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Menschen im Fieber der Polarlichter


In Kürze:

  • Polarlichter sind ein beliebtes Himmelsphänomen, das meist weit im Norden und seltener in Mitteleuropa und südlicher zu sehen ist.
  • Seit Anbeginn der Zeit jagen Menschen diesem Lichtspektakel nach und halten es schriftlich und fotografisch fest.

 
Vor zwei Jahren durfte ich zum ersten Mal ein wahres Spektakel der Nordlichter miterleben. Die Aurora Borealis bot 2024 über den Großen Seen in den USA eine spektakuläre Show, und ich hatte das Glück, dabei zu sein. Es war genau so, wie man es sich vorstellt: beeindruckend, berauschend und himmlisch.
Die Lichter schienen vom Horizont auszugehen, was mich an ein Bild aus dem estländischen Nationalepos „Kalevipoeg“ von Friedrich Reinhold Kreutzwald (1803–1882) erinnerte. Darin segelt der gleichnamige Held auf einem silbernen Schiff bis an den Rand der Welt, wo er und seine Gefährten einem himmlischen Omen begegnen:
„Die Geister der Nordlichter
Tanzten unter dem Himmel
Mit silbernen Speeren blitzend,
Goldene Schilde schwingend,
[…]
damit sie uns eine Fackel leuchten,
mit deren weißem Schein
wir weiter in die Ferne blicken können.“
Übersetzt aus dem Estnischen, 16. Gesang des Kalevipoeg, Z. 873 ff

Illustration von Kristjan Raud (†1943) zur Saga „Kalevipoeg“.

Es ist eine wunderschöne Beschreibung, doch ich fand meine eigene Kindheitsversion in ihrer Einfachheit immer genauso magisch: das Nordlicht als Sonnenlicht, das von arktischen Eisbergen reflektiert wird. Selbst jetzt, wo ich älter und weiser bin, kann ich nicht umhin zu denken, dass dies immer noch eine plausible Erklärung sein könnte.

Jäger und Verfolger

Für einige ist es vielleicht überraschend, wie viele Polarlichter-Apps es für das Smartphone gibt. Ich habe mich für „My Aurora Forecast & Alerts“ entschieden – genau wie über 5 Millionen andere Menschen. [Anm. d. Red.: Für deutschsprachige Benutzer eignet sich die kostenlose App „Aurora – Meine Polarlicht-Vorhersage“ am besten.]
Wie der Zufall es wollte, ertönte der Aurora-Alarm, als ich bereits auf dem Weg nach Norden und weniger als 1 Stunde von den Ufern des Ontariosees entfernt war. Es war eine mondlose Nacht, als ich meine Fahrt zu diesem Ort fortsetzte, den ich seit meiner Kindheit kannte. Der Ontariosee war mir so vertraut, dass ich ihn mit geschlossenen Augen hätte finden können.
Als ich mich dem Ufer näherte, sah ich das Flackern roter Rücklichter. Anscheinend war ich nicht der einzige Himmelsbeobachter, den es zu diesem Aussichtspunkt gezogen hatte. Hier begegnete ich ihnen zum ersten Mal – den „Jägern“ und den „Verfolgern“.

Polarlichter über einem Feld in Deutschland.

Foto: Animaflora/iStock

Einige richteten ihre Handys gen Himmel und stießen „Oohs“ und „Aahs“ aus, während andere eilig an Stativen und Objektiven hantierten. Manche saßen da und starrten voller Ehrfurcht in den Himmel. Wieder andere rückten enger zusammen und erlebten das Wunder gemeinsam Arm in Arm.
Ich kam mit den Menschen ins Gespräch und erfuhr, dass sie über Facebook miteinander vernetzt sind. Man kann ihrer Gruppe beitreten und erhält eine Benachrichtigung, wenn jemand „Es geht los!“ postet. Das ist eine Art Flashmob des 21. Jahrhunderts – und vielleicht sogar besser, als sich von einer App benachrichtigen zu lassen.
Häuser und Wohnungen leeren sich, die Jäger eilen in ihre Gärten und die Verfolger springen in ihre Autos, um sich an Aussichtspunkten mit dunklem Himmel zu treffen. Bald strömen Updates und Fotos herein. Wenn man abwartet, kann man sich zuerst von den Abenteuerlustigeren berichten lassen, bevor man sich selbst auf den Weg macht. Und diese Polarlichterjäger gibt es auf der ganzen Welt.

Bloßes Auge vs. Kamera

Das Erste, was man lernt, wenn man echte Polarlichter beobachtet, ist, dass das, was man mit bloßem Auge sieht, nicht das ist, was man durch das Handy- oder das Kameraobjektiv sieht. Ich blickte zu den weißen Lichtvorhängen hinauf, die vor dem dunklen Himmel tanzten. Auf den Handys der anderen war jedoch derselbe Himmel voller Magenta und Neongrün zu sehen. Ich war verwirrt.
Es stellte sich heraus, dass die Augen nicht über die nötige „Belichtungszeit“ verfügen, um zu sehen, was wirklich da ist. Eine gute Kamera verfälscht die Farben jedoch nicht, sondern gibt sie wieder. Es handelt sich also nicht um eine falsche Interpretation dessen, was man sieht, sondern um eine realitätsnähere Darstellung. Und wenn man sich oberhalb der Erdatmosphäre befindet, wird es noch besser.
Astronauten auf der Internationalen Raumstation (kurz: ISS) können Polarlichter oberhalb der Erdatmosphäre sehen und nehmen sie als helle, gleichmäßige Lichter in voller Farbpracht wahr. Der NASA-Astronaut Don Pettit beschrieb es so: „Wir flogen nicht über dem Polarlicht; wir flogen mitten im Polarlicht.“ Pettit hielt eine weitere seltene blutrote Aurora in einem atemberaubenden Video fest.

Die Wissenschaft dahinter

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass Polarlichter in Fairbanks, Alaska, eher farbenprächtiger sind als beispielsweise jene in New York. Das hat etwas mit der magnetischen Geometrie der Erde zu tun.
Fairbanks liegt in der Nähe des Auroraovals – eines sich verschiebenden Rings, der den geomagnetischen Nordpol umgibt, wo Polarlichter regelmäßig und intensiv auftreten. Ein entsprechendes Oval existiert auch rund um den Südpol, wo die Aurora Australis zu sehen ist (vor allem in Australien und Neuseeland). Dies sind die beiden Regionen, in denen geladene Teilchen von der Sonne durch das Erdmagnetfeld in die Atmosphäre geleitet werden und spektakuläre Lichtspiele erzeugen.
Je weiter man von den Polarlichtovalen entfernt ist, desto seltener und weniger lebhaft sind die Polarlichter. Doch während eines besonders starken Sonnensturms hat fast jeder die Chance, einen Farbtupfer am Himmel zu sehen – selbst auf Hawaii oder in Südeuropa.

Das Erlebnis meines Lebens

Bei den Nordlichtern im Jahr 2024 sah ich zunächst weiße Lichtvorhänge, die über den Himmel wogten. Schließlich konnte ich jedoch mit bloßem Auge neongrüne und magentafarbene Schleier entdecken. Obwohl die Farben etwas gedämpft wirkten, waren sie dennoch blendend schön.
Außerdem sah ich Säulen – senkrechte Lichtsäulen, die scheinbar direkt vom Horizont nach oben gingen. Am beeindruckendsten waren jedoch die „Lichtblitze“ über uns. „Schaut nach oben!“, rief ich meinen Mitjägern zu. Zwar schienen sie sich nur ungern von ihrer Ausrüstung losreißen zu wollen, doch schon bald blickten sie alle zum Zenit.
Die Lichtblitze lassen sich am ehesten so beschreiben, als würde Gott hinter einer Milchglastür eine Taschenlampe ein- und ausschalten. Es war kein Phänomen, das sich fotografieren ließ, aber es war ein Erlebnis, das man spüren musste.
Gemälde von Anna Boberg zu Polarlichter

Gemälde „Northern Lights. Study from North Norway“ von Anna Boberg (1864–1935).

Niemand versuchte mehr, Fotos zu machen. Stattdessen starrten alle in fassungsloser Stille in den Himmel. Kaum hörbar schwebte ein leises „Wow“ und „Was ist das?“ über dem Rauschen der brechenden Wellen am Ufer entlang. Für mich war es ein einmaliges Erlebnis. Doch warum erleben wir in letzter Zeit so viele Polarlichter?
Es scheint, als befänden wir uns in einer Phase erhöhter Sonnenaktivität. Das bedeutet, dass die Sonne ständig koronale Massenauswürfe ausstößt. Space.com erklärt: „Sonnenzyklen folgen einem Nummerierungssystem, das 1755 mit dem Sonnenzyklus 1 begann. Wir befinden uns derzeit im Sonnenzyklus 25, der im Dezember 2019 beim Sonnenminimum begann.“
Und bisher hat sich der Zyklus 25 als echter Hingucker erwiesen. Neben technischen Störungen bescherten uns die Sonnenauswürfe Polarlichter bis nach Florida in den USA und in den Mittelmeerraum. Laut Experten schwächte sich die Sonnenaktivität nicht so schnell ab.

Historische Polarlichter

Vor 2024 hatte ich die Nordlichter nur einmal gesehen, und das ist lange her. Auch meine Eltern haben sie damals beobachtet, und es war das einzige Mal in ihrem langen Leben, an das sie sich erinnern konnten, sie gesehen zu haben. Kommentare im Internet deuten darauf hin, dass wir sie häufiger sehen, weil wir Handys, Internet und mehr Menschen haben, die miteinander kommunizieren.
Als jemand, der regelmäßig in Zeitungsarchiven stöbert, kann ich Ihnen jedoch versichern, dass die Amerikaner schon lange vor dem Beginn des digitalen Zeitalters jedes noch so kleine Detail ihres Lebens dokumentierten. Zu den historisch dokumentierten Erscheinungen gehören ein leuchtend roter Himmel nach der Schlacht von Fredericksburg im Jahr 1862 und der „Aurora-Blitz“ von 1941.
Gemälde von Frants Diderik Bøe zu Polarlichter

Das Gemälde „Sami on skis in northern lights“ von Frants Diderik Bøe (1820–1891).

Im Jahr 1862 berichteten Soldaten und Zivilisten in Virginia: „Eine Aurora Borealis, von wundersamer Schönheit. Feurige goldene Lanzen – alle nach oben gerichtet und winkend.“ Manche sahen darin ein glorreiches Zeichen, andere ein schlechtes Omen, etwa den Tod von Königen und Helden.
Gemälde von Frederic Edwin Church zu Polarlichter

Das Gemälde „Aurora Borealis“ von Frederic Edwin Church (1826–1900).

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet daher: Sind die leuchtenden Nachthimmel, die wir heute sehen, lediglich zyklische Naturphänomene, oder sind sie himmlische Vorzeichen in einem großen Epos, dessen Ende noch geschrieben werden muss?
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Aurora Fever: Chasing the Sky as the Sun Goes Crazy“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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USA stärken Verteidigung auf den Philippinen – Reaktion auf Chinas Aktivitäten im Indopazifik


In Kürze:

  • Die USA haben 2024 und 2025 bereits Abwehrsysteme auf den Philippinen stationiert.
  • China fordert den Abzug der Raketensysteme.
  • Die Philippinen lehnen das ab und kündigen eine weitere Aufrüstung an.

 
Die US-Regierung plant die Stationierung moderner Raketensysteme auf den Philippinen, um die Sicherheit im Indopazifik zu stärken. Vorausgegangen waren Gespräche hochrangiger Vertreter beider Regierungen in Manila.

Wiederherstellung der Abschreckung im Indopazifik

Am 16. Februar veröffentlichte das US-Außenministerium eine gemeinsame Erklärung zum 12. bilateralen strategischen Dialog. Im Mittelpunkt standen die Vertiefung der wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit sowie die Stärkung der Kooperation mit regionalen Partnern. Washington und Manila betonten die Bedeutung einer stabilen Abschreckung im Indopazifik.
Beide Seiten kritisierten Chinas Aktivitäten im Südchinesischen Meer und wiesen auf deren Auswirkungen auf regionalen Frieden, Stabilität und Wirtschaft hin.
2024 wurden im Norden der Philippinen Mittelstreckenraketen der USA stationiert, 2025 kam ein Anti-Schiff-Raketenwerfer hinzu. Peking forderte Manila auf, die Systeme abzuziehen. Präsident Ferdinand Marcos Jr. lehnte dies ab.

Verteidigungs- und Sicherheitspläne

Die gemeinsame Erklärung enthält konkrete Verteidigungs- und Sicherheitspläne für das kommende Jahr. Dazu gehört die Zusage, „die Stationierung moderner US-Raketen- und unbemannter Systeme auf den Philippinen fortzuführen und auszubauen“. Außerdem sollen die zivilen und militärischen Cyberabwehrfähigkeiten der Philippinen erweitert und modernisiert werden, um Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren.
Der philippinische Botschafter in den USA, Jose Manuel Romualdez, erklärte, dass Verteidigungsbeamte beider Seiten die mögliche Stationierung „modernisierter“ US-Raketenwerfer in diesem Jahr geprüft hätten. Ein späterer Kauf durch die Philippinen sei ebenfalls denkbar. Romualdez war einer der Teilnehmer des Gesprächs am 16. Februar.
„Es handelt sich um ein fortschrittliches System, das hier zunächst zur Abschreckung eingesetzt wird, während wir langfristig eigene Kapazitäten entwickeln wollen“, sagte der Botschafter gegenüber der Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP). Die in den vergangenen zwei Jahren stationierten Systeme dienten ausschließlich der Abschreckung.
Die USA und die Philippinen betonten ihr Engagement für einen freien, offenen und sicheren Indopazifik, basierend auf gegenseitigem Respekt vor Souveränität, territorialer Integrität, Völkerrecht und friedlicher Streitbeilegung. Beide Staaten erklärten außerdem, im Indopazifik wachsam zu bleiben, Konflikte zu vermeiden und Abschreckungsmaßnahmen zu stärken, um die Seewege offenzuhalten und eine einseitige Kontrolle zu verhindern.

Strategische Barriere

Gemeinsame Verteidigung sei entscheidend, um Aggressionen im gesamten Gebiet der ersten Inselkette zu verhindern und abzuschrecken. Manila warf Peking in den vergangenen Jahren vor, Schiffe des Landes gerammt, mit Wasserwerfern beschossen und Leuchtraketen auf Flugzeuge abgefeuert zu haben. Die meisten dieser Vorfälle ereigneten sich in der Nähe des umstrittenen Sabina-Riffs im Südchinesischen Meer.
Nach einem Vorfall im Oktober 2025, bei dem ein Schiff der chinesischen Küstenwache ein philippinisches Regierungsschiff im Südchinesischen Meer rammte, bekräftigte Washington seine Unterstützung für Manila. Dabei beriefen sich die Vereinigten Staaten auf den amerikanisch-philippinischen Beistandspakt von 1951. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Thomas Pigott, erklärte damals, der Vertrag erstrecke sich „auf bewaffnete Angriffe auf philippinische Streitkräfte, Schiffe der Regierung oder Flugzeuge – einschließlich derer der Küstenwache – überall im Südchinesischen Meer“.
Die erste Inselkette erstreckt sich von der südlichen japanischen Insel Kyushu über Taiwan und die Philippinen bis zur Malaiischen Halbinsel. Sie gilt als strategische Barriere, die Chinas Zugang zum Pazifik für Marine und Luftwaffe erschwert.

Kooperation intensiviert

In der Erklärung vom 16. Februar betonten die Gesprächspartner wichtige Ziele, die sie seit 2024 erreicht hätten. Dazu gehört ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Marcos Jr. vergangenes Jahr in Washington. Den Beitritt der Philippinen zum von den USA geführten Artemis-Abkommen zur Weltraumkooperation im Oktober 2025 führten sie ebenfalls an.
Beide Seiten waren sich zudem einig, wie wichtig die Wahrung von Frieden und Stabilität in der Straße von Taiwan ist. Ende 2025 führte China in der Region zwei Tage lang großangelegte Militärübungen durch. Das löste internationale Kritik aus, unter anderem aus Washington und Manila. Laut der philippinischen Nachrichtenagentur erklärte der Verteidigungsminister des Inselstaates, Gilberto Teodoro Jr., damals, Pekings Vorgehen „untergrabe den regionalen Frieden und die Stabilität“.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „US Plans to Deploy More Missile Launchers to the Philippines to Deter China’s Aggression“ (deutsche Bearbeitung os)