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EZB stemmt sich mit höheren Zinsen gegen Inflationsschub

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr auf den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs. Die Notenbank hebt den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an.
Das entschied der EZB-Rat, der ausnahmsweise nicht am Sitz der Zentralbank in Frankfurt, sondern in Berlin tagte. Einmal im Jahr wird das Treffen des EZB‑Rats von einer nationalen Zentralbank ausgerichtet, in diesem Jahr ist die Deutsche Bundesbank Gastgeber.
„Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben“, erklärte die Notenbank. Der Ausblick sei „nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet“, wobei eine höhere Inflation und weniger Wirtschaftswachstum drohe.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer können profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben.
Zugleich jedoch sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen – von Privathaushalten bis Unternehmen. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abwürgen.

Iran-Krieg heizt Inflation an

Wichtigstes Ziel der Notenbank ist es, die Inflation im Zaum zu halten und für einen stabilen Euro zu sorgen. Der seit Ende Februar schwelende Krieg zwischen den USA und dem Iran hat die Teuerung kräftig nach oben getrieben.
Im August waren die Verbraucherpreise im Euroraum nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat 3,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2023 und liegt weit über dem Ziel der EZB, die mittelfristig Preisstabilität bei 2,0 Prozent Inflation für die Eurozone anpeilt.
Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen. Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten.
In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland hatten hohe Energiepreise die Inflation im August auf 2,9 Prozent getrieben. Auch andere große Euroländer wie Frankreich und Spanien meldeten erhöhte Teuerungsraten.

Sparzinsen gestiegen

Von höheren Zinsen profitieren Sparer: Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox sind die Tagesgeldzinsen für Neukunden gestiegen, bei befristeten Angeboten sind in der Spitze mehr als vier Prozent drin (Stand 8. September).
Die durchschnittlichen Festgeldzinsen stiegen demnach bei bundesweit verfügbaren Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit deutlich auf 2,55 Prozent.
Für Immobilienkäufer und Bauherren sind steigende Kapitalmarktzinsen dagegen von Nachteil, auch wenn sich die Bauzinsen nicht direkt am Leitzins orientieren. Nach einer Analyse des Geldratgebers Finanztip sind die Effektivzinsen für Immobilienkredite mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,2 Prozent geklettert. Das sei der höchste Stand seit Ende 2023.

Teure Energie könnte auch andere Preise treiben

Der Druck auf die EZB lässt vorerst nicht nach. Zuletzt flammte der Iran-Konflikt wieder auf. Weil die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus seit Monaten faktisch blockiert ist, sind die Rohölpreise deutlich gestiegen.
Autofahrer spüren das an den Tankstellen, Hausbesitzer bei den Heizölpreisen. Auch die Gaspreise zogen an. Da Europa unter dem Strich Energie importiert, schlagen die hohen Preise unmittelbar auf die Teuerung durch.
Je länger die Energiepreise hoch bleiben, umso größer das Risiko, dass auch andere Preise steigen, weil zum Beispiel Transport und Kühlung von Lebensmitteln teurer werden.
Dazu kommen die Folgen von Hitze und Trockenheit, die die Ernte schmälern oder, wie das Niedrigwasser am Rhein, Lieferungen verteuern. Zudem fürchtet die EZB Zweitrundeneffekte: Steigen Löhne als Reaktion auf hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.

Hebt die EZB die Leitzinsen weiter an?

Im Juni hatte die EZB angesichts eines Inflationsschubs infolge des Iran-Kriegs erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Die Notenbank will eine erneute Preiswelle im Euroraum unbedingt verhindern. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 stand sie in der Kritik, den damaligen Preisanstieg in der Energiekrise lange unterschätzt zu haben.
Die Inflation im Euroraum schnellte bis auf mehr als zehn Prozent hoch. Da die Inflation zuletzt wieder deutlich angezogen hat, halten Volkswirte weitere Zinserhöhungen der EZB in diesem Jahr für möglich. (dpa/red)
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Tankrabatt: Verbraucherschützer gegen Verlängerung, CDU und SPD uneins


In Kürze:

  • Kontroverse Diskussionen um eine Verlängerung des Tankrabatts.
  • Die Verbraucherzentrale hält den Tankrabatt für ineffizient und teuer.
  • ADAC: Spritpreise müssten niedriger sein.
  • Ifo: Vollständiger Rabatt bei Diesel immer noch nicht weitergegeben.

 
Deutschlands oberste Verbraucherschützer haben sich deutlich gegen eine Verlängerung des Tankrabatts ausgesprochen. Dieser sei „teuer, ineffizient und anfällig für Mitnahme-Effekte“, sagte die Chefin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (VZBV), Ramona Pop, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagsausgaben). „Eine Verlängerung lehnen wir deshalb klar ab.“

Verbraucherzentrale sieht Vorteile für Ölkonzerne

Der Tankrabatt habe die Erwartungen „wenig überraschend verfehlt“, sagte Pop. Ein erheblicher Teil der durch die Regierungsmaßnahme erhofften Entlastung sei zunächst nicht bei den Verbrauchern angekommen, sondern in den Kassen der Mineralölkonzerne versickert. „Erst unter massivem öffentlichem Druck sind die Preise an den Zapfsäulen gesunken.“
Die als Tankrabatt bekannte Senkung der Steuern auf Diesel und Benzin hatte die Regierung Anfang Mai eingeführt, um die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Benzinpreise abzufedern. Der Tankrabatt beträgt rund 17 Cent je Liter.
Zurückhaltend äußerte sich die Union zu einer möglichen Verlängerung der Steuersenkung. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht den Staat in diesem Zusammenhang „irgendwann an der Grenze seiner Möglichkeiten“. Unionsfraktionsvize Sepp Müller sieht das ebenso: „Dauerhafte Subventionen kann der Staat nicht leisten“, sagte Müller den Funke-Zeitungen. Der „Steuereuro“ müsse gezielt eingesetzt werden.
„Hält die Blockade der Straße von Hormus an, werden wir über zielgerichtete Maßnahmen sprechen“, fuhr der Politiker fort, der gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Armand Zorn die Taskforce im Bundestag zu den Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Preise in Deutschland leitet.
Im Fokus stünden dann aber „gezielte Hilfen“ für Mittelstand, Logistik und Pendler. Wie diese aussehen könnten, führte Müller nicht aus.
Der brandenburgische Regierungschef Dietmar Woidke plädiert hingegen für eine Fortsetzung des Tankrabatts. Im Gespräch mit WELT TV betonte der SPD-Politiker, dass Beschäftigte finanziell entlastet werden müssten. Dazu gehöre auch, die Kosten für Kraftstoffe bezahlbar zu halten.

ADAC: Zeitverzögerte Weitergabe des Rabatts

Kritik äußerte Woidke erneut an den Mineralölkonzernen. Die Senkung der Abgaben auf Kraftstoffe sei anfangs nur eingeschränkt bei den Verbrauchern angekommen. Er sieht darin einen Beleg dafür, dass eine strengere Kontrolle der Branche notwendig sei. Die Preisentwicklung müsse weiterhin genauer beobachtet werden.
Der ADAC merkte an, dass die Preise für Diesel und Benzin angesichts der staatlichen Subventionierung niedriger sein müssten. Demnach geben die Ölkonzerne den Tankrabatt nicht vollständig an die Verbraucher weiter, betonte der ADAC und lieferte Zahlen. So habe das Barrel Brent-Öl vor einer Woche noch etwa 111 US-Dollar gekostet, sei mittlerweile aber deutlich unter 100 US-Dollar gefallen.
Erneut zeige sich, dass sinkende Einkaufskosten bei Mineralölunternehmen nur verzögert an die Endkunden weitergegeben werden, während steigende Rohölpreise sich in der Regel deutlich schneller auf den Tankstellenpreis auswirkten.
Der Euro-US-Dollar-Kurs hat sich im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert. Da Rohöl international in US-Dollar gehandelt wird, verbessert ein starker Euro grundsätzlich die Einkaufsbedingungen. Angesichts der zuletzt starken Schwankungen am Ölmarkt spielt der Wechselkurs derzeit jedoch nur eine untergeordnete Rolle bei der Preisentwicklung.
Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) zeigt anhand eines Tankrabatt-Trackers anschaulich, wie schleppend der Verlauf bei der Weitergabe der Subvention verläuft. So ist anhand der Verlaufskurve des Trackers deutlich zu sehen, dass die Konzerne den Rabatt für Super (E5) erstmals um den 10. Mai voll weitergegeben haben. Der Nachlass für E10 kam erst in dieser Woche vollständig zum Tragen, beim Diesel ist er noch nicht vollständig weitergegeben.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)