Das Bornavirus wird in seltenen Fällen von Feldspitzmäusen auf Menschen übertragen. (Symbolbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Erkrankung durch das seltene, aber gefährliche Bornavirus nachgewiesen worden. Betroffen ist eine Person im südwestlichen Landkreis Ludwigslust-Parchim, wie ein Sprecher des Landkreises mitteilte. Es sei der erste Nachweis in dem Landkreis.
Bornavirus-Erkrankungen verlaufen den Angaben zufolge in der Regel lebensbedrohlich. Das Virus verursache beim Menschen schwere Entzündungen des Gehirns, hieß es. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales hatte die Infektion mit dem Erreger im Mai bestätigt. Wie es der betroffenen Person geht, wurde nicht mitgeteilt. Sie sei am Leben, hieß es lediglich.
Seltene Übertragung auf Menschen
Das Bornavirus wird den Angaben zufolge in seltenen Fällen von Feldspitzmäusen auf den Menschen übertragen. Dies sei seit 2018 bekannt. „Das Robert Koch-Institut geht von fünf bis zehn Erkrankungen pro Jahr in Deutschland aus“, so der Landkreis-Sprecher. Übertragungen von Mensch zu Mensch wurden demnach bisher nicht beschrieben. Die Tierseuche selbst ist seit mehr als 100 Jahren bekannt.
Keine Behandlungsmöglichkeit
„Bei einer Infektion kommt es zu schweren neurologischen Symptomen mit Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- und Gangstörungen, die sich bis zum Koma verstärken können“, erläuterte der Sprecher. „Da zum jetzigen Zeitpunkt keine Behandlung zur Verfügung steht, ist der Schutz vor Ansteckung das höchste Gebot.“
Infizierte Feldspitzmäuse scheiden das Virus laut Landkreis unter anderem über Kot, Urin und Speichel aus, ohne selbst zu erkranken. „Die Übertragung des Virus kann am ehesten durch den Kontakt mit den Ausscheidungen der Feldspitzmaus erfolgen, beispielsweise beim Ausfegen von Scheunen, Schuppen, Hühnerställen oder Holzlagern.“
Beim Schuppen-Ausfegen FFP2-Maske tragen
Das Gesundheitsamt rät deshalb zum Tragen von Handschuhen und FFP2-Maske beim Ausfegen von Schuppen oder Scheune. Tote Mäuse und andere Tiere sollten grundsätzlich nicht mit bloßen Händen angefasst werden.
Das Gesundheitsamt rät weiter, Einmalhandschuhe zu tragen und Hilfsmittel wie eine Schaufel oder ähnliche Gegenstände zu verwenden, wenn Tierkadaver beseitigt werden. Es sei unbekannt, wie häufig Feldspitzmäuse im Landkreis das Bornavirus in sich tragen. (dpa/red)
Apotheken sollen mehr Leistungen für Patienten anbieten können. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
Die Apothekenreform kommt: Das am Freitag, 22. Mai vom Bundestag verabschiedete Gesetz sieht vor, dass Apotheken wirtschaftlich gestärkt und mit mehr Befugnissen ausgestattet werden, um das Versorgungsangebot für die Bevölkerung zu erweitern.
Apotheken dürfen künftig mehr Impfungen anbieten, bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente auch ohne Rezept abgeben und Blutabnahmen für Diagnosen ausführen. Die Reform soll den Apothekenbetrieb vor allem auf dem Land sichern.
Opposition und Krankenkassen äußerten Zweifel und kritisierten die hohen Kosten für die Versicherten.
Der Bundestag verabschiedete die Reform mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD. Grüne und AfD stimmten dagegen, die Linksfraktion enthielt sich.
Mehr Befugnisse für Apotheker
Die Reform binde Apotheken „breiter in die Versorgung ein – durch mehr Impfungen, Tests und Präventionsangebote“, erklärte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Die Apotheken sollten als „feste Säule für eine niedrigschwellige und flächendeckende Gesundheitsversorgung der Menschen“ gestärkt werden.
Patienten mit chronischen Erkrankungen sollen künftig verschreibungspflichtige Medikamente in der Apotheke erhalten, ohne jedes Mal ein ärztliches Rezept vorlegen zu müssen.
Zudem sollen Apotheken künftig verschreibungspflichtige Medikamente bei „akuten, unkomplizierten Formen“ bestimmter Erkrankungen ohne Verschreibung abgeben dürfen.
So dürfen Apotheker künftig mehr Impfungen verabreichen – nämlich alle Impfungen mit Totimpfstoffen, etwa gegen Tetanus oder FSME. Bislang boten Apotheken nur Impfungen gegen Grippe und Covid-19 an.
Apotheker sollen künftig zudem nach ärztlicher Schulung venöse Blutentnahmen zu diagnostischen Zwecken ausführen dürfen.
Erhöhung des Apothekenfixums
Weitere Maßnahmen des Reformgesetzes sehen vor, Apotheken von Bürokratie zu entlasten und ihre wirtschaftliche Situation zu stärken. Dies soll insbesondere die Apothekenversorgung im ländlichen Raum sicherstellen.
Geplant ist unter anderem die Erhöhung des so genannten Apothekenfixums. Das ist ein Pauschalbetrag, den die Apotheke von der Krankenkasse zum Ausgleich ihrer fixen Betriebskosten erhält.
Bislang liegt der Betrag bei 8,35 Euro pro abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments. In Folge der Reform soll der Betrag im kommenden Jahr auf 9,50 Euro steigen.
In ländlichen Regionen soll zudem ein neuer Zuschuss für Teilnotdienste eingeführt werden. Die Gründung von Zweigapotheken soll erleichtert werden.
Im Rahmen eines Testlaufs soll zudem pharmazeutisch-technischen Assistenten erlaubt werden, selbst für maximal 20 Tage im Jahr die Apotheke zu leiten, sofern dies der Aufrechterhaltung des Betriebs in ländlichen Regionen dient. (afp/red)
Bundesregierung plant höheres Apothekenfixum. (Symbolbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Die Gesetzlichen Krankenkassen haben scharfe Kritik an der Apothekenreform der Bundesregierung geäußert und vor Mehrkosten in Milliardenhöhe gewarnt.
„Für nächstes Jahr kommen damit Mehrkosten von deutlich über einer Milliarde Euro auf uns zu“, kritisierte Stefanie Stoff-Ahnis, Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, am Freitag, 22. Mai, kurz vor der geplanten Verabschiedung der Reform im Bundestag.
Kassen kritisieren höheres Apothekenfixum
Bezahlen müssten das „die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler – also die 75 Millionen gesetzlich Versicherten und ihre Arbeitgeber“.
Solche „horrenden Ausgabenaufwüchse“ stünden „völlig im Widerspruch zu dem aktuell laufenden Reformprozess zur Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung“, erklärte Stoff-Ahnis.
„Mit diesem Gesetz werden auf Kosten der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler Geschenke an die Apotheken und die Pharmaindustrie verteilt.“
Der GKV-Spitzenverband beklagt vor allem die geplante Erhöhung des Apothekenfixums. Das ist ein Pauschalbetrag, den die Apotheke von der Krankenkasse zum Ausgleich ihrer fixen Betriebskosten erhält.
Bislang liegt der Betrag bei 8,35 Euro pro abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments. In Folge der Reform soll der Betrag im kommenden Jahr auf 9,50 Euro steigen.
Diese Erhöhung werde die gesetzlichen Kassen rund 875 Millionen Euro pro Jahr kosten, erklärte der GKV-Spitzenverband. „Hier werden in Zeiten leerer Kassen Beitragsgelder mit der Gießkanne über alle Apotheken im Land verteilt“, kritisierte er.
Rabattverträge erst ab 2028 erweitert
Des weiteren kritisierten die Kassen, dass die im Zuge der Reform geplante erweiterte Möglichkeit der Krankenkassen für Rabattverträge mit Pharmaherstellern auf 2028 verschoben wurde.
Dies sei „ein Geschenk für die Pharmaindustrie, welches von den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern teuer bezahlt werden muss“, kritisierte Stoff-Ahnis. „Dadurch entfallen kurzfristig mögliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro.“ (afp/red)
Neuer Ebola-Fall aus Tshopo: Die M23-Miliz steht vor ihrer ersten großen Epidemie-Herausforderung (Archivbild). - Foto: Hajarah Nalwadda/AP/dpaa
Nach dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo haben die Behörden einen ersten Infektionsfall in der östlichen Provinz Süd-Kivu bestätigt. Die Behörden sprachen am Donnerstag, 21. Mai von einem bestätigten Fall und einem Verdachtsfall in der Provinz.
Ein Sprecher der M23-Miliz sagte, der oder die Infizierte sei bereits an den Folgen der Infektion gestorben. Der Fall sei in der Provinzhauptstadt Bukavu registriert worden, die seit Februar vergangenen Jahres unter Kontrolle der bewaffneten Gruppe steht.
Neuer Fall aus Tshopo: M23 vor Ebola-Herausforderung
Der oder die Infizierte kam den Angaben zufolge aus Kisangani, einer Stadt in der östlichen Provinz Tshopo, in der bislang keine Ebola-Fälle verzeichnet worden waren.
Die von Ruanda unterstützte M23-Miliz hat seit 2021 große Gebiete im Osten der Demokratischen Republik Kongo unter ihre Kontrolle gebracht. Sie hat in den besetzten Gebieten seitdem eigene Behörden aufgebaut.
Mit der Eindämmung einer schwerwiegenden Epidemie wie dem aktuellen Ebola-Ausbruch hat sie bisher keine Erfahrung.
Der Ausbruch war am Freitag vergangener Woche zuerst in der von ebenfalls von bewaffneten Konflikten betroffenen Provinz Ituri gemeldet worden.
Auch in der Provinz Nord-Kivu und im benachbarten Uganda wurden seitdem Fälle registriert, in Süd-Kivu und Tshopo bisher nicht.
Die gewaltsamen Konflikte im Kongo wie die Kämpfe zwischen der M23-Miliz und der kongolesischen Armee erschweren die Eindämmung enorm.
Nach Angaben der kongolesischen Gesundheitsbehörde INSP vom Donnerstag sind in dem Land bislang 64 Ebola-Fälle und sechs Tote im Zusammenhang mit einer Infektion bestätigt.
Die tatsächliche Zahl dürfte allerdings höher liegen: Die Behörde selbst schätzt die Zahl der Toten im Land auf 160 und die Zahl der Verdachtsfälle auf an die 700.
Eskalierende Wut: Bevölkerung attackiert Ebola-Zelte
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor von fast 600 Verdachtsfällen gesprochen, darunter gebe es 139 Todesfälle.
Vor einem Krankenhaus in Rwampara, einem der Schwerpunkte des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, zündeten junge Menschen am Donnerstag zwei Zelte für infizierte Patienten an. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah die verkohlten Überreste.
Den Angreifern war offenbar der Zugang zu der Klinik verwehrt worden, als sie den Leichnam eines Verstorbenen abholen wollten. Ein Krankenhausmitarbeiter sagte, ein Beschäftigter sei durch Steinwürfe verletzt worden. Anschließend seien Sicherheitskräfte eingeschritten. (afp/red)
Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Schutzanzügen in einem Gesundheitszentrum in Rwampara, Kongo. - Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa
Indien und die Afrikanische Union haben wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo einen für kommende Woche geplanten Gipfel verschoben.
Beide Seiten seien angesichts der „sich entwickelnden Gesundheitslage“ auf dem Kontinent übereingekommen, das vierte Indien-Afrika-Forum zu einem späteren Zeitpunkt abzuhalten, erklärte das indische Außenministerium.
Neuer Gipfeltermin noch unbekannt
Der Gipfel sollte vom 28. bis 31. Mai in Neu Delhi stattfinden. Indien erklärte sich bereit, Bemühungen des Afrikanischen Zentrums für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten zur Bewältigung der Ebola-Lage zu unterstützen. Ein neuer Termin für den Gipfel soll später festgelegt werden.
Die WHO hatte am 20. Mai erklärt, das Risiko durch den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sei in Zentralafrika hoch, weltweit aber gering.
Nach WHO-Angaben verbreitete sich das Virus vermutlich bereits seit mehreren Monaten. Die Organisation geht von rund 600 wahrscheinlichen Fällen und 139 mutmaßlichen Todesopfern aus.
Bisher kein Impfstoff
Der Ausbruch der oft tödlich verlaufenden Fieberkrankheit war am vergangenen Freitag im Osten der Demokratischen Republik Kongo erklärt worden. Es ist der 17. Ebola-Ausbruch in dem zentralafrikanischen Land.
Die Übertragung des Ebola-Virus erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Infizierten, die Inkubationszeit kann bis zu drei Wochen betragen.
Die aktuelle Epidemie wird von der erstmals 2007 nachgewiesenen seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. (afp/red)
Die Familie des Ebola-Patienten wurde auch in die Berliner Charité gebracht. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa
Nach der Aufnahme eines Ebola-Patienten in der Berliner Charité ist auch die Familie des US-Amerikaners nachgekommen.
Seine Ehefrau und vier Kinder wurden ebenfalls in der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums aufgenommen, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Hintergrund war ein entsprechendes Hilfeersuchen der US-Behörden.
Der Patient hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ebola-Virus angesteckt. Er wurde nach einem vorherigen Ersuchen der USA zur Behandlung nach Berlin ausgeflogen.
Mit einem Spezialflugzeug nach Deutschland geflogen
In der Charité ist seine Versorgung mittlerweile angelaufen. Seine Familie, die sich auch im Kongo aufgehalten hatte, wurde nun mit einem Spezialflugzeug nach Deutschland gebracht. Die Angehörigen gelten als Kontaktpersonen des Infizierten.
Die Sonderisolierstation der Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum ist eine geschlossene und geschützte Einheit, die vom regulären Klinikbetrieb getrennt ist, so dass kein Kontakt zu anderen Patientinnen und Patienten entstehen kann.
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. (dpa/red)
Eine Impfung gegen Diphtherie wird meist mit einem Kombinationsimpfstoff verabreicht (Symbolbild). - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Australien geht gegen den schwersten Ausbruch von Diphtherie seit Jahrzehnten vor. Über 220 Menschen sind infiziert. Besonders der Norden des Landes ist betroffen.
Grund für die Ausbreitung seien vor allem stark gesunkene Impfquoten, berichtete der Sender ABC unter Berufung auf die Regierung in Canberra. Neue Daten zeigten, dass die Quote der üblichen Schutzimpfungen für Kinder, zu denen auch eine Grundimmunisierung gegen Diphtherie gehört, das fünfte Jahr in Folge gesunken sei.
Die Behörden bereiten ein Unterstützungspaket vor, um Impfkampagnen auszuweiten und den angespannten Gesundheitssektor zu entlasten.
Gesundheitsminister Mark Butler sprach von einem „sehr besorgniserregenden“ Ausbruch. „Um das in den richtigen Kontext zu setzen: Wir erfassen die Fallzahlen landesweit seit etwa 35 Jahren, und dies ist mit Abstand der größte Diphtherie-Ausbruch, den wir je erlebt haben“, sagte er. Die Zahl der Erkrankungen liege etwa 30 Mal höher als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Was ist Diphtherie?
Diphtherie ist eine hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit. Die respiratorische Form kann Nase, Rachen und Atemwege befallen, während die sogenannte kutane Diphtherie die Haut betrifft.
Sie verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen oder durch direkten Kontakt mit infizierten Wunden. Trotz Antibiotika sterben laut der Gesundheitsbehörden etwa zehn Prozent der Patienten mit schweren Atemwegssymptomen.
Besonders betroffen von dem Ausbruch sind indigene Gemeinschaften im Northern Territory, wo die Menschen oft auf engem Raum leben und Personalmangel im Gesundheitswesen herrscht.
Mittlerweile gibt es auch Fälle in anderen Bundesstaaten. Die Krankheit galt in Australien seit den 1950er Jahren als nahezu ausgerottet.
Todesfall wird untersucht
Rund ein Viertel der Patienten mit der gefährlicheren Atemwegsform der Krankheit müsse im Krankenhaus behandelt werden, hieß es. Zudem untersuchen die Behörden derzeit einen möglichen Todesfall – es wäre der erste Diphtherie-Tote in Australien seit fast zehn Jahren.
Nach Daten der WHO wurden 2018 weltweit etwa 16.600 Diphtheriefälle aus 39 Ländern gemeldet. Die mit Abstand meisten Erkrankungen gab es in Indien.
In Deutschland treten heute kaum noch Fälle auf. „Man sollte sich sowohl zum eigenen Schutz als auch zur Aufrechterhaltung des Gemeinschaftsschutzes in der Bevölkerung aber weiterhin gegen Diphtherie impfen“, rät das Robert Koch Institut. (dpa/red)
Rettungswagen (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Etwa jede zehnte erwachsene Person in Deutschland hat innerhalb eines Jahres eine Unfallverletzung erlitten, die ärztlich behandelt werden musste. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch auf Basis einer aktuellen Auswertung des Panels „Gesundheit in Deutschland“ 2024, veröffentlicht im Journal of Health Monitoring, mit. Hochgerechnet entspreche dies rund 7 Millionen Erwachsenen.
Insgesamt berichteten demnach 9,5 Prozent der Frauen und 10,5 Prozent der Männer von mindestens einer ärztlich behandelten Unfallverletzung innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Besonders häufig betroffen waren junge Männer im Alter von 18 bis 29 Jahren, bei denen die 12-Monats-Prävalenz bei 15,1 Prozent lag. Bei Frauen zeigte sich ein U-förmiger Altersverlauf, wobei neben jungen Frauen insbesondere Frauen ab 80 Jahren häufig betroffen waren.
Die meisten Unfälle ereigneten sich im häuslichen Umfeld: 36 Prozent passierten zu Hause oder in der unmittelbaren Umgebung, etwa im Garten oder in der Garage. Jeweils etwa ein Viertel der letzten Unfälle entfiel auf den Verkehr und die Freizeit, 16 Prozent auf Arbeit oder Bildungsstätte.
Bei Frauen fand der letzte Unfall deutlich häufiger zu Hause statt als bei Männern; bei Unfällen am Arbeitsplatz gab es einen Geschlechterunterschied zuungunsten der Männer.
Der häufigste Unfallmechanismus war der Sturz, der 30,4 Prozent der berichteten ärztlich behandelten Unfälle ausmachte. Mit zunehmendem Alter nahm die Bedeutung von Stürzen deutlich zu; bei den Ab-80-Jährigen war etwa die Hälfte der letzten Unfälle auf Stürze zurückzuführen.
Die häufigsten Verletzungsarten waren Verrenkungen, Verstauchungen, Zerrungen und Bänderrisse sowie offene Wunden, oberflächliche Verletzungen und Quetschungen. Bei 22 Prozent der Unfälle wurde ein Knochenbruch diagnostiziert. Fast jede fünfte unfallverletzte Person wurde beim letzten Unfall stationär im Krankenhaus behandelt – die mittlere Verweildauer betrug 9,8 Nächte, so das RKI. (dts/red)
Der US-amerikanische Ebola-Patient aus dem Kongo kommt an der Charite an. - Foto: Christophe Gateau/dpa
Ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-Amerikaner ist zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden. Der Patient wurde in der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums aufgenommen, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Er hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus angesteckt, das sich dort stark ausbreitet.
Ministerin Nina Warken (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Für die Bundesregierung ist es selbstverständlich, dass wir unseren Partnern helfen.“ Deutschland verfüge über ein leistungsfähiges Versorgungsnetzwerk, auch für Patienten mit hochinfektiösen Krankheiten. „Sie werden bestmöglich versorgt – und wir wahren dabei die höchsten Sicherheitsvorkehrungen.“
Deswegen hätten sich die USA mit einem Hilfeersuchen an Deutschland gewandt. Warken dankte allen Beteiligten für den Transport und die medizinische und pflegerische Versorgung in der Charité. „Dem Patienten wünsche ich alles erdenklich Gute für seine Gesundheit“, sagte sie.
USA baten um Unterstützung
Die US-Behörden hatten die Bundesregierung auch wegen der kürzeren Flugzeit nach Deutschland um Hilfe gebeten. Der Transport nach Berlin sollte von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten organisiert werden, wie das Gesundheitsministerium erläuterte.
Zur Charité erfolgte der Transport mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug. Eskortiert wurde es von zahlreichen Motorrädern und Autos der Polizei sowie Feuerwehren und Krankenwagen. Kurz vor 03.00 Uhr erreichte das Spezialfahrzeug das Krankenhaus.
Warum kommt der Patient auf die Sonderisolierstation der Charité?
Die Sonderisolierstation der Charité ist laut Ministerium die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland – und zudem die Einzige, die Infektiologie und Intensivmedizin miteinander verbindet. Das Personal trainiere zweimal im Monat Abläufe und Notfallszenarien. Die Station sei eine in sich geschlossene Einheit und ermögliche die Isolation von bis zu 20 Personen gleichzeitig, ohne die Abläufe des restlichen Krankenhauses zu beeinträchtigen.
Wie kann der Mann behandelt werden?
Welche Behandlung notwendig ist, hängt vom Gesundheitszustand des Patienten bei der Aufnahme ab. Deshalb beginnt laut Ministerium zunächst eine tiefgehende Untersuchung und Diagnostik: Die räumliche Nähe zum Robert Koch-Institut sei dabei ein großer Vorteil. In einem Speziallabor könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem komplexe Blutuntersuchungen machen.
Am wichtigsten sei die Möglichkeit, den Patienten trotz höchster Schutzstufe intensivmedizinisch behandeln zu können – das erhöhe die Überlebenschancen deutlich. Dank neuer Behandlungsmethoden und Medikamente ist die Sterblichkeit laut Bundesgesundheitsministerium von ursprünglich rund 60 Prozent auf heute etwa 20 bis 30 Prozent gesunken.
Wie gefährlich ist es für die Bevölkerung, wenn ein Ebola-Infizierter nach Deutschland kommt?
Weder für die Bevölkerung noch für Patientinnen und Patienten der Charité, wo der Mann behandelt werden soll, besteht Gefahr, wie das Bundesgesundheitsministerium betont. Der Patient werde vollständig isoliert auf einer Sonderstation aufgenommen und behandelt. Diese sei komplett vom regulären Klinikbetrieb getrennt.
Auch im Umgang mit möglicherweise kontaminierten Materialien gelten demnach höchste Sicherheitsstandards. Das Abwasser werde in speziellen Tanks gesammelt, aufbereitet und neutralisiert. Die gebrauchten Schutzanzüge und anderer Müll werden demnach durch ein spezialisiertes Unternehmen entsorgt. Darüber hinaus werde die Abluft des Gebäudes durch zwei Filtersysteme gereinigt, bevor sie nach außen geleitet wird.
Wie verläuft die Krankheit?
Die Übertragung von Ebola-Viren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen oder deren Körperflüssigkeiten. Die Krankheit beginne dann oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut. Dann werde der Verlauf allerdings schwerwiegender. Letztlich sei die Todesursache in den meisten Fällen Multiorganversagen. (dpa/red)
Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hält am 18. Mai 2026 in Genf eine Rede zur Eröffnung der 79. Weltgesundheitsversammlung. - Foto: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images
Wegen anhaltender Differenzen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern werden die Verhandlungen über ein Herzstück des internationalen Pandemie-Abkommens um ein weiteres Jahr verlängert.
„Die Zusage der Mitgliedstaaten, die Verhandlungen fortzusetzen, ist ein klares Signal, dass sie weit davon entfernt sind, es aufzugeben“, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Dienstag bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf mit Blick auf das Pandemie-Abkommen.
Er gehe davon aus, dass die WHO-Mitgliedstaaten das Vorhaben „entschieden“ vorantreiben, sagte Tedros. „Ich habe vollständiges Vertrauen in ihren Erfolg.“
Das Ziel: Besser auf Pandemien vorbereitet sein
Die rund 190 Mitgliedstaaten der WHO hatten als Konsequenz aus der Corona-Krise mit der Aushandlung eines internationalen Pandemie-Abkommens begonnen.
Dabei geht es darum, besser für Pandemien gewappnet zu sein, etwa durch die Sicherstellung eines gleichberechtigten Zugangs zu Impfstoffen, Medikament, Tests und Schutzkleidung.
Nach dreijährigen Verhandlungen konnten sich die WHO-Mitglieder jedoch immer noch nicht auf einen zentralen Mechanismus des Abkommens mit der Abkürzung PABS (Pathogen Access and Benefit-Sharing) einigen.
Vorgesehen ist, dass Labore sich freiwillig am PABS beteiligen können und in diesem Rahmen wichtige Daten zu neuen Erregern erhalten. Im Gegenzug verpflichten sie sich, der WHO im Fall einer Pandemie einen „schnellen Zugang“ zu etwa 20 Prozent ihrer Echt-Zeit-Produktion an Impfstoffen, Medikamenten und Diagnosemitteln zu gewähren.
Zehn Prozent sollen demnach der WHO kostenlos zur Verfügung gestellt werden, die anderen zehn Prozent zu einem „erschwinglichen Preis“. (afp/red)
Bei den meisten alltäglichen Kopfschmerzen lohnt sich bereits ein einfacher 10-Minuten-Check. - Foto: Damir Khabirov/iStock
In Kürze:
Kopfschmerzen können vielerlei Ursachen haben. Ebenso vielfältig gestaltet sich die passende Behandlung.
Die wichtigste Überlegung ist deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
Schmerztabletten dürfen ihren Platz haben, sollten aber die Ausnahme und nicht die Regel sein.
Der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem, das uns zuverlässig leitet, wenn wir darauf achten.
„Nimm Deutschland die Schmerzmittel weg und es wäre ein einziges Brüllhaus“, pflegte mein Großvater, seines Berufes Chirurg, zu sagen. Und in der Tat, der Griff zur Schmerztablette ist für Millionen Menschen mit Kopfschmerzen so selbstverständlich geworden wie der Griff zur Kaffeetasse. Das erscheint menschlich, schließlich will man seine Schmerzen loswerden.
Nur sollte man sich ab und zu daran erinnern, dass „frei verkäuflich“ nicht „harmlos“ bedeutet. Acetylsalicylsäure, vielen als Aspirin bekannt, kann den Magen reizen und Blutungen begünstigen. Diclofenac steht seit Jahren wegen möglicher Herz-Kreislauf-Risiken in der Diskussion. Paracetamol wirkt auf viele sanft, bis man die Leber fragt, was sie von Überdosierungen hält. Und Ibuprofen ist für manche zum Alltagsbegleiter geworden, als wären es Bonbons mit Beipackzettel.
Die Dimensionen sind beachtlich. Allein Ibuprofen kam zuletzt in Deutschland auf rund 48 Millionen verkaufte Packungen pro Jahr. Dies sind mehr als 130.000 Packungen pro Tag. Und das ist nur ein Wirkstoff.
Man fragt sich manchmal, ob überhaupt noch jemand ohne Schmerzen durchs Leben geht oder ob wir nur gelernt haben, jeden Warnhinweis des Körpers sofort chemisch zu eliminieren. Dabei ist die Tablette nicht automatisch der Feind, sondern der Automatismus ist es.
Die wichtigste Überlegung wäre deshalb nicht „Was nehme ich?“, sondern „Was für ein Kopfschmerz ist das überhaupt?“.
Spannungskopfschmerzen fühlen sich häufig dumpf und drückend an, oft beidseitig, manchmal wie ein zu enges Band um den Kopf. Sie kommen gern nach Bildschirmarbeit („flackerfreie Monitore“ wären gut), Stress, Schlafmangel, langem Sitzen, Zähneknirschen oder einer verspannten Nackenmuskulatur. Migräne dagegen ist oft stärker, pulsierend, einseitig, begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder dem Bedürfnis, sich in einen dunklen Raum zurückzuziehen.
Natürlich gibt es Kopfschmerzen, bei denen man nicht experimentieren sollte. Plötzlich einschießender stärkster Kopfschmerz, Fieber, Nackensteifigkeit, Lähmungen, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Kopfschmerzen nach einem Sturz oder ein völlig neues Kopfschmerzbild nach dem 50. Lebensjahr gehören abgeklärt.
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben, unter anderem einen steifen Nacken.
Foto: kieferpix/iStock
Der 10-Minuten-Check
Bei den meisten alltäglichen Kopfschmerzen lohnt sich ein einfacher 10-Minuten-Check: Habe ich heute genug getrunken? Habe ich seit Stunden nichts Vernünftiges gegessen? Sitze ich seit dem Morgen vor dem Bildschirm? Ist der Nacken verspannt? Presse ich die Zähne zusammen? Kam der Schmerz nach Rotwein, Alkohol, Parfüm, Reinigungsmitteln, wenig Schlaf oder einem stressigen Gespräch? Ist Licht plötzlich unangenehm? Wird mir übel? Habe ich in den letzten Wochen auffallend oft Schmerzmittel genommen?
Diese Fragen wirken banal. In der Praxis erlebe ich aber sehr häufig, dass manche Patienten zum Beispiel den Zusammenhang zwischen ihren Kopfschmerzen und dem Rotwein oder Käse immer noch nicht erkennen. Dahinter können biogene Amine wie Histamin oder Tyramin stehen. Sie entstehen vor allem in gereiften, fermentierten oder länger gelagerten Lebensmitteln und können bei empfindlichen Menschen Gefäße, Nerven und Entzündungsbotenstoffe beeinflussen.
Ein weiterer unterschätzter Auslöser sitzt nicht im Kopf, sondern im Kiefer. Wer nachts die Zähne zusammenpresst oder knirscht, lässt Kaumuskulatur, Schläfenregion und Nacken die ganze Nacht arbeiten. Am Morgen meldet sich dann der Kopf – nicht weil dort zwingend die Ursache liegt, sondern weil der Kiefer das Nervensystem über Stunden gereizt hat.
Hier helfen keine großen Theorien, sondern Beobachtung: Druckschmerz an den Kaumuskeln, empfindliche Zähne, verspannte Schläfen, morgendliche Kopfschmerzen. Manchmal ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll, manchmal helfen Kieferentspannung, Wärmeanwendungen, manuelle Behandlung (Massage, Osteopathie, Chiropraktik) oder schlicht das Bewusstsein, dass der Mund nachts nicht zum Schraubstock werden muss.
Bei Spannungskopfschmerzen sind einfache Maßnahmen oft erstaunlich wirksam: Wärme in den Nacken, sanfte Bewegung, Schultern lösen, Augen vom Bildschirm nehmen, frische Luft, ruhige Atmung.
Bei einem heißen, pulsierenden Kopf empfinden viele eher Kälte als angenehm: eine kühle Auflage auf Stirn oder Schläfen, Ruhe, Abdunkeln. Nicht jeder Kopfschmerz benötigt dasselbe. Ein verspannter Nacken verlangt oft Wärme, ein überreizter Migränekopf eher Abschirmung und Kühle.
Ein Klassiker, der deshalb in jede Hausapotheke gehört, ist Pfefferminzöl. Dünn auf Stirn und Schläfen aufgetragen – nicht in Augennähe –, kann es bei Spannungskopfschmerzen spürbar entlasten. Der kühlende Reiz wirkt nicht nur angenehm, er beeinflusst auch die Schmerzverarbeitung über die Haut und die Kälterezeptoren. Wer empfindliche Haut hat, testet vorsichtig.
Pfefferminzöl ist ein Klassiker und schneller Helfer bei Kopfschmerzen.
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Auch Magnesium hat seinen Platz. Es ist zwar kein Schmerzmittel im klassischen Sinn, setzt aber eher dort an, wo Muskulatur und Nervensystem „übererregt“ sind. Bei Neigung zu Migräne, innerer Unruhe oder Krämpfen sowie Beschwerden vor der Regel oder hartnäckiger Nackenverspannung kann ein Versuch sinnvoll sein. Manche vertragen Magnesiumcitrat gut, andere eher Magnesiumglycinat. Äußerlich kann Magnesiumöl in Nacken und Schultern eingerieben werden, wenn die Haut es zulässt.
Der alte Hausmittelklassiker Kaffee mit Zitrone hat ebenfalls einen rationalen Kern. Koffein kann bei manchen Kopfschmerzen kurzfristig helfen, vor allem wenn es früh eingesetzt wird. Die Zitrone ist eher der traditionelle Begleiter als der pharmakologische Hauptdarsteller. Wer allerdings täglich viel Kaffee trinkt, kennt auch die Kehrseite: Kopfschmerzen durch Entzug, Überreizung oder unregelmäßigen Konsum.
In der Naturheilkunde gibt es sogar noch eine deutlich ungewöhnlichere Kaffeevariante, und zwar den Kaffeeeinlauf. Manche Patienten schwören darauf, besonders wenn Kopfschmerz mit „Verdauungsstau“, Völlegefühl oder Leber-Galle-Themen zusammenfällt. Ich würde daraus kein Allheilmittel machen, aber es erinnert daran, dass der Kopf oft nur der Ort ist, an dem sich ein größeres Regulationsproblem meldet.
Kaffee mit Zitrone ist ein alter Hausmittelklassiker bei Kopfschmerzen, hilft jedoch nicht jedem.
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Wenn die Kopfschmerzen wiederkommen
Bei wiederkehrender Migräne sollte man nicht erst aktiv werden, wenn der Kopf schon brennt. Dann ist das Nervensystem oft längst in Fahrt. Neben den klassischen Migränemitteln, die ihre Berechtigung haben können, lohnt sich die vorbeugende Ebene.
Riboflavin, also Vitamin B2, wird in Studien häufig hoch dosiert eingesetzt, oft mit 400 Milligramm täglich. Auch Coenzym Q10 und Magnesium werden in der Migräneprophylaxe diskutiert. Das sind zwar keine Akutmittel, aber Bausteine für Menschen, die immer wieder in dasselbe Muster rutschen.
Bei den Heilpflanzen ist Zurückhaltung klüger als Sammelleidenschaft. Es gibt eine ganze Reihe pflanzlicher Mittel, die bei Kopfschmerzen und Migräne infrage kommen können, und schon darüber ließe sich ein eigener Artikel schreiben.
Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein. Mutterkraut und Pestwurz werden eher zur Vorbeugung diskutiert, wobei Pestwurz nur als geprüftes, pyrrolizidinalkaloidfreies Präparat infrage kommt. Weidenrinde enthält salicylatähnliche Verbindungen und passt deshalb auch nicht zu jedem.
Ingwer kann bei Übelkeit und beginnender Migräne hilfreich sein, ist aber nicht für jede Person geeignet.
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Ähnlich verhält es sich mit Schüßler-Salzen und homöopathischen Mitteln. Auch hier erlebe ich in der Praxis immer wieder, dass Patienten mit dem passenden Mittel deutlich besser zurechtkommen, gerade wenn Kopfschmerzen nach bestimmten Mustern auftreten: nach Stress, bei Wetterwechsel, vor der Regel, nach Ärger, bei Erschöpfung oder mit ausgeprägter Nackenverspannung.
Entscheidend ist dabei das Wort „passend“. Wer wahllos Globuli oder Salze nimmt, was ich in der Praxis öfter erlebe, betreibt meist „Hoffnung mit Etikett“. Wer aber das Beschwerdebild in der Gesamtheit genau anschaut, findet hier manchmal erstaunlich einfache Hilfen.
Muster erkennen
Ein besonders wichtiger Punkt wird gern verdrängt: Schmerzmittel selbst können Kopfschmerzen unterhalten. Wer an zu vielen Tagen im Monat Schmerzmittel oder Migränemittel nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Ausgerechnet das Mittel, das kurzfristig hilft, kann langfristig Teil des Problems werden. Das ist eigentlich alles bekannt, wird aber dennoch häufig ignoriert.
Ein Kopfschmerztagebuch wäre eine gute Idee. Notieren Sie für einige Wochen: Wann trat der Schmerz auf? Wie stark war er? Was haben Sie gegessen? Wie war der Schlaf? Gab es Stress, Alkohol, Wetterwechsel, Zyklusbezug, Duftstoffe, Bildschirmarbeit, Nackenverspannung? Welche Mittel wurden genommen? Erst wenn Muster sichtbar werden, kann man gezielter handeln.
Auch Akupunktur, Biofeedback, Entspannungsverfahren, Osteopathie oder manuelle Therapie können bei chronischen Kopfschmerzen sinnvoll sein, besonders wenn Spannung, Kiefer, Nacken, Stressregulation und vegetative Übererregung beteiligt sind. Man muss und sollte den Kopf nicht immer nur „chemisch“ ruhigstellen. Manchmal muss man dem ganzen System beibringen, wieder herunterzufahren.
Kopfschmerzen sind Hinweise
Kopfschmerzen sind lästig, manchmal quälend, selten willkommen. Aber sie sind vor allem Hinweise. Wer diese Hinweise beobachtet, erkennt oft die Zusammenhänge.
Die Tablette darf ihren Platz haben, sollte aber die Ausnahme und nicht die Regel sein. Denn der Kopf ist kein defekter Apparat. Er ist ein empfindliches Warnsystem. Und manchmal beginnt die beste Behandlung damit, ihm endlich zuzuhören und die entsprechenden Konsequenzen daraus abzuleiten.
Die WHO hat eine Gesundheitsnotlage ausgerufen. - Foto: --/XinHua/dpa
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen eines Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Verantwortlich ist eine seltene Virusvariante, für die es keinen Impfstoff gibt. Die Ausbreitungsgefahr für die gesamte Region gilt als hoch.
Wie ungewöhnlich und kritisch ist der Ausbruch?
In den letzten 50 Jahren ist es in der Demokratischen Republik Kongo zu 17 Ebola-Ausbrüchen gekommen. Dabei handelte es sich laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC hauptsächlich um den am häufigsten vorkommenden Zaire-Ebolavirus, für den ein Impfstoff entwickelt wurde.
Erst zum dritten Mal ist laut Africa CDC nun die seltene Bundibugyo-Variante ausgebrochen. Zuvor war der Bundibugyo-Stamm 2007 erstmals in Uganda aufgetreten, dann 2012 im Kongo. Aufgrund seiner Seltenheit gibt es laut der WHO für diese Variante keinen zugelassenen Impfstoff und keine Therapie.
Allerdings hat die Bundibugyo-Variante nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Beim Zaire-Stamm liege diese bei bis zu 90 Prozent.
Der Ausbruch begann nach Angaben der Africa CDC in vermutlich in der dritten Aprilwoche, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet.
Die späte Erkennung habe dazu geführt habe, dass Kontaktpersonen gereist seien und die Epidemie nun mit knapp 90 vermuteten Todesfällen weit fortgeschritten sei, sagte Caitlin Jeanne Brady, die Landesdirektorin des Dänischen Flüchtlingsrats im Kongo.
Dazu handele es sich um eine Region, die noch nie zuvor mit Ebola konfrontiert war. Dies könnte bedeuten, dass die Menschen Gesundheitspersonal misstrauten und stattdessen auf traditionelle Heilmittel setzten, so Brady.
Wie genau verläuft die Krankheit?
Die Krankheit beginnt zunächst oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut. Dann werde die Erkrankung allerdings schwerwiegender, unter anderem mit Blut im Stuhl. Letzteres trete bei dieser Virusvariante allerdings nicht immer auf, was es schwieriger mache, die Krankheit zu erkennen.
Letztlich sterben die meisten Menschen Leendertz zufolge an einem Multiorganversagen. „Die Übertragung von Ebolaviren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen beziehungsweise deren Körperflüssigkeiten“, erklärt Florian Klein, Direktor am Institut für Virologie an der Universität zu Köln.
Wie wahrscheinlich ist eine Ausbreitung nach Europa?
Leendertz schätzt das Risiko für eine großflächige Ausbreitung des Ebola-Virus in Europa als gering ein. Zwar seien Einzelfälle durch Reiserückkehrer nicht völlig auszuschließen, doch weitere Ausbrüche in Ländern mit guten Gesundheitssystemen halte er für „extrem unwahrscheinlich“.
Krankheiten, die schwere Symptome hervorrufen und eine hohe Sterblichkeit aufweisen, seien laut Leendertz grundsätzlich weniger dafür geeignet, eine Pandemie auszulösen als Krankheiten wie Covid.
Denn Krankheiten mit schwereren Verläufen seien leichter zurückzuverfolgen, während beispielsweise bei Covid häufiger die leichteren Verläufe unentdeckt blieben.
In einem funktionierenden Gesundheitssystem mit guten Überwachungsmöglichkeiten wie in Deutschland könne man Infektionsketten durch gezielte Rückverfolgung und Beobachtung von Kontaktpersonen schnell unterbrechen.
Auch schon in einigen Nachbarländern der Demokratischen Republik Kongo seien die Gesundheitssysteme besser und ein Ausbruch damit unwahrscheinlicher.
Was heißt das für uns in Deutschland?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sieht derzeit keinen Handlungsbedarf in Deutschland. In der Bundesrepublik ist das Risiko „als äußerst gering einzuschätzen“, sagte die CDU-Politikerin im ARD-„Bericht aus Berlin“. „Im Land braucht es derzeit keine Vorkehrungen.“ Eine weltweite Ebola-Pandemie halte auch sie für „nahezu ausgeschlossen“.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigte der bislang größte Ebolafieber-Ausbruch in Westafrika 2014/2015, dass das Risiko einer Ausbreitung nach Deutschland selbst dann sehr gering sei, wenn afrikanische Großstädte mit internationalen Flugverbindungen von einem Ausbruch betroffen sind. Nur vereinzelt hätten damals Infizierte die betroffenen Länder mit einem Flugzeug verlassen.
Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die betroffene Provinz Ituri und umliegende Regionen. Von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile des Kongo einschließlich der Hauptstadt Kinshasa rät es ab.
Klein betont: „Je nach Größe und Dauer des Ausbruchs sowie der damit verbundenen Zahl an Kontaktpersonen steigt auch das Risiko, dass wir vereinzelt auch Patienten in Deutschland sehen. Während des Ebola-Ausbruchs 2014–2016 in Westafrika mit über 30.000 Infizierten wurden insgesamt drei Patienten in spezialisierten Behandlungszentren in Deutschland versorgt.“
Wie sind die Lebensumstände in der betroffenen Region?
Sorgen bereitet dem Experten Leendertz die Situation im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Dort fehle es aufgrund eingeschränkter staatlicher Kontrolle an einem stabilen Gesundheitssystem und Schutzausrüstung für das medizinische Personal.
Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Krisen sei das Fehlen eines zugelassenen Impfstoffs für diesen spezifischen Ebola-Typ.
„Dieses Werkzeug haben wir gerade nicht in der Hand und deswegen ist das schon etwas, was wir sehr ernst nehmen müssen“, so Leendertz. Klein ergänzt: „Eine Eindämmung ist auch ohne Impfstoff möglich, aber das Fehlen erschwert die Situation erheblich.“
Handdesinfektion und Temperaturkontrolle am Eingang des Kyeshero-Krankenhauses in Goma (DR Kongo), 18. Mai 2026. (Archivbild)
Foto: ospin Mwisha / AFP via Getty Images
Zudem erschweren regionale Konflikte die Arbeit vor Ort. Dazu gehören ethnische Konflikte zwischen Bauern und Viehhirten, Überfälle bewaffneter Gruppen aus dem Südsudan sowie Angriffe von Rebellengruppen innerhalb des Ostkongo.
Während man beim großen Ausbruch in Westafrika 2014/15 noch gut mit nationalen Behörden habe kooperieren können, müssten Hilfsmaßnahmen im Osten des Kongo heute oft mit lokalen Machthabern ausgehandelt werden.
Djugu, das am stärksten betroffene Gebiet in Ituri, befindet sich seit mehreren Jahren im Konflikt. Hunderttausende lebten in Flüchtlingslagern, so Expertin Brady. Der Zugang für humanitäre Helfer sei nicht einfach.
Leendertz betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verbesserung der globalen Gesundheits- und Hygienestandards sowie der Schutz der Natur im direkten Eigeninteresse Europas lägen, um das Risiko von Tier-zu-Mensch-Übertragungen zu minimieren.
Sein Fazit lautet: „Frieden ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir Pandemien verhindern.“ Ebenso wichtig seien funktionierende Gesundheitssysteme. Es sei also auch in unserem Interesse, ärmeren Ländern zu helfen.
Was bedeutet der internationale Gesundheitsnotstand der WHO?
Die hohe Alarmstufe löst für derartige Fälle gedachte Mechanismen wie eine weltweite Koordination von Gegenmaßnahmen und internationale Ressourcenmobilisierung aus. Die WHO stellt unter anderem rund 430.000 Euro für Sofortmaßnahmen bereit.
Zehn Nachbarländer des Kongo wurden bislang offiziell gewarnt. Dazu gehören Uganda und Südsudan, die direkt an die kongolesische Provinz Ituri angrenzen. Es handle sich jedoch um keinen Pandemie-Alarm, stellte die WHO klar. (dpa/red)
Die WHO hat wegen eines tödlichen Ebola-Ausbruchs in Demokratischen Republik Kongo einen internationalen Gesundheitsalarm ausgerufen. - Foto: Hajarah Nalwadda/AP/dpa
Deutschland ist nach den Worten von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bereit, der Demokratischen Republik Kongo beim Kampf gegen das Ebola-Virus zu helfen. Zwar gebe es noch kein offizielles Ersuchen des Landes, „aber wir wären auf jeden Fall vorbereitet“, sagte Warken am Montag dem Sender rbb.
Das Robert-Koch-Institut stehe ebenso zur Hilfe bereit wie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.
„Dort könnten zum Beispiel mobile Labore gestellt werden, die dann vor Ort eingesetzt werden“, sagte Warken. Das gelte ebenso für geschultes Personal, das „Unterstützung in der Kommunikation darüber, wie man sich vor Ansteckung schützen kann“, leisten könne.
„Wir stehen auf jeden Fall bereit“, betonte die Ministerin. Sie äußerte die Erwartung, dass es in den nächsten Tagen ein Ersuchen um Unterstützung geben könnte.
In der Demokratischen Republik Kongo sind nach offiziellen Angaben bislang mindestens 88 Menschen an der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gestorben. Von dem Krankheitsausbruch betroffen ist auch das benachbarte Uganda. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen – ihre zweithöchste Warnstufe.
Warken bezeichnete die Gefahr einer weltweiten Ebola-Pandemie am Sonntagabend im ARD-„Bericht aus Berlin“ als „nahezu ausgeschlossen“.
Die von der WHO ausgerufene internationale Gesundheitsnotlage diene vor allem dazu, die Behörden vor Ort zu unterstützen. Für Deutschland sieht die Ministerin derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Das Risiko für die deutsche Bevölkerung ist als äußerst gering einzuschätzen“, betonte Warken,
Der Ebola-Ausbruch der Demokratischen Republik Kongo wird wie der Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff die Debatten bei der Weltgesundheitsversammlung bestimmen. Das wichtigste Entscheidungsgremium der WHO kommt am Montag in Genf zu einer einwöchigen Sitzung zusammen, an der auch Warken teilnimmt. Am Sonntag traf sie in Genf bereits WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. (afp/red)
Die WHO hat wegen eines tödlichen Ebola-Ausbruchs in Demokratischen Republik Kongo einen internationalen Gesundheitsalarm ausgerufen. - Foto: Hajarah Nalwadda/AP/dpa
Deutschland ist nach den Worten von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bereit, der Demokratischen Republik Kongo beim Kampf gegen das Ebola-Virus zu helfen. Zwar gebe es noch kein offizielles Ersuchen des Landes, „aber wir wären auf jeden Fall vorbereitet“, sagte Warken am Montag dem Sender rbb.
Das Robert-Koch-Institut stehe ebenso zur Hilfe bereit wie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.
„Dort könnten zum Beispiel mobile Labore gestellt werden, die dann vor Ort eingesetzt werden“, sagte Warken. Das gelte ebenso für geschultes Personal, das „Unterstützung in der Kommunikation darüber, wie man sich vor Ansteckung schützen kann“, leisten könne.
„Wir stehen auf jeden Fall bereit“, betonte die Ministerin. Sie äußerte die Erwartung, dass es in den nächsten Tagen ein Ersuchen um Unterstützung geben könnte.
In der Demokratischen Republik Kongo sind nach offiziellen Angaben bislang mindestens 88 Menschen an der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gestorben. Von dem Krankheitsausbruch betroffen ist auch das benachbarte Uganda. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen – ihre zweithöchste Warnstufe.
Warken bezeichnete die Gefahr einer weltweiten Ebola-Pandemie am Sonntagabend im ARD-„Bericht aus Berlin“ als „nahezu ausgeschlossen“.
Die von der WHO ausgerufene internationale Gesundheitsnotlage diene vor allem dazu, die Behörden vor Ort zu unterstützen. Für Deutschland sieht die Ministerin derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Das Risiko für die deutsche Bevölkerung ist als äußerst gering einzuschätzen“, betonte Warken,
Der Ebola-Ausbruch der Demokratischen Republik Kongo wird wie der Hantavirus-Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff die Debatten bei der Weltgesundheitsversammlung bestimmen. Das wichtigste Entscheidungsgremium der WHO kommt am Montag in Genf zu einer einwöchigen Sitzung zusammen, an der auch Warken teilnimmt. Am Sonntag traf sie in Genf bereits WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. (afp/red)
Vorbereitungen im Rotterdamer Hafen für die Ankunft des niederländischen Kreuzfahrtschiffs MV Hondius, das mit dem Hantavirus infiziert war. - Foto: Robin Utrecht / ANP / AFP via Getty Images / Netherlands OUT
Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft das Risiko durch den Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ weiterhin als niedrig ein. „Das Risiko für die öffentliche Gesundheit wurde auf Grundlage der aktuellsten verfügbaren Informationen neu bewertet und das globale Risiko bleibt gering“, erklärte die WHO am Sonntagabend.
Zwar könnten bei Passagieren und Besatzungsmitgliedern, die vor der Umsetzung von Eindämmungsmaßnahmen Kontakt mit dem Virus hatten, weitere Fälle auftreten. Das Risiko einer Weiterverbreitung dürfte nach dem Verlassen des Schiffs und der Umsetzung von Kontrollmaßnahmen aber sinken, erklärte die WHO. Die Lage werde weiter genau beobachtet.
Restliche 27 Menschen verlassen Schiff
Die vom niederländischen Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions betriebene „Hondius“ soll nach Behördenangaben am Montagvormittag im niederländischen Hafen Rotterdam anlegen.
Danach sollen die 27 noch an Bord verbliebenen Menschen von Bord gehen: 25 Besatzungsmitglieder und zwei medizinische Kräfte. Weltweit liegt die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem Ausbruch weiter bei drei.
Nach einer AFP-Zählung auf Grundlage offizieller Angaben wurde das Virus bislang bei sieben Patienten bestätigt, zudem gibt es einen wahrscheinlichen Fall.
Kanada bestätigt „vorläufig positiven“ Fall
Kanada bestätigte am Sonntag einen zuvor als „vorläufig positiv“ eingestuften Fall: Einer von vier kanadischen Passagieren der „Hondius“ sei am 16. Mai positiv auf das Andes-Hantavirus getestet worden, erklärte die kanadische Gesundheitsbehörde. Eine mitgereiste Kontaktperson sei negativ getestet worden. Weitere Fälle seien nicht festgestellt worden.
In Großbritannien sollten am Sonntagabend per Flugzeug neun Menschen aus den Überseegebieten St. Helena und Ascension eintreffen, die Kontakt zu einer mit dem Hantavirus infizierten Person hatten. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA zeigten sie keine Symptome und sollten in eine Isoliereinrichtung nahe Liverpool gebracht werden. Rund 20 frühere „Hondius“-Passagiere werden in Großbritannien bereits beobachtet.
Der Hantavirus-Ausbruch auf der „Hondius“ hatte sich während einer Kreuzfahrt von Argentinien zu den Kapverden ereignet. Es handelt sich um das Andesvirus, den einzigen Hantavirusstamm, der nachweislich von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Mehr als 120 Passagiere und Besatzungsmitglieder verließen vor rund einer Woche das Schiff und traten von Teneriffa aus die Heimreise an. Wegen der langen Inkubationszeit und des potenziell tödlichen Verlaufs werden sie weiterhin medizinisch überwacht. (afp/red)
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am 05.05.2026. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Die Bundesregierung will die Kapazitäten beim Zivilschutz für den Kriegs- und Anschlagsfall massiv aufstocken. Konkret geht es um ein Sonderprogramm in Höhe von zehn Milliarden Euro.
Das berichtet die „Bild“ unter Berufung auf einen entsprechenden Kabinettsentwurf. Die Mittel sollen unter anderem in zusätzliche Ausrüstung und Gebäude sowie in Personal und Technik etwa beim Technischen Hilfswerk fließen. Beim Bundesinnenminister soll zudem eine neue Stabsstelle „Kommando zivile Verteidigung“ geschaffen werden. Diese soll auch die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr im Verteidigungsfall koordinieren.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte der „Bild“: „Wir rüsten auf beim Bevölkerungsschutz und der zivilen Verteidigung. Mit klarer Kante gegen hybride Bedrohungen und konsequenter Unterstützung der ehrenamtlichen Kräfte.“ Er sagte weiter, man vernetze militärische und zivile Verteidigung für „mehr Sicherheit und Resilienz“.
Konkret will Dobrindt bis 2029 unter anderem 1.000 neue Spezialfahrzeuge und 110.000 neue Feldbetten erwerben. Für Gebäude und Anlagen des THW soll ein Bauprogramm aufgelegt werden. Zudem soll an 50 Standorten eine medizinische Bundestaskforce für einen „Massenanfall“ von Verletzten aufgebaut werden. Bundesweit sollen alle öffentlichen Zufluchtsräume (Bunker, Tunnel, Tiefgaragen) in einem Kataster erfasst werden. Diese sollen dann in die digitale NINA-Warn-App des Bundes integriert und dort auch angezeigt werden. (dts/red)
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stuft die Gefahr einer weltweiten Ebola-Pandemie als „nahezu ausgeschlossen“ ein. Das sagte sie am Sonntag, 17. Mai, im „Bericht aus Berlin“ des ARD-Hauptstadtstudios.
Anlass ist ein sich schnell ausbreitender Ebola-Ausbruch in der DR Kongo und in Uganda. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufene internationale Gesundheitsnotlage diene vor allem dazu, die Behörden vor Ort zu unterstützen, so Warken.
Die WHO wolle mit dem Schritt die Kommunikation mit der Bevölkerung erleichtern und Maßnahmen zur Eindämmung koordinieren. Hintergrund sei unter anderem ein bevorstehendes Großereignis mit bis zu zwei Millionen Teilnehmern in der Region.
Zudem zirkuliere derzeit ein Ebola-Stamm, gegen den es bislang weder Impfstoffe noch antivirale Therapien gebe.
Für Deutschland sieht die Ministerin derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Das Risiko für die deutsche Bevölkerung ist als äußerst gering einzuschätzen“, sagte Warken.
Es gebe bislang auch keine Hilfsanfragen aus den betroffenen Ländern. Deutschland könne aber bei Bedarf etwa durch das Robert-Koch-Institut für Tropenmedizin Unterstützung leisten.
In Genf werde derzeit darüber beraten, wie internationale Reaktionen auf Krankheitsausbrüche verbessert und die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigt werden könne, sagte Warken weiter. Dabei gehe es auch um Regelungen im Zusammenhang mit dem Pandemieabkommen der WHO. (dts/red)
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus äußert sich „zutiefst besorgt“ zur Ebola-Ausbreitung (Genf, 19. Mai 2026) (Archivbild). - Foto: AFP / Getty Images
Eine Expertenkommission unter Beteiligung des ehemaligen deutschen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) fordert die WHO auf, die eskalierende Klimakrise umgehend als globalen Gesundheitsnotstand einzustufen. Das geht aus einem Bericht hervor, über den der „Spiegel“ berichtet.
Die elfköpfige, unabhängige „Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit“ war vor einem Jahr vom Europa-Büro der WHO eingesetzt worden.
Sie steht unter Leitung der früheren isländischen Premierministerin Katrin Jakobsdottir. Zu ihren Mitgliedern gehören neben Lauterbach etwa die dänische Ex-EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard.
Die Kommission verlangt von der WHO die Ausrufung eines „gesundheitlichen Notstandes von internationaler Tragweite“ – jener höchsten Alarmstufe, die zuletzt zu Beginn der Covid-Pandemie erklärt worden war.
Lauterbach sagte dem „Spiegel“, der Klimawandel müsste eigentlich schon lange ganz oben auf der Agenda der WHO stehen. „Denn was macht ihn denn so gefährlich? Abgesehen von den ökonomischen Folgen sind es die Gesundheitskonsequenzen.“
In seinem 54-seitigen Bericht warnt das Gremium, dass der Klimawandel bereits heute Gesundheit und Leben von Millionen Menschen bedrohe. Allein im Rekordhitzejahr 2024 seien in Europa rund 63.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Die Temperaturen auf dem Kontinent seien in den vergangenen Jahrzehnten doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt.
„Die Klimakrise stellt eine Bedrohung für Sicherheit, sozialen Zusammenhalt, Menschenrechte und Gesundheit dar“, heißt es in dem Bericht. „Zu lange wurde sie als ein Problem künftiger Generationen betrachtet.“
Argumentationshilfen gegen Klimaleugner und Staaten bewerten
Die Kommission schlägt unter anderem den Aufbau eines WHO-Informationszentrums für Klima und Gesundheit vor, das Regierungen mit Daten und Argumentationshilfen gegen Klimaleugner versorgen soll.
Außerdem solle die WHO alle zwei Jahre bewerten, wie gut Mitgliedstaaten ihre Gesundheitssysteme auf den Klimawandel vorbereiten. Nationale Regierungen werden aufgefordert, Subventionen für fossile Brennstoffe zu streichen.
Bisher sehen die Regularien der WHO nicht vor, dass sie wegen Erwärmung einen Notfall deklarieren kann. Die Kommission hält es für notwendig, dies zu ändern, damit die WHO in die Lage versetzt wird, etwa bei katastrophalen Hitzewellen koordinierte Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Der Bericht wird am Sonntagnachmittag in Genf vorgestellt, wo ab Montag die Weltgesundheitsversammlung tagt, das höchste WHO-Entscheidungsgremium. Bis Samstag beraten dort Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten über die weitere Ausrichtung der Organisation. (dts/red)
Nina Warken am 26.03.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die geplante Pflegereform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verzögert sich laut einem Medienbericht um mindestens eine Woche. Die ursprünglich für Mitte Mai angekündigte Vorlage des Gesetzesentwurfs zur Neuordnung der Pflegeversicherung soll nun am 27. Mai vom Kabinett beschlossen werden, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgabe) unter Berufung auf eine aktuelle Kabinettszeitplanung. Die Verzögerung wurde daraufhin von Seiten des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) kritisiert.
Die Verschiebung zeige deutlich, dass der Entwurf der Pflegereform offenbar noch mehr Abstimmungs- und Beratungszeit benötige als ursprünglich angenommen, sagte VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling den Funke-Zeitungen. „Gleichzeitig wird das Zeitfenster, die Reform noch vor der Sommerpause zu verabschieden, immer kleiner. Die Pflegebranche wartet dringend auf verbindliche Entscheidungen, um für die Zukunft planen und die Versorgung sichern zu können“, sagte Knieling weiter.
Insbesondere für die Betreiber vieler Pflegeheime ist die Lage Knieling zufolge bereits jetzt sehr angespannt: „Für viele Einrichtungen wird es zunehmend schwieriger, die Versorgung sowohl personell als auch wirtschaftlich sicherzustellen, während die Kosten für Pflegebedürftige und Sozialhilfeträger stetig steigen.“
Laut dem VDAB-Chef sind die zentralen Fragen seid Langem bekannt: Wie kann eine generationengerechte Finanzierung der Pflegeversicherung gewährleistet werden und trotz Fachkräftemangel eine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden? „Es braucht endlich konkrete Schritte, um die Pflegeversicherung nachhaltig aufzustellen“, forderte Knieling. Eine echte Pflegereform müsse darum „starre Versorgungsstrukturen aufbrechen, regulatorische Hürden abbauen und den Einrichtungen mehr Flexibilität ermöglichen“. Spätestens mit dem Kabinettsbeschluss Ende Mai müsse die Bundesregierung auf diese Fragen Antworten liefern.
Gesundheitsministerin Warken wollte ursprünglich bis Mitte Mai einen Gesetzentwurf für eine Pflegereform vorlegen. Die Ministerin verwies kürzlich auf ein erwartetes Defizit der Pflegeversicherung von insgesamt 22,5 Milliarden Euro für 2027 und 2028. Es würde damit höher ausfallen als zunächst gedacht. (afp/red)
In der Demokratischen Republik Kongo ist das gefährliche Ebola-Fieber ausgebrochen. Behörden sind in Sorge. (Archivbild) - Foto: Jerome Delay/AP/dpa
In der Demokratischen Republik Kongo ist erneut das gefährliche Ebola-Fieber ausgebrochen. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC meldete vier Tote in der Provinz Ituri, die im Nordosten des Landes an Uganda und den Südsudan grenzt. Bislang seien demnach 13 Ebola-Fälle von einem Labor in der Hauptstadt Kinshasa bestätigt worden. Insgesamt gebe es aktuell 246 Verdachtsfälle sowie 65 gemeldete Todesfälle, wie die Africa CDC mitteilte.
Erste Laborergebnisse deuteten darauf hin, dass es sich nicht um den am häufigsten vorkommenden Zaire-Ebolavirus handele, sondern um eine andere Art des Virus. Ergebnisse einer Sequenzierung, um den Stamm weiter zu charakterisieren, werden laut Africa CDC innerhalb der nächsten 24 Stunden erwartet.
Nachbarland Uganda meldete einen ersten nachgewiesenen Ebola-Fall bei einem kongolesischen Bürger, der in einem Krankenhaus in Kampala gestorben ist.
„Wenn es so losgeht, ist es meistens katastrophal“, sagte Maximilian Gertler, Tropenmediziner der Berliner Charité, der bereits selbst mehrfach bei Ebola-Ausbrüchen im Einsatz war. Angesichts von fast 250 Verdachtsfällen müsste der Ausbruch seit Monaten unentdeckt vorangeschritten sein, falls sich die Zahlen bestätigen. „Vermutlich kommt es aus einer sehr abgelegenen Gegend.“
WHO bereits vor Ort
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe bereits am 5. Mai erste Hinweise auf mögliche Fälle erhalten und Experten in das betroffene Gebiet geschickt, berichtete WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in einer Pressekonferenz in Genf. Erste Testresultate seien negativ gewesen, nun seien die Fälle bestätigt worden. Für Sofortmaßnahmen stellt die WHO 500.000 US-Dollar (431.000 Euro) zur Verfügung. Die Nachverfolgung der Infektionswege sowie Präventionsmaßnahmen und Laborkapazitäten müssten verstärkt werden, sagte Tedros.
Da sich der Ausbruch der tödlichen Fieberkrankheit in einer städtischen Grenzregion mit intensiven Bevölkerungsbewegungen befinde, äußerte sich die Gesundheitsbehörde CDC besorgt über das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Virus. „Das erhöht natürlich die Übertragungsrate“, sagte auch WHO-Afrika-Direktor Mohamed Yakub Janabi in Genf mit Blick auf diese Faktoren. Außerdem stelle es eine Herausforderung dar, die betroffene Region zu erreichen, die 1.700 Kilometer von der Hauptstadt Kinshasa entfernt liege, meinte Janabi.
Eine dringende Sitzung zur Koordinierung mit Gesundheitsbehörden aus dem Kongo, Uganda und dem Südsudan sowie internationalen Gesundheitsorganisationen ist einberufen worden.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Uganda gab es dort bereits einen ersten Fall. Demnach handelte es sich um einen 59 Jahre alten Mann aus der Demokratischen Republik Kongo, der in einem Krankenhaus in Kampala behandelt wurde und dort am 14. Mai starb. Bei ihm sei die seltene Ebola-Bundibugyo-Variante nachgewiesen worden. Lokale Infektionen seien bislang nicht bestätigt. Die Behörden verstärkten nach eigenen Angaben Grenzkontrollen, isolierten Kontaktpersonen und aktivierten Notfallteams in gefährdeten Regionen.
Hohe Sterblichkeitsrate
Ebola ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Wenn Infizierte nicht sofort behandelt werden, liegt die Sterblichkeit nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei bis zu 90 Prozent. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einem Ausbruch in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben.
In dem zentralafrikanischen Land wurden zuletzt im September 2025 Ebola-Fälle bekannt. Der damalige Ausbruch, bei dem 45 Menschen starben, ereignete sich in der Provinz Kasaï im Südwesten des Landes und wurde drei Monate später für beendet erklärt. Es handelte sich um den insgesamt 16. Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo seit 1976. (dpa/red)