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Voynich-Manuskript: Ein Blick in das geheimnisvollste Buch der Welt


In Kürze:

  • 1912 erwarb der Antiquar Wilfrid M. Voynich ein namenloses Buch, das heute weltweit als Voynich-Manuskript bekannt ist.
  • Das Werk fasziniert durch seinen unlesbaren Inhalt und einzigartige Zeichnungen, die für die heutige Welt fremd erscheinen.
  • Seit über 400 Jahren versuchten zahlreiche Forscher und Laien, den Inhalt des Buches zu entziffern. Bis heute erfolglos.

 
Auf den ersten Blick wirkt das Buch langweilig, alt und staubig. Es hat keinen kunstvoll mit Gold oder Edelsteinen verzierten Einband und auch keinen Titel, der mehr über den Inhalt verrät. Und doch gilt das Voynich-Manuskript als das geheimnisvollste Buch der Welt. Seit seiner Wiederentdeckung im Jahr 1912 versetzt es die Menschen erneut ins Staunen.
Der Autor des Werkes: unbekannt. Der Originaleinband und somit der mögliche Titel des Buches: entfernt. Sinn und Zweck des Buches: fraglich. Und die Schrift, in der der Inhalt verfasst ist: nie entziffert.
Eine Spurensuche à la Sherlock Holmes führt von den USA über die Ewige Stadt in Italien und Prag, die Stadt der hundert Türme in Tschechien, bis in die Alpen. Je tiefer man in der Vergangenheit gräbt, desto mehr Hinweise, aber auch Fragen, tauchen auf.
Das Voynich-Manuskript von außen

Von außen wirkt das Voynich-Manuskript im Vergleich zu anderen mittelalterlichen Büchern einfach und langweilig.

Die Wiederentdeckung 1912

Das Voynich-Manuskript ist ein Werk, das es in dieser Art nur einmal auf der Welt zu geben scheint. Derzeit wird es in der Beinecke Rare Book and Manuscript Library der US-amerikanischen Universität Yale verwahrt – zusammen mit weiteren extrem seltenen Büchern.
Die Besitzer des Buches beschreiben das Werk auf ihrer Bibliothekswebsite als „wissenschaftlicher oder magischer Text in einer nicht identifizierbaren Sprache, Geheimsprache, anscheinend basierend auf römischen Kleinbuchstaben.“ Weiter heißt es: „Wissenschaftler gehen davon aus, dass es ein Werk von Roger Bacon sein könnte.“
Diese Vermutung wurde 1921 von dem Buchhändler Wilfrid Michael Voynich (1865–1930) geäußert. Er sprach bei einem Philosophentreffen in Philadelphia, USA, über seine Entdeckung des namenlosen Buches, die er einige Jahre zuvor gemacht hatte.

Wilfrid Michael Voynich (1865–1930) bei seiner Arbeit mit alten Büchern.

Glücksfund eines Apothekers

Voynich, geboren im heutigen Weißrussland, studierte zunächst Chemie in Moskau und absolvierte eine Ausbildung als Apotheker. Mit 20 Jahren wurde er von den russischen Behörden wegen der Beteiligung an Aufständen verhaftet.
Nach fünf Jahren gelang ihm die Flucht. Er reiste von Sibirien über Peking nach Hamburg und London, wo er 1898 einen Buchladen eröffnete und sich schnell einen Namen als Antiquar machte.
Der als intelligent, vorbildlich und sprachbegabt geltende Voynich reiste viel durch Europa, um teils seltene Werke für Kunden wie das British Museum zu beschaffen. So führte ihn 1912 der Weg nach Frascati, einer Gemeinde Roms, wo er namhafte Werke kaufte – zusammen mit einem mysteriösen Manuskript.
Damals wie heute gab es jedoch ein Problem: Das Buch war in einer unlesbaren Sprache verfasst. Bereits Voynich glaubte mit dem Manuskript ein Werk von Roger Bacon vorliegen zu haben. Bacon war ein bekannter Franziskanermönch und Universalgelehrter aus dem England des 13. Jahrhunderts. Doch dieser hatte sehr wahrscheinlich nichts mit dem Voynich-Manuskript zu tun, wie spätere Untersuchungen vermuten lassen.

Die Zeichnung des Illustrators Victor Pérard (1870–1957) zeigt den Franziskanermönch Roger Bacon in seinem Studierzimmer.

Ein beiliegender Brief

Statt zu einem Vertreter des Franziskanerordens führt die Spur zu einer anderen katholischen Ordensgemeinschaft: den Jesuiten. Einer ihrer großen Gelehrten war der Deutsche Athanasius Kircher (1601–1680). Er bemühte sich seinerzeit um die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen, beherrschte angeblich „alle Sprachen der Welt“ und war Nachfolger von Johannes Kepler als Mathematiker am Hof des Habsburger Kaisers.
Der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher sollte das Voynich-Manuskript entziffern

Der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher sollte das Voynich-Manuskript entziffern.

Kircher erhielt das Manuskript im 17. Jahrhundert zusammen mit einem Brief, in dem er gebeten wurde, den Inhalt des beiliegenden Werkes zu entziffern. Absender des Bittbriefes war Johannes Marcus Marci (1595–1667), ein böhmischer Arzt und Naturwissenschaftler aus Prag. Marci war wie Kircher ein Jesuit und Leibarzt von Kaiser Ferdinand III. (1608–1657) und Leopold I. (1640–1705) sowie Anhänger des berühmten Mediziners Paracelsus (1493/94–1541).
Johannes Marcus Marci bat seinen Glaubenskollegen Athanasius Kircher das Voynich-Manuskript zu übersetzen

In einem Brief bat der Arzt Johannes Marcus Marci seinen Glaubenskollegen Athanasius Kircher um die Übersetzung des mysteriösen Buches.

Inwieweit Kircher der Bitte seines Glaubensbruders Marci nachkam und das sogennte Voynich-Manuskript entzifferte, ist nicht bekannt. Sicher scheint nur, dass das Buch nach Kirchers Tod mitsamt seinem Nachlass in den Besitz eines Jesuitenkollegs nahe Rom überging. Dort entdeckte und kaufte Wilfrid Voynich das Buch im Jahr 1912.
Aus dem Brief an Kircher geht noch etwas hervor: Marci war nicht der offizielle Besitzer des Manuskripts.

Aus königlichem Besitz

Als letzten Käufer des Buches nennt Marci in seinem Brief keinen Geringeren als einen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs: Rudolf II. (1552–1612). Rudolf aus dem Hause Habsburg residierte ab 1583 in Prag, wo sein Hof zahlreiche Menschen anzog. Dies machte sich der Kaiser für persönliche Zwecke zunutze, nämlich für den Ausbau seiner Kuriositätensammlung.
Rudolf II. war einer der bedeutendsten Kunst- und Wissenschaftsförderer seiner Zeit und ließ zahlreiche Tiere, Gesteine und wissenschaftliche Schriften aus der ganzen Welt zusammentragen.
Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, kaufte das Voynich-Manuskript für 600 Dukaten

Als Sammler von Kuriositäten kaufte Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, das Voynich-Manuskript für 600 Dukaten.

So könnte das Voynich-Manuskript in seinen Besitz gelangt sein. Dafür war er nachweislich bereit, 600 Dukaten auszugeben – eine für das 16. Jahrhundert stattliche Summe, die heute mehr als 2 Kilogramm reinem Gold entspricht. Unter welchem Namen das Buch verhandelt wurde, ist jedoch nicht überliefert.
Laut dem Briefwechsel übergab Kaiser Rudolf II. das Manuskript zur weiteren Untersuchung einem Freund von Marci. Heute gehen Forscher davon aus, dass es sich dabei um Georg Baresch (1580/85–1650/55) handelte. Baresch war ein Alchemist und Jurist aus Prag, der ebenfalls vergeblich versuchte, das mysteriöse Manuskript zu entziffern.

Verborgene Notizen

Lange nahm man an, dass Kaiser Rudolf II. das Buch zuerst in die Hände des Alchemisten Georg Baresch gab. Diese Annahme änderte sich jedoch, als bei Laboruntersuchungen eine ausgeblichene oder ausradierte Signatur auf der ersten Buchseite entdeckt wurde. Damit tauchte ein weiterer Name im Zusammenhang mit dem Voynich-Manuskript auf: Jacobi à Tepenecz.
Dieser Mann, der gebürtig Jakub Horčický (1575–1622) hieß, war ein gelernter Kräuterkundler und Jesuit. 1608 erhob ihn Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand, nachdem er den Regenten angeblich von einer schweren Krankheit geheilt hatte. Das Vertrauen des Kaisers reichte so weit, dass er dem geadelten Mediziner das teuer erworbene Buch anvertraute.

Der böhmische Mediziner Jacobi à Tepenecz könnte von Kaiser Rudolph II. das Voynich-Manuskript zur Entzifferung erhalten haben.

An dieser Stelle verliert sich die Spur, denn es scheinen keine früheren schriftlichen Aufzeichnungen zu existieren, die weitere Hinweise auf den Ursprung des Voynich-Manuskripts liefern. Bekannt ist im Wesentlichen, dass das Buch das enorme Interesse eines Kaisers weckte, der viel Geld dafür bezahlte und es in die Hände mehrerer medizinkundiger Jesuiten gab – in der Hoffnung, dass es entziffert würde.

Die Besonderheiten des Voynich-Manuskripts

Seit inzwischen über 400 Jahren suchen Interessierte damit nach einer Erklärung für den Zweck des Buches. Die Deutungen reichen dabei von einem Medizinbuch mit Heilkräutern und -verfahren bis zu einem Lexikon einer Fantasiewelt. Ein Blick auf den Inhalt des Manuskripts lässt beides für möglich erscheinen.
Das 23,5 × 16,2 Zentimeter große Voynich-Manuskript mit seinen Seiten aus braunem, fleckigem und leicht durchscheinendem Pergament ist heute unvollständig erhalten, da zu einem unbekannten Zeitpunkt an mehreren Stellen Seiten herausgetrennt wurden. Jede zweite der ursprünglich 232 Seiten ist mit einer arabischen Seitenzahl versehen, wobei einige Seiten zu großen Bögen ausklappbar sind.
Seite 68 vom Voynich-Manuskript mit astronomischen Darstellungen

Die Seite 68 besteht aus vier miteinander verbundenen Blättern und zeigt astronomische Darstellungen.

Ein Großteil der Buchseiten ist mit Zeichnungen und umfließendem Text gefüllt. Da die Schrift unentschlüsselt ist, bleibt offen, ob die Abbildungen im Zusammenhang mit dem Text stehen. Dennoch haben Wissenschaftler das Manuskript aufgrund seiner Bilder in fünf Themenbereiche untergliedert.

Von unbekannten Pflanzen bis zu italienischen Burgen

Nahezu die komplette erste Hälfte des Werkes besteht aus einem botanischen Teil, in dem unbekannte Pflanzen mit ihren Blüten, Blättern, Wurzeln und Fruchtständen dargestellt sind. Mit seinem umfließenden Text erinnert es stilistisch an Kräuterbücher des Mittelalters und der Renaissance.
Die zweite Hälfte des Buches beginnt mit einem astrologischen Teil, in dem Sonne, Mond und Sterne abgebildet sind. Einige dieser Darstellungen lassen sich Tierkreiszeichen oder bekannten Sternbildern wie den Plejaden zuordnen.
Auf die kosmologischen Seiten folgen ein biologischer Teil mit Zeichnungen von badenden Frauen sowie ein pharmazeutischer Teil mit Bildern von Pflanzen und medizinischen Gefäßen. Der letzte Teil besitzt fast ausschließlich Fließtext und erinnert an Aufzählungen oder Rezepte.
Wissenschaftlich interessant ist zudem die sogenannte Rosettenseite im biologischen Teil. Sie ist ausfaltbar, umfasst sechs Blatt Pergament und zeigt neun miteinander verbundene Kreise, in denen unter anderem Gebäude dargestellt sind. Eine dieser architektonischen Darstellungen zeigt eine Burg mit Zinnen in Schwalbenschwanzform, wie sie für norditalienische Burgen aus dem 14. und 15. Jahrhundert typisch sind. Könnte das Manuskript folglich in dieser Zeit im alpinen Raum entstanden sein? Oder entspringen Text und Bilder nur der Fantasie?

Fälschung oder echt?

Weil das Voynich-Manuskript trotz zahlreicher Bemühungen – teils unter Verwendung von Künstlicher Intelligenz und anderen modernen Techniken – noch immer unentschlüsselt ist, sprechen viele Forscher von einer möglichen Fälschung – etwa durch Wilfrid Voynich selbst.
Um endgültige Klarheit zu schaffen, führten Forscher ab 2009 detaillierte Untersuchungen durch. Diese ergaben unter anderem, dass das Pergament des Manuskripts von 15 Kälbern stammt. Zusammen mit der Tinte und den Farbpigmenten entsprechen die verwendeten Materialien denen, die im Spätmittelalter häufig zum Einsatz kamen. Eine Analyse der Handschrift erbrachte außerdem, dass sehr wahrscheinlich mehr als eine Person an der Fertigung des Werkes arbeitete.
Auch das Alter des Buches ließ sich durch eine Radiokarbondatierung ermitteln. Dabei wurde festgestellt, dass die 15 erforderlichen Kälber zwischen 1408 und 1438 geschlachtet wurden. Damit konnte einerseits ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Voynich-Manuskript um eine moderne Fälschung handelt andererseits aber auch, dass Roger Bacon (circa 1220–1292) dieses Werk in seinen Händen hielt.
Der hohe materielle Aufwand spricht für viele Menschen dafür, dass das Manuskript wichtige oder gar brisante Informationen enthält. Um das mögliche Geheimnis zu wahren, wurde es verschlüsselt – etwa mittels einer fiktiven Sprache, einer seltenen und heute unbekannten natürlichen Sprache oder durch das absichtliche Chiffrieren des Textes.
Die Praxis des Chiffrierens war im Europa des 15. und 16. Jahrhunderts weit verbreitet, besonders in Italien. Dort wurde nachweislich eigens eine Chiffre zum Austausch politischer Nachrichten  entwickelt. Während einige der mittelalterlichen Verschlüsselungen bis heute entziffert wurden, bleibt das Voynich-Manuskript weiterhin ein Rätsel.

Im 16. Jahrhundert wurden aufwendigere Verschlüsselungsmethoden erfunden wie diese Chiffriermaschine von Heinrich II., König von Frankreich, zeigt.

Versuche der Entschlüsselung

Als Erster seit der Wiederentdeckung im Jahr 1912 versuchte sich William Romaine Newbold, der von Wilfrid Voynich beauftragt worden war, an der Dechiffrierung des Textes. Seiner Überzeugung nach sei der Text in altgriechischer Kurzschrift verfasst – doch lesen konnte er den Inhalt nicht. Im Jahr 1943 waren die Rechtsanwälte um Josesph Martin Feely überzeugt, dass das Manuskript in Latein, in verschlüsseltem Englisch oder Ukrainisch geschrieben sei.
In der Folgezeit kamen weitere Theorien über alte, exotische Sprachen und ein Werk von Außerirdischen hinzu. Ein erneuter Aufschwung von Entschlüsselungsversuchen kam in den 2010er-Jahren mit der Entwicklung neuer Techniken auf. Forscher glaubten zu erkennen, dass das Voynich-Manuskript in einer selten gesprochenen oder unbekannten Sprache, in Hebräisch oder in abgekürztem Latein verfasst sei. Keine dieser Theorien fand bis heute Bestätigung.
2016 veröffentlichte Gordon Rugg eine Studie, in der er das Manuskript als sinnlose Zeichensammlung mit bedeutungslosen Buchstabengruppen bezeichnete. Auch die beiden deutschen Voynich-Fachmänner Thorsten Timm und Jürgen Hermes sind der Meinung, dass dem Text kein Sinn innewohnt.
Auszug aus dem Voynich-Manuskript

Auszug aus dem Voynich-Manuskript, das viele Forscher und Laien bereits zu entschlüsseln versuchten.

Im Jahr 2019 folgte die Theorie von Gerard Cheshire, der behauptet, das Manuskript sei in einer Sprache aus dem Italien des 15. Jahrhunderts verfasst. Ein Jahr später veröffentlichte der deutsche Ägyptologe Rainer Hannig einen Aufsatz, wonach er das Manuskript, welches zu 80 Prozent auf Hebräisch geschrieben sein soll, entziffert habe.
Einer der jüngsten Entschlüsselungsversuche (2025) stammt von dem Wissenschaftsjournalisten Michael Greshko. Dieser glaubt, dass es sich bei dem Voynich-Text um eine ausgeklügelte Chiffre handelt, die mittels Würfeln, Spielkarten und Verschlüsselungstabellen erstellt wurde. Die sogenannte Naibbe-Chiffre entziffert jedoch weder Sprache noch Inhalt, sondern erzeugt mit ihren Beispielen lediglich ähnliche Buchstabenmuster und Erscheinungsformen wie das Voynich-Manuskript.
Ob das Manuskript für immer ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, wird die Zeit zeigen. Eines steht jedoch fest: Wenn das Ziel die Geheimhaltung von Informationen war, dann hat der Schöpfer des Werkes sehr gute Arbeit geleistet.
Buchtipp: Das „Voynich Manuskript“
Wenn Sie noch tiefer in das geheimnisvolle Voynich-Manuskript eintauchen möchten, bietet Ihnen der Bildband von Vera Pache und Klaus Schmeh beste Möglichkeiten. Sowohl in der einfachen Ausführung, als auch in der Vorzugsausgabe sind alle Seiten des Buches abgedruckt und mit interessanten Zusatzinformationen versehen.
Verlag: Favoritenpresse
Seitenzahl: 288
ISBN: 978-3-96849-409-8

Das Buch „Voynich-Manuskript“ von Vera Pache und Klaus Schmeh.

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Sternschnuppen am Himmel: Unerklärlich viele Sichtungen


In Kürze:

  • In den USA wurde eine deutliche Zunahme an Feuerkugeln, sprich, sehr hellen Sternschnuppen, registriert.
  • Die American Meteor Society schließt eine Zunahme der Beobachter aus.
  • Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Sichtungen.
  • Laut der NASA treten Meteore sogar „recht häufig auf“. Nur wenige sind auch am Tag sichtbar.

 
Genauso wie es eine jährliche Hurrikan- und Tornadosaison gibt, erlebt Nordamerika laut NASA auch eine jährliche „Feuerkugel-Saison“ oder Sternschnuppen-Saison.
„Von Februar bis April können diese sehr hellen Meteore um bis zu 10 bis 30 Prozent öfter auftreten, insbesondere in den Wochen um die März-Tagundnachtgleiche“, erklärte die NASA Ende März, nachdem im Frühjahr mehrere „Feuerkugelereignisse“ viral gegangen waren. „Der genaue Grund dafür ist nicht bekannt. Einige Astronomen vermuten, dass die Erde zu dieser Jahreszeit auf mehr große Trümmerteile trifft, was zu einem Anstieg der Sichtungen von Sternschnuppen führt.“
Doch die relativ regelmäßige Hochsaison scheint in diesem Jahr ungewöhnlich aktiv gewesen zu sein. Die American Meteor Society, die seit 1911 professionelle und amateurhafte Sichtungen sammelt, gab an, dass in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 insgesamt 41 große Feuerkugelereignisse gemeldet wurden. Das ist fast doppelt so viel wie die durchschnittliche Anzahl gemeldeter Ereignisse für diesen Zeitraum in den vorangegangenen fünf Jahren. „Groß“ bedeutet dabei, dass sie von jeweils mehr als 50 Personen beobachtet wurden.
Mike Hankey, Betriebsleiter der American Meteor Society, teilte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass im ersten Quartal 2021 ebenfalls ein Anstieg großer Feuerkugelereignisse verzeichnet wurde. Damals wurden 30 Ereignisse gemeldet, die jeweils mindestens 50 Personen beobachtet hatten.

Anstieg nicht wegen mehr Beobachtern

Hankey erklärte weiter, dass es sich hierbei speziell um einen Anstieg „sporadischer“ Meteore handele. Diese stünden in keinem Zusammenhang mit größeren Kometen oder Asteroiden oder regelmäßig beobachteten Meteorschauern. Der plötzliche Anstieg sei nicht darauf zurückzuführen, dass mehr Menschen den Himmel beobachteten, sagte er.
Astronomen, die sich der Beobachtung des Himmels auf fallende Weltraumgesteine verschrieben haben, sind sich nicht sicher, was den Anstieg verursacht hat oder ob es sich überhaupt um eine echte Anomalie handelt – ein einmaliges, unvorhersehbares Ereignis.
Auch Hankey will nicht behaupten, dass seine Daten – eine Analyse von Feuerkugelereignissen seit 2011 – schlüssig sind. „Ich würde nicht sagen, dass es etwas Weltbewegendes ist. […] Ohne eine Veröffentlichung, die das belegt, kann ich [aber auch] nicht sagen: ‚Oh, das ist keine statistische Anomalie.‘ Vielleicht ist es das doch.“ Weiter sagte er:
„Es ist nur eine Beobachtung, oder? Es heißt lediglich: ‚Hey, das ist der höchste Verkehr, den wir je in einem einzigen Monat hatten.‘“

Was ist eine „Feuerkugel“?

Der Begriff „Feuerkugel“ ist im Wesentlichen die Bezeichnung der NASA für das, was Kinder als helle Sternschnuppe bezeichnen würden. Dabei handelt es sich um ein mehr oder weniger kleines Bruchstück, dessen selbstzerstörerischer Flug durch die Erdatmosphäre eine Lichtspur erzeugt, die heller erscheint als die Venus.
Alle Weltraumgesteine mit einem Durchmesser von mehr als 1 Meter werden als „Asteroiden“ bezeichnet, alles, was kleiner ist, als „Meteoroiden“. Meteoroiden lösen sich normalerweise von einem Kometen oder Asteroiden. In seltenen Fällen handelt es sich um Teile des Mondes oder anderer Planeten.
Tritt ein Asteroid oder Meteoroid in die Erdatmosphäre ein und hinterlässt eine Leuchtspur am Himmel, wird er zu einem „Meteor“ beziehungsweise einer Sternschnuppe. Wenn mehrere Objekte vom scheinbar selben Ursprungspunkt aus in die Atmosphäre eintreten, wird dieses Ereignis als „Meteorschauer“ bezeichnet. Alle Teile des Meteors, die den Flug durch die Atmosphäre überstehen und die Erdoberfläche erreichen, werden als Meteoriten bezeichnet.
Erreicht ein Meteor eine Helligkeit, die stärker ist als die Leuchtkraft der Venus, wird er als „Feuerkugel“ eingestuft. „Sie treten mit relativ geringer Geschwindigkeit in die Atmosphäre ein“, erklärte Hankey. „Ein langsamerer Eintritt bedeutet, dass der Meteor länger am Himmel zu sehen ist, über ein größeres Gebiet sichtbar ist, häufiger Überschallknalle erzeugt und mehr Material überlebt, um als Meteorit den Boden zu erreichen.“

Komet, Asteroid oder Meteoroid? Die verschiedenen Arten von Weltraumgesteinen in der Übersicht.

Foto: Epoch Times nach American Meteor Society

Keine seltenen Ereignisse

Ein und derselbe Gesteinsbrocken wird also je nach Situation anders bezeichnet. Ein anschauliches Beispiel lieferte eine Feuerkugel, die am 17. März über Teilen Kanadas und den Vereinigten Staaten gesichtet wurde, über Nord-Ohio auseinanderbrach und dabei die verschiedenen Bezeichnungen für Himmelsgestein durchlief:
Die NASA bestätigte, dass es sich bei dem herabstürzenden Objekt um einen Asteroiden mit einem Durchmesser von etwa 2 Metern und einem Gewicht von etwa 7 Tonnen handelte. Mit dem Eintritt in die Atmosphäre wurde dieser zu einem Meteor. Bei einer Geschwindigkeit von rund 72.000 Kilometern pro Stunde leuchtete er so hell, dass er zu einer Feuerkugel wurde. Schließlich explodierte der Brocken in der Luft, und mehrere Fragmente sind als Meteoriten auf der Erdoberfläche eingeschlagen.
Obwohl dieses Ereignis in den USA landesweit für Aufsehen sorgte, erklärte die NASA, dass es nicht allzu selten sei. „Meteore treten eigentlich recht häufig auf“, so die Weltraumbehörde. „Sie kommen ständig vor, und Feuerbälle sind in jeder beliebigen Nacht zu sehen. Oft finden sie jedoch über dem Meer oder in unbewohnten Gebieten ohne Zeugen statt oder tagsüber, was es schwierig macht, sie zu entdecken.
„Beobachter, die einen klaren Blick auf einen solchen am dunklen Himmel erhaschen, kommen in den Genuss eines spektakulären Himmelsspektakels – das jedoch kaum selten ist.“
Meistens handelt es sich auch bei Feuerkugeln um kleine Objekte, die einen nur wenige Sekunden andauernden Lichtblitz am Himmel erzeugen, erklärte Hankey gegenüber Epoch Times. Manche können jedoch groß genug sein, um einen Überschallknall zu verursachen und Trümmer auf den Boden zu schleudern, was möglicherweise zu Personen- und Sachschäden führen kann. Allein vom Ereignis am 17. März in den USA wurden mehr als 200 Bruchstücke gefunden.
In Deutschland beschädigten Meteoriten im selben Monat mehrere Häuser im Hunsrück, in der Eifel und in Koblenz. Den zugehörigen Meteor meldeten Augenzeugen aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg.

1.000 Augen Richtung Nachthimmel

Augenzeugenberichte sind jedoch nicht die einzigen Quellen für Meteorsichtungen. Die American Meteor Society nutzt das aus 1.000 Kameras bestehende „All Sky 7“-Netzwerk, um den Nachthimmel so genau wie möglich im Blick zu behalten. Durch diese Datenerfassung ist die Gesellschaft in der Lage, die Geschwindigkeit, Größe und Herkunft eines Meteors zu ermitteln.
Die NASA hat unterdessen mit dem „NASA All-Sky Fireball Network“ ihre eigenen Augen am Himmel. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 17 Kameras, die über die USA verteilt sind und vom NASA Meteoroid Environment Office betrieben werden. Die Forscher versuchen zudem herauszufinden, wie groß das Risiko ist, das diese Himmelsgesteine und ihre offenbar saisonalen Schwankungen für Raumfahrzeuge darstellen, die in und jenseits der Erdumlaufbahn fliegen.
Die meisten Feuerbälle sind jedoch winzig und lassen sich nur sehr schwer verfolgen. „Die Objekte sind ziemlich klein“, sagte Hankey. „Ein Golfball erzeugt eine Feuerkugel. Eine Bowlingkugel erzeugt eine riesige Feuerkugel. Etwas von der Größe eines Stuhls würde eine gigantische Feuerkugel erzeugen. Aber für ein Teleskop, das 1 Million Meilen entfernt ist, ist das nicht einmal ein Fleckchen.“ 1 Million Meilen entsprechen rund 1,6 Millionen Kilometern.
Das planetare Verteidigungsnetzwerk der NASA sucht deshalb gezielt nach Weltraumgesteinen, die 140 Meter oder größer sind. Falls sie in die Erdatmosphäre eindringen, können sie buchstäblich das Antlitz der Erde verändern. Derartige Ereignisse sind zum Glück wirklich selten.

Ist der Anstieg der Feuerkugeln nun eine Anomalie?

Der jüngste, scheinbar zufällige Anstieg sporadischer Feuerkugeln könnte sich letztlich als gar nicht so zufällig herausstellen, schließt Hankey. Sicher ist er sich nicht und verweist auf die im Laufe der Jahre gesammelte Datenmenge:
„Wenn wir denselben Ausschlag im Jahr 2031 beobachten, könnte das Aufschluss geben“, sagte er und ergänzte: „Ich meine, da werde ich wahrscheinlich schon fast 70 sein. So ist das eben in der Astronomie.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Astronomers Tracking Unexplained Spike in Meteor Events“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: mf)
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wirtschaft

Nach Millionenverlust: ADAC erhöht Mitgliedsbeitrag

Zum ersten Mal seit sechs Jahren erhöht der ADAC die Jahresbeiträge. Abhängig von der gewählten Mitgliedschaft sollen die Beiträge für Einzelmitglieder zum 1. Januar 2027 um zwischen 10 Euro und 35 Euro im Jahr steigen, beschlossen die Delegierten auf der Hauptversammlung im rheinland-pfälzischen Speyer.
Grund dafür seien höhere Kosten für Energie, Personal, Ersatzteile sowie Abschlepp- und Werkstattleistungen, erklärte der Automobilclub. Das Geschäftsjahr 2025 sei deshalb mit einem Verlust von 17 Millionen Euro abgeschlossen worden. Seit der letzten Erhöhung 2020 seien die Lebenshaltungskosten um 24,4 Prozent gestiegen. „Für eine einzelne Pannenhilfe muss der ADAC inzwischen im Durchschnitt sogar 27 Prozent mehr ausgeben“, hieß es.

ADAC verspricht zusätzliche Leistungen

Im vergangenen Jahr verzeichnete der ADAC nach eigenen Angaben 490.000 Neueintritte. Die nun insgesamt 22,7 Millionen Mitglieder sollen nach der Beitragserhöhung aber auch von erweiterten Leistungen profitieren, hieß es: So würden Leistungen angemessen erweitert und Leistungsgrenzen etwa beim Abschleppen erweitert. Trotz herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen solle es keine Abstriche an Leistungsfähigkeit und Qualität geben, sagte der ADAC-Präsident Christian Reinicke laut Mitteilung.
Demnach wurde im vergangenen Jahr in Deutschland durchschnittlich alle 9 Sekunden die Hilfe des ADAC beansprucht, insgesamt über 3,7 Millionen Mal. Und auch für 2026 gehe man von einer hohen Nachfrage aus. (dpa/red)
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gesellschaft

Dramatische Finanzlage: Pflegekassen rechnen 2026 mit einer Milliarde Euro Defizit

Die Finanzlage der gesetzlichen Pflegeversicherung hat sich seit Jahresanfang nach neuen Zahlen weiter verschlechtert. Im ersten Quartal habe die Pflegeversicherung ein Minus von 667 Milliionen Euro verzeichnet, obwohl sie gleichzeitig 800 Millionen Euro aus einem Darlehen bekommen habe, teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) mit, der auch die Pflegekassen vertritt. Für dieses Jahr rechnet er nun mit einem Defizit von einer Milliarde Euro. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet. Vor rund drei Monaten hatte der Verband für 2026 noch einen Überschuss von 400 Millionen Euro erwartet.
Eingerechnet ist den Angaben zufolge bereits das Darlehen des Bundes in Höhe von insgesamt 3,2 Milliarden Euro in 2026. Das echte Ergebnis für dieses Jahr sei also ein erwartetes Defizit in Höhe von 4,2 Milliarden Euro, erläuterte der Verband. „Bei der Pflegeversicherung brennt die Hütte und wir müssen uns dringend ans Löschen machen“, sagte GKV-Chef Oliver Blatt dem „Spiegel“.

Bundesregierung arbeitet an Reform

Gesundheitsministerin Nina Warken arbeitet an einer Pflegereform, um die Finanznot der Kassen zu lindern. Eigentlich sollten die Pläne bis Mitte Mai vorgelegt werden. Bislang ist nicht bekannt, wann das Bundeskabinett sich damit befassen wird.
Vor gut zwei Wochen hatte die CDU-Politikerin gewarnt, bereits in diesem Jahr sei die Zahlungsfähigkeit der Pflegekassen gefährdet. „Es werden immer mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft, was aber nur zu einem kleinen Teil mit der demografischen Entwicklung zu erklären ist“, sagte sie damals der „Rheinischen Post“. In der Vergangenheit beschlossene Leistungsausweitungen würden sich rächen, argumentierte die Ministerin.

„Pflege in Deutschland lebt auf Pump“

Nach den GKV-Zahlen werden die Mittel der Pflegeversicherung insgesamt am Ende dieses Jahres nur noch bei 4,3 Milliarden Euro liegen, wovon dann 4,2 Milliarden Euro Schulden gegenüber dem Bund seien. „Die Pflege in Deutschland lebt also auf Pump“, warnte Verbandschef Blatt. Die Regierung müsse „jetzt das Ruder herumreißen, denn sonst werden die Finanzprobleme im nächsten Jahr unbeherrschbar“.
Der Verband bezifferte den zusätzlichen Finanzbedarf der Pflegeversicherung für das kommende Jahr auf rund 10 Milliarden Euro. Für die Finanzierung der laufenden Pflegekosten rechne man mit einem zusätzlichen Bedarf von 7,5 Milliarden Euro, hieß es. Damit die Pflegeversicherung auch in einnahmeschwachen Monaten stets voll leistungsfähig sei, brauche es für den sogenannten Ausgleichsfonds außerdem zusätzliche Mittel in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. (dpa/red)
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Gesetzliche Pflegeversicherung: Kassen rechnen 2026 mit einer Milliarde Euro Defizit

Die Finanzlage der gesetzlichen Pflegeversicherung hat sich seit Jahresanfang nach neuen Zahlen weiter verschlechtert. Im ersten Quartal habe die Pflegeversicherung ein Minus von 667 Milliionen Euro verzeichnet, obwohl sie gleichzeitig 800 Millionen Euro aus einem Darlehen bekommen habe, teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) mit, der auch die Pflegekassen vertritt. Für dieses Jahr rechnet er nun mit einem Defizit von einer Milliarde Euro. Zuvor hatte der „Spiegel“ berichtet. Vor rund drei Monaten hatte der Verband für 2026 noch einen Überschuss von 400 Millionen Euro erwartet.
Eingerechnet ist den Angaben zufolge bereits das Darlehen des Bundes in Höhe von insgesamt 3,2 Milliarden Euro in 2026. Das echte Ergebnis für dieses Jahr sei also ein erwartetes Defizit in Höhe von 4,2 Milliarden Euro, erläuterte der Verband. „Bei der Pflegeversicherung brennt die Hütte und wir müssen uns dringend ans Löschen machen“, sagte GKV-Chef Oliver Blatt dem „Spiegel“.

Bundesregierung arbeitet an Reform

Gesundheitsministerin Nina Warken arbeitet an einer Pflegereform, um die Finanznot der Kassen zu lindern. Eigentlich sollten die Pläne bis Mitte Mai vorgelegt werden. Bislang ist nicht bekannt, wann das Bundeskabinett sich damit befassen wird.
Vor gut zwei Wochen hatte die CDU-Politikerin gewarnt, bereits in diesem Jahr sei die Zahlungsfähigkeit der Pflegekassen gefährdet. „Es werden immer mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft, was aber nur zu einem kleinen Teil mit der demografischen Entwicklung zu erklären ist“, sagte sie damals der „Rheinischen Post“. In der Vergangenheit beschlossene Leistungsausweitungen würden sich rächen, argumentierte die Ministerin.

„Pflege in Deutschland lebt auf Pump“

Nach den GKV-Zahlen werden die Mittel der Pflegeversicherung insgesamt am Ende dieses Jahres nur noch bei 4,3 Milliarden Euro liegen, wovon dann 4,2 Milliarden Euro Schulden gegenüber dem Bund seien. „Die Pflege in Deutschland lebt also auf Pump“, warnte Verbandschef Blatt. Die Regierung müsse „jetzt das Ruder herumreißen, denn sonst werden die Finanzprobleme im nächsten Jahr unbeherrschbar“.
Der Verband bezifferte den zusätzlichen Finanzbedarf der Pflegeversicherung für das kommende Jahr auf rund 10 Milliarden Euro. Für die Finanzierung der laufenden Pflegekosten rechne man mit einem zusätzlichen Bedarf von 7,5 Milliarden Euro, hieß es. Damit die Pflegeversicherung auch in einnahmeschwachen Monaten stets voll leistungsfähig sei, brauche es für den sogenannten Ausgleichsfonds außerdem zusätzliche Mittel in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. (dpa/red)
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Kleinkinder in Portugal ausgesetzt: Französische Mutter und Stiefvater verhaftet

Im Fall der mutmaßlichen Aussetzung zwei französischer Kleinkinder in Portugal hat ein Richter übereinstimmenden Medienberichten zufolge Untersuchungshaft für die Mutter und den Stiefvater angeordnet. Die beiden Franzosen seien dringend der schweren Körperverletzung und Kindesaussetzung verdächtig, habe der zuständige Richter António Fialho am Gericht der Stadt Setúbal mitgeteilt. Mutter und Stiefvater kommen aus Colmar im Elsass nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.
Die 41-jährige Mutter der beiden drei und fünf Jahre alten Brüder und der 55-jährige Stiefvater sollen die Kinder am Dienstag an einer abgelegenen Landstraße nahe Alcácer do Sal südöstlich von Lissabon ausgesetzt haben. Einem Autofahrer waren die weinenden und verwirrten Kinder aufgefallen. Er nahm sie in seine Obhut und verständigte die Polizei. Am Donnerstag waren die Mutter und der Stiefvater nach einer landesweiten Fahndung festgenommen worden.
Die Jungen seien inzwischen in einer französischsprachigen Pflegefamilie untergebracht, berichteten mehrere portugiesische Medien übereinstimmend. Dort sollten sie bleiben, bis Portugal über einen Antrag Frankreichs auf Rückkehr der Brüder entschieden habe. Der leibliche Vater soll sich demnach bereits auf die Reise nach Portugal gemacht haben.

Mutter und Stiefvater sollen psychische Probleme behauptet haben

Der staatliche TV-Sender RTP und die Zeitung „Correio da Manha“ berichteten unter Berufung auf Quellen in der portugiesischen Nationalgarde der Republik (GNR), die Mutter und der Stiefvater hätten sich während eines Gefangenentransports abgesprochen, vor Gericht eine psychische Störung geltend zu machen. Das habe ein Polizist gehört, der die beiden Franzosen während der Fahrt am Freitag bewachte. Während die Mutter vor Gericht geschwiegen habe, sei der Stiefvater eher kooperativ aufgetreten. Das Gericht in Setúbal äußerte sich zunächst nicht zu diesen Berichten.
Die Frau firmiert im Internet als Sex-Therapeutin. Bei dem Mann soll es sich portugiesischen Medienberichten zufolge um einen früheren französischen Polizisten handeln, der wegen Depressionen aus dem Dienst ausgeschieden sei. LRTP berichtete, er sei schon 2010 wegen häuslicher Gewalt gegen seine erste Ehefrau verurteilt worden. Die Mutter der Kinder habe er „vor einigen Monaten“ kennengelernt.
Die französische Zeitung „Le Parisien“ schrieb, der ehemalige Gendarm sei damals wegen Belästigung und Gewalt gegen die Mutter seiner Tochter zu neun Monaten Haft mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auf seiner Facebook-Seite habe er verschwörungstheoretische und antisemitische Inhalte gepostet.

Zwei Haftbefehle aus Frankreich

Der GNR-Sprecher, Oberstleutnant Carlos Canatário, hatte in einem RTP-Interview gesagt, gegen die beiden Franzosen lägen auch zwei europäische Haftbefehle aus Frankreich wegen Kindesentzug und Vernachlässigung eines 16-jährigen weiteren Sohns der Mutter vor.
Die beiden müssten deshalb auch vor einem Berufungsgericht erscheinen, das für solche ausländischen Anträge zuständig sei. Auch dort könnte Haft angeordnet werden. Bei Vernehmungen durch die Polizei hätten sich die beiden bisher nicht kooperationsbereit gezeigt, sagte Canatário, ohne Details zu nennen.

Die Mutter soll die Kinder entführt haben

Bislang hatten die Mutter das Sorgerecht und der Vater ein Besuchsrecht für die Jungen, wie die französische Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ unter Berufung auf den Staatsanwalt von Colmar, Jean Richert, berichtete. Der leibliche Vater habe die Mutter und die Kinder bei der Polizei in Colmar als vermisst gemeldet. Dort hatte man sich schon Sorgen gemacht, weil die Kinder nicht mehr zum Kindergarten gekommen waren. In Frankreich sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Aussetzung Minderjähriger eingeleitet worden, berichtete „Le Parisien“. (dpa/red)
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Drei Rotkreuz-Helfer unter ersten Ebola-Opfern im Kongo

Zu den ersten Todesopfern des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo gehören drei freiwillige Rotkreuz-Helfer. Das berichtet die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Genf.
Man gehe davon aus, dass die drei sich schon am 27. März infiziert hätten, als sie sich um Leichen kümmerten, teilte die Föderation mit. „Sie gehören zu den ersten bekannten Opfern des Ausbruchs.“ Sie seien in einer anderen humanitären Angelegenheit im Einsatz gewesen, bevor bekannt war, dass das Ebolavirus grassiert. Sie starben den Angaben zufolge am 5., 15. und 16. Mai.

Krankheit wochenlang unentdeckt

Die ersten Ebola-Fälle waren erst am 15. Mai im Labor bestätigt worden. Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch zuvor über Wochen unentdeckt blieb. Häufungen von ungeklärten Todesfällen wurden bereits vorher untersucht. Da es sich bei diesem Ausbruch aber um den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebolavirus handelt, wurde der Erreger mit herkömmlichen Tests zunächst nicht bestätigt.
Am 17. Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite (PHEIC). Sie betrachtet das Risiko einer Ansteckung im Kongo als sehr hoch, in der Region als hoch, weltweit aber als gering. Ebola überträgt sich anders als etwa das Coronavirus nicht durch Tröpfchen in der Luft, sondern nur durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Infizierten. Auch Leichen können noch Tage nach dem Tod eine hohe Virenlast aufweisen. (dpa/red)
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Pakistans Armeechef zu Gesprächen in Teheran – Ausgang offen

Inmitten neuer Verhandlungsbemühungen im Iran-Krieg hat der pakistanische Armeechef Asim Munir in Teheran politische Gespräche mit der iranischen Führung geführt. Am Freitagabend traf er sich nach Angaben des Staatssenders Irib zu einem Austausch mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi.
Inhaltliche Details wurden nicht bekanntgegeben, das Gespräch soll aber bis nach Mitternacht gedauert haben. Munir will sich demnach auch mit Präsident Massud Peseschkian und Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf treffen.
Am Freitag hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Munir sei unterwegs, um den Entwurf für eine Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran zu besprechen. In pakistanischen Sicherheitskreisen war Optimismus verbreitet worden, dass eine Vorvereinbarung zwischen den USA und dem Iran greifbar sei.
Munir hätte demnach eigentlich am Donnerstag nach Teheran reisen sollen. Er habe jedoch auf grünes Licht der iranischen Verhandler gewartet, dass tatsächlich eine erste Einigung erzielt werden kann. Um welche Punkte es dabei gerade genau geht, ist nicht bekannt. Feldmarschall Asim Munir werden gute Kontakte zu US-Präsident Donald Trump nachgesagt und er gilt als Vermittler zwischen den Kriegsparteien.

Iran spricht von Fortsetzung eines diplomatischen Prozesses

Das iranische Außenministerium dämpfte aber die Erwartungen an eine mögliche Annäherung zwischen Teheran und Washington. Ministeriumssprecher Ismail Baghai bezeichnete Munirs Reise am Freitag beim Staatssender Irib als Fortsetzung eines laufenden diplomatischen Prozesses, nicht aber als Hinweis auf eine bevorstehende Einigung mit den USA.
Im Mittelpunkt der aktuellen Gespräche stehe weiterhin ein sofortiges Ende des Krieges, betonte Baghai. Streitpunkte zwischen dem Iran und den USA – insbesondere das Atomprogramm und der Verbleib hochangereicherten Urans – könnten erst nach Kriegsende verhandelt werden. Andernfalls würden die Gespräche wie in früheren Runden erneut ohne konkrete Ergebnisse bleiben, so der Sprecher. (dpa/red)
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wirtschaft

Umfrage: Deutsche Konzerne fordern mehr Präsenz im Büro

Bei deutschen Konzernen schwindet die Toleranz für Homeoffice. Der Anteil der Firmen mit mindestens drei Präsenztagen steigt auf 40 Prozent.
Das geht aus einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ und „Business Insider“ bei 35 der größten deutschen Konzerne hervor. Demnach verlangen inzwischen 40 Prozent der Firmen, dass ihre Mitarbeiter drei oder mehr Tage pro Woche im Büro sind. Im Jahr 2023 hatte dieser Wert noch bei 25,7 Prozent gelegen. Nur noch 31 Prozent der befragten Unternehmen haben keine feste Vorgabe, stellen ihren Mitarbeitern also die Anwesenheit frei oder setzen auf individuelle Vereinbarungen in einzelnen Teams. Im Jahr 2023 hatten noch 45,7 Prozent der Firmen keine festen konzernweiten Vorgaben gesetzt.

Hybrides Arbeiten bleibt Standard

Allerdings bleibt das hybride Arbeiten stark verbreitet: Abgesehen vom US-Konzern Amazon, der gleichlautende Regelungen parallel in den USA und Deutschland einführte, ist keines der befragten Unternehmen zur Präsenzpflicht von fünf Tagen pro Woche zurückgekehrt. Für die Erhebung befragte „Business Insider“ seit 2023 jährlich 35 der größten deutschen Unternehmen, darunter mehr als 20 Dax-Konzerne.
Für das Jahr 2026 erweiterten der „Welt am Sonntag“ und „Business Insider“ die Erhebung. Befragt wurden 56 der größten Arbeitgeber in Deutschland, darunter die 40 Dax-Konzerne, zudem Wirtschaftsprüfer und Tech-Firmen. Bis Redaktionsschluss meldeten sich 50 der Unternehmen mit ihren Regeln für mobiles Arbeiten zurück.

Unterschiede zwischen Unternehmen

Auch in der breiteren Betrachtung bleibt die Tendenz erhalten. So erklärten 31 von 50 Unternehmen (62 Prozent), dass ihre Mitarbeiter eine konkrete Anzahl an Tagen vor Ort im Büro oder bei Kunden sein sollen – meist zwei bis drei Tage pro Woche. Nur drei Unternehmen (sechs Prozent) gaben an, ausdrücklich keine Anwesenheitsregeln zu haben. In 16 Unternehmen (32 Prozent) gilt keine generelle Präsenzpflicht, dort ist die Entscheidung den Führungskräften der Teams überlassen. (dts/red)
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wirtschaft

Billig-Versandhändler Shein will US-Modemarke Everlane übernehmen

Diese Verbindung war bis vor kurzem kaum vorstellbar: Der in China gegründete und für seine billigen Produkte bekannte Textil-Versandhändler Shein steht kurz vor der Übernahme der für ihre verantwortungsvolle Mode anerkannten US-Marke Everlane. Dies bestätigte Everlane-Chef Alfred Chang am Freitag (Ortszeit) in einer der Nachrichtenagentur AFP übermittelten Stellungnahme. Shein gilt als einer der Marktführer der von vielen Everlane-Kunden abgelehnten Fast Fashion – in Deutschland als „Wegwerfmode“ bekannt.
Everlane „sieht sich in einem sich rasant wandelnden Einzelhandelssektor zunehmendem Druck ausgesetzt“, erklärte Chang. Dies habe die ohnehin schon schwierige finanzielle Lage des Unternehmens weiter verschärft. Die Vereinbarung mit Shein sehe vor, dass Everlane „eine unabhängige Marke bleibt und dabei seinen Werten sowie seinen Verpflichtungen in puncto Nachhaltigkeit und außergewöhnlicher Qualität treu bleibt“, betonte Chang.

Nachhaltigkeit vs. Fast Fashion

Everlane war 2010 gegründet worden und hatte sich als Marke mit starken Grundsätzen positioniert. Das in San Francisco ansässige Unternehmen setzte es sich zum Ziel, den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung seiner Kleidungsstücke zu begrenzen und möglichst dem Recycling von Materialien Vorrang zu geben. Zudem beanspruchte Everlane für sich, Produkte von überdurchschnittlicher Langlebigkeit entworfen zu haben. Dagegen gilt der Shein-Konzern, der vor allem in China produziert, allgemein als ein Paradebeispiel für extrem billige Fast Fashion.
Everlane lehnte es auf Anfrage ab, den Finanzrahmen der geplanten Transaktion offenzulegen. Die Website Puck News berichtete von einer Bewertung von 100 Millionen Dollar (86 Millionen Euro). (afp/red)
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deutschland

Arbeitgeberpräsident: Späterer Renteneintritt „nicht beliebt – aber notwendig“

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hält ein späteres Renteneintrittsalter für unumgänglich. Das sei zwar „nicht beliebt – aber notwendig“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Wochenende. Länder wie Dänemark zeigten, dass das funktionieren könne. „Mit der Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte – der sogenannten Rente ab 63 – und einer Kopplung der Regelaltersgrenze an die Entwicklung der Lebenserwartung hätten wir die Debatte vom Tisch.“
Dulger bezog sich auf die aktuelle Debatte zur anstehenden Rentenreform. Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission soll eigentlich erst Ende Juni ihre Empfehlungen vorlegen, doch zuletzt sorgten angebliche Pläne bereits für Aufregung. So berichtete die „Bild“ am Donnerstag, dass das Gremium eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre empfehlen wolle. Die Kommissionsmitglieder dementierten solch einen Beschluss aber umgehend.

Strukturreform des Rentensystems

Arbeitgeberpräsident Dulger sagte dem RND, das Rentensystem müsse „strukturell“ stabilisiert werden. „Dafür braucht es drei Dinge: eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters, den Abbau von Frühverrentungsanreizen und eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge.“ Die Beitragszahlenden – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer – dürften in jedem Fall nicht durch weiter steigende Beiträge belastet werden.
Dulger forderte zugleich ein moderneres Arbeitszeitgesetz, das mehr betriebliche Flexibilität ermögliche. „Wir müssen das Arbeitsvolumen erhöhen. Mit einer Teilzeitrepublik werden wir die demografischen Herausforderungen nicht bewältigen“, sagte er dem RND.
Zugleich wies er Sorgen vor überlangen Arbeitstagen zurück: „Niemand wird zu 13‑Stunden‑Tagen gezwungen.“ Mehr Flexibilität bedeute nicht mehr Druck, sondern mehr Möglichkeiten für Arbeitgeber und Beschäftigte. Der starre Acht-Stunden-Tag stamme aus früheren Zeiten und passe oft nicht mehr zu einer digitalen und globalen Arbeitswelt. (afp/red)
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deutschland

3D-Druckteile aus Deutschland helfen im Kampf der Ukraine

Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, Verschlusskappen, Tablet-Halterungen, Akku- und Lampengehäuse, Medizinbedarf.
In Deutschland übernehmen Freiwillige wie Chris, Yevhen oder Meister Will Druckaufträge. Aus Sicherheitsgründen nutzen sie in ihren Chats Pseudonyme. Warum engagiert sich Chris für die Ukraine? „Für mich ist das eine Frage der Gerechtigkeit“, sagt der Handwerker. Als russische Truppen im Februar 2022 in die Ukraine eindrangen, unterstützte er zunächst Flüchtlinge. Danach wollte er weiter helfen, aber nicht Geld spenden. „Da bin ich beim 3D-Druck hängengeblieben.“

Hunderte Euro jeden Monat

Vier Geräte arbeiten in seiner Garage rund um die Uhr. „Ich bin einer, der viel druckt“, sagt Chris. 10 bis 15 Kilo Teile jede Woche. Das geht ins Geld, aber es ist nun sein Beitrag zur Verteidigung der Ukraine. „400 bis 500 Euro im Monat sind das bei mir locker.“
Auch für Meister Will begann die Ukraine-Hilfe mit der Aufnahme von Flüchtlingen. Als der Ingenieur von Drukarmija hörte, fiel ihm sein 3D-Drucker im Keller ein. „Nun lasse ich ihn für einen guten Zweck laufen.“ Die Ukraine verteidige auch Deutschland gegen die „diktatorische Regierung Russlands“, begründet er sein Engagement. „Es geht darum, unsere Freiheit zu bewahren.“

Soldaten bestellen Plastikteile online

Drukarmija ist nicht die einzige 3D-Druck-Initiative in der Ukraine, aber nach Angaben auf ihrer Webseite die größte. Sie zähle fast 3.000 Druck-Aktivisten mit etwa 7.000 Geräten, sagt Mitbegründer Jake (Jewhen) Wolnow. Etwa 600 Leute machten aus dem Ausland mit. „Der deutsche Hub ist einer der größten.“
Aus einem Bunker in Kiew steuert Wolnow die Drucker-Armee, die wie ein Online-Shop funktioniert – nur kostenlos. Soldaten von der Front, Notfallsanitäter oder Feuerwehrleute melden ihren Bedarf an. Sogenannte Kuratoren stellen die Druckaufträge online; Freiwillige laden die Daten für ihre Drucker herunter und machen sich ans Werk.
Die fertigen Teile werden an die Kuratoren versandt, überprüft und dann an die Front geschickt. Aus Deutschland reisen die Plastikteilchen meist als Beiladung von Kleintransportern oder Sammeltaxis in die Ukraine. Etwa 1.500 einzelne Teile seien im Angebot, sagt Wolnow.

Von wegen „ukrainische Hausfrauen“ mit 3D-Druckern!

Drukarmija gehört zu den Tausenden Organisationen der Zivilgesellschaft, deren freiwilliger Einsatz das Überleben der Ukraine im Krieg ermöglicht. Sie zählt aber auch zu einer neuartigen Rüstungsbranche mit Start-Up-Mentalität. Der Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, tat dies unlängst ab als „ukrainische Hausfrauen“, die in ihren Küchen auf 3D-Druckern Drohnenteile produzierten.
Wolnow und seine Kollegen haben darüber gelacht. „Dieser Krieg hat gezeigt, dass millionenteures Gerät nichts taugt gegen eine Drohne, die nur 1.000 Dollar kostet“, sagt Wolnow. Die Ukraine hat kaum Zugang zu teuren Waffensystemen. Also baut sie Waffen flexibler, billiger und in hohen Stückzahlen – wie bei den Drohnen, die Russlands Vormarsch fürs Erste gestoppt haben.

Vorsicht bei Aufträgen an das Ausland

Die deutschen Freiwilligen dürfen bei Drukarmija nicht alles drucken. „Wir geben keine Aufträge ins Ausland für Teile, die theoretisch als Waffen eingestuft werden könnten“, sagt Wolnow. Niemand wolle Ärger mit dem deutschen Kriegswaffenkontrollgesetz. Plastikteile für Waffen und Munition würden in der Ukraine gedruckt – so jedenfalls die offizielle Auskunft.
Dagegen kommen Munitionsattrappen zu Lehrzwecken durchaus aus Deutschland: Panzerminen oder tückische Streumunition mit bunten Plastikflügeln, nach denen Kinder oft greifen. „Es geht darum, Zivilisten zu zeigen, dass man so etwas nicht anfasst“, sagt Yevhen. Er hat solche Attrappen mitentwickelt, die unter anderem in Schulen gezeigt werden.

„Ich kann nicht an der Seitenlinie stehen“

Der gebürtige Ukrainer, jetzt Informatiker in Süddeutschland, druckt seit drei Jahren. „Ich habe nie gedacht, dass es diesen Krieg geben wird. Ich habe nie gedacht, dass ich daran teilnehmen werde. Das ist gegen meine Werte als Wissenschaftler“, sagt er. „Aber ich kann nicht an der Seitenlinie stehen.“
Ein Auftrag aus jüngster Zeit: Modelle menschlicher Knochen, damit Suchmannschaften auf den Schlachtfeldern etwas zum Vergleichen haben. Chris zeigt in seiner Garage orthopädische Hilfsmittel, die er gedruckt hat. Soldaten, die Gliedmaßen verloren haben, bekommen Schoner für ihre Prothesen. Für das Münchener Projekt Energy for Ukraine druckt Chris Plastikgriffe für Venensucher. Unter Rotlicht können Sanitäter bei Verletzten auch im Dunkeln die Venen finden.

Suche nach gebrauchten E-Bike-Akkus

„Wir entwickeln und bauen elektrische Hilfsgeräte für die Ukraine“, sagt Max Uzunov von Energy for Ukraine. Er und andere Freiwillige löten neben Venensuchern auch Taschenlampen und Powerbanks zusammen. Das raue grüne Plastik für die Gehäuse kommt aus der Ukraine. In den Powerbanks werden recycelte Akkus aus E-Bikes verbaut. „Das Hauptproblem ist, gebrauchte Akkus zu bekommen“, sagt Uzunov.
Die Geräte kommen zum Einsatz, wenn ukrainische Retter nach Luftangriffen Verletzte versorgen. Oder die Teile werden mit Drohnen über ukrainischen Stellungen abgeworfen, damit die Soldaten eine Energiequelle haben. „Ich löte fast jeden Tag und verstehe, wofür das ist“, sagt Uzunov. Wenn eine Reaktion aus der Ukraine komme, „dann ist das die Belohnung“. (dpa/afp/red)
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Scheidender Bosnien-Beauftragter Schmidt warnt vor Zerfall des Vielvölkerstaates

Der scheidende internationale Beauftragte für Bosnien-Herzegowina, Christian Schmidt, hat vor einem Zerfall des Vielvölkerstaates gewarnt. Wenn der serbische Separatist Milorad Dodik mit seiner Politik der Abspaltung der Republika Srpska Erfolg habe, werde Bosnien-Herzegowina zerbrechen, sagte der CSU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstagausgabe). „Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen, auch ein solches Szenario wäre noch beherrschbar. Aber die Leute hier fangen an, Angst vor einem neuen Krieg zu bekommen.“
Europäer, Amerikaner und Bosnier wollten noch immer nicht wahrhaben, was eine Abspaltung der Teilrepublik Srpska bedeuten würde, sagte Schmidt. „Als selbstständiger Staat wäre sie nicht lebensfähig.“ Hier sei jede Menge nationalistische Propaganda im Spiel. „Und wer die Geschichte des Balkans kennt, der weiß, dass Gebietsverschiebungen den Frieden gefährden können.“

Schmidt kündigt Rücktritt an

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte vergangene Woche bekannt gegeben, er werde im Juni als Bosnien-Beauftragter zurücktreten. Als Hoher Repräsentant für Bosnien-Herzegowina hat er die Aufgabe, über die Einhaltung des Friedensabkommens von Dayton von 1995 zu wachen, mit dem der Bosnien-Krieg endete.
Schmidt hatte den Posten seit 2021 inne. Seine Amtszeit war von massiven Spannungen mit der serbischen Teilrepublik Republika Srpska geprägt. Deren ehemaliger Präsident Milorad Dodik hatte Schmidt immer wieder scharf kritisiert. Dodik, der gute Beziehungen zum Kreml pflegt, zweifelte etwa die Legitimität des UN-Repräsentanten an und stellte Schmidt als Bedrohung für die Republika Srpska dar.
Schmidt bestätigte in dem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“, dass er auf „enormen und überraschenden Druck“ der USA sein Amt aufgebe. Dabei habe auch der Streit um eine Pipeline von Kroatien nach Bosnien eine Rolle gespielt, die von der EU auf den Weg gebracht, aber dann nicht von ihr finanziert worden sei. Nun brauche Bosnien die USA, die aber ihre eigenen Vorstellungen hätten.

Keine schnelle Selbstständigkeit ohne Vermittler

Dass Bosnien schon bald ohne einen internationalen Vermittler wie ihn an der Spitze auskommen wird, glaubt Schmidt nicht: „Es gibt noch immer zu viele Kräfte, insbesondere einige serbische Parteien, die aus Prinzip alles blockieren.“
Bosnien-Herzegowina ist seit dem Dayton-Abkommen geteilt in die überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und die kroatisch-muslimische Föderation Bosnien und Herzegowina. Die beiden halbautonomen Landesteile sind durch eine schwache Zentralregierung miteinander verbunden. Fast ein Drittel der 3,5 Millionen Einwohner Bosniens lebt in der Republika Srpska, deren Gebiet fast die Hälfte des Balkanstaates ausmacht. (afp/red)
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deutschland gesellschaft

Backhaus verteidigt Rettung von Buckelwal: „Hatte emotionale Bindung“

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat die umstrittene Rettungsaktion für den gestrandeten und inzwischen gestorbenen Buckelwal verteidigt und mit einer persönlichen Bindung begründet. „Ich habe verantwortungsbewusst gehandelt“, sagte er dem „Stern“ laut Meldung vom Samstag. „Was wir in Deutschland versucht haben, war einmalig: einen jungen Wal zu retten, ihm seine Freiheit zu schenken.“
Er habe eine „emotionale Bindung zu dem Wal“ gehabt, sagte Backhaus, er sei mehrfach bei ihm gewesen und habe ihm in die Augen geschaut. „Er hatte Hilfe verdient. Er hatte sein Leben noch vor sich.“ Zugleich habe er sich verantwortlich gefühlt, sagte der Minister: „Gucken Sie mal nach Schleswig-Holstein. Wer von der Regierung war denn da wie oft vor Ort? Wir als Landesregierung haben uns gekümmert. Ich habe mich gekümmert.“
Es ist das Ende einer langen Geschichte: Wal «Timmy» ist tot, wie die Behörden nun mitgeteilt haben.

Es ist das Ende einer langen Geschichte: Wal «Timmy» ist tot, wie die Behörden nun mitgeteilt haben.

Foto: Marcus Golejewski/dpa

Gutachter kritisierten die Rettung

Der als Timmy weltweit bekannt gewordene Wal war wochenlang vor der deutschen Ostseeküste umhergeirrt und mehrfach gestrandet. Nach mehreren gescheiterten Hilfsversuchen gab Backhaus Mitte April grünes Licht für den Rettungsversuch einer Privatinitiative. Das Tier wurde in die Nordsee und schließlich ins offene Meer gebracht. Mitte Mai wurde das Tier dann tot vor Dänemark entdeckt.
Das Verfahren war im Vorfeld kritisiert worden, unter anderem von Gutachtern, die Backhaus zuvor beauftragt hatte. Er sagte dem „Stern“, die Gutachter hätten den Wal letztmalig vor Ostern gesehen, danach habe sich die Lage geändert. „Die Wissenschaft kann sich im Übrigen auch irren. So wurde gesagt, der Wal könnte in fünf Tagen sterben, vielleicht auch in 21.“ Letztlich habe er viel länger gelebt. (afp/red)
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gesellschaft

Von Rosi bis Layla: Die Stadt Erlangen will ein Dutzend Lieder auf Bergkirchweihfest nicht hören


In Kürze:

  • „Skandal im Sperrbezirk“ nach 45 Jahren erneut auf dem Index.
  • Ballermann-Star Mickie Krause steht gleich mit vier Songs auf der Liste.
  • Gleichstellungsstelle will ein sicheres Feiern ermöglichen.

 
Als das Lied „Skandal im Sperrbezirk” der bayerischen Rock-’n’-Roll-Band Spider Murphy Gang auf den Markt kam, waren nicht alle Radiosender begeistert. Ob des Gebrauchs des Wortes „Nutten“ in dem Song, in dem es um die Rosi ging, die man unter 32168 erreichen konnte, setzten ihn vor allem Sender im Heimat-Bundesland der „Gang“ auf den Index.
Dem Lied brachte das mehr Popularität und der Band den größten Erfolg in ihrer nunmehr fast 50-jährigen Geschichte. Mindestens 750.000 Mal ging die Platte ab 1981 über die Verkaufstheken. Im Februar 1982 erklomm sie Platz eins der deutschen Charts.

Kein Spielverbot, vielmehr ein Appell

Später beruhigte sich der Aufruhr ums Lied – bis es nun erneut auf dem Index landet, und zwar beim Bergkirchweihfest (21. Mai bis 1. Juni) in Erlangen. Dieses Mal ist es die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Réka Lörincz, die den Bann über Rosi verhängt. Diese befindet sich in guter Gesellschaft mit den Interpreten von elf weiteren Liedern. Gleich mehrfach trifft es etwa den Party-Schlagersänger Mickie Krause, dessen Hits „Geh mal Bier holen“ und „Zehn nackte Friseusen“ auf der Sperrliste landeten. Ebenso sollen die Wirte den Sommerhit des Jahres 2022, „Layla“, nicht spielen.
Lörincz hat sich die Lieder, die schließlich auf ihrer Liste landeten, gemeinsam mit Kollegin Nora Hahn-Hobeck angehört, die wie sie Gleichstellungsbeauftragte ist. Das sei nicht besonders angenehm gewesen, sagen beide. Sie betonten aber auch, dass es sich nicht um ein Spielverbot, sondern vielmehr um einen Appell handele. „Uns geht es nicht um Verbote oder einen Kulturkampf.“ Man wolle ein sicheres Feiern ermöglichen und einen Rahmen schaffen, in dem sich jede Besucherin und jeder Besucher wohlfühle. „Es darf nicht sein, dass Frauen überlegen müssen, wo sie hingehen können und wo nicht“, sagt Lörincz.
Gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“ kommentierte ein verständnisloser „Spider Murphy Gang“-Manager Jürgen Thürnau das Vorgehen mit den Worten: „So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als wir in der DDR gespielt haben, da mussten wir jedenfalls keine Setliste vorlegen“.
Réka Lörincz begründet den Bann für das älteste Bierfest mit einer Beschwerde aus dem vergangenen Jahr. Eine Frau habe sich über sexistische Songs beklagt und sei Opfer von Übergriffen und Belästigungen geworden. Man wolle mit der Liste „gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern“ gewährleisten, heißt es in einer Begründung der Gleichstellungsstelle. Ziel sei es, dass man „gemeinsam“ dafür sorgt, „dass sich alle Gäste und Mitarbeiter auf dem Berg wohl und sicher fühlen“.

Wirtssprecher zeigt Verständnis

Auf der Liste, die unter anderem den Wirten übermittelt wurde, stehen nun zwölf Lieder, die die Gleichstellungsstelle als frauenfeindlich oder sexistisch einstuft. Die Empfänger der Aufstellung werden daher gebeten, diese Titel nicht zu spielen. Das Schreiben zitiert Textstellen und erläutert knapp, warum die Gleichstellungsstelle die Inhalte problematisch bewertet.
Unter den genannten Beispielen finden sich unter anderem Titel wie „Nein heißt ja“ des Schlagersängers G. G. Anderson. Die Erläuterungen kritisieren, dass die Textzeilen ein „Nein“ als Zustimmung darstellen und damit Grenzüberschreitungen verharmlosen.
Till Stürmer, Sprecher der Vereinigung der Bergwirte und Betreiber des Altstädter Schießhauses sowie des Birkner Kellers, zeigt Verständnis. Gleichzeitig mahnt aber Zurückhaltung bei der praktischen Umsetzung an. „Ich bin absolut der Meinung, dass man diskriminierende Lieder möglichst nicht spielen sollte“, sagt der Gastronom. Er verweist auf die besondere Situation während der Bergkirchweih.
So strömten alljährlich Tausende Besucher mit sehr unterschiedlichen Erwartungen auf den Berg. „Es gibt Menschen, die sich an so etwas stören – und andere, die genau diese Lieder hören wollen. Beides muss man zur Kenntnis nehmen“, so Stürmer. Zugleich relativiert er: „Ich glaube nicht, dass jemand wegbleibt, nur weil ein bestimmtes Lied nicht gespielt wird.“
Auf der Liste stehen folgende Lieder: „Olé, wir fahr‘n in den Puff nach Barcelona“; „Zehn nackte Friseusen“; „Geh mal Bier holen“ (alle Mickie Krause); „Donaulied“ (verschiedene Interpreten, unter anderem Mickie Krause); „Skandal im Sperrbezirk“ (Spider Murphy Gang); „Nein heißt ja“ (G. G. Anderson); „Baby Bell“ (Breitner); „Joana (du geile Sau)“ (Peter Wackel); „Layla“ (DJ Robin und Schürze); „Deine Freundin“ (SDP); „20 Zentimeter“ (Mirja Boes); „Die Glöcknerin von Dingolfing“ (Dorfrocker).
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ausland

Argentinien plant KI-Unternehmen ohne Menschen

Argentinien plant die Schaffung von KI-Unternehmen mit beschränkter Haftung. Das sagte Argentiniens Entbürokratisierungs-Minister Federico Sturzenegger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Wir wollen das Firmenrecht verändern“, sagte er. So wolle man Unternehmen, die keine Menschen beschäftigen und rein aus Künstlicher Intelligenz entstanden sind, die Möglichkeit geben, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung anzumelden.
Auf die Frage, ob das gefährlich sei, antwortete Sturzenegger der FAS, er hoffe, dass Europa bei dieser Position bleibe, obwohl doch die Niederländer einst die Gesellschaften mit beschränkter Haftung erfunden haben. Denn dann werde Europa keinerlei KI-Produktion haben, Argentinien aber schon. Argentinien werde das erste Land sein, das solche Regeln verabschiedet. „Das werden faszinierende Debatten sein, die da auf uns zukommen.“

Ziel: weniger Bürokratie

Sturzenegger, der sich selbst als „Kettensäge“ von Präsident Javier Milei bezeichnet, zog eine Bilanz der bisherigen Deregulierungspolitik. Man habe 15.000 Verpflichtungen abgeschafft, sagte er. Der argentinische Staat werde niemals wieder ein Haushaltsdefizit haben. Die Inflation sei von 200 auf 30 Prozent gedrückt worden. Die Armutsquote sei zunächst auf 57 Prozent gestiegen und liege jetzt bei 28 Prozent. In den ersten zwei Jahren von Milei sei die Wirtschaft um zehn Prozent gewachsen – nach 15 Jahren der Stagnation.
Als Beispiel für erfolgreiche Deregulierung nannte Sturzenegger den Mietmarkt. Unter der Vorgängerregierung habe es ein Gesetz gegeben, das alle möglichen Einzelheiten eines Mietvertrages festgelegt habe, darunter das Verbot, die Miete im Laufe eines Jahres anzupassen. In einem Land mit 200 Prozent Inflation habe das dazu geführt, dass Vermieter ihre Wohnungen vom Markt nahmen. Nach der Deregulierung durch Milei seien die Mieten inflationsbereinigt um 30 Prozent gefallen.

Streit um Regulierung und Staat

Zum Vorwurf der Korruption gegen Mileis engen Vertrauten Manuel Adorni sagte Sturzenegger, das Beste, was sich gegen Korruption tun lasse, sei, die Größe des Staates zu reduzieren. Denn jede staatliche Regulierung biete eine Gelegenheit zur Korruption. Javier Milei selbst sei für ihn ein Mönch, ein Franziskanermönch. Er sei völlig uninteressiert an materiellen Dingen und konzentriere sich auf Argentinien.
Auf die Frage, ob Deutschland von Argentinien lernen könne, antwortete Sturzenegger, man solle nicht ernsthaft einen Argentinier nach ökonomischen Ratschlägen fragen. Man frage ausgerechnet das Land, das für lange Zeit der schlechteste Schüler in der ganzen Klasse gewesen sei. Nur deswegen habe man sich ja für die radikale Veränderung entschieden. (dts/red)
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Freibadsaison startet: Personalmangel in Bädern hat Folgen

Deutschlands Schwimmbädern fehlen zum Start der Freibadsaison weiterhin Bademeisterinnen und Bademeister. „Leider ist es so, dass wir immer noch Fachkräftemangel haben“, sagte Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Der Mangel resultiere aus der Coronazeit und den Babyboomern, die in Rente gehen.
„Die, die jetzt in Rente gegangen sind oder noch in Rente gehen, können durch das momentane Ausbildungspotenzial, das wir haben, nicht aufgefangen werden“, sagte Harzheim. „Es ist aber eine Tendenz zu erkennen, dass es wieder mehr werden.“ Man müsse daran arbeiten, den Beruf attraktiv zu machen.

Umfrage: Nur etwas mehr als die Hälfte der Stellen besetzt

Einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter 94 Badbetreibern zufolge, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorlag, sind die Lücken vielerorts groß. Anfang Mai war laut VKU nur etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Stellen besetzt. Fast jedes dritte Schwimmbad meldete noch einen zweistelligen Personalbedarf. Jeder zehnte Betreiber gab sogar an, dass mehr als 30 Prozent der Stellen noch offen seien.
Für viele Badegäste dürfte der Personalmangel spürbar werden: Es gebe Bäder, die aufgrund des Personalmangels schließen müssen oder von vornherein zubleiben, sagte Harzheim. „Man hat dann nicht mehr sieben Tage die Woche, sondern nur fünf Tage und nicht mehr zehn Stunden oder zwölf Stunden am Tag, sondern nur acht Stunden auf, weil wir auch nach dem Arbeitszeitgesetz arbeiten müssen.“
Auch wegen Geldmangels müssten viele Bäder geschlossen bleiben oder reduziert betrieben werden. Harzheim forderte die Bundes- und Landespolitik auf, mehr zu unterstützen – „nicht in der Finanzierung einzelner Positionen, sondern in einer Dauerfinanzierung, um die Betriebskosten am Laufen zu halten.“ (dpa/red)
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Ukraine trifft erneut Öllager im Süden Russlands

Die Ukraine hat mit einem weiteren Drohnenangriff eine Öllagerstätte in der bereits mehrfach attackierten Schwarzmeer-Metropole Noworossijsk in Brand gesetzt. Teile einer abgeschossenen Drohne seien auf das Gelände eines Treibstoffterminals gefallen, teilte der operative Stab der Region Krasnodar mit. In einigen technischen und administrativen Gebäuden seien Feuer ausgebrochen. Es gebe zwei Verletzte, hieß es in der Behördenmitteilung.
In sozialen Netzwerken berichteten Augenzeugen, dass der Ölterminal Gruschowaja des Energiekonzerns Transneft in Brand geraten sei. Es handelt sich um eine der größten Öllagerstätten im Kaukasus mit Reservoirs unter der Erde und an der Oberfläche – samt einem Umschlagplatz. Die für Russlands Kriegswirtschaft wichtigen Anlagen der Ölindustrie in Noworossijsk waren bereits wiederholt Ziele ukrainischer Drohnenangriffe.
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe gegen Ziele im russischen Hinterland massiv ausgeweitet. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den nächtlichen Abschuss von 348 Drohnen. Von unabhängiger Seite ist diese Zahl nicht überprüfbar. Zu Treffern machte das Ministerium wie immer keine Angaben.

Schäden aus verschiedenen Regionen gemeldet

Allerdings gab es Berichte von Behörden über Schäden infolge von Drohnenangriffen in mehreren russischen Regionen, darunter etwa in Anapa am Schwarzen Meer. Im Gebiet Perm meldeten die Behörden ebenfalls einen Angriff auf einen Industriebetrieb. Dort soll ein Feuer in einem Chemiebetrieb ausgebrochen sein.
Die ukrainischen Luftstreitkräfte wiederum berichteten am Morgen von 124 russischen Drohnenangriffen. 102 Flugobjekte seien unschädlich gemacht worden, teilte die Flugabwehr mit. Infolge der russischen Angriffe seien zwölf Einschläge von Kampfdrohnen an neun Orten sowie herabfallende Trümmer an fünf Orten registriert worden, hieß es.
Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine dominiert inzwischen ein Drohnenkrieg das Kampfgeschehen. Am Boden hingegen gibt es wegen der Gefahr durch Angriffe mit den Flugkörpern deutlich weniger Truppenbewegungen und Veränderungen als in den ersten Kriegsjahren. Die Kämpfe stecken nach Angaben von beiden Seiten in der Sackgasse. (dpa/red)
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Umstände lassen es nicht zu: Trump verpasst Hochzeit seines Sohnes

US-Präsident Donald Trump verpasst die bevorstehende Hochzeit seines ältesten Sohnes Donald Trump Jr. „Obwohl ich sehr gerne bei meinem Sohn, Don Jr., und dem neuesten Mitglied der Trump-Familie, seiner künftigen Frau Bettina, sein wollte, lassen die Umstände im Zusammenhang mit den Regierungsgeschäften und meine Liebe zu den Vereinigten Staaten von Amerika dies nicht zu“, erklärte Trump am Freitag auf seinem Onlinedienst Truth Social.

Regierungsgeschäfte als Grund

„Ich halte es für wichtig, während dieser wichtigen Zeit in Washington DC, im Weißen Haus, zu bleiben“, schrieb Trump weiter. „Herzlichen Glückwunsch an Don und Bettina!“ Derzeit laufen die Bemühungen zur Beendigung des Iran-Krieges.
Bereits am Vortag hatte Trump mit Blick auf die Hochzeit seines ältesten Sohnes davon gesprochen, dass dies „kein gutes Timing“ für ihn sei. „Ich habe da diese Sache namens Iran und andere Dinge“, sagte er.

Hochzeit auf den Bahamas geplant

Die Promi-Plattform „Page Six“ und andere US-Medien berichteten, Donald Trump Jr. wolle seine Freundin Bettina Anderson an diesem Wochenende im Rahmen einer „intimen Zeremonie“ auf den Bahamas heiraten.
Trump hat fünf Kinder aus drei Ehen. Donald Trump Jr. ist der Erstgeborene aus Trumps erster Ehe mit seiner früheren Gattin Ivana. Der 48-Jährige ist geschäftsführender Vizepräsident der Trump-Organisation, die in Immobilien und Kryptowährungen investiert.
An Pfingstmontag ist in den USA „Memorial Day“, an dem landesweiten Feiertag wird an die getöteten US-Soldatinnen und Soldaten gedacht. Viele Menschen nutzen das lange Wochenende für Reisen oder Familienfeiern. (afp/red)
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Albig: Können nicht so tun, als wäre AfD „Ausgeburt der Hölle“

Der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, hat seiner SPD empfohlen, sich auch auf von der AfD tolerierte Minderheitsregierungen einzulassen. „Wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme treiben“, sagte der 62-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Für ihn wäre es vorstellbar, „wenn also nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise Manuela Schwesig sagen würde: „Ich suche mir meine Mehrheiten im Landtag je nach Thema“.“ Vielparteienbündnisse mit CDU, Linken, Grünen oder BSW belasteten die Leistungsfähigkeit der Demokratie „und lassen nur noch frustrierte Wähler zurück“, sagte er.

Albig fordert neuen Umgang mit AfD-Wählern

Eine Zusammenarbeit bedeute nicht, dass „wir das ideologische Gedankengut von Rechtspopulisten teilen, sondern weil wir unseren verlorengegangenen Wählern zeigen: Wir haben verstanden – kommt wieder nach Hause“, sagte Albig. Alte Genossen träten eins zu eins in die AfD ein – „und das sicher nicht, weil die alle Nazis geworden sind, sondern weil sie bei uns etwas vermissen“.
„Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle.“ So weiterzumachen wie bisher, berge die Gefahr, „dass es die Sozialdemokratie hierzulande bald nicht mehr gibt“.
Albig war von 2009 bis 2012 Oberbürgermeister von Kiel und danach bis 2017 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Nach einer verlorenen Landtagswahl zog er sich aus der aktiven Politik zurück und ging in die Wirtschaft. Nach leitenden Funktionen bei der Deutschen Post DHL und beim Bundesverband Deutscher Postdienstleister wechselte er 2023 als Lobbyist zum Tabakkonzern Philip Morris. (dpa/red)