Forscher des Exploratoriums in San Francisco treffen am 10. August 2026 im verlassenen Dorf Villalibado in der Nähe von Burgos in Nordspanien Vorbereitungen für die weltweite Live-Übertragung der totalen Sonnenfinsternis am 12. August. Rund 30 Wissenschaftler des Exploratoriums – dem offiziellen Partner der NASA für die Live-Berichterstattung über astronomische Ereignisse – haben in Villalibado drei leistungsstarke Teleskope aufgestellt. - Foto: Cesar Manso/AFP via Getty Images
Schon als Kind betrachtete Enrique Bordallo voller Staunen den Sternenhimmel über seiner spanischen Heimat. Bis heute begeistert er sich für Gestirne; seine Vorfreude auf die bevorstehende totale Sonnenfinsternis am Mittwoch kommender Woche ist riesig.
„Wir sind völlig aus dem Häuschen!“, sagt Bordallo, der den Astronomieverein in Burgos leitet. In dieser Stadt in Nordspanien wird das astronomische Spektakel besonders gut zu beobachten sein.
„Wir können es kaum erwarten, dass es endlich soweit ist, und hoffen auf gutes Wetter“, sagt Bordallo. Dann erklärt er einer Gruppe, die zur Sternenbeobachtung ins Dorf Belorado gekommen ist, das seltene Himmelsphänomen: Ab etwa 19.30 Uhr am 12. August wird sich der Mond langsam vor die Sonne schieben, bis er sie knapp eine Stunde später für gut eineinhalb Minuten komplett verdeckt und die Beobachter in Dunkelheit hüllt.
Deutschland erlebt nur eine teilweise Sonnenfinsternis
Der Norden Spaniens gehört neben Island und Grönland zu den wenigen Regionen weltweit, in denen die totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein wird.
In Deutschland etwa wird nur eine teilweise Sonnenfinsternis zu sehen sein – auch wenn die Sonne hier zu bis etwa 90 Prozent vom Mond verdeckt sein wird. Ihren Höhepunkt wird die „Sofi“ in Deutschland je nach Standort des Beobachters zwischen etwa 20:07 Uhr und 20:18 Uhr erreichen.
In Spanien ist es die erste totale Sonnenfinsternis seit 1905. Das astronomische Ereignis verschafft der Gegend große Aufmerksamkeit: Hunderttausende Touristen werden erwartet, zahlreiche Medien werden berichten.
Die Region Kastilien und León erhofft sich davon langfristig wirtschaftliche Vorteile, denn sie gehört zum sogenannten leeren Spanien – jenen ländlichen Gegenden im Landesinneren, die stark unter Bevölkerungsschwund leiden.
„Kastilien und León macht nicht immer Schlagzeilen, und Ausländer halten sich leider eher an der Küste auf“, sagt die Anthropologin Belén Molinuevo Puras, deren Familie aus Belorado stammt. „Wir freuen uns daher sehr, dass die Sonnenfinsternis hier zu sehen ist.“
10. August 2026: Bei Burgos werden Vorbereitungen für die weltweite Live-Übertragung der totalen Sonnenfinsternis getroffen. Rund 30 Wissenschaftler des Exploratoriums – dem offiziellen Partner der NASA für die Live-Berichterstattung – haben in Villalibado drei leistungsstarke Teleskope aufgestellt. Sie wählten das Dorf aufgrund seines freien Horizonts, der guten Kommunikationsinfrastruktur und seiner Lage innerhalb der Totalitätszone aus.
Foto: Cesar Mamso/AFP via Getty Images
Spanien hat drei Sonnenfinsternisse in drei Jahren
Über mangelnden Tourismus kann sich Spanien allgemein eigenlich nicht beklagen, es ist nach Frankreich das meistbesuchte Land der Welt. Doch die Regierung möchte die Besuchermassen zu neuen Zielen lenken – weg vom Strandurlaub und vom Übertourismus wie in Barcelona.
Drei Sonnenfinsternisse – nach dem 12. August wird es 2027 und 2028 weitere geben – könnten dazu beitragen. Sie seien „eine beispiellose Gelegenheit, die Touristenströme in Spanien in ein neues Gleichgewicht zu bringen“, heißt es in einem von der Buchungsplattform Airbnb in Auftrag gegebenen Bericht. Besonders ländliche Regionen könnten wirtschaftlich davon profitieren.
Praktisch alle Zimmer zu hohen Preisen ausgebucht
Die Regionalhauptstadt Burgos, die hervorragende Aussichtspunkte für die Sonnenfinsternis bietet, profitiert jetzt schon. Vor allem Touristen aus den USA, Südamerika und Japan werden rund um das Ereignis nach Burgos kommen, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Ballesteros vor der Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert.
Die Stadtverwaltung möchte auch langfristig „Touristen aus dem Ausland anziehen, und zwar nicht nur im Sommer“, sagt die Vize-Bürgermeisterin und erhofft sich „einen Schub für Tourismus und Kultur“ infolge der Sonnenfinsternis.
Wer die totale Sonnenfinsternis in Spanien am kommenden Mittwoch beobachten will, muss unbedingt eine dafür zertifizierte Spezialbrille aufsetzen. Anderenfalls drohen irreparable Augenschäden.
Foto: Marijan Murat/dpa
In dem Hotel, in dem Lucía Molina arbeitet, haben die ersten Sonnenfinsternis-Besucher bereits vor eineinhalb Jahren gebucht, die meisten Gäste reisen aus China an. „Praktisch alle Zimmer sind zu sehr hohen Preisen ausgebucht – nicht nur hier, sondern in allen Hotels in Burgos“, berichtet die Rezeptionistin.
Eine halbe Million Touristen erwartet
In Kastilien und León werden eine halbe Million Touristen zur Sonnenfinsternis erwartet, davon 40.000 in der 175.000-Einwohner-Stadt Burgos. Zehntausende Touristen, die in der Sommerhitze anreisen und über die Felder laufen, sind eine Herausforderung in Sachen Logistik, Gesundheit und Sicherheit.
Optikerin Marta Serrano aus Burgos macht sich vor allem Sorgen um die Augen der Besucher. Denn ein Blick ohne Schutzbrille in die sich verfinsternde Sonne kann die Netzhaut dauerhaft schädigen.
Bei Enrique Bordallo hingegen überwiegt die Vorfreude: „Es ist ein einzigartiges Ereignis, etwas Wunderbares, ein für alle zugängliches kostenloses Spektakel“, schwärmt er. „Es wird die Menschen in Staunen versetzen.“ (afp/red)
Forscher des Exploratoriums in San Francisco treffen am 10. August 2026 im verlassenen Dorf Villalibado in der Nähe von Burgos in Nordspanien Vorbereitungen für die weltweite Live-Übertragung der totalen Sonnenfinsternis am 12. August. Rund 30 Wissenschaftler des Exploratoriums – dem offiziellen Partner der NASA für die Live-Berichterstattung über astronomische Ereignisse – haben in Villalibado drei leistungsstarke Teleskope aufgestellt. - Foto: Cesar Manso/AFP via Getty Images
Schon als Kind betrachtete Enrique Bordallo voller Staunen den Sternenhimmel über seiner spanischen Heimat. Bis heute begeistert er sich für Gestirne; seine Vorfreude auf die bevorstehende totale Sonnenfinsternis am Mittwoch kommender Woche ist riesig.
„Wir sind völlig aus dem Häuschen!“, sagt Bordallo, der den Astronomieverein in Burgos leitet. In dieser Stadt in Nordspanien wird das astronomische Spektakel besonders gut zu beobachten sein.
„Wir können es kaum erwarten, dass es endlich soweit ist, und hoffen auf gutes Wetter“, sagt Bordallo. Dann erklärt er einer Gruppe, die zur Sternenbeobachtung ins Dorf Belorado gekommen ist, das seltene Himmelsphänomen: Ab etwa 19.30 Uhr am 12. August wird sich der Mond langsam vor die Sonne schieben, bis er sie knapp eine Stunde später für gut eineinhalb Minuten komplett verdeckt und die Beobachter in Dunkelheit hüllt.
Deutschland erlebt nur eine teilweise Sonnenfinsternis
Der Norden Spaniens gehört neben Island und Grönland zu den wenigen Regionen weltweit, in denen die totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein wird.
In Deutschland etwa wird nur eine teilweise Sonnenfinsternis zu sehen sein – auch wenn die Sonne hier zu bis etwa 90 Prozent vom Mond verdeckt sein wird. Ihren Höhepunkt wird die „SoFi“ in Deutschland je nach Standort des Beobachters zwischen etwa 20:07 Uhr und 20:18 Uhr erreichen.
In Spanien ist es die erste totale Sonnenfinsternis seit 1905. Das astronomische Ereignis verschafft der Gegend große Aufmerksamkeit: Hunderttausende Touristen werden erwartet, zahlreiche Medien werden berichten.
Die Region Kastilien und León erhofft sich davon langfristig wirtschaftliche Vorteile, denn sie gehört zum sogenannten leeren Spanien – jenen ländlichen Gegenden im Landesinneren, die stark unter Bevölkerungsschwund leiden.
„Kastilien und León macht nicht immer Schlagzeilen, und Ausländer halten sich leider eher an der Küste auf“, sagt die Anthropologin Belén Molinuevo Puras, deren Familie aus Belorado stammt. „Wir freuen uns daher sehr, dass die Sonnenfinsternis hier zu sehen ist.“
10. August 2026: Bei Burgos werden Vorbereitungen für die weltweite Live-Übertragung der totalen Sonnenfinsternis getroffen. Rund 30 Wissenschaftler des Exploratoriums – dem offiziellen Partner der NASA für die Live-Berichterstattung – haben in Villalibado drei leistungsstarke Teleskope aufgestellt. Sie wählten das Dorf aufgrund seines freien Horizonts, der guten Kommunikationsinfrastruktur und seiner Lage innerhalb der Totalitätszone aus.
Foto: Cesar Mamso/AFP via Getty Images
Spanien hat drei Sonnenfinsternisse in drei Jahren
Über mangelnden Tourismus kann sich Spanien allgemein eigentlich nicht beklagen, es ist nach Frankreich das meistbesuchte Land der Welt. Doch die Regierung möchte die Besuchermassen zu neuen Zielen lenken – weg vom Strandurlaub und vom Übertourismus wie in Barcelona.
Drei Sonnenfinsternisse – nach dem 12. August wird es 2027 und 2028 weitere geben – könnten dazu beitragen. Sie seien „eine beispiellose Gelegenheit, die Touristenströme in Spanien in ein neues Gleichgewicht zu bringen“, heißt es in einem von der Buchungsplattform Airbnb in Auftrag gegebenen Bericht. Besonders ländliche Regionen könnten wirtschaftlich davon profitieren.
Praktisch alle Zimmer zu hohen Preisen ausgebucht
Die Regionalhauptstadt Burgos, die hervorragende Aussichtspunkte für die Sonnenfinsternis bietet, profitiert jetzt schon. Vor allem Touristen aus den USA, Südamerika und Japan werden rund um das Ereignis nach Burgos kommen, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Ballesteros vor der Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert.
Die Stadtverwaltung möchte auch langfristig „Touristen aus dem Ausland anziehen, und zwar nicht nur im Sommer“, sagt die Vize-Bürgermeisterin und erhofft sich „einen Schub für Tourismus und Kultur“ infolge der Sonnenfinsternis.
Wer die totale Sonnenfinsternis in Spanien am kommenden Mittwoch beobachten will, muss unbedingt eine dafür zertifizierte Spezialbrille aufsetzen. Anderenfalls drohen irreparable Augenschäden.
Foto: Marijan Murat/dpa
In dem Hotel, in dem Lucía Molina arbeitet, haben die ersten Sonnenfinsternis-Besucher bereits vor eineinhalb Jahren gebucht, die meisten Gäste reisen aus China an. „Praktisch alle Zimmer sind zu sehr hohen Preisen ausgebucht – nicht nur hier, sondern in allen Hotels in Burgos“, berichtet die Rezeptionistin.
Eine halbe Million Touristen erwartet
In Kastilien und León werden eine halbe Million Touristen zur Sonnenfinsternis erwartet, davon 40.000 in der 175.000-Einwohner-Stadt Burgos. Zehntausende Touristen, die in der Sommerhitze anreisen und über die Felder laufen, sind eine Herausforderung in Sachen Logistik, Gesundheit und Sicherheit.
Optikerin Marta Serrano aus Burgos macht sich vor allem Sorgen um die Augen der Besucher. Denn ein Blick ohne Schutzbrille in die sich verfinsternde Sonne kann die Netzhaut dauerhaft schädigen.
Bei Enrique Bordallo hingegen überwiegt die Vorfreude: „Es ist ein einzigartiges Ereignis, etwas Wunderbares, ein für alle zugängliches kostenloses Spektakel“, schwärmt er. „Es wird die Menschen in Staunen versetzen.“ (AFP/red)
Migranten warten in Ceuta auf Lebensmittel, die von einer Hilfsorganisation verteilt werden. Viele von ihnen leben unter schwierigen Bedingungen und haben kaum Zugang zu Wasser und Unterkunft. (Archivbild) - Foto: Antonio Sempere / AFP via Getty Images
Nach dem Massenandrang von Migranten in die spanische Exklave Ceuta will der örtliche Präsident Juan Jesús Vivas die verbliebenen Migranten bis zu ihrer Ausweisung internieren.
In einer Art „Abschiebezentrum für Ausländer“ sollten „diese Menschen untergebracht und eingesperrt bleiben“, sagte Vivas am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Lage vor Ort sei „unhaltbar“ und „inakzeptabel“.
Bewegungsfreiheit soll eingeschränkt werden
Vivas forderte, die Bewegungsfreiheit der verbliebenen Migranten müsse „eingeschränkt werden, bis ihre Abschiebungen bearbeitet und abgeschlossen sind“.
Er verlangte „dringend“ einen „staatlichen Plan, der darauf abzielt, in Ceuta wieder Normalität herzustellen“.
Tausende Migranten in Ceuta
Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten Ende Juli rund 72.000 Menschen die an Marokko grenzende spanische Exklave Ceuta auf dem Landweg oder schwimmend erreicht. Nach Angaben der Regierung in Madrid befinden sich noch knapp 2.000 Migranten in Ceuta.
Der Präsident der Exklave bezifferte die Zahl der verbliebenen Migranten hingegen auf 8.000 bis 11.000. In Ceuta leben etwa 84.000 Menschen.
Der für die Beziehungen zu den Regionen des Landes zuständige spanische Minister Ángel Víctor Torres versicherte der Bevölkerung Ceutas, dass die Zahl der Polizisten und Soldaten in der Exklave erhöht worden sei.
Er betonte zugleich, dass die Zusammenführung minderjähriger Migranten mit ihren Familien Priorität habe. Eine mögliche Ausweisung erwähnte er dabei nicht.
Versorgungslage angespannt
Die in Ceuta verbliebenen Migranten, unter ihnen Hunderte unbegleitete Minderjährige, haben Schwierigkeiten, Zugang zu Nahrung, Wasser, Unterkunft und sanitären Einrichtungen zu erhalten.
Ihre Zukunft hat einen Konflikt zwischen der sozialistischen Regierung Spaniens und den von der konservativen Volkspartei (PP) und der Vox regierten Regionen ausgelöst. (afp/red)
Die spanischen Behörden sind wegen der Waldbrandgefahr durch zehntausende Touristen in ländlichen Gebieten während der Sonnenfinsternis am kommenden Mittwoch in höchster Alarmbereitschaft. - Foto: Elena Fernández/EUROPA PRESS/dpa
Hunderte Feuerwehrleute und Soldaten haben am Wochenende in der südspanischen Region Andalusien gegen einen neuen Waldbrand gekämpft. Bis Sonntag breiteten sich die Flammen in der Provinz Huelva immer weiter aus; zuletzt war ein Gebiet von rund 8000 Hektar betroffen, wie der andalusische Katastrophenschutzbeauftragte Antonio Sanz sagte. In der Provinz Castellón im Osten kämpften Einsatzkräfte gegen einen weiteren Brand.
Das Feuer in der Region Andalusien loderte nördlich der Stadt Niebla, die etwa auf halber Strecke zwischen Sevilla und der portugiesischen Grenze liegt. Die Flammen breiteten sich schnell aus. Am Samstag waren etwa 4000 Hektar betroffen, am Sonntag schon etwa doppelt so viel, wie der Katastrophenschutzbeauftragte Sanz vor Ort sagte. Allerdings sei nicht die gesamte Fläche verbrannt.
500 Personen im Einsatz
Der Brand bleibe „komplex“, sagte Sanz am Sonntag. Ein „schwieriger Tag“ liege vor den Einsatzkräften. Er sei aber „ein bisschen optimistischer“ als zuvor. Am Samstag hatte Sanz gesagt, das Feuer werde durch „ständig wechselnde Winde“ angefacht, was die Brandbekämpfung erheblich erschwere.
Die Zahl der Einsatzkräfte wurde bis Sonntag auf insgesamt mehr als 500 aufgestockt, darunter 250 Soldaten einer Notfalleinheit der Armee. Sie wurden auch aus der Luft unterstützt. Knapp 500 Menschen in der Region wurden vorsorglich dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen.
Bislang 40 Waldbrände in Spanien
In der Provinz Castellón in Ostspanien bekämpften Feuerwehrleute und Soldaten einen weiteren Waldbrand. Dort wurden fast 400 Hektar von Flammen erfasst. Die Behörden evakuierten eine nahegelegene Gemeinde.
Umweltministerin Sara Aagesen wies auf die Heftigkeit der Waldbrandsaison in Spanien in diesem Jahr hin. Bislang habe es 40 große Waldbrände gegeben, im vergangenen Jahr seien es zum selben Zeitpunkt 15 gewesen. „Das zeigt die Schwere und die Komplexität dessen, was wir in unserem Land durchmachen“, sagte sie.
In Spanien haben in diesem Sommer schon mehrere verheerende Waldbrände gewütet. Tausende Menschen mussten vor den Feuern in Sicherheit gebracht werden, vor allem im Zentrum des Landes. Im Juli brannte etwa ein riesiges Feuer in der Provinz Ávila nahe der Hauptstadt Madrid. Bei einem weiteren folgenschweren Waldbrand in der andalusischen Provinz Almería kamen 14 Menschen ums Leben.
Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und mehrere aufeinanderfolgende Hitzewellen haben die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet. (afp/red)
Totale Sonnenfinsternis am 2. Juli 2019 über dem Observatorium La Silla der Europäischen Südsternwarte in Chile. Die Kombination mehrerer polarisierter Aufnahmen zeigt die feinen Strukturen in der Sonnenkorona in besonderem Detail. - Foto: ESA/CESAR, CC BY 4.0
In Kürze:
Am 12. August verdunkelt der Neumond die Sonne. Über Teilen von Grönland, Island und Spanien, einschließlich Mallorca, zeigt sich dies als totale Sonnenfinsternis.
Weltweit wiederholt sich ein derartiges Himmelsspektakel etwa alle 18 Monate, über Deutschland jedoch erst im Jahr 2081 wieder.
Während der knapp zweiminütigen Totalität kann die 1 Million Grad heiße Sonnenkorona gesehen werden – und womöglich gleichzeitig Sternschnuppen.
Der direkte Blick in die Sonne kann das Augenlicht unmittelbar und dauerhaft schädigen. Zertifizierte Sonnenfilter sind um ein Vielfaches dunkler als improvisierte Lösungen.
Mehrere Millionen Menschen können in Europa am 12. August ein ganz besonderes Himmelsschauspiel erleben, das es zuletzt im Jahr 1999 gegeben hat: eine totale Sonnenfinsternis. Auf dem europäischen Festland wird sie allerdings nur einen schmalen Streifen quer durch Spanien komplett verdunkeln.
Auch in Deutschland wird die Sonne durch den Mond verdeckt, aber nur zu rund 85 bis 90 Prozent. Die stärkste Bedeckung gibt es im äußersten Südwesten, in Freiburg sind es gut 90 Prozent. Eine besondere Zugabe bietet der Himmel kurze Zeit danach mit einem großen Sternschnuppenstrom.
Sonnenfinsternis, Sonnenuntergang, Sternschnuppen
In Deutschland startet die partielle Sonnenfinsternis im Nordosten – sie erreicht um 19:12 Uhr Greifswald und um 19:23 Uhr München. Ihr Maximum wird etwa in der Zeit zwischen 20:05 Uhr und 20:15 Uhr erwartet. Das Schauspiel endet in ganz Deutschland mit dem Sonnenuntergang in den Minuten um 21:00 Uhr. Die partielle Sonnenfinsternis ist im Großteil Europas, aber auch in Nordamerika und in Westafrika zu sehen.
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Verlauf und Sichtbarkeit der Sonnenfinsternis am 12. August 2026. Der Kernschatten des Mondes wandert mit etwa 2.000 Kilometer pro Stunde von Russland über Grönland und Island nach Spanien, bevor er sich im Mittelmeer verliert.
Foto: Grzegorz Nykiel/Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
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Der Höhepunkt der diesjährigen totalen Sonnenfinsternis liegt in der Nähe von Island. Auf dem spanischen Festland ist sie kurz vor Sonnenuntergang sichtbar. Auf den Balearen endet sie erst nach Sonnenuntergang.
Die Finsternis am 12. August 2026 ist in Teilen Spanien als totale Sonnenfinsternis beobachtbar (blauer Bogen).
Foto: nach PeterHermesFurian/iStock
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Zeitlicher Verlauf der partiellen Sonnenfinsternis am 12. August 2026 für ausgewählte deutsche Städte.
Foto: kms/Epoch Times
Da die Sonne während der Sonnenfinsternis in Deutschland relativ tief am Horizont steht, ist sie am besten von einer Anhöhe aus mit freiem Blick nach Nordwesten oder Westen zu sehen – nötig ist dafür eine Sonnenfinsternisbrille. Auch zahlreiche astronomische Einrichtungen in ganz Deutschland laden in der „Langen Nacht der Astronomie“ zur Beobachtung der Sonnenfinsternis in Deutschland ein, einige bieten zudem Liveübertragungen aus Spanien an.
Nach der Sonnenfinsternis können sich Himmelsgucker auf ein weiteres Ereignis freuen: Der Meteorstrom der Perseiden hat in der Nacht vom 12. auf 13. August seinen Höhepunkt, wobei mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen ist. Die besten Beobachtungszeiten sind die Stunden von 23 Uhr bis 4 Uhr. In den frühen Abendstunden und mit bloßen Augen sind in unseren Breiten indes weit weniger zu sehen.
Die totale Sonnenfinsternis startet im nördlichen Sibirien, wo die Sonne gerade noch als Mitternachtssonne über dem Horizont zu sehen ist. In Deutschland ist es dann etwa 19 Uhr. Der Schatten des Mondes zieht am Nordpol vorbei sowie über den Osten Grönlands und den Westen Islands. Er erreicht Nordspanien, einen Zipfel von Portugal und zieht dann quer über die iberische Halbinsel und über die Balearen hinweg. Die totale Finsternis endet kurz nach 20:30 Uhr im Mittelmeer.
Am längsten dauert die Totalität mit 2 Minuten und 18 Sekunden etwa 100 Kilometer westlich der isländischen Küste vor der Inselgruppe Hvallátur.
An Land ist ein etwas erhöhter Standort ideal, da man von dort aus den Schatten des Mondes herannahen sehen kann. Er bewegt sich in Spanien mit einer Geschwindigkeit von etwa 2.500 Kilometern pro Stunde über die Erdoberfläche, umgerechnet etwa 42 Kilometer pro Minute.
Wer die totale Sonnenfinsternis vom heimischen Sofa aus betrachten möchte, kann sie per Livestream der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) verfolgen. Sie wird die Sonnenfinsternis vom Observatorio Astrofísico de Javalambre in Teruel, Spanien, übertragen und dabei fortlaufend Teleskopaufnahmen senden. Epoch Times wird diesen Livestream ebenfalls verbreiten.
Ein kosmischer Reigen
Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond auf einer Linie zwischen Sonne und Erde, sodass der Schatten des Mondes auf die Erde fällt. Deutschland liegt am 12. August nur im Halbschatten, der Mond bedeckt also nur einen Teil der Sonne. Im Kernschatten dagegen ist die Sonne völlig vom Mond bedeckt, die Sonnenfinsternis ist total.
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Bei einer totalen Sonnenfinsternis wie im August 2026 fällt die sogenannte Umbra des Mondes auf die Erdoberfläche. In diesem schmalen Bereich wird die gesamte Sonne verdunkelt. Jenseits des Kernschatten ist die Finsternis partiell.
Ist der Mond weiter entfernt, erreicht der Kernschatten des Mondes die Oberfläche nicht. In einem kleinen Bereich verdeckt der Mond dann den Kern der Sonne, während einer schmaler Ring sichtbar bleibt. Jenseits dessen ist die Sonnenfinsternis wiederum partiell.
Bei einer partiellen Sonnenfinsternis verdeckt der Mond nur einen Teil der Sonne. Der Bereich des Kernschattens, der eine totale oder ringförmige Sonnenfinsternis erzeugen kann, geht an der Erde vorbei.
Es ist ein astronomischer Zufall, dass der Mond die Sonne nahezu exakt verdecken kann. Denn der Sonnendurchmesser ist zwar einerseits etwa 400-mal größer als der des Mondes, aber andererseits ist die Sonne rund 400-mal weiter von der Erde entfernt als der Mond. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus gesehen in etwa gleich groß. Doch es gibt leichte Abweichungen.
Weil die Umlaufbahn des Mondes um die Erde nicht exakt kreisförmig, sondern leicht elliptisch ist, schwankt die Entfernung Erde–Mond etwas. Deshalb ändert sich auch die scheinbare Größe des Mondes am Himmel. Steht der Erdtrabant bei einer Finsternis gerade nahe dem erdfernsten Punkt seiner Bahn, so ist er geringfügig zu klein, um die Scheibe der Sonne vollständig abzudecken. Die Folge: Statt zu einer totalen kommt es zu einer – nicht minder beeindruckenden – ringförmigen Finsternis.
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Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis bleibt der Rand der Sonnenscheibe sichtbar. Das Restlicht genügt, dass die Korona nicht sichtbar wird …
Foto: Pitris/iStock
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Die Breite des Sonnenkreises hängt vom Abstand zwischen Erde und Sonne ab.
Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa
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Kurz vor einer totalen Sonnenfinsternis zeigen sich die sogenannten Bailyschen Perlen. Dabei scheinen die Sonnenstrahlen durch die Mondkrater und erzeugen einzelne Lichtpunkte …
Foto: Fernando Llano/AP
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… Diese Erscheinung ist auch „Diamantring-Effekt“ bekannt …
Foto: jzalopa/iStock
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… Erst wenn diese letzten Sonnenstrahlen hinter dem Mond verschwunden sind, zeigt sich die Sonnenkorona und es ist sicher, seine Schutzbrille abzunehmen.
Foto: NASA
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Eine Sonnenfinsternis ist auch bei (leichter) Bewölkung zu sehen, wie diese partielle Finsternis über der Siegessäule in Berlin.
Foto: Jens Büttner/dpa
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Durch geeignete Filter erscheint die Sonne bei einer partiellen Finsternis wie der Mond. Dieses Bild entstand während der Sonnenfinsternis am 8. April 2024 über Washington, DC.
Foto: Chip Somodevilla/Getty Images
Eine Finsternis alle 18 Monate – aber erst 2081 wieder über Deutschland
Damit es zu einer Finsternis kommen kann, muss der Mond von der Erde aus gesehen in der gleichen Richtung stehen wie die Sonne, es muss also Neumond sein. Doch nicht bei jedem Neumond kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Denn die Bahn des Mondes liegt ein wenig schief im All, sie ist um etwa 5 Grad gegen die Bahn der Erde gekippt. Daher zieht der Erdtrabant sozusagen meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur zwei- bis fünfmal pro Jahr kommt es zu Sonnenfinsternissen.
Dabei fällt nicht immer auch der Kernschatten auf die Erde. Eine totale Sonnenfinsternis gibt es nur etwa alle 18 Monate – irgendwo auf der Erde. An einem bestimmten Ort kommen sie selten vor, da der Kernschatten mit einem Durchmesser von rund 200 Kilometern sehr klein ist.
Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis war von Deutschland aus am 11. August 1999 zu sehen, die nächste wird erst am 3. September 2081 sein. Kuriosum am Rande: Bereits am 2. August nächsten Jahres ist wieder eine totale Sonnenfinsternis in Spanien zu sehen, jedoch nur im äußersten Süden. Der Höhepunkt wird sich in der Nähe von Luxor, Ägypten, zeigen. Am 26. Januar 2028 gibt es in Spanien eine ringförmige Sonnenfinsternis.
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Karte der totalen Sonnenfinsternis am 2. August 2027, die auch als Welt-Sonnenfinsternis bezeichnet wird. Nicht nur ist sie auf einem Großteil der Erde sichtbar, sie erreicht mit bis zu über 6 Minuten absolute Dunkelheit auch nahezu das astronomisch mögliche Maximum.
Sonnenfinsternisse der 2020er-Jahre. Die zufällige Überlappung dreier Finsternispfade wie in Spanien in weniger als drei Jahren ist ein Glücksfall. Totale Finsternisse: blau, ringförmige Finterenisse: rot. Im April 2023 ereignete sich eine sogenannte hybride Sonnenfinsternis.
1 Million Grad heißes Plasma und Reste eines Kometen
Bei Eintritt der Totalität kommt es schlagartig zu einer Abnahme der Helligkeit – innerhalb von Sekunden herrscht eine Art späte Dämmerung und einige helle Sterne und Planeten erscheinen am Himmel. Besonders auffällig ist bei dieser Finsternis die Venus, die in einem Abstand von etwa 45 Grad links von der Sonne aufleuchtet.
Um die schwarze Scheibe der vom Mond verdunkelten Sonne herum erstrahlt während der Totalität die Korona. Bei diesem Strahlenkranz handelt es sich um die äußere Atmosphäre der Sonne, extrem dünn verteiltes Gas, das aufgrund seiner hohen Temperatur von über 1 Million Grad leuchtet. Diese Temperatur ist überraschend hoch, da die Oberfläche der Sonne lediglich 6.000 Grad Celsius heiß ist.
Dieses Jahr kommt noch ein anderes Himmelsspektakel dazu: der Meteorstrom der Perseiden. Bereits ungefähr eine Stunde nach der abendlichen Sonnenfinsternis lohnt sich daher der erneute Blick in den Himmel. Obwohl die Sternschnuppen bereits seit Mitte Juli fallen, erreichen sie erst im Zeitraum vom 9. bis 15. August sehenswert hohe Raten.
Das Maximum liegt 2026 in der Nacht vom 12. auf den 13. August und fällt damit mit der Sonnenfinsternis zusammen. Obwohl es auch während der Totalität nicht „schwarz wie die Nacht“ wird, ist nicht ausgeschlossen, dass helle Exemplare in diesen knapp zwei Minuten sichtbar über den Himmel ziehen.
Ihren Namen „Perseiden“ verdanken sie ihrem gemeinsamen, vermeintlichen Ursprung am Himmel im Sternbild Perseus. In Wirklichkeit gehen die im Volksmund auch Laurentius-Tränen genannten Sternschnuppen auf den Kometen 109P/Swift-Tuttle zurück, der auf seiner Bahn um die Sonne winzige Partikel ausgestoßen hat. Jedes Jahr im Sommer fliegt die Erde durch diese Staubfahne, wobei einige in der Erdatmosphäre verglühen.
Beim direkten Blick in die Sonne drohen augenblicklich Schäden
Ohne eine spezielle Sonnenfinsternisbrille kann ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung ist kein Grund die Augen weniger gut zu schützen. „Der direkte Blick in die Sonne kann das Auge auch dann schädigen“, warnt Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Ohne Schutz „erzeugen die von der Augenlinse gebündelten Sonnenstrahlen eine gezielte Hitze in der Netzhaut, die die Sehzellen in kürzester Zeit schädigen kann“, ergänzt der Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen, Hans Hoerauf. Sie seien dann nicht mehr funktionsfähig. „Es können sich irreversible Vernarbungen am Ort des schärfsten Sehens bilden.“
„Die Sonnenfinsternisbrillen sollten nach der europäischen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit entsprechender CE-Kennzeichnung versehen sein“, sagt Hoerauf. Die Schutzbrille müsse intakt sein und die Folie dürfe keine Kratzer, Löcher und Risse haben.
„Hochgefährlich ist übrigens auch die direkte Beobachtung der Sonne durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich.“ Sie taugen jedoch dazu, das Bild der Sonne – für eine begrenzte Zeit – auf eine Leinwand oder Ähnliches abzubilden.
Ferngläser oder Feldstecher ermöglichen die risikoarme Beobachtung der Sonnenfinsternis, solange sie ausschließlich als Projektoren dienen. Wer direkt hindurch sieht, riskiert dauerhafte Augenschäden! Dennoch sollte auch die Projektion zeitlich begrenzt bleiben, da sich die Optik ebenfalls erhitzt und Schaden nehmen kann.
Foto: ts/Epoch Times
1.000-mal dunkler als eine Sonnenbrille
Das BfS warnt in diesem Zusammenhang auch vor Tipps, die derzeit wieder verstärkt in den sozialen Netzen und im Internet kursieren: Kein zuverlässiger Schutz für die Augen, sondern gefährlich seien etwa schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs. Sie alle bieten – obwohl scheinbar undurchsichtig – nicht die gleichen Filtereigenschaften wie spezielle Sonnenfilter.
Für die direkte Beobachtung durch ein Fernglas oder das Fotografieren mit Teleobjektiv taugen diese jedoch nicht. Dafür geeignete Sonnenfilter lassen nur noch etwa ein Hunderttausendstel des Lichts durch und sind damit um ein Vielfaches „schwärzer“ als die vermeintlichen Alternativen und etwa um das Tausendfache dunkler als normale Sonnenbrillen.
Spaniens linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hat nun ihrerseits Grenzkontrollen zu Italien angeordnet. Italien hatte zuvor ein Ultimatum Spaniens zurückgewiesen, die wegen der Ceuta-Krise angeordneten Grenzkontrollen zu beenden. (Archivbild) - Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Spanien reagiert mit eigenen Grenzkontrollen auf Italiens Weigerung, die wegen der Ceuta-Migrationskrise eingeführten Kontrollen aufzuheben. Ab Samstag 0.00 Uhr würden Reisende aus Italien zunächst bis zum 7. September stichprobenartig an Häfen und Flughäfen kontrolliert, zitierte der staatliche spanische TV-Sender RTVE aus einem am Abend veröffentlichten Dekret der Regierung in Madrid.
Überprüft werden sollten dabei die Identität und Staatsangehörigkeit von Reisenden sowie, im Falle von Drittstaatsangehörigen, deren Visum oder Aufenthaltserlaubnis. Als Grund wurde der „anhaltende Druck irregulärer Migration“ genannt, dem Italien ausgesetzt sei.
Die Regierung in Madrid reagierte damit auf die Zurückweisung ihres Ultimatums. Sie hatte Italien aufgefordert, die wegen der Ankunft von zeitweise 72.000 Migranten in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta eingeführten Grenzkontrollen bis Sonntag aufzuheben.
Die EU-Innenminister beraten in einer Videokonferenz über Konsequenzen.
Foto: Iván Zambrano / Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
Italien wies spanisches Ultimatum zurück
Meloni stellte klar, dass sie sich keinem Ultimatum beugen werde. „Italien akzeptiert keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland, was die nationale Sicherheit und die Grenzkontrolle betrifft“, hieß es in einer Erklärung ihres Büros, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Italien werde seine Kontrollen zumindest bis zum 15. August und in jedem Fall so lange aufrechterhalten, bis „Sicherheits- und Terrorismusrisiken für Italien vollständig ausgeschlossen sind.“
Spanien spricht von „Torpedo gegen Einheit Europas“
Die Grenzkontrollen sind nach spanischer Auffassung unfair, den Interessen der EU zuwiderlaufend und diskriminierend gegenüber der eigenen Bevölkerung. Spaniens Außenminister José Manuel Albares bezeichnet Italiens Vorgehen als „ein Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europäischen Einheit“.
Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die nach Ceuta eingedrungenen Migranten sind inzwischen fast alle nach Marokko zurückgekehrt. Es gibt seither auch keine Hinweise, dass Migranten in Ceuta überhaupt die Absicht hätten, nach Italien weiterzureisen. Die restlichen Migranten befinden sich in der nordafrikanischen Exklave zudem weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland.
Migranten vor dem CETI-Aufnahmezentrum in Ceuta am 1. August 2026. Bei der jüngsten Migrationswelle aus Marokko starben mindestens 67 Menschen. Die meisten der rund 60.000 Migranten kehrten nach Marokko zurück.
Foto: Henry Nicholls/AFP via Getty Images
Kritiker werfen Meloni innenpolitisch motivierte Symbolpolitik vor
Kritiker der Regierung in Rom werteten die italienischen Grenzkontrollen als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik. Melonis Regierungskoalition war 2022 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die irreguläre Migration zu verringern. Derzeit steht die Meloni-Regierung zudem unter erheblichem Druck durch die neu gegründete Partei „Futuro Nazionale“ des Ex-Armeegenerals Roberto Vannacci. Seine Haltung gegenüber irregulärer Migration findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der Regierungsparteien Anklang. (dpa/red)
Spaniens linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hat nun ihrerseits Grenzkontrollen zu Italien angeordnet. Italien hatte zuvor ein Ultimatum Spaniens zurückgewiesen, die wegen der Ceuta-Krise angeordneten Grenzkontrollen zu beenden. (Archivbild) - Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Spanien reagiert mit eigenen Grenzkontrollen auf Italiens Weigerung, die wegen der Ceuta-Migrationskrise eingeführten Kontrollen aufzuheben. Ab Samstag 0.00 Uhr würden Reisende aus Italien zunächst bis zum 7. September stichprobenartig an Häfen und Flughäfen kontrolliert, zitierte der staatliche spanische TV-Sender RTVE aus einem am Abend veröffentlichten Dekret der Regierung in Madrid.
Überprüft werden sollten dabei die Identität und Staatsangehörigkeit von Reisenden sowie, im Falle von Drittstaatsangehörigen, deren Visum oder Aufenthaltserlaubnis. Als Grund wurde der „anhaltende Druck irregulärer Migration“ genannt, dem Italien ausgesetzt sei.
Die Regierung in Madrid reagierte damit auf die Zurückweisung ihres Ultimatums. Sie hatte Italien aufgefordert, die wegen der Ankunft von zeitweise 72.000 Migranten in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta eingeführten Grenzkontrollen bis Sonntag aufzuheben.
Die EU-Innenminister beraten in einer Videokonferenz über Konsequenzen.
Foto: Iván Zambrano / Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
Italien wies spanisches Ultimatum zurück
Meloni stellte klar, dass sie sich keinem Ultimatum beugen werde. „Italien akzeptiert keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland, was die nationale Sicherheit und die Grenzkontrolle betrifft“, hieß es in einer Erklärung ihres Büros, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Italien werde seine Kontrollen zumindest bis zum 15. August und in jedem Fall so lange aufrechterhalten, bis „Sicherheits- und Terrorismusrisiken für Italien vollständig ausgeschlossen sind.“
Spanien spricht von „Torpedo gegen Einheit Europas“
Die Grenzkontrollen sind nach spanischer Auffassung unfair, den Interessen der EU zuwiderlaufend und diskriminierend gegenüber der eigenen Bevölkerung. Spaniens Außenminister José Manuel Albares bezeichnet Italiens Vorgehen als „ein Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europäischen Einheit“.
Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die nach Ceuta eingedrungenen Migranten sind inzwischen fast alle nach Marokko zurückgekehrt. Es gibt seither auch keine Hinweise, dass Migranten in Ceuta überhaupt die Absicht hätten, nach Italien weiterzureisen. Die restlichen Migranten befinden sich in der nordafrikanischen Exklave zudem weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland.
Migranten vor dem CETI-Aufnahmezentrum in Ceuta am 1. August 2026. Bei der jüngsten Migrationswelle aus Marokko starben mindestens 67 Menschen. Die meisten der rund 60.000 Migranten kehrten nach Marokko zurück.
Foto: Henry Nicholls/AFP via Getty Images
Kritiker werfen Meloni innenpolitisch motivierte Symbolpolitik vor
Kritiker der Regierung in Rom werteten die italienischen Grenzkontrollen als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik. Melonis Regierungskoalition war 2022 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die irreguläre Migration zu verringern. Derzeit steht die Meloni-Regierung zudem unter erheblichem Druck durch die neu gegründete Partei „Futuro Nazionale“ des Ex-Armeegenerals Roberto Vannacci. Seine Haltung gegenüber irregulärer Migration findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der Regierungsparteien Anklang. (dpa/red)
Die spanische Exklave Ceuta (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Spanien hat Italien mit Gegenmaßnahmen gedroht, sollte Rom seine nach dem Andrang auf die spanische Exklave Ceuta verhängten Grenzkontrollen nicht wieder aufheben. Die Grenzkontrollen seien „unfair, laufen den Interessen der EU zuwider und diskriminieren die spanische Bevölkerung“, erklärte die spanische Regierung am Freitag. Madrid setzte der Regierung in Rom eine Frist bis Sonntag.
Sollte die italienische Regierung bis dahin nicht reagieren, sehe sich Spanien „gezwungen, proportionale Maßnahmen zu ergreifen, um die Interessen und die Würde seiner Bürgerinnen und Bürger zu schützen“, teilte Madrid weiter mit. Italien müsse Spanierinnen und Spanier „behandeln wie andere EU-Bürgerinnen und -Bürger auch“. Die spanische Regierung ließ offen, welche Gegenmaßnahmen sie plant.
Italien: Schutz der nationalen Sicherheit
Italien hatte als Reaktion auf die Migrationskrise in Ceuta Grenzkontrollen für Schiffe und Flüge aus Spanien eingeführt und bestehende Kontrollen an den Landesgrenzen verschärft. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni sprach von einem „außerordentlichen“ Schritt, um „die nationale Sicherheit zu schützen“. Ihre Regierung forderte gar einen Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum, was rechtlich aber nicht möglich ist.
Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten in der vergangenen Woche rund 72.000 Menschen die neben Marokko gelegene spanische Exklave Ceuta teils schwimmend erreicht, 80 Menschen kamen demnach ums Leben. Die marokkanischen Behörden sprachen von elf Toten auf ihrem Gebiet.
Wohl knapp 2000 Migrantinnen und Migranten befinden sich noch in Ceuta, die meisten von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Sie haben dort kaum Zugang zu Wasser, Lebensmitteln oder sicheren Schlafplätzen. (afp/red)
Das VW-Werk in Emden produziert ausschließlich Elektrofahrzeuge. Der Wettbewerb um neue Investitionen in Europas Autoindustrie verschärft sich jedoch zunehmend. - Foto: Nigel Treblin/Volkswagen/Archiv/dpa
In Kürze:
Die Landkarte Europas Autoindustrie verändert sich.
EU-Ausgleichszölle auf Elektroautos aus China sollten Wettbewerbsverzerrungen begrenzen.
Tatsächlich haben sie die Strategien vieler Hersteller verändert.
Chinesische Unternehmen investieren zunehmend in Produktionskapazitäten innerhalb der EU.
Der Wettbewerb verlagert sich auf den Binnenmarkt Europas.
Vor wenigen Jahren stand das ehemalige Nissan-Werk bei Barcelona vor einer ungewissen Zukunft. Tausende Arbeitsplätze gingen verloren, die Produktionshallen waren verwaist. Heute kehrt dort wieder Leben ein. Gemeinsam mit der spanischen Traditionsmarke Ebro für Nutzfahrzeuge und Traktoren will der chinesische Autobauer Chery an dem Standort Fahrzeuge für den europäischen Markt produzieren. Was zunächst wie eine regionale Industriegeschichte wirkt, steht für einen weit größeren Wandel: Spanien entwickelt sich zunehmend zum wichtigsten Brückenkopf chinesischer Autohersteller in Europa.
So hat der chinesische Autokonzern SAIC Motor (MG) im Juni angekündigt, rund 200 Millionen Euro in den Bau des ersten europäischen Werks in Spanien zu investieren. Insgesamt sollen bis zu 2.000 neue Arbeitsplätze entstehen und jährlich bis zu 120.000 Fahrzeuge produziert werden, kündigte der Konzern an.
Die Entwicklung beschränkt sich jedoch nicht auf die Fahrzeugproduktion. Auch im Bereich der Zulieferer baut Spanien seine Rolle in der Elektromobilität aus. So kündigten der europäische Autokonzern Stellantis und der chinesische Batteriezellhersteller CATL Ende 2024 an, bis zu 4,1 Milliarden Euro in ein gemeinsames Batteriewerk im nordspanischen Saragossa zu investieren. Die Fabrik sollte ab Ende 2026 Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) für Elektrofahrzeuge produzieren und schrittweise eine Kapazität von bis zu 50 Gigawattstunden erreichen. Das Projekt befindet sich noch in der Rohbauphase, momentane Prognosen sehen 2027 bis 2028 als Fertigstellungshorizont.
Für CATL ist das Werk ein weiterer Baustein seiner europäischen Expansion, für Stellantis ein zentraler Bestandteil der Strategie, günstigere Elektroautos in Europa fertigen zu können. Zusammen mit den Investitionen von Chery und SAIC zeigt das Projekt, dass sich Spanien zunehmend als europäisches Zentrum für die Produktion von Elektrofahrzeugen und Batterietechnik etabliert.
Diese Entwicklung hat auch mit einer Entscheidung aus Brüssel zu tun. Ende Oktober 2024 führte die Europäische Union endgültige Ausgleichszölle auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China ein. Die Europäische Kommission begründete den Schritt damit, dass chinesische Hersteller von umfangreichen staatlichen Subventionen profitieren und dadurch europäische Wettbewerber benachteiligt würden. Die Grundlage ist eine Verordnung der Europäischen Kommission.
Knapp zwei Jahre später zeigt sich jedoch, dass die Zölle den Wettbewerb nicht beendet, sondern verändert haben. Statt Fahrzeuge in großen Stückzahlen aus China nach Europa zu exportieren, investieren Hersteller wie SAIC Motor oder Chery zunehmend in Produktionsstandorte innerhalb der Europäischen Union. Fahrzeuge, die in Europa gefertigt werden, unterliegen nicht den zusätzlichen Ausgleichszöllen. Gleichzeitig sparen die Unternehmen Transportkosten, verkürzen Lieferwege und rücken näher an ihre Kunden.
Warum gerade Spanien?
Dass viele dieser Investitionen ausgerechnet nach Spanien fließen, ist kein Zufall. Spanien zählt, neben Deutschland, zu den größten Automobilstandorten Europas. Nach Angaben des Verbands der Europäischen Automobilhersteller (ACEA) wurden 2024 in Spanien rund 1,9 Millionen Autos gebaut. Damit belegt das Land nach Deutschland (rund 3,9 Millionen) im europäischen Vergleich den zweiten Platz. Entsprechend gut ausgebaut sind Zuliefernetzwerke, Logistik und die Ausbildung von Fachkräften.
Hinzu kommt ein Standortvorteil, über den in Deutschland seit Jahren diskutiert wird: Energie ist in Spanien günstiger. Laut Informationen des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) lag der Industriepreis in der zweiten Jahreshälfte 2025 in Spanien bei rund 13 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Preis im gleichen Zeitraum bei über 22 Cent.
Hinzu kommt, dass in Spanien auch die Politik offensiv um neue Investitionen wirbt. Mit dem Förderprogramm „PERTE“ unterstützt die spanische Regierung schon seit 2024 den Umbau der Automobilindustrie zur Elektromobilität mit Millionenbeträgen aus nationalen und europäischen Mitteln. Anfang dieses Jahres gab die EU-Kommission grünes Licht für weitere 200 Millionen Euro Förderung im Rahmen des Projekts.
Die Entscheidung chinesischer Hersteller für europäische Werke dürfte kein kurzfristiger Trend sein. Sie folgt einer Strategie, die internationale Autobauer schon früher verfolgten.
So laufen beispielsweise beim japanischen Autohersteller Toyota seit 1971 Autos aus europäischen Produktionsstätten vom Band. Der japanische Autohersteller Mitsubishi Motors startete im niederländischen Born 1991 die Produktion seiner Autos in Europa. 2012 zog sich der Konzern dann allerdings wieder aus Europa zurück und gab seine Produktion in Born auf.
Die Hyundai Motor Group (mit den Marken Hyundai und Kia) ist der wichtigste koreanische Hersteller, der Autos direkt in Europa baut. Das Werk in Nošovice (Tschechien) produziert Modelle wie den Tucson, den i30 und den Kona Electric. Das Kia-Werk in Teplička nad Váhom (Slowakei) baut die gesamte Ceed-Familie, den Sportage sowie neuere Elektroauto-Modelle wie den EV2 und den EV4.
Nun gehen chinesische Unternehmen denselben Weg. Sie wollen nicht mehr ausschließlich Autos nach Europa exportieren, sondern sie direkt innerhalb des europäischen Binnenmarktes bauen. Das erleichtert nicht nur den Marktzugang, sondern stärkt zugleich ihre Position gegenüber etablierten Wettbewerbern.
Damit verändert sich auch die europäische Industrielandschaft. Chinesische Hersteller verkaufen ihre Fahrzeuge künftig nicht mehr nur in Europa. Sie werden zunehmend selbst Teil der europäischen Automobilindustrie.
Was bedeutet das für Deutschland?
Für Deutschland ist diese Entwicklung vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Automobilindustrie zu den bedeutendsten Industriezweigen des Landes gehört. Deutschland ist weiterhin der größte Pkw-Produktionsstandort innerhalb der Europäischen Union.
Gleichzeitig treiben die deutschen Hersteller den Umbau zur Elektromobilität weiter voran. Volkswagen entwickelt mit der Scalable Systems Platform (SSP) und einer neuen softwaredefinierten Fahrzeugarchitektur die nächste Generation seiner Elektrofahrzeuge weiter.
BMW bereitet mit der „Neuen Klasse“ seine neue Elektroplattform vor und Mercedes-Benz setzt auf das Betriebssystem MB.OS sowie neue Batterietechnologien. Die Strategien der drei Hersteller zeigen, dass sie trotz eines schwierigen Marktumfelds weiter auf Elektromobilität und Digitalisierung setzen.
Dennoch verschärft sich der Wettbewerb zwischen den europäischen Standorten. Während deutsche Hersteller ihre bestehenden Werke Schritt für Schritt modernisieren, entstehen in Spanien neue Produktionsstätten für Elektrofahrzeuge und Batterien.
Für internationale Investoren spielen dabei Faktoren wie Energiekosten, staatliche Förderprogramme, industrielle Infrastruktur und die Geschwindigkeit von Genehmigungsverfahren eine wichtige Rolle.
Davon bleibt auch die deutsche Zulieferindustrie nicht unberührt. Wo neue Fahrzeug- und Batteriewerke entstehen, siedeln sich häufig weitere Unternehmen an, etwa Hersteller von Batteriezellen, Elektronik, Kunststoffteilen oder Logistikdienstleister. Für deutsche Zulieferer können sich dadurch neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerb um Aufträge und Investitionen. Für Deutschland geht es deshalb um mehr als die Frage, wo künftig Elektroautos gebaut werden. Entscheidend ist auch, wo Forschung, Entwicklung und industrielle Wertschöpfung stattfinden. Die Investitionen in Spanien zeigen, dass sich der Wettbewerb um neue Industrieansiedlungen innerhalb Europas spürbar verschärft.
Welche Länder davon langfristig profitieren, wird deshalb nicht allein durch Zölle entschieden, sondern auch durch die Attraktivität der Standorte für Investitionen, Innovationen und qualifizierte Arbeitskräfte.
Unter den Zehntausenden Ankömmlingen waren auch sehr junge Migranten. - Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Nach dem Massenandrang von Migranten ist die Lage für die angekommenen Kinder in der spanischen Exklave Ceuta nach den Worten des örtlichen Präsidenten „unhaltbar“.
Derzeit liege die Auslastung der Aufnahmezentren für Minderjährige in Ceuta um 2.600 Prozent über der Kapazitätsgrenze.
Das sagt der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, am Mittwoch dem spanischen Fernsehen. Er schätzte die Zahl der Minderjährigen auf etwa 1.100. Die Situation sei „absolut unhaltbar“.
Ceuta habe „keinerlei zusätzlichen Platz“ und stehe unter „sehr starkem Druck“, die Minderjährigen aufzunehmen, sagte der Präfekt der Region, Miguel Ángel Pérez Triano. Nach Angaben des Präfekten hat die spanische Polizei bislang 528 Minderjährige registriert, die anschließend in Aufnahmeeinrichtungen kamen.
Die NGO Save the Children hatte am Montag auf die Überbelegung der Aufnahmezentren für Kinder hingewiesen. Sie erklärte, dass in Ceuta derzeit derzeit etwa 1.000 Kinder betreut würden – und damit weit mehr, als das System mit seinen etwa 100 Plätzen eigentlich ermögliche.
Ceutas Präsident bat den Rest Spaniens um Hilfe bei der Bewältigung der Situation der Minderjährigen. „Ceuta befindet sich in einer extrem prekären Lage, und wir rufen um Hilfe.“
Spanischem Recht zufolge müssen sich die übrigen Regionen an der Aufnahme von Minderjährigen aus besonders stark betroffenen Gebieten beteiligen. Dies stößt aber auf Widerstand bei Regionen, die von der oppositionellen konservativen Volkspartei PP regiert werden – teilweise zusammen mit der Partei Vox.
Zahlen der spanischen Regierung zufolge hatten in der vergangenen Woche rund 72.000 Menschen Ceuta teils schwimmend erreicht, die meisten kehrten nach Marokko zurück.
Am Dienstag befanden sich demnach noch rund 2.000 dieser Migranten in Ceuta. 79 Menschen kamen laut den spanischen Angaben ums Leben. Marokkos Innenministerium sprach am Sonntag in einer ersten offiziellen Reaktion von elf Toten. (afp/red)
Auch Social Media könnte für die Migrationskrise in Ceuta mit mindestens 72 Toten verantwortlich sein. - Foto: Iván Zambrano/EUROPA PRESS/dpa
Nach dem Massenandrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta haben die EU-Länder in einer Krisensitzung Einigkeit demonstriert. „Es gab in der Runde volle Solidarität mit Spanien“, sagte EU-Innenkommissar Magnus Brunner nach einer Videokonferenz der EU-Innenminister am Dienstag, den 4. August.
Die Vorfälle hatten zuvor einen Streit zwischen Spanien auf der einen Seite und EU-Ländern mit einer harten Linie gegen Migranten auf der anderen Seite ausgelöst.
EU sieht Sicherheit der Außengrenzen getestet
Der Andrang auf Ceuta sei ein „Test für die Sicherheit der europäischen Außengrenzen“ gewesen, sagte Brunner. Europa habe diesen Test „für den Moment definitiv bestanden“.
Keiner der Migranten sei von Ceuta auf das spanische Festland gelangt. Das teilte auch das spanische Innenministerium mit.
Spanien gehört zum Schengen-Raum, in dem Menschen grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Für Ceuta und die zweite spanische Exklave Melilla gelten jedoch Sonderregelungen: Dort finden weiterhin Grenzkontrollen statt.
Zuvor hatten mehrere Staaten Spanien schwere Vorwürfe gemacht, darunter Italien und Dänemark. Der dänische Migrationsminister Morten Bödskov sagte nach der Videokonferenz jedoch, sein Land sei „sehr zufrieden“ damit, wie Spanien auf den Massenandrang reagiert habe.
Der italienische Außenminister Antonio Tajani hatte vor der Krisensitzung in einem Interview mit der Zeitung „Corriere della Sera“ die spanische Migrationspolitik kritisiert. Diese sei im Vergleich zu anderen EU-Staaten zu offen und „gescheitert“. Italien habe das Recht, „zusätzliche Maßnahmen“ zu fordern, „um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert“.
Italien hatte als Reaktion auf die Krise in Ceuta vorübergehend Grenzkontrollen eingeführt. Zudem hatte Rom gefordert, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen. Ein solcher Schritt ist rechtlich jedoch nicht möglich.
EU will Streit in Krisen vermeiden
Die 27 EU-Mitgliedsstaaten wollen öffentliche Konfrontationen wie im Fall Ceuta künftig vermeiden. Der Rat der Mitgliedsländer teilte nach der Krisensitzung mit, die „Kommunikation in Krisenzeiten“ könne durch frühzeitige Absprachen verbessert werden und solle künftig „kohärenter“ sein.
Sowohl Spanien als auch eine Gruppe von 22 EU-Staaten – darunter Italien, Dänemark, Deutschland und Ungarn – hatten in Schreiben an die irische EU-Ratspräsidentschaft die Dringlichkeitssitzung der Innenminister gefordert.
Nach aktualisierten Zahlen der spanischen Regierung hatten rund 72.000 Menschen Ceuta erreicht, teilweise schwimmend. Die meisten seien inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Am Dienstag befanden sich demnach noch rund 2000 Migranten in Ceuta.
Nach spanischen Angaben kamen 72 Menschen ums Leben, als sie versuchten, die Exklave zu erreichen.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez erklärte, seine Regierung habe die Situation „innerhalb von weniger als 48 Stunden“ unter Kontrolle gebracht. Zugleich warf er seinen EU-Kollegen vor, „egoistisch“ und „polarisierend“ reagiert zu haben. Der spanische EU-Botschafter habe nach Diplomatenangaben in einer Sondersitzung in Brüssel seine „Frustration über den Mangel an Solidarität“ der anderen EU-Länder zum Ausdruck gebracht.
Forderungen nach mehr Macht für Frontex
In der Debatte um die europäische Migrationspolitik forderte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), mehr Befugnisse für die europäische Grenzschutzbehörde Frontex. Im Zweifel müsse Frontex das „Kommando übernehmen können“.
Weber warf Spanien vor, in Ceuta keine Unterstützung von europäischen Grenzbeamten angefordert zu haben.
Die EU hatte ihre Migrationspolitik in den vergangenen Monaten bereits verschärft. So wurde den Mitgliedsstaaten erlaubt, abgelehnte Asylbewerber in sogenannte Rückführungszentren außerhalb der EU-Grenzen zu schicken.
Marokko wies unterdessen eine Verantwortung für den Massenandrang auf Ceuta zurück. Die Zahl der Migranten sei so stark angewachsen, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte ihnen nicht mehr hätten entgegentreten können, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Rabat.
„Es ist zu einfach zu sagen, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte einfach hätten Gewalt einsetzen können, um sie zu stoppen.“
Der marokkanische Regierungssprecher verwies stattdessen auf ein spanisches Gerichtsurteil, wonach über den Seeweg ankommende Migranten nicht ohne Weiteres sofort abgeschoben werden dürfen. Die marokkanische Regierung habe Madrid darauf hingewiesen, dass dieses Urteil Probleme verursachen werde – „und es hat für Probleme gesorgt“.
Die spanische Regierung widersprach dieser Darstellung. Es habe „nie irgendwelche Hinweise, irgendwelche Berichte“ gegeben, die vor dem Ausmaß des beispiellosen Vorfalls gewarnt hätten, sagte eine Regierungssprecherin in Madrid.
Spaniens Regierungschef Sánchez und EU-Kommissar Brunner äußerten die Vermutung, der Massenandrang sei durch von „Menschenhändlern“ verbreitete Falschinformationen in Onlinenetzwerken ausgelöst worden. Diese hätten ein Gerichtsurteil absichtlich falsch ausgelegt.
Die EU verhandelt derzeit über eine Neuauflage des Partnerschaftsabkommens mit Marokko, das auch den Umgang mit Migration umfasst. Die EU unterstützt Marokko und andere nordafrikanische Staaten seit Jahren finanziell bei Grenzkontrollen und im Kampf gegen Schmuggler.
Brunner sagte nach der Sondersitzung, Spanien erhalte weiterhin EU-Mittel für die Grenzsicherung in Ceuta. (afp/red)
Griechische Feuerwehrleute versuchen am 3. August 2026 in Agios Nektarios, Griechenland, einzelne Brandherde zu löschen. Starke Winde mit Böen von bis zu 125 Stundenkilometern haben die Waldbrände in der Region Attika westlich von Athen verschlimmert. - Foto: Byron Smith/Getty Images
Immer wieder werden Orte evakuiert, brennen Wälder und Häuser, verenden Nutz- und Wildtiere: Westlich der griechischen Hauptstadt Athen sind weiterhin unzählige kleine und große Brandherde aktiv. Auch andere Regionen kommen nicht zur Ruhe.
In den Niederlanden brennt es in einem Naturschutzgebiet, im US-Bundesstaat Washington kämpfen Tausende Feuerwehrleute gegen Großbrände, rund 65.000 Menschen mussten sich dort bislang vor den Flammen in Sicherheit bringen.
In Frankreich bleibt die Alarmbereitschaft hoch – in Spanien entspannt sich die Lage. Ein Überblick:
Griechenland
23 Löschflugzeuge und elf Löschhubschrauber, dazu Hunderte Einsatzkräfte am Boden – und doch sind die Wald- und Buschbrände westlich von Athen bislang nicht in den Griff zu bekommen.
Die sehr starken Winde hatten die Flammen am Wochenende so weit ausgebreitet, dass die Rettungskräfte nun immer wieder auch in Regionen anrücken müssen, wo Glutnester neu entflammen. Satellitenbilder zeigen unzählige Brandherde auf einer Fläche von gut 30 mal 30 Kilometern.
Elf Ortschaften mussten am 3. August evakuiert werden, darunter der Küstenort Psatha am Golf von Korinth, wo die Flammen anschließend auch Häuser erreichten.
Schätzungen zufolge sind bislang 8.000 Hektar verbrannt, also eine Fläche von 80 Quadratkilometern – fast so groß wie die Stadt Weimar. Die Waldbrandgefahr bleibt hoch – auf Stufe vier von fünf in der betroffenen Region.
Ein Löschhubschrauber wirft Wasser über einem Waldbrand nordwestlich von Athen ab.
Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa
Niederlande
Im Osten der Niederlande nahe der deutschen Grenze brennt seit Montag in einem Naturschutzgebiet ein Großfeuer. Die Feuerwehr ist mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Brand in De Rosmolen bei der Ortschaft Oostrum zu bekämpfen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Drei Löschhubschrauber der Armee sind im Einsatz. Ein Campingplatz mit etwa 300 Urlaubern wurde vorsorglich evakuiert. Der Bahnverkehr zwischen Nimwegen und Venray wurde eingestellt. Anwohner wurden aufgefordert, wegen des starken Rauches Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Frankreich
In Frankreich warnt der Wetterdienst für heute vor einer erhöhten Waldbrandgefahr im Nordwesten des Landes. Die Gefahr dürfte auch im Mittelmeerraum wegen zunehmender Winde im Verlauf der Woche erneut auf die höchste Alarmstufe ansteigen.
Generell sind die meisten Feuer unter Kontrolle, die Lage im Land gilt als stabil. Angespannt bleibt die Situation vor allem im südfranzösischen Département Var, wo 1.500 Feuerwehrleute gegen das Ausbreiten eines wieder aufgeflammten Brandes kämpfen.
Luftaufnahme einer abgebrannten Monokultur aus Seekiefern im Waldgebiet „Landes de Gascogne“ im Südwesten Frankreichs am 1. August 2026.
Foto: Pierre Larrieu/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Bei Bordeaux durften Bewohner weiterer Orte zurück nach Hause. Im Ort Le Porge an der Atlantikküste fand zuvor noch ein Einsatz zur Minenräumung statt, da der Kampfmittelräumdienst ein Arsenal von Weltkriegsmunition entdeckt hatte. Nach Angaben der Präfektur vom Montagabend wurden fast 400 Granaten und Munition geborgen.
Spanien
Im Vergleich zu den vergangenen Wochen hat sich die Lage in Spanien weiter entspannt.
Nach Angaben des Waldbrandportals „Incendios Forestales“ waren am Abend landesweit 47 Wald- und Vegetationsbrände aktiv. Es handelte sich überwiegend um kleinere Feuer. Die meisten davon wurden aus den Regionen Kastilien und León, Katalonien, Valencia und Kastilien-La Mancha gemeldet.
Die Großbrände rund um die Hauptstadt Madrid lodern zum Teil noch weiter, sind aber unter Kontrolle.
Im Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA haben drei Großbrände ganze Wohngebiete verwüstet. Gent Welsh von der Nationalgarde in dem Westküstenstaat verglich die Zerstörung in der betroffenen Region rund um die Stadt Spokane mit einem „Kriegsgebiet“.
Behördenangaben zufolge brannten dort mehr als 700 Häuser und andere Gebäude ab. Verletzte oder Tote seien bislang nicht gemeldet worden, hieß es am Montag (Ortszeit).
Spokane im US-Bundesstaat Washington nach dem Waldbrand: Nur Schornsteine stehen noch
Foto: Lindsey Wasson/AP/dpa
Die Feuer seien vermutlich die „schlimmste Naturkatastrophe“ in dieser Region, sagte Washingtons Gouverneur Bob Ferguson. Dave Upthegrove, Beauftragter für staatliche Ländereien, sprach von einer „historischen Waldbrandsaison“, die schon relativ früh im Sommer verheerende Ausmaße erreicht habe.
Seinen Angaben zufolge brennen derzeit in dem Bundesstaat 17 größere Feuer auf einer Fläche von über 100.000 Hektar Land. Rund 5.000 Einsatzkräfte kämpften in dem Bundesstaat gegen die Brände an.
Allein im Raum Spokane waren mehr als 65.000 Menschen dazu aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen – mehr als ein Drittel der Bevölkerung. (dpa/red)
Der größte Teil der schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten ist nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko zurückgekehrt. - Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
In Kürze:
Bereits seit Mitte Juli gab es Versuche von Migrantengruppen, die Grenze zu Ceuta zu überwinden.
Die Masseneinreise fiel zeitlich mit offiziellen Feierlichkeiten in Marokko zusammen.
Die Krise verschärfte die diplomatischen Spannungen zwischen Spanien, Marokko und Algerien.
Die Krise von Ceuta Ende Juli/Anfang August entstand nicht plötzlich. Bereits seit Mitte Juli nahmen die Versuche von Migrantengruppen zu, an der Grenze zwischen Spanien und Marokko schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Die spanischsprachige Ausgabe der Epoch Times berichtet von mehreren Vorfällen im Vorfeld:
Am 12. Juli begaben sich rund 50 junge Marokkaner ins Meer, um Ceuta zu erreichen. Laut dem Medium „Achamal Press“ griff die Königlich Marokkanische Marine ein und fing einen Großteil der Gruppe ab.
Während der spanischen Siegesfeiern zur Fußball-WM am 20. Juli versuchten rund 200 Menschen, Ceuta zu erreichen. Marokkos Marine setzte drei Boote ein, um diejenigen abzufangen, die sich bereits im Wasser befanden. Einem Teil gelang es, spanisches Hoheitsgebiet zu erreichen.
In der Nacht vom 24. auf den 25. Juli registrierten die Behörden etwa 170 Einreiseversuche, darunter auch Menschen aus Ländern südlich der Sahara. Es wurden sowohl Gruppen abgefangen, die sich noch auf die Abfahrt vorbereiteten, als auch solche, die sich bereits im Meer befanden.
Am Wochenende des 27./28. Juli berichteten marokkanische Medien von rund 200 weiteren Menschen. Mehr als hundert sollen Ceuta erreicht haben, während andere abgefangen wurden.
Am 30. Juli erreichte die Entwicklung ihren Höhepunkt.
Fünf Kilometer lange Menschenkolonne
Die nationale spanische Polizeigewerkschaft JUPOL erklärte auf der Plattform X, sie habe seit Tagen davor gewarnt, dass an der Grenze in Ceuta nicht genügend Polizeikräfte präsent seien. Die derzeitige Personalausstattung reiche nicht aus, um die Situation zu bewältigen, hieß es damals. Ähnliche Warnungen gab es auch von der spanischen Guardia Civil.
Bereits in den frühen Morgenstunden des 30. Juli bewegten sich Tausende Menschen aus verschiedenen Teilen von Fnideq, einer marokkanischen Stadt direkt an der Grenze zur spanischen Exklave Ceuta, zu Fuß, auf Motorrädern und in Autos in Richtung Ceuta.
Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE bildete sich auf der Straße zwischen dem Ortszentrum und der spanischen Grenze eine etwa fünf Kilometer lange Menschenkolonne. Zahlreiche junge Männer überwanden Schutzbarrieren, die zu diesem Zeitpunkt nicht bewacht waren, während sich einige der marokkanischen Kräfte angesichts des Vorrückens der Menschenmenge zurückzogen.
Mit Schwimmreifen über die Grenze.
Foto: Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa
Die von EFE befragten marokkanischen Beamten erklärten, sie wüssten nicht, wodurch diese Menschenansammlung ausgelöst worden sei. Die Bewegung wies ungewöhnliche Merkmale auf: Tausende Menschen aus verschiedenen Orten bewegten sich nahezu gleichzeitig auf bestimmte Abschnitte der Grenze zu.
Gegen 12:30 Uhr kam es zu einer ersten Einreisewelle, ab etwa 15:30 Uhr zu einer weiteren. Viele umgingen den Wellenbrecher von Tarajal über das Meer, während andere im Bereich des Zollübergangs die Grenze überquerten.
Unter den Eingereisten befanden sich junge Männer, Frauen, Familien und kleine Kinder. Die spanischen Sicherheitskräfte wiesen sie von der Straße weg, um zu verhindern, dass der Grenzübergang vollständig blockiert wurde.
Ceuta-Präsident: 60.000 illegale Einwanderer bei rund 83.000 Einwohnern
„Wir stehen vor einer Situation eines absoluten humanitären und sozialen Notstands“, sagte der Präsident der Enklave, Juan Jesús Vivas. Er forderte die spanische Regierung auf, einen Notstand von nationalem Interesse auszurufen und eine einheitliche Einsatzleitung einzurichten, um die Reaktion zu koordinieren.
Das Innenministerium hatte diese Möglichkeit jedoch mit dem Hinweis abgelehnt, dass die spanische Gesetzgebung eine solche Regelung nicht für Migrationskrisen vorsehe, sondern für bestimmte Natur- oder Technologierisiken wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Waldbrände. Vivas schätzte später, dass rund 60.000 Migranten aus Marokko eingereist seien – die Stadt hat etwa 83.000 Einwohner.
Zur aktuellen Lage berichtet die spanische Nachrichtenagentur EFE, dass sich trotz der Rückkehr Tausender Menschen nach Marokko noch immer kleine Gruppen von Migranten in Ceuta aufhielten, die sich weigerten, freiwillig zurückzukehren.
Ihre Präsenz sei vor allem in Randgebieten und bewaldeten Zonen sichtbar, allerdings seien auch Gruppen in einigen Straßen des Stadtzentrums festgestellt worden. Polizeiquellen erklärten, es sei schwierig zu berechnen, wie viele Personen sich noch in der Stadt befänden, da sie sich in kleinen Gruppen von drei bis fünf Personen bewegten.
Am 2. August registrierte die Polizei etwa 73.500 Ausreisen nach Marokko, wies jedoch darauf hin, dass diese Zahl Einreisen aus den Vortagen sowie mehrfach erfasste Personen enthalten könne.
Die Rolle von Marokko
In den Wochen zuvor hatten marokkanische Sicherheitskräfte mehrfach eingegriffen, um kollektive Übertrittsversuche zu stoppen: Marokko setzte Schiffe der Königlich Marokkanischen Marine ein, fing Personen ab, die sich auf die Abfahrt vorbereiteten, und nahm andere fest, die sich bereits im Meer befanden.
Bereits im Januar hatte die Königlich Marokkanische Gendarmerie rund 140 Personen auf der Autobahn zwischen Larache und Tanger abgefangen, bevor sie Fnideq erreichen konnten. Die Behörden bezeichneten den Einsatz als vorbeugende Maßnahme gegen einen möglichen kollektiven Übertrittsversuch.
Im entscheidenden Moment Ende Juli fiel die Reaktion jedoch anders aus: Marokkanische Sicherheitskräfte griffen nicht ein. EFE berichtete, die Krise habe mit einem stetigen Zustrom junger Menschen begonnen, die seit Wochenbeginn versucht hätten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen, ohne dass die marokkanischen Sicherheitskräfte dies verhindert hätten.
Spanische Sicherheitskräfte eskortieren Migranten am 1. August 2026 an der Grenze zwischen Ceuta und Marokko in der spanischen Enklave Ceuta in Nordafrika.
Foto: Henry Nicholls / AFP via Getty Images
Geopolitische Komponenten
Die Masseneinreise begann am 30. Juli und fiel zeitlich mit den offiziellen Feierlichkeiten zum Thronjubiläum von König Mohammed VI. zusammen. Einige der traditionellen Zeremonien vom 29. bis 31. Juli fanden zudem in der Stadt Tétouan statt. Diese befindet sich rund 30 Kilometer südlich von Ceuta.
Rubén Pulido, ein Analyst für Migrationsthemen und ehemaliger Kommunikationsdirektor einer Fraktion im andalusischen Parlament, analysierte aktuelle marokkanische Medienberichte und öffentliche Debatten. In der spanischen Epoch Times bezeichnet er die Debatte als „aufgeheizt“. In der marokkanischen Debatte wird gegenüber Spanien häufig der historische Anspruch erhoben, Ceuta und Melilla gehörten seit Jahrhunderten zu Marokko – eine Darstellung, die Spanien zurückweist.
Debattiert werde zudem eine weitere regionale Dimension mit Bezug auf einen diplomatischen Rivalen Marokkos: Algerien. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste am 20. Juli nach Algerien und traf sich mit Präsident Abdelmadjid Tebboune.
Beide Regierungen kündigten den Beginn einer neuen Phase ihrer Beziehungen an und vereinbarten für Oktober ein hochrangiges Treffen. Nähere sich Madrid nun Algerien an, könnte dies Marokko vor den Kopf stoßen, so Pulido.
Migranten versammeln sich am 31. Juli 2026 am Grenzzaun nahe Fnideq an der Grenze zwischen Marokko und Spanien, wo es zuvor zu Zusammenstößen gekommen war. Wie eine Polizeiquelle am 31. Juli mitteilte, gelangten in der Nacht Tausende Migranten von Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika; eine genaue Schätzung der Gesamtzahl der Personen sei jedoch unmöglich. - Foto: Abdel Majid BZIOUAT / AFP via Getty Images
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) im Bundestag zur Beaufsichtigung der Geheimdienste, Marc Henrichmann (CDU), schließt einen hybriden Angriff auf die EU als Ursache für den Ansturm von Migranten aus Marokko auf die spanische Exklave Ceuta nicht aus.
„Eine Ursache könnten die Spannungen zwischen Spanien und Marokko sein, auf die Marokko jetzt wie bereits im Jahr 2021 durch den gesteuerten Ansturm reagiert hat“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Es könnten ebenso gut Schleuserbanden verantwortlich sein. Und schließlich könnte zutreffen, was die Ukrainer sagen: Dass Russland den Ansturm durch Social-Media-Bots initiiert hat, um die EU unter Druck zu setzen. Alle drei Varianten seien plausibel, sagte der CDU-Politiker. Aber die „Smoking Gun“ fehle noch.
Henrichmann sagte, man müsse auf jeden Fall von Balten, Polen und Skandinaviern lernen, wenn es um die Aufdeckung der Hintergründe solcher Aktionen gehe. Sie kannten Migration als Waffe schon lange. Außerdem mahne der Vorgang, dass man durch gezielte Desinformationen eine Riesen-Wirkung erzielen könne. Man sollte deshalb nicht alles, was man sehe und lese, vorbehaltlos glauben. Die EU funktioniere nur, wenn alle den Außengrenzschutz ernst nähmen. Der PKGr-Chef mahnte, der gesamte Vorgang sei „ein abermaliger Warnschuss, der große Hausaufgaben mit sich bringt. Wir müssen sie erledigen.“ (dts/red)
Viele Migranten wollen nicht nach Marokko zurück. - Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert.
Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es. Gleichzeitig dauern in Ceuta die Unterbringung und Rückführung verbliebener Migranten sowie die Suche nach weiteren Todesopfern an. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid wurden bislang 72 Leichen geborgen.
Der Sprecher der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, sagte, es sei kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden „Menschenwelle“ nichts gewusst habe. Auch der Radiosender Cadena Ser berichtete von „mehrfachen Warnungen“. Regierungssprecherin Elma Saiz entgegnete: „Mit einem derart beispiellosen Ereignis hatte niemand gerechnet.“
Vor allem am Donnerstag waren Zehntausende von Marokko aus irregulär nach Ceuta gelangt – die meisten schwimmend, andere kletterten über den sechs Meter hohen Grenzzaun.
Die genaue Zahl ist weiter unklar. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach nun von 80.000 Ankünften, nachdem er zuvor von 60.000 ausgegangen war. Madrid hält an der Schätzung von 50.000 fest. Marokko teilte mit, rund 40.000 Migranten hätten Ceuta erreichen wollen.
Tausende Migranten halten sich noch in Ceuta auf
Unterschiedliche Angaben gibt es auch zur Zahl der vor allem vor der Küste der Exklave an der Straße von Gibraltar ums Leben gekommenen Migranten. Während Madrid weiterhin von 72 Todesopfern spricht, erklären Vertreter der konservativen Regionalregierung, es gebe mindestens 88 Leichen.
Nach übereinstimmenden Behördenangaben ist der größte Teil der Migranten bereits nach Marokko zurückgekehrt. Nach Schätzung der Regionalregierung halten sich jedoch noch 3.000 bis 5.000 Menschen in Ceuta auf. Die Lage habe sich zwar beruhigt, von Normalität könne aber keine Rede sein, sagte Vivas.
Die Zentralregierung beziffert derweil die Zahl der verbliebenen Migranten auf rund 2.500 und teilt mit, die Rückführungsaktionen seien noch nicht zu Ende.
Aufnahmezentren überlastet
Besonders angespannt bleibt die Situation bei unbegleiteten Minderjährigen. Ceuta betreut seit dem Ansturm nach eigenen Angaben mindestens 862 Kinder und Jugendliche, obwohl regulär nur 29 Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb werden zusätzliche Unterkünfte in umfunktionierten Gebäuden eingerichtet.
Auch das Aufnahmezentrum CETI für Erwachsene ist nach Angaben der Regionalregierung in Ceuta nicht erst seit dem Ansturm völlig überlastet. Es bietet Platz für rund 600 Menschen. Vor dem Gelände halten sich den Angaben zufolge etwa 1.000 weitere Migranten in provisorischen Lagern auf. (dpa/red)
Der größte Teil der schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten ist nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko zurückgekehrt. - Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Mindestens 72 Tote, harte gegenseitige Vorwürfe und verstärkte Grenzkontrollen: Während sich die Lage in Ceuta beruhigt, eskaliert der Streit in der EU. Nach der scharfen Kritik an der spanischen Migrationspolitik trafen sich die Mitgliedsländer der EU heute auf Ebene der Botschafter zur Aussprache.
An diesem Dienstag schalten sich dann auch die EU-Innenminister zusammen, um Lehren aus den Ereignissen zu ziehen und über einen besseren Grenzschutz zu diskutieren. Ist die von der europäischen Asylreform (Geas) erhoffte Stabilität schon wenige Wochen nach Inkrafttreten gefährdet? Und was bedeutet die Krise für die europäischen Grenzen?
Spanien fordert nach Kritik von Merz und Co. mehr Solidarität
Eigentlich sollte das vor gut sieben Wochen in Kraft getretene EU-Asylsystem einen jahrelangen Streit zwischen den Mitgliedsländern schlichten. Doch die Bilder von der Situation aus der spanischen Exklave lösten binnen weniger Stunden einen diplomatischen Schlagabtausch mit Schuldzuweisungen aus.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterzeichnet einen von Italien und Dänemark initiierten offenen Brief. In dem warfen 22 der 27 Staats- und Regierungschefs Madrid indirekt Fehler bei jüngsten migrationspolitischen Entscheidungen vor. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez kritisierte wiederum die Reaktion einiger EU-Partner.
Sein Außenminister José Manuel Albares schob in einem TV-Interview am Montag hinterher, manche Regierungen sowie rechte Parteien in Europa, hätten die Lage politisch ausgeschlachtet. Er forderte von den Europäern mehr Solidarität.
Was bedeutet der Streit für den Zusammenhalt in der EU?
Angesicht der diplomatischen Eskalation ist der erste Stresstest für das neue Asylsystem nach Ansicht von Migrationsexperte Maximilian Pichl gescheitert: „Weil man sich sofort spalten ließ“, sagte der Rechts- und Politikwissenschaftler von der Frankfurt University of Applied Sciences der dpa.
Den erhobenen Vorwurf, Spanien habe mit seiner Entscheidung etwa 500.000 irreguläre Migranten zu legalisieren, zuletzt ein falsches Signal gesendet, findet Pichl nicht zutreffend. Spanien nutze dieses Instrument bereits seit Jahrzehnten, auch unter konservativen Regierungen und habe ansonsten ein „sehr repressives Migrationssystem“, sagte der Forscher.
Dass Spanien in die Ecke gedrängt würde, anstatt zu vorhanden europäischen Instrumenten wie dem in Geas verankerten Krisenmechanismus zu greifen, sieht Pichl als schlechtes Zeichen für die Zusammengehörigkeit in der EU.
Von der Leyen spricht Sánchez Anerkennung aus
Die Europäische Kommission ist daher bemüht, die Wogen zu glätten. In einem Brief sprach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dem spanischen Regierungschef ein Lob für sein Handeln in der Krise aus. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.
Von der Leyen schreibt darin: „Migration ist eine europäische Herausforderung, die eine europäische Antwort erfordert. Und dabei ist Solidarität von grundlegender Bedeutung.“ Die deutsche Politikerin sprach sich unter anderem für die Einführung eines Frühwarnsystems aus, um eine Krise wie in Ceuta künftig zu verhindern.
Muss die EU ihre Außengrenzen besser schützen?
Von der Leyen nannte zudem die Stärkung der europäischen Außengrenzen als Schlüsselbereich. Unter anderem die steht auch für die Bundesregierung im Zentrum der kommenden Beratungen. „Natürlich geht es darum, darüber zu sprechen, dass sich solche Dinge nicht wiederholen“, erläuterte Deutschlands Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Deshalb werde über den Schutz und die Kontrolle der EU-Außengrenzen gesprochen, sagte Hille, ohne sich zu Details zu äußern.
Der CSU-Europapolitiker und Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, forderte dafür im Zweifel auf die EU-Grenzschutzbehörde Frontex zu setzen. „Wir müssen Frontex massiv ausbauen, auf 30.000 Mann und wir müssen Frontex in Krisensituationen wie Ceuta die Kommandogewalt geben“, sagte er der „Augsburger Allgemeinen“.
Migrationsexperte Pichl hat Zweifel, dass sich eine Situation wie in Ceuta gänzlich durch verstärkte Grenzen verhindern lässt. In Ceuta gebe es bereits sehr militarisierte Grenzbefestigungsanlagen, Zäune seien in den letzten Jahren bereits erhöht worden. Wegen der geografischen Situation sei es illusorisch zu glauben, dass etwa Befestigungen im Wasser verhindern, dass kein Mensch durchkomme.
Wie geht es mit den Grenzkontrollen in der EU weiter?
Ebenso kritisch sieht Pichl die von mehreren Mitgliedsländern angekündigte Verstärkung von Grenzkontrollen, die er als „Symbolpolitik“ bezeichnete.
Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt.
Das spanische Nachbarland Frankreich verstärkte in Reaktion auf die Krise in Ceuta seine Grenzkontrollen und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte an, die bereits bestehenden Kontrollen an den deutschen Landesgrenzen verlängern zu wollen.
Die Migranten befanden sich weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland. Hätten sie versucht, das Mittelmeer zu überqueren, wären sie zunächst an einer EU-Außengrenze ankommen – in Binnengrenzkontrollen wären sie also zunächst gar nicht geraten.
Suche nach Toten vor Ceuta geht weiter
Der weitaus größte Teil der schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Migranten ist nach Angaben der Zentralregierung in Madrid inzwischen ohnehin nach Marokko zurückgekehrt. Wie viele der Ankömmlinge sich noch in der spanischen Nordafrika-Exklave aufhalten, ist unklar. Die Angaben reichen von einigen Hundert Menschen bis zu wenigen Tausend.
Boote und Taucher der Polizei setzten derweil die Suche nach weiteren Todesopfern entlang der Küste fort. Madrid bezifferte die Zahl der Todesopfer zuletzt auf 72, die meisten Menschen seien im Meer an der Straße von Gibraltar ertrunken. Marokko teilte zudem mit, an seiner Küste seien elf Leichen geborgen worden. (dpa/red)
Viele illegal eingereiste Migranten befinden sich weiterhin in der spanischen Enklave Ceuta.
Einsatzkräfte haben bereits einige zur Rückkehr nach Marokko bewegt.
Epoch Times war vor Ort und sprach mit Einwohnern, Migranten und einem Politiker.
Es stellt sich heraus, dass viele Migranten aufgrund von Hoffnung gebenden Videos auf Social Media kamen.
Am Samstag, 1. August 2026, war der Strand von Ceuta, an dem wenige Tage zuvor Zehntausende illegal eingereiste Migranten an Land gegangen waren, weitgehend leer. Patrouillenboote lagen neben einer 500 Meter langen schwimmenden Absperrbarriere, die erst an diesem Morgen errichtet worden war.
Die Auswirkungen des Massenzustroms von Zehntausenden Menschen aus Marokko auf die Stadt mit ihren 84.000 Einwohnern waren jedoch noch sichtbar.
Während einige über die Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt waren, hatten sich andere ins Landesinnere begeben. Scharen von Migranten hielten sich weiterhin verstreut in der Stadt auf. Sie warteten in Hauseingängen, Seitenstraßen und Randbezirken, ohne klare Aussicht darauf, wie lange es dauern würde, sie alle zurückzuschicken.
Der Bürgermeister der Stadt, Juan Jesús Vivas, trat am Samstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, auf. Er begrüßte die Rückkehr vieler der illegal eingereisten Personen. Jedoch erklärte er: „In Ceuta ist noch keine Normalität eingekehrt“, da inmitten einer angespannten Stimmung noch mehrere Tausend Personen zurückgeschickt werden müssten.
Der lange Rückweg
Der Rückstrom nach Marokko war ebenso eindrucksvoll wie der Zustrom. Kolonnen junger Männer zogen zu Fuß in Richtung des Grenzübergangs, einige skandierten „Viva Marruecos! (Es lebe Marokko)“, während Beamte im Rahmen des Rückführungsabkommens Hunderte weiterer Abreisen meldeten – nach Tagen ohne Nahrung und Unterkunft.
An einer Stelle löste sich eine Gruppe aus der Menge und ging auf Reporter der Epoch Times zu. Dabei riefen sie „Free Palestine“ und aggressive Parolen gegen Israel, bevor sie sich wieder der Kolonne anschlossen.
Diejenigen, die anhielten, um zu sprechen, nannten übereinstimmende Gründe für ihre Rückkehr: Seit ihrer Ankunft hätten sie nichts zu essen oder zu trinken gehabt. Außerdem habe es wegen der großen Zahl an Menschen keine Perspektiven gegeben.
Mehrere sagten, sie hätten gar nicht vorgehabt, in Spanien zu bleiben, sondern hofften, weiter nach Frankreich oder Dänemark zu gelangen. Einige sagten auch, sie fühlten sich nicht willkommen und behaupteten, von einigen Einwohnern angegriffen worden zu sein.
Epoch Times wurde am Freitag Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Einwohner und Migranten sich gegenseitig mit Steinen bewarfen.
Junge illegale Einwanderer versammeln sich am 1. August 2026 in der Nähe von Straßenschildern, die in Richtung Príncipe Alfonso und El Tarajal in Ceuta, Spanien, weisen. Mehrere sagten gegenüber Epoch Times, sie planten, in der spanischen Enklave zu bleiben.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Gerichtsurteil im Internet neu interpretiert
Der 39-jährige Bilal schilderte der Epoch Times, er glaube, „Europa manipuliert uns“. Man hätte den Marokkanern den Eindruck vermittelt, sie würden „dringend als Arbeitskräfte gebraucht“ und könnten ein weitaus besseres Leben führen. Er kritisierte Videos, die auf Instagram und Facebook geteilt wurden und diese Botschaft verbreiteten.
Vertreter der Regierung Sánchez erklärten inzwischen, dass „mafiaähnliche“ Menschenhandelsnetzwerke diese Videos nutzten, um die falsche Darstellung und irreführende Informationen über das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli zu verbreiten. Die Videos stehen im Mittelpunkt der offiziellen Erklärung für den Anstieg der Zuwanderungszahlen.
In dem Urteil untersagte das Gericht die sofortige Zurückweisung oder „Hot Returns“ („heiße Rückführungen“) von Migranten, die beim Schwimmen in Richtung Ceuta oder Melilla abgefangen wurden. Solche Ankömmlinge würden das reguläre Verfahren durchlaufen. Das schließt laut dem Gericht auch den Zugang zu einem Anwalt, einem Dolmetscher und die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, ein.
Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass sofortige Rückführungen zulässig sind, wenn Migranten versuchen, eine physische „Grenzsicherung“ zu überwinden. Diese Regel soll nach Angaben der Behörden nun durch die neue schwimmende Barriere umgesetzt werden.
In den sozialen Medien wurde dieser enge rechtliche Punkt anders interpretiert. Es stand die Behauptung im Raum, Spanien habe seine Grenze geöffnet. Ebenso gebe es keine Abschiebung von Menschen, die auf dem Seeweg ankämen.
Videos von erfolgreichen Schwimmern verbreiteten sich weitläufig. Mehrere junge Migranten teilten der Epoch Times mit, die Instagram-Videos hätten sie davon überzeugt, zu kommen.
Anwohner teilten der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez für den Grenzübertritt der Migranten verantwortlich sei. Sie bezweifelten, dass die verbleibenden Rückführungen zügig erfolgen würden.
Mehrere von ihnen sagten, die Szenen erinnerten an die Ereignisse aus dem Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb von zwei Tagen rund 10.000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Zuvor hatten die marokkanischen Behörden die Kontrollen im Zuge eines Konflikts um die Westsahara offenbar gelockert. Der Zustrom der vergangenen Tage war um ein Vielfaches größer.
Soldaten und die örtliche Polizei durchkämmten am Samstag Stadtviertel, in denen sich kleine Lager von Migranten gebildet hatten. Sie wiesen diese zurück in Richtung Grenze und machten deutlich, dass eine Legalisierung solcher Einreisen aus Marokko nicht in Aussicht stehe.
Die Zivilgarde wurde zudem damit beauftragt, den Strand von El Tarajal zu überwachen, um neue Ankunftsversuche zu verhindern. Sie soll damit die Gefahr von Ertrinkungsunfällen verringern, wie ein in der Nähe stationierter Soldat berichtete.
Die am 1. August 2026 vor dem Strand von Tarajal an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko neu installierte 500 Meter lange schwimmende Barriere.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Sánchez’ Regierung unter Druck
Erst am Vorabend hatte die Epoch Times beobachtet, wie Migranten – zwar weit weniger als zu Spitzenzeiten – immer noch ungehindert nach Ceuta schwammen.
Die Krise der illegalen Migration hat die Kritik an der sozialistischen Regierung Spaniens sowohl seitens der rechten Opposition als auch seitens der europäischen Nachbarländer verschärft.
Juan Sergio Redondo, Vorsitzender und Sprecher der nationalkonservativen Partei Vox in Ceuta sprach mit der Epoch Times über die aktuelle Lage. Er sagte, dass „die Migrationskrise nicht gelöst wurde, weil sich die Regierung von Pedro Sánchez den Interessen Marokkos unterwirft und wir eine selbstzerstörerische Einwanderungspolitik betreiben“.
Redondo warnte, dass die Abschiebungen Zeit benötigen. „Es ist unmöglich, dass diese Menschen innerhalb weniger Tage das Land verlassen oder zurückgeschickt werden“, sagte er. Ebenso fügte er hinzu: „Viele kehren freiwillig zurück … aber andere haben nicht die Absicht, zurückzukehren.“
Der Vox-Vorsitzende prognostizierte, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die „unsere Grenze gestürmt haben“, noch „viele Monate“ lang durch die Stadt ziehen werde. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit und Angst unter den Einwohnern, die weiterhin das Gefühl hätten, dass das Problem nicht gelöst sei.
Marokkanische illegale Einwanderer sitzen am 1. August 2026 auf den Stufen in der Nähe des Rafael-Gibert-Tors in Ceuta, Spanien.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Nach Redondos Aussage seien Spaniens Sicherheitskräfte durch das Fehlen von Gesetzen „an Händen und Füßen gebunden“. Vox fordere seit vier Jahren verstärkte Zäune, verlängerte Wellenbrecher und maritime Absperrungen. Er beklagte:
„Hätte man eine ganze Menge tun können? Ja. Hat man es getan? Nein.“
Ministerpräsident Sánchez erklärte seinerseits auf einer Pressekonferenz am 31. Juli, seine Regierung werde „die Sicherheit der Einwohner von Ceuta garantieren, indem die Präsenz von Sicherheitskräften und Polizeibeamten in den Straßen der Stadt erhöht wird“. Außerdem werde man die Bearbeitung von Rückführungsverfahren für illegal eingereiste Personen beschleunigen.
Ein Durchbruch ohne Präzedenzfall in jüngster Zeit
Das Innenministerium schätzt, dass zwischen dem 30. und 31. Juli etwa 50.000 Menschen nach Ceuta eingereist sind. Stadtpräsident Vivas bezifferte die Zahl auf 60.000. Einen Tag zuvor versammelten sich vor dem Versammlungspalast von Ceuta Menschenmengen anlässlich des Besuchs von Sánchez und skandierten „Sánchez, tritt zurück“.
Der Ministerpräsident bezeichnete den Zustrom als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ und erklärte, Innenminister Fernando Grande-Marlaska werde vor Ort bleiben, um die Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Einsatz der Armee zu koordinieren.
Marokkanische Migranten gehen am 1. August 2026 entlang der Carretera N-352 nahe der Grenze in Ceuta, Spanien, zurück in Richtung Marokko.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Spanien und Marokko einigten sich am Donnerstag darauf, alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ zurückzuschicken. Die Regierung in Madrid lobte die Zusammenarbeit mit Rabat als ausgezeichnet.
Wiederholung möglich
Derzeit ist das Wasser vor El Tarajal leer und die Barriere hält stand. Einige männliche Migranten zeigten sich unbeeindruckt. „Wir werden es ein anderes Mal erneut versuchen“, sagte einer gegenüber Epoch Times.
Lola, eine Einwohnerin von Ceuta, erklärte der Epoch Times, sie habe damit gerechnet. „Leider werden wir wahrscheinlich erleben, dass sich eine solche Krise wiederholt.“
Viele illegal eingereiste Migranten befinden sich weiterhin in der spanischen Enklave Ceuta.
Einsatzkräfte haben bereits einige zur Rückkehr nach Marokko bewegt.
Epoch Times war vor Ort und sprach mit Einwohnern, Migranten und einem Politiker.
Es stellt sich heraus, dass viele Migranten aufgrund von Hoffnung gebenden Videos auf Social Media kamen.
Am Samstag, 1. August 2026, war der Strand von Ceuta, an dem wenige Tage zuvor Zehntausende illegal eingereiste Migranten an Land gegangen waren, weitgehend leer. Patrouillenboote lagen neben einer 500 Meter langen schwimmenden Absperrbarriere, die erst an diesem Morgen errichtet worden war.
Die Auswirkungen des Massenzustroms von Zehntausenden Menschen aus Marokko auf die Stadt mit ihren 84.000 Einwohnern waren jedoch noch sichtbar.
Während einige über die Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt waren, hatten sich andere ins Landesinnere begeben. Scharen von Migranten hielten sich weiterhin verstreut in der Stadt auf. Sie warteten in Hauseingängen, Seitenstraßen und Randbezirken, ohne klare Aussicht darauf, wie lange es dauern würde, sie alle zurückzuschicken.
Der Bürgermeister der Stadt, Juan Jesús Vivas, trat am Samstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, auf. Er begrüßte die Rückkehr vieler der illegal eingereisten Personen. Jedoch erklärte er: „In Ceuta ist noch keine Normalität eingekehrt“, da inmitten einer angespannten Stimmung noch mehrere Tausend Personen zurückgeschickt werden müssten.
Der lange Rückweg
Der Rückstrom nach Marokko war ebenso eindrucksvoll wie der Zustrom. Kolonnen junger Männer zogen zu Fuß in Richtung des Grenzübergangs, einige skandierten „Viva Marruecos! (Es lebe Marokko)“, während Beamte im Rahmen des Rückführungsabkommens Hunderte weiterer Abreisen meldeten – nach Tagen ohne Nahrung und Unterkunft.
An einer Stelle löste sich eine Gruppe aus der Menge und ging auf Reporter der Epoch Times zu. Dabei riefen sie „Free Palestine“ und aggressive Parolen gegen Israel, bevor sie sich wieder der Kolonne anschlossen.
Diejenigen, die anhielten, um zu sprechen, nannten übereinstimmende Gründe für ihre Rückkehr: Seit ihrer Ankunft hätten sie nichts zu essen oder zu trinken gehabt. Außerdem habe es wegen der großen Zahl an Menschen keine Perspektiven gegeben.
Mehrere sagten, sie hätten gar nicht vorgehabt, in Spanien zu bleiben, sondern hofften, weiter nach Frankreich oder Dänemark zu gelangen. Einige sagten auch, sie fühlten sich nicht willkommen und behaupteten, von einigen Einwohnern angegriffen worden zu sein.
Epoch Times wurde am Freitag Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Einwohner und Migranten sich gegenseitig mit Steinen bewarfen.
Junge illegale Einwanderer versammeln sich am 1. August 2026 in der Nähe von Straßenschildern, die in Richtung Príncipe Alfonso und El Tarajal in Ceuta, Spanien, weisen. Mehrere sagten gegenüber Epoch Times, sie planten, in der spanischen Enklave zu bleiben.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Gerichtsurteil im Internet neu interpretiert
Der 39-jährige Bilal schilderte der Epoch Times, er glaube, „Europa manipuliert uns“. Man hätte den Marokkanern den Eindruck vermittelt, sie würden „dringend als Arbeitskräfte gebraucht“ und könnten ein weitaus besseres Leben führen. Er kritisierte Videos, die auf Instagram und Facebook geteilt wurden und diese Botschaft verbreiteten.
Vertreter der Regierung Sánchez erklärten inzwischen, dass „mafiaähnliche“ Menschenhandelsnetzwerke diese Videos nutzten, um die falsche Darstellung und irreführende Informationen über das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli zu verbreiten. Die Videos stehen im Mittelpunkt der offiziellen Erklärung für den Anstieg der Zuwanderungszahlen.
In dem Urteil untersagte das Gericht die sofortige Zurückweisung oder „Hot Returns“ („heiße Rückführungen“) von Migranten, die beim Schwimmen in Richtung Ceuta oder Melilla abgefangen wurden. Solche Ankömmlinge würden das reguläre Verfahren durchlaufen. Das schließt laut dem Gericht auch den Zugang zu einem Anwalt, einem Dolmetscher und die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, ein.
Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass sofortige Rückführungen zulässig sind, wenn Migranten versuchen, eine physische „Grenzsicherung“ zu überwinden. Diese Regel soll nach Angaben der Behörden nun durch die neue schwimmende Barriere umgesetzt werden.
In den sozialen Medien wurde dieser enge rechtliche Punkt anders interpretiert. Es stand die Behauptung im Raum, Spanien habe seine Grenze geöffnet. Ebenso gebe es keine Abschiebung von Menschen, die auf dem Seeweg ankämen.
Videos von erfolgreichen Schwimmern verbreiteten sich weitläufig. Mehrere junge Migranten teilten der Epoch Times mit, die Instagram-Videos hätten sie davon überzeugt, zu kommen.
Anwohner teilten der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez für den Grenzübertritt der Migranten verantwortlich sei. Sie bezweifelten, dass die verbleibenden Rückführungen zügig erfolgen würden.
Mehrere von ihnen sagten, die Szenen erinnerten an die Ereignisse aus dem Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb von zwei Tagen rund 10.000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Zuvor hatten die marokkanischen Behörden die Kontrollen im Zuge eines Konflikts um die Westsahara offenbar gelockert. Der Zustrom der vergangenen Tage war um ein Vielfaches größer.
Soldaten und die örtliche Polizei durchkämmten am Samstag Stadtviertel, in denen sich kleine Lager von Migranten gebildet hatten. Sie wiesen diese zurück in Richtung Grenze und machten deutlich, dass eine Legalisierung solcher Einreisen aus Marokko nicht in Aussicht stehe.
Die Zivilgarde wurde zudem damit beauftragt, den Strand von El Tarajal zu überwachen, um neue Ankunftsversuche zu verhindern. Sie soll damit die Gefahr von Ertrinkungsunfällen verringern, wie ein in der Nähe stationierter Soldat berichtete.
Die am 1. August 2026 vor dem Strand von Tarajal an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko neu installierte 500 Meter lange schwimmende Barriere.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Sánchez’ Regierung unter Druck
Erst am Vorabend hatte die Epoch Times beobachtet, wie Migranten – zwar weit weniger als zu Spitzenzeiten – immer noch ungehindert nach Ceuta schwammen.
Die Krise der illegalen Migration hat die Kritik an der sozialistischen Regierung Spaniens sowohl seitens der rechten Opposition als auch seitens der europäischen Nachbarländer verschärft.
Juan Sergio Redondo, Vorsitzender und Sprecher der nationalkonservativen Partei Vox in Ceuta sprach mit der Epoch Times über die aktuelle Lage. Er sagte, dass „die Migrationskrise nicht gelöst wurde, weil sich die Regierung von Pedro Sánchez den Interessen Marokkos unterwirft und wir eine selbstzerstörerische Einwanderungspolitik betreiben“.
Redondo warnte, dass die Abschiebungen Zeit benötigen. „Es ist unmöglich, dass diese Menschen innerhalb weniger Tage das Land verlassen oder zurückgeschickt werden“, sagte er. Ebenso fügte er hinzu: „Viele kehren freiwillig zurück … aber andere haben nicht die Absicht, zurückzukehren.“
Der Vox-Vorsitzende prognostizierte, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die „unsere Grenze gestürmt haben“, noch „viele Monate“ lang durch die Stadt ziehen werde. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit und Angst unter den Einwohnern, die weiterhin das Gefühl hätten, dass das Problem nicht gelöst sei.
Marokkanische illegale Einwanderer sitzen am 1. August 2026 auf den Stufen in der Nähe des Rafael-Gibert-Tors in Ceuta, Spanien.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Nach Redondos Aussage seien Spaniens Sicherheitskräfte durch das Fehlen von Gesetzen „an Händen und Füßen gebunden“. Vox fordere seit vier Jahren verstärkte Zäune, verlängerte Wellenbrecher und maritime Absperrungen. Er beklagte:
„Hätte man eine ganze Menge tun können? Ja. Hat man es getan? Nein.“
Ministerpräsident Sánchez erklärte seinerseits auf einer Pressekonferenz am 31. Juli, seine Regierung werde „die Sicherheit der Einwohner von Ceuta garantieren, indem die Präsenz von Sicherheitskräften und Polizeibeamten in den Straßen der Stadt erhöht wird“. Außerdem werde man die Bearbeitung von Rückführungsverfahren für illegal eingereiste Personen beschleunigen.
Ein Durchbruch ohne Präzedenzfall in jüngster Zeit
Das Innenministerium schätzt, dass zwischen dem 30. und 31. Juli etwa 50.000 Menschen nach Ceuta eingereist sind. Stadtpräsident Vivas bezifferte die Zahl auf 60.000. Einen Tag zuvor versammelten sich vor dem Versammlungspalast von Ceuta Menschenmengen anlässlich des Besuchs von Sánchez und skandierten „Sánchez, tritt zurück“.
Der Ministerpräsident bezeichnete den Zustrom als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ und erklärte, Innenminister Fernando Grande-Marlaska werde vor Ort bleiben, um die Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Einsatz der Armee zu koordinieren.
Marokkanische Migranten gehen am 1. August 2026 entlang der Carretera N-352 nahe der Grenze in Ceuta, Spanien, zurück in Richtung Marokko.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Spanien und Marokko einigten sich am Donnerstag darauf, alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ zurückzuschicken. Die Regierung in Madrid lobte die Zusammenarbeit mit Rabat als ausgezeichnet.
Wiederholung möglich
Derzeit ist das Wasser vor El Tarajal leer und die Barriere hält stand. Einige männliche Migranten zeigten sich unbeeindruckt. „Wir werden es ein anderes Mal erneut versuchen“, sagte einer gegenüber Epoch Times.
Lola, eine Einwohnerin von Ceuta, erklärte der Epoch Times, sie habe damit gerechnet. „Leider werden wir wahrscheinlich erleben, dass sich eine solche Krise wiederholt.“
Viele illegal eingereiste Migranten befinden sich weiterhin in der spanischen Enklave Ceuta.
Einsatzkräfte haben bereits einige zur Rückkehr nach Marokko bewegt.
Epoch Times war vor Ort und sprach mit Einwohnern, Migranten und einem Politiker.
Es stellt sich heraus, dass viele Migranten aufgrund von Hoffnung gebenden Videos auf Social Media kamen.
Am Samstag, 1. August 2026, war der Strand von Ceuta, an dem wenige Tage zuvor Zehntausende illegal eingereiste Migranten an Land gegangen waren, weitgehend leer. Patrouillenboote lagen neben einer 500 Meter langen schwimmenden Absperrbarriere, die erst an diesem Morgen errichtet worden war.
Die Auswirkungen des Massenzustroms von Zehntausenden Menschen aus Marokko auf die Stadt mit ihren 84.000 Einwohnern waren jedoch noch sichtbar.
Während einige über die Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt waren, hatten sich andere ins Landesinnere begeben. Scharen von Migranten hielten sich weiterhin verstreut in der Stadt auf. Sie warteten in Hauseingängen, Seitenstraßen und Randbezirken, ohne klare Aussicht darauf, wie lange es dauern würde, sie alle zurückzuschicken.
Der Bürgermeister der Stadt, Juan Jesús Vivas, trat am Samstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, auf. Er begrüßte die Rückkehr vieler der illegal eingereisten Personen. Jedoch erklärte er: „In Ceuta ist noch keine Normalität eingekehrt“, da inmitten einer angespannten Stimmung noch mehrere Tausend Personen zurückgeschickt werden müssten.
Der lange Rückweg
Der Rückstrom nach Marokko war ebenso eindrucksvoll wie der Zustrom. Kolonnen junger Männer zogen zu Fuß in Richtung des Grenzübergangs, einige skandierten „Viva Marruecos! (Es lebe Marokko)“, während Beamte im Rahmen des Rückführungsabkommens Hunderte weiterer Abreisen meldeten – nach Tagen ohne Nahrung und Unterkunft.
An einer Stelle löste sich eine Gruppe aus der Menge und ging auf Reporter der Epoch Times zu. Dabei riefen sie „Free Palestine“ und aggressive Parolen gegen Israel, bevor sie sich wieder der Kolonne anschlossen.
Diejenigen, die anhielten, um zu sprechen, nannten übereinstimmende Gründe für ihre Rückkehr: Seit ihrer Ankunft hätten sie nichts zu essen oder zu trinken gehabt. Außerdem habe es wegen der großen Zahl an Menschen keine Perspektiven gegeben.
Mehrere sagten, sie hätten gar nicht vorgehabt, in Spanien zu bleiben, sondern hofften, weiter nach Frankreich oder Dänemark zu gelangen. Einige sagten auch, sie fühlten sich nicht willkommen und behaupteten, von einigen Einwohnern angegriffen worden zu sein.
Epoch Times wurde am Freitag Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Einwohner und Migranten sich gegenseitig mit Steinen bewarfen.
Junge illegale Einwanderer versammeln sich am 1. August 2026 in der Nähe von Straßenschildern, die in Richtung Príncipe Alfonso und El Tarajal in Ceuta, Spanien, weisen. Mehrere sagten gegenüber Epoch Times, sie planten, in der spanischen Enklave zu bleiben.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Gerichtsurteil im Internet neu interpretiert
Der 39-jährige Bilal schilderte der Epoch Times, er glaube, „Europa manipuliert uns“. Man hätte den Marokkanern den Eindruck vermittelt, sie würden „dringend als Arbeitskräfte gebraucht“ und könnten ein weitaus besseres Leben führen. Er kritisierte Videos, die auf Instagram und Facebook geteilt wurden und diese Botschaft verbreiteten.
Vertreter der Regierung Sánchez erklärten inzwischen, dass „mafiaähnliche“ Menschenhandelsnetzwerke diese Videos nutzten, um die falsche Darstellung und irreführende Informationen über das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli zu verbreiten. Die Videos stehen im Mittelpunkt der offiziellen Erklärung für den Anstieg der Zuwanderungszahlen.
In dem Urteil untersagte das Gericht die sofortige Zurückweisung oder „Hot Returns“ („heiße Rückführungen“) von Migranten, die beim Schwimmen in Richtung Ceuta oder Melilla abgefangen wurden. Solche Ankömmlinge würden das reguläre Verfahren durchlaufen. Das schließt laut dem Gericht auch den Zugang zu einem Anwalt, einem Dolmetscher und die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, ein.
Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass sofortige Rückführungen zulässig sind, wenn Migranten versuchen, eine physische „Grenzsicherung“ zu überwinden. Diese Regel soll nach Angaben der Behörden nun durch die neue schwimmende Barriere umgesetzt werden.
In den sozialen Medien wurde dieser enge rechtliche Punkt anders interpretiert. Es stand die Behauptung im Raum, Spanien habe seine Grenze geöffnet. Ebenso gebe es keine Abschiebung von Menschen, die auf dem Seeweg ankämen.
Videos von erfolgreichen Schwimmern verbreiteten sich weitläufig. Mehrere junge Migranten teilten der Epoch Times mit, die Instagram-Videos hätten sie davon überzeugt, zu kommen.
Anwohner teilten der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez für den Grenzübertritt der Migranten verantwortlich sei. Sie bezweifelten, dass die verbleibenden Rückführungen zügig erfolgen würden.
Mehrere von ihnen sagten, die Szenen erinnerten an die Ereignisse aus dem Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb von zwei Tagen rund 10.000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Zuvor hatten die marokkanischen Behörden die Kontrollen im Zuge eines Konflikts um die Westsahara offenbar gelockert. Der Zustrom der vergangenen Tage war um ein Vielfaches größer.
Soldaten und die örtliche Polizei durchkämmten am Samstag Stadtviertel, in denen sich kleine Lager von Migranten gebildet hatten. Sie wiesen diese zurück in Richtung Grenze und machten deutlich, dass eine Legalisierung solcher Einreisen aus Marokko nicht in Aussicht stehe.
Die Zivilgarde wurde zudem damit beauftragt, den Strand von El Tarajal zu überwachen, um neue Ankunftsversuche zu verhindern. Sie soll damit die Gefahr von Ertrinkungsunfällen verringern, wie ein in der Nähe stationierter Soldat berichtete.
Die am 1. August 2026 vor dem Strand von Tarajal an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko neu installierte 500 Meter lange schwimmende Barriere.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Sánchez’ Regierung unter Druck
Erst am Vorabend hatte die Epoch Times beobachtet, wie Migranten – zwar weit weniger als zu Spitzenzeiten – immer noch ungehindert nach Ceuta schwammen.
Die Krise der illegalen Migration hat die Kritik an der sozialistischen Regierung Spaniens sowohl seitens der rechten Opposition als auch seitens der europäischen Nachbarländer verschärft.
Juan Sergio Redondo, Vorsitzender und Sprecher der nationalkonservativen Partei Vox in Ceuta sprach mit der Epoch Times über die aktuelle Lage. Er sagte, dass „die Migrationskrise nicht gelöst wurde, weil sich die Regierung von Pedro Sánchez den Interessen Marokkos unterwirft und wir eine selbstzerstörerische Einwanderungspolitik betreiben“.
Redondo warnte, dass die Abschiebungen Zeit benötigen. „Es ist unmöglich, dass diese Menschen innerhalb weniger Tage das Land verlassen oder zurückgeschickt werden“, sagte er. Ebenso fügte er hinzu: „Viele kehren freiwillig zurück … aber andere haben nicht die Absicht, zurückzukehren.“
Der Vox-Vorsitzende prognostizierte, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die „unsere Grenze gestürmt haben“, noch „viele Monate“ lang durch die Stadt ziehen werde. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit und Angst unter den Einwohnern, die weiterhin das Gefühl hätten, dass das Problem nicht gelöst sei.
Marokkanische illegale Einwanderer sitzen am 1. August 2026 auf den Stufen in der Nähe des Rafael-Gibert-Tors in Ceuta, Spanien.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Nach Redondos Aussage seien Spaniens Sicherheitskräfte durch das Fehlen von Gesetzen „an Händen und Füßen gebunden“. Vox fordere seit vier Jahren verstärkte Zäune, verlängerte Wellenbrecher und maritime Absperrungen. Er beklagte:
„Hätte man eine ganze Menge tun können? Ja. Hat man es getan? Nein.“
Ministerpräsident Sánchez erklärte seinerseits auf einer Pressekonferenz am 31. Juli, seine Regierung werde „die Sicherheit der Einwohner von Ceuta garantieren, indem die Präsenz von Sicherheitskräften und Polizeibeamten in den Straßen der Stadt erhöht wird“. Außerdem werde man die Bearbeitung von Rückführungsverfahren für illegal eingereiste Personen beschleunigen.
Ein Durchbruch ohne Präzedenzfall in jüngster Zeit
Das Innenministerium schätzt, dass zwischen dem 30. und 31. Juli etwa 50.000 Menschen nach Ceuta eingereist sind. Stadtpräsident Vivas bezifferte die Zahl auf 60.000. Einen Tag zuvor versammelten sich vor dem Versammlungspalast von Ceuta Menschenmengen anlässlich des Besuchs von Sánchez und skandierten „Sánchez, tritt zurück“.
Der Ministerpräsident bezeichnete den Zustrom als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ und erklärte, Innenminister Fernando Grande-Marlaska werde vor Ort bleiben, um die Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Einsatz der Armee zu koordinieren.
Marokkanische Migranten gehen am 1. August 2026 entlang der Carretera N-352 nahe der Grenze in Ceuta, Spanien, zurück in Richtung Marokko.
Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times
Spanien und Marokko einigten sich am Donnerstag darauf, alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ zurückzuschicken. Die Regierung in Madrid lobte die Zusammenarbeit mit Rabat als ausgezeichnet.
Wiederholung möglich
Derzeit ist das Wasser vor El Tarajal leer und die Barriere hält stand. Einige männliche Migranten zeigten sich unbeeindruckt. „Wir werden es ein anderes Mal erneut versuchen“, sagte einer gegenüber Epoch Times.
Lola, eine Einwohnerin von Ceuta, erklärte der Epoch Times, sie habe damit gerechnet. „Leider werden wir wahrscheinlich erleben, dass sich eine solche Krise wiederholt.“
Polizei, Guardia Civil und Militär bleiben in Ceuta mit einem Großaufgebot im Einsatz. - Foto: Antonio Sempere/AP/dpa
Nach dem beispiellosen Ansturm von Migranten kehrt in Ceuta allmählich wieder Alltag ein. Geschäfte, Cafés und Restaurants, die in der spanischen Nordafrika-Exklave wegen der chaotischen Szenen aus Angst tagelang geschlossen waren, öffneten wieder.
Auf den Straßen waren viele Bewohner mit Einkaufstaschen unterwegs, an den Stränden spielten Familien mit Kindern, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Die politische Debatte über die Ursachen und Konsequenzen der Krise mit Dutzenden Todesopfern dürften Spanien und die EU dagegen noch lange beschäftigen.
Nach Angaben der spanischen Regierung sind die meisten der rund 50.000 bis 60.000 Menschen, die nach verschiedenen Schätzungen vor allem am Mittwoch und Donnerstag aus Marokko in die Exklave gelangt waren, inzwischen wieder zurückgekehrt. In Ceuta patrouillieren noch 3.000 wegen der Krise entsandte Sicherheitskräfte. Sie sollen dort nach Angaben des Innenministeriums „so lange wie nötig“ bleiben.
Laut RTVE hielten sich noch einige hundert Neuankömmlinge in Ceuta auf. Die Lage sei aber entspannt. Versuche, über das Meer in die Exklave zu gelangen, seien nicht zu beobachten, berichtete eine Reporterin des Senders.
Regionalpräsident Juan Jesús Vivas zeichnete ein anderes Bild. Er bestritt, dass die Normalität zurückgekehrt sei. Er bezifferte die Zahl der noch in Ceuta gebliebenen Migranten „auf Tausende“. Vivas gehört der konservativen Volkspartei PP von Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo an, der der linken Zentralregierung die alleinige Schuld an dem Ansturm gibt und von einer „Invasion“ spricht.
Einige Ankömmlinge halten sich in Ceuta noch versteckt
Einige Marokkaner hielten sich zwar noch versteckt, „aber nach und nach gehen sie alle zurück“, zitierte RTVE Bewohner an den Stränden der Exklave. Der Sender sprach auch mit einigen derjenigen, die nicht zurückwollen und sich in Seitenstraßen und Parks, zwischen Häusern oder auf den Hügeln verstecken.
Oder unter einer Straßentreppe, wie Humad und dessen Freund Hachim. „Ich suche hier ein besseres Leben. Ich habe in Marokko nur meine Mutter und meinen kleinen Bruder, der krank ist und Insulin braucht“, erzählt der 20-Jährige. Sein erst 17 Jahre alter Freund Hachim sei ein guter Fußballer und träume davon, beim FC Barcelona zu spielen.
Andere Träume platzten brutal, wie jene ihres Freundes Mohamed. Der 19-Jährige sei wenige Meter vor der Küste ertrunken, erzählt Humad. „Er konnte schwimmen. Aber an der Grenzanlage waren so viele Menschen. Ich habe versucht, ihm zu helfen, aber er war zu weit weg“. „Es sind viele Menschen gestorben. Ich habe ihm zugerufen: „Los, Mohamed, los!“ Aber dann sah ich ihn nur noch dort …“ Den Satz kann der junge Mann nicht mehr zu Ende bringen.
Bereits 72 Todesopfer geborgen
Die Einsatzkräfte bargen weitere Leichen. Inzwischen liegt die Zahl der Toten bei mindestens 72, wie die Behörden mitteilten. Einsatzkräfte suchen das Meer weiter ab. Die Zeitung „El País“ zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: „Es gibt mehr Tote im Meer.“ Die meisten Todesopfer ertranken bei dem Versuch, schwimmend von Marokko aus in die Exklave an der Straße von Gibraltar zu gelangen.
Schnell verwirklichte die Zentralregierung die Ankündigung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, mit einer rund 500 Meter langen aufblasbaren orangefarbenen Barriere ein weiteres Hindernis an der Grenze zu schaffen. Die schwimmende Sperre, die je nach Wellengang etwa 30 bis 70 Zentimeter aus dem Wasser ragt und bis zu einem Meter in die Tiefe reicht, soll verhindern, dass Migranten schwimmend nach Ceuta gelangen. Die Barriere ist im Grunde eine Verlängerung des Grenzdamms an Land im Meer.
Die Lücke im Gesetz
Die Barriere solle auch dazu beitragen, dass die Kontrolle und Überwachung des Gebiets verbessert werde, heißt es vom Innenministerium. Mit der neuen Sperre, die durch eine Bojenkette verstärkt wird, will Madrid aber nicht zuletzt eine Lücke schließen, die nach Einschätzung mancher Beobachter durch ein Urteil des Obersten Gerichts entstanden war.
Das Gericht hatte Anfang Juli entschieden, dass Migranten, die über einen unbefestigten Grenzabschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, Anspruch auf eine individuelle Prüfung ihres Asylbegehrens haben. Eine sofortige Zurückweisung ist demnach nur zulässig, wenn sie zuvor einen Zaun oder eine andere Grenzsperre überwunden haben.
EU-Innenminister beraten am Dienstag über die Krise
In der EU verschärft sich die Debatte über den Schutz der Außengrenzen. Er erwarte, dass die EU-Kommission dem Thema „absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden“, sagte Außenminister Johann Wadephul der „Bild am Sonntag“.
Am Dienstag wollen die EU-Innenminister per Videokonferenz über die Krise beraten. Das Treffen könnte auch der Aussprache dienen – waren in den vergangenen Tagen deutliche Risse zwischen den EU-Partnern sichtbar geworden. Italien und Dänemark initiierten einen offenen Brief, in dem Madrid indirekt vorgeworfen wird, mit jüngsten migrationspolitischen Entscheidungen unerwünschte Signale gesendet zu haben. 22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichneten ihn, auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Sánchez kritisierte die Reaktion einiger EU-Partner als von „Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen“ getrieben. Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, schrieb er an die EU-Spitze. Migranten könnten von dort nicht ohne Weiteres in andere EU-Staaten weiterreisen. (dpa/red)