Categories
ausland ticker

Pekings Spaltungsstrategie im Handelsstreit zwischen Kanada und den USA


In Kürze:

  • Peking befeuert Handelsstreit zwischen den USA und Kanada mit Spaltungsstrategien.
  • Die Schwächung Nordamerikas ist das Ziel chinesischer Bemühungen.
  • China sieht US-Handelspolitik zum Wohl der Vereinigten Staaten als Bedrohung an.
  • Propaganda und Desinformation sind am Werk.
  • Asien-Analyst für internationale Politik rät Kanada zur Vorsicht.

 
China nutze die Handelsspannungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten strategisch aus, um Zwietracht zwischen den beiden Ländern zu säen. Das Ziel des kommunistischen Staates sei die Spaltung Nordamerikas. Dies sagte ein Experte für Asien und chinesisch-amerikanische Beziehungen.
Laut Professor Stephen R. Nagy vom Institut für Politik und Internationale Studien der International Christian University in Tokio sei diese Idee nicht neu. Der in der kanadischen Provinz Alberta geborene Analyst verweist auf eine Einschätzung des kanadischen Geheimdienstes vom Juli 2021. Darin hieß es, dass China Kanada als „vorrangiges“ Ziel für ausländische Einmischung betrachte.

Kanada im Visier Pekings

Nun warnt Nagy, dass sich Ottawa in den kommenden Wochen auf eine gezielte Kampagne chinesischer „kognitiver Kriegsführung“ vorbereiten müsse. Diese ziele darauf ab, nationale Ängste im Zusammenhang mit dem gescheiterten Handelsabkommen zwischen den USA und Kanada auszunutzen.
Chinas Plan sei „einfach“, erklärte Nagy in einem Bericht für das Macdonald-Laurier Institute, einem in Ottawa ansässigen Thinktank.
Jede Schwächung Kanadas stelle aufgrund der geografischen, institutionellen und kulturellen Nähe der beiden Nationen eine direkte Bedrohung für Washington dar, so Nagy.
„Wenn Peking – Amerikas wichtigster Sicherheitsherausforderer – genügend Einfluss ausüben kann, um die kanadische Innen- und Außenpolitik mit der der USA aus dem Gleichklang zu bringen, macht es Nordamerika effektiv verwundbar“, schrieb er. „Diese Bedrohung ist nicht rein theoretischer Natur, und der Zeitpunkt ist entscheidend.“
Die Beziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten seien nach dem gescheiterten Handelsabkommen in einen Zustand erhöhter Verwundbarkeit geraten, und Peking tue alles in seiner Macht Stehende, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten, so Nagy.

Ein Hauptziel ist die US-Handelspolitik

Eines der Hauptziele Pekings sei es, US-Präsident Donald Trumps Bestrebungen zu verhindern, die globale Produktion, Technologie und Lieferketten wieder in Nordamerika zu konzentrieren, sagte Nagy – und das bedeute, dass das Abkommen zwischen Kanada, den Vereinigten Staaten und Mexiko (CUSMA) nicht im besten Interesse des kommunistischen Regimes liege.
Nagy sagte jedoch, ein Abkommen liege sowohl im Interesse Kanadas als auch der Vereinigten Staaten, selbst wenn es Klauseln darüber enthalte, mit wem die Mitgliedsländer Handel treiben dürfen.
„Es ist völlig logisch, dass die USA versuchen würden, Kanada daran zu hindern, Freihandelsabkommen mit einem strategischen Konkurrenten zu unterzeichnen“, schrieb er. „Klauseln, ähnlich denen im [CUSMA], die den USA ein Veto gegen Handelsabkommen mit Nicht-Marktwirtschaften einräumen, spiegeln die notwendige geoökonomische Architektur der Moderne wider.“
Kanadischer Premierminister Mark Carney, Vorsitzender der Liberalen Partei Kanadas, erklärte am 22. August, einer der Gründe, warum er sich von dem von Washington vorgeschlagenen Handelsabkommen distanziert habe, sei, dass die US-Seite Kanadas internationale Handelsabkommen einschränken wolle.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer widersprach Carneys Darstellung und erklärte am 26. August in einem Interview mit CBC News, Washington wolle lediglich verhindern, dass beispielsweise ein Drittland Stahl nach Kanada zu Dumpingpreisen exportiere und diese Produkte dann in die Vereinigten Staaten weitergeleitet würden, falls Kanada einen Präferenzzollsatz genieße.

Chinas vier Spaltungsstrategien

Peking nutze die anhaltende Handelsblockade zwischen den beiden Ländern aus, um eine „Spaltpolitik“ zu betreiben, mit der Absicht, die nordamerikanische Einheit zu untergraben, sagte Nagy.
Im Allgemeinen gebe es vier Arten von Spaltungsstrategien, erklärte er.
Realignment (Umorientierung) sei der Prozess, ein Zielobjekt dazu zu verleiten, sich auf die Seite eines Gegners zu schlagen.
Dealignment (Entkopplung) ziele darauf ab, ein Zielobjekt in eine neutrale Haltung zu bewegen.
Disalignment (Auseinanderdriften) ziele darauf ab, die Einheit eines Bündnisses zu schwächen, ohne dessen vollständigen Zusammenbruch herbeizuführen.
Prealignment (Vorab-Ausrichtung) diene dazu, die Bildung einer Koalition gänzlich zu verhindern.
„Auch wenn diese Konzepte akademisch anmuten mögen, spielen sie in der kanadischen Politikgestaltung eine aktive Rolle“, sagte Nagy. „In Zeiten verschärfter Spannungen zwischen Kanada und den USA hat Peking Ottawa geschickt mit dem Versprechen einer ‚strategischen Partnerschaft‘ angelockt – eine Realignment-Taktik wie aus dem Lehrbuch.“

Geht Carney in Pekings Falle?

Kanadas Premier Carney verwendete den Begriff „strategische Partnerschaft“ während seines Besuchs in Peking im Januar und erklärte, dies verschaffe Kanada eine gute Position für die „neue Weltordnung“. Einige Tage später kritisierte Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos indirekt die Politik Washingtons. Er ermutigte „Mittelmächte“ dazu, sich gegen „Großmächte“ zusammenzuschließen, womit er offenbar die Vereinigten Staaten und China meinte. Trump kritisierte Carney am nächsten Tag wegen dieser Rede und zog seine Einladung an ihn zurück, dem von ihm neu gegründeten „Board of Peace“ beizutreten.
Kanadas Premierminister Mark Carney hält am 20. Januar 2026 während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos eine Rede. Tage zuvor war Carney zu einem Staatstreffen bei Xi Jinping in Peking. Foto: Fabrice COFFRINI / AFP via Getty Images

Kanadas Premierminister Mark Carney hält am 20. Januar 2026 während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos eine Rede. Tage zuvor war Carney zu einem Staatstreffen bei Xi Jinping in Peking.

Foto: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images

Nagy fügte hinzu, dass die Zurückhaltung Kanadas, diplomatische oder materielle Unterstützung für amerikanische Militäraktionen im Nahen Osten zu leisten – insbesondere in der Straße von Hormus –, ein klares Beispiel für Dealignment und Disalignment darstelle.
Nagy wies zudem auf Kanadas verzögerte Reaktion auf ausländische Einmischung sowie auf die niedrigen Verteidigungsausgaben hin. Diese Faktoren spielten Pekings Prealignment-Zielen in die Hände, indem sie die nationale Sicherheit Kanadas schwächen und das Land von seinem engsten Verbündeten entfremden.
„Indem Ottawa unsere militärischen und nachrichtendienstlichen Fähigkeiten vernachlässigt, versäumt es, ein glaubwürdiger Verteidigungspartner zu sein, und verhindert so die Entstehung einer stärkeren nordamerikanischen Sicherheitskoalition“, schrieb der Professor.

Propaganda und Desinformation

Laut Nagy sind Desinformation, Propaganda und auf die Diaspora ausgerichtete Narrative Chinas bevorzugte Mittel zur Umsetzung seiner Spaltungsstrategien. Diese stellen legitime Kritik an der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) als rassistische Diskriminierung dar, um die Loyalität der chinesischen Diaspora gegenüber Kanada zu schwächen.
Zu den weiteren Spaltungstaktiken der KPCh gehören die Darstellung Pekings als zuverlässige Handelsalternative zu den Vereinigten Staaten und die Verhinderung westlicher Absprachen in Bezug auf Zölle.
Ein Beispiel hierfür sei: Als Ottawa 2024 eine ähnliche Strategie wie Frankreich verfolgte, indem es Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge verhängte, reagierte Peking mit eigenen Zöllen auf kanadischen Raps und Schweinefleisch, so Nagy. Als Carney 2026 die Abgabe auf Elektrofahrzeuge zurücknahm, lockerte Peking daraufhin den Druck im Agrarbereich.
US-Präsident Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney bei der Verleihungszeremonie für das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Spanien und Argentinien im New York/New Jersey Stadium in East Rutherford am 19. Juli 2026. Foto: Odd ANDERSEN / AFP via Getty Images

US-Präsident Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney bei der Verleihungszeremonie für das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Spanien und Argentinien im New York/New Jersey Stadium in East Rutherford am 19. Juli 2026.

Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images

Empfehlungen

Laut Nagy will Peking, dass sich die Kanadier auf grenzüberschreitende Streitigkeiten und die „konfrontative Politik“ des Weißen Hauses konzentrieren, um von Kanadas tatsächlichen strategischen Kerninteressen abzulenken.
„Wenn wir den parteipolitischen Lärm beiseite lassen, ist die strukturelle Realität unbestreitbar“, sagte Nagy. „Kanadier und Amerikaner […] leben, arbeiten und regieren sich auf grundlegend ähnliche Weise. Unsere politischen Entscheidungen müssen diese Realität widerspiegeln, und wir dürfen uns nicht durch ausländische Einmischung vom Gegenteil überzeugen lassen.“
Nagy schlägt vor, dass Kanada und die Vereinigten Staaten ihre Rhetorik mäßigen und sich darauf konzentrieren sollten, Handelsstreitigkeiten hinter verschlossenen Türen beizulegen, um zu verhindern, dass Peking öffentliche Meinungsverschiedenheiten für Desinformation nutzt.
Er empfahl außerdem, dass Kanada im Falle eines zunehmenden amerikanischen Protektionismus eine Diversifizierung des Handels durch „Friend-Shoring“ mit Demokratien im indopazifischen Raum wie Japan und Südkorea anstreben sollte, anstatt sich China zuzuwenden.
Zu den weiteren von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen gehören eine bessere Finanzierung des kanadischen Militärs sowie eine stärkere Fokussierung auf die Verteidigung des eigenen Luftraums und der arktischen Gebiete, um ausländischen Einfluss zu verhindern.
Ein Wachmann bewacht am 5. März 2024 den Eingang zur Großen Halle des Volkes in Peking. Wang Zhao / AFP via Getty Images

Ein Wachmann bewacht am 5. März 2024 den Eingang zur Großen Halle des Volkes in Peking. Wang Zhao/AFP via Getty Images

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „China Is Turning the Canada–US Trade Dispute Into a Strategy to Divide North America, Asia Scholar Says“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
Categories
meinung ticker

Warum so viele junge Menschen den Kommunismus befürworten

Jede Generation sucht nach Antworten. Junge Menschen haben schon immer den Status quo infrage gestellt, Autoritäten hinterfragt und nach einer besseren Zukunft gestrebt als die, die sie geerbt haben.
Dieser Impuls ist nicht nur verständlich, sondern oft auch unverzichtbar für eine gesunde Demokratie. Auf diese Weise reformieren sich Gesellschaften, bringen Innovationen hervor und beseitigen Ungerechtigkeiten.

Führt Unzufriedenheit zu kommunistischen Ideen?

Doch eine Frage taucht an Hochschulen, in den sozialen Medien und im politischen Diskurs immer häufiger wieder auf: Warum bekennen sich manche junge Menschen zum Kommunismus oder bekunden offen Sympathie für sozialistische und kommunistische Ideen – trotz der erdrückenden historischen Bilanz kommunistischer Regierungen?
Die Antwort verdient mehr als nur Parolen oder politische Angriffe. Sie verdient Ehrlichkeit, Demut und historische Perspektive.
Die meisten jungen Menschen fühlen sich nicht zum Kommunismus hingezogen, weil sie sich eine Diktatur oder politische Unterdrückung wünschen. Sie fühlen sich von Idealen wie Gleichheit, Fairness, bezahlbarem Wohnraum, Chancengleichheit für alle und der Überzeugung angezogen, dass niemand zurückgelassen werden sollte.
Viele sind in einer Zeit von Finanzkrisen, steigenden Studiengebühren, erdrückenden Studienschulden, unerschwinglichen Wohnkosten, stagnierenden Löhnen und wachsenden Vermögensunterschieden aufgewachsen. Sie sehen, wie Milliardäre immer reicher werden, während viele Arbeiterfamilien Schwierigkeiten haben, ihre Miete zu bezahlen oder sich die Gesundheitsversorgung leisten zu können.
Diese Sorgen sind real. Sie zu ignorieren treibt junge Menschen nur noch weiter in Richtung Ideologien, die pauschale Lösungen versprechen. Doch die Geschichte lehrt uns, dass edle Absichten und erfolgreiche Ergebnisse nicht immer dasselbe sind.

Falsche Versprechen

Der Kommunismus versprach Gleichheit. In der Praxis hat er jedoch oft eher zu einer Konzentration politischer Macht als zu geteiltem Wohlstand geführt. Die Sowjetunion, Maos China, Kambodscha unter Pol Pot, Nordkorea und andere kommunistische Regime haben Ungerechtigkeit nicht beseitigt. Häufig ersetzten sie eine Form der Ungleichheit durch eine andere, in der der Staat enorme Macht über den Einzelnen ausübte, die Meinungsfreiheit kontrollierte, Religion unterdrückte, private Unternehmen einschränkte, politische Gegner inhaftierte und in vielen Fällen für unermessliches menschliches Leid verantwortlich war.
Dies sind keine parteipolitischen Argumente. Es handelt sich um historische Realitäten, die durch jahrzehntelange wissenschaftliche Forschung belegt sind.
Warum finden diese Lehren dann bei jüngeren Generationen offenbar weniger Anklang? Ein Teil der Antwort liegt möglicherweise in der historischen Distanz. Für viele junge Amerikaner ist der Kalte Krieg ebenso weit entfernt wie der Zweite Weltkrieg für frühere Generationen.
Die Berliner Mauer existiert nur noch in Schulbüchern. Die sowjetischen Brotschlangen, Maos Kulturrevolution und die „Killing Fields“ in Kambodscha sind keine gelebten Erinnerungen, sondern historische Kapitel, die in einem Zeitalter, das von sozialen Medien und 20-Sekunden-Videoclips geprägt ist, um Aufmerksamkeit buhlen.
Geschichte verliert ihre Dringlichkeit, wenn sie nicht mehr persönlich ist.

Pro und Contra des Kapitalismus

Es gibt noch einen weiteren Faktor, den wir ehrlich anerkennen sollten. Der Kapitalismus selbst ist seinen höchsten Idealen nicht immer gerecht geworden. Freie Märkte haben außergewöhnliche Innovationen hervorgebracht, weltweit Milliarden Menschen aus der Armut befreit und Kreativität sowie Unternehmergeist belohnt.
Gleichzeitig kann der Kapitalismus Monopole, Unternehmensgier, Korruption, Umweltschäden und erschütternde Ungleichheit hervorbringen, wenn ethische Standards und wirksame Institutionen versagen.
Diese Mängel anzuerkennen, bedeutet nicht, freie Märkte aufzugeben. Es bedeutet, sie zu verbessern.
Die Antwort auf die Unvollkommenheiten des Kapitalismus ist nicht zwangsläufig der Kommunismus, genauso wenig wie die Versäumnisse der Demokratie den Autoritarismus rechtfertigen. Freie Gesellschaften verfügen über etwas, was zentralistisch geplante Systeme oft nicht haben: die Fähigkeit, sich durch offene Debatten, freie Wahlen, unabhängige Gerichte, unternehmerische Innovation und eine freie Presse selbst zu reformieren.
Diese Fähigkeit zur Selbstkorrektur ist eine der größten Stärken der Demokratie.

Wie junge Menschen geprägt werden

Auch unsere Bildungseinrichtungen tragen Verantwortung. Schülern sollte nicht beigebracht werden, dass der Kapitalismus über jede Kritik erhaben ist oder dass der Kommunismus keiner Überprüfung unterzogen werden darf. Sie sollten beides ehrlich kennenlernen. Sie sollten die Errungenschaften und Misserfolge von freien Marktwirtschaften ebenso studieren wie die dokumentierten Folgen kommunistischer Regierungen. Bildung sollte eher zum Hinterfragen anregen als zur Ideologisierung.
Auch Eltern spielen eine Rolle. Ebenso wie Glaubensgemeinschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Medien. Junge Menschen brauchen Mentoren, die bereit sind, schwierige Fragen zu beantworten, anstatt sie abzuweisen. Herablassung ändert selten Meinungen. Gespräche tun dies oft. Vielleicht reicht das tiefer liegende Problem sogar über die Wirtschaft hinaus.
Viele junge Menschen suchen heute nach Sinn, Zweck, Zugehörigkeit und Identität. Politische Bewegungen werden oft zu Ersatz für die Gemeinschaften, die früher von Familien, Nachbarschaften, religiösen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen gebildet wurden. Wenn sich Menschen isoliert fühlen, fühlen sie sich naturgemäß zu Bewegungen hingezogen, die Gewissheit, Gerechtigkeit und Zugehörigkeit versprechen.
Dies ist nicht nur eine politische Herausforderung. Es ist eine kulturelle.
Unsere Reaktion sollte niemals darin bestehen, junge Menschen zu fürchten oder sie dafür zu verspotten, dass sie schwierige Fragen stellen. Neugier ist nicht der Feind der Freiheit. Unwissenheit ist es. Wir sollten eine intensive Debatte, sorgfältiges Lesen, historisches Verständnis und intellektuelle Bescheidenheit fördern. Wir sollten Meinungsverschiedenheiten begrüßen und gleichzeitig darauf bestehen, dass jede Ideologie – einschließlich unserer eigenen – an Fakten, Geschichte und der Achtung der Menschenwürde gemessen wird.

Eine bessere Gesellschaft benötigt Freiheiten

Jede Generation glaubt, eine bessere Gesellschaft aufbauen zu können. Dieses Streben ist eine der größten Stärken der Menschheit.
Doch die Geschichte erinnert uns auch daran, dass Gesellschaften nicht dann gedeihen, wenn der Staat allmächtig wird. Vielmehr geschieht dies, wenn die Freiheit geschützt wird, Chancen erweitert werden, Institutionen rechenschaftspflichtig bleiben und der Einzelne die Freiheit hat, sich zu äußern, seinen Glauben zu praktizieren, kreativ zu sein, anderer Meinung zu sein und seine eigenen Träume zu verfolgen.
Die Herausforderung, vor der wir stehen, besteht nicht darin, zwischen Mitgefühl und Freiheit zu wählen. Amerika ist am stärksten, wenn es auf beides besteht. Gerechtigkeit ohne Freiheit birgt die Gefahr der Unterdrückung. Freiheit ohne Verantwortung birgt die Gefahr der Gleichgültigkeit. Eine gesunde Republik erfordert die Weisheit, beides zu bewahren.
Das größte Geschenk, das wir der nächsten Generation machen können, ist nicht ideologische Gewissheit, sondern historische Wahrheit, moralischer Mut und das Selbstvertrauen, kritisch zu denken. Freiheit hing schon immer nicht von Menschen ab, die Ideen einfach nur akzeptieren, sondern von Bürgern, die bereit sind, sie ehrlich zu prüfen, sie respektvoll zu hinterfragen und aus der Geschichte zu lernen, bevor sie sich wiederholt.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Are So Many Young People Drawn To Communism?“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung mf)
Categories
gesellschaft meinung ticker

Warum Menschen sozialistische Systeme verlassen – Lehren aus der Geschichte

Die Geschichte ist voller politischer Bewegungen, die aus hehren Versprechungen entstanden sind. Kaum eine davon war in der Theorie so verlockend wie der Sozialismus. Im Kern verspricht der Sozialismus mehr Gleichheit, wirtschaftliche Gerechtigkeit und Schutz für diejenigen, die auf einem wettbewerbsorientierten Markt Schwierigkeiten haben. Er spricht den Wunsch nach Gerechtigkeit und die Überzeugung an, dass niemand zurückgelassen werden sollte.
Doch die Geschichte lehrt auch eine ernüchternde Lektion: Obwohl Millionen Menschen für den Sozialismus gestimmt haben, sind letztlich noch viel mehr Millionen vor ihm geflohen.
Warum?
Die Antwort findet sich nicht in Wahlkampfslogans oder akademischen Theorien. Sie liegt in den Lebenserfahrungen gewöhnlicher Menschen über Generationen und Kontinente hinweg.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden in Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika sozialistische Regierungen. Viele kamen mit dem Versprechen an die Macht, Armut zu beseitigen, Ungleichheit abzubauen und die Bedürfnisse der Bevölkerung über die Interessen der Reichen zu stellen. Zu Beginn lösten diese Versprechen oft enorme Begeisterung aus. Den Bürgern wurde gesagt, dass staatliche Planung effizienter sei als freie Märkte, dass kollektives Eigentum für Gerechtigkeit sorgen würde und dass eine zentralisierte Kontrolle Wohlstand für alle schaffen würde.
Die Ergebnisse blieben jedoch häufig hinter den Versprechungen zurück.
Ein immer wiederkehrendes Problem war die Konzentration von Macht. Wenn Regierungen die Verantwortung übernehmen, großer Teile der Wirtschaft zu steuern, gewinnen politische Entscheidungsträger zwangsläufig mehr Kontrolle über Beschäftigung, Investitionen, Produktion und Verteilung. Im Laufe der Zeit dehnt sich diese Machtkonzentration oft über den wirtschaftlichen Bereich hinaus auf andere Aspekte der Gesellschaft aus.
Die Geschichte zeigt: Wenn Regierungen mehr Macht erlangen, verlieren die Bürger häufig ein Stück ihrer Unabhängigkeit. Wirtschaftliche Freiheit und politische Freiheit sind oft enger miteinander verbunden, als vielen bewusst ist. Wenn der Lebensunterhalt eines Menschen stark vom Staat abhängt, ist es schwieriger, abweichende Meinungen zu äußern, die individuelle Entscheidungsfreiheit ist eingeschränkt.
Eine weitere Lehre aus der Geschichte ist, dass Anreize eine Rolle spielen.
Menschen reagieren auf Belohnungen, Risiken und Chancen. Systeme der freien Marktwirtschaft sind bei weitem nicht perfekt, aber sie haben immer wieder eine bemerkenswerte Fähigkeit unter Beweis gestellt, Innovation, Unternehmertum und Produktivität zu fördern. Wenn es Einzelnen gestattet ist, von ihrer harten Arbeit, ihrer Kreativität und ihren Investitionen zu profitieren, wachsen Volkswirtschaften tendenziell.
Im Gegensatz dazu haben stark zentralisierte Systeme oft Schwierigkeiten, das gleiche Maß an Innovation und Effizienz zu erzielen. Bürokratien können träge, unflexibel und von den lokalen Gegebenheiten abgekoppelt werden. Im Laufe der Zeit haben Versorgungsengpässe, Ineffizienzen und sinkende Produktivität viele staatlich kontrollierte Volkswirtschaften geplagt.
Das bedeutet nicht, dass der Kapitalismus frei von Mängeln ist. Das ist er eindeutig nicht. Freie Märkte können Ungleichheit, Missbrauch und wirtschaftliche Verwerfungen hervorrufen. Sie erfordern Regulierung, Rechenschaftspflicht und moralische Verantwortung. Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Ersetzung der Märkte durch umfassende staatliche Kontrolle oft eine andere Reihe Probleme schafft – Probleme, die sich sogar noch schwieriger lösen lassen.
Der vielleicht aussagekräftigste Beweis dafür sind die Migrationsmuster.
Im Laufe der modernen Geschichte sind Menschen überwiegend in Gesellschaften gezogen, die größere wirtschaftliche Freiheit boten, anstatt sie zu verlassen. Von Ostdeutschen, die ihr Leben riskierten, um die Berliner Mauer zu überqueren, über Kubaner, die gefährliche Gewässer überquerten, bis hin zu Venezolanern, die vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch flohen – unzählige Menschen haben mit den Füßen abgestimmt.
Diese Realität verdient sorgfältige Betrachtung.
Menschen geben ihr Zuhause, ihre Familie, ihre Sprache und ihre Kultur selten ohne triftige Gründe auf. Wenn Bürger wiederholt Länder verlassen, die von sozialistischen Systemen regiert werden, um anderswo nach Chancen zu suchen, wirft dies wichtige Fragen hinsichtlich der langfristigen Tragfähigkeit dieser Systeme auf.
Die Lektion daraus ist nicht, dass jede mit dem Sozialismus verbundene Politik von Natur aus falsch ist. Viele demokratische Gesellschaften verfügen über soziale Sicherheitsnetze, öffentliche Gesundheitsprogramme, Rentensysteme und andere Formen staatlicher Unterstützung, während sie gleichzeitig Marktwirtschaften und starke demokratische Institutionen aufrechterhalten.
Die eigentliche Lehre betrifft das Gleichgewicht.
Erfolgreiche Gesellschaften erkennen in der Regel sowohl die Stärken als auch die Grenzen staatlichen Handelns an. Sie verstehen, dass der Staat eine wichtige Rolle beim Schutz der Schwachen, bei der Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit und bei der Bereitstellung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen spielt. Gleichzeitig erkennen sie an, dass Wohlstand häufig durch Eigeninitiative, private Unternehmer, Innovation und wirtschaftliche Freiheit vorangetrieben wird.
Wenn jüngere Generationen über die Vorzüge des Sozialismus diskutieren, sollten sie dies mit einem Verständnis für die Geschichte tun und nicht mit romantisierten Vorstellungen davon, wie die Zukunft aussehen könnte. Gute Absichten allein garantieren noch keine guten Ergebnisse. Politische Maßnahmen müssen letztendlich nicht an ihren Versprechungen, sondern an ihren Ergebnissen gemessen werden.
Das Urteil der Geschichte ist weder einfach noch ideologisch. Es ist praktisch. Immer wieder haben die Menschen durch ihr Handeln gezeigt, dass sie Freiheit, Chancen und die Möglichkeit schätzen, ihr Schicksal selbst zu gestalten. Wenn diese Dinge knapp werden, suchen viele sie schließlich anderswo.
Das ist vielleicht die beständigste Lehre, die die Geschichte zu bieten hat. Die Menschen mögen von Versprechungen der Gleichheit angezogen werden, doch sie sind oft bereit, weite Wege zurückzulegen – und große Entbehrungen auf sich zu nehmen –, um Freiheit zu erlangen.
Heute werden diese Lehren Teil der politischen Debatte in den USA. Da sozialistische Kandidaten in Großstädten an Einfluss gewinnen – zwei Beispiele sind der Aufstieg der Stadträtin Janeese Lewis George in Washington und die wachsende Bedeutung von Bürgermeister Zohran Mamdani in New York City –, diskutieren die Wähler erneut über das richtige Gleichgewicht zwischen staatlicher Intervention und privatem Unternehmertum.
Unterstützer sehen in diesen Bewegungen eine Reaktion auf steigende Kosten, Wohnungsmangel und wirtschaftliche Ungleichheit. Kritiker sehen Warnsignale, welche die der Geschichte bereits gezeigt hat. Unabhängig von der politischen Perspektive sollte die Debatte nicht allein von Parolen oder Emotionen bestimmt werden. Sie sollte sich an den Erfahrungen von Nationen orientieren, die diesen Weg bereits beschritten haben.
Die harten Lehren der Geschichte lauten nicht, dass Mitgefühl gefährlich ist oder dass der Staat keine Rolle zu spielen hat. Vielmehr erinnern sie uns daran, dass Machtkonzentration, eingeschränkte wirtschaftliche Freiheit und übermäßige Abhängigkeit vom Staat oft Konsequenzen nach sich ziehen, die sich erst im Laufe der Zeit zeigen.
Die Zukunft Amerikas wird nicht von Etiketten wie „kapitalistisch“ oder „sozialistisch“ bestimmt werden. Sie wird davon abhängen, ob wir die Freiheit, die Chancen, die Innovationskraft und die Eigenverantwortung bewahren, die den Erfolg der Nation seit langem ausmachen, und gleichzeitig sicherstellen, dass diejenigen, die Schwierigkeiten haben, nicht zurückgelassen werden.
Die Geschichte bleibt unser größter Lehrer. Die Frage ist, ob wir bereit sind, aus ihr zu lernen.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What History Teaches Us About Why So Many Eventually Flee Socialism“. (deutsche Bearbeitung ks)