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Schutz für die Gefäße: Warum Vitamin K2 die Arterienverkalkung verlangsamen könnte

Eine kürzlich veröffentlichte klinische Studie ergab, dass bei Patienten mit Herzerkrankungen, die eine Form von Vitamin K2 einnahmen, das Risiko für künftige Herzerkrankungen sank. Die Arterienkalziumwerte der Patienten, die das Präparat einnahmen, stiegen im untersuchten Zeitraum über zwei Jahre langsamer an als die der Patienten, die ein Placebo erhielten.
Die Verkalkung der Herzkranzgefäße, ein wichtiger Marker für Arteriosklerose, betrifft viele. Schätzungen zufolge leiden circa 4,7 Millionen Menschen in Deutschland an Arterienverhärtungen, was ihr Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich erhöht.

Vitamin K bremst koronare Atherosklerose leicht

Die Ergebnisse der Studie, die kürzlich in „JAMA Cardiology“ veröffentlicht wurde, deuten darauf hin, dass die Einnahme von Vitamin K2 in Form von Menaquinon-7 (MK-7) das Fortschreiten der Kalziumablagerungen in den Arterien von Patienten mit bestehender Herzerkrankung verlangsamen könnte.
Die Studie wurde von 2012 bis 2022 an zwei Krankenhäusern in den Niederlanden durchgeführt und umfasste 180 Patienten mit Anzeichen von Kalziumablagerungen in den Arterien. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe mit einer täglichen Dosis von 360 Mikrogramm MK-7 oder der Placebo-Gruppe zugeordnet.
Bei denjenigen, die MK-7 einnahmen, war der Anstieg der arteriellen Kalziumablagerungen geringer. Kalziumablagerungen in den Arterien führen dazu, dass diese steif und hart werden.
„Die vorliegenden Daten stützen unsere Hypothese, dass eine zweijährige Supplementierung mit MK-7 die Verkalkung der Koronararterien bei Personen mit symptomatischer [koronarer Herzkrankheit] abschwächt“, schrieben die Autoren der Studie.
Die Wirkung von MK-7 schien sich jedoch darauf zu beschränken, das Fortschreiten zu verlangsamen. Der Effekt war jedoch nicht stark genug, um die Anzahl der Patienten mit einer besonders schnellen Verkalkungsprogression im statistisch relevanten Ausmaß zu verringern.
Die Autoren merkten an, dass die klinische Bedeutung ihrer Ergebnisse noch in weiteren Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl untersucht werden müsste.

Warum es helfen könnte

MK-7 ist eine hoch bioverfügbare Form von Vitamin K2, einem Nährstoff, der Kalzium in die Knochen statt in die Blutgefäße leitet.
Mechanistisch gesehen scheint MK-7 die Aktivität eines Proteins namens Matrix-Gla-Protein (MGP) zu verstärken, das von Natur aus Kalziumablagerungen in den Blutgefäßen hemmt. Bei den mit MK-7 behandelten Personen sank der Spiegel an inaktivem MGP signifikant, was darauf hindeutet, dass mehr aktives Protein zur Verfügung stand, um die Blutgefäße vor Kalziumablagerungen und Verhärtung zu schützen.
Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse bleibt die klinische Bedeutung der Verringerung der Kalziumablagerungen ungewiss.
Denn in der Studie wurden die tatsächlichen Herzinfarkt- oder Schlaganfallraten nicht gemessen; daher bleibt unklar, ob eine Verlangsamung der Kalziumablagerung tatsächlich zu weniger kardiovaskulären Ereignissen führt. Kalziumablagerungen in den Arterien sind ein allgemein anerkannter Prädiktor für zukünftige Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Probleme, weshalb die Forscher die bildgebenden Befunde für weiterverfolgenswert halten – auch wenn sie für sich genommen keine Verringerung tatsächlicher kardialer Ereignisse belegen.
Die Ergebnisse seien „vielversprechend“, sagte Dr. Sirisha Vadali, Fachärztin für nichtinvasive Kardiologie und Lipidologie bei HonorHealth, die nicht an der Studie beteiligt war, in einem Interview mit The Epoch Times.
Ihre Zurückhaltung rührt daher, was in der Studie tatsächlich gemessen wurde. Die Forscher verfolgten bildgebende Befunde – Kalziumwerte in CT-Scans – anstatt konkrete Endpunkte wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle.
„Obwohl Kalzium in den Koronararterien ein wichtiger Marker für das kardiovaskuläre Risiko ist, benötigen wir noch größere Studien, um festzustellen, ob eine Verlangsamung der Verkalkung tatsächlich zu besseren Langzeitergebnissen für die Patienten führt“, sagte Vadali.
„Zwar können Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle spielen, doch erfordert die kardiovaskuläre Prävention einen ganzheitlichen Ansatz, und eine Änderung des Lebensstils sollte die Grundlage bleiben.“

Ein wesentliches Risiko: Die Wechselwirkung mit Warfarin

Kardiologen weisen darauf hin, dass Patienten, bevor sie die Einnahme dieses Nahrungsergänzungsmittels in Betracht ziehen, zunächst ein Sicherheitsproblem beachten sollten: die Wechselwirkung zwischen Vitamin K2 (Menachinon) und dem Blutverdünner Warfarin (Coumadin).
Warfarin blockiert die Wirkung von Vitamin K, und eine Vitamin-K2-Supplementierung kann die blutverdünnende Wirkung von Warfarin teilweise aufheben, was möglicherweise das Risiko für Blutgerinnsel erhöht, sagte Dr. Meera D. Kondapaneni, außerordentliche Professorin für Medizin und interventionelle Kardiologin am MetroHealth in Cleveland, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Patienten, die Warfarin einnehmen, sollten es daher vermeiden, mit der Einnahme von Vitamin-K2-Präparaten zu beginnen, ohne dies zuvor mit ihrem Arzt zu besprechen“, riet Kondapaneni.
Sie wies darauf hin, dass Warfarin nach wie vor das einzige wirksame Antikoagulans für Patienten mit metallischen Herzklappen (nicht für Herzklappen aus Schweine- oder Rindergewebe) ist und weiterhin bei einigen Patienten mit Vorhofflimmern oder venöser Thromboembolie – einer Erkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel in einer Vene bildet – eingesetzt wird.
„Im Gegensatz dazu scheint Vitamin K2 die blutverdünnende oder gerinnungshemmende Wirkung der direkten oralen Antikoagulanzien, darunter Apixaban (Eliquis), Rivaroxaban (Xarelto) und Dabigatran (Pradaxa), nicht zu beeinträchtigen“, sagte Kondapaneni.
Für ansonsten gesunde Menschen, so sagte sie, habe sich Vitamin K2 im Allgemeinen als sicher erwiesen, selbst bei relativ hohen Dosen, und es sei keine klar definierte obere Sicherheitsgrenze festgelegt worden.
„Allerdings sind, wie bei jedem Nahrungsergänzungsmittel, die Daten zur Langzeitsicherheit nach wie vor begrenzter als bei häufig verschriebenen Medikamenten“, sagte sie.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Vitamin K2 May Help Slow Artery Hardening, Study Finds“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Saisonal, regional und gesund: Erntekalender für heimisches Obst und Gemüse


In Kürze:

  • Obst und Gemüse sind Bestandteil einer gesunden und nachhaltigen Ernährung.
  • Die große Auswahl im Supermarkt lässt oft vergessen, dass Obst und Gemüse nicht ganzjährig wachsen.
  • Saisonales, heimisches Obst und Gemüse bietet den besten Geschmack, den höchsten Nährstoffgehalt und die beste Ökobilanz.
  • Der Erntekalender unterstützt Sie nicht nur im Garten, sondern auch in der Kaufhalle dabei, auf Gesundheit, Umwelt und Geldbeutel zu achten.

 
Viele Obst- und Gemüsesorten stehen in unseren Supermärkten ganzjährig zur Verfügung. Es gibt zum Beispiel frische Erdbeeren im Winter oder Gurken das ganze Jahr über. Zum einen ist das ganzjährige und vielfältige Obst- und Gemüseangebot ein unschätzbarer Vorteil, denn es versorgt uns jederzeit mit frischen Vitaminen und anderen Mikronährstoffen.
Zum anderen gehen damit auch Nachteile einher, vor allem wenn Produkte aus Übersee auf langen See- oder Flugreisen zu uns kommen. Damit Obst und Gemüse während der langen Transportzeiten nicht vorzeitig verderben, wird es häufig unreif geerntet und mit Pestiziden behandelt. Dies schadet nicht nur dem Vitamingehalt und dem Geschmack, sondern belastet auch die Gesundheit.

Die bessere Wahl: saisonale und regionale Lebensmittel

Wer hingegen auf regional und saisonal geerntetes Obst und Gemüse zurückgreift, leistet nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz, sondern profitiert oft auch von einem intensiveren Geschmack und einem höheren Nährstoffgehalt – insbesondere bei Lebensmitteln aus biologischem Anbau. Wer das intensive Aroma frischer regionaler Erdbeeren im Sommer kennt, weiß, wie groß der Unterschied zu importierter Ware im Winter sein kann.
Zudem sind Lebensmittel während der Erntesaison häufig preisgünstiger. Wer regionale Lebensmittel kauft, unterstützt außerdem die heimische Landwirtschaft und trägt dazu bei, die Lebensmittelversorgung auch in Krisenzeiten zu sichern sowie die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu verringern.

Was hat wann Saison?

Bei der großen Auswahl in Supermärkten ist es oft schwierig, auf den ersten Blick zu erkennen, welches Obst und Gemüse in Deutschland jeweils Saison hat. Dabei stehen in Deutschland das ganze Jahr über verschiedene Obst- und Gemüsesorten aus regionalem Anbau zur Verfügung – entweder frisch geerntet oder als Lagerware. Das Wissen, welche Sorten wann geerntet werden, kann dabei unterstützen, auch beim Einkauf bewusst regionale und saisonale Produkte auszuwählen.

Wurzel- und Kohlgemüse

Die Auswahl an regionalem Wurzelgemüse ist sehr groß und viele Wurzelgemüsesorten stehen das ganze Jahr zur Verfügung. Karotten, Kartoffeln, Rote Bete, Knollensellerie, Pastinaken, Wurzelpetersilie und Zwiebeln werden beispielsweise ab dem Sommer frisch geerntet und können anschließend oft bis zur nächsten Ernte eingelagert werden.
Radieschen und Rettiche sind ab dem Frühjahr erntereif und bis zum ersten Frost frisch verfügbar. Winterrettichsorten lassen sich zudem problemlos mehrere Monate in Sand eingeschlagen lagern.
Kohlgemüse zählt zu den typischen heimischen Gemüsearten und ist ebenso nahezu das ganze Jahr regional verfügbar. Blumenkohl wird ab April, Brokkoli, Spitzkohl und Weißkohl ab Mai, Rotkohl ab Juni und Chinakohl von August bis November frisch geerntet. Grünkohl bereichert das Angebot ab Juni, Rosenkohl von September bis Februar. Viele Kohlarten sind zudem über die Wintermonate als Lagergemüse verfügbar.

Fruchtgemüse

Fruchtgemüse ist meist nur saisonal regional verfügbar. Grüne Bohnen und Erbsen haben von Mai bis Oktober Saison, Tomaten, Zucchini, Paprika, Zuckermais und Aubergine zählen zum Sommergemüse und sind nur einige Monate lang verfügbar. Gurken aus unbeheizten Gewächshäusern gibt es in der Regel von Mai bis Oktober.
Regionale Tomaten und Gurken werden häufig bereits ab Februar angeboten. Sie stammen dann größtenteils aus beheizten Gewächshäusern, deren Energiebedarf den ökologischen Fußabdruck erhöhen kann.
Kürbisse bilden eine Ausnahme der Fruchtgemüse: Als typisches Herbstgemüse sind sie dank ihrer guten Lagerfähigkeit bis in den Frühling hinein regional verfügbar.

Blatt- und Sprossgemüse

Die Auswahl an heimischen Blattgemüsen ist sehr vielfältig und sie können teilweise ganzjährig angebaut werden. So sind Kopf- und Pflücksalate ab März, Spinat ab April, Eisberg-, Endivien- und Romanasalate ab Mai und alle oft bis Oktober oder November verfügbar.
Feldsalat bereichert unsere Ernährung nahezu ganzjährig als nährstoffreiches Blattgemüse. Ebenso ist Chicorée aufgrund seiner besonderen Anbaumethode und guten Lagerfähigkeit nahezu ganzjährig aus regionaler Produktion erhältlich.
Asia-Salate liefern ab September über die Wintermonate hinweg bis Juni frisches Blattgrün, während Mangold von Juli bis November Saison hat. Zuckerhut ist ein typischer Herbst- und Wintersalat, der von September bis Dezember geerntet wird.
Spross- und Stängelgemüse wie Kohlrabi, Fenchel und Stangensellerie bereichern von Mai bis November das regionale Gemüseangebot. Lauch beziehungsweise Porree ist wiederum ganzjährig verfügbar – von April bis Dezember frisch vom Feld und von Januar bis März als Lagerware. Spargel und Rhabarber sind hingegen nur von April bis Juli regional erhältlich.

Obst und Beeren

Die Saison der frischen süßen Früchte eröffnen die Erdbeeren im Mai. Himbeeren erfreuen uns ab Juni und reifen oft bis Ende Oktober. Johannisbeeren sind typische Sommerfrüchte und haben von Juni bis August Saison. Stachelbeeren sind von Juni bis August erhältlich, Aroniabeeren von August bis September und Brombeeren meist von August bis Oktober.
Bei Stein- und Kernobst eröffnen die Kirschen im Juni die Saison. Aprikosen (Marillen) und Pfirsiche folgen zwischen Juni und August. Auch Birnen und Pflaumen werden ab August erntereif und sind bis September beziehungsweise Oktober verfügbar. Birnen können je nach Sorte bis in den Januar hinein gelagert werden.
Weintrauben werden von August bis Oktober geerntet, Quitten von September bis November.
Von allen heimischen Obstsorten stehen Äpfel am längsten regional zur Verfügung. Sie werden von August bis Oktober geerntet und können anschließend unter geeigneten Bedingungen bis Mai – häufig sogar bis zur nächsten Ernte – als Frischobst gelagert werden.

Welche Früchte und Gemüse gibt es nur importiert ?

Südfrüchte sind hierzulande nur als Importware erhältlich. Dazu zählen: Banane, Ananas, Mango, Papaya, Kokosnuss, Passionsfrucht, Guave, Litschi und Datteln. Sie stammen meist aus Ländern Afrikas, Asiens sowie Mittel- und Südamerikas und legen lange Transportwege zurück, bevor sie auf unseren Tellern landen.
Südfrüchte aus Südeuropa wie zum Beispiel Orangen, Zitronen, Mandarinen, Grapefruit, Mangos, Avocado, Kiwi und Feigen weisen eine günstigere Ökobilanz auf.
Auch beim Gemüse gibt es Sorten, die nur importiert erhältlich sind, wie zum Beispiel Artischocken, Okra, Yamswurzel, Lotuswurzel und Kurkuma.
Viele regionale Früchte und Gemüse werden außerhalb ihrer saisonalen Ernte zu einem großen Teil importiert. Die Vielfalt heimischer Obst- und Gemüsesorten zeigt allerdings, dass eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche und nachhaltige Ernährung größtenteils mit regionalen Produkten möglich ist. Wer in Hofläden und auf Wochenmärkten einkauft, kann direkt vom Erzeuger die Lebensmittel beziehen, hat oft eine größere Auswahl an saisonalen Produkten und stärkt gleichzeitig die regionale Wertschöpfung.
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Warum Brokkoli eines der gesündesten Gemüse ist


In Kürze:

  • Brokkoli ist ein nährstoffreiches Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler, das besonders viel Vitamin C und K sowie sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Für die Gesundheit besonders bedeutend sind die enthaltenen Senfölglycoside (Glucosinolate) und deren Abbauprodukt Sulforaphan.
  • Auch Blätter, Strunk und Sprossen des Brokkolis sind nährstoffreich.
  • Um die Inhaltsstoffe möglichst gut zu erhalten, ist eine schonende Zubereitung wichtig.

 
Brokkoli (Brassica oleracea var. Italica) zählt zur Familie der Kreuzblütler und ist eine Varietät des Gemüsekohls, wie beispielsweise auch Blumenkohl, Kohlrabi oder Rosenkohl. Die Wildform des Gemüsekohls stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum. Vorläufer des Brokkolis wurden bereits von den Griechen und Römern geschätzt.
Brokkoli enthält viele Vitamine, Mineralstoffe und bioaktive Pflanzenstoffe, die die Gesundheit auf vielfältige Weise unterstützen können.

Wichtige Vitamine und Mineralien

Das grüne Gemüse enthält etwa 95 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm und deckt damit einen Großteil des Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Vitamin C schützt die Zellen vor oxidativem Stress und kann der Entstehung chronischer Erkrankungen vorbeugen. Zudem ist es an zahlreichen Entgiftungsprozessen im Körper beteiligt und wichtig für das Immunsystem, starke Knochen und ein jugendliches Hautbild.
Des Weiteren zählt Brokkoli zu den Vitamin-K-reichsten Lebensmitteln. Mit dem Verzehr von nur 100 Gramm Brokkoli nimmt man mehr als den empfohlenen Tagesbedarf an Vitamin K zu sich. Vitamin K ist am Knochenstoffwechsel und an der Blutgerinnung beteiligt. Es aktiviert Proteine, die dafür sorgen, dass Calcium direkt in den Knochen oder Zähnen eingelagert wird und die Bildung von unerwünschten Calciumablagerungen in den Blutgefäßen gehemmt wird. Da Vitamin K zu den fettlöslichen Vitaminen zählt, sollte Brokkoli mit etwas Fett oder Öl zubereitet werden, um die Aufnahme von Vitamin K zu verbessern.
Darüber hinaus enthält Brokkoli Folat, das für eine gesunde Zellteilung sorgt, sowie andere B-Vitamine, insbesondere B5 und B6. Beide Vitamine sind wichtig für die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und Eiweiß und stärken die Nerven. Vitamin B6 spielt zudem eine wichtige Rolle im Hormonhaushalt, beispielsweise in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
Schließlich versorgt uns Brokkoli mit den essenziellen Mineralien Kalium, Magnesium, Calcium und Phosphor sowie den Spurenelementen Eisen und Zink. Kalium ist ein lebensnotwendiger Elektrolyt, der hohem Blutdruck entgegenwirkt und die Ausscheidung von Wasseransammlungen im Körper unterstützt. Ebenso essenziell ist Magnesium für unseren Körper. Es ist an hunderten Stoffwechselfunktionen und an allen Energievorgängen des Körpers beteiligt. Gemeinsam mit Calcium und Phosphor stärkt Magnesium Knochen und Zähne.
Brokkoli ist zudem ballaststoffreich und kalorienarm und damit ein unverzichtbares Gemüse für eine ausgewogene und gesunde Ernährung.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien

Darüber hinaus stecken in Brokkoli zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu zählen Carotinoide wie Lutein, Zeaxanthin und Betacarotin, Flavonoide wie Kaempferol und Quercetin sowie Glucosinolate, zu deren Abbauprodukte Sulforaphan gehört und die fast ausschließlich in Kreuzblütlern vorkommen.
All diese Stoffe schützen unsere Zellen vor den Schäden freier Radikale und mindern das Risiko für viele Krankheiten, die auf chronischen Entzündungen beruhen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder verschiedene Krebserkrankungen.
Eine besondere Rolle spielt Sulforaphan, das in Brokkoli in hohen Konzentrationen vorkommt. Forschungsergebnisse zeigen, dass Sulforaphan vor verschiedenen Krebsarten schützen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und bei Autismus und Osteoporose helfen kann. Des Weiteren konnten blutzuckersenkende Wirkungen des Scharfstoffes festgestellt werden. Außerdem stellten Forscher an einem Mausmodell fest, dass Sulforaphan aus Brokkoli Darmentzündungen lindern kann.
Einen besonders hohen Gehalt an Glucosinolaten – und somit auch an Sulforaphan – weisen drei bis fünf Tage alte Brokkolisprossen auf. Ihr Gehalt kann um das Zehn- bis Hundertfache höher sein als in den Röschen des ausgewachsenen Brokkolis.
Aufgrund seiner zahlreichen Inhaltsstoffe zählt Brokkoli zweifellos zu den gesündesten Gemüsesorten und sollte regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Er aktiviert den gesamten Stoffwechsel und unterstützt die täglichen Entgiftungsprozesse im Körper. Regelmäßig genossen, trägt sein hohes entzündungshemmendes und antioxidatives Potenzial zur täglichen Gesundheitsvorsorge bei.

So bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten

Um alle Nähr- und Inhaltsstoffe optimal aufnehmen zu können, ist unter anderem die richtige Zubereitung entscheidend. Viele der genannten Vitalstoffe wie etwa Vitamin C, B-Vitamine, Folsäure, teilweise auch Flavonoide und insbesondere die Senföle sind wasserlöslich, licht- und hitzeempfindlich. Sie bauen sich durch lange Lagerung und langes Kochen allmählich ab. Daher sollte Brokkoli entweder roh verzehrt oder nur kurz gedämpft oder schonend gegart werden. Da roher Brokkoli nicht jedem schmeckt, kann gekochter Brokkoli durch die Zugabe von frischen Brokkolisprossen wieder mit Vitalstoffen aufgewertet werden.
Auch Blätter, Strunk und Stängel des Brokkolis enthalten wertvolle Inhaltsstoffe und können mitverwendet werden.
Brokkoli hat in Mitteleuropa von Juni bis Oktober Saison. Um die Nährstoffverluste zu minimieren, sollte er möglichst frisch geerntet und verwendet sowie nur kurzfristig kühl und dunkel gelagert werden. Alternativ kann auf tiefgekühlten Brokkoli zurückgegriffen werden. Zudem ist es empfehlenswert, Brokkoli in Bioqualität zu kaufen, da er aus konventionellem Anbau häufig mit Pestiziden belastet ist.
Wer das Glück hat, einen eigenen Garten zu besitzen, kann Brokkoli sogar mehrfach beernten. Wichtig ist, nur den Haupttrieb mit den Blütenknospen zu ernten. Die Seitentriebe bilden daraufhin wiederum neue Blütenknospen, die ebenfalls geerntet werden können.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Manuka-Honig: Potenzielle Hilfe bei trockenen Augen, Zahnfleischbluten und mehr

Manuka-Honig ist weit mehr als nur ein süßer Brotaufstrich. Der seltene Honig aus Neuseeland wird seit Jahren wegen seiner besonderen antibakteriellen Eigenschaften geschätzt und ist Gegenstand zahlreicher Studien.
Ob bei Halsschmerzen, der Wundheilung oder Beschwerden an Augen, Nase und Mund – immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Manuka-Honig gesundheitliche Vorteile bieten kann. Doch was macht ihn so besonders?

Was Manuka-Honig so einzigartig macht

„Nicht jeder Honig ist gleich“, sagte Tina Alexander, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
Gewöhnlicher Rohhonig bekämpft Bakterien mithilfe von Wasserstoffperoxid. Dieser Stoff zerfällt jedoch unter dem Einfluss von Hitze, Licht oder Körperflüssigkeiten relativ schnell. Manuka-Honig wirkt dagegen über einen anderen Mechanismus: Seine sogenannte peroxidfreie antimikrobielle Wirkung gilt als besonders stabil und bleibt auch unter schwierigen Bedingungen erhalten.
Gewonnen wird Manuka-Honig aus dem Nektar des Manuka-Strauchs (Leptospermum scoparium), der ausschließlich in Neuseeland wächst. Da die Pflanze nur wenige Wochen im Jahr blüht und überwiegend in abgelegenen Regionen vorkommt, ist der Honig vergleichsweise selten.

Der Manuka-Strauch (Leptospermum scoparium) wächst ausschließlich in Neuseeland und ist die Grundlage für den besonderen Honig.

Foto: MollyNZ / iStock

Das erklärt mit, warum ein Glas – je nach Reinheit – zwischen 20 und 200 Dollar kosten kann. Hinzu kommen seine außergewöhnlichen medizinischen Eigenschaften.
Ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichem Honig ist der hohe Gehalt an Methylglyoxal (MGO). Dieser Stoff besitzt antibakterielle, entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften und gilt als entscheidend für viele der gesundheitlichen Wirkungen von Manuka-Honig.
Dazu zählen unter anderem die Unterstützung der Wundheilung sowie die Linderung von Halsschmerzen, Husten und Verdauungsbeschwerden.
Er ist in der Regel dunkler und deutlich dickflüssiger. Seine sogenannte thixotrope Eigenschaft sorgt dafür, dass er bei Raumtemperatur fest bleibt, sich beim Umrühren jedoch verflüssigt.
Wer Manuka-Honig kaufen möchte, sollte auf die UMF-Kennzeichnung (Unique Manuka Factor) achten. Dieses Bewertungssystem bestätigt die Reinheit, Wirksamkeit und Echtheit von Manuka-Honig aus Neuseeland. Die Einstufung reicht von UMF 5+ bis UMF 25+ und gibt Aufschluss über die MGO-Konzentration sowie die Stärke der antibakteriellen Wirkung.

Mögliche Vorteile für die Augen

Eine kürzlich in Frontiers in Ophthalmology veröffentlichte Studie legt nahe, dass Augentropfen auf Manuka-Honig-Basis postoperative Beschwerden wie trockene Augen besser lindern könnten als herkömmliche künstliche Tränen.
25 Patienten erhielten die Manuka-Honig-Tropfen, 28 die Standardbehandlung. Über den Zeitraum von der Operation bis einen Monat danach wurden Trockenheit, Reizungen, Rötungen, Entzündungen und die Stabilität des Tränenfilms regelmäßig untersucht.
Einen Monat nach der Operation berichteten die Patienten aus der Manuka-Honig-Gruppe über weniger Trockenheit und Reizungen sowie einen höheren Augenkomfort. Zudem zeigten sie weniger Rötungen und Entzündungen als die Vergleichsgruppe.
Die Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass die Studie klein angelegt war und nur einen kurzen Zeitraum umfasste. Die Ergebnisse seien daher lediglich „hypothesenbildend“ und müssten in größeren, längerfristigen Studien bestätigt werden.

Vorteile für die Nasengänge und Nasennebenhöhlen

Manuka-Honig wird seit Langem zur Linderung von Erkältungs- und Grippesymptomen eingesetzt. Besonders seine Wirkung auf Bakterien und Entzündungsprozesse macht ihn für die Anwendung im Bereich der Nase und Nebenhöhlen interessant.
Laboruntersuchungen zeigen, dass Manuka-Honig das Wachstum verschiedener Bakterien hemmen kann, darunter auch antibiotikaresistente Stämme.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Antibiotika, die häufig über einen einzelnen Angriffspunkt wirken, greift Manuka-Honig Bakterien auf mehreren Wegen gleichzeitig an. In bisherigen Beobachtungen konnten Forscher keine Resistenzentwicklung feststellen.
Auch bei Grippeviren wurden positive Ergebnisse beobachtet. In einer weiteren Laborstudie aus dem Jahr 2014 zeigte Manuka-Honig im Vergleich zu anderen Honigsorten die stärkste Wirkung gegen das Influenzavirus und verringerte dessen Fähigkeit, sich in Zellen zu vermehren.
Wurde Manuka-Honig mit den antiviralen Medikamenten Oseltamivir (Tamiflu) und Zanamivir (Relenza) kombiniert, war für eine vergleichbare Wirkung eine deutlich geringere Medikamentendosis erforderlich – fast ein Tausendstel der normalerweise benötigten Menge.
Eine kleine klinische Studie mit 19 Personen untersuchte zudem die Wirkung von Manuka-Honig bei primärer atrophischer Rhinitis, einer chronischen Erkrankung, bei der sich Nasengewebe und schleimproduzierende Drüsen zurückbilden.
Die Teilnehmer verwendeten acht Wochen lang auf einer Nasenseite ein Spray mit 10 Prozent Manuka-Honig und auf der anderen Seite eine Kochsalzlösung. Auf der Manuka-Seite wurden deutlichere Verbesserungen festgestellt, darunter eine geringere Entzündung der Nasenschleimhaut und eine Zunahme nützlicher Bakterien im Nasenmikrobiom.
Im Handel sind verschiedene Nasensprays mit Manuka-Honig erhältlich. Sie kombinieren meist gereinigten Manuka-Honig in medizinischer Qualität mit Kochsalzlösung, um die Nasengänge mit Feuchtigkeit zu versorgen, Reizstoffe auszuspülen, Verstopfungen zu lindern und die natürliche Schutzfunktion der Nase zu unterstützen.
Die Zusammensetzung und der MGO-Gehalt unterscheiden sich je nach Produkt. Bei chronischen Infektionen sollte jedoch ein Arzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinzugezogen werden, statt sich ausschließlich selbst zu behandeln.

Vorteile für die Mundgesundheit

Dass ein süßer Stoff die Mundgesundheit unterstützen soll, klingt zunächst ungewöhnlich. Manuka-Honig unterscheidet sich jedoch von raffiniertem Zucker. Forscher sehen ihn eher als natürliche, nährstoffreiche Substanz mit besonderen Eigenschaften und nicht als gewöhnliches Süßungsmittel.
Mehrere Studien haben gezeigt, dass Manuka-Honig schädliche Bakterien im Mund hemmen, die Bildung von Zahnbelag verringern und Zahnfleischentzündungen lindern kann. Auch bei Menschen mit Mundtrockenheit wurden positive Ergebnisse beobachtet.
Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte 42 ältere Erwachsene mit Xerostomie (Mundtrockenheit). Dabei schnitten Mundspülungen mit Manuka-Honig besser ab als Spülungen mit normalem Honig oder Kochsalzlösung, wenn es darum ging, den Speichelfluss anzuregen. Die Teilnehmer bewerteten die Anwendung zudem als sehr zufriedenstellend.
In einer weiteren Studie zeigte Manuka-Honig eine stärkere Wirkung gegen Zahnbelag als Xylitol-Kaugummi. Gleichzeitig war die Wirkung vergleichbar mit Chlorhexidin-Mundwasser, einer antiseptischen Mundspülung, die unter anderem zur Verringerung von Zahnfleischbluten, bei Zahnfleischentzündungen und zur Unterstützung der Heilung nach zahnärztlichen Eingriffen eingesetzt wird.
Auch eine kleine Pilotstudie kam zu ähnlichen Ergebnissen. Teilnehmer, die dreimal täglich nach den Mahlzeiten zehn Minuten lang auf einem „Leder“ aus Manuka-Honig kauten, hatten nach 21 Tagen weniger Zahnbelag und Zahnfleischbluten als die Vergleichsgruppe, die zuckerfreien Kaugummi verwendete.
Neben der Mundpflege wird Manuka-Honig häufig auch bei Halsschmerzen eingesetzt. Seine dickflüssige Konsistenz legt sich schützend über die Schleimhaut, kann gereiztes Gewebe beruhigen und wirkt gegen Bakterien, die häufig an Halsschmerzen beteiligt sind, darunter Streptococcus mutans. Üblicherweise wird Manuka-Honig in einer Menge von 1 bis 2 Esslöffeln eingenommen – pur oder eingerührt in warmes Wasser beziehungsweise Tee.

Dosierung und Vorsichtsmaßnahmen

Wer Manuka-Honig in den Alltag integrieren möchte, sollte einige wichtige Punkte beachten.
Als übliche Portion gelten 1 bis 2 Teelöffel. Eine deutlich größere Menge bringt laut der Ernährungsberaterin Tina Alexander keinen zusätzlichen therapeutischen Vorteil. Stattdessen kann sie den Blutzucker- und Insulinspiegel erhöhen und zusätzliche Kalorien liefern.
Auch für Manuka-Honig gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie für herkömmlichen Honig: Säuglinge unter 12 Monaten sollten ihn wegen des Risikos für Botulismus nicht erhalten. Menschen mit Diabetes sollten aufgrund des hohen Zuckergehalts vorsichtig mit dem Verzehr sein.
„Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bleibt Honig ein zugesetzter Zucker, hauptsächlich aus Fruktose und Glukose mit einem hohen glykämischen Index“, sagte die Ernährungsberaterin Tina Alexander. Deshalb sollte Manuka-Honig ihrer Einschätzung nach eher gezielt als funktionelles Mittel eingesetzt werden und nicht als tägliches Wellness-Produkt.
Bei größeren Mengen können außerdem Beschwerden wie Blähungen oder eine leicht abführende Wirkung auftreten.
Honig wird in der traditionellen Medizin seit langer Zeit verwendet. Manuka-Honig unterscheidet sich jedoch durch seine besonderen Eigenschaften von gewöhnlichem Honig und wird deshalb häufig als besonders wirkungsvolle Variante angesehen.
Seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten machen ihn für viele Menschen zu einer interessanten Ergänzung in Küche und Hausapotheke.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „From Dry Eyes to Bleeding Gums: Manuka Honey’s Potential Health Benefits“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Vitamin D: Können Kapseln und Sonne im Sommer zu viel des Guten sein?

Letzten Monat saß Frau L., 68 Jahre alt, ruhig und sachlich vor mir in meiner Praxis. Ich kenne sie als eine Patientin, die ihre Gesundheit mit großer Sorgfalt betrachtet.
„Herr Doktor“, sagte sie, „jetzt ist endlich Sommer. Ich nehme seit Monaten Vitamin D wegen meines Mangels. Aber kann ich damit nicht irgendwann zu viel bekommen?“ Ihre Frage war nüchtern, aber mit dem klaren Wunsch nach Orientierung.
Genau diese Art von Unsicherheit begegnet mir immer wieder: Menschen, die zwischen Sonnenlicht, Nahrungsergänzung und widersprüchlichen Empfehlungen nicht mehr wissen, was für ihre Gesundheit richtig ist.

Sommersonne als trügerische Sicherheit

Vitamin D ist essentiell für ein funktionierendes Immunsystem, die Kalziumaufnahme sowie die Knochen- und Zahngesundheit. Damit die körpereigene Bildung des Vitamins in ausreichenden Mengen stattfindet, ist die UV-B-Strahlung im natürlichen Sonnenlicht wesentlich.
Allerdings ist Deutschland kein Land, in dem die Sonne zuverlässig für stabile Vitamin-D-Spiegel sorgt. Tatsächlich erreichen selbst im Hochsommer viele Menschen nicht die notwendige UV-B-Intensität, weil sie im Alltag nicht ausreichend direkte Sonne bekommen.
Studien zeigen, dass selbst in sehr sonnigen Regionen viele Menschen zu wenig Vitamin D haben.
Noch deutlicher wurde dies in der deutschen DEGS1-Analyse aus dem Jahr 2014, die belegte, dass über die Hälfte der Bevölkerung auch im Sommer keine optimalen Vitamin-D-Spiegel hat.
Das bedeutet: Die Sommermonate mit mehr Sonnenstrahlung sind hilfreich, aber sie sind kein verlässlicher Garant. Faktoren wie Alter, Hauttyp, Medikamenteneinnahme und Lebensstil beeinflussen die Produktion massiv – ein Punkt, den viele Patienten nicht kennen oder unterschätzen.

Die Gefahr der Überdosierung

Vitamin D unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von vielen anderen Vitaminen: Der Körper kann es nicht beliebig ausscheiden, wenn zu viel vorhanden ist.
Genau darin liegt der Grund, warum eine Überdosierung möglich ist – auch wenn sie selten vorkommt.
Was der Körper an wasserlöslichen Vitamin C oder B nicht braucht, spült er einfach wieder weg. Vitamin D ist jedoch fettlöslich: Der Körper kann es nicht einfach ausscheiden, sondern speichert es ab.
Diese Speicherfähigkeit ist grundsätzlich ein Vorteil, denn sie ermöglicht eine langfristige stabile Versorgung über Wochen. Doch sie bedeutet auch, dass der Körper Vitamin D im Fettgewebe und in der Leber anreichert.
Wenn über längere Zeit deutlich zu hohe Mengen eingenommen werden, kann der Spiegel so stark steigen, dass der Kalziumhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Genau dieser Mechanismus – die sogenannte Hyperkalzämie – ist der Grund, warum Vitamin D anders bewertet werden muss als wasserlösliche Vitamine.
Die Frage nach einer möglichen Überdosierung ist also berechtigt. In meiner Praxis sehe ich Überdosierungen allerdings extrem selten. Viel häufiger sehe ich Menschen, die trotz Sommerlicht und Nahrungsergänzung weiterhin im Mangel bleiben.
Die Übersichtsarbeit von Vieth über die Ergänzung von Vitamin D zeigte, dass selbst höhere Dosierungen als empfohlen, über längere Zeiträume keine toxischen Werte erzeugten, solange sie ärztlich begleitet wurden.
Gleichzeitig warnen wissenschaftliche Analysen vor unkontrollierter Selbstmedikation ohne Laborwerte.
Die Gefahr liegt also nicht im Vitamin D selbst, sondern im fehlenden Monitoring. Wer blind supplementiert, kann theoretisch zu hohe Werte erreichen. Wer seinen Spiegel kennt, bewegt sich dagegen in einem sicheren Bereich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Studien, die zeigten, wie stark die individuelle Reaktion auf Vitamin-D-Gaben variiert. Zwei Menschen mit identischer Dosierung können abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Genetik oder Body-Mass-Index, völlig unterschiedliche Vitamin-D-Spiegel entwickeln.
Genau deshalb ist die pauschale Empfehlung „Im Sommer braucht man kein zusätzliches Vitamin D“ wissenschaftlich nicht haltbar.

Warum ich jeden Spiegel messe – und warum das der entscheidende Schritt ist

Als Frau L. vor mir saß, wusste ich aus früheren Messungen, dass ihr Spiegel selbst im Sommer schnell absinkt. Ihr Körper produziert weniger Vitamin D, ein Phänomen, das bei älteren Menschen gut dokumentiert ist. Ich erklärte ihr, dass die Sonne ihr hilft, aber in ihrem Fall nicht ausreichend. Und dass eine tatsächliche Überdosierung nur dann möglich wäre, wenn sie unkontrolliert eine Nahrungsergänzung mit zu hoher Dosis einnehmen würde.
In der ganzheitlichen Medizin ist Vitamin D kein isolierter Stoff, sondern Teil eines komplexen Systems aus Stoffwechsel, Immunfunktion und hormoneller Regulation. Deshalb ist die Laboranalyse für mich der zentrale Schritt. Sie schafft Klarheit, verhindert Fehldosierungen und ermöglicht eine individuelle, sichere Versorgung.
Die wissenschaftliche Literatur unterstützt dieses Vorgehen. Studien zeigen, dass Menschen mit kontrollierter Supplementation stabilere und sicherere Werte erreichen als jene, die ohne Laborwerte dosieren. Das bestätigt, was ich seit Jahren in der Praxis beobachte: Kontrolle schützt – nicht selbstständiger Verzicht an heißen Tagen.

Fazit

Vitamin D ist ein zentraler Gesundheitsfaktor, der weit über die Sommermonate hinaus Bedeutung hat.
Die Sonne hilft bei der Vitamin-D-Versorgung , aber sie ersetzt keine Laboranalyse. Eine Überdosierung ist theoretisch möglich, aber selten – und fast ausschließlich dann, wenn Menschen ohne Kontrolle supplementieren.
Mein Tipp aus der ganzheitlichen Praxis lautet daher: Immer zuerst den Spiegel bestimmen lassen und erst danach angepasst supplementieren. So wird Vitamin D zu einem präzisen Werkzeug, nicht zu einem Risiko. Wer seinen Wert kennt, kann sicher, wirksam und individuell versorgt werden – im Sommer wie im Winter.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Der Cholesterin-Irrtum: Warum das Standardblutbild Ihr wahres Herzrisiko verschweigt

Es ist der klassische Satz beim Hausarzt, der uns erleichtert aufatmen lässt: „Ihre Cholesterinwerte sind im grünen Bereich, alles bestens!“ Wir packen unsere Sachen und gehen beruhigt nach Hause. Doch die moderne Kardiologie gibt zu bedenken, dass diese grundlegende Laboruntersuchung unter Umständen nicht das vollständige Risiko abbildet.
Während die gesetzliche Vorsorge in Deutschland primär und leitliniengerecht auf das klassische LDL-Cholesterin schaut, hat die Wissenschaft längst weitere Facetten der Herz-Kreislauf-Prävention erforscht. Wer sein Herz umfassend schützen will, kann zusätzlich auf Marker aus der präventiven Langlebigkeitsmedizin setzen, die über das LDL-Cholesterin hinausgehen.

Das Problem mit dem Gewicht: Warum LDL nur einen Teil der Wahrheit zeigt

Das Standardblutbild misst beim LDL-Cholesterin das Gesamtgewicht des Fetts in einer bestimmten Menge Blut. Das ist so, als würde man die Staugefahr auf einer Autobahn ermitteln, indem man das Gesamtgewicht aller Fahrzeuge bestimmt. Für die Stauentwicklung macht es jedoch einen Unterschied, ob zehn tonnenschwere Lastwagen oder hunderte kleine Autos unterwegs sind.
Hier kommt ein weiterer Wert ins Spiel: Apolipoprotein B (ApoB). Dieser Wert gibt Aufschluss über die tatsächliche Anzahl der gefäßschädigenden Fetttransportteilchen im Blut. Zwei Menschen können denselben, unauffälligen LDL-Wert haben, und doch trägt einer von ihnen ein statistisch höheres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, weil sein Blut eine höhere Dichte an kleineren ApoB-Partikeln aufweist.
Der aktuell empfohlene klinische Konsens lautet, dass bei Menschen mit einem geringen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein ApoB-Wert über 90 mg/dL erhöhte medizinische Aufmerksamkeit erhalten sollte. Für Patienten mit einem hohen Risiko, wie beispielsweise Diabetes-Patienten mit Bluthochdruck oder wenn bereits ein Herzinfarkt stattgefunden hat, gelten Schwellenwerte zwischen 60 und 70 mg/dL.

Der unterschätzte genetische Faktor

Noch wenig im allgemeinen Bewusstsein verankert ist ein weiterer Faktor: Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Die Konzentration von Lp(a) im Blut ist laut Forschungen überwiegend genetisch bestimmt und bleibt über das gesamte Leben konstant. Auch ein gesunder Lebensstil mit viel Sport und ausgewogener Ernährung kann den Lp(a)-Wert nicht maßgeblich beeinflussen. Wer mit einem hohen Lp(a)-Wert geboren wird, hat einen genetisch bedingten Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle.
Statistisch gesehen betrifft dies etwa jeden fünften Erwachsenen in Deutschland. Das Problem: Die meisten von ihnen wissen es nicht, da der Wert im regulären Check-up meist nicht standardmäßig bestimmt wird. Die europäische Kardiologie-Leitlinie empfiehlt, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Leben bestimmen zu lassen.
Die Deutsche Herzstiftung definiert Werte unter 30 mg/dl (75 nmol/l) als optimal. Ab 30 mg/dl gilt der Wert als leicht erhöht, und ab einem Wert von über 50 mg/dL (über 125 nmol/L) ist das Risiko deutlich erhöht, was eine präventive Begleitung erfordert.

Die Risikofaktoren in den Adern

Selbst ein guter Cholesterinwert nützt wenig, wenn in den Gefäßen eine unbemerkt fortschreitende Entzündung vorliegt. Entzündliche Prozesse in der Gefäßwand tragen maßgeblich zur Entstehung und zum Fortschreiten gefährlicher Plaques bei.
Ein wichtiger Indikator dafür ist das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP). Zeigt dieser Wert mehr als 2,0 mg/L an, signalisiert das eine aktive Entzündung der Gefäßwände. Ein solcher Zustand macht die Adern anfälliger für Verkalkungen – unabhängig davon, wie gut die übrigen Fettwerte aussehen.
Zusätzlich steht ein erhöhter Wert der Aminosäure Homocystein mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle in Zusammenhang.

Der frühzeitige Fehlalarm beim Zucker

Ein erweiterter Blick auf die Blutwerte kann jedoch nicht nur das Fett, sondern auch den Zucker betreffen. Wenn der Hausarzt den Blutzucker misst und dieser normal ist, kann dies jedoch auch ein Trugschluss sein, denn der Körper ist ein Meister der Kompensation.
Droht der Blutzucker durch falsche Ernährung oder Bewegungsmangel zu steigen, schüttet die Bauchspeicheldrüse als Kompensation erhöhte Mengen an Insulin aus, um den Wert unten zu halten.
Diese sogenannte Insulinresistenz lässt sich oft mehrere Jahre vor einem echten Diabetes im Blut nachweisen – allerdings nur, wenn das Nüchterninsulin gemessen wird. Während der normale Blutzuckertest möglicherweise noch Unauffälligkeit signalisiert, kann die beginnende Entgleisung des Stoffwechsels bereits die Arterien schädigen. Steigt der Blutzucker dann schließlich doch, ist die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten.

Werden Sie zum Manager Ihrer eigenen Gesundheit

Das Wissen über diese Marker ist längst kein Geheimnis mehr. Es ist allgemein verfügbar. Warum testet der Hausarzt sie also nicht standardmäßig? Die Antwort ist systembedingt: Unser Gesundheitssystem konzentriert sich im Rahmen der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen primär auf die Akutversorgung und etablierte Basis-Screenings.
Die präventive Feineinstellung der Gesundheit liegt daher aktuell in der Eigenverantwortung.
 
 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Das Gehirn blinder Menschen organisiert sich um


In Kürze:

  • Forscher der Max-Planck-Gesellschaft nutzten hochauflösende MRT-Technologie, um die Mikrostruktur des Gehirns zu untersuchen.
  • Dabei stellten sie fest, dass die Sehrinde blinder Menschen dicker als die sehender Menschen ist.
  • Ursache ist, anders als bisher angenommen, offenbar eine geringere Myelinisierung des Gehirns.
  • Diese stellt jedoch keine Beeinträchtigung dar, da die umgeformte Sehrinde andere Funktionen wie Sprachverarbeitung und Arbeitsgedächtnis übernimmt.

 
Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist einer der komplexesten biologischen Prozesse. In den ersten Lebensjahren finden im Gehirn enorme Veränderungen statt, die dazu beitragen, seine Funktionsweise zu optimieren. Allein im ersten Jahr vergrößert sich die Oberfläche der Großhirnrinde um etwa drei Viertel, während ihre Dicke um rund ein Drittel zunimmt.
Zu Beginn der Entwicklung bildet das Gehirn weit mehr Verbindungen zwischen Neuronen, als es tatsächlich benötigt. Im Laufe des Lebens werden häufig genutzte Verbindungen gestärkt, während andere in einem als „Pruning“ bezeichneten Prozess eliminiert werden.
Gleichzeitig schreitet ein weiterer Prozess – die Myelinisierung – im gesamten Gehirn voran. Dabei werden die Nervenfasern von einer Fettschicht umhüllt, die ähnlich wie die Isolierung um elektrische Leitungen funktioniert und die Signalübertragung beschleunigt. Diese „Isolierung“ entwickelt sich je nach den Bedürfnissen der einzelnen Hirnregionen unterschiedlich.
Neuronen in sensorischen Kortexen wie dem visuellen und auditorischen Kortex sind stark myelinisiert, während Neuronen im Frontallappen, der für höhere kognitive Funktionen zuständig ist, weniger Myelin aufweisen.
Anna-Lena Stroh vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig erklärte:
„Aus Tierstudien wissen wir bereits, dass Sinneserfahrungen einen enormen Einfluss auf diese Entwicklungsprozesse haben. Die genauen Mechanismen hinter diesem Einfluss sind jedoch Gegenstand laufender Forschung.“
„Menschen, die von Geburt an blind sind, spielen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, da sich ihr Gehirn ohne visuelle Reize entwickelt. So lassen sich die Auswirkungen von Sinneserfahrungen auf die Gehirnentwicklung gezielt untersuchen.“

Dickere Sehrinde

Seit vielen Jahren beobachten Forscher, dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, dicker erscheint als der von sehenden Menschen. Die vorherrschende Erklärung lautete, dass Blindheit den Pruningprozess stört, wodurch überschüssige neuronale Verbindungen im visuellen Kortex zurückbleiben.
Um diese Idee zu überprüfen, holte sich das Team aus Leipzig Unterstützung von Forschern aus Polen. Mittels modernster Bildgebungstechnologien konnten sie so Hirngewebe in außergewöhnlich hoher Detailgenauigkeit charakterisieren.
Insgesamt reisten 24 von Geburt an blinde Personen nach Leipzig, um an bildgebenden Messungen des Gehirns teilzunehmen. Sie wurden mit sehenden Kontrollpersonen verglichen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar waren.
„Dank hochauflösender Daten […] konnten wir die Mikrostruktur des Gehirns im Submillimeterbereich abbilden und so mehrere wichtige Muster aufdecken“, erklärte Nikolaus Weiskopf, Direktor der Abteilung Neurophysik am MPI in Leipzig. Weiter sagte er:
„Wie bereits in früheren Studien beobachteten wir, dass der visuelle Kortex bei blinden Menschen dicker erschien.“
Entscheidend sei jedoch, dass Weiskopf und Kollegen zeigen konnten, „dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, weniger myelinisiert war“. Hinweise auf einen gestörten Pruningprozess fanden die Forscher dagegen nicht. Sie schlossen aber auch nicht aus, dass der Prozess irgendeine Rolle spielen könnte.

Grenze zwischen grauer und weißer Substanz

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine verringerte Myelinisierung ein zentraler Faktor für die bei Blindheit beobachteten strukturellen Unterschiede im Gehirn ist. „Eine verminderte Myelinisierung kann auch beeinflussen, wie die Grenze zwischen grauer und weißer Substanz in MRT-Aufnahmen erscheint“, erläuterte Anna-Lena Stroh. „Dadurch kann die Großhirnrinde in MRT-Messungen dicker erscheinen.“
Zusätzliche Analysen zeigten, dass diese Veränderungen auch die weiße Substanz betrafen. Diese ist für die Informationsübertragung zwischen verschiedenen Hirnregionen zuständig. Gleichzeitig beobachteten die Forscher keine Unterschiede in Hirnarealen, die mit dem Hören oder Tasten in Verbindung stehen. Daher glauben die Wissenschaftler, dass die beschriebenen Veränderungen direkt mit dem Fehlen visueller Erfahrungen zusammenhängen.
Doch nur weil sich das Gehirn umstrukturiert, bedeutet dies nicht, dass es beeinträchtigt ist. Bei blinden Menschen ist der visuelle Kortex an Funktionen wie der Sprachverarbeitung, dem Arbeitsgedächtnis und der kognitiven Kontrolle beteiligt. Interessanterweise sind auch die Gehirnregionen, die diese Funktionen bei sehenden Menschen unterstützen, tendenziell weniger myelinisiert.
„Daher stehen die Unterschiede, die wir bei blinden Menschen beobachten, völlig im Einklang mit dem, was dieser Kortex bei blinden Menschen tatsächlich leistet“, resümiert Marcin Szwed von der Jagiellonen-Universität in Krakau. „Der visuelle Kortex bei blinden Menschen ist nicht beeinträchtigt – er ist nur anders organisiert.“
Die zugehörige Studie erschien am 10. Juli 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
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Warum Knochen- und Muskelschwund nicht nur eine Folge des Alterns sind


In Kürze:

  • Osteoporose und Sarkopenie – also Knochen- und Muskelschwund – nehmen bereits in jüngeren Jahren ihren Anfang.
  • Knochen und Muskeln wachsen durch Belastung. Fehlt diese, verkümmern sie.
  • Auch die Biochemie von Knochen und Muskeln bestimmt, ob sie schwinden oder wachsen.
  • Doch gesunde Knochen und Muskeln brauchen nicht nur Sport und eine gute Ernährung, sondern auch Energie in den Zellen.

 
Der Abbau von Knochen, Muskeln und Kraft gehört zu den folgenschwersten Aspekten des Alterns. Denn Gebrechlichkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für Pflegebedürftigkeit und Tod nach dem 65. Lebensjahr. 
Doch glücklicherweise kann man diesem Abbau sehr gut entgegenwirken und ihn sogar umkehren. Personen, die ihre muskuloskelettale Kraft erhalten, sind laut Studien weitaus besser in der Lage, auch vieles andere länger zu bewahren: Unabhängigkeit, Gleichgewicht, Stoffwechsel und sogar die kognitive Widerstandsfähigkeit, die sich aus körperlicher Leistungsfähigkeit ergibt.
Um diesen Verfall umzukehren, bedarf es einer umfassenderen Perspektive. In meiner Praxis prüfe ich jeden Patienten anhand des ACES-Modells für Gesundheit und Medizin. Dieses Modell beschreibt vier Dimensionen, die beeinflussen, wie der Körper im Laufe der Zeit seine Struktur bewahrt oder verliert – Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
Knochen- und Muskelschwund ist selten auf ein Versagen in nur einer dieser Dimensionen zurückzuführen. Die Behandlung von nur einer oder zwei Dimensionen – hier ein Rezept, dort ein Nahrungsergänzungsmittel – kann oftmals nicht verhindern, dass viele ältere Patienten immer wieder stürzen und Belastungen des Alltags nicht mehr gewachsen sind.

Anatomie: Der Körper wird durch das geformt, was man von ihm verlangt

Knochen und Muskeln sind lebendes Gewebe und reagieren direkt auf Belastung: Widerstand, Stöße und Gewicht, die das Gewebe wirklich herausfordern.
Nimmt man das weg, erhalten die Osteoblasten – die Zellen, die Knochen aufbauen – einfach keinen Befehl mehr, zu arbeiten.
Für die Muskeln gilt dieselbe Regel, mit einer gravierenden Ergänzung: Der Körper baut aktiv Gewebe ab, das er als entbehrlich einstuft. Ab etwa dem 40. Lebensjahr werden die Muskeln zunehmend unempfänglich für die Signale, die sie einst aufgebaut haben, wie etwa Bewegung oder Protein aus der Nahrung. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als anabole Resistenz beschrieben. 
Das bedeutet vereinfacht, dass dasselbe Protein und Training, die mit 30 noch zum Muskelaufbau führten, mit 60 nicht mehr ausreichen. Wer den Reiz nicht verstärkt, verliert jedes Jahr ein wenig mehr an Muskelmasse.
Das moderne Leben beschleunigt all diese physiologischen Veränderungen. Der durchschnittliche Erwachsene sitzt heute ungefähr zehn Stunden pro Tag. Die Hüftbeuger verkürzen sich, die Gesäßmuskeln werden inaktiv, der obere Rücken rundet sich nach vorne und die hintere Muskelkette, also die gesamte Muskulatur der Körperrückseite – das strukturelle Rückgrat der menschlichen Bewegung sozusagen –, verkümmert.

Tipps, was Sie tun können

Geben Sie Ihrem Skelett und Ihren Muskeln einen Anreiz, zu bleiben. Für die meisten Erwachsenen heißt das: Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche. Das bedeutet,  große Muskelgruppen mit einem sinnvollen Gewicht, gepaart mit einer leichten Stoßbelastung, zu trainieren. Selbst etwas so Einfaches wie auf den Zehenspitzen oder Fersen stehen, kann den Knochen dazu anregt, sich zu erneuern. 
Sie müssen die Belastung im Laufe der Zeit steigern, denn Muskeln und Knochen passen sich an den Reiz an, nicht an Wiederholungen. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit Krafttraining haben, beginnen Sie unter Anleitung eines Trainers oder Physiotherapeuten, der Ihnen sichere Übungen empfehlen kann.

Chemie: Was Ihr Blut Ihnen verrät

Die Biochemie von Knochen und Muskeln wird selten eingehend untersucht – da sie normalerweise über die Standard-Laboruntersuchungen hinausgeht.

Vitamin D

Der optimale Serumspiegel von Vitamin D liegt zwischen 30 und 50 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Unterhalb dieses Wertes stockt die Kalziumaufnahme. Um die Funktion des Bewegungsapparats aufrechtzuerhalten, empfehle ich allerdings 50 bis 80 ng/ml.
Schnell zuckende Fasern brauchen Vitamin D. Mit ihm sind sie schnell und stark genug, um uns aufzufangen, wenn wir stolpern. Deshalb äußert sich ein Vitamin-D-Mangel nicht nur in Knochenschwund, sondern auch in echter Muskelschwäche und -unsicherheit, was zu einem deutlich höheren Sturzrisiko führt.

Vitamin K2 

Vitamin K2 leitet Kalzium in die Knochen und weg von den Blutgefäßen. Ein Patient, der Kalzium und Vitamin D ohne K2 einnimmt, baut möglicherweise schwache Knochen auf und lässt gleichzeitig seine Arterien verkalken.

Magnesium

Der Körper benötigt Magnesium, um Vitamin D zu aktivieren und Muskeln anzuspannen. Gleichzeitig hilft Magnesium, den Spiegel des Hormons Parathormon zu regulieren, der den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel steuert. 
Ein subtiler Mangel äußert sich in Krämpfen, unruhigem Schlaf und unerklärlicher Müdigkeit.

Protein

Protein brauchen wir, um die Muskelmasse zu erhalten. Erwachsene über 40 benötigen etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei ist nicht nur die Gesamtzufuhr wichtig, sondern auch, dass wir das Protein über den Tag verteilt und nicht in einer großen Mahlzeit aufnehmen.

Hormone

Hormone sind für den Erhalt von Knochen und Muskeln unerlässlich, nehmen aber im mittleren Alter ab. Dazu gehören unter anderem IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1), Wachstumshormon, DHEA (Baustein für die Produktion wichtiger männlicher und weiblicher Sexualhormone, darunter Testosteron und Östrogen) sowie Schilddrüsenhormone.
Den Hormonhaushalt zu bestimmen und – sofern klinisch angebracht – wiederherzustellen, kann zu Ergebnissen führen, die kein Trainingsprogramm allein erreichen kann.

Tipps, was Sie tun können

Bitten Sie Ihren Arzt um eine Untersuchung, die über das Wesentliche hinausgeht: Vitamin D, Magnesium (idealerweise Magnesium in den roten Blutkörperchen) und, je nach Ihrer Krankengeschichte, die relevanten Hormone. 
Beziehen Sie den Großteil Ihres Proteins aus proteinreichen Vollwertnahrungsmitteln. Eine gute Quelle sind unter anderem
  • Eier,
  • Geflügel, 
  • Rinderfleisch, 
  • frischer oder konservierter Thunfisch oder Lachs,
  • griechischer Joghurt. 
Essen Sie bei jeder Mahlzeit proteinreiche Lebensmittel und versuchen Sie nicht, die benötigte tägliche Proteinmenge nur bei einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Betrachten Sie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D und K2 sowie Magnesium als gezielte Korrektur gemessener Mangelzustände und nicht als wahlloses Einnehmen von Tabletten. Gehen Sie eine Hormontherapie als eine sorgfältige Entscheidung an, die Sie gemeinsam mit einem sachkundigen Arzt treffen.

Energie: Die Kraft zum Wiederaufbau

Selbst ein makelloses Training und eine perfekte Ernährung können scheitern, wenn dem Körper die zelluläre Energie fehlt, um darauf zu reagieren. Der Aufbau von Knochen und Muskeln ist stoffwechseltechnisch aufwendig und hängt von gesunden Mitochondrien ab – den Kraftwerken unserer Zellen.
Personen mit chronischer Müdigkeit, anhaltenden postviralen Syndromen oder erheblicher toxischer Belastung verlieren laut Untersuchungen schneller an Muskel- und Knochenmasse. Das kommt dadurch, dass die zelluläre Energie für deren Wiederaufbau beeinträchtigt ist.
Der Wiederaufbau findet im Schlaf statt, denn der Körper schüttet Wachstumshormone vor allem im Tiefschlaf aus. Genau während dieser Zeit baut der Körper Muskelproteine auf, baut altes Knochengewebe ab und ersetzt es durch neues.
Sechs Stunden Schlaf können nicht das leisten, was acht Stunden ermöglichen, ganz gleich, wie diszipliniert Ihr Training auch sein mag.

Tipps, was Sie tun können

Stellen Sie sicher, dass sie ausreichend schlafen: 
  • Halten Sie regelmäßige Schlafenszeiten ein, 
  • sorgen Sie für ein dunkles und kühles Schlafzimmer,
  • verzichten Sie spätabends auf Bildschirme und auf Alkohol, da beides den Tiefschlaf beeinträchtigt. 
Wenn Ihre Müdigkeit in keinem Verhältnis zu Ihrem Leben zu stehen scheint, nehmen Sie sie ernst, anstatt sie einfach zu ignorieren. Fragen Sie Ihren Arzt zusätzlich nach Schilddrüsen-, Eisen- und B12-Werten sowie – sofern Ihre Vorgeschichte dies nahelegt – nach umweltbedingten und stoffwechselbedingten Faktoren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Bone and Muscle Loss Is More Than Just Aging“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Neue Studie: Nächtliches Fasten halbierte die Symptome von Morbus-Crohn

selbst moderne Behandlungsmöglichkeiten wirken bei bis zu 40 Prozent der Menschen mit Morbus Crohn nicht ausreichend. Bei einem Teil der Patienten, die zunächst auf die Therapie ansprechen, lässt die Wirkung mit der Zeit nach.
Forscher suchen deshalb nach ergänzenden Ansätzen – und richten den Blick dabei auch auf eine einfache Maßnahme: verlängerte Fastenphasen über Nacht. Dafür konzentrierten sie sich auf Patienten mit Morbus Crohn und einem Body-Mass-Index (BMI) über 25. Ab einem BMI von 25 gilt man laut Definition der WHO als übergewichtig, ab einem BMI von 30 als adipös.
Eine in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlichte randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte erstmals anhand einer kleinen Gruppe übergewichter Morbus-Crohn-Patienten, ob zeitlich begrenztes Essen einen Einfluss auf die Beschwerden haben kann. Die Teilnehmer aßen innerhalb eines achtstündigen Zeitfensters und fasteten an sechs Tagen pro Woche jeweils 16 Stunden.
Dabei zeigte diese Ernährungsweise deutliche Verbesserungen: Die Bauchschmerzen gingen um 50 Prozent zurück, die Stuhlfrequenz verringerte sich um 40 Prozent im Vergleich zum Beginn der Studie.
Zudem zeigten die Teilnehmer niedrigere Werte für systemische Entzündungen und verloren eine geringe, aber klinisch relevante Menge an Körperfett.
„Die Teilnehmer der Fastengruppe zeigten eine stärkere Verbesserung ihrer [gastrointestinalen] Symptome im Zusammenhang mit Morbus Crohn, wodurch sich ihr klinischer Remissionsstatus vertiefte“, sagte Dr. Maitreyi Raman, Gastroenterologin und außerordentliche Professorin für Medizin an der Universität von Calgary sowie leitende Autorin der Studie, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.

Fasten führte in einer ersten Studie zu besserer Symptomkontrolle bei Morbus Crohn (Dr. Maitreyi Raman).

Foto: Lacheev/iStock

Die Studie im Detail

Insgesamt nahmen 35 Menschen mit Morbus Crohn und einem BMI zwischen 25 und 35 an der Studie teil. Sie wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:
Eine Gruppe von 20 Teilnehmern verlängerte ihre nächtliche Fastenphase, indem sie die letzte Mahlzeit des Tages früher einnahm. Die Kontrollgruppe – bestehend aus 15 Personen – setzte ihre bisherigen Essgewohnheiten fort.
Die Forscher untersuchten unter anderem den BMI sowie Blut- und Stuhlproben der Teilnehmer. In der Fastengruppe sank der BMI der Teilnehmer im Durchschnitt um einen Punkt – ein Wert, der als klinisch bedeutsamer Gewichtsverlust gilt.
Gleichzeitig nahm auch das viszerale Fett, also das Fettgewebe im Bauchraum, das die inneren Organe umgibt, ab.
Auch die Beschwerden wurden erfasst. Mithilfe des Harvey-Bradshaw-Index, der unter anderem die Stuhlfrequenz, Bauchschmerzen und das allgemeine Wohlbefinden bewertet, stellten die Forscher eine deutliche Verbesserung der Symptome fest.

Es geht nicht darum, weniger zu essen

Bemerkenswert war, dass sich die Fastengruppe und die Kontrollgruppe während der gesamten Studie hinsichtlich der aufgenommenen Kalorienmenge und der Zusammensetzung ihrer Nahrung kaum unterschieden.
Dennoch fanden die Forscher Unterschiede bei mehreren Entzündungsbotenstoffen, die vom Fettgewebe gebildet werden. Dazu zählten Leptin, Plasminogenaktivator-Inhibitor-1 und Adipsin.
Diese sogenannten Adipokine spielen eine Rolle bei der Steuerung von Immunreaktionen und Entzündungsprozessen im Körper.
„Wir kommen daher zu dem Schluss, dass die Vorteile des Gewichtsverlusts nicht ausschließlich mit einer Energieeinschränkung oder -reduktion zusammenhängen, sondern vielmehr mit den zirkadianen Rhythmen und dem Zeitpunkt der Mahlzeiten“, sagte Raman.
Matthew Breit, Postdoktorand und staatlich geprüfter Ernährungsberater am Anschutz Medical Campus der University of Colorado, erklärte der englischsprachigen Epoch Times gegenüber, dass Fasten möglicherweise verschiedene Stoffwechselprozesse beeinflussen kann.
Dazu gehören eine bessere Insulinempfindlichkeit, eine verbesserte metabolische Flexibilität – also die Fähigkeit des Körpers, zwischen der Energiegewinnung aus Glukose und Fett zu wechseln – sowie eine mögliche Regulierung der Immunaktivität. Breit war nicht an der Studie beteiligt.
Die Ergebnisse müssen jedoch mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Die Forscher erfassten die Energieaufnahme der Teilnehmer anhand von Selbstauskünften.
Daher lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass einige der beobachteten Effekte auch durch nicht erfasste Veränderungen der Kalorienzufuhr entstanden sein könnten.

Die innere Uhr des Darms

Auch im Darmmikrobiom zeigten sich bei der Fastengruppe positive Veränderungen. Die Forscher stellten unter anderem eine Zunahme von Bakterien fest, die kurzkettige Fettsäuren bilden.
Diese Bakterien kommen bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) und Stoffwechselstörungen häufig in geringerer Menge vor. Sie können eine wichtige Rolle für die Funktion der Darmbarriere und die Regulierung des Immunsystems spielen.
Bei Teilnehmern, die stärker abnahmen, fanden die Forscher außerdem weniger Bakterienarten, die mit Darmentzündungen und Schüben von entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) in Verbindung gebracht werden.
Dazu gehörten Bacteroides ovatus (eine Bakterienart, die natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommt) sowie verschiedene Arten aus den Gruppen Escherichia (eine Gattung stäbchenförmiger, gramnegativer Bakterien, die natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora sind) und Shigella (Bakterien, die schwere Magen-Darm-Infektionen auslösen können).
Viele Abläufe im Darm, darunter Stoffwechsel- und Immunprozesse, folgen einer inneren Uhr. Nach Einschätzung von Breit können längere Essensphasen diesen natürlichen Rhythmus beeinflussen.
„Fasten könnte helfen, diese peripheren Uhren wieder zu synchronisieren“, sagte er.
Dabei ist der Zeitpunkt der Mahlzeiten entscheidend, denn Essen wirkt als wichtiger Taktgeber für die sogenannten peripheren Uhren des Körpers. Diese zirkadianen Rhythmen steuern zahlreiche Prozesse in Organen und Geweben außerhalb des Gehirns, in dem sich die zentrale innere Uhr befindet.
Regelmäßige Essenszeiten könnten deshalb dazu beitragen, das Zusammenspiel zwischen Darmbakterien, Immunzellen und Stoffwechselprozessen wieder besser aufeinander abzustimmen.

Risiko durch viszerales Fett bei Morbus Crohn

Die Studie ergänzt eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen, die darauf hindeuten, dass überschüssiges Körperfett – insbesondere viszerales Fett im Bauchraum – den Verlauf von Morbus Crohn negativ beeinflussen und die Behandlung erschweren kann.
Ein höherer Anteil an viszeralem Fett wird mit häufigeren Krankenhausaufenthalten, erneuten Klinikaufnahmen und Operationen sowie einem schlechteren Ansprechen auf biologische Therapien in Verbindung gebracht.
Laut Raman könnte Gewichtsmanagement einschließlich Fasten in Kombination mit den üblichen Medikamenten dazu beitragen, „eine dauerhafte Remission zu erreichen“.
Sie wies außerdem darauf hin, dass intermittierendes Fasten möglicherweise auch für Menschen mit Normalgewicht interessant sein könnte, da auch sie trotz schlanker Figur erhöhte Mengen an viszeralem Fett aufweisen können. Allerdings sind Studien an Morbus-Crohn-Patienten mit Normalgewicht noch ausständig und es ist derzeit unklar, ob ein weiterer Gewichtsverlust für sie ähnliche Vorteile bringen könnte, wie sie in der Studie bei übergewichtigen Patienten beobachtet wurden.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Overnight Fasting Cut Crohn’s Symptoms by Half in New Trial“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Die stille Epidemie: Warum zu viele Medikamente im Alter krank machen

Vor drei Wochen kam Herr K., ein 78-jähriger Patient, erstmals in meine Praxis. Er wirkte müde, fahrig, und seine Schritte waren unsicher. Als er sich setzte, legte er mir eine lange Liste auf den Tisch – zwölf verschiedene Medikamente, verordnet von fünf unterschiedlichen Ärzten.
Während er sprach, fiel auf, wie oft er nach Worten suchte. Außerdem klagte er über Schwindel, Muskelschmerzen und Gedächtnisprobleme. Man hatte ihm erklärt, das sei „eben das Alter“. Doch schnell wurde mir klar, dass es nicht nur das Alter war, sondern die Last einer unkoordinierten Polypharmazie.
Der Begriff Polypharmazie bedeutet, dass ein Patient mindestens fünf verschiedene Medikamente gleichzeitig einnimmt. Bei vielen älteren Menschen, wie auch im Fall von Herrn K., ist die Medikamentenanzahl sogar im zweistelligen Bereich.
Als ich ihn fragte, wann zuletzt jemand seine gesamte Medikamentenliste überprüft habe, sah er mich überrascht an. „Noch nie“, sagte er.
Und obwohl er eine Liste besaß, stellte sich im Gespräch heraus, dass er zwei Tabletten mit identischem Aussehen, aber unterschiedlicher Stärke verwechselte. Er nahm seit Wochen die doppelte Dosis eines Blutdrucksenkers, weil die neue Packung anders aussah, als die alte.

Die stille Epidemie der Polypharmazie

Polypharmazie ist längst zu einem strukturellen Problem geworden. Millionen ältere Menschen in Deutschland nehmen täglich fünf, zehn oder mehr Medikamente ein. Die Verschreibungen stammen aus verschiedenen Praxen, oft ohne Rücksprache, und die Patienten selbst können die komplexen Pläne kaum überblicken.
Wissenschaftlich ist die Problematik seit Jahren klar dokumentiert. Studien belegten, dass ältere Patienten mit mehr als fünf Medikamenten ein deutlich erhöhtes Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen haben. Viele dieser Wechselwirkungen bleiben unentdeckt, weil die behandelnden Ärzte voneinander nichts wissen.
Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zeigen außerdem: Ältere Menschen nehmen oft Medikamente ein, die sie eigentlich gar nicht mehr brauchen.
Aus reiner Gewohnheit wird die Behandlung oft nicht angepasst. Das führt dazu, dass Patienten jahrelang Medikamente nehmen, die ihnen kaum noch helfen, aber trotzdem Nebenwirkungen haben.

Wenn Medikamente sich gegenseitig stören

In meiner täglichen Arbeit sehe ich oft, wie Medikamente miteinander konkurrieren, sich verstärken oder neutralisieren.
Schwindel ist beispielsweise eine häufige Folge, wenn Blutdrucksenker und Schlafmittel in Kombination verordnet werden. Ein weiteres Beispiel ist Muskelschwäche, die durch Statine ausgelöst werden kann. Statine können wiederum mit Protonenpumpenhemmern, die typischerweise bei Sodbrennen eingesetzt werden, interagieren und langfristig zu Nährstoffmängeln führen.
Die Altersforschung bestätigt diese Beobachtungen. Besonders eindrücklich war dazu eine Studie  die 2014 im „Journal of the American Geriatrics Society“ veröffentlicht wurde. Sie zeigte, dass unkoordinierte Polypharmazie signifikant mit Stürzen, Delirien und Krankenhausaufenthalten korreliert. Psychopharmaka und Schlafmittel erhöhen das Risiko dabei laut den Studienautoren besonders stark.
Eine weitere Untersuchung von schwedischen Forschern dokumentierte, dass die Zahl der verordneten Medikamente mit dem Alter steigt und das Risiko für Beschwerden durch Polypharmazie zunimmt,  während die Kommunikation zwischen Ärzten abnimmt.
Verschiedene Studien weisen zudem darauf hin, dass Patienten mit komplexen Medikamentenplänen häufiger Einnahmefehler machen, nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Einnahmepläne für sie nicht klar verständlich sind.
Die ganzheitsmedizinische Perspektive verfolgt deshalb den Ansatz, jede Medikamentenverordnung kritisch zu prüfen. Besonders relevant sind dabei wissenschaftliche Untersuchungen der kanadischen Professorin Dee Mangin. Sie zeigte, dass das gezielte Absetzen unnötiger Medikamente die Belastung der Patienten reduzieren und  Nebenwirkungen durch Arzneimittel vermindern kann.

Ohne Transparenz wird jede zusätzliche Tablette zum Risiko

Der wichtigste Schritt gegen die stille Epidemie der Polypharmazie ist Transparenz. Meine Empfehlung ist: Jede ältere Person sollte eine vollständige, aktuelle Medikamentenliste haben und sie bei jedem Arztbesuch vorlegen.
Ebenso wichtig ist es, die tatsächlichen Tabletten regelmäßig zu überprüfen – Farbe, Form, Stärke, Hersteller. Ein genauer Blick auf die Packung kann verhindern, dass Verwechslungen passieren und falsche Dosen eingenommen werden.
Mut spielt ebenfalls eine Rolle: Fragen Sie Ihren Arzt, ob jedes Medikament wirklich noch notwendig ist. Viele Präparate werden aus Routine weitergegeben, obwohl sie möglicherweise keinen Nutzen mehr haben.

Fazit

Polypharmazie ist eine stille, aber gefährliche Epidemie. Sie entsteht durch Zeitmangel, fehlende Abstimmung zwischen verschiedenen Fachärzten und die zunehmende Komplexität der medizinischen Versorgung.
Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass Beschwerden älterer Menschen nicht immer nur durch Krankheiten, sondern auch durch die unkoordinierte oder fehlerhafte Einnahme verschiedener Medikamente verursacht werden können.
Zeit für Gespräche, Zeit für Verständnis, Zeit für echte medizinische Begleitung. Genau diese Zeit brauchen Ärzte, um ältere Menschen sicher durch komplexe Therapiepläne zu führen und ihnen damit ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Beweglich und fit bis ins hohe Alter – Präventionsexperte Dr. Till Sukopp: „Es ist nie zu spät“

Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit, ungewollte Gewichtszunahme. Bewegungsmangel ist längst zur Volkskrankheit geworden – dabei sind die Angebote so groß wie nie zuvor, sagt der Präventionsexperte Dr. Till Sukopp. Im Interview mit Epoch Times erklärt der Sportwissenschaftler und Bestsellerautor, warum wir trotzdem scheitern, wie einfach der Einstieg wirklich ist und weshalb Bewegung der Schlüssel zu einem langen, selbstbestimmten Leben bleibt.
Bereits in deiner Doktorarbeit hast du dich dem Thema Prävention gewidmet. Warum ist dieses Thema so wichtig – damals wie heute?
Ich will Menschen Mittel und Werkzeuge in die Hand geben, damit sie eigenverantwortlich möglichst lange gesund und vital bleiben. Ich habe mein ganzes Leben lang Sport gemacht, seit ich zwei war. Als Kind wurde ich gehänselt, weil ich immer der Kleinste war. Durch Sport habe ich mehr Selbstwertgefühl und Anerkennung bekommen. Im Teenageralter hatte ich schon meine erste Trainerausbildung für Selbstverteidigung. Ich brachte den Menschen bei, mehr auf ihre Gesundheit zu achten, fitter zu werden und mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen. Als ich während meines Studiums der Sportwissenschaften Einblicke in Rehakliniken im internistischen/orthopädischen Bereich bekam, erlebte ich, wie schlecht es vielen Leuten ging. Dabei hätte ein Großteil ihrer Leiden durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden können. Dass man durch körperliche Aktivität und Training lange fit und gesund bleiben kann, war ein Teil der Therapie. Es hat mich derart fasziniert, Menschen auf einfachste Art und Weise zu helfen, dass ich mich tiefer in das Thema reingearbeitet habe.
Das ist jetzt 20 Jahre her. Hat sich die Beweglichkeit in der Gesellschaft seither verändert?
Die Menschheit wird immer schlapper, immer übergewichtiger, immer kränker. Die fortschreitende Digitalisierung sorgt dafür, dass wir uns kaum noch bewegen. Wir können vom Sofa aus Essen bestellen und es an die Tür liefern lassen. Vielen fällt gar nicht mehr auf, dass sie sich nicht bewegen. Die meisten Menschen, die ich betreue, sind bei den ersten Übungen entsetzt, wie schlecht ihr körperlicher Zustand ist.
Wann geht man heutzutage mal eine Treppe? Oder wer trägt seinen Koffer, wenn nicht gerade eine Rolle abgebrochen ist? Viele Menschen haben gar kein Bewusstsein mehr dafür, wie sehr uns unser Alltag in den Bewegungsmangel treibt. Aber während es auf der einen Seite immer mehr Bewegungsmangel, immer mehr Beschwerden, immer mehr Erkrankungen gibt, finden wir auf der anderen Seite eine Fülle an Gesundheits- und Sportangeboten, wie es sie noch nie gegeben hat. Dazwischen klafft eine eklatante Lücke. Es liegt nicht am Wissen. Jeder kann sich informieren. Aber die Leute kommen nicht in die Umsetzung oder haben Schwierigkeiten.
Woran liegt das?
Viele nehmen sich zu viel vor, trainieren zu intensiv, bis sie Schmerzen oder gar eine Verletzung haben. Wenn es zu kompliziert ist, zu lange dauert oder die Ergebnisse ausbleiben, steigen die Leute schnell wieder aus. Wer frustriert ist, gibt schnell auf. Andere fangen gar nicht an, weil sie völlig überfordert sind und sich nicht vorstellen können, wie sie Bewegungen in ihren Alltag integrieren können. Es gibt viele Glaubensmuster, die einen daran hindern, in die Umsetzung zu kommen. Die Leute müssen dort abgeholt werden, wo sie stehen.
Oft war der Ansatz des Trainings schon falsch und der Körper war noch gar nicht bereit für die Bewegung. Wenn ich beweglicher werden möchte und mein Körper unter Stress steht, tut sich nicht viel, weil der Körper erst einmal seine jahrelange Schutzspannung verlieren muss. Doch mit funktionellem Training ist es mit wenig Zeit und Aufwand möglich, fit zu werden. Bewegung ist der Faktor Nr. 1 für ein gesundes, langes Leben.
Was ist der Unterschied zwischen klassischem Krafttraining und funktionellem Training?
Beim Krafttraining trainiere ich den Motor, aber die Software dahinter nicht. Jeder kennt das aus dem Fitnessstudio, wo man an einer Maschine beispielsweise den Bizeps trainiert. Davon kann man zwar dicke Muskeln bekommen, aber für eine komplexe Bewegung im Alltag bringt das nicht viel, beispielsweise wenn man einen Koffer aufs Autodach hebt. Beim funktionellen Training orientiert man sich an natürlichen Bewegungen wie Drücken, Ziehen, Beugen, Rotation, Überkreuzbewegungen und unterschiedlichen Schrittstellungen.
Der Körper ist ein ganzheitliches System mit Faszien, das über das Nervensystem verbunden und gesteuert wird. Die Schultern sind mit den Hüften und Füßen verbunden. Dann sollte man das auch trainieren. Das funktionelle Training sorgt in der Regel dafür, dass wir naturgerechter trainieren und bessere Effekte mit geringerem Zeitaufwand erzielen.
„Das heißt: Wir schlagen viel mehr Fliegen mit einer Klappe.
Ich kann gleichzeitig Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer trainieren. Das ist alles gleichzeitig möglich, wobei man natürlich individuelle Schwerpunkte setzen kann.
Haben die Maschinen beim Krafttraining ausgedient?
Man kann sie schon noch einsetzen, dadurch kann der Körper gekräftigt werden. Das ist besser als gar nichts. Aber man muss aufpassen, da viele Menschen durch das ständige Sitzen das Gefühl für den Körper verloren haben. Bei fehlender Anleitung kann es zu Verletzungen kommen. Ein funktionelles Training ermöglicht häufig bessere Ergebnisse für die Gesamtfitness bei vergleichbarem Zeitaufwand, weil mehrere Komponenten gleichzeitig trainiert werden. Es erfordert aber auch mehr Anleitung.
Wie fängt man am besten mit funktionellem Training an und wie bleibt man dran?
Der erste Schritt, ins Tun zu kommen, ist der wichtigste. Den würde ich so klein wie möglich gestalten, also einfach loslegen. Während eure Leser unser Interview lesen oder hören, können sie zwischendurch schon ein paar Mal aufstehen und sich wieder hinsetzen.  Aufstehen, wieder hinsetzen. Dann ist der Anfang schon gemacht. Das kann man dann langsam steigern. Mit der Zeit werden wir uns besser fühlen, und wenn wir es regelmäßig machen, kommen automatisch die Ergebnisse. Also: Langsam anfangen, sich steigern und daraus neue Gewohnheiten entwickeln. Wir müssen dahin kommen, dass die Bewegungen zum Alltag dazugehören. Wie motiviert man sich zum Zähneputzen? Genau das ist der Schlüssel.
Wenn ich die Ergebnisse im Alltag spüre – ich kann mich besser bewegen, mir fällt vieles leichter, ich fühle mich körperlich besser – dann bleibe ich natürlich dran. Und irgendwann ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, zur neuen Identität.
Das hört sich einfach an. Wie gelingt die Umsetzung am besten?
Indem man möglichst jeden Tag zur selben Zeit in derselben Umgebung, in kleinen Schritten anfängt, sodass sich im Geist erst gar kein Widerstand regt. Wer schon am Morgen zu träge ist, wird womöglich auch nach der Arbeit zu erschöpft sein, um zu trainieren. Dann fallen einem jede Menge Argumente ein, warum man gerade heute eine Trainingspause einlegen sollte. In der Zeit, in der man noch überlegt, ob man trainieren sollte oder nicht, könnte man eigentlich schon loslegen. Ich kann die Wirbelsäule und die Gelenke ein bisschen durchbewegen, dann fühlt man sich schon besser und macht meistens auch mehr. Statt Knabberzeug im Sessel zu essen, kann man fünfmal in die Hocke gehen und wieder aufstehen – oder ich lege mich kurz auf den Bauch, drehe mich auf den Rücken, über die Seite und stehe auf. Dann habe ich mich schon einmal durchbewegt.
Manchmal reicht es auch aus, sich Sportkleidung anzuziehen oder seine Lieblingsmusik abzuspielen, die man als Anker nimmt; wenn man diese Musik hört, bewegt man sich schon. Oder wie wäre es, Eukalyptus-, Zitrus- oder Pfefferminzduft in der Wohnung zu vernebeln? Das macht wach, steigert die Konzentration und verbessert die Atmung. Also, da gibt es verschiedenste Möglichkeiten, wie man anfängt, aber das Wesentlichste und Einfachste ist, ins Tun zu kommen.
Wenn Bewegung zur Gewohnheit geworden ist – oder besser noch früher – kann ich mir Unterstützung von einem Trainer oder Therapeuten holen, der mir das Training besser strukturiert, sodass ich bei gleichem Zeitaufwand noch bessere Ergebnisse erziele und Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Ausdauer kombiniere.
Du hast dich auf die Altersgruppe ab 40 Jahren spezialisiert. Was gilt es da zu beachten?
Gerade ganzheitliches Krafttraining ist in der zweiten Lebenshälfte ab 40 Jahren nicht verhandelbar. Der Verlust an Muskelkraft und Muskelmasse ist einer der Hauptfaktoren für vorzeitiges Altern und eine vorzeitige Einweisung in ein Pflegeheim.  Die Menschen kommen nicht ins Altersheim, weil sie alt sind, sondern vor allem, weil sie sich zu wenig bewegen.
Die Forschung zeigt seit Jahrzehnten, dass selbst Menschen im Alter von 80, 90 oder mehr Jahren noch erstaunlich gut auf Training reagieren. In den berühmten Studien von Maria Fiatarone und Kollegen [1-4] verbesserten hochbetagte Pflegeheimbewohner im Alter von über 90 Jahren durch gezieltes Krafttraining ihre Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und funktionelle Selbstständigkeit deutlich.
Auch zahlreiche spätere Untersuchungen bestätigten, dass regelmäßiges Krafttraining im Alter Mobilität, Lebensqualität und die Fähigkeit verbessert, den Alltag eigenständig zu bewältigen.
Die Botschaft dieser Studien ist bemerkenswert: Es ist fast nie zu spät, mit Bewegung zu beginnen. Wenn selbst 90-Jährige im Pflegeheim durch Krafttraining deutlich kräftiger, mobiler und selbstständiger werden können, dann ist es für die meisten Menschen zwischen 50 und 70 definitiv nicht zu spät, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.
Der Fokus sollte also auf dem Krafttraining liegen?
Krafttraining zählt heute zu den wirksamsten Maßnahmen, um körperliche Selbstständigkeit, Autonomie und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Wir können viele Folgen des Alterns deutlich verlangsamen und körperliche Fähigkeiten zurückgewinnen, die wir häufig vorschnell als „altersbedingt“ akzeptieren. Je nach Ausgangsniveau lassen sich innerhalb weniger Monate Verbesserungen erzielen, die in einzelnen körperlichen Leistungsmerkmalen dem Unterschied von 15 bis 20 Lebensjahren entsprechen können.
Der Altersforscher William J. Evans [5] beschreibt in seinem Buch „Biomarkers“, dass insbesondere Muskelmasse, Muskelkraft, Körperzusammensetzung und aerobe Leistungsfähigkeit zu den wichtigsten Merkmalen eines gesunden Alterns gehören. Die gute Nachricht: Alle diese Faktoren lassen sich durch gezieltes Training bis ins hohe Alter positiv beeinflussen.
Es ist nie zu spät, damit anzufangen: Mindestens einmal, besser zweimal wöchentlich sollten wir ein Ganzkörper-Krafttraining von 15 bis 25 Minuten zu Hause machen. Keiner braucht ein Fitnessstudio, keiner braucht Trainingsgeräte, Maschinen oder Hanteln. Für jeden gibt es passende Übungen.
Wenn jemand sagt: „Ich habe überhaupt keine Zeit für Sport.“ Was würdest du darauf antworten?
Grundsätzlich spreche ich nie von Sport, weil das für viele schon negativ behaftet ist. Ich spreche von körperlicher Aktivität oder Training. Keine Zeit gibt es nicht. Wir haben alle 24 Stunden am Tag Zeit, das ist eine Sache von Prioritäten.
Wenn jemand sagt, dass er keine Zeit hat, dann sage ich, derjenige hat es wirklich dringend nötig. Ein altes Zen-Sprichwort besagt: „Wer nicht täglich eine halbe Stunde Zeit zum Meditieren hat, sollte eine Stunde meditieren.“  Körperliche Aktivität ist eines der effektivsten Mittel, um Stress abzubauen und um stressresistenter zu werden. Mit anderen Worten, je stressiger der Alltag ist, desto dringender wird ein Bewegungsausgleich benötigt.
Mein Doktorvater hat immer gesagt: „Die Sportmedizin ist die Speerspitze der Präventivmedizin. Bewegung ist die Nummer eins.“ Natürlich, Ernährung, Entgiftung sowie die Reduktion von Elektrosmog und emotionalem Stress sind auch sehr wichtig. Aber Bewegung ist für viele der einfachste Faktor. Er ist sehr effektiv und hat im Vergleich zu vielen Medikamenten keine unerwünschten, sondern sehr viele positive Nebenwirkungen.
Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Susanne Ausic.
Über Dr. Till Sukopp
Dr. Till Sukopp ist Präventionsexperte, internationaler Bestsellerautor, Referent, Trainerausbilder, Coach und einer der bekanntesten deutschen Trainer für Functional Training. Nach seinem Studienabschluss zum Diplom-Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln hat er dort auch zum Doktor der Sportwissenschaften im Bereich Sportmedizin promoviert. Seit über 25 Jahren hilft er vor allem Menschen der Altersgruppe Ü40 dabei, ihre Beweglichkeit, Fitness und Figur um mindestens zehn Jahre zu verjüngen – ganz ohne Fitnessstudio, Diät und Verzicht. Neben Auftritten bei Gesundheitskonferenzen und Online-Kursen gibt er regelmäßig in der Dr. Sukopp Live-Show Ratsuchenden kostenlose Tipps rund um das Thema Beweglichkeit und Fitness.
Studienquellen
  1. Fiatarone MA, Marks EC, Ryan ND, Meredith CN, Lipsitz LA, Evans WJ. (1990)
    High-Intensity Strength Training in Nonagenarians
    New England Journal of Medicine, 323(5), 302–309.
    PubMed Originalstudie
  2. Fiatarone MA, O’Neill EF, Ryan ND et al. (1994)
    Exercise Training and Nutritional Supplementation for Physical Frailty in Very Elderly People
    New England Journal of Medicine, 330(25), 1769–1775.
    PubMed Originalstudie
  3. Frontera WR, Meredith CN, O’Reilly KP, Knuttgen HG, Evans WJ. (1988)
    Strength Conditioning in Older Men: Skeletal Muscle Hypertrophy and Improved Function
    Journal of Applied Physiology, 64(3), 1038–1044.
    PubMed Originalstudie
  4. Nelson ME, Fiatarone MA, Morganti CM et al. (1994)
    Effects of High-Intensity Strength Training on Multiple Risk Factors for Osteoporotic Fractures
    JAMA, 272(24), 1909–1914.
    PubMed Originalstudie
  5. Evans WJ, Rosenberg IH. (1991)
    Biomarkers – The 10 Determinants of Aging You Can Control
    Simon & Schuster.
    Hintergrundwerk zur Bedeutung von Muskelmasse, Kraft, Körperfettanteil, Stoffwechsel und Ausdauer für gesundes Altern.
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Flüge ins Ausland im ersten Halbjahr deutlich teurer – Ausnahme: Afrika

Die Preise für Flugtickets und Pauschalreisen ins Ausland sind zuletzt stark gestiegen. Tickets für internationale Flüge verteuerten sich im 1. Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte.
Betrachtet man die Preise für Auslandsflüge in der Economy-Class, gab es die größten Steigerungen bei Flügen nach Mittelamerika (+12,5 Prozent). Für Flüge ins europäische Ausland zahlten Flugreisende im 1. Halbjahr 2026 rund 11,5 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2025, nach Asien und Australien 4,9 Prozent mehr.

Afrika-Tickets günstiger

Langstreckenflüge nach Nordamerika verteuerten sich um 3,7 Prozent, nach Südamerika um 0,3 Prozent. Günstiger geworden sind hingegen Flugtickets nach Afrika (-12,0 Prozent).
Ebenfalls deutlich stiegen die Ticketpreise für Flüge innerhalb Deutschlands: 9,5 Prozent mehr kosteten Inlandsflüge im 1. Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Pauschalreisen um 3,0 Prozent teurer

Auch für Pauschalreisen mussten Urlauber tiefer in die Tasche greifen: Pauschalreisen ins Ausland waren im 1. Halbjahr 2026 durchschnittlich 3,0 Prozent teurer als im Vorjahreszeitraum. Preissteigerungen gab es für Pauschalreisen nach Ägypten (+5,2 Prozent), auf die Kanaren (+4,6 Prozent) und Balearen (+3,6 Prozent).
Die Preise für Pauschalreisen in die Türkei (+1,3 Prozent) stiegen moderat gegenüber dem 1. Halbjahr 2025. Bei Pauschalreisen nach Griechenland veränderten sich die Preise für Verbraucher kaum (+0,2 Prozent).
Bei Pauschalreisen innerhalb Deutschlands fiel der Preisanstieg zuletzt ähnlich wie bei den Auslandsreisen aus: Heimische Pauschalreisen verteuerten sich im 1. Halbjahr 2026 um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. (dts/red)
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Als Start in den Tag: 5 sanfte Übungen mit einem Kissen

Wer SEIN Kissen gefunden hat, lässt es sich im Reich der Träume gut gehen. Doch Kissen haben noch eine weitere großartige Verwendungsmöglichkeit – und zwar als Trainingsgerät. Und das dank folgender Eigenschaften:
  • man kann sie nicht kaputt machen;
  • sie richten keinen Schaden an, wenn sie herunterfallen;
  • sie lassen sich leicht halten und handhaben;
  • so gut wie jeder von uns hat zu Hause mehrere davon zur Auswahl. 
Übungen mit Kissen können ein erstaunliches Training bieten. Die Übungen, die ich für Sie ausgewählt habe, sind sinnvoll, effektiv und können Ihnen echte Fortschritte bringen. Das Beste daran? Wer nach dem Training müde ist, kann sich das Kissen einfach unter den Kopf legen und ein Nickerchen machen.

Fünf einfache Übungen mit Kissen, die die Gesundheit auf Vordermann bringen

Ich finde die folgenden Übungen sehr praktisch. Auch sorgen sie für ein sicheres und effektives Training. Sie funktionieren gut bei meinen Patienten und ich mache sie ebenfalls regelmäßig. 
Ich empfehle, für diese Übungen normale Kissen und keine langen Körperkissen zu verwenden – obwohl ich unweigerlich schmunzeln muss, wenn ich mir vorstelle, wie jemand während des Trainings mit einem solchen Kissen ringt. Die meisten Kissen sind geeignet, solange sie nicht zu groß und unhandlich sind, so auch Zierkissen oder Dekokissen. Das beste Kissen ist das, das für Sie am besten funktioniert.

1. Knie mit dem Kissen berühren und Beine nach oben strecken

Das ist eine großartige Übung für den Start in den Tag. Sie ist nicht übermäßig anstrengend und bietet zudem ein hervorragendes Aufwärmtraining für die folgenden Übungen.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf eine stützende Unterlage legen und die Arme gerade in Richtung Kopfteil oder Wand hinter sich ausstrecken. Das Kissen zwischen den Händen halten. Die Oberschenkel befinden sich senkrecht zum Boden, die Knie sind gebeugt.
Schritt 2: Den Kopf auf die Unterlage drücken und die Arme in Richtung der Beine führen. Gleichzeitig die Beine strecken und in einem etwa 75-Grad-Winkel zum Boden halten.
Schritt 3: Mit dem Kissen die Knie berühren und wieder in die Ausgangsposition zurückkehren. Das Berühren der Knie mit dem Kissen zählt als eine Wiederholung.
Schritt 4: Drei Sätze mit jeweils 15 Wiederholungen absolvieren.

2. Kissen zwischen Händen und Füßen hin- und herreichen

Nun haben wir uns aufgewärmt und können zu einer Übung übergehen, die den Körper vom Kopf bis zu den Knien noch stärker fordert.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich flach auf den Rücken legen und ein Kissen zwischen beiden Händen halten. Die Arme so weit wie möglich gerade in Richtung Kopfteil oder Wand hinter sich ausstrecken; die Beine liegen gestreckt auf der Unterlage.
Schritt 2: Arme und Beine gleichzeitig zueinanderführen und das Kissen von den Händen zu den Füßen reichen. Das Kissen zwischen den Füßen halten und Arme und Beine sofort wieder in die Ausgangsposition absenken.
Schritt 3: Arme und Beine erneut anheben. Das Kissen diesmal zurück zu den Händen reichen und Arme und Beine wieder absenken. Eine Übergabe des Kissens zwischen Händen und Füßen zählt als eine Wiederholung.
Schritt 4: Drei Sätze mit je zwölf Wiederholungen durchführen.
Abwandlungen: Wem es schwerfällt, Arme und Beine über den gesamten Bewegungsbogen zu führen, kann sie einfach so weit bewegen, wie es ihm möglich ist. Mit der Zeit wird er den Bewegungsbogen möglicherweise vergrößern können.

3. Gesäßbrücke mit Kissen

Eine Gesäßbrücke, auch glute bridge genannt, ist eine großartige Übung, die den Rumpf hervorragend stärkt. Ein Kissen verleiht der Übung Pep und beansprucht zusätzlich die Beinadduktoren, die oft zu kurz kommen.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Auf einer ebenen Fläche liegen. Die Arme liegen neben dem Körper, die Knie sind auf etwa 90 Grad gebeugt und die Füße flach auf dem Boden. Ein Kissen zwischen die Knie legen.
Schritt 2: Das Kissen fest mit den Knien zusammendrücken und langsam die Hüften anheben, bis der Körper eine gerade Linie zwischen Knien und Schultern bildet. Diese Position 15 Sekunden lang halten und in die Ausgangsposition zurückkehren. Das Anheben und anschließende Absenken zählt als eine Wiederholung.
Schritt 3: Drei Sätze mit jeweils fünf Wiederholungen durchführen.
Abwandlung: Wer seinen Oberkörper nicht ganz nach oben bewegen kann, kann ihn einfach so weit anheben, wie es ihm möglich ist.

4. Auf dem Rücken liegen und ein Kissen um die Beine führen

Nachdem wir uns nun gründlich mit dynamischen Auf- und Abwärtsbewegungen aufgewärmt haben, probieren wir eine Halteübung aus. Diese fördert die Rumpfstabilität und erfordert umfangreiche Armbewegungen.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf eine Unterlage hinlegen. Die Oberschenkel befinden sich senkrecht zum Boden und die Knie sind in einem 90-Grad-Winkel gebeugt.
Schritt 2: Die Schultern vom Boden heben, die Position halten und das Kissen um die Oberschenkel herum von einer Hand zur anderen reichen. Wenn das Kissen die Beine einmal umrundet, zählt das als eine Wiederholung.
Schritt 3: Drei Sätze zu je 15 Wiederholungen ausführen.
Abwandlung: Wer seine Beine nicht ganz auf 90 Grad Hüft- und Kniebeugung anheben kann, hebt sie einfach so weit an, wie es geht.

5. Bauchtwist (Russian Twist) mit Kissen

Ein Kissen verleiht dieser klassischen Bauchmuskelübung einen zusätzlichen Elan, macht sie aber auch etwas umständlich – und genau das ist eigentlich beabsichtigt. Keine Sorge, je öfter man diese Übung macht, desto besser wird man.
Video: Ceridwen Hunter/The Epoch Times
Schritt 1: Sich auf den Boden setzen und die Knie auf etwa 45 Grad anwinkeln. Der Oberkörper ist aufrecht, die Füße sind auf dem Boden und das Kissen wird mit beiden Händen auf dem Schoß gehalten.
Schritt 2: Das Kissen nach rechts bewegen und gleichzeitig den Oberkörper in die gleiche Richtung drehen. Mit dem Kissen den Boden neben sich berühren.
Schritt 3: Danach den Oberkörper sofort nach links drehen und mit dem Kissen den Boden links neben sich berühren. Sich einmal drehen und den Boden berühren, zählt als eine Wiederholung.
Schritt 4: Drei Sätze mit jeweils 20 Wiederholungen absolvieren.
Abwandlungen: Wer sich nicht sehr weit drehen kann, dreht sich einfach so weit, wie es ihm möglich ist. Man kann auch die Sätze und Wiederholungen gern so anpassen, wie sie für einen optimal funktionieren. Wer die Übung etwas anspruchsvoller gestalten möchte, kann seine Füße während der Bewegung vom Boden heben.

Motiviert in den Tag starten

Werden diese Kissenübungen regelmäßig durchgeführt, können sie mehr Kraft, Flexibilität und Ausdauer wecken und dazu beitragen, Ihre Lebensqualität zu verbessern. Ich empfehle, sie mindestens dreimal pro Woche zu machen, idealerweise fünfmal. 
Ich finde, fünf Tage pro Woche sind ein leicht zu erreichendes Ziel, da man im Grunde jeden Tag mit einem Kissen in Reichweite aufwacht. Und wenn man es sofort für die Übungen nutzt, braucht man später keine Kraft mehr aufzuwenden, um sich zu motivieren. Viel Erfolg, und ich hoffe, diese Übungen helfen Ihnen weiter.
Über das Fitnessmodel: Aerowenn Hunter ist Gesundheitsredakteurin und Fitnessmodel für die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times. Sie ist seit 30 Jahren zertifizierte Yogatherapeutin.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Your Bedroom Gym: 5 Gentle Exercises You Can Do With a Pillow“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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7 Tipps bei Hitze: Fit und gesund durch den Sommer


In Kürze:

  • Hitze erzeugt immer wieder Schlagzeilen und belastet unseren Körper. Panik ist jedoch nicht hilfreich.
  • Verschiedene Personengruppen bedürfen tatsächlich des Schutzes. Für viele andere genügt ein gesunder Menschenverstand.
  • Der Körper ist kein Gerät, das man nur kühlen muss. Er ist ein Regulationssystem.
  • Dieses System kann man überfordern durch zu viel Sonne, unangepasste Ernährung, falsche Medikamenteneinstellung, Alkohol oder Bewegungsmangel.
  • Man kann es aber auch unterstützen, und zwar durch Flüssigkeit, Mineralstoffe, Schatten, Schlaf, leichte Kost und Wasseranwendungen.

 
Kaum steigen in Deutschland die Temperaturen, beginnt ein merkwürdiges Schauspiel. Der Wetterbericht klingt zumindest in weiten Teilen plötzlich wie eine Katastrophenschutzübung, Nachrichtensendungen arbeiten mit dramatischer Kulisse und aus einem heißen Sommertag wird in kürzester Zeit ein gesellschaftlicher Belastungstest.
Man darf sich schon wundern: Dieselben Menschen, die bei 35 Grad in Deutschland den Ausnahmezustand ausrufen, fliegen zwei Wochen später nach Spanien, Griechenland oder in die Türkei, setzen sich mit Sonnenhut und Sangria an den Pool und nennen es Erholung. Dieselbe Hitze, die am Mittelmeer Urlaub heißt, wird hierzulande zur Vorstufe des Jüngsten Gerichts erklärt.
Natürlich: Hitze ist kein Spaß. 35 oder 40 Grad sind für den Organismus eine Herausforderung. Wer draußen arbeitet, alt, krank oder pflegebedürftig ist, braucht Schutz, Aufmerksamkeit und praktische Hilfe. Aber genau hier beginnt das Problem. Zwischen berechtigter Vorsicht und öffentlicher Hitzedramaturgie liegt inzwischen ein erheblicher Unterschied.

Beim Umgang mit Sonnenschein gilt schlicht „gesunder Menschenverstand“, auch im Urlaub.

Foto: Viktor_Gladkov/iStock

Wer wirklich gefährdet ist

Hitze kann gefährlich werden, vor allem für ältere Menschen. Mit zunehmendem Alter lässt das Durstgefühl nach. Die Nieren arbeiten nicht mehr so belastbar wie früher. Viele Ältere trinken ohnehin zu wenig. Dazu kommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Atemwegserkrankungen oder eine eingeschränkte Mobilität.
Das Ergebnis sieht man dann nicht in Schlagzeilen, sondern in Praxen, in Pflegeheimen und in Notaufnahmen: Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit, Kreislaufentgleisungen, Verstopfung, Harnwegsprobleme, Nierenbelastung und Stürze. Bei längeren Hitzewellen kann es auch zu einer Übersterblichkeit kommen.
Das betrifft nicht den gesunden 30-Jährigen, der sich über den heißen Asphalt beschwert, sondern den 82-Jährigen im schlecht gelüfteten Dachgeschoss, der kaum Durst verspürt und „nicht dauernd zur Toilette laufen“ möchte. Gerade deshalb benötigen wir weniger Panik und mehr konkrete Gesundheitskompetenz.

Medikamente und Hitze: Ein unterschätztes Thema

Ein besonders wichtiger Punkt sind Medikamente. Vor allem wer dauerhaft Arzneimittel einnimmt, sollte an heißen Tagen nicht einfach weitermachen wie immer. Besonders beachtet werden sollten Entwässerungsmittel, in der Fachsprache Diuretika genannt. Sie können bei Hitze den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust verstärken. Wer ohnehin zu wenig trinkt, kann dadurch schneller in eine Kreislauf- oder Nierenbelastung geraten.
Auch Blutdruckmedikamente können bei hohen Temperaturen anders wirken. Wärme erweitert die Gefäße, um den Wärmetransport zu maximieren. Der Blutdruck kann dadurch zusätzlich absinken. Dann kommt es leichter zu Schwindel, Schwäche, Benommenheit oder auch zu Stürzen.
Wichtig sind zudem Medikamente mit anticholinerger Wirkung. Dazu zählen manche Mittel gegen Blasenbeschwerden, bestimmte Psychopharmaka, ältere Allergiemittel, Schlafmittel und einige Präparate gegen Übelkeit. Diese können das Schwitzen vermindern oder auch die Temperaturregulation stören.
Unser Körper verfügt über verschiedenen Methoden, die Temperatur zu regulieren.

Unser Körper verfügt über verschiedenen Methoden, die Temperatur zu regulieren.

Foto: ts/Epoch Times nach ttsz/iStock

Und auch Beruhigungsmittel, starke Schmerzmittel, Opioide und manche Parkinsonmedikamente oder Psychopharmaka können bei Hitze problematisch werden, weil sie Wachheit, Kreislauf und Reaktionsfähigkeit beeinflussen.
Diabetiker sollten zusätzlich bedenken, dass Insulin und manche Teststreifen hitzeempfindlich sind. Auch der Blutzucker kann bei Hitze unberechenbarer reagieren, besonders wenn weniger gegessen, mehr geschwitzt oder unregelmäßig getrunken wird.
Die einfache Regel lautet: Wer Medikamente nimmt und bei Hitze ungewöhnlich müde, verwirrt, wackelig, kurzatmig, benommen oder auffällig schwach wird, sollte das nicht als „normalen Sommertag“ abtun – also Vorsicht.

Trinken, aber richtig

Der wichtigste Hitzeschutz ist ziemlich banal: trinken, bevor der Durst kommt. Gerade ältere Menschen können sich auf ihr Durstgefühl nicht immer verlassen. Sinnvoll ist es, morgens eine Trinkmenge sichtbar bereitzustellen. Geeignet sind Wasser, Mineralwasser, verdünnte Säfte oder ungesüßte Kräutertees.
Wer stark schwitzt, benötigt nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Eine Brühe, mineralstoffreiches Wasser, leicht gesalzene Speisen oder eine Prise Salz in der Mahlzeit sind sinnvoll.
Aber auch hier gilt: nicht blind nach Schema. Wer an schwerer Herz- oder Nierenerkrankung leidet, sollte die Trinkmenge individuell abklären. Zu wenig ist schlecht, aber zu viel kann in bestimmten Fällen ebenfalls problematisch werden.
Alkohol ist bei Hitze dagegen keine gute Idee. Das Glas Bier „gegen den Durst“ gehört zu den alten Klassikern, ist aber nicht sinnvoll. Alkohol fördert letztlich den Flüssigkeitsverlust, belastet Kreislauf und Schlaf und macht den Körper bei Hitze nicht gerade widerstandsfähiger.
Bei Hitze sollte ausreichend Wasser getrunken werden

Besonders Ältere sollten im Sommer darauf achten, dass sie genug Wasser trinken, auch wenn sie nicht durstig sind.

Foto: Photodjo/iStock

Leicht essen, klug lüften, Bewegung dosieren

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Große, schwere Mahlzeiten zwingen den Körper zur Verdauungsarbeit, während er eigentlich mit Temperaturregulation beschäftigt ist. Besser sind leichte, wasserreiche Lebensmittel: Gurken, Melonen, Beeren, Salate, gedünstetes Gemüse, Suppen, leichte Eiweißquellen.
Auch die Wohnung sollte man nicht gegen den gesunden Menschenverstand behandeln, sondern morgens und spät abends lüften und tagsüber Fenster, Vorhänge und Rollläden schließen. Das klingt banal, wird aber erstaunlich oft falsch gemacht. Wer mittags die heiße Luft hereinlässt, darf sich abends nicht wundern, wenn das Schlafzimmer zur Backstube wird.
Bewegung bleibt wichtig. Der Körper braucht Muskelarbeit, Durchblutung und Kreislaufreize. Aber die Mittagshitze ist nicht der Zeitpunkt für Heldentaten. Spaziergänge früh morgens oder abends, leichte Gymnastik, kurze Wege im Schatten – das reicht oftmals. Gerade ältere Menschen bauen bei längerer Inaktivität schnell ab. Kreislauf, Muskulatur, Stoffwechsel und Stimmung hängen enger zusammen, als viele glauben.

Kneipp im Schnellverfahren: Das kalte Armbad

Und dann gibt es die alten Naturheilverfahren. Ein Klassiker ist das kalte Armbad nach Kneipp. Dafür lässt man kaltes Wasser ins Waschbecken laufen und taucht beide Unterarme ein, von den Händen bis etwa zu den Ellenbogen – so lange, bis es deutlich kalt wird, aber nicht schmerzhaft. Danach die Arme nicht abtrocknen, sondern das Wasser nur abstreifen. Die Hände dürfen abgetrocknet werden.
Wer es noch einfacher möchte, nimmt einen Eiswürfel und reibt damit im Wechsel beide Unterarme ab: von der Hand Richtung Ellenbogen und wieder zurück. Ein Eiswürfel reicht. Danach das Wasser ebenfalls nur abstreifen.
Warum nicht trockenrubbeln? Weil der Kältereiz weiterwirken soll. Der kurze Reiz zieht die Gefäße zunächst zusammen. Danach folgt eine reaktive Durchblutung. Der Körper antwortet. Er reguliert. Genau darum geht es bei Kneipp: nicht unterdrücken, sondern Reaktionsfähigkeit trainieren.
Besonders hilfreich ist das bei schwerem Kopf, müden Augen, innerer Unruhe, geistiger Überhitzung, leichter Kreislaufträgheit oder nach langer Bildschirmarbeit. In der Naturheilkunde spricht man hier auch von Ableitung. Wenn „alles oben sitzt“ – Druck, Gedanken, Hitzegefühl et cetera –, kann der Reiz an den Unterarmen helfen, dies abzuleiten.

Ein Eiswürfel über den Unterarm gerieben hilft, Wärme abzuleiten.

Foto: Tatiana/iStock

Der Reiz muss zum Menschen passen

Heute ist das Eisbaden nach Wim Hof modern. Für manche ist das durchaus reizvoll. Für viele ist es schlicht zu viel. Ein untrainierter Organismus benötigt keinen Kälteschock, sondern einen passenden Reiz. Alles andere ist so, als würde man einem Menschen ohne Lauferfahrung empfehlen, morgen einen Marathon zu laufen.
Kneipp war da klüger. Er wusste, dass man den Patienten nicht mit Härte gewinnt, sondern mit einem Reiz, den der Körper beantworten kann. Man beginnt mild, beobachtet die Reaktion und steigert nur dann, wenn der Organismus gut reagiert.
Das ist überhaupt der entscheidende Punkt beim Thema Hitze: Der Körper ist kein defektes Gerät, das man nur kühlen muss. Er ist ein Regulationssystem. Und dieses System kann man überfordern durch zu viel Sonne, zu wenig Flüssigkeit, falsche Medikamenteneinstellung, Alkohol, schlechte Nächte oder Bewegungsmangel. Man kann es aber auch unterstützen durch Flüssigkeit, Mineralstoffe, Schatten, Schlaf, leichte Kost und Wasseranwendungen.

Fazit

Was wir nicht benötigen, ist betreutes Denken im Halbstundentakt, verbunden mit „Hitzepanik“. Ich erlebe derzeit Menschen, die bereits 26 Grad als Hitze empfinden. Klar: Hitze kann gefährlich sein – aber 26 Grad? Der Körper kann mit Hitze umgehen. Man sollte ihn dabei unterstützen und ihm nicht schon morgens einreden, dass der Tag kaum zu überleben ist.
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Müde trotz Schlaf? Warum Kaffee das Problem nur noch schlimmer macht und was Sie besser machen können

Acht Stunden Schlaf, ein gesundes Frühstück – und trotzdem fühlt sich der Kopf schon mittags an wie Watte? Bevor Sie den Griff zur dritten Tasse Kaffee mit dem Alter oder dem stressigen Job entschuldigen, lohnt es sich, einen Blick auf die unsichtbare Chemie unseres Körpers zu werfen.

Mineralstoffe sind die heimlichen Motoren unseres Körpers. Sie kurbeln jene Enzyme an, die Nahrung überhaupt erst in Energie umwandeln. Sie regulieren die Kommunikation zwischen den Zellen, wirken an der Steuerung der Genexpression – also der Aktivierung unserer Erbanlagen – mit und halten Stresshormone in Schach. Doch was passiert eigentlich, wenn unseren Zellen dieser Treibstoff ausgeht?

Wenn den zellulären Kraftwerken der Saft ausgeht

Um das zu verstehen, müssen wir tief in unsere Biologie eintauchen – genauer gesagt in die Mitochondrien. Diese winzigen Kraftwerke der Zellen wandeln Nährstoffe in ATP (Adenosintriphosphat) um, die universelle Energiewährung unseres Körpers.

Fehlen Mineralstoffe, gerät dieser Prozess ins Stocken. Das Tückische daran: Ein solcher Mangel äußert sich selten in einem einzigen, dramatischen Symptom. Er zeigt sich schleichend in verschiedenen Bereichen, was zu mehreren diffusen Beschwerden führt:

  • Anhaltende Müdigkeit, die auch durch langes Ausschlafen nicht verschwindet
  • Der berüchtigte „Brain Fog“ (Benommenheit und Konzentrationsschwäche)
  • Schlechter Schlaf trotz tiefer Erschöpfung
  • Ein träges Immunsystem, das jeden Infekt mitnimmt
  • Muskelkrämpfe, Stimmungsschwankungen und eine niedrige Stresstoleranz

In der klassischen Schulmedizin werden diese Symptome meist einzeln betrachtet. Mediziner aus der funktionellen Medizin – ein Ansatz, der die Ursachen chronischer Beschwerden ganzheitlich ergründet – erkennen darin jedoch häufig ein klassisches Muster für eine unzureichende Nährstoffversorgung.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 im Fachmagazin „Nutrients“ bestätigt, dass Mitochondrien weit mehr sind als stumpfe Energieproduzenten: Sie steuern die gesamte zelluläre Kommunikation. Dafür sind sie zwingend auf das Zusammenspiel von Vitaminen und Mineralstoffen angewiesen.

Wer sich primär von hochverarbeiteten Lebensmitteln ernährt und frische Vollwertkost links liegen lässt, manövriert sich schnell in einen Teufelskreis: Genau dann, wenn der Körper unter Stress nach Nährstoffen schreit, bekommt er nur „leere“ Kalorien geliefert.

Die üblichen Verdächtigen: Wo es am häufigsten hakt

Zwar ist jeder Körper anders, doch in den Praxen zeigt sich eine klare Tendenz. „Wenn ich die drei oder vier wichtigsten Baustellen nennen müsste, wären das Eisen, Magnesium, Zink und Kupfer“, sagt Dr. Aaron Erez, Spezialist für funktionelle Medizin.

Besonders beim Magnesium zeigt sich in der Bevölkerung eine chronische Unterversorgung. Auch wenn ein akut lebensbedrohlicher Mangel selten ist, erreichen viele Menschen nicht die optimalen Werte. Das Problem: Unser moderner, chronischer Stress frisst Magnesium regelrecht auf. Akuter Stress bringt die Nieren über Adrenalin dazu, Magnesium vermehrt auszuscheiden, während dauerhaft erhöhtes Cortisol dafür sorgt, dass die internen Speicher chronisch erschöpft werden.

Auch die anderen Mitspieler sind essenziell: Zink hält die Immunabwehr aufrecht, während Kupfer für den Eisenstoffwechsel und die zelluläre Energiegewinnung unentbehrlich ist. Fehlt es hier an Balance, läuft der gesamte Organismus im Notbetrieb.

Der Weg aus der Müdigkeitsfalle

Wer den Verdacht hat, dass die eigenen Batterien leer sind, sollte allerdings nicht blind zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen.

„Ich kann den Menschen nur ans Herz legen, ihren Nährstoffstatus genau analysieren zu lassen, um echte Daten zu haben“, rät Dr. Erez. Ein umfassendes, spezielles Blutbild beim Arzt ist der sicherste Weg, um die Milligrammdefizite gezielt auszugleichen und den inneren Motor wieder zum Laufen zu bringen.

So kann die Lücke geschlossen werden

Bei der ausreichenden Versorgung mit Mineralstoffen geht es nicht nur darum, was man isst. Der Körper muss sie auch aufnehmen und verwerten können. Da Mineralstoffe in Synergie zusammenwirken, bietet eine vielfältige Auswahl an vollwertigen Nahrungsmitteln das beste Spektrum.

Auch bei mineralstoffreicher Ernährung nützt es wenig, wenn der Darm die Nährstoffe nicht aufnehmen kann. Magensäure, Entzündungen im Darm und Medikamente wie PPI spielen dabei eine große Rolle.

Foto: IMG visuals characters/iStock

Ernährung

Bryan Quoc Le, der in Lebensmittelwissenschaft und -technologie promoviert hat und als Lebensmittelwissenschaftler und Berater tätig ist, empfiehlt, mehr Obst und Gemüse zu essen – „den Regenbogen zu essen“ – und vorrangig auf regionale, saisonale Produkte zu setzen. Regionale Produkte, die gerade Saison haben, werden oft erst dann geerntet, wenn sie ihren optimalen Reifegrad erreicht haben, merkte Le an. „Das ist der ideale Zeitpunkt, an dem Obst und Gemüse ihren Mineralstoffgehalt maximieren“, sagte er.
Le wies außerdem darauf hin, dass auch die Art der Zubereitung Einfluss darauf hat, wie gut die Nährstoffe für den Körper verfügbar sind.
Der Verzehr fermentierter Lebensmittel ist eine zu selten genutzte Möglichkeit, Mineralstoffe besser verfügbar zu machen. Der Fermentationsprozess hilft dabei, die pflanzlichen Strukturen aufzubrechen, die es dem Körper sonst erschweren, auf die Mineralstoffe zuzugreifen.
„Der menschliche Körper ist eigentlich recht schlecht darin, rohe pflanzliche Strukturen aufzubrechen und die darin gebundenen Mineralstoffe aufzunehmen“, sagte Le und fügte hinzu: „Aber Fermentationsprozesse sind in der Lage, diese aufzuspalten. Wenn wir diese Lebensmittel dann konsumieren, nimmt unser Körper die freigesetzten Stoffe viel leichter auf. So schließt sich der Kreislauf.“
Eine weitere, oft übersehene Mineralstoffquelle sind die Schalen und Häute von Obst und Gemüse, in denen sich die Mikronährstoffe tendenziell anreichern. „Die Schale einer Kartoffel ist beispielsweise sehr reich an Kalium“, sagte Le. Er empfiehlt, Schalen nach Möglichkeit mitzuessen – idealerweise von Bio-Produkten, da sich synthetische Pestizide ebenfalls vor allem in den äußeren Schichten anlagern.

Aufnahme

Es spielt keine Rolle, wie viele Mineralstoffe in der Nahrung enthalten sind, wenn der Darm sie nicht resorbieren kann. Dabei spielt die Magensäure eine entscheidende Rolle. Sie aktiviert die Verdauungsenzyme, die die Nahrung aufspalten und Mineralstoffe zur Aufnahme erst freisetzen.
Bei einem langfristig zu niedrigen Säuregehalt wird dieser Prozess ineffektiv. Dies gilt insbesondere für Menschen, die Protonenpumpenhemmer (PPI) einnehmen, eine weit verbreitete Klasse säurereduzierender Medikamente.
„PPI senken den Säuregehalt tatsächlich so stark, dass man jene Mineralstoffe nicht mehr richtig aufspaltet und aufnimmt, die man eigentlich bräuchte“, sagte Erez.
Er wies außerdem darauf hin, dass die Magensäureproduktion mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise abnimmt, was teilweise erklärt, warum Mineralstoffmängel bei älteren Erwachsenen häufiger auftreten.
Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Mineralstoffaufnahme massiv beeinträchtigen kann, sind Entzündungen im Verdauungstrakt, wie Untersuchungen zeigen. „Es ist erstaunlich, wie stark dies die Aufnahme von Mineralstoffen beeinflusst“, sagte Le.
Wenn das Darmgewebe entzündet ist, räumt der Körper der Geweberegeneration Vorrang vor der Nährstoffaufnahme ein. „Wenn Ihre Darmzellen und Ihr Darmgewebe geschwächt oder gestresst sind, haben sie kein Interesse daran, weitere Stoffe einzuschleusen“, erklärte er.
Le rät dazu, entzündungsfördernde Lebensmittel wie hochverarbeitete Produkte sowie Alkohol strikt zu reduzieren. „Alkohol verträgt sich überhaupt nicht mit der Mineralstoffaufnahme“, sagte er. „Wenn man Alkohol trinkt, werden viele Mineralstoffe beschleunigt ausgeschieden.
Es ist für Leber und Magen eine enorme Belastung, diese toxische Belastung und die Nährstoffverarbeitung gleichzeitig zu bewältigen.“ Auch Lebensstilfaktoren wie Stressbewältigung und Schlafhygiene tragen dazu bei, Entzündungen im Körper in Schach zu halten.
Ein weiterer wichtiger Faktor: Manchmal kann der Körper einen bestimmten Nährstoff nur eingeschränkt aufnehmen, wenn gleichzeitig große Mengen eines anderen Elements vorhanden sind, da diese um dieselben Transportwege im Darm konkurrieren.
Das ist selten ein Problem, wenn man seine Mineralstoffe über eine ausgewogene Vollwertkost zu sich nimmt, kann aber bei unbedacht hochdosierten Einzelpräparaten zu einem Ungleichgewicht führen.

Nahrungsergänzung

Einfach hochdosierte Mineralstoffe oder andere Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, ohne das eigene Blutbild zu kennen, kann schnell neue Probleme schaffen. Manchmal ist das für den Regelkreis des Körpers genauso ungünstig wie der ursprüngliche Mangel selbst.
Eine Kategorie, die in diesem Bereich zunehmend Beachtung findet, sind Fulvosäuren und Huminstoffe – Verbindungen, die aus zersetzter organischer Substanz im Boden stammen.
Da sie über die moderne Nahrung nur schwer in nennenswerten Mengen aufgenommen werden können, werden sie in der Regel in Form von Tropfen, Pulver oder Kapseln angeboten.
Forschungsergebnisse, die 2025 in der Fachzeitschrift „Antioxidants“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass Huminstoffe die Nährstoffaufnahme bei Pflanzen signifikant verbessern können. Doch die Belege für die Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen sind nach wie vor begrenzt.
Vorerst ist es am besten, auf eine solide Ernährungsgrundlage zu achten, die Darmgesundheit zu unterstützen und die Lebensstilfaktoren zu optimieren. Nahrungsergänzungsmittel sollten idealerweise nur bei nachgewiesenem Bedarf oder auf gezielte Anweisung eines Arztes eingenommen werden.
Der Schlüssel zur Zellgesundheit liegt nach wie vor in dem, was wir auf unseren Teller legen. Wenn Mineralstoffe der Motor unseres Körpers sind, dann sind nährstoffreiche Lebensmittel der Kraftstoff erster Wahl.
Wie Le es treffend formulierte: „Ein Einkauf auf dem Bauernmarkt ist ein hervorragender erster Schritt.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Mineral Deficiencies Can Lead to Fatigue and Brain Fog“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Dauernd müde? Warum Ihren Zellen der Saft ausgeht und was Sie dagegen tun können

Kennen Sie das? Sie fühlen sich ständig erschöpft, obwohl Sie eigentlich genug schlafen. Und egal, wie viel Kaffee Sie trinken: Der erhoffte Energieschub bleibt aus. Das liegt oft daran, dass die Kraftwerke in unseren Zellen – die Mitochondrien – im Laufe der Jahre an Effizienz verlieren.
Ab etwa der Mitte des Lebens bauen diese winzigen Strukturen ab. Sie produzieren weniger Energie, regenerieren sich langsamer und befeuern stattdessen schleichende Entzündungsprozesse im Körper. Das Ergebnis ist, dass dieselben Aktivitäten, die uns früher leicht fielen, uns plötzlich müde machen können. Man kann sich das wie einen stotternden Automotor vorstellen, bei dem nicht der Wagen streikt, weil wir zu schnell fahren, sondern weil die Ventile verschlissen sind.
Doch die Altersforschung hat einen Hoffnungsträger ausgemacht: Eine natürliche Verbindung namens Urolithin A könnte den zellulären Rückgang verlangsamen und die Funktion der Zellkraftwerke revitalisieren.
„Urolithin A wirkt direkt auf diesen Prozess ein, und zwar durch Mitophagie, also den Abbau erkrankter und funktionsgestörter Mitochondrien“, erklärte Cynthia Thurlow, amerikanische Gesundheitsexpertin und Buchautorin, gegenüber der Epoch Times in einer E-Mail.

Die Müllabfuhr der Zelle aktivieren

Der menschliche Körper kann prinzipiell Urolithin A selbst bilden, aber nicht jeder profitiert davon. Selbst der tägliche Verzehr von Granatäpfeln, Walnüssen, Himbeeren oder Brombeeren führt oft nicht zu einer effizienten Produktion. Obwohl diese Lebensmittel die Bildung von Urolithin A anregen können, hängt die tatsächliche Ausbeute maßgeblich vom individuellen Darm-Mikrobiom, der Darmflora, ab.
Nur etwa 40 Prozent der Menschen besitzen laut Studien die passenden Darmbakterien, um Urolithin A in nennenswerten Mengen selbst herzustellen.
Genau hier kommen Nahrungsergänzungsmittel ins Spiel. Während die Aufnahme über die Nahrung stark schwankt, zeigt die Forschung, dass eine direkte Supplementierung mit Urolithin A zu einer bis zu sechsmal höheren Plasmakonzentration führte, als ein Glas Granatapfelsaft zu trinken.

Das große Ganze: Kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil

Urolithin A ist allerdings kein Wundermittel, das einen ungesunden Lebensstil wettmacht. Es funktioniert am besten als Teil einer umfassenden Strategie.
„Ich rate meinen Patienten immer, zuerst an den Grundlagen zu arbeiten“, betont Thurlow und meint: „Veränderungen im Lebensstil sind das Fundament, Nahrungsergänzungsmittel der nächste Schritt.“
Einen weitaus größeren Einfluss auf die Gesundheit der Mitochondrien als jedes einzelne Nahrungsergänzungsmittel haben:
  • Krafttraining & Bewegung: Regen die Zellen zur Neubildung an.
  • Ernährung: Eine ausreichende Proteinzufuhr liefert die Bausteine.
  • Schlaf & Entspannung: Reduzieren zellulären Stress.
Interessanterweise wirkt Urolithin A auf ganz ähnlichen biologischen Wegen wie Sport: Es sorgt für eine nachhaltige, langfristige Erneuerung der Zellkraftwerke statt für ein kurzes, künstliches Aufputschen.

Was die Wissenschaft sagt

Die klinische Datenlage wächst und liefert Belege für die positiven Eigenschaften von Urolithin A in klinischen Studien am Menschen:

  • Die JAMA-Studie (Senioren): Eine im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlichte Studie mit 66 Senioren (65 bis 90 Jahre) zeigte, dass nach einer viermonatigen Einnahme von 1.000 Milligramm Urolithin A täglich die Muskelausdauer der Teilnehmer stark anstieg. Sie schafften im Schnitt eine Steigerung um 95 Muskelkontraktionen vor der Ermüdung, während die Placebogruppe nur eine Steigerung um 12 Kontraktionen erreichte. Gleichzeitig beobachteten die Forscher auch niedrigere Entzündungsmarker im Blut bei den Senioren, die Urolithin A einnahmen.
  • Die Studie für die Generation 40+: Eine kleine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte 50 Erwachsene in der Lebensmitte. Auch hier verbesserten sich die mitochondrialen Biomarker sowie Werte, die mit der Alterung des Immunsystems zusammenhängen.

Da Mitochondrien fast jedes biologische System mit Energie versorgen, profitiert nicht nur die Muskulatur, sondern auch Immunzellen. Funktionieren sie besser, sinkt das Risiko für chronische, altersbedingte Entzündungen.

Geduld ist gefragt: Was Sie erwarten können

Wer Urolithin A einnimmt, sollte keinen sofortigen „Kick“ wie nach einem Espresso erwarten. „Es ist kein Akut-Mittel“, stellt Thurlow klar. Die zelluläre Reinigung braucht Zeit. Die meisten Menschen bemerken erste Veränderungen nach sechs bis acht, oft auch erst nach zwölf Wochen – also in etwa dem Zeitraum, den auch ein neues Sportprogramm braucht, um sichtbare Erfolge zu zeigen.

Die Effekte sind subtil, aber nachhaltig:

  • Eine schnellere Regeneration nach dem Sport
  • Weniger ausgeprägter Muskelkater
  • Ein konstanteres Energieniveau über den Tag verteilt

Am Ende reagiert jeder Körper anders. Wie gut das Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich anschlägt, hängt von der Genetik, der Aufnahmefähigkeit des Darms und dem individuellen Stress, dem die eigenen Mitochondrien ausgesetzt sind, ab. Doch die zelluläre Altersforschung zeigt: Mehr Energie im Alltag entsteht nicht dadurch, dass wir uns mehr abverlangen – sondern indem wir unseren Zellen helfen, wieder richtig zu arbeiten.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Urolithin A: A Compound That May Help Rejuvenate Aging Mitochondria“. (deutsche Bearbeitung kr)

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Das Ozempic-Geheimnis unseres Körpers: Wie Sie das Abnehm-Hormon selbst aktivieren

Olivia war Ende 30 und übergewichtig. Ein GLP-1-Präparat half ihr zwar beim Abnehmen, doch die Nebenwirkungen wie Übelkeit und Verstopfung wollte sie nicht länger in Kauf nehmen. Sie entschied sich, in Absprache mit ihrem Arzt, das Medikament abzusetzen.

Dass sie danach nicht, wie so viele andere, in die Jo-Jo-Falle tappte, verdankt sie einer Ernährungsumstellung: mehr Ballaststoffe, mehr Eiweiß, feste Mahlzeiten-Routinen. Olivias Fall ist kein Aufruf zum blinden Absetzen von Medikamenten. Aber ihre Geschichte zeigt etwas, das wir in der Ernährungsmedizin schon lange wissen: Das Hormon, das von Medikamenten wie Ozempic oder Wegovy imitiert wird, kann unser Körper selbst herstellen.

Die entscheidende Frage lautet: Lässt sich diese körpereigene Produktion durch die richtige Ernährung so gezielt ankurbeln, dass der Appetit spürbar sinkt? Und taugt das Ganze als echte Alternative oder zumindest als Ergänzung zu Medikamenten?

Das Hormon, das der Darm bereits produziert

GLP-1 ist kein künstlicher Wirkstoff, sondern ein körpereigenes Hormon. Es wird von den sogenannten L-Zellen vorwiegend im hinteren Dünndarm und im Dickdarm ausgeschüttet, sobald wir Nahrung aufnehmen. Die Wirkung: Es verlangsamt die Verdauung, reguliert den Blutzuckerspiegel und signalisiert dem Gehirn: „Satt!“

„In Lebensmitteln selbst steckt kein GLP-1“, sagt Lisa Young, Ernährungsberaterin und Professorin an der New York University. „Aber bestimmte Nährstoffe, wie Ballaststoffe, Proteine und gesunde Fette, geben dem Körper das Signal, dieses Hormon eigenständig zu produzieren.“

Vor allem fermentierbare Ballaststoffe und Eiweiß regen die L-Zellen nachweislich am stärksten an.

Die besten GLP-1-Booster für den Speiseplan

Es geht dabei nicht um das eine exotische Superfood. Das Ziel ist eine Ernährung, die die nützlichen Darmbakterien füttert und so die Hormonausschüttung dauerhaft anregt.

Studien zeigen, dass präbiotische Ballaststoffe und eine pflanzenreiche Ernährung schon innerhalb weniger Wochen die Menge kurzkettiger Fettsäuren (SCFA) im Darm erhöht. Diese Fettsäuren versorgen die Zellen der Darmwand und kurbeln die GLP-1-Produktion an.

Genaue Mengen lassen sich nur schwer festlegen, denn es gibt keine Tabelle, die beispielsweise angibt, wie viel Knoblauch wie viel Butyrat (ein Beispiel für eine kurzkettige Fettsäure, welche die GLP-1-Produktion anregt) erzeugt. Entscheidend ist jedoch die kumulative Wirkung einer pflanzenreichen Ernährung, die gut dokumentiert ist:

  • Präbiotika-Klassiker: Zichorienwurzel, Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Spargel. Sie liefern Ballaststoffe, die von den Mikroben in Butyrat umgewandelt werden.
  • Kreuzblütler: Brokkoli, Rosenkohl, Weiß- und Rotkohl, Blumenkohl und Grünkohl unterstützen die Darmflora. Leicht gegart sind sie besonders bekömmlich.
  • Hülsenfrüchte: Linsen und Bohnen stecken voller fermentierbarer Ballaststoffe (wie Galacto-Oligosaccharide) und fördern nachweislich das Sättigungsgefühl.
  • Resistente Stärke: Ein echter Geheimtipp. Sie entsteht, wenn Kartoffeln oder Reis nach dem Kochen abkühlen. Sie wird im Dünndarm nicht verdaut, wandert direkt in den Dickdarm und dient dort den guten Bakterien als Treibstoff.
  • Proteine und Fette: Hochwertiges Eiweiß aus Rind, Schwein, Fisch, Geflügel, Eiern, griechischem Joghurt, Hüttenkäse oder Tofu fördert die GLP-1-Stimulation. Gesunde Fette (Avocados, fetter Fisch, Olivenöl) unterstützen den Sättigungseffekt zusätzlich.
Ein biologischer Unterschied im Detail: Auch wenn eine gezielte Ernährung die körpereigene GLP-1-Ausschüttung nachweislich ankurbelt, gibt es einen wesentlichen Unterschied zu Medikamenten wie Ozempic oder Wegovy. Deren Wirkstoffe (sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten) wurden künstlich so verändert, dass sie tagelang im Körper zirkulieren. Das natürliche, durch Nahrung stimulierte GLP-1 hingegen erfüllt seine Aufgabe direkt beim Essen und wird vom Körper innerhalb weniger Minuten wieder abgebaut.
Eine gesunde Ernährung zielt daher nicht auf einen dauerhaften, künstlich hohen Hormonspiegel ab, sondern auf das Wiedererlernen natürlicher, biologischer, individueller Sättigungssignale. Und genau das macht sie für den langfristigen Erfolg so unverzichtbar.

Mahlzeiten zusammenstellen, die die richtigen Signale senden

Das Ziel ist nicht eine einzelne ballaststoffreiche Mahlzeit, sondern ein gleichmäßiger Rhythmus über den Tag, bei dem möglichst viele Mahlzeiten Sättigungshormone wie GLP-1 anregen.
„Die Kombination aus Eiweiß, gesunden Fetten und Ballaststoffen ist entscheidend – das ist die Grundlage für echtes Sättigungsgefühl“, sagt Young.
Eine gute Orientierung sind etwa 20 bis 30 Gramm Eiweiß pro Mahlzeit, wobei der genaue Bedarf je nach Alter, Aktivität und Stoffwechselgesundheit variiert.
In der Praxis könnte ein typischer Tag so aussehen:
  • Frühstück: Omelett aus drei Eiern mit frischen Kräutern, dazu gekochter Kohl und Kürbiskerne
  • Mittagessen: Linsen-Gemüse-Suppe mit Knoblauch und Zwiebeln
  • Abendessen: Lachs mit geröstetem Brokkoli und abgekühlten Kartoffeln oder Reis (für resistente Stärke)
Diese Ernährungsweise unterstützt gleich mehrere Sättigungsmechanismen auf einmal. Sie verlangsamt die Verdauung, stabilisiert den Blutzucker, erhält die Muskelmasse und versorgt die Darmbakterien, die langfristig die GLP-1-Produktion verbessern.
Gleichzeitig hilft es, hochverarbeitete Kohlenhydrate und raffinierten Zucker zu reduzieren. Diese Lebensmittel werden sehr schnell verdaut, lösen Blutzuckerspitzen und anschließende Abstürze aus, sorgen kaum für anhaltende Sättigung und verleiten durch ihre weiche Konsistenz sowie hohe Schmackhaftigkeit außerdem dazu, leicht zu viel zu essen.
„Meine Priorität ist es, ausgewogene Mahlzeiten und Snacks über den ganzen Tag zu verteilen – niemals Mahlzeiten auszulassen und ballaststoffreiche Kohlenhydrate immer mit Eiweiß zu kombinieren“, sagt die Ernährungsberaterin Samina Qureshi gegenüber der Epoch Times.

Warum Gewohnheiten trotzdem entscheidend bleiben

Ernährungsstrategien können die natürlichen Hungersignale des Körpers gut unterstützen, ersetzen aber keine GLP-1-Medikamente. Bei starker Adipositas oder schweren Stoffwechselproblemen wirken Lebensstiländerungen meist am besten in Kombination mit medizinischer Behandlung – nicht als reiner Ersatz.
Umgekehrt reichen Medikamente allein selten für dauerhafte Erfolge aus.
„Diese Medikamente können sehr wirksam sein, aber der größte Fehler, den ich immer wieder sehe, ist, dass die Menschen ihre Essgewohnheiten nicht ändern – egal ob sie das Medikament nehmen oder nicht“, sagt Qureshi.
„Sobald die Spritzen abgesetzt werden, fallen viele in alte Muster zurück und nehmen einen Großteil des Gewichts wieder zu.“
Deshalb sind langfristige Gewohnheiten so wichtig, unabhängig davon, ob jemand Medikamente dieser Art nimmt oder nicht.
Olivias Erfolg kam nicht durch Perfektion, sondern durch Beständigkeit: regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Eiweiß, genug Ballaststoffe und Routinen, die das alles über einen längeren Zeitraum tragen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Protein and Fiber Help Trigger Your Body’s GLP-1“. (Deutsche Bearbeitung vm, kr)
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Wenn das Gehirn wieder Rhythmus findet: Wie Tanzen das Leben mit Parkinson verändert

Parkinson schleicht sich in das Leben der Betroffenen. Es beginnt mit einem leisen Zittern, führt zu steifen Muskeln und lässt oft mitten in der Bewegung die Füße wie am Boden festfrieren. Doch auf der Tanzfläche passiert manchmal ein kleines Wunder: Wenn die Musik einsetzt, finden verloren geglaubte Bewegungen plötzlich ihren Fluss wieder.

Neurologen empfehlen das Tanzen heute als „Neurorehabilitation“. Der Grund ist simpel, aber genial: Tanz fordert uns ganzheitlich.

„Er verbindet gleichzeitig körperliche Bewegung, kognitive Herausforderungen, Musikwahrnehmung, Rhythmus, emotionale Beteiligung und soziale Interaktion auf eine Weise, wie es allgemeine Übungen wie das Gehen auf dem Laufband einfach nicht können“, sagte die Neurologin Dr. Fiona Gupta aus New York.

Der Takt, der die Blockade bricht

Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt in der Musik. Das menschliche Gehirn liebt Rhythmus. Bei Parkinson-Patienten sind die Basalganglien – jene tief im Gehirn liegenden Nervenknoten, die für die automatische Bewegungssteuerung zuständig sind – beschädigt. Die Musik wirkt hier wie ein externer Taktgeber. Eine Studie zeigt, dass Melodien weitaus besser helfen als das monotone Klicken eines Metronoms, weil sie zusätzlich Emotionen wecken.

  • Tango trainiert gezielt das Gleichgewicht und die Schrittlänge.
  • Gemischte Tanzprogramme reduzieren das gefürchtete „Freezing“, das plötzliche Einfrieren mitten im Gehen.
Das Beste daran: Das Gehirn lernt um. Durch das Einstudieren neuer Choreografien werden neue Nervenbahnen geknüpft. Das Gehirn umgeht die beschädigten Areale mittel Neuroplastizität – ein Effekt, den keine Tablette der Welt nachahmen kann.

Geschichten von der Tanzfläche

David Leventhal ist einer der Gründer von „Dance for PD“ bei der Mark Morris Dance Group in Brooklyn. Sein Programm, das Tanz als Hilfsmittel für Menschen mit Parkinson einsetzt, begann nicht in einem Labor, sondern mit einem Gespräch.
„Es rührt eigentlich daher, dass Parkinson uns gewissermaßen ausgewählt hat“, erzählte er der englischsprachigen Epoch Times.
Das Programm startete im Jahr 2001, als Olie Westheimer, Gründer der Brooklyn Parkinson Group, mit einer Idee an die Mark Morris Dance Group herantrat: einen echten Tanzkurs für Menschen mit Parkinson zu schaffen.
Westheimer war überzeugt, dass das Verständnis von Tänzern für Gleichgewicht, Rhythmus, Koordination, Bewegungsabläufe und ausdrucksstarke Bewegung Menschen mit motorischen Herausforderungen auf eine Weise helfen könnte, wie es Medizinern nicht möglich ist.
„Ich habe nach dem ersten Kurs miterlebt, wie die Kombination aus Tanz und Musik die körperliche und emotionale Erfahrung unserer Parkinson-Tänzer im Laufe von nur einer Stunde verändern konnte“, bemerkte Leventhal. „Es war beeindruckend.“

Mehr als nur Bewegung

Fragt man Menschen mit Parkinson, warum sie immer wieder zum Kurs kommen, geht das Gespräch schnell über Mobilität und Gleichgewicht hinaus.
Ein Teilnehmer, ein ehemaliger Marine und New Yorker Prozessanwalt, von dem man auf den ersten Blick kaum angenommen hätte, dass er sich in den Tanz verlieben würde, kam nach seiner Parkinson-Diagnose in den Kurs und entdeckte den Stepptanz.
Er führte schließlich ein Solo auf, an dem er monatelang gearbeitet hatte. „Der Stolz und die Freude in seinem Gesicht waren unvergesslich“, sagte Leventhal.
Eine andere Teilnehmerin fand das Selbstvertrauen und die Ausdauer, um auf einer Familienhochzeit zu tanzen – etwas, das sie sich sehnlichst gewünscht hatte.
„Das mag für viele vielleicht nichts Besonderes sein, aber für Menschen, die mit Parkinson leben, kann es von enormer Bedeutung sein, diese Art von Selbstvertrauen, Freude und Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen“, fügte er hinzu.
Parkinson beeinträchtigt oft weit mehr als nur die Bewegung: Selbstvertrauen, Identität, Sprache und soziale Bindungen werden häufig gestört. Die sogenannte „Gesichtsmaske“ – die Tendenz der Krankheit, den sichtbaren emotionalen Ausdruck zu verringern – kann enge Beziehungen belasten.
In diesem Zusammenhang bietet der Tanz etwas, was die Medizin nicht leisten kann: einen Raum für Kreativität, Selbstentfaltung und echte zwischenmenschliche Verbundenheit.
„Wir wollten etwas schaffen, das den Menschen als Ganzes anspricht, anstatt uns nur auf die Symptome zu konzentrieren“, dies sagte Elaine Harvey, Leiterin von Moving Minds und Hauptmoderatorin von „Finding Flow“, dem Parkinson-Tanzprogramm der Organisation, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
Die Vorteile erstrecken sich auch auf Pflegekräfte und Familienangehörige. Gemeinsame kreative Erlebnisse können Beziehungen über reine Pflegerollen hinaus erweitern und Momente der Freude und Partnerschaft ermöglichen, die die Krankheit sonst verdrängen würde, fügte Harvey hinzu.
Viele Teilnehmer kommen mit ihren Partnern, was durch die gemeinsamen Aktivitäten und die erlebte Verbundenheit zusätzliche positive Effekte hat.
In Großbritannien beschreibt Keith Wilson, der mit Parkinson lebt und sich für andere Betroffene einsetzt, seinen wöchentlichen Tanzkurs als ein echtes Highlight: „Vor meiner Diagnose habe ich gern Gesellschaftstanz getanzt, aber meine Körperhaltung ist nicht mehr so stabil“, sagte er. „Trotzdem ist der Parkinson-Tanzkurs für mich einer der schönsten Momente der Woche“.

So sieht ein Kurs aus

Zwar können Tanzkurse je nach Lehrer und Umgebung leicht variieren, doch folgen sie in der Regel einem ähnlichen Ablauf und sind so konzipiert, dass sie für Menschen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus zugänglich sind.
Ein typischer „Dance for PD“-Kurs beginnt im Sitzen, damit sich alle aufwärmen und bewegen können, ohne sich Gedanken um das Gleichgewicht machen zu müssen.
Von dort aus können die Teilnehmer je nach ihren Fähigkeiten und ihrem Wohlbefinden zu Übungen im Stehen, Bewegungen mit Stuhlunterstützung, Barre-Übungen oder Schrittfolgen und Gruppentänzen übergehen. Dabei stehen stets Optionen im Sitzen zur Verfügung.
Einzigartige Einheiten kombinieren ausdrucksstarke Bewegung, Rhythmus und Improvisation – alles begleitet von sorgfältig ausgewählter Musik. Die Atmosphäre ist genauso wichtig wie die Bewegung. In den Einheiten herrscht ein Gefühl der Verbundenheit und gegenseitigen Unterstützung.
„Wo auch immer die Einheiten stattfinden, das Ziel ist niemals Perfektion; es geht darum, den Menschen zu helfen, sich mit mehr Selbstvertrauen, Fantasie, Musikalität und Freude zu bewegen und dabei starke soziale Bindungen aufzubauen“, sagte Leventhal.
Kreative Gesundheitsansätze werden manchmal unterschätzt, weil sie nicht immer nahtlos in klassische medizinische Modelle passen, so Harvey. Doch die wachsende Zahl wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen deutet darauf hin, dass sie genau dort hingehören.
„Tanz bietet gleichzeitig körperliche, kognitive, emotionale und soziale Stimulation auf eine Weise, die motivierend und zutiefst menschlich wirkt“, sagte sie. „Die Wirkung kann unglaublich groß sein.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Dance Does Something Parkinson’s Medication Cannot“. (deutsche Bearbeitung: vm)  
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CDC-Studie zu COVID-19-Impfung nach interner Ablehnung im JAMA veröffentlicht

Eine Studie mit Beteiligung von Wissenschaftlern der US-Gesundheitsbehörde CDC, die zuvor aus der hauseigenen Publikationsreihe der CDC ausgeschlossen wurde, ist nun im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht worden.
Die Forscher schätzen in der am 23. Juni erschienenen Studie, dass die COVID-19-Impfung zu 55 Prozent vor COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthalten und zu 50 Prozent vor der Notwendigkeit von Notaufnahmen schützt.
„Erwachsene können ihr Risiko für schwere COVID-19-Verläufe senken, indem sie sich im Zeitraum 2025–2026 gegen COVID-19 impfen lassen“, schreiben die CDC-Epidemiologin Ruth Link-Gelles und ihre Mitautoren.

Stellungnahme des Ministeriums

Ein Sprecher des Ministeriums für Gesundheit und Soziales, der übergeordneten Behörde der CDC, erklärte gegenüber der englischsprachigen Epoch Times in einer E-Mail:
„Die CDC schützt die öffentliche Gesundheit, indem sie genaue, transparente und vertrauenswürdige Informationen bereitstellt. Dies erfordert die Anwendung höchster Standards wissenschaftlicher Genauigkeit, insbesondere wenn Ergebnisse klinische Entscheidungen wie Impfungen beeinflussen können. Wir führen in allen Veröffentlichungen der CDC einen wissenschaftlichen Diskurs darüber, wie sich die Wirksamkeit von Impfstoffen am besten messen lässt.“

Ablehnung durch CDC-Direktor Bhattacharya

Dr. Jay Bhattacharya, der amtierende Direktor der CDC, lehnte es Anfang des Jahres ab, den Artikel im „Morbidity and Mortality Weekly Report“ – einer von der CDC herausgegebenen Quasi-Fachzeitschrift – zu veröffentlichen.
„Die Studie verwendet ein ‚Test-Negative-Design‘, das keine unverzerrte Schätzung der Wirksamkeit liefert (und es ist unmöglich zu sagen, in welche Richtung die Verzerrung gehen wird)“, sagte Bhattacharya damals.
Im Gegensatz zum sogenannten Goldstandard der randomisierten kontrollierten klinischen Studien wird beim Test-Negative-Design nicht nach dem Zufallsprinzip in Impf- und Kontrollgruppen eingeteilt. Stattdessen nutzt man Beobachtungsdaten von erkrankten Personen mit ähnlichen Symptomen, die in Krankenhäusern, Arztpraxen oder Notaufnahmen getestet wurden. Danach vergleicht man, ob sie geimpft oder ungeimpft sind und ob sie tatsächlich positiv oder negativ auf die entsprechende Krankheit (im Fall der Studie COVID-19) getestet wurden oder ob die Symptome von einer anderen Infektion stammen.

Aufbau der Beobachtungsstudie

Die Beobachtungsstudie untersuchte Personen, die in medizinische Einrichtungen des „Virtual SARS-CoV-2, Influenza, and Other Respiratory Viruses Network“ aufgenommen wurden – einer Kooperation zwischen der CDC, dem Datenunternehmen Westat und verschiedenen Gesundheitssystemen wie Kaiser Permanente.
Die Studie bezog Personen ein, die vom 3. September 2025 bis zum 31. Dezember 2025 Notaufnahmen, Notfallambulanzen oder Krankenhäuser des Netzwerks aufsuchten, und teilte sie in zwei Gruppen ein: Eine Gruppe bestand aus Personen, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, die andere aus negativ getesteten.

„Test-Negative-Design“ und geschätzte Impfwirksamkeit

In der Studie zeigte sich, dass 4,5 Prozent der 85.725 Personen, die Ende 2025 Notaufnahmen oder Notfallambulanzen aufsuchten, positiv auf COVID-19 getestet wurden. Von diesen hatten 206 Personen (5 Prozent) Ende 2025 eine COVID-19-Impfung erhalten. Im Vergleich dazu hatten 12 Prozent der negativ getesteten Personen kürzlich eine COVID-19-Impfung erhalten.
Das bedeutet für die Berechnung, dass die COVID-19-Impfung einen Schutz von 50 Prozent vor Besuchen in Notaufnahmen und Notfallambulanzen im Zusammenhang mit COVID-19 bot.
Die Forscher wandten dieselbe Methode zur Schätzung der Wirksamkeit gegen COVID-19-bedingte Krankenhausaufenthalte an.
Da ein höherer Prozentsatz der negativ getesteten Personen eine Impfung erhalten hatte, bezifferten sie die Wirksamkeit gegen Krankenhausaufenthalte auf 55 Prozent.

Einschränkungen und Interessenkonflikte

Die Studie führt vier Einschränkungen an, darunter eine mögliche Fehlklassifizierung des Impfstatus der Patienten.
Mehrere Autoren gaben an, Fördermittel von COVID-19-Impfstoffherstellern wie Pfizer und Moderna erhalten zu haben. Die Studie wurde von der CDC und den Kaiser Foundation Hospitals finanziert.

Bewertung durch Expertin Natalie Dean

In einem begleitenden Leitartikel erklärte Natalie Dean, außerordentliche Professorin am Institut für Biostatistik und Bioinformatik der Rollins School of Public Health der Emory University, dass das „Test-Negative“-Design zwar Einschränkungen aufweise, aber dennoch genaue Schätzungen der Wirksamkeit liefern könne.
Grund dafür sei laut Dean, dass Patienten mit negativem COVID-19-Testergebnis „die zugrunde liegende Ausgangspopulation, aus der die COVID-19-Fälle hervorgingen, annähernd repräsentieren“. Dies ermögliche es den Forschern, die Impfstoffwirksamkeit zu schätzen, ohne einen vollständigen Nenner zu ermitteln.
Sie wies darauf hin, dass dieses Studiendesign seit Jahrzehnten zur Abschätzung der Wirksamkeit von Grippeimpfstoffen verwendet wird.
Dean gehörte zu den Befürwortern von „Test-Negative“-Studien, die sich während einer von Bhattacharya organisierten CDC-Veranstaltung zur Diskussion dieser Methode zu Wort meldeten.

Kritik von Martin Kulldorff

Martin Kulldorff, ein Berater des Ministeriums für Gesundheit und Soziales, erklärte während der Veranstaltung, dass die Verwendung einer Kontrollgruppe für eine „Test-Negativ“-Studie zu COVID-19-Impfstoffen bei Personen, die mit einer Nicht-COVID-19-Infektion ins Krankenhaus kamen, nicht funktionieren würde.
„Es könnte sein, dass sie aus einer gebrechlicheren Bevölkerungsgruppe stammen“, sagte er. „Sie reagieren empfindlicher auf Infektionen, und das wissen sie auch; aus diesem Grund wird ihnen die Impfung besonders dringend empfohlen.“
Das hat nichts damit zu tun, ob der Impfstoff vor COVID schützt oder nicht. Es führt lediglich zu einer Verzerrung. Und diese Verzerrung kann in beide Richtungen gehen“, so die Einschätzung von Kulldorff.

 
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Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „COVID-19 Vaccine Study, Blocked From CDC Journal, Now Published“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Frisch, tiefgekühlt oder aus der Dose: Nährstoffe in Obst und Gemüse


In Kürze:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen.
  • Nicht nur frische und saisonale Lebensmittel sind nährstoffreich, auch in Tiefkühlprodukten, Konserven und Trockenware stecken gesundheitsfördernde Vitalstoffe, manchmal mehr als in frisch gekauften Früchten.
  • Welche Lebensmittel eignen sich für welche Lagerung und Verarbeitung am besten als Alternative zu frischen, saisonalen Produkten?

 
Gemüse und Obst liefern wichtige Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Der regelmäßige Verzehr von Obst und Gemüse wird mit einem verminderten Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Demenz und verschiedene Krebserkrankungen sowie einer frühzeitigen Sterblichkeit in Verbindung gebracht. Wer regelmäßig auf eine ausreichende Zufuhr achtet, kann damit seine Gesundheit langfristig fördern.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher im Rahmen ihrer 10 Regeln für vollwertiges Essen und Trinken, fünf Portionen Gemüse und Obst täglich zu essen. Dies entspricht rund 400 Gramm (drei Portionen) Gemüse und 250 Gramm (zwei Portionen) Obst pro Tag.
Laut Robert Koch-Institut (RKI) konsumierte im Jahr 2019 jedoch lediglich ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland überhaupt täglich Gemüse und Obst, geschweige denn in den empfohlenen Mengen.
Es stellt sich daher die Frage, wie sich diese fünf Portionen am besten in den Alltag integrieren lassen. Sollte ausschließlich frisches Obst und Gemüse verzehrt werden oder sind auch Tiefkühlprodukte, Konserven und Trockenprodukte eine sinnvolle Alternative? Und wie unterscheiden sich diese Varianten hinsichtlich ihres Nährstoffgehalts?

Obst und Gemüse – frisch, reif und saisonal am besten

Grundsätzlich gilt: Frisch, reif und saisonal geerntetes Gemüse und Obst aus ökologischem Anbau weist den höchsten Gehalt an Vitaminen, sekundären Pflanzen- und Aromastoffen auf. Ideal sind Lebensmittel aus dem eigenen Garten, der Einkauf auf einem Wochenmarkt, direkt beim Erzeuger oder im Hofladen eines Bio-Landwirtes. Oft werden die Lebensmittel am Vorabend oder am Morgen des Verkaufstags geerntet. Werden sie anschließend im Kühlschrank gelagert, bleiben die Nährstoffverluste auch nach einigen Tagen gering.
Anders sieht es häufig bei Obst und Gemüse aus dem Supermarkt aus. Durch lange Transportwege, Zwischenlagerung im Handel und zu Hause im Kühlschrank können zwischen Ernte und Verbrauch ein bis zwei Wochen vergehen. In dieser Zeit nimmt vor allem der Gehalt an licht- und sauerstoffempfindlichen Vitaminen, wie Vitamin C, B-Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe ab, wobei die Menge des Verlusts stark vom jeweiligen Lebensmittel selbst sowie von der Lagertemperatur und -umgebung abhängig ist.
Gut lagerfähige Lebensmittel wie Äpfel, Birnen, Wurzel- oder Kohlgemüse verlieren bei sachgerechter Lagerung deutlich weniger Nährstoffe als empfindliche Sorten wie Spinat, Blattsalate oder Beeren. So beträgt der Vitamin-C-Verlust bei Spinat nach einer Woche Lagerung im Kühlschrank bis zu 50 Prozent und bei Karotten nur etwa 10 Prozent.
Hinzu kommt, dass insbesondere exotische Früchte häufig unreif geerntet werden. Dies wirkt sich nicht nur negativ auf den Geschmack, sondern auch auf den Gehalt an wertvollen Nähr- und Vitalstoffen aus.

Tiefkühlprodukte – oft eine gute Alternative

Tiefgekühltes Obst und Gemüse stellt in vielen Fällen eine gute Alternative zu Frischware aus dem Supermarkt dar – in manchen Fällen kann es sogar eine bessere Wahl sein. Der Nährstoffgehalt entspricht meist dem von frischem Gemüse oder Obst, das eine Woche im Kühlschrank gelagert wurde. Da tiefgekühlte Lebensmittel in der Regel direkt nach der Ernte verarbeitet und schockgefrostet werden, bleiben viele Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe weitgehend erhalten.
Vor dem Einfrieren wird Gemüse jedoch oft blanchiert, um Enzyme zu deaktivieren und die Haltbarkeit zu verbessern. Dabei gehen hitze- und wasserempfindliche Vitamine wie Vitamin C und Folat, aber auch die Vitamine B1, B5 und B6 teilweise verloren. Zudem können wasserlösliche Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium teilweise in das Blanchierwasser über- und verloren gehen.
Dennoch entspricht beispielsweise der Nährstoffgehalt von Tiefkühlspinat meist dem von frischem Spinat aus dem Supermarkt und kann ihn sogar übertreffen. Sein Vorteil besteht darin, dass die verbleibenden Nährstoffe nach dem Einfrieren über einen langen Zeitraum relativ gut erhalten bleiben, während frischer Spinat durch Transport und Lagerung kontinuierlich an Nährstoffen verliert.
Auch bei exotischen Früchten wie Mango, Maracuja und Ananas sowie bei Beeren kann das Einfrieren Vorteile bringen. Die Früchte werden reif geerntet und direkt im Ernteland schockgefrostet. Dadurch bleiben Aroma, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe wie Anthocyane, die vorwiegend in Beeren vorkommen, besser erhalten. Ein weiterer Vorteil von Tiefgekühltem ist eine lange Haltbarkeit, schnelle Verfügbarkeit und häufig auch ein günstiger Preis.
Zwar entstehen durch den Gefrierprozess höhere Energiekosten – diese können sich aber durch weniger Lebensmittelverschwendung teilweise ausgleichen. Die Lagerung duldet keine lückenhafte Kühlung und erfordert daher die ständige Verfügbarkeit von Strom.
Nachteilig beim Einfrieren wirkt sich die Bildung von Eiskristallen aus. Sie beschädigen die Zellstruktur von Lebensmitteln und lassen sie nach dem Auftauen matschig werden. Dabei können Zellsaft und darin enthaltene wasserlösliche Nährstoffe austreten, wodurch es zu gewissen Nährstoffverlusten kommen kann.

Konserven und Eingemachtes – lange haltbar und kostengünstig

Beim Einmachen werden Lebensmittel je nach Säuregehalt auf etwa 80 °C bis 120 °C erhitzt. Dabei werden insbesondere hitzeempfindliche Vitamine (C, B1, B5, B6) und sekundäre Pflanzenstoffe teilweise abgebaut. Je kürzer die Erhitzungsdauer und je niedriger die Temperatur, desto mehr dieser Stoffe bleiben erhalten, was heute bei industriellen Konservierungstechniken häufig beachtet wird.
Obst und säurehaltige Früchte können beispielsweise bereits bei Temperaturen um 80 °C sicher konserviert werden. Hülsenfrüchte und säurearmes Gemüse müssen dagegen deutlich stärker erhitzt werden, um gesundheitsschädliche oder tödliche Bakterien wie Clostridium botulinum zuverlässig abzutöten.
Der ernährungsphysiologische Wert von Hülsenfrüchten beruht vor allem auf ihrem hohen Eiweiß- und Ballaststoffgehalt. Beide bleiben durch das Einkochen nahezu vollständig erhalten. Auch Mineralstoffe und Spurenelemente sind weitgehend hitzestabil. Ein Teil kann jedoch in die Einmach- oder Kochflüssigkeit übergehen.
Abgesehen vom Verlust der hitzeempfindlichen Vitalstoffe sprechen mehrere Vorteile für Konserven: Sie sind bei Raumtemperatur für längere Zeit haltbar, preisgünstig, jederzeit verfügbar und schnell zubereitet. Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe sowie das Eiweiß von Hülsenfrüchten bleiben größtenteils erhalten. Und sie lassen sich selbst herstellen.
Beim Kauf von Obst- und Gemüsekonserven sollten einige Aspekte beachtet werden: Obstkonserven enthalten oft zugesetzten Zucker. Um diesen zu reduzieren, ist es besser, Produkte zu wählen, die im eigenen Saft und ohne Zuckerzusatz eingemacht sind. Gemüsekonserven weisen häufig einen hohen Salzgehalt auf. Auch hier ist es besser, zu Produkten ohne Salzzusatz zu greifen. Durch das Abspülen des Gemüses vor dem Essen kann der Salzgehalt ebenfalls reduziert werden.

Getrocknetes Obst- und Gemüse

Beim Trocknen geht ein Großteil des sauerstoffempfindlichen Vitamin C verloren, ebenso ein Teil der B-Vitamine und Folat sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Mineralien und Spurenelemente sowie Ballaststoffe bleiben hingegen erhalten.
Durch den Wasserentzug sind getrocknete Lebensmittel zwar sehr lange haltbar, allerdings konzentriert sich dadurch auch der Zucker- und Kaloriengehalt. Daher sollten Trockenfrüchte nur in kleinen Portionen genossen werden.
Getrocknete Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen sind getrocknet ebenso sehr lange haltbar und im Vergleich zu Konserven sehr preisgünstig. Beachtet werden sollte jedoch ihre längere Einweich- und Zubereitungszeit.

Die richtige Mischung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass nicht nur frisch geerntetes und saisonales Obst und Gemüse den Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Auch Tiefkühl-, Dosen- und Trockenprodukte sowie gelagerte Lebensmittel enthalten zahlreiche Vitalstoffe, die die Gesundheit fördern.
Denn während hitze-, licht- und sauerstoffempfindliche Vitamine wie Vitamin C, Folat und einige B-Vitamine sowie ein Teil der sekundären Pflanzenstoffe zwar je nach Verarbeitung teilweise verloren gehen, bleiben Mineralstoffe, Spurenelemente, Ballaststoffe und pflanzliches Eiweiß weitgehend erhalten. Auch fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, Vitamin E und Vitamin K sowie Beta-Carotin sind vergleichsweise stabil.
Entscheidend ist vor allem, täglich eine bunte Vielfalt an Obst und Gemüse in die Ernährung zu integrieren – sowohl frisch als Rohkost als auch in schmackhaften Gerichten, die mit frischen, tiefgekühlten, konservierten oder getrockneten Zutaten zubereitet werden können.
Welche Lebensmittel sind für welche Lagerung oder Verarbeitung am besten geeignet? Die nachfolgende Aufstellung gibt einen Überblick:
Am besten frisch verzehren, nur kurz lagern:

Gurken, Blattsalate, Zucchini, Melonen

Gut geeignet für eine längere Lagerung als Frischware (Kühlschrank oder kühler Keller):

Karotten, Rote Bete, Knollensellerie, Pastinaken, Kürbis, Rotkohl, Weißkohl, Äpfel, Birnen, Kohlrabi, aber auch Zitronen und Orangen

Besser tiefgefroren als längere Zeit frisch gelagert:

Spinat, Mangold, Brokkoli, Blumenkohl, Erbsen, Grüne Bohnen, Paprika, Beeren, Kirschen, Aprikosen, Pflaumen, exotische Früchte wie Ananas, Maracuja, Papaya, Mango

Geeignet zum Einkochen, Fermentieren:

Hülsenfrüchte, Tomaten (die Verfügbarkeit von Lycopin erhöht sich dabei), Quitte, Beeren, Aprikosen, Pflaumen, Weißkohl (Sauerkraut)

Ideal zum Trocknen:

Hülsenfrüchte, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Feigen, Datteln, Weintrauben (Rosinen)