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Paradigmenwechsel im Alkoholkonsum: Warum Richtwerte weltweit hinterfragt werden

Der medizinische Blick auf den Alkoholkonsum wandelt sich. Eine neue US-Modellierungsstudie sowie aktuelle Empfehlungen deutscher Experten zeigen:
Das Gesundheitsrisiko steigt stetig mit der konsumierten Menge. Feste Grenzwerte für einen völlig unbedenklichen Konsum lassen sich wissenschaftlich kaum noch begründen.

Das statistische Risiko im Detail

Das Fachmagazin „Journal of Studies on Alcohol and Drugs“ veröffentlichte eine Untersuchung, die das Sterberisiko durch Alkohol mathematisch aufschlüsselt.
Die statistischen Auswertungen zeigen ein klares Bild: Wer pro Woche mehr als sieben moderate alkoholische Getränke konsumiert, trägt ein statistisches Sterberisiko von 1 zu 1.000 durch alkoholbedingte Spätfolgen oder Unfälle.
Bei mehr als 8,5 Getränken pro Woche steigt dieses Risiko bereits auf 1 zu 100.
Als Orientierung für ein solches Standardgetränk gilt ein kleines Bier (0,33 l) oder ein kleines Glas Wein (125 ml), was etwa 13,6 Gramm reinem Alkohol entspricht.
Selbst vermeintlich mäßiger Konsum kann das Risiko für tödliche Erkrankungen wie Leberzirrhose sowie verschiedene Krebsarten im Mund- und Rachenraum erheblich steigern.
„Selbst in vermeintlich moderaten Mengen birgt Alkoholkonsum messbare Gefahren für die Gesundheit“, so die Schlussfolgerung des Forschungsteams um Katherine Keyes, Professorin für Epidemiologie an der Columbia University. Sie verweist dabei auf ein erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko.

Diskussion um die offiziellen Leitlinien

Die von den US-Bundesgesundheitsbehörden in Auftrag gegebene Studie deckt zudem einen gesundheitspolitischen Konflikt auf.
Wissenschaftler empfehlen zwar eine strikte Begrenzung auf maximal ein Getränk pro Tag. Die offiziellen US-Ernährungsrichtlinien verzichten jedoch auf konkrete Zahlen und mahnen lediglich vage, „weniger Alkohol zu konsumieren“.
Ein älterer Bericht der National Academies of Sciences aus dem Jahr 2024 ging noch davon aus, dass ein mäßiger Konsum die Gesamtsterblichkeit senken könne. Aufgrund der neuen Datenlage gilt diese These jedoch als überholt.

Die aktuelle Empfehlungslage in Deutschland

Was in den USA noch debattiert wird, ist in Deutschland bereits etabliert.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat sich in ihren aktuellen Grundsatzentscheidungen von jeglichen verharmlosenden Schwellenwerten verabschiedet.
Während es früher noch Richtwerte für einen vermeintlich „risikoarmen Konsum“ gab – maximal 20 Gramm Reinalkohol pro Tag für Männer und 10 Gramm für Frauen –, lautet die offizielle Botschaft des Wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS heute:
„Alkohol schadet der Gesundheit. Je weniger Alkohol man konsumiert, desto besser.“ Die Angabe von „sicheren“ Gramm-Mengen wurde bewusst abgeschafft, um Fehlinformationen in der Bevölkerung zu vermeiden.

Warum Richtwerte neu bewertet werden

Wie wichtig ein Umdenken ist, untermauern die Daten des Jahrbuch Sucht der DHS.
Der Alkoholkonsum ist in Deutschland trotz eines leichten Rückgangs in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich weiterhin auf einem hohen Niveau.
Die gesundheitlichen und ökonomischen Folgen sind dabei erheblich. Jährlich werden in deutschen Krankenhäusern weit über 600.000 stationäre Behandlungsfälle registriert, die direkt auf den Alkoholkonsum zurückzuführen sind.
Dazu gehören neben schweren Unfällen unter Alkoholeinfluss vor allem psychische Erkrankungen sowie akute Organerkrankungen.
Das aktuelle Fazit der Wissenschaftler lautet:
Da das Risiko für Krebserkrankungen und Organschäden linear mit jedem Gramm Alkohol ansteigt, sollte man sich nicht mehr hinter vermeintlich gesundheitsfördernden Richtwerten verstecken.
Wer seine Gesundheit effektiv schützen will, sollte den Konsum reduzieren oder am besten ganz einstellen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Dieser Bluttest schlägt jeden normalen Cholesterin-Check

In Kürze:

  • Viele herkömmliche Cholesterintests messen nur das Gesamtgewicht des LDL-Cholesterins und suggerieren Patienten damit oft eine falsche Sicherheit.
  • Der ApoB-Test hingegen zählt die tatsächliche Anzahl der schädlichen Transportpartikel im Blut und entlarvt das wahre Risiko für Herzinfarkte präziser – insbesondere bei jüngeren Erwachsenen.
  • Aktuell wird das Verfahren von den Krankenkassen als Vorsorgeuntersuchung nicht routinemäßig bezahlt und muss als Eigenleistung angefordert werden.

 
Ein einfacher Bluttest, der von den Krankenkassen meist nicht routinemäßig übernommen wird, kann ein verstecktes Risiko für Herzerkrankungen aufdecken, das über die Standard-Lipidprofile hinausgeht: die Messung von Apolipoprotein B (ApoB).

Partikelanzahl schlägt Gesamtmasse

Standardtests messen in der Regel das Gesamtgewicht des im Blut zirkulierenden LDL-Cholesterins, das umgangssprachlich oft als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird. Das gibt jedoch nur einen groben Überblick, denn das Risiko für Atherosklerose hängt laut Studien nicht nur von der Menge des Cholesterins, sondern auch von der Anzahl seiner Transportpartikel ab.
Selbst bei einem normalen Gesamt-LDL-Wert können kleinere LDL-Partikel in gefährlich hoher Anzahl vorliegen, sich in den Arterienwänden ablagern und Atherosklerose verursachen.
Da an jedes Transportpartikel exakt ein ApoB-Protein gebunden ist, liefert der ApoB-Test eine präzise Zählung dieser potenziell schädlichen Partikel.
„Zwei Menschen können denselben LDL-Cholesterinspiegel haben, aber derjenige mit mehr ApoB-haltigen Partikeln trägt ein höheres kardiovaskuläres Risiko“, so Yiyi Zhang, Assistenzprofessorin am Columbia University Medical Center, die sich in ihrer Forschung unter anderem mit der Epidemiologie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschäftigt.
Weichen LDL- und ApoB-Werte voneinander ab, sprechen Mediziner von einer „Diskordanz“ – ein falsches Gefühl der Sicherheit bei vermeintlich guten Cholesterinwerten ist die Folge.

Apolipoprotein B ist das orangefarbene Protein auf der rechten Seite des Transportpartikels für Cholesterin.

Foto: The Epoch Times/Shutterstock

Kosteneffizienter Leitfaden für die Therapie

Die Bestimmung von ApoB ist nicht nur präziser, sondern laut einer im Fachmagazin „JAMA Network“ veröffentlichten Simulationsstudie auch kosteneffizienter als die herkömmliche Praxis.
Die Forscher stellten fest, dass die Einbeziehung von ApoB in die Therapieentscheidungen insgesamt den größten Nutzen brachte. Dies führte dazu, dass die medikamentöse Behandlung bei Bedarf gezielt verstärkt wurde, was wiederum mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle verhinderte und zu mehr gesunden Lebensjahren führte als die reine Orientierung an LDL-Werten.

Frühwarnsystem für jüngere Erwachsene

Besonders relevant ist der Marker für 18- bis 39-Jährige. Herkömmliche Risikorechner unterschätzen das Risiko junger Menschen oft, da das Alter in den mathematischen Modellen stark gewichtet wird.
Eine Langzeitstudie mit über 10.000 Erwachsenen zeigte: Bei jüngeren Erwachsenen war ein Anstieg des ApoB-Wertes mit einem um 53 Prozent höheren Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, während der Zusammenhang bei Personen, die älter als 40 Jahre waren, mit 13 Prozent deutlich schwächer ausfiel.

Bisher keine Standarduntersuchung

Trotz der aktuellen Datenlage ist die ApoB-Messung bisher kein Teil des routinemäßigen Check-ups, bei dem etablierte Leitlinien, nach wie vor primär auf LDL-Grenzwerte zur Einschätzung des Atherosklerose-Risikos setzen.
„LDL- und Nicht-HDL-Cholesterin liefern nach wie vor nützliche Informationen, so Kohli-Lynch, Korrespondenzautorin der in „JAMA Network“ veröffentlichten Simulationsstudie. Doch ApoB stehe in einem direkteren Zusammenhang mit dem Herzinfarktrisiko, da es die Anzahl der schädlichen, cholesterinhaltigen Partikel im Blut widerspiegelt.
Für manche Menschen – insbesondere für diejenigen mit Diabetes, Fettlebererkrankung oder Adipositas – hilft diese zusätzliche Klarheit den Ärzten bei der Entscheidung, wann mit der Behandlung begonnen werden sollte, bevor sich der Zustand zu etwas entwickelt, das nur schwer rückgängig zu machen ist.
Als Vorsorgeuntersuchung muss eine AboB-Messung in der Regel als individuelle Gesundheitsleistung selbst bezahlt werden (Kostenpunkt: circa 20 bis 40 Euro).

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why ApoB May Be a Better Test Than Cholesterol“. (deutsche Bearbeitung: vm)