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Krokodil unter Katze, schwimmende Ohren und spontane Selbstentzündung

Kann Boden Informationen wie ein Computer verarbeiten?

Feuchtigkeit, Mikroorganismen, Wärme, Mineralstoffe. Der Boden unter unseren Füßen enthält eine Menge Informationen. Forscher um Catherine Merchant, Doktorandin der University of Cambridge, England, sehen darin mehr als nur einen passiven Datenspeicher, sogar mehr als einen Lebensraum. Indem Boden Stoffe unterschiedlich weiterleitet, verändert oder speichert, gleiche er einem Computer. Von einem Bio-Prozessor ist man aber noch weit entfernt und die gezielte Verarbeitung von Umweltreizen nicht belegt. Dies erfordere zudem eine Auswertung, die zunächst lernen muss, die veränderten Zustände zu interpretieren. Als Nächstes sollen Gedächtniseffekte und Informationsübertragung quantitativ gemessen, innere Prozesse abgebildet werden und erste Rechendemonstrationen folgen. Was sie bedeuten und wozu sie später dienen können, bleibt vorerst offen. (ts)

„Doppelagent“ versteckte verbotene Bücher

Im England des 15. Jahrhunderts konnte der Besitz einer Übersetzung der Bibel tödlich enden: Während der Reformation und Gegenreformation ließen die Oberen zahlreiche religiöse Werke vernichten. Einer, der dies im Auftrag Heinrich VIII. ausführte, war Sir John Gage (1479–1556). Oder tat er es doch nicht? Forscher der Universitäten Sussex und Cambridge identifizierten sechs Seiten aus einem Manuskript von Nicholas Love aus dem Jahr 1409, einem jener Werke, das Cage hätte vernichten sollen. Die Notizen auf der Rückseite deuten jedoch vielmehr darauf hin, dass er das Werk – nachdem es wohl im Besitz eines Klosters war – an sich nahm und sicher verwahrte. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Die Signatur von einem Mann, der zudem trotz seines königlichen Auftrags, Klöster in England aufzulösen, katholisch blieb, zeugt jedoch von widersprüchlichen Loyalitäten. (kms)

Mit Lichtschwert nach Hause telefonieren

Sie sind meist groß, sperrig oder schwer und auch wenn es sie im Mikroformat gibt, erfordern Antennen eine feste Struktur. Noch. Prya Darshni und Kollegen von der North Carolina State University haben erstmals eine Plasma-Antenne genutzt. Den dafür nötigen haarfeinen Plasmafaden erzeugte ein Laser, der mit ultrakurzen Impulsen die Luft auf etwa 20 Zentimeter Länge ionisierte. Als die Forscher ein Funksignal in diese Laserschwert-ähnliche Antenne einkoppelten, erhöhte sich die Signalstärke im Nahbereich um rund 150 Prozent. Da die Antenne keine festen Bestandteile enthält, lässt sie sich – so die Theorie – an beliebige Frequenzen anpassen und könnte künftig die Raumfahrt bereichern. Der Weg dahin ist aber noch weit. Laut Darshni war es „der erste Schritt“. Jetzt, da es möglich sei, könne man „beginnen, ihre Leistung zu verbessern“. (ts)

Darshnis Plasmaantenne erinnert an ein Lichtschwert. Da sie keine metallischen Teile erfordert, können Eigenschaften, wie Länge und Richtung, der Antenne später gezielt verändert werden.

Foto: Prya Darshni/North Carolina State University

Ausgestorbenes Krokodil mit Verbindungen zu großer Katze

Neu ist der Fund nicht: In den 1920er Jahren bargen Forscher in Ägypten einen fast vollständigen Schädel eines vermeintlichen Scheingavials, einem Krokodil mit ungewöhnlich langer Schnauze. Im Rahmen neuer Untersuchungen kommen Dr. Paul Burke vom Swedish Museum of Natural History und Kollegen zu dem Schluss, dass es sich um eine eigenständige Art handelte, die in dem rund 45 Millionen Jahre alten Gestein steckt und gaben ihr den Namen Herugavialis cairensis. Der Name bezieht sich auf Heru oder Horus, den Altägyptischen Gott des Himmels und des Horizonts. Horus gilt auch als Personifikation der aufgehenden Sonne, die sich in der Großen Sphinx von Gizeh wiederfindet. Zudem bildet der Kalkstein der Mokattam-Formation, aus der das Fossil stammt, den Grundstein der größten Katze der Welt. Und während der die Nase fehlt, fehlt dem Fossil des Horus-Gavials die Spitze der Schnauze. (kms)

Regelmäßiger Teekonsum reduziert Gefäßkrankheiten

Dass Rauchen der Gesundheit schadet und körperliche Aktivität sie fördert, sollte hinlänglich bekannt sein. Neu ist, dass regelmäßiges Teetrinken die Blutgesundheit verbessert. Das zeigt die Auswertung der Gesundheitsdaten von fast einer halben Million Chinesen. Als regelmäßiger Teekonsum galten dabei bereits drei Tee-Tage pro Woche, was dazu führte, dass Teetrinker im Schnitt elf Prozent seltener unter Erkrankungen des Herz-Kreislaufs, der Hirngefäße, Gefäßleiden im Lungenkreislauf und peripheren Gefäßerkrankungen litten. Werte für einzelne Krankheiten weichen davon ab, auch Teesorte und Trinktemperatur beeinflussen das Ergebnis. Wie viel Tee tatsächlich getrunken wurde, wie sich die Gewohnheiten während der Beobachtungsdauer von durchschnittlich neun Jahren veränderte sowie ob und welche andere Faktoren eine Rolle spielen, zeigen die Daten nicht. (ger)

Mond hatte vor 4,2 Milliarden Jahren ein Magnetfeld

Kalt, leer und unbewohnt, so beschreiben Hamburger Musiker den Mond. Ob es schon immer so war, ist ungeklärt. Zumindest was ein frühes Magnetfeld anbelangt, haben Schweizer Forscher neue Erkenntnisse: Stark magnetisiertes Gestein deutet auf die Existenz eines eben solchen. Während das irdische Magnetfeld maßgeblich auf der Bewegung flüssigen Metalls im Erdkern beruht, ist umstritten, ob es diese Dynamik auch im Mond gab. Vorausgesetzt die gemessene Magnet- und Schwerkraftanomalie geht auf dieselbe geologische Ursache zurück, könnte unter der Mondrückseite eine fast zehn Kilometer mächtige, rund 60 Kilometer breite, erstarrte Magmablase liegen. Die darüber liegenden Krater deuten auf ein Alter von über 4,2 Milliarden Jahren und die Magnetisierung auf einen „länger andauernden, im Kern erzeugten Dynamo“. Die Frage lautet nun also nicht mehr, ob es ihn gab, sondern wie er funktionierte. (ts)

Mondwirbel wie Reiner-Gamma (helle Struktur auf dunklem Grund, Bildmitte) deuten auf ein lokale Magnetfeld, welches die Verwitterung durch den Sonnenwind bremst. Strukturen unter der Mondoberfläche lassen auf ein globales Magnetfeld schließen.

Foto: NASA | gemeinfrei

Hören mit dem ganzen Körper

Haare auf dem Körper haben verschiedene Funktionen – eine der unscheinbarsten übernehmen dabei haartragende Sinneszellen im Innenohr. Diese reagieren auf feinste mechanische Bewegungen der Luft, leiten ihre Signale an das Nervensystem weiter und ermöglichen uns so das Hören. Ein ähnliches und doch völlig verschiedenes Organ ermöglicht Tieren, unter Wasser Strömungen wahrzunehmen. Kalmare bilden dabei keine Ausnahme. Doch während Fische diese Fähigkeit vor allem ihrem Seitenlinienorgan verdanken, sind derartige Sensorflächen bei den Kopffüßern offenbar erheblich größer. Das ist das Ergebnis von Forschern der Case Western Reserve University um Brian M. McDermott. Während menschliche Ohren also Schwingungen der Luft zunächst in die Hörschnecke leiten, könnten Kalmare auf ähnliche Art und Weise mit dem ganzen Körper Bewegungen des Wassers „hören“. (kms)

Ist Dunkle Materie wirklich „natürlich“?

Ein großer Teil der Phänomene im Weltraum lässt sich mit der bekannten Physik nicht oder nur dann erklären, wenn Faktoren wie Dunkle Materie einbezogen werden. Was sie ist und wie ihr Nachweis gelingt, ist ebenso unbekannt wie ihre Entstehung. Für Letztere existieren verschiedene Theorien, die unterschiedlich „natürlich“ erscheinen. Die Natürlichkeit steht hier als Maß für Schwankungen, wenn einzelne Parameter verändert werden: je kleiner die Abweichung, desto natürlicher. Stefano Profumo, Physiker der University of California, Santa Cruz untersuchte auf dieser Grundlage existierende Theorien und kommt zu dem Ergebnis, dass weder frühe Schwarze Löcher noch unentdeckte Elementartelchen per se (un)natürlich sind, vielmehr hänge es vom Entstehungsmodell ab. Eine Erklärung für Dunkle Materie liefert Profumo nicht, auch nicht, ob die eine oder andere Art besser geeignet ist, den vermutlich größten Teil der Materie im Kosmos zu erklären. (ts)

Menschen mit psychopathischen Merkmalen zeigen andere Sprachmuster

Psychopathen werden oft als emotionslos und stumpf mit entsprechender Sprache dargestellt. Ky Bray, Doktorand der University of Mississippi kommt zu einem anderen, erheblich differenzierterem Ergebnis. Demnach ist psychopathische Sprache nicht, wie oft dargestellt, hohl oder gefühlskalt, sondern vielmehr abhängig von Kontext und Ausprägung. Wie Bray betont, geht es dabei nicht darum, Psychopathie anhand der Sprache zu diagnostizieren, sondern zu zeigen, wie sich psychopathische Merkmale in alltäglichen, und selbst subtilen Dingen, wie der Sprache niederschlagen: Enthemmung führe tendenziell zu negativem Ton und Kühnheit, wie erwartet, zu weniger Angstbegriffen. Gefühlskälte hingegen gehe mit positiver und belohnungsbezogener Sprache einher. Das sei deshalb interessant, weil am Ende „jeder ein gewisses Maß an Gefühlskälte, Kühnheit und Enthemmung hat“. (ger)

Schon gewusst? Fledermäuse haben ihren Ursprung in Europa

Wenn es im Sommer dunkler wird, sind sie unterwegs und jagen mit tollkühnen Manövern Insekten über unseren Köpfen: Fledermäuse, oder passend zur aktuellen Jahreszeit, von Kindern mitunter auch Halloween-Amseln genannt. Mit über 1.500 Spezies stellen sie mehr als ein Fünftel aller lebenden Säugetierarten. Die bislang umfassendste Genomanalyse des Fledermausstammbaums zeigt dabei, dass die Tiere nicht, wie bisher angenommen, aus Asien, Afrika oder Nordamerika stammen, sondern aus Europa – und dass bereits die ersten ihrer Art Flug und Echoortung beherrschten. In den vergangenen 65 Millionen Jahren haben sie sich auf der ganzen Welt verbreitet und übernehmen eine bedeutende Rolle als Bestäuber und Schädlingsbekämpfer. Ihre außergewöhnliche Langlebigkeit und Krankheitsresistenz stellt Forscher bis heute vor Rätsel. (kms)

Außerirdische Einflüsse auf Erdbeben

Angetrieben von der Anziehungskraft des Mondes läuft zweimal am Tag ein Wasserberg um die Erde, während Küsten und Kontinente scheinbar in ihrer Lage verharren. Scheinbar, denn auch die Erde unter unseren Füßen kann sich der Kraft der kosmischen Begleiter nicht entziehen. Geowissenschaftler um Yishuo Zhou von Université Paris Sciences et Lettres haben sich dies genauer angeschaut und festgestellt, dass Sonne und Mond, zwar keine heftigen Erdstöße verursachen, die Bewegung der Erde aber ebenso beeinflussen, indem sie die natürliche Verschiebung bremsen oder beschleunigen. Am größten sei dieser Einfluss, wenn die Anziehungskräfte aufgrund der Drehung der Erde wiederholt auf Teile von Platten wirkten und so Kraft und Drift in Resonanz gerieten. Eine Erklärung für alle Beben bietet die Studie nicht, wohl aber einen Ansatz, warum manche Störung besonders empfindlich auf die Gezeitenkräfte reagiert. (ts)

Spontane Selbstentzündung aus der Tiefsee

Tief unter der Meeresoberfläche schlummern Schätze, die Begehrlichkeiten wecken. Nein, keine gruseligen Schiffswracks voller Gold und Edelsteinen, sondern Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Zink. Besonders an unterseeischen heißen Quellen lagern sich Minerale ab und stellen ein vielversprechendes Ziel für den Tiefseebergbau dar – und eine große Gefahr, wie Forscher des U.S. Geological Survey feststellen mussten. Als sie Erze aus dem Escanaba-Trog im Nordostpazifik im Labor untersuchten, entzündeten sich zwei von insgesamt 57 Proben von selbst. Chemische Analysen wiesen Eisensulfide nach, die aufgrund ihrer besonderen Kristallstruktur bei Kontakt mit Sauerstoff unter starker Wärmeentwicklung reagieren. Das Phänomen ist aus dem Bergbau an Land bekannt, stellt für die mögliche Förderung und Verarbeitung auf See aber eine besondere Herausforderung dar, die bislang wenig Beachtung fand. (ts)

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