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Harmonie und Leid: Carl Maria von Weber und die Tuberkulose


In Kürze:

  • Carl Maria von Weber gilt als einer der größten Opernkomponisten Deutschlands.
  • Seit seiner Kindheit plagten den als unmusikalisch bezeichneten Komponisten gesundheitliche Probleme.
  • Mit 26 Jahren erkrankte Weber zusätzlich an der damals unheilbaren Tuberkulose, was seinen Ehrgeiz und seine Kreativität nicht minderte.
  • Bis zu seinem Tod am 5. Juni 1826 komponierte er zwei weltberühmte Opern und revolutionierte die Klassische Musik in der deutschsprachigen Welt.

 
Der deutsche Komponist Carl Maria von Weber (1786–1826) gilt als Begründer der deutschen Oper während der Romantik, einer im 19. Jahrhundert vorherrschenden musikalischen Stilrichtung.
Zwar war Weber nicht der Erste, der eine Oper in dieser Sprache schrieb (Mozart war schneller), doch griff er wie kein anderer vor ihm speziell auf deutsche kulturelle Themen zurück. Obwohl er früh verstarb, hinterließ er einen unauslöschlichen Eindruck bei seinen musikalischen Kollegen, insbesondere bei Richard Wagner (1813–1883).

„Ein Musiker wirst du niemals sein“

Weber wurde 1786 in der Stadt Eutin, rund 35 Kilometer nördlich von Lübeck in Schleswig-Holstein, geboren. Sein Vater Franz Anton von Weber war ein vielreisender Musiker, sodass der junge Carl das Spielen zahlreicher Instrumente während der Reisen erlernte.

Das Geburtshaus von Carl Maria von Weber (1786–1826) in Eutin, Schleswig-Holstein.

Seinen ersten Musikunterricht erhielt er als Dreijähriger von seinem Onkel Franz Fridolin Weber, dem Schwiegervater von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791). Doch sein Onkel soll wenig begeistert gewesen sein und dem Jungen das Instrument aus den kleinen Händen gerissen haben:
„Was auch immer aus dir werden mag, ein Musiker wirst du niemals sein“, so die Worte von Franz Fridolin Weber.
Trotzdem zeigte Carl Maria von Weber schon bald sein musikalisches Genie. Er wuchs in mehreren Bereichen zu einem versierten Künstler heran und legte nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent ein großes Talent an den Tag.
Bildnis des Komponisten Carl Maria von Weber

Bildnis des Komponisten Carl Maria von Weber, gemalt von Caroline Bardua (1781–1864) im Jahr 1821.

Großer Erfolg mit einem Jäger

Lange vor Weber schwenkten Dirigenten aufgerolltes Papier und Geigenbögen in der Luft umher oder schlugen mit Stöcken auf den Boden, um den Takt vorzugeben. Weber brach mit dieser Tradition und schwenkte einen Taktstock, den er in der Mitte hielt – und nicht wie heutige Dirigenten an dessen Ende.
Neben dem Dirigieren war er ein großer Klaviervirtuose. Ob er nun den Taktstock schwang oder die Tasten spielte, er trat mit großer Energie auf und strahlte auf der Bühne ein besonderes Charisma aus.
Er komponierte viele Werke, darunter Stücke für die Klarinette, die noch heute regelmäßig aufgeführt werden. Doch Webers einflussreichste Arbeiten betrafen die Oper. Sein heute bekanntestes Werk dieses Genres ist „Der Freischütz“, uraufgeführt im Jahr 1821.
Bei der Komposition der Oper griff Carl Maria von Weber auf den Stil deutscher Volkslieder zurück. Die Geschichte über einen Jäger, der seine Seele an den Teufel verkauft, um im Gegenzug silberne Kugeln zu erhalten, die niemals ihr Ziel verfehlten, war bei den Besuchern enorm beliebt und wurde zu einer internationalen Sensation.
Illustration zur Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber

Illustration von Johann Heinrich Ramberg (1763–1840) zur Oper „Der Freischütz“. Dargestellt sind Caspar und Max beim Gießen von Freikugeln, während das wilde Heer erscheint.

Die Krankheit der Romantik

Weber war bereits als Kind häufig von schlechter Gesundheit geplagt. Dies spitzte sich 1812 drastisch zu, als die ersten Symptome einer Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, auftraten. Was als „Rheuma in der Brust“ begann, verschlimmerte sich allmählich.
In einer Zeit, in der die Krankheit noch nicht heilbar war und man noch nicht einmal wusste, dass sie ansteckend war, setzte Weber übermäßiges Vertrauen in die Ärzte. So wechselte er wegen der unterschiedlichen Meinungen der Mediziner oft die Behandlung.
Die Tuberkulose prägte das 19. Jahrhundert so stark, dass sie als „Krankheit der Romantik“ galt. Viele bedeutende Künstler litten an ihr, darunter die Brontë-Schwestern, Friedrich Schiller und Anton Tschechow. Aufgrund dieser Assoziation herrschte die weitverbreitete Vorstellung, dass die Krankheit die Kreativität steigere und als eine Art tödliche Muse fungiere.

„ein ungewöhnliches, übermenschliches Wesen“

Weber machte sich diese Vorstellung zu eigen, fand Gefallen daran, über seine Krankheit zu sprechen, und glaubte sogar, unter dem Einfluss eines „bösen Sterns“ zu stehen. Obwohl es auch bisher keine medizinischen Belege dafür gibt, dass Tuberkulose die kompositorischen Fähigkeiten schärft, kann der Glaube einen starken Einfluss auf die Realität haben. Da er wusste, dass seine Zeit begrenzt ist, überanstrengte sich Weber durch stundenlanges Arbeiten. Dies führte letztlich dazu, dass sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechterte.
Diejenigen, die Weber begegneten, waren fasziniert von seiner Kombination aus Charisma und Gebrechlichkeit. Der neunjährige Richard Wagner, der Weber in Dresden beim Dirigieren von „Der Freischütz“ beobachtete, hinterließ in seiner Biografie „Mein Leben“ folgende Beschreibung:
„Das schmale feine Gesicht mit den lebhaften und doch häufig umschleierten Augen, bannte mich in Schauern fest; sein stark hinkender Gang, den ich oft vom Fenster aus wahrnahm, wenn der Meister um die Mittagszeit aus den ermüdenden Proben seinen Heimweg an unserem Hause vorbei nahm, kennzeichnete meiner Imagination den grossen Musiker als ein ungewöhnliches, übermenschliches Wesen.“

Richard Wagner (1813–1883) war ein großer Anhänger von Carl Maria von Weber.

Eine verhängnisvolle Reise …

„Der Freischütz“ sorgte für so große Furore, dass sich die Londoner in Webers Musik verliebten. Der Theaterdirektor Charles Kemble (1775–1854) lud den Komponisten nach London ein, um eine neue Oper zu schreiben und zu inszenieren.
Als Themen bot Kemble die Wahl zwischen Faust (Goethes Figur, die ihre Seele an den Teufel verkaufte) und Oberon (dem Feenkönig, bekannt aus Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“). Weber entschied sich für Oberon und nahm Englischunterricht, um sich auf seine Reise nach Großbritannien vorzubereiten.
Ungewöhnlich für ihn war, dass er gegen den Rat seines Arztes handelte und den Auftrag annahm, da er dringend Geld benötigte. Er stürzte sich in die Komposition, und nach seiner Ankunft in London belasteten Proben und Vorbereitungen seine Gesundheit zusätzlich.
Weber wurde in London wie ein Star empfangen, wo er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt die Ouvertüre zu „Der Freischütz“ unter großem Beifall dirigierte. Es folgte die Uraufführung von „Oberon, oder der Schwur des Elfenkönigs“ am 12. April 1826, welche ein durchschlagender Erfolg war. Der Komponist schrieb in einem Brief an seine Frau Caroline, dass ihn die Londoner mit großer Freude empfangen hätten.
„Wie ich ins Orchester trat, erhob sich das ganze über füllte Haus und ein unglaublicher Jubel, Vivat und Hurrah rufen, Hüthe und Tücher schwenken, empfing mich, und war kaum wieder zu stillen.“
Illustration zur Oper „Oberon“ von Carl Maria von Weber

Illustration zur Oper „Oberon“, einem mythologischen Elfenkönig.

Foto: gemeinfrei

… und die letzte Oper

Der Jubel war so groß, dass die Ouvertüre wiederholt werden musste und drei Szenen der Oper als Zugaben aufgeführt wurden. Am Ende gab es einen tosenden Applaus – „eine Ehre, die in England noch nie einem Komponisten widerfahren ist“.
In den folgenden zwei Monaten dirigierte Weber mit seinem energiegeladenen Stil weiterhin die ausverkauften Aufführungen seiner Oper. Doch die Anstrengung forderte ihren Tribut und schadete seiner Gesundheit.
Am 26. Mai gab er ein Konzert mit einem neu komponierten Stück, bei dem er eine Sopranistin am Klavier begleitete. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt, bevor er am 5. Juni, einen Tag vor seiner geplanten Rückkehr nach Deutschland, der Tuberkulose erlag.

Schöne Töne, schlechte Worte?

Die Haupthandlung von „Oberon“ war weniger von Shakespeare als vielmehr von Christoph Martin Wielands gleichnamigen Märchenepos aus dem Jahr 1780 inspiriert. Im Gegensatz zur Musik galt der Text der Oper (auch Libretto genannt) als weniger meisterhaft. Geschrieben war dieser von dem britischen Dramatiker James Robinson Planché (1796–1880).
In den Augen von John Warrack, einem Biografen von Carl Maria von Weber, sei der Text voller gekünstelter Dialoge, absurder Handlungsdetails und Figuren, die bloße ausgestopfte Kostüme sind.
In dieser Hinsicht ist Webers „Oberon“ mit Mozarts „Zauberflöte“ vergleichbar, deren Libretto von Emanuel Schikaneder ebenso stark kritisiert wurde. Weber erkannte Planchés Schwächen als Autor. So missfiel ihm unter anderem die Fülle an gesprochenen Szenen, ein Merkmal des englischen Genres der Semi-Oper.
Portrait des Komponisten Carl Maria von Weber

Portrait von Carl Maria von Weber, gemalt von Ferdinand Schimon (1797–1852).

Die Erfindung des Leitmotivs

Obwohl Richard Wagner oft die Erfindung wiederkehrender musikalischer Motive und Themen zugeschrieben wird, war es tatsächlich Weber, der damit begann. In „Oberon“ erfüllt das Horn der Titelfigur eine verbindende, dramatische Funktion.
Die Ouvertüre beginnt damit, dass das Waldhorn ein einfaches dreitöniges „Do-Re-Mi“-Motiv in langsamem Tempo spielt. Die Streicher antworten auf diesen Ruf, und die Holzbläser setzen ein, was an ein „Feenlachen“ erinnert. Auf diese Weise wird die übernatürliche Atmosphäre für das Drama erzeugt. Im gesamten Werk erklingt Oberons Horn immer wieder, wenn die Figuren in gefährliche Situationen geraten. Die Verwendung des Leitmotivs hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf den erwachsenen Wagner, der diese Technik weiterentwickelte.
Als Weber starb, hinterließ er einen vierjährigen Sohn, Max Maria von Weber (1822–1881), der später die erste Biografie seines Vaters veröffentlichte. Max wurde Ingenieur statt Komponist, doch sein wissenschaftliches Engagement trug dazu bei, das Andenken an seinen Vater lebendig zu halten.
Webers heldenhafter Kampf gegen seine unheilbare Krankheit ist eine Inspiration für alle Künstler, die bei der Verwirklichung ihrer Kreativität auf Hindernisse stoßen. Und seine Opern sehen viele Menschen als einen Segen für die Welt der Klassischen Musik an.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Harmony and Hardship: Carl Maria von Weber and Tuberculosis“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Fake Rescues – wie Betrüger mit dem Leid von Tieren Geld machen


In Kürze:

  • Betrüger in Afrika nutzen Bilder von leidenden Tieren in sozialen Netzwerken, um Mitleid, Klicks und Spenden zu generieren.
  • Sie bringen Tierfreunde im Westen dazu, sie bei der vermeintlichen Rettung zu unterstützen.
  • Eine Aktivistin in England spürt Betrüger im Internet auf und warnt vor ihnen.

 
Die Bilder sind schwer zu ertragen. Ein Hund, der sich mit gebrochenen Hinterbeinen über die Straße schleppt, ein abgemagertes Pferd, das auf einem Müllberg liegt, ein Kätzchen, das in einem rostigen Eisenrohr gefangen ist.
Fotos oder Filmaufnahmen von verletzten, kranken oder verkrüppelten Tieren fluten die sozialen Netzwerke wie TikTok und Instagram. Manche Videos erreichen dabei Millionen Aufrufe.
Oft mit einem Zweck: Tierfreunde auszunehmen. Denn hinter vielen Konten, auf denen diese Bilder zu sehen sind, stecken Menschen, die das Tierleid ausnutzen, um sich zu bereichern. Sie bitten um Spenden, damit die Tiere angeblich behandelt werden können.

730.000 US-Dollar für ugandische Tierheime

Es geht nicht nur um Hunde oder Pferde. So zeigt eine Dokumentation des ZDF vom August 2025, wie ein vermeintlich bewusstloses Chamäleon mit Mund-zu-Mund-Beatmung angeblich vor dem sicheren Tod gerettet wird.
Fake Rescues – vorgetäuschte Rettungsaktionen – nennt sich die einträgliche Betrügerei. Laut der Tierschutzorganisation VETO werden dadurch weltweit Millionen Euro an Spenden generiert.
Laut „BBC Africa“ spielen dabei Betreiber von provisorischen Tierheimen in Uganda, die Hunde unter erbärmlichen Bedingungen halten, eine zentrale Rolle. Sie „vermieten“ ihre Räumlichkeiten und die Tiere an sogenannte Content-Creator, die sich auf die Produktion rührseliger Videos mit Spendenaufrufen spezialisiert haben.
Eine Datenanalyse der BBC verdeutlicht das Ausmaß dieses Phänomens. Mehr als 730.000 US-Dollar (über 600.000 Euro) wurden in fünf Jahren für ugandische Tierheime gesammelt. Fast 40 Prozent dieser Gelder stehen in direktem Zusammenhang mit der Stadt Mityana, die etwa 70 Kilometer von Kampala, der Hauptstadt Ugandas, entfernt ist.

Hunde absichtlich verletzt

Der materielle Erfolg der Betrüger vor Ort soll offensichtlich sein. „Sobald man das Geld von GoFundMe erhält, kann man sich ein Auto kaufen oder ein Haus bauen“, erläutert Charles Lubajja vor versteckter Kamera. Er gehört laut dem BBC-Bericht zu den Akteuren dieses Netzwerks und besitzt ein Tierheim.
Lubajja erklärte gegenüber verdeckten BBC-Reportern, dass einige Content-Creator Hunde absichtlich verletzten, um ihre Videos zu drehen.
„Als ihnen die Inhalte ausgingen, fingen einige an, den Hunden Verletzungen zuzufügen, um Geld zu erpressen“, erklärt er. Er fügt jedoch hinzu, dass sich diese Eskalation gegen sie gewendet habe, als einige Spender den Betrug durchschauten und andere warnten.

Vom Opfer zur Aktivistin

Angesichts dieser Entwicklung formiert sich internationaler Widerstand. Nicola Baird, eine 49-jährige Britin, die laut ihrer Aussage selbst ein Betrugsopfer ist, gründete den Instagram-Account „We Won’t Be Scammed“ (Wir lassen uns nicht betrügen).
Dieses Konto, dem 20.000 Abonnenten folgen, spürt Betrüger auf, um potenzielle Spender zu warnen. „Sie [die Betrüger] verkörpern das Böse in Reinform“, sagte die Aktivistin der BBC.
Die Maßnahmen der lokalen Behörden bleiben jedoch durch rechtliche Hürden eingeschränkt. 2023 rettete die Polizei von Mityana bei einer Großaktion 24 Hunde. Drei Verdächtige kamen wegen Tierquälerei vor Gericht, doch die Richter stellten die Verfahren nach einer einfachen Verwarnung wieder ein.
Derzeit setzt ein internationales Bündnis von Tierschützern auf Zivilklagen, um diesen Finanzkreislauf zu zerschlagen und die Bildung neuer Netzwerke zu verhindern.

Wie man sich vor Betrug schützen kann

Die Welttierschutzgesellschaft mit Sitz in Berlin fasst drei Hauptformen inszenierter Tierrettungen zusammen.
So sind in rund zwei Dritteln der Fälle Tiere in scheinbar akuten Gefahrensituationen zu sehen. Die Tiere sind abgemagert, erkrankt oder nahezu leblos. Manche stecken fest, ertrinken beinahe oder sind verschüttet. Rund 16 Prozent inszenieren unrealistische Angriffe oder Situationen, die in der Realität so kaum vorkommen würden. Etwa 15  Prozent stellen angebliche medizinische Notfälle dar, in denen Tiere nicht sachkundig behandelt, „wiederbelebt“ oder als schwer erkrankt präsentiert werden.
Um sich vor Betrug zu schützen, sollte man einige Dinge beachten, rät VETO auf ihrer Website.
So sollten gemeinnützige Organisationen transparent arbeiten. Ein Blick ins Impressum zeigt Sitz und Kontaktmöglichkeiten – fehlt es, ist Vorsicht geboten. Jede seriöse Organisation verfügt über eine Satzung, die den Zweck und die Gemeinnützigkeit festhält. Vertrauenssiegel wie die Initiative Transparente Zivilgesellschaft geben zusätzliche Sicherheit. Jahresberichte liefern Einblick in Aktivitäten, Einnahmen und Ausgaben und sind für Vereine verpflichtend.