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König Harald an letzte Ruhestätte gebracht

Norwegens verstorbener König Harald V. ist nach einem Trauerzug durch Oslo an seiner letzten Ruhestätte eingetroffen. Wie Live-Aufnahmen des norwegischen Rundfunksenders NRK zeigten, kam der Sarg mit dem Leichnam des Monarchen am frühen Nachmittag an der Schlosskirche der Festung Akershus an. Dort befindet sich das königliche Mausoleum, in dem der Vater des neuen Königs Haakon VIII. kurz darauf beigesetzt werden sollte.

Letzte Ruhestätte neben Haralds Großeltern und Eltern

Nach Angaben des Königshauses sollte es nach der Überführung des Sargs in die Schlosskirche eine private Zeremonie für die Königsfamilie sowie royale Gäste und andere staatliche Würdenträger geben.
Letztlich sollte Haralds Sarg in die Krypta gebracht werden, in der sich bereits auch die Sarkophage der ersten beiden Königspaare des unabhängigen Norwegens befinden – die von Haralds Großeltern König Haakon VII. und Königin Maud sowie Haralds Eltern König Olav V. und Kronprinzessin Märtha.

Mitglieder der Königlichen Garde tragen den Sarg des verstorbenen norwegischen Königs Harald V. zur Festung Akershus, wo er im königlichen Mausoleum beigesetzt werden soll.

Foto: Tor Richardsen / POOL / AFP via Getty Images

Nach der Zeremonie werden der neue König Haakon und seine Frau Königin Mette-Marit planmäßig in den Hof der Festung kommen. Die auf halbmast wehenden Flaggen werden dann wieder nach oben gezogen und ein doppelter Königssalut wird abgefeuert. Gleichzeitig sollen die Kirchenglocken im ganzen Land für eine Stunde läuten.

Abschied von Harald V.: König Haakon VIII., Königin Mette-Marit und Königin Sonja bei der Trauerfeier im Osloer Dom.

Foto: Paul S. Amundsen / POOL / AFP via Getty Images

Zehntausende in Oslo auf den Straßen

Später am Nachmittag wollte sich die Königsfamilie um Haakon, Mette-Marit, ihre beiden gemeinsamen Kinder Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus sowie Haralds Frau Königin Sonja auf dem Balkon des Osloer Königsschlosses zeigen.
Es wurde damit gerechnet, dass die Familie von einer riesigen Menschenmenge empfangen wird – bereits während des Trauerzugs durch die norwegische Hauptstadt säumten Zehntausende Menschen die Straßenränder.
König Harald war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Der beim norwegischen Volk äußerst beliebte Monarch war mehr als 35 Jahre lang Staatsoberhaupt des wohlhabenden skandinavischen Landes gewesen.
Sein Sohn Haakon wurde im Moment des Todes zum neuen König, wenige Tage darauf legte der 53-Jährige im Parlament von Oslo auch den Eid auf die Verfassung ab. (dpa/red)
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Digitalministerium: Digitale Brieftasche „d-you“ startet am 2. Januar

Führerschein, Personalausweis und Krankenkassenkarte in einer App – am 2. Januar will das Digitalministerium dafür das staatliche Angebot „d-you“ freischalten. Minister Karsten Wildberger (CDU) stellte am Mittwoch den Namen, das Logo und die ersten Partner für die Umsetzung der digitalen Brieftasche vor.
Perspektivisch sollen auf der Plattform auch viele weitere Dokumente gespeichert werden können. Dazu gehören etwa Uni-Zeugnisse und Gehaltsabrechnungen sowie Mitarbeiterausweise oder Kundenkarten.

„Echten Mehrwert“ schaffen

„Mit d-you entwickeln wir eine digitale Anwendung, die echten Mehrwert bietet, den Menschen in den Mittelpunkt stellt und Vertrauen schafft“, erklärte Wildberger. „Um d-you herum entsteht ein Ökosystem, das neue Anwendungen, innovativere Geschäftsmodelle und effizientere Verwaltungsleistungen ermöglicht.“

Digitale Brieftasche „d-you“: Ab Januar sollen Führerschein, Personalausweis und Krankenkassenkarte per App verfügbar sein. (Symbolbild)

Foto: Miguel Medina / AFP

Umsetzung einer EU-Verordnung

Mit der d-you-App setzt das Digitalministerium eine EU-Verordnung um. Sie sieht vor, dass die 27 Mitgliedstaaten bis zum Ende des Jahres die Möglichkeit einer digitalen Brieftasche – der EUDI-Wallet – schaffen. EUDI steht für European Digital Identity.
In Wildbergers Vorstellung soll dieses Angebot deutlich ausgeweitet werden und neben Behörden auch Unternehmen offen stehen.
Mit der App sollen sich Bürgerinnen und Bürger gegenüber Behörden und Unternehmen identifizieren können. Unternehmen könnten die Plattform nutzen, um etwa Mitarbeiterausweise, Versicherungszertifikate oder Kundenkarten auszustellen.

40 Partner zum Start

Die erste Liste von 40 Partnerunternehmen und -organisationen, die laut Digitalministerium am 2. Januar mit eigenen Anwendungen der App starten wollen, ist breit gefasst:
Neben Behörden wie der Bundesagentur für Arbeit oder der Deutschen Rentenversicherung finden sich darauf Unternehmen wie die Post, Vodafone oder Rossmann, mehrere Universitäten, Landkreise und Stadtverwaltungen oder der Hamburger Verkehrsverbund. (afp/red)
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Katastrophenvorsorge: „Deutschland ohne Strom völlig geliefert“


In Kürze:

  • Laut einer Studie sind alle Länder der Welt nicht optimal auf große, für viele tödliche Katastrophen vorbereitet.
  • Ein Atomkrieg, Naturkatastrophen oder ein langandauernder Blackout würde das alltägliche Leben weltweit komplett in Chaos versetzen.
  • Am besten schneidet im internationalen Vergleich Australien ab.
  • Wäre Deutschland für längere Zeit stromlos, würde vieles zusammenbrechen.
  • Die Studie soll die Menschen sensibilisieren – jeder kann sich auch selbst vorbereiten.

 
Tödliche Seuche, langandauernder Blackout, nuklearer Konflikt: Mehrere mögliche Katastrophenszenarien können vernichtende Auswirkungen auf unsere globale Zivilisation haben.
Eine neue internationale Forschungsarbeit des Umweltwissenschaftlers Dr. Florian Ulrich Jehn und einem internationalen Team kommt zu dem Schluss, dass kein Land der Erde gegen alle Risiken eines solchen Extremszenarios abgesichert ist. Jehn ist seit diesem Jahr an der FernUniversität in Hagen tätig.
Die Studie trägt den Titel „No place to hide? Regional resilience and vulnerability to global catastrophic risk“, zu Deutsch: Kein Ort zum Verstecken? Regionale Resilienz und Anfälligkeit gegenüber globalen Katastrophenrisiken. Sie zeigt, auf welche Schutzfaktoren es im Ernstfall ankommt und wie gut die Erfolgschancen stehen.

Welche Katastrophen berücksichtigt die Studie?

Es gibt einige mögliche Szenarien, die dafür sorgen könnten, ein globales Chaos auszulösen – und viele Menschenleben auszulöschen. Die Studienautoren haben die Auswirkungen verschiedener katastrophaler Großereignisse untersucht. „Es geht uns um Szenarien, die mindestens zehn Prozent der Menschheit auf einen Schlag auslöschen könnten. In einem kurzen Zeitraum schaffen das nicht viele Katastrophen“, erklärte Jehn.
Dazu zählen ein Atomkrieg oder der Ausbruch eines Supervulkans wie der Yellowstone in den USA oder die Campi Flegrei in Italien. Diese Ereignisse können einen nuklearen Winter, also eine längerfristige Reduzierung des Sonnenlichteinfalls verursachen. Das hätte unter anderem Auswirkungen auf unsere Lebensmittelproduktion. Viele Pflanzen würden eingehen, da ihnen das wichtige Sonnenlicht fehlt. Es käme zu massiven Ernteausfällen.
Noch unmittelbarer würde dies unsere Stromerzeugung betreffen: Die Erzeugung der „Erneuerbaren“ würde nahezu vollständig wegfallen. Ebenso sinken die Temperaturen. „So etwas würde dazu führen, dass es global kälter wird“, sagte Jehn.
Katastrophen

Bricht ein kleiner Vulkan wie hier in Island aus, ist das meist ein spannendes Naturspektakel, das man aus sicherer Entfernung bestaunen kann. Bricht jedoch ein weitaus großflächigerer Supervulkan aus, kann er unter Umständen die ganze Welt für längere Zeit mit gigantischen Aschewolken verdunkeln.

Foto: Thorir Ingvarsson/iStock

Ein anderes Katastrophenszenario wäre ein großflächiger und langandauernder Stromausfall, auch Blackout genannt. Dass dies passieren kann, hat die iberische Halbinsel im vergangenen Jahr gezeigt. Störfrequenzen von Wechselrichtern haben in Spanien, Portugal und bis in Teilen Südfrankreichs zu einem Komplettausfall geführt. „Ohne Elektrizität haben wir auch schnell keinen Brennstoff mehr, ja nicht einmal Dünger für die Felder“, merkte Jehn hierzu an.
Weitere Katastrophenszenarien könnte ein Asteroideneinschlag sein, sowie elektromagnetische Impulse in großer Höhe oder geomagnetische Stürme. Auch großangelegte Cyberangriffe und Pandemien können zu einem globalen Chaos führen.

Deutschland wenig resilient

Obwohl wie erwähnt kein Land der Welt eine Absicherung gegen alle Katastrophenszenarien bietet, so gibt es dennoch Unterschiede zwischen den Staaten. Die Studienautoren nennen zwar keine Rangliste, erwähnen aber konkret einzelne Staaten hinsichtlich ihrer Resilienz und Widerstandsfähigkeit.
„Deutschland ist jedenfalls keines der resilienteren Länder. Ohne Strom ist es völlig geliefert“, urteilte Jehn. „Wo es zumindest punktet, ist bei der demokratischen Stabilität und der Nahrungsproduktion.“ Letzteres dürfte jedoch bei einer verdunkelten Sonne schnell zusammenbrechen – nach aktuellem Stand.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam vor rund vier Jahren schon eine Analyse in Hessen, wonach die Folgen nach einem Blackout gravierend wären. Demnach sei bereits binnen den ersten 96 Stunden eines solchen Ausfalls mit „mehreren Hundert Toten“ zu rechnen. Es würde die schwächsten der Gesellschaft treffen, vor allem Patienten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Australien am besten gewappnet

Weitaus besser sind die Resultate auf der anderen Seite der Erdkugel – besonders in Australien. Nach Aussage von Jehn „schneidet es bei uns gut ab.“ Sollte ein nuklearer Winter auftreten, wären die meist hohen Temperaturen ein Vorteil für die hiesigen Einwohner.
„Es ist eine Insel, sodass es sich einfacher abschotten und isolieren kann. Australien produziert unheimlich viel Nahrung, hat viel eigene Industrie und Bergbau“, schilderte der Umweltwissenschaftler. „Außerdem ist es reich und eine recht stabile Demokratie – all das sind Sachen, die ein Land resilienter machen.“ Auch das benachbarte Neuseeland erfülle viele dieser Punkte, habe jedoch weniger Industrie, sei bedeutend kleiner und dadurch weniger autark.
Doch Kontinent auf anderen Seite der Erde wies bei der Untersuchung der Forscher auch Nachteile auf. Australien sei laut Jehn stark auf Importe wichtiger Produkte wie Medikamente, Treibstoffe und Düngemittel angewiesen. Brechen diese im Ernstfall weg, könne es auch dort bald kritisch werden.
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Entscheidend bei der Krisenbewältigung ist unter anderem ein gut funktionierendes Gesundheitssystem. Wie gut es in welchem Land ist, zeigt der Weltweite Gesundheitssicherheitsindex (Global Health Security Index)

Ziel ist die Sensibilisierung

Der FernUni-Forscher erläuterte zudem den Zweck dieser Ausarbeitung. „Unser Ziel ist es, […] fürs Thema zu sensibilisieren“, so Jehn. „Es ist etwas, worüber wir als Gesellschaft dringend nachdenken sollten.“
Weiter sagte er: „Katastrophen in dieser Größenordnung kommen in deutschen Debatten kaum vor. Wenn man sich aber gar nicht vorbereitet, läuft’s auf jeden Fall schief.“ Auch der Krisen- und Energieexperte Stefan Spiegelsperger sagt passend dazu immer wieder: „Wer es schafft, sich vorzubereiten, ist vorbereitet, es zu schaffen.“
Dabei gäbe es laut Jehn Spielräume. Diese beinhalten beispielsweise Handelsverträge mit anderen Ländern, die den Austausch von überlebenswichtigen Waren auch im Notfall garantieren. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob der Handelspartner im Ernstfall wirklich die Waren ausliefern kann oder will.
Ebenso spricht Jehn von „sogenannten ‚resilient foods‘. Das sind Nahrungsmittel, die auch im Katastrophenfall große Produktionsmengen erlauben würden.“ Dazu zählen etwa spezielle Bakterien, die in Bioreaktoren Nährstoffe zu gehaltvollem Proteinpulver verstoffwechseln. Generell verfüge Deutschland über viel technisches Wissen und, abgesehen von den Haushaltslücken, finanzielle Mittel – eigentlich gute Voraussetzungen, um sich zu wappnen.

Vorbereitung für alle Fälle

„Man kann schon vieles machen“, ermutigte Jehn zu proaktivem Handeln. „Gesellschaften können so einiges überstehen, wenn sie sich nur vorbereiten und solidarisch bleiben.“ Und im besten Fall, so ein hoffnungsvoller Schluss der Studie, lassen sich Schreckensszenarien völlig abwenden. „Prävention ist natürlich immer besser als Resilienz“, da ist sich der Forscher sicher.
Spiegelsperger wird da konkreter und hat eine umfassende Checkliste für einen Blackout oder andere Katastrophenfälle für jede Privatperson erstellt, die in verschiedene Rubriken unterteilt ist. Hierzu zählen besonders Erste Hilfe, Wärme, Licht, Wasser, Nahrung, Kommunikation und Hygiene. Seiner Ansicht nach sollte man sich mindestens drei Wochen lang ohne externe Versorgung selbst versorgen können.
Ebenso empfiehlt der Krisenexperte einen Fluchtrucksack bereitzuhalten, falls man schnell seine Wohnung verlassen muss. „Ein Notfallrucksack kann leider schneller nötig werden, als einem lieb ist. Siehe Ahrtal“, schreibt er. Auch Kälte, ein Chemieunfall, ein Supergau sowie Feuer könnten einen akuten Fluchtgrund darstellen.
Die Studie erschien am 23. August 2026 in der Fachzeitschrift „Global Challenges“.
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SIM-Karten-Betrug: So können Betrüger Ihre Nummer stehlen und Ihr Konto plündern


In Kürze:

  • Betrüger übernehmen eine Mobilfunknummer, um SMS-Sicherheitscodes abzufangen und auf Konten zuzugreifen.
  • Plötzlicher Netzverlust, unerwartete Passwortänderungen oder unbekannte Transaktionen können auf einen Angriff hindeuten.
  • Bei Verdacht sofort Mobilfunkanbieter und Bank informieren. Authenticator-Apps bieten eine sichere Alternative zur SMS.

 
Das Handy selbst wird dabei meist nicht gehackt. Stattdessen übernehmen die Betrüger die Mobilfunknummer und lassen sie auf eine von ihnen kontrollierte SIM- oder eSIM-Karte übertragen. So landen Sicherheitscodes per SMS direkt bei den Tätern.
Für die Betroffenen kommt der Schock oft plötzlich: Das Handy hat auf einmal keinen Empfang mehr. Erst danach entdecken sie möglicherweise geänderte Passwörter oder unautorisierte Transaktionen. Auch im französischen Département Somme wird derzeit wieder vor dieser Betrugsmasche gewarnt, so „RMC Conso“.
„Die Übernahme einer SIM-Karte – der Betrug, der Ihre Konten in 60 Sekunden leert“ lautet die Überschrift einer Warnung, die die Gendarmerie der Somme auf Facebook veröffentlicht hat.

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Die Telefonnummer wird zum Angriffsziel

SIM-Swapping funktioniert über Identitätsdiebstahl: Die Betrüger geben sich beim Mobilfunkanbieter als Inhaber der Telefonnummer aus und beantragen eine neue SIM-Karte oder eSIM. Die bisherige Nummer wird dabei auf die Karte der Täter übertragen.
An die dafür nötigen Daten gelangen die Kriminellen beispielsweise durch Phishing, öffentlich zugängliche Informationen oder Datenlecks. Auch ein unbeaufsichtigtes Handy oder eine SIM-Karte – etwa während einer Reparatur – kann zum Einfallstor werden.
Das Ziel: Die Täter wollen SMS mit Sicherheitscodes abfangen. Der Cyberexperte Damien Bancal erklärt gegenüber „RMC Conso“:
„Der Hacker erhält die Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS.“
Damit können Betrüger unter Umständen Käufe bestätigen, Geld überweisen oder sogar neue Konten eröffnen.

Eine Schwachstelle bei der Authentifizierung per SMS

Die Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS ist weiterhin ein nützlicher Schutz gegen die einfache Verwendung eines gestohlenen Passworts. Sie wird jedoch angreifbar, wenn Kriminelle die Mobilfunknummer selbst übernehmen.
Das sogenannte SIM-Swapping bedeutet deshalb nicht, dass eine Zwei-Faktor-Authentifizierung grundsätzlich sinnlos ist. Vielmehr zeigt die Betrugsmasche die Grenzen von SMS als einzigem zweiten Authentifizierungsfaktor auf.
Betrüger können versuchen, Passwörter zurückzusetzen und anschließend die per SMS erhaltenen Codes zu nutzen, um eine Anmeldung oder Transaktion zu bestätigen. Besonders gefährdet sind Dienste, bei denen die Kontowiederherstellung oder die Bestätigung von Vorgängen hauptsächlich über die Telefonnummer erfolgt.
Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtet aktuell über einen Fall, bei dem einem Opfer nach der Übernahme seiner Mobilfunknummer 16.964 Euro gestohlen wurden. Ein Gericht verurteilte daraufhin den Mobilfunkanbieter und die Bank zur Zahlung von Schadenersatz.
„Le Monde“ beschreibt SIM-Swapping als die Übernahme einer Mobilfunkleitung. Dabei beantragen die Täter beim Mobilfunkanbieter eine SIM-Karte oder eSIM, die mit der Telefonnummer des Opfers verknüpft ist.

Diese Warnsignale sollten Sie ernst nehmen

Ein unerklärlicher Verlust des Mobilfunknetzes in einem Gebiet, in dem normalerweise Empfang besteht, ist das erste Warnzeichen, auf das man achten sollte.
Auch folgende Anzeichen können auf einen laufenden Betrug hindeuten:
  • plötzlich können keine Anrufe mehr getätigt oder empfangen werden,
  • SMS können nicht mehr gesendet oder empfangen werden,
  • der Zugriff auf bestimmte Apps funktioniert nicht mehr,
  • man erhält Benachrichtigungen über Änderungen von Passwörtern, die man selbst nicht vorgenommen hat.
Bei solchen Anzeichen sollte man als Erstes den Mobilfunkanbieter von einem anderen Telefon aus kontaktieren und überprüfen lassen, was mit der eigenen Leitung passiert ist.
Nach den von „RMC Conso“ genannten Empfehlungen sollte man „den Betrug dem Mobilfunkanbieter melden, die Deaktivierung der neuen SIM-Karte verlangen und die alte Karte wieder aktivieren lassen“.
Auch die Bank sollte unverzüglich informiert werden, damit verdächtige Transaktionen blockiert und die betroffenen Zugänge gesichert werden können.
Eine Anzeige bei der Polizei sowie die Sicherung aller relevanten Beweismittel – etwa Kontoauszüge, Screenshots, die Uhrzeit des Netzausfalls und empfangene Nachrichten – können die weiteren Schritte erleichtern.
Außerdem wird empfohlen, zunächst das Passwort des eigenen E-Mail-Kontos zu ändern. Dieses wird häufig verwendet, um den Zugang zu anderen Diensten zurückzusetzen.

So können Sie das Risiko einer Übernahme verringern

Der Schutz beginnt beim Kundenkonto des Mobilfunkanbieters. Ein einzigartiges und starkes Passwort sowie – sofern verfügbar – ein vertraulicher Sicherheitscode für besonders sensible Vorgänge erschweren es Betrügern, einen unberechtigten Austausch der SIM-Karte zu veranlassen.
Nutzer sollten außerdem vermeiden, ihre Telefonnummer öffentlich zu verbreiten. Einen per SMS erhaltenen Code sollte man niemals an eine Person weitergeben, die Sie unaufgefordert kontaktiert – selbst dann nicht, wenn sich diese Person als Bankmitarbeiter oder Mitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens ausgibt.
Nachrichten oder Anrufe, die ein Gefühl von Dringlichkeit erzeugen, sollten dazu führen, dass man das betreffende Unternehmen selbst über die offiziellen Kontaktdaten kontaktiert. Schließlich empfiehlt die Gendarmerie der Somme, „SMS durch Anwendungen wie Google Authenticator oder Microsoft Authenticator zu ersetzen“.
Diese Anwendungen erzeugen die Anmeldecodes direkt auf dem Gerät und sind nicht darauf angewiesen, dass SMS über die Mobilfunkleitung empfangen werden.
Diese Maßnahme ersetzt zwar nicht die notwendige Vorsicht, verringert jedoch den Nutzen einer übernommenen Telefonnummer für Betrüger erheblich.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.fr unter dem Titel „Arnaque à la carte SIM : comment les escrocs peuvent détourner votre numéro et vider votre compte“ (redaktionelle Bearbeitung: vm)
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Freiburg: 74-Jähriger auf offener Straße erstochen – Tatverdächtiger gefasst

In Freiburg ist ein 74-jähriger Mann auf offener Straße erstochen worden. Ein Tatverdächtiger wurde kurz darauf am Dienstagabend festgenommen, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch in der baden-württembergischen Stadt sagte. Das Motiv und die Hintergründe waren zunächst unklar. Die Tat ereignete sich nahe einem kirchlichen Gemeindezentrum im Stadtteil Rieselfeld. Ein religiöses Tatmotiv schloss die Polizei nach ersten Erkenntnissen aus.
Ein Zeuge hatte demnach am Dienstagabend den Notruf gewählt. Trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnte der leblos aufgefundene 74-Jährige nicht mehr gerettet werden. In welchem Verhältnis er zu dem Verdächtigen stand, war zunächst unklar. Zum Alter des Verdächtigen konnte der Sprecher keine Angaben machen. Die Ermittlungen dauerten an.
Bereits am Sonntag war in Freiburg ein 29-Jähriger bei einem Messerangriff verletzt worden. Er hatte sich nach bisherigen Erkenntnissen mit einem Unbekannten auf einem Gebäudevorplatz getroffen. Dort soll der Mann den 29-Jährigen aus zunächst ungeklärten Gründen unvermittelt mit einem Messer angegriffen haben. Ob zwischen den beiden Taten ein Zusammenhang besteht, ist nach Angaben des Sprechers Gegenstand der Ermittlungen. (afp/red)
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Aus dem Hamsterrad: Mann baut autarkes Eigenheim – und hat eine Idee

Es ist zu einer weitverbreiteten Herausforderung geworden: In der aktuellen Wirtschaftslage scheint der Kauf eines Traumhauses für viele nur noch ein Traum zu sein. Vor einem Jahrzehnt geriet Cameron Ringland, ein Mann aus Ontario, in diesen nur allzu bekannten Kreislauf. Der seinerzeit in Europa und Südostasien als Pädagoge tätige Kanadier musste mit ansehen, wie die galoppierende Inflation den Immobilienmarkt in seiner Heimat in eine lebenslange Falle verwandelte.
„Meine Frau und ich wussten beide, dass wir eines Tages nach Kanada zurückkehren wollten“, erzählte der mittlerweile 58-jährige Ringland gegenüber Epoch Times aus seiner gemütlichen Wohnung in der Nähe von Budapest. „Aber ich erinnere mich noch genau, wie ich ihr sagte: Wir kehren nicht zurück, nur um uns fünf Jahre lang die Seele aus dem Leib zu schuften und Geld in eine traditionelle Mietfalle zu stecken.“
Für Ringland, einen ehemaligen Baumpflanzer, der 20 Jahre lang mehr als 1 Million Setzlinge in kanadischen Boden gepflanzt hatte, bestand die Lösung nicht darin, einen besseren Job innerhalb des Systems zu finden. Vielmehr ging es ihm darum, ganz aus diesem Hamsterrad auszusteigen.

Gekauft, ungesehen …

Am Neujahrstag 2019, bei einer Tasse Kaffee in Da Nang in Vietnam, fand er online seinen Ausweg: ein nicht erschlossenes, vollständig bewaldetes 1,5 Hektar großes Grundstück auf Cape Breton in Nova Scotia. Er kaufte es ohne Besichtigung und unterzeichnete einen vom Eigentümer finanzierten Vertrag, der lediglich eine Anzahlung von 10 Prozent vorsah, womit er traditionelle Bankinstitute vollständig umging.
„Wenn man im Netz lebt, lebt man in einer Blase der Illusion“, sagte Ringland, der ursprünglich aus dem ländlichen Ontario stammt. „Man merkt gar nicht, dass diese Blase überhaupt existiert, bis sie platzt.“
Als die Corona-Pandemie im Jahr 2020 die Weltwirtschaft zum Erliegen brachte und die Stadtbevölkerung in ihren vier Wänden festhielt, befanden sich Ringland und seine Frau tief im Wald und setzten dort einen radikalen alternativen Plan um. Als die regionale Baumpflanzsaison aufgrund von Sicherheitsvorschriften für Fahrgemeinschaften abrupt abgebrochen wurde, leitete er seine verlängerten saisonalen Arbeitslosengeldzahlungen systematisch in Vollzeit-Baukapital um.

In den Mühlen der Bürokratie

Das größte Hindernis waren nicht die Witterungsbedingungen, sondern die starre lokale Bürokratie. Die kommunalen Baubehörden in Richmond County lehnten seinen alternativen Entwurf zweimal ab, da sie einem netzunabhängigen Wohnhaus, das vollständig mit Strohballen gedämmt und aus direkt auf dem Grundstück geschlagenen Baumstämmen errichtet werden sollte, äußerst skeptisch gegenüberstanden.
„Der örtliche Bauinspektor dachte, ich käme vom Mars“, sagte Ringland.
Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, entwickelte er einen taktischen Kompromiss. Er kaufte digitale Architekturpläne für 60 US-Dollar von einem Designer in Bangladesch, beauftragte einen örtlichen Bauingenieur, um die kommunalen Sicherheitsvorschriften zu erfüllen, und gab einen zertifizierten lokalen Bauunternehmer als Berater an, um seinen dritten Antrag genehmigt zu bekommen – endlich.

Unser kleines Haus

In einem viermonatigen, zermürbenden Kraftakt errichtete das Paar Seite an Seite ein rund 58 Quadratmeter großes Haus auf sechs hochbelastbaren Stahlschraubpfählen, die tief bis unter die regionale Frostgrenze getrieben wurden. Um die unerschwinglichen Kosten von 30.000 Dollar für eine Brunnenbohrung zu vermeiden, nutzte Ringland das natürliche Gefälle des Grundstücks von 6 Prozent, um eine pumpenlose, durch Schwerkraft gespeiste Wasserleitung von einem 1.000-Liter-Regenwassersammelbehälter direkt zu seinen Sanitäranlagen im Haus zu verlegen.
Die Energieversorgung sicherten sie mit einer vertikalen 400-Watt-Solaranlage, die so ausgerichtet war, dass im Winter angesammelter Schmutz einfach abrutschen konnte, und heizten über ein komplexes Mischbrennstoffsystem, bestehend aus einem luftdichten Holzofen, Kerosinöfen und einem dieselbetriebenen Heizgerät. Dadurch entfielen laufende Nebenkosten vollständig, sodass sie nur noch 650 Dollar an jährlichen Grundsteuern zahlen mussten.
Für kurze Zeit sah es nach einem vollständigen Triumph über das Wirtschaftssystem aus. Geschafft! Doch Freiheit, so musste Ringland bald erfahren, hat einen hohen physischen und psychischen Preis.

Das Feuer muss brennen

Am Cedar Drive, der noch nicht erschlossenen Straße, an der sie bauten, waren 17 Grundstücke verkauft worden. Doch die Ringlands waren die einzigen Bewohner, die tatsächlich eine Unterkunft errichteten. Als die anfängliche Romantik langsam verblasste, forderte der Betrieb mehrerer Heizsysteme seinen Tribut. Die unablässigen Schneestürme mit Minusgraden hielten regelmäßig bis weit in den April hinein an. Die Arbeit war unerbittlich: Sie mussten unzählige Male zweieinhalb Meter lange Baumstämme heranschleppen, sie zuschneiden und dann von Hand mit der Axt spalten. All das nur, um die Öfen am Brennen zu halten. Die Tageslichtstunden wurden von dieser erschöpfenden Arbeit vollständig aufgezehrt.
Und dann war da noch die intensive kulturelle Isolation. Die alternde, abgeschottete ländliche Bevölkerung betrachtete die Ringlands mit stiller Skepsis und bezeichnete sie als „Come From Aways“, „die Auswärtigen“.
Im Winter 2025 zerbrach der Traum unter der Last der Einsamkeit. Auf der Suche nach körperlicher Erholung und einer Flucht vor den sozialen Spannungen vor Ort packten sie ihre Koffer und nahmen einen befristeten Beraterjob in der Nähe von Budapest in Ungarn an. Das Paar bot sein Objekt auf dem traditionellen Immobilienmarkt für 144.500 Dollar (circa 124.000 Euro) zum Verkauf an. Die Anzeige las sich wie eine bittersüße Mahnung: „Die Wildnis hat gesiegt. Es erwies sich als unmöglich, der modernen Maschinerie dauerhaft zu entkommen, ohne die menschliche Gemeinschaft zu verlieren.“
So flog Ringland Mitte Mai dieses Jahres allein nach Cape Breton zurück, in der Absicht, das Haus zu räumen und das Grundstück für den endgültigen Verkauf vorzubereiten. Doch als er die Schwelle überschritt und sein makelloses, eigenhändig erbautes Refugium betrachtete, das ruhig unter dem Frühlingshimmel lag, vollzog sich eine radikale Wandlung.
Innenansichten des Ringland-Gehöfts in den Wäldern von Cape Breton, Nova Scotia. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Innenansichten des Hauses der Ringlands in den Wäldern von Cape Breton, Nova Scotia.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Ein neuer Blickwinkel

„Die Erkenntnis kam mir in den letzten zwei Wochen“, sagte er. „Als mir bewusst wurde, wie viel eigene Arbeit in diesen Ort geflossen war, wusste ich: Wenn ich mich komplett davon abwenden und ihn verkaufen würde, würde ich es mein ganzes Leben lang bereuen.“ Der Traum war nicht gescheitert. Es fehlten ihm einfach die Menschen.
Anstatt sich der vollständigen Veräußerung zu ergeben oder in die isolierte Selbstversorgung zurückzukehren, leitete Ringland eine kreative Umstrukturierung seines netzunabhängigen Modells ein. Er nahm das Grundstück vom Markt. Dann begann er, eine neue Zufahrtsstraße zu den unteren Teilen des Grundstücks anzulegen, um die Fläche in drei separate Miteigentumsanteile aufzuteilen.
In Zusammenarbeit mit spezialisierten Rechtsberatern für gemeinschaftliches Wohnen entwarf der Siedler rechtsverbindliche Verträge und wandelte sich vom einsamen Überlebenskünstler zum Organisator eines Gemeinschaftsverbunds, der Gleichgesinnten Anteilsbeteiligungen für 50.000 Dollar (circa 42.800 Euro) anbietet – genau ein Drittel des geschätzten Gesamtwerts des Grundstücks. Nach diesem neuen Modell erhalten neue Partner eine gerechte Eigentumsurkunde für das Land und ein natürlich gerodetes Baugrundstück, um ihre eigenen netzunabhängigen Rückzugsorte zu errichten. Während der Bauphase erhalten sie sogar vorübergehend Zugang zum ursprünglichen Wohnmobil des Paares.

Kanada, Italien, Ungarn – oder anderswo

Die Strategie der Teilhaberschaft trägt auf elegante Weise zwei Realitäten Rechnung. Die anfänglichen Anzahlungen liefern das Kapital, das die Ringlands benötigen, um eine Anzahlung für einen Zweitwohnsitz an der sizilianischen Küste zu leisten. Dort stehen aufgrund des demografischen Wandels historische Häuser leer und sind für weniger als 85.000 Dollar zu haben. Gleichzeitig entsteht damit eine lokale Mikrogemeinschaft in Kanada. Wenn sie jedes Frühjahr zurückkehren, werden die hohen physischen Belastungen des netzunabhängigen Lebens auf ein vertrauenswürdiges Netzwerk von Nachbarn verteilt.
Für Ringland, der nun bequem in seiner Wohnung in der Nähe von Budapest sitzt, während seine Frau einen Lehrauftrag erfüllt, ist die Rechnung nicht mehr nur finanzieller Natur. Es ist eine persönliche Angelegenheit.
„Alles ist einfach da“, sagte er und dachte über den tiefen Frieden eines hypothekenfreien Daseins nach. „Das Leben abseits des Stromnetzes hat etwas sehr Überschaubares. Es nimmt tatsächlich den Druck von diesem ganzen Geld-, Finanz- und Rechnungszahlungswahnsinn, in dem sich die Menschen heutzutage befinden. Für mich ist es einfach eine sehr wertvolle Art zu leben.“
Wohnen mit der Natur. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Wohnen mit der Natur.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Canadian Man Builds Off-Grid Homestead to Escape the Rat Race“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Aus dem Hamsterrad: Mann baut autarkes Eigenheim – und hat eine Idee

Es ist zu einer weitverbreiteten Herausforderung geworden: In der aktuellen Wirtschaftslage scheint der Kauf eines Traumhauses für viele nur noch ein Traum zu sein. Vor einem Jahrzehnt geriet Cameron Ringland, ein Mann aus Ontario, in diesen nur allzu bekannten Kreislauf. Der seinerzeit in Europa und Südostasien als Pädagoge tätige Kanadier musste mit ansehen, wie die galoppierende Inflation den Immobilienmarkt in seiner Heimat in eine lebenslange Falle verwandelte.
„Meine Frau und ich wussten beide, dass wir eines Tages nach Kanada zurückkehren wollten“, erzählte der mittlerweile 58-jährige Ringland gegenüber Epoch Times aus seiner gemütlichen Wohnung in der Nähe von Budapest. „Aber ich erinnere mich noch genau, wie ich ihr sagte: Wir kehren nicht zurück, nur um uns fünf Jahre lang die Seele aus dem Leib zu schuften und Geld in eine traditionelle Mietfalle zu stecken.“
Für Ringland, einen ehemaligen Baumpflanzer, der 20 Jahre lang mehr als 1 Million Setzlinge in kanadischen Boden gepflanzt hatte, bestand die Lösung nicht darin, einen besseren Job innerhalb des Systems zu finden. Vielmehr ging es ihm darum, ganz aus diesem Hamsterrad auszusteigen.

Gekauft, ungesehen …

Am Neujahrstag 2019, bei einer Tasse Kaffee in Da Nang in Vietnam, fand er online seinen Ausweg: ein nicht erschlossenes, vollständig bewaldetes 1,5 Hektar großes Grundstück auf Cape Breton in Nova Scotia. Er kaufte es ohne Besichtigung und unterzeichnete einen vom Eigentümer finanzierten Vertrag, der lediglich eine Anzahlung von 10 Prozent vorsah, womit er traditionelle Bankinstitute vollständig umging.
„Wenn man im Netz lebt, lebt man in einer Blase der Illusion“, sagte Ringland, der ursprünglich aus dem ländlichen Ontario stammt. „Man merkt gar nicht, dass diese Blase überhaupt existiert, bis sie platzt.“
Als die Corona-Pandemie im Jahr 2020 die Weltwirtschaft zum Erliegen brachte und die Stadtbevölkerung in ihren vier Wänden festhielt, befanden sich Ringland und seine Frau tief im Wald und setzten dort einen radikalen alternativen Plan um. Als die regionale Baumpflanzsaison aufgrund von Sicherheitsvorschriften für Fahrgemeinschaften abrupt abgebrochen wurde, leitete er seine verlängerten saisonalen Arbeitslosengeldzahlungen systematisch in Vollzeit-Baukapital um.

In den Mühlen der Bürokratie

Das größte Hindernis waren nicht die Witterungsbedingungen, sondern die starre lokale Bürokratie. Die kommunalen Baubehörden in Richmond County lehnten seinen alternativen Entwurf zweimal ab, da sie einem netzunabhängigen Wohnhaus, das vollständig mit Strohballen gedämmt und aus direkt auf dem Grundstück geschlagenen Baumstämmen errichtet werden sollte, äußerst skeptisch gegenüberstanden.
„Der örtliche Bauinspektor dachte, ich käme vom Mars“, sagte Ringland.
Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, entwickelte er einen taktischen Kompromiss. Er kaufte digitale Architekturpläne für 60 US-Dollar von einem Designer in Bangladesch, beauftragte einen örtlichen Bauingenieur, um die kommunalen Sicherheitsvorschriften zu erfüllen, und gab einen zertifizierten lokalen Bauunternehmer als Berater an, um seinen dritten Antrag genehmigt zu bekommen – endlich.

Unser kleines Haus

In einem viermonatigen, zermürbenden Kraftakt errichtete das Paar Seite an Seite ein rund 58 Quadratmeter großes Haus auf sechs hochbelastbaren Stahlschraubpfählen, die tief bis unter die regionale Frostgrenze getrieben wurden. Um die unerschwinglichen Kosten von 30.000 Dollar für eine Brunnenbohrung zu vermeiden, nutzte Ringland das natürliche Gefälle des Grundstücks von 6 Prozent, um eine pumpenlose, durch Schwerkraft gespeiste Wasserleitung von einem 1.000-Liter-Regenwassersammelbehälter direkt zu seinen Sanitäranlagen im Haus zu verlegen.
Die Energieversorgung sicherten sie mit einer vertikalen 400-Watt-Solaranlage, die so ausgerichtet war, dass im Winter angesammelter Schmutz einfach abrutschen konnte, und heizten über ein komplexes Mischbrennstoffsystem, bestehend aus einem luftdichten Holzofen, Kerosinöfen und einem dieselbetriebenen Heizgerät. Dadurch entfielen laufende Nebenkosten vollständig, sodass sie nur noch 650 Dollar an jährlichen Grundsteuern zahlen mussten.
Für kurze Zeit sah es nach einem vollständigen Triumph über das Wirtschaftssystem aus. Geschafft! Doch Freiheit, so musste Ringland bald erfahren, hat einen hohen physischen und psychischen Preis.

Das Feuer muss brennen

Am Cedar Drive, der noch nicht erschlossenen Straße, an der sie bauten, waren 17 Grundstücke verkauft worden. Doch die Ringlands waren die einzigen Bewohner, die tatsächlich eine Unterkunft errichteten. Als die anfängliche Romantik langsam verblasste, forderte der Betrieb mehrerer Heizsysteme seinen Tribut. Die unablässigen Schneestürme mit Minusgraden hielten regelmäßig bis weit in den April hinein an. Die Arbeit war unerbittlich: Sie mussten unzählige Male zweieinhalb Meter lange Baumstämme heranschleppen, sie zuschneiden und dann von Hand mit der Axt spalten. All das nur, um die Öfen am Brennen zu halten. Die Tageslichtstunden wurden von dieser erschöpfenden Arbeit vollständig aufgezehrt.
Und dann war da noch die intensive kulturelle Isolation. Die alternde, abgeschottete ländliche Bevölkerung betrachtete die Ringlands mit stiller Skepsis und bezeichnete sie als „Come From Aways“, „die Auswärtigen“.
Im Winter 2025 zerbrach der Traum unter der Last der Einsamkeit. Auf der Suche nach körperlicher Erholung und einer Flucht vor den sozialen Spannungen vor Ort packten sie ihre Koffer und nahmen einen befristeten Beraterjob in der Nähe von Budapest in Ungarn an. Das Paar bot sein Objekt auf dem traditionellen Immobilienmarkt für 144.500 Dollar (circa 124.000 Euro) zum Verkauf an. Die Anzeige las sich wie eine bittersüße Mahnung: „Die Wildnis hat gesiegt. Es erwies sich als unmöglich, der modernen Maschinerie dauerhaft zu entkommen, ohne die menschliche Gemeinschaft zu verlieren.“
So flog Ringland Mitte Mai dieses Jahres allein nach Cape Breton zurück, in der Absicht, das Haus zu räumen und das Grundstück für den endgültigen Verkauf vorzubereiten. Doch als er die Schwelle überschritt und sein makelloses, eigenhändig erbautes Refugium betrachtete, das ruhig unter dem Frühlingshimmel lag, vollzog sich eine radikale Wandlung.
Innenansichten des Ringland-Gehöfts in den Wäldern von Cape Breton, Nova Scotia. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Innenansichten des Hauses der Ringlands in den Wäldern von Cape Breton, Nova Scotia.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Ein neuer Blickwinkel

„Die Erkenntnis kam mir in den letzten zwei Wochen“, sagte er. „Als mir bewusst wurde, wie viel eigene Arbeit in diesen Ort geflossen war, wusste ich: Wenn ich mich komplett davon abwenden und ihn verkaufen würde, würde ich es mein ganzes Leben lang bereuen.“ Der Traum war nicht gescheitert. Es fehlten ihm einfach die Menschen.
Anstatt sich der vollständigen Veräußerung zu ergeben oder in die isolierte Selbstversorgung zurückzukehren, leitete Ringland eine kreative Umstrukturierung seines netzunabhängigen Modells ein. Er nahm das Grundstück vom Markt. Dann begann er, eine neue Zufahrtsstraße zu den unteren Teilen des Grundstücks anzulegen, um die Fläche in drei separate Miteigentumsanteile aufzuteilen.
In Zusammenarbeit mit spezialisierten Rechtsberatern für gemeinschaftliches Wohnen entwarf der Siedler rechtsverbindliche Verträge und wandelte sich vom einsamen Überlebenskünstler zum Organisator eines Gemeinschaftsverbunds, der Gleichgesinnten Anteilsbeteiligungen für 50.000 Dollar (circa 42.800 Euro) anbietet – genau ein Drittel des geschätzten Gesamtwerts des Grundstücks. Nach diesem neuen Modell erhalten neue Partner eine gerechte Eigentumsurkunde für das Land und ein natürlich gerodetes Baugrundstück, um ihre eigenen netzunabhängigen Rückzugsorte zu errichten. Während der Bauphase erhalten sie sogar vorübergehend Zugang zum ursprünglichen Wohnmobil des Paares.

Kanada, Italien, Ungarn – oder anderswo

Die Strategie der Teilhaberschaft trägt auf elegante Weise zwei Realitäten Rechnung. Die anfänglichen Anzahlungen liefern das Kapital, das die Ringlands benötigen, um eine Anzahlung für einen Zweitwohnsitz an der sizilianischen Küste zu leisten. Dort stehen aufgrund des demografischen Wandels historische Häuser leer und sind für weniger als 85.000 Dollar zu haben. Gleichzeitig entsteht damit eine lokale Mikrogemeinschaft in Kanada. Wenn sie jedes Frühjahr zurückkehren, werden die hohen physischen Belastungen des netzunabhängigen Lebens auf ein vertrauenswürdiges Netzwerk von Nachbarn verteilt.
Für Ringland, der nun bequem in seiner Wohnung in der Nähe von Budapest sitzt, während seine Frau einen Lehrauftrag erfüllt, ist die Rechnung nicht mehr nur finanzieller Natur. Es ist eine persönliche Angelegenheit.
„Alles ist einfach da“, sagte er und dachte über den tiefen Frieden eines hypothekenfreien Daseins nach. „Das Leben abseits des Stromnetzes hat etwas sehr Überschaubares. Es nimmt tatsächlich den Druck von diesem ganzen Geld-, Finanz- und Rechnungszahlungswahnsinn, in dem sich die Menschen heutzutage befinden. Für mich ist es einfach eine sehr wertvolle Art zu leben.“
Wohnen mit der Natur. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Wohnen mit der Natur.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Cameron Ringland

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Canadian Man Builds Off-Grid Homestead to Escape the Rat Race“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Mutmaßlicher Stromsaboteur festgenommen – NRW geht von Einzeltäter aus


In Kürze:

  • Der mutmaßliche Saboteur Daniel V. wurde nahe dem Kraftwerk Weisweiler in NRW festgenommen.
  • Bei ihm und in einem Zelt fanden Ermittler weitere Sprengmittel und Abschussvorrichtungen.
  • Innenminister Herbert Reul geht derzeit von einem Einzeltäter aus.

 
Die tagelange Fahndung nach dem mutmaßlichen Verantwortlichen für eine Serie von Sabotageakten gegen Umspannwerke ist zu Ende. Wie die Polizei Köln am Dienstag, 8. September, mitteilte, gelang es ihnen, einen 48-jährigen Tatverdächtigen nahe dem Kraftwerk Weisweiler festzunehmen. Ein offener Haftbefehl wurde vollstreckt, er ließ sich widerstandslos festnehmen.

Sprengmittel bei Festnahme von Daniel V. sichergestellt

Bei seiner Festnahme soll der Mann, den Medien Daniel V. nennen, weitere Sprengmittel bei sich gehabt haben. In unmittelbarer Nähe des Festnahmeortes fanden die Beamten ein im Unterholz aufgestelltes Zelt. Dort befanden sich den Angaben der Einsatzkräfte zufolge weitere Sprengladungen.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte im weiteren Verlauf des Tages gegenüber Medien, dass die Festnahme der Aufmerksamkeit einer Beamtin und ihrer Kollegen zu verdanken gewesen sei. Eine frühere Pressemitteilung der Polizei Köln legt die Annahme nahe, dass auch Hochspannungsleitungen in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler als Anschlagsziele vorgesehen gewesen sein könnten.
So habe man am Montagnachmittag dort mehrere Abschussvorrichtungen vorgefunden. In deren Bereich sei auch ein weiteres Bekennerschreiben aufgetaucht. Am Montagabend seien während der Absuche am Kraftwerk Weisweiler gegen 21 Uhr „Blitze und Knallgeräusche zu vernehmen“ gewesen. Wegen der einsetzenden Dunkelheit seien keine weiteren Untersuchungen möglich gewesen. Die Bundespolizei Aachen stellte für weitere Suchmaßnahmen eine Drohne mit Wärmebildkamera zur Verfügung.

Zelt und Fahrrad des Verdächtigen gefunden

Das Zelt, in dem sich der Verdächtige offenbar vorübergehend aufgehalten hatte, stand bisherigen Erkenntnissen zufolge in einer Schneise parallel zur Aldenhovener Straße. Die Spurensicherung soll auch das Fahrrad des Verdächtigen sichergestellt haben.
Wie der WDR berichtet, stammt Daniel V. aus Nordrhein-Westfalen. Seine letzte Wohnanschrift habe sich in Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis befunden.
Ermittler gehen davon aus, dass eine Reihe weiterer Anschläge geplant gewesen sein könnte.
Die Vorrichtungen sollten dazu dienen, durch den Abschuss selbstgebauter, mit einem Draht versehenene Raketen Kurzschlüsse herbeizuführen.
Zumindest in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wurden Vorrichtungen dieser Art vorgefunden. In mindestens zwei Fällen erreichte der Verdächtige offenbar sein Ziel. Daraufhin mussten einzelne Blöcke nahegelegener Kraftwerke vorübergehend abgeschaltet werden.

Reul geht von Daniel V. als Einzeltäter aus

Minister Reul geht derzeit davon aus, dass Daniel V. allein gehandelt und keine Mittäter gehabt habe. Die Ermittlungen dazu seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Zwei Bekennerschreiben konnten die Ermittlungsbehörden dem Tatverdächtigen mittlerweile zweifelsfrei zuordnen. Ein drittes Schreiben werde noch geprüft.
In den ersten beiden Schreiben habe er der Politik mangelnde Bemühungen beim Klimaschutz vorgeworfen.
Als Hauptmotivation habe er demnach das „Abwenden oder Vermeiden von unermesslichem Leid, das durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht wird“ angegeben. Offenbar habe er noch weitere Sabotageakte geplant. Nach Angaben von Reul gebe es zudem „Hinweise auf psychische Probleme“. Auch diesen Hinweisen wollen die Ermittler nun nachgehen.
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Anthropic-Forscher tritt aus Sorge vor unkontrollierbarer KI zurück

Ein Forscher der KI-Firma Anthropic ist mit einer drastischen Warnung zurückgetreten: Die großen Entwickler Künstlicher Intelligenz handelten unverantwortlich „und spielen mit unseren Leben“. Bald werde es Computersysteme geben, deren Fähigkeiten die von Menschen überträfen, betonte Jacob Coxon auf der Online-Plattform X. Künstliche Intelligenz würde dann „alles hacken können“ und die Möglichkeit haben, sich „Zugang zu echter Macht und Ressourcen“ zu verschaffen.
„Die Leute, die KI entwickeln, glauben ernsthaft, dass sie zum Ende des Jahrzehnts alle töten könnte“, warnte Coxon. Dem „Wall Street Journal“ sagte der 27-jährige Brite, nach den „aggressivsten Szenarien“ könnten die Dinge bereits Ende kommenden Jahres außer Kontrolle geraten. Als eine zentrale Gefahr sieht er Künstliche Intelligenz, die sich selbst weiterentwickeln kann – und damit schwerer zu kontrollieren wird.
Anthropic-Forscher Evan Hubinger, der mit dafür zuständig ist, dass KI mit den Interessen der Menschen im Einklang bleibt, bestätigte wenig später Coxons Sorgen. Er persönlich denke, die Gefahr, dass KI die Menschheit töte, liege im kommenden Jahrzehnt bei mehr als zehn Prozent, schrieb er bei X.

„Extreme Vorsicht“

Zuvor mahnte auch der Forschungschef des ChatGPT-Entwicklers und schärfsten Anthropic-Rivalen OpenAI, Jakub Pachocki, „extreme Vorsicht“ an. Er sei besorgt, dass niemand auf eine rapide Weiterentwicklung der Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz vorbereitet sei, schrieb Pachocki in einem Blogeintrag. Man sei an einem Moment der Geschichte angelangt, in dem die Intelligenz von Maschinen beginne, die der Menschen zu übertreffen.
Der OpenAI-Manager umschrieb ausführlicher, warum moderne KI-Systeme schwerer zu kontrollieren seien. Man lasse diese Künstliche Intelligenz eher „wachsen“, statt sie zu designen. KI-Systeme seien ein Produkt komplexer Prozesse. „Unsere groß angelegten Trainingsläufe sind Experimente – und wir sind manchmal überrascht von ihren Ergebnissen.“ Und je mehr die Fähigkeiten der Maschinen die menschlichen überträfen, desto schwieriger werde es zu verstehen, zu was sie in der Lage seien.
Zugleich sieht Pachocki ein Argument für die Fortsetzung rapider Forschung: Künstliche Intelligenz zu entwickeln, die gegen die Gefahren anderer KI verteidigen könnte. Man werde sie unter anderem brauchen, um Infrastruktur zu schützen und ganz neue Verteidigungsmechanismen zu entwickeln.

Hacking-Attacken als Alarmsignal

Ein Weckruf für die Branche waren in den vergangenen Monaten Hacking-Attacken, bei denen sogenannte KI-Agenten in Testläufen eigenständig in Systeme anderer Unternehmen eindrangen. Solche Agenten sind Programme mit Künstlicher Intelligenz, die selbstständig Aufgaben für die Nutzer erfüllen sollen. Bei OpenAI fand ein KI-Modell in einem Test einen Weg, aus einer eigentlich isolierten Testumgebung ins offene Internet zu gelangen – und hackte sich dann ins Computersystem der KI-Plattform Hugging Face. Dabei suchte es nur nach einer Lösung für die Testaufgabe und richtete keinen Schaden an. Allerdings zeigte der Vorfall, wie weit KI-Systeme ungeplant auf eigene Faust gehen können, ohne dass ihre Entwickler das mitbekommen.
Zuletzt wurde auch bekannt, dass KI-Agenten von OpenAI bereits im Frühjahr eine deutschsprachige Wiki-Seite in großem Stil für Absprachen untereinander missbraucht hatten. Ein aktueller Schutzmechanismus der KI-Entwickler ist, dass die Modelle mit Künstlicher Intelligenz ihr Handeln in menschlicher Sprache erklären müssen. Die KI-Agenten nutzten die Kommunikationsmöglichkeit in Testläufen, um sich über Notizen auf der Wiki-Seite untereinander zu Antworten auf gestellte Fragen auszutauschen. (dpa/red)
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Heiße Theken und Imbisse in Geschäften boomen

Fertige Hähnchenschenkel aus dem Supermarkt, Hotdogs im Möbelhaus oder Currywurst-Pommes auf dem Baumarktparkplatz: Auch wegen vergleichsweise niedriger Preise werden solche Angebote bei Kunden immer beliebter. Die Handelsgastronomie eilt von Rekord zu Rekord, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt.
Händler in Deutschland setzten 2025 so rund 13,3 Milliarden Euro um. Das war 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Seit 2019 stiegen die Erlöse um fast 33 Prozent. Der starke Umsatzanstieg geht laut EHI auf höhere Kundenfrequenzen und gestiegene Preise zurück. Für 2026 erwartet das Institut ein weiteres Plus. Grundlage ist eine Befragung unter 29 Handelsunternehmen mit knapp 6.100 Filialen. Die Ergebnisse wurden auf die Gesamtbranche hochgerechnet.
Zur Handelsgastronomie zählen verzehrfertig zubereitete Speisen, Snacks und Getränke im Einzelhandelsumfeld. Zu den verbreiteten Formaten gehören Bäckereien, Cafés, Imbisse, heiße Theken, Restaurants und Delis in Supermärkten, Einkaufszentren, Tankstellen, Möbel- oder Baumärkten.

Was sind die beliebtesten Gerichte?

Die meistverkauften Speisen sind laut EHI-Umfrage Frikadellen, Currywurst, belegte Brötchen und Schnitzel. Das Mittagessen ist demnach das Kerngeschäft. Die Angebote sind meist zum Mitnehmen. Gut drei Viertel der Händler betreiben ihre Gastronomieflächen selbst.
Der Möbelhändler Ikea setzt neben seinen Restaurants auf Hotdogs, die in Kassennähe angeboten werden. Rund 20 Millionen Stück wurden nach eigenen Angaben in den vergangenen 12 Monaten in den deutschen Ikea-Filialen zubereitet und verkauft. In vielen Supermärkten finden Kunden unter anderem Salatbars und Asia-Food-Shops. In 100 Rewe-Filialen gibt es inzwischen eine Selbstbedienungstheke für warme Speisen. Andere Kaufleute haben Foodtrucks, erste Händler testen zudem Kochroboter.
Die Supermarktkette Globus verkauft an ihren heißen Theken Fleischkäsebrötchen für einen Euro – nach Unternehmensangaben 30 Millionen Stück pro Jahr. „Wir beobachten seit Ende der Corona-Pandemie ein deutliches Wachstum in unserer Gastronomie. Heute verkaufen wir in unseren 57 Restaurants rund 60.000 Mittagessen pro Tag“, sagt Gastronomieleiter Michael Christmann.

Deutliche Preisvorteile

Die Branche profitiert laut EHI von einem sogenannten „Trading-Down-Effekt“. Wegen der hohen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren, auch in der Gastronomie, greifen Konsumenten auf günstigere Angebote zurück. Die Handelsgastronomie profitiere von deutlichen Preisvorteilen, sagt Studienautorin Paulina Ullrich.
Das zeigen auch Daten des Marktforschungsunternehmens YouGov: Kunden zahlten im ersten Halbjahr 2026 in der Handelsgastronomie demnach für Steak- und Fleischgerichte im Schnitt 9,17 Euro, im übrigen Außer-Haus-Markt – also etwa in Restaurants – hingegen 13,16 Euro. Bei Pastagerichten waren es 5,87 beziehungsweise 10,60 Euro. Auch bei anderen Hauptgerichten gab es große Preisunterschiede.
Das Gaststättengewerbe – also, Restaurants, Kneipen und Cafés – steht derzeit unter großem Druck. Die Branche setzte im ersten Halbjahr nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga zwar fast 15 Prozent mehr um als 2019. Real, also preisbereinigt, waren die Erlöse allerdings gut 23 Prozent niedriger.

Restaurantbesuch für viele zu teuer

Die Konsumenten wägten genauer ab, wofür sie ihr Geld ausgeben und ob ein Restaurantbesuch nötig sei, sagt YouGov-Marktforscher Sebastian Walter. Für 72 Prozent der Verbraucher ist der Restaurantbesuch zu teuer, 38 Prozent gingen zu Jahresbeginn seltener essen als im Vorjahr. Das ergab eine im März durchgeführte repräsentative YouGov-Umfrage. Die Handelsgastronomie biete ein attraktives Angebot, vor allem für Menschen, die sich den klassischen Restaurantbesuch nicht leisten könnten, so Walter.
Die steigende Nachfrage ist laut EHI auch darauf zurückzuführen, dass viele Händler ihre Gastronomieangebote ausgebaut haben. Damit wollen sie laut Umfrage nicht nur die Kundenfrequenzen steigern und Kunden binden, sondern diese auch länger in Geschäften zu halten. (dpa/red)
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Bildungsdebakel: Historisch schlechte PISA-Ergebnisse alarmieren Grünen-Chefin

Nach neuen Negativrekorden bei den Leistungen deutscher Schüler in der jüngsten Pisa-Studie hat Grünen-Chefin Franziska Brantner eine bessere Zusammenarbeit der Länder gefordert. „Wir müssen endlich raus aus dem föderalen Klein-Klein“, sagte Brantner der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). „Die Länder bleiben für Bildung verantwortlich. Aber sie und der Bund müssen viel stärker zusammenarbeiten, voneinander lernen und erfolgreiche Konzepte verbindlich übernehmen.“
Die am Dienstag vorgestellten jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie ergaben nicht nur, dass Deutschlands Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Lesekompetenz schlechter abschnitten als je zuvor, sondern auch, dass sich Leistungsunterschiede auch mit dem gesellschaftlichen Hintergrund der Schülerinnen und Schüler erklären ließen.

Herkunft entscheidet über Bildungserfolg

Den Pisa-Ergebnissen zufolge hat etwa der Zusammenhang zwischen naturwissenschaftlichen Kompetenzen und sozioökonomischem Status weiter zugenommen. Demnach erwerben nur zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Familien hohe Kompetenzen, bei Kindern aus privilegierten Familien sind es rund 25 Prozent. Dieser Zusammenhang ist demnach in Deutschland rund dreimal so stark wie in Kanada und doppelt so stark wie in Dänemark oder Norwegen.
Gute Bildung dürfe nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind geboren werde, an welche Schule es komme oder welche Lehrkraft es zufälligerweise unterrichte, sagte forderte Brantner. Das bundesweite Bildungssystem stellte sie in Frage. „Wir brauchen keinen weiteren Bildungsgipfel und keine nächste Kommission“, sagte die Grünen-Chefin. „Wir brauchen eine grundlegende bundesweite Bildungsreform.“
Deutschland leiste sich seit Jahrzehnten „ein bildungspolitisches Desaster“, das längst nicht mehr schönzureden sei, führte sie aus. „Ein wichtiger Teil unseres Freiheitsversprechen ist, dass du Chancen bekommst und es sich lohnt, sich anzustrengen“, sagte sie. Dieses Versprechen werde mit dieser Pisa-Studie „wiedermal gebrochen“. „Deswegen müssen wir es erneuern“, forderte sie.

VdK kritisiert Versagen bei Bildungsgerechtigkeit

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, warf der Bundesregierung indes ein Versagen beim Einsatz für Bildungsgerechtigkeit vor. „Kinder, die in Armut großwerden, haben schlechtere Bildungschancen. Das ist seit Jahrzehnten bekannt“, sagte Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Einkommensschwachen Familien fehle häufig Geld für Schulmaterialien, Nachhilfe oder Laptops. Hinzu kämen beengte Wohnverhältnisse und psychischer Stress durch finanzielle Sorgen.
Bentele forderte daher mehr Unterstützung für arme Familien. „Investitionen in Kitas und Schulen sind wichtig, aber reichen bei weitem nicht aus“, sagte die VdK-Präsidentin. Zugleich kritisierte sie die geplante Streichung des monatlichen Sofortzuschlags für von Armut betroffene Kinder und Jugendliche. „Statt bei Kindern zu sparen, braucht es endlich einen Systemwechsel“, forderte sie. (afp/red)
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Ausnahmezustand in Oslo: Abschied von König Harald

Der Schlossplatz in Oslo ist blank geputzt. Die Domkirche ziert ein Baldachin in der Trauerfarbe Violett. Im Grand Hotel haben die ersten adeligen Gäste eingecheckt. Das dänische Königsschiff ist in den Fjord von Oslo eingelaufen. Absperrungen sind errichtet. In der Stadt wimmelt es von Polizisten und Journalisten.
Die norwegische Hauptstadt hat seit dem Tod von König Harald V. Ende August eine wahre Mammutaufgabe gestemmt. Das Staatsbegräbnis des beliebten Monarchen wurde bis ins kleinste Detail geplant. Jetzt ist Norwegen bereit für das Großereignis des Jahres am Mittwoch.

Blumen und Würdigungen für den verstorbenen König Harald V. vor dem Königlichen Schloss am 8. September 2026. Am Folgetag erweisen ihm Vertreter europäischer Königshäuser beim Staatsbegräbnis die letzte Ehre.

Foto: Chris Jackson/Getty Images

„Wir bereiten uns ja in Wirklichkeit seit Jahren darauf vor“, sagte eine Polizeisprecherin der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“. „Gleichzeitig war es natürlich jetzt trotzdem sehr viel Arbeit. Das ist historisch groß.“
Was die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Königsfamilie angeht, dürften die Norweger sonst im Vergleich sehr entspannt wirken. Doch angesichts so vieler royaler Gäste und sonstiger VIPs ist beim Staatsbegräbnis alles anders. 3.000 Polizisten und 3.500 Mitarbeiter der norwegischen Streitkräfte sind im Einsatz.
Im Zentrum der vergleichsweise beschaulichen Hauptstadt sind am Mittwoch weder Autos, Fahrräder noch E-Roller erlaubt. Leihräder in der Innenstadt wurden kurz vor dem Begräbnis gesperrt.
Die Europastraße 6 könnte zwischen dem Flughafen und der Stadt nach der Ankunft hochrangiger Gäste kurzzeitig gesperrt werden. Doch nicht nur das: Die Fluggesellschaften Norwegian und SAS mussten wegen des massiven prominenten Besuchs sogar Flüge einstellen.
„Insgesamt mussten am Mittwoch rund 40 Flüge gestrichen werden – vom Vormittag bis zum Nachmittag“, sagte Camilla Haugen Walla vom Flughafenbetreiber Avinor der Zeitung „Verdens Gang“. Auch vorübergehende Grenzkontrollen hat das Land eingeführt.

Viele prominente Gäste bei der Trauerfeier

Der britische Prinz William und dessen Tante Prinzessin Anne, die schwedische Königsfamilie, Dänemarks Königspaar Frederik und Mary, Monarchen aus den Niederlanden, Belgien, Spanien und anderen Ländern: Die Liste der prominenten Gäste, die von König Harald Abschied nehmen wollen, ist lang. Aus Deutschland reist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an.
Viele von ihnen werden wohl Teil des Trauerzugs sein, der den Sarg des beliebten Königs am Mittwochmittag vom Schloss zum Osloer Dom begleitet, wo die Trauerfeier für Harald stattfindet.

Dank der Königsfamilie: Königin Sonja, Prinzessin Märtha Louise, der neue König Haakon VIII. und Königin Mette-Marit (v. l. n. r.) besuchen am 31. August 2026 die Gedenkstätte in Oslo. Nach Tagen der öffentlichen Aufbahrung findet am morgigen 9. September das Staatsbegräbnis für Harald V. statt.

Foto: Cornelius Poppe / NTB / AFP via Getty Images / Norway OUT

Der neue norwegische König Haakon, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, ihr Bruder Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise werden zu Fuß mit der Prozession gehen. Hinter ihnen fahren die neue Königin Mette-Marit und Haralds Witwe Königin Sonja in einer der königlichen Limousinen. 60 Schritte pro Minute – so langsam werden sich die Trauernden laut dem norwegischen Rundfunk in Richtung Dom bewegen.

Die königliche Familie beim Verlassen der Kirche in Asker am 30. August 2026 nach der Trauerfeier für König Harald V., der am 28. August mit 89 Jahren verstarb. (Archivbild)

Foto: Per Ole Hagen/Getty Images

Regenschirmverbot am Straßenrand

Am Straßenrand werden viele tausend Menschen erwartet, die einen Blick auf die Prozession erhaschen wollen. Sie müssen Sicherheitskontrollen über sich ergehen lassen, um in die Nähe des Trauerzugs gelangen zu dürfen. An der Strecke sind Großbildschirme für alle diejenigen montiert, die nicht nah genug herankommen – wie auch in rund 140 Kirchen im ganzen Land. Direkt an der Route dürfte es voll werden.
Denn obwohl sich die Öffentlichkeit bereits seit einer Woche in der Schlosskapelle in Oslo am Sarg von König Harald V. verabschieden darf, werden viele Norwegerinnen und Norweger ihm auch auf diese Weise die letzte Ehre erweisen wollen.
Nach der öffentlichen Zeremonie und einer privaten Trauerfeier an der letzten Ruhestätte des Monarchen, der Akershus-Schlosskirche, will sich die Königsfamilie dem Volk am späten Nachmittag auf dem Balkon des Königsschlosses zeigen.
Bis zu seinem Tod am 28. August war der schon seit Jahren gesundheitlich angeschlagene König Harald das beliebteste Mitglied der Königsfamilie. Mit seiner Warmherzigkeit und seinem Humor hatte er seine Landsleute für sich eingenommen, nachdem er den Thron 1991 von seinem Vater geerbt hatte.
Der Schlossplatz in Oslo hat sich nach seinem Tod in ein Blumenmeer verwandelt. Tausende Norweger, darunter viele Kinder, haben Briefe für König Harald geschrieben und gemalt.
Nach Einbruch der Dämmerung leuchten unzählige Kerzen auf und erzählen von der Zuneigung der Leute zu ihrem Monarchen. Das ganze Land dürfte sich am Mittwoch vor Bildschirmen und in Oslo versammeln, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. (dpa/red)
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Forsa-Trendbarometer: AfD im Osten bei 45 Prozent – Merz im Umfragekeller

Die AfD ist laut einer Umfrage in Ostdeutschland mit großem Abstand stärkste Partei. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die in Teilen rechtsextreme Partei laut dem am Dienstag veröffentlichten „Trendbarometer“ von RTL und ntv im Osten auf 45 Prozent der Stimmen. Die Linke käme auf 15 Prozent und läge damit noch vor der CDU, die nur bei zwölf Prozent landen würde. SPD und Grüne lägen jeweils bei neun Prozent, das BSW bei fünf Prozent.

Bundesweiter Trend: AfD und Union stabil

Bundesweit gibt es demnach bei den Parteipräferenzen nur wenig Bewegung. Die AfD bleibt weiter auf einem Rekordhoch von 28 Prozent, während CDU/CSU bei 21 Prozent verharren. Es folgen die Grünen mit 16 Prozent, die SPD mit zwölf Prozent, die Linke mit elf Prozent (plus ein Prozentpunkt) und die FDP mit vier Prozent – ebenso wie das BSW also unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde.
Für AfD-Anhänger ist vor allem die Überzeugung ausschlaggebend, dass die Partei die „Interessen des deutschen Volks“ am besten vertrete. 34 Prozent nennen dies als wichtigstes Motiv für ihre Wahlentscheidung. Jeweils gut ein Fünftel verweist auf Unzufriedenheit mit dem politischen System insgesamt (22 Prozent) oder auf Unzufriedenheit mit der Bundesregierung (21 Prozent).

Tiefstwerte für Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bleibt tief im Umfragekeller. Wie in der Vorwoche sind nur 13 Prozent der Bundesbürger mit seiner Arbeit zufrieden, während 85 Prozent unzufrieden sind. Besonders gering ist die Zustimmung im Osten. Dort bewerten lediglich sieben Prozent Merz’ Arbeit positiv, im Westen sind es 15 Prozent. 91 Prozent im Osten sind unzufrieden, im Westen 83 Prozent.

Geringes Vertrauen in die Lösungskompetenz der Parteien

Bei der Frage, welcher Partei die Bürger am ehesten zutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen, bleibt die AfD mit 13 Prozent knapp vorn. Allerdings traut mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten keiner Partei zu, die Probleme im Land am besten lösen zu können.
Die Union liegt unverändert bei zwölf Prozent und steht damit weiter auf dem schlechtesten Wert seit knapp vier Jahren. Die Grünen kommen auf acht Prozent. Der SPD trauen fünf Prozent am ehesten politische Kompetenz zu. Für die Linke sind es vier Prozent.

Mehrheit für CDU-Absprachen mit der Linken im Osten

Angesichts schwieriger Mehrheitsverhältnisse in Ostdeutschland spricht sich eine Mehrheit der Bundesbürger dafür aus, dass die CDU künftig auch Absprachen mit der Linkspartei treffen sollte. 54 Prozent befürworten eine solche Zusammenarbeit, wenn sie die Bildung einer Landesregierung ohne Beteiligung der AfD ermöglicht. 38 Prozent lehnen dies ab.
Auch unter den Anhängern von CDU und CSU gibt es dafür eine klare Mehrheit. 63 Prozent befürworten Absprachen mit der Linken in Ostdeutschland, 34 Prozent sind dagegen. Im Osten selbst fällt die Zustimmung dazu mit 49 Prozent etwas geringer aus als im Westen mit 55 Prozent.

Ablehnung durch die AfD

Ablehnung kommt vor allem aus dem AfD-Lager. 89 Prozent der AfD-Anhänger sprechen sich gegen eine solche Kooperation aus. Dagegen befürworten sie 81 Prozent der SPD-Anhänger, 86 Prozent der Grünen-Anhänger und sogar 97 Prozent der Linken-Anhänger.

Hintergrund der Befragung

Das Institut Forsa befragte für das „Trendbarometer“ vom 1. bis 7. September 2.502 Wahlberechtigte. Der größte Teil des Umfragezeitraums lag also noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die statistische Fehlerquote wurde mit plus/minus 2,5 Prozent angegeben. (afp/red)
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Wissenschaftlich fundiert: Zehn Gewohnheiten für mehr Glück

Ist Glück nur eine Frage des Zufalls? Die Forschungsergebnisse deuten glücklicherweise auf etwas anderes hin.
Glück wird immer etwas Geheimnisvolles an sich haben. Es ist eher etwas, das uns zuteilwird, als etwas, das wir selbst erschaffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir machtlos sind, glücklicher zu werden. Im Gegenteil: Wahres Glück hängt viel von unseren Entscheidungen ab, sodass wir es bis zu einem gewissen Grad selbst beeinflussen können.
Glück ist nicht in erster Linie ein Gefühl – ein Bereich unseres Lebens, über den wir wenig Kontrolle haben.
„Die meisten Menschen betrachten Glück als ein Gefühl: etwas, das eintritt, wenn die Umstände stimmen, und verschwindet, wenn sie nicht stimmen. Doch die Erkenntnisse der Psychologie der letzten zehn Jahre zeichnen ein anderes Bild“, schrieb der Psychologe Mark Travers in einem Artikel für „Psychology Today“. Und weiter ebenda: „Glück ist nicht in erster Linie ein Stimmungszustand. Es ist ein Ergebnis, das sich aus der Struktur deines Lebens, den Entscheidungen, die du konsequent triffst, und dem Umfeld, in dem du lebst, ergibt.“
Menschen gestalten ihr Leben in erster Linie durch Gewohnheiten. Wir stellen Ihnen zehn wissenschaftlich belegte Gewohnheiten vor, die das Glücksempfinden fördern.

Pflegen Sie enge Beziehungen

Die Harvard-Studie zur Erwachsenenentwicklung ist die längste Studie zum menschlichen Glück, die jemals durchgeführt wurde. Sie begleitete eine Generation von Männern über 80 Jahre hinweg, beginnend in den 1930er-Jahren, und erfasste dabei alle möglichen Informationen über ihr Leben sowie ihre körperliche und geistige Gesundheit. Die Studie wurde inzwischen erweitert und umfasst nun auch einige Kinder der ursprünglichen Generation sowie eine weitere Kohorte von Männern, die in den 1970er-Jahren aus den Innenstadtvierteln von Boston rekrutiert wurden.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser groß angelegten Studie ist, dass von allen einzelnen Faktoren die Stärke der eigenen Beziehungen den größten Einfluss auf Glück und Gesundheit hat.
Die „Harvard Gazette“ berichtete: „Die Studie ergab, dass enge Beziehungen, mehr noch als Geld oder Ruhm, die Menschen ihr Leben lang glücklich machen. Diese Bindungen schützen Menschen vor den Unzufriedenheiten des Lebens, verzögern den geistigen und körperlichen Abbau und sind bessere Indikatoren für ein langes und glückliches Leben als die soziale Schicht, der IQ oder sogar die Gene.“
Das bedeutet, dass der Aufbau von Gewohnheiten, die die Verbindung zu anderen Menschen fördern, der Schlüssel zu langfristiger Erfüllung ist.

Gehen Sie über Small Talk hinaus

Diese Gewohnheit knüpft an die vorherige an, indem sie die Bedeutung tiefer menschlicher Verbindungen betont. Small Talk hat natürlich seinen Platz, sollte aber im Allgemeinen als Brücke zu tieferen Gesprächsthemen dienen – Themen, die zwischenmenschliche Beziehungen stärken und vertiefen.
Eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab, dass ein höheres Wohlbefinden mit weniger Small Talk und mehr tiefgründigen Gesprächen einherging. Natürlich ist es nicht immer einfach, tiefere Gespräche anzustoßen. Deshalb haben wir zwei Listen mit Fragen zusammengestellt, die zu gehaltvolleren Gesprächen mit den Menschen anregen sollen, die Ihnen am Herzen liegen.

Genießen Sie regelmäßig kleine Freuden

Das Leben besteht aus den kleinen Dingen. Scheinbar unbedeutende Freuden, die über die Tage und Wochen verteilt sind, können einen überproportional großen Einfluss auf das Glücksempfinden haben. Einfache Aktivitäten wie eine Tasse Kaffee oder Tee trinken, einen kurzen Spaziergang an einem schönen Tag machen, einem Hobby nachgehen oder sich zu einem kurzen Mittagessen mit einem geliebten Menschen verabreden, können laut Forschungsergebnissen Stress reduzieren, die Widerstandsfähigkeit stärken und letztlich zum Glück beitragen.
Das soll nicht heißen, dass große Freuden und Erfolge für das Wohlbefinden unwichtig sind. Sie neigen jedoch dazu, die kleinen, beständigen Freuden zu überschatten, die in den Alltag eingewoben sind. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass beständige kleine Freuden einen sogar größeren kumulativen Einfluss auf das allgemeine Glücksempfinden haben als gelegentliche große.
„Das Schöne an den kleinen Momenten ist, dass sie für jeden zugänglich sind“, schrieb der pädiatrische Neuropsychologe Sam Goldstein auf seiner Website. „Indem wir uns darin üben, diese Momente wahrzunehmen und zu schätzen, entwickeln wir eine Gewohnheit des Glücks, die über äußere Umstände hinausgeht.“
Sich Zeit zu nehmen, die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern. Foto: ifatum/iStock

Sich Zeit zu nehmen, um die kleinen Freuden des Alltags bewusst wahrzunehmen, kann das Glücksgefühl und die Wertschätzung für das tägliche Leben steigern.

Foto: ifatum/iStock

Erleben Sie statt zu besitzen

Generell gilt: Geld für Erlebnisse auszugeben, macht glücklicher als Geld für Dinge auszugeben. Das könnte einerseits daran liegen, dass Erlebnisse eine tiefere psychologische Wirkung haben und wir dazu neigen, sie immer wieder neu zu erleben und zu genießen. Andererseits sind Erlebnisse meist sozialer Natur, was bedeutet, dass sie eine Vertiefung der Verbindung zu anderen fördern.
Allerdings sind nicht alle bereichernden Erlebnisse angenehm. Einige Erlebnisse, die letztendlich unser Wohlbefinden steigern, stellen uns laut Forschungsergebnissen im Moment vor Herausforderungen.
„Ein psychologisch reichhaltiges Leben ist nicht unbedingt einfach oder angenehm“, schrieb Mark Travers. „Es zeichnet sich durch Neuartigkeit, Komplexität, Wachstum und perspektivverändernde Erlebnisse aus. Erlebnisse wie Reisen, kreative Herausforderungen, schwieriges Lernen und freiwilliges Unbehagen sorgen nicht immer für maximalen unmittelbaren Komfort, aber sie schaffen ein Leben, das sich im Rückblick tiefgründig, abwechslungsreich und lebenswert anfühlt.“
Wenn wir uns daran gewöhnen, Herausforderungen anzunehmen und Erfahrungen zu sammeln, die uns wachsen lassen, kann das zu einem lebendigeren Leben führen.

Nehmen Sie Zeit wichtiger als Geld

Ashley Whillans von der Harvard Business School hat eingehend belegt, dass ein Gefühl der „Zeitarmut“ das Glück beeinträchtigen kann. Menschen, die angeben, regelmäßig unter Zeitdruck zu stehen, gehetzt zu sein, keine Kontrolle zu haben und durcheinander zu sein, schneiden bei Messungen der Zufriedenheit und der psychischen Gesundheit schlechter ab. Andererseits ergab eine Studie aus dem Jahr 2017, dass Menschen, die sich „Zeit kaufen“, statt Dinge zu kaufen, eine größere Lebenszufriedenheit berichteten. Die Forschung zeigt somit, dass ein Reichtum an Zeit für uns wichtiger ist als eine Fülle an Geld und Besitztümern.
Daher kann es einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten, sich anzugewöhnen, Zeit gegenüber materiellen Gütern oder Reichtum zu bevorzugen.

Verbringen Sie regelmäßig Zeit in der Natur

Der Reichtum der Natur macht auch uns reich. Wir blühen auf, wenn wir das Gedeihen der Natur erleben. Eine bedeutende Studie aus dem Jahr 2019, in der Daten von fast 20.000 Teilnehmern untersucht wurden, ergab, dass diejenigen, die jede Woche mindestens 120 Minuten in der Natur verbrachten, deutlich gesünder und glücklicher waren als diejenigen, die keine Zeit im Freien verbrachten. Dieses Ergebnis wurde durch viele ähnliche Studien bestätigt. Generell steigern Grünflächen, Sonnenschein und frische Luft das menschliche Wohlbefinden.

Natur ist eine oft unterschätzte Ressource für die mentale Gesundheit des Menschen.

Foto: Smileus/iStock

Seien Sie hilfsbereit und großzügig

Zahlreiche Belege deuten darauf hin, dass wir – entgegen unserer Intuition – tatsächlich glücklicher sind, wenn wir uns weniger auf uns selbst konzentrieren. So ergab beispielsweise eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2023, in der Dutzende von Studien aus verschiedenen Kulturen untersucht wurden, dass das Investieren von Zeit und Geld in andere Menschen das subjektive Wohlbefinden durchweg verbessert. Die Forschung zu altruistischem Verhalten – von kleinen Gesten der Freundlichkeit bis hin zu großzügigen Spenden – zeigt uns, dass wir dazu bestimmt sind, anderen mehr zu dienen als uns selbst, und dass wir dadurch unseren Lebenssinn erfüllen und größeres Glück erlangen.
Dies ist eine einfache Gewohnheit, die nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das Leben anderer verbessern kann.

Üben Sie sich in Vergebung

Das Verharren in schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit versklavt uns eher, als dass es uns Erleichterung bringt. Das Streben nach Mitgefühl und Vergebung hingegen bringt größere innere Freiheit und damit Glück. So zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2011, dass College-Studenten, die dazu angeleitet wurden, eine vergangene Verletzung mit Mitgefühl neu zu betrachten, eine niedrigere Herzfrequenz und größere Empathie aufwiesen.
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2026 fand einen starken Zusammenhang zwischen regelmäßigem Vergeben und einem gesteigerten psychischen Wohlbefinden.
Mit anderen Worten: Machen Sie Vergebung zur Gewohnheit. Unversöhnlichkeit zerfrisst die Seele, während Vergebung sie befreit.

Fördern Sie das Staunen

Erlebnisse des Staunens – Gänsehaut erzeugende Begegnungen mit dem Majestätischen, Geheimnisvollen und Schönen – machen uns glücklicher und gesünder und stärken unsere sozialen Bindungen. Solche Erlebnisse können durch dramatische Anblicke oder Begegnungen entstehen, aber sie lassen sich auch im kleinen Kreis des Alltags finden. Der Nachthimmel, ein wunderschönes Musikstück oder ein tiefgründiges Gedicht können Ehrfurcht wecken. Wir können es uns zur Gewohnheit machen, danach zu suchen und diese Gelegenheiten wahrzunehmen, wenn sie sich bieten.

Streben Sie nicht nach Glück, sondern nach Sinn

Diese Gewohnheit mag im Widerspruch zu den vorherigen auf der Liste stehen, ist aber dennoch möglicherweise die wichtigste.
Der Psychologe und Konzentrationslagerüberlebende Viktor Frankl schrieb das berühmte Buch „Man’s Search for Meaning“, in dem er argumentiert, dass im Kern unseres Seins das Verlangen nach Sinn liegt und dass dieses Verlangen stärker und für unser Menschsein zentraler ist als unser Verlangen nach Vergnügen, Bequemlichkeit oder Reichtum. Dieses Streben nach Sinn kann selbst ein Leben voller Leid in ein erfülltes Leben verwandeln.
Im Vorwort zur Ausgabe von 1992 schrieb er: „Denn Erfolg kann, ebenso wie Glück, nicht angestrebt werden; er muss sich einstellen, und zwar nur als unbeabsichtigter Nebeneffekt des persönlichen Engagements für eine Sache, die größer ist als man selbst, oder als Nebenprodukt der Hingabe an eine andere Person als die eigene. Glück muss sich einstellen, und dasselbe gilt für den Erfolg: Man muss es geschehen lassen, indem man sich nicht darum bemüht.“
Laut Frankl sollten wir uns also gewohnheitsmäßig auf die Suche nach Sinn ausrichten, dann wird das Glück folgen. Wenn wir hingegen direkt nach Glück streben, geraten wir wahrscheinlich in Egoismus und werden dadurch unglücklich.
Glück ist wie eine Frucht, die am Baum der Sinnhaftigkeit wächst. Wird sie vom Baum getrennt, verfault sie und stirbt ab. Wenn wir jedoch den Baum finden, finden wir auch die Frucht – prall und gesund.
Das Paradoxe am Glück ist, dass wir es manchmal loslassen müssen, um es zu finden.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „10 Science-Backed Habits for Happiness“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Hackerangriff in Berlin: Laut Senat keine militärischen Daten betroffen

Bei dem folgenschweren Hackerangriff auf Berlin sind nach Angaben des Senats keine Daten zur militärischen Verteidigung des Landes gestohlen worden. Diese lägen den betroffenen Senatsverwaltungen gar nicht vor, sagte Berlins IT-Staatssekretär Florian Hauer am Dienstag in der Bundeshauptstadt.
Allerdings könne er nicht ausschließen, dass Daten mit Bezug zur kritischen Infrastruktur darunter seien. Dies könnten etwa Notfallpläne sein.

Bürgerdaten könnten betroffen sein

Auch Daten von Bürgerinnen und Bürgern könnten sich in dem Paket befinden, das nach einem Erpressungsversuch im Darknet landete, sagte Hauer. Diese würden nun so schnell wie möglich identifiziert und informiert.
Er gehe aber davon aus, dass dies noch Wochen dauern könne. Derzeit werde versucht, die 5,6 Terabyte Daten aus dem Darknet herunterzuladen, um sie anschließend in einem geschützten Bereich systematisch zu analysieren.

Wahlen laut Wegner nicht gefährdet

Die sogenannte Wahlumgebung sei von dem Hackerangriff nicht betroffen, betonte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU). „Daher sind die Wahlen Stand heute sicher.“
Am Sonntag kommender Woche finden in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt.

Zwei Millionen Euro Lösegeld gefordert

Die Cyberattacke auf die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz wurde Mitte August bekannt. Die Hacker wollten zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin erpressen, worauf der Senat aber nicht einging.
Daraufhin wurden die Daten im Darknet veröffentlicht. Medienberichten zufolge sind dort sensible Daten wie etwa private Handynummern, Geburtsurkunden, Personalakten oder Führungszeugnisse einzusehen. Auch Daten zum Gefahrenschutz oder etwa zur Erweiterung des Bundeskanzleramts sollen darunter sein.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Wegen des Hackerangriffs waren die Senatsverwaltungen rund eine Woche vom Landesnetz isoliert. Tagelang konnte unter anderem kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.
Mittlerweile gebe es keine Hinweise mehr auf eine Infiltrierung, sagte Wegner. Es werde nun untersucht, was abgeflossen sei und wie die Täter vorgegangen seien. Die Ermittlungen liefen „auf Hochtouren“. (afp/red)
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Wüst für Bund-Länder-Gruppe zur AfD-Prüfung – CSU skeptisch

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD und möglichen Folgen. Diese Prüfung müsse ergebnisoffen sein und dürfe nicht automatisch zu einem Verbotsverfahren führen, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
„Ich warne vor Schnellschüssen bei einem AfD-Verbot, denn das Verbot einer politischen Partei kann nur der letzte Weg sein, wenn wir unsere Verfassung schützen wollen“, sagte Wüst. Er erklärte: „Es muss nun eine Struktur geben, in der diese Fragen von Bund und Ländern sorgfältig, professionell und seriös geprüft werden.“
Aus Sicht des NRW-Regierungschefs sollten in der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutz, aber auch Verfassungsrechtler und weitere Experten von Bund und Ländern beteiligt sein. „Es geht insgesamt um die Frage, wie der Staat verfassungsrechtlich mit einer Partei umgeht, die mindestens in einzelnen Bundesländern verfassungsfeindliche Ziele verfolgt“, so der CDU-Politiker.

Söder reagiert skeptisch und warnt vor Märtyrerstatus für AfD

CSU-Chef Markus Söder reagierte skeptisch auf den Vorstoß: „Bei allem grundsätzlichen Verständnis, dass es einem lieber wäre, diese AfD wäre nicht da, ist die Realität, dass es verfassungsrechtlich kaum durchsetzbar ist“, sagte er nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Neben einem jahrelangen Verfahren bestehe die Gefahr, dass die AfD einen neuen Märtyrerstatus erhalte. Die AfD müsse inhaltlich gestellt werden.
Die CSU werde sich Gesprächen in einer Bund-Länder-Gruppe zwar nicht grundsätzlich verschließen, „aber das ist ja nichts anderes als ein Ausdruck auch von Unsicherheit“, betonte Söder. „Man muss in einer Demokratie mit demokratischen Mitteln arbeiten und der demokratische Weg heißt, sich auf die nächsten Wahlen anders vorzubereiten als in Sachsen-Anhalt, klarere Argumente zu finden.“ Die CSU glaube nicht, dass ein Verbotsverfahren funktioniere.

Wüst fordert Arbeitsgruppe zur AfD und warnt vor Folgen einer Regierungsbeteiligung

Am Montagabend hatte Wüst laut Berichten von „Politico“ und „Welt“ die Idee einer Arbeitsgruppe bei einer Talk-Veranstaltung mit der Ökonomin Maja Göpel in Berlin ins Spiel gebracht.
„Ich habe heute etwas gesagt, das hat öffentlich bisher, glaube ich, kein CDU-Mensch gesagt: dass ich dafür bin diese Arbeitsgruppe einzusetzen, die diese Arbeit dann leistet“, wurde Wüst dort zitiert.
Auch bei der Digitalmesse „Digital X“ der Deutschen Telekom ging Wüst am Dienstagvormittag auf der Bühne auf die AfD und die Folgen der Sachsen-Anhalt-Wahl ein. Er warnte vor der Vorstellung, die AfD könne sich entzaubern. Vielmehr säße eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt an wichtigen Schalthebeln: „Jede Woche werden in Landeskabinetten in Deutschland die Führung von Polizei, die Führung von Gerichten eingesetzt. Der Kern des Gewaltmonopols dieses Staates liegt in den Ländern.“
Die AfD wird bundesweit vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet. Einzelne Landesverbände – darunter Sachsen-Anhalt – werden vom jeweiligen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Einen Antrag auf ein Parteiverbot beim Bundesverfassungsgericht können ausschließlich der Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung stellen. Die Entscheidung liegt dann beim Bundesverfassungsgericht.

Unterschiedliche Ansichten in der Union

Einen solchen Vorstoß aus den Reihen der CDU gab es schon länger nicht mehr. Im Bundestag hatte der damalige CDU-Abgeordnete Marco Wanderwitz 2024 vorgeschlagen, der Bundestag sollte beim Bundesverfassungsgericht beantragen, die AfD für verfassungswidrig zu erklären. Über den Antrag, der vermutlich nicht die notwendige Mehrheit erreicht hätte, wurde bedingt durch die vorgezogene Neuwahl am Ende nicht final abgestimmt im Bundestag.
Offen für die Prüfung eines Verbotsverfahrens hatte sich in der Vergangenheit auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident, Daniel Günther (CDU), gezeigt. Besonders viel Skepsis war dagegen zuletzt aus den Reihen der CSU zu vernehmen, unter anderem von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.

Ott kritisiert Wüsts Vorstoß als taktisches Manöver

Der nordrhein-westfälische SPD-Landtagsfraktionschef Jochen Ott äußerte sich kritisch zu Wüsts Vorstoß. Erst vor kurzem habe die SPD Wüst das Angebot unterbreitet, gemeinsam aus NRW eine Initiative für ein AfD-Verbotsverfahren über den Bundesrat zu starten. „Das können wir nächste Woche machen“, sagte Ott in Düsseldorf. „Ich weiß nicht, wie viele Arbeitsgruppen sollen wir noch gründen?“ Zahlreiche Juristen hätten sich bereits mit der Frage beschäftigt.
Wüsts Vorstoß sei aus seiner Sicht eher taktischer Natur, meinte der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im April. Nachdem junge Leute Wüst derzeit massenhaft über die sozialen Medien fragten, was er gegen die AfD tun wolle, habe Wüst offenbar, „wieder mal vom Balkon versucht, noch einen Punkt zu machen“.

Wer den Verbotsantrag stellen darf

Die von der Innenministerkonferenz im Juni 2025 eingerichtete Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur AfD hat nicht die Prüfung eines Verbotsverfahrens zum Ziel. Vielmehr geht es um Sicherheitsüberprüfungen, Folgen für den öffentlichen Dienst und die waffenrechtliche Zuverlässigkeit von AfD-Mitgliedern.
Grundsätzlich haben die Innenminister verabredet, die finale Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln zur Einstufung der Partei als gesichert rechtsextremistische Bestrebung abzuwarten. Im Eilverfahren hatte das Gericht diese Einstufung nicht bestätigt; weshalb die AfD aktuell vom Bundesamt für Verfassungsschutz weiterhin als Verdachtsfall bearbeitet wird. (dpa/red)
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Bildungsministerin Prien nennt PISA-Ergebnisse für Deutschland „dramatisch“

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie mit Blick auf Deutschland als „dramatisch“ bezeichnet.
„Was wir heute sehen, ist ohne Zweifel ein besorgniserregender Befund“, sagte Prien bei einer Pressekonferenz in Berlin. Das Thema Bildung müsse zu einer „Top-Priorität“ in Politik und Gesellschaft werden.
In der internationalen Schulleistungsstudie mit Daten von 2025, die von der OECD in Paris veröffentlicht wurde, sind die Ergebnisse von 15-Jährigen in Deutschland in Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften „die niedrigsten, die je gemessen wurden“.
An der Spitze des internationalen Bildungsvergleichs liegen erneut Singapur und vier chinesische Regionen.

Ein „beunruhigender“ Trend

Es „beunruhigend“, dass der Kompetenzrückgang bei Schülern in Deutschland „im Trend nach unten“ gehe, sagte Prien. Darüber hinaus sei es „außerordentlich beunruhigend“, dass „die soziale Schere weiter aufgeht und sich nicht schließt“, sagte Prien.
Dass es „besonders große Kompetenzunterschiede zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und aus privilegierten Familien“ gebe, sei „keine Neuigkeit“. Dass sich diese Schere weiter öffne, sei aber ein Befund, „der so nicht hinnehmbar ist“, führte die Ministerin aus.
Die PISA-Studie sei mehr als eine reine Leistungsvergleichsstudie, sagte die Bildungsministerin. Es gehe letztlich um gesellschaftliche und ökonomische Teilhabe und um die Frage, „inwieweit junge Menschen eine Chance haben, in einer sich immer schneller verändernden, digital geprägten, zunehmend durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuerten Welt überhaupt zurechtzufinden“.

Prien: „Verändertes Erziehungsverhalten“

Die Ursachen für die Abwärtsentwicklung seien vielfältig, sagte Prien. Sie verwies auf „ein verändertes Erziehungsverhalten“, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Nutzung von Online-Diensten, die eine „große Rolle spielten“.
Zudem habe sich das Einwanderungsland Deutschland „erst seit wenigen Jahren darauf eingestellt, uns auch wie ein Einwanderungsland zu verhalten“, führte die CDU-Ministerin aus.
Gegen die Entwicklung helfe nicht „der eine große Hebel“, sagte Prien. Nötig sei ein Bündel an Maßnahmen. Dabei müssten die Bundesländer untereinander und der Bund und die Länder enger zusammenarbeiten.

Was tun?

Unter anderem forderte Prien mehr frühkindliche Förderung. Dies werde mit dem neuen Kita-Gesetz noch nicht „konsequent umgesetzt“. Zudem sei der Einsatz begrenzter Ressourcen dort nötig, „wo sie besonders gebraucht werden“.
Prien verwies in dem Zusammenhang auf das von Bund und Ländern vor zwei Jahren auf den Weg gebrachte Startchancenprogramm, das jetzt zu wirken beginne. Auch der kürzlich in Kraft getretene Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Grundschulkinder sei „eine Riesenchance“, sagte Prien.
Zudem müsse es eine bessere Ausbildung und Fortbildung geben und eine engere Kooperation zwischen Schulen und Hilfesystemen, forderte die Ministerin. Desweiteren forderte sie ein „schnelles Handeln“ bei der Altersbegrenzung von Onlinediensten für Minderjährige.
Bildung müsse außerdem in der Familie einen „deutlich höheren Stellenwert“ haben, forderte Prien. Es sei etwa ein „riesiges Problem“, dass Eltern in Deutschland ihren Kindern deutlich weniger vorläsen als in anderen Ländern.
Familien mäßen der Bildung ihrer Kinder in Deutschland oft einen geringeren Wert bei als in anderen OECD-Staaten. Dies sei sein „erschreckender Befund“, sagte Prien. (afp/red)
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Sabotage am Stromnetz: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Nach der Serie von Sabotage-Angriffen auf das deutsche Stromnetz hat die Polizei den 48-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Nach dpa-Informationen fiel der Mann der Polizei in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf.
Die Behörden hatten seit Tagen nach dem 48-Jährigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet gefahndet. Er soll an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, mit selbstgebauten Raketen einen dünnen Draht über Hochspannungsleitungen zu schießen und so einen Kurzschluss auszulösen.
Zuletzt waren am Montag erneut mehrere Abschussvorrichtungen an einer Hochspannungsleitung in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler entdeckt worden – also ganz in der Nähe der Stelle, an der die Polizei den Mann nun festnehmen konnte. Außerdem fanden die Ermittler dort einen weiteren Bekennerbrief.

Kurzschlüsse an zwei Kraftwerken

In mindestens zwei Fällen ging der Plan des Täters offensichtlich auf. Bei Bergheim westlich von Köln waren durch einen Kurzschluss mehrere Blöcke eines Kraftwerks für einige Tage lahmgelegt worden.
In Brandenburg hatte es am Umspannwerk Turnow-Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde zwei Kurzschlüsse gegeben. Mehr als 20 selbst gebaute Raketen sollen dort leitfähiges Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Einen Stromausfall gab es bei den beiden Taten nicht.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuletzt gesagt, es handele sich offensichtlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters.

Bekennerbriefe: Kampf gegen fossile Energien

Zu der Sabotage-Serie gibt es Bekennerbriefe, die die Ermittlungsbehörden für authentisch halten und dem 48-Jährigen zuordnen. Darin hatte der Mann die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien begründet.
„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, heißt es in den Briefen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In allen drei betroffenen Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. (dpa/red)
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Tödlicher Streit an Tankstelle: Zwei Jahre auf Bewährung in Detmold

Nach einem tödlichen Streit an einer Tankstelle in Nordrhein-Westfalen ist ein 37-jähriger Mann zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.
Das Landgericht Detmold sprach ihn am 7. September wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag sagte. Zudem soll er als Bewährungsauflage 10.000 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Streit um Nutzung einer Reifendruckprüfanlage

Der 37-Jährige war laut Anklage im August 2025 an einer Tankstelle in Bad Salzuflen mit einem 69-Jährigen in einen Streit um die Nutzung einer Reifendruckprüfanlage geraten.
Dabei soll er den Mann kräftig nach hinten gestoßen haben. Der Mann stürzte daraufhin und schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutung und starb rund zwei Wochen später in einem Krankenhaus.
Das Gericht nahm dem Sprecher zufolge einen minder schweren Fall an. Der Angeklagte sei nicht einschlägig vorbestraft gewesen. Er habe den Mann laut den Feststellungen nicht absichtlich töten wollen, der Sturz sei auch für ihn überraschend gekommen.
Darüber hinaus habe er sofort Rettungsmaßnahmen eingeleitet, den Notruf gewählt und sich um den Verletzten gekümmert.
Die Staatsanwaltschaft hatte zweieinhalb Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte für eine Freiheitsstrafe von weniger als zwei Jahren. (afp/red)
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Umfrage zur digitalen Brieftasche: Sicherheit hat für Verbraucher oberste Priorität

Die Einführung einer digitalen Brieftasche, die EUDI-Wallet, ist ein wichtiges Projekt von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Einer Umfrage im Auftrag des Digitaldienstleisters IDnow zufolge ist für die Verbraucher die Sicherheit bei der Nutzung dieses Angebots entscheidend.
Ein Großteil der Befragten äußerte demnach die Sorge vor Hacking oder Datendiebstahl, vor betrügerischer Nutzung der digitalen Brieftasche oder davor, dass Unternehmen darüber zu viele Daten sammeln könnten.

Eine Sorge: Staatliche Überwachung

Auch staatliche Überwachung ist der Befragung zufolge eine Sorge vieler potenzieller Nutzer, wie aus der neu veröffentlichten Befragung hervorgeht.
„Für die Entwickler der EUDI-Wallet unterstreicht dieses Ergebnis die Bedeutung einer transparenten Steuerung, einer unabhängigen Aufsicht und klarer technischer Garantien, dass die Wallet nicht zur dienstübergreifenden Nachverfolgung genutzt werden kann“, erklärte IDnow.
EUDI steht für European Digital Identity. Eine EU-Verordnung sieht vor, dass die 27 Mitgliedstaaten bis zum Ende des Jahres die Möglichkeit einer digitalen Brieftasche – der EUDI-Wallet – schaffen.
Wildberger ist für die Umsetzung zuständig. In dieser Woche will er das Partnerunternehmen für die technische Umsetzung sowie weitere Details wie das Logo präsentieren.

Zu kompliziert und unzuverlässig?

Die digitale Brieftasche soll es Bürgern erleichtern, sich gegenüber Behörden und privaten Unternehmen zu identifizieren. Dort soll auch etwa der Führerschein oder die Krankenversichertenkarte digital hinterlegt werden. Auch Unternehmen sollen die Plattform nutzen können, um Mitarbeiterausweise oder Versicherungszertifikate auszustellen.
Wie gut sich die EUDI-Wallet etablieren wird, hängt laut IDnow wesentlich davon ab, wie zuverlässig sie im Alltag funktioniert.
„73 Prozent der Befragten befürchten, dass die verschiedenen Systeme, Dienste und Apps nicht reibungslos zusammenspielen“, erklärte das Unternehmen. „69 Prozent sind außerdem der Meinung, dass die Technologie zu komplex oder nicht zuverlässig genug sein könnte, um von jedem problemlos genutzt zu werden.“
„Damit die Einführung der EUDI-Wallet zum Erfolg wird, muss sie vor allem alltägliche Abläufe erleichtern. Wenn sie rund um die Uhr zuverlässig funktioniert und sich unkompliziert nutzen lässt, kann die Wallet für Verbraucher zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags werden“, erklärt Liudmyla Rabchynska.
Die ehemalige stellvertretende ukrainische Digitalministerin leitet inzwischen den Bereich Regulierungs- und Regierungsangelegenheiten bei IDnow. (afp/red)