Categories
gesellschaft ticker

Anti-Folter-Stelle kritisiert Zustände in deutschen Gefängnissen

Die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter beklagt teils „menschenunwürdige“ Zustände in deutschen Gefängniszellen infolge von Überbelegungen. Eine Mehrfachbelegung mit mehr als zwei Gefangenen solle vermieden werden, da sie selbst bei ausreichender Raumgröße belastend wirke und Krisen sowie Konflikte begünstigen könne, zitiert die „Neue Osnabrücker Zeitung“ die Nationale Stelle.
Besonders auf den Toiletten werde die Privatsphäre bei Mehrfachbelegungen verletzt. Länder wie Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und das Saarland stoßen laut der Überwachungsstelle an ihre Kapazitätsgrenzen.
„Eine unverzügliche Herstellung einer verfassungskonformen Unterbringungssituation für die Gefangenen ist unabdingbar“, fordert die Stelle laut NOZ weiter. In einer Haftanstalt habe der Belegungsdruck derartige Ausmaße erreicht, dass Gefangene auf dem Boden schlafen müssten.

Fehlende Fachärzte für psychosoziale Behandlung

Darüber hinaus kritisierte die Stelle die Bedingungen für psychisch kranke Häftlinge: Bundesweit gebe es einen folgenschweren Mangel an Fachärzten und Therapeuten für die psychosoziale Behandlung in den Gefängnissen, heißt es weiter. Die Folgen für Betroffene seien gravierend.
Teils wochen- und monatelang seien sie in Isolationszellen untergebracht – eine Zweckentfremdung, da es an Therapieplätzen mangele. Aus Sicht der Überwachungsstelle könne diese Praxis als „unmenschliche oder erniedrigende Behandlung“ eingestuft werden.
Die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter ist eine unabhängige deutsche Einrichtung, die durch regelmäßige, unangemeldete Besuche in Einrichtungen wie Gefängnissen, Psychiatrien oder Altenheimen die Einhaltung der Menschenrechte überwacht. Sie wurde in Umsetzung eines Zusatzprotokolls zur Anti-Folter-Konvention der UN eingerichtet. (dts/red)
Categories
gesellschaft ticker

Verkehrsbranche sucht Zehntausende neue Bus- und Bahnfahrer

Was den Fahrermangel angeht, können die Verkehrsunternehmen und ihre Fahrgäste derzeit etwas durchatmen – doch in den kommenden Jahren dürfte sich das Problem wieder verschärfen. Weil derzeit in vielen Branchen aus konjunkturellen Gründen in großem Umfang Arbeitsplätze abgebaut würden, könnten die Unternehmen derzeit viele neue Fahrer als Quereinsteiger einstellen, teilte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, der Deutschen Presse-Agentur mit.
Die Verkehrsunternehmen bekämen ihren Personalbedarf derzeit daher vielfach gedeckt, betont er. Doch das sei nur eine Atempause. Die Herausforderungen durch den demografischen Wandel blieben hoch.

40 Prozent der Fahrer mindestens 55 Jahre alt

40 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer sind mindestens 55 Jahre alt, wie eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.
Mehr als 60.000 scheiden bis 2041 aus dem Arbeitsmarkt aus. Diese geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge, die nun nach und nach in Ruhestand gehen, seien deutlich größer als die nachrückenden Generationen. Der Jahrgang 1964 sei etwa doppelt so groß wie der 2024.
Bereits heute gebe es im ÖPNV personalbedingte Ausfälle und Fahrplananpassungen, sagte Kofa-Studienautor Jurek Tiedemann. „Wenn viele Fahrer in Rente gehen und nicht genügend Personal nachkommt, könnten solche Einschränkungen häufiger werden.“ Dadurch würde die Mobilitätswende ausgebremst.

BVG weiter mit geringerem Bus-Angebot

Prominentes Beispiel waren vor einigen Jahren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Aufgrund des Fahrermangels dünnte das Unternehmen einige Buslinien aus. Zuletzt gelang es der BVG zwar ebenfalls, den Personalbedarf zu decken. Doch das Angebot konnte Deutschlands größtes Verkehrsunternehmen bisher nicht wieder aufstocken.
„Das Phänomen ist ein branchen- und damit bundesweites“, sagte VDV-Präsident Wortmann. „Solche Szenarien sind zwar zum Glück nicht die Regel, kommen aber immer wieder mal vor.“
Dem Verband zufolge gehen allein bis 2030 jährlich rund 6.000 Fahrer in den Ruhestand. Um diese Lücke auszugleichen und die politischen Wachstumsziele im öffentlichen Nahverkehr zu erfüllen, bräuchte es bis dahin ein Fünftel mehr Mitarbeiter im Fahrdienst. Bundesweit würden Zehntausende Fahrer gesucht für Busse, Straßen- und Stadtbahnen sowie den Bahn-Regionalverkehr, betonte Wortmann.

Jüngere Generation will mehr Flexibilität

Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, müssten sich die Unternehmen auf eine neue Kultur einstellen. Die früheren Generationen seien von einem starken Miteinander und einer kollegialen Solidarität geprägt, sagte der VDV-Präsident. „Man fährt dann für den anderen am Wochenende, springt im Krankheitsfalle ein.“ Die jüngere Generation erwarteten hingegen andere Arbeitsbedingungen. Vermehrt gehe es etwa um flexiblere Arbeitszeitmodelle.
Viel erhofft sich die Branche zudem von autonom fahrenden Bussen. Das Potenzial sei enorm, betonte Wortmann. Bisher werde der öffentliche Nahverkehr in der politischen Diskussion aber noch zu wenig berücksichtigt.
„Die Branche hat die Einsatzmöglichkeiten in Projekten erprobt, doch um wirklich effizient und wirtschaftlich tragfähig in das autonome Fahren einzusteigen, braucht es beim Bus entsprechende Flottengrößen, die eine Skalierung ermöglichen.“ Hier müssten Bund und Länder in Abstimmung mit den Kommunen und der Branche Finanzierungsmöglichkeiten schaffen.

Zunehmende Engpässe in Bauberufen drohen

Nicht nur im Nahverkehr, auch bei Lkw-Fahrern drohen zunehmende Engpässe. In den nächsten 10 bis 15 Jahren gehen laut Kofa-Autor Tiedemann rund 200.000 von ihnen in Rente. Stark betroffen sein könnten zudem zentrale Berufe in der Bauwirtschaft. Laut Kofa sind gut 41 Prozent der Spezialisten für die Aufsicht im Hochbau bereits 55 Jahre oder älter. Rechnerisch können hier heute bereits mehr als 1.200 offene Stellen nicht besetzt werden. Wenn sich die Engpässe verschärften, könne das Lieferketten und Bauprojekte zusätzlich belasten, sagt Tiedemann.
Die Experten empfehlen, Ältere länger im Erwerbsleben zu halten. Sinnvoll seien altersgerechte Arbeitsgestaltung, flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliches Gesundheitsmanagement und Wissenstransfer in altersgemischten Teams. „Unternehmen sollten nicht erst reagieren, wenn der Renteneintritt kurz bevorsteht“, sagt Tiedemann. Wer früh über Arbeitszeit, Wissenstransfer und Weiterbeschäftigung spreche, gewinne Zeit für eine geordnete Nachfolge. (dpa/red)
Categories
gesellschaft meinung ticker

Warum Menschen sozialistische Systeme verlassen – Lehren aus der Geschichte

Die Geschichte ist voller politischer Bewegungen, die aus hehren Versprechungen entstanden sind. Kaum eine davon war in der Theorie so verlockend wie der Sozialismus. Im Kern verspricht der Sozialismus mehr Gleichheit, wirtschaftliche Gerechtigkeit und Schutz für diejenigen, die auf einem wettbewerbsorientierten Markt Schwierigkeiten haben. Er spricht den Wunsch nach Gerechtigkeit und die Überzeugung an, dass niemand zurückgelassen werden sollte.
Doch die Geschichte lehrt auch eine ernüchternde Lektion: Obwohl Millionen Menschen für den Sozialismus gestimmt haben, sind letztlich noch viel mehr Millionen vor ihm geflohen.
Warum?
Die Antwort findet sich nicht in Wahlkampfslogans oder akademischen Theorien. Sie liegt in den Lebenserfahrungen gewöhnlicher Menschen über Generationen und Kontinente hinweg.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden in Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika sozialistische Regierungen. Viele kamen mit dem Versprechen an die Macht, Armut zu beseitigen, Ungleichheit abzubauen und die Bedürfnisse der Bevölkerung über die Interessen der Reichen zu stellen. Zu Beginn lösten diese Versprechen oft enorme Begeisterung aus. Den Bürgern wurde gesagt, dass staatliche Planung effizienter sei als freie Märkte, dass kollektives Eigentum für Gerechtigkeit sorgen würde und dass eine zentralisierte Kontrolle Wohlstand für alle schaffen würde.
Die Ergebnisse blieben jedoch häufig hinter den Versprechungen zurück.
Ein immer wiederkehrendes Problem war die Konzentration von Macht. Wenn Regierungen die Verantwortung übernehmen, großer Teile der Wirtschaft zu steuern, gewinnen politische Entscheidungsträger zwangsläufig mehr Kontrolle über Beschäftigung, Investitionen, Produktion und Verteilung. Im Laufe der Zeit dehnt sich diese Machtkonzentration oft über den wirtschaftlichen Bereich hinaus auf andere Aspekte der Gesellschaft aus.
Die Geschichte zeigt: Wenn Regierungen mehr Macht erlangen, verlieren die Bürger häufig ein Stück ihrer Unabhängigkeit. Wirtschaftliche Freiheit und politische Freiheit sind oft enger miteinander verbunden, als vielen bewusst ist. Wenn der Lebensunterhalt eines Menschen stark vom Staat abhängt, ist es schwieriger, abweichende Meinungen zu äußern, die individuelle Entscheidungsfreiheit ist eingeschränkt.
Eine weitere Lehre aus der Geschichte ist, dass Anreize eine Rolle spielen.
Menschen reagieren auf Belohnungen, Risiken und Chancen. Systeme der freien Marktwirtschaft sind bei weitem nicht perfekt, aber sie haben immer wieder eine bemerkenswerte Fähigkeit unter Beweis gestellt, Innovation, Unternehmertum und Produktivität zu fördern. Wenn es Einzelnen gestattet ist, von ihrer harten Arbeit, ihrer Kreativität und ihren Investitionen zu profitieren, wachsen Volkswirtschaften tendenziell.
Im Gegensatz dazu haben stark zentralisierte Systeme oft Schwierigkeiten, das gleiche Maß an Innovation und Effizienz zu erzielen. Bürokratien können träge, unflexibel und von den lokalen Gegebenheiten abgekoppelt werden. Im Laufe der Zeit haben Versorgungsengpässe, Ineffizienzen und sinkende Produktivität viele staatlich kontrollierte Volkswirtschaften geplagt.
Das bedeutet nicht, dass der Kapitalismus frei von Mängeln ist. Das ist er eindeutig nicht. Freie Märkte können Ungleichheit, Missbrauch und wirtschaftliche Verwerfungen hervorrufen. Sie erfordern Regulierung, Rechenschaftspflicht und moralische Verantwortung. Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Ersetzung der Märkte durch umfassende staatliche Kontrolle oft eine andere Reihe Probleme schafft – Probleme, die sich sogar noch schwieriger lösen lassen.
Der vielleicht aussagekräftigste Beweis dafür sind die Migrationsmuster.
Im Laufe der modernen Geschichte sind Menschen überwiegend in Gesellschaften gezogen, die größere wirtschaftliche Freiheit boten, anstatt sie zu verlassen. Von Ostdeutschen, die ihr Leben riskierten, um die Berliner Mauer zu überqueren, über Kubaner, die gefährliche Gewässer überquerten, bis hin zu Venezolanern, die vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch flohen – unzählige Menschen haben mit den Füßen abgestimmt.
Diese Realität verdient sorgfältige Betrachtung.
Menschen geben ihr Zuhause, ihre Familie, ihre Sprache und ihre Kultur selten ohne triftige Gründe auf. Wenn Bürger wiederholt Länder verlassen, die von sozialistischen Systemen regiert werden, um anderswo nach Chancen zu suchen, wirft dies wichtige Fragen hinsichtlich der langfristigen Tragfähigkeit dieser Systeme auf.
Die Lektion daraus ist nicht, dass jede mit dem Sozialismus verbundene Politik von Natur aus falsch ist. Viele demokratische Gesellschaften verfügen über soziale Sicherheitsnetze, öffentliche Gesundheitsprogramme, Rentensysteme und andere Formen staatlicher Unterstützung, während sie gleichzeitig Marktwirtschaften und starke demokratische Institutionen aufrechterhalten.
Die eigentliche Lehre betrifft das Gleichgewicht.
Erfolgreiche Gesellschaften erkennen in der Regel sowohl die Stärken als auch die Grenzen staatlichen Handelns an. Sie verstehen, dass der Staat eine wichtige Rolle beim Schutz der Schwachen, bei der Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit und bei der Bereitstellung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen spielt. Gleichzeitig erkennen sie an, dass Wohlstand häufig durch Eigeninitiative, private Unternehmer, Innovation und wirtschaftliche Freiheit vorangetrieben wird.
Wenn jüngere Generationen über die Vorzüge des Sozialismus diskutieren, sollten sie dies mit einem Verständnis für die Geschichte tun und nicht mit romantisierten Vorstellungen davon, wie die Zukunft aussehen könnte. Gute Absichten allein garantieren noch keine guten Ergebnisse. Politische Maßnahmen müssen letztendlich nicht an ihren Versprechungen, sondern an ihren Ergebnissen gemessen werden.
Das Urteil der Geschichte ist weder einfach noch ideologisch. Es ist praktisch. Immer wieder haben die Menschen durch ihr Handeln gezeigt, dass sie Freiheit, Chancen und die Möglichkeit schätzen, ihr Schicksal selbst zu gestalten. Wenn diese Dinge knapp werden, suchen viele sie schließlich anderswo.
Das ist vielleicht die beständigste Lehre, die die Geschichte zu bieten hat. Die Menschen mögen von Versprechungen der Gleichheit angezogen werden, doch sie sind oft bereit, weite Wege zurückzulegen – und große Entbehrungen auf sich zu nehmen –, um Freiheit zu erlangen.
Heute werden diese Lehren Teil der politischen Debatte in den USA. Da sozialistische Kandidaten in Großstädten an Einfluss gewinnen – zwei Beispiele sind der Aufstieg der Stadträtin Janeese Lewis George in Washington und die wachsende Bedeutung von Bürgermeister Zohran Mamdani in New York City –, diskutieren die Wähler erneut über das richtige Gleichgewicht zwischen staatlicher Intervention und privatem Unternehmertum.
Unterstützer sehen in diesen Bewegungen eine Reaktion auf steigende Kosten, Wohnungsmangel und wirtschaftliche Ungleichheit. Kritiker sehen Warnsignale, welche die der Geschichte bereits gezeigt hat. Unabhängig von der politischen Perspektive sollte die Debatte nicht allein von Parolen oder Emotionen bestimmt werden. Sie sollte sich an den Erfahrungen von Nationen orientieren, die diesen Weg bereits beschritten haben.
Die harten Lehren der Geschichte lauten nicht, dass Mitgefühl gefährlich ist oder dass der Staat keine Rolle zu spielen hat. Vielmehr erinnern sie uns daran, dass Machtkonzentration, eingeschränkte wirtschaftliche Freiheit und übermäßige Abhängigkeit vom Staat oft Konsequenzen nach sich ziehen, die sich erst im Laufe der Zeit zeigen.
Die Zukunft Amerikas wird nicht von Etiketten wie „kapitalistisch“ oder „sozialistisch“ bestimmt werden. Sie wird davon abhängen, ob wir die Freiheit, die Chancen, die Innovationskraft und die Eigenverantwortung bewahren, die den Erfolg der Nation seit langem ausmachen, und gleichzeitig sicherstellen, dass diejenigen, die Schwierigkeiten haben, nicht zurückgelassen werden.
Die Geschichte bleibt unser größter Lehrer. Die Frage ist, ob wir bereit sind, aus ihr zu lernen.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What History Teaches Us About Why So Many Eventually Flee Socialism“. (deutsche Bearbeitung ks)
Categories
etplus gesellschaft meinung ticker

„Genug gearbeitet“ – Meetings: Wenn Anwesenheit mit Fortschritt verwechselt wird

„Wir müssen uns dazu nochmal zusammensetzen.“ Manchmal ist dieser Satz sinnvoll. Oft ist er ein Symptom. Denn viele Meetings entstehen nicht, weil ein Gespräch nötig ist, sondern weil eine Entscheidung fehlt.
Meetings sind teuer. Nicht nur wegen der Stunden. Sie kosten Aufmerksamkeit, Vorbereitung, Nachbereitung und oft auch Frustration. Besonders dann, wenn am Ende alle das Gefühl haben: Wir haben geredet, aber nichts bewegt.
In vielen Organisationen wird Anwesenheit mit Beteiligung verwechselt. Wer dabei ist, war eingebunden. Wer etwas gesagt hat, hat beigetragen. Wer lange diskutiert hat, hat gründlich gearbeitet. Leider stimmt das nicht automatisch.
Ein wirksames Meeting braucht einen Zweck. Und dieser Zweck muss vor Beginn klar sein:
  • Wollen wir informieren? Dann braucht es vielleicht gar kein Meeting.
  • Wollen wir klären? Dann braucht es gute Fragen und die richtigen Personen.
  • Wollen wir entscheiden? Dann braucht es Entscheidungskompetenz im Raum.
Ein Geschäftsführer führte einen einfachen Satz ein: „Ohne Ziel keine Einladung.“ Anfangs wirkte das hart. Nach einigen Wochen wurde es befreiend. Menschen sagten Termine ab, wenn sie keinen Beitrag leisten konnten. Abstimmungen wurden schriftlich vorbereitet. Entscheidungsmeetings endeten mit klaren Verantwortlichkeiten.
Genug gearbeitet. Meetings dürfen kein Aufenthaltsraum für unklare Verantwortung sein.
Drei Regeln verändern Meetingkultur schnell:
  • Am Anfang steht der Satz: „Am Ende dieses Termins ist geklärt …“
  • Während des Termins darf jemand sagen: „Das führt gerade nicht zum Ziel.“
  • Am Ende stehen drei Punkte: Entscheidung, Verantwortung, nächster Termin oder bewusst kein Termin.
Das klingt schlicht. Genau deshalb wirkt es. Meetingqualität entsteht nicht durch mehr Methoden, sondern durch Disziplin.
Spannend wird es bei wiederkehrenden Runden. Viele existieren, weil sie immer existiert haben. Ein guter Test: Lassen Sie eine wiederkehrende Runde einmal ausfallen und fragen Sie danach, was wirklich gefehlt hat. Wenn nichts fehlt, war das Meeting kein Führungsinstrument, sondern ein Ritual ohne Wirkung.
Natürlich brauchen Teams Austausch. Aber Austausch ohne Ergebnis darf nicht den Kalender dominieren. Sonst entsteht die absurde Situation, dass Menschen tagsüber über Arbeit sprechen und abends die Arbeit erledigen.
Genug gearbeitet. Welche Besprechung in Ihrem Kalender müsste morgen beweisen, dass sie ihren Platz verdient?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
Categories
gesellschaft ticker

Streit am Rande einer Party: Ein Toter und mehrere Verletzte

Bei einer nächtlichen Auseinandersetzung am Rande einer Party in Essen ist ein 56 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter gestorben. Der Mann habe im Verlauf des eskalierenden Streits vor einer Eventlocation das Bewusstsein verloren, teilte die Polizei mit.
Drei Männer im Alter zwischen 40 und 48 Jahren erlitten Stichverletzungen. Ein 46-Jähriger, der die drei Männer mutmaßlich mit einem Messer schwer verletzt haben soll, sei festgenommen worden.

Streit zwischen mehreren Gästen

Nach Polizeiangaben waren am Rande der Veranstaltung mit etwa 150 Personen in der Nacht zum Sonntag mehrere Gäste in Streit geraten. Im Laufe der Eskalation verlor der Sicherheitsmitarbeiter das Bewusstsein.
Er sei nicht Teil der ursprünglichen Auseinandersetzung gewesen, erklärte die Polizei. Beamte und Zeugen hätten noch versucht, den Mann zu reanimieren. Die genaue Todesursache müsse nun ermittelt werden.
Die Beamten waren in der Nacht mit vielen Kräften vor Ort und sicherten Spuren.

Die Beamten waren in der Nacht mit vielen Kräften vor Ort und sicherten Spuren.

Foto: Michael Weber/WTVnews/dpa

Die drei verletzten Männer seien ins Krankenhaus gekommen. Laut Polizei sind sie außer Lebensgefahr.
Auch der 46 Jahre alte Tatverdächtige sei verletzt worden und in eine Klinik gekommen. Er sollte am Sonntag vor den Haftrichter kommen. Das Messer sei sichergestellt worden.
Die Beamten waren in der Nacht mit vielen Kräften vor Ort und sicherten Spuren. Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Brand auf Stuttgarter Großmarkt verursacht Millionenschaden – Marktbetrieb wieder aufgenommen

Der Brand auf dem Stuttgarter Großmarkt hat nach ersten Einschätzungen einen Schaden im zweistelligen Millionenbereich verursacht. Das Feuer war am Freitagabend aus noch unbekannter Ursache ausgebrochen, wie die Polizei mitteilte.
Mehr als 16 Stunden lang löschten Einsatzkräfte brennende Lagerhallen. Ein Feuer dieser Größenordnung und eine vergleichbar große Einsatzlage gab es in Stuttgart laut Feuerwehr seit Jahren nicht.
Mehr als 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk waren zeitweise im Einsatz. Die Brandbekämpfung habe sich wegen der teilweise einsturzgefährdeten Gebäude schwierig gestaltet, erklärte Feuerwehrsprecher Daniel Anand.
Die Einsatzkräfte konnten die brennenden Hallen zunächst nicht betreten, stattdessen wurde das Feuer stundenlang von außen bekämpft. Mit Baggern riss das Technische Hilfswerk (THW) schließlich Teile der Hallen ab.
Eine große Rauchwolke zog über den Neckar.

Eine große Rauchwolke zog über den Neckar.

Foto: Christoph Schmidt/dpa

Durch den Brand entwickelte sich auf dem Markt heftiger Rauch, der bis in benachbarte Straßen zog. Die Feuerwehr rief alle Menschen im Umkreis von vier Kilometern auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zudem sollten Klima- und Lüftungsgeräte ausgeschaltet werden.

Ermittler wollen am Montag auf das Gelände

Auch am zweiten Tag nach Ausbruch des Brandes löschte die Feuerwehr noch immer Glutnester.
Wenn das Feuer vollständig gelöscht ist, wollen sich Kriminaltechnik und Kriminalpolizei am Montag ein Bild von der Lage machen, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. Danach entscheide sich, wie es seitens der Ermittler weitergehe. Die Kriminalpolizei sucht nach Zeugen des Brandes.
Betroffen waren laut Märkte Stuttgart ein überdachter Großbereich mit Photovoltaik-Anlage und Händlerflächen. Davon ausgehend seien Teile dreier angrenzender Hallen beschädigt worden. Verletzt wurde niemand.

Marktbetrieb startet noch am Vormittag wieder

Was sich genau in den brennenden Hallen befand, blieb zunächst unklar. Auf dem Großmarkt sind mehr als 100 Import- und Großhandelsfirmen angesiedelt, die frische Waren wie Obst, Gemüse und Blumen an Hotels, Gaststätten und andere Gewerbekunden verkaufen.
Der Großmarkt ist eigenen Angaben zufolge der drittgrößte Handelsplatz für frische Waren in Deutschland. Er liegt im Stadtteil Wangen direkt am Neckar. Schon am Samstagvormittag habe er zu großen Teilen wieder geöffnet und für den Betrieb freigegeben werden können, teilten die Märkte Stuttgart mit.
Einsatzkräfte der Feuerwehr bekämpfen den Brand in einem Gewerbegebiet in Stuttgart.

Einsatzkräfte der Feuerwehr bekämpfen den Brand in einem Gewerbegebiet in Stuttgart.

Foto: Christoph Schmidt/dpa

„Auch wenn der materielle Schaden erheblich ist, sind wir sehr erleichtert, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagte Geschäftsführer Thomas Lehmann laut Mitteilung. „Dass wir bereits wenige Stunden nach dem Ereignis Teile des Marktbetriebs wieder aufnehmen konnten, ist dem professionellen Zusammenspiel aller Beteiligten zu verdanken.“

Flammen zerstören Fahrzeuge und Tore

Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, seien geparkte Lastwagen von den Lagerhallen weggefahren worden, erklärte der Sprecher der Feuerwehr. Trotzdem fielen mehrere Fahrzeuge wie Gabelstapler und Transporter den Flammen zum Opfer. Durch die große Hitze seien Rolltore benachbarter Gebäude geschmolzen, hieß es von der Feuerwehr.
Wegen der großen Rauchwolke über dem Industriegebiet hatte die Feuerwehr die Bevölkerung zwischenzeitlich dazu aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch Klimaanlagen sollten ausgeschaltet bleiben.
Da die Feuerwehr viel Löschwasser brauchte, wurde Wasser aus dem nahegelegenen Neckar gepumpt. Einsatzkräfte mit Booten stellten dabei sicher, dass der Fluss nicht verunreinigt wurde.  (dpa/red)
Categories
gesellschaft meinung ticker

Angenehm, aber … – der verborgene Preis des Komforts

Heute Morgen bin ich mit einem Gerstenkorn im Auge aufgewacht.
Es ist druckempfindlich und geschwollen. Es ist unangenehm. Aber es ist auch keine große Sache.
Es ist nicht das erste Gerstenkorn in meinem Leben. Ich hatte schon einige. Sie schmerzen ein paar Tage lang, sie sind lästig und sie verschwinden schließlich wieder. Das weiß ich alles. Und dennoch: Diese winzige Unannehmlichkeit nimmt einiges meiner Aufmerksamkeit in Anspruch.
Wenn ich am Spiegel vorbeigehe, fällt mir jedes Mal die Schwellung auf. Jedes Mal, wenn ich blinzle, erinnert mich die Befindlichkeit meines Auges daran. Heute Morgen ertappte ich mich dabei, wie ich nach Heilmitteln recherchierte, Kompressen auftrug, Kamillenteebeutel vorbereitete, Rizinusöl mit Weihrauch und Calendula mischte und generell weit mehr mentale Energie auf diese kleine Reizung verwendete, als die Situation objektiv verdient hätte.
Als mir dies bewusst wurde, fragte ich mich, ob ich bei allem so reagiere.

Selbstreflektionen

Vielleicht ist es ein unangenehmes Gespräch mit meinem Ehemann. Vielleicht ist es finanzieller Stress – oder eine Belastung, die ich nicht haben möchte. In welcher Form es sich auch zeigt: Unbehagen hat eine unglaubliche Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit zu beherrschen.
Tatsächlich vermute ich, dass Unbehagen oft mehr Raum in unseren Gedanken einnimmt als Freude.
Hundert gute Dinge können an einem Tag passieren, und dennoch kann eine unangenehme Sache unsere Gedanken verzehren. Eine Kritik kann zehn Komplimente überdecken. Eine Unannehmlichkeit kann ein Dutzend Segnungen in den Schatten stellen.
Kürzlich schrieb ich, dass Zucker die Droge sein könnte, die wir in Amerika nicht beim Namen nennen wollen. Heute Morgen stellte ich mir eine andere Frage:
Was, wenn Komfort die Sucht ist, die wir nicht beim Namen nennen wollen? Was, wenn unsere Besessenheit nach Komfort uns stillschweigend geschwächt hat?

Unbehagen und Komfort

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte war Unbehagen einfach Teil des Lebens. Die Menschen froren im Winter. Im Sommer war ihnen heiß. Sie wurden nass, wenn es regnete, und wateten durch Schlamm. Sie mussten schwere Dinge schleppen und körperliche Arbeit war ein normaler Teil des täglichen Daseins. Manchmal mussten sie Langeweile, Hunger und Ungewissheit ertragen.
Heute wechseln viele von uns von einem klimatisierten Haus in ein klimatisiertes Auto und von dort in ein klimatisiertes Büro, ohne großartig vom Wetter betroffen zu sein.
Bei mir auf der Ranch ist es ähnlich. Wenn ich nach dem Vieh sehen muss und es regnet, kann ich das normalerweise aus einem Fahrzeug heraus tun, das mit Heizung, Klimaanlage, Scheibenwischern und einem bequemen Sitz ausgestattet ist. Die Tatsache, dass ich diese Aufgabe erledigen kann, ohne nass zu werden, ist ein außergewöhnlicher Luxus, der den Großteil der Menschheit vor nicht allzu langer Zeit in Erstaunen versetzt hätte.
Doch wir erleben diese Annehmlichkeiten kaum noch als Luxus. Wir erleben sie als Notwendigkeiten.
Die Schwelle für Unbehagen ist so niedrig geworden, dass gewöhnliche Erfahrungen sich unerträglich anfühlen können.
Ich sehe das ständig auf der Ranch.
Leute kommen zu Besuch und sind überwältigt von dem Schmutz, dem Schlamm, den Gerüchen, den Fliegen und dem Wetter. Nichts davon ist ungewöhnlich. Es sind einfach Realitäten der natürlichen Welt. Doch viele Menschen haben sich so sehr von der Natur entfremdet, dass ihnen grundlegende Elemente der menschlichen Existenz extrem erscheinen.
Ich verurteile niemanden dafür, dass er Komfort möchte.
Mein geschwollenes Auge ist der Beweis dafür, dass ich über all dem nicht erhaben bin.

Da war noch etwas …

Heute Morgen wollte ich, dass das Gerstenkorn sofort verschwindet. Ich wollte, dass das Unbehagen weg ist. Ich wollte, dass die Schwellung weg ist. Ich wollte vor der Kamera normal aussehen.
Tatsächlich sagte ich eine Podcast-Aufnahme ab, weil ich nicht unbedingt Videoaufnahmen von mir wollte, auf denen ein Auge halb zugeschwollen ist.
Eitelkeit und Komfort sind keine Probleme, die andere Menschen betreffen. Sie gehören auch zu mir.
Aber ich frage mich, ob Komfort nur die halbe Geschichte ist.
Vor ein paar Tagen telefonierte ich mit jemandem, der sagte: „Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Ich beobachte nur die Uhr.“
Der Kommentar blieb an mir haften, weil mir klar wurde, dass ich mich selten so gefühlt habe.
Den Großteil meines Erwachsenenlebens habe ich für mich selbst gearbeitet. Noch wichtiger ist, dass ich für etwas gearbeitet habe, das größer ist als ich selbst. Meine Arbeit war nie einfach nur ein Austausch einer gearbeiteten Stunde gegen eine bezahlte Stunde. Sie war damit verbunden, Kinder großzuziehen, Land zu bewirtschaften, Menschen zu ernähren, Tiere zu pflegen, Unternehmen aufzubauen und dem nachzugehen, wozu ich glaube, dass Gott mich berufen hat.

Mit Bestimmung durch das Unbehagen

Die Leute fragen mich oft, wie ich das alles schaffe. Die Wahrheit ist, dass ich nicht alles schaffe. Vieles läuft schief. Viele Dinge bleiben liegen. Es gibt kein Patentrezept.
Was mich am Laufen hält, ist Bestimmung. Ein Mensch mit Bestimmung kann ein außergewöhnliches Maß an Unbehagen ertragen.
Eine Mutter wacht die ganze Nacht, weil sie ihr Kind liebt. Ein Rancher trotzt dem eiskalten Regen, weil die Tiere Pflege brauchen. Ein Geschäftsinhaber arbeitet an Wochenenden, weil die Vision wichtig ist. Eheleute arbeiten sich durch schwierige Zeiten, weil es wert ist, für ihre Ehe und Beziehung einzustehen.
Bestimmung macht Unbehagen erträglich.
Vielleicht ist das die wahre Gefahr, der unsere Kultur gegenübersteht. Es ist nicht einfach nur so, dass wir süchtig nach Komfort geworden sind. Es ist so, dass viele von uns den Kontakt zu ihrer Bestimmung verloren haben.
Wir bewegen uns durch die Welt auf der Suche nach einem guten Job, ein bisschen mehr Geld, einer besseren Erfahrung, einem einfacheren Weg. Wir optimieren auf Komfort, ohne jemals innezuhalten und zu fragen, was wir hier zu tun haben.
Die Frage ist nicht, was sich gut anfühlt.
Die Frage ist, was wir berufen sind aufzubauen, zu beschützen, zu erschaffen, zu bewahren und zu werden.
Wenn die Bestimmung verschwindet, können sich selbst kleine Unannehmlichkeiten überwältigend anfühlen. Wenn sie vorhanden ist, schaffen Menschen immer wieder Dinge, die einst unmöglich erschienen.

Ein Blick nach vorn

Die Zukunft wird uns zweifellos vor schwierige Aufgaben stellen. Das war schon immer so.
Es wird wirtschaftliche Not, persönlichen Verlust, Enttäuschung, Krankheit und Ungewissheit geben sowie Herausforderungen, die wir nicht vorhersehen können. Die Frage ist nicht, ob Unbehagen kommt. Die Frage ist, ob wir noch die Fähigkeit besitzen, es zu ertragen.
Ich behaupte nicht, alle Antworten zu haben. Ich behaupte nicht einmal, das erforderliche Durchhaltevermögen zu haben.
Aber eines weiß ich: Die Dinge, die mich im Leben am stärksten werden ließen, waren fast nie komfortabel.
Eine Ranch zu betreiben, ist unbequem.
Mutterschaft ist unbequem.
Ehe ist unbequem.
Ein Unternehmen aufzubauen ist unbequem.
Glaube zu leben ist unbequem.
Die besten Teile meines Lebens sind nicht dadurch entstanden, dass ich Unbehagen vermieden habe, sondern dadurch, dass ich gelernt habe, es zu tragen, ohne zuzulassen, dass es mir die Richtung diktiert.
Das Gerstenkorn wird heilen.
Die Frage ist, ob ich mich an die Lektion erinnern werde, nachdem es ausgeheilt ist.
Denn vielleicht liegt die Lektion nicht darin, wie schnell ich das Unbehagen beseitigen kann, sondern darin, ob ich meinen Blick bewusst auf mein Ziel gerichtet halten kann, auch während es noch unbehaglich ist.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Cost of Comfort“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
Categories
gesellschaft ticker

Wechselhaftes Wetter wandert nach Süden und zurück

Ausflügler haben am Wochenende im Südwesten Deutschlands zunächst bessere Aussichten auf Sonnenschein als im Nordosten. Dort sorgt Tief Ausynija schon früher für wechselhaftes Wetter mit Wind und etwas Regen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mitteilte.
Am Sonntag dringt das Schauerwetter über die Mitte der Republik auch in den Süden vor. „Lediglich der äußerste Südwesten kann sein sonnenscheinreiches Wetter behalten“, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried. Möglich sind erneut Höchstwerte von knapp über 30 Grad. An der Ostsee scheint am Sonntag wieder mehr die Sonne, allerdings bei niedrigeren Temperaturen mit frischem Nordwestwind.

Im Südwesten steigen die Temperaturen bald wieder deutlich

„Bis zur Wochenmitte verlagert sich das wechselhafte Wetter langsam wieder in die Nordosthälfte zurück“, ergänzte Eifried. Im Südwesten gibt es erneut Sonnenschein bei teils hohen Sommertemperaturen.
Zum Ende der neuen Woche weitet sich das sonnenscheinreiche Wetter auf den Nordosten Deutschlands aus. „In der Mitte werden verbreitet 30 Grad erreicht werden und im Südwesten wird die 35-Grad-Marke punktuell überschritten werden können“, sagte Meteorologe Eifried voraus. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Lange Wartezeiten am Flughafen: Das müssen Reisende wissen

Die europäischen Flughäfen sehen einen kritischen Punkt erreicht. Ihr Verband ACI berichtet von Wartezeiten von bis zu 5 Stunden für Passagiere, Menschenschlangen in Terminalgebäuden und auf dem Flughafenvorfeld, verpassten Anschlussflügen. Ursache soll neben dem starken Passagierandrang im Sommer das neue Grenzsystem der EU sein, das an den Schengen-Außengrenzen zu aufwändigeren Kontrollen einzelner Reisender führt.

Um welche Kontrollen geht es?

Zum besseren Schutz ihrer Außengrenzen hat die EU seit Oktober 2025 schrittweise ein neues digitales Verfahren zur Ein- und Ausreise (Entry-Exit-System – EES) von Bürgern eingeführt, die nicht aus dem Schengenraum kommen. Bei diesen Menschen werden vor jedem Grenzübertritt biometrische Merkmale (Fingerabdruck, Foto) und Passdaten erfasst, was pro Person derzeit länger dauert als das frühere Verfahren. Der Stempel im Pass entfällt hingegen. Schon in den ersten Monaten wurden laut EU-Kommission tausende Einreisen verweigert und hunderte Verdächtige identifiziert.

Wo hakt es beim EES-System bislang?

Das Problem ist vor allem, dass die Schritte des neuen Verfahrens bislang meist am Flughafen stattfinden müssen. Vor dem eigentlichen Grenzübertritt sind sogenannte Self-Service-Kioske eingerichtet, an denen sich die Reisenden selbst vorregistrieren müssen. Die dafür nötige Infrastruktur scheint nicht von allen Mitgliedsländern gleichermaßen gut vorbereitet worden zu sein. Eine entsprechende EU-App, mit der Reisende ihre Daten und Merkmale schon vorab eingeben können, ist bislang nur von Schweden und Portugal übernommen worden. „Die Kontrollen dauern einfach länger“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Ausreichend Personal stelle man zur Verfügung.

Was gilt für Bürger aus dem Schengenraum?

Zum Schengenraum gehören die Kernterritorien von 25 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Deutsche und Staatsangehörige der anderen Mitgliedsländer müssen bei Ein- und Ausreise nicht durch das neue EU-Grenzsystem. Bei Reisen ins Schengen-Ausland stehen den Menschen andere Kontroll-Verfahren zur Verfügung. Die Bundespolizei Frankfurt empfiehlt die Teilnahme an dem vollautomatischen System Easypass. Hier wird kurz der Pass gescannt und live mit dem Gesicht des oder der Reisenden abgeglichen. Grenzbeamte greifen nur noch bei Zweifelsfällen oder zu Stichproben ein. Zu längeren Wartezeiten komme es dort nicht.

Wie haben die EU-Staaten bislang reagiert?

Besonders Flughäfen in klassischen Urlaubsländern wie Griechenland, Portugal und Italien, aber auch Frankreich und Belgien setzten die Erfassung biometrischer Daten immer wieder aus. Wohl auch um Urlauber und Touristen vor allem aus Großbritannien nicht weiter zu verärgern. Britischen Medienberichten zufolge reduzierten etwa griechische und portugiesische Flughäfen die Kontrollen auf das Nötigste, um die Reisenden nicht abzuschrecken.
Die Aussetzung von Teilen der Kontrollen ist nach EU-Regeln erlaubt, wenn etwa die notwendigen Kapazitäten fehlen und sich große Schlangen bilden. Eigentlich nur für sechs Stunden, allerdings kann die temporäre Ausnahme beliebig oft und hintereinander wiederholt werden.

Wie läuft es in Deutschland?

Vergleichsweise gut. Die EU hat Deutschland vor einigen Wochen sogar als Musterschüler bezeichnet. Aber auch hier sind nach Angaben der Bundespolizei die Kontrollen in Einzelfällen schon ausgesetzt worden. Der Frankfurter Flughafen bittet EES-Reisende, mindestens drei Stunden vor Abflug am Terminal zu sein.
Schlangen an der Ausreise bilden sich immer wieder. Der Betreiber Fraport versucht zu verhindern, dass sich EU-Bürger falsch einreihen und so unnötige Wartezeiten erdulden müssten. In den Terminals sind dafür eine größere Zahl von Lotsen und anderen Servicekräften unterwegs. Nach Einschätzung der Berliner Flughafen-Chefin und ADV-Vorsitzenden Aletta von Massenbach sind die Abfertigungszeiten deutlich angestiegen und es komme zu „unzumutbar langen Wartezeiten“.

Wie beurteilt die EU-Kommission die Situation?

Trotz immer wieder aufflammender Kritik hält die Europäische Kommission seit Monaten an ihrer Bewertung fest: Grundsätzlich laufe das System gut. In den meisten EU-Staaten seien die Auswirkungen auf Reisende begrenzt, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Wo Mitgliedsländer nicht in der Lage seien, die nötige Infrastruktur und Kapazität bereitzustellen, sei die EU-Kommission bereit zu unterstützen. Zudem soll es im Hinblick auf die Sommerreisezeit in den nächsten Tagen ein Treffen mit Vertretern der Branche geben, fügte er hinzu. Grundsätzlich hatten demnach alle Mitgliedsländer vor Einführung des neuen EU-Grenzsystems ihre Bereitschaft signalisiert.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen räumte am Freitag ein, dass es noch einiges zu tun gebe, um gemeinsam mit den Mitgliedstaaten technische Probleme zu lösen. Das System habe aber nicht die Regeln zur Ein- und Ausreise geändert, sondern sorge für Transparenz.

Was fordern die Flughäfen?

Der europäische Flughafenverband ACI verlangt, dass Mitgliedstaaten zumindest in den Hauptreisemonaten Juli und August die Kontrollen vollständig aussetzen dürfen. Zudem müsse ein vorläufiger Mechanismus eingerichtet werden, der es den Grenzkontrollbehörden erlaubt, das Verfahren bei besonders großem Andrang anzuhalten. Dieser Mechanismus solle erst wieder abgeschafft werden, wenn das EES und die Vorregistrierungs-App überall voll funktionsfähig seien.
Der deutsche Flughafenverband ADV fordert Bundesinnenministerium und Bundespolizei auf, die bestehenden Flexibilitätsmöglichkeiten konsequent zu nutzen. Von Massenbach sagt: „Europas Sicherheitsarchitektur muss hohe Sicherheitsstandards gewährleisten, ohne die Leistungsfähigkeit des Luftverkehrs und die Reisequalität für internationale Passagiere unnötig zu beeinträchtigen.“ (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Größter Einsatz seit Jahren: Stuttgarter Großmarkt in Brand

Zwei Hallen auf dem Stuttgarter Großmarkt stehen seit Freitagabend komplett in Brand. Auch nach stundenlanger Bekämpfung des Feuers waren die Flammen noch immer nicht unter Kontrolle, wie die Feuerwehr am Morgen mitteilte. Einen Brand in dieser Größenordnung und eine vergleichbar große Einsatzlage habe es in Stuttgart in den vergangenen Jahren nicht gegeben, sagte Feuerwehrsprecher Daniel Anand. Es handle sich um ein sehr „außergewöhnliches Ereignis“.
Die Flammen drohten weiterhin auf andere Lagerhallen überzugreifen, sagte Anand am frühen Morgen. Er schätze, dass die Löscharbeiten sicherlich noch bis in den Vormittag hinein andauern werden. Die Polizei geht von einem sehr hohen Schaden aus.
Mehr als 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk waren im Einsatz. Über etwaige Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Weil die Gebäude laut Feuerwehr teilweise einsturzgefährdet sind, können die Brandbekämpfer sie nicht betreten. Das Technische Hilfswerk reiße deshalb nun mit einem Bagger Teile der Lagerhallen ab, hieß es.
Was genau sich in den brennenden Hallen befindet, war zunächst unklar. Generell sind auf dem Großmarkt mehr als 100 Import- und Großhandelsfirmen angesiedelt, die frische Waren wie Obst, Gemüse und Blumen an Hotels, Gaststätten und andere Gewerbekunden verkaufen. Der Großmarkt ist eigenen Angaben zufolge der drittgrößte Handelsplatz für frische Waren in Deutschland. Er liegt im Stuttgarter Stadtteil Wangen, direkt am Neckar.

Feuerwehr pumpt Wasser aus dem Neckar

Die ganze Nacht versuchte die Feuerwehr, die Flammen unter Kontrolle zu bringen – doch zunächst ohne Erfolg. Ein Problem für die Einsatzkräfte: Sie brauchen viel Löschwasser. Um den Bedarf zu decken, wird inzwischen auch Wasser aus dem nahegelegenen Neckar gepumpt. Einsatzkräfte mit Booten sollten sicherstellen, dass der Fluss nicht verunreinigt wird.
Auch lange Schlauchleitungen zu weiter entfernten Hydranten seien gelegt worden, sagte der Feuerwehrsprecher. Mehrere Feuerwehrautos mit großen Wassertanks wurden ebenfalls zu der Einsatzstelle beordert. Mit Hilfe von Drehleitern versuchen die Feuerwehrleute, die Flammen aus verschiedenen Richtungen zu löschen.
Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, seien geparkte Lastwagen von den Lagerhallen weggefahren worden, erklärte Anand. Den Sachschaden vermochte die Polizei am Morgen mangels belastbarer Informationen noch nicht zu beziffern, er dürfte aber sehr hoch sein.

Keine Gefahr für Bevölkerung

In der Nacht war eine große Rauchwolke über dem Industriegebiet zu sehen. Auch in den frühen Morgenstunden stiegen über dem Großmarkt noch immer dunkle Wolken empor, wenn auch nicht mehr so dicht wie zu Beginn. Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung in einem Umkreis von vier Kilometern: Durch den Rauch könne es zu Geruchsbelästigung kommen, Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Gefahr für die Bevölkerung bestehe aber nicht. Messungen hätten bislang keine auffälligen Schadstoffwerte ergeben, sagte Anand. (dpa/red)
Categories
ausland gesellschaft ticker

„JUST&MARRIED!” – Taylor Swift und Travis Kelce sind verheiratet

Seit Wochen wurde über die Hochzeit von Taylor Swift und Travis Kelce spekuliert – nun ist es offiziell: Die derzeit erfolgreichste Sängerin der Welt und der US-Football-Star sind verheiratet. Auf einer riesigen Leinwand am Madison Square Garden in New York, wo offensichtlich die große Hochzeitsfeier stieg, erschien am Freitagabend die Botschaft „JUST&T MARRIED!“ – wobei „T&T“ ganz klar für Taylor und Travis stand.
Die Hochzeit des Promi-Paares wurde auch von der Sprecherin von Swift bestätigt. Die Trauungszeremonie sei von Hollywood-Schauspieler Adam Sandler geleitet worden, teilte Tree Paine in New York mit. Trauzeuge der 36-jährigen Swift sei ihr Bruder Austin gewesen, beim gleichaltrigen Kelce habe diese Aufgabe sein Bruder Jason übernommen.

Zeremonie und Promi-Feier

„Die Zeremonie vereinte die beiden Familien und wurde von ihrem Freund Adam Sandler geleitet“, erklärte Swifts langjährige Sprecherin weiter. Sie ließ dabei offen, wann genau die Trauung stattfand. Stattdessen verbreitete sie Details zu Modefragen: Die Hochzeits-Outfits des Paares stammten demnach von Christian Dior, die Schuhe wurden eigens von Christian Louboutin angefertigt. Zudem trug die Braut Schmuck von Cartier. Aufnahmen von der Hochzeit wurden zunächst nicht verbreitet.
Die Erklärung der Sprecherin wurde genau zu dem Zeitpunkt veröffentlicht, als im Madison Square Garden in New York eine Mega-Party mit zahlreichen Prominenten stieg. Dabei handelte es sich nach Angaben der US-Presse um die Hochzeitsfeier des Paares. Für die Party fuhr am Freitag knapp drei Stunden lang eine abgedunkelte Limousine nach der anderen am Madison Square Garden vor.
Die Autos verschwanden in einem riesigen weißen Zelt, wo die meisten Gäste unerkannt für Außenstehende ausstiegen. Gesehen auf dem Weg zu der Party wurden die Filmstars Ethan Hawke, Hugh Grant, Bradley Cooper und Dakota Johnson sowie die Sänger Ed Sheeran und Benson Boone. Auch die Models Gigi Hadid und Karlie Kloss waren dabei. Insgesamt wurden laut US-Medien rund tausend Gäste zu der Hochzeitsfeier erwartet, darunter auch Spieler von Kelces Footballteam. Sie alle mussten demnach eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben und durften keine Handys mit zur Feier bringen.

Fans, Ablauf und Spekulationen

Während die Promis nach ihrer Ankunft schnell verschwanden, hielten viele Fans trotz Rekordtemperaturen von um die 40 Grad Celsius stundenlang in der Nähe der Arena aus, die von der Polizei weiträumig abgesperrt wurde. Vor allem Swifties, wie die Fans der Sängerin sich selbst nennen, waren gekommen.
„Ich bin seit 15 Jahre  ein Riesen-Fan von Taylor Swift“, erzählte Mayan Menahem. „Ich bin mir ihrer Musik aufgewachsen und total glücklich, bei ihrer Hochzeit in New York zu sein.“ Zusammen mit anderen Swifties stimmte die 31-Jährige Songs ihres Idols an. Später wurden die Wartenden aber von heftigem Regen und Sturmwarnungen vertrieben.
Unklar blieb zunächst, ob die Trauung wirklich am Freitag im Madison Square Garden stattfand. Die „New York Post“ hatte zuvor berichtet, das Paar habe bereits im Beisein einer „winzigen Gruppe“ von ihnen nahestehenden Menschen geheiratet – und feiere nun mit ihren Freunden nach.
Am Donnerstagabend hatte im Madison Square Garden laut Medien bereits ein Dinner mit etwa hundert Gästen aus dem engen Familien- und Freundeskreis des Brautpaares stattgefunden. Promi-Portalen zufolge bekamen die geladenen Gäste vom Brautpaar schwarze Samtschachteln mit den Initialen von Swift und Kelce und anscheinend mit Diamanten besetzten Sektflöten darin.
Am Freitag dann standen den Berichten zufolge zum Auftakt Begrüßungscocktails an, danach war eine Party bis spät in die Nacht geplant. Gerüchten zufolge sollten US-Musikerinnen und -musiker wie Stevie Nicks und Tim McGraw auftreten, die als enge Vertraute der Braut gelten. Auch die britischen Musik-Stars Ed Sheeran und Ex-Beatle Paul McCartney wurden als Stars auf der Bühne gehandelt. Das Magazin „Forbes“ schätzte die Kosten der Feierlichkeiten auf mehr als 20 Millionen Dollar.

Kritik und Reaktionen in New York

Der Rummel um die Promi-Hochzeit sorgte in New York allerdings nicht nur für Begeisterung. Die New Yorkerin Natalie Reed etwa sagte, in der Metropole sei wegen der Fußball-Weltmeisterschaft und der 250-Jahres-Feiern der USA ohnehin schon genug los. Polizisten sollten nicht auch noch „über Taylor Swift und die Leute, die zu ihrer Hochzeit kommen, nachdenken müssen“, kritisierte sie.
Taylor Swift gilt als die erfolgreichste Musikerin der Gegenwart. Die Gewinnerin von 14 Grammys dürfte mit einem geschätzten Vermögen von zwei Milliarden Dollar (1,75 Milliarden Euro) auch die reichste Musikerin sein. Ihr gleichaltriger Auserwählter Travis Kelce ist dreifacher Gewinner des Football-Finales Super Bowl. Sein Vermögen wird auf bis zu 90 Millionen Dollar geschätzt. (afp/red)
Categories
gesellschaft ticker

Dramatische Rettungsaktion an Frankfurter Hochhaus

Es war ein besonderer und auch ein besonders gefährlicher Einsatz: Höhenretter der Frankfurter Berufsfeuerwehr haben zwei Fensterputzer aus einer defekten Arbeitsgondel aus 240 Metern Höhe gerettet – mit einer neuartigen Technik und bei starkem Wind, der die Retter selbst in Gefahr brachte.
„Der starke Wind hat die Rettungsarbeiten erheblich erschwert“, sagt Fabian Ommert, der den Einsatz leitete. Nach Einschätzung von Axel Manz, Ausbilder im Bereich Höhenrettung, handelte es sich bei dem Einsatz „um die höchste Rettung im urbanen Raum, die bislang in Deutschland durchgeführt wurde“.
Der Notfall trat am Donnerstag am Commerzbank-Tower in der Frankfurter Innenstadt ein. Das Gebäude gehört den zu höchsten und markantesten Gebäuden Frankfurts. Es hat 50 Etagen und misst mit seiner charakteristischen Antenne 300 Meter.

An der Akku-Seilwinde elf Stockwerke nach oben

In rund 240 Metern Höhe war der Fahrkorb einer Firma für Fassadenreinigung stecken geblieben. An Bord: zwei Fassadenreiniger. Laut Feuerwehr konnte der Korb aufgrund einer technischen Störung nicht mehr bewegt werden.
Um die Gebäudereiniger zu befreien, waren nach Angaben eines Sprechers 24 Feuerwehrleute im Einsatz, davon fünf speziell ausgebildete Höhenretter.
Über eine Seilwinde wurden die Männer einzeln elf Stockwerke nach oben gezogen und in Sicherheit gebracht. „Erstmals kam bei diesem Einsatz zudem eine erst kürzlich beschaffte Akku-Seilwinde zum Einsatz“, berichtet Feuerwehr-Sprecher Michael Rauch. „Sie trug wesentlich dazu bei, die Rettungsmaßnahmen zu beschleunigen.“

Korb wurde vom Wind von der Fassade weggedrückt

Denn es gab eine Komplikation: „Während der Rettungsarbeiten löste sich der in Führungsschienen laufende Fahrkorb durch starke Windböen aus seiner stabilen Position und wurde bis zu acht Meter von der Gebäudefassade weggedrückt“, so Rauch. „Anschließend schlug der Korb mehrfach gegen die Glasfassade zurück.“
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich zwei Höhenretter im Fahrkorb. Die Kollegen waren in einer „hochkritischen Lage“, so die Feuerwehr. Dank der Akku-Seilwinde wurden sie nach oben gezogen und konnten die „akute Gefährdungslage unverletzt verlassen“, schilderte der Sprecher die dramatische Situation.

Gut vorbereitet dank Übungen vor Ort

Der Fahrkorb schwang nach der Rettung weiter im Wind. Einem Techniker der Betreiberfirma gelang es schließlich, den Korb sicher auf dem Dach abzustellen. Was dem Team half: Ortskenntnis.
Weil die Höhenretter regelmäßig am Commerzbank-Hochhaus üben, kannten die Einsatzkräfte die örtlichen Gegebenheiten und konnten auch auf diese Sondersituation gut reagieren.
Nach Angaben der Commerzbank werden die Fenster dreimal im Jahr gereinigt. Die Feuerwehr habe die Fassade nach der Bergung mit einer Drohne abgeflogen und keine Schäden festgestellt, so ein Sprecher der Bank. Die Feuerwehr bedankte sich für die gute Zusammenarbeit mit dem Property-Management der Bank. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Gewalttat in Stade: Mehr als 620.000 Euro Spenden für Waisen

Nach den tödlichen Schüssen in Stade nehmen viele Menschen Anteil am Schicksal der Opfer – und dem zweier kleiner Kinder. Für die Drei- und Vierjährigen, deren Mutter getötet wurde und die bereits zuvor ihren Vater verloren hatten, kamen über die Spendenplattform GoFundMe binnen kurzer Zeit mehr als 620.000 Euro zusammen.
Zudem erhält der niedersächsische Migrationsbeauftragte nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung seiner Schwiegermutter in die Gewalttat Rückendeckung. Am Montag waren in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sechs Menschen getötet worden.

45-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft

Ein 45 Jahre alter Mann soll im Kontext eines Sorgerechtsstreites um seine kleine Tochter geschossen haben, vier Frauen und zwei Männer wurden brutal aus dem Leben gerissen. Darunter waren zwei Frauen und ein Mann aus dem Raum Hannover, die als Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Einrichtung waren.
Auch die 32 Jahre alte Mutter der beiden kleinen Kinder starb. Getötet wurden außerdem drei Beschäftigte der Stader Jugendhilfeeinrichtung, unter ihnen zwei Frauen und ein Mann.
Der tatverdächtige 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit soll während eines Gesprächstermins in der Einrichtung plötzlich mit einer mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschossen haben. Fünf Menschen starben am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus.
Spendenaufruf: „Ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen“
Nach Angaben der Spendenseite beteiligten sich bis Mittag über 24.000 Menschen an der Aktion. Dem Aufruf zufolge hatten die beiden Drei- und Vierjährigen wenige Wochen zuvor schon ihren Vater verloren.
„Am 9. Juni nahm die Familie Abschied vom Vater der Kinder. Nur 20 Tage später wurde auch ihre Mama viel zu früh aus dem Leben gerissen“, steht in dem Aufruf.
Auf der Spendenseite heißt es über die 32-Jährige: „Sie war eine außergewöhnliche Frau. Eine liebevolle Mutter, eine starke Persönlichkeit und ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen.“ Weiter heißt es dort: „Ihre eigenen Kinder waren ihr größter Schatz.
Sie waren ihr Stolz, ihre Freude und ihr Ein und Alles. Sie hat ihnen Liebe, Geborgenheit und Sicherheit geschenkt und alles dafür getan, dass es ihnen gut geht. Auch nach dem Verlust ihres Mannes blieb sie stark und kämpfte jeden Tag für ihre beiden Kinder.“

Kindern soll sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden

Mit dem Geld solle den Kindern ein möglichst sicherer Start in die Zukunft ermöglicht werden. Dabei gehe es um Versorgung, Betreuung, Bildung, mögliche therapeutische Unterstützung sowie Kosten rund um die Beerdigung. Wie der weitere Weg der Kinder aussehe, sei noch ungewiss.
Die Plattform GoFundMe teilte auf Anfrage mit: „Unser Team für Vertrauen und Sicherheit ist in Kontakt mit der Organisatorin, um sicherzustellen, dass die betroffene Familie beziehungsweise ein Vormund der Kinder als Spendenbegünstigte hinterlegt wird.“ So werde sichergestellt, dass alle gesammelten Gelder an die im Spendenaufruf genannten Menschen gingen.

Lies gibt dem Migrationsbeauftragten Rückendeckung

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterstützt den niedersächsischen Migrationsbeauftragten nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung von dessen Schwiegermutter in die Gewalttat: „Deniz Kurku hat richtig gehandelt, offen zu informieren, dass seine Schwiegermutter in das Geschehene verwickelt ist“, betonte der SPD-Politiker. „Ihn trifft selbst keine Schuld. Wir stehen an seiner Seite.“
Kurku hatte zuvor eine Stellungnahme veröffentlicht: „Unmittelbar, nachdem ich aufgrund von Medienberichten von der Betroffenheit meiner Schwiegermutter Kenntnis erhalten hatte, habe ich dieses den Ermittlungsbehörden und weiteren Stellen in meinem beruflichen Umfeld mitgeteilt“, ließ der Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe über einen Rechtsanwalt mitteilen.

Noch ist unklar: Wie viel wusste die Schwiegermutter?

Die Schwiegermutter des Migrationsbeauftragten soll am Steuer des Fluchtwagens gesessen haben, mit dem mutmaßlichen Schützen als Beifahrer. Die Polizei stoppte das Auto mit Schüssen.
Ob die 65-Jährige von den Plänen des mutmaßlichen Täters wusste und welche Rolle sie bei der Tat spielte, war nach Angaben der Ermittler zunächst unklar. Die Frau soll eine enge Verbindung zur Familie des Mannes haben. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

WHO erklärt tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff für beendet

Der Hantavirus-Ausbruch ist aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beendet. Seit dem 25. Mai seien keine neuen Fälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ aufgetreten, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.

Drei Todesfälle, darunter eine Deutsche

Insgesamt seien mehr als 650 Kontaktpersonen in rund 30 Ländern identifiziert und beobachtet worden. Am Donnerstag sei die letzte Kontaktperson negativ auf das Virus getestet worden. Die Gesamtzahl der Infektionen liegt nach Angaben der WHO bei 13, darunter drei Todesfälle. Eine der Toten war eine Frau aus Deutschland.
Auch nach dem Ende dieses Ausbruchs werde die WHO weiter in der Hantavirus-Forschung aktiv bleiben, sagte Tedros. Die Organisation koordiniert eine internationale Studie zu dieser Krankheit. Dies werde bei der Entwicklung von Diagnosemethoden, Medikamenten und Impfstoffen helfen, sagte er.

Infektionen auf Atlantik-Kreuzfahrt

Auf einer in Argentinien begonnenen Kreuzfahrt des Schiffes „Hondius“ der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions hatten sich mehrere Menschen mit dem Hantavirus angesteckt. Es handelte sich um den südamerikanischen Andes-Typ. Das Andesvirus gilt als einziges Hantavirus, das vereinzelt auch von Mensch zu Mensch übertragen wird. Üblicherweise werden Hantaviren von Nagetieren übertragen, etwa durch Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.
Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren auf der „Hondius“. Wegen des Ausbruchs legte das Schiff im Mai an der Insel Teneriffa an, von wo aus die Menschen an Bord unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimatländer kamen. Schon vor Wochen hatte die WHO das Risiko für die breite Bevölkerung als gering bewertet und bekräftigt, dass keine Gefahr einer großen Ansteckungswelle oder Pandemie bestehe. (dpa/red)
Categories
etplus gesellschaft meinung ticker

Können wir unsere Mitarbeiter zurückhaben? Warum Unternehmen ihre KI-Pläne überdenken

Die Revolution der Künstlichen Intelligenz führt möglicherweise doch nicht so schnell zum Verlust menschlicher Arbeitsplätze, wie manche befürchtet hatten. Steigende Rechenkosten, betriebliche Probleme und uneinheitliche Ergebnisse veranlassen einige Unternehmen dazu, ihren Kurs zu ändern und Mitarbeiter zurückzuholen.
Im frühen KI-Boom hatten viele Unternehmen aufgrund großer Versprechen zu Kosteneinsparungen Personal abgebaut – eine Entscheidung, die sich später oft als Fehler herausstellte.
Viele Branchenfachleute sind mittlerweile der Meinung, dass in Bereichen, in denen fundiertes Urteilsvermögen, Kreativität, Kundenkontakt und Qualitätskontrolle gefragt sind, Menschen weiterhin das Sagen haben müssen.

KI liefert nicht die versprochenen Ergebnisse

Neun von zehn Unternehmen würden ihre KI-bedingten Kündigungen überdenken. Das ergab eine Umfrage des Unternehmens CareerMind unter 600 Personalverantwortlichen, die in den vergangenen zwölf Monaten Entlassungen vorgenommen hatten.
Drei von vier befragten Personalverantwortlichen gaben an, dass ihr Unternehmen Mitarbeiter entlassen hat, weil technologische Fortschritte bestimmte Aufgaben und Zuständigkeiten übernommen haben. Nur 8,4 Prozent sagten, dass KI die erwarteten Ergebnisse tatsächlich erreicht hat.
„In den vergangenen zwölf Monaten haben wir einen deutlichen Anstieg von Unternehmen verzeichnet, die sich an uns wenden, nachdem sie die Einführung von KI-Tools ausgesetzt oder zurückgefahren haben“, erklärte James Calloway, Betriebsleiter (Chief Operating Officer) bei Stealth Agents, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

Bei Aufgaben, bei denen zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen, sind Menschen besser als KI.

Foto: Blue Planet Studio/iStock

Calloways Unternehmen bietet virtuelle Assistenten für Führungskräfte an. In diesem Bereich ist der Kostenunterschied zwischen menschlichen Mitarbeitern und KI-Agenten besonders groß.
„Ein E-Commerce-Kunde hatte Mittel für die Einführung eines KI-Kundenservices eingeplant. Dieser stellte fest, dass die Kosten für Lizenzen, Integration und die laufende Entwicklung von Prompts zwei- bis dreimal so hoch waren wie ursprünglich veranschlagt“, sagte Calloway. „Stattdessen stellte er zwei unserer remote arbeitenden Assistenten ein und senkte seine Kosten pro bearbeitetem Ticket um fast 40 Prozent.“
Weiter sagte Calloway: „Menschliche Mitarbeiter sind nach wie vor kosteneffizienter bei der Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, die Einfühlungsvermögen und Urteilsvermögen erfordert und bei Aufgaben, bei denen zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen, bei Arbeiten mit firmeneigenen Kontextinformationen, die nicht sicher in KI-Systeme von Drittanbietern eingespeist werden können, sowie bei allen Arbeitsabläufen, bei denen ein Fehler reale reputationsbezogene oder rechtliche Konsequenzen hat.“
Auch große Technologieunternehmen kamen zu dieser Erkenntnis. Im April sagte Bryan Catanzaro, Vizepräsident für angewandte Deep-Learning-Forschung bei Nvidia, gegenüber „Axios“:
„Für mein Team liegen die Rechenkosten weit über den Personalkosten.“
Nickle LaMoreaux, Senior Vice President und Personalvorstand (Chief Human Resources Officer) bei IBM, vertrat auf einem Gipfeltreffen des Wall Street Journal Leadership Institute im März die Auffassung, dass die Erweiterung von Aufgaben durch KI für das Unternehmenswachstum wichtiger sei als der vollständige Ersatz menschlicher Arbeitskräfte.
LaMoreauxs Aussage erfolgte nur wenige Wochen, nachdem IBM Pläne angekündigt hatte, die Zahl der Neueinstellungen auf Einstiegsebene zu verdreifachen. Auf die Frage, warum viele Unternehmen keinen ähnlichen Ansatz verfolgen, antwortete er: „Das liegt daran, dass sie in einer Produktivitätsmentalität verhaftet sind, anstatt eine Wachstumsmentalität zu verfolgen.“
Eine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) prognostiziert, dass 50 bis 55 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren durch KI „umgestaltet“ werden.

Besucher am 20. April 2026 am IBM-Messestand auf der Hannover Messe 2026 in Hannover, Deutschland. Auf der diesjährigen Messe liegt ein verstärkter Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz in der Industrie.

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Unvorhergesehene Kosten

Jon Hill, CEO von The Energists, sagte, es sei ein weit verbreitetes Missverständnis, generative KI lediglich als „Software mit einer Abonnementgebühr“ zu betrachten. Er habe selbst erlebt, dass Enttäuschung über KI-Lösungen dazu führen könne, dass Unternehmen zuvor gestrichene Stellen wieder besetzen.
„Viele unserer Kunden haben generative-KI-Initiativen aggressiv vorangetrieben, weil sie glaubten, dadurch ihre Personalkosten senken zu können“, sagte Hill gegenüber der Epoch Times. „Doch wir beobachten zunehmend, dass diese Kunden wieder auf menschliche Mitarbeiter zurückgreifen, nachdem sie die tatsächlichen Kosten von KI-Systemen erkannt haben.“
Hill nannte beispielhaft ein Unternehmen, mit dem er zusammengearbeitet hatte und das einen Teil seiner Compliance-Berichterstattung und seines technischen Supports automatisieren wollte. Das Unternehmen stellte fest, dass die prognostizierten Einsparungen zwar zunächst vielversprechend erschienen, jedoch geringer ausfielen, sobald Kosten für Cybersicherheit, menschliche Überwachung und die Nutzung von Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) berücksichtigt wurden.
Der Kunde entschied sich, den Einsatz von KI auszusetzen, weil „menschliche Mitarbeiter verlässlichere Ergebnisse zu geringeren langfristigen Kosten lieferten“, so Hill.
Hill erklärte weiter, es gebe zahlreiche Kosten, die Unternehmen leicht übersehen könnten. Allein die Kosten für Cloud-Rechenleistung könnten je nach Nutzung „einen sechs- bis siebenstelligen Jahresaufwand“ verursachen.

Am 3. März 2025: Besucher während des Mobile World Congress in Barcelona, Spanien, in einem KI-Rechenzentrum bei SK Networks. Eine Umfrage vom Februar bei Personalmanagern ergab, dass neun von zehn Firmen Kündigungen im Zusammenhang mit KI noch einmal überdenken.

Foto: Manaure Quintero/AFP via Getty Images

Der von seinem Team eingesetzte KI-Content-Assistent habe sich letztlich als kostspielig und ineffizient erwiesen, sagte Matt Baharav, CEO von MKB Media Solutions, gegenüber der Epoch Times.
„Im letzten Quartal haben wir beschlossen, keinen automatisierten KI-Content-Assistenten mehr für unsere Akquisemaßnahmen zu nutzen. Wir haben erkannt, dass die Software wirkungslos war“, so Baharav. „Das Unternehmen, das wir beauftragt und dem wir monatlich mehrere tausend Dollar gezahlt hatten, stellte uns Lizenzkosten in Rechnung und zwang mein Team zudem dazu, unzählige Stunden damit zu verbringen, die von ihrem Tool erstellten allgemeinen Textabschnitte umzuschreiben.“

Die Deepseek-App am 31. März 2026 in Kiew, Ukraine. Nach dem rasanten Vormarsch der KI-Einführung in der Industrie holen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück an den Arbeitsplatz.

Foto: Oleksii Pydsosonnii/The Epoch Times

Baharav sagte, er habe gelernt, dass „ein guter Autor kostengünstiger ist als ein teurer automatisierter Inhaltsassistent“. Das gelte besonders bei komplexer Kommunikation. „Wir haben die Software komplett abgeschafft und die Mittel wieder in die Einstellung kompetenter, kluger Autoren investiert“, sagte er.
80 bis 85 Prozent der Unternehmen haben ihre Prognosen für die KI-Infrastruktur um mehr als 25 Prozent verfehlt. Das besagt eine Analyse der Tech-Ausgaben-Tracker Mavvrik im Bericht „State of AI Cost Management 2025“ . Gleichzeitig meldeten 84 Prozent aufgrund falsch kalkulierter KI-Kosten einen „erheblichen Rückgang der Bruttomarge“.

Luxuskomponente

Marcus Mossberger vertritt die Auffassung, dass KI ihre eigene Nische in der Arbeitswelt finden könne – solange es sich nicht um Situationen handelt, die besser durch menschliches Urteilsvermögen bewältigt werden. Mossberger ist Leiter der Marktstrategie (Chief Market Strategy Officer) bei der Workforce-Intelligence-Plattform LYTIQS.
„Das Personalwesen ist ein gutes Beispiel dafür, dass KI genutzt werden kann, um transaktionsbezogene Fragen wie ‚Wie hoch ist die Selbstbeteiligung bei meiner Krankenversicherung?‘ zu beantworten, nicht jedoch für persönlichere Anliegen wie ‚Was soll ich tun, wenn mir ein Kollege Unbehagen bereitet?‘“, so Mossberger.
Einige Unternehmen würden sich vermutlich zu stark auf KI verlassen und dabei eine harte Lektion lernen. Seiner Ansicht nach könnten die Konsequenzen gravierender sein als lediglich die Notwendigkeit, neue Mitarbeiter einzustellen.
„Ich glaube tatsächlich, dass die größte versteckte Kostenstelle im Zusammenhang mit der Einführung generativer KI die Zerstörung des Vertrauens zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist. Und seien wir ehrlich: Das war ohnehin nicht gerade ein Bereich, in dem wir besonders stark waren“, sagte Mossberger.

Die Büros im neuen Hauptsitz von Amazon Deutschland am 16. April 2026 in München. Im Januar entließ Amazon weltweit 16.000 Mitarbeiter. Diese Entlassungen sind Teil einer mehrjährigen Entlassungswelle, die unter anderem durch den KI-Einsatz ausgelöst wurde.

Foto: AFP via Getty Images

Fleißige Beschäftigte müssten mit ansehen, wie Arbeitgeber Milliarden in KI-Infrastruktur investieren, während gleichzeitig Kollegen entlassen werden und von ihnen erwartet wird, bei der Einarbeitung ihres eigenen KI-Ersatzes mitzuwirken. „Wenn Sie glauben, dass genau diese Menschen sich freiwillig über das normale Maß hinaus engagieren und innovative Risiken eingehen, um Ihr Unternehmen voranzubringen, irren Sie sich gewaltig“, so Mossberger weiter.
Er prognostiziert, dass Unternehmen gezwungen sein werden, das Vertrauen in ihre Marke wiederherzustellen und gleichzeitig neue Mitarbeitende einzuarbeiten. Mossberger geht davon aus, dass sich viele der Menschen, die in der Anfangsphase des KI-Booms entlassen wurden, weigern könnten, zurückzukehren.
Die Rückkehr eines Arbeitnehmers zu demselben Unternehmen, das ihn ursprünglich entlassen hat, wird als „Bumerang-Mitarbeiter“ bezeichnet.
Für den CEO von MKB Media, Matt Baharav, hat sich die Entscheidung, den Menschen in den Vordergrund zu stellen, ausgezahlt. „Bis heute haben wir dadurch tatsächlich Geld gespart“, sagte er.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Can We Have Our Humans Back? Why Some Companies Are Rethinking AI“. (deutsche Bearbeitung: ks)
Categories
ausland gesellschaft ticker

Wunderrettung in Venezuela: „In den dunkelsten Momenten gab mir mein Sohn Hoffnung zu leben“


In Kürze:

  • Mutter und Neugeborenes überleben 32 Stunden unter Trümmern
  • Rettung nach Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5
  • Tausende Tote und Vermisste in Venezuela

 
Das verheerende Erdbeben in Venezuela Ende Juni hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Während die Zahl der Todesopfer und Vermissten weiter steigt, gibt es nur wenige Geschichten, die Hoffnung vermitteln. Eine davon ist die Rettung der jungen Mutter Dayana Patiño und ihres erst 18 Tage alten Sohnes Juan David.
Die beiden wurden beim Einsturz ihres Wohnhauses unter den Trümmern verschüttet, konnten jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Opfern lebend gerettet werden. Fast 32 Stunden harrten sie unter Beton und verbogenem Metall aus, bevor Rettungskräfte sie schließlich bargen.
Ihre Rettung am Abend des 25. Juni in La Guaira gilt als Symbol der Hoffnung – inmitten einer Katastrophe, deren Opferzahl weiter steigt.

Überleben inmitten des Chaos

Das Drama begann, als Dayana in ihrer Wohnung im achten Stock gerade den Abwasch erledigte. Um 18:04 Uhr erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,2 die Region. Nur 39 Sekunden später folgte ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,5.
Das Wohnhaus stürzte teilweise ein und begrub die junge Mutter und ihr Neugeborenes unter einer gewaltigen Masse aus Beton und verbogenem Metall. Während Sirenen heulten und verzweifelte Rufe die Straßen von La Guaira erfüllten, begann für Anwohner, örtliche Rettungskräfte und internationale Helfer ein Wettlauf gegen die Zeit, um Überlebende zu finden.
In einem Bericht der französischen Zeitung „Le Parisien“ schildert Dayana Patiño die Stunden unter den Trümmern, in denen sie glaubte, sterben zu müssen. Eingeklemmt in einer kleinen Luftblase wusste sie nicht, ob ihr Sohn noch am Leben war.
Nach ihren Worten gab ihr Juan David die Kraft, durchzuhalten. Jede Bewegung und jedes Stöhnen des Babys wurden für sie zu einem Zeichen der Hoffnung in der Dunkelheit und im Staub. „Selbst in den dunkelsten Momenten gab mir mein Sohn die Hoffnung zu leben“, sagt sie. Währenddessen arbeiteten sich die Rettungskräfte Meter für Meter durch die Trümmer, um Mutter und Kind zu erreichen.

Mit Klick auf den folgenden Button stimmen Sie zu, dass der Inhalt von twitter geladen wird.

Bewegende Rettung in La Guaira

Von Internetnutzern verbreitete und von mehreren Medien veröffentlichte Bilder zeigen den bewegenden Moment der Rettung: Einsatzkräfte bergen den in eine Decke gewickelten Säugling aus den Trümmern und reichen ihn von Hand zu Hand aus dem klaffenden Loch, das der Einsturz des Gebäudes hinterlassen hatte.
Zunächst wurde das Baby gerettet, rund eine Stunde später konnten die Helfer auch die Mutter lebend aus den Trümmern bergen.

Mit Klick auf den folgenden Button stimmen Sie zu, dass der Inhalt von twitter geladen wird.

Weitere Videos zeigen, wie die Mutter mit Verletzungen an den Beinen auf eine Trage gehoben wird, während medizinische Einsatzkräfte sie noch vor Ort versorgen und ihren Zustand stabilisieren.
Nach ersten medizinischen Einschätzungen, über die die BBC berichtete, befinden sich sowohl Dayana Patiño als auch ihr Sohn in einem stabilen Zustand. Beide konnten inzwischen wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden.

Ein „Wunder“ eines schwer getroffenen Landes

Diese Rettung ereignete sich vor dem Hintergrund einer nationalen Katastrophe. Nach Angaben von Jorge Rodríguez, Präsident der venezolanischen Nationalversammlung, kamen bei den Erdbeben inzwischen 2.295 Menschen ums Leben. Zudem wurden 11.267 Verletzte registriert. Die aktualisierten Zahlen gab Rodríguez am 2. Juli in einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Lagebesprechung bekannt.
Am Strand von Los Cocos, ebenfalls im Bundesstaat La Guaira, zeigen Luftaufnahmen das Ausmaß der Zerstörung: Ganze Reihen eingestürzter Gebäude und stark beschädigte Bauwerke prägen das Bild der Küstenregion.
Zwischen den Trümmern sind Einsatzkräfte weiterhin im Einsatz. Sie durchsuchen die Ruinen noch Tage nach den Erdbeben systematisch nach möglichen Überlebenden und bergen zugleich die Toten aus den eingestürzten Strukturen.

Mit Klick auf den folgenden Button stimmen Sie zu, dass der Inhalt von twitter geladen wird.

Inmitten der Trümmer wird die Rettung von Dayana Patiño und ihrem Baby von Medien und religiösen Vertretern als „Wunder“ bezeichnet und steht stellvertretend für die wenigen Überlebensgeschichten, die aus der Katastrophe hervorgehen.
Rettungskräfte äußern sich deutlich zurückhaltender. Für sie zeigt die Rettung einerseits, dass die Zusammenarbeit zwischen lokalen und internationalen Teams funktioniert, andererseits aber auch, wie groß die noch bevorstehenden Aufgaben sind. Nach wie vor gelten rund 50.000 Menschen als vermisst, zudem besteht durch instabile Gebäude weiterhin Einsturzgefahr.
Ein von „Euronews“ zitierter Rettungsleiter sagte: „Jedes gerettete Leben zählt, aber wir wissen, dass viele Familien noch immer auf Nachrichten von ihren Angehörigen warten.“ Er rief dazu auf, die Suche trotz Erschöpfung und hoher Risiken konsequent fortzusetzen.
Categories
ausland china gesellschaft kultur ticker

Shen Yun in Toronto: Zwischen Drohungen, Politik und dem finalen Applaus

Als sich am Abend des 28. Juni im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto zum letzten Mal in dieser Saison der Vorhang für Shen Yun hob, schloss sich ein Kreis, der Ende März mit einer Bombendrohung begonnen hatte. Seitdem stand unausgesprochen die Frage im Raum, ob sich eine Bühne in einem freien Land per E-Mail aus der Ferne lahmlegen lässt.
Am 29. März schien genau das zu geschehen. Eine Stunde vor einer Nachmittagsvorstellung erreichte das renommierte Theaterhaus eine Drohung: Im Gebäude sowie am Parlamentshügel seien Sprengsätze platziert. Rund 2.000 Menschen wurden daraufhin aus dem Saal gebracht. Die Polizei rückte an und durchsuchte das Gebäude, stufte die Drohung jedoch als unbegründet ein. Dennoch sagte das Four Seasons Centre die Vorstellung ab. Zwei Tage später wurden unter Verweis auf „eskalierende Drohungen“ auch die übrigen fünf Aufführungen gestrichen. Damit blieb für fast 10.000 Ticketinhaber unklar, ob und wann die Vorstellungen stattfinden würden.
Nach Angaben der Veranstalter war Toronto der erste Fall, in dem eine solche Drohung tatsächlich zur Absage von Shen-Yun-Aufführungen führte. Die 2006 in New York von chinesischen Künstlern gegründete Kompanie war in den vergangenen zwei Jahren über 150-mal Ziel ähnlicher Falschdrohungen, ohne dass es an einem anderen Ort zu Absagen kam – weder in Washington noch in Paris noch in Berlin. Nur in Toronto hatte die Drohung Konsequenzen.

Programm und kultureller Hintergrund von Shen Yun

Wer den Trubel um Shen Yun verstehen will, muss einen Blick ins Programm werfen. Die Kompanie zeigt nach eigenen Angaben ein „China vor dem Kommunismus“: 5.000 Jahre Kultur, klassischen chinesischen Tanz, Legenden und historische Szenen, begleitet von einem Orchester, das chinesische und westliche Instrumente verbindet. Ergänzt wird das durch animierte Bühnenbilder, in denen die Tänzer scheinbar zwischen Himmel und Erde wechseln.
Dargestellt wird ein China, das älter ist als die Volksrepublik: geprägt von Dynastien, Mythen, moralischen Erzählungen und religiösem Glauben. Genau darin liegt auch der Konfliktpunkt mit Peking. Shen Yun präsentiert ein China ohne Parteiparolen, ohne Mao-Kult und ohne kommunistische Ideologie – und verweist zugleich auf die Verfolgung der spirituellen Gruppe, die das Regime seit Jahren aus dem öffentlichen Leben verdrängen will.
Screenwriter Peter Campbell enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Drehbuchautor Peter Campbell bei Shen Yun im Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto. Daniella Wollensak/The Epoch Times

Erfahrung des Publikums und persönliche Geschichte einer Falun-Gong-Praktizierenden

Wie der Abend beim Publikum ankam, beschrieb der Drehbuchautor Peter Campbell, der die letzte Vorstellung besuchte: „Es ist großartig, vom ersten Moment an. Sobald sich der Vorhang hebt, ist es schön – ich habe jede Sekunde geliebt.“ Besonders beeindruckt habe ihn die Kombination aus Tanz und animierten Bühnenbildern, durch die die Darsteller scheinbar aus der Projektion heraustreten und wieder in sie hineingehen. Campbell weiter: „Der Hintergrund ist mehr als nur ein Hintergrund.“
Die meisten der Künstler praktizieren Falun Gong, eine spirituelle Disziplin, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert und in China seit 1999 verfolgt wird. Für Nancy Zhang, die Moderatorin des Shen-Yun-Ensembles, das ursprünglich in Toronto auftreten sollte, ist diese Verfolgung keine abstrakte Geschichte. Sie war acht Jahre alt, als ihre Eltern nach der Arbeit nicht nach Hause kamen. Beide waren verhaftet worden, weil sie Falun Gong praktizierten. Der Vater wurde in ein Umerziehungslager gebracht und die Mutter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. „Für ein Kind wird diese Art von Angst normal“, sagte sie später, „aber so sollte das nicht sein.“
Dass sie diese Angst nun auch im Ausland wieder erlebt – wenn auch nicht durch direkte staatliche Repression, sondern durch Drohungen gegen Theater, Veranstalter und Publikum –, empfindet sie als besonders beunruhigend. Ihre Frage zielt auf einen größeren Zusammenhang ab: „Wenn wir nicht einmal in Übersee frei sprechen können, verwandelt sich dann nicht der Westen in China?“
Nancy Zhang, ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen Yun Ensembles. Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Nancy Zhang ist Moderatorin eines der insgesamt acht Shen-Yun-Ensembles und weiß, was Verfolgung in einem kommunistischen Land wie China bedeutet.

Foto: Frederico Vidovix/The Epoch Times

Internationale Einflussnahme und politische Reaktionen auf Shen Yun

Kanada behandelt solche Vorgänge inzwischen als Sicherheits- und Demokratiethema. Im Hintergrund steht der lange Arm eines autoritären Staates: Druck auf Exilgruppen, Drohungen gegen Kritiker, Überwachung von Diaspora-Gemeinschaften, Desinformation und diplomatische Interventionen. Bei Shen Yun führte diese Strategie zu einem Theaterabend mit evakuiertem Saal. Dieselbe E-Mail-Adresse, die das Four Seasons bedrohte, ging auch an das Theater in Vancouver. Die dortige Cybercrime-Einheit verortete eine mit dem Konto verknüpfte Telefonnummer in China. Schon im letzten Jahr hatten taiwanische Ermittler eine ähnliche Drohung in die nordchinesische Stadt Xi’an zurückverfolgt, in die Nähe einer Forschungseinrichtung des Konzerns Huawei.
Der sichtbarste politische Hinweis kam jedoch nicht aus einer E-Mail, sondern aus einem Sitzungszimmer: In Vancouver trafen sich Vertreter des chinesischen Konsulats mit einem städtischen Mitarbeiter und sprachen über Shen Yun. Quellen zufolge hätten die Diplomaten eine Absage der Aufführungen gewünscht; die Stadt erklärte dagegen, es habe keinen Druck gegeben, musste später jedoch Teile ihrer Darstellung korrigieren. Shen Yun spielte in Vancouver schließlich dennoch.
Auch in Deutschland ist Shen Yun bereits zum Gegenstand chinesischer Intervention geworden. Schon im Februar 2014 versuchte ein Vertreter der chinesischen Botschaft, einen Auftritt in Berlin zu verhindern. Jörg Seefeld, der damalige Leiter der Eventabteilung des Stage-Theaters am Potsdamer Platz, schilderte, wie der Diplomat zunächst Interesse am Haus zeigte und anschließend fragte, ob sich der Vertrag mit der Kompanie nicht annullieren lasse; stattdessen könnten politisch unbedenkliche Ensembles vermittelt werden. Seefelds Antwort fiel knapp aus: „Ich bin aus der DDR. Bei den Chinesen ist es wie damals bei unseren Machthabern: Die haben Angst.“ Die Aufführung fand dennoch statt – ebenso wie 2026 in der Deutschen Oper Berlin.
Die Bundesregierung hat die Verfolgung von Falun Gong wiederholt thematisiert. Die Menschenrechtsbeauftragte Bärbel Kofler erklärte zum 20. Jahrestag der Kampagne, China gehe „mit äußerster Härte“ gegen die Bewegung vor, und forderte Peking zur Einhaltung der Menschenrechte auf.
Dass Shen Yun im Juni im Four Seasons Centre auftreten konnte, war das Ergebnis von Gesprächen, öffentlicher Unterstützung und politischer Rückendeckung. Die Veranstalter verhandelten, Abgeordnete setzten sich für Nachholtermine ein und Bürger wandten sich mit Petitionen und Briefen an die Verantwortlichen. Das Theater setzte schließlich fünf Vorstellungen neu an, dieses Mal mit Metalldetektoren, Spürhunden und verstärkter Polizeipräsenz.
Tammy Peterson enjoyed Shen Yun at the Four Seasons Centre for the Performing Arts in Toronto on June 28, 2026. Allen Zhou/The Epoch Times

Die Podcasterin Tammy Peterson sah Shen Yun im Four Seasons Center for the Performing Arts in Toronto, Kanada.

Foto: Allen Zhou/The Epoch Times

Abschluss der Aufführung und Reaktionen auf Shen Yun

Der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas, der sich seit Jahrzehnten mit der Lage in China befasst, sah das Besondere des jüngsten Shen-Yun-Auftritts in Toronto in der Verbindung von künstlerischer Schönheit und menschenrechtlichem Zeugnis. Die Aufführung spreche nicht nur über Freiheit, sondern mache sichtbar, was verloren gehe, wenn sie verschwinde. Die Podcasterin Tammy Peterson, die der Show beiwohnte, sprach von einer hoffnungsvollen Botschaft auch für den Westen: „Es liegt an uns, einander zu lehren, dass es ein Fundament unserer Kultur gibt, das unverzichtbar ist, wenn wir überleben wollen.“
Der Vorhang, der im März geschlossen blieb, hob sich schließlich im Juni. An diesem letzten Abend der Aufführungen in Toronto war nicht die Drohung das letzte Bild, sondern der tosende Applaus.
Categories
gesellschaft kultur meinung ticker

Plädoyer für die Wiederbelebung lokalen Lebens

„Es ist nicht unsere Aufgabe, alle Strömungen der Welt zu beherrschen, sondern das zu tun, was in unserer Macht steht, um in den Jahren, in die wir gestellt sind, Hilfe zu leisten und das Böse auf den Feldern, die wir kennen, auszurotten, damit diejenigen, die nach uns kommen, sauberen Boden zum Bebauen vorfinden.“
„It is not our part to master all the tides of the world, but to do what is in us for the succour of those years wherein we are set, uprooting evil in the fields that we know so that those who come after may have clean earth to till.“
Diese wunderschönen Zeilen aus J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ geben uns sowohl Hoffnung als auch Orientierung in schweren Zeiten. Es ist leicht, sich von dem Bösen in der Welt überwältigen zu lassen, von den Problemen der Welt verwirrt und bedrängt zu werden.
Wir wünschen uns Veränderungen. Vielleicht wünschen wir uns sogar die Macht, das zu heilen, woran die Welt krankt. Doch allzu oft fühlen wir uns machtlos.
Tolkiens Zitat hebt zwei wichtige Wahrheiten hervor. Erstens können wir nicht die Last der ganzen Welt auf uns nehmen. Wir können nicht versuchen, „alle Strömungen zu beherrschen“. Aber gleichzeitig sind wir nicht machtlos. Wir mögen vielleicht nicht in der Lage sein, geopolitische Probleme zu lösen, aber wir können unseren Blick auf „die Felder, die wir kennen“ richten – unsere örtlichen Gemeinschaften – und die Probleme angehen, die wir dort vorfinden.
Wer Einfluss auf sein Umfeld nehmen möchte, sollte in seiner eigenen Nachbarschaft beginnen. Foto: Liudmila Chernetska/iStock

Wer Einfluss auf sein Umfeld nehmen möchte, sollte in seiner eigenen Nachbarschaft beginnen.

Foto: Liudmila Chernetska/iStock

Das ist ein Lichtblick in dunklen Zeiten. Indem wir uns den Aufgaben in unserem unmittelbaren Umfeld widmen, ebnen wir den Weg zu einem kulturellen Wandel, der durchaus erreichbar ist. Wenn genügend Menschen Zeit, Energie und Geld in die Verbesserung und den Wiederaufbau ihrer lokalen Gemeinschaften investieren, könnte die ganze Welt zum Besseren verändert werden.

Eine bewusste Anstrengung

Vielleicht ist die Zeit gekommen, sich wieder dem eigenen Umfeld zu widmen, statt den nationalen und internationalen Schauplätzen. „Normale Menschen wollen Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen“, schreibt Dale Ahlquist in der Einleitung zu seinem Buch „Localism“ aus dem Jahr 2024, „doch sie fühlen sich zunehmend frustriert und entfremdet, weil alles außerhalb ihrer Kontrolle liegt und sie nicht einmal wissen, wer die Kontrolle ausübt. … Lokalismus bedeutet, bei den Dingen mitreden zu können, die das eigene Leben betreffen.“

„Normal people want to take responsibility for their own lives, and they are increasingly frustrated and alienated by the fact that everything is out of their control and they cannot really say who is in control. …Localism means having a say in what happens to you.“

Unser größter Einflussbereich liegt vor unserer Haustür. Dort wirken sich Entscheidungen am unmittelbarsten auf uns und unsere Familien aus. Die wahre Gestaltungskraft gewöhnlicher Menschen entfaltet sich in ihrer Gemeinde, ihrer Nachbarschaft und ihrem direkten Umfeld. Ob sie davon Gebrauch machen, liegt bei ihnen selbst.

Dies ist einer der Grundgedanken des Lokalismus (Anm. d. Red.: Orientierung an lokalen Gemeinschaften). Er beruht auf der Überzeugung, dass sich das wirtschaftliche, kulturelle, soziale und religiöse Engagement eines Menschen in erster Linie auf seine unmittelbare Gemeinschaft und Region richten sollte.
Größere Institutionen und staatliche Ebenen sollten diese lokalen Strukturen achten, fördern und stärken. Auf vielfältige Weise schaffen solche Gemeinschaften die Kraft, Widerstände zu überwinden, und sie spielen eine entscheidende Rolle dabei, Gesellschaften zu bewahren, zu erneuern und lebendig zu halten.

Die „Unbesiegbaren“

G. K. Chesterton schrieb in einem Artikel vom 21. Juli 1928 für seine Zeitung „G.K.’s Weekly“:
„Es kommt in der Geschichte oft vor, dass sich extrem kleine und lokale oder gar rückständige und barbarische Dinge mit großem Erfolg gegen Imperien und Konzerne verteidigen, einfach weil sie zu abgelegen sind, um sich von bloßen kosmopolitischen Gerüchten und Reputationen einschüchtern zu lassen. Es gibt einige glückliche Gemeinschaften, die zu unwissend sind, um eingeschüchtert zu werden, zu abergläubisch, um sich erschrecken zu lassen, zu arm, um bestochen zu werden, und zu klein, um zerstört zu werden. Wahrscheinlich wird gerade an diesen winzigen und verborgenen Orten der Same der Zivilisation für künftige Zeitalter bewahrt bleiben – inmitten der stümperhaften Gesetzlosigkeit von großen, wahrscheinlich auf uns zukommenden Veränderungen.“

„It often happens in history that things intensely small and local, or even backward and barbaric, defend themselves with great success against empires and combines, simply because they are too remote to have been overawed by mere cosmopolitan rumour and reputation. There are some fortunate communities that are too ignorant to be bullied, too superstitious to be frightened, too poor to be bribed, and too small to be destroyed. It is probably in these minute and secret places that the seed of civilization will be preserved for future ages, through the blundering anarchy of big things which seems to be coming upon us.“

Ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene steht in Zusammenhang mit einem verbesserten sozialen Zusammenhalt und messbaren Vorteilen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden. Foto: nortonrsx/iStock

Ehrenamtliches Engagement auf Gemeindeebene steht in Zusammenhang mit einem verbesserten sozialen Zusammenhalt und messbaren Vorteilen für die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden.

Foto: nortonrsx/iStock

Wie sieht Lokalismus in der Praxis aus?

Wie sieht Lokalismus in der Praxis aus? Einige allgemeine Merkmale lassen sich hier skizzieren. Ahlquist hilft uns, einige der zugrunde liegenden Prinzipien zu verstehen: „Unter Lokalismus verstehen wir eine Wirtschaft und ein politisches System, das auf der Familie basiert.“

„By localism, we mean an economy and a political system based on the family.“

Die Familie ist die unmittelbarste und lokalste Form der Gesellschaft. Lokalismus sollte sich darauf konzentrieren, ein soziales und wirtschaftliches Umfeld zu schaffen, das die Familie begünstigt. Ahlquist schreibt:
„Wenn wir damit beginnen, die Würde darin zu sehen, für unsere eigenen Familien zu sorgen, sie zu schützen und zu lieben, dann ist der nächste natürliche Schritt, auch unseren Nachbarn mit derselben Achtung und Nächstenliebe zu begegnen, damit ihre Familien das genießen können, was auch wir genießen.“

„If we begin with the dignity of providing for and protecting and loving our own families, the next natural step is to treat our neighbors with the same respect and charity so that their families can enjoy what we enjoy.“

Wenn Familien glücklich sind und sich geborgen fühlen, ist der Grundstein für eine starke Gesellschaft gelegt.

Das Dorf braucht Dorfbewohner

Der familiäre Aspekt des Lokalismus ermutigt Eltern, auf die Einflüsse auf ihre Kinder zu achten. So könnte Bildung im „lokalen Stil“ beispielsweise darin bestehen, dass sich Eltern zusammenschließen, um eine eigene Schule oder Mikroschule zu gründen. Ziel wäre es, Kinder unter Nutzung lokaler Ressourcen zu unterrichten und dabei lokale Werte, Geschichte und Bräuche zu respektieren.
Leere Gasse in Stolberg im Harz, 2024. Foto: ChrisRinckes/iStock

Leere Gasse in Stolberg im Harz, 2024.

Foto: ChrisRinckes/iStock

Vielleicht betrifft der herausforderndste, aber auch transformativste Teil einer lokalen Vision die Wirtschaft. In der globalisierten Wirtschaft fließt Geld typischerweise aus lokalen Gemeinschaften heraus und in die Kassen entfernter Unternehmen.
Selten bleibt dieses Geld in der lokalen Gemeinschaft, um sie zu stärken und ihre Bewohner zu erhalten. Ein Ziel des Lokalismus ist es, stärkere lokale Wirtschaftskreisläufe zu schaffen. Denn wo wir unsere Geschäfte erledigen, ist ein großer Teil unseres Lebens.
Wendell Berry stellte in seinem Aufsatz „The Work of Local Culture“ den Zusammenbruch der lokalen Kultur fest. Teilweise liege das daran, dass aufgrund unseres globalen Wirtschaftsmodells kaum noch Menschen ihren Lebensunterhalt in ihren lokalen Gemeinschaften verdienen können.
Dale Ahlquist sah die Wiederherstellung der lokalen Wirtschaft als zentral für das Vorhaben, lokaler zu werden. Er sagt: „[Lokalismus] bedeutet, deine Dollars in deiner Gemeinschaft zu behalten, von deinem Nachbarn zu kaufen und dadurch deinen Nachbarn zu unterstützen. Es bedeutet, dein eigenes Stück der Gemeinschaft zu besitzen. Es bedeutet, dein eigener Chef zu sein.“

„[Localism] means keeping your dollars in your community, buying from your neighbor, and thereby supporting your neighbor. It means owning your own piece of the community. It means being your own boss.“

Das lokal-regionale Modell ermutigt zahlreiche Kleinunternehmer, Landwirte und lokale Hersteller, miteinander Geschäfte zu machen. Dadurch entsteht eine autarke und in sich selbst investierende Gemeinschaft.
Wichtige Gespräche: Vier ältere Frauen in einem italienischen Dorf. Foto: angeluisma/iStock

Zusammen statt allein: vier ältere Frauen in einem italienischen Dorf.

Foto: angeluisma/iStock

Örtliche Gemeinschaften und Kultur im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Ganzen steht natürlich die örtliche Gemeinschaft und ihre Kultur. Der Lokalismus versucht, Nachbarn wieder miteinander in Verbindung zu bringen. Er versucht, örtliche Vereine, Sportklubs, Glaubensgemeinschaften und gemeinnützige Organisationen neu zu beleben. [Anmerkung der Redaktion: So wie es heute in manchen ländlichen Gegenden Deutschlands noch gelebt wird.]
Lokalismus hat zum Ziel, das soziale Gefüge von Grund auf wieder zu knüpfen. Der Lokalismus misst echten Begegnungen von Mensch zu Mensch einen hohen Wert bei. Menschliche Beziehungen bilden das Herzstück des Lokalismus.
Das lokalistische Ideal klingt in unserer Zeit ein wenig veraltet. Doch es ist gar nicht so weit entfernt von den ursprünglichen Idealen der Unabhängigkeit, Nachbarschaftlichkeit, des Unternehmertums, der Resilienz und des Respekts vor der Tradition. Diese haben alle dazu beigetragen, unsere Nation überhaupt erst groß zu machen.
Es gab eine Zeit in Amerika, als ein Mann durch die Straßen seiner Stadt gehen und ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit empfinden konnte, dass alles, was er brauchte, genau hier war, direkt vor seinen Füßen, sowohl wirtschaftlich als auch sozial.
Er fühlte sich keinen entfernten, unpersönlichen finanziellen oder industriellen Kräften verpflichtet. Er kannte die Gesichter und die Namen der Männer und Frauen, die viele der Dinge herstellten, die er im täglichen Leben benutzte. Und er kannte sowohl die Menschen als auch die Philosophie der Menschen, die seine Kinder unterrichteten. Ihre Philosophie war seine eigene.
Er konnte zu Fuß zu seiner Kirche gehen, wo er dieselben Gesichter sah, mit denen er Geschäfte machte oder Baseball spielte. Er kannte die Leute, die in der Stadt- und Kreisverwaltung tätig waren; er hatte ihnen geholfen und sie ihm.
Die Geschichte seiner Stadt und der darin lebenden Familien war ihm auch bekannt. Er konnte auch den Zweig seiner Familie am Stammbaum seiner Gemeinschaft zurückverfolgen, der in der Gegend und Landschaft verwurzelt war. Er war Teil von etwas Lebendigem und Ganzem.
So könnte es wieder sein.
Der persönliche Kontakt ist nach wie vor einer der stärksten Indikatoren für Vertrauen in der Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement. Foto: monkeybusinessimages/iStock

Der persönliche Kontakt ist nach wie vor einer der stärksten Indikatoren für Vertrauen in der Gemeinschaft und bürgerschaftliches Engagement.

Foto: monkeybusinessimages/iStock

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Case for Restoring Local Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
Categories
gesellschaft ticker

Stade: Mordkommission ermittelt – OLG entscheidet über Sorgerecht

Zwei Tage nach den tödlichen Schüssen von Stade hat eine extra eingerichtete Mordkommission die Ermittlungen zum Tatgeschehen mit sechs Opfern übernommen. Ausgewertet werden vor allem Hinweise aus der Bevölkerung.
Die Polizei bittet Zeugen weiter um Fotos und Videos, die etwas zur Aufklärung der Schüsse in der Jugendhilfeeinrichtung am Montag beitragen können. Unterdessen ist der Tatverdächtige in Untersuchungshaft gekommen.
Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord. Der Tatverdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit hatte demnach einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter.

OLG entscheidet über Sorgerecht

In dem Sorgerechtsstreit entscheidet demnächst das Oberlandesgericht (OLG) Celle. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG.
Das Amtsgericht hatte angeordnet, dass die Kindsmutter und die Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden sollen. Zudem bestätigte das Amtsgericht in seiner Entscheidung, dass den Eltern die Gesundheitssorge entzogen bleibt. Das Gespräch mit den Eltern im Rahmen der Jugendhilfe habe nicht auf Anordnung oder Veranlassung der Gerichte stattgefunden, hieß es weiter.
Dass ein Hilfeplangespräch wie in Stade in der Einrichtung und nicht auf einer Polizeiwache oder bei einem Gericht stattfindet, ist laut niedersächsischem Sozialministerium gängig.
„Es gab vereinzelt Fälle in der Vergangenheit, wo auch die Polizei dazugeholt wurde von der Kommune, vom Jugendamt, wenn die Gefahrenlage so eingeschätzt wurde, dass das nötig ist“, sagte Ministeriumssprecherin Lea Karrasch. Dies sei hier nicht der Fall gewesen.
Wenn es beim Jugendamt Kenntnisse über Gefährdungen gebe, dann werde das natürlich berücksichtigt und es gebe Ratgeber dafür, sagte Karrasch. „Ob es darüber hinaus noch weitere Vorgaben geben muss über Sicherheitsvorkehrungen, darüber wird auf jeden Fall zu sprechen sein.“ In welcher Form und in welchem Ausmaß, ließe sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht sagen.

Andacht für die Opfer in Hannover

Unter den sechs Toten sind drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei der Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt. Für die Opfer fand am Dienstag eine Andacht in Stade statt, der Andrang von Angehörigen, Kollegen und Feuerwehrleuten war riesig. Für Mittwoch, den 1. Juli war zudem in der Marktkirche Hannover ein Gedenken für die drei Mitarbeiter der Jugendhilfe der Region geplant.
Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Mitarbeitenden der Jugendämter.
In Bezug auf die beiden tatverdächtigen Frauen hat die Staatsanwaltschaft keinen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Sowohl die 34 Jahre alte Mutter der gemeinsamen Tochter als auch die Begleiterin des 45-Jährigen mutmaßlichen Täters sind aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen worden. Nach der Schließung der betroffenen Mutter-Kind-Gruppe sind die 34-Jährige und ihr Baby anderweitig untergebracht worden, wie das Sozialministerium mitteilte.

Arbeit mit erhöhtem Risiko von verbaler und physischer Gewalt

Die Mitarbeiter von sozialen Einrichtungen stehen oft unter Druck, aber ist ein größerer Schutz möglich? Wenn es um Sorgerecht oder Kindeswohlgefährdung gehe, seien die Beschäftigten in solchen Einrichtungen einem erhöhten Risiko von verbaler und physischer Gewalt ausgesetzt, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Doreen Siebernik.
„Sie erleben immer wieder Entgleisungen und Übergriffe, die tief in den Dynamiken von häuslicher Gewalt und patriarchalem Kontrollwahn verwurzelt sind“, beschreibt sie.
Zum Schutz der Einrichtungen bedarf es aus Sicht der GEW eines funktionierenden Systems von Jugendamt, Polizei und Trägern. Siebernik benennt aber offen das „Dilemma“ dabei. „Einerseits müssen Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und das Leben der Angestellten schützen.
Andererseits leben soziale Arbeit und Jugendhilfe von Vertrauen und Zugänglichkeit“, sagt sie. Sollten die Orte zu „Festungen“ mit Sicherheitsschleusen mit bewachten Eingängen ausgebaut werden, könne dies die Hemmschwelle für Hilfesuchende vergrößern. (dpa/red)
Categories
gesellschaft

Digitaler Euro kommt näher: So soll das neue digitale Bargeld funktionieren

Wie Bargeld, aber nicht zum Anfassen: Die Europäische Zentralbank (EZB) will den digitalen Euro einführen, den Verbraucher zum Bezahlen auf ihrem Handy speichern können. Dafür braucht es zunächst einen EU-weiten Rechtsrahmen. Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat am 23. Juni mit 43 zu 14 Stimmen den Weg dafür geebnet.
In einer zweiteiligen Serie erklärt Epoch Times, wie der digitale Euro funktionieren soll, welche problematischen Punkte es gibt und warum die Kritiker des Projekts einen Teilerfolg errungen haben.
Was ist der digitale Euro?
Die EU beschreibt den digitalen Euro gern als digitales Bargeld. Das Geld liegt also nicht auf einem Bankkonto oder in einem Aktiendepot, sondern in einem sogenannten digitalen Geldbeutel. Dieser Geldbeutel ist in der Praxis eine App auf dem Smartphone, in der die digitalen Euros gespeichert sind. Sie sollen wie Scheine und Münzen sofort verfügbar sein – sogar ohne Internetverbindung.
Sollen Scheine und Münzen abgeschafft werden?
Nein, die EZB will Bargeld und digitale Euros ausgeben. Verbraucher können beides parallel nutzen. Die Bereitstellung von Bargeld soll sogar gesetzlich garantiert werden. Fernando Navarrete Rojas, Mitglied des Wirtschaftsausschusses des EU-Parlaments, erklärte laut dem Portal „btc-echo.de“:
„Mit dem Währungspaket schützen wir die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, ihr Zahlungsmittel selbst zu wählen. Wir stärken den Zugang zu und die Akzeptanz von Bargeld und stellen gleichzeitig Zentralbankgeld in digitaler Form zur Verfügung. Der digitale Euro wird Bargeld ergänzen, niemals ersetzen.“
Wie bekomme ich digitale Euros?
Wer eine Banking-App nutzt, kann Geld dort vom Konto in den digitalen Geldbeutel (Wallet) verschieben. Für die Bank funktioniert das ähnlich, als hätte der Kontoinhaber das Geld an einem Automaten abgehoben. Verbraucher können sich außerdem digitale Euros untereinander schicken – auch ohne Bankkonto.
Allerdings möchte die EZB eine Obergrenze für den digitalen Geldbeutel einführen. Sie will damit vermeiden, dass digitale Euros gehortet werden. Anders ausgedrückt handelt es sich dabei um eine Deckelung von Privatbesitz. Das Portal „heise.de“ berichtet, dass die Höchstgrenze von der EU-Kommission festgelegt und alle zwei Jahre überprüft werden soll. Als Basis diene eine Empfehlung der EZB. Das EU-Parlament wünscht sich dabei ein Mitspracherecht.

Unternehmen sollen Zahlungen in digitalen Euros sogar nur 24 Stunden lang halten dürfen, bevor das Geld weitergeschoben werden muss.

Wo kann ich damit bezahlen?
In fast allen Geschäften und im Internet. Händler sollen zur Annahme verpflichtet werden – mit Ausnahme von Kleinstbetrieben und Selbstständigen. Das heißt: Alle Händler, die heute Kartenzahlungen akzeptieren, sollen künftig auch digitale Euros annehmen.
Auch bei Onlinebestellungen soll die Bezahlung mit D€ (so die Abkürzung für den digitalen Euro) standardmäßig als Zahlungsmittel möglich sein.
Bezahlen wir nicht schon jetzt häufig digital?
Ja, aber normalerweise ist ein Drittanbieter im Spiel. Bei Kredit- und Debitkarten sind das häufig die US-Anbieter Visa und Mastercard, bei Onlinezahlungen Dienstleister wie PayPal oder Klarna. Diese erheben oft Gebühren und sammeln Daten über ihre Nutzer.
Digitale Euros würden – wie Bargeld – direkt von der EZB ausgegeben. Die EU will damit unabhängiger von US-Dienstleistern werden. Für private Nutzer sollen nach dem aktuellen Entwurf keine Gebühren anfallen.
Was passiert beim digitalen Euro mit meinen Daten?
Die EZB verspricht, dass beim Offlinebezahlen keine Daten gespeichert werden. Ein kryptografisches Verfahren namens Zero-Knowledge-Proofs soll die Daten anonymisieren.
Anders als private Finanzdienstleister darf die EZB die Daten nicht für geschäftliche Zwecke nutzen.
Banken und Ermittlungsbehörden dürften – wie schon heute – eingreifen, wenn der Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung besteht. Das Europäische Parlament und der Rat der 27 EU-Staaten müssen die Datenschutzregeln jedoch noch im Detail aushandeln.
Ist der digitale Euro eine Kryptowährung?
Nein, ein digitaler Euro wäre von der EZB abgesichert und damit immer genau 1 Euro wert – anders als Kryptowährungen, die nicht zentral verwaltet werden und deren Kurs oft schwankt. Natürlich kann auch ein digitaler Euro durch Inflation an Kaufkraft verlieren – wie der heutige Euro.
Digitale Euros sollen auch ohne Internetverbindung auf einem digitalen Endgerät (Smartphone) verfügbar sein. Das bedeutet allerdings auch: Wer sein Gerät mit der digitalen Brieftasche verliert, verliert auch sein Guthaben unwiderruflich – ähnlich wie bei einer verlorenen Brieftasche im realen Leben.
Wann will die EZB den digitalen Euro einführen?
Das kommt darauf an, wie schnell die Verhandlungen vorankommen. Die EZB bereitet sich eigenen Angaben zufolge darauf vor, ab 2029 die ersten digitalen Euros ausgeben zu können.
In der nächsten Ausgabe der Epoch Times folgt eine Analyse des digitalen Euros mit Stellungnahmen von Befürwortern und Kritikern. 
(afp/red)