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Streit um Migrationskrise in Ceuta: Sondersitzung der EU-Innenminister am Dienstag

Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat zu schwerem Streit in der EU geführt. Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit den „Entwicklungen in Ceuta“ befassen, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft im Onlinedienst X ankündigte.
Während mehrere EU-Mitgliedstaaten die spanische Regierung kritisierten, warf Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez einigen EU-Ländern eine „egoistische“ und „rechtswidrige“ Reaktion vor.

Spitzen gegen spanische Regierung

Die Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister wurde auf der einen Seite von Sánchez, auf der anderen Seite von den Staats- und -Regierungschefs von 22 der 27 EU-Mitglieder gefordert. In einem gemeinsamen Schreiben der 22 Staats- und -Regierungschefs hieß es, die jüngsten Geschehnisse in der an Marokko angrenzenden spanischen Exklave Ceuta erforderten eine „unverzügliche und koordinierte europäische Antwort“.
 
Es dürfe nicht zugelassen werden, „dass massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, es sei möglich, illegal in die Europäische Union einzureisen“.
Zudem dürfe nicht zugelassen werden, „dass eine illegale Einreise anschließend in einen legalen Aufenthalt übergehen kann“, hieß es in dem Schreiben, das auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterzeichnet war. Dies kann als Spitze gegen die spanische Regierung verstanden werden, die im Frühjahr damit begonnen hatte, hunderttausenden irregulär Eingereisten eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.
Initiiert wurde der Brief von der italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni und ihrer dänischen Kollegin Mette Frederiksen. Auch die Regierungen von Ungarn, Schweden und Polen zählten zu den Unterzeichnern, nicht jedoch die von Spaniens Nachbarländer Frankreich und Portugal.

Meloni fordert Aussetzen der Schengen-Regeln mit Spanien

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte den Vorstoß. Es müsse ein Prozess eingeleitet werden, „um unsere europäische Widerstandsfähigkeit zu stärken“, erklärte sie. Zugleich verwies die Kommissionspräsidentin ebenso wie die spanische Regierung darauf, dass „keine einzige Person das spanische Festland oder den übrigen Teil der EU erreicht hat“.
Meloni schrieb im Onlinedienst X, die von Italien vertretene Linie werde „von einer immer größeren Zahl“ europäischer Länder geteilt.
Am 30. Juli hatte Meloni ein Aussetzen der Schengen-Regeln mit Spanien ins Gespräch gebracht. Unterstützung erhielt sie von Finnland und Dänemark. Italien führte schließlich für zunächst einen Monat wieder Kontrollen im Flug- und Schiffsverkehr mit Spanien ein.

Sánchez warnt vor egoistischer Reaktion der EU

Madrid bezeichnete Drohungen anderer Länder mit einem Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum als „demagogisch“. Von der Nachrichtenagentur AFP befragte Juristen erklärten, eine solche Maßnahme sei nach geltendem EU-Recht nicht möglich. Für Ceuta gilt die Freizügigkeit des sonstigen Schengen-Raums nicht.
Spaniens Regierungschef Sánchez forderte seinerseits angesichts der europäischen Kritik am Umgang seines Landes mit der Krise in Ceuta eine Sondersitzung der EU-Innenminister.
In einem Brief an die Spitzen der europäischen Institutionen schrieb der Sozialist, „im gegenwärtigen internationalen Kontext“ könne sich die EU eine „egoistische, spaltende und rechtswidrige Reaktion“ nicht leisten. Die spanische Linksregierung fährt in der Migrationspolitik einen liberalen Kurs.

Wadephul: Grenzschutz absolute Priorität einräumen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rief die EU-Kommission dazu auf, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen. „Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben“, sagte Wadephul der „Bild am Sonntag“. „Die Situation hat gerade auch die Anfälligkeit Europas gezeigt.“
„Ich erwarte daher, dass die EU-Kommission dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden“, sagte der Außenminister. Die Krise zeige auch wie wichtig es sei, „gemeinsam schnell gegen Falschinformationen vorzugehen, die Menschenleben gefährden und die tragischerweise auch dutzende Menschenleben in und um Ceuta gefordert haben“.
Wadephul betonte in der „Bild am Sonntag“, dass eine effektive Migrationspolitik nicht ohne Drittstaaten funktioniere. „Um illegale Migration zu kontrollieren brauchen wir Partner außerhalb Europas, wie in diesem Fall Marokko. Spanien und Marokko haben es gemeinsam geschafft, diese Krise, die auch in Europa logischerweise größte Sorgen ausgelöst hat, schnell zu lösen. Das begrüße ich sehr.“
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil forderte Solidarität mit Spanien. Ceuta sei „Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung“ geworden, erklärte Klingbeil am Samstag in Berlin. Die Menschen seien instrumentalisiert worden „in dem Versuch, Europa zu spalten“. Deshalb stehe „die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle“.
Er forderte, genau zu klären, „was zu dieser Bewegung geführt hat und wer dafür verantwortlich war“. Zudem verwies der SPD-Chef darauf, dass viele Kritiker Spaniens bewusst ignorierten, „dass von Ceuta aus keine Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist“.

60.000 Menschen stürmten Ceuta – Sánchez macht „Schleusermafia“ verantwortlich

Auslöser des Streits war die Ankunft zehntausender Migranten in Ceuta. Im Verlauf der Woche waren bis zu 60.000 Menschen von Marokko auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Ort sagte.
Es gab chaotische Szenen, mindestens 67 Migranten kamen nach Angaben der spanischen Regierung auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums kehrte mittlerweile „fast die Gesamtheit“ der angekommenen Migranten nach Marokko zurück.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen, wie weitere zumeist junge Migranten am Samstagmorgen unter Beobachtung der Sicherheitskräfte die Grenze nach Marokko überquerten. Laut dem spanischen Innenministerium wurde im Meer vor Ceuta eine etwa 500 Meter lange schwimmende Barriere ausgelegt.
Was genau den Ansturm der Migranten auslöste, war weiterhin unklar. Die marokkanischen Behörden gaben keine offizielle Erklärung dazu ab. Sánchez machte von der „Schleusermafia“ verbreitete Gerüchte über eine angeblich geöffnete Grenze für die Geschehnisse verantwortlich. (afp/dpa/red)
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Streit in der EU um Ceuta – Schwimmende Barrieren installiert

Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat zu schwerem Streit in der EU geführt. Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit den „Entwicklungen in Ceuta“ befassen, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft im Onlinedienst X ankündigte.
Während mehrere EU-Mitgliedstaaten die spanische Regierung kritisierten, warf Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez einigen EU-Ländern eine „egoistische“ und „rechtswidrige“ Reaktion vor.

Spitzen gegen spanische Regierung

Die Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister wurde auf der einen Seite von Sánchez, auf der anderen Seite von den Staats- und -Regierungschefs von 22 der 27 EU-Mitglieder gefordert. In einem gemeinsamen Schreiben der 22 Staats- und -Regierungschefs hieß es, die jüngsten Geschehnisse in der an Marokko angrenzenden spanischen Exklave Ceuta erforderten eine „unverzügliche und koordinierte europäische Antwort“.
 
Es dürfe nicht zugelassen werden, „dass massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, es sei möglich, illegal in die Europäische Union einzureisen“.
Zudem dürfe nicht zugelassen werden, „dass eine illegale Einreise anschließend in einen legalen Aufenthalt übergehen kann“, hieß es in dem Schreiben, das auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterzeichnet war. Dies kann als Spitze gegen die spanische Regierung verstanden werden, die im Frühjahr damit begonnen hatte, hunderttausenden irregulär Eingereisten eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.
Initiiert wurde der Brief von der italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni und ihrer dänischen Kollegin Mette Frederiksen. Auch die Regierungen von Ungarn, Schweden und Polen zählten zu den Unterzeichnern, nicht jedoch die von Spaniens Nachbarländer Frankreich und Portugal.

Meloni fordert Aussetzen der Schengen-Regeln mit Spanien

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte den Vorstoß. Es müsse ein Prozess eingeleitet werden, „um unsere europäische Widerstandsfähigkeit zu stärken“, erklärte sie. Zugleich verwies die Kommissionspräsidentin ebenso wie die spanische Regierung darauf, dass „keine einzige Person das spanische Festland oder den übrigen Teil der EU erreicht hat“.
Meloni schrieb im Onlinedienst X, die von Italien vertretene Linie werde „von einer immer größeren Zahl“ europäischer Länder geteilt.
Am 30. Juli hatte Meloni ein Aussetzen der Schengen-Regeln mit Spanien ins Gespräch gebracht. Unterstützung erhielt sie von Finnland und Dänemark. Italien führte schließlich für zunächst einen Monat wieder Kontrollen im Flug- und Schiffsverkehr mit Spanien ein.

Sánchez warnt vor egoistischer Reaktion der EU

Madrid bezeichnete Drohungen anderer Länder mit einem Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum als „demagogisch“. Von der Nachrichtenagentur AFP befragte Juristen erklärten, eine solche Maßnahme sei nach geltendem EU-Recht nicht möglich. Für Ceuta gilt die Freizügigkeit des sonstigen Schengen-Raums nicht.
Spaniens Regierungschef Sánchez forderte seinerseits angesichts der europäischen Kritik am Umgang seines Landes mit der Krise in Ceuta eine Sondersitzung der EU-Innenminister.
In einem Brief an die Spitzen der europäischen Institutionen schrieb der Sozialist, „im gegenwärtigen internationalen Kontext“ könne sich die EU eine „egoistische, spaltende und rechtswidrige Reaktion“ nicht leisten. Die spanische Linksregierung fährt in der Migrationspolitik einen liberalen Kurs.

Wadephul: Grenzschutz absolute Priorität einräumen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rief die EU-Kommission dazu auf, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen. „Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben“, sagte Wadephul der „Bild am Sonntag“. „Die Situation hat gerade auch die Anfälligkeit Europas gezeigt.“
„Ich erwarte daher, dass die EU-Kommission dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden“, sagte der Außenminister. Die Krise zeige auch wie wichtig es sei, „gemeinsam schnell gegen Falschinformationen vorzugehen, die Menschenleben gefährden und die tragischerweise auch dutzende Menschenleben in und um Ceuta gefordert haben“.
Wadephul betonte in der „Bild am Sonntag“, dass eine effektive Migrationspolitik nicht ohne Drittstaaten funktioniere. „Um illegale Migration zu kontrollieren brauchen wir Partner außerhalb Europas, wie in diesem Fall Marokko. Spanien und Marokko haben es gemeinsam geschafft, diese Krise, die auch in Europa logischerweise größte Sorgen ausgelöst hat, schnell zu lösen. Das begrüße ich sehr.“
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil forderte Solidarität mit Spanien. Ceuta sei „Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung“ geworden, erklärte Klingbeil am Samstag in Berlin. Die Menschen seien instrumentalisiert worden „in dem Versuch, Europa zu spalten“. Deshalb stehe „die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle“.
Er forderte, genau zu klären, „was zu dieser Bewegung geführt hat und wer dafür verantwortlich war“. Zudem verwies der SPD-Chef darauf, dass viele Kritiker Spaniens bewusst ignorierten, „dass von Ceuta aus keine Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist“.

60.000 Menschen stürmten Ceuta – Sánchez macht „Schleusermafia“ verantwortlich

Auslöser des Streits war die Ankunft zehntausender Migranten in Ceuta. Im Verlauf der Woche waren bis zu 60.000 Menschen von Marokko auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Ort sagte.
Es gab chaotische Szenen, mindestens 67 Migranten kamen nach Angaben der spanischen Regierung auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums kehrte mittlerweile „fast die Gesamtheit“ der angekommenen Migranten nach Marokko zurück.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen, wie weitere zumeist junge Migranten am Samstagmorgen unter Beobachtung der Sicherheitskräfte die Grenze nach Marokko überquerten. Laut dem spanischen Innenministerium wurde im Meer vor Ceuta eine etwa 500 Meter lange schwimmende Barriere ausgelegt.
Was genau den Ansturm der Migranten auslöste, war weiterhin unklar. Die marokkanischen Behörden gaben keine offizielle Erklärung dazu ab. Sánchez machte von der „Schleusermafia“ verbreitete Gerüchte über eine angeblich geöffnete Grenze für die Geschehnisse verantwortlich. (afp/dpa/red)
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Streit in der EU um Ceuta – Schwimmende Barrieren installiert

Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat zu schwerem Streit in der EU geführt. Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit den „Entwicklungen in Ceuta“ befassen, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft im Onlinedienst X ankündigte.
Während mehrere EU-Mitgliedstaaten die spanische Regierung kritisierten, warf Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez einigen EU-Ländern eine „egoistische“ und „rechtswidrige“ Reaktion vor.

Spitzen gegen spanische Regierung

Die Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister wurde auf der einen Seite von Sánchez, auf der anderen Seite von den Staats- und -Regierungschefs von 22 der 27 EU-Mitglieder gefordert. In einem gemeinsamen Schreiben der 22 Staats- und -Regierungschefs hieß es, die jüngsten Geschehnisse in der an Marokko angrenzenden spanischen Exklave Ceuta erforderten eine „unverzügliche und koordinierte europäische Antwort“.
 
Es dürfe nicht zugelassen werden, „dass massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte, die Instrumentalisierung von Migration oder andere hybride Bedrohungen den Eindruck erwecken, es sei möglich, illegal in die Europäische Union einzureisen“.
Zudem dürfe nicht zugelassen werden, „dass eine illegale Einreise anschließend in einen legalen Aufenthalt übergehen kann“, hieß es in dem Schreiben, das auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterzeichnet war. Dies kann als Spitze gegen die spanische Regierung verstanden werden, die im Frühjahr damit begonnen hatte, hunderttausenden irregulär Eingereisten eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.
Initiiert wurde der Brief von der italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni und ihrer dänischen Kollegin Mette Frederiksen. Auch die Regierungen von Ungarn, Schweden und Polen zählten zu den Unterzeichnern, nicht jedoch die von Spaniens Nachbarländer Frankreich und Portugal.

Meloni fordert Aussetzen der Schengen-Regeln mit Spanien

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte den Vorstoß. Es müsse ein Prozess eingeleitet werden, „um unsere europäische Widerstandsfähigkeit zu stärken“, erklärte sie. Zugleich verwies die Kommissionspräsidentin ebenso wie die spanische Regierung darauf, dass „keine einzige Person das spanische Festland oder den übrigen Teil der EU erreicht hat“.
Meloni schrieb im Onlinedienst X, die von Italien vertretene Linie werde „von einer immer größeren Zahl“ europäischer Länder geteilt.
Am 30. Juli hatte Meloni ein Aussetzen der Schengen-Regeln mit Spanien ins Gespräch gebracht. Unterstützung erhielt sie von Finnland und Dänemark. Italien führte schließlich für zunächst einen Monat wieder Kontrollen im Flug- und Schiffsverkehr mit Spanien ein.

Sánchez warnt vor egoistischer Reaktion der EU

Madrid bezeichnete Drohungen anderer Länder mit einem Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum als „demagogisch“. Von der Nachrichtenagentur AFP befragte Juristen erklärten, eine solche Maßnahme sei nach geltendem EU-Recht nicht möglich. Für Ceuta gilt die Freizügigkeit des sonstigen Schengen-Raums nicht.
Spaniens Regierungschef Sánchez forderte seinerseits angesichts der europäischen Kritik am Umgang seines Landes mit der Krise in Ceuta eine Sondersitzung der EU-Innenminister.
In einem Brief an die Spitzen der europäischen Institutionen schrieb der Sozialist, „im gegenwärtigen internationalen Kontext“ könne sich die EU eine „egoistische, spaltende und rechtswidrige Reaktion“ nicht leisten. Die spanische Linksregierung fährt in der Migrationspolitik einen liberalen Kurs.

Wadephul: Grenzschutz absolute Priorität einräumen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) rief die EU-Kommission dazu auf, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen. „Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben“, sagte Wadephul der „Bild am Sonntag“. „Die Situation hat gerade auch die Anfälligkeit Europas gezeigt.“
„Ich erwarte daher, dass die EU-Kommission dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden“, sagte der Außenminister. Die Krise zeige auch wie wichtig es sei, „gemeinsam schnell gegen Falschinformationen vorzugehen, die Menschenleben gefährden und die tragischerweise auch dutzende Menschenleben in und um Ceuta gefordert haben“.
Wadephul betonte in der „Bild am Sonntag“, dass eine effektive Migrationspolitik nicht ohne Drittstaaten funktioniere. „Um illegale Migration zu kontrollieren brauchen wir Partner außerhalb Europas, wie in diesem Fall Marokko. Spanien und Marokko haben es gemeinsam geschafft, diese Krise, die auch in Europa logischerweise größte Sorgen ausgelöst hat, schnell zu lösen. Das begrüße ich sehr.“
Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil forderte Solidarität mit Spanien. Ceuta sei „Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung“ geworden, erklärte Klingbeil am Samstag in Berlin. Die Menschen seien instrumentalisiert worden „in dem Versuch, Europa zu spalten“. Deshalb stehe „die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle“.
Er forderte, genau zu klären, „was zu dieser Bewegung geführt hat und wer dafür verantwortlich war“. Zudem verwies der SPD-Chef darauf, dass viele Kritiker Spaniens bewusst ignorierten, „dass von Ceuta aus keine Einreise ohne Grenzkontrollen auf das europäische Festland möglich ist“.

60.000 Menschen stürmten Ceuta – Sánchez macht „Schleusermafia“ verantwortlich

Auslöser des Streits war die Ankunft zehntausender Migranten in Ceuta. Im Verlauf der Woche waren bis zu 60.000 Menschen von Marokko auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Ort sagte.
Es gab chaotische Szenen, mindestens 67 Migranten kamen nach Angaben der spanischen Regierung auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums kehrte mittlerweile „fast die Gesamtheit“ der angekommenen Migranten nach Marokko zurück.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen, wie weitere zumeist junge Migranten am Samstagmorgen unter Beobachtung der Sicherheitskräfte die Grenze nach Marokko überquerten. Laut dem spanischen Innenministerium wurde im Meer vor Ceuta eine etwa 500 Meter lange schwimmende Barriere ausgelegt.
Was genau den Ansturm der Migranten auslöste, war weiterhin unklar. Die marokkanischen Behörden gaben keine offizielle Erklärung dazu ab. Sánchez machte von der „Schleusermafia“ verbreitete Gerüchte über eine angeblich geöffnete Grenze für die Geschehnisse verantwortlich. (afp/dpa/red)
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Ceuta nach Massenansturm: Tausende kehren nach Marokko zurück – doch die Grenze bleibt offen


In Kürze

  • Über 50.000 Menschen sollen die Grenze nach Ceuta überquert haben, viele kehrten inzwischen nach Marokko zurück.
  • Trotz Rückführungen setzen einzelne Gruppen die Überquerung der Seegrenze fort.
  • Spanien verschärft die Maßnahmen, während EU-Staaten über Grenzkontrollen und Migration diskutieren.

 
Am Freitag führte der Weg zum Grenzübergang Tarajal für viele Migranten nicht mehr nach Europa, sondern zurück nach Marokko. Kilometerlange Kolonnen junger Männer bewegten sich durch die Sommerhitze der spanischen Exklave Ceuta in Richtung Grenze, vorbei an Soldaten und gepanzerten Fahrzeugen. Viele kehrten damit auf derselben Route zurück, auf der sie nur wenige Stunden zuvor schwimmend nach Ceuta gelangt waren.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums überquerten seit Donnerstagmorgen rund 50.000 Menschen die Grenze. Etwa 48.300 von ihnen sollen bis Freitagabend um 18 Uhr wieder nach Marokko zurückgekehrt sein.
Trotz der Rückkehr vieler Migranten blieb die Lage in Ceuta angespannt. Reporter der englischsprachigen Ausgabe Epoch Times beobachteten weiterhin größere Gruppen, überwiegend junge Männer, die sich auf einer Strecke von rund drei Kilometern entlang der Avenida Martínez Catena in Richtung Grenzübergang Tarajal bewegten.
Gleichzeitig versuchten weiterhin kleinere Gruppen, die Seegrenze nach Ceuta zu überwinden. Andere blieben im Grenzgebiet und schienen vorerst nicht bereit zu sein, das spanisches Staatsgebiet wieder zu verlassen.
Das Ausmaß der Krise gilt in Spanien als beispiellos. Migranten umschwammen die Grenzanlagen über das Meer, überquerten die Grenze zu Fuß und kletterten über die Zäune eines angrenzenden Industriegebiets. In der Stadt mit rund 80.000 Einwohnern entsprechen die Ankünfte – die Regionalregierung spricht von bis zu 60.000 Menschen – mehr als der Hälfte der gesamten Bevölkerung.
Ceuta und die Schwesterexklave Melilla sind die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union zu Afrika und seit Jahren Brennpunkte der Migration. Doch selbst die schwere Grenzkrise im Mai 2021 wurde durch den aktuellen Ansturm deutlich übertroffen. Damals hatten innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen die Grenze nach Ceuta passiert.

Ceuta macht dicht: Leere Straßen und geschlossene Geschäfte

Bis Freitag war es im Stadtzentrum von Ceuta auffallend ruhig geworden. In Straßen, die während der Hauptsaison normalerweise voller Leben sind, blieben die meisten Geschäfte hinter heruntergelassenen Metallrollläden verschlossen. Die wenigen geöffneten Läden ließen Kunden nur einzeln oder in kleinen Gruppen eintreten.
Gleichzeitig blieben Gruppen von Migranten im gesamten Stadtgebiet sichtbar – auf Plätzen, an Kreisverkehren und entlang der Strandpromenade.

Marokkanische Migranten gehen am 31. Juli 2026 um 21:34 Uhr Ortszeit entlang der Avenida Martínez Catena in Ceuta in Richtung Grenzgebiet.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Marokkanische Migranten schwimmen am 31. Juli 2026 um 20:42 Uhr Ortszeit nahe der Avenida Martínez Catena über die Seegrenze nach Ceuta.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Die Ruhe folgte einer chaotischen Nacht: Aus den Stadtteilen El Príncipe und Loma Colmenar wurden Wohnungseinbrüche gemeldet, zudem registrierte die Polizei rund 40 Einsätze wegen Schlägereien.

Marokkanische Migranten ruhen sich nach ihrer Ankunft aus Marokko an einer Hauswand auf einem Gehweg in Ceuta am 31. Juli 2026 aus.

Foto: Etienne Fauhaire / The Epoch Times

Am Freitagmorgen sicherten Polizeibeamte eine Schlange von mehreren Hundert Menschen vor einem Supermarkt, während sich Einwohner mit Wasser und Lebensmitteln eindeckten. Einige Bewohner erklärten gegenüber der Epoch Times, sie seien Opfer von Straftaten geworden, die mutmaßlich von Migranten begangen worden seien.
In einem Wohnviertel nahe der Avenida Martínez Catena errichteten Anwohner provisorische Barrieren aus großen Müllcontainern und Absperrgittern, um den Zugang zu ihren Straßen zu begrenzen.

Müllcontainer stehen am 31. Juli 2026 als provisorische Barrieren auf einer Wohnstraße in Ceuta, um den Zugang zu einem Wohnviertel einzuschränken.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Der Traum vom Leben in Europa

Unter den Migranten, die weiterhin in Ceuta verblieben waren, erklärten mehrere gegenüber der Epoch Times, sie seien auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Perspektiven nach Europa gekommen.
Der 21-jährige Mohammed sagte, er habe die Seegrenze in weniger als 30 Minuten schwimmend überwunden. Sein Ziel sei es, durch Spanien weiter nach Frankreich zu gelangen – „um MMA-Kämpfer zu werden“ (MMA: Abkürzung für „Gemischte Kampfkünste“).
Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste am Freitagmorgen gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska nach Ceuta, um sich am Grenzübergang Tarajal ein Bild von der Lage zu machen. Dort wurde er von einer Menschenmenge empfangen, die seinen Rücktritt forderte.
In einer kurzen Erklärung bezeichnete Sánchez den Massenzustrom als „Angriff auf die territoriale Integrität Spaniens“. Er machte Schleusernetzwerke für die Situation verantwortlich und versprach die volle Unterstützung des Staates. Einen nationalen Notstand wollte er jedoch nicht ausrufen.

Erinnerungen an die Krise von 2021

Einwohner, die mit der Epoch Times sprachen, äußerten vor allem Frustration und weniger Überraschung über die erneute Eskalation. Mehrere machten Ministerpräsident Sánchez persönlich für die Krise verantwortlich.
Fast alle verwiesen auf denselben Vergleich: Mai 2021, als Ceuta die bislang schwerste Grenzkrise Spaniens erlebte. Dass sich ein solcher Massenzustrom nun erneut in dieser Größenordnung wiederholen konnte, werteten viele Bewohner als Zeichen dafür, dass das grundlegende Problem nie gelöst worden sei.

Ein afrikanischer Migrant überwindet am 31. Juli 2026 eine Straßenbarriere, während er in Richtung der Stadt Ceuta läuft.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Im Mai 2021 überquerten innerhalb von kaum zwei Tagen mehr als 10.000 Menschen die Grenze nach Ceuta, nachdem Marokko seine Grenzkontrollen gelockert hatte. Auslöser war der Streit zwischen Rabat und Madrid über Spaniens Entscheidung, einen führenden Vertreter der Westsahara-Unabhängigkeitsbewegung medizinisch behandeln zu lassen.
Die meisten Grenzüberquerer waren marokkanische Staatsbürger. Laut einer Resolution des Europäischen Parlaments befanden sich darunter mindestens 1.200 unbegleitete Minderjährige. Spanien setzte damals wie heute das Militär zur Sicherung der Grenze ein. Ministerpräsident Sánchez bezeichnete den Zustrom damals als „eine schwere Krise für Spanien und Europa“.
Madrid erreichte anschließend eine Beruhigung der Lage – allerdings um einen politischen Preis. Im März 2022 gab Sánchez die jahrzehntelange Neutralität Spaniens im Westsahara-Konflikt auf und stellte sich hinter Marokkos Autonomieplan für das umstrittene Gebiet. Dies begründete er mit einer verbesserten Zusammenarbeit bei der Migrationskontrolle.
Vier Jahre später kehrten die Menschenmassen nach Ceuta zurück.

Der lange Rückweg

Am Freitagnachmittag prägte vor allem die Rückkehrbewegung das Bild in Ceuta. Angehörige des spanischen Militärs, die nahe der Grenze stationiert waren, berichteten gegenüber der Epoch Times, sie hätten bereits „große Zahlen von Migranten bei der Rückkehr nach Marokko“ beobachtet.
Nach Einschätzung der Soldaten hätten viele derjenigen, die die Grenze überquert hatten, erkannt, dass sie auf der anderen Seite keine unmittelbaren Möglichkeiten erwarteten.
Die Migranten selbst nannten jedoch andere Gründe für ihre Rückkehr. Mehrere Personen, die in Richtung Grenzübergang gingen, erklärten gegenüber der Epoch Times, sie hätten seit ihrer Ankunft in der Stadt weder Nahrung noch Wasser erhalten und würden deshalb nach Marokko zurückkehren.

Spanische Armeefahrzeuge stehen am 31. Juli 2026 im Rahmen der Reaktion auf den Migrantenansturm in Ceuta entlang der Küstenstraße nahe der Grenze.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Eine weitere Gruppe von Migranten erklärte, sie kehre zurück, und warf Spaniern „Rassismus“ vor.
Die politischen Auswirkungen der Krise dürften jedoch deutlich länger anhalten. Italien kündigte an, die Schengen-Regelungen zum freien Personenverkehr gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen und für einen Monat wieder Kontrollen bei Ankünften aus Spanien einzuführen. Finnland und Dänemark unterstützten diesen Schritt, während Frankreich ankündigte, die Kontrollen an der spanischen Grenze zu verfünffachen.
Bis in den Freitagabend hinein zog sich die Kolonne auf der Avenida Martínez Catena weiter in Richtung Grenzübergang. Gleichzeitig setzte im Wasser neben der Grenze ein kleiner werdender Strom von Schwimmern seine Überquerung nach Ceuta fort.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Spain: Migrants Stream Back to Morocco, but Crossings Into Ceuta Haven’t Stopped“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Ceuta-Krise erschüttert Europa: Jetzt berät die EU über das weitere Vorgehen

In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der große Andrang von Migranten zwar nachgelassen – doch die Folgen der Krise sind in Europa längst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.
„Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten“, versicherte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach Angaben des spanischen Außenministers José Manuel Albares sind nahezu alle der mindestens 50.000 irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 57 Menschen waren beim Überqueren der Grenze nach Ceuta übers Meer ums Leben gekommen.
Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hätten die Menschen enttäuscht und freiwillig die Rückreise angetreten, berichtete die Zeitung „El País“. Trotzdem versuchten am Freitag weitere Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen, wie Medien berichteten.
An der Grenze zwischen Marokko und Melilla kam es laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. In Ceuta, wo die Menschen in den vergangenen Tagen überwiegend schwimmend ankamen, verhinderten spanische Soldaten den Zugang vom Meer zum Strand.
Mittlerweile hat der Großteil der Migranten Ceuta bereits wieder verlassen.

Mittlerweile hat der Großteil der Migranten Ceuta bereits wieder verlassen.

Foto: STR/AP/dpa

Spanien: Solidarität ist freiwillig, europäische Verträge nicht

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu spalten. „Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig“, schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht.
Italien hat nach Angaben der Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Was ist der Schengen-Raum?

Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören insgesamt 29 Länder, darunter EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Ceuta und Melilla gehören nicht zum Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln nicht vorgesehen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien, ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker.
Mindestens 34 Menschen ertranken beim Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen.

Mindestens 34 Menschen ertranken beim Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen.

Foto: Antonio Sempere/AP/dpa

Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen übernachtet. (dpa/red)
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Lage in Ceuta entspannt sich wieder – EU berät über das weitere Vorgehen

Nach dem Migrantenansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta hat sich die Lage offenbar wieder entspannt. Wie der spanische Außenminister José Manuel Albares mitteilte, sollen mittlerweile über 48.000 Menschen freiwillig wieder nach Marokko zurückgekehrt sein. Die Integrität des Schengenraums sei „absolut gewährleistet“, so Albares. Es sei nicht möglich, von Ceuta und Melilla auf das europäische Festland zu reisen, ohne sich bei einer Polizeikontrolle auszuweisen. Er kritisierte die „interessengeleitete Verwirrung“ im Zusammenhang mit der Ceuta-Krise.
Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.
„Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten“, versicherte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Nach Angaben des spanischen Außenministers José Manuel Albares sind nahezu alle der mindestens 50.000 irregulär eingereisten Menschen von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 57 Menschen waren beim Überqueren der Grenze nach Ceuta übers Meer ums Leben gekommen.
Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hätten die Menschen enttäuscht und freiwillig die Rückreise angetreten, berichtete die Zeitung „El País“. Trotzdem versuchten am Freitag weitere Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen, wie Medien berichteten.
An der Grenze zwischen Marokko und Melilla kam es laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. In Ceuta, wo die Menschen in den vergangenen Tagen überwiegend schwimmend ankamen, verhinderten spanische Soldaten den Zugang vom Meer zum Strand.
Mittlerweile hat der Großteil der Migranten Ceuta bereits wieder verlassen.

Mittlerweile hat der Großteil der Migranten Ceuta bereits wieder verlassen.

Foto: STR/AP/dpa

Spanien: Solidarität ist freiwillig, europäische Verträge nicht

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu spalten. „Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig“, schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht.
Italien hat nach Angaben der Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Was ist der Schengen-Raum?

Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören insgesamt 29 Länder, darunter EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Ceuta und Melilla gehören nicht zum Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln nicht vorgesehen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien, ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker.
Mindestens 34 Menschen ertranken beim Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen.

Mindestens 34 Menschen ertranken beim Versuch, die Exklave schwimmend zu erreichen.

Foto: Antonio Sempere/AP/dpa

Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen übernachtet. (dpa/red)
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Sánchez nennt Ceuta-Ansturm „Angriff“ – nutzt Marokko Migration als Druckmittel?

Der Andrang Zehntausender Menschen auf die Nordafrika-Exklave Ceuta hat Spanien in eine Krise gestürzt – und auch Europa in Alarmbereitschaft versetzt. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach bei einem Besuch in Ceuta von einem „Angriff“ und „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“. Die Regierung in Madrid setzt in der Exklave erstmals seit 2021 wieder Militär zur Unterstützung der Grenzsicherung ein. Derweil werden immer mehr Leichen geborgen: Am Abend waren es bereits 57. Laut Behörden ertranken die meisten beim Versuch, schwimmend von Marokko aus nach Ceuta zu kommen.
Fast 50.000 Migranten seien in den vergangenen Tagen irregulär in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt, berichtete der staatliche Rundfunksender Radio Nacional unter Berufung auf die Regierung. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach sogar von 60.000.
Zugleich kehrten nach Regierungsangaben aus Madrid aber Zehntausende Migranten freiwillig über den Grenzdamm nach Marokko zurück. Am Freitagabend erklärte der spanische Außenminister José Manuel Albares auf X die Krise für praktisch überwunden. Nahezu alle nach Ceuta Eingereisten seien inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt, schrieb Albares.

Tausende übernachteten auf den Straßen

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen übernachtet. Das Aufnahmelager CETI sei mit mehr als 1.000 Bewohnern bei einer Kapazität von 512 Plätzen bereits seit Mittwoch überfüllt gewesen, hieß es bei RTVE.
Der Aufforderung von Vivas, den Notstand auszurufen, war die Regierung nicht nachgekommen. Sánchez reiste aber nach der Anordnung des Militäreinsatzes am Freitag in die Exklave und kündigte dort weitere Maßnahmen an. So sollen am Grenzdamm zwischen den Küsten Marokkos und dem Ceuta-Strand Tarajal Schwimmbojen installiert werden, um eine „physische Barriere“ zu schaffen.
Zudem sollen Verfahren beschleunigt werden, um die Rückführung irregulär eingereister Migranten zu erleichtern. „Die Ausreise vieler Migranten findet bereits statt“, sagte Sánchez. Er hob die gute Zusammenarbeit mit Marokko hervor.
Mittlerweile hat der Großteil der Migranten Ceuta bereits wieder verlassen.

Mittlerweile hat der Großteil der Migranten Ceuta bereits wieder verlassen.

Foto: STR/AP/dpa

Konservative Medien und Politiker beklagen eine „Invasion“

Die Ereignisse haben in Europa kurz nach der lang erstrittenen Asylreform heftige politische Debatten ausgelöst. Konservative spanische Zeitungen wie „ABC“ und „La Razón“ sprachen von einer „Invasion“. Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo kritisierte Sánchez: Die Regierung dürfe „nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit“.
Am Donnerstagabend hatten zahlreiche Einwohner Ceutas gegen den Andrang demonstriert und der Zentralregierung vorgeworfen, die Kontrolle verloren zu haben. Aus Sorge vor Plünderungen blieben zahlreiche Geschäfte geschlossen. RTVE zitierte Bewohner: „Wir hoffen, dass sie sie bald wegbringen“, oder: „Viele Menschen trauen sich aus Angst nicht mehr aus ihren Häusern.“

EU-Kommission: Keine Weiterbewegung aus Ceuta nach Europa

Nach Angaben der EU-Kommission gibt es bislang keine Weiterbewegungen in Richtung des europäischen Kontinents, wie eine hochrangige Mitarbeiterin Journalisten sagte. In der Vergangenheit bat Ceutas Regionalregierung die Regierung in Madrid, unbegleitete Jugendliche angesichts überlasteter Aufnahmekapazitäten aufs europäische Festland zu holen. Zunächst war nicht absehbar, dass spanische Behörden Menschen auf den Kontinent bringen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, die Bilder aus Ceuta seien unzumutbar. Sie fordert ein hartes Vorgehen gegen Schmugglernetzwerke und schnelle Rückführungen. In Brüssel werde an Unterstützung für Spanien gearbeitet, auch durch die EU-Grenzschutzbehörde Frontex. Frankreich verschärft wegen des Andrangs von Migranten seine Kontrollen an der Grenze zu Spanien. Italien hat nach Angaben der Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt.
Madrid setzt in Ceuta erstmals seit dem Massenandrang von Mai 2021 wieder das Militär zur Grenzsicherung ein.

Madrid setzt in Ceuta erstmals seit dem Massenandrang von Mai 2021 wieder das Militär zur Grenzsicherung ein.

Foto: Marcos Moreno/EUROPA PRESS/dpa

Warum der beispiellose Andrang und warum jetzt?

Es gibt mehrere Erklärungsversuche für die Lage. Verwiesen wird auf Armut und fehlende Perspektiven für junge Marokkaner. Als ein möglicher Auslöser wird ein Beschluss des Obersten Gerichts in Madrid genannt, wonach die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig. Deshalb auch die Entscheidung Madrids, im Meer nun Bojen zu installieren.

Setzt Marokko Migranten als Druckmittel ein?

Die Zeitung „El País“ und andere Beobachter betonen jedoch, dies erkläre die Krise nicht vollständig. Vielmehr duldeten die marokkanischen Behörden die Ausreisen nach Ceuta allem Anschein nach plötzlich. Dadurch entstehe erneut der Verdacht, Rabat könne Migration – wie bereits während der Ceuta-Krise 2021 – als politisches Druckmittel gegenüber Spanien einsetzen. Um dem Anspruch auf Ceuta und der anderen von Marokko umschlossenen Exklave Melilla Nachdruck zu verleihen oder aber aus Ärger wegen einer Algerien-Reise von Sánchez vergangene Woche. Das Land liegt wegen des Westsahara-Konflikts mit Marokko im Clinch.
Aus Rabat gab es zunächst keine offizielle Reaktion. Die Botschafterin in Madrid, Karima Benyaich, betonte aber, ihr Land wolle die Rückkehr seiner Staatsangehörigen und setze auf eine „legale, geordnete und sichere Migration“. Die Bilder aus Ceuta wecken Erinnerungen an Mai 2021, als innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen in die Exklave gestürmt waren. (dpa/red)
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Italien setzt Schengen-Abkommen mit Spanien aus

Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt.
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete den Schritt auf der Plattform X als „außergewöhnliche Maßnahme“, die ergriffen worden sei, „um die nationale Sicherheit zu gewährleisten und mögliche Auswirkungen für unser Land zu verhindern“. Nach den Worten von Meloni werden dadurch Grenzkontrollen wieder eingeführt.
Zuvor hatten die Nachrichtenagenturen Ansa und Adnkronos eine vom Innenministerium in Rom angeordnete Schließung der See- und Luftgrenzen zu Spanien gemeldet und damit für Aufregung gesorgt.
Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die nun von Meloni verkündete Maßnahme betrifft den See- und Luftverkehr, es sollen also bei Reisenden mit dem Flugzeug oder Schiff wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Medien: Aussetzung vorerst für einen Monat

Meloni betonte, die Maßnahme werde nur so lange aufrechterhalten, wie es notwendig sei. Konkreter wurde die Regierungschefin nicht. Wie Medien berichteten, könnte die Aussetzung zunächst auf einen Monat beschränkt sein.
Angesichts der Ankunft zahlreicher Migranten binnen weniger Tage in der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta hatte Meloni einen solchen Schritt bereits am Donnerstagabend angekündigt. In Spanien sorgten die Verlautbarungen von Meloni und anderen Regierungsmitgliedern zu diesem Thema für Kritik.
Auch Außenminister Antonio Tajani befürwortete im Vorfeld die Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien. Den Vollzug bezeichnete er nun bei X als notwendige und unausweichliche Entscheidung, „um die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten und die europäischen Grenzen zu schützen“.

Kritiker werfen Meloni innenpolitisch motivierte Symbolpolitik vor

Kritiker der rechten Regierung in Rom werten den Schritt als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik. Melonis Regierungskoalition war 2022 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die irreguläre Migration zu verringern.
In ihrem X-Post betonte die Politikerin, es gehe ihr darum, die „Sicherheit der Bürger zu schützen, irreguläre Migration zu bekämpfen“.
Derzeit gibt es allerdings keine Hinweise, dass die Migranten in Ceuta überhaupt die Absicht hätten, nach Italien weiterzureisen. Die Migranten befinden sich in der nordafrikanischen Exklave zudem weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland.
Sollten sie versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, würden sie zunächst an einer EU-Außengrenze ankommen – in Binnengrenzkontrollen können sie also zunächst gar nicht geraten.

Druck von rechter Vannacci-Partei

Derzeit steht die Meloni-Regierung zudem unter erheblichem Druck durch die neu gegründete rechte Partei „Futuro Nazionale“ des Ex-Armeegenerals Roberto Vannacci.
Seine äußerst migrationskritische Rhetorik findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der Regierungsparteien Anklang. (dpa/red)
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31. Juli: Migrationskrise in Spanien | Vorbereitung auf Strommangel | Entwaffnung der Hamas

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Migrationskrise in Spanien

Innerhalb weniger Tage sind rund 60.000 Migranten aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangt. Madrid entsandte Soldaten zur Grenzsicherung. Ceutas Präsident sprach von einem „humanitären und sozialen Notstand“ und forderte schnelle Unterstützung. Merz, von der Leyen und mehrere EU-Staaten fordern konsequente Maßnahmen gegen illegale Migration und schnellere Rückführungen.

Vorbereitung auf Strommangel

Um auf Strommangel reagieren zu können, hat die Bundesnetzagentur die „Sicherheitsplattform Strom“ eingerichtet. Mit diesem Kontrollkonzept sollen vor allem energieintensive Unternehmen im Ernstfall ihren Stromverbrauch – und damit ihre Produktion – drosseln. Um Verunsicherungen zu vermeiden, hat die Energiebehörde diesen Plan bisher nicht öffentlich kommuniziert.

Entwaffnung der Hamas

US-Präsident Donald Trump kündigte eine „historische Vereinbarung“ zur Entwaffnung der Hamas an. Der Plan sieht eine Waffenruhe, den schrittweisen Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen und die Einrichtung einer internationalen Sicherheitsstruktur vor. Hamas-Vertreter bestätigten die Einigung. Israel äußerte sich zunächst nicht dazu.

Weitere KI-Hackangriffe

Nach dem Hackerangriff von einem OpenAI-KI-Modell meldet nun auch Anthropic einen ähnlichen Vorfall. Demnach habe das Modell „Claude“ bei Sicherheitstests unbefugten Zugriff auf Systeme von drei Unternehmen erlangt. Obwohl kein Internetzugang vorgesehen war, war die Verbindung wegen eines Missverständnisses mit dem Testpartner frei. Die KI-Modelle nutzten diese Möglichkeit.

Verbraucherschützer rügt Krankenkassen

Die Verbraucherzentrale hat die risikoreichen Finanzgeschäfte der gesetzlichen Krankenkassen scharf verurteilt. Laut Berichten sollen mindestens 17 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen durch Investitionen in Immobilienfonds Millionenverluste erlitten haben. Verbraucherschützer fordern nun eine lückenlose Aufklärung sowie Konsequenzen.
 
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Krise in Ceuta – Kann Spanien aus dem Schengenraum fliegen?

Zehntausende Menschen drängen irregulär in die spanische Exklave Ceuta auf dem afrikanischen Kontinent und stürzen das Land in eine Krise. Aus anderen EU-Ländern hagelt es Kritik an Spanien. Angebote der Unterstützung kommen stattdessen ausgerechnet aus dem Vereinigten Königreich.
Dabei sollte die vor wenigen Wochen in Kraft getretene EU-Asylreform (Geas) eigentlich für mehr Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den Mitgliedsländern sorgen – stattdessen fordern manche Regierungen sogar Konsequenzen für Spanien als Teil des kontrollfreien Schengen-Raums. Geht das? Und welche Möglichkeiten hat Spanien nach den neuen Asylregeln? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist der Schengen-Raum?

Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsätzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Derzeit gehören 25 der 27 EU-Länder dazu, sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla – in die ebenfalls Migranten eindrangen – gehören nicht zum Schengen-Raum.

Kann Spanien aus dem Schengen-Raum ausgeschlossen werden?

Die Bilder der Menschenmassen in Ceuta haben sich gerade verbreitet, da werden in anderen EU-Ländern Forderungen nach harten Konsequenzen laut. So bringt Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit einem Post auf der Plattform X den Ausschluss des Landes aus dem kontrollfreien Raum ins Spiel.
Dafür bekommt sie Zuspruch der finnischen Innenministerin Mari Rantanen: Sie schrieb auf X, Länder, die nicht in der Lage seien, die Grenzen zu schützen, könnten nicht Mitglieder des Schengen-Raums sein. Auch AfD-Chefin Alice Weidel wirft dieses Szenario auf.
Doch der dauerhafte Ausschluss eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln schlicht nicht vorgesehen. Der ehemalige EU-Außenbeauftragte und Spanier Josep Borrell schreibt dazu auf X: „Nach EU-Recht darf kein Mitgliedstaat die Teilnahme eines anderen Mitgliedstaats am Schengen-Raum einseitig aussetzen.“

Was ist mit Grenzkontrollen?

Statt einem Ausschluss Spaniens verweisen mehrere EU-Länder auf die Möglichkeit, das kontrollfreie Reisen im Schengen-Raum weiter einzuschränken und mehr Binnengrenzkontrollen einzuführen – wie Deutschland sie bereits praktiziert.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigt mit Verweis auf Ceuta sogar an, die umstrittenen Kontrollen der Bundesrepublik an den Grenzen zu verlängern. Auch Frankreich hat bereits angekündigt, seine seit Jahren bestehenden Kontrollen an der Grenze zu Spanien zu verstärken.
Was in den Reaktionen in den Hintergrund tritt: Die Migranten befinden sich weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland. Sollten sie versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, würden sie zunächst an einer EU-Außengrenze ankommen – in Binnengrenzkontrollen können sie also zunächst gar nicht geraten.
Laut EU-Kommission gibt es aber bisher ohnehin keine Anzeichen dafür, dass die Flüchtlinge diesen Versuch unternehmen. „Wir haben bislang keinerlei Weiterbewegungen von Ceuta aus auf das spanische Festland oder in andere Mitgliedstaaten gesehen“, sagte eine hochrangige EU-Beamtin.
Die spanischen Behörden kontrollierten die Außengrenzen, um sicherzustellen, dass es keine solchen Weiterbewegungen gebe. Darüber hinaus deutet derzeit nichts darauf hin, dass die spanischen Behörden die Menschen aufs Festland bringen wollen.

Was muss Spanien nach EU-Regeln machen?

Spanien soll nach den EU-Asylregeln zunächst dafür sorgen, dass Asylbewerber nicht weiterziehen und die Schutzersuchen vor Ort prüfen. Da die EU Marokko als sicheres Herkunftsland betrachtet, gibt es dafür insbesondere die Möglichkeiten der beschleunigten Grenzverfahren. Diese sind auf zwölf Wochen beschränkt und sollen schnellere Abschiebungen ermöglichen.
Die europäische Asylreform (Geas) sieht im Falle von Massenmigration zudem einen Krisenmechanismus vor. Der soll explizit auch greifen, wenn ein Drittstaat Migranten zu politischen Zwecken instrumentalisiert.
Die spanische Regierung könnte um Hilfe bitten. Dann sollten sich die 27 EU-Länder der Idee zufolge solidarisch zeigen, Asylsuchende fair untereinander verteilen und die europäische Grenzregion mit Ressourcen unterstützen, um Asylanträge schneller zu bearbeiten.

Was bedeutet die Krise für die EU-Asylreform?

Doch statt Angeboten der Unterstützung hagelt aus anderen Mitgliedsländern bisher vor allem Kritik. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker. Ähnlich äußerten sich die Regierungsspitzen anderer Mitgliedsländer.
Das neue EU-Asylsystem steht damit nur sieben Wochen nach seinem Start unter Druck. Eigentlich sollte es einen jahrelangen Streit zwischen den Mitgliedsländern beenden. Staaten mit besonders vielen Ankünften von Flüchtlingen – also Spanien, Zypern, Italien und Griechenland – sollten ihre Außengrenzen besser schützen und Asylanträge möglichst an den Grenzen abwickeln.
Da sie damit verhindern, dass Flüchtlinge etwa nach Deutschland, Österreich oder Frankreich weiterziehen, haben sie Anspruch auf Unterstützung der anderen EU-Länder. Doch der Fall Spanien zeigt, dass diese gegenseitige Solidarität auf wackligen Beinen stehen könnte.

Wieso steht Spaniens Migrationspolitik ohnehin in der Kritik?

Schon vor der Krise in Ceuta war die spanische Migrationspolitik manchen Regierungen in der EU ein Dorn im Auge. Vor einigen Monaten leitete Spanien als Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel die Legalisierung von rund 500.000 irregulären Migranten ein. Profitieren sollen davon Asylbewerber, die ihren Antrag vor Ende 2025 gestellt haben – keine Neuankömmlinge.
Die deutsche Bundesregierung hatte dazu mitgeteilt, dass sie das Modell nicht als Vorbild sehe. Angesichts der Bemühungen auf EU-Ebene, unerwünschte irreguläre Migration einzudämmen, sorgte die Maßnahme auch in Brüssel für Stirnrunzeln. (dpa/red)
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Ceuta-Krise erschüttert EU: Merz fordert härteren Grenzschutz nach 60.000 Ankünften


In Kürze

  • Zehntausende Migranten gelangten aus Marokko nach Ceuta – größte Ankunftswelle seit 2021.
  • Spanien entsandte Soldaten und kündigte weitere Maßnahmen zur Grenzsicherung an.
  • EU-Vertreter und mehrere Staaten fordern strengeren Außengrenzschutz und Rückführungen.

 
Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta hat sich zu einer der größten Herausforderungen für Spanien und die Europäische Union entwickelt. Nach Angaben spanischer Behörden erreichten in den vergangenen Tagen rund 60.000 Migranten aus Marokko die nordafrikanische Exklave – die größte Zahl seit der Krise im Jahr 2021.
Die Zahl entspricht nach Angaben des Präsidenten von Ceuta, Juan Jesús Vivas, etwa 70 Prozent der Einwohnerzahl der Exklave. „Diese Zahl zeigt, dass es unmöglich ist, einen solchen Druck aufzufangen“, erklärte Vivas. Er sprach von einem „humanitären und sozialen Notstand“ und forderte Unterstützung durch die spanische Zentralregierung.

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Spanien setzt Militär zur Grenzsicherung ein

Angesichts des massiven Zustroms entsandte Spanien Soldaten zur Unterstützung der Grenzsicherung. Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete den Andrang bei einem Besuch in Ceuta als „Angriff“ und als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“.
„Ganz Spanien steht an eurer Seite. Wir übernehmen die Verantwortung für diese Situation“, sagte Sánchez den Bewohnern der Exklave.
Die spanische Regierung kündigte weitere Maßnahmen an. Dazu gehören zusätzliche Sicherungen an der Grenze, unter anderem Schwimmbarrieren zwischen Marokko und Ceuta, sowie beschleunigte Verfahren zur Rückführung irregulär eingereister Migranten.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums kehrten bereits rund 25.000 Menschen nach Marokko zurück. Gleichzeitig betonte Madrid die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden.

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Merz fordert Schutz der EU-Außengrenzen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) forderte die spanische Regierung zu entschlossenem Handeln auf. Spanien müsse „die Situation in Ceuta schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen“, erklärte Merz.
Er begrüßte die spanische Absicht, „die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen“. Zugleich forderte er Marokko auf, irregulär eingereiste Migranten „unverzüglich wieder zurückzunehmen“.
„Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte Merz. Deutschland stehe in Kontakt mit der spanischen Regierung.
Der Kanzler begrüßte außerdem die Unterstützung der EU-Kommission und von EU-Innenkommissar Magnus Brunner. Die im Juni verabschiedete EU-Rückkehrverordnung müsse „nun unverzüglich und umfassend umgesetzt werden“, forderte Merz.
Sánchez kündigt konkrete Maßnahmen an.

Sánchez kündigt konkrete Maßnahmen an.

Foto: STR/AP/dpa

Unionspolitiker kritisieren Spaniens Migrationspolitik

Nach dem Massenzustrom übten deutsche Unionspolitiker scharfe Kritik an der spanischen Regierung. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) machte die Migrationspolitik Madrids mitverantwortlich für die Entwicklung.
„Wer illegale Einreisen belohnt, bekommt mehr illegale Einreisen“, sagte Krings. Die Entscheidung Spaniens, rund 500.000 illegal eingereiste Afrikaner einzubürgern, habe die Probleme für Spanien und Europa möglicherweise verstärkt.
Diese Entscheidung könne als „Anreiz für weitere Versuche“ wirken, Grenzen illegal zu überwinden, erklärte der CDU-Politiker. Gemeinsam mit Spanien und anderen EU-Staaten müsse nun dringend mit Marokko gesprochen werden, um weitere Migrationsbewegungen zu verhindern.
Auch der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alexander Throm, sprach von möglichen Pull-Faktoren. „Wenn es noch einen Beweis gebraucht hätte, dass es Pull-Faktoren gibt, dann ist dieser mit den Geschehnissen in Ceuta erbracht“, sagte er.
Nach Angaben der spanischen Regierung wurde der Ansturm durch Gerüchte ausgelöst, die von Schleusernetzwerken verbreitet worden seien. Hintergrund soll ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs gewesen sein, wonach sofortige Rückführungen nicht für alle Personen gelten, die die Grenze auf dem Seeweg erreichen.
Throm erklärte, dieses Urteil habe zu einem Zustrom junger Männer und Jugendlicher geführt und dabei Menschenleben gekostet.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann bezeichnete die Lage als „zutiefst besorgniserregend“. Eine europäische Migrationswende könne nur gelingen, wenn alle Staaten ihren Beitrag leisteten. Spanien stehe in der Pflicht, seine EU-Außengrenzen zu schützen.

EU-Kommission und europäische Partner reagieren

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Ansturm auf die Grenzanlagen in Ceuta als „inakzeptabel“. „Wir können es niemandem erlauben, nach Europa zu kommen, ohne unsere Regeln zu befolgen“, schrieb sie. Sie forderte, Schleusernetzwerke zu zerschlagen und Rückführungen schnell umzusetzen.

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bot Spanien Unterstützung an – auch über die EU-Grenzschutzagentur Frontex. Zudem wurden verstärkte Kontrollen an der französisch-spanischen Grenze angekündigt.
Auch Großbritannien signalisierte Unterstützung. Premierminister Andy Burnham bezeichnete die Lage als „Anlass zur Sorge“ und erklärte, seine Regierung stehe mit den spanischen Behörden in Kontakt.

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Streit über Schengen und europäische Verantwortung

Die Ereignisse in Ceuta führten zu einer neuen Debatte über den Schutz der europäischen Außengrenzen. Italien und Finnland forderten Konsequenzen für Spanien und stellten die Frage nach einem möglichen Ausschluss aus dem Schengen-Raum.
Madrid weist die Kritik zurück und verweist auf die Zusammenarbeit mit Marokko sowie die eingeleiteten Maßnahmen.
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner forderte dagegen ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Die Situation in Ceuta zeige erneut, dass eine humanitäre Flüchtlingspolitik nur gemeinsam gelingen könne. Wenn Schlepperbanden profitierten, gehe dies zulasten der Humanität.
Die Krise in Ceuta hat damit nicht nur eine Sicherheitsdebatte ausgelöst, sondern auch die grundsätzliche Diskussion über Europas Migrationspolitik, Grenzschutz und Rückführungen neu entfacht. (afp/dts/dpa/red)
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40.000 Migranten laut Polizei: Ceuta wird zum Brennpunkt der Migration


In Kürze:

  • Zehntausende Migranten erreichen Ceuta über Meer und Grenze.
  • Spanien entsendet Soldaten und verstärkt die Grenzsicherung.
  • Italien fordert harte Maßnahmen und kritisiert Spaniens Migrationspolitik.

 
Rund 40.000 Migranten haben nach Angaben aus Polizeikreisen in den vergangenen Tagen versucht, die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika zu überwinden. Der Zustrom hielt auch am Freitagmorgen an. Insgesamt seien bislang 18 Menschen beim Versuch ums Leben gekommen, Ceuta zu erreichen. Es handelt sich damit um die größte Zahl an Ankünften in der spanischen Exklave seit 2021.
„Die ganze Nacht über gab es einen stetigen Zustrom von Menschen“, hieß es aus Polizeikreisen in Ceuta. Zwar sei die Zahl der Ankommenden geringer gewesen als am Tag zuvor, dennoch seien weiterhin vor allem junge Männer und Jugendliche über die Grenze gekommen. Auch am Freitagmorgen trafen nach Angaben der Behörden weitere Migranten in der Exklave ein.

Regionalpräsident spricht von „humanitärem Notstand“

Die Sicherheitskräfte schienen die Lage zunächst nur begrenzt kontrollieren zu können. Spanien entsandte angesichts der angespannten Situation Soldaten nach Ceuta. Regierungschef Pedro Sánchez kündigte an, gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska den Grenzübergang Tarajal in Ceuta zu besuchen.
„Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“, sagte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas am Donnerstag im Fernsehen. Bereits zuvor hatte er erklärt, dass täglich durchschnittlich rund 200 Menschen ankamen und die vorhandenen Unterbringungs- und Versorgungskapazitäten nicht mehr ausreichten.
Besonders dramatisch ist die Situation wegen der gefährlichen Überquerungen von Marokko nach Ceuta. Nach Angaben der örtlichen Behörden starben dabei mindestens neun Menschen. Ihre Leichen wurden inzwischen geborgen. Die weiteren Todesfälle ereigneten sich nach Angaben der Behörden bei den Versuchen, die Grenze zur spanischen Exklave zu erreichen.
Schätzungen zufolge kamen innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen überwiegend schwimmend nach Ceuta.

Schätzungen zufolge kamen innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen überwiegend schwimmend nach Ceuta.

Foto: Antonio Sempere/AP/dpa

Migranten erreichen Ceuta über das Meer und die Grenze

Auch am Donnerstag gelangten erneut zahlreiche Menschen von Marokko aus nach Ceuta, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Einige schwammen durch das Meer und erreichten die Strände der Exklave, andere gelangten über einen Grenzübergang im Süden des Gebiets nach Ceuta.
In den Straßen der Stadt dankten viele Neuankömmlinge der spanischen Polizei. Einige riefen: „Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!“ Die Sicherheitskräfte traten zunächst zurückhaltend auf und versuchten, die Menschen zu den örtlichen Aufnahmeeinrichtungen zu leiten.
Auf marokkanischer Seite beobachteten AFP-Reporter Hunderte Menschen, die sich an der Grenze zwischen der Stadt Fnideq und Ceuta versammelten. Mehrere gaben an, Ceuta erreichen zu wollen. Ein junger Mann mit Rucksack sagte, er sei zu Fuß aus dem rund 70 Kilometer entfernten Tanger gekommen, nachdem er gehört habe, „dass die Grenze am Grenzübergang Bab Sebta geöffnet worden“ sei.

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Spanien entsendet Soldaten

Angesichts der angespannten Lage hat die spanische Regierung die Unterstützung der Sicherheitskräfte durch die Armee angekündigt. Die Soldaten sollen die Guardia Civil „beim Ausüben ihrer Befugnisse“ in Ceuta unterstützen, erklärte das Innenministerium.
Wie viele Soldaten entsandt werden sollen, wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Gleichzeitig soll die Zahl der Guardia-Civil-Beamten in der Exklave von derzeit rund 80 auf nahezu doppelt so viele Kräfte erhöht werden.
Spaniens Regierungschef Sánchez erklärte auf der Plattform X, seine Regierung habe „alle notwendigen Mittel mobilisiert“, um „eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben“.
Innenminister Grande-Marlaska wollte sich vor Ort ein Bild von der Lage machen und mit Behördenvertretern sprechen. Die Regierung erklärte, verschiedene Ministerien arbeiteten „koordiniert“ zusammen, um „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“.
Ziel sei es, die „Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden“.

Dieses aus einem AFP-Video entnommene Standbild zeigt Migranten, die am 30. Juli 2026 das Ufer der spanischen Exklave Ceuta erreichen, nachdem sie die Grenzanlagen zwischen Marokko und Spanien auf dem Seeweg umschwommen hatten.

Foto: Lucía DIAZ / AFP via Getty Images

Zusammenarbeit mit Marokko

Die spanische Regierung betonte die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden. Der Innenminister bezeichnete die Kooperation als „vorbildlich“.
Marokkanische Sicherheitskräfte hätten bereits die Ankunft „zahlreicher Menschen“ verhindert, die versucht hätten, von Marokko aus nach Ceuta zu gelangen. Spanien und Marokko wollen nach Angaben der Regierung „so bald wie möglich Maßnahmen“ ergreifen, um illegal eingereiste Menschen nach Marokko zurückzuführen.
Ceutas Regionalpräsident Vivas schrieb am Donnerstag auf der Plattform X: „Heute ist die Lage noch schlimmer: noch mehr Ankünfte, überlastete Einrichtungen und ein weiteres auf See verlorenes Leben.“
Es handelt sich um die größte Zahl an Migranten, die seit 2021 nach Ceuta gelangt ist. Damals stürmten mehr als 10.000 Menschen die Grenze zur spanischen Exklave.

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Politischer Streit um Migration

Die Situation löste in Spanien eine politische Debatte aus. Der Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer „nationalen Sicherheitskrise“.
Der Vorsitzende der Partei Vox, Santiago Abascal, machte Regierungschef Pedro Sánchez persönlich für die Entwicklung verantwortlich.
Auch Italien reagierte scharf auf die Ereignisse. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die Bilder aus Ceuta als „schockierend“. Italien werde „nicht tatenlos zusehen“, schrieb sie auf X.
Die italienische Regierung prüft nach eigenen Angaben mögliche Maßnahmen, darunter auch eine Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien. Außenminister Antonio Tajani erklärte, die „irreguläre und unkontrollierte Einwanderung“ stelle „eine Gefahr für die nationale Sicherheit“ dar.
Madrid reagierte verärgert auf die Äußerungen aus Rom und bestellte den italienischen Botschafter ein. Spaniens Außenminister José Luis Albares warf Italien vor, Migration für politische Zwecke zu nutzen. Solche Aussagen seien „unangemessen“ für „ein befreundetes Partnerland“. Spanien erwarte „europäische Solidarität und nicht parteipolitische Demagogie“.

Menschen versammeln sich am Grenzübergang Bab Sebta zwischen der spanischen Exklave Ceuta und der marokkanischen Stadt Fnideq, nachdem Gerüchte über eine Grenzöffnung die Runde machten.

Foto: Abdelmajid BZIOUAT / AFP via Getty Images

Ceuta als Außengrenze der EU

Ceuta und die spanische Exklave Melilla verfügen über die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die auf ein besseres Leben in Europa hoffen.
Marokko dient vielen Migranten als Transitland auf dem Weg nach Europa. Die aktuelle Ankunftswelle gilt als eine der größten Herausforderungen für Ceuta seit Jahren.
Auch in den USA wurde die Situation politisch aufgegriffen. Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump nutzten die Bilder aus Ceuta, um für eine strengere Einwanderungspolitik zu werben. (afp/dpa/red)
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Migrationskrise in Ceuta: Spanien schickt Soldaten an EU-Außengrenze


In Kürze:

  • Mehr als 1.500 Migranten erreichen Ceuta über Meer und Grenze.
  • Spanien entsendet Soldaten und verstärkt die Grenzsicherung.
  • Italien fordert harte Maßnahmen und kritisiert Spaniens Migrationspolitik.

 
Hunderte Migranten sind in den vergangenen Tagen auf dem Seeweg aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gelangt. Insgesamt kamen nach Angaben der Behörden mehr als 1.500 Menschen an, darunter Erwachsene und Minderjährige. Die Aufnahmeeinrichtungen der rund 18 Quadratkilometer großen Stadt sind nach Angaben der Regionalregierung überlastet.
„Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“, sagte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas am Donnerstag im Fernsehen. Bereits am Vortag hatte er erklärt, dass täglich durchschnittlich rund 200 Menschen ankamen und die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausreichten.
Bei den gefährlichen Überfahrten von Marokko nach Ceuta starben mindestens neun Menschen. Ihre Leichen wurden inzwischen von den örtlichen Behörden geborgen.
Schätzungen zufolge kamen innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen überwiegend schwimmend nach Ceuta.

Schätzungen zufolge kamen innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen überwiegend schwimmend nach Ceuta.

Foto: Antonio Sempere/AP/dpa

Migranten erreichen Ceuta über das Meer und die Grenze

Auch am Donnerstag gelangten erneut zahlreiche Menschen von Marokko aus nach Ceuta, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Einige schwammen durch das Meer und erreichten die Strände der Exklave, andere gelangten über einen Grenzübergang im Süden des Gebiets nach Ceuta.
In den Straßen der Stadt dankten viele Neuankömmlinge der spanischen Polizei. Einige riefen: „Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!“ Die Sicherheitskräfte traten zunächst zurückhaltend auf und versuchten, die Menschen zu den örtlichen Aufnahmeeinrichtungen zu leiten.
Auf marokkanischer Seite beobachteten AFP-Reporter Hunderte Menschen, die sich an der Grenze zwischen der Stadt Fnideq und Ceuta versammelten. Mehrere gaben an, Ceuta erreichen zu wollen. Ein junger Mann mit Rucksack sagte, er sei zu Fuß aus dem rund 70 Kilometer entfernten Tanger gekommen, nachdem er gehört habe, „dass die Grenze am Grenzübergang Bab Sebta geöffnet worden“ sei.

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Spanien entsendet Soldaten

Angesichts der angespannten Lage hat die spanische Regierung die Unterstützung der Sicherheitskräfte durch die Armee angekündigt. Die Soldaten sollen die Guardia Civil „beim Ausüben ihrer Befugnisse“ in Ceuta unterstützen, erklärte das Innenministerium.
Wie viele Soldaten entsandt werden sollen, wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Gleichzeitig soll die Zahl der Guardia-Civil-Beamten in der Exklave von derzeit rund 80 auf nahezu doppelt so viele Kräfte erhöht werden.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez erklärte auf der Plattform X, seine Regierung habe „alle notwendigen Mittel mobilisiert“, um „eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben“.
Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollte sich vor Ort ein Bild von der Lage machen und mit Behördenvertretern sprechen. Die Regierung erklärte, verschiedene Ministerien arbeiteten „koordiniert“ zusammen, um „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“.
Ziel sei es, die „Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden“.

This video frame grab obtained from an AFP video shows migrants swimming in the sea to reach the shore of Spanish north African exclave of Ceuta, in Ceuta on July 30, 2026. Hundreds of migrants entered the Spanish north African exclave of Ceuta today, AFP reporters saw, many of them having swum by sea around the frontier fence. Migration from Morocco into Spain’s two north African territories, Ceuta and Melilla, has long been a politically sensitive issue between the two countries, as thousands cross the border at times. AFP reporters saw a stream of adults and children, most of them wet, entering the town.

Foto: by Lucía DIAZ / AFP via Getty Images

Zusammenarbeit mit Marokko

Die spanische Regierung betonte die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden. Innenminister Grande-Marlaska bezeichnete die Kooperation als „vorbildlich“.
Marokkanische Sicherheitskräfte hätten bereits die Ankunft „zahlreicher Menschen“ verhindert, die versucht hätten, von Marokko aus nach Ceuta zu gelangen. Spanien und Marokko wollen nach Angaben der Regierung „so bald wie möglich Maßnahmen“ ergreifen, um illegal eingereiste Menschen nach Marokko zurückzuführen.
Ceutas Regionalpräsident Vivas schrieb am Donnerstag auf der Plattform X: „Heute ist die Lage noch schlimmer: noch mehr Ankünfte, überlastete Einrichtungen und ein weiteres auf See verlorenes Leben.“
Es handelt sich um die größte Zahl an Migranten, die seit 2021 nach Ceuta gelangt ist. Damals stürmten mehr als 10.000 Menschen die Grenze zur spanischen Exklave.

Politischer Streit um Migration

Die Situation löste in Spanien eine politische Debatte aus. Der Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer „nationalen Sicherheitskrise“.
Der Vorsitzende der Partei Vox, Santiago Abascal, machte Regierungschef Pedro Sánchez persönlich für die Entwicklung verantwortlich.
Auch Italien reagierte scharf auf die Ereignisse. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnete die Bilder aus Ceuta als „schockierend“. Italien werde „nicht tatenlos zusehen“, schrieb sie auf X.
Die italienische Regierung prüft nach eigenen Angaben mögliche Maßnahmen, darunter auch eine Aussetzung des Schengen-Abkommens mit Spanien. Außenminister Antonio Tajani erklärte, die „irreguläre und unkontrollierte Einwanderung“ stelle „eine Gefahr für die nationale Sicherheit“ dar.
Madrid reagierte verärgert auf die Äußerungen aus Rom und bestellte den italienischen Botschafter ein. Spaniens Außenminister José Luis Albares warf Italien vor, Migration für politische Zwecke zu nutzen. Solche Aussagen seien „unangemessen“ für „ein befreundetes Partnerland“. Spanien erwarte „europäische Solidarität und nicht parteipolitische Demagogie“.

Menschen versammeln sich am Grenzübergang Bab Sebta zwischen der spanischen Exklave Ceuta und der marokkanischen Stadt Fnideq, nachdem Gerüchte über eine Grenzöffnung die Runde machten.

Foto: Abdelmajid BZIOUAT / AFP via Getty Images

Ceuta als Außengrenze der EU

Ceuta und die spanische Exklave Melilla verfügen über die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die auf ein besseres Leben in Europa hoffen.
Marokko dient vielen Migranten als Transitland auf dem Weg nach Europa. Die aktuelle Ankunftswelle gilt als eine der größten Herausforderungen für Ceuta seit Jahren.
Auch in den USA wurde die Situation politisch aufgegriffen. Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump nutzten die Bilder aus Ceuta, um für eine strengere Einwanderungspolitik zu werben. (afp/dpa/red)
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Waldbrände: Optimismus in Frankreich, Sorge in Griechenland und der Türkei

Während sich die Waldbrandlage in Frankreich und Spanien entspannt und Tausende Evakuierte nach Hause zurückkehren, ist die Situation in Griechenland und der Türkei weiter angespannt.
  • FRANKREICH
An der französischen Atlantikküste haben inzwischen 144.000 der 224.000 evakuierten Menschen nach Hause zurückkehren können. Innenminister Laurent Nuñez sagte in den Abendnachrichten, dass „man davon ausgehen kann, dass das Schlimmste hinter uns liegt“. Er fügte hinzu: „Wir sind optimistisch, bleiben aber weiterhin sehr wachsam.“
Wie die Präfektur in Bordeaux mitteilte, waren am Abend noch zwei Brandherde auf der Halbinsel Cap Ferret und südlich des Ortes Lacanau aktiv. Weitere am Vortag aufgeflammte Brände in Südfrankreich, im Burgund sowie im Wald von Fontainebleau bei Paris brachte die Feuerwehr unter Kontrolle.
  • SPANIEN
In Spanien sind die verheerenden Waldbrände in den Regionen Madrid, Ávila und Toledo inzwischen weitgehend eingedämmt, die meisten Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen wurden aufgehoben. Erleichterung gab es auch aus der Provinz Castellón im Osten des Landes: Der große Waldbrand im Gebiet Vall d’Uixó nördlich von Valencia breitet sich nach Behördenangaben nicht weiter aus.
Das Innenministerium teilte mit, dass der Notstand auf die zweite von vier operativen Stufen herabgestuft wurde. „Auch wenn sich die Lage positiv entwickelt, ist es unerlässlich, Vorsicht walten zu lassen und sich jederzeit an die Anweisungen der Behörden zu halten“, erklärte das Ministerium. Die Brandbekämpfung in den betroffenen Regionen im Nordwesten dauert an.
  • GRIECHENLAND
Die Waldbrandlage auf Kreta spitzt sich weiter zu. Orkanartige Nordwinde fachen die Flammen immer wieder an und machen die Löscharbeiten zu einem gefährlichen Kraftakt. Nahe der Ortschaft Preveli brach ein weiterer Brand aus. Wegen der dichten Rauchschwaden musste die Küstenwache rund 50 Menschen aus einem Küstenabschnitt in Sicherheit bringen.
Die Feuerwehr kämpft bereits den zweiten Tag in Folge gegen die Flammen – viele Einsatzkräfte sind laut Behörden völlig erschöpft. Auch Löschflugzeuge und Hubschrauber können wegen der extremen Windverhältnisse nur eingeschränkt eingesetzt werden.
Gleichzeitig wurden auf den Ägäis-Inseln Andros, Kalymnos und Paros weitere Brände gemeldet. Erst ab heute Abend wird mit einer Entspannung der Lage gerechnet. Bereits am Mittwoch kamen bei den Bränden drei Feuerwehrleute ums Leben, vier weitere wurden verletzt.
  • TÜRKEI
Einsatzkräfte in der Türkei kämpfen weiter gegen zahlreiche Waldbrände im Süden und Westen des Landes, die durch starke Winde angefacht werden. Seit Mittwoch habe man landesweit bei 169 Bränden eingegriffen, 163 davon seien am Donnerstagabend vollständig unter Kontrolle gebracht worden, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur den Forstminister Ibrahim Yumakli.
Der Waldbrand, der am Dienstag im Bezirk Kaş in Antalya ausgebrochen war, wurde nach intensiven Löschmaßnahmen aus der Luft und vom Boden aus unter Kontrolle gebracht, ebenso der Brand im westtürkischen Isparta. Ein Sturm in Antalya habe die Löscharbeiten erschwert, sagte Yumakli. Es seien landesweit 21 Flugzeuge, 69 Helikopter, etwa 500 Löschfahrzeuge und mehr als 3.500 Kräfte im Einsatz. (dpa/red)
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UEFA droht Infantino: WM-Boykott bei FIFA-Investorendeal

Der europäische Fußball macht Ernst und hat eine ultimative Drohung an die FIFA und Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. Sie lautet: Wenn ihr den Plan mit dem Investorendeal in die Tat umsetzt, werden wir die nächste WM und alle weiteren Wettbewerbe des Weltverbands zusammen boykottieren. Die Drohung gelte so lange, wie die FIFA ihre Pläne für den Verkauf kommerzieller Rechte nicht vollständig verwerfe.
Das gemeinsame Schreiben der europäischen Verbände unter Führung der UEFA und Präsident Aleksander Ceferin wurde von allen 55 Mitgliedern unterzeichnet.
„Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet“, hieß es darin.
Europas Dachverband stellt klar: Selbst wenn unter den 211 Mitgliedsstaaten eine Mehrheit für den Investorendeal votieren sollte, werde man diesen Beschluss nicht mittragen.

Infantino unter Druck wie nie

FIFA-Boss Infantino gerät nicht einmal zwei Wochen nach Ende der XXL-WM in Amerika so stark unter Druck wie noch nie in seinen mehr als zehn Jahren Amtszeit.
Denn: Eine Weltmeisterschaft ohne den amtierenden Titelträger Spanien und die weiteren Fußball-Großnationen wie Frankreich, Deutschland und England ist nicht vorstellbar und würde komplett den sportlichen Reiz verlieren.
Doch die UEFA baut die Drohkulisse nicht erst für die Endrunde 2030, die zu Teilen sogar in Spanien und Portugal ausgetragen werden soll, auf. Sondern für alle FIFA-Wettbewerbe, zum Beispiel auch die WM der Frauen im nächsten Sommer (24. Juni bis 25. Juli) in Brasilien. Und die Playoffs, die bereits in diesem Herbst steigen sollen. Die Drohung gilt ab sofort.

FIFA-Frist für 19. September angekündigt

„Als Folge der heutigen Diskussion werden keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet“, schrieb der europäische Dachverband zum offenen Bruch mit dem Weltverband.
Die FIFA hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einspielen zu wollen.
Laut übereinstimmenden Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. Der Stichtag für die Zustimmung der Verbände soll demnach der 19. September sein. Doch für die UEFA hat dieser Termin keine Bedeutung, die eindeutige Ablehnung ist klar kommuniziert.

Neuendorf: „Nicht zustimmungsfähig“

Infantino hatte den geplanten Einstieg externer Geldgeber zuvor verteidigt. Dieser sei eine „einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen“. Die UEFA sieht das komplett anders und hat deshalb von Anfang an massiven Widerstand angekündigt. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke positionierten sich eindeutig gegen den Plan.
Der Fußball lebe von der Akzeptanz der Gesellschaft, sagte Neuendorf dem ZDF. „Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig“, fügte der DFB-Präsident an.

Auch Tschechien unterzeichnet Brief

Nicht nur die Idee an sich, sondern auch das Vorgehen der FIFA löste starke Irritationen aus. Die Nationalverbände wurden am Dienstag von dem neuen Plan komplett überrascht.
„Es ist unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen, dass ein so bedeutsamer Vorschlag für den Fußball im Geheimen ausgearbeitet und beinahe verabschiedet wurde, ohne die Verantwortlichen des Fußballs auch nur ansatzweise zu konsultieren“, hieß es von der UEFA nun.
Dass die 55 europäischen Mitgliedsstaaten den Brief geschlossen unterzeichneten, ist bemerkenswert, weil sich der tschechische Verband am Vortag noch offen für den FIFA-Plan gezeigt hatte.
„Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, wozu sie keine Kompromisse eingehen. Dies ist ein solcher Moment“, schrieb die UEFA im Namen ihrer Mitglieder.
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Hunderte Migranten kommen aus Marokko in spanischer Exklave Ceuta an

Hunderte Migranten sind in den vergangenen Tagen auf dem Seeweg aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika angelangt. „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“ sagte der Präsident des Gebiets, Juan Jesús Vivas, am Donnerstag.

Mehr als 1500 Ankünfte

In den vergangenen Tagen seien mehr als 1500 Menschen – sowohl Erwachsene als auch Minderjährige – über das Meer angekommen, hatte Vivas bereits am Vortag gesagt. Die Aufnahmezentren seien nicht mehr aufnahmefähig.

Reaktion der spanischen Regierung

Das spanische Innenministerium erklärte, verschiedene Ministerien gingen „koordiniert“ vor, um „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollte demnach am Freitag in das an Marokko grenzende Ceuta reisen, um die Lage zu beobachten und sich mit Behördenvertretern zu treffen.
Die Regierung habe ihre Ressourcen aufgestockt, „um die Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden“, teilte das spanische Innenministerium mit.
Die marokkanische Regierung kooperiere eng bei der Bewältigung der Situation. Marokkanische Sicherheitskräfte verhinderten die Ankunft „zahlreicher Menschen“, die versuchten, von Marokko aus Ceuta zu erreichen.

Hintergrund: Ceuta als EU-Grenze zu Afrika

Ceuta hat ebenso wie die spanische Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen. Marokko ist für viele Migranten ein Transitland auf dem Weg nach Europa. (afp/red)
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Neue Waldbrände in Südeuropa: Tausende evakuiert – Entspannung in Bordeaux und Madrid

Von einer Hitzewelle und kräftigem Wind angefachte Brände greifen in Südeuropa um sich und treiben zahlreiche Menschen aus ihren Häusern. In Frankreich, Spanien, Griechenland und der Türkei flammten neue Brände auf, Tausende weitere Menschen wurden evakuiert. Allerdings konnten in Frankreich und Spanien dort, wo es gelungen war, die Flammen einzugrenzen, Evakuierte in ihre Häuser zurückkehren.

Frankreich

Brignoles, Fontainebleau
In mehreren Regionen Frankreichs brachen erneut Waldbrände aus. Betroffen ist im südfranzösischen Departement Var der Bereich der Kleinstadt Brignoles. Dort mussten 600 bis 700 Menschen evakuiert werden. Ein erneutes Feuer wurde auch aus dem Wald von Fontainebleau südlich von Paris gemeldet.
Dijon
Ein größerer Brand brach im Burgund in Couchey in der Nähe der Großstadt Dijon aus. 125 Hektar Fläche wurden bereits in Mitleidenschaft gezogen, teile das Departement am Abend mit. 150 Feuerwehrleute, 78 Löschfahrzeuge und zwei Löschhubschrauber waren im Einsatz. Wegen des gesundheitsgefährdenden Rauchs wurde die Bevölkerung aufgerufen, sich möglichst nicht draußen aufzuhalten und Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Entspannung in Bordeaux
An der Atlantikküste bei Bordeaux, wo die bislang massivsten Brände der Saison in Frankreich auf einer Fläche von 42.000 Hektar gewütet hatten, konnte die Feuerwehr ein erneutes Ausbreiten des Brandes mit einem Großaufgebot verhindern.
Weitere 84.000 Evakuierte können in ihre Häuser zurückkehren, da sich die Waldbrandlage spürbar entspannt hat. Wie die Präfektin von Bordeaux, Sophie Brocas, am Morgen entschied, können die Bewohnerinnen und Bewohner von neun vorsorglich evakuierten Orten nach Hause zurück.
Da die Waldbrände noch nicht vollkommen unter Kontrolle sind, wurden die Menschen allerdings aufgefordert, ihre Mobiltelefone für mögliche Anweisungen der Behörden eingeschaltet zu lassen und für eine mögliche erneute Evakuierung vorbereitet zu bleiben. Insgesamt 224.000 Menschen waren in der Region evakuiert worden. Am Dienstagabend konnten bereits 60.000 Menschen in drei evakuierte Gemeinden zurückkehren.
Außerdem werde in der betroffenen Region bei Bordeaux die seit Tagen gesperrte wichtige Autobahn A63 ab 14 Uhr wieder in beide Richtungen für den Verkehr freigegeben, kündigte die Präfektin an.
Wie der regionale Feuerwehrkommandant, Matthieu Jomain, zuvor erklärt hatte, entwickele sich die Lage positiv, aber man müsse weiterhin vorsichtig bleiben. Er berichtete, dass „die Nacht sehr ruhig verlaufen ist“, wobei die Brandfläche weiterhin bei 42.000 Hektar liege, „aber dennoch sechs neue Brandherde bekämpft wurden“. Regenfälle in der Region erleichterten die Löscharbeiten der Feuerwehr.

Spanien

Parque Nacional Arribes del Duero
In Spanien ist nun in einem Nationalpark an der Grenze zu Portugal ein großes Feuer ausgebrochen. Wegen erheblichen Risiken für die Anwohner seien zwölf Ortschaften rund um die Gemeinde Fermoselle innerhalb des Parque Nacional Arribes del Duero evakuiert worden, teilte die Regionalregierung der Gemeinschaft Kastilien und León mit. Rund 950 Menschen wurden in der betroffenen Region im Nordwesten Spaniens laut Medienberichten in Sicherheit gebracht.
Entspannung in Madrid
In einigen Gebieten Spaniens entspannt sich die Lage inzwischen langsam weiter. Der Brand sei seit mehreren Tagen kaum vorangeschritten und es gebe „kaum noch Flammen“, teilte die Präfektur der Region Madrid am Donnerstag mit. Die Wetterbedingungen in der Nacht hätten es ermöglicht, das Gebiet „zu kühlen und den Brandrand zu festigen, der sich deutlich stabilisiert hat“, hieß es weiter.
Die Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen werden nach und nach aufgehoben. Allerdings dürfen noch rund 9.500 Menschen, alle in der Autonomen Gemeinschaft Madrid, weiterhin nicht in ihre Häuser zurückkehren und befinden sich weiterhin in Notunterkünften.
Die Präfektur wies zugleich darauf hin, dass angesichts der aktuellen Hitzewelle neue Brände drohten. In dem Gebiet westlich von Madrid hatten die Flammen 25.000 Hektar Land vernichtet.

Griechenland

Kreta
Mehrere Waldbrände wüten derzeit in Griechenland, der schlimmste im Süden der Insel Kreta. Dort kamen zwei Feuerwehrleute bei Löscharbeiten ums Leben – sie hatten in ihrem Fahrzeug im dichten Rauch die Orientierung verloren.
Ein örtlicher Gemeindevertreter sagte dem Sender ERT, das Feuer auf der Urlaubsinsel Kreta sei „außer Kontrolle“ und bereits mehr als 15 Kilometer lang. Die beiden Feuerwehrleute seien am Rande eines Berges nahe der Stadt Rethymno im Westen von Kreta in ihrem Löschfahrzeug von den Flammen eingeschlossen worden, berichtete der Sender.
Der Wind wehte so stark, dass Löschhubschrauber und -flugzeuge wieder abdrehen und landen mussten. Die Feuerwehr auf Kreta entsandte nach eigenen Angaben mehr als 150 Feuerwehrleute und acht Löschflugzeuge zur Bekämpfung der Flammen. „Der Wind ändert ständig die Richtung, man wird sehr schnell eingeschlossen“, sagte der Bürgermeister des Dorfs Agios Vasileios, Yiannis Tatarakis, der Nachrichtenagentur AFP.
Am Abend wurde zusätzlich zu mehreren Bergdörfern auch der bei Urlaubern beliebte Küstenort Agia Galini evakuiert – rund 6.000 Touristen teils mit Booten aus der Region geholt worden, berichteten griechische Medien. Etwas weiter westlich im Küstenort Agios Pavlos wurden 29 Menschen von der Küstenwache über das Meer in Sicherheit gebracht.
„Es war eine albtraumhafte Nacht“, sagte Vizegouverneurin der Insel Kreta, Maria Lioni, im griechischen Fernsehen.
Paros, Lesbos und Peloponnes
Bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 74 Stundenkilometern wüteten weitere Brände auf den Inseln Paros und Lesbos sowie in den Bezirken Messenien und Lakonien auf der Halbinsel Peloponnes. Den örtlichen Behörden zufolge wurden rund zehn Dörfer auf Paros vorsorglich evakuiert. Auf Lesbos kämpften 50 Feuerwehrleute und sechs Löschflugzeuge gegen die Flammen in der Nähe einer Mülldeponie.
Entwarnung gibt es nicht: Die starken Winde sollen in den kommenden Tagen in weiten Teilen Griechenlands anhalten. Das Bürgerschutzministerium warnt vor anhaltend hoher Waldbrandgefahr.

Türkei

Antalya und Çanakkale
Waldbrände wüteten auch in mehreren Urlaubsregionen in der Türkei, angefacht wurden sie von heftigen Winden. Staatschef Recep Tayyip Erdogan sprach am Mittwoch von 90 neuen Brandherden, von denen die meisten aber unter Kontrolle gebracht worden seien.
Nach seinen Angaben kämpften 3.000 Einsatzkräfte in den Provinzen Mugla, Balikkesir, Antalya und Çanakkale im Süden und Westen des Landes gegen die Brände. Zum Einsatz kamen dabei rund 20 Löschflugzeuge, 58 Hubschrauber und 420 Feuerwehrlastwagen.
Mugla
An einem Brandherd in der Provinz Mugla an der Südwestägäis waren fünf Flugzeuge und 18 Hubschrauber, mehr als 90 Fahrzeuge sowie hunderte Einsatzkräfte im Einsatz, wie das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft im Onlinedienst X mitteilte.
„Mit den Löschmaßnahmen unserer Teams aus der Luft und am Boden arbeiten wir unermüdlich daran, das Feuer vollständig unter Kontrolle zu bringen“, erklärte das Ministerium.
Medienberichten zufolge war die Autobahn zwischen den bei Urlaubern beliebten Städten Antalya und Fethiye wegen des Rauchs für den Verkehr gesperrt. Der private Sender NTV berichtete zudem, dass die antike Stätte von Olympos für Besucher nicht mehr zugänglich war.
In Mugla entstand der Brand nach Angaben der Präfektur in einer landwirtschaftlichen Gegend und breitete sich dann in ein Waldgebiet aus. Den Angaben zufolge wurden 202 Menschen sowie die Bewohner eines Krankenhauses in Sicherheit gebracht.
Balikkesir
Ein weiterer Brand loderte am Mittwoch in einem bewaldeten Gebiet in der Region Balikkesir entlang der Straße, welche die Ägäismetropole Izmir mit der Meerenge der Dardanellen verbindet.
Die Türkei hatte wegen der Waldbrände in Südeuropa je zwei Löschflugzeuge nach Frankreich und nach Spanien entsandt.
(dpa/afp/red)
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Erste totale Sonnenfinsternis seit 1999: Was Beobachter erwartet


In Kürze:

  • Am 12. August 2026 wird Europa Zeuge einer totalen Sonnenfinsternis. Das letzte derartige Ereignis lag im vergangenen Jahrtausend.
  • Weite Teile Europas – einschließlich Deutschland – sehen eine partielle Sonnenfinsternis.
  • Die sogenannte Totalität, jener Bereich, in dem die Sonne vollständig hinter dem Mond verschwindet, ist nur in einem schmalen Streifen von wenigen Hundert Kilometern Breite sichtbar.
  • Die besten Beobachtungsbedingungen bieten der Norden Russlands, Grönland, Island und Spanien – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

 
Für Jamie Carter fühlte sich die erste totale Sonnenfinsternis wie ein kosmischer Fehler an. Der ganze Himmel verwandelte sich in einen Sonnenuntergang. Tiere verstummten plötzlich, als wäre es Nacht geworden. Die Sonne erschien als schwarze Scheibe, gekrönt von einem Lichtkegel.
Am 12. August wird der erfahrene Astronomieautor und Reiseleiter dieses Erlebnis erneut genießen. Er wird an Bord eines Schiffes nach Grönland reisen, um dort eine Astronomiereise zu leiten und Vorträge zu halten. Dies wird Carters neunte totale Sonnenfinsternis sein. Die sogenannte Totalität, das Zeitfenster, in dem der Mond die blendende Sonnenscheibe vollständig verdeckt, beträgt nur wenige Minuten.

Das Unsichtbare wird sichtbar

„Totalität ist transformativ“, sagte er der Epoch Times. „Ich habe Menschen gesehen, die unkontrolliert lachten, in Tränen ausbrachen, sprachlos dastanden oder einfach nur ungläubig starrten. Das Gehirn hat Mühe, das Gesehene zu verarbeiten.“
Manchmal hat man kurz das Gefühl, die Sonne könnte nie wiederkehren.
„Natürlich kehrt sie zurück – aber in diesen kostbaren Momenten fühlt es sich an, als ob das Universum kurz eine Seite von sich offenbart, die wir eigentlich nie zu sehen bekommen sollten“, so Carter. „Wenn man eine erlebt hat, erscheint einem die Jagd nach Sonnenfinsternissen plötzlich als der naheliegendste Weg, die Welt zu sehen.“
Die ikonische silberne Lichtkrone, die nur bei totalen Sonnenfinsternissen sichtbar wird, ist die Sonnenkorona, die schwer fassbare äußere Atmosphäre der Sonne. Normalerweise vom blendenden Licht der Photosphäre überstrahlt, ist dieser Kranz aus überhitztem, perlmuttweißem Plasma für das bloße Auge unsichtbar – außer während der Totalität. Er hängt am verdunkelten Himmel, surreal geformt von den intensiven Magnetfeldern der Sonne.
Die Physik hinter diesem Spektakel beruht auf einer verblüffenden kosmischen Konstellation. Die Sonne ist etwa 400-mal größer als der Mond, aber 400-mal weiter von der Erde entfernt. Dadurch gleichen sich ihre Größenverhältnisse aus unserer Perspektive aus, sodass der Mond zwar die Sonnenoberfläche vollständig verdecken kann, die Korona aber sichtbar bleibt.
Diese Verdunkelung des Himmels fällt zudem mit dem Höhepunkt des jährlichen Perseiden-Meteorstroms zusammen, sodass Beobachter mit besonders dunklem Himmel sogar Sternschnuppen in der Mittagsdämmerung sehen können. Gleichzeitig sorgt ein hilfsbereiter Neumond für einen tiefschwarzen Himmel.

Am 12. August ist es wieder soweit

In exakt zwei Wochen zeigt sich das beeindruckende Naturschauspiel erneut, zunächst im hohen Norden. Der Schatten des Mondes legt in gut 4 Stunden sodann rund 8.300 Kilometer zurück.
Nachdem er zuerst in der abgelegenen Wildnis Nordrusslands auf Land trifft, streift der dunkelste Teil des Mondschattens, der Kernschatten, über die eisigen Fjorde Ostgrönlands und Islands. Er überquert den Polarkreis und zieht nach Westeuropa.
Im Nordatlantik dauert die Totalität 2 Minuten und 18 Sekunden. Sonnenfinsternisbeobachter wie Carter in Scoresby-Sund, Grönland, erwarten eine partielle Sonnenfinsternis ab 15:34 Uhr Ortszeit, die Totalität beginnt hier um 16:34 Uhr. Reykjavik, Island, erlebt die partielle Dunkelheit um 17:48 Uhr.
Die spanische Atlantikküste erreicht der Mondschatten kurz vor Sonnenuntergang. Das Zeitfenster beträgt hier etwas weniger als 2 Minuten. Allerdings beginnt die partielle Phase erst um 19:34 Uhr, während die Totalität ihren Höhepunkt um 20:29 Uhr deutscher Zeit erreicht. Dieser Umstand macht auch die Städte im spanischen Inland – wie Saragossa – zu idealen Beobachtungsorten.
Nach einem Besuch auf Mallorca verliert sich der Mondschatten schließlich über dem Mittelmeer.

Totale Sonnenfinsternis in Teilen Europas

Durch weite Ozeanpassagen wohnen weltweit verhältnismäßig wenige Menschen innerhalb des schmalen, etwa 290 Kilometer breiten Streifens, in dem die totale Sonnenfinsternis sichtbar ist. Mitteleuropa kam dabei zuletzt am 11. August 1999 in den Genuss des Himmelsspektakels. Spanien musste sogar noch erheblich länger warten. Die letzte totale Sonnenfinsternis über der Iberischen Halbinsel ereignete sich 1905.
Millionen Menschen erleben indes eine partielle Sonnenfinsternis – dabei erzeugt der Halbschatten des Mondes, die Penumbra, eine sichelförmige Sonne.

Partielle Sonnenfinsternis über Deutschland am 10. Juni 2021.

Foto: Olivier Maire/KEYSTONE/epa/dpa/dpa

Von Deutschland aus gesehen bedeckt der Mond etwa 80 bis 90 Prozent der Sonnenfläche, sodass wir zumindest in den Genuss einer partiellen Sonnenfinsternis kommen. Damit ist der Bedeckungsgrad erheblich größer bei der letzten partiellen Sonnenfinsternis im Juni 2021.
Zeitlicher Verlauf der partiellen Sonnenfinsternis für ausgewählte deutsche Städte

Zeitlicher Verlauf der partiellen Sonnenfinsternis am 12. August 2026 für ausgewählte deutsche Städte.

Foto: kms/Epoch Times

Achtung: Augenschutz beachten!

Die größte Gefahr bei der Beobachtung einer Sonnenfinsternis geht von der blendenden Sonne aus. Direktes Hineinschauen in die Sonne während der partiellen Phase kann zu dauerhaften Netzhautschäden führen.
Herkömmliche Sonnenbrillen bieten, unabhängig von ihrem UV-Schutz oder ihrer Tönung, keinerlei Schutz vor der intensiven Sonnenstrahlung. Während der partiellen Phase müssen Beobachter zertifizierte Sonnenfilter oder spezielle Sonnenfinsternisbrillen verwenden, die tausendfach dunkler sind als normale Sonnenbrillen.
Spezielle Sonnenfinsternisbrillen sollen die Augen der Beobachter schützen. Ein Muss. Foto: Victor Sanchez/iStock

Spezielle Sonnenfilter und Finsternisbrillen lassen nur rund ein Hunderttausendstel des Lichtes durch. Ein Muss, um die Augen der Beobachter zu schützen.

Foto: Victor Sanchez/iStock

Kurz bevor die Sonne verschwindet, erzeugen die letzten Lichtstrahlen, die noch durch die Mondtäler hindurchscheinen, ein schimmerndes Phänomen, das als Baily’sche Perlen oder als „Diamantring-Effekt“ bekannt ist.
Erst wenn dieser Ring erlischt und die helle Sonnenscheibe vollständig verdeckt ist, ist es sicher, die Schutzbrille abzunehmen und mit bloßem Auge hinzusehen. Sobald die Totalität endet, muss die Sonnenfinsternisbrille jedoch wieder aufgesetzt werden.
Bei einer totalen Sonnenfinsternis wird der Bereich um die Sonne herum sichtbar. (Archivbild)

Bei einer totalen Sonnenfinsternis wird der Bereich um die Sonne herum sichtbar. Zum Schutz der Augen können Beobachter jedoch erst nach dem sogenannten Diamantring ihre Schutzbrillen absetzen.

Foto: Robert F. Bukaty/AP/dpa

Für Carter und seine Mitreisenden an Bord des Forschungsschiffs „New Scientist Discovery Tours“ wird sich die Reise zum Scoresby-Sund in Grönland lohnen. Sie hoffen auf klaren Polarhimmel, um die volle Dauer der Dämmerung mitten am Tag zu erleben.
„Selbst nach acht vorangegangenen Sonnenfinsternissen“, sagte Carter, „gibt es auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares zu diesen wenigen außergewöhnlichen Minuten.“
Weder Carter noch Spanien muss dabei allzu lange auf die nächste totale Sonnenfinsternis warten. Bereits am 2. August 2027 wird der Mond die Sonne erneut vollständig bedecken – dann sogar für über 6 Minuten.
(Mit Material von theepochtimes.com)
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Brände wüten in Frankreich und Spanien – Waldbrandforscher analysiert

Auch am Dienstagmorgen bereiten sich Feuerwehrleute auf den Kampf gegen einen wütenden Waldbrand in Frankreich vor. Steigende Temperaturen und trockene Bedingungen im Südwesten erhöhen den Druck.
Das Gebiet in der Nähe von Bordeaux ist von Kiefernwäldern bedeckt, die im trockenen Zustand leicht entflammbar sind. Bislang hat das Feuer 42.000 Hektar verwüstet.
Auch in der spanischen Provinz …
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Brandgefahr: Forscher sieht gemeinsame Ursachen und Lösungen in Spanien, Frankreich, Italien


In Kürze:

  • Die Brandgefahr in Südeuropa ist weiterhin hoch.
  • Weltweit nimmt die verbrannte Fläche seit Jahrzehnten ab, dennoch steigen die Schäden.
  • Gründe dafür sind Veränderungen in der Landwirtschaft sowie der Lebensweise der Menschen.
  • Die meisten Brände werden vom Menschen verursacht.
  • Einfache Maßnahmen tragen zum Brandschutz bei: Auf europäischer Ebene ebenso wie im eigenen Garten.

 
Teile Südeuropas werden in letzter Zeit von schweren Bränden heimgesucht. So brennt es im Südwesten Frankreichs bei Bordeaux, zuvor südlich von Paris bei Fontainebleau. In Spanien vereinigten zwei große Brände zu einem Großfeuer südwestlich von Madrid. Bis zum 26. Juli vernichteten die Flammen bei Madrid rund 32.000 Hektar Land und 42.000 Hektar bei Bordeaux.
Die Brandgefahr ist vor allem im Südwesten Europas weiterhin hoch. Im Süden Großbritanniens, in Frankreich, Süddeutschland sowie in Teilen Spaniens und Mitteleuropas war sie Mitte Juli laut EFFIS, dem Europäischen Dienst für Waldbrandinformationen, extrem hoch.
In der gesamten EU verbrannten bis zum 15. Juli bei insgesamt 1.083 Bränden 167.000 Hektar Land. Beide Zahlen liegen deutlich über dem Durchschnitt des Zeitraums 2006–2025.

Waldbrandgeschehen in der EU vom 20. bis 27. Juli 2026. Farben zeigen die Aktualität der Datenpunkte (lila: jünger als sechs Stunden, rosa: vor 6–12 Stunden, rot: 12–24 Stunden, orange: 1–7 Tage), somit stellen nicht alle Punkte aktive Feuer dar.

Brennt es mehr oder weniger als früher?

Viele Menschen fragen sich daher: „Brennt es heute mehr oder weniger als früher?“ Kurz gesagt, es brennt weltweit weniger, insbesondere verglichen mit der Situation vor längerer Zeit. Jedoch hat sich der Charakter der Brände verändert.
In Afrika, Amerika und Teilen Asiens brannten früher große Teile der Savannen – manchmal auf natürliche Weise, manchmal, weil Menschen die Weideflächen verbessern wollten.
In Nord- und Osteuropa, damals dünner besiedelt, waren große Waldbrände üblich. Sie hatten aber nicht die gleichen Folgen wie heute, da nur wenige menschliche Strukturen betroffen waren.
Im Mittelmeerraum sieht die Situation anders aus. Diese Region wird seit tausenden Jahren vom Menschen genutzt. Dort sind die Brände heute schwerwiegender als früher. Nicht weil, es häufiger brennt, sondern weil mehr Menschen dort leben.

Verbuschung und Brachen führen zu mehr Bränden

„In Südeuropa, insbesondere am Mittelmeer, ist ein recht deutlicher Trend zu beobachten, dass die Brände größer und gefährlicher geworden sind“, sagt Waldbrandforscher Johan Sjöström gegenüber Epoch Times. Der Fachmann des schwedischen Forschungsinstitut Rise sieht als einen wichtigen Grund, dass die Landschaft in Südeuropa vor 50 bis 60 Jahren deutlich anders aussah als heute:
„Sie war voller kleiner landwirtschaftlicher Betriebe und Weideland. Heute ist beispielsweise Katalonien zu 70 Prozent von Wald bedeckt, doch in den 1960er Jahren gab es Wald fast ausschließlich in den Pyrenäen.“
In vielen Regionen würden kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben, da sie wirtschaftlich unrentabel seien. Stattdessen werde das Land aufgeforstet – oft mit schnellwachsenden Bäumen wie Kiefern und Eukalyptus – oder es läge brach. Die aufgegebenen Weideflächen verwildern. Auch Naturschutz kann zu mehr Brandmaterial in den Wäldern führen.

Am 26. Juli 2026 in Saint-Jean-d’Illac, etwa 30 km von Bordeaux entfernt brennt ein Kiefernwald. Die über 220.000 evakuierten Menschen können „erst dann in ihre Häuser zurückkehren, wenn das Feuer unter Kontrolle gebracht wurde“, sagte der örtliche Präfekt.

Foto: Romain Perrocheau/AFP via Getty Images

Verwilderte Buschlandschaften im mediterranen Klima Südeuropas sind leicht entflammbar. Sie bestehen aus verschiedenen Nadelgehölzen und Grasarten, die im Sommer verdorren. Die Vegetation ist niedrig, sodass Flammen alle Teile erfassen können. Sonne und Wind drängen tiefer ein als beispielsweise in einem schwedischen Wald, erklärt Sjöström.
„Diese veränderte Landnutzung ist ein wichtiger Faktor für die Zunahme der Großbrände. Sie wird natürlich durch trockenere und wärmere Sommer noch verstärkt.“ Im Norden Europas trocknen derartige Flächen nicht so schnell aus, sie sind relativ widerstandsfähig gegen Feuer.

Besonderheiten der Jahre 2025 und 2026

Spanien, das gerade einen seiner tödlichsten Waldbrände erlebt hat, verzeichnete 2025 ein „schwarzes Jahr“ in Bezug auf Waldbrände. Die Brandfläche betrug rund 400.000 Hektar. Das entspricht etwa 4,5-mal der Fläche von Berlin, einem Viertel des Bundeslandes Schleswig-Holstein oder etwa der Gesamtfläche von Mallorca.
Sjöström stellte für beide Jahre eine „unglückliche Kombination aus reichlichen Niederschlägen im Winter und trockenem, warmem Sommerwetter“ fest. Anders gesagt: Wenn es im Winter und Frühjahr viel regnet, wächst die Vegetation üppig. Später im Jahr, wenn die Vegetation vertrocknet, ist die Brandlast höher.

Anwohner versuchen mit einfachsten Mitteln am 24. Juli 2026, ihre Region vor dem Brand zu schützen – bei Cebreros in der Nähe von Ávila, 80 km westlich von Madrid.

Foto: Cesar Manso/AFP via Getty Images

Die häufigste Brandursache bleibt der Mensch

Brennbares Material allein erzeugt jedoch kein Feuer. Die eigentliche Brandursache ist meist der Mensch selbst: Laut dem WWF werden 96 Prozent der Waldbrände in Deutschland vorsätzlich oder fahrlässig etwa durch eine achtlos weggeworfene Zigarette, Asche aus einem Grill, die noch glimmte, eine zerbrochene Glasflasche oder den heißen Auspuff einer Forstmaschine – durch Menschen verursacht.
Bei jedem Fünften (20,6 Prozent) ließ sich laut Bundesregierung Brandstiftung nachweisen. Nur die wenigsten Feuer entzünden sich durch einen technischen Defekt einer Hochspannungsleitung oder gar Blitzschlag. Weltweit sind die Zahlen ähnlich.
So geht man in Frankreich derzeit davon aus, dass der Großbrand bei Bordeaux auf forstwirtschaftliche Arbeiten zurückgeht. Im Zusammenhang mit dem Brand in Fontainebleau wurden mehrere Verdächtige festgenommen – es wird Brandstiftung vermutet. Gleiches gilt für den Brand im französischen Var.
In Spanien weist die Regierungsbeauftragte für die Autonome Gemeinschaft Valencia, Pilar Bernabé, für die Brände westlich von Madrid darauf hin: Es „scheine nicht so“, als sei der Brand auf natürliche Ursachen zurückzuführen. Es werde in alle Richtungen ermittelt.
Allein im Jahr 2025 wurden in Griechenland über 300 Menschen wegen Brandstiftung festgenommen.

Menschen auf dem Land leben eher wie Städter

Der schwedische Waldbrandexperte sieht jedoch noch einen anderen wichtigen Grund: Die Lebensweise der Menschen hat sich in der industrialisierten Welt stark geändert. Wer heute auf dem Land lebe, führe nicht immer ein ländliches Leben, sondern oft ein urbanes. Das verändere die Umgebung.
Sjöström zufolge möchten viele Landbewohner schöne Häuser mit Gärten – keine Weiden und Felder. Das habe Konsequenzen sowohl für das Brandrisiko als auch für die Gefährlichkeit von Bränden.
„Früher waren bestimmte Teile der Welt Wildnis, während in anderen Teilen Menschen lebten. Diese Trennung beginnt sich aufzulösen. Deshalb sind wir einer anderen Gefährdung ausgesetzt“, sagt er.
Mit anderen Worten: Wo früher eine Weide war, wuchert heute brennbares Unterholz. Wo einst Felder waren, stehen heute Villen. Natürlich brennt es dann heißer und der Schaden ist größer – auch wenn die Zahl der Feuerbrünste etwas anderes erwarten lässt.

Brände in Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und Griechenland

Statistiken der Europäischen Umweltagentur (EUMED5) zeigen seit 1980 einen leicht rückläufigen Trend hinsichtlich der verbrannten Fläche in den Mittelmeerländern Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland. Ausnahme ist Portugal, dort nahm die verbrannte Fläche zu.
Aufgrund unterschiedlicher Wetterbedingungen sind die jährlichen Schwankungen groß. Auf eine fast rekordgroße Brandfläche im Jahr 2017 folgte beispielsweise 2018 die bislang kleinste Brandfläche in den fünf Ländern: 2017 brannte es auf rund 1,03 Millionen Hektar (10.340 Quadratkilometer), wobei vor allem Portugal betroffen war. 2018 verbrannten 182.000 Hektar (1.820 Quadratkilometer), meist in Mittel- und Nordeuropa.
Auch Daten von Our World in Data zeigen einen abnehmenden Trend: Weltweit nimmt die Brandfläche ab, was auch in Afrika auffällt. Große Brandflächen gab es hingegen in den vergangenen Jahren in Nord- und Südamerika und Ozeanien. Europa blieb bisher meist davon verschont und die Daten deuten noch nicht auf ein Ausnahmejahr hin.
Aber, Sjöström bilanziert, „es gibt eine Zunahme wirklich schwerer Brände, bei denen Menschen ums Leben kommen. Die 250 größten Brände der letzten vier Jahrzehnte ereigneten sich fast alle gegen Ende dieses Zeitraums.“

Seit 2002 ist die Brandfläche weltweit und auf den meisten Kontinenten einen rückläufigig. Am stärksten betroffen sind Buschland und Savanne. Grafik: Our World in Data, CC BY 4.0

Bodenfeuchtigkeit und Wind: Brandgefahr steigt

Die Brandgefahr wird anhand eines meteorologischen Modells berechnet. Es berücksichtigt den Feuchtigkeitsgehalt in verschiedenen Schichten des potenziellen Brennstoffs – an der Bodenoberfläche, etwas tiefer im Boden und in der Tiefe – in Kombination mit dem Wind.
Dieser Brandgefahrenindex FWI stieg zwischen 1980 und 2012 für Europa insgesamt an, insbesondere in den südlichen und östlichen Teilen.
„Dies steht in einem eindeutigen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Der Anstieg war überall dort zu verzeichnen, wo ein mediterranes Klima herrscht, wie in Kalifornien, Südafrika und Südaustralien“, sagt Johan Sjöström.
Dass die verbrannte Fläche im Mittelmeerraum dennoch leicht zurückgegangen ist, wertet die Europäischen Umweltagentur als Zeichen dafür, dass verbesserte Brandbekämpfung und Präventionsmaßnahmen Wirkung gezeigt haben.

Das Klima ist nur ist nur ein Faktor

Sorgt also auch das Wetterphänomen El Niño für mehr Brände in Europa? Bekannt ist, dass Meteorologen für dieses Jahr die Entwicklung eines starken El Niño erwarten. Das Phänomen kann das Wetter in weiten Teilen der Welt beeinflussen.
Dabei verändern sich Wind- und Meeresströmungen nahe des Äquator im Pazifik. Winde treiben dann nicht – wie es normal ist – feuchte Luft nach Westen, also Australien und Südostasien, sondern vermehrt in Richtung der Westküste Südamerikas.
Während in manchen Regionen Regen ausbleibt und es zu Trockenheit kommt, gibt es anderenorts starke Niederschläge und Überschwemmungen. Unter anderem wird es an der Westküste Südamerikas und in den Südstaaten der USA meist regnerischer, während es in Südafrika, Australien und Indonesien zu schwerer Dürre kommen kann.
Auf Mittel- und Südeuropa hat ein El Niño schwächere und weniger direkte Auswirkungen. Die Winter sind häufiger milder, es gibt Hinweise auf erhöhte Wahrscheinlichkeit für nassere Winterphasen in Teilen Mitteleuropas. Im Sommer sind die Zusammenhänge weniger eindeutig: sie könnten in einigen Regionen wärmer und trockener sein.
Allerdings kann für Europa aus dem Wetterphänomen keine direkte erhöhte Brandgefahr abgeleitet werden, es kann jedoch ein möglicher Einflussfaktor von vielen sein.

Gegenmittel: Schafe, Ziegen, bestimmte Baumarten meiden

Welche Maßnahmen empfiehlt der Fachmann, um sowohl das Auftreten von Bränden als auch deren Gefährlichkeit zu verringern?
„In Südeuropa müssen wirtschaftliche Anreize für eine strategischere Landnutzung geschaffen werden“, sagt Sjöström. Derzeit können Waldgebiete direkt an leicht entflammbare Buschgebiete grenzen, die früher Weideland oder Kleinbauernhöfe waren.
„An anderen Stellen muss man die Landschaft fragmentieren, damit sich die Brände eindämmen lassen. Ganz einfach: Weidetiere wieder ansiedeln. Schafe und Ziegen. Und vielleicht etwas vorsichtig sein, wie man bestimmte Bäume pflanzt“, sagt Sjöström.
Für sein Land, Schweden, schlägt er vor, den Anteil von Birken zu erhöhen. Dann würde Moos, das eine Voraussetzung für Waldbrände in Schweden bildet, nicht so hoch werden können.
Hausbesitzern wird europaweit empfohlen, den Garten und insbesondere den Bereich um das Haus von brennbarem Material wie Holz und Unrat freizuhalten und keine Nadelbäume in der Nähe zu pflanzen.
Mit Material der schwedischen Epoch Times.