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„Dollar für Dollar“: Kanada setzt Gegenzölle im Wert von 20 Milliarden US-Dollar gegen Washington in Kraft


In Kürze:

  • Kanada hat am 8. September neue Gegenzölle auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar in Kraft gesetzt.
  • US-Präsident Donald Trump droht bereits mit weiteren Zöllen auf kanadische Autos, Autoteile und Stahl ab 2027.
  • Besonders brisant sind die engen Lieferketten zwischen den USA und Kanada.

 
Im Zollkonflikt zwischen Kanada und den USA droht eine weitere Eskalation. Am Dienstag, 8. September, sind um Mitternacht die von Kanada angekündigten Vergeltungszölle auf US-Waren in Kraft getreten. Sie betreffen Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar oder 27,6 Milliarden kanadischen Dollar. Je nach Warengruppe handelt es sich um Zölle von 15, 25 oder 50 Prozent.
Die Regierung in Ottawa spricht von „Dollar für Dollar“-Maßnahmen. Sie sollen eine unmittelbare Gegenreaktion auf jüngst verkündete US-Zölle darstellen. Betroffen von den kanadischen Zöllen sind Stahl und Aluminium, Holz, Papier, Haushaltsgeräte, Möbel, Textilien, Landmaschinen und bestimmte Elektronikprodukte. Ursprünglich hatte man auch einige Meeresfrüchte in die Liste aufgenommen. Diese hat Kanada aber wieder aus der Liste entfernt.

Handelsgespräche zwischen USA und Kanada gescheitert

Am 21. August waren Handelsgespräche zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarstaaten gescheitert. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin ab 22. August zusätzliche Zölle auf kanadische Waren im Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar verhängt. Das Weiße Haus begründete die Maßnahmen mit einer aus seiner Sicht diskriminierenden Behandlung von US-Produkten in Kanada.
Die USA nehmen dem Nachbarn vor allem Beschränkungen bei Alkohol und Milchprodukten übel. Mehrere kanadische Provinzen hatten im Vorfeld den Verkauf alkoholischer Produkte aus den USA eingeschränkt oder verboten. Zudem schützt Kanada seine eigene Milchwirtschaft durch Quoten und hohe Zölle.
Die USA kritisieren auch kanadische Regelungen, die sich ungünstig auf die Marktposition der US-Autoindustrie auswirkten. Washington hat seinerseits bereits seit längerem Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus Kanada verhängt. Die letzte Regelung in diesem Bereich datiert auf April 2026.

Zollstreit reicht ins Jahr 2025 zurück

Der nunmehrige Handelskonflikt reicht bereits ins Jahr 2025 zurück. Bereits kurz nach Amtsantritt der Regierung Trump hatten die USA umfangreiche Sonderzölle gegenüber Kanada verhängt. Begründet wurde dies unter anderem mit dem Vorwurf einer unzureichenden Eindämmung der Einfuhr von Fentanyl in die Vereinigten Staaten.
Kanada berief einen Sonderbeauftragten zur Bekämpfung des Fentanylschmuggels. Gleichzeitig kündigte die Regierung in Ottawa Vergeltungszölle im Umfang von rund 155 Milliarden kanadischen Dollar an. Einen Teil der Maßnahmen nahmen die Regierungen in weiterer Folge wieder zurück oder passten diese an. Zusätzlich zu verhängten und teils wieder zurückgenommenen Zöllen kam es auch zu Streitigkeiten im Rahmen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA/CUSMA.
Für 2027 hatte Trump nun Zölle von 50 Prozent auf kanadische Fahrzeuge, Autoteile und Stahl in Aussicht gestellt. Dieser Schritt gilt für beide Seiten als potenziell besonders unangenehm. Immerhin bestehen seit Jahrzehnten grenzüberschreitende Lieferketten. Bis ein Auto beim Händler steht, kann es im Laufe der Produktion mehrfach zwischen Kanada, den USA und Mexiko pendeln. Hohe Zölle könnten entsprechend die Produktionskosten erhöhen, die Lieferketten verteuern, Investitionen abwandern lassen und am Ende die Autopreise auf beiden Seiten der Grenze nach oben treiben.

Alkoholprodukte aus den USA in mehreren Provinzen Restriktionen unterworfen

Kanada zielt mit seinen Vergeltungsmaßnahmen teilweise gezielt auf Branchen und Regionen, die politisch Gewicht haben. Dazu zählen die US-Stahlindustrie, die Landwirtschaft, Milchprodukte, die Holzindustrie, Konsumgüter und Alkohol. Dies soll den US-Produzenten signalisieren, dass Handelskonflikte auch Unternehmen aus den USA selbst treffen.
In acht von zehn kanadischen Provinzen gelten Einschränkungen oder Verbote des Verkaufs von US-Alkoholprodukten. Saskatchewan erhebt eine 50-prozentige Sonderabgabe. Angaben des Distilled Spirits Council zufolge sind die US-Exporte von Spirituosen nach Kanada gegenüber dem Vorjahr um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Premierminister Mark Carney rief zusätzlich eine „Buy Canadian“-Politik aus.
Mittlerweile ist der Zollstreit teilweise eines politischen Machtkampfs geworden. Carney verwies auf deutliche Erfolge seiner Liberalen Partei in drei Nachwahlen am 31. August – und interpretierte diese als Bestätigung seiner Linie in der Zollpolitik. Donald Trump wiederum äußerte am 3. September auf Truth Social, Kanada werde durch seine Position im Handelskonflikt erhebliche Nachteile erleiden.

Kanada geht aufgrund verflochtener Lieferketten Risiko ein

Am Montag drohte Trump dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier mit einem Exportverbot in die USA, sollte das Unternehmen nicht wie zuvor angedeutet dort auch eine Produktion aufnehmen. Ein solcher Schritt käme einer möglichen nächsten Eskalationsstufe gleich.
Die neuen kanadischen Gegenzölle betreffen etwa 6 Prozent der US-Exporte nach Kanada. Im vergangenen Jahr summierten sich diese auf einen Gesamtwert von rund 333,6 Milliarden US-Dollar. Die Forschungsabteilung der Royal Bank of Canada, RBC Economics, schätzt, dass die kanadischen Gegenzölle einzelne Unternehmen und Branchen in den USA erheblich treffen könnten. Sie reichten jedoch nicht aus, um das gesamte US-Wirtschaftswachstum wesentlich zu beeinträchtigen. Kanada müsse aufgrund der wechselseitigen Verflechtungen auch potenzielle Auswirkungen auf die eigene Wirtschaft bedenken.
In vielen Bereichen bilden beide Länder einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Nicht nur in der Autoindustrie überschreiten die Lieferketten häufig mehrfach die Grenzen. Auch in Sektoren wie Energie, Stahl, Holz, Landwirtschaft, Maschinenbau und Konsumgütern können Zölle auf jeder Stufe der Lieferkette wirken.

Freihandelsabkommen bleibt trotz Zollkonflikt in Kraft

Das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA/CUSMA ist trotz der Eskalationen im Handelskonflikt weiterhin in Kraft. Beide Seiten stützen ihre zusätzlichen Maßnahmen auf unterschiedliche nationale Rechtsgrundlagen. Parallel laufen im Rahmen des Abkommens Streitbeilegungsverfahren mit dem Ziel, den Konflikt und dessen Folgen zu entschärfen.
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VW vor tiefgreifender Sanierung: Vorstand erntet heftige Kritik für Sparkurs


In Kürze:

  • Bis zu 50.000 weitere Stellen stehen bei VW weltweit auf dem Spiel. Die Hälfte könnte Deutschland betreffen.
  • Vier deutsche Werke – Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm – haben laut Konzernchef Blume derzeit keine gesicherte wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre.
  • Der Konflikt mit der Arbeitnehmerseite verschärft sich: Betriebsratschefin Cavallo spricht intern von bis zu 115.000 gefährdeten Arbeitsplätzen in Deutschland.

 
Im Volkswagen-Konzern ist die Stimmung weiterhin angespannt. VW steht vor einer tiefgreifenden Sanierung – und es ist ungewiss, wie sich diese auf die Anzahl der Beschäftigten auswirken wird.
Konzernchef Oliver Blume sprach kürzlich in einem internen Interview von einer Lage, die „mehr als kritisch“ sei. Er fügte hinzu, dass der Konzern „überdimensioniert“ sei.
Seit mehr als zehn Quartalen seien die Erträge im Sinken begriffen. Sie reichten nach Einschätzung des Vorstandes nicht aus, um notwendige Investitionen in neue Technologien, Produkte und Standorte zu finanzieren.
Ein Abbau von zusätzlichen rund 50.000 Stellen weltweit bis 2030 sei „keine fixe Zielgröße“. Sie errechne sich „aus unserem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb“ und solle nur „Orientierung“ über die Größe des „Handlungsbedarfs“ bieten.

Vier deutsche Werke ohne klare Perspektive

Der Konzernchef betonte jedoch auch mit Blick auf die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, der Vorstand könne dort „heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen“.
Europaweit, so fügte Blume hinzu, müsse VW Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen pro Jahr abbauen. Allerdings habe die Führung noch keine Entscheidungen über konkrete Werksschließungen getroffen.
Volkswagen verfügt in Deutschland über mehr als 275.000 Beschäftigte, weltweit sind es über 600.000.
Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo hingegen gibt sich davon überzeugt, dass der Vorstand nur einen Teil der Wahrheit verkünde.

Vorstand: VW bei Kosten im Schnitt 30 Prozent über vergleichbaren Unternehmen

Sie geht davon aus, dass die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze bei VW in Deutschland noch wesentlich größer ist. Cavallo spreche in einer internen Mitteilung, an die das „Handelsblatt“ gelangt sein soll, von bis zu 115.000 Jobs, die in deutschen Volkswagen-Werken auf der Kippe stehen könnten.
In ihrer Rechnung sind auch die bereits vereinbarten 50.000 Stellen enthalten. 35.000 davon sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Der Betriebsrat spricht jedoch von weiteren etwa 40.000 Arbeitsplätzen, die im Fall des Scheiterns einer Anschlussbelegung an den vier gefährdeten Standorten wegfielen.
Blume erklärte, für das Werk Osnabrück verhandele man über eine mögliche neue industrielle Nutzung. Allerdings betreffe dies die Rüstungsindustrie und ein Unternehmen aus diesem Bereich könnte einsteigen. Der Konzernchef betonte, eine Werksschließung sei „immer die teuerste und letzte Lösung“.
Unter den Gründen für die Schieflage bei VW ist stets von hohen Kosten die Rede. Diese liegen nach Angaben des Vorstandes im Schnitt um fast 30 Prozent über jenen vergleichbarer Unternehmen.
Würde der Konzern keine Einsparmaßnahmen treffen, könnte sich der jährliche Wettbewerbsnachteil auf rund 1,5 Milliarden Euro belaufen.
Der Konzern sei infolge des Aufbaus von Strukturen, Kapazitäten und Personal „zu langsam“ geworden, so Blume in dem internen Interview. Deshalb sei der sogenannte Zukunftsplan erforderlich geworden.

IG Metall kündigt bundesweiten Aktionstag an

Zudem sei die Autoindustrie insgesamt in der Krise – bedingt durch den „größten Umbruch in der Geschichte“. Die Elektrifizierung schaffe veränderte Bedingungen, chinesische Wettbewerber setzten VW zu Hause und auf den Exportmärkten unter Druck. Dazu kämen die geopolitischen Risiken wie die Zollpolitik der USA oder die Lage in der Straße von Hormus.
Die Arbeitnehmervertretung wirft dem Vorstand hingegen vor, die Belegschaft über die Lage im Unklaren gelassen zu haben. Cavallo erklärte, ihr Vertrauen in den Vorstand sei „beschädigt“. Sie fügte hinzu:
„Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, soll sie nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nach einem Auftritt Blumes bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg am Dienstag gesagt haben, wie das „Handelsblatt“ berichtete.
IG-Metall-Bezirksleiter Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Thorsten Gröger mahnte, Sparen allein sei keine Zukunftsstrategie.
Die Gewerkschaft kündigte für den 21. September einen bundesweiten Aktionstag an allen Automobilstandorten an.
Am Mittwoch stehen Betriebsversammlungen in Emden und Zwickau an. In Braunschweig fand neben Wolfsburg am Dienstag weitere Termine statt.
In Zwickau hatte Blume die Anstrengungen der dortigen Beschäftigten gelobt, die Kosten am Standort zu senken.
„Ihr habt Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalumbau planmäßig vorangebracht. Kurz gesagt: Ihr habt gezeigt, dass Veränderung möglich ist“, sagte er nach Unternehmensangaben bei der Betriebsversammlung. „Man kann allen im Konzern nur immer wieder sagen: Schaut nach Sachsen, wie gut das da gelaufen ist.“

VW-Chef fordert Rückendeckung für Sparpläne – Expertin sieht Chance in einer „Gesundschrumpfung“

Blume forderte in dem Interview vom Aufsichtsrat auch ein „eindeutiges Mandat“, um die im Juli vorgestellten Sparpläne umsetzen zu können. Bereits jetzt setze man Teile davon um, „ohne die Zustimmung übergeordneter Gremien einholen zu müssen“.
Der Konzernchef hatte seine Sparpläne im Juli im Aufsichtsrat vorgestellt; eine Entscheidung wurde aber nicht getroffen.
Das Land Niedersachsen – das über 20 Prozent der Stimmrechte am Konzern hält – hat angekündigt, dem Vorhaben nicht zustimmen zu wollen.
Die Belegschaft rief Blume zum Zusammenhalt auf. Man werde nur dann Erfolg haben, wenn „alle im Unternehmen diesen Plan gemeinsam tragen“.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner hingegen hatte gegenüber der „WirtschaftsWoche“ erklärt, die neuen Sparpläne des Konzerns hätten angesichts bereits von der Belegschaft akzeptierter Einschnitte „die Vertrauenskultur bei Volkswagen zerstört“.
Die Direktorin des Center Automotive Research, Beatrix Keim, sieht in der Situation hingegen eine Chance. Sie spricht von einer notwendigen „Gesundschrumpfung“. VW müsse zu „rentablen Marken, rentablen Werken“ und einer effizienteren Entwicklung kommen, sagte sie gegenüber „Bayern 2“.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Deutsche Firmen investieren deutlich weniger in den USA – was dahintersteckt


In Kürze:

  • Deutsche Unternehmen investierten im ersten Halbjahr 2026 nur 4,3 Milliarden Euro in den USA – 65 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • US-Zölle und handelspolitische Unsicherheit belasten laut DIHK die Investitionspläne, sind aber nicht die einzigen möglichen Ursachen.
  • Von einem Rückzug aus den USA kann bislang keine Rede sein: Nordamerika bleibt ein wichtiger Investitionsstandort, während deutsche Unternehmen insgesamt zurückhaltend investieren.

 
US-Präsident Donald Trump verbindet seine Zollpolitik ausdrücklich mit dem Ziel, mehr Produktion in die Vereinigten Staaten zu holen. Die im April 2025 angekündigten Zölle sollten nach Darstellung des Weißen Hauses „einen Anreiz zur Rückverlagerung der Produktion in die Vereinigten Staaten“ schaffen. Bei deutschen Unternehmen ist ein solcher Investitionsschub bislang nicht zu erkennen.
Im ersten Halbjahr 2026 investierten sie nur rund 4,3 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten. Das zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Grundlage von Daten der Deutschen Bundesbank. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 gingen die Direktinvestitionen damit um 65 Prozent zurück. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2024, bevor Trump erneut ins Weiße Haus einzog, beträgt das Minus sogar knapp 80 Prozent.
Der Halbjahreswert sollte allerdings vorsichtig interpretiert werden. Die Bundesbank erfasst bei Direktinvestitionen nicht nur neue Unternehmensbeteiligungen, sondern auch Gewinne, die in ausländischen Tochtergesellschaften verbleiben, sowie Finanzierungen zwischen verbundenen Unternehmen. Einzelne größere Geschäfte können die Kapitalströme deshalb deutlich verändern. Im längerfristigen Vergleich fällt der aktuelle Wert dennoch niedrig aus: In den fünf Jahren vor der Corona-Pandemie investierten deutsche Unternehmen nach Berechnungen des IW im ersten Halbjahr durchschnittlich 15,8 Milliarden Euro in den USA.

Deutsche Unternehmen bleiben in den USA

Trotz des starken Rückgangs ziehen sich deutsche Unternehmen nicht grundsätzlich aus den USA zurück. Schon die Höhe der bisherigen Investitionen zeigt, dass von einem grundsätzlichen Rückzug keine Rede sein kann. Nach Angaben des US Bureau of Economic Analysis (BEA) hatten deutsche Unternehmen Ende 2025 rund 706 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten investiert. Deutschland gehörte damit weiterhin zu den drei größten ausländischen Investoren.
Auffällig ist vielmehr, dass weniger neues Kapital aus Deutschland hinzukommt. Das hatte bereits die Deutsche Bundesbank für 2025 festgestellt. Ohne Gewinne, die US-Tochterunternehmen vor Ort erwirtschafteten und wieder investierten, sank das neu aus Deutschland zugeführte Kapital von 14,5 Milliarden auf 5 Milliarden Euro. Die Bundesbank nennt als möglichen Grund die Unsicherheit über den weiteren wirtschaftspolitischen Kurs der USA. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 deuten darauf hin, dass sich diese Zurückhaltung fortsetzt.

Unternehmen beklagen Unsicherheit

Auch die Unternehmen selbst berichten von Zurückhaltung bei neuen Investitionen. Für die Untersuchung „Going International 2026“ befragte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) auslandsaktive Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Mit Blick auf das US-Geschäft kommt sie zu dem Ergebnis: „Die Hälfte der Unternehmen mit US-Geschäft gibt an, ihre Investitionen reduzieren oder existierende Investitionspläne in den USA vertagen zu wollen.“
Konkret wollten 17 Prozent der befragten Unternehmen weniger in den USA investieren, 33 Prozent geplante Investitionen verschieben. In die andere Richtung gingen die Pläne deutlich seltener: Zehn Prozent wollten ihre Investitionen erhöhen, sieben Prozent neue Investitionen in den Vereinigten Staaten beginnen oder bestehende dorthin verlagern. Als wichtiges Problem nannten die Unternehmen die schwer kalkulierbare US-Handelspolitik. 67 Prozent sahen in der handelspolitischen Unsicherheit eine Belastung für ihr Geschäft. 54 Prozent berichteten von höheren Kosten bei Zollverfahren und zusätzlicher Bürokratie. Die DIHK spricht vor diesem Hintergrund von einer „großen Zurückhaltung bei Investitionen im US-Markt“.
Die Befragung liefert damit eine mögliche Erklärung für die schwächeren deutschen Investitionen. Sie beweist allerdings nicht, dass die Zollpolitik der Trump-Regierung den Rückgang verursacht hat. Investitionen hängen auch von der Konjunktur, Finanzierungskosten, Wechselkursen oder einzelnen großen Unternehmensgeschäften ab. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass Zölle und die Unsicherheit über die weitere US-Handelspolitik für viele Unternehmen eine Rolle spielen, wenn sie über neue Investitionen entscheiden.

Investitionsschwäche nicht nur in den USA

Die Zurückhaltung deutscher Unternehmen beschränkt sich allerdings nicht auf Investitionen in den Vereinigten Staaten. Auch insgesamt bleiben die Investitionspläne der Unternehmen schwach. Nach der DIHK-Konjunkturumfrage vom Frühsommer 2026 wollen 34 Prozent der Unternehmen ihre Investitionsbudgets verringern. Nur 23 Prozent planen höhere Ausgaben. Seit Herbst 2023 sind die Investitionsabsichten laut DIHK durchgehend negativ.
Auch die tatsächlichen Investitionen liegen noch deutlich unter früheren Werten. Nach Angaben der DIHK lagen die privaten Investitionen von Unternehmen und Haushalten 2025 elf Prozent unter dem Niveau des Jahres 2019. Investiert wird zudem häufig, um bestehende Anlagen zu ersetzen: 67 Prozent der Unternehmen nannten dies als Motiv. Nur 19 Prozent wollten mit ihren Investitionen zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Die schwachen US-Investitionen fallen damit in eine Phase, in der deutsche Unternehmen insgesamt zurückhaltend investieren. Das erschwert die Ursachenanalyse: Die US-Zollpolitik und die damit verbundene Unsicherheit können eine Rolle spielen, wie die Unternehmensbefragungen zeigen. Der Rückgang der Investitionen in den USA lässt sich aber nicht von der allgemeinen Investitionsschwäche deutscher Unternehmen trennen.

Zölle wirken in zwei Richtungen

Darin liegt ein Problem für Trumps Strategie. Höhere Zölle können ausländische Unternehmen dazu bewegen, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Muss etwa ein deutscher Maschinenbauer bei der Einfuhr seiner Produkte zusätzliche Abgaben zahlen, wird der Export weniger attraktiv. Produziert er dagegen direkt in den USA, kann er einen Teil dieser Belastung vermeiden. Doch eine neue Fabrik ist eine langfristige Entscheidung. Unternehmen müssen Grundstücke und Anlagen finanzieren, Mitarbeiter einstellen und Lieferketten aufbauen. Dabei müssen sie nicht nur wissen, welche Zölle heute gelten. Entscheidend ist auch, mit welchen Handelsbedingungen sie in einigen Jahren rechnen können.
Je schwerer diese abzuschätzen sind, desto größer kann der Anreiz werden, eine Investition zunächst aufzuschieben. Damit können Zölle zwei gegenläufige Wirkungen entfalten: Sie verteuern den Import und erhöhen so den Anreiz zur Produktion in den USA. Gleichzeitig kann Unsicherheit über die künftige Handelspolitik dazu führen, dass Unternehmen genau die dafür notwendigen Investitionen vertagen. Bei langfristigen Investitionen besitzt Abwarten einen wirtschaftlichen Wert. Ein Exporteur kann Liefermengen vergleichsweise schnell verändern. Eine einmal errichtete Fabrik lässt sich dagegen nicht ohne hohe Verluste an einen anderen Standort verlegen.

USA bleiben wichtiger Markt

Trotz der Zurückhaltung bei neuen Investitionen bleibt Nordamerika für deutsche Industrieunternehmen eine wichtige Zielregion. Laut der DIHK-Umfrage planen 44 Prozent der im Ausland investierenden Industrieunternehmen Investitionen in Nordamerika. Nur die Eurozone liegt mit 64 Prozent davor. Allerdings ist der Anteil gegenüber dem Vorjahr gesunken: 2025 hatten noch 48 Prozent Nordamerika als Investitionsziel genannt. Besonders stark bleibt das Interesse im Maschinen- und Fahrzeugbau. Im Maschinenbau planen 57 Prozent der im Ausland investierenden Unternehmen Investitionen in Nordamerika, im Kraftfahrzeugbau sind es 56 Prozent. Im Vorjahr lagen die Anteile noch bei 61 beziehungsweise 62 Prozent.
Die Zahlen zeigen damit zwei Entwicklungen zugleich: Nordamerika bleibt für viele deutsche Industrieunternehmen ein wichtiger Investitionsstandort, zugleich haben die Investitionspläne an Schwung verloren. Die DIHK spricht von einem „leichten Rückgang“ des Engagements in Nordamerika und führt dies unter anderem auf die US-Zollpolitik und die damit verbundene Unsicherheit zurück.

Investitionspause oder Trend?

Noch ist offen, ob die schwachen Investitionen nur eine vorübergehende Reaktion auf die derzeitigen Rahmenbedingungen sind. Investitionsentscheidungen können verschoben werden. Bleiben neue Projekte jedoch über einen längeren Zeitraum aus, würde aus dem Abwarten eine strukturelle Veränderung. Für die US-Regierung ist deshalb nicht allein entscheidend, ob Zölle Produktion in den Vereinigten Staaten attraktiver machen. Ebenso wichtig ist, ob Unternehmen bereit sind, unter den neuen Bedingungen langfristig Kapital zu binden. Bei deutschen Unternehmen ist dieser Effekt bislang nicht zu erkennen.
Ob sich das ändert, wird sich erst mit größerem zeitlichen Abstand zeigen. Das erste Halbjahr 2026 liefert dafür ein auffälliges Signal, aber noch keine endgültige Antwort.
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Standortkrise für deutsche Autoindustrie: Bis zu 225.000 Jobs bedroht


In Kürze:

  • VDA erhöht Prognose auf bis zu 225.000 gefährdete Arbeitsplätze bis 2035
  • Bereits rund 100.000 Jobs seit 2019 verloren gegangen
  • Zulieferer durch E-Mobilität unter Druck
  • Hohe Energiepreise, Bürokratie und Steuern belasten Standort Deutschland
  • China-Konkurrenz und US-Zölle verschärfen die Krise zusätzlich
  • Mercedes verkauft weitere Niederlassungen im Zuge des Konzernumbaus

 
Der Strukturwandel in der deutschen Automobilindustrie steht möglicherweise vor einer neuen Eskalationsstufe. Besonders betroffen davon sind klassische Industriearbeitsplätze in Produktion, Zulieferung und Vertrieb. Laut Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), hat sich die Lage gemessen an den bisherigen Prognosen zuletzt sogar noch zugespitzt.

Pessimistische Prognosen für die Autoindustrie möglicherweise übertroffen

Bislang ging der Verband davon aus, dass bis 2035 etwa 190.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie und bei Zulieferern verloren gehen würden. Damit war der VDA noch pessimistischer als der Automobilexperte Stefan Bratzel, der Anfang 2024 prognostiziert hatte, dass durch die Transformation zur Elektromobilität bis zu 160.000 Jobs wegfallen könnten.
Müller wies jedoch in einem Gespräch mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ darauf hin, dass bereits zwischen 2019 und 2025 etwa 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen seien. Der Prozess sei jedoch weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein, und krisenhafte externe Effekte verschärften die Situation noch weiter. Mittlerweile hat der VDA seine Prognose um weitere 35.000 potenziell Betroffene hochgeschraubt und spricht nun von bis zu 225.000 Arbeitsplätzen weniger.
Die Verbandspräsidentin sieht dabei vorrangig drei Aspekte als entscheidend an. Zum einen reduziert der zunehmende Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto den Bedarf an klassischen Komponenten. Dies setzt insbesondere die Zulieferer unter Druck. Elektromotoren kommen mit weniger Teilen und damit weniger Fertigungsschritten aus. Mittelständische Zulieferer geraten dadurch unter Kostendruck.

Zu hausgemachten Belastungen stoßen externe Krisenfaktoren

Dazu kommen hohe Energiepreise, hohe Steuern, Bürokratie und steigende Lohnkosten. Diese Faktoren führen zu dem, was Müller als „gravierende und anhaltende Standortkrise“ bezeichnet, die Deutschland und Europa insgesamt umfasst.
Zu diesen weitgehend hausgemachten Faktoren kommen nun auch zunehmend externe hinzu, die die krisenhaften Entwicklungen noch verstärken. Dazu gehört etwa ein noch stärkerer internationaler Wettbewerbsdruck, der sich im Bereich der E-Mobilität besonders drastisch zeigt. Während China auf dem Verbrennermarkt in Europa kaum eine Rolle gespielt hat, streben chinesische Elektroautos auf den hiesigen Markt – mit preiswerten Angeboten.
Die offensive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und der eskalierende Handelskonflikt setzen den heimischen Markt zusätzlich unter Druck. Trump lockt europäische Anbieter zudem mit optimierten Standortbedingungen in den USA – und viele machen von dieser Option auch Gebrauch. Neben der Verlagerung der Produktion sorgen auch noch Digitalisierung und Automatisierung für Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt.

Neben der Autoindustrie sind auch Zulieferer betroffen

VDA-Präsidentin Müller verbindet ihre Warnungen ausdrücklich mit Kritik an den Regulierungsbestrebungen der EU. Würde diese auf Technologieoffenheit setzen, könnte Müller zufolge der Arbeitsplatzverlust bis 2035 auf etwa 75.000 Stellen begrenzt werden. Dies setze jedoch voraus, dass Plug-in-Hybride, Range Extender, moderne Verbrenner sowie synthetische und erneuerbare Kraftstoffe künftig eine größere Rolle spielen.
Schaffte man es, Klimaneutralität nicht auf Kosten industrieller Beschäftigung zu verfolgen, könnten rund 50.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Etwa diese Anzahl an Arbeitsplätzen ist jedoch allein im Vorjahr verloren gegangen.
Auch für das Jahr 2026 gehen Experten wie Ferdinand Dudenhöffer davon aus, dass weitere 20.000 bis 50.000 Stellen durch Zölle, Insolvenzen und Offshoring wegfallen. Insgesamt könne die Beschäftigtenzahl in der Autoindustrie auf unter 700.000 sinken, schreibt Dudenhöffer in seiner Marktprognose vom Dezember.
VW-Chef Oliver Blume hatte jüngst in einem Brief an Aktionäre einen Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 angekündigt. Zudem stehen Medienberichten zufolge auch Werksschließungen im Raum.
Sparprogramme, die auch einen Wegfall von Stellen beinhalten, betreffen auch mehrere Zulieferer. So sollen bei der ZF Friedrichshafen bis zu 14.000 Stellen wegfallen, bei Bosch rund 13.000, wie „FOCUS“ berichtete.

Stellenabbau und Sparprogramme auch in anderen Industrien

Insgesamt laufen derzeit bei zahlreichen großen deutschen Unternehmen Sparprogramme. Neben der Autoindustrie sind auch andere Branchen von Stellenabbau betroffen. Die Bandbreite reicht dabei von Deutsche Bahn (8.250 Stellen) und Deutsche Post (8.000) über Lufthansa (4.000), Commerzbank (3.000) und BioNTech (1.900) bis zu ALDI (1.250), wie „FOCUS“ berichtete.
Demgegenüber stehen aber auch zwei Expansionsprogramme: Waffenhersteller HENSOLDT kündigte an, 1.600 zusätzliche Stellen zu schaffen. Beim Laborzulieferer Sartorius sollen 350 Personen neu eingestellt werden.
Nicht alle der Sparprogramme führen automatisch zu Massenentlassungen. In vielen Fällen werden auch Stellen nach freiwilligem Wechsel oder Eintritt in den Ruhestand nicht mehr nachbesetzt.

Kanadische Unternehmensgruppe übernimmt Berliner Autohäuser von Mercedes-Benz

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte jüngst auch der geplante Verkauf mehrerer Niederlassungen von Mercedes-Benz. Aktuelle Berichte sprechen von einem Verkauf der Autohäuser in Berlin und Brandenburg mit zusammen sieben Standorten an die kanadische Unternehmensgruppe Global Auto Holdings.
Zwischenzeitlich kursierten sogar Berichte über einen möglichen Verkauf aller Mercedes-Niederlassungen in Deutschland. Diese Darstellung wurde später teilweise relativiert.
Der Stuttgarter Autobauer erklärte, dass die „schrittweise“ Veräußerung von Niederlassungen sich bisher „als großer Erfolg“ erwiesen habe und am Markt auf „sehr breites Interesse“ stoße.
Bereits 2025 hatte der Konzern demnach die Niederlassungen in Koblenz, Neu-Ulm, Mainz, Dortmund und Lübeck veräußert. Anfang 2026 seien zudem Verträge zum Verkauf der Autohäuser in Aachen, Kassel, Würzburg, Wuppertal, Reutlingen und Hannover unterzeichnet worden, erklärte Mercedes-Benz. Auch hier solle der Vollzug noch im laufenden Geschäftsjahr 2026 erfolgen.
Hintergrund der Veräußerungen ist eine strategische Neuausrichtung des Konzerns. Man beabsichtigt, sich auf das Luxussegment und die Fahrzeugentwicklung zu konzentrieren. Dazu kommt der Ausbau digitaler Vertriebskanäle, während man eine geringere Kapitalbindung im stationären Handel anstrebt.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Deutsche Wirtschaftsverbände kritisieren neue US-Zölle – Aufrufe zur Deeskalation

Deutsche Wirtschaftsverbände haben die von US-Präsident Donald Trump angekündigten neuen Zölle kritisiert und zur Deeskalation aufgerufen. Dabei mahnte der Industrieverband BDI am Sonntag auch von der EU die Einhaltung geschlossener Handelsvereinbarungen an.
Das Münchner ifo-Institut warnte vor einem neuen Handelskrieg zwischen EU und USA, sollte die Europäische Union nun ihrerseits mit Zöllen auf US-Produkte reagieren.
„Die Ankündigungen sind eine erneute massive Herausforderung für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen und gefährden sie über die Automobilindustrie hinaus“, hieß es in einer Erklärung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) mit Blick auf Trump.

Ab kommender Woche: US-Zölle auf Autos und Lkw bei 25 statt 15 Prozent

Der US-Präsident hatte am Freitag angekündigt, er wolle die Zölle auf aus der Europäischen Union in den USA eingeführte Lkw und Pkw auf 25 Prozent erhöhen. Der neue Satz soll ab kommender Woche gelten. Bislang sind es laut dem zwischen den USA und der EU im vergangenen Sommer vereinbarten Abkommens 15 Prozent. Trump warf der EU jedoch vor, dieses Abkommen nicht einzuhalten.
„Das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA muss von beiden Seiten eingehalten werden“, erklärte dazu nun der BDI, auch durch die EU. Zwar beschädige die amerikanische Seite „mit immer neuen Provokationen das gegenseitige Vertrauen“, dennoch sei ein weiteres Aufschieben der Vereinbarungen keine Option. Es gelte jetzt, „weiteren Eskalationen vorzubeugen“.
„Die von US‑Präsident Donald Trump angekündigten Zölle markieren eine erneute und unnötige Eskalation im transatlantischen Handelskonflikt“, erklärte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. Während die EU konstruktiv an der Umsetzung des mit den USA geschlossenen Handelsabkommens arbeite, „drohen die jüngsten Ankündigungen aus dem Weißen Haus, ebendiesen Prozess in Gefahr zu bringen“.
Die deutsche Wirtschaft sei jedoch „auf verlässliche und stabile Rahmenbedingungen im transatlantischen Handel angewiesen“, betonte Treier. Die EU solle daher die Umsetzung der Handelsvereinbarungen „unbeirrt fortsetzen“, aber zugleich „klarstellen, dass einseitige Eskalationen nicht ohne Reaktion bleiben“. Parallel sollten andere Handelspartnerschaften wie das gerade in Kraft getretene Mercosur-Abkommen zwischen der EU und südamerikanischen Staaten ausgebaut werden.

ifo-Präsident warnt vor neuem Handelskrieg und Rezession

ifo-Präsident Professor Clemens Fuest sagte der „Bild“-Zeitung zu den neuen US-Zöllen: „Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird, droht Deutschland 2026 eine Rezession.“ Die Zollerhöhungen träfen die deutsche Autoindustrie „in einer ohnehin schwierigen Lage“.
Der Ökonom und Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Jens Südekum, sagte der „Bild“, die EU solle zunächst abwarten, ob die erhöhten Zölle wirklich erhoben würden. Brüssel riet er für den Fall des Eintretens zu „angemessenen Gegenmaßnahmen“.
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hatte am Samstag zu den neuen Zöllen gesagt, das Vorgehen Trumps lasse sich als „Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland“ interpretieren. Die direkten Auswirkungen für die Autohersteller stufte Dudenhöffer allerdings als begrenzt ein.
Er bezifferte die jährliche Zusatzlast in einer am Samstag in Bochum veröffentlichten Erklärung auf voraussichtlich etwa 2,5 Milliarden Euro. Allerdings dürften die Hersteller versuchen, einen Teil davon über höhere Preise an Käufer in den USA weiterzugeben.
Grundlage der Berechnungen Dudenhöffers sind Ausfuhren deutscher Hersteller von 409.000 Neuwagen aus Deutschland in die USA im Jahr 2025. Mercedes und BMW hätten wegen ihrer Produktionsanlagen in den USA einen gewissen Zollschutz.
Trumps Zollankündigung erfolgte, kurz nachdem er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag wegen dessen ablehnender Haltung zum Irankrieg scharf kritisiert hatte. (afp/red)