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Apps und KI statt Megakirchen: Die neue Welle junger christlicher Influencer


In Kürze:

  • Christliche Influencer wie Gabe Poirot und Johnny Chang erreichen in den USA Millionen Follower mit persönlichen Glaubenszeugnissen.
  • Junge Gläubige zeigen Skepsis gegenüber Megakirchen und deren Finanzen.
  • Studien sehen eine wachsende Bindung an Jesus vor allem bei Generation Z und Millennials.

 
Gabe Poirot war 20 Jahre alt, als er von seinem Elektroskateboard stürzte. Dabei zog er sich einen Schädelbruch zu und lag 18 Tage im künstlichen Koma. Eine Nahtoderfahrung, während er am Rande des Todes schwebte, veränderte ihn für immer.
„Es war eine persönliche Erfahrung mit Christus, die mein Herz wirklich entflammt hat. Und aufgrund dieser außerkörperlichen Erfahrung bin ich ihm für immer ergeben“, sagte Poirot der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Obwohl sein Körper „so gut wie tot“ war, wie der gebürtige Texaner betonte, habe er keine Todessituation erlebt, sondern vielmehr eine „außergewöhnliche“ Odyssee, bei der er seinen Körper verließ, als wäre er „aus einem Handschuh geschlüpft“ – und sei letztlich Jesus in einer Stadt aus Licht begegnet.
„Es war so real. Ich hatte das Gefühl, mein Leben auf Erden sei [im Vergleich dazu] nur ein Traum“, sagte er. „Seit meiner Rückkehr ist es mir wichtig, so viele Menschen wie möglich für den Himmel zu gewinnen und so vielen wie möglich das Evangelium nahezubringen. Denn mir ist bewusst, wie kurz meine Zeit ist.“

Der christliche Influencer Gabe Poirot im Arcadia Trail Park in Fort Worth, Texas, am 20. September 2026. Poirot ist der Autor des Buches „18 Tage im Himmel“, in dem er seine Nahtoderfahrung und die Begegnung mit Jesus beschreibt.

Foto: Bobby Sanchez/The Epoch Times

Mittlerweile spricht er regelmäßig mit seinen über 2 Millionen Abonnenten auf YouTube und 1 Million Followern auf TikTok. Nahezu ständig auf Reisen trifft der frischgebackene Vater sie auch an Universitäten überall in den USA, in Jugendgruppen und Kirchen und spricht vor Abtreibungskliniken mit Menschen über seinen Glauben.
Eine neue Form evangelikaler Verkündigung entsteht: weniger Megakirchenbühnen und Fernsehprediger, dafür TikTok, YouTube, Podcasts, Apps, persönliche Zeugnisse und Reisen. Poirot zufolge steht die Generation Z an der Spitze dieser neuen Bewegung.

Die Suche nach dem Glauben

Nathan Apffel, Regisseur der investigativen Dokuserie „The Religion Business“ (auf Deutsch etwa: Das Religionsgeschäft), sieht ebenfalls eine Wiederbelebung des Glaubens. In seiner Doku beschäftigt er sich mit finanziellem Missbrauch und Korruption in Amerikas großen religiösen Institutionen, den sogenannten Megakirchen.
„Es gibt definitiv eine Suche nach Glauben oder nach dem Christentum. Christus ist ein großartiges Vorbild. Daher wird diese jüngere Generation jeden, der sich zu Christus bekennt, aufmerksam beobachten und näher kennenlernen wollen“, sagte der Filmemacher, der selbst Christ ist.
Die Jugend von heute stelle mehr Fragen, so seine Beobachtung. „Sie durchschauen die Heuchelei eines Systems viel schneller.“ Dazu gehöre auch, das „Wohlstandsevangelium“ des Modells der kommerziellen Megakirchen sowie eine offensichtliche Diskrepanz zu den Lehren Christi infrage zu stellen.
Allerdings bilde die gleiche Struktur, die zu weitverbreiteter finanzieller Korruption in religiösen Institutionen geführt habe, die Grundlage für neuere, von den sozialen Medien vorangetriebene Modelle, in denen charismatische Influencer Aufrufe monetarisieren und Produkte verkaufen – von Bibelhandschriften und Augustiner-Schwertern bis zu Energydrinks mit aufgedruckten Glaubensbotschaften und Bekleidung.
Ein einflussreicher Podcaster, so Apffel, habe ihm einmal einen Platz in seiner Sendung angeboten – gegen eine Gebühr von 100.000 US-Dollar (circa 88.800 Euro). Epoch Times konnte dies nicht verifizieren, da die Produzenten der Show nicht auf Anfragen reagierten.
„Die Schlussfolgerung lautet also: Okay, Jesus kommt zurück, wenn alle von Kopf bis Fuß in Jesusgewändern gekleidet sind und Jesus-Energydrinks in der Hand halten? Nein, das ist nicht mein Gott und auch nicht der Gott der Bibel“, sagte Apffel. „Verkaufen wir das Evangelium, oder geben wir es weiter?“

„Ich denke, ich bin jetzt ein Influencer“

Ein anderer, weithin bekannter christlicher Influencer ist Johnny Chang. Er war geprägt von einem Leben voller Kriminalität, Gewalt und Leid, das seine Jugend verschlungen hatte. Sein Pastor schlug ihm vor, neue Wege zu gehen und sich in der Gefängnisarbeit zu engagieren.
„Ich dachte, ‚Oh mein Gott, ich habe all meine Zeit damit verbracht, dem Gefängnis zu entkommen, und du schickst mich zurück‘“, erinnerte sich Chang. Das ehemalige Gangmitglied kam mit zwölf Jahren in Jugendhaft und verbrachte später mehr als acht Jahre in kalifornischen Gefängnissen.
„Er sagte, ‚Du solltest dorthin gehen, weil du sie verstehst. Du sprichst ihre Sprache, du siehst aus wie sie. Du solltest einfach über dein Glaubenszeugnis sprechen. Du musst nicht über Jesus und Gott sprechen. Du gehst da rein und erzählst, was Gott für dich getan hat‘“, sagte Chang der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Beim ersten Mal brachte er es nicht über sich, hinzugehen. „Ich hatte eine regelrechte Panikattacke. Es fühlte sich an, als säße ich im Gerichtssaal, als würde ich verurteilt werden und die Wände würden auf mich einstürzen“, sagte er. Schließlich tat er es doch – nervös und zitternd, den Kopf voller aufdringlicher Gedanken, die seinen Selbstwert infrage stellten.
Er erzählte den Häftlingen von seinem von Missbrauch geprägten frühen Familienleben, das ihn mit zwölf Jahren auf die Straße und in die Arme einer örtlichen Bande getrieben hatte, von der ständigen Gewalt im Gefängnis, von seiner zwischenzeitlichen Hinwendung zum Islam und von der Leere und Verzweiflung, die ihn plagten, bevor er schließlich zu Christus fand.
„Und am Ende klatschten sie. Ich dachte mir: ‚Wow, das ist irgendwie seltsam.‘ Dann kamen sie auf mich zu, stellten sich in einer Reihe auf und schüttelten mir die Hand, und jeder einzelne dieser Häftlinge begann, seine Geschichte zu erzählen“, sagte Chang.

Johnny Chang am 30. April 2026 in Los Angeles.

Foto: John Fredricks/The Epoch Times

„Zuerst folgten mir alle meine Gangsterfreunde“

Das war ein Wendepunkt für Chang. „Ich erinnere mich, dass ich danach auf dem Parkplatz saß und einfach zusammenbrach und weinte, weil mein Pastor schon wusste, was ich nicht wusste“, sagte er. „Selbst heute noch werde ich emotional, wenn ich daran denke.“
Sein Pastor schlug ihm außerdem vor, in den sozialen Medien aktiv zu werden. „Ich habe schließlich meine eigene kleine Seite erstellt, und natürlich folgten mir zuerst alle meine Gangsterfreunde“, sagte er. Doch nach und nach fand seine Botschaft Anklang. 
„Die Leute fangen an, mich zu entdecken. Sie kommen zu mir und sagen: ‚Hey Bro, was du sagst, macht Sinn – du drängst uns nicht zum Christentum. Du sprichst einfach darüber, was es für dich bewirkt hat, und das können wir respektieren.‘“
Changs großer Durchbruch kam im Jahr 2023, als er bei Soft White Underbelly auftrat, einem YouTube-Kanal, der oft provokante Interviews mit Gangmitgliedern, Prostituierten, Drogenabhängigen und anderen Vertretern der Unterwelt zeigt. Seine Folge erhielt am ersten Tag mehr als 1 Million Aufrufe.
Mittlerweile hat er rund 4 Millionen Follower auf seinen Social-Media-Kanälen. Er nutzt verschiedene Technologien, darunter eine eigene App mit täglichen Andachten sowie einen Evangeliums-Chatbot, der auf der Grundlage seiner Predigten und Bibelnotizen trainiert wurde, um sein Publikum zu vergrößern. Zudem organisiert er internationale Veranstaltungen, leistet aber nach wie vor jeden Donnerstag Gefängnisseelsorge.
Vor etwa zwei Jahren begann Chang, die Sache ernst zu nehmen, und räumte ein: „Ich denke, ich bin jetzt ein Influencer.“
Sein Publikum reicht von Häftlingen bis zu NFL-Spielern: „Mittlerweile folgen mir auch berühmte Leute, es ist wirklich ein breites Spektrum.“ Chang schätzt, dass seine Hauptzielgruppe die 25- bis 45-Jährigen sind, einschließlich der Teilnehmer seiner wöchentlichen Bibelklasse, die er über Zoom abhält, sowie jüngerer Follower.

Johnny Chang liest am 30. April 2026 in Los Angeles in seiner Bibel.

Foto: John Fredricks/The Epoch Times

Eine Epidemie der Einsamkeit

Sowohl Chang als auch Poirot benennen die weitverbreitete Einsamkeit und Angst unter jungen Menschen als treibende Kraft hinter ihrer Arbeit und hinter der christlichen Bewegung.
„Es gibt heutzutage viel Leere und viel Nichtigkeit. Nicht nur physische Einsamkeit“, sagte Chang. „Es gibt keinen Austausch zwischen Menschen auf einer intimen, tiefgründigen Ebene. Alles bleibt sehr oberflächlich.“
Er fügte hinzu: Junge Menschen, die im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind, stünden ständig unter destabilisierendem Druck. Sie würden von allen Seiten von Werbung und sozialen Vergleichen bombardiert.
Beide geben an, eine Mischung aus sozialen Medien und persönlichen Veranstaltungen zu nutzen, um engere Verbindungen zu den Menschen aufzubauen.

Ein Vorbild ist Charlie Kirk

Für viele konservative Christen bleibt Charlie Kirk, der im September 2025 ermordete Gründer der konservativen Jugendorganisation Turning Point USA, eine inspirierende Figur und ein Vorbild dafür, wie junge Evangelikale Menschen in Not erreichen können.
„Meine Generation sucht wirklich nach Authentizität […] und wir schätzen Pastoren, die bereit sind, Fragen zu beantworten und sich nicht vor Gesprächen scheuen“, sagte Poirot. Er hob Kirks „Mut und Kühnheit“ hervor, zu Hochschulen zu reisen und offene Foren abzuhalten, bei denen jeder das Mikrofon ergreifen konnte.
„Ich liebe die Kirche. Ich glaube an die Ortsgemeinde. Aber ich denke, die örtliche Kirche muss erkennen, dass sich die Lage stark verändert hat. Es ist wichtig, dass wir in den sozialen Medien aktiv sind und alles tun, um die Menschen dort zu erreichen, wo sie sind“, sagte Poirot. 
„Ich kenne niemanden aus der Generation Z, der zu mir kommt und sagt: ‚Mann, ich liebe das Megakirchenmodell. Ich finde es toll, dass wir einen Pastor auf dem Bildschirm sehen, mit dem wir niemals sprechen könnten, und dass dort mehr als 10.000 Menschen sind‘“, sagte er.

Skepsis gegenüber den Megakirchen

Vielmehr bestehe, so Poirot, eine Nachfrage nach kleinen Gruppen und Hauskirchen. Megakirchen seien an sich nicht schlecht. Doch es gebe auch eine wachsende Skepsis gegenüber der finanziellen Intransparenz, die mit großen religiösen Institutionen verbunden sei.
Kirchen, die „stundenlange Predigten zum Thema Opfergabe“ halten, aber ihre Finanzen nicht offenlegen, seien sich möglicherweise nicht bewusst, wie manipulativ dies auf junge Menschen wirke, so Poirot.
„Ich habe eine öffentlich zugängliche 990-Erklärung [1]. Die Leute können sich mein Gehalt heute ansehen“, sagte er. Poirot fügte hinzu, dass er sich nicht auf die Arbeit als Influencer verlasse, um seine Familie zu ernähren. Er übernehme deshalb zusätzlich Aufträge im Landschaftsbau und in der Immobilienpflege, um seine Rechnungen zu bezahlen.
„Ich betrachte den pastoralen Dienst als einen Dienst am Nächsten. Ich halte es auch nicht für falsch, dass Pastoren ein Gehalt beziehen und finanziell unterstützt werden. […] Aber wenn wir damit nicht offen umgehen, fragen sich die Menschen: ‚Was macht ihr mit dem Geld, das wir euch geben?‘“

Junge Menschen beten während einer katholischen Messe in Camarillo, Kalifornien, am 27. September 2026. Männer der Generation Z „sehen Religion zunehmend als wichtigen Bestandteil ihres Lebens an“, sagt die Religionswissenschaftlerin Kelsey Hanson Woodruff.

Foto: Monica Seeley/The Epoch Times

66 Prozent der US-Erwachsenen bekunden ein persönliches Engagement für Jesus

Trotz vereinzelter Begeisterung, tiefer stilistischer und technischer Veränderungen sowie des damit einhergehenden Medienrummels – zeichnen die verfügbaren Daten ein komplexeres Bild davon, wie junge Menschen mit Religion umgehen.
Der jahrzehntelange Rückgang des Christentums in den USA hat sich einer Studie des Pew Research Centers zufolge in den vergangenen Jahren zumindest verlangsamt. Die „Religious Landscape Study“ 2023–2024 des Zentrums ergab, dass sich 62 Prozent der Befragten als Christen bezeichneten. 2007 waren es 78 Prozent und 2014 noch 71 Prozent. Unter den Christen ist der Anteil der Protestanten auf rund 40 Prozent gesunken. Unter den Protestanten stieg der Anteil der Evangelikalen auf 58 Prozent.
In einer im Jahr 2025 veröffentlichten Studie berichtete die christliche Forschungsorganisation Barna, dass junge Menschen eine „Welle der Hingabe an Jesus“ vorantreiben. Dabei bekundeten 66 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner ein persönliches Engagement für Jesus – ein Anstieg um zwölf Prozentpunkte im Vergleich zu 2021.
„Dieser Wandel ist nicht nur statistisch signifikant. Er könnte auch der deutlichste Hinweis auf eine bedeutende spirituelle Erweckung in den Vereinigten Staaten sein“, schrieb die Organisation im April 2025. Die Ergebnisse basieren auf Interviews mit über 130.000 Erwachsenen, die zufällig aus der gesamten Bevölkerung ausgewählt wurden.
Barna stellt fest, dass insbesondere die Generation Z und die Millennials diesen Trend vorantreiben. Dies ist eine Kehrtwende gegenüber früheren Erhebungen, die ältere Menschen und die Babyboomer als engagiertere Christen auswiesen.

„Spirituell, aber nicht religiös“

In der Barna-Studie wird zwischen zwei Aspekten unterschieden: der christlichen Selbstidentität und der „Verbundenheit mit Jesus“, die sich nicht immer überschneiden. Fast drei von zehn Menschen, die sich nicht als Christen identifizieren, bekennen sich zu einer persönlichen Verbundenheit mit Jesus. Laut der Organisation ist das ein Allzeithoch.
Dies könnte einerseits darauf zurückzuführen sein, dass Menschen zu ihrem Glauben zurückkehren. Andererseits könnten es neue Gläubige sein, die sich mit organisierter Religion weniger wohlfühlen, also die „Spirituellen, aber nicht Religiösen“, so Barna.
Während das Christentum langfristig an Bedeutung verloren hat, zeigen nationale Umfragen gleichzeitig einen Anstieg der „Konfessionslosen“. Diese Gruppe hat sich laut Pew und dem Meinungsforschungsinstitut Public Religion Research Institute seit 2007 fast verdoppelt. Auch hier liegt die Generation Z vorn.

Eine kulturelle Welle

Junge christliche Influencer, die sich für Reisen, Glaubenszeugnisse und Technologie begeistern, scheinen derzeit einen kollektiven Wachstumsschub zu erleben. Niemand weiß so recht, wie es weitergehen wird.
Chang, der 33 Mitarbeiter beschäftigt, sagte, er wolle irgendwann in jedem Bundesstaat Gemeinden gründen. Poirot, der immer noch hauptsächlich als Ein-Mann-Betrieb arbeitet, möchte sein Werk ausbauen und Mitarbeiter einstellen.
Apffel bleibt in Bezug auf die Zukunft der Influencer-Ära vorsichtig. „Wenn ich mir diese Jungs und Mädels in den sozialen Medien anschaue, dann sind sie einfach kleine Unternehmen, deren Fortbestand von ihren Fähigkeiten abhängt“, sagte er. „Sie reiten auf einer kulturellen Welle, die wahrscheinlich in den nächsten 10 oder 15 Jahren wieder abebben wird.“
Doch er finde zum einen Trost in dem seiner Ansicht nach wiedererwachten Interesse an kleinen Gemeindekirchen. Zum anderen erfreue ihn die wachsende Gegenbewegung gegen das problematische Geschäftsmodell der organisierten Religion in den Vereinigten Staaten.
„Wir stehen am Anfang einer religiösen Reform“, sagte er. „Und diese Reform wird, so glaube ich, das Geschäftsmodell demokratisieren.“
[1] Die 990-Erklärung (Formular 990) ist eine jährliche Meldung steuerbefreiter Organisationen in den USA an die Bundessteuerbehörde IRS über Einnahmen und Ausgaben, Vermögen, Verbindlichkeiten und anderes.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The New Wave of Young Christian Influencers“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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„Final Hours“ – brillante Doku untersucht Nahtoderfahrung

Tricia ist viel zu schnell unterwegs. Mit hoher Geschwindigkeit rast die junge Studentin aus Texas auf die rote Ampel zu. Sie gibt Gas – und prallt frontal in ein anderes Fahrzeug. Dass sie noch am Leben ist, grenzt an ein Wunder. Nach dem Verkehrsunfall wird Tricia mit mehreren Knochenbrüchen und schweren inneren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Während der anschließenden Operation zeigen die Überwachungsgeräte plötzlich eine Nulllinie. Herzstillstand. Sie ist klinisch tot.
In der auf EpochTV erschienenen Dokumentation „Final Hours – Ist der Tod wirklich das Ende?“ spricht der Gesundheitsjournalist Makai Allbert mit vier Menschen, die an der Schwelle zum Tod standen. Schon seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Thema Bewusstsein, getrieben von seinem Bestreben, Antworten zu finden – Antworten auf die Frage, warum er in seiner Kindheit plötzlich über seinem Körper schwebte und ein Gefühl erlebte, das nicht in Worte zu fassen ist. Bei seinen Recherchen stößt er auf einen Begriff: Nahtoderfahrung.

Berührende Szenen im Licht

Die Frage, was im Übergang zwischen Leben und Tod passiert, ist eines der größten Rätsel der Menschheit. Viele, die diese Schwelle passiert haben und zurückgekehrt sind, sprechen von außergewöhnlichen Erlebnissen und einem lichtvollen Ort, den sie „Zuhause“ nennen.
So geht es auch den vier Interviewpartnern von Allbert. Sie berichten über ihre unglaublichen Wahrnehmungen, faszinierende Begegnungen jenseits ihres Körpers, Gefühle von Reue, Verbundenheit sowie eine Liebe, die über jede zwischenmenschliche Zuneigung hinausgeht.
Mit seinem Film sprengt Allbert die Grenze des menschlichen Bewusstseins. Gemeinsam mit den vier Betroffenen, die ihre eigenen Erlebnisse sehr detailliert wiedergeben, taucht er in die Erinnerungen an ihre Nahtoderfahrungen ein.
Die junge Studentin ohne Lebenssinn, die mit ihrem Auto viel zu schnell unterwegs war, ein Neurochirurg aus Harvard, der ins Koma fiel und dessen Überlebenschancen auf nur 2 Prozent geschätzt wurden, ein Baseballspieler, der sich einer Routineoperation unterzog, sowie eine schwer krebskranke Frau mit Organversagen – sie alle eint das Schicksal, dass sie einen Blick hinter den Schleier des Jenseits werfen durften. Ein Blick, der ihr Leben grundlegend zum Positiven veränderte.

Grandiose Bilder aus dem Weltall

Mit viel Fingerspitzengefühl werden die geschilderten Szenen durch grandiose Bilder von kosmischen Dimensionen und mit feierlicher musikalischer Untermalung zum Leben erweckt. Sie versprechen einen Gänsehauteffekt.
Der Zuschauer wird Teil dieser berührenden Momente jener Menschen, die in der irdischen Welt ohne Puls und ohne Atem erscheinen, in anderen Dimensionen jenseits von Leid und Schmerz jedoch lebendiger als je zuvor Dinge wahrnehmen, die schwer in Worte zu fassen sind. Dabei wird auch die wissenschaftliche Studienlage zum Thema Nahtoderfahrung unter die Lupe genommen.
Um die wirkliche Tiefe dieses Werkes zu erfassen, empfiehlt es sich, den Film mehrfach anzuschauen. Man wird immer wieder neue Facetten entdecken, die das eigene Leben bereichern können. Zu den Botschaften, die durch den Film vermittelt werden, gehören folgende Erkenntnisse der Betroffenen:
Du brauchst keine Angst vor dem Tod zu haben.
Der Tod ist nicht dein Ende.
Lebe das bestmögliche Leben, damit du später nichts bereust.
 
„Final Hours“
Eine Produktion von The Epoch Times und NTD
Filmlänge: 50 min
Executive Producers: Japser Fakkert, Ariel Sun
Moderation: Makai Allbert
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Diese Personen kamen nach dem Tod zurück – sie alle hatten eine ähnliche Botschaft

Es passierte, als ich gerade an dem Dokumentarfilm „Final Hours“ arbeitete. Dafür interviewte ich Menschen, die aus dem klinischen Tod erwacht waren, also solche, die eine sogenannte Nahtoderfahrung (NTE) durchgemacht hatten. Beim dritten solchen Gespräch merkte ich: Sie sagen alle dasselbe.
Damit meine ich nicht die Schilderungen über das Jenseits, die sich in fast jedem Detail unterschieden. Die Gemeinsamkeiten waren vielmehr subtiler: Während sie von ihren Erlebnissen berichteten, lag eine gewisse Sanftheit in ihren Augen sowie eine gelassene Zuversicht hinsichtlich des Wesens des Todes und des Sinns des Lebens.
Sie alle trugen ein Gefühl der Sinnhaftigkeit in sich, das auch nach Jahrzehnten nicht verblasst war. Und das ist ihre Botschaft.

Der Neurochirurg, der nicht glaubte

Nahtod

Dr. Eber Alexander, ehemaliger Neurochirurg.

Foto: The Epoch Times

Dr. Eben Alexander wurde im Alter von elf Tagen zur Adoption freigegeben. Sein Adoptivvater war einer der angesehensten Neurochirurgen seiner Generation. Alexander trat in seine Fußstapfen und unterrichtete schließlich fünfzehn Jahre lang Neurochirurgie an der Harvard Medical School. Er war überzeugter Materialist. „Das Gehirn erzeugt das Bewusstsein. Punkt“, war seine Meinung.
Im November 2008 kam er jedoch mit Krampfanfällen aufgrund einer seltenen bakteriellen Meningitis, einer Infektion im Gehirn, in die Notaufnahme. 
Eine Woche später schätzten die Ärzte seine Überlebenschance auf 2 Prozent und die Chance auf eine Genesung auf 0 Prozent. Sie empfahlen seiner Familie, ihn vom Beatmungsgerät zu nehmen. Doch er erholte sich auf wundersame Weise.
An einem kühlen Februarmorgen saß ich bei ihm zu Hause in Virginia und hörte zu, wie er von diesem Erlebnis berichtete. Er ist mittlerweile in den Siebzigern und wechselt in ein und demselben Satz fließend zwischen medizinischer Neurowissenschaft und Spiritualität hin und her.
Was er von den sieben Tagen in Erinnerung hat, in denen sein Gehirn „offline“ war, bildet den roten Faden des Dokumentarfilms – ich werde das meiste davon dort belassen. Als er jedoch er aus dem Koma erwachte, hatte er eine Erinnerung, die er – als praktizierender Neurochirurg – nicht mit seinem Wissen in Einklang bringen konnte. Sein gesamter Neokortex war ausgeschaltet, sodass kein Teil seines Gehirns einen Traum hätte erzeugen können.
Nach seiner Rückkehr wurde ihm klar, dass die materialistische Weltanschauung, die er in Harvard lehrte, eine geringere Bedeutung hatte als das, worauf er zufällig gestoßen war. „Sei vorsichtig mit deinen Überzeugungen“, sagte er zu mir.
Der Neurochirurg, der früher lehrte, dass das Bewusstsein am Schädelknochen endet, lehrt nun das Gegenteil. Er vermittelt den Menschen, dass das menschliche Leben nicht rein materialistisch sei. Das Leben sei unbegrenzt, sogar nach dem Tod.

Der Teenager, der voller Reue starb

Nahtoderfahrung

Bubba Herrick, Performance Coach.

Foto: The Epoch Times

An einem schwülen Nachmittag saß ich in einer Sporthalle in Zentralflorida einem jungen Mann gegenüber, dessen Herz auf dem Operationstisch während einer eigentlich einfachen Ellenbogenoperation stehen geblieben war.
Bubba Herrick war neunzehn, der Pitcher, also Werfer in seinem Baseballteam, auf dem besten Weg in die Major League. Am Tag vor seiner Operation fragte eine Krankenschwester, ob er Allergien habe, die den Eingriff erschweren könnten. Da er noch nie unter Narkose gestanden hatte, verneinte er dies und ging mit einem unguten Gefühl im Magen, das er sich nicht erklären konnte, nach Hause.
Am nächsten Morgen reagierte er negativ auf die Narkose und starb auf dem Operationstisch.
Sein Besuch im Jenseits begann mit einem Rückblick auf jeden einzelnen Moment seines Lebens. Er sah so etwa Naheliegendes wie das erste Mal, als er einen Baseball in die Hand nahm, oder eine Eins in einem Test. 
Doch er sah auch Dinge, die er nicht erwartet hatte: Jedes Mal, als er „Ich liebe dich“ oder „Es tut mir leid“ hätte sagen können, es aber nicht tat. „Ich starb voller Reue“, erzählte er mir.
Doch auch eine Gestalt sprach ihn an. Sie sagte ihm, er könne eine zweite Chance erhalten – unter einer Bedingung. „Wenn du das nächste Mal stirbst, musst du dafür bereit sein.“
Herrick ist mittlerweile Anfang zwanzig. Er strahlt eine ruhige Sanftmut aus, die normalerweise erst mit dem Alter kommt – oder wenn man einen Blick ins Jenseits geworfen hatte. Das Erste, was er tat, sobald er das, was ihm widerfahren war, in Worte fassen konnte, war, alle seine Kontakte im Telefon anzurufen, denen er unrecht getan hatte.
„Ich stellte sicher, alle Fehler wiedergutzumachen, die ich wiedergutmachen musste“, so der junge Mann.

Eine Botschaft aus dem Licht

Nahtoderfahrung

Tricia Barker, Englischprofessorin.

Foto: The Epoch Times

Die dritte Person, die ich interviewte, war Tricia Barker aus Houston, Texas. Im Jahr 1995 studierte die damals 21-Jährige Anglistik an der University of Texas (UT) in Austin. Eines Tages rammte ein Autofahrer, der bei Gelb über die Ampel gefahren war, sie frontal.
Ihr Rücken brach an drei Stellen. In der Einverständniserklärung, die sie im Krankenhaus erhielt, war eine Sterblichkeitswahrscheinlichkeit von 17 Prozent vermerkt.
Auf dem Operationstisch zählte sie von 100 herunter und wartete darauf, dass die Narkose wirkte, als plötzlich ihr Bewusstsein den Körper verließ. Sie beobachtete die Operation von oberhalb des Tisches aus und bemerkte, dass die Chirurgen nicht allein im Raum waren. Engel wirkten um sie herum und durch sie hindurch. 
Später stieg sie höher, über das Krankenhaus hinaus, in eine Sternenlandschaft, wo sie auf das traf, was sie als göttliche Intelligenz bezeichnet. Sie hörte eine Stimme, die sie ganz klar anwies: „Du wirst zurückgehen, und du wirst unterrichten.“
Vor dem Unfall war Barker agnostisch gestimmt, kam aus einer zerrütteten Familie und hatte erst wenige Jahre davor versucht, sich das Leben zu nehmen.
Nach dem Unfall kehrte sie an die UT zurück, schloss ihr Studium ab und wurde Lehrerin. Dreißig Jahre später unterrichtet sie immer noch.
Was sie mitgebracht habe, sei eine Stellenbeschreibung, eine Mission und ein Wertesystem gewesen. „Ich war ein Produkt dieser Kultur. Ich dachte, Geld und Erfolg und ein Haus und ein Auto – all diese Dinge seien alles, was zähle. Dann habe ich gesehen, dass es wirklich darauf ankommt, wie man Menschen behandelt.“
Man könne keine Dogmen und keinen Hass ins Jenseits mitnehmen. Auch die Ansicht, im Recht zu sein, lasse sich nicht mitnehmen, sagte sie. „Das Einzige, was man mitnehmen kann – die einzige Energie, die leicht genug ist, um einen zu begleiten –, ist Liebe.“

Eine Frage, eine Antwort

Am Ende jedes Interviews schaute ich der Person gegenüber direkt in die Augen und fragte: „Hast du Angst vor dem Tod?“
Ihre Antworten kamen so schnell, dass man sie für spontane Reaktionen hätte halten können. „Absolut nicht“, sagten sie unisono.
Dass sie keine Angst verspürten, beeindruckte mich zutiefst. Ihre Gelassenheit spiegelte eine tiefere Einsicht wider: die Erkenntnis, dass der Tod keineswegs das Ende sei.
Diese drei Personen hatten ihr Leben neu ausgerichtet an etwas, das sie mitgebracht hatten. Für Alexander war es die Lehre, dass wir spirituelle Wesen in einem spirituellen Universum sind. Herrick brachte das Bestreben mit, so zu leben, dass der nächste Tod – wann immer er kommen möge – ihn vorfindet, ohne dass etwas ungesagt bleibt. Für Barker war es das Begleiten ihrer Schüler im Klassenzimmer.

Eine Botschaft für dieses Leben

Ich sprach auch mit Experten, die dieses Phänomen wissenschaftlich untersuchen.
Beispielsweise besuchte ich Dr. Jeffrey Long in seinem Haus in Kentucky. Er ist praktizierender Strahlentherapeut und Forscher und betreibt die weltweit größte öffentlich zugängliche Datenbank zu Nahtoderfahrungen. Das tut er bereits seit mehr als dreißig Jahren. Ich fragte ihn, ob das, was ich auf meinen drei Reisen beobachtet hatte, in seinen Daten vorkam.
Er antwortete darauf so, wie es ein Forscher tun würde: mit Zahlen. Im Jahr 2024 veröffentlichte er die bislang größte Studie zu den Nachwirkungen von Nahtoderfahrungen. Darin verglich er 834 Menschen, die ein Nahtoderlebnis gehabt hatten, mit einer Kontrollgruppe, in der die Teilnehmer zwar dem Tod nahegekommen waren, aber keine Nahtoderfahrung erlebt hatten. 
Die Unterschiede, so erzählte er mir, seien alles andere als subtil. Die Gruppe mit Nahtoderfahrungen berichtete überwältigend und durchweg von gesteigertem Mitgefühl, einem verstärkten Sinnempfinden und einer verminderten Angst vor dem Tod.
„Letztendlich“, sagte Long mir gegen Ende unseres Gesprächs, „ist die Botschaft, die sie immer wieder über alle Kulturen hinweg mitbringen, dieselbe. Ich würde sagen, es ist die tiefgreifendste Botschaft, die für die gesamte Menschheit überhaupt vorstellbar ist.“
Was ist diese Botschaft? Dr. Janice Holden, ehemalige Präsidentin der International Association for Near-Death Studies, sagte mir während unseres Interviews:
„Unser Leben hat einen Sinn. Wir sind dazu bestimmt, einander mit so viel Mitgefühl und Fürsorge und Großzügigkeit zu begegnen, wie wir nur können … und die Chancen, die das Leben bietet, als Gelegenheit zur spirituellen Entwicklung zu nutzen.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „I Interviewed People Who Came Back From Death. They All Had a Similar Message.“. (redaktionelle Bearbeitung: as)