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Verursacht die Sonne Krebs – oder verhindert sie ihn?

In den letzten Jahrzehnten ist das Bewusstsein für die Gefahren durch Sonnenstrahlung stark gewachsen. Die Risiken, vor allem Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung und Grauer Star, sind heute vielen Menschen bekannt.
Doch ein angemessenes Maß an Sonnenlicht bringt wichtige Vorteile für unsere Gesundheit und immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen zu wenig Sonne und einem erhöhten Risiko für andere Krebsarten wie beispielsweise Darmkrebs oder Brustkrebs.

Sonnenexposition erhöht das Hautkrebsrisiko – aber was ist mit anderen Krebsarten?

Viele Menschen verbinden Sonnenexposition sofort mit Hautkrebs. Das ist verständlich, da Hautkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung ist. Davon entfällt ein Großteil der Diagnosen auf den sogenannten weißen oder hellen Hautkrebs, bei dem die durchschnittliche Sterberate laut Daten des Robert-Koch-Instituts über 10 Jahre unter einem Prozent liegt. Allerdings steht intensive Sonnenexposition mit einem erhöhten Risiko für den gefährlicheren schwarzen Hautkrebs in Verbindung, an dem in Deutschland jährlich etwa 3000 Menschen sterben.
Mittlerweile zeigt die Krebsforschung jedoch ein differenzierteres Bild: Zu wenig Sonnenlicht steht wiederum mit einem erhöhten Risiko für andere Krebsarten in Verbindung.
Bevor wir tiefer in dieses spannende Paradoxon eintauchen, lohnt es sich, erst einmal zu verstehen, wie Sonnenlicht eigentlich in unserem Körper wirkt, vor allem über Vitamin D.
Die Energie der Sonne erreicht die Erde in vielen Formen: als sichtbares Licht, Wärme (Infrarot), ultraviolette Strahlung (UV), aber auch als Radiowellen, Röntgen- und Gammastrahlen.
Von der ultravioletten Strahlung erreichen uns zwei Arten, nämlich UVA und UVB. Die dritte Art, UVC, wird bereits in der Atmosphäre herausgefiltert.
Besonders wichtig ist das UVB-Licht: Es trifft auf die Haut und wandelt dort eine Vorstufe von Cholesterin in Vitamin D3 um. Danach wird es in zwei Schritten aktiviert: Erst baut die Leber es in die Speicherform (Calcidiol) um, und die Nieren machen daraus schließlich das aktive Vitamin D (Calcitriol).
Dieser Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und Vitamin-D-Produktion scheint der Kern der krebshemmenden Wirkung des Sonnenlichts zu sein.
Im Jahr 2022 ergab eine in der Fachzeitschrift Nutrientsveröffentlichte Studie, dass moderate Sonnenexposition mit einem geringeren Erkrankungs- und Sterberisiko für bis zu 23 Krebsarten, darunter Darmkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs, in Zusammenhang steht.
Laut einer weiteren Studie in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives“ haben Menschen in hohen Breitengraden mit wenig Sonne ein höheres Risiko, an bestimmten Krebsarten zu sterben, als Menschen in sonnenreichen Regionen. Dazu gehörten laut den Studienautoren unter anderem das Hodgkin-Lymphom sowie Darm-, Brust-, Eierstock-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Laut einer umfassenden Studie in Nutrients haben Metaanalysen mehrerer Beobachtungsstudien gezeigt, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen höheren 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegeln im Blut und einer geringeren Krebsinzidenz besteht.
US-Forscher haben eine Metaanalyse aus zwei randomisierten klinischen Studien und einer großen Kohortenstudie durchgeführt.
Bei insgesamt 5.038 Frauen zeigte sich folgendes Ergebnis: Frauen mit dem höchsten Vitamin-D-Spiegel (≥ 60 ng/ml) hatten ein um 82 Prozent geringeres Brustkrebsrisiko als Frauen mit dem niedrigsten Spiegel (unter 20 ng/ml).
Nach Bereinigung der Daten um Alter, Body-Mass-Index, Raucherstatus und die Einnahme von Calciumpräparaten wies die gleiche Gruppe immer noch ein um 80 Prozent geringeres Risiko auf, an Brustkrebs zu erkranken, als diejenigen mit der niedrigsten 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration.
Eine weitere Metaanalyse ergab, dass Brustkrebspatientinnen mit der höchsten 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration eine um etwa die Hälfte geringere Sterblichkeitsrate aufwiesen als jene mit der niedrigsten Konzentration.
In einer klinischen Studie nahmen mehr als 2.300 Frauen im Alter von 55 Jahren und älter mit Wohnsitz in Nebraska täglich 2.000 IE Vitamin D3 – das Zwei- bis Vierfache der empfohlenen Tagesdosis – und 1.500 Milligramm Calcium zu sich.
Die Ergebnisse zeigen, dass in den folgenden zwei bis vier Jahren Personen, die eine 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration im Blut von 55 ng/ml erreichten, ein um 35 Prozent geringeres Risiko hatten, an Krebs zu erkranken, als diejenigen mit einer Konzentration von 30 ng/ml.
Eine Metaanalyse von fünf Studien ergab, dass Personen mit einer 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration von 12 ng/ml oder weniger ein um 50 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs hatten als diejenigen mit einer Konzentration von 33 ng/ml oder mehr.

Wie beugt Sonneneinstrahlung Krebs vor?

„Wir glauben, dass Vitamin D eine Vielzahl von Rollen spielt, um das Risiko vieler tödlicher Krebsarten zu senken“, sagte Michael F. Holick, Professor für Pharmakologie, Physiologie und Biophysik an der Chobanian & Avedisian School of Medicine der Boston University, gegenüber Epoch Times.
Studien wie die in Nutrients veröffentlichte deuten darauf hin, dass die aktive Form von Vitamin D3 eine Vielzahl von krebshemmenden Wirkungen hat, darunter die Hemmung des Krebszellwachstums, die Induktion der Krebszellreifung und Apoptose, die Verringerung der Angiogenese sowie die Verringerung der Krebszellmetastasierung.
„Die aktive Form von Vitamin D kann verhindern, dass sich Zellen zu Krebszellen entwickeln. Und falls dies doch geschieht, kann sie auch deren Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme beeinträchtigen und letztendlich zu ihrem Absterben führen, indem sie die Angiogenese unterbindet“, sagte Holick.
Aktives Vitamin D3 ist ein Hormon, das laut einer 2022 in Nutrients veröffentlichten Übersichtsstudie das Immunsystem regulieren kann, indem es auf verschiedene Immunzellen einwirkt.
Niedrige Vitamin-D-Spiegel werden oft mit einer leichten Entzündung in Verbindung gebracht, was sich in erhöhten C-reaktiven Proteinwerten widerspiegelt, die einen signifikanten Risikofaktor für Krebs darstellen.
Zellversuche haben gezeigt, dass aktives Vitamin D3 die Produktion proinflammatorischer Zytokine hemmen kann, was dazu beitragen könnte, chronische Entzündungen zu reduzieren.

Geringe Mengen an UV-Strahlung sind vorteilhaft bei der Krebsbekämpfung

Neben dem durch UV-Strahlung gebildeten Vitamin D kann auch die Strahlung selbst vorteilhaft sein.
Laut einer Übersichtsarbeit in „Progress in Biophysics and Molecular Biology“ überwiegt die schützende Wirkung von weniger intensiver solarer UV-Strahlung auf den menschlichen Körper die potenziell mutagene Wirkung der Strahlung.
Tierversuche haben zudem gezeigt, dass eine Vitamin-D-Supplementierung und die Exposition gegenüber UV-Strahlung zu einer Verringerung der Größe von Dickdarmtumoren bei Mäusen führen können.

Sonneneinstrahlung reguliert den Tagesrhythmus und erzeugt weitere aktive Substanzen

Regelmäßige Sonneneinstrahlung kann den Tagesrhythmus regulieren und die Ausschüttung verschiedener Hormone im menschlichen Körper beeinflussen.
Einige Untersuchungen legen nahe, dass Melatonin das Tumorwachstum hemmen kann und dass die Lichtexposition am Tag die hemmende Wirkung von nächtlichem Melatonin auf das Wachstum von Prostata-, Leber- und Brustkrebs verstärkt.
Der Vorläufer von Melatonin, Serotonin, wird durch die Exposition gegenüber Tageslicht beeinflusst. Es wird normalerweise tagsüber produziert und erst im Dunkeln in Melatonin umgewandelt.
Die Sonnenexposition am Morgen fördert die Ausschüttung von Serotonin, was wiederum die Produktion von Melatonin in der Nacht beschleunigt, so der Artikel in Environmental Health Perspectives“.
Das erhöhte Krebsrisiko bei Nachtarbeitern könnte auf ihren gestörten Tagesrhythmus zurückzuführen sein, der die Produktion von Melatonin beeinflusst.
Sonnenlicht führt nicht nur zur Bildung von Vitamin D3 in der Haut, sondern erzeugt auch andere Fotoprodukte aus Prävitamin D3, die zusätzliche einzigartige biologische Wirkungen haben.
„Es erzeugt eine ganze Reihe anderer Stoffe“, sagte Holick.
Eine systematische Übersicht in Dermatoendocrinology wies darauf hin, dass unzureichende Sonnenexposition viele weitere Risiken mit sich bringt, darunter eine erhöhte Gesamtmortalität, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das metabolische Syndrom, Typ-2-Diabetes, Adipositas und Alzheimer.
Sie steht auch im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Multipler Sklerose, Typ-1-Diabetes, Psoriasis, rheumatoider Arthritis, nicht alkoholischer Fettlebererkrankung, Makuladegeneration, Statinunverträglichkeit und Kurzsichtigkeit zu erkranken.

Wie man sich sicher und effizient der Sonne aussetzt

Die medizinische Fachwelt stellt daher eine moderate Sonnenexposition in den Mittelpunkt.
Laut der Studie in Progress in Biophysics and Molecular Biology werden unter normalen Umständen etwa 90 Prozent des für den Körper essenziellen Vitamin D durch Sonnenexposition gewonnen.
Allerdings verbringen die Menschen heute viel weniger Zeit in der Sonne, insbesondere seit der COVID-19-Pandemie.
Laut den National Institutes of Health sollte der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Plasma einer Person nicht unter 20 ng/ml liegen. Schätzungen zufolge steigt der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Blut pro 100 IE eingenommenem Vitamin D nur um 1 ng/ml (2,5 nmol/l).
Für die meisten Erwachsenen kann eine regelmäßige und kurze Sonnenexposition ausreichend Vitamin D liefern, was effektiver ist als die tägliche Einnahme von 1.000 IE Vitamin D3.
Holick sagte, der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel sollte 75 nmol/l (30 ng/ml) erreichen. Der ideale Bereich liege zwischen 40 und 60 ng/ml.
Im Allgemeinen wird empfohlen, Arme, Beine und andere Körperteile mehrmals pro Woche für 10 bis 15 Minuten der Sonne auszusetzen.
Dies ist jedoch keine absolute Regel, da Faktoren wie Jahreszeit, Breitengrad, Wetter, Tageszeit, Hautpigmentierung, Kleidung, Alter, die Verwendung von Sonnenschutzmitteln und die Frage, ob das Licht durch Glas fällt, die Produktion von Vitamin D3 in der Haut beeinflussen können.
Im Winter beispielsweise trifft das Sonnenlicht in einem schrägeren Winkel auf die Atmosphäre und mehr UVB-Photonen werden von der Ozonschicht absorbiert.
In Gebieten nördlich des 37. Breitengrades auf der Nordhalbkugel kann der Rückgang der Anzahl der UVB-Photonen, die die Erdoberfläche erreichen, von November bis Februar zwischen 80 und 100 Prozent betragen.
 

Im Winter trifft das Sonnenlicht in einem schrägeren Winkel auf die Atmosphäre, sodass mehr UVB-Photonen von der Ozonschicht absorbiert werden.

Foto: choochart choochaikupt/iStock

Am Morgen oder am Abend ist der Winkel des Sonnenlichts so schräg, dass selbst im Sommer die Geschwindigkeit, mit der Vitamin D3 in der Haut von Menschen in diesen Regionen gebildet wird, sehr gering ist.
Menschen mit hellerer Haut benötigen möglicherweise nur kurze Zeit in der Sonne, um ausreichend Vitamin D zu erhalten, während Menschen mit dunklerer Haut möglicherweise mehr Zeit benötigen, um denselben Effekt zu erzielen.
Für die meisten hellhäutigen Menschen kann laut dem zuvor erwähnten Artikel in Environmental Health Perspectives“ ein halbstündiges Sonnenbad in Badekleidung in der Sommersonne innerhalb der folgenden 24 Stunden die Freisetzung von 50.000 IE (1,25 mg) Vitamin D in den Blutkreislauf auslösen, während die gleiche Sonnenexposition bei Menschen mit gebräunter Haut 20.000 bis 30.000 IE Vitamin D liefert und bei Menschen mit dunkler Haut 8.000 bis 10.000 IE Vitamin D.
Laut einer Studie der Universität Genf können durch eine 10- bis 15-minütige Sonnenexposition im Frühling und im Sommer von 22 Prozent der Haut 1.000 IE Vitamin D gebildet werden.
Im Herbst und im Winter ist es jedoch schwieriger, allein durch Sonneneinstrahlung ausreichend Vitamin D zu erhalten, da Menschen in der Regel nur 8 bis 10 Prozent ihrer Haut der Sonne aussetzen, was eine Sonnenexposition von 6,5 Stunden erfordern kann, um die gleiche Menge an Vitamin D zu erhalten.
Eine Studie mit 2.360 Erwachsenen in den USA aus dem Jahr 2022 zeigt, dass eine tägliche Sonnenexposition von etwa 35 Minuten zwischen 9 und 17 Uhr, ohne bewusst zur Mittagszeit ein Sonnenbad zu nehmen, zu idealen Vitamin-D-Serumspiegeln (unter 50 nmol/l) führen kann.
Holick rät außerdem dazu, das Gesicht, das am anfälligsten für Sonnenbrand ist, beim Sonnenbaden zu schützen. Arme, Beine, Bauch und Rücken für eine angemessene und kurze Dauer ohne Sonnenschutzmittel der Sonne auszusetzen, kann laut dem Forscher eine signifikante Menge Vitamin D erzeugen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Does the Sun Cause or Prevent Cancer?“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Lassen Sie das Desinfektionsmittel weg und trainieren Sie Ihr Immunsystem

Die vorherrschende Antwort der konventionellen Pharma- und Impfstoffindustrie lautet, dass funktionelles Wohlbefinden aus einer Pille, einer Nadel oder irgendeiner Art von medizinischer Behandlung resultiert.
Als Landwirt mit Tausenden Tieren und ohne Tierarztrechnungen kann ich bezeugen, dass die vorherrschende konventionelle Vorstellung in der Viehwirtschaft darin besteht, dass ein krankes Tier anscheinend pharmazeutisch benachteiligt ist.
Ich vertrete ein völlig gegensätzliches Paradigma: Ein krankes Tier zeugt von meinen eigenen Fehlern. Vielleicht habe ich schwaches Zuchtmaterial gewählt. In vielen Jahrzehnten der Nutztierhaltung hatte ich ein halbes Dutzend wirtschaftlich bedeutsame Krankheitsausbrüche bei verschiedenen Arten. Jedes einzelne Mal war das Problem meine Schuld – Hygiene, Ernährung, Stress, Unbehagen und Giftstoffe. Ein Tier kann aus vielen Gründen krank werden, von denen keiner darin besteht, dass es medizinisch unterversorgt war.

Was „trainiert“ Immunsysteme?

Das bringt mich zu den Menschen. In seinem ikonischen „New York Times“-Bestseller „Guns, Germs and Steel“ („Arm und Reich“) erklärt Jared Diamond den Aufstieg von Kulturen, die in der Nähe von domestiziertem Vieh lebten. Menschengruppen, die eine enge Beziehung zu domestizierten Nutztieren pflegten, entwickelten bessere Immunsysteme.
Vor vielen Jahren beobachtete der britische Epidemiologe David Strachan, dass Kinder mit mehr älteren Geschwistern weniger Allergien hatten, was darauf hindeutet, dass ein früher Kontakt mit Infektionen dauerhaften Schutz bietet.
Viele in diesem Forschungsbereich schlossen sich dieser „Hygienehypothese“ an und postulierten, dass das Immunsystem wie ein Muskel ist und regelmäßiges Training braucht, um stark zu sein. In Übereinstimmung mit Diamonds allgemeinen Erkenntnissen wird diese Theorie am besten durch Forschung in Finnland gestützt.
Vor etwa zwei Jahrzehnten begannen Forscher in Finnland, dieses Konzept des „Immunsystems als Muskel“ zu untersuchen, indem sie den allgemeinen Gesundheitszustand von eng verwandten Kindern (Cousins oder Geschwistern) verglichen, die in unterschiedlichen Umgebungen lebten. Die Ergebnisse verliehen der Vorstellung, dass das Immunsystem ähnliche Eigenschaften wie ein Muskel besitzt, erhebliches Gewicht.
Kinder, die auf Bauernhöfen aufwuchsen und schon als Kleinkinder in den Stall gingen – und Sie wissen, was ein Kleinkind mit allem macht, was es an den Fingern hat –, waren weitaus robuster als ihre städtischen Altersgenossen. Ein bisschen Mist, Dreck und schimmeliges Heu oder Getreide stimulierten das Immunsystem und verringerten die Anfälligkeit für Erkältungen, Grippe und andere häufige Kinderkrankheiten.
Nun zu einer persönlichen Offenlegung: Freunde, die mich kennen, wissen, dass ich routinemäßig aus Kuhtränken mit den Kühen trinke. Ich tue es nicht, weil ich durstig bin, sondern weil ich eine größere Vielfalt an Kleinstlebewesen in meinem Mikrobiom haben möchte. Und ich möchte einen gewissen Kontakt zu jedem unsichtbaren Widersacher haben, der da draußen sein mag. Der Punkt ist, mein Immunsystem zu trainieren, damit es, wenn etwas wirklich Ernstes auftaucht, stark genug ist, um es abzuwehren.
Ja, ich könnte morgen sterben. Aber seit Jahrzehnten lebe ich viele Jahre ohne die üblichen Probleme, die die meisten Leute plagen. Das ist kein Stolz; es ist die demütige Anerkennung, dass wir einen ehrfurchtgebietenden und wunderbar erschaffenen Körper haben, der bereit ist, Gesundheit zu beherbergen, wenn wir ihm nur den Hauch einer Chance geben.

Desinfektion über den Wolken

Wenn ich in ein Flugzeug steige und der Flugbegleiter mit einem Korb voll antimikrobieller Desinfektionstücher dasteht, lächle ich zunächst. Dann lehne ich mich vor und sage höflich: „Nein, danke. Ich möchte wirklich Ihre Keime.“ Die Situation erzeugt immer einen fragenden Blick. Zweifellos sorgt es auch für Gespräche des Personals in der Bordküche. Vielleicht sagen sie: „Hast du diesen Spinner da drüben gesehen? Er will meine Keime.“
Auf einem kürzlichen Flug nahm ein Paar die Plätze A und B ein, ich saß auf C am Gang. Mit Masken bekleidet setzten sie sich hin und holten sofort Desinfektionstücher heraus. Tabletts, die Rückenlehne und Armlehnen – alles wurde gründlich abgewischt. Dann bot sie mir ihre Tücher an und ich sagte: „Nein, danke, Ma’am. Ich möchte wirklich Ihre Keime einatmen.“
Die Maske verbarg das Gesicht, das entsetzt gewesen sein muss.
Sobald wir in der Luft waren, kamen die Snacks heraus: Pringles, Twizzlers, Reese’s Pieces, Erfrischungsgetränke. Ich glaube, sie hatten eine ganze Supermarktsnackabteilung in ihrem sperrigen Handgepäck. Ich beobachtete sie 1 Stunde lang, wie sie all diesen Müll in sich hineinfutterten. In der 2. Stunde – es war ein 3-stündiger Flug – drückten sie den Rufknopf. Ich fragte mich, was das wohl sollte.
„Wir haben Probleme mit dem Zucker. Können Sie uns bitte etwas Apfelsaft bringen?“
Wollen Sie mich veralbern? Nachdem sie alles sterilisiert und dann Zucker und künstliche Stoffe konsumiert hatten, war mein vorherrschender Gedanke: „Und diese Leute gehen wählen.“ Müll zu essen und Keimparanoia sind ein Rezept für immunologische Fehlfunktionen, aber wir sehen diese Art von dystopischem Verhalten viel zu oft.

Streichelzoo und Dreck

Glücklicherweise scheint es sich herumzusprechen, dass eine muskelähnliche Immunologie real ist. Neue Mütter, die ihre Kleinkinder in Streichelzoos und zu Schlammpfützen bringen, scheinen die neue Manie im Bereich der Wellness für Kleinkinder zu sein. Dies ist eine gesunde Veränderung und ein Trend, der viele Vorteile bringen könnte.
Falls findige Unternehmer in dieser Kolumne so lange bei mir geblieben sind, hier ist mein Vorschlag für ein Millionen-Dollar-Geschäft: Verkaufen Sie mit Kompost und Dreck angereicherte durchlässige Matten an Städter, die sich nach einer robusten Immunfunktion sehnen. Es könnte ein Abonnementservice sein, bei dem alle vier Monate jemand kommt, den alten Kompost und Dreck ausschüttet und die Matte mit neuem Material füllt. Es könnte eine Fußmatte sein oder vielleicht sogar eine Matte, auf die man tritt, wenn man aus der Dusche kommt, um all diese guten Sachen an die nackten Füße zu bekommen.
Ich bin sicher, jemand ist schlau genug, um herauszufinden, wie man das Land in die Stadt bringt. Sicherlich schlage ich nicht vor, dass wir zu offenen Abwasserkanälen und fehlender Kühlung zurückkehren. Ich behaupte, dass die Menschheit zu steril werden kann. Unser aus Milliarden Mitgliedern bestehendes Mikrobiom ist nicht steril, und das wichtigste Maß für Vitalität ist die mikrobielle Vielfalt im Darm. Sie müssen mir keine Provision für die Idee zahlen. Nennen Sie sie einfach beim Namen und legen Sie los.
Wenn wir echte Lebensmittel essen, unverarbeitet, erhalten wir diese mikrobielle Vielfalt und unser Immunsystem genießt ein gewisses Training. Als technisch hoch entwickelte Gesellschaft sind wir zu steril geworden und unser Immunsystem leidet darunter.
Gehen wir wieder nach draußen, in unsere Gärten, in den Dreck. Teilen wir ein paar Keime und genießen wir es, unser Immunsystem zu trainieren. Besuchen Sie wenigstens mal einen Bauernhof.
Das ist doch ein besserer Ansatz, als unser Immunsystem zu schwächen und uns stattdessen auf Spritzen und Tabletten zu verlassen, um den körperlichen Verfall aufzuhalten – finden Sie nicht auch?
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Ditch the Sanitizer and Exercise Your Immune System“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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PCOS: Warum diese Erkrankung jahrzehntelang falsch eingeordnet wurde

15 Jahre lang suchte Sarah Kline Ärzte auf. Sie litt unter ständiger Müdigkeit, konnte trotz großer Anstrengung nicht abnehmen, hatte Fruchtbarkeitsprobleme sowie unregelmäßige und starke Regelblutungen. Doch lange erkannte niemand, dass all diese Symptome zusammenhingen.
Der Grund dafür könnte erstaunlich simpel sein: Die Erkrankung trug womöglich von Anfang an den falschen Namen.
Denn lange galt das Polyzystische Ovarialsyndrom vor allem als Erkrankung der Eierstöcke, wobei Eierstockzysten im Vordergrund standen. Heute sehen Forscher das deutlich differenzierter.
Nach einer langjährigen internationalen Studie mit rund 22.000 Patientinnen wurde nun vorgeschlagen, PCOS künftig in „polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom“ (PMOS) umzubenennen.
Die Endokrinologin Helena Teede vom Monash Centre for Health Research and Implementation ist Erstautorin der Studie, die eine Unbenennung vorschlug. Sie soll deutlicher machen, worum es bei der Erkrankung tatsächlich geht: nicht um Zysten, sondern um eine hormonelle und metabolische Störung, die den gesamten Körper beeinflusst.
„Das zentrale Problem ist, dass bei dieser Erkrankung gar keine vermehrten Zysten vorliegen“, sagte Teede gegenüber Epoch Times. „Der Name blendet praktisch alle wesentlichen Merkmale der Erkrankung aus.“

Kein zystisches Problem

Die frühere Annahme, dass Zysten die Eierstöcke der Patientinnen überfüllen, hielt sich jahrzehntelang.
Echte Zysten sind große, abnormale Eierstockfollikel, die sich auf oder im Eierstock bilden und nach dem Eisprung auftreten, wobei sie manchmal Schmerzen verursachen, wenn sie reißen.
Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei den bei PCOS beobachteten „Zysten“ um unreife Eierstockfollikel handelte – Eiersäcke, die sich zu entwickeln begannen, aber nicht vollständig ausreiften und keinen Eisprung auslösten.
Diese teilweise entwickelten Follikel können sich in den Eierstöcken ansammeln und im Ultraschall das charakteristische „Perlenkettchen“-Muster erzeugen.
Bereits 1921 begannen einige Studien, zu beschreiben, dass die Stoffwechselgesundheit eine Schlüsselrolle bei unreifen Eierstockfollikeln und PCOS spielt.
Der Hauptgrund für die Erkrankung ist die Insulinresistenz, bei der der Blutzucker ansteigt, weil die Zellen ihn nicht richtig aufnehmen. Der Name „PCOS“ und die Missverständnisse über die Erkrankung haben sich jedoch gehalten.
Bis zu 70 Prozent der Frauen mit PMOS haben laut WHO keine korrekte Diagnose. Das mangelnde Verständnis für den metabolischen Charakter der Erkrankung war wahrscheinlich der Grund, warum Kline nach vielen frustrierenden Arztbesuchen immer wieder keine Lösung fand.
Der neue Name – PMOS – soll die verschiedenen Bereiche des Körpers, die betroffen sein können, genauer widerspiegeln: Hormone, psychische Gesundheit, Haut und das Fortpflanzungssystem.
Teede sagte, die gestörten Hormone bei PMOS „verbreiten sich im ganzen Körper und richten in vielen verschiedenen Systemen Chaos an. Und all das wurde ignoriert.“

Insulinresistenz im Mittelpunkt

Die Erkrankung zeigt sich bei den Patientinnen unterschiedlich und im Laufe des Lebens wechselnd, doch Insulinresistenz zieht sich durch fast alle Fälle.
Teede schätzt, dass 85 bis 95 Prozent der PMOS-Patientinnen an Insulinresistenz leiden, was zu erhöhten Androgenwerten – manchmal auch als „männliche Hormone“ bezeichnet – führt, die Gesichtsbehaarung, Akne und unregelmäßige Perioden verursachen können.
„Wenn man die Insulinresistenz behandelt, sinken die Androgene“, sagte Teede. „Wenn man den Androgenüberschuss behandelt, sinkt der Insulinspiegel nicht. Das deutet wirklich darauf hin, dass Insulin einer der Hauptverursacher ist.“
Das Krankheitsbild beginnt typischerweise in der Pubertät mit Akne, unregelmäßigen Perioden und Gewichtsveränderungen. Während der fruchtbaren Jahre leiden Frauen oft unter Unfruchtbarkeit und psychischen Auswirkungen wie Angstzuständen und Depressionen, obwohl auch genetische Komponenten mit einfließen.
Es könnte jedoch für Ärzte und Patienten schwierig sein, die Insulinresistenz bei PMOS-Patientinnen zu beurteilen.
Die neuesten medizinischen Leitlinien stellen fest, dass „Insulinresistenz als ein Schlüsselmerkmal von PCOS anerkannt ist, doch routinemäßig verfügbare Messungen der Insulinresistenz ungenau sind und klinische Messungen derzeit nicht empfohlen werden“.
Die Ernährungsberaterin Martha McKittrick, eine zertifizierte Diabetesberaterin, hofft, dass die Hinzufügung des Wortes „metabolisch“ zum Namen der Erkrankung ein Weckruf für Ärzte sein wird, mehr Vorsorgeuntersuchungen auf Cholesterin und Hämoglobin A1c, eine dreimonatige Blutzuckermessung, durchzuführen.

Tests wie Nüchterninsulin oder der orale Glucosetoleranztest können Insulinresistenz früh erkennen, oft lange bevor sich Typ-2-Diabetes entwickelt.

Foto: Addictive Stock/iStock

Diese Tests messen die langfristigen Folgen einer unkontrollierten Insulinresistenz. Nüchterninsulin oder orale Glucosetoleranztests können durchgeführt werden, mit denen eine Insulinresistenz erkannt werden kann, bevor sie sich zu Typ-2-Diabetes entwickelt.
Die Leitlinien erwähnen auch die Vorteile von Ernährung und Bewegung zur Senkung der Insulinresistenz.
„Sie sollten sich nach Möglichkeit mit einem Ernährungsberater oder einem anderen Gesundheitsfachmann beraten, der über die ernährungsbezogenen Aspekte aufklären kann […] entzündungshemmende Diäten, mediterrane Ernährung, die dazu beitragen können, die Insulinresistenz zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes sowie für Herzerkrankungen zu senken“, sagte McKittrick.

Wie Ernährung den Zyklus steuert

Dr. Joel Evans, Gynäkologe und Mitbegründer sowie Chief Medical Officer von Vayas360, sagte, dass die Ernährung immer Teil seines Behandlungsplans für PMOS-Patientinnen sei und er dabei eine enorme Wirkung beobachtet habe.
Nahrung versorgt den Hypothalamus mit Energie, der Signale an die Hypophyse sendet, die für die Hormonproduktion zuständig ist.
Bei jemandem, der sich gesund ernährt, koordiniert dieser Prozess eine hormonelle Symphonie, die alle 28 Tage eine Eizelle freisetzt und so für einen normalen Menstruationszyklus sorgt.
„Wenn man aufgrund schlechter Ernährungsgewohnheiten einen erhöhten Insulinspiegel hat, verändert das die Funktionsweise des Hypothalamus“, sagte Evans.
„Die Hypophyse bewirkt dann zwei Dinge im Eierstock: Sie stoppt die Eizellenproduktion und den Menstruationszyklus und erhöht den Testosteronspiegel.“
Testosteron kann die Insulinresistenz weiter verschlimmern und so einen Teufelskreis auslösen.
Antibabypillen werden seit Langem zur Regulierung der Hormone bei PMOS-Patientinnen eingesetzt, aber sie wirken sich nicht immer auf den Insulinspiegel aus und es kann Nebenwirkungen geben.
Teede sagte, dass Gewichtsabnahme zwar die Symptome verbessere, Statistiken jedoch die Komplexität des medizinischen Ratschlags „Abnehmen“ aufzeigen, insbesondere für diejenigen, die bereits adipös sind.
Eine Studie im „American Journal of Public Health“ zeigte: Bei Frauen mit schwerer (morbider) Adipositas liegt die Chance, innerhalb eines Jahres 5 Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren, bei nur eins zu sieben.
Dies unterstreicht, wie wichtig eine frühzeitige Intervention ist, bevor sich der Zustand weiter verschlechtert.
Leitlinien fordern eine deutlich bessere Erkennung von PCOS-Merkmalen auch außerhalb der gynäkologischen Praxis.
Dazu gehören vor allem metabolische Risikofaktoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe, psychische Belastungen sowie das erhöhte Risiko für Komplikationen bei Schwangerschaften.

Die Identitätskrise der Erkrankung

Nicht jeder ist davon überzeugt, dass die Umbenennung schnell zu einer besseren Versorgung führen wird. Evans sagte, Berufsverbände und Krankenkassen müssten die Bemühungen unterstützen, damit sie Wirkung zeigen.
„Im Großen und Ganzen glaube ich, dass die Dynamik da ist“, sagte er. „Aber es ist verfrüht, zu sagen, dass alle den Namen ändern.“
Die Identitätskrise der Erkrankung ist nicht neu. Frühe medizinische Bücher beschrieben sie als chronische Ovaritis mit Symptomen wie Unterleibsschmerzen, Menstruationsstörungen, vergrößerten Eierstöcken und Unfruchtbarkeit.
Später wurde die Erkrankung als Stein-Leventhal-Syndrom bezeichnet, benannt nach den Ärzten, deren Arbeit auf früheren Entdeckungen aufbaute.
Bis in die 1970er-Jahre konzentrierten sich die Forscher auf die endokrinen Ursachen der Erkrankung, wobei sich der Fokus ab den 1980er- und 1990er-Jahren auf Stoffwechselstörungen verlagerte. Zu dieser Zeit tauchte auch der Begriff „PCOS“ erstmals auf.
Die heutige Initiative zur Namensänderung dauerte 14 Jahre und umfasste die Befragung von 22.000 Patientinnen. Ironischerweise, so Teede, seien die Patientinnen selbst ein großes Hindernis gewesen, da sich viele so abgewiesen und stigmatisiert fühlten, dass sie sich nicht an der Umbenennungsinitiative beteiligen wollten.
„Sie sind so frustriert. Diese Erkrankung löst sehr starke emotionale Reaktionen aus“, sagte Teede.
McKittrick merkte an, dass die Erkrankung in den letzten Jahren viel mehr Aufmerksamkeit erhalten habe, sie den Effekten der Umbenennung aber skeptisch gegenüberstehe.
„Es könnte eine positive Sache sein und ich bin nicht gegen die Namensänderung. Aber ich bin auch skeptisch, dass plötzlich alles großartig sein wird“, sagte sie und fügte hinzu, dass ein Name den Mangel an Wissen bei Ärzten und Patienten über die Erkrankung selbst nicht sofort beheben werde.

Ein positiver Kreislauf

Bei Kline wurde die Diagnose schließlich im März gestellt, was eine Umstellung mit sich brachte, die eine Kombination aus neuen Medikamenten und Änderungen des Lebensstils beinhaltete.
Sie nimmt nun Metformin ein, das „off-label“ zur Behandlung von PMOS eingesetzt wird. Es senkt den Androgenspiegel, verbessert die Insulinsensitivität und löst den Eisprung aus.
Die Entscheidung für das Medikament sei ihr schwer gefallen, sagte Kline, da es Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Übelkeit und Durchfall mit sich bringe.
Kline nimmt außerdem Myo-Inositol ein, ein Nahrungsergänzungsmittel, das die Insulinsignalisierung und die chemischen Botenstoffe im Gehirn unterstützt und so die psychische Gesundheit fördern soll.
Ihre neue Therapie hat ihr viel Energie verliehen, sodass sie nun selbst kochen und regelmäßig trainieren kann, was einen positiven Kreislauf in Gang gesetzt hat. Außerdem arbeitet sie mit einer Ernährungsberaterin zusammen, die sie über Ernährung aufgeklärt hat.
„Ich kann kaum glauben, dass die Hälfte der Sachen, die ich in meinem Vorratsschrank hatte, so schrecklich war“, sagte Kline. „Ich bin jetzt definitiv auf dem richtigen Weg, aber es hat lange gedauert, bis ich hier angekommen bin.“
Nach all den Irrwegen, die sie durchlaufen musste, sagte Kline, dass die Diagnose an sich ihr wenig bedeutete. Es war die Behandlung, die ihr schließlich Frieden brachte.
Das sei das eigentliche Ziel der Namensänderung, sagte Teede, denn die verzögerte Versorgung schade den Patienten und behindere die Forschung.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „PCOS: One of the Most Misunderstood Conditions Women Face“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Wenn Hass das Denken übernimmt: Ein Blick ins Gehirn

Wenn man jemanden sieht, den man hasst, reagiert das Gehirn mit einem besonderen neuronalen Muster.
Hass erhöht die Aktivität in Regionen, die für Aggression und strategisches Bewerten zuständig sind, während Empathie gleichzeitig gedämpft wird.
Es wirkt, als würde sich das Gehirn auf Konfrontation vorbereiten. Je stärker der Hass, desto intensiver diese Signale.
„Auch wenn jeder Mensch solche Gefühle vielleicht kennt, widerspricht chronischer Hass unserem innersten Kern“, sagte der Therapeut Steven Stosny, Gründer von Compassion Power, gegenüber The Epoch Times. „Wenn Hass chronisch wird, verlieren wir unsere Menschlichkeit.“

Die Neurowissenschaft des Hasses

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns priorisiert aggressives Verhalten und negative Urteile.
Hass deaktiviert laut einer Studie selektiv den rechten superioren frontalen Gyrus – den Bereich, der an der Regulierung impulsiver Reaktionen und dem Verstehen der Gefühle anderer beteiligt ist.
Diese sehr begrenzte Deaktivierung im Gehirn des Hassenden unterbricht die neuronalen „Bremsen“, die aggressive Impulse im Zaum halten, was den Hassenden irrational macht und ihn auf das Ziel fixiert.
Mitchell Landers, Postdoktorand am Institut für Psychologie der University of California, sagte gegenüber The Epoch Times, dass sowohl Liebe als auch Hass eine intensive Bewertung der anderen Person beinhalten, jedoch in entgegengesetzte Richtungen.
Sowohl Liebende als auch Hassende erleben unter intensiven Emotionen eine vorübergehende Beeinträchtigung ihres Urteilsvermögens, was Verhaltensweisen wie „Liebende, die Fehler übersehen, und Hassende, die sie erfinden“ erklärt, so Landers.

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns verstärkt Aggression und dämpft Empathie sowie Impulskontrolle.

Foto: Vadym Plysiuk/iStock

Hass aktiviert mehrere Regionen in den äußeren und inneren Schichten des Gehirns – insbesondere das Putamen und die Insula.
Das Putamen bereitet einen auf das Handeln vor, und die Insula fungiert als Sensor. Wenn diese Regionen vom Hass vereinnahmt werden, können sie Vorgehen, wie Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, fördern.
Hass verstärkt sich selbst. Je mehr man hasst, desto mehr ist das Gehirn darauf programmiert, zu hassen – es ist wie ein schwach dosiertes Gift, das still und leise das Einfühlungsvermögen untergräbt.

Wie Hass den Hasser vergiftet

Hass kann die Empathie-Schaltkreise des Gehirns ausschalten. Eine Studie ergab, dass Teilnehmer, die Hassreden über Minderheitengruppen ausgesetzt waren, weniger Einfühlungsvermögen nicht nur für das Leiden der Minderheitengruppe, sondern auch für das anderer Menschen entwickelten, was zeigt, dass sich Hass ausbreiten kann. Das führt mit der Zeit zum Verschwinden des Mitgefühls.
Die bloße Existenz der gehassten Person sei das Kernproblem des Hassenden, sagte Landers.
„Wenn man jemandem einen negativen Assoziationswert zugeschrieben hat – dass sein Wohlergehen im Widerspruch zu deinem steht –, ist es nur logisch, dass die Sorge um sein Leiden nachlässt.“
Eine Person ist dann nicht nur unfähig, sich in den Schmerz einer anderen Person hineinzuversetzen, sondern wird gefühllos oder empfindet sogar ein gutes Gefühl dabei, sagte er.
Die enge Verbindung von Hass mit Aggression und Feindseligkeit setzt den Hassenden langfristig dem Risiko psychischer und physischer Gesundheitsprobleme aus.
Menschen, die über lange Zeit feindselig sind, sind laut einer Untersuchung mit über 3.000 Teilnehmern stärker gestresst und anfälliger für Depressionen.
Körperlich lösen hassgetriebene Verhaltensweisen wie Wut und Aggression die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die das Immunsystem beeinträchtigen und Entzündungen fördern.
Ein dauerhaft erhöhter Spiegel an Stresshormonen unterdrückt laut Studien die Aktivität der natürlichen Killerzellen, was die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, Infektionen oder Krebs, zu bekämpfen.
Die mit Wut und Aggression verbundene Stressreaktion beeinträchtigt auch die Fähigkeit der Blutgefäße, sich richtig zu entspannen, was aber für eine gute Durchblutung entscheidend ist. Diese Störung ist eine der Hauptursachen für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine im Journal of the „American College of Cardiology“ veröffentlichte Metaanalyse zeigt einen Zusammenhang zwischen Wut, Feindseligkeit und schlechterer Herzgesundheit.
Bei gesunden Menschen erhöhen diese Emotionen das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 19 Prozent. Bei bereits erkrankten Patientinnen und Patienten steigt die Wahrscheinlichkeit für eine schlechte Prognose um 24 Prozent.

Woher kommt Hass?

Hass hat oft seine Wurzeln in ungelöster Wut.
Eine weitere Studie von Landers und Kollegen aus dem Jahr 2025 beleuchtet, wie der Übergang von Wut zu Hass stattfindet.
Wut ist „ein Verhandlungsmechanismus“, so die Einschätzung von Landers. Man ist wütend, wenn man davon ausgeht, dass die Beziehung es wert ist, gerettet zu werden.
Wenn jemandem die Beziehung nicht so wichtig zu sein scheint, wie man es für richtig hält, versucht die Wut durch Druck, andere dazu zu bewegen, ihre Art, einen zu behandeln und zu schätzen, zu ändern.
„Deshalb wollen wütende Menschen reden, wollen Erklärungen, wollen Entschuldigungen“, sagte er.
Wenn Wut wiederholt daran scheitert, die Beziehung zu reparieren, beginnt sie, sich in Hass zu verwandeln.
Hass geht davon aus, dass die Beziehung nicht rettenswert ist, und versucht daher, genau diese Person zu neutralisieren. Aus der Sicht des Hassenden verschlechtert die bloße Existenz der gehassten Person das Leben des Hassenden.
„Kein noch so langes Reden wird die Tatsache ändern, dass es einen romantischen Rivalen gibt, dass ein Konkurrent deine Beförderung bekommen hat oder dass die Anwesenheit einer Person in deiner Gemeinschaft deine Interessen grundlegend bedroht“, sagte Landers.
Hass verschwindet erst, wenn das Zielobjekt ausreichend distanziert oder entmachtet ist, sagte er. Die Herausforderung besteht darin, dass das Erreichen dieser Ergebnisse oft mit Gewalt oder Aggression verbunden ist.
Die aggressiven, feindseligen Handlungen, zu denen der Hass einen treibt, verstärken letztendlich das Gefühl des Hasses, sagte Landers.
Diese sich selbst verstärkende Eigenschaft schafft eine Hassfalle.
Hass entspringt oft aus Hilflosigkeit, sagte Jessica Russo, eine zugelassene klinische Psychologin, gegenüber The Epoch Times.
Wenn man jemanden als Bedrohung wahrnimmt, entsteht ein unbewusstes Gefühl von Schwäche und Hilflosigkeit. Um der Bedrohung entgegenzuwirken, nutzen Menschen möglicherweise einen „Schild aus Hass“, um sich zu schützen.
„Hass ist eine sehr intensive Art von Schutzschild“, so die Ansicht von Russo, „doch indem man Hass nutzt, um sich zu schützen, macht man sich letztlich selbst noch verletzlicher.“
„Wir müssen der Sache auf den Grund gehen, was dahintersteckt, wovor sie sich zu schützen versuchen“, sagte sie.
Russo glaubt, dass Mitgefühl den Schutzschild des Hasses aufbrechen kann, indem es Hoffnung wiederherstellt und die dunklen Gedanken vertreibt. Das Gegenmittel besteht darin, genau das wieder aufzubauen, was der Hass zerstört.

Ein Heilmittel gegen Hass

Menschen besitzen einen Grundwert: ein instinktives Selbstwertgefühl, das in dem Glauben verwurzelt ist, dass jeder Mensch „ein Kind Gottes“ ist. Aus diesem Glauben heraus zu handeln, vermenschlicht das Selbst und andere, während Hass beide entmenschlicht, schrieb Stosny in seinem Buch „Manual of the Core Value Workshop“.
Um Hass zu beseitigen, muss man daher sein Gegenteil kultivieren: Mitgefühl.
„Mitgefühl und Hass sind unvereinbar; je mehr wir das eine tun, desto weniger sind wir in der Lage, das andere zu tun“, sagte Stosny.
Mitgefühl ist ein sehr weit gefasster Begriff, und jeder hat sein eigenes Verständnis davon.
Im Allgemeinen geht es jedoch darum, anzuerkennen, dass Menschen unvollkommen sind und leiden – man selbst und andere eingeschlossen –, was es einem ermöglicht, jeden zu verstehen und ihm Mitgefühl entgegenzubringen.
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Mitgefühl bedeutet, schlechtes Verhalten zu entschuldigen, sagte Stosny.
Bei Mitgefühl geht es jedoch nicht darum, Verhalten zu verzeihen, sondern darum, die Nöte zu verstehen, die andere dazu bringen, sich schlecht zu verhalten.
„Mitgefühl mildert schlechtes Verhalten, toleriert oder entschuldigt es jedoch niemals – denn Verhalten, das gegen menschliche Werte verstößt, ist selbstzerstörerisch“, sagte er.
Mitgefühl beginnt bei einem selbst – und Mitgefühl für sich selbst und andere geht Hand in Hand.
Wenn jemand es versäumt, Selbstmitgefühl zu praktizieren, indem er seine eigenen emotionalen Verletzungen nicht versteht und heilt, verwandelt sich dieses Unbehagen in Groll und Wut, so Stosny, und die Person beginnt, andere für ihren Schmerz verantwortlich zu machen.
Um unverarbeitete Wut oder Groll aufzufangen, bevor sie zu Hass erstarren, empfiehlt Stosny, auf frühe Warnzeichen zu achten:
  • Unverträglichkeit gegenüber Verletzungen oder emotionalem Unbehagen
  • Bewältigung des inneren Unbehagens, indem man anderen die Schuld gibt
  • Unfähigkeit, andere Perspektiven zu erkennen
Es ist entscheidend, den Hasskreislauf zu durchbrechen – das Gehirn aus einem Zustand der Bedrohung oder Ohnmacht herauszuholen, sagte Russo. Sie empfiehlt, sich zunächst vorzustellen, Mitgefühl für das zu empfinden, was einen bedroht oder beunruhigt.
Dann versuche man, die ungesunde Perspektive aufzubrechen, die den Hass schürt. Man fragt sich selbst: „Okay, wenn ich Hass empfinde, bedeutet das, dass ich mich bedroht fühle. Wovor habe ich solche Angst?“
Grundsätzlich entspringe Hass einer „Ich bin das Opfer“-Mentalität, sagte der Sozialpsychologe Yashpal Jogdand gegenüber The Epoch Times.
Wer glaube, ausschließlich selbst das Opfer zu sein, neige dazu, stärkeren Hass auszudrücken, sagte er. Es sei daher wichtig, zu erkennen, dass „beide Seiten gelitten haben“, um so den Kreislauf der Schuldzuweisungen zu durchbrechen und die Menschen zu Empathie zu führen.
Wenn wir den anderen als Teil von uns selbst annehmen, „beginnen wir, unsere gemeinsame Menschlichkeit in allen um uns herum zu sehen.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „What Your Brain Looks Like When You Hate Someone“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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vital

Rettich: Antiker Allrounder für Genuss und Wohlbefinden


In Kürze:

  • Rettich begeistert seit Jahrtausenden mit seiner Würze und Frische.
  • Heute gibt es ihn in vielen verschiedenen Sorten, Formen und Farben. 
  • Senföle und weitere Inhaltsstoffe machen den Rettich besonders wertvoll für die Gesundheit.

Rettich ist ein vielseitiges und beliebtes Gemüse in der Küche. Das aromatische Wurzelgemüse schmeckt sowohl roh – etwa als knackiger Snack oder im Salat – als auch warm zubereitet in verschiedensten Gerichten.
Besonders in Bayern hat Rettich, dort auch „Radi“ genannt, eine lange Tradition. In hauchdünne Scheiben oder spiralförmig aufgeschnitten ist er ein fester Bestandteil der bayerischen Brotzeit.
Ursprünglich stammt Rettich allerdings aus Vorderasien. Bis heute spielt er auch in vielen asiatischen Küchen eine wichtige Rolle. In Ländern wie China, Japan oder Korea wird Rettich beispielsweise eingelegt, getrocknet oder als würzige Zutat in Suppen und Beilagen verwendet.
Rettiche (Raphanus) beeindrucken mit ihrer großen Vielfalt. Ob groß oder klein, rund, länglich, oval oder walzenförmig, es gibt sie in zahlreichen Formen. Auch farblich zeigen sie sich äußerst abwechslungsreich. Das Spektrum reicht von weißen, rosafarbenen und roten Früh- und Sommerrettichen bis zu violetten, braunen oder schwarzen Herbst- und Winterrettichsorten. Das Fruchtfleisch ist meist weiß, einige Sorten sind jedoch vollständig durchgefärbt. Je nach Sorte können Rettiche fast das ganze Jahr über geerntet werden und überzeugen mit unterschiedlich intensiven Aromen – von angenehm mild bis würzig-scharf.
Radieschen zählen zu den engsten Verwandten des Rettichs. Der Meerrettich hingegen ist trotz seines Namens nicht näher mit dem Rettich verwandt. Beide gehören jedoch zur Familie der Kreuzblütler.

Inhaltsstoffe und gesundheitliche Vorteile

Rettich enthält wertvolle Senfölglykoside (Isothiocyanate), die für seine typische Schärfe verantwortlich sind. Je höher der Gehalt an Senfölen, desto intensiver schmeckt er. Diese natürlichen Pflanzenstoffe kommen sowohl in der Wurzel als auch in den Blättern vor und gelten als besonders gesundheitsfördernd.
Senföle wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass Rettich durch das Zusammenspiel verschiedener bioaktiver Substanzen – darunter Polyphenole – antioxidative Eigenschaften besitzt. Dadurch könnte er dazu beitragen, der Entstehung bestimmter Krankheiten wie Diabetes sowie verschiedener Krebsarten, etwa Darm-, Leber- oder Brustkrebs, vorzubeugen.
Bereits seit der Antike wird Rettich in der Volksmedizin geschätzt. Extrakte der Pflanze kamen traditionell unter anderem bei Magenbeschwerden, Harnwegsinfektionen, Leberbeschwerden, Herzerkrankungen und Geschwüren zum Einsatz. Besonders der schwarze Rettich gilt bis heute als bewährtes Hausmittel bei Erkältungen, da er schleimlösend wirken kann.
Darüber hinaus liefert Rettich reichlich Vitamin C sowie wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. Gleichzeitig ist das Gemüse kalorien- und fettarm. Seine Schärfe regt den Stoffwechsel an und kann dabei helfen, unerwünschte Bakterien- oder Pilzbesiedlungen im Darm zu hemmen, während die enthaltenen Ballaststoffe Gift- und Fettstoffe im Darm binden. Dadurch eignet sich Rettich hervorragend für eine figurbewusste Ernährung und kann zugleich die körpereigenen Abwehrkräfte unterstützen.
Ein weiterer Vorteil sind die enthaltenen Bitterstoffe. Sie fördern die Bildung von Verdauungssäften, unterstützen so die Verdauung und können Blähungen sowie Völlegefühl lindern.

Verwendung in der Küche

Rettiche werden besonders gern roh verzehrt. Dafür schneidet man sie am besten in dünne Scheiben, salzt sie leicht und lässt sie kurz ziehen. Das nimmt etwas von seiner Schärfe und er wird bekömmlicher. Anschließend schmeckt er hervorragend auf einem Butterbrot oder als klassischer Bestandteil einer Brotzeit.
Auch als Salat ist Rettich sehr beliebt. Geraspelt oder in feine Scheiben geschnitten lässt er sich hervorragend mit geriebenen Äpfeln kombinieren. Zusammen mit einem Joghurtdressing oder einer klassischen Essig-Öl-Marinade entsteht daraus ein erfrischender, würziger Salat. Doch auch leicht gedünstet, gebraten oder erst am Ende der Garzeit Suppen und Eintöpfen hinzugefügt, entfaltet Rettich ein angenehm mildes und feinwürziges Aroma. Rettich eignet sich darüber hinaus wunderbar zum Einlegen in Essig oder zum Fermentieren.

Rezept Rettichsalat:

Zutaten:
  • 300 g Rettich
  • 1 großer säuerlicher Apfel
  • 200 g saure Sahne
  • Salz, Pfeffer
  • 1 EL Zitronensaft
  • frisch gehackter Schnittlauch
Zubereitung:
  1. Rettich und Apfel in Stifte raspeln.
  2. Saure Sahne mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Schnittlauch verquirlen und abschmecken.
  3. Rettich und Apfel untermischen.
Guten Appetit!
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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vital wissen

30.000 Jahre älter als Gizeh? Alltag und Archäologie in Visoko


In Kürze:

  • Die Pyramiden der Ägypter und der Maya gehören zu den bekanntesten ihrer Art, sind weltweit aber nicht die einzigen.
  • Auch in Europa gibt es Pyramiden, unter anderem in Italien und Frankreich – und womöglich in Bosnien.
  • Die sogenannten bosnischen Pyramiden sollen mehrere Zehntausend Jahre älter sein als jene in Gizeh, Chichén Itzá oder Teotihuacán.
  • Widersprüchliche Forschungsergebnisse und umstrittene Deutung tun dem Tourismus in Visoko keinen Abbruch.

Die Anfahrt ist genauso unspektakulär wie der erste Eindruck: sanfte Hügel und grüne Hänge, an die über Jahrhunderte die Häuser eines bosnischen Städtchens geklebt wurden. Über der betulichen Szene thront einem grünen Kegel gleich der bewaldete Visočica-Hügel. Für Dr. Sam Osmanagić ist er mehr: konkret die „Pyramide der Sonne“ und womöglich die älteste Pyramide der Welt. Die These des Entdeckers: Es handle sich nicht um einen natürlichen Hügel, sondern um ein von Menschen geschaffenes Bauwerk, das im Laufe von Jahrtausenden überwuchert wurde.

Ein Hügel wird zur Sensation

Als Semir Osmanagić Mitte der 2000er-Jahre verkündete, die bewaldeten Hügel rund um Visoko seien in Wahrheit gigantische, von Menschen geschaffene Pyramiden, war die Reaktion gespalten. Für die einen war es eine archäologische Sensation, für die anderen ein spektakulärer Irrtum.
Heute ist die kleine Stadt südlich von Sarajevo ein Pilgerort für Neugierige, Skeptiker und Überzeugte gleichermaßen. Reisebusse rollen an, Freiwillige graben, Besucher lauschen Führungen, in denen von uralten Zivilisationen, energetischen Feldern und verborgenen Kräften die Rede ist. Und von den Ergebnissen zahlreicher Studien, die „Dr. Sam“, wie Osmanagić hier genannt wird, immer wieder auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hat. Taucht er auf, wird er gefeiert wie ein Star. Mit Hut, sandfarbener Outdoorkleidung und gebräunten Lachfältchen entspricht er einer Balkanversion von Indiana Jones.
So ist er auch dieses Mal schnell von einer Traube Menschen umringt. Viele bedanken sich bei ihm, stellen ihm Fragen und fast alle wollen ein Foto oder Selfie mit ihm machen. Sein Händedruck ist fest. Er schildert den Moment seiner „Entdeckung“ wie folgt: „Der Kompass zeigte mir, dass diese Seiten perfekt mit den Himmelsrichtungen Osten, Westen, Norden und Süden übereinstimmten. Für mich war das genug. Ich wusste, dass es sich um ein künstliches Bauwerk handelte.“

Dr. Sam und die Entdeckung von Visoko

Für ihn ist klar: Was hier liegt, sei vergleichbar mit den ebenfalls zugewucherten Pyramiden in Mexiko oder China. Nur größer. Die bosnische „Pyramide der Sonne“ ist laut Osmanagić rund 220 Meter hoch und damit höher als die wohl berühmteste Cheops-Pyramide, die mit ihren ursprünglich 146 Metern – heute knapp 10 Meter weniger – als höchste antike Pyramide gilt.
Zwischen zwei Schichten beziehungsweise Blöcken wurden fossile Rückstände gefunden, die auf ungefähr 34.000 Jahre geschätzt wurden und dem Alter der Pyramiden entsprechen sollen. Damit hätte Osmanagić in Bosnien und Herzegowina die weltweit ältesten Pyramiden gefunden. Und damit wäre auch Osmanagićs These bestätigt, dass es bereits viel früher hoch entwickelte Zivilisationen gab.
Osmanagić, der seit über 40 Jahren zu Pyramidenkulturen, Megalithanlagen und heiliger Geometrie forscht, hat mittlerweile mehr als zwanzig Bücher sowie über dreißig begutachtete Forschungsartikel veröffentlicht. Der wissenschaftliche Widerstand bleibt bis heute ungebrochen. Die European Association of Archaeologists erklärte bereits früh, es gebe keinerlei belastbare Beweise für künstlich errichtete Pyramiden. Viele Geologen sehen in den Formationen natürliche Sedimenthügel, entstanden durch tektonische Prozesse und Erosion.

Eine Wanderung auf die Spitze – oder den Gipfel?

Auf die Spitze der Pyramide der Sonne führt ein teils steiler Wanderweg. Er beginnt in der Altstadt und dauert – je nach Puste – bis zu einer Stunde. Unterwegs läuft man durch Waldstücke, vorbei an freigelegten symmetrischen Steinplatten und kleineren Grabungsstellen.
Auf dem Gipfel liegen die Überreste der alten Königsfestung Visoki Fortress. Diese Ruinen aus dem 14. Jahrhundert werden immer wieder als Begründung genannt, warum die Pyramide nicht komplett freigelegt werden darf. Grabungen am Hügel könnten mittelalterliche Schichten oder andere „echte“ archäologische Funde beschädigen, heißt es.
Der eigentliche Kern der bosnischen Pyramiden liegt jedoch nicht auf dem Hügel, sondern darunter.

Der Weg in die Tiefe

Ins „Innere der Pyramide“ führen die Ravne-Tunnel, schmale Gänge aus Erde, Kies und Holzstreben. Obwohl an den Wänden und auf dem Boden Feuchtigkeit zu sehen ist, ist kein muffiger Geruch wahrnehmbar. Stattdessen atmet man in den wohltemperierten Gängen eine klare Luft ein, selbst in den hinteren Tunneln. Die Schritte hallen hier leise wider. Besucher sprechen automatisch leiser, Männer eine halbe Oktave tiefer.
Das Tunnelsystem erstreckt sich über mehrere Kilometer – ein Labyrinth aus Gängen, Kreuzungen und Kammern. Bislang sind davon rund 3,6 Kilometer freigelegt. Laut Osmanagić sollen es insgesamt über 100 Kilometer auf sieben Ebenen sein. Man geht gebückt, dann wieder aufrecht, vorbei an verschlossenen Seitenwegen, kleinen Kammern, die als Meditationsräume gekennzeichnet sind, und auffallend glatten Wänden.
Nach wenigen Minuten verändert sich die Wahrnehmung. Geräusche verschwinden. Gespräche werden leiser. Manche Besucher setzen sich einfach an die Wand und schließen die Augen. Der Rummel um diesen sagenumwobenen Ort hat auch in den Köpfen seine Spuren hinterlassen.

Heilung unter der Erde?

Für Osmanagić ist das alles kein Zufall. Er beschreibt die Tunnel als Ort besonderer Energie, als Raum der Regeneration. Tatsächlich existieren Messungen bezüglich Luftqualität und negativen Ionen innerhalb der Tunnel. Die Stiftung von Osmanagić verweist auf ihrer Website auf Werte von bis zu 43.000 negativen Ionen pro Kubikzentimeter Luft – deutlich mehr als in gewöhnlichen Waldgebieten.
In den Tunneln wurden zudem mehrere riesige, ovale Steine gefunden. Je weiter man in das Tunnelsystem hineinläuft, desto größer werden diese Megalithen – der bisher größte Stein wiegt um die 25 Tonnen. In jeden der Steine sind verschiedene Symbole oder Runenzeichen eingeritzt. Röntgenaufnahmen hätten gezeigt, erzählen die Guides an diesen Stopps, dass sich im Inneren Quarzkristalle befinden.
Zusammen mit der hohen Anzahl an negativen Ionen werde ein messbares elektromagnetisches Feld erzeugt, das die Luft energetisch reinigt. Wenn alles stimmt, müssen sich die vermessenen Effekte der Cheopspyramide hinten anstellen.
Bis heute lockt die vermeintlich antike Heilmethode Kranke aus dem ganzen Land und aller Welt für Heilsitzungen in die Tunnel. Atmen, hoffen, heilen. Die Tunnel sind gut gefüllt. Niemand drängelt. Die Atmosphäre ist ungewöhnlich friedlich. Die gemeinsame Idee vereint ebenso wie die leisen Zweifel, die bei dem einen oder anderen vielleicht bleiben.

Ein Wirtschaftswunder für Visoko

Besonders stolz ist Osmanagić auf das, was rund um die Ausgrabungen entstanden ist. „Vor zehn Jahren war dies sumpfiges Land voller Müll“, erzählt er und zeigt auf den gepflegten Archäologischen Park rund um die Tunneleingänge. „Wir haben alles selbst aufgebaut. Ohne staatliche Gelder, ohne EU-Unterstützung.“
Kinder spielen auf den grünen Wiesen, kleine Gruppen sitzen unter Bäumen, ein Pärchen lässt die Füße im Bachlauf baumeln, weiter hinten wird die Musikanlage auf einer kleinen Bühne aufgebaut. Hier sieht man keinen einzigen, der in sein Handy starrt. Tatsächlich beschäftigt die Stiftung heute laut eigenen Angaben rund 65 Mitarbeiter: Führer, Archäologen, Arbeiter, Bürokräfte. Es finden Kongresse, Konzerte und Vorträge statt. Für Tennisstar Novak Đoković, der 2022 ein Tenniszentrum auf dem Gelände des Archäologischen Parks eröffnete, ist dieser Platz der „Himmel auf Erden“.
Finanziert werde alles durch Eintrittsgelder, seine Bücher und den Souvenirverkauf. Auch der Ort Visoko profitiert. Amira, deren alteingesessene Familie Gästezimmer („mit Pyramidenblick“) vermietet, erzählt, dass eine Familie aus Kanada, die im letzten Jahr eine Woche lang täglich die Tunnel mit ihrer kranken Tochter besucht hat, jetzt wieder kommt: diesmal für drei Wochen. „Die werden schon wissen, warum“, lacht sie und ergänzt: „Auch bevor Dr. Sam hierherkam und die Pyramiden und Tunnel freilegte, erzählten schon unsere Ältesten, dass da was los ist mit dem Visoko-Hügel. Wir stehen hier alle hinter ihm. Wer heilt, hat recht, oder?“
Für Kenan, der in einem Restaurant am idyllischen Flussufer mit Blick auf den Hügel von Visoko arbeitet, ist die Sache ebenfalls klar: keine Pyramide. „Dann hätten sie sie doch längst vollständig freigelegt“, erklärt uns der junge Mann achselzuckend. Osmanagić selbst sieht seine Erfolgsgeschichte von Widerständen begleitet. Universitäten und Museen hätten ihn von Anfang an abgelehnt. „Sie sagten: Keine Pharaonen in Bosnien. Deshalb auch keine Pyramiden in Bosnien.“

Keine Pharaonen in Bosnien?

Im Eingangsbereich des Archäologischen Parks weht eine blaue Flagge im Wind. Darauf stehen drei Worte: „Ljubav. Mir. Sloboda.“ – „Liebe. Frieden. Freiheit.“ – das sind Begriffe, die in Visoko noch häufiger fallen als wissenschaftliche oder archäologische Fachbegriffe.
Das erinnert irgendwie an das zentrale Prinzip der ägyptischen Pharaonen, die sich als Hüter der Ma’at sahen: Wahrheit, Gerechtigkeit, Ordnung, Harmonie und Gleichgewicht. Sie mussten Chaos, Isfet, bekämpfen und kosmische sowie gesellschaftliche Balance wahren. Unter südamerikanischen Pyramidenbauern galten wiederum Ayni und Munay als direktere Analogie zu Liebe und Frieden, was seinerseits Verbindungen nahelegt.
Veranstaltungstipp: Sommersonnenwende bei den bosnischen Pyramiden
Vom 14. bis 24. Juni 2026 findet in Visoko erneut das „Summer Solstice Festival“ rund um die bosnischen Pyramiden statt. Auf dem Programm stehen Vorträge, geführte Touren durch die Ravne-Tunnel, Meditationen, Yoga-Sessions und Konzerte im Park Ravne 2. Als Sprecher angekündigt sind unter anderem Semir Osmanagić sowie internationale Autoren und Grenzwissenschaftler. Weitere Informationen und das vollständige Programm gibt es hier.
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vital

Neue Studie: Beliebtes Anti-Aging-Vitamin könnte Krebsbehandlung ausbremsen

In Kürze:

  • Viele Menschen nehmen Vitamin-B3-Präparate wie NMN oder NR ein, um ihre Energie und Gesundheit zu fördern sowie ihren NAD-Spiegel zu erhöhen.
  • Eine neue Studie zeigt jedoch, dass genau diese Substanzen Bauchspeicheldrüsenkrebszellen widerstandsfähiger gegen Chemotherapie machen können.
  • In Labor- und Mausmodellen wuchsen Tumore unter NMN schneller und reagierten deutlich schlechter auf gängige Chemotherapeutika.
  • Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse vorläufig sind, empfehlen Krebspatienten aber, die Einnahme solcher Nahrungsergänzungsmittel mit ihrem Arzt zu besprechen.

 
Viele Menschen nehmen täglich Niacin-Präparate ein – auch bekannt als Vitamin B3. Damit können sie laut Untersuchungen vor allem im Alter ihren Energiehaushalt,  einen verlangsamten Alterungsprozess und eine bessere allgemeine Gesundheit unterstützen. Allerdings könnte für Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, laut ersten Labor- und Tierstudien Vorsicht geboten sein.
Die neue Studie legt nahe, dass Krebszellen genau dieses B3 aufnehmen und nutzen könnten, um sich widerstandsfähiger gegen Chemotherapie zu machen.
Die in der Fachzeitschrift „Cancer Letters“ veröffentlichte Studie zeigt, dass vor allem Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) – eine mit Vitamin B3 verwandte Verbindung, die in vielen Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz kommt – Bauchspeicheldrüsenkrebszellen in Labortests drei- bis siebenmal resistenter gegen gängige Chemotherapeutika macht.
Auch in Mausmodellen für Bauchspeicheldrüsenkrebs beschleunigte NMN das Tumorwachstum. Gleichzeitig reagierten die Tiere schlechter auf die Chemotherapie – selbst bei Dosierungen, die einer typischen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln entsprechen sollten.
In den untersuchten Mausmodellen reduzierte NMN die typische tumorverkleinernde Wirkung der Chemotherapie von 60 bis 70 Prozent auf nur noch 20 bis 30 Prozent.
„Antioxidantien wie NMN und verwandte Verbindungen unterstützen das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen und schützen sie vor den therapeutischen Vorteilen der Chemotherapie“, so der Hauptautor Dr. Jordan Winter, Professor an der Case Western Reserve University School of Medicine, gegenüber The Epoch Times.

Wie NMN die Behandlung untergräbt

Nahrungsergänzungsmittel wie NMN sowie andere Varianten von Vitamin B3 wie Nicotinamidribosid (NR) und Nicotinamid (NAM) sind beliebt, um den Nicotinamidadenindinukleotid-Spiegel (NAD) zu steigern. NAD ist ein Molekül, das jede Zelle benötigt, um Energie zu produzieren, DNA zu reparieren und mit Stress umzugehen.
Die Reparaturkräfte von NAD, die normalerweise für alternde Zellen hilfreich sind, können bei Krebs laut der aktuellen Studie problematisch sein.
NMN erhöht den NAD-Spiegel auch in Krebszellen und hilft ihnen so, DNA-Schäden durch Chemotherapie zu reparieren und die Behandlung zu überleben, fanden die Forscher heraus.
In Laborexperimenten führte ein erhöhter NAD-Spiegel dazu, dass Bauchspeicheldrüsenkrebszellen drei- bis siebenmal resistenter gegen gängige Chemotherapeutika wurden – darunter Gemcitabin, Oxaliplatin und 5-Fluorouracil, die häufig bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsen- und Gallengangskrebs eingesetzt werden.
Von den untersuchten Substanzen wirkte NMN am stärksten, NR zeigte eine mäßige Schutzwirkung und NAM hatte kaum Auswirkungen.
Die Forscher fanden heraus, dass NMN Krebszellen auf mehreren Wegen widerstandsfähiger macht.
Das Molekül kurbelt nicht nur die Energieproduktion an und schützt die Mitochondrien während der Chemotherapie, sondern beschleunigt auch die Reparatur von DNA-Schäden, die eigentlich zum Absterben der Tumorzellen führen sollen.

Warum Tumoren der Bauchspeicheldrüse schwer zu bekämpfen sind

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bekanntermaßen schwer zu behandeln. Tumoren wachsen in Bereichen mit wenig Sauerstoff und begrenzten Nährstoffen – Bedingungen, die viele normale Zellen abtöten würden.
Um zu überleben, sind Bauchspeicheldrüsenkrebszellen stark auf interne Unterstützungssysteme angewiesen – einschließlich NAD-abhängiger Stoffwechselwege.

Bauchspeicheldrüsenkrebs wächst unter Sauerstoff- und Nährstoffmangel und ist schwer behandelbar.

Foto: Shidlovski/iStock

Dadurch sind Tumoren der Bauchspeicheldrüse besonders empfindlich gegenüber NAD-steigernden Nahrungsergänzungsmitteln.
Was einer gesunden Zelle hilft, mit dem mit dem Altern verbundenen Stress fertig zu werden, könnte auch Krebszellen einen zusätzlichen Vorteil verschaffen.
Die Wirkungen von NAD-steigernden Verbindungen sind jedoch nicht bei allen Krebsarten einheitlich. In einigen Studien zu Gebärmutterhals-, Brust-, Leber- und Lungenkrebs scheinen NAM-Nahrungsergänzungsmittel die Chemotherapie wirksamer zu machen.
Wissenschaftler begründen dies damit, dass der Unterschied wahrscheinlich auf die Art des Krebses, die Dosierung des Nahrungsergänzungsmittels und die Art und Weise zurückzuführen ist, wie einzelne Tumoren Energie verwerten.
Ein ähnliches Paradoxon wurde bei Antioxidantien wie den Vitaminen C und E beobachtet. Einige Untersuchungen zeigen, dass sie das Tumorwachstum unterstützen können, obwohl sie gleichzeitig die Nebenwirkungen der Behandlung reduzierten.

Was Patienten tun können

Winter weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei um präklinische Ergebnisse handelt, die an Zellen und Tiermodellen gewonnen wurden. Die Daten sind seiner Einschätzung nach jedoch so auffällig, dass er der Ansicht ist, dass in Bezug auf Krebspatienten gehandelt werden muss.
„Chemotherapie und Bestrahlung zielen darauf ab, Krebszellen durch oxidativen Stress zu schädigen“, sagte er. „Alles, was diesen Zellen hilft, diesen Schaden zu reparieren oder diesen Stress zu reduzieren, könnte der Behandlung potenziell entgegenwirken.“
Die Studie legt jedoch nicht nahe, dass diese Nahrungsergänzungsmittel gesunden Menschen schaden.
Für Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, die eine Chemotherapie erhalten, könnten die möglichen Risiken jedoch erheblich sein.
Besonders problematisch: Manche Betroffene nehmen NAD-steigernde Nahrungsergänzungsmittel gezielt gegen die Nebenwirkungen der Behandlung ein – und könnten damit unbeabsichtigt die Wirkung der Chemotherapie abschwächen.
Die Forscher fordern eine routinemäßige Überprüfung der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei Krebspatienten sowie weitere klinische Studien zu NAD-Boostern und Krebstherapien. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse, rät Professor Winter Patienten, die sich einer Behandlung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs unterziehen, diese Risiken unverzüglich mit ihrem Onkologen zu besprechen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Popular Anti-Aging Vitamin Might Affect Pancreatic Cancer Treatment“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Trinken Sie noch aus To-go-Bechern? Warum Sie damit ab heute aufhören sollten

Der warme Kaffee im To-go-Becher – praktisch, aber vielleicht nicht so ganz unbedenklich: Genau dieser Becher könnte das Getränk ungesund werden lassen.

Eine neue Studie zeigt: Durch Wärme werden Tausende bis Hunderttausende Mikroplastikpartikel aus dem Bechermaterial in Kaffee oder Tee abgegeben.

Hitze und die Wahl des Bechers spielen eine Rolle

Die im „Journal of Hazardous Materials: Plastics“ veröffentlichte Studie ergab, dass Hitze ein entscheidender Faktor für die Freisetzung von Mikroplastik aus Einwegbehältern ist.
Zwar wurde Mikroplastik unabhängig von der Temperatur, bei der das Getränk aufbewahrt wurde, freigesetzt, doch stieg die Freisetzungsmenge mit zunehmender Temperatur an.
Die Forscher analysierten zunächst Daten aus 30 begutachteten Studien zur Freisetzung von Mikroplastik aus verschiedenen Kunststoffprodukten und konzentrierten sich dabei auf Faktoren wie Temperatur und Einweichzeit.
Produkte aus Materialien wie:
  • Polyethylen (PE),
  • Polyethylenterephthalat (PET),
  • Polypropylen (PP),
  • Polystyrol (PS),
zeigten mit steigender Temperatur einen signifikanten Anstieg der Mikroplastikfreisetzung, wobei die Auswirkungen im für Heißgetränke typischen Hochtemperaturbereich am ausgeprägtesten waren.
PE wird häufig in Plastikbechern und -einlagen verwendet, PP in Mitnahmebehältern und Deckeln, PS in Schaumstoffbechern und Lebensmittelverpackungen und PET in Getränkeflaschen.
Unter diesen zeigte PET im Allgemeinen den geringsten Anstieg der Freisetzung bei steigender Temperatur, was auf eine höhere thermische Stabilität als bei den anderen Typen hindeutet.

Hitze beschleunigt Freisetzung

In allen Studien waren höhere Temperaturen, insbesondere über 60 °C, mit einem stärkeren Anstieg sehr kleiner Partikel – unter 1 Mikrometer – im Vergleich zu größeren Partikeln verbunden, was darauf hindeutet, dass Hitze den Oberflächenabbau beschleunigt.
Becher und Lebensmittelbehälter zeigten einen deutlich stärkeren temperaturbedingten Anstieg der Mikroplastikfreisetzung als Flaschen, die in der Regel aus hitzebeständigerem Kunststoff bestehen und seltener für heiße Flüssigkeiten verwendet werden.
Das Ausmaß der Auswaschung variierte stark je nach Material und Studiendesign, wobei einzelne Studien unter bestimmten Bedingungen bei hohen Temperaturen Hunderte oder sogar Hunderttausende von Partikeln pro Liter Wasser feststellten.
Die Verweildauer eines Getränks im Behälter war jedoch kein so konsistenter Einflussfaktor für die Mikroplastikauswaschung wie die Temperatur.

Das Becher-Experiment

Für eine praxisnahe Untersuchung sammelten die Forscher Hunderte Kaffeebecher zweier Haupttypen: PE-Kunststoffbecher und Papierbecher mit einer Polyethylenbeschichtung, die wie Papier aussehen, aber eine dünne innere Kunststoffschicht haben, um sie wasserdicht zu machen.
Die Studie bestand aus zwei Teilen. Der erste Teil umfasste die Analyse bestehender Forschungsergebnisse, während der zweite Teil das Experiment unter realen Bedingungen betraf.

Klarer Unterschied zwischen den Bechertypen

Während die Auswertung mehrere gängige Kunststoffe wie PE, PET, PP und PS umfasste, konzentrierte sich der experimentelle Teil der Studie speziell auf zwei Kunststofftypen, die als die am häufigsten verwendeten Arten von Take-away-Bechern identifiziert wurden.
Im Experiment wurden die Becher mit gereinigtem Wasser befüllt, aus dem Mineralien und Ionen entfernt worden waren, um Hintergrundverunreinigungen zu vermeiden. Die Temperatur betrug 41 °F (5 Grad Celsius) oder 140 °F (60 Grad Celsius), um die typischen Temperaturen von Eiskaffee beziehungsweise heißem Kaffee zu simulieren.
Das Wasser wurde 30 Minuten lang stehen gelassen – eine Zeitspanne, die gewählt wurde, um die typische Kontaktzeit mit dem Getränk widerzuspiegeln und nicht die Langzeitlagerung –, wobei die Becher abgedeckt waren, um Verunreinigungen aus der Luft zu vermeiden.
Die ins Wasser ausgelösten Mikroplastikpartikel wurden anschließend durch Filtration gesammelt und analysiert.
Die Autoren merkten an, dass die Temperatur allein möglicherweise nicht vollständig die realen Bedingungen bei Getränken widerspiegelt, da Faktoren wie der Säuregehalt des Kaffees oder Milchfett die Partikelabgabe von Kunststoffen zusätzlich beeinflussen könnten.
Bei beiden Temperaturen lösten sich aus beiden Becherarten Mikroplastikpartikel, jedoch setzten PE-Kunststoffbecher mehr Partikel frei als PE-beschichtete Papierbecher.
Die Erhöhung der Wassertemperatur von kalt auf heiß steigerte die Mikroplastikfreisetzung aus PE-Bechern um etwa ein Drittel, während der Anstieg bei PE-beschichteten Papierbechern deutlich geringer ausfiel.
Bei der Untersuchung der Innenflächen unter dem Mikroskop stellten die Forscher fest, dass die Hitzeeinwirkung die Oberflächenrauheit der Polyethylenbecher erhöhte und so eine unebenere, beschädigte Oberfläche schuf, die dazu neigte, Partikel abzugeben.
Die chemischen Analysen lieferten kaum Hinweise darauf, dass die Hitze die chemische Zusammensetzung der Kunststoffe veränderte, was darauf hindeutet, dass der Anstieg eher auf eine physikalische Oberflächenzerstörung als auf einen chemischen Abbau zurückzuführen war.
Die Autoren schätzen, dass der tägliche Genuss eines 300-ml-Heißgetränks dazu führen könnte, dass pro Jahr etwa 360.000 Mikroplastikpartikel aus PE-Bechern aufgenommen werden, verglichen mit etwa 240.000 Partikeln pro Jahr aus PE-beschichteten Papierbechern.

Komplexer als ein Etikett

Lisa Zimmermann, eine der Hauptautorinnen einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 über Mikroplastik aus Lebensmittelverpackungen, die nicht an der aktuellen Studie beteiligt war, sagte, dass die Freisetzung von Mikroplastik von mehr abhänge als nur davon, ob ein Produkt als PE oder PET gekennzeichnet ist.
Selbst zwei Kunststoffe, die als Polyethylen identifiziert wurden, können sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihren Herstellungsverfahren erheblich unterscheiden, was die Anzahl der Partikel beeinflussen kann, die sie abgeben.
„Das einzelne Produkt und seine Handhabung bestimmen die Freisetzung von Mikroplastik“, erklärte sie gegenüber The Epoch Times.
Sie merkte an, dass stärkeres Schütteln und höhere Temperaturen tendenziell mehr Partikel freisetzen als schonendere Handhabung und niedrigere Temperaturen.
Jane Muncke, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin des Food Packaging Forum in Zürich, Schweiz, sagte gegenüber The Epoch Times, dass Papier-Kaffeebecher während des Transports und der Lagerung typischerweise gestapelt werden, was ein zusätzliches Problem auslösen kann.
Wenn die Außenseite bedruckt ist, kann die Außenseite eines Bechers die Innenseite eines anderen Bechers berühren – ein Vorgang, der als Abdruckmigration bekannt ist –, wodurch Druckfarben auf die Oberfläche, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommt, übertragen werden und möglicherweise in heiße Getränke gelangen können.
„Da Druckfarben oft bedenkliche Chemikalien enthalten, kann dies gesundheitliche Bedenken aufwerfen.“

Warum Wissenschaftler über Mikroplastik besorgt sind

Weltweit werden jedes Jahr schätzungsweise 250 bis 300 Milliarden Einwegbecher entsorgt. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass diese Alltagsprodukte eine bedeutende Quelle für die Exposition gegenüber Mikroplastik sein könnten.

Selbst gleiche Kunststofftypen (z. B. Polyethylen) können sehr unterschiedlich viel Mikroplastik abgeben.

Foto: MargJohnsonVA/iStock

Während einige Studien darauf hindeuten, dass die Exposition gegenüber Mikroplastik Entzündungen, oxidativen Stress und Immunreaktionen auslösen kann, warnen Forscher, dass es noch keinen klaren Konsens darüber gibt, wie viel sich im Körper anreichert oder welche langfristigen Folgen dies haben könnte.
„Es gibt genügend Hinweise, um besorgt zu sein“, sagte Desiree LaBeaud, Ärztin, Wissenschaftlerin und Epidemiologin an der Stanford Medicine und eine der Gründerinnen der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Plastics and Health“ an der Stanford University, gegenüber The Epoch Times.
„Kunststoffe sind allgegenwärtig, daher ist eine vollständige Vermeidung für die meisten Menschen nicht realistisch“, erklärte Sophia Young, Mikroplastikforscherin an der University of Alberta, gegenüber The Epoch Times.
Der effektivste Weg, die Mikroplastikbelastung zu reduzieren, sei es, den direkten Kontakt mit Kunststoffen zu verringern.

Den Kaffee mit weniger Schadstoffen genießen

Praktische Tipps zur Verringerung der Belastung bei der Verwendung von Kunststoffen:
  • Speisen oder Getränke nicht in Plastikbehältern erhitzen.
  • Heiße Speisen oder Getränke etwas abkühlen lassen, bevor sie in Plastikbecher umgefüllt werden.
  • Nach Möglichkeit wiederverwendbare Materialien verwenden, die kein Plastik enthalten, wie Glas, Keramik oder Edelstahl.
  • Die Abnutzung von Kunststoffpartikeln minimieren, da zerkratzte oder beschädigte Kunststoffe mehr Partikel abgeben.
  • Plastik sowohl bei Tassen als auch bei Zubereitungsutensilien vermeiden. Wasserkocher aus Edelstahl verwenden und Kaffeemaschinen ohne Kunststoffteile sowie Metallfilter anstelle von Kapseln.
  • Teebeutel aus Papier wählen oder zu losem Tee wechseln, da einige Teebeutel Plastik enthalten.
Viele Menschen meiden Kunststoffe wegen BPA (Bisphenol A), einer Chemikalie, die Bedenken hinsichtlich einer potenziell hormonstörenden Wirkung aufkommen lässt.
Samantha Romanick, wissenschaftliche Mitarbeiterin für analytische Chemie bei der Environmental Working Group und Molekularbiologin, die die gesundheitlichen Auswirkungen der Mikroplastikbelastung untersucht, sagte gegenüber The Epoch Times, dass viele Kunststoffe zwar als BPA-frei gekennzeichnet seien, dies jedoch nicht bedeute, dass sie frei von anderen Bisphenolen wären.
Aus diesem Grund, so sagte sie, seien Metall, Glas oder Keramik nach wie vor die sichersten Optionen für Heißgetränke.

Recycling-Code und kompostierbare Becher

Wenn Einwegkunststoffe unvermeidbar sind, sei eine der einfachsten Möglichkeiten, um Kunststoffarten zu identifizieren, die Überprüfung des Recycling-Codes – eine auf dem Produkt aufgedruckte Zahl von 1 bis 7, so Young.
Diese Zahlen entsprechen im Allgemeinen bestimmten Polymeren wie Polyethylen, Polypropylen oder Polystyrol, was einen ungefähren Eindruck davon vermitteln kann, wie sich ein Material bei Hitzeeinwirkung verhält.
Einige Experten verweisen auf kompostierbare Becher als Alternative. Zimmermann merkte jedoch an, dass selbst Einwegbecher aus kompostierbarem Kunststoff immer noch Kunststoff sind und daher genauso anfällig für die Freisetzung von Mikroplastik seien wie herkömmlicher Kunststoff.
„In manchen Fällen kann sogar noch mehr freigesetzt werden, da kompostierbare Materialien so konzipiert sind, dass sie sich mit der Zeit zersetzen“, fügte sie hinzu.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Scientists Measured Microplastics in Coffee Served in To-Go Cups. Here’s What They Found“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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37 Proteine gegen das Altern: Haben Sie den Langlebigkeits-Schlüssel im Blut?

Mit dem Alter verlieren wichtige Proteine unserer Zellen meist ihre Kraft, doch bei Hundertjährigen bleiben 37 entscheidende Proteine jugendlich fit. Eine neue Schweizer Studie zeigt: Dies könnte ein wesentlicher Faktor für ein langes, gesundes Leben sein.

Die Biologie des Alterns – warum sie variiert

Das Altern wirkt sich auf jeden Menschen unterschiedlich aus. Während viele ältere Erwachsene mit chronischen Krankheiten und Gebrechlichkeit zu kämpfen haben, bleiben einige bis weit über 100 Jahre hinaus bemerkenswert gesund.
Wissenschaftler vermuten seit Langem, dass dies vor allem den Genen zu verdanken ist. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Antwort spezifischer und umsetzbarer ist als bisher angenommen.
Die in „Aging Cell“ veröffentlichte Studie analysierte das Blut von Hundertjährigen und verglich deren Immun- und kardiometabolische Proteinprofile mit denen gesunder Erwachsener im Alter von 30 bis 60 Jahren sowie mit denen hospitalisierter älterer Erwachsener im Alter von 80 bis 90 Jahren.
Mithilfe der Proteomik, einer Technik, die Hunderte Proteine gleichzeitig misst, untersuchte das Team, wie sich die Proteinkonzentrationen im Laufe des Lebens verändern, um Signalwege zu identifizieren, die die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit im hohen Alter erklären könnten.
Bei den Hundertjährigen wurden 583 Proteine in anderen Konzentrationen exprimiert als bei den beiden anderen Gruppen.
Unter diesen Proteinen stachen 37 hervor, deren Konzentrationen eher denen jüngerer Erwachsener als denen typischer älterer Erwachsener entsprachen.
Dies ist ein Muster, das mit den Ergebnissen anderer groß angelegter Studien an Hundertjährigen und etablierten Alterungsbiomarkern übereinstimmt.
„Diese Studie untermauert ein zentrales Prinzip der Langlebigkeitsforschung: Außergewöhnliches Altern bedeutet nicht, dem biologischen Verfall zu entkommen, sondern selektiv wichtige Regulationsmechanismen zu bewahren“, sagte Sou Ahdjoudj Orlando, Langlebigkeitsforscher und Gründer von AION Life, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber The Epoch Times.

Die biologischen Systeme, die sich dem Altern widersetzen

Die 37 Proteine gruppierten sich um fünf zentrale biologische Prozesse:

1. Zellbeseitigung

Sechs der Proteine gruppierten sich um die Apoptose, den Prozess, der beschädigte Zellen beseitigt. Eine effiziente Entfernung dysfunktionaler „Zombie“-Zellen könnte dabei helfen, chronische Entzündungen zu verhindern und das Krebsrisiko zu senken.

2. Oxidativer Stress

Fünf Proteine, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen, wurden bei Hundertjährigen in geringeren Mengen exprimiert – ein zunächst kontraintuitiv erscheinender Befund.
Niedrigere Konzentrationen an antioxidativen Proteinen deuten wahrscheinlich darauf hin, dass die Zellen von vornherein weniger Stress ausgesetzt sind, und nicht darauf, dass ihre Abwehrmechanismen versagen, sagte Orlando und bezeichnete dies als „ein Zeichen von Resilienz statt von Resistenz“.
Dr. Gabriel Alizaidy, Experte für Langlebigkeit und Präzisionsmedizin, stellte fest, dass vier der 37 Proteine – SOD1, PRDX3, HMOX1 und GLRX – auf den Schutz der Mitochondrien hindeuten.
Mitochondrien erzeugen Energie, produzieren aber auch reaktive Sauerstoffspezies, die sich ansammeln und die Zellen im Laufe der Zeit schädigen.
Wenn sie effizient arbeiten, liefern sie konstante Energie und produzieren dabei weniger schädliche Moleküle. Das trägt dazu bei, Zellschäden zu begrenzen, insbesondere in energieintensiven Geweben wie den Gehirnzellen.
„Diese vier Proteine beseitigen diese durch verschiedene Mechanismen. Die Tatsache, dass alle vier bei Hundertjährigen gemeinsam auf einem jugendlichen Niveau gehalten wurden, zeigt, dass die Widerstandsfähigkeit der Mitochondrien kein Nebenaspekt des außergewöhnlichen Alterns ist, sondern ein zentrales und durchgängiges Thema“, sagte Alizaidy.

3. Gewebeintegrität und Glukosekontrolle

Proteine, die Zellen stützen und dabei helfen, sie an ihrem Platz zu halten, bildeten eine weitere Gruppe, die potenziell zur strukturellen Gewebeintegrität und möglicherweise zur Krebsabwehr beiträgt.
Innerhalb dieser Gruppe war DPP4, ein Enzym, das GLP-1 abbaut – ein Hormon, das die Insulinfreisetzung stimuliert –, bei Hundertjährigen gut erhalten geblieben.
Obwohl dies auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt – schließlich senkt Insulin den Blutzuckerspiegel –, vermuten die Autoren, dass Hundertjährige möglicherweise ihr Glukosegleichgewicht ohne übermäßige Insulinsignale aufrechterhalten können. Dies deutet auf einen fein abgestimmten statt überaktiven Stoffwechsel hin.

4. Energieregulierung

Eine weitere Gruppe umfasste die Stoffwechselregulation, einschließlich Proteinen, die bei der Steuerung des Energiehaushalts und der Glukosekontrolle helfen.
Eines davon, die Adenylatkinase 1 (AK1), reguliert AMPK, einen zellulären Energiesensor, der bei niedrigem Energiehaushalt aktiviert wird und den Zellen hilft, Ressourcen zu sparen.
„Wenn man schon einmal von Metformin, Berberin oder den metabolischen Vorteilen von Bewegung und Kalorienrestriktion gehört hat, dann kennt man Beispiele, die teilweise über die AMPK-Aktivierung wirken“, sagte Alizaidy.

5. Gesundheit von Gehirn und Immunsystem

Andere Cluster standen im Zusammenhang mit neurotropischer Signalübertragung – Signalwegen, die das Überleben von Nervenzellen und die Gehirnfunktion unterstützen – sowie mit der Immunregulation.
Dies untermauert die Vorstellung, dass außergewöhnliche Langlebigkeit davon abhängen könnte, das Gleichgewicht über mehrere biologische Systeme hinweg gleichzeitig aufrechtzuerhalten.
Alizaidy merkte an, dass es sich um eine kleine Beobachtungsstudie handelte, was bedeutet, dass sie keinen kausalen Zusammenhang nachweisen kann. Die Proteinprofile beschränkten sich zudem auf Entzündungen und den kardiometabolischen Bereich.
„Wir wissen nicht, ob diese Proteine eine außergewöhnliche Langlebigkeit bewirken oder lediglich ein biologisches System widerspiegeln, das aus anderen Gründen bereits gut funktionierte“, sagte er.
Doch die Richtung der Ergebnisse stimmt mit anderen unabhängigen Datensätzen zu Hundertjährigen überein.

Der Lebensstil spielt nach wie vor eine Rolle

Auch wenn die genetische Veranlagung die Weichen stellen mag, ist die Art und Weise, wie Menschen über Jahrzehnte hinweg leben, nach wie vor ein entscheidender Faktor.
„Die Hundertjährigen in dieser Studie waren das Ergebnis eines jahrzehntelang überdurchschnittlich gut funktionierenden Systems“, sagte Alizaidy, „und das hängt größtenteils davon ab, wie sie gelebt haben.“
Orlando identifizierte drei biologische Prinzipien, die sich direkt auf die bei den Hundertjährigen festgestellten erhaltenen biologischen Muster übertragen lassen:
Stoffwechselstabilität: Krafttraining, tägliche Bewegung, eine ausreichende Proteinzufuhr und die Vermeidung chronischer Überernährung tragen dazu bei, eine stabile Blutzuckerkontrolle und ein hormonelles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Reduzierte Entzündungslast: Erholsamer Schlaf, eine gesunde Körperzusammensetzung und eine ballaststoffreiche, nährstoffdichte Ernährung tragen dazu bei, die systemische Entzündungslast im Laufe der Zeit zu verringern.
Mitochondriale Gesundheit: Regelmäßige körperliche Aktivität, Stressbewältigung sowie der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum unterstützen eine Verringerung des oxidativen Stresses und die zelluläre Widerstandsfähigkeit.
„Einige von der FDA zugelassene Therapien wirken bereits auf Signalwege, die mit der Widerstandsfähigkeit in Verbindung stehen“, fügte Alizaidy hinzu.
Er verwies auf das Peptid SS-31, ein Prüfpräparat, das die Mitochondrienfunktion unterstützt, sowie auf niedrig dosierte GLP-1-Agonisten.
Diese sind von der FDA für Diabetes und Gewichtsmanagement zugelassen und können dazu beitragen, das Stoffwechselgleichgewicht aufrechtzuerhalten, wobei Verbesserungen bei den Blutfettwerten, dem Blutzucker und Entzündungen zu beobachten sind – auch ohne Gewichtsverlust.
Orlando merkte an, dass die Ergebnisse einer größeren, langfristigen Validierung bedürfen, aber zu den wachsenden Hinweisen beitragen, dass Langlebigkeit davon abhängt, wichtige biologische Systeme über die Zeit hinweg zu erhalten.
„Langlebigkeit hängt letztlich vielleicht weniger davon ab, das Altern zu beseitigen, als vielmehr davon, die biologischen Systeme zu identifizieren und zu erhalten, die langsamer altern.“

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Makes Some People Live to 100? Scientists Find Clues in Their Blood“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Australien: Schwerster Diphtherie-Ausbruch seit Jahrzehnten

Australien geht gegen den schwersten Ausbruch von Diphtherie seit Jahrzehnten vor. Über 220 Menschen sind infiziert. Besonders der Norden des Landes ist betroffen.
Grund für die Ausbreitung seien vor allem stark gesunkene Impfquoten, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf die Regierung in Canberra. Neue Daten zeigten, dass die Quote der üblichen Schutzimpfungen für Kinder, zu denen auch eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie gehört, das fünfte Jahr in Folge gesunken sei.
Die Behörden bereiten ein Unterstützungspaket vor, um Impfkampagnen auszuweiten und den angespannten Gesundheitssektor zu entlasten.
Gesundheitsminister Mark Butler sprach von einem „sehr besorgniserregenden“ Ausbruch. „Um das in den richtigen Kontext zu setzen: Wir erfassen die Fallzahlen landesweit seit etwa 35 Jahren, und dies ist mit Abstand der größte Diphtherie-Ausbruch, den wir je erlebt haben“, sagte er. Die Zahl der Erkrankungen liege etwa 30 Mal höher als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Was ist Diphtherie?

Diphtherie ist eine hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Die respiratorische Form kann Nase, Rachen und Atemwege befallen, während die sogenannte kutane Diphtherie die Haut betrifft.
Sie verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen oder durch direkten Kontakt mit infizierten Wunden. Trotz Antibiotika sterben laut der Gesundheitsbehörden etwa zehn Prozent der Patienten mit schweren Atemwegssymptomen.
Besonders betroffen von dem Ausbruch sind indigene Gemeinschaften im Northern Territory, wo die Menschen oft auf engem Raum leben und Personalmangel im Gesundheitswesen herrscht.
Mittlerweile gibt es auch Fälle in anderen Bundesstaaten. Die Krankheit galt in Australien seit den 1950er Jahren als nahezu ausgerottet.

Todesfall wird untersucht

Rund ein Viertel der Patienten mit der gefährlicheren Atemwegsform der Krankheit müsse im Krankenhaus behandelt werden, hieß es. Zudem untersuchen die Behörden derzeit einen möglichen Todesfall – es wäre der erste Diphtherie-Tote in Australien seit fast zehn Jahren.
Nach Daten der WHO wurden 2018 weltweit etwa 16.600 Diphtheriefälle aus 39 Ländern gemeldet. Die mit Abstand meisten Erkrankungen gab es in Indien.
In Deutschland treten heute kaum noch Fälle auf. „Man sollte sich sowohl zum eigenen Schutz als auch zur Aufrechterhaltung des Gemeinschaftsschutzes in der Bevölkerung aber weiterhin gegen Diphtherie impfen“, rät das Robert Koch Institut. (dpa/red)
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Wie Hilfsbereitschaft das Altern des Gehirns verlangsamen kann

Wahrscheinlich kennt jeder die üblichen Empfehlungen, wie man sein Gehirn fit halten kann: regelmäßig Sport treiben, sich gesund ernähren und jede Nacht 7 bis 8 Stunden schlafen. Nun gibt es einen neuen und überraschenden Tipp zur Förderung der kognitiven Gesundheit: anderen Menschen helfen.
Das war zumindest das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2025, die in der Fachzeitschrift „Social Science & Medicine“ erschien. Demnach kann es die kognitiven Funktionen verbessern und den kognitiven Verfall verlangsamen, wenn man anderen Menschen hilft.

Helfen und kognitive Funktionen

Die Forscher untersuchten, wie sich zwei Arten von Hilfsaktivitäten sowie Veränderungen im Zeitaufwand auf die kognitiven Funktionen im Alter auswirken. Dabei betrachteten sie Daten zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit und geistiger Verarbeitungsfähigkeit von mehr als 30.000 Amerikanern im Alter ab 51 Jahren. Die Daten wurden über zwei Jahrzehnte hinweg gesammelt.
Im Rahmen der wiederholten Befragungen sollten die Probanden angeben, ob sie im vorangegangenen Jahr eine der beiden Arten von ehrenamtlicher Aktivität ausgeübt hatten: 
  1. formelle Freiwilligenarbeit, beispielsweise für religiöse, bildungsbezogene, gesundheitsbezogene oder andere gemeinnützige Organisationen
  2. informelle Hilfe wie die Unterstützung von Freunden, Nachbarn oder Verwandten, die nicht im selben Haushalt leben
Für beide Arten der Tätigkeit gaben die Befragten zudem ihren jährlichen Zeitaufwand an: gar nicht, 1 bis 99 Stunden, 100 bis 199 Stunden oder mehr als 200 Stunden.
Die Ergebnisse standardisierter kognitiver Tests zeigten, dass, wenn eine Person eine gemeinnützige Tätigkeit aufnahm, in welcher Form auch immer, sich im Allgemeinen ihre kognitiven Funktionen verbesserten und sich der kognitive Verfall verlangsamte. Wenn sie diese Tätigkeit aufgab, hatte das den gegenteiligen Effekt.
Auch Veränderungen im Zeitaufwand spielten eine Rolle. Bei Personen, die eine helfende Aktivität begannen, verbesserte ein steigender Zeitaufwand die kognitiven Funktionen.
Bei Personen, die etwas weniger Zeit für ihre Aktivität aufwendeten, ohne mit ihr aufzuhören, zeigten sich keine negativen Auswirkungen. Negative kognitive Veränderungen waren jedoch in den Fällen ersichtlich, in denen die Probanden die Zeit für formelle Freiwilligenarbeit drastisch, das heißt von mehr als 200 Stunden pro Jahr auf 1 bis 99 Stunden, reduzierten.

Konstantes Engagement und bequeme Zeiteinteilung wichtig

Beharrlichkeit war laut den Untersuchungen besonders wichtig. Teilnehmer, die sich unaufhörlich ehrenamtlich engagierten, verzeichneten einen kumulativen Nutzen. Ihre kognitiven Funktionen hatten eine „um etwa 15 bis 20 Prozent niedrigere Abnahmerate, abhängig von der Art der Tätigkeit und dem Umfang des Zeitaufwands“, sagte der Alterswissenschaftler Sae Hwang Han, Hauptautor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Dabei war mehr aber nicht immer besser. Die größten kognitiven Gewinne traten auf, wenn die Probanden einen angenehmen Zeitaufwand beibehielten. Laut der Studie war ein moderates Maß an Engagement – etwa 2 bis 4 Stunden pro Woche – durchweg mit robusten kognitiven Gewinnen verbunden.
Bemerkenswert ist, dass diese kognitiven Trends auch dann anhielten, nachdem die Forscher andere mögliche Erklärungen wie demografische, soziale und gesundheitliche Merkmale ausgeschlossen hatten. Das deutet darauf hin, dass die Vorteile tatsächlich mit der helfenden Aktivität selbst zusammenhingen.
„In meiner laufenden Arbeit finden wir Hinweise darauf, dass Helfen den beschleunigten kognitiven Verfall, der mit dem genetischen Risiko für Alzheimer verbunden ist, abmildern kann. Das weist darauf hin, dass es selbst bei Hochrisikogruppen als schützender Lebensstilfaktor wirken könnte“, sagte Han.

Wie Helfen hilft

Anderen zu helfen, sei es durch ehrenamtliche Arbeit oder informelle Hilfe, bietet ein sinnvolles gemeinnütziges Engagement. Es unterscheidet sich damit von anderen das Gehirn anregenden Aktivitäten, die man allein machen kann, wie Lesen und Rätseln.
„Es ist nicht nur kognitiv anregend, sondern beinhaltet auch menschliche Interaktion in Echtzeit, emotionalen Austausch und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit – alles Elemente, die zusammenwirken, um die kognitive Gesundheit zu fördern“, meinte der Alterswissenschaftler.
Aus neurobiologischer Sicht können helfende Verhaltensweisen miteinander verbundene Systeme aktivieren. Dazu gehören unter anderem 
  • die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, das Stresshormonsystem zur Stressregulation
  • das sympathische Nervensystem, das den Körper bei Stress und Gefahr auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereitet und dabei hilft, das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten
  • das Immunsystem, das vor Krankheiten und Entzündungen schützt
Werden diese Systeme aktiviert, unterstützt dies sowohl die kognitive als auch die körperliche Gesundheit.
Das stellte Han bereits in seinen früheren Forschungen fest. Ihm zufolge kann ehrenamtliches Engagement chronischen Stress ausgleichen, Entzündungen reduzieren, die Herzgesundheit fördern und den körperlichen Verfall verlangsamen.

Nachhaltiges Helfen: Wie man anfängt

Menschen, die anfangen möchten, anderen zu helfen, stehen möglicherweise vor Herausforderungen wie langen Arbeitszeiten und Arbeitswegen sowie Verpflichtungen zu Hause. Das alles macht es schwierig, noch etwas zusätzlich auf sich zu nehmen.
„Ich würde den Menschen raten, klein anzufangen und Formen der Hilfe zu wählen, die sinnvolle zwischenmenschliche Interaktion beinhalten und zudem nachhaltig sind“, sagte Han.
Es gehe weniger um die zeitliche Struktur als vielmehr um ein beständiges Engagement über einen längeren Zeitraum hinweg, erklärte er. Daher könne es für viel beschäftigte Personen eine durchaus vernünftige und wirksame Strategie sein, alle ein bis zwei Wochen einen Nachmittag am Wochenende dafür zu opfern, so der Alterswissenschaftler.
Für ältere Personen können körperliche Einschränkungen zusätzliche Herausforderungen bei der Hilfe für andere darstellen. Han zufolge muss Helfen jedoch nicht körperlich anstrengend sein.
„Aktivitäten wie Mentoring, Nachhilfe und das Sehen nach anderen Menschen können sozial sehr bedeutsam sein“, sagte er.
Ob es darum geht, junge Menschen zu betreuen, in einer örtlichen Bibliothek auszuhelfen oder an einer Reinigungsaktion im Stadtteil teilzunehmen – anderen zu helfen, bietet mehr als nur ein befriedigendes Gefühl. Es kann langfristig dazu beitragen, das Gehirn zu schützen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Helping Others May Slow Brain Aging“. (redaktionelle Bearbeitung: as)