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KI-Entwicklung verlangsamen: Ist das realistisch?

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasanter als je zuvor – und mit ihr die Fragen nach Kontrolle, Sicherheit und den Grenzen des technisch Machbaren. Im Gespräch mit Epoch Times ordnet der deutsche Wirtschaftspsychologe, Unternehmer und KI-Experte Christoph Burkhardt ein, wie ernst es Unternehmen wie Anthropic und OpenAI mit ihren eigenen Warnungen vor der Technologie meinen, welche Risiken der Einsatz von KI in kritischer Infrastruktur wie Energie, Telekommunikation und Logistik birgt und warum autonome KI-Agenten aus seiner Sicht eine der größten Gefahren der kommenden Jahre darstellen.
Burkhardt, der seit Jahren im Silicon Valley lebt und arbeitet, gründete unter anderem das Unternehmen TinyBox, die Burkhardt Group sowie 2023 das AI Impact Institute. Er tritt zudem international als Keynote-Speaker zu Künstlicher Intelligenz, Innovation und Zukunftstechnologien auf und veröffentlichte 2025 das Buch „AI Done Right“.
Anthropic-CEO Dario Amodei fordert die KI-Branche auf, die Entwicklung von KI-Modellen zu verlangsamen, da die Fähigkeiten der Systeme schneller wachsen könnten als unsere Möglichkeiten, sie zu verstehen und zu kontrollieren. Sehen Sie diese Gefahr auch – und ist das überhaupt realistisch?
Das ist eine gute Frage. Die Gefahr, dass sich KI selbstständig macht und außerhalb unserer Kontrolle operiert, besteht natürlich ab einem bestimmten Punkt. Auf der anderen Seite sehen sich gerade Anthropic und OpenAI in einem Kampf um das Überleben. Aus der PR-Brille gesehen ist es natürlich sinnvoll, Forderungen zu machen und nach Regulierung zu fragen. Aber ob es hier wirklich um einen ernst gemeinten Versuch geht, die Geschwindigkeit der Entwicklung rauszunehmen, halte ich für unrealistisch, da beide Unternehmen um die Spitze kämpfen müssen.
KI ist mittlerweile in so vielen Bereichen aktiv eingebunden. KI allgemein zurückzufahren macht nicht in allen Bereichen Sinn.
KI wird zunehmend in kritischen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt – Energie, Telekommunikation, Internet, Logistik und Lebensmittelversorgung. Birgt das nicht ein Risiko für unsere Infrastruktur, und wie kann eine rein friedliche Nutzung zum Wohle der Menschheit sichergestellt werden?
Das ist eine der größten Fragen überhaupt. Diese Sicherheit kann die KI, so wie sie heute gebaut ist, gar nicht gewährleisten. Eine 100-prozentig zuverlässige Künstliche Intelligenz, so wie es sich Europa wünscht, kann es aufgrund der statistischen Arbeitsweise von diesen Modellen gar nicht geben. Da ist immer noch eine Fehlerquote drin. Aber dass wir die 100-Prozent-Lösung in allen Systemen, zu allen Zeiten – vor allem bei allen kritischen Systemen – in den nächsten anderthalb Jahren hinbekommen, ist nicht abzusehen.
Wenn man das autonome Fahren als Beispiel nimmt, war für die Amerikaner schnell klar: Wenn das Auto besser fährt als der Mensch, ist das gut genug. Genau das ist die Frage, die sich uns stellt: Was ist für uns gut genug? Bei mancher kritischen Infrastruktur werden wir sehr nah an die 100 Prozent heranmüssen und wahrscheinlich noch sehr viel Mensch mit im Kreislauf lassen müssen.
Das heißt, wir brauchen sehr viele Menschen, die die Maschinen beobachten, und sehr viel Maschine, die auch den Menschen beobachtet, um Fehler auszumerzen. Und die Frage ist: Kann die Maschine helfen, diese Fehler zu beseitigen? Dann hat sie absolut eine Berechtigung, da zu sein.
Interessant wird es natürlich bei Cyberattacken, die über die Landesgrenzen hinausgehen. Da besteht eine tatsächliche Gefahr. Dieselben Leute, die die Cyberattacken mit KI kontrollieren und ansetzen, müssen uns auch in der Verteidigung vor Cyberattacken schützen. Wer da gewinnt, ist noch völlig unklar. Aber es sind beide Seiten, die massiv aufrüsten.
Die KI hat sich in wenigen Jahren mit Riesensprüngen entwickelt. Können unsere Sicherheitsmechanismen mit diesem Tempo mithalten?

Ich glaube tatsächlich, dass das in den nächsten zwei bis fünf Jahren eine große Herausforderung wird. Da werden wir sicher sehr viele Betrugsfälle sehen. Sie [die KI] gewinnt Vertrauen schneller, als wir das jemals zuvor mit einer Technologie hatten.

Beim Internet war noch klar, dass wir uns einloggen und dann unsere Daten preisgeben. Bei KI ist das alles nicht mehr so sichtbar, was wir da eigentlich preisgeben. Und die größte Gefahr, die ich sehe, ist, dass Menschen nicht mitkommen zu verstehen, dass sie gerade mit einer Maschine interagieren – und deshalb nicht erkennen und sehr bewusst entscheiden, was sie ihr geben und was sie ihr nicht geben.

Wenn wir uns heute anschauen, was die Hauptnutzung von Chatbots wie ChatGPT und Co. ist – nämlich die Nutzung für ein persönliches Gespräch –, dann sind das die persönlichsten Daten überhaupt.

Wir vergessen zu schnell, dass wir eben nicht mit einem Menschen interagieren. Und ich glaube, wir brauchen eine große Bildungsoffensive, um Leuten das klarzumachen und sie genauso wie beim Internet vor diesen Fallen zu warnen. Und das müssen wir viel, viel schneller machen, als wir es beim Internet getan haben.
Ich sehe auch, dass die EU-Regulierung da schneller greifen muss, um diese Leitplanken aufzusetzen, damit Leute in bestimmten Fällen besser geschützt sein können, als sie es heute sind. Wenn wir zum Beispiel überlegen, dass generierte Texte ein Wasserzeichen oder eine Art Wasserzeichen enthalten sollten, das man nicht entfernen kann – solche Sachen halte ich für absolut wichtig.
Genauso, dass, wenn wir künstliche Filmschnipsel generieren, in denen aber echte Menschen auftauchen, es einen Mechanismus geben muss, an dem man erkennt, dass das KI-generiert ist. Also, das Labeling muss passieren.
Mehrere KI-Entwickler haben eingeräumt, dass ihre Modelle unbeabsichtigt in fremde Unternehmens-IT eingedrungen sind, ähnlich einem Hackerangriff. Wie können sich Privatanwender davor schützen, Opfer eines außer Kontrolle geratenen KI-Modells zu werden?
Das eine sind die großen Unternehmen, deren Agenten gerade abhauen. Es ist fast schon so, dass man das auf deren Seite als Bestätigung der eigenen Fähigkeiten sieht, wenn die Agenten so gut sind, dass sie sogar ihre eigenen Systeme verlassen und Dinge tun, zu denen sie nicht angeleitet wurden. Und es ist auch kein Zufall, dass wir das erst bei Anthropic sehen und zwei Wochen später bei OpenAI dasselbe passiert. Denn im Grunde ist das eine Entwicklung, die fast schon gepusht wird, dass das jetzt passieren soll.
Die größte Gefahr besteht in völlig autonomen Agenten, die einfach selbst entscheiden, was sie tun. Das ist eine Entwicklung, die können wir uns in fast keinem Bereich leisten. Das Problem ist, wir selbst als Nutzer können das nicht steuern. Das muss entweder reguliert werden oder es muss von den Unternehmen selbst eingestellt werden. Da sehe ich im Moment im Silicon Valley noch nicht genug Druck, zu sagen, das stellen wir selbst ab. Es ist eher so, dass man die agentische Intelligenz so stark nach vorne bringen will, dass sie auch autonom funktioniert. Und das ist eine große Gefahr. Die sehe ich auch, aber die liegt leider nicht in der Hand der Nutzer.
Der Ruf nach gemeinsamen Standards für Kleinunternehmen im Umgang mit KI-Modellen wird lauter. Wie könnten solche Standards aussehen?
Wenn ich es noch mal mit dem Internet vergleichen würde: Wir haben jetzt die ersten Standards dafür gesetzt, wie Leute eine Website online stellen. Wir stehen noch ganz am Anfang. Das fühlt sich zwar so an, als würde das wahnsinnig schnell gehen, aber wir haben immer noch gar nichts gesehen.
Die Welt wird in fünf Jahren völlig anders aussehen, und es ist einfach heute nicht absehbar, was wir da eigentlich regulieren. Wir können versuchen, grundsätzliche Standards zu schaffen, so wie wir es bei Strom und Internet auch hinbekommen haben, damit zumindest die ganze Welt teilhaben kann und die Anwendung dieser Modelle auf möglichst viele Köpfe verteilt wird. Das ist aus meiner Sicht die größte Hoffnung, die wir haben.
Je mehr Leute sich beteiligen, desto mehr Leute schaffen Alternativen und finden gute Anwendungen. Die Gefahr ist, dass wir auch in diesen Bereichen wieder zu viele Monopolisten bekommen, die mit sehr wenigen Köpfen entscheiden, was die anderen machen müssen.
Wenn Maschinen immer mehr menschliche Fähigkeiten kopieren, der Mensch aber selbst zunehmend technologisch denken muss – geht dabei nicht auch ein Stück Menschsein verloren? Ist das ein Szenario?
Das ist ein Szenario. Und ich glaube auch, dass wir Menschen in den letzten 20 Jahren wahrscheinlich sehr dazu getrieben haben, sich eigentlich wie Maschinen zu benehmen. Und jetzt kommt der große Knall: Alle, die sich wie eine Maschine benehmen – vor allem in ihrer Arbeit, ihrem Erzeugnis, ihrem Wert in der Wertschöpfung –, werden durch eine Maschine ersetzt, die eben genau dasselbe kann.
Was wir im Gegenzug eigentlich brauchen, ist, dass wir als Menschen verstehen, was uns menschlich macht und was unsere Intelligenz auch völlig anders macht als die Intelligenz einer Maschine. Also unser kreatives Element, wirklich Neues zu schaffen, das Originelle zu entwickeln – das ist eine Fähigkeit, die der KI noch fehlt. Wir wissen nicht, ob sie da jemals hinkommt.
Wir sehen es zum Beispiel im Customer Service: Die ganzen Bots, die jetzt bei uns ans Telefon gehen, wissen Kunden nicht immer zu schätzen. Schafft man eine Hotelrezeption einfach ab, geht plötzlich die Loyalität der Gäste zurück, weil sie sich eigentlich das individuelle Gespräch mit der Person an der Rezeption wünschen.
Und was sehen wir daraus? Das ist eigentlich eine große Chance für uns. Nämlich dass alles, was kein Mensch für einen anderen Menschen macht, die Maschine abnimmt – und was übrig bleibt, sind eben die Fertigkeiten, für die Menschen eigentlich gemacht sind: zu interagieren, kollektiv zu denken, kollektive Intelligenz zu bauen, Ideen weiterzuentwickeln.
Deswegen haben wir ja Unternehmen, die nicht nur aus Einzelpersonen und 25 Agenten bestehen. Das ist sehr, sehr selten passiert und nur in ganz kleinen Nischen, und es kann nicht das Modell für viele Leute und viele Unternehmen werden. Das ist unrealistisch, weil wir als Menschen immer noch etwas an den Tisch bringen: Einzigartigkeit.
Wir haben einzigartige Lernerfahrungen, einzigartige Informationen über die Welt, die erst wertvoll werden, wenn wir sie mit anderen Leuten teilen, die diese Informationen nicht haben. Und das macht die Maschine nicht. Das heißt, aus Menschen das herauszuholen, was uns einzigartig und wertvoll macht – das wird die große Aufgabe der nächsten Jahre sein.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Erik Rusch.
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Die Erfolgsgeschichte hinter dem „KI-Paten“ Jensen Huang

Silicon Valley – seit jeher ein Ort, an dem die Karriere über allem steht, die Wiege vieler Erfolgsgeschichten, zumindest was Innovation betrifft. In diesen Kreisen spricht man eher über Bewertungen, Finanzierungen und das nächste Produkt, das die Welt verändern soll – nicht aber über Liebe und Familie.
In dieser Hinsicht sticht Jensen Huang, einer der „KI-Paten“ des Silicon Valley und Geschäftsführer des US-Halbleiterunternehmens NVIDIA – dem Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung – aus der breiten Masse hervor. Der gebürtige Taiwaner ist eine seltene Ausnahmeerscheinung.
Doch das ist noch nicht alles. Wenn Huang die Bühne betritt oder ein Interview gibt, ja, sogar im Gedränge auf dem Nachtmarkt in der Altstadt von Taipeh, wenn er von Leuten und Medien umringt ist, trägt er stets dieselbe schwarze Lederjacke. Sie ist längst zu seinem unbestrittenen Markenzeichen geworden, das seinesgleichen sucht. Diese Lederjacke hat er sich jedoch nicht selbst ausgesucht. Ausschlaggebend war seine Frau Lori.

Nvidia-CEO Jensen Huang (M.) spricht am 8. Juni 2026 in einem Hotel in Seoul nach einem Treffen mit Führungskräften koreanischer KI- und Robotik-Start-ups mit Reportern.

Foto: Jung Yeon-je/AFP

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Huang wurde im Jahr 1963 in Tainan geboren. In seiner Jugend schickten ihn seine Eltern in die USA, wo er eine bessere Ausbildung bekommen sollte. Nach seiner Ankunft in der Fremde besuchte er zunächst ein Internat in Kentucky – das waren harte und unangenehme Jahre. Weder sprach er die Sprache, noch kannte er die Kultur. Angehörige? Fehlanzeige. Doch der junge Mann ließ sich nicht unterkriegen.
Nach seinem Schulabschluss wurde er an der Oregon State University zum Studium der Elektrotechnik zugelassen. Um das Studium und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, jobbte er in der amerikanischen Fast-Food-Kette „Denny’s“, wo er als Tellerwäscher begann. Die Restaurantkette ist bekannt für ihre Pfannkuchen, den billigen Kaffee, das leicht gedämpfte Licht und Öffnungszeiten rund um die Uhr.
Niemand hätte gedacht, dass dieser taiwanische Jugendliche, der mit den Tabletts hantierte, eines Tages an einen Tisch derselben Restaurantkette zurückkehren würde, um auf einem Notizblock den Namen eines Unternehmens zu schreiben, das später den Kurs der gesamten Technologiebranche verändern würde.
Zu Beginn seiner Karriere war er ein 17-jähriger mittelloser Student, der mitten im Küchendunst lernte, wie man Gäste auf Englisch mit „Guten Morgen“ begrüßt.

Ein Rendezvous für Hausaufgaben

Rückblick: 1980, Oregon State University, ein Vorlesungssaal für Elektrotechnik. Huang war der jüngste Student seines Jahrgangs. Unter den insgesamt 250 Studenten gab es lediglich drei Frauen – eine seltene Spezies, um die sich die Männer damals rissen. Der 17-Jährige war nicht besonders groß. Mit seinem kindlichen Gesicht inmitten einer Gruppe erwachsener Kommilitonen wirkte er etwas fehl am Platz. Genau in jenem Hörsaal fiel ihm ein Mädchen namens Lori Mills ins Auge, 19 Jahre. Sie war eine der drei Studentinnen.

Jensen Huang, Präsident und Geschäftsführer von NVIDIA, nimmt mit seiner Frau Lori Huang an der 12. Verleihung der Breakthrough Prize Awards im Buck Hangar in Santa Monica, Kalifornien, teil.

Foto: Emma McIntyre/Getty Images

Als Huang später in einer Rede an der Hongkong-Universität für Wissenschaft und Technik von dieser Begegnung erzählte, wirkte er ganz ungezwungen und locker. Unter den Zuschauern brach sogar Gelächter aus. Warum? Huang erzählte, dass ihm klar gewesen sei, dass er rein optisch keinerlei Vorteile gehabt habe und auch sportlich nicht mit den großen, kräftigen weißen Jungs mithalten konnte. Wenn Lori also einen guten Eindruck von ihm gewinnen sollte, bliebe ihm nur ein einziger Weg: Er müsse intelligent wirken. Also ging er auf sie zu, fasste sich ein Herz und gab seinen sorgfältig durchdachten Anmachspruch zum Besten: „Willst du meine Hausaufgaben sehen?“
Das Mädchen war verblüfft. Daraufhin schlug der junge Student ihr einen Deal vor: Wenn Lori jeden Sonntag mit ihm die Hausaufgaben machen würde, würde er garantieren, dass sie in den Tests immer gute Noten bekäme.
Er konnte spüren, dass das Mädchen ins Wanken geriet. Dieser Anmachspruch war zwar alles andere als romantisch, sogar ein wenig lächerlich, doch Huang blieb seinem Plan treu. Er erledigte die Hausaufgaben bereits im Voraus – und wenn er sonntags mit Lori die Lösungen verglich, waren alle seine Antworten richtig, sodass er wie ein Genie wirkte. In der heutigen Sprache glich dies einer sorgfältig inszenierten „Produktpräsentation“. Er nutzte sein Wissen als größtes Verkaufsargument und verpackte es als Service, den er jeden Sonntag regelmäßig erbrachte.
Jeden Sonntag saßen die beiden beieinander und machten ihre Hausaufgaben. Im Anschluss unterhielten sie sich noch eine Weile. Und auch wenn das Gespräch vorbei war, blieben die beiden einfach weiter dort. Jensen Huang erzählte später, dass er alles darangesetzt habe, die Hausaufgaben in die Länge zu ziehen.

Ein Versprechen mit Zwanzig

Aus einer Lernpartnerschaft wurde ein Liebespaar. Huang wusste, dass die gemeinsamen Hausaufgaben am Sonntag allein nicht ausreichten. Er musste Lori eine Zukunftsperspektive bieten, die weit über den Moment hinausging. Also tat er etwas nahezu Verrücktes. Er sagte zu Lori: „Ich bin jetzt erst 20, aber ich möchte, dass du weißt: Wenn ich 30 bin, werde ich mein eigenes Unternehmen leiten.“

Jensen Huang gibt Besuchern Autogramme während seines Besuchs auf der Computex 2026 in Taipeh am 3. Juni 2026.

Foto: I-Hwa Cheng/AFP

Später gab er zu: „Ich hatte keine Ahnung, wovon ich damals sprach.“ – Aber Lori behielt diese Aussage im Hinterkopf.
Sie blieben zusammen – von der Universität bis zum Abschluss, von Oregon bis hin zu ihren jeweiligen beruflichen Laufbahnen. Lori studierte Ingenieurwesen und begann nach ihrem Abschluss, bei Hewlett-Packard im Bereich Chipdesign zu arbeiten. Sie verband persönliche Ausstrahlung mit fachlicher Kompetenz und gestaltete ihre berufliche Laufbahn eigenständig.
Warum entschied sie sich für Huang?
Nicht, weil er reich war, denn damals hatte er keinen Cent; und auch nicht, weil er berühmt war, denn damals kannte ihn noch niemand. Sie entschied sich für ihn, weil sie etwas in den Augen dieses jungen Mannes wahrnahm – eine Entschlossenheit, jene Gewissheit, dass „es zwar jetzt noch nichts gibt, es aber bestimmt kommen wird“.

Karriere und Familie

Im Jahr 1985 ließen sich die beiden trauen, nachdem sie bereits fünf Jahre ein Paar gewesen waren. Damals war Huang 22, Lori 24 Jahre alt. Nach der Hochzeit zog sich Lori nach und nach aus ihrem Berufsleben zurück und konzentrierte sich ganz auf die Familie. Das war keine leichte Entscheidung, aber sie traf sie aus freien Stücken. Ihr war klar: Dieser Mann war beruflich extrem engagiert, im Privatleben jedoch äußerst unbekümmert – er brauchte jemanden, der ihm den Rücken freihielt.
Huang hasste es, einzukaufen; er hasste es, sich Gedanken über seine Kleidung zu machen, und empfand es sogar als lästig, eine Uhr zu tragen, weil er gerne im Hier und Jetzt lebte. Nach Aussage seiner Frau empfand er nahezu jedes Kleidungsstück als unbequem oder kratzend. Daher traf sie eine äußerst pragmatische Entscheidung: Wenn es einmal ein Kleidungsstück gab, das bequem saß, kaufte sie gleich mehrere davon, um sich zukünftigen Ärger zu ersparen.
Seitdem hängt in seinem Kleiderschrank eine ganze Reihe identischer schwarzer Oberteile, ordentlich aufgereiht wie eine Uniform.
Später kam noch jene schwarze Lederjacke hinzu. Jedes Mal, wenn er die Bühne betritt oder ein Interview gibt, trägt er sie. Im Laufe von über zwanzig Jahren ist diese Lederjacke zu einem der weltweit bekanntesten Markenzeichen des Unternehmers geworden.

Huangs Frau Lori (2. v. l. in gelber Jacke) und seine Tochter (3. v. l.) beim Besuch der Taipei Computer Show 2024.

Foto: NTDTV

„Ich bin froh, dass meine Frau und meine Tochter mich einkleiden“, so Huang. Seine Worte wirken weder widerwillig noch ironisch, sondern vermitteln vor allem Dankbarkeit für die Unterstützung, die er im Alltag erfährt.
Der berühmten Lederjacke hat er einen Namen gegeben: „Die Rache der Nerds.“ Denn Ingenieure sollten eigentlich nicht so cool aussehen.

Der Morgen der Erfüllung

Am 5. April 1993 sitzt Huang in einem „Denny’s Fast Food“-Restaurant im Osten von San José, Kalifornien, mit zwei befreundeten Ingenieuren an einem Tisch. Er schreibt den Namen des Unternehmens auf einen Zettel. 600 US-Dollar hat er zusammengekratzt, um den Anwalt zu bezahlen. Mit der Registrierung legte Huang den Grundstein für das Unternehmen NVIDIA und übernahm sogleich den Posten des Geschäftsführers.
Die ersten Jahre bei NVIDIA verliefen alles andere als reibungslos. Das Unternehmen stand mehrmals kurz vor dem Bankrott. Huang gab offen zu, dass er selbst als externer Investor wahrscheinlich kein Geld in das Unternehmen gesteckt hätte. Der Weg vom mittellosen Studenten hin zum späteren, gefragtesten Technologieführer im Silicon Valley dauerte ganze zehn Jahre.
In jenen Jahren widmete er fast seine gesamte Energie dem Unternehmen, wobei Lori ihm den Rücken freihielt und alle Aufgaben in Familie und Haushalt auf sich nahm.

Im Hier und Jetzt

Jensen und Lori Huang haben zwei Kinder, den Sohn Spencer und die Tochter Madison. Die Familie hat gemeinsam die schwierigsten Zeiten des Unternehmens durchgestanden. Als das Unternehmen schließlich Geschichte schrieb, entschieden sich auch die Kinder, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und sein Lebenswerk fortzuführen. Spencer ist Senior Produktmanager im Bereich Robotiksimulation und Madison ist Marketingdirektorin. In dem Familienunternehmen sind sowohl der Zusammenhalt als auch die gemeinsamen Überzeugungen tief verwurzelt.

Spencer (3. v. l.) und Madison (4. v. l.) Huang bei einem Besuch der Computex Taipei 2024.

Foto: NTDTV

Madison kümmert sich um das äußere Erscheinungsbild ihres Vaters, so wie sich ihre Mutter Lori einst um seine Kleidung gekümmert hat.
Im Jahr 2007 gründeten Jensen und Lori Huang gemeinsam eine Stiftung, die sich für wohltätige Zwecke in den Bereichen Medizin, Wissenschaft und Bildung einsetzt. Dieses Projekt liegt dem Paar sehr am Herzen – es ist kein Nebenschauplatz der Karriere des Mannes, sondern eine bewusst getroffene Entscheidung beider. Die Stiftung arbeitet seit vielen Jahren im Hintergrund und unterstützt Forschungsprojekte an zahlreichen Universitäten an der Westküste.
Blickt man zurück auf jene Erklärung, die Huang mit 20 Jahren abgab – „Wenn ich 30 bin, werde ich mein eigenes Unternehmen leiten“ –, so hat er sein Versprechen tatsächlich gehalten.
In den vergangenen 46 Jahren gab es keine Skandale, keine Turbulenzen, nur eine schwarze Lederjacke, deren Schnitt seit 40 Jahren unverändert geblieben ist, sowie eine Frau, die ihn von den Vorlesungssälen der Universität bis heute begleitet hat.
 
Dieser Artikel erschien zuerst in der chinesischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Was wir lernen müssen, um nicht durch KI ersetzt zu werden


In Kürze:

  • Menschen entscheiden emotional, kontextabhängig und individuell.
  • Maschinen arbeiten mit Mustern und Wahrscheinlichkeiten.
  • Die Vielfalt menschlicher Perspektiven ist ein Vorteil.
  • Standardisierte KI führt oft zu Mittelmaß in kreativen Bereichen.

 
„Sei kein Roboter, denn wer sich wie ein Roboter verhält, wird von Robotern ersetzt werden.“ Mit dieser Aussage regte Christoph Burkhardt*, Unternehmer und Gründer aus dem Silicon Valley, zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Zukunft von Mensch und Maschine an.
Wie kann Technologie sinnvoll eingesetzt werden in einer Welt, in der „Intelligenz“ zunehmend zur Massenware wird? Und welche menschlichen Fähigkeiten behalten ihren Wert, wenn Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen?

Macht KI uns schlechter?

Diese Fragen beschäftigten rund 40 Mitglieder und Gäste des Berlin Capital Club am 21. April. Die Veranstaltung war Teil der KI-Lounge des privaten Businessclubs, in dem sich regelmäßig Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zum fachlichen Austausch treffen. Vertreten waren unterschiedliche Branchen – von Unternehmens- und Politikberatung über Softwareentwicklung bis hin zu Pharma, Logistik, Marketing und der Lebensmittelindustrie.

V. l. n. r.: Helge Sych, Club-Lounge-Leitung, Christoph Burkhardt, Experte für KI und digitale Innovation, David Kefer, Club-Lounge-Leitung, und Alexander Klostermann, Executive Director IAC.

Foto: Sebastian Oberacker/MSO.BERLIN/ALL.TIME.MVIE

Künstliche Intelligenz ist längst in allen diesen Branchen angekommen und entwickelt sich rasant. Demgegenüber stehen die vergleichsweise langsamen Anpassungs- und Lernprozesse des Menschen. Hierin sieht Christoph Burkhardt ein Paradoxon: „Während sich die Technologie jedes Jahr schneller entwickelt als im Jahr zuvor, entwickeln wir Menschen uns offenbar immer langsamer.“
Seine kritische Beobachtung lautet: „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir nicht nur selbst Probleme erzeugen, sondern in Kombination mit der KI auch noch schlechter darin werden, sie zu lösen.“ Doch es muss nicht so sein. Entscheidend ist, zu verstehen, wo der besondere Wert des Menschen liegt und wie Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann.

Der Wert des Menschen

KI-Systeme basieren auf Mustererkennung, statistischen Modellen und probabilistischen Vorhersagen. Aus großen Datenmengen leiten sie Wahrscheinlichkeiten ab und verbessern sich durch kontinuierliche Feedbackschleifen. Dabei „lernt“ KI nicht im menschlichen Sinn, sondern optimiert auf Grundlage von Korrelationen und erkannten Mustern.
Der Mensch hingegen verarbeitet deutlich weniger Informationen, trifft Entscheidungen jedoch auf Basis von Wissen, Erfahrung, Emotionen, Kontext und individuellem Erleben. So kann dieselbe Person auf eine Frage oder Situation am Morgen anders reagieren als am Abend.
Genau darin sieht Burkhardt einen zentralen Unterschied – und zugleich eine Stärke: Menschen verfügen nicht über ein einheitliches Weltmodell, sondern über vielfältige Perspektiven, Prägungen und Denkweisen. Diese Vielfalt ist kein Nachteil, sondern eine Voraussetzung für Kreativität und gesellschaftliche Entwicklung.

Schmeichelnde KI und die Folgen

In der realen Nutzung von KI zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Viele Menschen gehen davon aus, dass Maschinen verlässliches Wissen liefern und damit helfen, eigene Wissenslücken zu schließen. Tatsächlich erzeugen sie jedoch probabilistische Antworten, also Ergebnisse, die auf Wahrscheinlichkeiten basieren. Diese können Entscheidungen der Nutzer subtil beeinflussen, ohne dass im Nachhinein immer klar nachvollziehbar ist, wie eine bestimmte Schlussfolgerung zustande gekommen ist.
Eine im März in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie zeigt zudem, dass KI-Chatbots dazu neigen, Nutzer zu bestätigen und zu bestärken – auch bei unethischem oder problematischem Verhalten. Untersucht wurden elf führende KI-Systeme. Die Forscher stellten dabei ein verbreitetes Muster fest, die sogenannte Sycophantie: Modelle reagieren häufig übermäßig zustimmend und affirmativ. Besonders problematisch ist, dass Nutzer schmeichelnde KI-Antworten oft bevorzugen und diesen ein höheres Maß an Vertrauen entgegenbringen. Dadurch entsteht für Entwickler ein Anreiz, solche Tendenzen trotz der Risiken nicht zu stark zu reduzieren, so das Fazit der Studie.

Ungewünschte KI-Effekte

Auch in der Geschäftswelt wird KI häufig so eingesetzt, dass unbeabsichtigte und teils unerwünschte Effekte entstehen. Eine besonders erfolgreiche Marketingkampagne lebt davon, sich klar von anderen abzuheben. Wird jedoch ein standardisiertes KI-Modell zur Entwicklung von Kampagnen genutzt, entsteht oft vor allem Austauschbarkeit und Mittelmaß.
Die Folge: Inhalte werden zwar schneller und in größerer Menge produziert, doch auf Social-Media-Plattformen konkurrieren diese Masseninhalte zunehmend um die begrenzte Aufmerksamkeit der Nutzer. Dadurch steigen die Kosten für Sichtbarkeit, während einzelne Inhalte seltener wahrgenommen werden.
Hinzu kommt der Vertrauensfaktor. „Es ist sehr schwierig, Vertrauen aufzubauen, aber sehr einfach, es zu verlieren“, sagte Burkhardt. Technologie kann dieses Vertrauen sehr schnell beeinträchtigen. Wenn menschliche Interaktion etwa im Kundenservice durch Maschinen ersetzt wird, entstehen zwar Effizienzgewinne, gleichzeitig aber auch mögliche Vertrauensverluste und eine schlechtere Nutzererfahrung.

Christoph Burkhardt.

Foto: Sebastian Oberacker/MSO.BERLIN/ALL.TIME.MVIE

Ein Blick in die nahe Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft sagte Burkhardt, alles, was automatisiert werden kann, werde früher oder später auch automatisiert. Dadurch werde jede menschliche Interaktion an Bedeutung gewinnen. Unternehmen, die es schaffen, echte menschliche Beziehungen zu ihren Kunden zu gestalten, könnten sich klar vom Wettbewerb abheben.
Wer langfristig nicht durch Technologie ersetzt werden wolle, dürfe daher nicht „wie ein Roboter“ funktionieren. Konkret bedeute das aus Burkhardts Sicht zunächst, eigene Muster zu erkennen und gezielt weiterzuentwickeln – also vor allem „an sich selbst zu arbeiten“. Der Wert des Menschen liege in Erfahrung, Fachwissen und der individuellen Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen. Genau diese Einzigartigkeit sei von Maschinen nicht reproduzierbar.
Lange Zeit habe gegolten: Wer sich gut anpasst und möglichst „normal“ funktioniert, ist am erfolgreichsten. Dieses Denken stamme jedoch aus einer Zeit, in der Unternehmen wie Maschinen organisiert wurden. Heute seien diejenigen erfolgreich, die neue Perspektiven einbringen, anders denken und bestehende Muster hinterfragen.
Gleichzeitig verändere sich die Arbeitswelt rasant. Wissen müsse kontinuierlich aktualisiert und erweitert werden. Routinetätigkeiten würden zunehmend automatisiert, während komplexe, unsichere und verantwortungsvolle Entscheidungen beim Menschen verblieben. Das bedeute jedoch nicht weniger Arbeit. „Wir werden uns nach einer Welt zurücksehnen, in der wir nur zwei Stunden Excel machen mussten“, sagte Burkhardt.
Entscheidend wird sein, eine individuelle Strategie zu entwickeln, um mit der Technologie zu arbeiten – eine, die genau zur eigenen Person passt, statt sie aus Angst abzulehnen oder unreflektiert zu nutzen.
 
*Christoph Burkhardt ist ein Unternehmer aus dem Silicon Valley und zählt zu den prägenden Stimmen im Bereich Künstliche Intelligenz und Innovation. 2020 wurde er unter die Top 100 europäischen Redner gewählt, 2021 folgte die Auszeichnung als einer der 50 besten CEOs im Gesundheitswesen. Seit 2022 berät er internationale Innovatoren und Start-ups und gründete 2023 das AI Impact Institute.