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Geruchsfernsehen, neuer Planet und „Gemüse-Überdosis“

Eifelvulkan war unschuldig

Am Ende der letzten Eiszeit vor fast 13.000 Jahren stiegen die Temperaturen stetig, Gletscher zogen sich zurück und die Vegetation breitete sich in der kargen Landschaft aus. Dieses Erblühen kam jedoch plötzlich zum Stillstand als sich das Klima erneut für fast ein Jahrtausend abkühlte. Als Grund galt bislang der Vulkanausbruch am Laacher See in der Eifel. Bohrproben aus Schweden, entnommen von Wissenschaftlern der University of South Carolina, lassen ein weiteres Szenario zu: über einer Schicht aus Asche, die sicher vom Ausbruch des Eifelvulkans stammt, lag eine etwa 150 Jahre jüngere Schicht mit platinreichen Nanopartikeln. Genau diese jüngeren Ablagerungen entstanden Datierungen zufolge zu jener Zeit, als das Klima deutlich kälter und feuchter wurde. Die Forscher vermuten daher vielmehr, dass ein außerirdischer Einschlag oder eine atmosphärische Explosion hinter der Abkühlung steckt. (kms)

Lebensgefahr durch drei Kilogramm Rote Bete

Schon lange gilt beim Essen Omas Devise: in Maßen nicht in Massen. Wie viel zu viel ist, hängt letztlich vom Lebensmittel und dem eigenen gesundheitlichen Zustand ab. Ein 82-jähriger US-Amerikaner musste jüngst am eigenen Leib erfahren, dass fast drei Kilogramm Rote Bete pro Woche und das Trinken des Kochsuds eine lebensgefährliche Überdosis sein kann. Wie Ärzte in ihrer aktuellen Studie berichten, wurde der Mann mit niedrigem Blutdruck, schiefergrauer Haut und einer Methämoglobinämie in die Notaufnahme eingeliefert. Als Auslöser dafür vermuten die Mediziner, dass die große Menge an pflanzlichem Nitrat aus der Roten Bete zusammen mit einem Medikament des herzkranken Mannes dazu führten, dass der Körper überlastet war. Bei gesunden Menschen bestünde diese Gefahr nicht. (ger)

Für herzkranke Menschen kann der übermäßige Verzehr von Roter Bete bedenklich sein.

Foto: Lesyy/iStock

KI schreibt unsere Erinnerungen um

Im Rahmen zweier Studien am Massachusetts Institute of Technology sahen 200 Teilnehmer zunächst echte Fotos sowie später entweder dieselben echten Fotos oder darauf basierende, von KI bearbeitete Bilder. Vor allem wer KI-generierte Videos auf Grundlage KI-generierter Versionen der Originalfotos zu sehen bekam, „erinnerte“ sich bis über dreimal häufiger an Details, die nie existierten, und war auch eine Woche später deutlich überzeugter von seiner falschen Erinnerung. Eine weitere Studie der Universitäten Georgetown und Washington zeigte, dasss auch die Zusammenfassung eines Ereignisses durch einen KI-Chatbot die Erinnerung trübt – und selbst die Auflösung, dass die Zusammenfassung von KI verzerrt wurde, die Erinnerungen nicht korrigiert. Ob KI auch Erinnerungen an echte, eigene Erlebnisse beeinflusst, ist offen. (ts)

Milchstraße in zwei Schritten

Kaum eine Straße wurde an einem Tag von Anfang bis Ende gepflastert, die Milchstraße als unsere Heimatgalaxie ist da keine Ausnahmen: Forscher des Instituto de Astrofísica de Canarias identifizierten anhand des Alters und der Position von Millionen Sternen zwei „Bauabschnitte“. Demnach verfügte die junge Galaxie über eine breite, turbulente Gasscheibe, in der sich Sterne weit verstreut bilden konnten. Bis vor etwa 10,8 Milliarden Jahren hatte sich dieses Baumaterial jedoch soweit beruhigt und gesetzt, dass neue Sterne seither nur in einer vergleichsweise flachen Scheibe entstehen können. Laut Hauptautor David Mirabal löst das ein klassisches Problem der Astrophysik, denn erstmals würden „klare Beweise aus Beobachtungen“ eine der zwei bisher gängigen Theorien zur Entstehung der Milchstraße favorisieren. (ts)
Der Nachthimmel mit Sternen und Planet

Blick auf den Nachthimmel inklusive Milchstraße am Lake Tahoe in den USA.

Foto: heyengel/iStock

Ältestes Schiffswrack der Welt?

Es war ein stürmischer Tag auf See. Der Eigner eines kleinen Handelsschiffes suchte in den windgeschützten Buchten vor Kekova in der Türkei Schutz vor den Naturgewalten. Doch auch das half nicht: das Schiff prallte gegen einen Felsen und sank mitsamt seiner Ladung auf den Boden des Mittelmeeres. So könnte sich das Unglück um ein antikes Schiff abgespielt haben, auf dessen geladene Tongefäße lokale Seeleute im Jahr 2024 zufällig stießen, denn vom Holz selbst ist kaum etwas übrig. Ersten Schätzungen zufolge könnte das Boot zwischen 2700 und 2400 v. Chr. gesunken sein. Stimmt das vorläufige Datum, wäre dies das älteste Schiffswrack der Welt, da der bisherige Rekordhalter vor der Küste Griechenlands etwa 300 Jahre jünger ist. (kms)

Implantat statt Medikament bei Diabetes

Immer mehr Menschen weltweit leiden an Diabetes Typ 2. Anders als Typ 1 ist diese Form häufig mit Übergewicht, Bewegungsmangel und langfristig einer zu hohen Energiezufuhr verbunden. Um dieses Problem zu lösen, haben Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ein neuartiges Implantat entwickelt. Ein integrierter Sensor misst den Glukosewert im Gewebe und schaltet bei einem Überschuss den verbauten Katalysator ein, der die Glukose in Glukonat umwandelt. Letzteres wird schließlich über den Urin ausgeschieden. Auf diese Weise wird der überzählige Zucker dem weiteren Stoffwechsel entzogen, wodurch gleichzeitig die Gewichtszunahme der Erkrankten reduziert wird. Wann das Implantat als Ersatz für die bisherigen Diabetes-Medikamente auf den Markt kommt, ist noch offen. (ger)

Zum Einsatz kommen soll das Implantat mit seinem Graphitfilz, nanometergroßen Goldflocken und noch kleineren Platinpartikeln wie die bisher üblichen Blutzuckersensoren, die Diabetiker bereits an ihrem Arm tragen.

Foto: Alvaro Moreno Perez/iStock

Manuskript enthüllt Schrödingers wahre Gedanken zur Quanten-Katze

Wohl jeder kennt Schrödingers Katze, die in ihrem Karton gleichzeitig tot und lebendig ist. Dahinter steht die Überlegung, dass ein Quantenteilchen gleichzeitig mehrere Zustände annehmen kann und erst durch den Beobachter in einem davon „gefangen“ wird. Ein bislang unveröffentlichtes, erstmals transkribiertes Manuskript des österreichischen Physikers ergänzt sinngemäß, dass, was für eine Katze gilt, auch für andere Katzen gelten könnte – ohne das Schrödinger davon einhunderprozentig überzeugt war. Die zweite Katze wird dabei als womöglich unvollständiger Gegenbeweis für eine quantenphysikalische Behauptung seiner Zeit gesehen, wobei Schrödinger, wie aus seinen Notizen hervorgeht, der Möglichkeit, dass beide Katzen tatsächlich rein zufällig ähnlich sind, ausdrücklich offen gegenüberstand. (ts)

Riechen wird digital

Kaffee, frische Wäsche und Omas Sonntagsbraten verströmen einen besonderen Duft, den wir sofort in der Nase haben, wenn wir sie nur sehen. Doch das Geruchsfernsehen ist kein Science-Fiction mehr. Teleportiert wird dabei nicht, vielmehr nimmt eine „olfaktorische Schnittstelle“, sprich eine künstliche Nase, Gerüche wahr und wandelt sie in digitale Signale um. Eine Duftstation beim Empfänger setzt die entsprechenden Chemikalien frei und erzeugt so nahezu in Echtzeit den passenden Duft. Als Sender und Empfänger genügen Armband oder Halskette, beschränken sich bislang aber auf fünf Gerüche, einschließlich Kuchen, Rotwein und Orangen. Auch die Übertragung von Geschmacksaromen, konkret Bier und Kaffee, war schon erfolgreich. Wann uns die volle Brise Bauernhof aus dem Fernseher entgegenweht, ist offen. (ts)

Eine der ersten „Duftrichtungen“ im Geruchsfernsehen war unter anderem Kaffee.

Foto: Anna Kim/iStock

Mikroplastik reagiert chemisch im Körper

Kunststoffe gelten chemisch als wenig reaktionsfreudig, weshalb sie häufig zur Verpackung von Lebensmitteln oder zur Herstellung von Kinderspielzeug verwendet werden. Zerfällt ein großes Stück in kleine Teilchen, geschieht aber etwas Wichtiges: bezogen auf die Oberfläche ist mehr Material der Umgebung ausgesetzt. Das dies nicht unbedenklich ist, zeigen US-amerikanische Forscher in ihrer Studie. Denn: Sobald die Partikel mit Wasser in Kontakt kommen, entstehen hochenergetische, reaktive Radikale (kurz ROS). Und diese Moleküle können nachweislich tierisches und menschliches Gewebe schädigen. Gleiches passiert laut den Forschern, wenn Plastikpartikel in den Blutkreislauf gelangen, da menschliches Blut größtenteils aus Wasser besteht. In den Augen der Forscher könnte dies eine Ursache für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Demenz sowie Hirntumore sein. (ger)

Fingerabdrücke zeigen Erbauer der Terrakotta-Armee

Über 7.000 Krieger stehen in Reih und Glied und bewachen dass Grab ihres Herrschers. Nur sind diese Wachen nicht aus Fleisch und Blut, sondern teils überlebensgroß und aus Ton. Doch wer war(en) der oder die Erbauer der 1974 entdeckte Terrakotta-Armee? Bekannt ist nur, dass der chinesische Kaiser Qin Shihuangdi (259–210 v. Chr.) die ewige Streitmacht in Auftrag gab. Mögliche Namen der vermutlich zur Zwangsarbeit verpflichteten Handwerker sind nicht erhalten – dafür aber ihre Fingerabdrücke. Forscher der chinesischen Shandong University haben gleich 79 dieser Spuren an den Tonkriegern entdeckt. Sie zeigen, dass die Armee nicht nur von erwachsenen Männern, sondern auch von Frauen und Jugendlichen gefertigt wurde. Mit Fingerspitzengefühl und ihrer Handwerkskunst schufen sie ein Meisterwerk, das bis heute die Menschen beeindruckt. (kms)

Die Terrakotta-Armee nahe Xi’an ist Teil des Mausoleums des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdis.

Foto: Vadim_Nefedov/iStock

Neuer Zwerg entdeckt

Astronomen könnten die offizielle Planetenliste unseres Sonnensystems um einen neuen Zwerg erweitern. Wie Forscher kürzlich bekannt gaben, entdeckten sie mithilfe des Vera C. Rubin-Observatoriums jenseits von Pluto ein großes, helles Objekt, das die vorläufige Bezeichnung „ED138“ erhielt. Der etwa 46 Astronomischen Einheiten entfernte, eisige Himmelskörper ist um fast 25 Grad gegenüber der Ebene des Sonnensystems geneigt und könnte ersten Schätzungen zufolge einen Durchmesser von 600 bis 1.500 Kilometern haben. Sollte sich dies in künftigen Untersuchungen bestätigen, wäre ED138 einer der größten in diesem Bereich des Sonnensystems entdeckten Zwergplaneten und würde sich zu Pluto, Ceres, Eris, Haumea und Makemake gesellen. (ts)

Krähen sind doppelt so schnell wie wir

In einer Aufgabe mussten Krähen erkennen, ob sich bewegte Punkte auf einem Touch-Monitor überwiegend nach links oder rechts bewegten. Die Tiere zeigten ihre Entscheidung dadurch an, dass sie auf einen Punkt links oder rechts vom Punktemuster pickten. Und das taten sie laut den Forschern Philipp Schmidbauer und Professor Andreas Nieder der Universität Tübingen mit hoher Präzision und Schnelligkeit. Ihre beiden Aaskrähen benötigten dafür durchschnittlich 235 Millisekunden – und waren damit doppelt so schnell wie ein Mensch. Dies komme ihnen bei schnellen und präzise zu steuernden Flugmanövern sowie bei der Nahrungssuche zugute. Welche Mechanismen den Zeitvorteil ermöglichen, müssten weitere Untersuchungen klären. (kms)

Krähen beweisen immer wieder, das sie schnelle und intelligente Tiere sind.

Foto: Wirestock/iStock

Schon gewusst? Hormon macht Haare dunkler

Beim Durchblättern der Familienalben gibt es immer wieder Erstaunliches zu erblicken: seien es Hinweise auf künftige Berufe, Sünden aus der Kindheit oder ein optisches Kontrastprogramm. Denn nicht selten hatten weibliche und männliche Brünetten früher eine strahlend blonde Mähne. Aber warum ist das so? Unsere Haarfarbe entsteht durch das Pigment „Melanin“, das in den Haarfollikeln produziert wird. Doch es gibt zwei Hauptarten von Melanin: Eumelanin, das braune und schwarze Farbtöne erzeugt, und Pheomelanin, das dem Haar gelbe und rote Töne verleiht. Menge und Art des produzierten Melanins bestimmen so maßgeblich die Farbe der Haare. In der Pubertät kommt es zu einer erhöhten Produktion von Eumelanin, weshalb bei vielen Blondinen die Verdunkelung ab zehn bis 13 Jahren einsetzt. Wie genau Hormone diese Veränderung bewirken beziehungsweise welche Gene den Prozess steuern, ist nach wie vor ein Rätsel. (ger)

Kaltes Wasser ist gut für die Zellen

Mäßig kalte Temperaturen können bei Tieren die Lebensdauer verlängern und den altersbedingten Abbau verlangsamen. Wie dieser Effekte ausgelöst wird und ob dies auch für Menschen gilt, war bislang unklar. Im Rahmen ihrer Studie entdeckten Kölner Forscher um Professor Dr. David Vilchez, das dabei verstärkt der Metabolit BH2 in den Muskeln produziert, gespeichert und anschließend in das Gewebe angegeben wird, wo es die Bildung der Aminosäure Tyrosin auslöst. Diese unterstützt die zelluläre Maschinerie, sodass Proteine nicht verklumpen, Zellen nicht beeinträchtigt und altersbedingte Krankheiten reduziert werden. Letztlich zeigt die Studie nicht, dass Baden in 15 Grad Celsius kaltem Wasser das Leben verlängert, aber das es den Zellen bei ihrer Arbeit hilft. (ger)

Es muss kein Eisbad im Winter sein, um seinen Körper gesundheitlich zu unterstützen.

Foto: Nastco/iStock

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Krokodil unter Katze, schwimmende Ohren und spontane Selbstentzündung

Kann Boden Informationen wie ein Computer verarbeiten?

Feuchtigkeit, Mikroorganismen, Wärme, Mineralstoffe. Der Boden unter unseren Füßen enthält eine Menge Informationen. Forscher um Catherine Merchant, Doktorandin der University of Cambridge, England, sehen darin mehr als nur einen passiven Datenspeicher, sogar mehr als einen Lebensraum. Indem Boden Stoffe unterschiedlich weiterleitet, verändert oder speichert, gleiche er einem Computer. Von einem Bio-Prozessor ist man aber noch weit entfernt und die gezielte Verarbeitung von Umweltreizen nicht belegt. Dies erfordere zudem eine Auswertung, die zunächst lernen muss, die veränderten Zustände zu interpretieren. Als Nächstes sollen Gedächtniseffekte und Informationsübertragung quantitativ gemessen, innere Prozesse abgebildet werden und erste Rechendemonstrationen folgen. Was sie bedeuten und wozu sie später dienen können, bleibt vorerst offen. (ts)

„Doppelagent“ versteckte verbotene Bücher

Im England des 15. Jahrhunderts konnte der Besitz einer Übersetzung der Bibel tödlich enden: Während der Reformation und Gegenreformation ließen die Oberen zahlreiche religiöse Werke vernichten. Einer, der dies im Auftrag Heinrich VIII. ausführte, war Sir John Gage (1479–1556). Oder tat er es doch nicht? Forscher der Universitäten Sussex und Cambridge identifizierten sechs Seiten aus einem Manuskript von Nicholas Love aus dem Jahr 1409, einem jener Werke, das Cage hätte vernichten sollen. Die Notizen auf der Rückseite deuten jedoch vielmehr darauf hin, dass er das Werk – nachdem es wohl im Besitz eines Klosters war – an sich nahm und sicher verwahrte. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Die Signatur von einem Mann, der zudem trotz seines königlichen Auftrags, Klöster in England aufzulösen, katholisch blieb, zeugt jedoch von widersprüchlichen Loyalitäten. (kms)

Mit Lichtschwert nach Hause telefonieren

Sie sind meist groß, sperrig oder schwer und auch wenn es sie im Mikroformat gibt, erfordern Antennen eine feste Struktur. Noch. Prya Darshni und Kollegen von der North Carolina State University haben erstmals eine Plasma-Antenne genutzt. Den dafür nötigen haarfeinen Plasmafaden erzeugte ein Laser, der mit ultrakurzen Impulsen die Luft auf etwa 20 Zentimeter Länge ionisierte. Als die Forscher ein Funksignal in diese Laserschwert-ähnliche Antenne einkoppelten, erhöhte sich die Signalstärke im Nahbereich um rund 150 Prozent. Da die Antenne keine festen Bestandteile enthält, lässt sie sich – so die Theorie – an beliebige Frequenzen anpassen und könnte künftig die Raumfahrt bereichern. Der Weg dahin ist aber noch weit. Laut Darshni war es „der erste Schritt“. Jetzt, da es möglich sei, könne man „beginnen, ihre Leistung zu verbessern“. (ts)

Darshnis Plasmaantenne erinnert an ein Lichtschwert. Da sie keine metallischen Teile erfordert, können Eigenschaften, wie Länge und Richtung, der Antenne später gezielt verändert werden.

Foto: Prya Darshni/North Carolina State University

Ausgestorbenes Krokodil mit Verbindungen zu großer Katze

Neu ist der Fund nicht: In den 1920er Jahren bargen Forscher in Ägypten einen fast vollständigen Schädel eines vermeintlichen Scheingavials, einem Krokodil mit ungewöhnlich langer Schnauze. Im Rahmen neuer Untersuchungen kommen Dr. Paul Burke vom Swedish Museum of Natural History und Kollegen zu dem Schluss, dass es sich um eine eigenständige Art handelte, die in dem rund 45 Millionen Jahre alten Gestein steckt und gaben ihr den Namen Herugavialis cairensis. Der Name bezieht sich auf Heru oder Horus, den Altägyptischen Gott des Himmels und des Horizonts. Horus gilt auch als Personifikation der aufgehenden Sonne, die sich in der Großen Sphinx von Gizeh wiederfindet. Zudem bildet der Kalkstein der Mokattam-Formation, aus der das Fossil stammt, den Grundstein der größten Katze der Welt. Und während der die Nase fehlt, fehlt dem Fossil des Horus-Gavials die Spitze der Schnauze. (kms)

Regelmäßiger Teekonsum reduziert Gefäßkrankheiten

Dass Rauchen der Gesundheit schadet und körperliche Aktivität sie fördert, sollte hinlänglich bekannt sein. Neu ist, dass regelmäßiges Teetrinken die Blutgesundheit verbessert. Das zeigt die Auswertung der Gesundheitsdaten von fast einer halben Million Chinesen. Als regelmäßiger Teekonsum galten dabei bereits drei Tee-Tage pro Woche, was dazu führte, dass Teetrinker im Schnitt elf Prozent seltener unter Erkrankungen des Herz-Kreislaufs, der Hirngefäße, Gefäßleiden im Lungenkreislauf und peripheren Gefäßerkrankungen litten. Werte für einzelne Krankheiten weichen davon ab, auch Teesorte und Trinktemperatur beeinflussen das Ergebnis. Wie viel Tee tatsächlich getrunken wurde, wie sich die Gewohnheiten während der Beobachtungsdauer von durchschnittlich neun Jahren veränderte sowie ob und welche andere Faktoren eine Rolle spielen, zeigen die Daten nicht. (ger)

Mond hatte vor 4,2 Milliarden Jahren ein Magnetfeld

Kalt, leer und unbewohnt, so beschreiben Hamburger Musiker den Mond. Ob es schon immer so war, ist ungeklärt. Zumindest was ein frühes Magnetfeld anbelangt, haben Schweizer Forscher neue Erkenntnisse: Stark magnetisiertes Gestein deutet auf die Existenz eines eben solchen. Während das irdische Magnetfeld maßgeblich auf der Bewegung flüssigen Metalls im Erdkern beruht, ist umstritten, ob es diese Dynamik auch im Mond gab. Vorausgesetzt die gemessene Magnet- und Schwerkraftanomalie geht auf dieselbe geologische Ursache zurück, könnte unter der Mondrückseite eine fast zehn Kilometer mächtige, rund 60 Kilometer breite, erstarrte Magmablase liegen. Die darüber liegenden Krater deuten auf ein Alter von über 4,2 Milliarden Jahren und die Magnetisierung auf einen „länger andauernden, im Kern erzeugten Dynamo“. Die Frage lautet nun also nicht mehr, ob es ihn gab, sondern wie er funktionierte. (ts)

Mondwirbel wie Reiner-Gamma (helle Struktur auf dunklem Grund, Bildmitte) deuten auf ein lokale Magnetfeld, welches die Verwitterung durch den Sonnenwind bremst. Strukturen unter der Mondoberfläche lassen auf ein globales Magnetfeld schließen.

Foto: NASA | gemeinfrei

Hören mit dem ganzen Körper

Haare auf dem Körper haben verschiedene Funktionen – eine der unscheinbarsten übernehmen dabei haartragende Sinneszellen im Innenohr. Diese reagieren auf feinste mechanische Bewegungen der Luft, leiten ihre Signale an das Nervensystem weiter und ermöglichen uns so das Hören. Ein ähnliches und doch völlig verschiedenes Organ ermöglicht Tieren, unter Wasser Strömungen wahrzunehmen. Kalmare bilden dabei keine Ausnahme. Doch während Fische diese Fähigkeit vor allem ihrem Seitenlinienorgan verdanken, sind derartige Sensorflächen bei den Kopffüßern offenbar erheblich größer. Das ist das Ergebnis von Forschern der Case Western Reserve University um Brian M. McDermott. Während menschliche Ohren also Schwingungen der Luft zunächst in die Hörschnecke leiten, könnten Kalmare auf ähnliche Art und Weise mit dem ganzen Körper Bewegungen des Wassers „hören“. (kms)

Ist Dunkle Materie wirklich „natürlich“?

Ein großer Teil der Phänomene im Weltraum lässt sich mit der bekannten Physik nicht oder nur dann erklären, wenn Faktoren wie Dunkle Materie einbezogen werden. Was sie ist und wie ihr Nachweis gelingt, ist ebenso unbekannt wie ihre Entstehung. Für Letztere existieren verschiedene Theorien, die unterschiedlich „natürlich“ erscheinen. Die Natürlichkeit steht hier als Maß für Schwankungen, wenn einzelne Parameter verändert werden: je kleiner die Abweichung, desto natürlicher. Stefano Profumo, Physiker der University of California, Santa Cruz untersuchte auf dieser Grundlage existierende Theorien und kommt zu dem Ergebnis, dass weder frühe Schwarze Löcher noch unentdeckte Elementartelchen per se (un)natürlich sind, vielmehr hänge es vom Entstehungsmodell ab. Eine Erklärung für Dunkle Materie liefert Profumo nicht, auch nicht, ob die eine oder andere Art besser geeignet ist, den vermutlich größten Teil der Materie im Kosmos zu erklären. (ts)

Menschen mit psychopathischen Merkmalen zeigen andere Sprachmuster

Psychopathen werden oft als emotionslos und stumpf mit entsprechender Sprache dargestellt. Ky Bray, Doktorand der University of Mississippi kommt zu einem anderen, erheblich differenzierterem Ergebnis. Demnach ist psychopathische Sprache nicht, wie oft dargestellt, hohl oder gefühlskalt, sondern vielmehr abhängig von Kontext und Ausprägung. Wie Bray betont, geht es dabei nicht darum, Psychopathie anhand der Sprache zu diagnostizieren, sondern zu zeigen, wie sich psychopathische Merkmale in alltäglichen, und selbst subtilen Dingen, wie der Sprache niederschlagen: Enthemmung führe tendenziell zu negativem Ton und Kühnheit, wie erwartet, zu weniger Angstbegriffen. Gefühlskälte hingegen gehe mit positiver und belohnungsbezogener Sprache einher. Das sei deshalb interessant, weil am Ende „jeder ein gewisses Maß an Gefühlskälte, Kühnheit und Enthemmung hat“. (ger)

Schon gewusst? Fledermäuse haben ihren Ursprung in Europa

Wenn es im Sommer dunkler wird, sind sie unterwegs und jagen mit tollkühnen Manövern Insekten über unseren Köpfen: Fledermäuse, oder passend zur aktuellen Jahreszeit, von Kindern mitunter auch Halloween-Amseln genannt. Mit über 1.500 Spezies stellen sie mehr als ein Fünftel aller lebenden Säugetierarten. Die bislang umfassendste Genomanalyse des Fledermausstammbaums zeigt dabei, dass die Tiere nicht, wie bisher angenommen, aus Asien, Afrika oder Nordamerika stammen, sondern aus Europa – und dass bereits die ersten ihrer Art Flug und Echoortung beherrschten. In den vergangenen 65 Millionen Jahren haben sie sich auf der ganzen Welt verbreitet und übernehmen eine bedeutende Rolle als Bestäuber und Schädlingsbekämpfer. Ihre außergewöhnliche Langlebigkeit und Krankheitsresistenz stellt Forscher bis heute vor Rätsel. (kms)

Außerirdische Einflüsse auf Erdbeben

Angetrieben von der Anziehungskraft des Mondes läuft zweimal am Tag ein Wasserberg um die Erde, während Küsten und Kontinente scheinbar in ihrer Lage verharren. Scheinbar, denn auch die Erde unter unseren Füßen kann sich der Kraft der kosmischen Begleiter nicht entziehen. Geowissenschaftler um Yishuo Zhou von Université Paris Sciences et Lettres haben sich dies genauer angeschaut und festgestellt, dass Sonne und Mond, zwar keine heftigen Erdstöße verursachen, die Bewegung der Erde aber ebenso beeinflussen, indem sie die natürliche Verschiebung bremsen oder beschleunigen. Am größten sei dieser Einfluss, wenn die Anziehungskräfte aufgrund der Drehung der Erde wiederholt auf Teile von Platten wirkten und so Kraft und Drift in Resonanz gerieten. Eine Erklärung für alle Beben bietet die Studie nicht, wohl aber einen Ansatz, warum manche Störung besonders empfindlich auf die Gezeitenkräfte reagiert. (ts)

Spontane Selbstentzündung aus der Tiefsee

Tief unter der Meeresoberfläche schlummern Schätze, die Begehrlichkeiten wecken. Nein, keine gruseligen Schiffswracks voller Gold und Edelsteinen, sondern Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Zink. Besonders an unterseeischen heißen Quellen lagern sich Minerale ab und stellen ein vielversprechendes Ziel für den Tiefseebergbau dar – und eine große Gefahr, wie Forscher des U.S. Geological Survey feststellen mussten. Als sie Erze aus dem Escanaba-Trog im Nordostpazifik im Labor untersuchten, entzündeten sich zwei von insgesamt 57 Proben von selbst. Chemische Analysen wiesen Eisensulfide nach, die aufgrund ihrer besonderen Kristallstruktur bei Kontakt mit Sauerstoff unter starker Wärmeentwicklung reagieren. Das Phänomen ist aus dem Bergbau an Land bekannt, stellt für die mögliche Förderung und Verarbeitung auf See aber eine besondere Herausforderung dar, die bislang wenig Beachtung fand. (ts)
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Von Zeit vor dem Urknall bis weniger Deutsche

Erdkruste ist viermal verrutscht

Als Globus ist unsere Erde fest eingespannt und die Rotationsachse eindeutig. Im All ist sie hingegen weit weniger fest, als das Modell vermuten lässt. Vor allem im Zeitraum von Hunderten Millionen Jahren zeigt sich die sogenannte echte Polwanderung, sprich die Verschiebung der Rotationsachse gegenüber der Erdkruste, deutlich. Wie schnell Pole und Achse wanderten, war jedoch lange strittig. Forscher der Universität von Oslo identifizierten jüngst vier Phasen – im geologischem Maßstab – besonders schneller Polwanderung. Während der Superkontinent Pangäa im späten Karbon und Perm wohl nicht zu einer Verschiebung führte, kam es vor allem in der Kreidezeit „wiederholt zu schnellen Bewegungen“. Sowohl Ursachen als auch Folgen bleiben unklar. (kms)

Gefiederter Sieger im Energieaufwand

Ein Kondor und ein Schwan wiegen beide etwa elf Kilogramm. Dennoch legt der Kondor jeden Kilometer seiner Flugstrecke mit etwa einem Fünftel des Energieaufwands des Schwans zurück. Doch warum ist das so? Eine Studie von Max-Planck-Forscher belegt, dass der Unterschied in der Luft liegt. Während der Kondor Aufwinde nutzt und kaum Flügelschläge benötigt, ist der Schwan 99 Prozent der Zeit mit Schwingbewegungen beschäftigt. Damit zeigt sich, dass Fliegen mit der passenden Dynamik der Atmosphäre die energetisch günstigste Fortbewegungsart ist. In den Augen der Forscher könnte dies erklären, wie wetterbedingte Veränderungen beeinflussen, wohin und wann Tiere wandern. (kms)

Zwei der schwersten flugfähigen Vögel der Welt, der Andenkondor (l.) und der Trompeterschwan (r.), haben zwar etwa die gleiche Masse, aber einen sehr unterschiedlichen Energieaufwand beim Fliegen.

Foto: kms/Epoch Times; nach Donyanedomam, Gerald DeBoer/iStock

81,8 Millionen Deutsche bis 2045

2019 sprach das Berlin-Institut von einem „demografischen Zwischenhoch“. Deutschland wuchs, die Bevölkerung sollte auf absehbare Zeit weitgehend stabil bleiben. Sieben Jahre später hat sich die Perspektive verändert: Bis 2045 dürfte die Bevölkerung auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken. Gut zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte verlieren laut neuer Prognose an Bevölkerung. Besonders im Osten entwickeln sich die Regionen immer unterschiedlicher, aber auch der Westen habe Verluste zu beklagen. Während Dahme-Spreewald, Leipzig, Potsdam, Dresden, Frankfurt am Main und Düsseldorf wachsen, werde die Bevölkerung in Suhl und im Saarland sinken. Ganz anders sieht das in Bayern aus: 18 der 20 am besten aufgestellten Kreise und Städte liegen heute im südlichen Freistaat. (ger)

Alte Salbe gegen moderne Keime

Allein im Jahr 2021 starben 4,71 Millionen Menschen weltweit an den Folgen einer Antibiotikaresistenz. Umso dringlicher suchen Mediziner nach einer Lösung, die womöglich in mittelalterlichen Büchern steckt. Denn: ein altes Heilmittel namens „Balds Augensalbe“ ist in der Lage, Bakterien unschädlich zu machen und sie daran zu hindern, eine Resistenz gegen die Salbe aufzubauen. Ausschlaggebend für die Wirkung ist die Kombination aus vier Naturstoffen – zwei Lauchgewächsen, Wein und Rindergalle –, welche einen starken Anti-Biofilm bilden und die Vermehrung der Bakterien verhindern. Die Forscher wollen künftig nicht die mittelalterliche Salbe in Umlauf bringen, sondern die Erkenntnisse um die Wirkungsweise von biologischen Cocktails auf moderne Wirkstoffe anwenden. (kms)

In der altenglischen medizinischen Handschrift „Bald’s Leechbook“ aus dem 10. Jahrhundert steht das Rezept für eine Augensalbe geschrieben, die noch heute gegen multiresistente Keime hilft.

Was wäre, wenn es eine Zeit vor dem Urknall gab?

Sie tickt, fliegt vorbei oder rinnt durch die Finger: Zeit ist sprachlich schwer zu fassen und in der Physik wird es noch etwas komplizierter. Doch egal, ob sie relativ ist, vorwärts oder rückwärts läuft, sie beginnt mit dem Urknall. Oder doch nicht? Was wäre, wenn der Urknall nur ein weiterer Moment in einer unendlichen Zeit ist? Im sogenannten Multiversum markiert der Urknall das Ende der unendlichen Ausdehnung in einem Raumbereich. Außerhalb dessen geht die Ausdehnung weiter und impliziert, dass es weitere Urknalls und Universen geben kann. In der sogenannten Konformen Zyklischen Kosmologie hingegen dehnt sich ein Universum nur soweit aus, bis es ein Gleichgewicht erreicht, das schließlich in einem neuen Urknall gipfelt. In beiden Fällen ist es sehr wahrscheinlich, dass andere Universen existieren, wir sie aber entweder aufgrund der immerwährenden Ausdehnung zwischen uns und ihnen oder der zeitlichen Abfolge nie nachweisen, geschweige denn besuchen werden können. (ts)

Eis so hart wie Beton

Eis ist billig und reichlich vorhanden. Es hat jedoch eine große Schwäche: Risse können sich schnell ausbreiten und das Eis ohne Vorwarnung brechen lassen. Nun haben israelische Wissenschaftler „BioPykrete“ entwickelt – eine Mischung aus Eis und Zellstoff, das bereits im Zweiten Weltkrieg experimentell erforscht wurde. Das Material ist laut Studie etwa zehnmal stabiler als normales Eis, kann 70-mal mehr Energie aufnehmen und verformt sich allmählich, bevor es zerbricht. Dies soll eines Tages ein biologisch abbaubares Baumaterial für die kältesten Orte der Erde ermöglichen. (ts)

Israelische Forscher haben ein „Super-Eis“ entwickelt, dass robuster als normales Eis ist.

Foto: Chen Adar

Haut ist bei Männern und Frauen unterschiedlich

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und erneuert sich ständig, sichtbar etwa an abgestorbenen Hautschuppen. Das ist bei Männern und Frauen gleich, doch wer wie Dan Engelmann genauer hinsieht, stellt erhebliche Unterschiede fest. Gemeinsam mit Kollegen untersuchte er fünf Monate lang die Teilung und Reifung von Hautzellen. Nicht nur erkannten sie, dass Hautstammzellen sowohl neue Stammzellen als auch bisher nur in der Theorie bekannte Übergangszellen bilden, die später zu Hautzellen werden, sondern auch, dass diese Prozesse bei Männlein und Weiblein unterschiedlich schnell ablaufen. Als mögliche Ursachen nannten sie die Geschlechtshormone, wobei Testosteron maßgeblich den Reife- und Östrogen den Teilungsprozess beeinflusste. Die Unterschiede erklären, warum Wunden bei Frauen meist schneller heilen, nicht aber mögliche Auswirkungen auf Ausschläge, Hautkrebs oder andere Hautkrankheiten. (ger)

Bunter Ursprung unserer Blumen

Auf der Erde wachsen über 370.000 Pflanzenarten – 75 Prozent davon sind Bedecktsamer, auch Blütenpflanzen genannt. Doch wie und wann kam es zu dieser blühenden Vielfalt? Eine neue Studie zeigt, dass die Bedecktsamer während der Blütezeit der Dinosaurier allmählich ältere Pflanzengruppen verdrängten, die zuvor Millionen Jahre lang das Land beherrschten. Dabei spielten scheinbar Klimaveränderungen eine tragende Rolle. So ergab die Analyse versteinerte Pollen und Sporen, dass es während der beiden wärmsten Erdzeiträume sowohl zu Massenaussterben als auch zu einem explosionsartigen Anstieg der Pflanzenvielfalt kam. Wieso ausgerechnet die Blütenpflanzen dominierten, ist unklar. Die Forscher weisen darauf hin, dass das neue Wissen nicht auf die Moderne übertragen werden kann, da vor über 100 Millionen Jahren andere irdische Bedingungen herrschten. (kms)

Auf der Welt gibt es rund 300.000 verschiedene Arten von Blütenpflanzen.

Foto: southtownboy/iStock

Starke Sonne machte Leben

Fünf Basen bilden die Erbsubstanz allen bekannten Lebens: Sowohl DNA als auch RNA bestehen aus Adenin, Cytosin, Guanin sowie Thymin beziehungsweise Uracil. Warum ausgerechnet diese Fünf die Basis allen Lebens bilden, ist bis heute ungeklärt. Eine mögliche Ursache sehen Forscher der University of Wisconsin–Madison in rund 150 Millionen Kilometer Entfernung: im Licht der Sonne, insbesondere im UV-Licht, das früher aufgrund fehlender Ozonschicht umso intensiver schien. Im Labor zeigten die fünf Basen indes sehr unterschiedliche Lichtbeständigkeiten und damit kein einheitliches Bild. Im Allgemeinen waren DNA-Bausteine jedoch stabiler als RNA-Bausteine, sodass Prof. Zoe R. Todd und Kollegen vermuten, dass das UV-Licht zumindest beim Übergang zur heutigen DNA-dominierten Welt eine wegweisende Rolle einnahm. (ts)

Neandertaler mit Speerwunde

Archäologen staunten nicht schlecht, als sie kürzlich das durchlochte Schulterblatt eines Neandertalers in den Händen hielten. Der Fund überdauerte beinahe unversehrt rund 75.000 Jahre unter siebeneinhalb Metern Gestein in einer irakischen Höhle. Laut den Forschern stammt das 15 mm breite Loch von einem Holzspeer, der von vorn in den Körper eindrang und Arterien und die Lunge verletzte. Das etwa 45 Jahre alte Opfer hatte keine Chance und starb an dem sehr wahrscheinlich beabsichtigten „Herzschuss“. Was zu der zwischenmenschlichen Gewalttat führte, bleibt für immer unklar. (kms)

Bereits vor 300.000 Jahren nutzten Menschen Holzspeere zum Jagen wie diese Exemplare aus Schöningen in Niedersachsen zeigen.

Luft überführt Einbrecher

Diebe versuchen in der Regel nichts am Tatort zurückzulassen, weder Wertsachen noch verwertbare Spuren. Dank neuster Technik können Forensiker ihnen auch dann auf die Schliche kommen, wenn weder Fingerabdrücke noch Haare zurückbleiben. Den Beweis lieferten Forscher in Oslo und Australien mittels sogenannter eDNA. Der Begriff bedeutet Umwelt-DNA und umfasst unter anderem jene winzigen Partikel, die wir mit jedem Atemzug ausstoßen und die stundenlang in der Luft schweben können. Anhand 391 eDNA-Proben aus simulierten Testeinbrüchen beschrieben die Forscher unter welchen Bedingungen eDNA die klassischen Methoden ergänzen kann und welche Forschung noch nötig ist, damit Einbrecher künftig nur noch dann sicher sind, wenn sie gar nicht erst am Tatort erscheinen. (ts)

Fleisch ist im hohen Alter gut

Der Verzicht auf Fleisch könnte die Wahrscheinlichkeit, 100 Jahre alt zu werden, geringfügig senken – allerdings nur bei gebrechlichen, untergewichtigen Senioren. Das ergab eine 20 Jahre dauernde Beobachtungsstudie an mehr als 5.000 Ü-80-jährigen Chinesen. Im hohen Alter sei es demnach wichtiger, kräftig zu bleiben und Muskelmasse zu erhalten, als Krankheiten langfristig vorzubeugen. Ältere Menschen, die Fisch, Eier oder Milchprodukte zu sich nahmen, wurden genauso häufig Hundertjährige wie Fleischesser, was darauf hindeutet, dass wichtige Nährstoffe den Ausschlag geben könnten. Damit zeigt sich, dass sich der Nährstoffbedarf eines Menschen im Laufe seines Lebens entsprechend dem Alter signifikant ändert. (ger)

Laut einer neuen Studie ist es für Senioren vorteilhaft, regelmäßig Fisch und Fleisch sowie Eier oder Milchprodukte in ihre Ernährung zu integrieren.

Foto: vladans/iStock

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Von KI im Lügentest bis Wellen gegen Hurrikan

KI am Lügendetektor

Manchen Menschen sieht man an, wenn sie mehr wissen, als sie sagen – und kann dann gezielt nachfragen. Schwieriger wird es bei einer KI, bei der wir weder wissen, welche Infos das Programm verarbeitet, noch was es im Hintergrund alles tut. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Antworten falsch oder gezielt irreführend oder zensiert sind. David Bau von der Northeastern University und Kollegen wollen daher eine Art Lügendetektor für Sprachmodelle entwickeln, die Unstimmigkeiten zwischen Arbeitsschritten und Ausgabe erkennt. Ziel sei eine gemeinsame Grundlage für die Interpretierbarkeit von KI. Zugleich soll dies interne Rechenprozesse messbar und nachvollziehbar machen und so über einen reinen Faktencheck der Antwort hinausgehen. Von einer App, die Nutzer warnt, ist man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch weit entfernt. (ts)

Machen mehr Katzen glücklicher?

Das Wohlbefinden der Bevölkerung eines Landes wird häufig anhand eines nationalen Glücksindexes dargestellt, in den neben Einkommen auch Gesundheitskosten einfließen. Prof. Dario Maestripieri von der University of Chicago und Kollegen erweiterten diese Betrachtung jüngst um einen tierischen Faktor: die Anwesenheit von Katzen. Demnach sind Menschen in Ländern mit mehr Katzen glücklicher, während mehr Katzenparasiten, speziell Toxoplasma gondii, das Glück verringerten. Die Folgerung „mehr Katzen = mehr Parasiten“ hatte wiederum keinen Bestand, sodass der Katze-Glück-Zusammenhang am Ende doch etwas komplizierter wird. Die Studie liefert daher keine Anleitung zum Glücklichsein mit Katzen, wohl aber, dass Katzendichte und Wohlstand mit dem nationalen Glücksempfinden variieren – oder umgekehrt. (ts)

Das Streicheln einer echten Katze hat nachweislich einen langen positiven Effekt auf die Psyche.

Foto: Dima Berlin/iStock

„Phönix-Planet“ entdeckt

Die Erde und die anderen Planeten unseres Sonnensystems sind aus Material entstanden, das nach der Bildung eines Sterns übrig geblieben ist. Doch es gibt eine zweite und viel seltenere Variante der Entstehung: ein Planet, der sich aus den Resten eines Sterns bildet. Ein solcher „Phönix-Planet“, wie ihn Astronomen kürzlich entdeckten, kann durch das Element Niob nachgewiesen werden. Denn: Schwere Elemente wie dieses können nur unter den exotischen Bedingungen innerhalb sterbender Sterne entstehen. Mit den letzten Zuckungen des Sterns wird das Material ins All geschleudert, wo sich aus dem Rest ein Planet der zweiten Generation bildet – wie ein Phönix, der aus der Asche steigt. (ts)

Galileo war’s?

Ein sich nach hinten verjüngendes Rohr mit vier Linsen und einem aufrichtenden Okular, dessen konvexe Linsen im Abstand der doppelten Brennweite voneinander angeordnet sind: Dies ist kein Lexikoneintrag, sondern die Beschreibung des wahrscheinlich ersten Vierlinsen-Teleskops. Sie stammt aus dem Manuskript „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) des spanischen Mönchs Ignacio Muñoz, der den Apparat als „fabricatum a Galilaeo“ bezeichnet. Für den Historiker Dr. José María Moreno Madrid von der irischen Universität Limerick ist die Entdeckung der Schrift von großer Bedeutung, denn bisherige Erwähnungen datierten die Erfindung um das Jahr 1645. Stimmt die Aussage über ihren Erfinder, muss Galileo Galilei (1564–1642) die Entwicklung des ältesten Vierlinsen-Fernrohrs schon um 1630 zugeschrieben werden. (kms)

Eine Seite aus „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) von Ignacio Muñoz mit der Funktionszeichnung des Vierlinsen-Fernrohrs.

Foto: gemeinfrei

Antibiotika besser ohne Smoothie

Antibiotika sind dafür bekannt, Magenprobleme wie Durchfall zu verursachen. Das liegt daran, dass diese Medikamente neben der Bekämpfung von Infektionen oft auch gesunde Mikroorganismen im Darm abtöten, wodurch schädliche Bakterien die Oberhand gewinnen können. In diesen Momenten wird häufig zusätzlich geraten, leichte Nahrung wie Smoothies und Co. zu sich zu nehmen – getreu dem Motto: Hauptsache der Patient hat etwas im Magen. Eine neue Studie mit Krebspatienten zeigt jedoch, dass die Kombination von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Antibiotika toxisch ist und die Vielfalt des Darmmikrobioms stark verringern kann. Grundsätzlich raten die Forscher den Patienten daher – in Absprache mit ihrem Arzt – auf die Einnahme von Zucker während einer Antibiotikabehandlung zu verzichten. (ger)

Idefix auf dem Weg zum Mars

Wir schreiben das Jahr 2026, das ganze Sonnensystem wurde von Menschen erforscht. Das ganze Sonnensystem? Nein, ein kleiner Felsbrocken hört nicht auf, den Forschergeist zu wecken. Und die Erkundung ist nicht leicht für die beteiligten Organisationen aus Japan, Frankreich und Deutschland – und für Idefix. Der deutsch-französische Rover soll 2029 als erster Lander in der Geschichte der Raumfahrt auf dem Marsmond Phobos aufsetzen, um dessen Oberfläche aus nächster Nähe zu erkunden. Die Muttersonde der bisher größten japanischen Mission ins Sonnensystem soll anschließend selbst auf Phobos landen, Proben sammeln und 2031 erstmals Material aus dem Marssystem zur Erde zu bringen. Der Start ist für den 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr (MESZ) geplant und wird von der Japanischen Raumfahrtbehörde live übertragen. (ts)

Kräuterkunde bei den Elefanten

Seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass Tiere sich selbst behandeln können. So essen beispielsweise Schimpansen gezielt bittere Blätter gegen Darmparasiten, während Vögel ihre Nester mit insektenabwehrenden Pflanzen polstern. Nun haben Wissenschaftler des deutschen Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin nach jahrzehntelanger Arbeit das Phänomen der Zoopharmakognosie auch bei wild lebenden Afrikanischen Elefanten nachgewiesen. Die Dickhäuter suchen demnach bis zu 160 Meter tiefe Höhlen auf, um Salz und Mineralstoffe zu sich zu nehmen oder verabreichen ihrem Nachwuchs Heilpflanzen, die für ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden oder antiparasitären Eigenschaften bekannt sind. Damit beweisen die Großsäuger einen feinfühligeren Umgang mit ihrer Natur, als unsere Redewendungen – wie ein Elefant im Porzellanladen – ihnen zuschreiben. (kms)

Sprichwörtlich sind Elefanten im Porzellanladen zu finden – mit ihrem Kräuterwissen, wären sie jedoch in einer Apotheke vermutlich besser aufgehoben.

Foto: Anna_Om/iStock

Schon gewusst?

Nicht nur Sonne und Mond haben einen Einfluss auf die Gezeiten, sondern auch die Form von Küsten. Jede Bucht hat einen natürlichen Rhythmus, in dem ihr Wasser hin und her schwappt und der durch ihre Form und Tiefe bestimmt wird. Wenn dieser Rhythmus mit dem der örtlichen Gezeiten übereinstimmt, verstärkt jede Bewegung die nächste. Gleichzeitig können auch Unterwasserberge und -grate die Gezeiten beeinflussen, indem sie die Wasserbewegung abbremsen oder deren Energie wie eine Feder wieder abgeben. So kann sich der mittlere Tidenhub von Region zu Region unterscheiden, wie die Beispiele Rotterdam (~1,90 Meter), Hamburg (~3,90 Meter) und Kimberley-Küste in Westaustralien (über 10 Meter) zeigen. (ts)

Wellen gegen Hurrikan

Flugzeuge erheben sich dank Aerodynamik in die Lüfte, Rennautos bleiben dank ihr am Boden, aber auch an Häusern entstehen bei starken Winden Druck- und Sogkräfte. Vor allem an Ecken und Kanten lösen sich die Luftströmungen – wie bei einem Heckspoiler – leicht vom Gebäude, erzeugen Wirbel und einen Unterdruck. So entsteht ein Druckgefälle und die Luft im Raum „drückt“ Wände und Dach nach außen. Damit Bauwerke dennoch Winden trotzen, kommen bisher vor allem kleine Rundungen oder stärkerer Materialien zum Einsatz. Besonders letzteres schlägt sich dabei leicht in den Kosten nieder. Erheblich günstiger könnte es durch eine Entdeckung von Wissenschaftlern um Pedro Fernández-Cabán, Assitenzprofessor für Bauingenieurwesen in den USA, werden. Ihnen zufolge können wellenförmige Flächen die Windlasten um bis zu 60 Prozent reduzieren, bislang allerdings nur in der Theorie. (ts)

Schlechte Augen wegen schlechter Luft

Glaukom (Grüner Star) und Katarakt (Grauer Star) gelten als altersbedingte Krankheiten. Einer neuen Studie zufolge könnte diese Erklärung jedoch zu kurzsichtig sein. Ahmed Alnabihi und Team einer Augenklinik in Riad, Saudi-Arabien, trugen dafür Daten von Millionen Menschen sowie der sie umgebenden Luft zusammen, konkret Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide sowie Ozon und Kohlenstoffmonoxid. Dabei stellten sie fest, dass Gebiete mit höheren Schadstoffkonzentrationen mit mehr Augenleiden korrelieren. Da unsere Augen direkt der Außenluft ausgesetzt sind, „ist es biologisch plausibel, dass die Luftverschmutzung hier besonders schädigend wirken kann“, so Alnabihi. Die vorliegenden Daten können diesen Zusammenhang jedoch weder belegen noch andere Ursachen ausschließen. (ger)

Kein Weg zu weit

Die Osterinsel und Hawaii trennen rund 7.000 Kilometer voneinander. Für diese Entfernung würden wir heute mit einer kleinen Motoryacht etwa zehn Tage benötigen. Im 11. Jahrhundert besaßen die Menschen jedoch nur Paddel und Segel – und trotzdem meisterten sie diese lange Fahrt erfolgreich, wie eine neue Studie zeigt. So belegt eine DNA-Analyse gemeinsame Vorfahren der heutigen Bewohner von Rapa Nui und Hawaii deren Wurzeln bis nach Mangareva, Französisch Polynesien, zurückreichen. Dies beweist die Existenz einer alten Kultur, die zu wiederholten, weitreichenden Seereisen über den Pazifik fähig war – ohne Kompass und Motor, aber dafür mit Wille und Sterne. (kms)

So sehen traditionelle Boote der Polynesier aus.

Foto: Leamus/iStock

Galaktisch-gute Lage

Leben, wie wir es kennen, erfordert unter anderem flüssiges Wasser, dass nicht auf allen Planeten vorkommt. Befindet sich ein Himmelskörper zu nah an seinem Stern, ist es zu heiß; ist er zu weit draußen, ist es zu kalt. Dazwischen liegt die sogenannte zirkumstellare habitable Zone, also jener Bereich um einen Stern, in dem Leben prinzipiell die richtigen Bedingungen vorfinden könnte. Eine Studie von Forschern der Western Sydney University um Dr. Luke A. Barnes besagt, dass es diese auch im galaktischen Maßstab gibt – und unsere Milchstraße sich in einer ebensolchen Zone befindet, in der die Bedingungen über kosmisch relevante Zeiträume erhalten bleiben. Eine Zone, in der ausreichend schwere Elemente aus der früheren Sternenentstehung existieren, um Welten zu erschaffen, die Gefahren, die Leben und Welten vernichten können, aber (noch) selten sind. (ts)
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Von Kaffee mit Gedächtnis bis neue Katze entdeckt

Fahrerlos in die Filiale

Rund 100 Meter trennen das Lidl-Zentrallager Edermünde und die Filiale an der Langen Heideteile südwestlich von Kassel. Für Aufmerksamkeit sorgt der Warentransport zwischen beiden Standpunkten dennoch: Seit Mitte September erfolgt dieser mittels Lkw ohne Fahrer und sogar ohne Fahrerhaus. 15 Paletten kann der dreiachsige, rund acht Meter lange und bislang auf 25 km/h begrenzte Lkw transportieren. Weitere Fahrzeugdaten nennen weder der schwedische Hersteller noch die Handelskette. Ganz ohne Fahrer geht es dennoch nicht. Gemäß aktuellen Auflagen begleitet ein „Local Operator“ den Lkw auf seiner rund 400 Meter langen Strecke in einem separaten Fahrzeug. Eine zweite Phase soll die Ausweitung auf eine weitere Filiale einschließen.

Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride haben den E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen gebracht.

Foto: Lidl

Ihr Kaffee hat ein Gedächtnis

Wer Kaffee zu lange stehen lässt, wird Zeuge eines unvermeidlichen physikalischen Prinzips: Wärme fließt von einem heißeren Körper – Ihrem Kaffee – zu einem kälteren – der Umgebung. Auf atomarer Ebene scheint diese universelle Regel nicht mehr so unumstößlich. Nicht nur kann Wärme zu einem heißeren Körper fließen, sondern sogar Informationen eines früheren Ereignisses tragen und somit eine Art Gedächtnis haben. „Wärme erinnert sich nicht wie wir an eine Person oder ein Ereignis“, erklärt Prof. Jianjun Dong von der Auburn University. „Seine Erinnerungen sind in mikroskopischen Bewegungen des Materials gespeichert.“ Während heißer Kaffee sich also weder Ihr Gesicht noch Namen merken kann, kann er vielleicht wissen, wie energisch Sie Ihre Tasse abgestellt haben.
Gesicht im Kaffee ist eine Form von Pareidolie

Eine Tasse Kaffee am Morgen kann erstaunliches leisten: die Stimmung aufhellen und eine Erinnerung bergen.

Foto: dmf87/iStock

Fehlendes Chromosom könnte Krebs begünstigen

Jede Zelle im männlichen Körper trägt normalerweise ein X- und ein Y-Chromosom. Besonders Immunzellen können letzteres im Alter einbüßen und, so eine neue Studie, eine „versteckte Zone genetischer Anfälligkeit“ für Krebs hinterlassen. Dr. Dan Theodorescu vom Krebszentrum der University of Arizona und sein Team analysierten rund 1.000 Gewebeproben von über 400 Männern. Dabei konnten sie den Verlust von Y-Chromosomen in „normal erscheinendem Gewebe neben Tumoren“ nachweisen. Gerade dies mache die Entdeckung so spannend, und sei womöglich „eines der frühesten Anzeichen sich bildender Tumore“, so der Medizinprofessor. Dies könnte eines Tages Ärzten helfen, Unregelmäßigkeiten in Biopsien zu erkennen, die kleine Tumore übersehen.

Liegt Nofretete hinter Tutanchamun?

Baustruktur und Malereien ließen Ägyptologen hinter dem Grab von Tutanchamun seit 2015 weitere Räume vermuten. Neue Untersuchungen verdichten diese Annahme und deuten auf verborgene Kammern und Gänge hinter einer Scheinwand hin. Diese könnten seit der Antike verschlossen und vor dem Tod Tutanchamuns entstanden sein. Erneut flammt damit die Hoffnung auf, dass dort das Grab von Nofretete – der Stiefmutter des jungen Pharaos – liegen könnte. Möglich ist auch, dass dort lediglich Lagerräume sind oder die potenzielle Grabkammer durch Sturzfluten gestört ist. Ob es weitere Untersuchungen geben wird und die Forscher mittels Bohrungen einen Blick hinter die Wand werfen dürfen, muss der Oberste Rate für Altertümer in Ägypten noch entscheiden.

Wilde Honigbienen auf Roter Liste

In Deutschland und der Schweiz würde das Summen wildlebender Honigbienen ohne Imkerei binnen eines Jahrzehnts gänzlich verstummen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Patrick Kohl von der Universität Hohenheim anhand der Analyse von 700 Nistplätzen in sieben europäischen Ländern. In Südostengland würden sich die Bestände alle zehn Jahre hingegen vervielfachen. Die Untersuchung bildet die Grundlage für die Aufnahme wildlebender Westlicher Honigbienen auf die Rote Liste der IUCN als „stark gefährdet“.

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“.

Foto: Samuel Ray/iStock

Alkohol aus dem Erdreich

Lignin ist der Baustoff der Natur, der Pflanzen Festigkeit verleiht, kann laut Forschern der Universität Heidelberg aber auch Methanol bilden. Nötig sei dafür lediglich Erde und Wasser. Konkret spalten reaktive Eisen-Sauerstoff-Verbindungen einzelne Methoxygruppen vom Lignin ab. Dieser Prozess ist bisher vor allem bei knapp 300 Grad Celsius, erhöhtem Druck und Wasserstoffumgebung bekannt. In der Natur genügen Zimmertemperatur, Normaldruck und Anwesenheit von Wasser, selbst nach mehreren Trockenzyklen. Biologisch aktivere Böden setzten weniger Methanol frei, vermutlich weil Mikroorganismen die Verbindung als Energiequelle nutzen. Was das für Umwelt und Materialwissenschaft – Lignin ist als Abfallprodukt der Papierindustrie ein vielversprechender alternativer Rohstoff – bedeutet, ist Gegenstand künftiger Forschung.

Fraß unsere Sonne eine Supererde?

Im Gegensatz zu vielen anderen Sonnensystemen besitzt unseres keine Supererde. Wieso das so ist, fragen sich Astronomen seit vielen Jahren. Eine mögliche These ist, dass sie in jungen Jahren von der Sonne verschlungen wurde. Der türkische Forscher Prof. Mutlu Yildiz von der Ege-Universität hält dies für möglich und vermutet, dass die Sonne noch immer Spuren ihres Mahles in sich tragen könnte. So würden die subtilen Veränderungen der inneren Struktur der Sonne und ihr geringer Lithiumgehalt für das Verschlingen eines Planeten mit dem 5- bis 10-Fachen der Erdmasse sprechen. Ein endgültiger Beweis dafür könne laut den Forschern jedoch nie erbracht werden.

250 Jahre versteckt

Leopardus tilcayo schleicht sich als erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren in den Stammbaum der Tigerkatzen. Ihr hellbraunes Fell mit dunklen, unregelmäßigen Rosetten ermöglicht beste Tarnung in den bolivianischen Bergwäldern – und erschwerte Forschern die Unterscheidung von vier artverwandten Katzen, die erstmals 1775 vom Thüringer Mediziner und Naturforscher Johann Christian Daniel Scheber (1739-1810) beschrieben wurden. Mit „Tilcayo“ übernehmen die Entdecker jenen Namen, den Einheimische seit Generationen für die Wildkatze verwenden.

Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien.

Künstliches Knie im Gehirn

Abtrieb aus künstlichen Gelenken lässt sich im Gehirn ihrer Träger nachweisen. In einer Autopsiestudie mit 701 verstorbenen Menschen fanden Forscher des Rush University Medical Center um Robin Pourzal erhöhte Konzentrationen von Kobalt, Titan und typischen Legierungen von Implantaten. Dass sich derartige Partikel im benachbarten Gewebe ablagerten, ist seit Jahren bekannt, neu ist, dass sie auch ins Gehirn gelangen. Welchen Weg sie dorthin nehmen, vermag die neue Studie dennoch nicht sagen. Unsicher ist ebenfalls, ob erhöhte Werte im Gehirn zu Demenz beitragen. Bei Kobalt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang, bei Titan schon. Dies lasse sich aber nicht eindeutig auf künstliche Gelenke zurückführen, weil Titanverbindungen unter anderem auch in Nahrung und Medikamenten vorkommen.

Burg in Universität gefunden

Lange suchten Historiker nach der verschollenen Burg Roebuck. Jetzt hat der irische Archäologe Tadhg O’Keeffe vom University College Dublin Hinweise gefunden: aber nicht in Form von Schriftquellen, sondern von Mauern. Tatsächlich war die Burg aus dem 13. Jh. nicht wie viele andere abgerissen, sondern neu aufgebaut und später als archäologisches Institut der Universität verwendet worden. Detaillierte Malereien des Baus aus dem Jahr 1765 machten es möglich, die unter dem Putz verborgen mittelalterlichen Strukturen wiederzuentdecken. Jetzt können Studenten ihre Zeit in dem einstigen Burghof verbringen, der heute der Innenhof ihrer Universität ist.

Zeichnung der Burg Roebuck von dem Maler Gabriel Beranger aus dem Jahr 1768.

Dicker ist besser

Moderne Batterien bestehen aus sehr vielen, sehr dünnen Schichten. Dabei wechseln sich Kathode und Anode sowie Stromleiter und Trennschichten ab. Dieser Aufbau ermöglicht hohe Leistungen, die vielen inaktiven Schichten benötigen jedoch ihrerseits Platz. Forscher um Dr. Oliver Fitz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Dicken einzelner Schichten „von bisher üblichen 100 bis 200 Mikrometer auf bis zu 800 Mikrometer“ vervielfacht, die Zahl nötiger Schichten reduziert und dadurch Material gespart. Auf demselben Bauraum und bei gleichem Gewicht wird so mehr Platz für aktives Material. Das erhöht die Energiedichte um rund 10 bis 15 Prozent. Obgleich die Fertigung auf einer „industrienahen Fertigungslinie“ erfolgte, sei weitere Forschung nötig.

Menschliche Zellen in Mäusen

Neurologische Erkrankungen sind schwer zu untersuchen, da das Gehirn komplex und sein lebendes Gewebe fast unzugänglich ist. US-amerikanische Forscher um Prof. Sergiu Pașca von der Stanford Medicine haben dennoch eine Möglichkeit gefunden. Dafür haben sie genetisch veränderte Mäuse erzeugt und ihnen funktionsfähige menschliche Hirnorganoide eingepflanzt. Danach wurden die Nager mit Sauerstoffmangel konfrontiert, der nachweislich zu neurologischen Schäden führt. Der Versuch zeigte funktionelle Einschränkungen bei den menschlichen Gehirnzellen, nicht aber bei normalen Mäusen, was auf die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns hindeutet. Künftig wollen die Mediziner mit dieser Methoden Epilepsie, Autismus und andere Krankheiten erforschen.

Für den Tierversuch wurden die Mäuse so genetisch verändert, dass der Großteil ihres Neokortex und Hippocampus nicht gebildet wurde.

Foto: JacobStudio/iStock

Schon gewusst? Heißes Eis im All

Bei Eis denken wir zunächst an gefrorene Würfel, die wir in ein kaltes Getränk geben. Doch auf den Gasplaneten Neptun und Uranus gibt es auch heißes, flüssiges Eis. Dieser nach irdischem Maßstab seltsame Zustand liegt an der immensen Hitze und des enormen Drucks. Dadurch sind Sauerstoffatome in einem festen Gitter gebunden, während Wasserstoffkerne wie eine Flüssigkeit frei durch sie hindurchfließen können, und sich sogenanntes superionisches Eis bildet.

Nicht alle Wege führen nach Rom

Verkehrstechnisch gilt Rom heute als Mittelpunkt des Römischen Reiches. Das haben dänische Forscher der Universität Aarhus widerlegt, indem sie 300.000 Kilometer des antiken Straßennetzes untersuchten. Dabei entdeckten sie, dass nicht alle Straßen gerade verliefen, sondern sich – wo nötig – der Landschaft anpassten und Provinzhauptstädte oft wichtige Knotenpunkte waren. Doch nicht Rom spielte eine dominierende Rolle, sondern die spätantike Hauptstadt Konstantinopel. Und noch etwas zeigte sich: Römische und heutige Ingenieure nutzten nicht selten die gleichen Strecken, sodass die moderne Infrastruktur wortwörtlich Parallelen zur antiken aufweist.

Rekonstruierter Verlauf der 299.171 Kilometer römische Straßen, die in der Studie untersucht wurden.

Foto: Pažout et al. (2026) | CC BY 4.0 ; Zuschnitt Epoch Times

Jahrelange Nachbeben nach Atomwaffentest

Nordkorea führte 2006 bis 2017 sechs unterirdische Kernwaffentests durch. Unmittelbar danach traten zahlreiche kleinere Erdbeben auf, die Spannungen und Einstürze im Untergrund zeigten, binnen Wochen jedoch abklangen. Am 2.205 Meter hohen Mantapsan nahm die seismische Aktivität hingegen bis 2025 zu. „Besonders bemerkenswert“ ist laut Prof. Kwang-Hee Kim von der Pusan National University, dass die „Erdbeben mit der Zeit eine zunehmend deutliche Verteilung entlang bestehender Störungen“ zeigten, was auf eine Reaktivierung der geologischen Bruchzonen durch die Sprengungen deute. Aufgrund unterschiedlicher Geologie lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf andere Testgelände übertragen, erfordern zugleich aber eine langfristige Überwachung – auch bei weniger intensiven Bodennutzungen.

Erster Riese Europas

Unser Kontinent ist um einen Dinosaurier reicher: Paläontologen haben in Spanien die fossilen Überreste eines Diplodocus entdeckt. Dieser gehört zu den Sauropoden, im Volksmund auch Langhälse genannt, und war bislang ausschließlich aus Fundstellen in den USA bekannt. Der 25 Meter lange Gigant wanderte vor 150 Millionen Jahren zwischen den heute voneinander getrennten Kontinenten Europa und Nordamerika umher. Die Fossilien sind derzeit im Dinosaurier-Saal des Museo Aragonés de Paleontología in Dinópolis bei Teruel, Ostspanien, öffentlich ausgestellt.

Künstlerische Darstellung eines Diplodocus.