Categories
ausland gesellschaft ticker

„Es ist die Hölle“: Waldbrände bedrohen Großstadt Bordeaux


In Kürze:

  • Die Großstadt Bordeaux ist von heftigen Waldbränden bedroht.
  • Die Einsatzkräfte haben laut dem Innenminister mehrere Brände in ganz Frankreich nicht unter Kontrolle.
  • Evakuierte in einer Notunterkunft berichten von ihren persönlichen Erlebnissen.

 
Die beispiellosen Brände in Frankreich und Spanien haben bis zum Wochenende mehr als 300.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Zahlreiche Familien kommen in Notaufnahmezentren unter.

Familien in der Notunterkunft

Zwischen Feldbetten, Kartons mit Lebensmitteln und persönlichen Gegenständen richten sich die Evakuierten in einer Notunterkunft in Bordeaux im Südwesten Frankreichs ein. Viele kommen mitten in der Nacht an. Sie schlafen auf Luftmatratzen oder Isomatten. Manche bleiben wach.
Vor dem Gebäude spielen Kinder mit einem Ball oder Badminton. Sie versuchen, sich die Zeit zu vertreiben. Die Familien kommen aus dem Arcachon-Becken oder aus Gemeinden in der Nähe von Bordeaux.
Unter den Betroffenen ist auch der 38-jährige Olivier Stewart. Er verließ die westlich von Bordeaux gelegene Gemeinde Mérignac zusammen mit seiner Familie nach einem Alarm. „Vor allem die Kinder sind gestresst. Sie glauben, das Feuer würde das Haus niederbrennen, aber uns geht es gut“, erklärte er.

Ein Beamter des französischen republikanischen Sicherheitskorps (CRS – Compagnies Républicaines de Sécurité) spricht am 25. Juli 2026 in Saint-Médard-en-Jalles am Stadtrand von Bordeaux mit einem Anwohner, nachdem die Anwohner eine Evakuierungsanordnung erhalten hatten.

Foto: Romain Perrocheau / AFP via Getty Images

Hilfsmaßnahmen für Betroffene

Eine Ärztin, Marie Decroix, geht von Familie zu Familie. Sie macht sich Notizen. „Ich erfasse die Bedürfnisse, vor allem die der Kinder, und weise auf die Anzeichen von Dehydrierung hin“, schilderte sie.
Die Einsatzkräfte richten eine Hilfsstation ein. Sie organisieren ein System, um Medikamente aus der Apotheke zu holen. Busse bringen ältere Menschen zu einem eigens dafür vorgesehenen Ort.
Laut dem Bürgermeister von Bordeaux, Thomas Cazenave, finden zwischen 5.000 und 6.000 Menschen in den Hallen Zuflucht. Er betonte, man könne die Zahl der Unterbringungsplätze heute problemlos von 5.000 auf 10.000 erhöhen und so eine deutlich größere Zahl Betroffener versorgen, falls die Evakuierung auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden müsste.

„Wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch“

Die Menschen erhalten von den Einsatzkräften auf Wunsch Atemschutzmasken. Zwar liegt noch immer Rauch in der Luft, doch die Belastung ist geringer als am Vortag.
Der 70-jährige Frédéric Tavitian berichtete am Samstag von seiner Anreise. „Wir sind gestern (Freitag) gegen 19 Uhr angekommen. Wir haben etwa vier Stunden gebraucht, um hierherzukommen, weil es Staus gab.“ Er beschrieb die Evakuierung: „Um 15 Uhr wurde uns gesagt: ‚Ihr müsst evakuieren.‘ Wir haben Rauchwolken gesehen, wie bei einem Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Und dann sind wir losgefahren.“
Die Situation sei „wirklich hart“, erzählte er. „So ist es eben. Man muss damit klarkommen“. Er sei müde, weil er wegen des „ständigen Lärms“ nicht schlafen konnte.
In der Halle frühstücken einige. Andere stehen Schlange, um einen Kaffee zu bekommen.

Hilfsbereitschaft in der Not

Die 75-jährige Nuala Kelly aus Irland schilderte ebenfalls ihre Erfahrungen. Sie sagte: „Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas erlebt. Dabei bin ich schon um die ganze Welt gereist und habe alle möglichen Situationen erlebt.“ Sie fügte hinzu: „Alle sind sehr nett, wir müssen dankbar sein.“
Mehrere Einwohner von Bordeaux haben ihre Hilfe angeboten. Darunter meldete sich auch der 55-jährige David Duval freiwillig. „Ich habe ein freies Zimmer, ich kann eine Familie bei mir unterbringen“, teilte er mit. „Es geht mir richtig ans Herz, wenn ich all diese Menschen in Not sehe. Man muss darüber nachdenken, was jeder Einzelne tun kann.“

Mit Klick auf den folgenden Button stimmen Sie zu, dass der Inhalt von twitter geladen wird.

Brände breiten sich „unkontrolliert“ weiter aus

Derweil breitete sich das Feuer in Südwestfrankreich nahe Bordeaux laut Innenminister Laurent Nuñez „unkontrolliert“ weiter aus. Am Sonntag rückten die Flammen bis auf 15 Kilometer an die Grenzen des Großraums der Stadt heran. Das Feuer sei in der Nacht wieder „äußerst intensiv und unberechenbar“ geworden, so der Innenminister.
Bürgermeister Thomas Cazenave schloss am Sonntag eine Evakuierung der Großstadt vorerst aus. Er fügte hinzu: „Wir sind sehr wachsam. Wir sind auf alles vorbereitet“. Die Behörden forderten zuvor 8.000 am Stadtrand lebende Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch in der Gironde, dem Verwaltungsbezirk rund um Bordeaux, rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Waldbrand der Region hat inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört.
Damit zählen die Brände in der Gegend zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Großbrand im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört.
Frankreichs Regierung entsandte am Wochenende weitere 500 Soldaten für die Löscharbeiten. Auch zahlreiche Flugzeuge und Hubschrauber waren im Einsatz, darunter ein Militärflugzeug vom Typ A400M.

Auch Brände in Spanien

Heftige Waldbrände wüten ebenso im Nachbarland Spanien. Dort gab das Innenministerium neue Evakuierungsaufrufe für die Provinz Toledo südwestlich der Hauptstadt Madrid heraus. „Die Lage ist komplex“, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Journalisten. „Heute sind wir etwas pessimistischer als gestern“, fügte er hinzu. Die Wetterbedingungen hätten „überhaupt nicht geholfen“.
Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zuvor zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Der größte Brand in Spanien in der Provinz Guadalajara nordöstlich von Madrid loderte am Samstag weiter. Dort vernichteten die Flammen bislang etwa 32.000 Hektar Land.

Feuergefahr auch in Italien

Die Feuerwehr in Italien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Brände. Allerdings haben die Feuer längst nicht das Ausmaß wie in Frankreich und Spanien. Betroffen sind insbesondere Regionen auf dem Festland im Süden sowie Italiens größte Inseln Sizilien und Sardinien. Auf Sardinien musste in der Umgebung der Inselhauptstadt Cagliari ein Altersheim evakuiert werden. Auf Sizilien bereitet Probleme, dass die Feuer durch den Wüstenwind Scirocco angefacht werden, der über das Mittelmeer aus Afrika kommt.
(Mit Material der französischen Epoch Times und Nachrichtenagenturen)