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Pekings Spaltungsstrategie im Handelsstreit zwischen Kanada und den USA


In Kürze:

  • Peking befeuert Handelsstreit zwischen den USA und Kanada mit Spaltungsstrategien.
  • Die Schwächung Nordamerikas ist das Ziel chinesischer Bemühungen.
  • China sieht US-Handelspolitik zum Wohl der Vereinigten Staaten als Bedrohung an.
  • Propaganda und Desinformation sind am Werk.
  • Asien-Analyst für internationale Politik rät Kanada zur Vorsicht.

 
China nutze die Handelsspannungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten strategisch aus, um Zwietracht zwischen den beiden Ländern zu säen. Das Ziel des kommunistischen Staates sei die Spaltung Nordamerikas. Dies sagte ein Experte für Asien und chinesisch-amerikanische Beziehungen.
Laut Professor Stephen R. Nagy vom Institut für Politik und Internationale Studien der International Christian University in Tokio sei diese Idee nicht neu. Der in der kanadischen Provinz Alberta geborene Analyst verweist auf eine Einschätzung des kanadischen Geheimdienstes vom Juli 2021. Darin hieß es, dass China Kanada als „vorrangiges“ Ziel für ausländische Einmischung betrachte.

Kanada im Visier Pekings

Nun warnt Nagy, dass sich Ottawa in den kommenden Wochen auf eine gezielte Kampagne chinesischer „kognitiver Kriegsführung“ vorbereiten müsse. Diese ziele darauf ab, nationale Ängste im Zusammenhang mit dem gescheiterten Handelsabkommen zwischen den USA und Kanada auszunutzen.
Chinas Plan sei „einfach“, erklärte Nagy in einem Bericht für das Macdonald-Laurier Institute, einem in Ottawa ansässigen Thinktank.
Jede Schwächung Kanadas stelle aufgrund der geografischen, institutionellen und kulturellen Nähe der beiden Nationen eine direkte Bedrohung für Washington dar, so Nagy.
„Wenn Peking – Amerikas wichtigster Sicherheitsherausforderer – genügend Einfluss ausüben kann, um die kanadische Innen- und Außenpolitik mit der der USA aus dem Gleichklang zu bringen, macht es Nordamerika effektiv verwundbar“, schrieb er. „Diese Bedrohung ist nicht rein theoretischer Natur, und der Zeitpunkt ist entscheidend.“
Die Beziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten seien nach dem gescheiterten Handelsabkommen in einen Zustand erhöhter Verwundbarkeit geraten, und Peking tue alles in seiner Macht Stehende, um diesen Zustand aufrechtzuerhalten, so Nagy.

Ein Hauptziel ist die US-Handelspolitik

Eines der Hauptziele Pekings sei es, US-Präsident Donald Trumps Bestrebungen zu verhindern, die globale Produktion, Technologie und Lieferketten wieder in Nordamerika zu konzentrieren, sagte Nagy – und das bedeute, dass das Abkommen zwischen Kanada, den Vereinigten Staaten und Mexiko (CUSMA) nicht im besten Interesse des kommunistischen Regimes liege.
Nagy sagte jedoch, ein Abkommen liege sowohl im Interesse Kanadas als auch der Vereinigten Staaten, selbst wenn es Klauseln darüber enthalte, mit wem die Mitgliedsländer Handel treiben dürfen.
„Es ist völlig logisch, dass die USA versuchen würden, Kanada daran zu hindern, Freihandelsabkommen mit einem strategischen Konkurrenten zu unterzeichnen“, schrieb er. „Klauseln, ähnlich denen im [CUSMA], die den USA ein Veto gegen Handelsabkommen mit Nicht-Marktwirtschaften einräumen, spiegeln die notwendige geoökonomische Architektur der Moderne wider.“
Kanadischer Premierminister Mark Carney, Vorsitzender der Liberalen Partei Kanadas, erklärte am 22. August, einer der Gründe, warum er sich von dem von Washington vorgeschlagenen Handelsabkommen distanziert habe, sei, dass die US-Seite Kanadas internationale Handelsabkommen einschränken wolle.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer widersprach Carneys Darstellung und erklärte am 26. August in einem Interview mit CBC News, Washington wolle lediglich verhindern, dass beispielsweise ein Drittland Stahl nach Kanada zu Dumpingpreisen exportiere und diese Produkte dann in die Vereinigten Staaten weitergeleitet würden, falls Kanada einen Präferenzzollsatz genieße.

Chinas vier Spaltungsstrategien

Peking nutze die anhaltende Handelsblockade zwischen den beiden Ländern aus, um eine „Spaltpolitik“ zu betreiben, mit der Absicht, die nordamerikanische Einheit zu untergraben, sagte Nagy.
Im Allgemeinen gebe es vier Arten von Spaltungsstrategien, erklärte er.
Realignment (Umorientierung) sei der Prozess, ein Zielobjekt dazu zu verleiten, sich auf die Seite eines Gegners zu schlagen.
Dealignment (Entkopplung) ziele darauf ab, ein Zielobjekt in eine neutrale Haltung zu bewegen.
Disalignment (Auseinanderdriften) ziele darauf ab, die Einheit eines Bündnisses zu schwächen, ohne dessen vollständigen Zusammenbruch herbeizuführen.
Prealignment (Vorab-Ausrichtung) diene dazu, die Bildung einer Koalition gänzlich zu verhindern.
„Auch wenn diese Konzepte akademisch anmuten mögen, spielen sie in der kanadischen Politikgestaltung eine aktive Rolle“, sagte Nagy. „In Zeiten verschärfter Spannungen zwischen Kanada und den USA hat Peking Ottawa geschickt mit dem Versprechen einer ‚strategischen Partnerschaft‘ angelockt – eine Realignment-Taktik wie aus dem Lehrbuch.“

Geht Carney in Pekings Falle?

Kanadas Premier Carney verwendete den Begriff „strategische Partnerschaft“ während seines Besuchs in Peking im Januar und erklärte, dies verschaffe Kanada eine gute Position für die „neue Weltordnung“. Einige Tage später kritisierte Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos indirekt die Politik Washingtons. Er ermutigte „Mittelmächte“ dazu, sich gegen „Großmächte“ zusammenzuschließen, womit er offenbar die Vereinigten Staaten und China meinte. Trump kritisierte Carney am nächsten Tag wegen dieser Rede und zog seine Einladung an ihn zurück, dem von ihm neu gegründeten „Board of Peace“ beizutreten.
Kanadas Premierminister Mark Carney hält am 20. Januar 2026 während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos eine Rede. Tage zuvor war Carney zu einem Staatstreffen bei Xi Jinping in Peking. Foto: Fabrice COFFRINI / AFP via Getty Images

Kanadas Premierminister Mark Carney hält am 20. Januar 2026 während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos eine Rede. Tage zuvor war Carney zu einem Staatstreffen bei Xi Jinping in Peking.

Foto: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images

Nagy fügte hinzu, dass die Zurückhaltung Kanadas, diplomatische oder materielle Unterstützung für amerikanische Militäraktionen im Nahen Osten zu leisten – insbesondere in der Straße von Hormus –, ein klares Beispiel für Dealignment und Disalignment darstelle.
Nagy wies zudem auf Kanadas verzögerte Reaktion auf ausländische Einmischung sowie auf die niedrigen Verteidigungsausgaben hin. Diese Faktoren spielten Pekings Prealignment-Zielen in die Hände, indem sie die nationale Sicherheit Kanadas schwächen und das Land von seinem engsten Verbündeten entfremden.
„Indem Ottawa unsere militärischen und nachrichtendienstlichen Fähigkeiten vernachlässigt, versäumt es, ein glaubwürdiger Verteidigungspartner zu sein, und verhindert so die Entstehung einer stärkeren nordamerikanischen Sicherheitskoalition“, schrieb der Professor.

Propaganda und Desinformation

Laut Nagy sind Desinformation, Propaganda und auf die Diaspora ausgerichtete Narrative Chinas bevorzugte Mittel zur Umsetzung seiner Spaltungsstrategien. Diese stellen legitime Kritik an der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) als rassistische Diskriminierung dar, um die Loyalität der chinesischen Diaspora gegenüber Kanada zu schwächen.
Zu den weiteren Spaltungstaktiken der KPCh gehören die Darstellung Pekings als zuverlässige Handelsalternative zu den Vereinigten Staaten und die Verhinderung westlicher Absprachen in Bezug auf Zölle.
Ein Beispiel hierfür sei: Als Ottawa 2024 eine ähnliche Strategie wie Frankreich verfolgte, indem es Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge verhängte, reagierte Peking mit eigenen Zöllen auf kanadischen Raps und Schweinefleisch, so Nagy. Als Carney 2026 die Abgabe auf Elektrofahrzeuge zurücknahm, lockerte Peking daraufhin den Druck im Agrarbereich.
US-Präsident Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney bei der Verleihungszeremonie für das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Spanien und Argentinien im New York/New Jersey Stadium in East Rutherford am 19. Juli 2026. Foto: Odd ANDERSEN / AFP via Getty Images

US-Präsident Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney bei der Verleihungszeremonie für das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Spanien und Argentinien im New York/New Jersey Stadium in East Rutherford am 19. Juli 2026.

Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images

Empfehlungen

Laut Nagy will Peking, dass sich die Kanadier auf grenzüberschreitende Streitigkeiten und die „konfrontative Politik“ des Weißen Hauses konzentrieren, um von Kanadas tatsächlichen strategischen Kerninteressen abzulenken.
„Wenn wir den parteipolitischen Lärm beiseite lassen, ist die strukturelle Realität unbestreitbar“, sagte Nagy. „Kanadier und Amerikaner […] leben, arbeiten und regieren sich auf grundlegend ähnliche Weise. Unsere politischen Entscheidungen müssen diese Realität widerspiegeln, und wir dürfen uns nicht durch ausländische Einmischung vom Gegenteil überzeugen lassen.“
Nagy schlägt vor, dass Kanada und die Vereinigten Staaten ihre Rhetorik mäßigen und sich darauf konzentrieren sollten, Handelsstreitigkeiten hinter verschlossenen Türen beizulegen, um zu verhindern, dass Peking öffentliche Meinungsverschiedenheiten für Desinformation nutzt.
Er empfahl außerdem, dass Kanada im Falle eines zunehmenden amerikanischen Protektionismus eine Diversifizierung des Handels durch „Friend-Shoring“ mit Demokratien im indopazifischen Raum wie Japan und Südkorea anstreben sollte, anstatt sich China zuzuwenden.
Zu den weiteren von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen gehören eine bessere Finanzierung des kanadischen Militärs sowie eine stärkere Fokussierung auf die Verteidigung des eigenen Luftraums und der arktischen Gebiete, um ausländischen Einfluss zu verhindern.
Ein Wachmann bewacht am 5. März 2024 den Eingang zur Großen Halle des Volkes in Peking. Wang Zhao / AFP via Getty Images

Ein Wachmann bewacht am 5. März 2024 den Eingang zur Großen Halle des Volkes in Peking. Wang Zhao/AFP via Getty Images

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „China Is Turning the Canada–US Trade Dispute Into a Strategy to Divide North America, Asia Scholar Says“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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„Dollar für Dollar“: Kanada setzt Gegenzölle im Wert von 20 Milliarden US-Dollar gegen Washington in Kraft


In Kürze:

  • Kanada hat am 8. September neue Gegenzölle auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar in Kraft gesetzt.
  • US-Präsident Donald Trump droht bereits mit weiteren Zöllen auf kanadische Autos, Autoteile und Stahl ab 2027.
  • Besonders brisant sind die engen Lieferketten zwischen den USA und Kanada.

 
Im Zollkonflikt zwischen Kanada und den USA droht eine weitere Eskalation. Am Dienstag, 8. September, sind um Mitternacht die von Kanada angekündigten Vergeltungszölle auf US-Waren in Kraft getreten. Sie betreffen Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar oder 27,6 Milliarden kanadischen Dollar. Je nach Warengruppe handelt es sich um Zölle von 15, 25 oder 50 Prozent.
Die Regierung in Ottawa spricht von „Dollar für Dollar“-Maßnahmen. Sie sollen eine unmittelbare Gegenreaktion auf jüngst verkündete US-Zölle darstellen. Betroffen von den kanadischen Zöllen sind Stahl und Aluminium, Holz, Papier, Haushaltsgeräte, Möbel, Textilien, Landmaschinen und bestimmte Elektronikprodukte. Ursprünglich hatte man auch einige Meeresfrüchte in die Liste aufgenommen. Diese hat Kanada aber wieder aus der Liste entfernt.

Handelsgespräche zwischen USA und Kanada gescheitert

Am 21. August waren Handelsgespräche zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarstaaten gescheitert. US-Präsident Donald Trump hatte daraufhin ab 22. August zusätzliche Zölle auf kanadische Waren im Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar verhängt. Das Weiße Haus begründete die Maßnahmen mit einer aus seiner Sicht diskriminierenden Behandlung von US-Produkten in Kanada.
Die USA nehmen dem Nachbarn vor allem Beschränkungen bei Alkohol und Milchprodukten übel. Mehrere kanadische Provinzen hatten im Vorfeld den Verkauf alkoholischer Produkte aus den USA eingeschränkt oder verboten. Zudem schützt Kanada seine eigene Milchwirtschaft durch Quoten und hohe Zölle.
Die USA kritisieren auch kanadische Regelungen, die sich ungünstig auf die Marktposition der US-Autoindustrie auswirkten. Washington hat seinerseits bereits seit längerem Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus Kanada verhängt. Die letzte Regelung in diesem Bereich datiert auf April 2026.

Zollstreit reicht ins Jahr 2025 zurück

Der nunmehrige Handelskonflikt reicht bereits ins Jahr 2025 zurück. Bereits kurz nach Amtsantritt der Regierung Trump hatten die USA umfangreiche Sonderzölle gegenüber Kanada verhängt. Begründet wurde dies unter anderem mit dem Vorwurf einer unzureichenden Eindämmung der Einfuhr von Fentanyl in die Vereinigten Staaten.
Kanada berief einen Sonderbeauftragten zur Bekämpfung des Fentanylschmuggels. Gleichzeitig kündigte die Regierung in Ottawa Vergeltungszölle im Umfang von rund 155 Milliarden kanadischen Dollar an. Einen Teil der Maßnahmen nahmen die Regierungen in weiterer Folge wieder zurück oder passten diese an. Zusätzlich zu verhängten und teils wieder zurückgenommenen Zöllen kam es auch zu Streitigkeiten im Rahmen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA/CUSMA.
Für 2027 hatte Trump nun Zölle von 50 Prozent auf kanadische Fahrzeuge, Autoteile und Stahl in Aussicht gestellt. Dieser Schritt gilt für beide Seiten als potenziell besonders unangenehm. Immerhin bestehen seit Jahrzehnten grenzüberschreitende Lieferketten. Bis ein Auto beim Händler steht, kann es im Laufe der Produktion mehrfach zwischen Kanada, den USA und Mexiko pendeln. Hohe Zölle könnten entsprechend die Produktionskosten erhöhen, die Lieferketten verteuern, Investitionen abwandern lassen und am Ende die Autopreise auf beiden Seiten der Grenze nach oben treiben.

Alkoholprodukte aus den USA in mehreren Provinzen Restriktionen unterworfen

Kanada zielt mit seinen Vergeltungsmaßnahmen teilweise gezielt auf Branchen und Regionen, die politisch Gewicht haben. Dazu zählen die US-Stahlindustrie, die Landwirtschaft, Milchprodukte, die Holzindustrie, Konsumgüter und Alkohol. Dies soll den US-Produzenten signalisieren, dass Handelskonflikte auch Unternehmen aus den USA selbst treffen.
In acht von zehn kanadischen Provinzen gelten Einschränkungen oder Verbote des Verkaufs von US-Alkoholprodukten. Saskatchewan erhebt eine 50-prozentige Sonderabgabe. Angaben des Distilled Spirits Council zufolge sind die US-Exporte von Spirituosen nach Kanada gegenüber dem Vorjahr um mehr als 70 Prozent eingebrochen. Premierminister Mark Carney rief zusätzlich eine „Buy Canadian“-Politik aus.
Mittlerweile ist der Zollstreit teilweise eines politischen Machtkampfs geworden. Carney verwies auf deutliche Erfolge seiner Liberalen Partei in drei Nachwahlen am 31. August – und interpretierte diese als Bestätigung seiner Linie in der Zollpolitik. Donald Trump wiederum äußerte am 3. September auf Truth Social, Kanada werde durch seine Position im Handelskonflikt erhebliche Nachteile erleiden.

Kanada geht aufgrund verflochtener Lieferketten Risiko ein

Am Montag drohte Trump dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier mit einem Exportverbot in die USA, sollte das Unternehmen nicht wie zuvor angedeutet dort auch eine Produktion aufnehmen. Ein solcher Schritt käme einer möglichen nächsten Eskalationsstufe gleich.
Die neuen kanadischen Gegenzölle betreffen etwa 6 Prozent der US-Exporte nach Kanada. Im vergangenen Jahr summierten sich diese auf einen Gesamtwert von rund 333,6 Milliarden US-Dollar. Die Forschungsabteilung der Royal Bank of Canada, RBC Economics, schätzt, dass die kanadischen Gegenzölle einzelne Unternehmen und Branchen in den USA erheblich treffen könnten. Sie reichten jedoch nicht aus, um das gesamte US-Wirtschaftswachstum wesentlich zu beeinträchtigen. Kanada müsse aufgrund der wechselseitigen Verflechtungen auch potenzielle Auswirkungen auf die eigene Wirtschaft bedenken.
In vielen Bereichen bilden beide Länder einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. Nicht nur in der Autoindustrie überschreiten die Lieferketten häufig mehrfach die Grenzen. Auch in Sektoren wie Energie, Stahl, Holz, Landwirtschaft, Maschinenbau und Konsumgütern können Zölle auf jeder Stufe der Lieferkette wirken.

Freihandelsabkommen bleibt trotz Zollkonflikt in Kraft

Das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA/CUSMA ist trotz der Eskalationen im Handelskonflikt weiterhin in Kraft. Beide Seiten stützen ihre zusätzlichen Maßnahmen auf unterschiedliche nationale Rechtsgrundlagen. Parallel laufen im Rahmen des Abkommens Streitbeilegungsverfahren mit dem Ziel, den Konflikt und dessen Folgen zu entschärfen.
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Kanada und Deutschland bauen Energie- und Rüstungsallianz aus


In Kürze:

  • Deutschland und Kanada haben eine Absichtserklärung für langfristige LNGLieferungen unterzeichnet.
  • Die verstaatlichte Sefe soll ab den frühen 2030erJahren jährlich bis zu 1 Million Tonnen LNG aus Kanada beziehen.
  • Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius warb in Kanada zugleich für deutsche U-Boote.
  • Hintergrund der Gespräche sind NATOAufrüstung und Energiesicherheit und eine stärkere Diversifizierung der Energieversorgung.

 
Bei seinem Besuch in Kanada hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am Mittwoch, 27. Mai, Gespräche mit dem kanadischen Verteidigungsminister David McGuinty sowie Premierminister Mark Carney geführt. Zu den Gesprächsthemen gehörten Fragen der kollektiven Sicherheit, Rüstungskooperationen, die Unterstützung der Ukraine und der bevorstehende NATO-Gipfel.
Zudem haben Deutschland und Kanada eine Absichtserklärung über einen künftigen Bezug von verflüssigtem Erdgas (LNG) über einen 20-Jahres-Vertrag unterzeichnet.
Die 2022 von Deutschland verstaatlichte Gazprom-Tochter Sefe soll demnach über das geplante Exportterminal Ksi Lisims an der Nordwestküste Kanadas jährlich bis zu 1 Million Tonnen LNG beziehen.
Deutschland beabsichtigt, unter dem Eindruck multipler Krisen in den vergangenen Jahren, die erhebliche Preissteigerungen verursacht hatten, seine Energieversorgung zu diversifizieren.

Beginn der LNG-Einfuhr ab 2030er-Jahren

Die USA blieben ungeachtet des 20-Jahres-Vertrages der bedeutsamste Lieferant für verflüssigtes Erdgas. Rund 96 Prozent der LNG-Lieferungen stammen von dort, Katar liefert den zweitgrößten Anteil.
Seit dem Ukrainekrieg steht das Land vor der Herausforderung, wegfallende russische Lieferungen auszugleichen.
Der Bundesnetzagentur zufolge hat Deutschland im Vorjahr rund 1.031 Terawattstunden (TWh) Gas importiert – aus Pipelines oder als LNG auf dem Seeweg.
Derzeit fördert Deutschland weniger als 4 Prozent seines Erdgases selbst.
Die Einfuhr kanadischen LNG durch Sefe könnte in den frühen 2030er-Jahren beginnen.

Deutscher U-Boot-Bauer hofft nach Norwegen-Auftrag auf Folgegeschäft

Neben der Energieversorgung war auch die Aufrüstung ein Thema beim Besuch von Pistorius. Es war bereits der zweite Besuch des Ministers in Kanada innerhalb von sieben Monaten.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte im Mai das Land besucht, um Möglichkeiten einer stärkeren Kooperation in mehreren Wirtschaftsbereichen zu erörtern. Sowohl in Deutschland als auch in Kanada ist der Unmut in den politischen Führungsetagen über US-Präsident Donald Trump groß. Dieser hatte die Verbündeten mehrfach unmissverständlich dazu aufgefordert, mehr Eigenverantwortung im Bereich der Verteidigungspolitik zu übernehmen.
Das deutsche Rüstungsunternehmen TKMS hat sich nach einem erfolgreichen Geschäft mit Norwegen erhofft, für sein neues U-Boot vom Typ 212 CD auch in Kanada Abnehmer zu finden. Immerhin steht auch dieses Land vor der Herausforderung, seine U-Boot-Flotte erneuern zu müssen, um die NATO-Vorgaben zu erfüllen.
Anfang Juli wird in Istanbul der diesjährige NATO-Gipfel stattfinden. Kanada hinkt dem 5-Prozent-Ziel des Bündnisses weit hinterher.
Der Ankauf von zwölf neuen U-Booten, deren Gesamtkaufpreis bereits im Vorfeld auf etwa 37 Milliarden Euro geschätzt worden war, würde da einen bedeutsamen Schritt markieren. Am Rande eines Besuchs der kanadischen Rüstungs- und Sicherheitskonferenz CANSEC hat Pistorius die Vorzüge des deutschen Modells gewürdigt.

Noch keine Entscheidung über U-Boote für Kanada – Konkurrenz aus Südkorea

Norwegens Verteidigungsminister Tore Sandvik hat zusammen mit Pistorius in Kanada die Werbetrommel für das deutsche Produkt gerührt.
Dabei hat er auch eine stärkere Abstimmung der Waffensysteme der NATO-Partner aufeinander angemahnt: „Waffen müssen kompatibel sein unter Partnerländern, wir müssen die gleichen Waffensysteme kaufen.“
Allerdings hat auch ein Anbieter aus Südkorea U-Boot-Lieferungen angeboten – und dabei Vorteile beim Lieferzeitpunkt und möglicherweise auch beim Preis in Aussicht gestellt.