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Majoran – Gewürz mit überraschenden Gesundheitsvorteilen


In Kürze:

  • Majoran ist ein beliebtes Würzkraut aus dem Mittelmeerraum mit hohem Anteil an ätherischen Ölen.
  • Seit alten Zeiten ist er auch als Heilkraut mit vielseitigen Anwendungen bekannt.
  • Traditionell kommt Majoran bei Verdauungsproblemen, Erkältungen, Muskel- und Nervenschmerzen und Frauenleiden zum Einsatz.
  • Die moderne Wissenschaft bestätigt antimikrobielle, antimykotische, entspannende und antioxidative Eigenschaften.
  • Mit einfachen Tipps ist Anbau und Ernte als einjährige Pflanze auch bei uns möglich.

 
Majoran (Origanum majorana) ist vor allem als kräftiges Küchengewürz bekannt. Fisch- und Fleischgerichte aber auch Kartoffelsuppe oder Gemüseeintöpfe mit Hülsenfrüchten werden durch Majoran nicht nur schmackhafter, sondern auch bekömmlicher. Besonders beliebt ist das Gewürzkraut in der mediterranen Küche, wo es Pasta und Pizza verfeinert.
Der Mittelmeerraum ist auch die ursprüngliche Heimat des Majorans. In unseren Gärten ist die kälteempfindliche Pflanze seit dem 16. Jahrhundert heimisch. Das eng mit dem Oregano verwandte Kraut der Gattung Origanum (= Dost) in der Familie der Lippenblütler hat sich nicht nur als Küchengewürz einen Namen gemacht.
Seit der Antike sind auch die heilenden Eigenschaften von Majoran bekannt und in den ältesten medizinischen Handbüchern wie in der Dioscorides‘ De Materia Medica (78 n. Chr.) oder dem Sammelwerk für Frühdeutsche Medizin von Hildegard von Bingen gelistet. Die sonnenliebende Pflanze wurde vor allem bei Verdauungsbeschwerden, Erkältungen und Frauenleiden eingesetzt. Bei den alten Griechen und Römern galt der wohlriechende Majoran als glücksbringendes Kraut wurde mit der Göttin Aphrodite in Verbindung.

Inhaltsstoffe und gesundheitliche Vorteile von Majoran

Der intensiv würzige und zugleich fein blumige Duft des Majorans verrät einen hohen Anteil an ätherischen Ölen, der zu Beginn der Blüte am höchsten ist und bis zu 3,5 Prozent betragen kann. Den Hauptanteil bilden unterschiedliche Terpene. Studien zeigen, dass die scharf schmeckenden ätherischen Öle antimikrobielle und antimykotische Eigenschaften besitzen, die nicht nur Speisen haltbarer machen, sondern auch die Ausbreitung von Bakterien und Pilzen wie Candida albicans im Körper hemmen können.
Weiterhin erwies sich Majoranöl in Studien antioxidativ, entzündungshemmend, entspannend und gefäßerweiternd, was das Risiko für Bluthochdruck und koronare Herzerkrankungen senken kann. Die enthaltenen Monoterpene zeigten sich außerdem als krebsfeindlich.
Darüber hinaus enthält Majoran Bitter- und Gerbstoffe, die die Bildung von Verdauungssäften fördern und Leber und Galle unterstützen.

Heilkundliche Anwendungen von Majoran

Das Zusammenspiel seiner Inhaltsstoffe macht Majoran zu einem wirksamen Heilkraut, das in der Volksmedizin eine breite Anwendung findet. Er kommt traditionell bei Verdauungsproblemen mit Krämpfen, Blähungen, Durchfall, schwachem Magen und Appetitlosigkeit zum Einsatz. Besonders bei Säuglingen kann das sanfte Einreiben der Nabelgegend mit Majoransalbe entspannend wirken und Blähungsbeschwerden lindern.
Majoran ist zudem ein traditionelles Hausmittel in der Erkältungszeit. Besonders bekannt ist die Majoransalbe, die seit Generationen zur Pflege der gereizten Haut im Naseneingangsbereich verwendet wird. Die Salbe ist in Apotheken erhältlich oder kann auf traditionelle Weise selbst aus Butter und Majoran hergestellt werden. Dafür Butter und pulverisiertes Majorankraut im Verhältnis 1:1 im Wasserbad vorsichtig erwärmen und etwa eine halbe Stunde ziehen lassen. Die warme Flüssigkeit durch ein feines Sieb in einen kleinen Tiegel abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Beim Abkühlen wird die Salbe fest. Bei Bedarf die Salbe mehrmals täglich dünn auftragen.
Darüber hinaus ist ein Teeaufguss hilfreich, um festsitzenden Schleim zu lösen und Reizhusten zu lindern. Dafür einen Teelöffel Blätter und Blüten mit heißem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen. Zwei bis drei Tassen pro Tag trinken. Ein Dampfbad mit Majoran unterstützt dabei, eine verschnupfte Nase freizumachen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die enthaltenen ätherischen Öle wie Carvacrol und Thymol, das auch im Thymian vorkommen.
Die ätherischen Öle im Majoran werden außerdem wegen ihrer beruhigenden Eigenschaften auf das Nervensystem geschätzt. Sie wirken aufhellend und angstlösend auf die Psyche und fördern den Schlaf.
Des Weiteren gilt Majoran in der Naturheilkunde als wärmende Pflanze, die die Durchblutung fördert und Schmerzen lindert. Er kommt daher bei verspannten Muskeln, Rheuma, Glieder- und Nervenschmerzen zum Einsatz. In der Frauenheilkunde wird er bei krampfartigen Menstruationsbeschwerden, nervöser Anspannung und Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus eingesetzt.
Schwangere sollten Majoran meiden, da er eine stimulierende Wirkung auf die Gebärmutter ausüben kann. Gelegentliche kleine Mengen zum üblichen Würzen sind bedenkenlos.

Majoran in der Küche

Majoran macht schwere und fette Speisen verdaulicher. Daher ist er ein beliebtes Gewürz in deftigen Fleischgerichten wie Schweinebraten oder Hackfleischgerichten, Pasteten und Würsten, wie der bayrischen Weißwurst. Das brachte Majoran auch die Bezeichnung als „Wurstkraut“ ein.
Majoran harmoniert allerdings auch wunderbar zu Rührei, Bratkartoffeln, Bohneneintöpfen sowie Kartoffel- und Gemüsesuppen. In Pastasaucen lässt sich Oregano problemlos durch Majoran ersetzen. Da Majoran milder, etwas süßlicher und blumiger schmeckt als Oregano, verleiht er Tomaten- und Gemüsesaucen eine feinere, weniger herbe Würze.

Anbau und Ernte

In seiner ursprünglichen Heimat wächst Majoran als mehrjähriger Halbstrauch. Da er nicht gänzlich winterhart ist, wird er bei uns meist einjährig kultiviert. Das Kraut liebt einen vollsonnigen und windgeschützten Standort mit kiesigem bis lehmigem Boden.
Die Aussaat erfolgt Mitte März bis Ende Mai auf dem Fensterbrett oder Frühbeetkasten. Die Jungpflanzen kommen ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen ins Freie.
Frische Triebe können den ganzen Sommer geerntet werden. Die beste Zeit für die Ernte zum anschließenden Trocknen ist der Beginn der Blütezeit – das ist meist von Juni bis September. Für die Ernte den Majoran etwa handbreit über dem Boden abschneiden. Zu Bündeln kopfüber aufhängen und an einem warmen, jedoch schattigen und luftigen Ort trocknen lassen. Anschließend die Blättchen und Blüten von den Stängeln abstreifen und luftdicht verschlossen dunkel aufbewahren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Frische Kräuter den ganzen Sommer lang

Es ist ausgerechnet die goldene Regel der Immobilienbranche, die sich als das große Geheimnis für den erfolgreichen Anbau zahlreicher Kräuter entpuppt. Über die heißen Sommermonate hinweg bis in den Herbst hinein geht es hauptsächlich um eins: Lage, Lage, Lage.
Wählen Sie den bestmöglichen Standort für Ihre Pflanzen und berücksichtigen Sie dabei das Klima Ihrer Region. Üppiges Basilikum, aromatischer Thymian, wunderbare Minze und andere Kräuter benötigen in Regionen mit anhaltender Hitze und intensiver Nachmittagssonne während der heißesten Sommermonate Schutz.
Selbst sonnenliebende Kräuter, die normalerweise 8 oder mehr Stunden Sonne pro Tag bevorzugen – wie Rosmarin, Basilikum, Thymian und Oregano –, kommen in wärmeren Klimazonen mit 6 Stunden aus.
Ebenso gedeihen halbschattige Kräuter, die in kühleren Monaten oder Regionen 6 Stunden Sonne benötigen – wie Minze, Koriander, Dill, Petersilie und Schnittlauch –, in wärmeren Regionen auch mit 3 Stunden Sonne täglich. Planen Sie entsprechend.

Beet oder Mobilhome?

Bestimmte Pflanzgefäße – groß genug für mehrere Pflanzen, klein genug zum Umstellen – eignen sich hervorragend, um die Sonneneinstrahlung manuell zu regulieren. Dies ist besonders hilfreich, wenn die Pflanzen Anzeichen von Sonnenbrand zeigen – erkennbar an gebleichten, weißen, gelben oder braun gekräuselten Flecken auf den sonnenzugewandten Blättern.
Beachten Sie, dass Pflanzen im Kübel mehr Wasser benötigen als im Freiland. Empfindliche Stauden (wie Rosmarin und Zitronengras) gedeihen besonders gut in Kübeln, weil sie so zum Überwintern ins Haus geholt werden können, ohne ihre Wurzeln zu beschädigen.
Eine beliebte Methode zum Schutz von Kräutern im Beet oder in einem großen Topf ist der Einsatz von Beschattungsnetzen. Dennoch können die Pflanzen so mit ausreichend Licht versorgt werden. Für die Mittagssonne wird allgemein ein Beschattungsnetz mit 30 bis 50 Prozent Lichtdurchlässigkeit empfohlen.
Für Menschen mit knappem Budget hat sich als Alternative bewährt, während der heißesten Stunden des Tages ein Laken über die Pflanzen zu legen oder einen Sonnenschirm aufzuspannen.
Oder Sie pflanzen ihre Kräuter gleich im Halbschatten an. Dort spenden die Bäume – je nach Blattdichte – mehr oder weniger viel Schatten.

Favoriten des Sommers

Sowohl Thymian als auch Zitronenthymian gedeihen prächtig in voller Sonne. Sie eignen sich zudem hervorragend als Bodendecker.
Sehr beliebt ist hierzulande das Genoveser Basilikum. Es ist ein fester Bestandteil in einem Caprese-Salat (Tomate-Mozzarella) und harmoniert besonders mit frischen, sonnengereifte Tomaten aus dem Garten. Allerdings benötigt dieses Basilikum etwas Schutz.
Wenn Sie wenig Zeit zum Gärtnern haben und pfeffrige Aromen mögen, greifen Sie lieber zum hitzebeständigeren Thai-Basilikum oder zum nelkenartigen Heiligen Basilikum (Tulsi), das traditionell in ganzheitlichen Heiltees verwendet wird.
Oregano stammt aus dem trockenen, heißen Mittelmeerraum und breitet sich leicht aus. Majoran, ein hervorragender Oregano-Ersatz, ist eine weitere hitzebeständige Option, die regelmäßig zurückgeschnitten werden sollte, damit ihre Stängel krautig bleiben und nicht verholzen.
Obwohl er kein echter Oregano ist, zählt der großblättrige, würzige, kubanische Oregano zu den robustesten Kräutern überhaupt. Er gedeiht am besten, wenn man ihn weitgehend sich selbst überlässt und regelmäßig erntet.
Rosmarin und Salbei eignen sich nicht nur hervorragend für einen Festtagsbraten, sie benötigen auch nur wenig Wasser zum Gedeihen. Dafür reagieren sie recht empfindlich auf Staunässe. Damit sie jung und ertragreich bleiben, sollten Sie diese beiden Kräuter regelmäßig ernten.
Tropisches Zitronengras, das auch als sommerliches Ziergras genutzt werden kann, bietet neben kulinarischen Vorzügen auch einen gewissen Schutz vor Insekten. Zitronengras wächst auch in Deutschland, am besten auf Sandböden, muss aber frostfrei überwintert werden.
Es bevorzugt gleichmäßige Feuchtigkeit, daher empfiehlt sich die Installation einer Bewässerungsanlage oder die Pflanzung neben einem Rasen mit Sprinkleranlage.
Gärtner mit begrenztem Platz werden feststellen, dass die meisten Kräuter gut als Randbepflanzung oder in Blumenbeeten gedeihen und natürlich auch als Begleitpflanzen für Gemüse.

Schattenfreunde

Minze ist ein fester Bestandteil erfrischender Sommergetränke wie Eistee. Hier kann alles verwendet werden: von der klassischen Krauseminze und der Pfefferminze bis hin zu den zahlreichen Exoten aus dem Online- oder Gartenhandel mit Aromen von Orange, Schokolade, Apfel, Ananas, Mojito und Banane.
Ein nach Osten ausgerichteter Standort am Haus oder Zaun ist ideal, da die Pflanzen dort die Morgensonne genießen können, den Rest des Tages aber geschützt sind. In warmen Klimazonen sollten sie zwischen 13 und 16 Uhr nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Grüne Minze (Spearmint), Pfefferminze, Apfelminze, Schokoladenminze und die leicht blumige Marokkanische Minze (Nana-Minze) sind in der Regel hitzebeständiger. Ihre Verwandten, Zitronenmelisse und Katzenminze, gedeihen bei ausreichender Bewässerung ebenfalls gut.
Schnittlauch, mit seinem leichten Zwiebelaroma und den essbaren violetten Blüten, sowie Knoblauchschnittlauch mit seinen flacheren Blättern, dem knoblauchartigen Duft und den essbaren weißen Blüten gedeihen bereits gut mit nur 3 Stunden Morgensonne pro Tag. Halten Sie Ihren Schnittlauch gut feucht und ernten Sie die Blätter regelmäßig.
Koriander ist zwar eine wichtige Zutat in exotischen Küchen weltweit, verträgt allerdings keine hohen Temperaturen. Die Lösung? Wählen Sie eine spätblühende, schossfeste Sorte wie Calypso oder Delfino und planen Sie eine gestaffelte Aussaat, indem Sie die Setzlinge im Haus vorziehen und erst nach Bedarf ins Freiland setzen.
Es gibt auch spätblühende, hitzebeständige Dillsorten wie Bouquet-Dill und Farnblatt-Dill. Glatte Petersilie übersteht einen heißen Sommer besser als krause Sorten.

Die letzte Ernte

Lassen Sie einige Pflanzen aussamen und bewahren Sie die Samen an einem kühlen, trockenen Ort für die Aussaat im nächsten Jahr auf. Bedenken Sie dabei: Hybriden, wie zum Beispiel schossfeste Sorten, vermehren sich möglicherweise nicht sortenecht.
Betrachten Sie die Samenaufbewahrung daher eher als ein kleines Experiment und vergessen Sie nicht, Stecklinge zu schneiden – für einen kleinen Kräutergarten auf der Fensterbank in der Küche.

Eiszeit, frische und frostige Kälte

Aromatisierte und dekorative Eiswürfel für Getränke können Sie mit ein paar Blättchen Minze, Zitronenmelisse oder anderen Kräutern herstellen. Ihre Kinder werden begeistert sein.
Basilikum, Minze und andere Kräuter mit weichen Stielen können im Kühlschrank bis zu einer Woche lang in einem Glas Wasser aufbewahrt werden. Rosmarin, Salbei und Thymian sollten eher in ein feuchtes Papiertuch gewickelt und in einem wiederverschließbaren Gefrierbeutel gelagert werden.
Alternativ lassen sich Kräuter auch flach ausgebreitet auf einem Teller im Gefrierschrank vorfrieren und anschließend in Gefrierbeuteln für einige Monate aufbewahren.
Kräuter und Blüten in Ice. Foto: Manuta/iStock

Kräuter und Blüten in Ice.

Foto: Manuta/iStock

Gewollte Dürre

Jahrhundertelang wurden Kräuter haltbar gemacht, indem man sie kopfüber zum Trocknen aufhing. Nachdem sie vollständig getrocknet sind, können sie in Gläser oder luftdurchlässige Beutel umgefüllt und aufbewahrt werden.
Alternativ kann man auch ein mehrstufiges Trockengestell verwenden. Für schnellere Ergebnisse und größere Mengen eignen sich ein Dörrgerät oder die Mikrowelle.
Aromatische Kräuter aus dem Garten trocknen an der Luft. Foto: ValentynVolkov/iStock

Aromatische Kräuter aus dem Garten trocknen an der Luft.

Foto: ValentynVolkov/iStock

Feine Kräuterküche

Mit frischen oder getrockneten Kräutern lässt sich Essig geschmacklich verfeinern. Den Kräuteransatz lässt man zwei bis sechs Wochen ziehen. Mit vollständig getrockneten Kräutern lässt sich auch Kräuteröl herstellen. Dieses kann portionsweise in Eiswürfelbehältern eingefroren und anschließend in einem wiederverschließbaren Beutel im Gefrierschrank aufbewahrt werden.
Achten Sie bei der Herstellung und Lagerung von Kräuteröl unbedingt auf hygienisches Arbeiten und die richtige Lagerung, da insbesondere Öl mit frischen Kräutern unter ungünstigen Bedingungen das Risiko von Botulismus birgt.
Für Kräuterbutter lässt man Butter bei Zimmertemperatur weich werden, mischt frische Kräuter unter, formt sie anschließend wieder zu einer Rolle und bewahrt sie im Kühlschrank auf.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How to Grow Herbs All Summer Long“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Fieber ist keine Krankheit – es ist ein Symptom


In Kürze:

  • Eine Körpertemperatur von 37 Grad Celsius gilt als normal – ein Wert aus dem 19. Jahrhundert. Heute sind die Menschen meist „kühler“.
  • Fieber ist eine gesteuerte Reaktion des Immunsystems und damit zunächst keine Krankheit, sondern ein Heilmittel.
  • Wer nur auf die Temperatur schaut, läuft Gefahr, eine sinnvolle Körperreaktion zu unterdrücken.
  • Bei Säuglingen, Schwerkranken oder Fieber nach einer Fernreise gelten strengere Maßstäbe.

 
Früher bekam man Fieber und ging ins Bett. Heute bekommt man zuerst ein Thermometer, dann eine Tablette, mit dem Gedanken, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Nächstes Problem: Kaum zeigt die Anzeige 38,5 Grad Celsius, beginnt im Kopf das Notfallprotokoll.
„Was senkt die Temperatur am schnellsten? Paracetamol, Ibuprofen oder ein Wadenwickel? Vielleicht gleich ein Antibiotikum?“ Dabei ist Fieber zunächst keine Krankheit. Es ist erst mal nur ein Symptom – und eigentlich auch ein Heilmittel.

Der Körper heizt nicht ohne Grund

Der Körper erhöht seine Temperatur nicht aus Willkür. Fieber ist eine gesteuerte Reaktion des Immunsystems. Bei einem Infekt melden Botenstoffe dem Gehirn: Es gibt etwas zu tun. Im Hypothalamus, der zentralen Schaltstelle für die Temperaturregulation, wird der Sollwert nach oben gesetzt.
Deshalb friert man am Anfang oft, obwohl die Temperatur bereits steigt. Die Gefäße ziehen sich zusammen, die Hände und Füße werden kalt, die Muskeln beginnen zu zittern. Damit will der Körper Wärme erzeugen.
Später, wenn die Abwehrarbeit nachlässt und der Sollwert wieder sinkt, beginnt der Körper zu schwitzen. Dann gibt er Wärme ab. Wer das versteht, behandelt Fieber ganz anders, nämlich nicht mit Panik, sondern mit genauer Beobachtung.

Sind wir heute „kühler“ als früher?

Die Sache mit der Körpertemperatur ist spannender, als viele denken. Lange galt 37 Grad Celsius als normale Körpertemperatur. Dieser Wert stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat sich tief in die Köpfe eingebrannt. Inzwischen zeigen größere Untersuchungen jedoch, dass die durchschnittliche Körpertemperatur vieler Menschen heute niedriger liegt als früher. Der Mensch scheint im Mittel etwas „kühler“ geworden zu sein.
Natürlich ist nicht jeder mit 36,2 Grad Celsius krank. Die Körpertemperatur schwankt je nach Tageszeit, Messort, Alter, Bewegung, Zyklus, eingenommenen Medikamenten und persönlicher Konstitution. Trotzdem sehe ich in der Praxis häufig Menschen, die nicht nur auf dem Thermometer kühl wirken: kalte Füße, kalte Hände, wenig Schwitzen, geringe Wärmebildung, niedrige Energie.
Interessant ist dabei noch etwas anderes: Aus der Altersmedizin kennt man das Phänomen, dass vor allem ältere Menschen bei Infekten oft keine kräftige Fieberreaktion mehr entwickeln. Eine Lungenentzündung kann dann mit Verwirrtheit, Schwäche oder Appetitlosigkeit beginnen, aber ohne hohes Fieber. Das zeigt: Fieber ist nicht nur ein Symptom, sondern auch Ausdruck von Reaktionskraft.

Die Körpertemperatur einer Person kann je nach Tageszeit, Messort, Alter, Bewegung, Zyklus, Medikamenten und persönlicher Konstitution schwanken.

Foto: metamorworks/iStock

Nicht die Zahl behandeln, sondern den Menschen

Genau deshalb ist der erste Fehler bei Fieber oft dieser: Man schaut nur auf die Zahl. Ich schaue zuerst auf den Menschen. Ist er „klar“? Trinkt er? Friert er? Sind Hände und Füße kalt oder warm? Schwitzt er? Wie lange besteht das Fieber bereits? Gibt es Warnzeichen wie starke Benommenheit, Atemnot, Nackensteife, Austrocknung, sehr hohes oder lang anhaltendes Fieber?
Bei Säuglingen, Schwerkranken oder Fieber nach einer Fernreise gelten ohnehin strengere Maßstäbe. Naturheilkunde heißt nicht, Warnzeichen zu übersehen. Sie heißt aber auch nicht, jede sinnvolle Körperreaktion sofort zu unterdrücken.

Wenn der Infekt beginnt: Wärme geben

Besonders wichtig ist die Frühphase eines Infekts. Man spürt es oft, bevor man es wahrhaben will. Die Füße werden kalt, der Rücken fröstelt, der Hals kratzt und die Glieder werden schwer. Was der Körper dann benötigt, sind Wärme, Ruhe und Schlaf.
Eine der besten Anwendungen in dieser Situation ist das temperaturansteigende warme Fußbad, genauer gesagt ein Unterschenkelbad. Dazu stellt man eine Fußbadewanne in die Dusche oder Badewanne und füllt sie mit Wasser, das „indifferent temperiert“ ist.
„Indifferent“ bedeutet: Mit einer Hand fassen Sie den Fuß an, mit der anderen Hand prüfen Sie das Wasser. Beides sollte sich gleich warm anfühlen. Das Wasser ist also weder kühl noch heiß, sondern entspricht ungefähr dem Wärmeempfinden der Füße.
Über den Brauseschlauch lässt man dann sehr warmes bis heißes Wasser zufließen. Die Wassertemperatur soll innerhalb von etwa 20 Minuten langsam auf ungefähr 41 Grad Celsius ansteigen, also grob um 1 Grad alle 2 Minuten. Wichtig ist: langsam steigern, nicht überfordern, nicht verbrühen.
Fußbad

Bei einem Fußbad sollten Sie nicht sofort mit heißem Wasser starten, sondern die Temperatur langsam steigern.

Foto: Mukhina1/iStock

Nach dem Bad werden die Füße gut abgetrocknet. Nicht kalt abgießen. Danach warme Socken anziehen und mindestens eine halbe Stunde zugedeckt ruhen, am besten mit einem heißen Lindenblütentee und ohne Handy, Fernseher oder sonstige Dauerbeschallung.
Dieses temperaturansteigende Fußbad eignet sich besonders bei chronisch kalten Füßen und bei beginnenden Erkältungskrankheiten. Genau in dieser Phase sucht der Körper Wärme. Man gibt sie ihm, statt mit Fiebersenkern oder kalten Anwendungen dazwischenzufunken.
Nicht geeignet ist es bei deutlichen Durchblutungsstörungen, diabetischer Nervenschädigung, schweren Herz-Kreislauf-Problemen, offenen Hautstellen oder Thromboseverdacht. Vorsicht ist auch bei kleinen Kindern, gebrechlichen Menschen und gestörtem Wärmeempfinden geboten.

Lindenblüten, Holunder, Thymian und Salbei

Lindenblüten sind eine klassische Pflanze bei Fieber. Sie passen besonders bei beginnendem Infekt, Frösteln und fieberhafter Erkältung. Ein bis zwei Teelöffel Lindenblüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten ziehen lassen, heiß trinken und danach ruhen. Lindenblütentee wirkt nicht besonders überzeugend, wenn man ihn trinkt und anschließend weiter durch den Alltag rennt. Er braucht das Bett als Verstärker.
Holunderblüten sind ähnlich wertvoll. Sie unterstützen den Körper ebenfalls bei der Schwitzreaktion und passen gut zu Lindenblüten. Eine einfache Mischung aus beiden Pflanzen, zu gleichen Teilen, reicht oft völlig aus. Ein bis zwei Teelöffel pro Tasse, acht bis 10 Minuten ziehen lassen, warm bis heiß trinken.
Wenn Husten dazukommt, besonders zäher Schleim oder ein belegtes Bronchialgefühl, kommt Thymian ins Spiel. Thymian ist keine reine Fieberpflanze, sondern eine Atemwegspflanze. Ein Teelöffel Thymiankraut auf eine Tasse heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, zwei bis drei Tassen täglich. Auch eine vorsichtige Inhalation kann sinnvoll sein. Dabei gilt: nicht verbrühen und nicht bei kleinen Kindern unbeaufsichtigt anwenden.
Salbei passt vor allem bei Halsschmerzen, entzündeter Mundschleimhaut und gereiztem Rachen. Hier ist Gurgeln oft besser als literweises Trinken. Einen Teelöffel Salbeiblätter mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abkühlen lassen und mehrmals täglich gurgeln. Als Tee nur maßvoll verwenden, denn Salbei kann austrocknend wirken.

Salbeitee wirkt gesünder, wenn er gegurgelt statt getrunken wird.

Foto: iStock/soniabonet

Erst frösteln, dann schwitzen: Die Phase entscheidet

Ist das Fieber bereits da, entscheidet die Phase. Friert der Kranke noch? Sind Hände und Füße kalt? Gibt es Schüttelfrost? Dann steigt das Fieber. In dieser Phase sind kalte Anwendungen falsch. Der Körper will Wärme aufbauen. Also Wärme geben: Bett, Tee, warme Füße, Ruhe.
Ist der Körper dagegen heiß, sind Beine und Füße warm, schwitzt der Mensch oder empfindet die Hitze als belastend, dann kann man Wärme ableiten. Jetzt kommen die guten alten Wadenwickel ins Spiel. Aber bitte richtig.
Auf einen halben Liter Wasser gibt man einen Esslöffel Essig. Zwei Leinentücher oder Küchenhandtücher eintauchen, leicht auswringen und um die Waden legen. Ein dickes Badetuch unter die Beine, damit das Bett trocken bleibt. Die Wickel werden je nach Fieber recht rasch warm. Dann können sie ein bis dreimal erneuert werden. Dabei immer wieder die Temperatur kontrollieren. Die Beine dürfen nicht kalt werden. Merke: Wadenwickel sollen das Fieber senken, nicht den Kranken auskühlen.
Auch kalte Abreibungen mit einem feuchten Waschlappen können hilfreich sein, wenn der Körper heiß ist und Wärme abgeben kann. Bei Frösteln lässt man das bleiben. Kneipp war kein Vertreter von Kälte um jeden Preis. Seine Wasseranwendungen beruhen auf Reiz und Antwort. Die Anwendung muss zum Zustand des Menschen passen.

Essen nur, wenn Hunger da ist

Beim Essen gilt eine einfache Regel: Nur wenn Hunger da ist. Bei Fieber verschwindet der Appetit häufig nicht aus Laune, sondern weil der Körper Verdauungsenergie spart. Niemand wird schneller gesund, weil man ihm bei 39 Grad Celsius noch eine schwere Mahlzeit aufdrängt.
Sinnvoll sind Tee, Wasser bei Durst, etwas Gemüsebrühe, eine leichte Suppe, vielleicht Reis, Kartoffeln oder gedünsteter Apfel, wenn Appetit vorhanden ist. Weniger sinnvoll sind Alkohol, Süßigkeiten, schwere Milchprodukte und die berühmte, angeblich wieder zu Kräften bringende, kräftige Kost, während der Körper gerade alles andere als Verdauungsarbeit bestellt hat.

Unterstützung, aber keine Wunderwaffe: Vitamin C und Zink

Vitamin C und Zink können unterstützen. Vitamin C gehört zuerst auf den Teller: Hagebutte, Sanddorn, Beeren, Paprika, Zitrusfrüchte, Sauerkraut. Ergänzend kann man während eines Infekts versuchen, über den Tag verteilt 500 bis 1.000 Milligramm einzunehmen, sofern es gut vertragen wird. Manche nehmen deutlich mehr und schwören darauf.
Zink ist vor allem in der Frühphase interessant, möglichst in den ersten 24 Stunden. Kurzfristig kann es sinnvoll sein, dauerhaft hochdosiert dagegen nicht. Und: Zink-Nasensprays würde ich meiden.

Fazit

Fieber ist kein Feind, den man sofort niederringen muss. Es ist ein Zeichen, dass der Körper arbeitet, und es ist auch ein Heilmittel, mit dem sich der Körper selbst helfen will. Entscheidend ist nicht nur die Zahl auf dem Thermometer, sondern der Mensch, der vor einem liegt: frierend oder schwitzend, klar oder benommen, durstig oder erschöpft.
Die vergessene Kunst besteht heute darin, nicht jede Reaktion des Körpers sofort zu unterbrechen, sondern sie richtig zu begleiten. Gute Medizin beginnt nicht mit dem stärksten Mittel, sondern mit genauer Beobachtung und Beurteilung.