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James Stewart: Mit Heimatliebe vom Oscar-Gewinner zum Kriegshelden

Im Frühjahr 1940 gelang James „Jimmy“ Maitland Stewart (1908–1997) der Durchbruch in Hollywood. Er avancierte zu einem der Topstars der Metro-Goldwyn-Mayer-Filmstudios (MGM) und stieg vom kleinen Nebendarsteller zum Publikumsmagneten auf. Er spielte in Komödien wie „Lebenskünstler“ (1938) und „Mr. Smith geht nach Washington“ (1939) und „Die Nacht vor der Hochzeit“ (1940), für den er einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann. Vielen ist James Stewart auch noch als philosophischer Lehrer in Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ (1948) in Erinnerung oder als Westernheld in „Winchester 73“ (1950).
Im Herbst 1940 erhielt er einen Musterungsbescheid – und wurde einige Monate später bei der ärztlichen Untersuchung für untergewichtig und dienstuntauglich erklärt. Das hätte ihm erlaubt, dem Dienst zu entgehen.
Doch Stewart hatte längst beschlossen, den Glanz von Hollywood hinter sich zu lassen und in die Armee einzutreten. Er begann ein Fitnesstraining mit Ernährungsaufbau und ließ sich anschließend nochmals wiegen. Der Plan ging auf. James Stewart trat Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor in die Armee ein. Später gestand er, dass er bei diesem zweiten Versuch einen Freund an der Waage hatte.

Vom einfachen Soldaten zum Fliegeroffizier

Mit seinem lebenslangen Interesse am Fliegen und seinen Hunderten Flugstunden als Pilot trat Stewart als einfacher Soldat in das Army Air Corps (Luftwaffe) ein. Sein Architekturstudium an der Princeton University verhalf ihm zu einer Offizierslaufbahn, und er bekleidete verschiedene Positionen, vor allem als Ausbilder für schwere Flugzeuge.
Während des Krieges wollte Stewart unbedingt im Ausland dienen, zögerte aber, seinen Starstatus dafür zu nutzen. Schließlich erreichten ihn Gerüchte, er solle für Werbereisen und Filmprojekte des Militärs eingesetzt werden. Daraufhin wandte er sich an seinen damaligen Kommandeur, Oberst Walter Arnold, und bat ihn um einen Kampfeinsatz. Arnold gab seinem Wunsch nach, und Stewart wurde bald darauf als Operationsoffizier des 445. Bombergeschwaders nach England verlegt.

Der Januar 1944 über Ludwigshafen

Stewart erwies sich als kompetenter Offizier, als sorgfältiger Planer und Mann für Details. Diese Eigenschaften brachten ihm die Bewunderung seiner Piloten und Besatzungsmitglieder ein. Er leitete auch sein Geschwader im Einsatz über Deutschland. Eine dieser Missionen brachte ihm die Anerkennung seiner vorgesetzten Offiziere ein, woraufhin Stewart mit dem „Distinguished Flying Cross“ ausgezeichnet wurde.
Während eines Einsatzes über Ludwigshafen folgte sein 445. Geschwader dem 389. Geschwader. Stewart bemerkte, dass das andere Geschwader beim Heimflug nach England um 30 Grad vom Kurs abgekommen war. Er kontaktierte den Anführer, doch dieser behauptete, dass Stewart sich irre. Trotz dieses Fehlers des anderen Geschwaderführers blieb Stewart bei der 389., wohl wissend, dass dies seinen Tod und den seiner Männer bedeuten könnte. Andererseits wusste er auch, dass die 389. seine Hilfe brauchen würde. Und so kam es auch.

Major Jimmy Stewart berät sich im Jahr 1944 mit einem Besatzungsmitglied einer B-24.

Foto: US-Luftwaffe/gemeinfrei

Nahe Paris tauchten plötzlich rund 60 Jagdflugzeuge der Deutschen Luftwaffe auf und umschwärmten die beiden US-Geschwader. Sie eröffneten das Feuer. Der führende Pilot des 389. Geschwaders wurde abgeschossen. 16 weitere B-24 stürzten an diesem Tag ebenfalls ab. Jedoch ging keines von Stewarts Flugzeugen während dieses heftigen Gefechts verloren. Sein Mut, beim 389. Geschwader zu bleiben, rettete einigen von ihnen das Leben.
Als der Krieg vorbei war und Stewart nach Hause zurückkehrte, weigerte er sich, öffentlich über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wollte auch in keinem Film mitspielen, der direkt vom Krieg handelte. Darüber hinaus blieb er in der Armee-Reserve, bis er 1968 als Brigadegeneral in den Ruhestand ging.

Eine Frage, die sich stellt

Ein Oscar-Preisträger wie Stewart drängt darauf, Monate vor Pearl Harbor in den Militärdienst einzutreten. Er bittet um den Kampfeinsatz – als erster großer Filmstar überhaupt. Er lehnt die meisten Interviewanfragen während seines Dienstes in England ab und weigert sich später, aus seinem Beitrag zum Krieg Kapital zu schlagen, obwohl er das leicht hätte tun können.
Generalleutnant Henri Valin, Stabschef der französischen Luftwaffe, verleiht Oberst Jimmy Stewart um 1945 das Croix de Guerre mit bronzener Palme (die höchste Stufe dieser Auszeichnung) für seine außergewöhnlichen Verdienste bei der Befreiung Frankreichs. Foto: US-Luftwaffe, gemeinfrei

Generalleutnant Henri Valin, Stabschef der französischen Luftwaffe, verleiht Oberst Jimmy Stewart um 1945 das Croix de Guerre mit bronzener Palme – die höchste Stufe dieser Auszeichnung – für seine außergewöhnlichen Verdienste bei der Befreiung Frankreichs.

Foto: US-Luftwaffe/gemeinfrei

Auch hatte die Teilnahme an diesem Krieg ihren Preis. Stewart vergaß nie die Männer unter seinem Kommando, die ihr Leben verloren hatten – Erinnerungen daran waren von Leid, Qual und Schuldgefühlen begleitet.
Warum also hat er das getan? Oder, wie ein junger Mensch fragen könnte: Von welchem Planeten kam dieser Kerl?
Eine Antwort finden wir in Stewarts Kindheit und Jugend. Es geht um seine Familie, sein Erbe und seine Heimatstadt.

Heimat und Patriotismus

Die Familie Stewart blickte auf eine stolze Tradition im Militärdienst zurück. Einer von Stewarts Vorfahren, Fergus Moorhead, hatte im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten gekämpft. Sein Großvater mütterlicherseits war General der Union im Bürgerkrieg, und Alex, Stewarts Vater, kämpfte im Spanisch-Amerikanischen Krieg und trat dann im Alter von 42 Jahren im Ersten Weltkrieg erneut in die Armee ein.
Noch wichtiger war jedoch, dass Elizabeth und Alexander Stewart ihrem Sohn Liebe, Disziplin, einen starken religiösen Glauben, Arbeitsmoral und Respekt vor anderen mit auf den Weg gaben. Dafür liebte er seine Eltern. Er sprach immer in den höchsten Tönen von ihnen und richtete seinen Moralkodex und sein Verhalten nach dem Vorbild seines Vaters aus, den er verehrte.
Kurz bevor Stewart nach Europa kam, gab ihm sein Vater eine kleine Mini-Bibel mit, die unter anderem den „Soldaten“-Psalm 91 enthielt – und einen Brief. Darin stand:
„Jim, ich verlasse mich ganz auf die beiliegende Abschrift des 91. Psalms. Das Einzige, was an die Stelle von Furcht und Sorge tritt, ist das Versprechen dieser Worte. Ich setze mein ganzes Vertrauen in diese Worte. Ich bin mir sicher, dass Gott dich durch dieses wahnsinnige Erlebnis führen wird. Gott segne dich und behüte dich. Ich liebe dich mehr, als ich es in Worte fassen kann. Dein Papa.“
Stewart trug diesen Brief für den Rest seines Lebens bei sich. Die Inschrift auf seinem Grabstein ist dem 91. Psalm entnommen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“, stand da.

Geprägt durch die Heimatstadt Indiana

Stewart empfand auch eine glühende Loyalität gegenüber seiner Heimatstadt Indiana, Pennsylvania. Dort betrieb sein Vater ein Eisenwarengeschäft, das er 1853 eröffnet hatte. Indiana festigte weiter die Werte, die Stewart in seinem Elternhaus verinnerlicht hatte.
Bei einem seiner vielen Besuche würdigte Stewart die Stadt mit folgenden Worten: „Ich habe immer gewusst, dass es in Indiana freundliche, anständige Menschen gibt. Leute, die jeden Morgen aus dem Bett aufstehen, ihr Tagewerk vollbringen und ihr Leben auf eine Weise führen, dass es dem Land alle Ehre macht. … Das ist der Charakter von Indiana, der Charakter, von dem wir alle, die das Glück haben, hier zu leben, ein Stück mitnehmen und es überallhin mit uns tragen. Ich gehöre hierher. Das ist ein gutes Gefühl, und ich bin dankbar dafür.“
In dem beliebten Filmklassiker „Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra spielt James Stewart den entmutigten Kleinstadtbewohner George Bailey. Am Ende des Films taucht dessen Bruder Harry auf – ein Pilot, der selbst Ruhm erlangt und Leben gerettet hat, genau wie Stewart es im wirklichen Leben tat. Es ist Heiligabend, und Harry erhebt vor der Familie und Freunden sein Glas auf George mit den Worten: „Auf meinen großen Bruder George, den reichsten Mann der Stadt.“
Jimmy Stewart war keineswegs der reichste Mann in Hollywood, aber sein Patriotismus und seine Opferbereitschaft bereichern alle, die seine Geschichte kennen.
Ein Porträt des amerikanischen Schauspielers Jimmy Stewart aus dem Jahr 1942, aufgenommen vor einem Militärflugzeug. Er trägt eine Fliegermütze und einen Wollmantel. Foto: Hulton Archive/Getty Images

Ein Porträt des amerikanischen Schauspielers Jimmy Stewart aus dem Jahr 1942, aufgenommen vor einem Militärflugzeug, mit Fliegermütze und in einem Wollmantel.

Foto: Hulton Archive/Getty Images

Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Jimmy Stewart: From Academy Award Winner to Wartime Hero“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Putin: Schröder als Vermittler im Ukrainekrieg

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Bereits im Vorfeld der diesjährigen Militärparade in Erinnerung an den Sieg über Deutschland im Zweiten Weltkrieg hat das russische Verteidigungsministerium angekündigt, dass die Parade ohne die üblichen Panzer- und Raketenkolonnen und im kleineren Rahmen durchgeführt werde. Grund: Waffen, Geräte und Soldaten würden an der Front in der Ukraine benötigt.

„Baldiges Kriegsende“, Schröder als Vermittler

Die wichtigsten politischen Botschaften verkündete der russische Präsident Wladimir Putin dieses Jahr nicht während seiner jährlichen Rede anlässlich der Militärparade, sondern bei einer darauffolgenden Pressekonferenz vor internationalen Reportern. Putin sagte vor der Presse über den Krieg in der Ukraine: „Ich glaube, dass die Angelegenheit sich dem Ende zuneigt.“
Zudem kündigte er an, dass er bereit sei, über neue Sicherheitsvereinbarungen für Europa zu verhandeln. Dafür sei sein bevorzugter Verhandlungspartner der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Sollte dies nicht möglich sein, solle die europäische Seite selbst eine Führungspersönlichkeit bestimmen, der sie vertraue. Die Person solle allerdings Russland gegenüber nicht feindselig eingestellt sein.
Der heute 82-jährige Schröder (SPD) und Putin verbinden eine langjährige Freundschaft, die unabhängig von politischen Beziehungen seit Schröders Kanzlerschaft (1998–2005) besteht. Auch nach der russischen Invasion in der Ukraine hat Schröder an dieser Verbindung festgehalten – trotz Kritik seiner Partei und eines versuchten Parteiausschlusses.
Nach seiner Amtszeit übernahm Schröder hochdotierte Posten bei den russischen Staatskonzernen Nord Stream und Gazprom. Im März 2022 unternahm er einen vergeblichen Vermittlungsversuch im Ukrainekrieg und führte dazu Gespräche in Moskau.

Kritik aus der SPD

Auf Putins Vorschlag, Gerhard Schröder als Vermittler ins Spiel zu bringen, reagierte in einer ersten Stellungnahme der SPD-Politiker Michael Roth abweisend. Dies sei „ein Affront gegenüber den USA und ein durchsichtiges Manöver“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“. Roth war von 1998 bis 2025 Bundestagsabgeordneter und zeitweise Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. „Wer ernsthaft Frieden will, beginnt mit einem Waffenstillstand“, wird Roth weiterhin zitiert.
Er sieht hinter Putins Vorschlag keine „ernsthafte Diplomatie“, sondern den „Versuch, Gesprächsbereitschaft zu simulieren und neue Unruhe in Europa zu stiften“. Ein Moderator könne „nicht einfach Putins Buddy sein“, so der SPD‑Politiker deutlich. Zudem müsse dieser „vor allem von der Ukraine akzeptiert“ werden.
Was Roth nicht zum Ausdruck gebracht hat, ist die Tatsache, dass die beiden Sondervermittler des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, seit Anfang Dezember 2025 keinerlei Fortschritte in den Verhandlungen mit dem Kreml erzielt haben. Es ist bislang nicht bekannt, ob Putins Vorschlag zuvor mit dem Altkanzler abgesprochen war.

Putin zur Rolle der USA als Vermittler

Auf die Frage nach der Rolle der USA als Vermittler in den Friedensverhandlungen mit der Ukraine äußerte sich Putin klar: Der Konflikt betreffe in erster Linie Russland und die Ukraine. Wenn andere Staaten helfen wollten und dies auch tatsächlich täten, sei das grundsätzlich willkommen.
Er sehe insbesondere bei der aktuellen US-Regierung und dem US-Präsidenten den „aufrichtigen Versuch“, eine Lösung zu finden. Im Kern bleibe die Angelegenheit jedoch eine Frage zwischen Russland und der Ukraine.

Putin: Keine NATO-Erweiterung versprochen

Putin wiederholte während der Pressekonferenz im Kreml seinen seit Jahren geäußerten Vorwurf, die westlichen Staats- und Regierungschefs trügen eine Mitschuld am Ukrainekrieg, da diese nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 Russland versprochen hätten, die NATO werde nicht nach Osten ausgeweitet.
Später aber hätten sie versucht, die Ukraine in den Einflussbereich der Europäischen Union zu ziehen. Putin signalisierte seit Jahren, dass sich Russland vor allem aber durch die NATO-Osterweiterungen bedroht fühle, und führt dieses Argument als einen von mehreren Gründen für die Invasion der Ukraine im Februar 2022 an.
Fakt ist: Es gibt keinen schriftlichen Vertrag, der eine solche Erweiterung explizit ausschließt. Auch im deutschen Wiedervereinigungsvertrag gibt es dazu keinen Passus. Aber es gab Gespräche dazu im Kontext der deutschen Wiedervereinigung. Bekannt ist der „Not one inch“-Satz des damaligen amerikanischen Außenministers James Baker, festgehalten von der Willy-Brandt-Stiftung.
Dort heißt es: „Not one inch – nicht einen Zoll weiter“ würde sich die NATO nach Osten ausdehnen. Dies habe Baker im Februar 1990 im Rahmen der Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung dem damaligen sowjetischen Führer Michail Gorbatschow gesagt. Gemeint gewesen sei laut der Stiftung des ehemaligen SPD-Bundeskanzlers Brandt, dass die Russen ihre Truppen aus der DDR abziehen, im Gegenzug die NATO nicht vorrücken werde und Gorbatschow seine Zustimmung zur deutschen Einheit erteile.
Fakt ist auch: Die Sowjetunion, respektive ihre Nachfolgestaatenordnung GUS, zog ihre Truppen bis zum 31. August 1994 aus Deutschland ab. Die NATO jedoch nahm 1999 Polen als erstes osteuropäisches Mitglied auf. Bis 2004 folgten acht weitere ehemalige Staaten des Warschauer Pakts.

Putin: Sowjetunion habe Europa befreit

In seiner elfminütigen Rede auf dem Roten Platz in Moskau nutzte Putin wie in den vergangenen fünf Jahren die Gelegenheit, den Krieg in der Ukraine zu rechtfertigen.
Dazu nutzte er historische Anleihen an den Zweiten Weltkrieg. Der Tag des Sieges über Deutschland vor 81 Jahren sei „unser heiliger, inspirierender und wichtigster Feiertag“, so der russische Präsident. „Wir werden uns stets an den Heldenmut des sowjetischen Volkes erinnern und daran, dass es sein entscheidender Beitrag war, der die Niederlage des Nationalsozialismus ermöglichte. Sie haben ihr Land und die ganze Welt gerettet“, erinnerte Putin an den Sieg der Sowjetarmeen im Mai 1945.
Dass mit dem sowjetischen Kampf gegen Nazi-Deutschland nicht nur die damalige Sowjetunion, sondern „die ganze Welt“ gerettet worden sei, wiederholte Putin kurz darauf mit dem Hinweis: „Unsere Soldaten erlitten gewaltige Verluste und brachten im Namen der Freiheit und Würde der Völker Europas enorme Opfer.“
Mit dieser Anleihe an die international unumstrittene militärische Leistung der Sowjetvölker – zu denen damals auch die Ukraine zählte – schlug Putin den Bogen zur Gegenwart. Die damalige „große Leistung der siegreichen Generation“ sei „eine Inspiration für die Soldaten, die heute die Aufgaben der militärischen Spezialoperation erfüllen“.
Putin vermied von Anbeginn der russischen Invasion in der Ukraine den Begriff „Krieg“ und nennt sie bis heute diminutiv „Spezialoperation“. Die heutigen russischen Soldaten in der Ukraine stünden „einer aggressiven Streitmacht gegenüber, die vom gesamten NATO-Block bewaffnet und unterstützt“ werde, beklagte er. Dennoch rückten russische Truppen vor, gab sich Putin überzeugt.

Appell gegen Kriegsmüdigkeit?

Putins expliziter Appell an die „Einheit“ im Volk könnte darauf abgezielt haben, dass sich seit geraumer Zeit immer mehr Kritik an ihm beziehungsweise an den innenpolitischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukrainekrieges häufen.
Anfang April übte etwa der Führer der Kommunistischen Partei, Gennadi Sjuganow, im russischen Parlament „Duma“ Kritik am Kreml: Dieser habe vor wirtschaftlichem Niedergang, Zuständen wie vor der Oktoberrevolution 1917 und einem möglichen Staatskollaps gewarnt. Sjuganow gilt angeblich als loyaler Unterstützer Putins. Sjuganow habe weiterhin „falsche Prioritäten der Führung“ beklagt.

Haben Russen Angst vor Putin?

Bereits vor Sjuganows Auftritt in der Duma hatte es ungewöhnlich offene Kritik an Putin gegeben. Im Mittelpunkt stand dabei die in Monaco, Frankreich und Dubai lebende russische Influencerin Viktoria Bonya. Ein von ihr veröffentlichtes Video, in dem sie beklagte, die Russen hätten mittlerweile „Angst“ vor Putin, ging viral. „Es gibt eine riesige Mauer zwischen Ihnen und uns gewöhnlichen Menschen“, sagt Bonya in dem Video.
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Trump kündigt dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und Ukraine an – Kiew und Moskau bestätigen

US-Präsident Donald Trump hat für Samstag, 9. Mai, den Beginn einer dreitägige Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland verkündet.
Die beiden Länder hätten die dreitägige Feuerpause sowie den Austausch von jeweils tausend Kriegsgefangenen vereinbart, erklärte Trump am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social.
Er hoffe, dies sei „der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart geführten Krieges“, erklärte der US-Präsident.

Kiew und Moskau bestätigen

Wie unmittelbar danach bekannt wurde, ordnete der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj per Dekret an, dass sein Land die für Samstag geplante russische Parade zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren nicht unter Beschuss nimmt.
Selenskyj bestätigte überdies, dass die Feuerpause am Samstag, Sonntag und Montag gelte und dass Russland einem Gefangenenaustausch zugestimmt habe.
Auch der außenpolitische Berater von Russlands Staatschef Wladimir Putin, Juri Uschakow, bestätigte Feuerpause und Gefangenenaustausch.
Die russische Führung hatte für Freitag und Samstag bereits einseitig eine Feuerpause ausgerufen. Dennoch überzogen sich Russland und die Ukraine am Freitag gegenseitig mit Angriffen.
Am Samstag gedenkt Russland des Siegs über Nazi-Deutschland vor 81 Jahren. Zur Feier des Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs ist in Moskau eine Militärparade geplant.
Anders als in den vergangenen Jahren sollen aber keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät auffahren. Außerdem wurden Internetsperren verhängt. Auch die Zahl der ausländischen Gäste ist geringer als üblich – laut Kreml werden lediglich die Staatschefs von Belarus, Malaysia und Laos anwesend sein.
Überschattet wurde die Parade von möglicherweise drohenden ukrainischen Angriffen auf Moskau. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte vorab ausländische Politiker gewarnt vor der Teilnahme an der Militärparade in der russischen Hauptstadt.
„Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzenden Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen“, sagte er am Donnerstag. „Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.“
Das russische Verteidigungsministerium hatte mit einem Vergeltungsangriff gedroht, sollte die Ukraine das russische Weltkriegsgedenken am 9. Mai attackieren. Moskau rief die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt Kiew und ausländische Diplomaten auf, die Stadt „rechtzeitig“ zu verlassen. (afp/red)