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Haben Pflanzen ein Bewusstsein?

Cleve Backster war ein Spezialist für Lügendetektoren und bildete unter anderem Verhörbeamte des US-Geheimdienstes CIA aus. Sein Fachgebiet war das Erkennen menschlicher Täuschung.
Im Februar 1966 führte er aus Neugier ein ungewöhnliches Experiment durch: Er schloss die Elektroden eines Lügendetektors an eine Zimmerpflanze an und goss diese anschließend. Die Aufzeichnungen des Geräts überraschten den Experten.
Das elektrische Signal ähnelte Mustern, die üblicherweise bei Menschen auftreten, wenn sie Freude oder Aufregung empfinden. Backster schloss daraus, dass die Pflanze eine positive Messreaktion auf das Gießen zeigte.

Gedankenlesen im Pflanzenreich?

Backster ging in seinen Versuchen noch weiter: Er erwog, ein Blatt der Pflanze anzuzünden, um deren Reaktion zu testen. Noch bevor er jedoch ein Streichholz entzündete, schlug die Nadel des Lügendetektors heftig aus. Das aufgezeichnete Signal glich den Reaktionen, die bei Menschen in Angst- oder Stresssituationen gemessen werden.

Seine Beobachtungen hielt Backster später in dem Buch „Primary Perception“ fest. Er stellte die These der sogenannten „primären Wahrnehmung“ auf. Darunter verstand er die Idee, dass Bewusstsein nicht an ein zentrales Nervensystem gebunden ist, sondern bereits auf zellulärer Ebene existiert. Nach seiner Auffassung verfügen selbst Pflanzen über eine bislang nicht definierte Form der Wahrnehmung.

In der Wissenschaft stießen seine Behauptungen auf breite Ablehnung. Fachleute kritisierten die Methoden scharf, da sich die Effekte bei unabhängigen Wiederholungsversuchen nicht reproduzieren ließen.

Backster führte diese Fehlschläge darauf zurück, dass Pflanzen auf die tatsächliche Haltung des Beobachters reagierten: Eine skeptische oder unbeteiligte Einstellung der Forscher habe seiner Ansicht nach die feinfühlige Wahrnehmung der Pflanzen blockiert.

Er argumentierte, dass Pflanzen nicht wie klassische Messobjekte in einem Labor funktionieren. Nach seiner Theorie reagierten die Pflanzen direkt auf die echten Absichten und Gefühle der anwesenden Menschen. Wenn Wissenschaftler ein Experiment nur durchführten, um seine Thesen zu widerlegen oder die Pflanze skeptisch zu beobachten, spürte die Pflanze diese Distanz oder Täuschung und „blockierte“ oder zeigte keine Reaktionen mehr. Nur bei echter, authentischer Absicht, so Backsters Begründung, ließen sich die Signale messen.

Kommunikation ohne Nervenzellen

Auch wenn Backsters Thesen von der Fachwelt verworfen wurden: Dass Pflanzen miteinander kommunizieren, ist heute keine Vermutung mehr, sondern gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Sie besitzen zwar keine Neuronen, tauschen aber dennoch problemlos Informationen aus – etwa um sich vor Gefahren zu warnen.

Frisst etwa eine Raupe an einem Blatt, setzt die Pflanze laut Untersuchungen den Botenstoff Glutamat frei. Dieser Neurotransmitter spielt auch im menschlichen Nervensystem eine zentrale Rolle. Das Glutamat löst innerhalb der Pflanze eine Kettenreaktion aus: Noch unbeschädigte Pflanzenteile werden so über die Verletzung informiert und können Abwehrmechanismen aktivieren.

Darüber hinaus senden Pflanzen auch Warnsignale an ihre Umgebung. Bei einem Schädlingsbefall geben sie flüchtige chemische Verbindungen an die Luft ab. Benachbarte Pflanzen nehmen diese Signale wahr und bereiten sich ebenfalls darauf vor, den drohenden Angriff abzuwehren.

Vom Skeptizismus zur wissenschaftlichen Tatsache

Im Jahr 1983 dokumentierte der Forscher David Rhoades als Erster, dass Pflanzen Warnsignale über die Luft übertragen können. Anfänglich stieß auch er auf erheblichen Widerstand in der Fachwelt – vor allem, weil das Phänomen völlig neu war und beinahe wie Fantasie klang. Im Laufe der Zeit wurde seine Theorie jedoch gründlich überprüft, bestätigt und schließlich in wissenschaftlichen Studien bei mehr als 30 verschiedenen Pflanzenarten erfolgreich nachgewiesen.

Einen visuellen Beweis lieferte 2023 ein japanisches Forschungsteam: Mithilfe spezieller Videotechnik filmten die Wissenschaftler, wie eine gesunde Pflanze flüchtige chemische Stoffe einer beschädigten Nachbarpflanze registrierte. Innerhalb von Sekunden löste dieser Kontakt interne Alarmsignale aus, die sich von einem Blatt über die gesamte Pflanze ausbreiteten.

Neueste Experimente belegen zudem, dass der Informationsaustausch nicht nur auf chemischem Weg funktioniert: Pflanzen nutzen für ihre Kommunikation auch elektrische Signale.

Pflanzen mit Gedächtnis?

Einige Arten scheinen zudem über gewisse kognitive Fähigkeiten zu verfügen. Ein bekanntes Beispiel ist die Venusfliegenfalle: Untersuchungen zeigen, sie schnappt keineswegs reflexartig zu, sobald ein Objekt sie berührt. Stattdessen registriert und verarbeitet die Pflanze die Signale, bevor sie ihre Falle schließt.

Im Inneren der Klappfalle sitzen winzige Auslösehaare. Wird nur ein einzelnes Haar berührt, passiert zunächst nichts. Erst eine zweite Berührung innerhalb von 15 bis 20 Sekunden führt dazu, dass die Falle zuschnappt.

Doch selbst im geschlossenen Zustand beginnt die Verdauung nicht sofort. Die Pflanze prüft zunächst, ob sie tatsächlich ein lebendes Insekt gefangen hat. Während sich die Beute im Inneren wehrt, löst sie die Auslösehaare wiederholt aus. Erst nach etwa fünf Reizen beginnt die Venusfliegenfalle mit der Ausschüttung von Verdauungsenzymen.

Die Pflanze zählt die mechanischen Impulsmuster somit effektiv mit. Auf Basis dieser Informationen trifft sie eine zweckmäßige Reaktion – und das völlig ohne Gehirn oder zentrales Nervensystem.

Kalkuliertes Risiko im Wurzelreich

Dass Pflanzen verfeinerte Überlebensstrategien nutzen, zeigt auch ein Experiment mit Erbsenpflanzen. Forscher teilten das Wurzelsystem einzelner Pflanzen auf zwei verschiedene Töpfe auf. Während ein Topf gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt wurde, schwankte das Angebot im zweiten Topf stark – auch wenn die Nährstoffmenge im Durchschnitt in beiden Töpfen identisch war.

Die Wissenschaftler wollten beobachten, in welchen Topf die Pflanze mehr Energie für neues Wurzelwachstum investieren würde. Dabei zeigte sich ein erstaunliches Verhalten:

Reichte die stabile Nährstoffquelle im ersten Topf problemlos zum Überleben aus, ging die Pflanze auf Nummer sicher und verstärkte dort ihr Wurzelwachstum. War die verlässliche Versorgung jedoch dauerhaft zu gering, änderte die Pflanze ihre Strategie. Sie ging ein kalkuliertes Risiko ein und verstärkte das Wurzelwachstum im Topf mit dem schwankenden Angebot. Sie zog somit die Chance auf ausreichende Nahrung der Gewissheit einer Mangelsituation vor.

Die Forscher schlussfolgerten daraus, dass Pflanzen über eine Form von „Risikosensibilität“ verfügen – ein Entscheidungsverhalten, das verblüffend an die Logik von Anlegern auf dem Finanzmarkt erinnert.

Töne aus dem Ultraschallbereich

Pflanzen reagieren jedoch nicht nur auf mechanische Reize oder chemische Signale: Untersuchungen zeigen, dass sie unter Stress sogar Töne erzeugen. Was Menschen als absolute Stille in der Natur wahrnehmen, könnte für viele Tierarten daher in Wahrheit eine recht geräuschvolle Kulisse sein.

Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt, dass dehydrierte oder verletzte Pflanzen Klickgeräusche von sich geben. Diese Töne liegen im Ultraschallbereich, verbreiten sich über die Luft und lassen sich mit Spezialmikrofonen aufzeichnen. So registrierten Forscher bei einer unterversorgten Tomatenpflanze etwa 35 Klicks pro Stunde. Gut gewässerte Pflanzen blieben hingegen nahezu stumm.

Die Töne erwiesen sich als so spezifisch, dass ein KI-Modell allein anhand des Geräuschmusters erkennen konnte, ob die Pflanze unter Wassermangel litt oder beschädigt worden war.

Als Ursache vermuten die Wissenschaftler ein physikalisches Phänomen namens Kavitation: Dabei bilden sich im Wassertransportsystem der Pflanze winzige Dampfblasen, die schließlich platzen. Für das menschliche Gehör sind diese Frequenzen zwar unhörbar, für Insekten und andere Tiere jedoch gut wahrnehmbar. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass etwa Motten diese Signale gezielt nutzen: Bei der Eiablage meiden sie gestresste Pflanzen und steuern bevorzugt gesunde Exemplare an.

Lernfähig ohne Gehirn

Dass Pflanzen Reize nicht nur verarbeiten, sondern auch aus Erfahrungen lernen können, zeigte ein Experiment aus dem Jahr 2014. Die Forscherin Monica Gagliano und ihr Team untersuchten dazu die Mimose (Mimosa pudica) – eine Pflanze, die bekannt dafür ist, bei der kleinsten Berührung schlagartig ihre Blätter zusammenzufalten.

Für die Studie ließen die Wissenschaftler im Topf gezogene Mimosen wiederholt aus geringer Höhe auf ein weiches Kissen fallen. Für die Pflanze war dieser Sturz zwar eine unerwartete, aber völlig harmlose Erschütterung. Zu Beginn faltete die Mimose nach jedem Sturz ihre Blätter ein. Nach mehreren Wiederholungen schwächte sich die Reaktion jedoch ab, bis die Pflanze schließlich nicht mehr ihre Blätter faltete. Sie hatte offenbar gelernt, dass von dem Reiz keine Gefahr ausging, und sparte sich den Energieaufwand.

Wurde die Pflanze jedoch einem anderen, unbekannten Reiz ausgesetzt, faltete sie ihre Blätter erneut zusammen. Als das Team das ursprüngliche Fall-Experiment einen Monat später wiederholte, zeigte sich der Gewöhnungseffekt noch immer: Die Pflanze reagierte weiterhin gelassen.

Für die Forscher war dies ein starkes Indiz für eine Art von Langzeitgedächtnis. Sie schlussfolgerten, dass Lern- und Erinnerungsprozesse keineswegs an tierische Gehirne oder Nervensysteme gebunden sind. Komplexe neuronale Netzwerke seien zwar eine hochentwickelte Lösung der Natur, eine zwingende Voraussetzung für Lernfähigkeit scheinen sie laut den Studienergebnissen jedoch nicht zu sein.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Do Plants Have Consciousness?“. (deutsche Bearbeitung kr)
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gesellschaft

Spirituelle Suche in Krisenzeiten: Die Welt feiert den Welt-Falun-Dafa-Tag

In Zeiten anhaltender Konflikte, innerer Unausgeglichenheit und sinkender Moral erkennen immer mehr Menschen, dass der Menschheit nicht materieller Reichtum fehlt, sondern die spirituelle Kraft, in einer chaotischen Welt zur Ruhe zu kommen.
Der 13. Mai dieses Jahres markiert den 34. Jahrestag der weltweiten Verbreitung von Falun Dafa. Falun Dafa (auch Falun Gong genannt) ist eine spirituelle Praktik zur Veredelung von Körper und Geist.
Ausgehend von den grundlegenden Eigenschaften des Universums – Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht – umfasst Falun Dafa auch fünf leicht zu erlernende Übungen. Mittlerweile praktizieren Millionen Menschen in über 150 Ländern weltweit Falun Dafa.

Ursprungsland China

Genau am heutigen Tag im Jahr 1992 machte Herr Li Hongzhi Falun Gong in der Stadt Changchun, Nordostchina, der Öffentlichkeit bekannt. Insgesamt veranstaltete Herr Li, der auch am 13. Mai Geburtstag hat, 56 Falun-Gong-Lernveranstaltungen in 23 Städten auf dem chinesischen Festland.
Die erstaunlichen Wirkungen von Falun Gong bei der Heilung von Krankheiten und der Reinigung des Geistes haben sofort großes Interesse unter den Teilnehmern geweckt.
Ohne Werbung und nur durch mündliche Überlieferung und persönliche Weitergabe verbreitete sich Falun Gong rasch in über 30 Provinzen, autonomen Regionen und regierungsunmittelbaren Städten Chinas sowie in Hongkong, Macau und Taiwan – ebenso in vielen Ländern und Regionen weltweit. Bis 1999, innerhalb von sieben Jahren, hatten über 100 Millionen Menschen mit der Praxis von Falun Gong begonnen.
Seit seiner öffentlichen Einführung 1992 hat Falun Dafa Millionen von Menschen geholfen, ihre körperliche Gesundheit deutlich zu verbessern und innere Ausgeglichenheit zu finden. Viele Praktizierende berichten von einem neuen, sinnvolleren Leben voller Klarheit, Reinheit, Energie und innerer Schönheit.

Welt-Falun-Dafa-Tag

Bis heute bringen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten bis in hohe Positionen, Herrn Li Hongzhi und Falun Dafa ihre tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck.
So wird am 13. Mai weltweit jedes Jahr der Welt-Falun-Dafa-Tag gefeiert. In Berlin trafen sich bereits am 9. Mai Falun Dafa-Übende am Potsdamer Platz, um die Meditationsübungen zu zeigen.

Falun-Gong-Praktizierende zeigen die Meditationsübung am 9. Mai auf dem Potsdamer Platz in Berlin.

Foto: Epoch Times

Gleichzeitig zeigte eine traditionelle Hüfttrommelgruppe mehrere Darbietungen.

Eine traditionelle Hüfttrommelgruppe aus Falun-Dafa-Praktizierenden am 9. Mai auf dem Potsdamer Platz in Berlin.

Foto: Epoch Times

In den USA zog anlässlich des Falun Dafa-Tages ein Flugzeug ein riesiges, 24 Meter langes und 12 Meter hohes Transparent hinter sich her. Es flog von der Nähe der Freiheitsstatue nach Norden und streifte dabei den Hudson River und die Skyline von Manhattan.

Ein riesiges Banner mit der Aufschrift „FALUN DAFA IST GUT“ war prominent in der Skyline von New York City, der „Welthauptstadt“, zu sehen.

Foto: Zhu Hongda/The Epoch Times

 

Ein Banner mit der Aufschrift „Falun Dafa ist gut“ wehte über der George-Washington-Brücke.

Foto: Zhu Hongda/The Epoch Times

Seit 27 Jahren grausam verfolgt

Trotz der positiven Auswirkungen von Falun Dafa sind Praktizierende in China seit 27 Jahren systematischer Verfolgung und schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.
Am 20. Juli 1999 mobilisierte Jiang Zemin, der ehemalige Führer der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), getrieben von starker Eifersucht auf die wachsende Popularität von Falun Dafa, den gesamten Staatsapparat, um eine Kampagne gegen Falun Gong zu starten.
In einer internen Rede vor dem Zentralkomitee der Partei sagt er: “Ich glaube einfach nicht, dass die KPCh Falun Gong nicht zerschlagen kann.”
Auch außerhalb Chinas sind Falun-Dafa-Praktizierende zunehmend Ziel transnationaler Repression durch das chinesische Regime.
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meinung

Wir sehen mehr als jemals zuvor, und verstehen so wenig wie nie


In Kürze

  • Regensburger Forscher können mit einem neuartigen Mikroskop Dinge auf atomarer Ebene sichtbar machen.
  • Das James-Webb-Teleskop liefert nie dagewesene Bilder des Universums.
  • Immer präzisere Instrumente zeigen in erster Linie, wie wenig wir wirklich wissen. Grundfragen bleiben unbeantwortet, im Großen wie im Kleinen.
  • Wahre Erkenntnisse entstehen durch neue Perspektiven, die nicht durch bessere Technik zu erreichen sind.

 
Atomare Eigenschaften konnten bisher nur berechnet oder gemessen werden. Physikern um Felix Schiegl von der Universität Regensburg ist es 2025 gelungen, die feinsten Strukturen erstmals rein optisch abzubilden. Das verwendete Nahfeld-optische Tunnelmikroskop (NOTE) ermöglicht durch Quanteneffekte Messungen bis etwa 0,1 Nanometer (nm). Im Vergleich zur herkömmlichen Lichtmikroskopie verbessert dies die Auflösung um mehr als das Tausendfache. Deren theoretische Auflösungsgrenze liegt bei 177 bis 488 nm.
Am anderen Ende der Größenskala zeigen James-Webb- und andere Teleskope das Universum in einer Klarheit, die vor Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre. Galaxien, einst optisch nur als schwache Flecken sichtbar, treten als gewaltige, fein strukturierte Systeme hervor. Gaswolken leuchten in pastellenen Schichten, und selbst die Regionen um Schwarze Löcher, einst nur theoretisch greifbar, sind inzwischen wahrnehmbar und formen die Materie um sie herum.
Doch wenn wir mehr sehen, bedeutet dies zwangsläufig auch, dass wir mehr verstehen?
Es ist kaum möglich, Bilder aus den Tiefen des Universums zu betrachten, ohne ein demütiges Staunen zu empfinden. Hier handelt es sich um reale Beobachtungen, entstanden aus Licht, das Milliarden von Jahren durch den Weltraum gereist ist, bevor es uns erreichte. Die Bilder sind ohne Frage eine Errungenschaft menschlichen Erfindungsreichtums, und doch sind sie für einige Wissenschaftler etwas beunruhigend: Sie zeigen etwas, was niemand erwartet hätte.

Bessere Bilder erweitern, was wir nicht wissen

Eine der überraschendsten Entdeckungen, die das James-Webb-Teleskop ermöglichte, ist die Erkenntnis, dass Galaxien scheinbar deutlich früher entstanden sein müssen, als theoretische Modelle prognostizierten. Strukturen, die einst als langwierig in ihrer Entstehung eingestuft worden waren, schienen sich rasant entwickelt zu haben. Das frühe Universum, das lange als einfach und spärlich galt, erscheint nun komplex und hochgradig organisiert.
Über Dekaden gingen wir davon aus, dass ein detaillierteres Bild des Universums auch zu einem tieferen Verständnis desselben führen müsste. Mit der Entwicklung einer immer noch verbesserten Auflösung unserer Teleskope glaubten wir, dass sich die Geschichte des Kosmos endlich offenbaren werde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Was einst für eine einfache Struktur gehalten wurde, offenbart sich heute als fein abgestimmtes, hochdynamisches System.
Schwarze Löcher erzählen eine ähnliche Geschichte: Das James-Webb-Teleskop hat gezeigt, dass es keine seltenen kosmischen Kuriositäten sind. Sie sind zahlreich, einflussreich und formen ganze Regionen des Weltalls. Und dann wäre da noch das größte Rätsel von allen: Ein fundamentaler Teil des Universums scheint aus Materie zu bestehen, die wir nicht unmittelbar sehen können. Dunkle Materie und dunkle Energie sind Bezeichnungen, die wir unbekannten Kräften geben, die wir nur anhand ihrer Auswirkungen ableiten können.
Trotz jahrzehntelanger Forschung und zunehmend detaillierterer Bilder wissen wir nach wie vor nicht, um welche Energien und Kräfte es sich handelt, die doch alles zu beherrschen scheinen.
Die grundlegenden Fragen bleiben auch hier offen: Warum bestehen die Gesetze der Physik so, wie sie bestehen? Was hält das Universum schließlich zusammen? Und auch das gilt ebenso im Mikroskopischen: Obwohl wir beschreiben können, was das Gehirn tut, wissen wir nicht, warum Bewusstsein überhaupt existiert.
Wieder und wieder zeigen uns unsere Werkzeuge, wie sich die Dinge verhalten – aber nicht, warum sie existieren.

An der Grenze des Erkennbaren angekommen

Lange Zeit haben wir angenommen, dass sich die Antworten automatisch offenbaren würden, wenn wir noch genauer hinschauen, noch mehr Details oder das noch größere Ganze sehen können. Wir haben uns vorgestellt, dass sich der Vorhang bald vollständig lüftet und damit Erkenntnisse wie selbstverständlich hinter der nächsten, verbesserten technischen Auflösung in Erscheinung treten werden. Doch die Zeit hat uns lediglich vor Augen geführt, dass wir von beispiellosen Details, Strukturen und Daten umringt sind, während die tiefsten Geheimnisse weiterhin unergründlicher erscheinen als je zuvor.
Unsere modernen Apparaturen sind außerordentlich gut im Messen und Kartieren, doch sie wurden nicht dafür entwickelt, uns die Bedeutung des Untersuchten in ihrem Wesen zu erläutern. Wir besitzen keine visuelle Vorstellungskraft dafür, wie die Existenz physikalischer Gesetze oder deren fein abgestimmtes Gleichgewicht zu erklären sein könnten. Damit haben wir eine Grenze unserer Forschung erreicht, die wir längst hätten erkennen müssen.
Aus historischer Sicht resultierten die wichtigsten Erkenntnisse der Menschheit nicht aus der Anwendung präziserer Werkzeuge. Sie offenbarten sich in Perspektivwechseln. Durch Menschen, die neue Fragen zu den vorhandenen Wahrnehmungen und Daten stellten.
Das heliozentrische Weltbild, das die Sonne anstatt die Erde ins Zentrum gestellt hat, hat das Verständnis über den Kosmos grundlegend verändert. Buddha hat durch tiefe Selbstreflexion Einsicht in die Ursachen des Leidens gewonnen. Und Sokrates hat durch konsequentes Hinterfragen erkannt, dass wahre Weisheit im Bewusstsein der eigenen Unwissenheit liegt. In allen drei Fällen hat nicht die Technik, sondern eine neue Sichtweise zu grundlegender Erkenntnis geführt.
Beobachtung war schon immer wichtig, aber Einsicht und Weisheit waren früher noch wichtiger.

Wissen ist Macht, doch welche Macht haben wir wirklich?

Heute sind wir außerordentlich versiert darin, Informationen zu sammeln; doch ist uns häufig nicht klar, zu welchem Resultat dies jeweils führen wird. Sollte uns nicht genau das zu denken geben? Denn der optische Eindruck, den das James-Webb-Teleskop letztlich vermittelt, fußt nicht auf irgendeinem spontanen Zufall, sondern bildet sich in einer bemerkenswerten Präzision ab.
Auf jeder Ebene schauen wir auf ein Gleichgewicht, eine Struktur und eine so exakte Feinabstimmung, dass selbst kleinste Veränderungen ganze Systeme zerstören würden. Von Galaxien bis zu den Bestandteilen der Materie selbst wirkt die Realität sorgfältig und bis ins kleinste Detail geplant.
Wir leben in einer Kultur, die Wissen oft als Mittel zur Kontrolle einordnet. Wir nehmen an, dass Verständnis gleichbedeutend mit Beherrschung ist und diese naturgemäß auf immer klarerem Sehen beruht. Und wieder und wieder widersetzt sich das Universum dieser Vorstellung. Je genauer wir optisch wahrnehmen, desto deutlicher stoßen wir auf Grenzen. Nicht nur in unseren Theorien, sondern auch in dem, was unsere technischen Apparate leisten.
Unsere neuen Mikroskope und Teleskope sind in ihrer Reichweite außergewöhnlich. Dies ermöglicht, feiner und ferner zu sehen als jemals zuvor. Doch keines dieser Geräte hat uns den Antworten auf unsere größten Fragen nähergebracht. Sie haben uns lediglich gezeigt, dass Antworten nicht durch neue Werkzeuge oder eine engere Sichtweise gefunden werden können. Sie haben uns gezeigt, woher die Antworten nicht kommen werden. Das schmälert keineswegs die menschlichen Leistungen. Es relativiert sie.

Der Kern neuer Erkenntnisse … liegt in uns

Irgendwann in der Geschichte haben wir begonnen, von unseren Messgeräten und Maschinen zu erwarten, dass sie uns Sinn stiften. Uns nicht nur Informationen, sondern auch bedeutungsvoll Essenz vermitteln. Doch als sie uns ein ums andere Mal enttäuscht haben, hat sich die Gesellschaft dazu entschieden – anstatt innezuhalten und nachzudenken –, dass Bedeutung selbst eine Illusion sein müsse und die menschliche Wahrnehmung das Problem sei.
Was, wenn das Gegenteil der Fall ist?
Was wäre, wenn das menschliche Sehen selbst, als perfektes Konstrukt und geprägt von Erfahrung, Erinnerung, Gewissen und Ehrfurcht, in Wahrheit ein wesentlicher Erkenntnisweg zum wahren Bewusstsein wäre? Wenn Nachdenken, Ehrfurcht und sogar das Gebet nicht durch irgendeine Technik ersetzbare Wege der Realitätswahrnehmung sind?
In diesem Sinne erweitert das James-Webb-Teleskop nicht nur unsere Sicht, es rückt sie wieder gerade.
Wenn uns diese neuen Bilder etwas lehren, dann vielleicht nicht, dass das Universum endlich erklärt ist. Sondern dass die Realität sorgfältiger gestaltet, großartiger und geheimnisvoller ist, als wir es uns jemals hätten vorstellen können.
Vielleicht besteht der nächste Schritt nicht darin, genauer hinzuschauen, sondern klüger hinzuschauen. Neu zu lernen, wie wir mit den Augen sehen, die uns gegeben wurden. Möglicherweise ist es das, wozu das Sehen als Kern der Wahrnehmung, in seiner reinsten Form, schon immer gedient hat.
Dieser Artikel erschien im Original in der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times unter dem Titel: „Seeing More Than Ever but No Closer to Understanding“. (redaktionelle Bearbeitung sj/ts)