aufbau von Muskelmasse in den ersten 24 Stunden besonders aktiv ist. Bei gut trainierten Personen nimmt der Effekt nach etwa 24 bis 36 Stunden ab, bei weniger trainierten Personen können die Muskeln auch 48 Stunden nach dem Training noch profitieren.
McKendry verglich die alte Vorstellung eines engen „anabolen Fensters“ eher mit einem Garagentor als mit einem kleinen Spalt: „Man muss sich wirklich keinen Stress machen, den Proteinshake unmittelbar nach dem Training hinunterzustürzen.“ Für den durchschnittlichen Fitnessstudio-Besucher ist es weitaus wichtiger, sein tägliches Proteinziel konsequent zu erreichen, als auf das perfekte Timing zu achten.

Hilft Protein vor dem Schlafengehen?

Die Theorie hinter der Proteinzufuhr vor dem Schlafengehen besagt, dass der Schlaf für die meisten Menschen die längste Zeit ohne Nahrungsaufnahme darstellt, sodass ein Snack davor die Muskelregeneration über Nacht unterstützen könnte. Da ist etwas Wahres dran: Untersuchungen zeigen, dass Kasein, das langsam verdauliche Protein aus Milchprodukten, den Muskelaufbau im Schlaf anregen kann.
„Ob sich das in langfristigen Muskelzuwächsen niederschlägt, ist noch eine offene Frage“, sagte McKendry, „aber es kann sicherlich den akuten Muskelaufbau anregen.“ Der größte Vorteil könnte jedoch darin bestehen, dass es eine weitere Möglichkeit bietet, das tägliche Proteinziel zu erreichen. Cox erklärte, Protein vor dem Schlafengehen sei nicht wegen eines magischen Schlafzeitfensters nützlich, sondern weil es neben Frühstück, Mittag- und Abendessen eine vierte proteinhaltige Mahlzeit darstelle.

Warum der Zeitpunkt mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt

Ältere Menschen benötigen mehr Eiweiß, um ihre Muskelmasse zu erhalten. Das liegt nicht daran, dass der Körper Muskeln schneller abbaut – sondern daran, dass er verlernt hat, sie genauso effizient wieder aufzubauen. Um denselben Muskelaufbau-Reiz wie in jungen Jahren zu setzen, braucht der Körper im Alter eine höhere Dosis Protein.
„Es gibt Hinweise darauf, dass dieser Prozess bereits im Alter von 35 bis 40 Jahren einsetzt, sich aber ab etwa 50 deutlich beschleunigt. Wenn wir 60 oder 70 sind, ist der Effekt wirklich sehr ausgeprägt“, sagte Cox. McKendry merkte an, dass mehrere Forscher und Expertenkonsens-Erklärungen 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht als Mindestmenge für ältere Erwachsene empfehlen, was deutlich über dem allgemeinen Richtwert liegt.
Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ältere Erwachsene davon profitieren können, wenn sie die Proteinzufuhr gleichmäßig über die Mahlzeiten verteilen.
„Ich würde sagen, es ist viel besser, sich darauf zu konzentrieren, 40 Gramm zu erreichen, wenn man älter ist, und das dreimal täglich – zum Frühstück, Mittag- und Abendessen“, sagte Cox.

Auch die Proteinqualität zählt

Protein ist nicht gleich Protein, und woher es stammt, ist nicht nur für die Muskeln entscheidend. Ein Blick in die Supermarktregale zeigt: Protein wird mittlerweile fast allem zugesetzt, von Chips über Kekse bis hin zu Mineralwasser.
„Ich halte das eher für einen Marketing-Hype als für einen Gesundheitsgewinn“, sagt Ernährungswissenschaftler McKendry. Zwar können angereicherte Snacks helfen, das Tagesziel zu erreichen, den Großteil sollten jedoch naturbelassene Lebensmittel ausmachen.
Der Grund dafür liegt meist nicht am Protein selbst, sondern am hohen Verarbeitungsgrad dieser Produkte. Echte Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte oder Soja liefern neben Eiweiß auch Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe, alles Nährstoffe, die in hochverarbeiteten Fitness-Snacks meist fehlen.
Neben dem Verarbeitungsgrad unterscheidet sich Protein auch in seiner Zusammensetzung. Um Muskeln und Gewebe aufzubauen, braucht der Körper sogenannte vollständige Proteine, also Eiweiße, die alle essenziellen Aminosäuren enthalten.
Tierische Produkte und einige wenige pflanzliche Lebensmittel, wie Tofu, Edamame und Quinoa, bringen dieses vollständige Profil von Natur aus mit. Wer sich primär von pflanzlichen Quellen ernährt, sollte die Proteine über den Tag clever kombinieren, um alle Bausteine abzudecken.
„Gramm für Gramm verglichen haben tierische Quellen bei der biologischen Wertigkeit meist noch einen leichten Vorteil“, resümiert McKendry.

Die 80-Prozent-Regel für den Erfolg

In erster Linie kommt es darauf an, über den Tag verteilt ausreichend Protein zu sich zu nehmen. Der Zeitpunkt und die Verteilung der Proteinzufuhr können einen kleinen Vorteil bieten, sind jedoch zweitrangig gegenüber der einfachen Tatsache, täglich genug Protein zu essen.
Wie McKendry es ausdrückte: „Ich glaube nicht, dass sich die Menschen so sehr stressen müssen, wie sie es tun. Solange sie sich abwechslungsreich und proteinreich ernähren und sich regelmäßig körperlich betätigen, haben sie bereits 80 Prozent dessen erledigt, was sie tun müssen.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Protein Rules That Actually Matter“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Vom Burnout zum Ironman: Wie ein Neurochirurg mit 40 alles verlor – und mit dieser Methode sein Gehirn rettete

Mit 40 Jahren schien Dr. Joseph Maroon am Ziel seiner Träume zu sein. Doch innerhalb einer einzigen Woche brach sein Leben zusammen. Sein Vater starb im Alter von 60 Jahren, seine Ehe scheiterte und ein schweres Burnout riss den Neurochirurgen aus dem Operationssaal.

„Ich wechselte von Gehirn-OPs am offenen Schädel zum Dienst an einer heruntergekommenen Raststätte, die mein Vater hoch verschuldet hinterlassen hatte“, erinnert sich Maroon. „Ein Jahr lang briet ich Hamburger und betankte Lkw, voller Verzweiflung über meinen Absturz.“

Übergewichtig, depressiv und körperlich am Ende, hatte Maroon den Tiefpunkt erreicht. Seine Genesung sollte schließlich nicht nur seine eigene Gesundheit retten, sondern auch sein Verständnis der Wechselwirkung von Körper und Geist grundlegend verändern.

Der Lauf, der alles veränderte

Die Wende brachte die Einladung des Bankiers, der die Hypothek der Raststätte hielt. Er bat Maroon zu einer gemeinsamen Laufrunde.

„Wir liefen vier Runden auf der Sportanlage. Ich schwor mir: Nie wieder! Doch in dieser Nacht schlief ich zum ersten Mal seit Monaten durch“, so Maroon.

Aus den ersten Schritten wurden längere Distanzen, später Radfahren, Schwimmen und schließlich Triathlons. Mit der körperlichen Ausdauer kehrte auch die mentale Klarheit zurück. Durch die Bewegung kurbelte er die körpereigene Produktion von Botenstoffen wie Serotonin wieder an; sein Gedächtnis schien sich wieder zu schärfen.

Studien bestätigen Maroons Erfahrung: Regelmäßiger Sport, von Gehen bis Kraftsport, kann Depressionen lindern, indem er Entzündungen hemmt, Stresshormone abbaut und die Gehirnstruktur stärkt.

Maroon bringt seine Erkenntnis auf den Punkt: „Wir wissen, dass der Geist den Körper krank machen kann: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Reizdarmsyndrom. Aber der Körper kann umgekehrt auch den Geist heilen.“

Die vier Säulen der Balance

Die Bewegung war seine Rettungsleine, doch Fitness allein reichte nicht aus. In seinem Buch „Square One: A Simple Guide to a Balanced Life“ entwickelte Maroon ein Modell für ein ausgewogenes Leben. Es ruht auf vier Säulen: Beruf, Familie, Spiritualität und körperliche Gesundheit.

Rückblickend erkennt er: „In der Krise glich mein Leben einem flachen EKG – nur Arbeit, keine Familie, keine Besinnung.“

Sport gab ihm genug Energie und Klarheit, um mit dem Wiederaufbau zu beginnen, doch die verbesserte Fitness war nur eine Seite der Medaille. Er änderte auch seine Ernährung, fand zu seinen spirituellen Wurzeln zurück und überdachte seine Beziehungen und Prioritäten.
„Der Körper ist ein Tempel, man muss sich um ihn kümmern“, sagte er. Für ihn ist die Pflege des Körpers jedoch kein Selbstzweck. Sie bildet die Grundlage, um am Familien-, Berufs-, Gemeinschafts- und spirituellen Leben voll und ganz teilhaben zu können.

Fünf Grundpfeiler für körperliche und geistige Gesundheit

Innerhalb des körperlichen Bereichs definiert Maroon fünf Grundpfeiler: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Schadstoffvermeidung, Stressabbau und ausreichender Schlaf.

Zwei biologische Faktoren hebt er besonders hervor:

  • Die Darm-Hirn-Achse: Hochverarbeitete Nahrung schädigt die Darmflora und schürt Entzündungen im gesamten Körper. Eine gestörte Darmflora steht heute im Verdacht, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu begünstigen. Maroon rät daher zu ballaststoffreicher Kost und fermentierten Lebensmitteln.

  • Oxidativer Stress und Schutzstoffe: Instabile freie Radikale schädigen mit der Zeit Gehirnzellen. Dagegen nutzt das Gehirn vor allem Glutathion, ein körpereigenes Antioxidans. Forschungen zeigen, dass ein Absinken dieses Schutzschilds eng mit Nervenerkrankungen zusammenhängt.

  • Neuanfang in jedem Alter

    Maroons Vater starb mit 60 Jahren, als Maroon selbst 40 war. Dieser Verlust zwang ihn dazu, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es mit seiner eigenen Gesundheit weitergehen könnte.
    Ab der Lebensmitte können Muskelmasse und körperliche Belastbarkeit allmählich abnehmen, während jahrelanger Schlafmangel, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und unbewältigter Stress immer schwerer zu ignorieren sind.
    Doch diese Muster sind nicht in Stein gemeißelt. Regelmäßige Bewegung, ausreichende Erholung, gesunde Ernährung, sinnvolle Beziehungen und ein Sinn im Leben können auch im Alter die Lebensqualität maßgeblich beeinflussen – wie auch Maroon heute noch mit 85 Jahren beweist.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Brain Surgeon Recovered From Midlife Burnout and Stays Active at 85“. (deutsche Bearbeitung: kr)
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    Die Anti-Stress-Strategie: Warum der Erholungseffekt nach dem Urlaub oder Wochenende oft schnell verpufft – und wie Sie ihn sichern

    Als ich die Tür zu meinem Büro öffnete, war ich überrascht, meinen Kollegen vor seinem Computer sitzen zu sehen.
    „Manuel, was machst du denn noch hier? Du hast doch schon die Abwesenheitsnotiz für deinen Urlaub im System“, fragte ich ihn perplex.
    Mein Kollege, der schon fast zehn Jahre im Betrieb war, mehrere Projekte leitete und gerade in seinem Kalender den ersten Arbeitstag nach dem Urlaub strategisch plante, schaute mich etwas mitleidig an und sagte: „Du musst noch viel lernen.“

    Typische Fehler, die es zu vermeiden gilt

    Während ich mich damals wunderte und dachte, in den Urlaub zu gehen, sei selbsterklärend, lernte ich mit der Zeit tatsächlich so einiges. Zuerst hauptsächlich, wie man es nicht macht.

    Etwa als ich in den letzten Minuten vor der Abreise gerade meine Abwesenheitsnotiz aktivierte und noch schnell eine „dringende“ Anfrage reinkam, die unbedingt vorher erledigt werden musste.

    Oder als ich am Montag nach dem Urlaub die Tür aufmachte und eine Kollegin mir mit unheilvoller Miene eröffnete, dass bei einem wichtigen Versuch versehentlich eine falsche, extrem teure Substanz verwendet worden war.

    Trotz des gut gemeinten Versuchs („Wir wollten dich im Urlaub nicht stören, aber wir haben in einer halben Stunde ein Notfall-Meeting dazu“) löste sich jegliche Erholung innerhalb von Minuten in Schall und Rauch auf.

    Wie man ohne Chaos in die Arbeitswoche startet

    Das Gefühl von Entspannung mit in die neue Arbeitswoche zu nehmen, ist eine entscheidende Fähigkeit für langfristige Leistungsfähigkeit. Untersuchungen zeigen: Vor allem erhöhte Arbeitsanforderungen direkt nach dem Urlaub machen die positiven Effekte der Erholung, wie erhöhte Motivation und geringeres Burnout-Risiko, besonders schnell zunichte. Dazu zählen aufgestaute E-Mails, liegen gebliebene Aufgaben oder, wie in meinem Fall, unvorbereitete Notfall-Meetings.

    Als ich nach Wegen suchte, den Start überschaubarer zu gestalten, erinnerte ich mich an Manuel. Er hatte die Weichen für seinen stressfreien Start längst gestellt, bevor sein Urlaub überhaupt begann.

    Die Vorbereitung: Der Urlaub beginnt vor dem Urlaub

    Unvorhergesehenes lässt sich nicht verhindern. Aber man kann Puffer einbauen:

    • Projekte und Aufgaben rechtzeitig übergeben. Wenn es eine Vertretung gibt, sollte eine gute Übergabe nicht am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub erfolgen. Je nach Komplexität der Aufgaben habe ich mir angewöhnt, mich mindestens drei Tage vor meiner Abwesenheit darum zu kümmern. Das hat den Vorteil, dass man Fragen noch in Ruhe klären kann und das Risiko für Fehler minimiert, die man nach dem Urlaub ausbügeln muss.
    • Abwesenheitsnotiz mindestens 2 Stunden vor Urlaubsbeginn aktivieren. Die letzten Stunden vor dem Urlaub sollten dem geordneten Rückzug, nicht der Beantwortung von Last-Minute-Anfragen dienen. So wie Manuel es gemacht hat, schließe ich offene Aufgaben ab, mache eine To-Do-Liste für den ersten Tag zurück im Büro und nutze die Urlaubsnotiz als Stoßdämpfer. Sollte ausnahmsweise doch noch jemand etwas Dringendes brauchen, erreicht er mich so wenigstens noch mit ausreichend Nerven und Zeit, anstatt mit den schon gepackten Koffern in der Hand.
    • Die erste Arbeitsstunde blockieren. Keine überhasteten Meetings direkt nach dem Arbeitsstart, stattdessen Zeit, um wieder gedanklich im Job anzukommen, wichtige E-Mails und die vorbereitete To-Do-Liste durchzugehen.
    • Die zweite Arbeitsstunde für Übergabemeetings blockieren. Die zweite Arbeitsstunde reserviere ich für eine geordnete Übergabe mit meiner Urlaubsvertretung oder Vorgesetzten. Meistens erledigt sich damit ein Teil der E-Mails und Anfragen die während des Urlaubs eingingen von selbst und Prioritäten können sinnvoll gesetzt werden.
    • „Notfälle“ definieren. Dieser Tipp ist kontrovers, aber ich finde, eine kontrollierte Unannehmlichkeit ist weniger stressig als eine überraschende Katastrophe am ersten Arbeitstag. Damit dieser Tipp klappt, müssen jedoch echte Notfälle und ein Zeitfenster klar definiert sein. Beispielsweise: „Wenn das Problem so groß ist, dass die Produktion steht, kannst du mich mittwochs zwischen 14.00 und 15.00 Uhr erreichen. Alles andere können wir besprechen, wenn ich zurück bin.“

    Tipps für einen stressfreien ersten Arbeitstag

    Der Umstieg von Strand, Berghütte oder Balkonien zurück auf den Bürostuhl kann wehmutsvoll sein. Aber mit ein paar Tipps kommt man leichter wieder im Arbeitsalltag an.
    • Rückreise mindestens einen Tag, besser zwei Tage, vor Arbeitsstart planen. Das gibt Zeit, um anzukommen, in Ruhe die Koffer auszupacken und wieder in den normalen Alltag überzugehen, bevor man als nächsten Schritt wieder in den Büroalltag startet.
    • Arbeitsstart auf Mittwoch legen. Wenn möglich, starte ich nach dem Urlaub nicht mit einer vollen Arbeitswoche, sondern einer verkürzten. Damit fühlt sich der Umstieg von Urlaub zu Arbeit nicht so extrem an und das nächste Wochenende ist schon wieder in greifbarer Nähe.
    • Keine komplexen Meetings am ersten Vormittag. Ich lege komplizierte Meetings oder Kundenmeetings frühestens auf den Nachmittag des ersten Arbeitstages oder noch besser auf den zweiten Arbeitstag nach dem Urlaub, wenn ich gedanklich wieder richtig in der Arbeit angekommen bin.
    • Sich vom Gedanken verabschieden, alles am ersten Tag aufzuarbeiten. Aus einem tollen und entspannenden Urlaub hat man im Idealfall auch eine Extraportion Motivation für die Arbeit im Reisegepäck mitgebracht. Allerdings gelingt es meistens trotzdem nicht, alles am Tag der Rückkehr aufzuarbeiten. Um die mitgebrachte Entspannung und Motivation beizubehalten, vermeide ich Überstunden am ersten Arbeitstag.

    Keine Sonntags-Panik: So gelingt ein entspannter Arbeitsstart nach dem Wochenende

    Urlaub hat man nur eine begrenzte Anzahl an Tagen im Jahr. Daher ist es hilfreich, einige der Tipps in abgewandelter Form auch für den Start in eine normale Arbeitswoche nach dem Wochenende zu übernehmen.
    Der Zustand von „Sunday Blues“ oder „Sunday Scaries“ (auf Deutsch „Sonntags-Panik“) ist mittlerweile so verbreitet, dass er kürzlich in einer ersten klinischen Studie wissenschaftlich untersucht wurde. Die sogenannte Sonntags-Panik wird als ein Gefühl von Angst, Unruhe und Stress am Sonntagnachmittag oder -abend wegen der neuen Arbeitswoche definiert.
    Ein Grund dafür ist, dass der Kopf wegen unerledigter Dinge am Wochenende und der Erwartungen der kommenden Arbeitswoche schon in den Stressmodus schaltet und entsprechend Stresshormone ausschüttet, was zu Symptomen wie Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden und Problemen beim Einschlafen führen kann.
    Eine gezielte Reduktion von Belastungen können dem entgegenwirken und möglicherweise sogar die Arbeitsleistung langfristig verbessern:
    • To-Do-Liste am Freitag gezielt vorbereiten. Den letzten Arbeitstag der Woche mit einer To-Do-Liste nach Priorität abschließen, wichtige Erinnerungen und gute Ideen, die dem Zukunfts-Ich am kommenden Montag helfen können, übersichtlich notieren. Das erspart dem Gehirn das Gedankenkarussell und die Einleitung des Stressmodus am Sonntagabend.
    • Den Montag nicht mit einem Termin beginnen. Den Arbeitsbeginn zumindest 30 Minuten vor dem ersten Meeting oder Termin legen. Das gibt Zeit für einen entspannten Kaffee, das Durchgehen der vorbereiteten To-Do-Liste und sorgt dafür, dass das Nervensystem nicht sofort in den Kampf-oder-Flucht-Modus schaltet.
    • Die höchste Priorität auf der To-Do-Liste vor den E-Mails erledigen. Konzentriert eine wichtige Aufgabe zu erledigen und diese abzuhaken, schafft einen Erfolgsmoment für den Start in die Arbeitswoche. Was die Motivation hingegen dämpft: neue E-Mails durchzugehen, Spam und Werbung zu löschen und sofort mit neuen Anfragen konfrontiert zu sein. Falls jemand Montagmorgen eine ganz dringende Anfrage hat, wird er mich wahrscheinlich auch auf anderem Weg finden. Für normale Fälle reicht es meiner Erfahrung nach auch, die neuen E-Mails im Laufe des Vormittags abzuarbeiten.
    • Vernünftige Kompromisse machen. Wir können vieles schaffen, aber nicht alles gleichzeitig. Fristen müssen manchmal verschoben werden, Meetings mit geringerer Priorität müssen manchmal abgesagt werden. Wenn eine besonders stressige Arbeitswoche ansteht, kann es auch Sinn machen, private Termine zu reduzieren und beispielsweise den Autoservice oder den geplanten Fensterputz auf eine weniger anspruchsvolle Arbeitswoche zu verschieben.
    Was ich vor allem im Laufe der Zeit gelernt habe – und was Manuel schon wusste: Die Arbeitswoche ist kein Sprint, der am Montagabend vorbei ist, sondern ein fünftägiger Marathon, der nach dem Wochenende oder Urlaub wieder von vorne losgeht. Und weder der erholsamste Urlaub noch die beste Abwesenheitsnotiz helfen, wenn wir uns am Montag unüberlegt sofort ins Büro-Chaos stürzen.
    Kraft und Motivation müssen strategisch eingeteilt werden. Und wenn Kollegen dann fragen, warum Sie so entspannt wirken, wissen Sie: Es ist nicht nur der Urlaubs-Nachhall, sondern Strategie.
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    Die Renaissance der Steckrüben


    In Kürze:

    • Steckrüben sind ein traditionelles Herbst- und Wintergemüse.
    • Sie enthalten wertvolle Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe und gelten als Schlankmacher. 
    • Das Gemüse lässt sich abwechslungsreich zubereiten – von Suppe, Eintopf bis Ofengemüse oder Bratling.

     
    Ältere Generationen kennen sie noch als festen Bestandteil der täglichen Ernährung: die Steckrübe, auch Kohlrübe, Butterrübe, Erdkohlrabi, Rutabaga, Wruke oder Dotsche genannt. Lange Zeit galt das Gemüse als Arme-Leute-Essen, denn in Not- und Kriegszeiten war es oft eines der wenigen verfügbaren Nahrungsmittel. Seit dem „Steckrübenwinter“ von 1916/17, als nach einer Kartoffelmissernte die Steckrübe zum Hauptnahrungsmittel wurde, waren sie lange Zeit verrufen.
    Heute erlebt das einstige Notgemüse eine wahre Renaissance. Aus gutem Grund, denn dass Gemüse ist einfach zu kultivieren, regional und saisonal verfügbar und liefert wertvolle Vitalstoffe. So überzeugt die Steckrübe nicht nur mit ihrem Gehalt an wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, sondern auch mit Ballaststoffen bei gleichzeitig wenigen Kalorien. Das macht die Rübe zu einem äußerst gesunden Gemüse, mit dem sich viele abwechslungsreiche Gerichte kochen lassen.
    Die Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera) zählt zur Familie der Kreuzblütler und ist eng mit Brokkoli, Senf und Kohlrabi verwandt. Nach Deutschland kam das Kohlgemüse vermutlich im 17. Jahrhundert aus Skandinavien, weshalb sie auch als „Schwedische Rübe“ bekannt wurde. Heute wird die Rübe weltweit angebaut.
    Für den Verzehr sind Sorten mit leicht gelblichem bis orangem Fleisch bevorzugt geeignet. Sie haben ein angenehm würzig, leicht süßlich bis herbes Aroma, das an Kohlrabi erinnert. Ihre Schale kann graugrün, beige bis leicht gelb oder rot-violett gefärbt sein. Steckrüben mit weißem Fleisch hingegen werden traditionell für die Tierfütterung verwendet.

    Warum Steckrüben gesund sind

    Wie alle Kreuzblütler enthalten auch Steckrüben Glucosinolate, die beim Zerkleinern oder Kauen in Isothiocyanate (Senföle) umgewandelt werden. Isothiocyanate sind für ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden und krebshemmenden Eigenschaften bekannt und zählen zu den wichtigsten bioaktiven Substanzen in Steckrüben. Weiterhin befinden sich Beta-Carotine in der Rübe – je stärker sie gelb oder orange gefärbt ist, umso mehr ist davon enthalten. Beta-Carotine (Provitamin A) unterstützen die Funktion der Augen sowie Haut und Schleimhäute.
    Darüber hinaus befinden sich wichtige Vitamine in der Kohlrübe. Mit 35 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm unterstützt die Knolle das Immunsystem. Das enthaltene Folat macht sie zu einem Gemüse, dass die Zellteilung, das Wachstum und die Gefäßgesundheit fördert. Weitere B-Vitamine wie B1, B2 und insbesondere B6 unterstützen die Energiegewinnung aus Eiweiß und Kohlehydraten. Vitamin B6 ist zudem an der Bildung wichtiger Neurotransmitter und Hormone beteiligt.
    Mit Calcium, Magnesium, Eisen und reichlich Kalium versorgen Steckrüben den Körper mit wichtigen Mineralien. Vor allem Kalium spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks und kann Herz und Kreislauf entlasten.
    Obwohl Steckrüben süß schmecken, enthalten sie nur sieben Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Da sie zudem nur halb so viel Kalorien enthalten wie Kartoffeln, ist das Gemüse eine ideale Wahl, um Gewicht zu verlieren oder zu halten.

    Tipps für Einkauf und Lagerung

    Beim Einkauf ist es sinnvoll, zu kleineren, prallen Knollen zu greifen. Sie sind zarter und süßer als größere Exemplare, die leicht holzig sein können. Die Schale sollte glatt und unbeschädigt sein. Im Kühlschrank sind Steckrüben bis zu drei Wochen haltbar, in einem kühlen Keller eingeschlagen in Sand auch mehrere Monate. Vor allem im Herbst sind Steckrüben günstig auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt erhältlich.
    Wer einen eigenen Garten besitzt, kann Steckrüben auch einfach selbst anbauen. Sie gedeihen am besten an einem sonnigen bis halbschattigen Standort mit humoser und tiefgründiger Erde und bei feucht-kühlem Klima. Ab Ende Mai bis Juni kommen die Samenkörner ins Beet. Geerntet wird ab September bis vor den ersten starken Frösten.

    Steckrüben in der Küche

    Steckrüben können für viele Gerichte anstelle von Kartoffeln verwendet werden, zum Beispiel als Beilage aus dem Ofen oder als Schmorgemüse. Ein Klassiker für die kalte Jahreszeit ist Steckrübeneintopf, kombiniert mit Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren und wenn ergänzt mit Würsten. Aber auch als Cremesuppe oder Mus ist das Gemüse beliebt.
    Ersetzt man im Kartoffelpüree einen Teil der Kartoffeln mit Rüben, spart das Kalorien und liefert obendrein mehr Vitalstoffe. Ebenso schmecken die Knollen als Rösti, Bratling oder in Aufläufen. Junge zarte Knollen eignen sich auch als Rohkostsalat – geraspelt mit Karotten und Apfel und mit Joghurtdressing und gehackten Nüssen verfeinert.
    Traditionell wurden Steckrüben auch wie Sauerkraut fermentiert. In Norddeutschland und Skandinavien kommen noch heute viele traditionelle Steckrübengerichte als Hausmannskost auf den Tisch. Beliebt sind Steckrüben mittlerweile in der vegetarischen und veganen Küche, da sie nährstoffreich und vielseitig sind.
    Steckrüben verdienen zu Recht wieder mehr Aufmerksamkeit. Sie sind ein wertvolles regionales Herbst- und Wintergemüse, das günstig und gesund ist. Es lohnt sich, sie wieder öfter in den Speiseplan einzubeziehen. Warum dafür nicht ebenfalls auf Bewährtes zurückgreifen? Das folgende Rezept stammt aus einem historischen Kochbuch von 1921:

    Rezept Wrukenschnitzel:

    Zutaten:
    • 450 g weichgekochte Wruken (Steckrüben)
    • 220 g weichgekochte Bohnen
    • 150 g weichgekochte Erdäpfel
    • 1 EL fein gehackte Zwiebel
    • 1 EL fein gehackte Petersilie
    • 1,5 EL Mehl
    • Salz und Pfeffer
    • Beilagen nach Belieben
    Zubereitung:
    Wruken, Bohnen und Erdäpfel durch eine Fleischmaschine drehen oder in einer Küchenmaschine zerkleinern. Zwiebel, Petersilie, Mehl, Salz und Pfeffer hinzufügen und alles gut miteinander vermischen. Aus dieser Masse Laibchen formen und in einer Pfanne goldbraun braten. Mit beliebigem Gemüse oder Salat servieren.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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    Gefährlicher als gedacht: Beliebter Zuckerersatz mit erhöhtem Risiko für Herzerkrankungen verbunden

    Ein hoher Xylit-Spiegel im Blut könnte das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Beobachtungsstudie mit Daten von über 17.700 Teilnehmenden aus zwei Langzeituntersuchungen, die Ende August auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vorgestellt wurde.

    Demnach erlitten Personen mit den höchsten Xylit-Werten signifikant häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle oder verstarben an den Folgen, und das unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten.

    Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich zwar ein statistischer Zusammenhang, aber noch kein direkter ursächlicher Beweis erbringen. Dennoch schlagen Fachleute Alarm:

    „Künstliche Süßstoffe werden konsumiert, weil man sie für gesünder als Zucker hält. Zudem gelten sie bei Aufsichtsbehörden allgemein als sicher“, sagt Dr. Marco Witkowski vom Universitätsklinikum Charité in Berlin. „Unsere Daten zeigen jedoch, wie wenig wir über die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylit wissen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass immer mehr Lebensmittel damit angereichert werden.“

    Natürlicher Stoff mit Nebenwirkungen

    Xylit (auch als Birkenzucker bekannt) ist ein natürlich vorkommender Zuckeralkohol, der in manchen Obst- und Gemüsesorten sowie Holzfasern vorkommt. Das weiße, kristalline Pulver besitzt eine ähnliche Süßkraft wie Haushaltszucker und steckt heute in zahlreichen zuckerfreien Kaugummis, Zahnpasten, Getränken und Lebensmittel-Produkten.

    Neben den potenziellen Gefahren für das Herz-Kreislauf-System ist bekannt, dass Xylit in größeren Mengen den Magen-Darm-Trakt belasten und Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen kann.

    Tödliche Gefahr für Hunde

    Besondere Vorsicht gilt zudem für Haustierhalter: Für Hunde ist Xylit hochgradig giftig. Schon geringe Mengen können zu lebensbedrohlichem Blutzuckerabfall, schwerem Leberversagen oder Tod führen. Bei Verdacht auf Aufnahme sollte umgehend eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

    Produkte, die als „zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“ beworben werden, enthalten nicht zwingend Xylit. Die Industrie greift auf eine Vielzahl weiterer Alternativen zurück, darunter natürliche Süßungsmittel wie Stevia oder Erythrit sowie synthetische Stoffe wie Aspartam, Sucralose und Saccharin.

    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Common Sugar Substitute Associated With Higher Heart Attack and Stroke Risk, Study Finds“. (deutsche Bearbeitung kr)

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    Die große Blutbild-Falle: Warum Sie trotz bester Laborwerte chronisch erschöpft sein können

    „Ich fühle mich seit Monaten wie leergesogen.“ Das waren die Worte von Frau S., 47 Jahre alt und leitende Angestellte, als sie in meine Praxis kam. Sie berichtete von innerer Unruhe, Schlafstörungen, gelegentlichem Herzstolpern und dem Gefühl, dass selbst kleine Aufgaben sie überfordern.
    Ihr Hausarzt hatte bereits ein Standardlabor durchgeführt: Magnesium, Zink, Vitamin B12 – alles im Normbereich. „Wahrscheinlich Stress“, hatte man ihr gesagt.
    Doch Frau S. spürte, dass etwas nicht stimmte. Und tatsächlich zeigte die ganzheitsmedizinische Diagnostik ein anderes Bild: Obwohl die Standard-Blutwerte völlig unauffällig schienen, deckte eine Vollblutanalyse einen schweren Magnesium- und Zinkmangel in den Zellen auf.
    Auf ihre verwunderte Nachfrage erklärte ich meiner Patientin, dass der Körper versucht, die Mikronährstoffe im Blut, so lange wie möglich stabil zu halten, selbst dann, wenn die Zellen längst im Mangelzustand sind und wichtige Nährstoffe fehlen.

    Die Vollblutanalyse: Dem Mangel auf der Spur

    Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe benötigt unser Körper zwar nur in winzigen Mengen, dennoch sind sie unverzichtbar: Sie steuern den Energiehaushalt, stärken das Immunsystem und halten die Zellen gesund. Fehlen sie dauerhaft, leidet die Gesundheit.
    Wie eine umfassende Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 zeigt, sind verdeckte Mikronährstoffmängel direkt mit einem erhöhten Risiko für Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs verknüpft.
    Allerdings ist ein Mangel, wie im Fall von Frau S., nicht immer gleich auf den ersten Blick erkennbar. Die ganzheitliche Mikronährstoff-Therapie basiert daher auf präziser und umfassender Labordiagnostik.
    Anders als bei Standardlaboruntersuchungen, wo Vitamine und Mineralstoffe im Serum (dem flüssigen Teil des Blutes) gemessen werden, steht bei der ganzheitlichen Laboruntersuchung die Vollblutanalyse im Fokus. Dabei werden nicht nur das Blutserum, sondern auch zelluläre Bestandteile wie rote Blutkörperchen mitgemessen.
    Besonders bei Mineralstoffen wie Magnesium, Zink oder Kalium, die überwiegend innerhalb der Zellen transportiert werden und deshalb im Serum ohnehin nur in sehr geringen Mengen vorliegen, liefert eine Standarduntersuchung alleine deshalb oft trügerisch normale Werte. Verschiedene Studien legen dar, dass der Körper den Serumspiegel im Blut streng reguliert und notfalls sogar Depots aus Knochen und Zellen plündert, um diesen aufrechtzuerhalten.
    Ein Patient kann somit laut Standardblutbild völlig gesund erscheinen, während auf zellulärer Ebene bereits ein schwerer Mangel vorliegt. Um diesem Mangel auf die Spur zu kommen, werden in der ganzheitlichen Laboruntersuchung Vitamine und Mineralstoffe innerhalb der roten Blutkörperchen gemessen; in der Fachsprache spricht man von einer RBC-Analyse (Red Blood Cells).
    Genau diese Analyse zeigte bei Frau S. die Mangelerscheinung. Die chronische Belastung im Beruf hatte ihre Mineralstoffspeicher über Monate geleert, aber in der Serumanalyse war dies noch nicht sichtbar.

    Das Dilemma der Standard-Referenzwerte

    Wenn man einen Mangel diagnostiziert hat, ist der nächste Schritt, ihn auszugleichen. Dabei ist eine Herausforderung, dass einige Grenzwerte der Ernährungsgesellschaften oft noch aus einer Zeit stammen, in der es primär darum ging, akute Mangelkrankheiten wie Skorbut (Vitamin-C-Mangel) oder Beriberi (Vitamin-B1-Mangel) zu verhindern. Diese Werte definieren in vielen Fällen lediglich das absolute Minimum, um nicht akut zu erkranken. Sie beschreiben jedoch meist nicht das Optimum, das ein Körper benötigt, um im heutigen, oft stressüberladenen Alltagsleben langfristig Höchstleistungen zu erbringen und chronischen Krankheiten vorzubeugen.
    Ein typisches Beispiel dazu: Der Grenzwert für Vitamin D liegt laut offiziellen Empfehlungen bei 20 ng/ml. Meine ganzheitsmedizinische Empfehlung liegt bei mindestens 30 ng/ml und meine Definition von einem guten Wert liegt bei 40 bis 50 ng/ml. Dabei geht es aber, wie bei vielen Nährstoffen auch immer, um die Beachtung des persönlichen Bedarfs. Stress, Umweltgifte, chronische Entzündungen, körperliche Erschöpfung und die Einnahme von Medikamenten treiben den Bedarf an bestimmten Vitalstoffen oft über den Standard-Referenzwert hinaus in die Höhe.
    Eine systematische Übersichtsarbeit zeigte zum Beispiel klar, wie chronischer psychischer Stress sowie Schlafentzug nachweislich zu einem beschleunigten Abbau und einer vermehrten Ausscheidung essenzieller Mikronährstoffe wie Magnesium und Zink führen. Dieser Mehrbedarf, der sich aus verschiedenen Belastungen ergibt, ist individuell und erfordert nicht nur eine umfassende Diagnostik, sondern auch eine maßgeschneiderte Unterstützung.

    Maßgeschneiderte Unterstützung statt Standard-Pille

    Durch die heutige Situation, in der Nahrungsergänzungsmittel in jedem Supermarkt und in Onlineshops in Hülle und Fülle zu bekommen sind, kommt es oft zu einem gefährlichen Trugschluss: „Viel hilft viel“ oder „Eine Multivitamin-Tablette am Tag deckt alles ab“. Die moderne ganzheitliche Medizin bricht jedoch vollständig mit diesem Gießkannen-Gedanken. Die Mikronährstoff-Therapie, oder auch Orthomolekulare Medizin genannt, geht davon aus, dass jeder Mensch ein biologisches Unikat ist und biochemische Individualitäten berücksichtigt werden müssen.
    Das Nährstoffpräparat, das für den einen die Rettung aus der chronischen Erschöpfung sein kann, bleibt bei einem anderen Menschen möglicherweise nahezu wirkungslos, weil individuelle Bedürfnisse und genetische Variationen unterschiedlich sein können, was die Notwendigkeit maßgeschneiderter Ansätze unterstreicht.

    Genetische Variationen im Fokus

    Noch ist es ein Nischenthema, doch die Ansätze sind faszinierend: Die Epigenetik und die Pharmakogenetik zeigen, warum zwei Menschen ein und denselben Nährstoff völlig unterschiedlich aufnehmen und verarbeiten.
    Während die Epigenetik beschreibt, wie Umweltfaktoren und Lebensstil die Aktivität unserer Gene beeinflussen, untersucht die Pharmakogenetik, wie der Körper ihm zugeführte Substanzen tatsächlich aufnimmt und verarbeitet. Dies kann sehr individuell sein und durch natürliche, erbliche Variationen im Erbgut beeinflusst werden. In der Fachsprache spricht man in solchen Fällen von sogenannten Polymorphismen.
    Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Viele Menschen nehmen synthetische Folsäure (Vitamin B9) als Nahrungsergänzungsmittel zu sich, aber ihre Blutwerte verbessern sich nicht und die Müdigkeit bleibt. Die Ursache kann in einer weit verbreiteten, vererbten Genvariation liegen, die den Folsäurestoffwechsel beeinflusst: dem sogenannten MTHFR-Polymorphismus.
    In Deutschland tragen laut dem Medizinisch-Genetischen Zentrum München 30 bis 40 Prozent diesen Polymorphismus in einer Genkopie und etwa 10 bis 15 Prozent in beiden, also sowohl in der von der Mutter als auch in der vom Vater vererbten Genkopie.
    Eine vergleichende klinische Studie zeigte, dass Patienten mit solchen veränderten MTHFR-Genen herkömmliche Folsäure schlechter in die biologisch aktive Form, die der Körper verwerten kann, umwandeln können. Hingegen profitieren sie, wenn sie direkt die biologisch aktive Form, das Methyltetrahydrofolat (MTHF) einnehmen. Zudem bestätigte eine Übersichtsarbeit, dass die Gabe von aktivem 5-MTHF den potenziell blockierten Stoffwechselweg umgeht, direkt aufgenommen wird und damit eine sicherere Nährstoffzufuhr für die zelluläre Versorgung darstellt.

    Ein persönliches Nährstoff-Rezept

    Aus ganzheitlicher Sicht ist die Mikronährstoff-Therapie kein Modetrend, sondern das Fundament einer ursachenorientierten Medizin. Durch eine präzise Diagnostik wird ein maßgeschneidertes Nährstoff-Rezept ermöglicht.
    Auch bei Frau S. führte die gezielte Auffüllung der ihr fehlenden Mikronährstoffe dazu, dass sie wieder durchschlafen konnte, ihre innere Unruhe abnahm und sie sich nach langer Zeit erstmals wieder belastbar fühlte. Für sie war es ein Wendepunkt: die Erkenntnis, dass „normale Blutwerte“ nicht bedeuten, dass die Zellen auch tatsächlich gut versorgt und leistungsfähig sind, und ein persönliches Nährstoff-Rezept helfen kann, um den Mangel auszugleichen.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (Redaktionelle Bearbeitung cs)
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    Warum Ihr Immunsystem altert und wie Sie den Alterungs-Prozess verlangsamen können

    Robert war schon immer der Gesunde gewesen. Mit 71 Jahren spielte er immer noch zweimal pro Woche Golf, benötigte keine regelmäßigen Medikamente und hatte die lebenslange Angewohnheit, jede Erkältung oder Grippe, die grassierte, einfach abzuschütteln. Jedoch in den zwei Jahren seit dem Tod seiner Frau schien etwas in ihm nicht mehr zu funktionieren.
    Eine Schürfwunde am Schienbein, die eigentlich innerhalb einer Woche verheilt sein sollte, brauchte nun einen Monat, um zu heilen. Erkältungen, die er früher einfach abgetan hätte, warfen ihn nun völlig aus der Bahn. Dann kam die Gürtelrose, eine Viruserkrankung, die schon einmal in seinen Fünfzigern ausgebrochen war.
    Sein Internist führte die Standarduntersuchungen durch: ein großes Blutbild, ein Stoffwechselprofil. Alle Werte waren normal.
    Um zu verstehen, was mit Robert geschah, betrachtete ich ihn durch die vier Dimensionen, mit denen ich jedes alternde System beurteile. Ich nenne diesen Ansatz das ACES-Modell: Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
    Die Struktur des Körpers beherbergt seine Abwehrkräfte. Die Chemie entzündet oder dämpft sie. Energie treibt sie an. Und die unverarbeitete Last im Leben eines Menschen – Trauer, Isolation und Verlust – kann die Abwehrkräfte auf eine Weise schwächen, die kein Standard-Blutbild erfassen kann. Von allen Organsystemen des Körpers ist das Immunsystem vielleicht dasjenige, bei dem diese vierte Dimension am stärksten ins Gewicht fällt.

    Die alternde Armee

    Das Immunsystem ist die stehende Armee des Körpers: ein riesiges Netzwerk, das Eigenes von Fremdem unterscheidet, sich an alte Feinde erinnert, beschädigtes Gewebe repariert und entartete Zellen beseitigt.
    Diese Armee stützt sich auf Organe, die man selten als solche wahrnimmt. Das Knochenmark produziert die weißen Blutkörperchen für die Front. Der Thymus, eine Drüse hinter dem Brustbein, bildet die T-Zellen aus, welche die Abwehr koordinieren. Milz und Lymphknoten filtern das Blut nach Erregern, während die Darmschleimhaut als größte Schutzmauer zur Außenwelt den Großteil des Immunsystems beherbergt.
    Mit den Jahren schrumpft diese Armee jedoch nicht einfach, sie verändert ihren Charakter. Sie reagiert träger auf neue Bedrohungen, entzündet sich schneller und wird vergesslicher.
    Wissenschaftler nennen diesen langsamen Verfall „Immunoseneszenz“. Das deutlichste Beispiel liefert der Thymus: Er beginnt schon nach der Pubertät zu schrumpfen und besteht im Alter fast nur noch aus Fettgewebe. Dass ältere Menschen schlechter auf neue Infektionen oder Impfstoffe ansprechen, liegt schlicht daran, dass das Organ kaum noch neue Abwehrzellen produziert, also unbeschriebene Blätter, die schnell lernen können, einen bisher unbekannten Erreger zu erkennen.

    Gleichzeitig wird die Darmschleimhaut durchlässiger, und das Knochenmark verändert seine Strategie: Es produziert vorrangig Zellen für die grobe Immunantwort. Diese erzeugen flächendeckende Dauerentzündungen, anstatt den Erreger passgenau zu bekämpfen.

    Das schwelende Feuer der Entzündung

    Für den chemischen Wandel des alternden Immunsystems gibt es einen Fachbegriff: Inflammaging.

    Im Alter neigt der Körper dazu, in eine chronische, leichtgradige Entzündung abzugleiten. Gemeint ist nicht die nützliche Abwehrreaktion, die bei einer Verletzung kurz aufflammt und wieder vergeht. Es ist ein dauerhaftes, leises Feuer, das im Hintergrund weiterbrennt.

    Geschürt wird dieser Brand vor allem durch vier Faktoren:

    • Bauchfett: Tief sitzendes Bauchfett (viszerales Fett), das Entzündungen begünstigt.
    • Schlafmangel: Fehlende Regeneration treibt die Entzündungswerte hoch.
    • Ernährung: Zucker und stark verarbeitete Produkte liefern ständig Brennstoff.
    • Stress: Chronische Seelenlast gießt direkt Öl ins Feuer.

    Die Folgen dieser Dauerbelastung hinterlassen Spuren. Inflammaging gilt als ein wichtiger Risikofaktor für die großen Alterskrankheiten, von Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und Alzheimer über Krebserkrankungen bis hin zur körperlichen Gebrechlichkeit.

    Roberts Entzündungsmarker waren erhöht, wenn auch nur geringfügig. Seine häufigen Infektionen und die langsame Wundheilung waren der sichtbare Rauch, der aus dem Feuer aufstieg.

    Die Immunalterung lässt sich im Standard-Blutbild nicht ablesen. Um sie sichtbar zu machen, sind spezielle Untersuchungen nötig:

    • Das Zellverhältnis: das Gleichgewicht zwischen jungfräulichen naiven T-Zellen und erfahrenen Gedächtniszellen
    • Die Viruslast: die lebenslange Spurensuche nach weit verbreiteten Erregern
    • Die Entzündungsmarker: die Konzentration von Entzündungssignalen im Blut
    • Die Impfantwort: wie träge der Körper auf Schutzimpfungen reagiert

    Wer bei sich Anzeichen einer Immunalterung vermutet, sollte den Arzt um Werte bitten, die in der Routine fehlen – mindestens um das hochsensible C-reaktive Protein. Ein anhaltend erhöhter Wert ist ein klares Signal, den Lebensstil anzupassen.

    Abhilfe ist möglich: Der Abbau von viszeralem Fett dämpft Entzündungsprozesse direkt. Eine Ernährung aus reichlich Gemüse, fettem Fisch und Olivenöl löscht das Feuer, das Zucker und stark verarbeitete Produkte immer wieder anfachen.

    Kann der Geist zurückschlagen?

    Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird ein Mensch, der von Trauer zermürbt ist, zur leichten Beute für Krankheiten. Mit anderen Worten: Anhaltende Trauer schwächt die Abwehrkräfte. Die westliche Wissenschaft hat in den letzten rund 50 Jahren einen Teil dieses Zusammenhangs durch ein ganzes Forschungsgebiet bestätigt: Die Psychoneuroimmunologie, also die Erforschung der Kommunikation zwischen Geist und Immunsystem.
    Eine Studie aus dem Jahr 2005 ergab, dass einsamere Studienanfänger eine schwächere Antikörperreaktion auf den Grippeimpfstoff zeigten, was Einsamkeit direkt mit einer messbaren Beeinträchtigung des Immunsystems in Verbindung brachte.
    Chronische Trauer und Depressionen erhöhen Entzündungsmarker und unterdrücken genau jene Zellen, die Viren bekämpfen und nach Krebszellen suchen.
    Hinterbliebene Ehepartner weisen in der Zeit nach ihrem Verlust nachweislich eine verminderte Immunfunktion sowie eine erhöhte Krankheits- und Sterblichkeitsrate auf. Ein Muster, das in der medizinischen Fachliteratur einen eigenen Namen erhalten hat: Der Witwen-Effekt. Robert war das lebende Beispiel für diese Erkenntnis.
    Als ich ihn schließlich nach seiner Trauer fragte, zeichnete sich das vollständige Bild ab. Er hatte aufgehört zu kochen, denn das Kochen war etwas gewesen, das er und seine Frau gemeinsam getan hatten. Er hatte sich von seinen Freunden zurückgezogen. Er schlief auf einem Sessel statt in dem Bett, das sie sich geteilt hatten. Er war im wahrsten Sinne des Wortes schutzlos – seine Trauer zerstreute seine schützende Energie, wie es die TCM ausdrücken würde, und seine Isolation unterdrückte seine Immunzellen, wie es die moderne Forschung beschreiben würde.
    Kann sich der Geist also wehren? Es gibt Hinweise darauf, die dies bejahen, und genau das ist der Teil, den ich meinen Patienten am liebsten vermitteln möchte.

    Zurück ins Leben

    Untersuchungen belegen, dass Sinnstiftung und Zugehörigkeit (eudaimonisches Wohlbefinden) die Genaktivität des Immunsystems positiv verändern: Entzündungssignale nehmen ab, die Abwehr von Viren nimmt zu. Die Mechanismen sind dieselben: So wie Trauer den Körper schwächt, kann Sinn ihn wieder aufrichten.
    Was ich mit Robert erarbeitete, war kein Rezept, sondern ein Weg zurück ins Leben.
    An erster Stelle stand gesunder Schlaf als Fundament jeder Heilung. Wir brachten wieder Struktur in seine Küche: Selbst zu kochen bedeutete für ihn nun, den Körper zu nähren und sich täglich neu gegen die Verzweiflung zu behaupten. Wir gaben der Isolation keine Chance mehr – durch ein festes Abendessen mit seinen Golffreunden, die Rückkehr in den Verein und eine ehrenamtliche Aufgabe. Und wir benannten die Trauer offen, statt zuzulassen, dass sie im Hintergrund weiterzehrt.
    Nach einem Jahr traten die Infekte kaum noch auf. Robert hatte nicht nur seine Immunabwehr zurückgewonnen, sondern auch ein Teil seiner Lebensfreude war zurückgekehrt.

    Das Immunsystem wie eine Geschichte lesen

    Roberts Internist lag mit seiner Diagnose nicht falsch: Roberts Immunsystem alterte tatsächlich. Doch die Endgültigkeit dieses Befundes übersah genau das, was sein Leiden überhaupt erst heilbar machte.

    Seine Anatomie glich einer Armee, die über die Jahre geschwächt worden war. Seine Chemie zeigte das leise Feuer einer Dauerentzündung, die im Hintergrund brannte. Seine Energie offenbarte eine Abwehrkraft, die durch Trauer und gestörten Schlaf ausgelaugt war. Und seine Seele legte schließlich den Ursprung von all dem offen: einen tiefen Verlust, der seine Abwehrkräfte aktiv lähmte – über biologische Pfade, welche die Forschung heute immer besser versteht.

    Hätten wir nur Roberts Symptome bekämpft, mit einem Antibiotikum nach dem anderen, hätten wir bloß den Rauch vertrieben, während der Brand im Verborgenen weiter wüten würde.

    Das ACES-Modell fordert dazu auf, alle vier Dimensionen als Ganzes zu betrachten. Denn im Immunsystem greift jedes Zahnrad ins andere:

    Trauer schürt Entzündungen, Entzündungen lassen Immunzellen schneller altern, Schlafmangel raubt dem Körper die Energie, und jede Umdrehung treibt die nächste an. Erst als wir an allen vier Stellschrauben gleichzeitig ansetzten, ließ sich dieser Teufelskreis durchbrechen.

    Das Immunsystem altert. Diese Wahrheit gilt für uns alle. Doch unsere Abwehr ist dem Leben, das wir führen, keineswegs schutzlos ausgeliefert. Sie ist nicht irreparabel. Der Geist kann sich tatsächlich wehren. Und wenn er es tut, erwacht die älteste Armee des Körpers zu neuem Leben.

    Lidan Du-Skabrin, die einen Doktortitel in Ernährungswissenschaften besitzt, hat zu diesem Artikel beigetragen. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Your Immune System Ages and How to Slow It Down“. (deutsche Bearbeitung kr)
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    Gesunde Süßkartoffeln: Eines der ältesten Gemüse neu entdeckt


    In Kürze:

    • Süßkartoffeln sind in vielen Ländern der Welt ein wichtiges Grundnahrungsmittel.
    • Sie liefern wertvolle Makro- und Mikronährstoffe, die die Gesundheit fördern.
    • Süßkartoffeln können dabei unterstützen, chronischen Erkrankungen vorzubeugen.
    • In der Küche sind Süßkartoffeln wahre Multitalente und vielseitig verwendbar.

     
    Die Süßkartoffel zählt zu den ältesten Gemüsesorten und wurde bereits vor 5.000 Jahren in Mittel- und Südamerika kultiviert. Heute zählt die Knolle in vielen tropischen und subtropischen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. In den USA ist die Süßkartoffel eine beliebte Beilage zum Truthahnbraten am Thanksgiving-Fest.
    In den vergangenen Jahren hat sie sich auch hierzulande einen festen Platz in den Küchen erobert und ist mittlerweile ganzjährig in den Supermarktregalen zu finden. Meist stammt sie aus Importen aus Spanien oder Übersee. Immer häufiger findet man allerdings auch Angebote aus regionalem Anbau. Wer der wärmeliebenden Pflanze einen sonnigen und geschützten Standort im Garten bietet, kann die vielseitige Knolle sogar selbst anbauen.
    Wenngleich Süßkartoffeln in der Erde wachsen und in ihrer Konsistenz und Verarbeitungsmöglichkeiten der Kartoffel ähneln, sind sie botanisch nur sehr entfernt mit ihr verwandt. Während Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen zählen, ist die Süßkartoffel ein Windengewächs. Im Gegensatz zur Kartoffel kann man Süßkartoffeln auch roh und mit Schale essen, da sie kein giftiges Solanin enthalten. Süßkartoffeln werden auch Batate genannt.

    Ausgewogenes Nährstoffprofil

    Süßkartoffeln zählen zu den nährstoffreichsten Gemüsesorten, die die Gesundheit auf vielfältige Weise unterstützen können. Sie liefern komplexe Kohlenhydrate, die angenehm und lange sättigen. Zudem bietet das Gemüse viele Ballaststoffe, die eine gute Darmflora fördern.
    Des Weiteren versorgen uns Süßkartoffeln mit einer ausgewogenen Mischung an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Sie enthält Calcium, Magnesium und Phosphor, die den Aufbau von Knochen und Zähnen fördern. Ihre großen Mengen an Kalium wirken sich positiv auf ein gestresstes Nervensystem aus und können bei der Entsäuerung des Organismus helfen. Außerdem liefern sie Eisen und Zink, die gemeinsam mit Vitamin C das Immunsystem unterstützen.
    Die enthaltenen B-Vitamine und Folat unterstützen die Energiegewinnung und die Funktion des Nervensystems. Süßkartoffeln helfen daher auch in stressigen Zeiten, den Körper mit wichtigen Vitalstoffen zu versorgen.

    Antioxidativ und entzündungshemmend

    Besonders hervorzuheben ist ihr hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wie Beta-Carotin (Provitamin A), das den Süßkartoffeln ihre tief orange Farbe verleiht. Es schützt und stärkt Haut und Schleimhäute und wirkt antioxidativ. Vitamin A ist außerdem essentiell für eine gute Sehkraft.
    In violetten Süßkartoffeln befinden sich zudem farbgebende Anthocyane. Anthocyane zählen zu den Polyphenolen und sind ebenso für ihr hohes antioxidatives Potenzial und ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt sind. Laut einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit von 2022 steht der Verzehr von violetten Süßkartoffeln in engem Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer verbesserten kognitiven Funktion.

    Süßkartoffeln für stabilen Blutzucker

    Trotz ihres süßen Geschmacks lassen Süßkartoffeln den Blutzucker in der Regel weniger schnell ansteigen als herkömmliche Kartoffeln, was auf die enthaltenen Polysaccharide, Ballaststoffe und sekundären Pflanzenstoffe zurückzuführen ist. Der regelmäßige Genuss von Süßkartoffeln kann dabei helfen, Blutzuckerschwankungen und Übergewicht zu vermeiden.
    Darüber hinaus befindet sich in der Schale von Süßkartoffeln der sekundäre Pflanzenstoff Caiapo. Eine Studie der Universität Wien fand heraus, dass Caiapo den Nüchternblutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetikern senken kann und sich gleichzeitig günstig auf den Cholesterinspiegel auswirkt.

    Multitalent in der Küche

    Süßkartoffeln können vielseitig und kreativ zubereitet werden. Man kann sie wie Kartoffeln mit Schale kochen oder dämpfen und mit etwas Butter oder Avocado essen. Ebenso gut können sie im Ofen im Ganzen gebacken werden. Dafür die Süßkartoffel mit einer Gabel rundum einstechen. Durch das Backen intensiviert sich die Süße, die mit Gewürzen wie Zimt, Muskat oder Kreuzkümmel harmoniert.
    Auch püriert als Suppe oder Püree schmeckt die Süßkartoffel hervorragend, wobei sie hierfür am besten ohne Schale verwendet wird. Besonders beliebt ist die Batate in Form von Pommes oder Wedges aus dem Ofen, die gerne als Beilage zu Burger oder Bowls gereicht werden.
    Außerdem passt die Süßkartoffel in Gemüseeintöpfe und Currys, als Aufstrich oder – kalt in Scheiben geschnitten – in den Salat. Roh kann man sie wie Karotten fein raspeln und als Salat zubereiten. Aufgrund ihrer natürlichen Süße kann die Batate sogar in Süßspeisen wie Kuchen, Brownies oder Eis verarbeitet werden. Dafür werden die Süßkartoffeln zunächst gekocht oder gebacken und dann püriert. Sodann sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
    Wer sich Süßkartoffeln auf Vorrat kauft, sollte auf die richtige Lagerung achten. Bei kühlen Temperaturen wie im Kühlschrank werden sie zäh und verlieren an Geschmack. Am besten lagerfähig sind Süßkartoffeln an einem trockenen, kühlen und dunklen Ort bei etwa 13 bis 16 Grad.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. 
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    Gefahrgutalarm: Terminal 1 am BER geräumt

    Das Terminal 1 am Flughafen BER ist am Donnerstagabend wegen „Gefahrgutalarm“ geräumt worden.
    Wegen des Verdachts auf einen gefährlichen Stoff habe die Bundespolizei gegen 17:45 Uhr entsprechenden Alarm ausgelöst, sagte eine Flughafensprecherin der dts Nachrichtenagentur. Aus Sicherheitsgründen sei der öffentliche Bereich des Terminal 1 geräumt worden.
    Ein Bundespolizist sagte der dts Nachrichtenagentur gegen 19:30 Uhr auf Anfrage, die Sperrung des Terminals dauere noch an. Am Abend wurden zunächst bis auf die Absage eines Eurowings-Flugs nach Stuttgart keine Angaben über Flugstreichungen gemacht, verschiedene Maschinen hoben ab.
    Bereits abfertigungsbereite Maschinen könnten noch starten, im Anflug befindliche Maschinen könnten weiterhin landen, sagte eine Flughafen-Sprecherin. Die Abfertigung werde so weit wie möglich auf Terminal 2 verlegt. „Die Abläufe sind geordnet“, sagte sie. (dts/red)
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    Neue Alzheimer-Bluttests: Durchbruch in der Früherkennung – oder gefährliche Falle für Patienten?

    Wenn Gedächtnisprobleme auftreten, ist eine der schwierigsten Fragen für Patienten und Angehörige, ob diese auf den normalen Alterungsprozess oder auf die frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit zurückzuführen sind. Jahrzehntelang war zur Bestätigung einer Alzheimer-Erkrankung eine Lumbalpunktion oder eine teure Gehirnuntersuchung erforderlich.
    Nun kann eine einfache Blutentnahme, wie sie bei Routineuntersuchungen durchgeführt wird, die charakteristischen Anzeichen der Krankheit erkennen, und das Jahre bevor überhaupt Gedächtnisverlust auftritt.
    Diese Entwicklung gewann durch die kürzlich erfolgte Zulassung für bestimmte Alzheimer-Bluttests durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) sowie das erhaltene CE-Zertifikat für den europäischen Markt an Bedeutung.
    Allerdings mahnen dieselben Experten, die die Tests begrüßen, zur Vorsicht hinsichtlich der Frage, wer einen solchen Test erhalten sollte und warum.

    Was die neuen Bluttests messen

    Die Tests suchen nach Biomarkern – Proteinen im Blut, die auf Veränderungen im Gehirn hinweisen, darunter:
    • Amyloid-beta: Ein Protein, dessen abnormale Ablagerung im Gehirn sich in messbaren Veränderungen im Blut widerspiegeln kann. Amyloid-Plaques können sich bereits 20 Jahre oder länger vor dem Auftreten von Gedächtnisproblemen im Gehirn ansammeln. Obwohl die Amyloid-beta-Theorie in den letzten Jahren in Frage gestellt wurde, wird sie nach wie vor als wichtiger Biomarker herangezogen.
    • Tau: Ein Protein, das zur Stützung der Nervenzellen beiträgt. Bei der Alzheimer-Krankheit können sich abnormale Formen von Tau ansammeln und im Gehirn Verklumpungen bilden.
    • Phosphoryliertes Tau (p-Tau): Modifizierte Formen von Tau, die eng mit den durch Alzheimer bedingten Veränderungen im Gehirn verbunden sind. Verschiedene Bluttests messen modifizierte Formen des Tau-Proteins, die oft nach der Stelle der Veränderung benannt werden, wie beispielsweise p-Tau181 oder p-Tau217. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass p-Tau217 einer der genauesten Indikatoren für die Erkrankung sein könnte.
    • Gliales fibrilläres saures Protein (GFAP): Ein Marker für die Schädigung von Astrozyten, wichtigen Stützzellen des Gehirns.
    • Leichte Kette des Neurofilaments: Ein Protein, das bei einer Schädigung von Nervenzellen freigesetzt wird und auf eine fortschreitende Neurodegeneration hindeuten kann.
    Dennoch weisen Forscher darauf hin, dass diese Marker eher Folgeerscheinungen als die eigentlichen Ursachen erfassen.
    „Wir wissen noch nicht, was die früheste Veränderung bei der Alzheimer-Krankheit ist“, sagte George Perry, Professor für Neurobiologie an der University of Texas in San Antonio und Mitglied des medizinischen Beirats der Alzheimer’s Foundation of America, gegenüber der Epoch Times.
    Tau helfe dabei, Alzheimer-bedingte Veränderungen im Gehirn bei Menschen zu identifizieren, die bereits kognitive Symptome zeigen, so Perry.
    Forscher gehen jedoch davon aus, dass die Krankheit mit anderen biologischen Veränderungen beginnt, wie oxidativem Stress und mitochondrialer Dysfunktion, für die bislang noch keine zuverlässigen Biomarker etabliert wurden, fügte er hinzu.

    Wie genau sind die Tests?

    Durch die Messung subtiler Veränderungen bei Proteinen wie p-Tau217 und Amyloid-beta können neuere Bluttests abschätzen, ob im Gehirn Marker für Alzheimer vorliegen.
    Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit 1.213 Personen, die wegen kognitiver Probleme untersucht wurden, ergab, dass diese Tests eine diagnostische Genauigkeit von 88 bis 92 Prozent aufwiesen und die alleinigen Beurteilungen durch medizinisches Fachpersonal übertrafen.
    Eine andere Studie mit 1.759 Teilnehmern ergab, dass Bluttests die diagnostische Genauigkeit der Rückenmarksflüssigkeitsanalyse erreichen können – bei Menschen mit frühen Symptomen bis zu 95 Prozent.
    Diese Zahlen sollten jedoch nicht so interpretiert werden, dass jeder Alzheimer-Bluttest zu 95 Prozent genau ist. Die Leistungsfähigkeit variiert je nachdem, wonach der Test sucht, welcher Schwellenwert zur Bestimmung eines positiven oder negativen Ergebnisses herangezogen wird und um welchen Patienten es sich handelt.

    Ein positiver Test sagt nicht alles aus

    Trotz der Genauigkeitswerte sind sich Experten einig, dass ein Bluttest allein keine Alzheimer-Diagnose stellen kann.
    Die größte Sorge sei eine Fehlinterpretation, erklärte Dr. David Perlmutter, Facharzt für Neurologie und Autor, gegenüber der Epoch Times.
    „Ein falsch-positives Ergebnis kann unnötige Ängste auslösen, während ein falsch-negatives Ergebnis falsche Sicherheit vermitteln kann. Diese Tests sollten im Rahmen einer Beratung und im klinischen Kontext eingesetzt werden“, so Perlmutter.
    Perry zog einen Vergleich zu einem bekannten und bekanntermaßen unvollkommenen Screening-Verfahren:
    „Ich sehe Bluttests auf Alzheimer ähnlich wie den PSA-Test [Prostata-spezifisches Antigen]. Ein positives Ergebnis deutet auf eine Abweichung vom Normalzustand hin, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass eine Person an der Krankheit leidet.“
    Bluttests könnten als nützliche Basisuntersuchung dienen, doch ihre Grenzen müssten besser verstanden werden, sagte er.
    Deshalb warnt Perry davor, diese Tests zur Vorsorgeuntersuchung der allgemeinen alternden Bevölkerung einzusetzen. Falsch-positive Ergebnisse könnten kognitiv gesunde Menschen zu unnötigen oder riskanten Behandlungen drängen, um einer Krankheit vorzubeugen, die sie möglicherweise gar nicht haben oder niemals bekommen werden. Ihr größerer kurzfristiger Nutzen liege eher in der Alzheimer-Forschung – bei der Definition von Patientengruppen und der Messung der Wirksamkeit verschiedener Behandlungen, sagte er.
    Diese Tests sollten als Teil einer umfassenderen klinischen Beurteilung betrachtet werden, zusammen mit Symptomen, Familienanamnese, kognitiven Tests, Medikamenteneinnahme, Schlaf, Stimmung, vaskulärem Risiko, Markern für den Stoffwechselzustand und möglichen Ursachen für kognitive Probleme, so Perlmutter.
    Je nach Bluttest und Symptombewertung können zur Bestätigung weiterhin Untersuchungen des Liquors oder PET-Bildgebungsverfahren angebracht sein.
    Aktuelle Leitlinien der Alzheimer’s Association besagen, dass die Tests bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eingesetzt werden sollten, die wegen des Verdachts auf Alzheimer untersucht werden, anstatt sie als eigenständige Screening-Tests in der Allgemeinbevölkerung zu verwenden.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „A Blood Test May Detect Alzheimer’s Years Before Symptoms Appear—Here’s What to Know“. (deutsche Bearbeitung kr)
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    Starke Füße, wacher Geist: Warum Sie öfter barfuß gehen sollten


    In Kürze:

    • Moderne Schuhe sorgen dafür, dass unsere Fußmuskeln weniger beansprucht werden, was sie schwächer macht.
    • Barfußlaufen kann aber nicht nur die Muskeln direkt am Fußskelett stärken, sondern auch das Gleichgewicht und eine gesunde Körperhaltung fördern.
    • Da Füße zahlreichen Nervenrezeptoren haben, die ständig mit dem Gehirn kommunizieren, beruhigt das Barfußlaufen das Nervensystem, sorgt für Entspannung und steigert die Konzentration.
    • Wer immer in Schuhen unterwegs ist, sollte es beim Barfußlaufen langsam angehen lassen und es mit einem weichen Untergrund wie etwa Gras oder Sand anfangen.

     
    Barfußlaufen bietet Vorteile von Kopf bis Fuß. Es verbessert die Fußfunktion und kurbelt zudem die Gehirnaktivität an.
    „Unsere Füße sind unsere zentrale Verbindung zum Boden und eine wichtige Informationsquelle für unser Nervensystem“, sagte der Chiropraktiker Mark Morningstar gegenüber Epoch Times.

    Stärkere Füße

    Die Vorteile des Barfußlaufens zeigen sich am deutlichsten an den Füßen und in der Art und Weise, wie wir uns bewegen. Kinder, die häufig barfuß laufen, können laut Untersuchungen besser springen und entwickeln einen besseren Gleichgewichtssinn.
    Laut einer Metaanalyse aus dem Jahr 2025, die 213 Teilnehmer umfasste, verfügen Turner, die barfuß trainieren, über eine größere Stabilität und stärkere Fußmuskeln. Auch zeigte sich bei ihnen eine bessere neuromuskuläre Kontrolle, also eine bessere Signalübertragung zwischen den Muskeln und dem Nervensystem.
    „Barfußlaufen ermöglicht es den kleinen intrinsischen Muskeln des Fußes, optimal zu arbeiten“, sagte Morningstar dazu.
    Die intrinsischen Muskeln direkt am Fußskelett sind entscheidend für das Gleichgewicht und feinmotorische Bewegungen.
    Moderne Schuhe stützen das Fußgewölbe und verringern so tendenziell die Belastung, die auf die kleinen Muskeln in den Füßen einwirkt. Dadurch müssen die intrinsischen Muskeln weniger arbeiten. Das sorgt mit der Zeit dafür, dass sich die Muskeln weniger entwickeln und durch mangelnde Beanspruchung schwächer werden.
    Da die Füße die Grundlage für die Bewegung des Körpers bilden, können schwache Füße auch die Gesundheit der Wirbelsäule beeinträchtigen. Morningstar zufolge kann Barfußlaufen „ein wertvolles Mittel sein, um gesündere Bewegung und eine bessere Körperhaltung zu fördern“.

    Ein ruhigeres, schärferes Gehirn

    Die Vorteile des Barfußlaufens beschränken sich nicht nur auf die Füße. Es unterstützt auch das Gehirn und das Nervensystem.
    Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2024. Sie verglich, wie sich das Barfußlaufen und das Laufen in Turnschuhen auf die kognitiven Funktionen bei Teenagern auswirken. Im Rahmen der Studie absolvierten beide Gruppen zwölf Wochen lang viermal pro Woche eine 40-minütige Laufeinheit. Die Forscher maßen vor und nach dem Lauf die Gehirnaktivität mithilfe von EEG-Scans.
    Am Ende nahmen bei der Barfußgruppe die Gehirnwellen signifikant ab, die mit Stress und Überaktivität in Verbindung stehen. Wellen, die mit einem ruhigeren, entspannten und dennoch wachen Geisteszustand assoziiert sind, nahmen hingegen zu. Zudem verbesserten sich in dieser Gruppe die kognitive Geschwindigkeit und Konzentration deutlich, was bei der Turnschuhgruppe weniger ausgeprägt war.
    Eine Erklärung könnte sein, dass nackte Füße weitaus mehr sensorische Informationen aufnehmen als Füße in Schuhen. Die zahlreichen Nervenrezeptoren in den Füßen senden ständig Rückmeldungen an das Gehirn. Das Bewegen der Zehen erhöht zudem die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Gehirns.
    Diese sensorischen Reize wirken sich auch auf das autonome Nervensystem aus. Das ist jener Teil des Nervensystems, der weitgehend im Autopilot-Modus arbeitet und Funktionen wie Herzfrequenz und Stressreaktion steuert.
    „Die Füße sind ein Bestandteil eines integrierten neurologischen Systems“, sagte Morningstar dazu.

    Ein entspannterer Körper und weniger Entzündungen

    Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2025 fördert der direkte Kontakt zwischen nackten Füßen und natürlichen Oberflächen, dass sich der Körper entspannt und von Stress erholt und den Serotoninspiegel erhöht.
    „Es geht darum, dem Nervensystem eine weitere Gelegenheit zu bieten, Sicherheit, Präsenz und Verbundenheit zu erfahren“, erklärte Sandra Nathan gegenüber Epoch Times. Sie ist integrative Therapeutin und Spezialistin für die Regulierung des Nervensystems.
    Anstatt sich in ängstlichen Gedanken über die Vergangenheit zu verstricken oder sich Sorgen um die Zukunft zu machen, richtet man seine Aufmerksamkeit ganz natürlich wieder auf den gegenwärtigen Moment – die Erde unter den Füßen.
    „Dieses Umschalten ist wichtig, weil das Nervensystem nicht nur auf unsere Gedanken reagiert, sondern auch darauf, was unser Körper erlebt“, so Nathan.
    Ferner kann Barfußlaufen auch dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren. Das geschieht vermutlich durch zwei Mechanismen: 
    1. Die Reflexzonenmassage, bei der Druck auf die Fußsohlen die Nervenenden stimuliert. 
    2. Das „Earthing“, also der direkte Hautkontakt mit der Erdoberfläche, bei dem ein Elektronenaustausch stattfinden soll, der freie Radikale im Körper reduziert.

    Macht die Oberfläche einen Unterschied?

    Die Oberfläche unter den Füßen beeinflusst, wie der Körper reagiert.

    Gras

    Gras bietet eine sanfte Stimulation und die Nervenenden in der Haut nehmen leichte Berührungen wahr. 
    Wenn wir über Gras laufen, senden diese Rezeptoren einen ständigen Informationsstrom an das Gehirn. Dabei helfen sie den Muskeln in den Füßen, kleine Anpassungen vorzunehmen, die Körperhaltung und Gleichgewicht verbessern. 
    Dies könnte erklären, warum Barfußlaufen auf Gras nachweislich das Gleichgewicht verbessert.

    Sand

    Sand hilft hingegen dabei, die unteren Gliedmaßen zu stärken. Da die Ferse bei jedem Schritt einsinkt, müssen die Muskeln in den Füßen und Beinen stärker arbeiten, um den Körper vorwärts zu bewegen.

    Waldboden

    Wege, die mit Erde, Rinde oder kleinen Steinen bedeckt sind, sind eine andere Art Herausforderung. Die unebene Oberfläche erzeugt einen akupressurähnlichen Effekt. Dieser verstärkt den Fluss sensorischer Informationen von den Füßen zum zentralen Nervensystem und trägt so dazu bei, das Gleichgewicht und die Körperhaltung zu verbessern.

    Tipps für die ersten Schritte

    Wer es mit dem Barfußlaufen probieren möchte, sollte klein anfangen, rät die integrative Therapeutin Nathan. „Man muss nicht stundenlang barfuß laufen, um mögliche Vorteile zu erleben. Schon fünf oder zehn Minuten auf einer sicheren, sauberen Oberfläche wie Gras oder Sand können eine schöne Gelegenheit sein, einen Gang runterzuschalten und wieder zu sich selbst zu finden“, meinte sie.
    Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, ob man es „richtig“ mache, ermutigt sie Anfänger dazu, neugierig zu sein. Man sollte auf verschiedene Signale achten:
    • das Gefühl unter den Füßen,
    • die Atmung,
    • ob sich die Schultern entspannen,
    • ob die Gedanken zur Ruhe kommen.
    Barfußlaufen mag viele Vorteile bieten, sei aber nicht für jeden geeignet, sagte der Chiropraktiker Morningstar. „Jemand, der jahrelang in sehr steifen und stark gepolsterten Schuhen unterwegs war, wird nicht plötzlich anfangen können, lange Strecken barfuß zurückzulegen“, erklärte er.
    Die Füße brauchen Zeit, um allmählich stärker zu werden. Ihm zufolge sind Menschen mit bestimmten Erkrankungen im Allgemeinen sicherer, wenn sie festes Schuhwerk tragen. Dazu gehören Personen mit Leiden wie 
    • diabetische Neuropathie,
    • schwere Fußdeformitäten,
    • schwere Arthritis,
    • Osteoporose mit hohem Frakturrisiko,
    • einige Gleichgewichtsstörungen.

    Barfußlaufen ist kein Allheilmittel

    Die integrative Therapeutin Nathan erläuterte, dass die Menschen ein großes Missverständnis bezüglich des Regulierens des Nervensystems haben. Sie erwarten, dass eine einzige Sache ihr Leben über Nacht verändert. In Wirklichkeit verlaufe die Heilung meist viel sanfter.
    „Unser Nervensystem lernt durch Erfahrungen. Jedes Mal, wenn wir Momente der Geborgenheit, Verbundenheit, Ruhe oder Freude erleben, bringen wir ihm etwas Neues bei“, sagte sie.
    Für manche sei diese Erfahrung das Barfußlaufen. Für andere sei es Gartenarbeit, in der Natur zu sitzen, achtsames Atmen oder Zeit mit Menschen zu verbringen, die ihnen ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln, meinte sie.
    „Heilung geschieht durch kleine Erfahrungen der Geborgenheit, die sich im Laufe der Zeit wiederholen.“
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Happens When You Walk Barefoot“ (redaktionelle Bearbeitung: as)