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Ist die nationale Frage ein soziales Problem?

Die beiden Weltkriege, die auch durch die hysterische Überspitzung von Nationalbewusstsein verursacht waren, haben bewirkt, dass lange Zeit die Begriffe Nation, Nationalbewusstsein an den Rand der öffentlichen Diskussion gedrückt wurden.   Zum Selbstverständnis eines Volkes gehört aber seine Geschichte, das heißt das dauernde Wissen um die Kontinuität des Volkes und seiner Nation. Wird das Wissen um die Vergangenheit verdrängt, wird das Selbstbewusstsein des Volkes verletzt, es wird verunsichert.

Wir können uns nicht aus der Geschichte wegstehlen und uns nur das auswählen, was uns gefällt. Für die kommende Generation wird es deshalb um so notwendiger sein, den Verlauf der deutschen Geschichte zu erfahren. Wie soll sie denn aktuelle politische Probleme verstehen, wenn sie nicht weiß, auf welchen Strukturen, die weit in die Vergangenheit reichen, die aktuellen Tagesereignisse basieren? Die Vergangenheit muss im gegenwärtigen Bewusstsein lebendig werden. Wird die Vergangenheit aus welchen Gründen auch immer unterdrückt, z.B. beim Unterricht in den Schulen vorenthalten, wie die sozialistischen Rahmenrichtlinien für Gesellschaftslehre es einmal vorgesehen haben, oder einseitig dargestellt, können die Folgen für das Denken und Handeln der künftigen Generation verhängnisvoll sein.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Zustandekommen einer Nation ist der Wille ihrer Einwohner, sich zu ihr zu bekennen. Der französische Theologe Ernest Renan fasste dieses wesentliche Merkmal der Nation in dem Satz zusammen „Une plebiscite tous les jours“. Schwindet das Selbstbewusstsein der Nation, schwindet auch der Wille zur Nation, ist ihre Existenz in Frage gestellt. Das Volk als Träger der Nation setzt sich zusammen aus endlichen Trägern von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nur wenn der einzelne sich dieser Funktion bewusst ist, kann die Nation überleben. Die Nation ist die Summe und das Ergebnis unseres Willens.

Das heißt jedoch nicht, dass unser Wille auch in der Zukunft sich für die Nation entscheiden wird. Die Zukunft baut auf der Gegenwart auf, die vom Ja der Vergangenheit zur Nation geprägt wurde. Wenn es ungeschichtlich ist, zu behaupten, dass die Geschichte mit dem Entstehen der Nation an ihr Ende gekommen sei, so ist es auch ungeschichtlich zu sagen, man könne die Zukunft planen, ohne die Vergangenheit zu beachten. Der Nationalismus lebte oft von der Negation der anderen Nationen. Muss sich aber das Zugehörigkeitsbewusstsein zur eigenen Familie in der Negation anderer Familien zeigen? Kann in der künftigen Diskussion der nationalen Frage nicht von dieser Betrachtungsweise also von einem Patriotismus ausgegangen werden?

Die soziale Verantwortung des einzelnen gegenüber seiner Familie sollte übertragen werden in die soziale Verantwortung der einen Nation gegenüber der anderen. Denn unser Weltbild hat sich am Menschen zu orientieren und nicht an „Ismen“, das heißt, dass sich der Mensch, das Volk, der Staat und die Nation im Zweifelsfall nur zwischen Menschen und nicht zwischen Ideen oder zwischen Ideen und Menschen zu entscheiden haben. Blindes nationales Verhalten kann dann mit asozialem Verhalten gleichgesetzt werden. So wie der Mensch auf die Belange der Gesellschaft Rücksicht nehmen muss, so muss auch die Nation gegenüber anderen Nationen zum Verzicht bereit sein, um Konflikte zu vermeiden.

So wichtig dieses moralische Postulat ist, die internationale politische Ordnung wird jedoch weitgehend von der normativen Kraft des Faktischen geprägt. Soziales Verhalten der Nationen gilt dann nur bei Festreden, in der Wirklichkeit der Politik versagt oft die soziale Verantwortung der Politiker. Wenn wir uns diese Überlegungen vor Augen halten, dann müssen wir uns jedoch fragen, warum wir einen Pluralismus für die Gesellschaft feststellen können, uns aber immer nur die nationalstaatliche Einbahnstraße erlauben. Ein Pluralismus der Überzeugung in dieser Frage muss auch solche Stimmen tolerieren, die den nationalen Gedanken im Sinne eines freiheitlichen Patriotismus stärker betonen. Diese dürfen genauso wenig als reaktionär verteufelt werden wie jene, die anderer Meinung sind und deshalb nicht gleich als vaterlandslose Gesellen gelten dürfen.

Das Ich wird relativiert durch das Wir der Familie, die Nation wird relativiert durch den Umkreis der anderen Nation. Nicht durch die Negation der anderen Familien fühlen wir uns geborgen, sondern durch das Bekennen zur eigenen Familie. Das Wir in Europa ist nur verkümmert vorhanden. Nationale und imperiale Egoismen zerstörten und zerstören immer wieder die hoffnungsvollen Ansätze zu einem Europa aller. Ständige öffentliche Diskussionen und nicht der euphorische Jubel zu Beginn der Einigungsbewegung und beschwörende Festaktsappelle tun Not, sondern die Aktivierung des europäischen Bewusstseins.

Die Massenmedien haben in diesem Bereich versagt, zogen sie doch tagespolitische Streitpunkte wichtigen zukunftsweisenden Fragen vor. Es wurden keine grundsätzlichen Probleme mehr diskutiert, nur noch die Aktualität war und ist für unsere Medien interessant. Politische Ordnung bezieht sich auf die Art und Weise des menschlichen Zusammenlebens in der staatlichen Gemeinschaft. Im Mittelpunkt der Politik hat der Mensch zu stehen, das heißt, bei aller Gegensätzlichkeit hat die soziale Verantwortung, die ja dem gesellschaftlichen Bewusstsein entspringt, Vorrang.

Der typisch patriotische Gedanke nämlich die Fragen des Menschseins sind dann wichtiger als die Größe der Nation. Der soziale Gedanke überwindet den nationalen Gedanken. Die Forderung nach der Notwendigkeit einer Maßnahme für die Nation muss immer auch an der Notwendigkeit einer Maßnahme für die Menschen der Nation gemessen werden. Soziale Erziehung ist notwendig für eine politische Bildung in dem obengenannten Sinn. Politische Erziehung kann als Teil der sozialen Erziehung mit zur Stärkung des gesellschaftlichen Bewusstseins beitragen. Hier liegt die Aufgabe nicht nur unserer Schulen, sondern auch unserer freiheitlichen rechtsstaatlichen Parteien. Denn Staat und Nation sind Gebilde der Gesellschaft und nicht umgekehrt.

Totalitäre Staaten sind durch die ausschließlich staatlich verwirklichten gesellschaftlichen Werte, die anderen Kräfte keine Entfaltungsmöglichkeit lassen, gekennzeichnet. Verdrängt nun der Glaube an die Nation alle anderen allgemeinen Werte, so können wir mit Recht von einem Nationalismus sprechen. Das Aufstellen eines Wertekatalogs bleibt dem Menschen zur freien Entscheidung vorbehalten. Nur in der freiheitlichen Demokratie kann der einzelne seinen politischen Selbstbestimmungswillen verwirklichen. Selbstbestimmung des Volkes ist  ein Element des Selbstbewusstseins einer Nation, damit die Grundlage ihrer Rechtfertigung. Somit ist die Sinnfrage in der Politik gestellt, die jeder für sich allein entscheiden muss, die niemals der Staat dem einzelnen vorschreiben kann. Wird diese Frage vom Staat her gelöst, werden Ideologien als Religionsersatz angeboten, pervertiert sich der Wille zur Nation, und der Ansatz zur Katastrophe ist gegeben.

Politik, als Pseudo-Religion verstanden, scheitert, weil das Politische niemals eine Antwort auf die Frage nach der menschlichen Existenz geben kann. Nur der, für den die Sinnfrage in einem den Menschen achtenden Gottesglauben gelöst ist, kann politisch handeln, ohne sich und die Gesellschaft in den Abgrund zu bringen. Das „Goldene Kalb“ eines Götzendienstes „Sozialismus“ und „Nationalismus“ wird nur von Politikern und Mitläufern angebetet, deren Werteskala in Unordnung gekommen ist. Der Gottesglaube z.B. des Christentums schließt kein Volk, keine Nation aus. Besinnen wir uns auf diese Tatsache, können wir Kraft für die Neubestimmung eines lange Zeit abgelehnten Nationalbewusstseins schöpfen.

Heimat und Vaterland sind menschliche Phänomene und nicht einfach von Natur aus gegeben. Können wir den universalen christlichen Anspruch auch auf diesen Bereich ausdehnen und die mit geschichtlichem Wust befrachteten Begriffe in ihrer Einfachheit darstellen, so ist uns schon ein Weg gezeigt, gesellschaftliches, politisches und nationales Bewusstsein zu entwickeln. Ein solches Bewusstsein bildet die Grundlage für eine neue politische europäische freiheitliche Wirklichkeit, worin der Patriotismus seinen berechtigten Platz einnehmen könnte.

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Erneut Waldbrand in der Gohrischheide – Ortschaften derzeit nicht bedroht

Fast genau ein Jahr nach einem verheerenden Waldbrand in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen zu Brandenburg ist dort erneut ein Feuer ausgebrochen.
Der Brand breitete sich sehr schnell aus, wie Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer (parteilos) sagte. Das Gebiet im Landkreis Meißen ist munitionsbelastet, was Löscharbeiten erschwert. Ortschaften seien aktuell nicht bedroht.

Mehr als 19 Hektar betroffen

Die betroffene Fläche sei von zunächst drei auf inzwischen mehr als 19 Hektar angewachsen. Die Temperaturen haben am späten Nachmittag einer Erkundungsdrohne derart zugesetzt, dass sie zunächst nicht mehr fliegen konnte, sagte Pollmer. Deswegen sei es schwierig, genauere Angaben zum Ausmaß zu machen.
Rund 100 Einsatzkräfte aus Sachsen und Brandenburg seien im Einsatz. Es werde zudem ständig nachalarmiert. Außerdem sei ein gepanzertes Löschfahrzeug auf dem Weg in die Gohrischheide. Ob auch Löschhubschrauber eingesetzt werden können, sei noch nicht klar, sagte Pollmer.

Direkte Brandbekämpfung derzeit nicht möglich

Die Feuerwehr kann das Feuer wegen der Munitionsbelastung derzeit nicht direkt bekämpfen. „Eine aktive Brandbekämpfung durch unsere Kameraden ist erneut nicht möglich aufgrund der Munitionsbelastung“, sagte Pollmer.
Die Einsatzkräfte stünden stattdessen an munitionsfreien Wegen und beobachteten die Ausbreitung des Feuers.
Der Brand war nach Angaben Pollmers gegen 15:00 Uhr auf der belasteten Fläche im Bereich des ehemaligen Flugfeldes und nördlich der früheren Bunkeranlage ausgebrochen. Dort habe es bereits 2022 einen größeren Brand gegeben.Das Feuer breite sich schnell aus.
Die Gohrischheide gilt wegen der dort im Boden liegenden Altmunition als besonders schwierig für Löscharbeiten. (Archivbild)

Die Gohrischheide gilt wegen der dort im Boden liegenden Altmunition als besonders schwierig für Löscharbeiten. (Archivbild)

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Altmunition erschwert Löscharbeiten

Die Gohrischheide gilt wegen der dort im Boden liegenden Altmunition als besonders schwierig für Löscharbeiten. Teile des Naturschutzgebietes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz können von Feuerwehrkräften wegen der Explosionsgefahr nicht betreten werden.
Ein Feuer brennt bei einem Wald- und Vegetationsbrand in der Gohrischheide im Landkreis Meißen.

2025: Wald- und Vegetationsbrand in der Gohrischheide im Landkreis Meißen.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Vor einem Jahr größter Waldbrand seit Jahrzehnten

Erst vor einem Jahr hatte sich in der Gohrischheide ein verheerender Waldbrand entwickelt. Er war am 1. Juli 2025 ausgebrochen. Erst knapp zwei Wochen später gab die Feuerwehr Entwarnung.
Die Forstverwaltung stufte das Feuer als größten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte in Sachsen ein. Rund 2.400 Hektar und damit mehr als drei Viertel des Naturschutzgebietes waren betroffen. Ermittlungen ergaben, dass das Feuer durch Selbstentzündung von Munition im Boden entstanden war.
Zeithains Bürgermeister Pollmer sagte, die Situation der wiederholten Waldbrände in der Gohrischheide sei „sehr unbefriedigend“. Wie in den Vorjahren könne die Feuerwehr nicht aktiv an das Feuer ran, „weil wir keine geschützte Technik haben“.
Nach dem Großfeuer im vorigen Jahr war erneut politisch diskutiert worden, ob das Gebiet von der Munition befreit werden kann. Eine vollständige Räumung sei aus Kostengründen unmöglich, hieß es. Die Räumung eines Hektars kostet demnach etwa eine Million Euro. (dpa/red)
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Wegen Böschungsbrand: Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof eingestellt

Wegen eines Böschungsbrands nahe dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Bahnverkehr eingestellt worden.
Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei mit. Betroffen von der Sperrung sind sowohl S-Bahn als auch Nah- und Fernverkehr, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Der Fernverkehr wird demnach großteils über Esslingen am Neckar umgeleitet.

Feuerwehr fuhr mit Zug zur Brandstelle

Wie die Bahn am Mittag auf X mitteilte, wurde der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt zeitweise gestoppt. Die Löscharbeiten des Böschungsbrands dauerten am Nachmittag an.
Zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen sowie zwischen Bad Cannstatt / Feuerbach und dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist laut der Bahn weiterhin kein S-Bahn-Verkehr möglich. Außerhalb dieser Abschnitte wird demnach versucht, einen eingeschränkten Betrieb aufzubauen.
Laut dem Bundespolizeisprecher war eine starke Rauchentwicklung zu sehen. Die Feuerwehr Stuttgart teilte auf X mit, dass die Brandstelle schwer zu erreichen gewesen sei.
Die Deutsche Bahn stellte deshalb einen Zug zur Verfügung, damit die Einsatzkräfte zu dem etwa 10 Quadratmeter großen Böschungsbrand gelangen konnten, wie ein Bahnsprecher sagte.

Gleissperrungen wegen Vegetationsbrand bereits am Vortag

Bereits am Freitag hatte ein Kurzschluss an einer Oberleitung den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise schwer beeinträchtigt.
Zwischenzeitlich waren 12 von 16 Gleisen des Kopfbahnhofs gesperrt, auf S-Bahn-Linien gab es massive Störungen. Auslöser war laut Feuerwehr ein Vegetationsbrand im Gleisvorfeld, den Bahnmitarbeiter gelöscht hatten. Die Bundespolizei ermittelt zur Brandursache. (dpa/red)
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Temperaturrekord in Deutschland: 41,5 Grad gemessen

Den zweiten Tag in Folge hat der Deutsche Wetterdienst nach vorläufigen Angaben einen Temperaturrekord in Deutschland registriert.
Der vorläufige Höchstwert von 41,5 Grad wurde um 16:20 Uhr in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt gemessen, wie der Wetterdienst auf Anfrage mitteilte.
Gestern war mit 41,3 Grad in Saarbrücken bereits ein neuer Rekordwert gemessen worden.
Auch die Messstation im Saarbrücker Stadtteil Burbach wies dem Sprecher zufolge am Samstag mit 41,4 Grad erneut einen höheren Wert aus. Zuvor waren zudem im rheinland-pfälzischen Andernach und in Genthin in Sachsen-Anhalt sehr hohe Temperaturen von 41,1 Grad gemessen worden.

Die Daten sind erst vorläufig

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Temperaturen am Samstag noch weiter steigen. Der Rekord am Freitag war gegen 17:00 Uhr gemessen worden.
Die Daten sind noch vorläufig. Insbesondere bei möglichen neuen Temperaturrekorden würden die Messstationen stets kontrolliert, sagte der DWD-Sprecher. Die offizielle Bestätigung, ob tatsächlich ein neuer Temperaturrekord vorliegt, dürfte daher erst nach dem Wochenende vorliegen.
Frühere Berechnungsmodelle des DWD hatten bereits für heute die Möglichkeit ergeben, dass sogar die 42 Grad geknackt werden könnten. Der Schwerpunkt der Hitzewelle verschiebt sich derzeit mehr und mehr nach Osten.

Auch Dänemark verzeichnet einen neuen Rekord

Auch in Dänemark ist am Samstag mit 37,0 Grad ein neuer Temperaturrekorden verzeichnet worden. Er sei in Odum nördlich der Stadt Aarhus gemessen worden, teilte das Dänische Meteorologische Institut (DMI) im Onlinedienst X mit.
Die bisherige Rekordtemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1874 war demnach im August 1975 mit 36,4 Grad erreicht worden.

Tschechien ist ebenfalls warm

An einer Wetterstation in Doksany nördlich von Prag wurden 40,6 Grad Celsius gemessen, wie der nationale Wetterdienst mitteilte. Die Temperaturen stiegen aber noch weiter an. „Daher ist dies womöglich noch nicht der Endwert“, fügte die Behörde hinzu.
Die bisherige Höchstmarke in Tschechien liegt bei 40,4 Grad Celsius. Der Wert wurde 2012 in Dobrichovice südwestlich der Hauptstadt gemessen. Der am Samstag gemessene Wert von mehr als 40 Grad Celsius ist dem Wetterdienst zufolge für den Monat Juni ein Novum.
(afp/red)
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Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof eingestellt

Wegen eines Böschungsbrands nahe dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Bahnverkehr eingestellt worden. Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei mit. Betroffen von der Sperrung sind sowohl S-Bahn als auch Nah- und Fernverkehr, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Der Fernverkehr wird demnach großteils über Esslingen am Neckar umgeleitet.
Wie die Bahn am Mittag auf X mitteilte, wurde der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt zeitweise gestoppt. Die Löscharbeiten des Böschungsbrands dauerten am Nachmittag an. Zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen sowie zwischen Bad Cannstatt / Feuerbach und dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist laut der Bahn weiterhin kein S-Bahn-Verkehr möglich. Außerhalb dieser Abschnitte wird demnach versucht, einen eingeschränkten Betrieb aufzubauen.
Laut dem Bundespolizeisprecher war eine starke Rauchentwicklung zu sehen. Die Feuerwehr Stuttgart teilte auf X mit, dass die Brandstelle schwer zu erreichen gewesen sei. Die Deutsche Bahn stellte deshalb einen Zug zur Verfügung, damit die Einsatzkräfte zu dem etwa 10 Quadratmeter großen Böschungsbrand gelangen konnten, wie ein Bahnsprecher sagte.

Gleissperrungen wegen Vegetationsbrand bereits am Vortag

Bereits am Freitag hatte ein Kurzschluss an einer Oberleitung den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise schwer beeinträchtigt. Zwischenzeitlich waren 12 von 16 Gleisen des Kopfbahnhofs gesperrt, auf S-Bahn-Linien gab es massive Störungen. Auslöser war laut Feuerwehr ein Vegetationsbrand im Gleisvorfeld, den Bahnmitarbeiter gelöscht hatten. Die Bundespolizei ermittelt zur Brandursache. (dpa/red)
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Hitze bleibt — teils heftige Unwetter erwartet

Nahezu ganz Deutschland schwitzt am Wochenende bei Temperaturen um 40 Grad – Abkühlung versprechen die Meteorologen erst zum Start in die neue Woche. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete im Tagesverlauf Temperaturen von bis zu 41 Grad an. Lokal seien auch 42 Grad nicht ausgeschlossen. Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen raten wegen der Hitze von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab.
Noch vor 12 Uhr am Mittag berichtete eine DWD-Sprecherin bereits von hohen Werten. Um 11.45 Uhr seien es bereits 36,0 Grad im niedersächsischen Faßberg oder auch 36,3 Grad in Röllbach in Unterfranken gewesen, sagte sie der dpa.
Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen rieten wegen der Hitze am Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen“, heißt es in der online veröffentlichten Bahn-Mitteilung. Das Bahnunternehmen National Express, das Regionalzüge in Nordrhein-Westfalen betreibt, wollte wegen der Hitze am Samstagnachmittag den Betrieb für sechs Stunden einstellen.

Verbreitete Gewittergefahr in der Nacht auf Sonntag

Etwas kühler sollte es den Angaben zufolge nur im äußersten Norden des Landes sein. Am Nachmittag und Abend werden in Nordseenähe und von den westlichen Mittelgebirgen bis in den Nordosten hinein kräftige Gewitter erwartet. Auch Unwetter mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen seien nicht auszuschließen, warnt der DWD.
Am späteren Abend und in der Nacht steigt dann im Norden und Nordwesten des Landes die Unwettergefahr durch verbreitete Gewitter. Die Temperaturen bringen bei Werten zwischen 26 und 17 Grad in der Nacht zum Sonntag nur wenig Abkühlung. Lediglich in einigen Senken- und Muldenlagen wird es noch kühler.

Waldbrandgefahr in Teilen des Landes sehr hoch

Auch am Sonntag erwartet die Menschen von Franken bis nach Brandenburg wieder hohe Temperaturen: 39 bis 41 Grad, in der Lausitz bis 42 Grad, melden die Meteorologen. Im Rest des Landes fallen die Temperaturen auf Höchstwerte zwischen 32 und 38 Grad. Erneut besteht im Tagesverlauf die Gefahr schwerer Gewitter mit schweren Sturmböen, heftigem Starkregen und großkörnigem Hagel. Richtung Osten und Südosten ist es demnach länger sonnig und trocken.
Anhaltende Trockenheit lässt auch die Waldbrandgefahr in Teilen Deutschlands steigen. Vor allem in Brandenburg, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sowie in Sachsen und Sachsen-Anhalt steht auf dem Waldbrand-Gefahrenindex mit Blick auf Sonntag die höchste Warnstufe. Zum Start in die neue Woche soll das Risiko für Waldbrände deutschlandweit wieder sinken.

Regen bringt zum Wochenstart Abkühlung

In der folgenden Nacht soll es vor allem über der Mitte Deutschlands hinweg bis in den Osten und im Süden ungemütlich werden. Der DWD warnt dort vor schweren Unwettern mit Sturmböen, Starkregen und teils anhaltendem kräftigem Regen. Tiefstwerte zwischen 23 und 17 Grad werden erwartet.
Zum Start in die neue Woche bringen vereinzelte Schauer im Nordwesten sowie Regen und teils kräftige Gewitter im Rest des Landes eine spürbare Abkühlung. Mit 25 bis 29 Grad sei zu rechnen, lokal im Osten und Südosten auch bis 31 Grad. An der Küste ist es erneut etwas kühler. (dpa/red)
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Vor AfD-Parteitag: Polizei warnt vor gewaltbereiten Linksextremisten


In Kürze:

  • Anonymer „Indymedia“-Aufruf kündigt massive Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt an.
  • Darin werden Blockaden und Dachbesetzungen für Thüringen sowie für den 6. September ein Sturm auf den Magdeburger Landtag nach der Wahl angekündigt.
  • Die Polizei rechnet mit mehr als 50.000 Gegendemonstranten.
  • Thüringens Innenminister betont, dass Blockaden nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt seien.

 

Im Vorfeld des Bundesparteitags der AfD am Wochenende des 4. und 5. Juli in Erfurt steigt offenbar die Bereitschaft extremistischer und gewaltbereiter Kräfte zur Eskalation. Auf der Plattform „Indymedia“ erschien jüngst ein Aufruf, in dem für diesen Tag die „größte Mobilisierung in der Geschichte der antifaschistischen Bewegung“ angekündigt wurde. Zudem wurde für den Fall einer absoluten Mehrheit der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September eine Erstürmung des Landtags angedroht.

Militante Proteste gegen AfD-Parteitag: Verstärkung aus dem Ausland angekündigt

Inwiefern der Aufruf authentisch ist und es tatsächlich derartige Ambitionen in der linksextremen Szene gibt, ist unklar.

In dem Beitrag von „Berliner“ unter der Überschrift „Tag X in Erfurt naht“ vom Dienstag, 23. Juni, gibt sich der Autor sicher, dass es gelingen werde, „erstmals ein Zusammentreffen der AfD komplett zu verhindern“. Weiter heißt es in dem Text, man habe die Proteste gegen das G7-Treffen in Genf Anfang des Monats zum Erfahrungsaustausch genutzt.

Antifa-Aktivisten aus Italien, Frankreich und der Schweiz hätten zugesagt, zum Protest des AfD-Parteitags nach Deutschland zu kommen. Dort wollten sie die deutschen Gruppen „mit ihrer Erfahrung in europäischen Kämpfen unterstützen“. Der Autor des Beitrages ersucht darum, auf Ankündigungen vor Ort und in eigenen Kommunikationskanälen zu achten. So wolle man der Polizei „nicht die Option bieten, sich auf Überraschungsaktionen unsererseits vorzubereiten“.

G20 und „Rigaer 94“ als Modelle für die linke Szene

Gänzlich im Unklaren über die eigenen Vorhaben lässt man diese dann aber doch nicht. So kündigt der Beitrag jetzt den strategischen Ansatz an, Hausdächer von Gebäuden entlang der Anfahrtsroute zu besetzen. Immerhin habe die Vergangenheit gezeigt, dass es den Einsatzkräften stets gelungen sei, Proteste auf der Straße zu unterbinden.

Daher wolle man sich auf Strategien besinnen, „die wir von G20 bis R94 bereits erprobt haben“. Im Umfeld des G20-Gipfels in Hamburg 2017 ist es den Einsatzkräften nur eingeschränkt gelungen, Eskalationen früh zu unterbinden, sobald sich die militanten Aktivisten auf Gebäude begeben hatten.

Beim linksradikal besetzten Haus „Rigaer Straße 94“ (R94) in Berlin wurden bei Polizeieinsätzen wiederholt Beamte von den Dächern aus mit Steinen oder Pyrotechnik beworfen und verletzt. 

Sturm auf Landtag als militante Drohkulisse

In dem anonymen Beitrag auf „Indymedia“ heißt es außerdem: „Nach Erfurt ist vor Magdeburg.“ Der 6. September, der Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wird als der „Tag der voraussichtlichen faschistischen Machtübernahme in Deutschland“ bezeichnet. An diesem werde man „mit einer großen Schar von Antifas aus ganz Deutschland den Magdeburger Landtag stürmen“.

Ungewiss ist, ob es sich bei der Ankündigung um mehr als eine militante Drohkulisse handelt. Spätestens mit diesem Aufruf ist damit zu rechnen, dass die Einsatzkräfte damit beginnen werden, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten. 

Bis heute gab es in der deutschen Nachkriegsgeschichte auch keinen Fall, in dem ein Sturm eines überregionalen Parlaments gelungen wäre. Es kam auf kommunaler Ebene mehrfach zu Provokationen, etwa in Dortmund. Dort hatten sich Rechtsextreme nach der Kommunalwahl 2014 und Linksextreme nach der Bundestagswahl 2025 kurzfristig widerrechtlich Zutritt zum Rathaus verschafft. Die Einsatzkräfte konnten die Situation jedoch schnell unter Kontrolle bekommen.

Der versuchte sogenannte Sturm auf den Reichstag, der spontan von Teilnehmern während einer Demonstration gegen die Corona-Politik im August 2020 geprobt worden sein soll, scheiterte schon auf den Treppen des Gebäudes.

Mehr Gegendemonstranten als zum AfD-Parteitag 2024 erwartet

Die Polizei scheint die Ankündigung auf „Indymedia“ ernst zu nehmen.

So rechnet Thüringen mit bis zu 50.000 Gegendemonstranten. Eine solche Teilnehmerzahl würde noch über der Größenordnung der Proteste gegen den AfD-Parteitag 2024 in Essen liegen.

Von den meisten Demonstrationen und Veranstaltungen gehe kein Eskalationsrisiko aus. Hinter ihnen stehen mehrere Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen, Kirchen oder Gewerkschaften. In Erfurt seien an dem Wochenende 31 Versammlungen mit aktuell rund 24.000 Teilnehmern angemeldet worden, sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). Dabei gehe es aber nicht nur um Gegendemonstrationen zu dem AfD-Parteitag. Zudem seien für Freitag und Samstag zwei große Konzerte geplant. Damit stehe der Landeshauptstadt ein Wochenende bevor, das „so noch nie stattgefunden hat“.

Warnung vor „Horrorszenarien“

Landespolizeipräsident Thomas Quittenbaum ging davon aus, dass zu den angemeldeten 24.000 Versammlungsteilnehmern eine weitere Zahl „von ähnlicher Größe“ zu erwarten sei. Die Erfahrung zeige, dass „ein gewisser Prozentsatz“ auch Gewaltbereitschaft zeigen werde. „Für Gewalt ist in dieser Stadt kein Platz“, warnte der Polizeichef. „Darauf haben wir uns vorbereitet.“

Ein Bündnis „Widersetzen“, das auch von Linken-Bundestagsabgeordneten unterstützt wird, ruft dazu auf, durch Blockaden den Parteitag zu verhindern. Genaue Zahlen zu Teilnehmern und möglichen gewaltbereiten Demonstranten wollte Quittenbaum nicht nennen.

In einem Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ betonte Maier, Verhinderungsblockaden seien „nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt“. Mit Blick auf den AfD-Parteitag kündigte der Minister an, die Einsatzkräfte würden „das Versammlungsrecht durchsetzen“.

Innenminister Maier kritisierte über soziale Medien verbreitete „Horrorszenarien“, dass „bürgerkriegsähnliche Zustände“ zu erwarten seien.
(Mit Material von afp)
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Spielplätze gesperrt, Parks geschlossen: Jetzt hat der Eichenprozessionsspinner Hochsaison


In Kürze:

  • Sperrungen in vielen Regionen: Wegen des Eichenprozessionsspinners werden derzeit Spielplätze, Parks und Waldwege vorübergehend gesperrt oder abgesichert.
  • Gesundheitsgefahr durch Brennhaare: Die feinen Haare der Raupen können Juckreiz, Hautausschläge, Augenreizungen und Atembeschwerden verursachen – auch ohne direkten Kontakt mit den Raupen.
  • Abstand halten: Es empfiehlt sich, Nester nicht zu berühren, Warnschilder zu beachten und bei Beschwerden nach Kontakt Haut und Kleidung gründlich zu reinigen sowie bei stärkeren Symptomen ärztliche Hilfe zu suchen.

 
Der Spielplatz ist geschlossen, der Lieblingspark nur eingeschränkt nutzbar oder der Waldweg plötzlich abgesperrt – der Grund ist derzeit in vielen Regionen Deutschlands derselbe: der Eichenprozessionsspinner.
Die unscheinbare Raupe sorgt in diesem Sommer wieder aufgrund ihrer Gefahren für Augen, Haut und Atemwege für zahlreiche Sperrungen und Bekämpfungsmaßnahmen. Der ursprünglich aus Südosteuropa kommende Falter profitiert von langen Trockenperioden und milden Frühjahren. Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist von April bis Juli unterwegs, wie es beim Umweltbundesamt heißt.
In vielen Städten und Gemeinden werden zurzeit Spielplätze, Parks, Friedhöfe, Sportanlagen oder Waldwege vorsorglich gesperrt. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg wurde vom Hubschrauber aus bakterienbasiertes Insektizid über viele Hundert Hektar Fläche versprüht. In anderen Regionen wurden vorbeugend gezielt Eichen, etwa in Kindergärten sowie auf Friedhöfen und an Sportplätzen, besprüht. In Leipzig kommen in diesem Jahr Fadenwürmer als Gegenmittel in Grünanlagen zum Einsatz, andernorts werden die Nester von befallenen Bäumen gesaugt.

Warum sind die Raupen so gefährlich?

Gefährlich für Mensch und Tier ist nicht der spätere Nachtfalter, sondern die Raupe. Ab dem dritten Larvenstadium entwickelt sie hunderttausende winzige Brennhaare mit Widerhaken. Diese enthalten ein Nesselgift und können durch den Wind über weite Strecken verteilt werden – selbst wenn die Raupen längst verschwunden sind.
Die Folgen bei Kontakt können erheblich sein. So können Juckreiz, Schwellungen, Brennen und Hautausschläge sowie Quaddeln entstehen. Bei Kontakt mit den Augen können Rötungen und Reizungen bis zu Bindehautentzündungen die Folge sein. Husten und Atemwegsbeschwerden bis zu Bronchitis, Asthma und Atemnot können nach Kontakt auftreten.
Besonders problematisch: Mit jedem weiteren Kontakt kann die Empfindlichkeit des Körpers zunehmen. Der Wirkstoff in den Brennhaaren bleibt zudem über Monate oder sogar Jahre in alten Nestern oder im Unterholz aktiv.

Woran erkennt man den Eichenprozessionsspinner?

Die Raupen leben fast ausschließlich auf Eichen und bewegen sich oft in großen Gruppen in langen Reihen über Stamm und Äste hintereinander – daher stammt auch ihr Name „Prozessionsspinner“.
Typische Merkmale der graubraunen Raupen ab dem dritten Stadium sind die langen, feinen Haare. Erkennbar sind sie an kompakten Gespinsten am Stamm oder in Astgabeln von Eichen.
Wer solche Nester entdeckt, sollte ausreichend Abstand halten und sie keinesfalls selbst entfernen.

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtfalter, dessen Raupen zur Verteidigung giftige Härchen (Brennhaare) ausbilden.

Foto: Ben-Schonewille/iStock

Achtung: Nicht jedes Gespinst ist gefährlich

Immer wieder werden harmlose Gespinste mit denen des Eichenprozessionsspinners verwechselt. Häufig handelt es sich aber um Gespinstmotten. Deren Raupen sind weißlich, nahezu haarlos und besitzen schwarze Punkte. Sie spinnen ganze Zweige oder Sträucher ein, stellen für Menschen aber keine Gesundheitsgefahr dar.
Der entscheidende Unterschied: Während Gespinstmotten viele Baum- und Straucharten befallen, lebt der Eichenprozessionsspinner fast ausschließlich auf Eichen. Seine Nester befinden sich meist direkt am Stamm oder in Astgabeln und wirken deutlich kompakter.

Was sollte man tun?

Wer Warnschilder oder Absperrungen sieht, sollte diese unbedingt beachten. Befallene Bereiche sollten möglichst gemieden werden. Wer dennoch mit den Brennhaaren in Kontakt gekommen ist, sollte seine Kleidung wechseln und bei 60 Grad waschen sowie gründlich duschen. Auch Autos, die in der Nähe eines befallenen Baums standen, sollten sorgfältig von innen und außen gereinigt werden,
Aponet.net empfiehlt, bei Beschwerden kühlende Umschläge zur Linderung auf die betroffene Hautstelle aufzutragen. Bei starken Hautreaktionen, Atemproblemen oder allergischen Beschwerden ist ärztliche Hilfe ratsam.
Wer wissen möchte, ob in seiner Region aktuell mit dem Eichenprozessionsspinner zu rechnen ist, kann die Prognosekarte des Deutschen Wetterdienstes nutzen. Sie zeigt den Entwicklungsstand der Raupen und das potenzielle Befallsrisiko.
Das brandenburgische Gesundheitsministerium empfiehlt, bei Entdeckung eines Befalls diesen dem zuständigen Amt oder der betroffenen Gemeinde zu melden.
(Mit Material von dpa)
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Die Erfolgsgeschichte hinter dem „KI-Paten“ Jensen Huang

Silicon Valley – seit jeher ein Ort, an dem die Karriere über allem steht, die Wiege vieler Erfolgsgeschichten, zumindest was Innovation betrifft. In diesen Kreisen spricht man eher über Bewertungen, Finanzierungen und das nächste Produkt, das die Welt verändern soll – nicht aber über Liebe und Familie.
In dieser Hinsicht sticht Jensen Huang, einer der „KI-Paten“ des Silicon Valley und Geschäftsführer des US-Halbleiterunternehmens NVIDIA – dem Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung – aus der breiten Masse hervor. Der gebürtige Taiwaner ist eine seltene Ausnahmeerscheinung.
Doch das ist noch nicht alles. Wenn Huang die Bühne betritt oder ein Interview gibt, ja, sogar im Gedränge auf dem Nachtmarkt in der Altstadt von Taipeh, wenn er von Leuten und Medien umringt ist, trägt er stets dieselbe schwarze Lederjacke. Sie ist längst zu seinem unbestrittenen Markenzeichen geworden, das seinesgleichen sucht. Diese Lederjacke hat er sich jedoch nicht selbst ausgesucht. Ausschlaggebend war seine Frau Lori.

Nvidia-CEO Jensen Huang (M.) spricht am 8. Juni 2026 in einem Hotel in Seoul nach einem Treffen mit Führungskräften koreanischer KI- und Robotik-Start-ups mit Reportern.

Foto: Jung Yeon-je/AFP

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Huang wurde im Jahr 1963 in Tainan geboren. In seiner Jugend schickten ihn seine Eltern in die USA, wo er eine bessere Ausbildung bekommen sollte. Nach seiner Ankunft in der Fremde besuchte er zunächst ein Internat in Kentucky – das waren harte und unangenehme Jahre. Weder sprach er die Sprache, noch kannte er die Kultur. Angehörige? Fehlanzeige. Doch der junge Mann ließ sich nicht unterkriegen.
Nach seinem Schulabschluss wurde er an der Oregon State University zum Studium der Elektrotechnik zugelassen. Um das Studium und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, jobbte er in der amerikanischen Fast-Food-Kette „Denny’s“, wo er als Tellerwäscher begann. Die Restaurantkette ist bekannt für ihre Pfannkuchen, den billigen Kaffee, das leicht gedämpfte Licht und Öffnungszeiten rund um die Uhr.
Niemand hätte gedacht, dass dieser taiwanische Jugendliche, der mit den Tabletts hantierte, eines Tages an einen Tisch derselben Restaurantkette zurückkehren würde, um auf einem Notizblock den Namen eines Unternehmens zu schreiben, das später den Kurs der gesamten Technologiebranche verändern würde.
Zu Beginn seiner Karriere war er ein 17-jähriger mittelloser Student, der mitten im Küchendunst lernte, wie man Gäste auf Englisch mit „Guten Morgen“ begrüßt.

Ein Rendezvous für Hausaufgaben

Rückblick: 1980, Oregon State University, ein Vorlesungssaal für Elektrotechnik. Huang war der jüngste Student seines Jahrgangs. Unter den insgesamt 250 Studenten gab es lediglich drei Frauen – eine seltene Spezies, um die sich die Männer damals rissen. Der 17-Jährige war nicht besonders groß. Mit seinem kindlichen Gesicht inmitten einer Gruppe erwachsener Kommilitonen wirkte er etwas fehl am Platz. Genau in jenem Hörsaal fiel ihm ein Mädchen namens Lori Mills ins Auge, 19 Jahre. Sie war eine der drei Studentinnen.

Jensen Huang, Präsident und Geschäftsführer von NVIDIA, nimmt mit seiner Frau Lori Huang an der 12. Verleihung der Breakthrough Prize Awards im Buck Hangar in Santa Monica, Kalifornien, teil.

Foto: Emma McIntyre/Getty Images

Als Huang später in einer Rede an der Hongkong-Universität für Wissenschaft und Technik von dieser Begegnung erzählte, wirkte er ganz ungezwungen und locker. Unter den Zuschauern brach sogar Gelächter aus. Warum? Huang erzählte, dass ihm klar gewesen sei, dass er rein optisch keinerlei Vorteile gehabt habe und auch sportlich nicht mit den großen, kräftigen weißen Jungs mithalten konnte. Wenn Lori also einen guten Eindruck von ihm gewinnen sollte, bliebe ihm nur ein einziger Weg: Er müsse intelligent wirken. Also ging er auf sie zu, fasste sich ein Herz und gab seinen sorgfältig durchdachten Anmachspruch zum Besten: „Willst du meine Hausaufgaben sehen?“
Das Mädchen war verblüfft. Daraufhin schlug der junge Student ihr einen Deal vor: Wenn Lori jeden Sonntag mit ihm die Hausaufgaben machen würde, würde er garantieren, dass sie in den Tests immer gute Noten bekäme.
Er konnte spüren, dass das Mädchen ins Wanken geriet. Dieser Anmachspruch war zwar alles andere als romantisch, sogar ein wenig lächerlich, doch Huang blieb seinem Plan treu. Er erledigte die Hausaufgaben bereits im Voraus – und wenn er sonntags mit Lori die Lösungen verglich, waren alle seine Antworten richtig, sodass er wie ein Genie wirkte. In der heutigen Sprache glich dies einer sorgfältig inszenierten „Produktpräsentation“. Er nutzte sein Wissen als größtes Verkaufsargument und verpackte es als Service, den er jeden Sonntag regelmäßig erbrachte.
Jeden Sonntag saßen die beiden beieinander und machten ihre Hausaufgaben. Im Anschluss unterhielten sie sich noch eine Weile. Und auch wenn das Gespräch vorbei war, blieben die beiden einfach weiter dort. Jensen Huang erzählte später, dass er alles darangesetzt habe, die Hausaufgaben in die Länge zu ziehen.

Ein Versprechen mit Zwanzig

Aus einer Lernpartnerschaft wurde ein Liebespaar. Huang wusste, dass die gemeinsamen Hausaufgaben am Sonntag allein nicht ausreichten. Er musste Lori eine Zukunftsperspektive bieten, die weit über den Moment hinausging. Also tat er etwas nahezu Verrücktes. Er sagte zu Lori: „Ich bin jetzt erst 20, aber ich möchte, dass du weißt: Wenn ich 30 bin, werde ich mein eigenes Unternehmen leiten.“

Jensen Huang gibt Besuchern Autogramme während seines Besuchs auf der Computex 2026 in Taipeh am 3. Juni 2026.

Foto: I-Hwa Cheng/AFP

Später gab er zu: „Ich hatte keine Ahnung, wovon ich damals sprach.“ – Aber Lori behielt diese Aussage im Hinterkopf.
Sie blieben zusammen – von der Universität bis zum Abschluss, von Oregon bis hin zu ihren jeweiligen beruflichen Laufbahnen. Lori studierte Ingenieurwesen und begann nach ihrem Abschluss, bei Hewlett-Packard im Bereich Chipdesign zu arbeiten. Sie verband persönliche Ausstrahlung mit fachlicher Kompetenz und gestaltete ihre berufliche Laufbahn eigenständig.
Warum entschied sie sich für Huang?
Nicht, weil er reich war, denn damals hatte er keinen Cent; und auch nicht, weil er berühmt war, denn damals kannte ihn noch niemand. Sie entschied sich für ihn, weil sie etwas in den Augen dieses jungen Mannes wahrnahm – eine Entschlossenheit, jene Gewissheit, dass „es zwar jetzt noch nichts gibt, es aber bestimmt kommen wird“.

Karriere und Familie

Im Jahr 1985 ließen sich die beiden trauen, nachdem sie bereits fünf Jahre ein Paar gewesen waren. Damals war Huang 22, Lori 24 Jahre alt. Nach der Hochzeit zog sich Lori nach und nach aus ihrem Berufsleben zurück und konzentrierte sich ganz auf die Familie. Das war keine leichte Entscheidung, aber sie traf sie aus freien Stücken. Ihr war klar: Dieser Mann war beruflich extrem engagiert, im Privatleben jedoch äußerst unbekümmert – er brauchte jemanden, der ihm den Rücken freihielt.
Huang hasste es, einzukaufen; er hasste es, sich Gedanken über seine Kleidung zu machen, und empfand es sogar als lästig, eine Uhr zu tragen, weil er gerne im Hier und Jetzt lebte. Nach Aussage seiner Frau empfand er nahezu jedes Kleidungsstück als unbequem oder kratzend. Daher traf sie eine äußerst pragmatische Entscheidung: Wenn es einmal ein Kleidungsstück gab, das bequem saß, kaufte sie gleich mehrere davon, um sich zukünftigen Ärger zu ersparen.
Seitdem hängt in seinem Kleiderschrank eine ganze Reihe identischer schwarzer Oberteile, ordentlich aufgereiht wie eine Uniform.
Später kam noch jene schwarze Lederjacke hinzu. Jedes Mal, wenn er die Bühne betritt oder ein Interview gibt, trägt er sie. Im Laufe von über zwanzig Jahren ist diese Lederjacke zu einem der weltweit bekanntesten Markenzeichen des Unternehmers geworden.

Huangs Frau Lori (2. v. l. in gelber Jacke) und seine Tochter (3. v. l.) beim Besuch der Taipei Computer Show 2024.

Foto: NTDTV

„Ich bin froh, dass meine Frau und meine Tochter mich einkleiden“, so Huang. Seine Worte wirken weder widerwillig noch ironisch, sondern vermitteln vor allem Dankbarkeit für die Unterstützung, die er im Alltag erfährt.
Der berühmten Lederjacke hat er einen Namen gegeben: „Die Rache der Nerds.“ Denn Ingenieure sollten eigentlich nicht so cool aussehen.

Der Morgen der Erfüllung

Am 5. April 1993 sitzt Huang in einem „Denny’s Fast Food“-Restaurant im Osten von San José, Kalifornien, mit zwei befreundeten Ingenieuren an einem Tisch. Er schreibt den Namen des Unternehmens auf einen Zettel. 600 US-Dollar hat er zusammengekratzt, um den Anwalt zu bezahlen. Mit der Registrierung legte Huang den Grundstein für das Unternehmen NVIDIA und übernahm sogleich den Posten des Geschäftsführers.
Die ersten Jahre bei NVIDIA verliefen alles andere als reibungslos. Das Unternehmen stand mehrmals kurz vor dem Bankrott. Huang gab offen zu, dass er selbst als externer Investor wahrscheinlich kein Geld in das Unternehmen gesteckt hätte. Der Weg vom mittellosen Studenten hin zum späteren, gefragtesten Technologieführer im Silicon Valley dauerte ganze zehn Jahre.
In jenen Jahren widmete er fast seine gesamte Energie dem Unternehmen, wobei Lori ihm den Rücken freihielt und alle Aufgaben in Familie und Haushalt auf sich nahm.

Im Hier und Jetzt

Jensen und Lori Huang haben zwei Kinder, den Sohn Spencer und die Tochter Madison. Die Familie hat gemeinsam die schwierigsten Zeiten des Unternehmens durchgestanden. Als das Unternehmen schließlich Geschichte schrieb, entschieden sich auch die Kinder, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und sein Lebenswerk fortzuführen. Spencer ist Senior Produktmanager im Bereich Robotiksimulation und Madison ist Marketingdirektorin. In dem Familienunternehmen sind sowohl der Zusammenhalt als auch die gemeinsamen Überzeugungen tief verwurzelt.

Spencer (3. v. l.) und Madison (4. v. l.) Huang bei einem Besuch der Computex Taipei 2024.

Foto: NTDTV

Madison kümmert sich um das äußere Erscheinungsbild ihres Vaters, so wie sich ihre Mutter Lori einst um seine Kleidung gekümmert hat.
Im Jahr 2007 gründeten Jensen und Lori Huang gemeinsam eine Stiftung, die sich für wohltätige Zwecke in den Bereichen Medizin, Wissenschaft und Bildung einsetzt. Dieses Projekt liegt dem Paar sehr am Herzen – es ist kein Nebenschauplatz der Karriere des Mannes, sondern eine bewusst getroffene Entscheidung beider. Die Stiftung arbeitet seit vielen Jahren im Hintergrund und unterstützt Forschungsprojekte an zahlreichen Universitäten an der Westküste.
Blickt man zurück auf jene Erklärung, die Huang mit 20 Jahren abgab – „Wenn ich 30 bin, werde ich mein eigenes Unternehmen leiten“ –, so hat er sein Versprechen tatsächlich gehalten.
In den vergangenen 46 Jahren gab es keine Skandale, keine Turbulenzen, nur eine schwarze Lederjacke, deren Schnitt seit 40 Jahren unverändert geblieben ist, sowie eine Frau, die ihn von den Vorlesungssälen der Universität bis heute begleitet hat.
 
Dieser Artikel erschien zuerst in der chinesischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Neuer Hitzerekord in Deutschland: 41,3 Grad in Saarbrücken

Bisher lag der Hitzerekord in Deutschland bei 41,2 Grad – gemessen 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen. In Großbritannien wurde den dritten Tag in Folge der Hitzerekord für Juni geknackt. In ganz Europa sorgt die Hitze für Probleme bis hin zu Todesfällen.
Erst kurz vor dem Allzeit-Hitzerekord hatte der Deutsche Wetterdienst mit 40,9 Grad einen neuen Juni-Hitzerekord gemeldet. Dieser war ebenfalls in Saarbrücken gemessen worden. Auch an zahlreichen weiteren Wetterstationen wurden am Freitag Temperaturen über 40 Grad gemessen. Der DWD betonte allerdings, dass es sich um vorläufige Messungen handele.
In Deutschland gilt flächendeckend eine Warnung vor Hitze – und die Hitzewelle dürfte noch bis Anfang kommender Woche dauern. Am Samstag werden zudem vom westlichen Mittelgebirgsraum über Nordrhein-Westfalen bis nach Niedersachsen einzelne kräftige Gewitter, auch Unwetter, erwartet, in der Nacht zu Sonntag dann im Nordwesten und Norden einzelne Gewitter mit Unwetterpotenzial. Am Sonntag soll bei anhaltender Hitze die Unwetterneigung mit Starkregen, Hagel und Sturmböen allgemein zunehmen.
Angesichts der extremen Hitze strichen mehrere deutsche Städte Veranstaltungen. In Leipzig sagte die Oper eine für Samstag geplante Premiere ab. Die Stadt Köln sagte das am Sonntag im Rheinpark geplante Kinder- und Familienfest ab. Die Stadt Cottbus sagte das ebenfalls für Sonntag geplante Spreekonzert ab – wegen Temperaturprognosen von bis zu 43 Grad.
In München hielt die Stadt hingegen am Christopher Street Day (CSD) für Samstag fest. Es werde „heiß und voll“, Besucher sollten Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 verwenden, regelmäßig Wasser trinken und eine Kopfbedeckung mitbringen, hieß es. Außerdem seine Trinkwasserstellen aufgebaut und Wasser-Sprühstationen geplant.

Hitzewelle in Europa

Unter der aktuellen Hitzewelle leiden weite Teile Europas. In Großbritannien wurden in Wattisham im Südosten Englands am Freitag 36,9 Grad gemessen – laut der Wetterbehörde Met Office wurde damit den dritten Tag in Folge ein neuer Hitzerekord für Juni verzeichnet. Mehrere Sehenswürdigkeiten in London wurden wegen der Hitze geschlossen, unter anderem die Tower Bridge. Hunderte Schulen blieben am Freitag ganz oder teilweise geschlossen.
Auch in Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien ächzen die Menschen unter außergewöhnlich hohen Temperaturen. Die französische Regierung befürchtet zahlreiche Hitzetote. „Wir sind besorgt über landesweite Todesfälle zu Hause“, erklärte das Gesundheitsministerium. Ein in Marseille in einem geparkten Auto entdecktes Kleinkind starb am Freitag an den Folgen eines Hitzschlags. In Spanien starben bereits mehr als 200 Menschen wegen der extremen Temperaturen.
Die Pariser Gay Pride, die am Samstagnachmittag stattfinden sollte, wurde wegen der Hitze und der angespannten Lage in Frankreichs Krankenhäusern verschoben. In den Niederlanden wurde ein mehrtägiges Techno-Festival abgebrochen. In Belgien mussten zwei liegengebliebene Eurostar-Züge evakuiert werden, darunter ein Zug von Köln nach Paris mit 400 Reisenden an Bord. (afp/red)
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Leichen von zwei Männern nach Sprung in Bodensee entdeckt

Nach stundenlanger Suche sind die Leichen von zwei Männern im Bodensee gefunden worden. Taucher der Wasserschutzpolizei haben sie in der Nähe des Unglücksorts geborgen, wie die Polizei mitteilte. Die älteren Männer waren am Donnerstagnachmittag vor den Augen ihrer Frauen in den See gesprungen und verschwunden.
Eine mehrstündige Suche nach den 71 und 76 Jahre alten Männern war zunächst erfolglos gewesen. Die beiden waren mit den Frauen auf einem Mietboot unterwegs, als sie rund 200 Meter vor dem Hafen Kirchberg bei Immenstaad ins Wasser sprangen und untergingen.
Danach waren Wasserschutzpolizei und Feuerwehr auf dem See unterwegs, auch Taucher der DLRG, Hubschrauber und Mantrailerhunde sowie zwei Sonargeräte wurden eingesetzt – zunächst erfolglos. Die Leichen der Männer wurden demnach erst am Freitag gegen 14.30 Uhr gefunden. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauerten an, hieß es.

Mehrere Badetote in den vergangenen Tagen

In den vergangenen, extrem heißen Tagen sind in mehreren Regionen des Landes Menschen bei Badeunfällen verunglückt, einige kamen auch ums Leben. So starb ein 19-Jähriger beim Schwimmen im Binninger See bei Hilzingen (Kreis Konstanz).
Er hatte sich zunächst mit Freunden auf einer Luftmatratze in der Mitte des Sees aufgehalten und wollte dann allein ans Ufer zurückschwimmen. Dabei dürfte er die Entfernung zum Ufer unterschätzt haben.
Kurz zuvor konnte auch im Badesee in Heddesheim (Rhein-Neckar-Kreis) ein 74-jähriger Schwimmer nur noch tot aus dem Wasser gezogen werden. Im Epplesee bei Karlsruhe ertrank ein 23 Jahre alter Mann, der laut Zeugen beim Baden nicht mehr auftauchte.
Im vergangenen Juni starben laut DLRG sieben Menschen in baden-württembergischen Gewässern. Insgesamt kamen 43 Menschen ums Leben, das waren fünf weniger als im Jahr zuvor. (dpa/red)
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„Komm, wie Du bist“

Dies ist eine Mutschrift, keine Klageschrift, ich schreibe es gleich vorweg. Es ist ein Plädoyer für ein wenig mehr Form. Und ja, man benötigt viel Mut in diesen Tagen. Lassen Sie es uns mit dem Mut zur Höflichkeit in diesen Zeiten des großen Egals zuallererst versuchen. Ich komme mir seit einigen Jahren vor, als lebte ich in Egalistan, dort, wo alles, aber auch alles, egal ist.
„Komm, wie du bist.“ So steht es neuerdings auf Einladungen. Freundlich, einladend, scheinbar großherzig. Kein Dresscode, keine Erwartung, keine Schwelle. Es klingt nach Freiheit, nach Annahme ohne Bedingung, nach einer Welt, die endlich aufgehört hat, etwas zu verlangen. Ich zweifle. Denn „wie du bist“ heißt ebenfalls: Ich erwarte nichts mehr von dir. Ich strenge mich für dich nicht an, also strenge auch du dich nicht an. Es ist doch egal.
Heute, so scheint mir, gilt die Form als Korsett, als Maske, als das Gegenteil des Echten. „Sei einfach du selbst“ lautet das Glaubensbekenntnis einer Zeit, die Authentizität für die höchste aller Tugenden hält. Doch wer immer nur ist, wie er ist, mutet dem anderen genau das zu: sich selbst, ungefiltert und unverhandelt. Ich will das nicht.
Mich verstören unverhüllte Body-Positivity-Bierbäuche, die sich in mein Sichtfeld schieben. Nackte Männerfüße in sich auflösenden Flip-Flops. Ich will nicht von meiner Kellnerin geduzt werden und vom ikeanischen In-Room-Egalisierer aus Schweden schon gar nicht. Das macht er schon seit den 70ern. Ich gestehe, als Student lief ich auch in diese Billy-Regal-Falle.

Knigge schrieb über Rücksicht, über Menschenkenntnis

Form gibt Halt, hat aber gar nichts mit Steifheit zu tun.
Den Mann, dessen Name zum Synonym für steife Etikette wurde, hat man dabei gründlich missverstanden. Adolph Freiherr Knigge schrieb 1788 kein Buch über die richtige Gabel. Er schrieb „Über den Umgang mit Menschen“ – ein Werk über Rücksicht, über Menschenkenntnis und über die Kunst, dem anderen mit Klugheit und Achtung zu begegnen. Die Tischsitten kamen erst später dazu – von Verlegern hinzu erfunden, da sich ein Benimmbuch besser verkaufte als eine Lebenslehre.
Seit dem Aufkommen der E-Mail stört es mich, wenn diese mit dem MfG-Akronym für „Mit freundlichen Grüßen“ geschlossen wird. Was sind freundliche Grüße wert, wenn nicht mal der Respekt des Ausschreibens vor dem Angeschriebenen Bestand hat? Die respektvolle Anrede ist ein Akt der Höflichkeit.
Oft läuft es doch so: „Hallo, können Sie mir mal das Angebot schicken?“
„Sehr geehrter Herr Dr. Klaus-Dieter Egalwurst, ich nehme Ihre Anfrage zur Kenntnis und lege sie dort ab, wo sie hingehört. Mit freundlichen Grüßen.“
So gehört sich das.

Angewandte Menschenfreundlichkeit

Bei Knigge war die Form nie Fassade. Sie war angewandte Menschenfreundlichkeit. Denn das ist die Form, recht verstanden: die Anwesenheit des anderen in meinem Kalkül. Wer grüßt, bevor er fordert; wer den Brief beginnt, ehe er sein Anliegen abfeuert; wer aufsteht, wenn ein Älterer den Raum betritt, wenn eine Frau an den Tisch kommt – der sagt mit kleiner Geste etwas Großes. Du bist da. Ich habe dich bemerkt. Du bist die Mühe wert.
Schopenhauer, gewiss kein Freund der Schwärmerei, hat es nüchtern auf den Punkt gebracht: „Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“
Man übersieht es zu leicht. Die Form ist zutiefst demokratisch. Sie verneigt sich vor dem Pförtner wie vor dem Minister, denn sie misst die Würde nicht am Rang. Die gehaltene Anrede, der reservierte Ton, das verlässliche „Sie“ – all das war nie ein Instrument der Distanz, sondern eines der Gleichbehandlung. Form zieht eine Linie, die jeder kennt, und gerade weil jeder sie kennt, schützt sie den Schwächeren. Wo keine Form mehr gilt, regiert nicht die Freiheit. Es regieren der Lautere, der Schnellere und der Rücksichtslosere.
Tipp: Vergleichen Sie diese Beobachtung mal mit dem aktuell artgerechten Verhalten der Berliner Volksvertreter und der Arealerweiterung in die Landesregierungen.

Nähe wird zum Gauklertum

Vielleicht war ja die Verheißung: Mit dem Fallen der Form fällt auch die Kälte, und es bleibt die Wärme. Das Gegenteil ist eingetreten, beschleunigt durch Medien, die sich auch noch „sozial“ nennen.
Das Beileid schrumpft zum hochgereckten Daumen unter einer Todesanzeige. Der Dank wird zur gestotterten Sprachnachricht und der Glückwunsch zum weitergeleiteten Sticker. Nähe wird zum Gauklertum, eine Beiläufigkeit, die sich für Herzlichkeit hält.
Wir haben die Form abgeschafft und dafür die Lieblosigkeit angeschafft, denn Form kostet etwas. Das ist ihr Geheimnis. Sie verlangt, dass ich mich für einen Moment hintanstelle, dass ich meine Bequemlichkeit dem anderen opfere. Und so sage ich: Authentizität ist billig, denn man bekommt sie geschenkt, indem man schlicht nachlässt.

Eine Frage der Zivilisation

Die Form ist teuer. Sie ist eine Disziplin, eine kleine tägliche Selbstüberwindung – und eben deshalb braucht es Mut zu ihr. Den Mut, sich Mühe zu geben in einer Zeit, die das Mühelose feiert. Den Mut, ein wenig formeller zu sein, als die Umgebung es erwartet – nicht aus Hochmut, sondern aus Achtung.
Vielleicht wirke ich mit diesen Zeilen auf Sie unzeitgemäß, wie von vorgestern. Wie jemand, der die große Lockerung nicht mitvollzogen hat. Sie irren, ich habe einen Großteil meines beruflichen Wirkens erfolgreich in der flauschigen Welt der medialen Unterhaltungsindustrie verbracht. Heute weiß ich: Eine Gesellschaft, die das Bequeme mit dem Freien verwechselt, verliert die Übung darin, den anderen für einen Augenblick wichtiger zu nehmen als sich selbst.
Und das ist, am Ende, mehr als eine Frage des Stils. Es ist eine Frage der Zivilisation. Kommen Sie also gern, wie Sie sind. Aber kommen Sie, bitte, mit Form.
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Istanbul: Zweimal 18 Jahre Haft für Kammerjäger nach Tod von Familie aus Deutschland

Im Prozess um den tragischen Tod einer vierköpfigen Familie aus Deutschland in Istanbul sind am Freitag hohe Haftstrafen verhängt worden. Zwei Vertreter einer Schädlingsbekämpfungsfirma müssen für 18 Jahre ins Gefängnis, der Besitzer des Hotels, in dem die Familie durch ein Insektengift starb, muss 13 Jahre in Haft, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Die in Deutschland lebende türkische Familie hatte in Istanbul Urlaub gemacht, als am 12. November die Eltern und ihre Kinder im Alter von drei und sechs Jahren erkrankten. Die Familie wurde ins Krankenhaus gebracht, doch wenige Tage nach den Kindern Kadir und Masal sowie der Mutter starb auch der Vater.
Laut Obduktionsbericht wurde bei den Toten eine „starke Konzentration von Phosphingas“ festgestellt. Dies deutete darauf hin, dass die Familie starb, weil sie dem giftigen Insektizid ausgesetzt gewesen war. Zuvor hatte es in ihrem Hotel einen Einsatz zur Schädlingsbekämpfung gegeben.
Der Prozess hatte am 21. April vor dem Gericht in Istanbul begonnen. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen „mehrfachen Totschlags durch grobe Fahrlässigkeit“ Haftstrafen von bis zu 22 Jahren gefordert.
Nach dem Tod der Familie hatten die Ermittler zunächst eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Dieser Verdacht wurde ausgeräumt, nachdem türkische Medien berichteten, dass das Hotel der Familie mit einem Bettwanzen-Befall zu kämpfen hatte. Das eingesetzte Insektizid gelangte mutmaßlich über einen Lüftungsschacht des Badezimmers in das Hotelzimmer der Familie.(afp/red)
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Hundertjährige überführt in Nordrhein-Westfalen Telefonbetrüger

Eine Hundertjährige hat in Nordrhein-Westfalen Telefonbetrüger überführt. Sie erkannte die Betrugsmasche, wie die Polizei Hagen am Freitag mitteilte. Demnach wurde die Frau am Donnerstag von einem Unbekannten angerufen. Dieser schilderte ihr, dass ein schwerstkranker Nachbar Geld für eine anstehende Behandlung bräuchte.
Nachdem sich der Anrufer bei der Frau über Wertsachen und Bargeld erkundigt hatte, durchschaute die Hundertjährige den Betrug und legte auf. (afp/red)
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Bundestag ringt erneut um Widerspruchslösung bei Organspende


In Kürze:

  • Der Bundestag debattiert erneut über die Einführung einer Widerspruchslösung bei der Organspende.
  • Befürworter und Gegner der Reform finden sich quer durch nahezu alle Fraktionen.
  • Der Streitpunkt ist in erster Linie das Verhältnis zwischen Lebensrettung und Selbstbestimmungsrecht.
  • Mehrere Redner sehen die eigentlichen Defizite in der Organisation der Transplantationsmedizin.
  • Ein früherer Anlauf zur Einführung der Widerspruchslösung war 2020 gescheitert.

 
Redner unterschiedlicher Fraktionen haben am Donnerstag, 25. Juni, im Bundestag für die Einführung der sogenannten Widerspruchslösung bei der Organspende geworben. Andere Abgeordnete widersetzten sich dem Vorstoß und sehen darin einen schwerwiegenden Grundrechtseingriff.
Das Thema Organspende war zuletzt aufgrund der Lungentransplantation der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. In Deutschland stehen derzeit mehr als 8.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan.
Die Debatte verlief sachlich. Es zeichnete sich ab, dass es in fast allen Fraktionen sowohl Befürworter als auch Gegner einer möglichen Einführung der Widerspruchslösung gibt. Einigkeit besteht in der Einschätzung, dass die Zahl der verfügbaren Spenderorgane deutlich erhöht werden müsse. Die Zahl der Patienten auf den Wartelisten sei zu hoch und ihre Situation unbefriedigend.

Neuregelung zur Organspende 2020 im Bundestag gescheitert

Derzeit gilt in Deutschland die sogenannte Entscheidungslösung. Eine Organentnahme bei Verstorbenen – wobei der Hirntod den relevanten Anknüpfungspunkt darstellt – ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. So muss der Verstorbene einer solchen schon zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt haben. Oder Angehörige müssen erklären, dass ein mutmaßlicher Wille des Verstorbenen auf eine Organspende gerichtet gewesen wäre.
Im Jahr 2020 war ein fraktionsübergreifender Gesetzesentwurf zur Einführung einer Widerspruchslösung gescheitert. Unterstützt hatten diesen damals sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als auch dessen späterer Nachfolger Karl Lauterbach (SPD). Der Bundestag beschloss stattdessen die Einführung eines Online-Organspenderegisters sowie Maßnahmen, um die Bevölkerung besser mit Informationen über die Organspende zu erreichen.
Kritiker der Regelung halten diese jedoch nicht für erfolgreich und nicht annähernd für ausreichend, um das Problem fehlender Spenderorgane für Patienten auf Wartelisten zu ändern. Dies wurde auch in der Debatte am Donnerstag wieder deutlich.

Befürworter sehen Widerspruchslösung als notwendigen Schritt

Befürworter der Widerspruchslösung wie Thomas Gebhart (CDU) argumentierten vor allem mit der Verantwortung gegenüber schwer kranken Menschen auf den Wartelisten. Angesichts der anhaltend niedrigen Spenderzahlen müsse Deutschland hier einen „neuen Weg“ einschlagen. Die Organspende bleibe auch bei einer Widerspruchslösung eine freie Entscheidung. Es bleibe jederzeit möglich, ihr zu widersprechen oder eine Zustimmung zurückzuziehen.
Ähnlich argumentierte  Lauterbach. Er verwies auf Menschen, die während der Wartezeit auf ein Spenderorgan gestorben seien. Die Widerspruchslösung könne die Zahl der verfügbaren Organe deutlich erhöhen und Wartezeiten verkürzen. Lauterbach vertrat den Standpunkt, dass es jedermann zumutbar sei, eine aktive Entscheidung über seine Spendenbereitschaft zu treffen.
Die frühere Bundessprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Ricarda Lang, warb ebenfalls für das Modell. Freiheit sei, so Lang, sei stets in gesellschaftliche Verantwortung eingebettet. Die Widerspruchslösung nehme niemandem das Recht, eine Organspende abzulehnen, sie beseitige lediglich das „Recht auf Nichtentscheidung“. Dadurch würden auch Angehörige entlastet, die heute häufig in einer emotionalen Ausnahmesituation über den mutmaßlichen Willen eines Verstorbenen entscheiden müssten.

Gegner warnen vor Eingriff in Selbstbestimmung

In einer ähnlichen Richtung argumentierten weitere Befürworter wie Kerstin Griese (SPD) oder Tijen Ataoğlu und Stefan Glaser (beide CDU). Sie hielten es für zumutbar, dass sich jeder Mensch zumindest einmal im Leben mit der Frage der Organspende auseinandersetzt. Zugleich betonten sie, ein Widerspruch müsse jederzeit möglich bleiben.
Demgegenüber stellten die Gegner der Widerspruchslösung die Selbstbestimmung und den Grundrechtsschutz in den Mittelpunkt. Michael Brand (CDU) betonte, dass der Staat nicht ohne ausdrückliche Zustimmung Menschen zu Organspendern erklären dürfe. Im deutschen Rechtsverständnis könne Schweigen grundsätzlich nicht als Zustimmung gewertet werden. Statt das Gesetz zu ändern, müssten bestehende freiwillige Spendenpotenziale besser genutzt und bürokratische Hürden abgebaut werden.
Helge Lindh (SPD) nannte die Widerspruchslösung einen „massiven Grundrechtseingriff“. Das Prinzip „Wer schweigt, stimmt zu“ sei der deutschen Rechtsordnung fremd. Es gelte das Prinzip der „informierten Entscheidung“.
Zudem gebe es auch ein Recht, sich nicht entscheiden zu müssen. Dies müsse beispielsweise für Menschen gelten, denen eine solche Entscheidung schwerfalle. Dies gelte insbesondere für Menschen mit Sprachbarrieren, kognitiven Einschränkungen oder andere vulnerable Gruppen.

Spanien als Vorbild bei der Organspende – aber warum?

Für eine Beibehaltung der Zustimmungslösung sprachen sich auch Susanne Hierl (CSU), Thomas Rachel (CDU) und Klaus-Peter Willsch (CDU) aus. Sie verwiesen darauf, dass die Bereitschaft zur Organspende als solche grundsätzlich hoch sei. Entscheidend sei, dass mehr Menschen ihre Entscheidung auch dokumentierten. Hierzu müsste das Organspenderegister bekannter gemacht und die Aufklärung intensiviert werden.
Mehrere Redner bezweifelten zudem, dass die Widerspruchslösung allein eine deutlich höhere Zahl an Organspenden bewirken würde. Joachim Bloch (AfD), Ates Gürpinar (Linke), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Stella Merendino (Linke) und Lars Castellucci (SPD) verwiesen auf organisatorische Defizite in den Krankenhäusern. Das eigentliche Problem, so ihre Einschätzung, bestehe in der Erkennung potenzieller Spender, der personellen Ausstattung der Kliniken und der Organisation der Transplantationsmedizin.
Die Befürworter der Widerspruchslösung nannten Spanien als Vorbild. Demgegenüber hieß es vonseiten der Gegner, dass die dortige hohe Spenderzahl vor allem auf eine gut ausgebaute Infrastruktur zurückzuführen sei. Die Widerspruchslösung gebe es schon länger, und sie allein habe wenig bewegt.

Verfassungsrechtliche und ethische Einwände gegenüber Widerspruchslösung in Nachbarländern

Teilweise wurden auch verfassungsrechtliche und ethische Bedenken vorgetragen. Beatrix von Storch, Nicole Höchst und Martina Kempf (alle AfD) lehnten die Widerspruchslösung mit Verweis auf Menschenwürde, Selbstbestimmung und den Hirntodbegriff grundsätzlich ab. Von Storch erklärte, die Widerspruchslösung setze Bürger unter Rechtsfertigungsdruck. In einer freien Demokratie müsse es aber auch ein Recht geben, sich nicht zu entscheiden.
Demgegenüber verwiesen Befürworter wie Hans Theiss (CSU) darauf, dass die überwiegende Mehrheit der deutschen Nachbarstaaten bereits eine Widerspruchslösung eingeführt habe und diese funktioniere. Deutschland hinke im europäischen Vergleich bei der Zahl der Organspender seit Jahren hinterher. Im gemeinsamen Eurotransplant-System sei Deutschland Nettoempfänger – und damit „Trittbrettfahrer“.
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Lebenslange Haft nach Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt

Im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist der Angeklagte Taleb A. unter anderem wegen Mordes in sechs Fällen und vielfachen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Das Landgericht Magdeburg stellte am Freitag, 26. Juni, zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Außerdem ordnete das Gericht für A. den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung an – diese wird am Ende der regulären Haft gerichtlich geprüft.

Gericht verhängt Höchststrafe

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte genau wie die Nebenklage für den 51-Jährigen die Höchststrafe gefordert – damit wäre die an eine Haftstrafe anschließende Sicherungsverwahrung direkt im Urteil verkündet worden. Die Verteidigung sah hingegen keinen Grund für eine Sicherungsverwahrung.
A. wurde für die Tat vom 20. Dezember 2024 außer wegen Mordes auch wegen vielfachen versuchten Mordes sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung verurteilt.
40 Tage lang, seit vergangenem November, verhandelte das Landgericht gegen den Angeklagten, hörte Sachverständige, mehr als 100 Zeugen und zahlreiche Opfer. Insgesamt 204 Betroffene schlossen sich als Nebenkläger dem Verfahren an, sie wurden von rund 40 Rechtsanwälten vertreten. Aus Platzgründen verhandelte das Landgericht in einer eigens dafür errichteten Leichtbauhalle.

„Keinerlei Reue, Bedauern oder Einsicht“

Das Gericht zeigte sich nach der Beweisaufnahme nun überzeugt, dass Taleb A. am 20. Dezember 2024 mit einem 340 PS starken Mietwagen über den gut besuchten Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast war und dabei zahlreiche Besucher erfasste. Ein neunjähriger Junge und fünf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren starben, mehr als 300 weitere Menschen wurden verletzt.
Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher und sein Kollege von der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg hatten in ihrem Schlussvortrag gesagt, das dadurch ausgelöste Leid ganzer Familien dauere bis heute an und sei „schier unbeschreiblich“. Während des Prozesses in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt berichteten zahlreiche Opfer und Angehörige von Todesängsten, von schweren Verletzungen und wie der Anschlag sie bis heute körperlich und psychisch belastet.
In dem Prozess hatte der Angeklagte zwar eingeräumt, einen Angriff geplant und auch das Auto gefahren zu haben. Er bestritt jedoch, Menschen gezielt überfahren zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft warf A. vor, im Prozess „keinerlei Reue, Bedauern oder Einsicht“ gezeigt zu haben. Der Auftritt des aus Saudi-Arabien stammenden Arztes war im Prozess immer wieder wirr und von Verschwörungstheorien durchzogen. (afp/red)
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BKA warnt vor wachsender Gewalt türkeistämmiger Banden

Das Bundeskriminalamt (BKA) beobachtet eine Zunahme von Straftaten und Gewaltdelikten junger türkeistämmiger Banden in Deutschland. Das berichtet die Funke-Mediengruppe unter Berufung auf einen BKA-Sprecher.
Seit Mitte des vergangenen Jahres sei in Deutschland verstärkt eine neue Form der Organisierten Kriminalität mit Bezügen zu türkeistämmigen Gruppierungen zu beobachten, teilte der Sprecher mit.

Mehr Schusswaffen und Erpressungen

Die Kriminalermittler stellen eine bundesweite Zunahme von Gewaltdelikten mittels Verwendung von Schusswaffen fest. Oftmals geht es demnach um Erpressungen oder Bedrohungen von türkischen mittelständischen Unternehmen, insbesondere in Städten mit einem hohen türkischen Bevölkerungsanteil.
Mitglieder dieser neuen kriminellen Gruppierungen stammen laut BKA ursprünglich aus der Türkei und werden aufgrund ihrer Altersstruktur durch türkische Medien auch als die „Mafia der neuen Generation“ und sogenannte „GenZ-Mafia“ bezeichnet.
Der Sprecher des Bundeskriminalamts sagte: „Im Vergleich zu klassischen Mafia-Gruppierungen, die oftmals hierarchisch strukturiert sind, vorrangig im Verborgenen agieren und öffentlichkeitswirksame Auftritte eher vermeiden, handelt es sich bei der sogenannten GenZ-Mafia oftmals um eher lose Netzwerke, die unter Nutzung von Social Media in Verbindung bleiben.“

Illegaler Waffenhandel aus der Türkei

Dabei greifen die organisierten Kriminellen laut BKA auch auf Schusswaffen aus der Türkei zurück. Der illegale Handel, die Verbreitung und letztlich die Verfügbarkeit illegaler Schusswaffen erhöhten in diesem Kontext zusätzlich die Gefahr für die öffentliche Sicherheit, so der Sprecher.
Unter anderem würden in der Türkei produzierte Schreckschusswaffen wiederholt als voll-funktionsfähige, letale, illegal umgebaute Schusswaffen in Deutschland sichergestellt.
Der BKA-Sprecher hob hervor: „Daneben gewinnt aktuell das Phänomen illegal gefertigter Fälschungen von Schusswaffen an Bedeutung.“ Derartige Fälschungen von Schusswaffen seien bekannten Originalmodellen täuschend echt nachgebaut, jedoch außerhalb legaler Produktions- und Vertriebsstrukturen hergestellt.
Nach einer deutlichen Zunahme von Schusswaffenkriminalität waren Polizei und Justiz vor allem in Berlin zuletzt verstärkt gegen organisierte Kriminalität vorgegangen. Bei der Polizei wurde die Sondereinheit „Ferrum“ gegründet, die Staatsanwaltschaft zog mit der Ermittlungsgruppe „Telum“ nach.
Im Fokus von Razzien und Durchsuchungen standen nach Angaben der Ermittler Banden, deren Anführer von der Türkei aus agieren und die in Berlin und anderen Städten türkisch- und kurdischstämmige Ladeninhaber bedrohen, um hohe Geldsummen zu erpressen. (dts/red)
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Taylor Swift und Travis Kelce heiraten offenbar am 3. Juli in New York

In den USA steht die Promi-Hochzeit des Jahres offenbar kurz bevor. Die „New York Times“ berichtete in ihrer Donnerstagausgabe, Pop-Superstar Taylor Swift und der Football-Spieler Travis Kelce von den Kansas City Chiefs hätten für den 2. und 3. Juli die Arena Madison Square Garden in New York reserviert.

Spekulationen um Hochzeit Anfang Juli

Viele US-Medien gehen davon aus, dass die Hochzeit der beiden 36-Jährigen am 3. Juli stattfinden könnte. Laut „New York Times“ ist an diesem Tag eine private Veranstaltung mit rund tausend Gästen im Madison Square Garden angekündigt.
Am Vortag sei eine „intime“ Feier mit rund hundert Eingeladenen geplant.
Der Sender CNN berichtete, eine Hochzeitsplanungsgesellschaft habe bei den Behörden Genehmigungen für ein großes Event rund um die Arena in Manhattan zwischen dem 2. und 4. Juli beantragt.

Fans und Feiern im Madison Square Garden

Laut dem Promi-Magazin „Variety“ rechnet die New Yorker Polizei mit zahlreichen „Swifties“ und Fans von Kelce, die in Zelten rund um das Stadion mit dem Promi-Paar feiern könnten.
Die Hochzeit würde demnach kurz vor den Feiern zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit von Großbritannien stattfinden.
Der Madison Square Garden ist das Stadion des New Yorker Basketballteams Knicks, das erst kürzlich Meister der NBA-Liga geworden war. Daneben finden in der Arena mit rund 20.000 Plätzen Konzerte statt. Taylor Swift war dort mehrere Male aufgetreten.

Romantischer Antrag sorgte für Euphorie

Swift und Kelce hatten im vergangenen August ihre Verlobung bekanntgegeben. „Eure Englischlehrerin und euer Sportlehrer werden heiraten“, schrieb das Promi-Paar in einer Online-Botschaft.
Sie veröffentlichten Fotos, auf denen Kelce in einem Garten voller Blumen vor der 14-fachen Grammy-Gewinnerin Swift kniet und ihr einen Heiratsantrag macht.
Ein weiteres Foto zeigte Swifts Hand mit einem funkelnden Verlobungsring. Bei Fans weltweit löste die Nachricht Euphorie aus. (afp/red)
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Fusion-Festival wegen Feuer unterbrochen

Das Fusion-Festival in Mecklenburg-Vorpommern ist wegen Bränden außerhalb des Geländes unterbrochen worden.
Das berichtete eine dpa-Reporterin vom Ort des Geschehens in Lärz. Besucher seien aufgefordert worden, sich zu einer Landebahn auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz zu begeben.
Auf Bildern war zu sehen, wie eine Rauchsäule in der Nähe des Festival-Geländes in die Luft stieg.
Das Polizeipräsidium Neubrandenburg teilte mit, das Festival sei kurz vor 19.00 Uhr unterbrochen worden.
Die Polizei prüfe, ob alle Besucher einen nicht näher beschriebenen Bereich verlassen hätten. Die Feuerwehr lösche. Wie lange der Einsatz dauern werde, lasse sich nicht vorhersagen. Es sei nicht bekannt, dass es Verletzte gebe. Die Brandursache ist der Polizei nicht bekannt.

Veranstalter spricht von temporärer Unterbrechung

Ein Sprecher des Festivals sagte der Deutschen Presse-Agentur, es handle sich um eine temporäre Unterbrechung aufgrund von zwei Bränden. Die Leute seien vom Rauch weggeführt worden. Er rechnet nach eigener Aussage damit, dass die Veranstaltung fortgesetzt wird.

Manche Gäste verlassen das Gelände

Ein dpa-Reporter beobachtete, dass manche Besucher das Gelände mit ihren Autos und Fahrrädern verlassen haben. Ein Großteil der Gäste lief zu der Landebahn. Die Stimmung war ruhig. Rauchgeruch lag in der Luft.

Alternatives Musik- und Kulturfestival

Das Festival hat am Mittwoch begonnen und dauert planmäßig bis Sonntag. Die Veranstalter erwarten rund 65.000 Besucher.
Die jährlich veranstaltete Fusion gilt als eines der größten alternativen Musik- und Kulturfestivals Deutschlands und Europas und verbindet Techno, Rock, Pop und viele andere Musikstile mit Theater und politischer Bildung. 2027 legt die Fusion eine Pause ein, 2028 soll das Festival wieder ausgetragen werden. (dpa/red)
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Felsabbruch an Atlantikküste fordert Todesopfer

Im südwestfranzösischen Badeort Biarritz ist ein großer Teil einer Steilküste abgebrochen und hat zwei Sporttaucher unter sich begraben. Eine 33-Jährige wurde nach dem Unglück am Mittwochabend tot aus dem Meer geborgen. Die Suche nach ihrem ein Jahr älteren Partner dauerte am Donnerstag an. Ein weiterer Taucher erlitt einen schweren Schock.

Große Suchaktion im Meer

Zwölf Taucher und ein Jetski waren an der Suche nach dem Vermissten beteiligt. Auch eine Unterwasserdrohne sollte zum Einsatz kommen.
Etwa 2000 Kubikmeter Felsen unterhalb eines Leuchtturms waren am Mittwochabend überraschend von der Steilküste abgebrochen und ins Meer gestürzt. „Es war ohrenbetäubend“, berichtete der 45 Jahre alte Vincent Pariset, der mit seiner Tochter einen Stand-up-Paddelausflug machte, als sich das Unglück ereignete.
Der nahegelegene Badestrand der Stadt war bei Temperaturen von mehr als 40 Grad zum Zeitpunkt des Unglücks von zahlreichen Menschen bevölkert.

Gebiet nach Unglück gesperrt

Die Stadtverwaltung von Biarritz sperrte das Gebiet um die Einsturzstelle für Taucher und Schiffe. Auch der Strand wurde vorläufig geschlossen. Das Gebiet rund um den Leuchtturm von Biarritz gilt offiziell als „Gefahrengebiet“, das Betreten ist verboten. Ein Hinweisschild warnt vor „ständigen Erdrutschen“.

Küstenerosion bedroht Atlantikküste

An der Steilküste in der Gegend von Biarritz hatte es bereits 2008 und 2018 größere Abbrüche gegeben. Durch den Anstieg des Meeresspiegels verstärkt die natürliche Erosion, die zu Felsstürzen führen kann. Tausende Häuser entlang der Atlantikküste drohen, in den kommenden Jahrzehnten abzurutschen. (afp/red)