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Russisches LNG: Europas Importe steigen trotz geplantem EU-Verbot


In Kürze:

  • LNG-Lieferungen aus Jamal-Projekt steigen 2026 auf ein neues Hoch.
  • Abnehmer decken sich offenbar vor geplantem Importverbot in die EU mit russischem LNG ein.
  • Preise auf dem Weltmarkt erreichen Niveau von Ende 2022.

 
Ab Januar 2027 soll es nach dem Willen der EU keine Energieimporte aus Russland mehr geben. Gleichzeitig sorgen die Kampfhandlungen im Nahen Osten für Unsicherheit bezüglich der Versorgung mit Öl und LNG – was die Preise auf dem Weltmarkt und für Unternehmen und Verbraucher treibt. In dieser Situation bleiben russische Lieferungen auch für Abnehmer in der EU bedeutsam.
Wie eine Studie der Umweltorganisation „Urgewald“, die „Euronews“ vorliegt, darlegt, hat der Umfang der LNG-Importe europäischer Abnehmer aus dem russischen Jamal-Projekt 2026 noch einmal deutlich zugenommen. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres seien 156 LNG-Ladungen mit insgesamt 11,39 Millionen Tonnen verflüssigten Erdgases in europäischen Häfen angekommen.

Der größte Teil der Jamal-Exporte von LNG geht nach Europa

Im Vergleichszeitraum 2025 seien es 142 Ladungen mit 10,34 Millionen Tonnen gewesen. Der Anstieg im laufenden Jahr werde damit voraussichtlich mindestens 10 Prozent betragen – selbst, wenn für den Rest des Jahres keine Lieferungen mehr eintreffen würden. Die Empfänger hätten den Berechnungen zufolge dafür rund 7,28 Milliarden Euro bezahlt.
Insgesamt seien 88,9 Prozent aller weltweiten Exporte von Jamal-LNG nach Europa gegangen. Im Jahr zuvor seien es noch 78,2 Prozent gewesen. Grundlage der Lieferungen seien langfristige Verträge. Lieferungen aus kurzfristigen Verträgen sind seit April 2026 untersagt. Ein möglicher Grund für die Ausweitung der Importe könnte sein, dass europäische Abnehmer vor Januar 2027 noch einmal ihre Bestände auffüllen wollen.
Während Brüssel politisch den Ausstieg aus russischer Energie vorantreibt, scheinen die Abnehmer nicht vollständig davon überzeugt zu sein, dass bezahlbarer Ersatz in ausreichendem Maße vorhanden sein wird. Entsprechend fahren sie die Abnahme noch einmal hoch.

Verschärfter Wettbewerb um LNG vor Beginn der Heizsaison

Dabei wickeln zwei Reedereien allein 72 Prozent der Jamal-LNG-Exporte ab. Das kanadische Unternehmen Seapeak transportierte von Januar bis August 2026 mit sechs sogenannten Arc7-Eistankern etwa 4,73 Millionen Tonnen in 65 Ladungen. Die griechische Dynagas-Gruppe kam auf 4,5 Millionen Tonnen und 62 Ladungen.
Das Interesse an der Bedienung bestehender Altverträge dürfte unterdessen nicht zeitnah nachlassen. Die Situation in der Straße von Hormus und die jüngsten Huthi-Angriffe in der Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer nähren die Angst vor einem neuen Angebotsschock. Am Montag, 14. September, stieg der europäische Referenzpreis TTF zeitweise auf 83,75 Euro pro Megawattstunde. Das entsprach dem höchsten Wert seit Ende 2022.
Der europäische Gaspreis hat sich allein im Laufe des Jahres 2026 nahezu verdreifacht. Gleichzeitig sind die europäischen Gasspeicher deutlich weniger gefüllt als in den vergangenen Jahren um diese Zeit – und die Befüllung vollzieht sich in einem eher schleppenden Tempo. Insbesondere Deutschland steht im Zeitdruck, vor Beginn der Heizperiode ausreichende Reserven aufzubauen.

Oman-Energieminister sieht Hormus-Probleme als „kurzfristig“

Vor diesem Hintergrund droht angesichts knapperer weltweiter LNG-Ströme der Wettbewerb um verfügbare Lieferungen während der Heizsaison härter zu werden. Dies würde die Preise auf den Weltmärkten noch weiter in die Höhe treiben. Das bevorstehende EU-Verbot des Imports russischer Energielieferungen trifft damit auf einen europäischen Gasmarkt, der akut unter Versorgungsdruck steht.
Unterdessen versucht der Energieminister von Oman, Salim Al Aufi, die Gemüter zu beruhigen. „Arab News“ zufolge erklärte er, die derzeitigen Unterbrechungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus seien „eine kurzfristige Angelegenheit“. Man arbeite daran, die Situation mittelfristig zu stabilisieren. Oman verhandelt derzeit zusammen mit dem Iran und den USA über eine mögliche Lösung, die eine vollständige Wiederaufnahme der Transporte durch die wichtige Seestraße gewährleisten soll.
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deutschland

Kanada und Deutschland bauen Energie- und Rüstungsallianz aus


In Kürze:

  • Deutschland und Kanada haben eine Absichtserklärung für langfristige LNG–Lieferungen unterzeichnet.
  • Die verstaatlichte Sefe soll ab den frühen 2030er–Jahren jährlich bis zu 1 Million Tonnen LNG aus Kanada beziehen.
  • Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius warb in Kanada zugleich für deutsche U-Boote.
  • Hintergrund der Gespräche sind NATO–Aufrüstung und Energiesicherheit und eine stärkere Diversifizierung der Energieversorgung.

 
Bei seinem Besuch in Kanada hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am Mittwoch, 27. Mai, Gespräche mit dem kanadischen Verteidigungsminister David McGuinty sowie Premierminister Mark Carney geführt. Zu den Gesprächsthemen gehörten Fragen der kollektiven Sicherheit, Rüstungskooperationen, die Unterstützung der Ukraine und der bevorstehende NATO-Gipfel.
Zudem haben Deutschland und Kanada eine Absichtserklärung über einen künftigen Bezug von verflüssigtem Erdgas (LNG) über einen 20-Jahres-Vertrag unterzeichnet.
Die 2022 von Deutschland verstaatlichte Gazprom-Tochter Sefe soll demnach über das geplante Exportterminal Ksi Lisims an der Nordwestküste Kanadas jährlich bis zu 1 Million Tonnen LNG beziehen.
Deutschland beabsichtigt, unter dem Eindruck multipler Krisen in den vergangenen Jahren, die erhebliche Preissteigerungen verursacht hatten, seine Energieversorgung zu diversifizieren.

Beginn der LNG-Einfuhr ab 2030er-Jahren

Die USA blieben ungeachtet des 20-Jahres-Vertrages der bedeutsamste Lieferant für verflüssigtes Erdgas. Rund 96 Prozent der LNG-Lieferungen stammen von dort, Katar liefert den zweitgrößten Anteil.
Seit dem Ukrainekrieg steht das Land vor der Herausforderung, wegfallende russische Lieferungen auszugleichen.
Der Bundesnetzagentur zufolge hat Deutschland im Vorjahr rund 1.031 Terawattstunden (TWh) Gas importiert – aus Pipelines oder als LNG auf dem Seeweg.
Derzeit fördert Deutschland weniger als 4 Prozent seines Erdgases selbst.
Die Einfuhr kanadischen LNG durch Sefe könnte in den frühen 2030er-Jahren beginnen.

Deutscher U-Boot-Bauer hofft nach Norwegen-Auftrag auf Folgegeschäft

Neben der Energieversorgung war auch die Aufrüstung ein Thema beim Besuch von Pistorius. Es war bereits der zweite Besuch des Ministers in Kanada innerhalb von sieben Monaten.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte im Mai das Land besucht, um Möglichkeiten einer stärkeren Kooperation in mehreren Wirtschaftsbereichen zu erörtern. Sowohl in Deutschland als auch in Kanada ist der Unmut in den politischen Führungsetagen über US-Präsident Donald Trump groß. Dieser hatte die Verbündeten mehrfach unmissverständlich dazu aufgefordert, mehr Eigenverantwortung im Bereich der Verteidigungspolitik zu übernehmen.
Das deutsche Rüstungsunternehmen TKMS hat sich nach einem erfolgreichen Geschäft mit Norwegen erhofft, für sein neues U-Boot vom Typ 212 CD auch in Kanada Abnehmer zu finden. Immerhin steht auch dieses Land vor der Herausforderung, seine U-Boot-Flotte erneuern zu müssen, um die NATO-Vorgaben zu erfüllen.
Anfang Juli wird in Istanbul der diesjährige NATO-Gipfel stattfinden. Kanada hinkt dem 5-Prozent-Ziel des Bündnisses weit hinterher.
Der Ankauf von zwölf neuen U-Booten, deren Gesamtkaufpreis bereits im Vorfeld auf etwa 37 Milliarden Euro geschätzt worden war, würde da einen bedeutsamen Schritt markieren. Am Rande eines Besuchs der kanadischen Rüstungs- und Sicherheitskonferenz CANSEC hat Pistorius die Vorzüge des deutschen Modells gewürdigt.

Noch keine Entscheidung über U-Boote für Kanada – Konkurrenz aus Südkorea

Norwegens Verteidigungsminister Tore Sandvik hat zusammen mit Pistorius in Kanada die Werbetrommel für das deutsche Produkt gerührt.
Dabei hat er auch eine stärkere Abstimmung der Waffensysteme der NATO-Partner aufeinander angemahnt: „Waffen müssen kompatibel sein unter Partnerländern, wir müssen die gleichen Waffensysteme kaufen.“
Allerdings hat auch ein Anbieter aus Südkorea U-Boot-Lieferungen angeboten – und dabei Vorteile beim Lieferzeitpunkt und möglicherweise auch beim Preis in Aussicht gestellt.
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Deutschland und Kanada schließen Gasabkommen über 20 Jahre

Deutschland und Kanada haben einen Gas-Deal vereinbart, der in den 2030er und 2040er Jahre LNG in die Bundesrepublik bringen soll. Damit könnten hunderttausende Haushalte versorgt werden.
Die bundeseigene Sefe habe habe mit dem kanadischen Unternehmen Ksi Lisims LNG eine Absichtserklärung über die jährliche Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas unterzeichnet, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch, 27. Mai, mit.

Lieferungen sollen über Jahrzehnte laufen

Die Lieferungen sollen Anfang der 2030er Jahre beginnen und über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren erfolgen.
Diese Vereinbarung sei „mehr als ein weiterer Liefervertrag – sie ist Ausdruck einer strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Kanada im Bereich der Energieversorgung“, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).
Durch eine engere Zusammenarbeit diversifiziere man Beschaffungswege und mache die Volkswirtschaften widerstandsfähiger gegenüber globalen Risiken.

Projekt setzt auf erneuerbare Wasserkraft

Die Vereinbarung markiert die erste langfristige LNG-Partnerschaft von SEFE mit einem kanadischen Lieferanten. Das Projekt Ksi Lisims LNG vor der Nordwestküste British Columbias soll vollständig elektrisch betriebene Verflüssigungsanlagen haben, die mit erneuerbarer Wasserkraft versorgt werden.
Die Absichtserklärung wurde in der kanadischen Botschaft in Berlin unterzeichnet, in Anwesenheit der kanadischen Botschafterin Vera Alexander sowie Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, wie es hieß.
Mit der geplanten jährlichen Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas kann man nach Branchenschätzungen den aktuellen Gasbedarf von rund 700.000 bis etwa einer Million Haushalte decken. (dts/red)